wendung,
f. ,
seit dem frühen nhd. bezeugte ableitung von wenden (
s. dort),
die in anschlusz an verschiedene bedeutungen des verbs aufkommt und sinnverwandte prägungen des älteren dt. (
vgl.wende,
kehr, kehrung)
zurückgedrängt hat. im übrigen germ. entsprechen bildungen mit -ing:
ae.-me. wending;
mnd.-mndl. wendinge,
ndl. wending;
an. vending (
in umvending),
dän. vending,
schwed. vändning;
ebenso in einigen modernen dt. mundarten: wenning Mi
Mecklenburg 106; Heinzerling-Reuter
Siegerl. 318; wending (
neben wendung) Martin-Lienhart
elsäss. 2, 836; wendig Hunziker
Aargau 292. 11)
vorgangsbezeichnung. 1@aa)
zu wenden A (
insbes. 1
u. 2). 1@a@aα)
von der richtung- oder lageverändernden eigenbewegung verschiedenartiger wesenheiten (
vgl. frühnhd. sonnenwendung
teil 10, 1, 1702; Diefenbach
nov. gl. 343
a s. v. solstitium): wann alle schiff zu haus waren, so waren sie (
die vitalienbrüder) erst in der wendung (
in der phase des wendens, d. h. auf dem höhe- und wendepunkt ihrer unternehmung, vgl. auch die livl. redensart in der wendung seyn '
sich sehr thAetig beweisen' Hupel [1795] 262;
allg. dt. bibl. 69 [1786] 577) Hans Regkman
lübeck. chron. (1619) 64; denn sol ein pferdt tchtig, mit guter verfassung, in die wendung kommen, so musz es sich, in dem die schenckel zur wendung gesetzet werden, mit halsz und kopff dahin wenden G. v. Danup
beschr. e. wolabgerichten pferdes (1624) 11; die verschiedene bewegung, wendung und drehung des erdbodens Schwabe
belust. (1741) 3, 206; (
die italienische sprache) ist ungemein biegsam, jeder wendung eines poetischen gedankens zu folgen J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 222; weh dem volke! das die launen eines menschen spAehet, wie der schiffer nach des windes wendung forscht! Stolberg
ges. w. (1820) 5, 20; man sieht den Tiberstrom mit mannichfaltigen wendungen die ebne durchflieszen Göthe I 48, 125
W.; empfinden, mit welcher ... weichheit ... die inversionen der italiänischen sprache sich der kunst anbieten, der bewegung, dem ausdruck, den wendungen des gesangs
ebda. I 45, 116; die handlung bewegt sich in leichten wendungen fort A. W. Schlegel in:
Athenäum 1, 1, 173; eine plötzliche wendung des fuszpfades, den sie Iddo durch den Röckabusch geführt hatte, stellte die freunde ... dicht vor seine wehre hin Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 2, 551; während sie sich mit halber wendung von ihm ab und dem fenster zu kehrte Fontane
ges. w. (1905) I 6, 319; dann begann der tanz mit schritten vor und zurück, mit vielen wendungen und noch mehr verbeugungen Renn
adel i. untergang (1947) 126.
als feste verbindung erscheint eine wendung (wendungen) machen, ausführen, (vor)nehmen
u. dgl.: auf instrumenten ganz andere sprnge, lAeuffe und wendungen vorgenommen werden, als in den engen schrancken der lufft-rOehre Mattheson
vollk. capellm. (1739) 206; die hAesin ... gehet nicht so schnell, noch so gerade aus, sondern machet allerhand wunderliche wendungen vor den hunden Heppe
lehrprinz (1751) 105; sie hatten kaum einige wendungen (
im tanze) gemacht, als ... Göthe I 22, 4
W.; Knebel läszt sie (
anrede) ... ersuchen, heut sich nicht nach Belvedere zu versprechen, und wenn sie's gethan haben, eine wendung zu nehmen und sich loszusagen
ebda. IV 4, 199; auch habe ich mich, mit gutem bedacht, aller erzählung der schiff-manövres enthalten und nicht zu bestimmen gewagt, ... wie viel wendungen wir machten J. G. Forster
s. schr. (1843) 1, 7; jetzt machte die strasze eine wendung O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 149; den rank finden ... ist ein proverbialer ausdruck, der bedeutet, mit einem fuhrwerk gut um eine schwierige ecke herum gelangen, eine kritische wendung ausführen (8. 5. 1886) G. Keller
leben, br. u. tageb. 3 (1916) 509
Erm.; Unrat machte eine scharfe wendung H. Mann
d. blaue engel (1950) 76;
früh militärischer fachsprache geläufig: tour wendung
nennt man in der kriegs-übung, wenn stehende reihen und glieder entweder seit- oder hinterwärts ihre fronte verändern Fäsch
kriegslex. (1726) 251; die schild-wachten machen ... lincks um kehrt front, und bringen in der wendung die lincke hand an die kolbe (
des gewehres)
reglement vor d. kgl. preusz. cavallerieregimenter (1743) 5, 108; 1. rechts (links) um! 2. marsch! ausführung. nr. 1. jeder mann in den drei gliedern macht die durch das commando bezeichnete wendung
exerzirreglement (
Berlin 1812) 35; halbe wendung heisst in Deutschland der wechsel der frontstellung um
einen rechten winkel Alten
hdb. f. heer u. flotte (1909) 4, 563; da gab es stellungen, gewehrgriffe, wendungen Renn
adel i. untergang (1947) 99;
bildlich, für ein wendiges, winkelzügiges vorgehen: dasz er die gewaltsamsten drehungen und wendungen machen muszte, um seinen Aristoteles mit sich durch zu bringen Lessing 10, 116
L.-M.; wollen sie (
anrede) mir auch ohne wendung, ohne winkelzug, antworten?
