sack,
m. saccus. Formales. goth. sakkus,
ahd. sac, sack, sag,
plur. secchi Graff 6, 73,
mhd. sac,
gen. sackes,
plur. secke,
die form sacke
als nom. sing. führt Dief. 506
a an; altn. sekkr,
dän. sæk,
schwed. säck,
ags. sacc, sæc, sæcc,
engl. sack,
nld. zak. J. Grimm
kl. schriften 3, 129
will dieses durch alle german. dialekte ziehende wort zu siuwan
und soum
stellen, und hält es daher für unerborgt (
anders gramm. 3, 450).
ohne zweifel ist es aus dem lat. saccus
entlehnt, das nebst dem griech. σάκκος aus dem phönizischen sak (
hebr. ק)
entsprungen ist. das goth. sakkus
ist nur an zwei stellen belegt (
Matth. 11, 21.
Luc. 10, 13),
an denen die griech. verbindung ἐν σάκκω καὶ σποδᾶ mit in sakkau (in sakkum
Luc. 10, 13) jah azgon
wiedergegeben wird. in die übrigen germanischen sprachen ist das wort aber aus dem lat. eingedrungen. dasz es ein altes lehnwort ist, beweist der umstand, dasz sack
der lautverschiebung unterworfen wurde, Graff 6, 73
führt nom. sing. sach,
dat. sing. sacche,
acc. sing. sach,
dat. plur. sechin, sacchen, sechen,
acc. plur. secchi, secche
an. schon zu beginn unserer zeitrechnung wird der rege handelsverkehr der römischen kaufleute die übernahme von sack
vermittelt haben, sodasz die erste bedeutung von sack
in den westgermanischen und nordischen dialekten die von waarensack, getreidesack
gewesen ist. erst viel später ist dann, durch den einflusz der biblischen sprache, die bedeutung '
trauerkleid, buszgewand',
die im goth. allein belegt ist, auch in den deutschen dialekten aufgekommen. Bedeutung. 11) sack
zunächst ein aus grobem tuche, leinwand oder leder verfertigtes groszes behältnis, das nur an einer seite offen ist: lederner sack,
culeus, häriner sack,
saccus seraceus Stieler 1657;
zur aufbewahrung von festen gegenständen dienend, vor allem von getreide, waaren aller art: und Joseph thet befelh, das man jre secke mit getreide füllet.
1 Mos. 42, 25; und nemet von des landes besten früchten in ewer secke. 43, 11; unmittelbar darauf zeigte sich .. eine menge kleinerer fahrzeuge, welche mit groszen säcken erde, wolle ... beladen waren. Schiller 9, 70. säcke aufladen, tragen, sackträger; säcke tragen
ist charakteristische arbeit des esels: einer, der einem sein eeweib versert, den sol man zu einem esel machen, das sein di leute spotten und lachen, das er di seck zu malen trag.
fastn. sp. 712, 13.
im übertragenen sinne, einem einen sack aufhängen,
die last tragen lassen: ich wil gott mit mir haushalten lassen, ihme den gröszten sack aufhängen. Butschky
Patmos 294.
zur aufbewahrung von geld benutzt, besonders bei groszen mengen, geldsack: sack, geldsack,
funda Kilian; laugnet er, dasz er den sackh mit den 1000 fl. gestolen habe.
d. städtechr. 11, 767, 19.
zur bergung anderer gegenstände: derowegen ... gieng er zur kirchen ... da trug man im in eym groszen ledern sack ein grosz schwer beschlagen und vereinpantoffelt brevir büchlein nach.
Garg. 162
a; sie (
die ehefrau) gewermbt kürsenstein secklin und erhitzigten genetzten ziegelstein im sack zun füszen. 73
b.
nach den personen, die den sack
bei sich haben und benutzen, mannigfach unterschieden; sack
des reisenden und des bettlers: die drit eigenschafft des bilgers, das ist, er sol haben eynen groszen und starcken leddersack, dar inn er hab was im not und nütz syg uff dem weg siner bilgerfart. was ist nun diser liderin sack? Keisersberg
christenl. bilgersch. 12
b; der knab nam hin denselben braten, .. hub aber an denselben wecken dem blinden in den sack zu stecken. B. Waldis
Esop. 4, 92, 38; hör Bache mit dem groszen bauch, lang mir dort her den vollen schlauch, ein gute bratwurst ausz dem sack, das mir ein küler trunck darauff schmeck'. Fischart
Garg. 23
a; wenn sie für ein thür betlen gahn und sackum super nackum tragen.
von S. Dominici leben E 2
a (1, 158, 1001
Kurz). sack,
der mit beute oder raub gefüllt wird: der friede des diebes mit dem einbrecher und mit dem, der den sack hält. Felder
sonderlinge 2, 174; wâ sint nû die knehte mit den secken?
