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Wênden

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
23 in 19 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Wênden

Bd. 4, Sp. 1486
Wênden, verb. irregul. & regul. folglich sowohl Imperf. wandte als wendete, Particip. gewandt als gewendet. Es ist: I. Ein Activum, und bedeutet, die horizontale Richtung eines Dinges ändern, besonders, wenn es durch Bewegung um einen gewissen Punct geschiehet. 1. Überhaupt und eigentlich. Den Wagen wenden, seine horizontale Richtung verändern. das Schiff wenden. Die Augen auf etwas wenden, sie von etwas wenden. Ingleichen als ein Reciprocum. Der Wind hat sich gewandt oder gewendet, hat seine Richtung verändert. Das Glück hat sich gewendet, verändert, begünstiget nunmehr einen andern. Der Elephant kann sich nicht wenden, ohne einen großen Umfang zu nehmen. Sich zu jemand wenden, eigentlich, seinen Körper gerade auf ihn zu richten, wenn man ihn z. B. anredet. Das Blatt wendet sich, figürlich, die Sache gewinnet eine andere Gestalt. Gott wende es zum Besten! er gebe der Sache einen guten Ausgang. 2. In einigen engern und figürlichen Bedeutungen. (1) Für umwenden, nur in einigen Fällen. Das Getreide wenden, es umstechen. Den Braten wenden, ihn am Spieße umdrehen. (2) * Für abwenden; im Hochdeutschen veraltet. Ein Unglück wenden, abwenden. Gott wende es! verhüte es. Des Reichs Schaden wenden, in den Oberdeutschen Kanzelleyen. Wende Schaden und Verdruß, Canitz. (3) Ein Kleid wenden, die inwendige Seite des Oberzeuges auswärts bringen. Handschuhe, welche sich wenden lassen. (4) Den Rücken wenden, sich entfernen, gemeiniglich nur von kleinen Entfernungen. Kaum wandte ich den Rücken, so ging der Streit an. (5) Sein Gemüth auf etwas wenden, richten. Sein Herz zu jemand wenden, seine Neigung auf ihn richten. Sein Herz hat sich von mir gewandt, er ist mir abgeneigt geworden. (6) Sich an jemand wenden, etwas von ihm verlangen. Sich mit seiner Klage an den Richter, mit einer Bitte an seinen Freund wenden. (7) Eine Unterredung wenden, die Gegenstände derselben unvermerkt bestimmen. Sie hatte völlige Freyheit, die Unterredung so zu wenden, wie es ihr am besten gefiel. (8) Mit dem Nebenbegriffe der fortgesetzten Bewegung. Sich zur Rechten, zur Linken wenden, seine Richtung ändern, und rechts oder links gehen. Er weiß nicht, wohin er sich wenden soll, wohin er seinen Weg nehmen soll. (9) Fleiß auf etwas wenden, es zum Gegenstande seines Fleißes machen. Seine Zeit, seine Kräfte auf eine Sache wenden. Viel Geld auf etwas wenden. Er will nichts darauf wenden. Ist aber der Gegenstand des Aufwandes eine Person, so bekommt sie die Präposition an. Viel Geld an jemand wenden. Ich habe viel an dich gewandt, viel Geld. (10) Den Acker wenden, ein Feld wenden, in der Landwirthschaft, einen Acker zum zweyten Mahle pflügen, vermuthlich, weil alsdann die Oberfläche eigentlich umgewandt wird; zum Unterschiede von dem Brachen oder Stürzen, dem ersten Pflügen, und von dem Rühren, dem dritten Pflügen. In einigen Provinzen wird dieses zweyte Pflügen die Wendefahre, oder Wendefahrt genannt. (11) In Franken hat das Wort wenden noch eine andere Bedeutung, nähmlich einen Weinberg anlegen; vermuthlich auch, weil der Boden vorher umgewandt oder bearbeitet wird. Am Rheine heißt solches anrotten. Endlich (12) wird noch das Mittelwort gewandt in einer besondern Bedeutung gebraucht, indem es so viel ist, als erfahren, fähig, sich in alle Fälle[] zu schicken, eigentlich, fähig, sich nach Maßgebung der Umstände zu wenden. Ein gewandter Mann, ein erfahrner, geschickter Mann. Es heißt, ich läg im Sode Und wäre nicht gewandt, Günth. Die in der Heilungskunst gewandt, Sind andrer Meinung als Purgant, Haged. II. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, welche ganze Form doch im Hochdeutschen wenig mehr üblich ist. 1. Für das Activum und Reciprocum wenden und sich wenden. Mit dem Schiffe, mit dem Wagen wenden, das Schiff, den Wagen wenden. Wenn ein Schiff gegen die Fahrtlinie des andern wendet, sich wendet. Ein Acker, wo die Pferde wenden, im Pflügen sich umdrehen, müssen, S. Wendelgerte. 2. * Sich endigen; im Hochdeutschen ganz veraltet. Hier wendet meines Herren Gebieth. Daher das Wenden und die Wendung, S. das letzte an seinem Orte besonders. Anm. Schon im Isidor und bey allen alten Schriftstellern wendan, wentan, im Niederdeutschen wennen, bey dem Ulphilas wandja, im Schwed. vända. Winden ist genau damit verwandt. Die irreguläre Conjugation ist in diesem Worte, wie in allen übrigen ähnlichen Fällen, die älteste; die reguläre ist neuer. Ich habe in meiner Sprachlehre hin und wieder bemerket, daß die Hochdeutsche Mundart seit langer Zeit die irregulären Formen zu verdrängen, und dafür die regulären einzuführen sucht. Eben daselbst habe ich gezeigt, daß dasselbe nicht anders, als nach und nach, und nach einem gewissen dunkeln Gefühle geschehen kann; daher denn beyde Formen eine gewisse Zeit gleich üblich sind. Wenden ist eins von diesen Wörtern, welche sich unvermerkt der regulären Conjugation nähern; doch zur Zeit nur noch am häufigsten in der ersten allgemeinen und eigentlichen Bedeutung, dagegen in manchen engern und figürlichen, besonders in der 12ten, die irreguläre Form nur allein üblich ist: ein gewandter Mann, nicht ein gewendeter.
5086 Zeichen · 82 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wendenswv., part. adj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    wenden swv. BMZ wanden : handen Glaub. 1467. prät. wante, wande ( md. auch md. wente ), part. gewant, seltener gewendet.…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wendenKonj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    wenden , Konj. nhd. woher E.: Herkunft ungeklärt? R.: van wenden: nhd. von woher L.: Lü 571b (wenden)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wênden