ebda. 2, 204; in dieser kirchengeschichte also werden die wege und wendungen erzählt, welche die geistlichkeit ... angewendet hat, zu ihren ämtern und pfründen zu kommen Rabener
s. schr. 4 (1777) 124; den schlausten wendungen der staatskunst nur gelang es, bis auf diesen tag, dir den bösart'gen gast entfernt zu halten H. v. Kleist
w. 2, 331
E. Schmidt; ganz unmerklich, mit leisen, geschickten wendungen ... paddelt er (
Fouché) durch einen sumpf von bestechungen zu den royalisten hinüber und verhandelt die ihm anvertraute regierung an die Bourbonen St. Zweig
Fouché (1954) 203. 1@a@bβ)
objektbezogen. vor allem an wenden A 2 a
anschlieszend: wendung des bugs (
als pferdekrankheit u. a. genannt, wohl '
verrenkung des vorderfuszes',
s. auch unter flag
teil 3, 1709, verbugen
teil 12, 1, 180
sowie bei J. Hung
d. pferdearzneibuch d. Johann von Groenrodt, diss. Berlin 1933, 190
u. H. Faustmann
d. pferdeheilkunst d. J. B. Kersting, diss. Berlin 1935, 112)
M. Sebiz
feldbau (1579) 952; der esel, schreibt Jonstonus, ist ein arcadischer astrologus, der mit wendung seiner ohren knfftiges ungewitter weisz zu propheceyen Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 79; wendung des wagens
versura Stieler
stammb. (1691) 2500; wendung des spisses
voltamento di spiedo Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1318
b; ein versuch ..., den gegner zum übereilten wurfe oder zu irgend einer unvorsichtigen wendung des schildes zu locken Fouqué
zauberring (1812) 1, 127; mit lächelndem gesicht und munterer wendung des kopfes macht das kammerkätzchen seinen eiligen knix H. Wölfflin
d. klass. kunst (1901) 14; eine wendung des am schaft befindlichen hebels klappt die (
gewehr-)rohre nach oben auf Riesenthal
jagdlex. (1920) 223;
die genitivische objektbezeichnung fehlt zuweilen: damit man durch eine sachte wendung (
des prismas) das phänomen hervorbringen ... könne Göthe II 2, 121
W.; hier sonderlich kann ein aufmerksames auge entdeken, mit was für meisterhafter wendung und fertiger zuversicht das eisen (
des bildhauers) geführet worden Winckelmann
s. w. (1825) 5, 27; sie wendete nur einmal den kopf nach ihm, und in dieser wendung lag die zuversicht Holtei
erz. schr. (1861) 1, 5; wendung ... (
eines schiffes)
fr. virement, revirement, engl. tacking, veering Beil
technol. wb. (1853) 1, 654; wendung über steuer
stern-board; virement, vent devant en culant Hoyer-Kreuter
techn. wb. (1902) 1, 844;
vereinzelt auch im anschlusz an wenden A 3 a: der boden wird geackert,
d. h. durch ... lockerung, wendung und krümelung zur fortschreitenden zersetzung ... seiner organischen massentheilchen ... gezwungen Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 5, 282;
insbesondere für die geburtshilfliche drehung des kindes im mutterleib (
versio foetūs):
kömmt das kind in einer widernatürlichen lage ... so zieht man das kind bey den füszen heraus, so dasz der kopf zuletzt kömmt, und dieses wird die wendung
versio, genannt Hübner (1776) 744; wendung, die (
frz. version [auf den kopf
version occipitale ou céphalique — auf die füsse
version pédale ou pelvienne ...] ...)