Gudrun 1498, 4; und sie (
Judith) hatte den sack in bereitschaft schon für den kopf des gemahls. Platen 257 (
verhängnisvolle gabel).
der räuber stöszt, steckt, schiebt seinen raub, bildlich der sieger im streite seinen gegner in den sack: umb dise fünf land haben sich immer katzpalgt die Römer und Persier: wer bas mocht, der tet pas und drang für, die inwoner muesten alweg am ersten in sack sein. Aventin. 1, 681, 10; wer pas mocht, der tet pas und schub den andern in den sack. 2, 3, 12; wir werden an der lest auch in den sack müessen. 1, 663, 8; wo die faust allein sol regiren, so wird gewislich zuletzt ein thierwesen daraus, das, wer den andern ubermag, stosse jn in den sack. Luther 5, 180
a; es ist um diese jar und auch hernach ganz übel in unsern landen gestanden und ganz unfridlich gewest, wer bass megen, hat den andern in sack geschoben.
Zimm. chron. 1, 215, 27; ja, wenn ihro majestät nicht bald
dazu thun, so stecken einen die kerl am end in sack. Göthe 8, 39; ein kleeblatt verwünschter ritter, ich habe sie aber auch für verdrusz gleich in den sack gesteckt.
Elisab. figürlich doch.
Selb. nein, hier in der tasche klappern sie. Göthe 42, 292; swaʒ ein ander ligen lieʒ, in sînen sac er alles stieʒ, er nam eʒ alleʒ gemeine.
Helmbrecht 662; wer andere stoszen wil jnn sack, der wart ouch selbs des backenschlack. Brant
narrensch. 69, 7; und wer den andern übermag, der schieb in fürbasz in den sak! Liliencron
hist. volksl. 1, 192
a.
überhaupt von übergewicht jeder art, durch geistige fähigkeiten, einflusz, reichthum u. s. w.: jemanden in den sack bringen,
ihn überzeugen; einen in den sack hineinstecken,
disputando implicare, elinguare Stieler 1657: ich pariere, dasz ich dich und all euch leute hier beim Stolzius in sack stecke, wenn ichs drauf ansetze. Lenz 1, 278; was? sagt ich, mein held Carolus ist so ein strenger catholicus, und einem ketzer soll's gelingen, ihn listig in sein'n sack zu bringen? Kl. Schmidt
kom. dicht. 214, 22.
nd. he verköft em uut den sak und in den sak,
er ist dem andern an geist oder verschlagenheit überlegen. Schütze 4, 8.
in gleichem sinne: einen in den sack hinein und wieder herausspielen. Spiesz 201. im sacke haben,
in seiner gewalt haben: er meinte, jetzt hette er den keyser im sack. Zinkgref
apophth. 1, 22, 6; man danckt nit vor das schwein, mann habs dan im sack. Lehmann (1630) 74; noch eine unterredung, wie vorhin, so habe ich ihn im sacke. Lessing 1, 237; hat euch die schöne nur im sack, so gilt sie euch für alles. Göthe 4, 327.
wer aber im sack steckt,
ist an seinen bewegungen behindert: oder anders sie pleiben im sack stecken und werden auff der kirchweih den barchet mit lauffen nicht erjagen (
mit anspielung auf das volksspiel des sacklaufens). Fischart
bienenkorb 60
a; bedenke doch, die jugent musz vertoben, und wenns in einem sack steck. Fr. J. Brechtl
teutsche liedlein (
Nürnb. 1589) 24, 4.
unter den todesstrafen des mittelalters findet sich das ertränken im sack,
besonders als strafe der eltern- und verwandtenmörder (
rechtsalterth. 696
fg.).
unter den richtwerkzeugen wird culeus, sack
aufgeführt bei Frischlin
nomencl. 235: die vatermörder werden in sack gesteckt,
parricidae in culeum insuuntur et aquis suffocantur Stieler 1657; mit dem sack richten,
culeo immissum mergere Scherz 2, 1344; swer sînen mac ertötet âne schulde heimelich oder offenlich, dem sol man machen einen liderinen sac, und sol in dar inne senken in ein waʒʒer, daʒ sî reine oder unreine, unz an den grunt, und sol in dar inne laʒen sterben. daʒ ist da von gesezet, daʒ weder liute noch vihe noch sunne noch mane sinen tot sehen suln.