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Wênden , verb. irregul. & regul. folglich sowohl Imperf. wandte als wendete, Particip. gewandt als gewendet. Es ist: I. …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wenden

    Goethe-Wörterbuch

    wenden [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wenden

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Wenden , Gesammtname der slavischen Stämme (Obotriten, Wilzen, Uckern, Heveller, Rhetarier, Lusitzer und Sorben), welche…

  6. modern
    Dialekt
    wënden

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    wënde n [wantə Steinb. Su. Bf. Ndhsn. Betschd. ; wæntə Str. ; waə Mittl. K. Z. Kindw. Zinsw. ; wánə Bisch. ; wáinlə Hin…

  7. Sprichwörter
    Wenden

    Wander (Sprichwörter)

    Wenden 1. Dat möt 'n wendet werden, sede de Fruw to den Aal, dar trecket se em de Hud (Haut) ab. – Globus, VIII. 2. Er w…

  8. Spezial
    wenden

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    wen|den I vb.tr. 1 oje (oj, ôt), rodé (roda) 2 (umkehren) dé ota II vb.refl. sich wenden se oje , se rodé. ▬ sich wenden…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wenden

90 Bildungen · 13 Erstglied · 69 Zweitglied · 8 Ableitungen

Zerlegung von wenden 2 Komponenten

wen+den

wenden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wenden‑ als Erstglied (13 von 13)

wendenhoike

KöblerMnd

wenden·hoike

wendenhoike , M. nhd. den Mantel nach dem Winde Drehender, wetterwendischer Mensch E.: s. wenden (1), hoike L.: Lü 571b (wende[n]hoike)

wenden II

RhWB

wenden II das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk węnə, Part. gəwęnt, –a- (s. die südl. Grenze zwischen -ę-/-a- bei kennen, rennen); Mosfrk -ę·n.-…