ist eine geburtshilfliche operation, durch welche die lage des kindes in eine für die geburt desselben günstigere umgeändert wird Villaret
hdwb. d. ges. medizin (1891) 2, 953
a; die wendung tritt überall da als mit zu erwägender eingriff auf, wo eine spontane geburt infolge einer komplikation (querlage, verschleppte querlage, placenta praevia) nicht möglich ist Hellmut Wex
d. gefahren der wendung f. mutter u. kind, diss. Freiburg 1917, 5. 1@bb)
zu wenden B (1
bzw. 2),
den mannigfaltigen anwendungsmöglichkeiten des verbums folgend: des windes wendung nach einem andern ort zeiget baldigen regen oder schnee an
allg. haushaltungslex. (1749) 3, 738; der Orinoco gehört zu den sonderbaren strömen, die nach mannichfaltigen wendungen gegen westen und osten zuletzt dergestalt zurücklaufen, dasz sich ihre mündung fast in einem meridian mit ihren quellen befindet A. v. Humboldt
ansichten (1808) 1, 296; während dieser gespräche hatten sie, mit einer wendung einwärts in den forst, eine gröszere strecke zurückgelegt Mörike
ges. schr. (1905) 3, 79; die gegenseitige anziehung der stoffe würde die mythologie, ebenso wie sie die wendung der blume nach der sonne erklärt, auf eine geistige sehnsucht zurückgeführt ... haben Lotze
mikrokosmus (1856) 1, 17; ... wo bei wendung um die kante bereits der volle ausblick gegen westen ... sich eröffnet H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 361;
zuweilen in verbalen fügungen wie eine wendung nach einer bestimmten richtung machen, nehmen: (
pferde) hätten die wendung genommen ins hofthor
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 5, 207; darauf machten sie (
die ordonnanzen) alle eine wendung nach links und gingen hinaus Renn
adel i. untergang (1947) 36;
abstrakter: Altheim wuszte indessen allen wendungen Renatchens zu einem förmlichen heirathsversprechen ... auszuweichen Lenz
ges. schr. (1828) 3, 156; gänzliche wendung des geistes zu gott Zimmermann
einsamkeit (1784) 2, 131; bey allem diesem ist mir wunderlich vorgekommen, dasz Cellini auch nicht die mindeste wendung nach der kupferstecherkunst genommen (15. 9. 1809) Göthe IV 21, 66
W.; die wendung Friedrich Wilhelms IV. gegen den zug dieser zeit war daher verhängniszvoll Ruge
briefw. u. tagebuchbll. (1886) 2, 51
Nerrlich; hierdurch wurde meine wendung zum deutschtum endgültig entschieden Chamberlain
lebenswege (1919) 58; die neue wendung zum wesentlichen, allgemeinen, psychologisch und grundsätzlich gültigen gibt auch der weltgeschichte neuen antrieb Valentin
weltgesch. (1950) 7;
vereinzelt mit beiwörtlicher richtungsangabe: auch gebilde, welche die mittelaltrige wendung der romantischen kunst wiederspiegeln, werden ihre verdienste haben Hegel
w. (1832) 10, 2, 235. 1@cc)
zu wenden C 1
bzw. 2. 1@c@aα) '(
ändernde)
fügung, gestaltung'
u. dgl., in mannigfaltiger anwendung (
vgl. 1wende 2): wasz es mit dem gewesenen cardinal Klöszel für ein vnuorsehene wendung gewonnen, dauon werden e.
f. g. ohne zweifel von Wien ausz albereits nachricht haben (1618)
acta publica 1, 173
Palm; auf den gefährlichen fall, dasz etwa in zukunft durch eine widrige wendung diesz miszionsreich entdekt oder gar gestürzt würde, machte man zwey mittel ausfindig v. Einem
Mosheims vollst. kirchengesch. 7 (1776) 201; der norddeutsche bund ist gegründet worden, und der letzte conrector ist ein mit der weltgeschichtlichen wendung vollständig einverstandenes glied des norddeutschen bundes W. Raabe
Horacker (1876) 7; ob sie ... in der stellung der hauptcharaktere zu einander eine wendung hervorbrachte Gu Freytag
ges. w. 14 (1887) 90; als in seiner äuszeren lage eine wendung eintrat (1877-78) Seidel
vorstadtgesch. (1929) 1, 31; dem kaiser machte man nur vage andeutungen, ... dasz eine grosze und glückliche wendung in nächster zukunft bevorstehe Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 191;
häufig mit genitivischer bestimmungsergänzung und damit in einigen fällen früh zur komposition gefügt (
vgl.gemüts-, glücks-, religions-
und wetterwendung
bei Stieler
stammb. [1691] 2500
und Kramer 2 [1702] 1318
b): andre zeiten erfordern andre sitten, andre umstände, andre bestimmungen und wendungen unsers verhaltens Wieland
Agathon 2 (1767) 189; ich war also eine herrnhutische schwester auf meine eigene hand und hatte diese neue wendung meines gemüths und meiner neigungen besonders vor dem oberhofprediger zu verbergen Göthe I 22, 322
W.; die unglückliche wendung des kriegs Niebuhr
röm. gesch. 3 (
21843) 213; diese unglückliche wendung seines charakters war indessen das werk mehrerer jahre A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 292
Schücking; eine wendung der archäologie Justi
Winckelmann (1866) 1, 416; eine radikale wendung der witterungsverhältnisse H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 216; seitdem mit der vorlage des Zedlitz'schen schulgesetzes in Preuszen eine überraschende wendung der inneren politik erfolgt war Bennigsen