Schwabenspiegel 289; zuom fünfften so richt man mit dem sack, dʒ man einen ertrencket. Keisersberg
postille 4, 40
a; darumb sprach ein groser predicant uff ein mal, das man einem nüwen priester nimmer basz möcht thuon, dan gleich wan er von dem altar gieng, und in in ein sack stiesz, und in ertrencket, so stürb er in dem aller frümsten und in dem aller besten. Pauli
schimpf u. ernst 63, 7
Österley; item so het man vor etlichen jarn auch irn freunt in einen sak gestoszen, geurtailt zu ertrenken.
d. städtechron. 11, 704, 8; de were des wert dat me dene in den sak steke und worppe on in den molenkulck. 16, 461, 27; man solt si bede krenken und in aim sack ertrenken.
fastn. sp. 367, 24.
böse geister werden in einen sack gesteckt
und so vertrieben: (
erzählten, dasz sie) die scheuszlichsten gespenster in einen sack geschnürt, und bald in öde schlösser, in wälder bald geführt. Hölty 9
Halm; ich hörte, dasz man böse geister oft in säcke bannt und in den strom versenkt. Uhland 166. 22) sack,
tasche an hose, rock und wamms. diese bedeutung ist schon mhd. verbreitet, und lebte in der nhd. schriftsprache bis ans ende des 18.
jahrh. fort. heutzutage findet sie sich nur noch mundartlich in vielen theilen Deutschlands; s. Seiler 247
b. Hunziker 215. Weinhold 79
a. Pfister 241. Schütze 4, 8. Danneil 178
a.
brem. wb. 4, 577: ich hab da 50000 scholaren, welche muosqueten tragen, kugeln im mund und im sack. Schuppius 5; da habe er sein wischtüchlein ausz dem sack gezogen, und ein stück schincken und brodt in die hand genommen. 9; den brieff hab ich in hosen unden in desz Petrians sack gefunden. J. Ayrer 915, 12
Keller; ich bin ein mann von tausent künsten, ewr allerbesten, acht ich die minsten. ich hab davon mein sack gar voll, das man in der that spüren soll. Rollenhagen
froschm. M 1
b.
in redensarten, die hand im sack erwischen,
auf frischer that, eigentlich eines taschendiebes: ich kan den dib die hend im sack erwischen.
Garg. 158
a; und erwischte der so schmerzlich weinenden mademoisellen mitten im nachtruppen ihrer anfechtung die hand im sack.
Simpl. 4, 77
Kurz; hand aus dem sack,
zu einem thun oder hervorbringen: verzeih mir die dame, dasz sie so früh beunruhige, doch noth bricht eisen, 'ne hand musz 'mahl aus'm sack hervor (
ich musz etwas anbringen). Fr. Müller 3, 207; eine faust im sacke machen; ein schnippchen im sacke schlagen,
heimlich: ein schnippchen schlägst du doch im sack, der du so ruhig scheinest. so sag doch frank und frei dem pack, wie du's mit ihnen meinest. Göthe 4, 364.
im sacke
verwahrt man das geld, das man bei sich trägt; daher wird vom habgierigen gesagt, er trachtet nur in seinen sack: richter, pfleger, pfarrer, den man über lant und leut vertraut, trachten nur in iren sack. Aventin. 1, 11, 12; in sein sack wol können,
callere ad suum quaestum. Maaler 340
a; ein narr in seinen sack sein. Schönsleder
prompt. germ. lat. Nn 5
c; narr in seinen sack,
callidus ad suum quaestum. Apinus
gloss. 477 (
nach Campes
erklärung aber: er thut es thörichter weise auf seine unkosten); ein trewer rath on eigen nutz thut mehr denn hundert menner schutz, hin wider rahten in sein sack, dem fleisch machen ein frembden schmack, und treuw im mund, anderst im sinn, bringt einem herrn krebsgangs gewin. Kirchhof
wendunm. 1, 17
Österley. geld in den sack streichen: wie geld in sack, so striche man in kopf auch wahrheit ein? Lessing
Nathan 3, 6. 33) sack
in bildlichen und freieren wendungen: sankt Lycophron baut Schöppenstädts palast, doch keine fenster drein. abhelflich trägt das licht sein scholiast im sack hinein. Bürger 65
a; es gehen viel wort in einen sack. Luther 3, 325
a; fasse meinen threnen in deinen sack ... als wolt er sagen ... und vergissest keiner threnen, die ich weine, sondern ich weisz, dasz du sie alle in deinem register anschreibest und nicht vergessen wirst. Luther 6, 1
b; sic nostri sacerdotes faciunt, mein Ephraim hat sein sunde in ein sack vorknupfft, et abscondit peccatum. 13, 63, 11
Weim. ausg.; das wörtlein aber ist klein und hat ein groszen sack, mann kan viel darunter verbergen. Lehmann (1630) 181.