Wendenkönig

MeckWB

wenden·koenig

Wendenkönig Wennen- m. König der Wenden, in Sagen: hier ist den Wennenkönig sin Graff Pa Sporn ; der alte Wendenkönig Wanzka oder Wanze soll…

wendenmacher

DWB

wenden·macher

wendenmacher , m. , ' alte handwerker, die von jeher in Nürnberg und Augsburg ihren hauptsitz hatten ... wendenmacher, wie sie schon im vier…

Wendenpfennige

Meyers

Wendenpfennige , zur Zeit der sächsischen Kaiser Otto I. und Otto II und weiter bis ins 11. Jahrh. geprägte Silbermünzen, die vermutlich dem…

Wendenschimpf

Wander

wenden·schimpf

Wendenschimpf Ein Wendenschimpf (?). »So waren doch Leute, die gern mit diesem Wendenschimpf umgingen.« ( Simplic., 295. )

wende(n)-, (wendel-) hoike, heike

LW

wende(n)-, (wendel-) hoike, -heike, sw. m. der den Mantel nach dem Winde dreht, ein (bes. in der Politik) wetterwendischer Mensch, vertitoga…

wenden als Zweitglied (30 von 69)

plōchwenden?

KöblerMnd

*plōchwenden? , sw. V. nhd. Pflug wenden? Hw.: s. plōchwenden (2), plōchwendinge E.: s. plōch, wenden (1)

roggenwenden

KöblerMnd

*roggenwenden , sw. V. nhd. „Roggen wenden“, Roggen umstechen Hw.: s. roggenwendære E.: s. rogge (1), wenden (1)

swenden

KöblerMnd

*swenden , sw. V. nhd. „schwenden”, hinbringen vertreiben, verschwenden Vw.: s. ver-, vör- Hw.: vgl. mhd. swenden (1) E.: s. ahd. swenten* 6…

wechwenden

KöblerMnd

*wechwenden , sw. V. nhd. Weg versperren Hw.: s. wechwendinge E.: s. wech (1), wenden

überswenden

KöblerMhd

*überswenden , V. nhd. „überborden“ E.: s. über (1), swenden W.: nhd. DW-

ōverwenden

KöblerMnd

*ōverwenden , sw. V. nhd. umwenden, mit dem Pflug wenden Hw.: s. ōverwendinge E.: s. ōver (4), wenden (1)

ȫverswenden

KöblerMnd

*ȫverswenden , sw. V. nhd. verschwenden?, sehr groß sein (V.)? Hw.: s. ȫverswendich E.: s. ȫver (1), swenden W.: vgl. überschwenden, sw. V.,…

abe wenden

MWB

abe wenden swV. 1 tr. ‘jmdn. von etw. abbringen; etw. von sich tun’ 2 refl. ‘sich abwenden’    1 tr. ‘jmdn. von etw. abbringen; etw. von sic…

abewenden

KöblerMhd

abe·wenden

abewenden , sw. V. nhd. abwenden, abbringen Hw.: vgl. mnl. afwenden, mnd. afwenden Q.: EckhII (vor 1326), JvFrst1, Cranc (FB abe wenden), Eh…

abschwenden

DWB

abschwenden , delere, verwüsten, ausrotten. den wald abschwenden, abbrennen, ahd. den walt suendan ( Graff 6 , 886); den acker abschwenden, …

abwenden

DWB

abwenden , avertere, depellere. sinnlich, gleichviel mit abkehren, wie wenden mit kehren, umwenden mit umkehren: haupt, augen, blick, gesich…

afwenden

MNWB

afwenden , swv. , abwenden, abstellen, entschädigen; c. Ap. jem. zur Umkehr veranlassen , zum Verzicht bewegen; refl. sich abwenden , entsag…

ane wenden

MWB

ane wenden swV. 1 mit Akk.d.P. ‘jmdn. angreifen; über jmdn. kommen’ 2 mit Akk.d.S. ‘etw. gebrauchen, zum eigenen Nutzen verwenden’ 3 mit Akk…

anwenden

DWB

anwenden , advertere, invertere, applicare, nnl. aanwenden, ursprünglich an einen oder etwas wenden, wie mhd. noch fast überall steht: sît d…

aufwenden

DWB

auf·wenden

aufwenden , erogare, impendere: mühe, fleisz, kosten aufwenden; er wendet viel, alles auf; was ich mit meiner mühe und schweisz werde können…

auswenden

DWB

aus·wenden

auswenden , adhibere, erogare: was aber werhaftiger stücke, sollen verwart und also fürder nach ermessunge der zehen vorsteher für die armen…

bewenden

DWB

bewen·den

bewenden , convertere, anwenden, verwenden, goth. bivandjan, ahd. piwentan ( Graff 1, 758. 759 ), mhd. bewenden. 1 1) wie neben dem part. be…

bîwenden

MNWB

bîwenden , swv. , hîr wendede it bî hierbei ließ man es bewenden, blieb es.