nationallib. partei (1892) 163; die frage, ob und wie eine bessere wendung der verfahrenen verhältnisse herbeizuführen sei, bereitete ihr schlaflose nächte
qu. a. d. j. 1927;
als besonders geläufig erscheinen wendung der dinge: diese unnatürliche wendung der dinge (
die entstehung der neuen republik in den Niederlanden) scheint an ein wunder zu gränzen Schiller 7, 13
G.; jenes erste traurige schicksal dieses kunstelysiums und dessen wiederherstellung durch eine abenteuerliche wendung der dinge hätte Winckelmann erleben können Göthe I 46, 49
W.; der erzbischof selbst (
Hieronymus v. Salzburg), der recht gut wuszte, was ihm Mozart werth sei, war gewisz mit dieser wendung der dinge (
Mozarts kündigung) unzufrieden O. Jahn
Mozart (1856) 2, 35; die Oesterreicher werden die Holsteiner fürs erste nicht wieder los. dennoch halte ich die wendung der dinge dort für kein unglück Moltke
ges. schr. (1892) 6, 190; er ist durchaus nicht entzückt von dieser elementaren wendung der dinge Fr. Wolf
zwei a. d. grenze (1948) 60; des geschicks, glücks
u. dgl.: so leicht ereignet sich eine wendung des glücks
so very voluble is fortune Ludwig
t.-engl. (1716) 2448; die glückliche wendung seines schicksals Klinger
w. 5 (1816) 167; es ereignete sich eine völlige wendung der geschicke Immermann
w. 5, 33
Hempel; und Robert stürmte über den gefährlichen boden (
ein vereistes pflaster), ohne zu ahnen, dasz ihm die wendung seines lebens und geschickes so nah auf den fersen war (1860-61) W. Raabe
s. w. I 5, 33
Klemm; o selige kinderzeit, in der man noch die unbefangenheit besitzt, solche wendungen seines schicksals in schlechtem englisch so lakonisch auszudrücken! E. Wiechert
wälder u. menschen (1936) 160;
und wendung des gesprächs: einsmals, durch eine besondere wendung des gesprächs, kamen wir auch auf die zauberei zu reden Göthe I 43, 184
W.; dem justizrath konnte nichts lieber kommen, als diese wendung des gesprächs (
auf seinen freund, pastor Seidentopf) Fontane
rom. u. nov. (1890) 7, 59; überrascht von dieser ungewöhnlichen wendung eines offiziellen gesprächs, stammelte Diederich: 'knote' H. Mann
untertan (1949) 39;
sowie präpositionale fügungen mit zu
oder in: das gesetz (
der Römer) nämlich machte eine ueberschreitung seines maszes nicht juristisch unmöglich, sondern es setzte nur eine strafe darauf, ... eine wendung zu gunsten des subjektiven prinzips Jhering
geist d. röm. rechts (1852) 2, 1, 158; ach das war eine grosze wendung in meinem schicksal Bettine
Brentanos frühlingskr. (1844) 47; ich muss dir doch gleich schreiben, dasz wirklich eine wendung zum bessern eingetreten zu sein scheint Moltke
ges. schr. (1892) 6, 352; eine glückliche wendung in seiner lage
qu. a. d. j. 1930; nur eine ganz kleine wendung (
abwandlung) ins altdeutsche ..., bisweilen nur die streichung einer silbe — und eine ganz andere gemütslage des angeredeten ist erreicht
V. Klemperer
l. t. i. (1949) 236;
ferner verbale verbindungen, die —
in mannigfachem bezug auftretend —
bereits zu 2
überleiten, vor allem (einer sache) eine wendung geben '
ihr eine andere richtung oder gestalt verleihen'
u. dgl. (
vgl. der sache einen kehr geben
teil 5, 402 [3 e]): (
ich würde mich) lange bedenken, wie ich dieser untersuchung eine wendung geben sollte, dasz sie keinen schädlichen einflusz haben mögte Gerstenberg
schlesw. lit. br. 130
lit. denkm.; sie werden propheten berufen ... die dem volksgeist eine wendung geben Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 268; nach der wendung, die Metellus dem numidischen krieg gegeben hatte Mommsen
röm. gesch. 2 (
61874) 157;
wobei meist die besondere art der richtungsänderung und gestaltung näher charakterisiert wird: (
die poeten) wissen nemlich ihren meisten erzählungen eine dramatische wendung zu geben Ramler
einleitg. 2 (1756) 119; Serlo gab der sache eine lustige wendung Göthe I 22, 157
W.; sieh da, nahm Freimund das wort, um dem gespräch eine völlig entgegengesetzte wendung zu geben Tieck
schr. 14 (1829) 261; vollends mislang seiner (
des königs) gemahlin jeder versuch, der französischen politik wieder eine österreichische wendung zu geben Dahlmann
franz. rev. (1845) 16; nach einigen monaten erfolgte die schlacht von Nördlingen, welche allen angelegenheiten eine andere wendung gab Ranke
s. w. 25 -26 (1874) 212; welche liebe wendung aber haben sie (
anrede) meinen persönlichen wehmütigen erinnerungen durch den anblick des kleinen kinderbildnisses gegeben (23. 9. 1908) Rilke
br. 1907 -14 (1933) 57; rundbau, den ein wappen, ein paar fenster und eine treppe beleben und dem ein bequemes ziegeldach eine wendung ins gemütliche gibt R. Huch
i. alten reich (1927) 354; dieselbe wendung läszt sich dem freiheitsargument geben Nic. Hartmann
ethik (
21935) 637;
sowie die entsprechende vorgangsbezeichnung eine wendung nehmen (
vgl. einen andern kehr nehmen