in ganz freier anwendung: alles fällt in einen sack zusammen,
alles verschwimmt vor meinen augen zu einer formlosen masse: und kerl und nacht und welt und fensterbret, worauf ich steh' ... das alles fällt in einen sack zusammen. H. v. Kleist
zerbroch. krug 7. 44) sack
als masz, bestimmte menge von getreide, waaren u. s. w., soviel in einen sack hineingeht. rechnungsmäszig steht hier der sing. auch zum plur. der zahlwörter: 600 sack korn, mehl, weizen;
das bestimmende subst. im genitiv: viele säcke korns, hafers;
oder als apposition, auch dem bestimmten subst. vorausgehend: dinkel der sack (
galt) 2 pf. 5 sch., roggen der sack 3 pf. 15 sch., haber der sack 1 pf. 12½ sch. Hebel 3, 51.
in erweitertem sinne ein sack voll
auch eine unbestimmte, grosze menge, besonders gern von abstracten dingen: entriuwent, sprach er, ich hân grôʒe liste und hân noch denne einen sag vol kunst: sô ich den enbinde, sô kan mir nieman gelîchen.
mystiker 1, 293, 24; und ich wolte wol allein, die zeit meines lebens, einen sack voll exempel bringen, allein aus deutschen landen. Luther 5, 53
a; derhalb irren wir all, zuvorab dise, die ein gantzen sack voll eifers fassen, yetz disz, yetz das lerende. Franck
weltb. 158
a; ein hand voll gold ist schwerer dan ein sack voll recht und wahrheit. Schottel 1141
b; dâ ist nicht wan trûren, des gît maneger vollen sac sînen nâchgebûren. Neidhart 214
Haupt; daʒ ich von ir füere freuden vollen sac. 77, 2; eynen sack vul rades ik wol weet.
Reinke de vos 5177; der du sammlest sack-voll gelder, was denn hastu draus zu hoffen? Logau 2, 184, 41; um einen sackvoll geld nam Glaucus, wie ich meine, sein auszgefleischtes weib, den alten sackvoll beine. 3, 167, 72. 55) sack
auch auf andere gegenstände übertragen. 5@aa)
so wird der menschliche körper der faule sack
genannt: unser eigen fleisch, der alte faule sack. Luther 5, 436
a; nu haben wir unser faulen sack, fleisch und blut noch in seinem (
des teufels) reich. 5, 420
b; ich wolt wol gerne so gleuben, und leben, wie ich solt, aber ich füle wol, das es nicht fort wil, und der alte sack mich jmer zurück zeucht, als der kod am rade. 6, 45
b; seitenmal ich wol weysz, dasz man in disen alten schlauch, den newen wein nit fasset, und an disem alten balg und sack (ich meyn die welt) nichts hilfft. Franck
weltbuch 155
a; ach verfluochet sî der tac, dâ mînes verfluochten fleisches sac dem êwegen tôde wart geporn. H. v. Neustadt
gotes zuokunft 7280
Strobl. als derber ausdruck für leib wol auch im folgenden: ich gebe em einen kulenslagh, hie fellet nidder uff sinen sagh (
spricht Lucifer).
Alsfelder passionsspiel 7130
Grein. von theilen des menschlichen und thierischen körpers wird zunächst 5@a@aα)
magen und darmhöhle sack
genannt: sack,
cloaca, alvus, stomachus, venter Kilian; der pauch ze latein ist gehaiʒen zwairlai. des êrsten haiʒt daʒ der pauch, daʒ wir haiʒen den magen oder den sack. Megenberg 31, 14; dar ump nimpt Plinius den pauch für den magen und für die andern seck, die under dem magen sint, dar ein daʒ eʒʒen gêt ie von aim in den andern. 31, 21; was die würm innwendig im leibe betrifft, deren seynd mancherlay, .. welche alle mit einander seynd entweders in dem magen, im sack, oder aber in dem gedärm.
hippiatria 177; der inneren teyl des buches ist zum ersten der zirbus i. sack, unnd ist ein fellin, das den magen und die därm umbwindet und decket. Gersdorf
feldbuch d. wundarzn. 11
a.