bīwenden

KöblerMnd

bīwenden , sw. V. nhd. belassen (V.) E.: s. bī, wenden (1) R.: hīr wendede it bī: nhd. hierbei ließ man es bewenden, hierbei blieb es L.: Mn…

einwenden

DWB

ein·wenden

einwenden , schw. invända, dän. indvende. 1 1) die im wort liegende sinnliche bedeutung introrsum vertere begegnet nicht, nnl. steht dafür i…

entwenden

DWB

ent·wenden

entwenden , avertere, devertere, nnl. ontwenden. 1 1) bloszes wenden, abwenden, wegwenden: itzund hat Delia die beiden silberpferde gleich s…

enwenden

KöblerMhd

enwenden , sw. V. nhd. vernichten Q.: EbvErf (um 1220) E.: s. en, swenden (1) W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 567 (enswenden)

erwenden

DWB

erwenden , avertere, erwinden, zurückgehen, aufhören machen, goth. usvandjan, ahd. irwentan, irwendan, praet. irwanta, ags. âvendan, mhd. er…

gewenden

DWB

gewen·den

gewenden , verb. , verstärktes wenden, s. d. in der älteren sprache und schon vorher bei Ulfilas beliebt und reich entwickelt, ist das zusam…

hantwenden

KöblerMhd

hant·wenden

hantwenden , st. N. nhd. „Handwenden“ Q.: Ack (nach 1400) E.: s. hant (1), wenden W.: nhd. DW- L.: LexerN 3, 228 (hantwenden)

heimwenden

KöblerMhd

heim·wenden

heimwenden , sw. V. nhd. „heimwenden“ Q.: Anno (1077-1081) (FB heim wenden) E.: s. heim, wenden W.: nhd. DW-

hinwenden

DWB

hin·wenden

hinwenden , verb. hinwärts wenden; transitiv: wende deinen blick hin; und suchte, fabelgöttern gleich, mein oheim, zum niedern kreis verstoh…

innewenden

Lexer

inne·wenden

inne-wenden adv. inwendig. hinden, vor, innwenden (: senden) Uw. 132 ;

Ableitungen von wenden (8 von 8)

bewenden

DWB

bewenden , convertere, anwenden, verwenden, goth. bivandjan, ahd. piwentan ( Graff 1, 758. 759 ), mhd. bewenden. 1 1) wie neben dem part. be…

entwenden

DWB

entwenden , avertere, devertere, nnl. ontwenden. 1 1) bloszes wenden, abwenden, wegwenden: itzund hat Delia die beiden silberpferde gleich s…

erwenden

DWB

erwenden , avertere, erwinden, zurückgehen, aufhören machen, goth. usvandjan, ahd. irwentan, irwendan, praet. irwanta, ags. âvendan, mhd. er…

gewenden

DWB

gewenden , verb. , verstärktes wenden, s. d. in der älteren sprache und schon vorher bei Ulfilas beliebt und reich entwickelt, ist das zusam…

Mißwenden

Campe

✱ Mißwenden , v. intrs . u. rec . unregelm. ( s. Wenden ), Mittelw. d. verg. Z. mißgewendet oder mißgewandt , ehemahls auch mißwandt , unric…

unwendenlich

DWB

unwendenlich , adv., unwandelbar Fischer schwäb. wb. 6, 275 . —

verwenden

DWB

verwenden , v. : ahd. gl. 1, 693, 33; mhd. wb. 3, 694; Lexer ; in älteren hd. wbb. gewöhnlich, z. b. Haltaus 1913 ; Diefenbach gloss. 319 c …

wendene

KöblerMnd

wendene , Konj. Vw.: s. wenden (2)