teil 5, 402 [3 d]): es war schwer vorauszusehen, was die sache für eine wendung nehmen ... würde Göthe I 24, 281
W.; das gespräch hatte eine wendung genommen Alexis
ruhe (1852) 2, 65; plötzlich überkam mich das verständnis für den alten und für die wendung, die sein wesen genommen hatte H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 365;
wobei richtungs- oder gestaltveränderung zumeist näher charakterisiert werden (
s. auch Martin-Lienhart
elsäss. 2, 836): ueberhaupt hat im deutschen der ganze gedanke eine andre wendung genommen Gerstenberg
recensionen 219
lit. denkm.; zwey tage nach dem abgange meines letzten briefes nahm die unpäszlichkeit ... eine ernsthaftere wendung Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 56; kurze zeit nach aufstellung der statue aber nimmt der krieg, den Siena mit Florenz führte, eine böse wendung Herman Grimm
Michelangelo (1890) 1, 31; und Wreech bemerkt ... alles könne jederzeit eine bösartige wendung nehmen A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 352;
ferner mit einer wendung (
einem wechsel des gesprächsstoffs) auf etwas anderes (
zu sprechen) kommen. zu etwas neuem übergehen
u. dgl.: so gibt es dagegen andere dinge, die in der jugend, frisch ... weggenossen werden müssen. es sei mir erlaubt, mit dieser raschen wendung, des tanzes zu erwähnen Göthe I 27, 280
W.; aber, um mit einer raschen wendung auf etwas anderes zu kommen, was sind denn das für gründe, aus welchen du für Lafoye nichts besorgt hast ...? (15. 8. 1810) Chamisso
w. 5 (1839) 270;
wobei wendung
zuweilen auf die überleitende redewendung selbst bezogen sein kann —
ein gebrauch, der bereits zu wendung 2 b
hinüberführt: auch sagt man, dasz übermorgen — mit dieser wendung ging er über zu gewöhnlichen stadtneuigkeiten E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 114
Gr.; als er dann mit einer geschickten wendung auf die vorzügliche einrichtung der ... geheimpolizei kam (1875) H. Seidel
vorstadtgesch. (1929) 1, 333. 1@c@bβ)
frühnhd. auch vom federwechsel der raubvögel (
s. unter wenden C 2 a): for allen dingen soll mann auch in achtung der habichen mausse oder wendung haben Tappius
bei Schmidt
falknerei (1909) 43; so ein raubvogel ein weyblin zur zeyt der wendung eyer in jm hat Heuszlin
Gesners vogelb. (1557) 126
a; item ein naterhaut ... vnder das fleisch vermischt, ist auch guot vnd fürderet jre (
der habichte) wendung vnd maussz
ebda. 125
a. 1@dd)
zu wenden C 3 (
s. auch die frühnhd. belege bei Fischer
schwäb. 6, 1, 680
u. vgl. die im neueren dt. dafür eintretende bildung abwendung
teil 1, 151): das mir solher nam (
raub) ... von seiner gnaden hauptman und pfleger bescheenn ist und hab darinne nye wendung bekomen mOegn, getraw auch sein kaiserlich gnad sey mir darumb kerung schuldig (1477)
mon. habsburg. I 2, 301
Chmel; ob den eyner odder mehr ... vermeynen wolten, durch yhre obern ... beschwert zu seyn, damit den die selben der halben gebrende wendung und erledigung bekomen mgen Luther 18, 338
W.; da aber iber soliche wahrnung inerhalb der negsten drei tagen kain wend- und pösserung ervolgen ... wurde, so soll derselb (
nachbar) umb dreiszig kreizer ... verfallen sein (1656)
österr. weistümer 3, 269; achtens seint die pergmaister auf solchen früth acht zu haben schuldig, dasz sie die übertretter den richter anzaigen, damit nebst erlegung der straff wentung geschehen (1717)
ebda. 11, 78; geschehene that hat keine wendung Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 301
a;
häufig in verbindungen wie wendung tun, vornehmen: so ist ain landschaft u. g. h. cardinal ... bittend ... genädigklich darein zu sehen und wendung zu tuen (
Salzburg 1519)
dt. bauernkrieg, aktenbd. 128
Franz; daszselbig meinen gn. h. ... oder mir ... kund ze thon und anzaigen, darmit zeitlich wendung furgenomen Knebel
chron. v. Kaisheim 453
lit. ver.; in fall aber durch ihnen (
die bäcker) über sollicher ermahnung (
besser zu backen) noch kein wendung gebraucht ... wurde (
sollen sie bestraft werden) (1607)
österr. weist. 4, 247; (
wenn die waldaufseher) die gebirende wendung, sovil an inen glegen, nit firnemben ... (
sollen sie bestraft werden) (17.
jh.)
ebda. 4, 317;
sowie mit genitivischer bestimmungsergänzung: bchlein ... von der cur vnd wendung aller feber Ryff
confectb. (1548) 105; cur vnd wendung der fürnemsten gebrechen aller raubuOeglen Heuszlin
Gesners vogelb. (1557) 122
b; nach dem obgemelte seiner furstlichen gnaden untertan zu Bamberg ... etlich mengel und beschwerden angezogen und derselben genedig wendung gebeten haben (1525)
chron. d. st. Bamberg 2, 109
Chroust; es rühmen alle zungen die wendung der gefahr J. G. Albinus
in: ev. kirchenl. 4, 274
Fischer-Tümpel; die wendung der gfahr (1691)
österr. weist. 3, 91; wieviel unzAehlbahre seyn ebenfalls noch anzutreffen, die wegen gar zu geschwinder wendung der fieber in harte verstopffungen und geschwulsten ... der leber gerathen Ettner v. Eiteritz