heutzutage wird der magen nur noch in niedriger redeweise sack
genannt, z. b. in der redensart seinen sack füllen. Campe. 5@a@bβ)
der hodensack. Campe,
mundartlich weithin: Frischbier 2, 242
b. Spiesz 201. Weinhold 79
a.
vgl. auch unter säckchen. 5@a@gγ)
kärnt. für blinddarm. Lexer 211. 5@a@dδ)
der runde
und der längliche sack,
sacculus rotundus et oblongus, sind kleine häutige theile im innern ohr. Campe. 5@a@eε)
das euter, uber omnium animantium, quo lactant, ein sack. Trochus N 3
a. 5@bb)
strasze, die nur einen ausgang hat: ein sack, eine gasse, da man nicht durch kann,
angiportum non pervium. Sethi Calvisii
thes. (1666) 393
b; sack,
dicitur angiportum non pervium, ein gäszlein, so keinen durchgang hat. Stieler 1657; die gasse, der er sich anvertraute, endigt in einen sak, er musz rückwärts gegen seine verfolger umwenden. Schiller 4, 84 (
vgl.sackgasse).
von einem sackartigen raume zwischen felswänden: die wolken, die sich hier in diesem sacke stoszen, die ungeheuren felsen bald zudecken ... geben dem zustand ein trauriges leben. Göthe 16, 268. 5@cc) sack in einem fischer- oder vogelgarn,
funda Frisch 2, 140
c; fischnetz, sackartiges netz, wenter. Frischbier 2, 242
b; sagenam tamen Fabius etiam interpretatur, den sack oder zipffel am garn, daraus der fisch nicht kommen kann. Corvini
fons latin. 956. 5@dd)
der sack
an der sackpfeife: die vasnacht und des maien pfat die pfeiffen vast aus ainem sack (
sprichwörtlich). Oswald von Wolkenstein 59, 3, 2; nun het das alt bruederge etliche sackpfeifen, .. do besorgt er, es wurde seinem sack und pfeifen nit bösser ergeen, und wurden die grosz keltin auch nit erleiden kunden.
Zimmer. chron. 2, 389, 14. 5@ee)
eine besondere art von kleidern wurde französischer sack
genannt: seit zwey jahren darf kein frauenzimmer mehr in einer andrienne volante oder sogenannten französischen sacke in die
s. Stephans-, noch in eine andere grosze kirche zu Wien kommen, wo sie nicht gefahr laufen will, durch die verordneten aufseher mit schanden herausgewiesen zu werden. J. G. Keysslers
neue reisen 2, 1218
bei A. Schultz
alltagsleb. 41. 66)
mit sack
wird eine fülle von verbindungen und sprichwörtlichen redensarten gebildet (Wander 3, 1807—1823). sack und pack
für die gesamte habe eines menschen, besonders in der verbindung mit sack und pack fortziehen: mit sack und pack,
cum familia et omni suppellectile Frisch 2, 140
c; sack und pack dem teufel zum newen jar verehren.
Harnisch 211; da sich diese in der andern nacht mit sack und pack einfinden.
Felsenburg 1, 888; reisete würklich mit sack und pack fort.
irrgarten d. liebe 364; derselbe solle den arrest thun und den arrestirten bis auff des schultheissen ankunfft mit sack und pack behalten, wie sie ihnen bekohmen haben.
weisth. 2, 235; die deutschen truppen der garnison von Verdun sind mit sack und pack marschbereit auf der esplanade versammelt.
Augsburger allg. zeitung 1873
s. 3929
a; mit sack und pack nach kriegsgebrauch (
zogen sie ab). Opel
u. Cohn 160, 25; die weit und lange reis' hat sack und pack verderbt. A. Gryphius (1698) 1, 558; ey nun! mein liebster freund, in hofnung dich zu sprechen, will ich am freytag früh mit sack und pack aufbrechen. Canitz 123; wenn mit leisen hutfilzsöckchen meine braune Trutschel geht, ... humpl' ich dann auf beiden krücken ihr mit sack und packe nach. Hölty 206, 4
Halm; es war einmal ein groszer held, der sich Aeneas nannte: aus Troja nahm er's fersengeld, als man die stadt verbrannte, und reiste fort mit sack und pack. Blumauer
Äneis 1, 1. sack und seil (
mit dem der sack zugebunden wird),
das gesamte vermögen bezeichnend: er verspielt sack und seele (
falsch ausgedeutet auf die seele). Albrecht
Leipz. mundart 195
a; verspilte er schon sack und seil, er wölts nit han verloren.
N. Manuel 422
Grüneisen; also vertrinckend jr das üwer, sack und seyl, kern und sprüwer.
kloster 8, 841, 14.
wenn einer auf eine reise geht, so sagt man in Niedersachsen: sakk und seel is good bim mann,
es ist gut auf der reise, wenn man mit allem auf den notfall wol versorgt ist. brem. wb. 4, 746. einen sack und ein seil aufbinden
in einer stelle des Willehalm schnellen heeresaufbruch bezeichnend (
vgl. dazu Haupts zeitschrift 15, 247): des rîchs gebot unt de urteil tet kunt, ein sac unt ein seil wærn schiere ûf gebunden. 185, 17;
später aber sack und seil bald aufbinden
soviel, wie schnell bei der hand sein, besonders zum zorn (
auch bald aufbinden
allein s. theil 1
sp. 622
oben): wie er wird sack und seil auffbinden, und liechter lohe brennen. Luther 5, 70
b; da wird ein löbliche rechnung aus werden, und wirst seer wol bestehen, das du die liebe fallen leszt, umb eines pfennigs, ja umb eines worts willen, deinen zorn ausschüttest, und beide sack und seil auffbindest. 6, 51
a; wenn man ein wort verlauffen lest, das sol sein schimfflich auch, bald bindet er auff sack und seil, nimpt was er haben kan, will alle fressn in einer eil und keinen leben lahn.
hasen jacht B 1
b.
ähnlich sack und seil vorwerfen,
nichts zurückhalten: wobey beyde einander sack und seil vorwarfen.
westph. Robinson 162. sack und band: er ist umb sack und band kommen,
zonam perdidit (
er hat alles verloren). Maaler 340
a; diser (
sagt er) musz gewisz groszen lust zu treck tragen, der auch den sack davon friszt und noch an zipffeln will nagen. Fischart
Garg. 82
a. mit sack und simmern,
ungemessen, dann auch sinnbildlich für gesamtes vermögen (simmern
getreidemasz, wie sack,
modius, vgl. Lexer
mhd. handwb. 2, 1295): mit sack und simmern zu dienen.
quelle bei Scherz 2, 1344.
zur bezeichnung zweier unversöhnlicher feinde: den dornzûn unt den sac nieman wol versüenen mac. Freidank 123, 10.
wagt jemand es nicht, seinen gegner offen anzugreifen, sondern verhüllt er seinen angriff, so sagt man auf den sack schlägt er, den esel meint er: bitte, sie wolten wiederumb, so ich auff den sack werde schlahen, nicht mercken, das ich den esel habe wolt treffen. Luther 1, 263
a; auf den sack schlägt man, den esel meynt man. Schiller 3, 358; er klopft auf den sack und meint den müller. Frischbier 2, 242
b. im sacke kaufen,
etwas unbesehen kaufen, mit dem nebensinne des nachtheiligen kaufes. schon mhd.: man koufet daʒ vil selten in dem sacke und ungesehen, des man zegwinne müge jehen. Stricker 11, 9; denn wo das nicht geschicht, da musz eine stad oder arm man im sack verkaufft werden, und durch den blinden kauff in grund verderben. Luther 1, 196
b; so kan er (
der laie) dem pfaffen ins hertz nicht sehen was da für ein glaube sey, und mus also im sack keuffen. 6, 87
b.
diese redensart ist dann erweitert zu der form eine katze im sacke kaufen, verkaufen: die katz im sack kaufen,
emere aliquid minus circumspecte, nemlich an statt eines hasens. Frisch 2, 140
c; ir werd mir kein katz im sack verkauffen. Fischart
Garg. 191
b.
an stelle der katze auch der affe genannt: wir können uns bei jedem schritte, den wir thun, bedenken und dürfen einander nicht den affen im sacke verkauffen. Lessing 1, 326.
zur bezeichnung eines schlechten haushaltes: waist nicht, daʒ man spricht daʒ: maus im sack und laus im nak. mäcz ym haus und feur im kübel, die bezalent iren wirten übel. Wittenweiler
ring 100, 28; stroh im schu, spindel im sakk, huhr im hausz, gukken allerwegen heraus. Schottel 1145
b. den sack an die rüben wagen,
das mittel wollen, wenn man den zweck will, grosze entschlossenheit zeigen: dennoch ligt jr hoffnung nit nider und wagen den sack an die ruben zu bawen fort in die ertzgruben. H. Sachs 4, 3, 89
a.