medizin. maulaffe (1719) 974. 22)
oft bezeichnet wendung
weniger den vorgang als das dadurch erreichte ergebnis (
ähnlich bereits eine wendung geben
u. dgl. unter 1 c). 2@aa)
es erscheint dann im sinne von '
andersartige, abweichende (
eig: durch ein wenden erreichte)
richtung oder gestalt'. 2@a@aα)
besonders auf die verschiedenartige fassung (
version)
eines erzählstoffes, einer sage, mythe u. dgl. bezogen: in der xviii. scen ist ein wendung der fabel, dann in ir die irsal wer begryffen durch die erkantnüsz des fingerlin
Terenz deutsch (1499) 166
a randgl.; ich überlasse es dir (
Caroline v. Wolzogen) nun, welche wendung von beiden (
möglichen gestaltungen des erzählungsschlusses) du wählen wirst (22. [?] 6. 1801) Schiller
br. 6, 286
Jonas; in der Reinhartssage ist die gewöhnliche wendung, dasz fuchs und wolf hinter einander ... hinabspringen Jacob Grimm
vorr. zu Reinhart Fuchs (1834) cclxxviii; wir haben eine andere wendung der fabel, die den beziehungen im Biterolf und in den Nibelungen zu entsprechen scheint Gervinus
dt. dichtg. (1853) 1, 91; auch nach derjenigen wendung der sage, laut deren sie vermöge seiner seherkraft im gefängniss aufgespürt wurde Gerhard
akad. abh. (1866) 1, 8; eine andere wendung des unsterblichkeitsmythus findet sich bei den Bantunegern Peschel
völkerk. (1874) 496
anm. 1; in christlicher wendung tritt an stelle der heidnischen götterwesen die mutter gottes Laistner
nebelsagen (1879) 103; auf einem bilde (
Verrocchios) ... stach ein engel von der hand Lionardo's durch seine schönheit dermaszen hervor, dasz Verrocchio von der zeit an das malen ganz aufgegeben haben soll. doch werden ähnliche wendungen zu oft von Vasari erzählt, als dasz man sie für buchstäbliche wahrheit zu nehmen hätte Herman Grimm
Michelangelo (1890) 1, 47. 2@a@bβ)
zuweilen auch sonst in verschiedener anwendung, etwa gleichbedeutend mit abwandlung, variante: einige psalmen sind kurz; sie entwickeln nur ein bild in einem ton der empfindung ... sobald sich das lyrische gemälde ... erweitert, fodert es abwechslung, gegensätze, eine mannichfaltigkeit der glieder, die wir dort nur in der knospe, in einer kleinen wendung des bildes gewahr wurden Herder 12, 213
S.; aber eine entschiedene hinneigung pflegt doch das menschliche gemüth in den mannigfachsten wendungen der auffassung immer wieder zu dieser vorstellung (
einer unbewuszten vernunft) zurück zu führen Lotze
mikrokosmus (1856) 1, 13; aus diesen wendungen des wahren gesichtsausdruckes (
en face, en profil usw.) ... entstehen eine unzahl mimischer kombinationen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 69. 2@bb)
wie früher bezeugtes redewendung (
s. teil 8, 475
u. vgl. auch wortwendung tropus Orsäus
nomencl. meth. [1623] 17),
das ebenso wie einige genitivische fügungen den ursprünglich mit wendung (
phrasis)
verbundenen vorgangsbegriff erkennen läszt; hingewiesen sei insbesondere auf wendung der wörter: dasz ein gescheuter tichter von einem geschicht-schreiber in den meisten dingen sich durch nichts anders als die redens-art, eine artige wendung der wörter ... unterscheiden kan Warnecke
poet. vers. (1704) 17; der rede
oder redensarten: sie ... nehmen eine ganz eigne wendung ihrer rede Möser
s. w. 5 (1843) 83; jene periodischen und wohlklingenden wendungen der redensarten
anmuth. gelehrs. (1758) 36
Gottsched; des ausdrucks
und der gedanken: der vortreffliche Gleim besitzt eine ihm eigne wendung der gedanken und des ausdrucks (14. 12. 1769) Gerstenberg
recensionen 310
lit. denkm. (
vgl. hierzu Gellert
w. 10 [1839] 150
sowie die definitionen von Adelung
u. Campe);
ferner auf charakteristische verbindungen wie: khne, rednerische wendungen
allg. dt. bibl., anh. z. bd. 53-86, 1 (
nach 1789) 343;
als grammatisch-stilistisches fachwort ist wendung
seit mitte des 18.
jhs. üblich (
jedoch noch Gottsched
ungeläufig): der fremden wendungen und wortfügungen, welche die erstern (
die modernen schriftsteller) aus dem französischen und englischen ... herüber nehmen, nicht zu gedenken (1759) Lessing 7, 353
L.-M. (
vorbericht v. d. spr. d. Logau); es ist mir nur um alte wörter, redensarten und wendungen zu thun, wovon ich zum beszten meines neuen Amadis gebrauch machen möchte (16. 12. 1768) Wieland
ausw. denkw. br. (1815) 1, 243
Wieland; die, aus verschiedenen neumodischen schriften so häufig, auch in Obersachsen, in umlauf gebrachten ... redensarten und wendungen Blankenburg
in Adelung
magazin 2, 2 (1784) 6; neue wendungen und wortknüpfungen drängen sich am schwersten oder langsamsten durch die enge pforte in die lebendige sprachwelt (1804) Jean Paul
w. 49—51, 318
H.; es leuchtet aber auch ein, wie viel natürliche wendungen und glückliche ausdrücke des niederl. gedichts in der sächsischen übertragung verloren gegangen sind Jacob Grimm
vorr. zu Reinhart Fuchs (1834) clxvii