bezüglich einer übeln entschuldigung: es kann sich keiner mit eines andern unrhat schön machen .. aber der so gedenkt, der .. will sich mit kohlen weisz machen, mit einem nassen sacke decken. Lehmann (1630) 181;
von unnützer mühe, thörichtem beginnen: nein, des müszte hertzog George ein ander weise treffen, diese thuts nicht, das er des sacks wolt fünff zippel haben. Luther 6, 21
b; aber jetzund kan ich nichts, als aberwitzen .. und den leuffigen sessel zum tisch rucken, und den fünfften zipffel an sack suchen. Fischart
Garg. 154
b; so wird ja nun ausz obgehörtem, das zeichen des creutzes unzweifenlich eyn heil. sacrament, es hab dann der sack fünff zipffel.
bienenk. 165
b; den sack füllen: dienen und nichts verdienen füllt nicht den sack. Lehmann (1630) 125; zerrissener sack wird niemals voll; si sint als ein durcheler sac (vil wol ich siu also heiʒʒen mac), dâ man oben in schiubet unt niden ûʒ stiubet.
altd. bl. 2, 236, 742; wiʒʒet, daʒ man niht vüllen mac einen durchstochen sac, die wîl er niht verschoben ist.
welscher gast 14726; noch hat der sack kein boden nit. Nicl. Manuel 57, 1
Bächtold; noch schrygt der prior tragt her plus, dem sack dem ist der boden usz. Brant
narrensch. 63, 16. der sack ist noch nicht zugebunden,
die sache noch nicht beendigt; nun ists zeit, dasz man den sack zubindet. Lehmann (1630) 173. in den vollen sack greifen,
von wohlhabenden gesagt: daʒ guot was aber vil gereit, unt grifen in vil vollen sac, armuot an in niergen lac. Ebernant von Erfurt 1257.
aber auch planlos in den sack greifen,
um irgend etwas von seinem inhalte herauszuziehen: ihr greift, ich seh, mit eurem urteil ein, wie eine hand in einen sack voll erbsen. H. v. Kleist
zerbroch. krug, 8.
auftr. ein voller sack
bildet eine plumpe, schwere masse. daher sagt man von einem betrunkenen in gewöhnlicher rede er ist voll wie ein sack.
ähnlich, für einen am boden liegenden: hat sie mich nicht erschreckt — vor mir da niederzufallen wie ein sack. Wagner
kinderm. 30
neudruck; daʒ Keiîn rehte als ein sac under dem rosse lac.
Erec 4730.
für einen drückenden alp: da war mir nicht anders, als ob ein sack auf mir läge, dasz ich kaum athem holen konnte. Wieland 11, 359. zerreiszen des sackes: es ist zu hoch kommen, wir machens zu viel, das der sack reissen, und der strick brechen musz. Luther 5, 155
b; es ist zu hart und viel, es wird den sack gewislich zureiszen. 5, 294
b; zu viel zurisse den sack auff beiden seiten. mas aber ist zu allen dingen gut. 3, 156
a; zu viel gepack zerraist den sack. Fischart
Garg. 231
b;
ne quid nimis, zu viel zerreist den sack. Melander 2, 233;
anderes sprichwörtliches: aus zwilchin secken kan man kein seidin beutel machen. S. Franck
sprichw. 2, 172
a. Henisch 357, 1; kein sakk ist seiden worden, ob er schon voll gülden ist. Schottel 1143
a; es ist verlorn, wass man in alte säck schütt, der ist nicht witzig, der ein alten sack mit seiden nehet. Lehmann (1630) 145; man sol die säkke nicht mit seiden nähen. Schottel 1145
a; 'so sei doch höflich!' höflich mit dem pack? mit seide näht man keinen groben sack. Göthe 56, 105; gedacht den sack zu flicken, wenn der weitzen herauss verzettelt war. Kirchhof
wendunm. 174
a; aus dem sacke schütten,
aus dem stegreife etwas machen, besonders reden: eine predigt aus dem sacke schütten,
repento, subito et extempore verba facere. Stieler 1658. lachen und weinen in éinem sacke haben,
beides in éinem atem thun können. keiner soll wollen mehr wissen und verstehen als in seinen sack gehet. Lehmann (1630) 96. den sack geben,
fortjagen: man könne solche murmelthier nit besser abfertigen, dann man werff ihnen den sack für die thür unnd lasz sie stampen. Fischart
Garg. 145
a; den sack synem knecht gheven,
mittere sive dimittere famulum ignominiose. Kilian;
unter spielen: des sacks im wasserzuber; im sack verbergen. Fischart
Garg. 167
b; im sack ein repphun, das ubrig soll mein knecht Heintz thun. 168
a. 77) sack,
schimpfwort für faule und besonders für unzüchtige weiber. schon im mhd. ist dieser gebrauch häufig (Lexer
mhd. hwb. 2, 564)
und in der nhd. schriftsprache noch im 17.