u. ö.; wenn für die poetische verherrlichung der schlacht viele wendungen zu gebote stehen Scherer
lit. gesch. 7110; sei es bei einzelwörtern, sei es bei wendungen Budde in:
mutterspr. (1953) 260;
früh auch im sprachgebrauch der dichtung sowie in der allgemeinen literatursprache: jenes (
das weibl. geschlecht) setzen sie (
anrede) mit dem pöbel in eine klasse, so fein auch ihre wendung war (1749) Lessing 2, 99
L.-M. (
d. freygeist 4, 3); den gedanken, die empfindung, treffend und mit kraft, mit wendungen der kühnheit, zu sagen! das ist, sprache des Thuiskon, göttin, dir, wie unseren helden eroberung, ein spiel! (1767) Klopstock
w. (1798) 1, 271; einige darin (
im Junius-brief) vorkommende besondere redensarten und wendungen haben die vermuthung veranlaszt, dasz niemand als der berühmte Burke dieser verkappte Junius sey Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 61; es waren, sagte sie (
Susanne), bekannte sprüche, reime, ausdrücke und wendungen (
in der erbaulichen rede), die ich hundertmal gehört und als an hohlen klängen mich geärgert hatte Göthe I 25, 1, 248
W.; auch nahm sie bescheiden aber sicher an dem seltsamen gespräche teil und brachte ihre reden mit artigem accente vor, geziert mit den wendungen wälscher konversation G. Keller
ges. w. (1889) 1, 301; niemand wunderte sich, aus dem munde der konsulin Buddenbrook nach dem dahinscheiden ihres gatten diese oder jene hochreligiöse wendung zu vernehmen, die man früher nicht an ihr gewohnt gewesen war Th. Mann
Buddenbrooks (1952) 284;
im einzelnen wird wendung
bald im hinblick auf eine satzmäszig abgerundete formulierung gebraucht: das schreiben des herrn C. G. Bergmanns an den verfasser dieser briefe ... würde gar keine antwort verdienen, wenn es nicht unter andern auch diese unverschämte wendung gebraucht hätte: dasz in einer uebersetzung von mehr als 500 seiten ja wohl drey fehler seyn könnten (1759) Lessing 8, 58
L.-M.; darauf endigt dieser abschnitt mit nervigter beredsamkeit; die wendung,
s. 532, sein denkmahl ist
etc. könnte nicht erhabener seyn! K. Fr. Cramer
Neseggab (1791) 2, 123; (
Karl:) heute sollte sie meine gattin werden; (
Graumann:) ... denken sie nicht, mich durch diese abgenutzte wendung zu täuschen Fr. L. Schröder
dram. w. 2 (1831) 42; ein eigenthümliches und den wahren zweck dieser processe klar enthüllendes licht werfen wendungen wie die folgenden auf das wesen damaliger kaiserlicher justizpflege: weil angeklagter der delicta nicht geständig, solche auch nicht genugsam erwiesen worden, ist mit ihm transigirt (
d. h. gehandelt) worden auf 100 fl. (
zu 1626-27)
acta publica 6, 267
Palm; jeder hat einmal von den blattern heimgesuchte personen gesehen und dabei den ausdruck 'der teufel habe erbsen auf ihrem gesicht gedroschen' mehr oder weniger bezeichnend gefunden ... hier aber wäre diese sprichwörtliche wendung eitel beschönigung gewesen Fontane
ges. w. (1920) II 1, 155; in einer wendung wie 'er schläft die nacht durch' ist 'durch' noch nicht präposition Behaghel
dt. syntax 2 (1924) 23;
bald im hinblick auf eine stehende verbalverbindung: der vorstellung des gemalnen goldes nähert sich aber, dasz es von freigebigen ausgesät wird, was von Hrôlf Kraki, Snorraedda 153, wirklich erzählt ... ist. noch ein dichter unsers mittelalters ... braucht die wendung (
gold säen) Jacob Grimm
kl. schr. (1864) 2, 203; wendungen wie schildwache, gevatter stehen Naumann
hist. syntax d. dt. spr. (1915) 9; die wendung 'vom übel sein' Paul
dt. wb. (
41935) 559; sie hat die wendung 'strich stehen' nie gehört, kaum je die wendung 'auf dem (
sic!) strich gehen' Feuchtwanger
Simone (1950) 43;
oder eine sonstige wortgruppe: aus der wendung 'en passant' kann man es errathen Th. Abbt
verm. w. 1 (1768) 108
anm.; die Schwaben haben in solchen fällen der stutzenden verwunderung und der sich rüstenden gegenwehr eine wendung, die zwei einfache, aber eigenthümlich betonte worte bezeichnen; sie lauten ...: ha! no? Gutzkow
ges. w. (1872) 4, 414; schon brauchte er wendungen, wie 'obgleich es scheinen möchte' oder 'nach meiner unmaszgeblichen meinung' oder 'die aurora dieser neuen aera' G. Keller
ges. w. (1889) 6, 8; die wendung 'mein mann (vater) selig' Paul
dt. gr. 3 (1919) 89; (
dem kaiser) gefiel die finstere, tapfere und bedrohliche wendung: 'die woche der messer und dolche' Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 202; so wird die l. t. i. (
lingua tertii imperii) jetzt um die dauernde wendung 'beweglicher verteidigungskrieg' vermehrt
V. Klemperer
l. t. i. (1949) 225;
oft wird wendung
gleichbedeutend mit fügung
gebraucht: der gleiche rückgang des partitiven denkens, der sich bei den verbalen wendungen so augenfällig zeigt, ist auch bei den anderen fügungen festzustellen L. Wolff
in: annales acad. scient. Fennicae, ser. B,
bd. 84 (1954) 189
u. ö. (
ebda. 180
auch: adverbiellen wendungen
und 192: praepositionale wendung).