jh. zu finden: sack, ein bösz üppig weyb,
scortum Maaler 340
a; sack j. hoere,
scortum, lupa Kilian; sack,
etiam pro foemina proterva et lasciva ponitur Stieler 1657; die jre schöne weiber verlassen, und sich etwa an unfletige garstige secke gehengt haben. Luther 5, 342
a; einen sack können wir wol lieb haben, aber ein ehelich weib nicht wol.
tischr. 305
b; das weiblein .. gleubets dem alten bösen sacke. 311
a; wer ich ein huor, mein muotter ein sack, und mein vatter ein dieb, het ich gelt, so wer ich lieb. S. Franck
sprichw. (1541) 1, 38
a; du verheytter sack. Lindener
rastbüchl. 145; ein jüngling .. von reichen eltern bracht sein erbteil bald zu mit einem sacke, der gülden esel genannt. Henneberger
preusz. landtafel (1595) 79; andere, die der armuth gewohnt seind, die fragen nichts nach einem reichen weib, unnd meinen, wer im heyrat will geldt haben, der müsse den sack dazu nemen (
mit anspielung auf den geldsack). Lehmann (1630) 148; wer ein alt weib umb reichtumbs willen nimt, der bekompt den sack gewiss, wie es umbs geldt stehet, wird er erfahren. 145; mancher lose sack ist so muthwillig, dasz, wenn sie ihr mühtlein anders nicht kühlen kan, so kühlet sie es an den kindern, stöst und schlägt dieselbe heimlich. Schuppius 349; du alter pöser sack. Osw. v. Wolkenstein 31, 4, 2; dein schand wil ich legen an tak, du fleckpolster, du schnoder sack!
fastn. sp. 255, 6; die andern hencken an sich säck. Brant
narrensch. 6, 65.
heutzutage ist das einfache sack
als schimpfwort auch mundartlich meistens wieder verschwunden (Vilmar 336).
sehr häufig findet sich aber sack
in dieser bedeutung noch an zweiter stelle von compositis, vergl. Frischbier 242
b. Schmeller 2, 220. 88)
aus der biblischen sprache entlehnt ist sack
trauerkleid, das aus grobem stoffe verfertigt ist. schon mhd. findet es sich zuweilen (Lexer 2, 564),
durch Luthers
bibelübersetzung wurde dann diese bedeutung weit verbreitet: und Jacob zureis seine kleider, und leget einen sack umb seine lenden, und trug leide umb seinen son lange zeit.
1 Mos. 37, 34; zureisset ewre kleider, und gürtet secke umb euch, und tragt leide umb Abner.
2 Sam. 3, 31; da Mardachai erfur alles was geschehen war, zureis er seine kleider, und legt einen sack an und asschen.
Esther 4, 1; ich habe einen sack umb meine haut geneet, und habe mein horn in den staub gelegt.
Hiob 16, 15; darumb zihet secke an, klagt und heulet.
Jer. 4, 8; o tochter meines volcks zeug secke an, und lege dich in die asschen. 6, 26; und ich keret mich zu gott dem herrn, zu beten und zu flehen, mit fasten, im sack und in der asschen.
Dan. 9, 3; denn weren solche thaten zu Tyro und Sidon geschehen, die bey euch geschehen sind, sie hetten vorzeiten im sack und in der asschen gesessen und busze gethan.
Luc. 10, 13; ach! sehest du der heiligen, di alhir so vil geduldig erlitten, immergrünende krohne im himmel .., du wirdest allhir einem idwedern dich gern unterwerffen, in sak und asche kleiden. Butschky
hochd. kanz. 733; durch welches beystandt sie (
die kirche) auch zwar noch nie ist untergangen gar, sondern bestanden ist allzeit, wiewol im sack und traurigkeit. P. Denaisius
Jesuiterlatein (1607) 34; es wird ein sack der fürsten kleid. Hagedorn 1, 6; die christenheit trauert in sack und asche. Schiller
Wallenst. lager 8. 99)
bei heutigen schneidern ist sack
ein kurzer modischer mannsrock ohne taille; sackpaletot
ein solcher überzieher, sackform
die form, nach der er gemacht ist. 1010)
durch eine willkürliche volksausdeutung und entstellung ist die fluchformel sack voll endten
entstanden (
vgl. Zachers
zeitschr. 20, 177,
wo diese formel aus sacra elementum, sakkerment
erklärt wird): potz hundert tausend sack voll endten.
Simpl. 3, 158
Kurz.