als definition findet sich in neuerer fachsprache: zwischen satz und wort stehen häufig noch andere ganzheiten, syntaktische einheiten gröszeren oder geringeren umfangs: die wendungen. auch sie sind sinnganze und verkörpern meist gesamtvorstellungen R. Mulch
seel. bedingungen i. leben d. wörter in: idg. forsch. 51 (1933) 69. 2@cc)
zuweilen auch auf form und klangfigur eines verses oder tonstücks bezogen: (
Wernicke) ist daneben ... der erste, der die poetische zahl darinnen grossentheils gefunden, dass die wendung und der fall der verse unterschiedlich sey Bodmer
crit. schr. (1741) 2, 109; mit verwundern bemerkte ich, dasz er (
mit seiner stimme) gewisse andere wendungen der melodien nahm, die durch kraft und neuheit frappierten E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 14
Gr.; mehrere kleine reizende canzonetten ..., welche bei aller einfachheit doch in harmonischen wendungen, in der stimmführung den meister (
Mozart) verrathen O. Jahn
Mozart (1856) 3, 330
u. ö.; von Sebastian Bach sagt man mit recht, dasz es kaum möglich sei, einen einzigen verloren gegangenen takt nach der analogie wieder aufzufinden, so stets überraschend und neu ist dieser meister in allen, auch den kleinsten wendungen W. H. Riehl
musik. charakterk. (1899) 1, 101; die musik ... spricht zu uns in unbestimmten tönen und wendungen (1877) H. Seidel
vorstadtgesch. (1929) 2, 131. 33) '
stelle, wo sich etwas wendet, an der etwas gewendet ist'
u. dgl., in verschiedener anwendung. 3@aa) '
das aeusserste eines ackers, wo man den pflug umwendet'
bremisch-nieders. wb. 5 (1771) 227; Heinzerling-Reuter
Siegerl. 318; Mi
Mecklenburg 106.
vgl. auch die westfäl. —
wohl die richtung auf eine entfernte stelle weisende —
redensart in der wendunge '
in der gegend' Woeste-
N. 320
sowie 1wende 3 a
und kehre 1 c. 3@bb)
in der malerei heiszen '
diejenigen theile der gegenstAende, welche dem umrisse am nAechsten stehen, ... wendungen' Jacobsson
technol. wb. 4 (1784) 636
b,
s. auch unter wendeschatten. 3@cc) '
biegung einer linie, eines weges, ganges, flusses'
u. dgl. (
vgl. die entsprechenden belege unter windung
teil 14, 2, 331 [1 a]): herr B. hat in einer angehAengten kupfertafel eine solche linie mit vielen krmmungen ... zeichnen lassen. wem sie wegen ihrer vielen wendungen nicht einfach genung scheinen sollte ...
br., d. neueste litt. betr. (1759) 2, 370
Nicolai; die häufigen krümmungen und wendungen eines liebhabers dornigten pfades Bode
Tristram Schandi 4 (1776) 67; eine hütte ..., die an einem fast ängstlich schroffen abhange gegen eine wendung des thales gekehrt, unter hohen, schneebeladenen tannen sichtbar ward Fouqué
zauberring (1812) 3, 73; ein fremder ..., der in einer andern wendung des saales ... zeichnete Tieck
schr. (1828) 17, 6; wendung nennt man die stelle einer treppe, in welcher sie die eine richtung verlässt, um in eine andere überzugehen Helfft
wb. d. landbauk. (1836) 407; wendung der laufgräben
fr. retour des tranchées, engl. return of the trenches Beil
technol. wb. (1853) 1, 654; sie waren gerade bei der scharfen wendung des Mains vor Offenbach, wo man ... die fernen türme von Frankfurt sieht Schäfer
erz. schr. (1918) 1, 122. 44)
zuweilen erscheint wendung
geradezu als eigenschaftsbezeichnung. 4@aa) '
fähigkeit des wendens, wendigkeit'
; in verschiedener anwendung: auch mag es geschehen, dasz die pferdt etliche zAen auszwerffen, und jhnen nicht wieder wachsen, das schadet jhnen zwar nicht, dann nur allein an jhrer wendung J. Fayser
hippokomike (1623) 20; die brüder (
des tanzbären), die ihn tanzen sahn, bewunderten die wendung seiner glieder ... doch traue nicht, bald folgt der neid und macht aus der geschicklichkeit ein unvergebliches verbrechen Gellert
s. schr. (1839) 1, 42; es ist hier schwerer als vielleicht irgendwo, baulichkeiten aufzuführen; die meister hängen von ihren gesellen ab, und es gehört eine besondere wendung dazu, um zwischen meister und gesellen den meister zu spielen (13. 7. 1820) Göthe IV 33, 112
W.; ein andrer von mehr wendung hätte geradezu nein gesagt Jean Paul
w. 1, 221
Hempel. 4@bb)
für eine bestimmte haltung (
art sich zu wenden): auch flchtig reizt dein (
der geliebten) muntres wesen, da wendung, gang, gebehrd und tracht dich geistreich, sittsam, auserlesen, dich edel und erhaben macht Schwabe
belust. (1741) 8, 26; wendung und ausdruck (
der figuren) kunstvoll, ja mitunter künstlich Göthe I 49, 1, 279
W.; alle seine (
des fremden) bewegungen sind bescheiden, und seine behende wendung und gangweise zeugt eher von angewöhnter unterwürfigkeit Tieck
schr. (1828) 18, 178;
insbesondere des geistes: in jedem volk bemerkt man eine ihm eigne wendung in zusammenfassung des angenehmen Herder 22, 211
S.; das buch der betrachtung ist praktischer moral und lebensklugheit gewidmet, orientalischer sitte und wendung gemäsz Göthe I 41, 1, 87
W.