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kriegen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kriegen

Bd. 11, Sp. 2223
kriegen , niti, pugnare, capere, accipere. Die beiden kriegen, die wir haben, sind, obwol jetzt und schon lange geschieden, doch geschichtlich nicht zu trennen. II. Vorgeschichte, verwandtschaft. Der vortritt gebührt hier dem ältern mitteldeutsch, da bestand nebeneinander ein starkes und ein schwaches krîgen, deren bedeutung zugleich festzustellen ist. I@11) starkes md. krîgen (kreic, gekrigen). I@1@aa) als allgemeine bed. erscheint niti, sich anstrengen, angestrengt arbeiten, streben, ringen, körperlich wie geistig. s. dazu subst. krîc sp. 2212. I@1@a@aα) körperlich; z. b. bei erstürmung einer burg: want dise bûʒin (die hauszen, die stürmenden) stigin und mit kreftin krigin ûfwart kegn den zinnen. Jeroschin 125b. von einem geschützmeister, der während des kampfes oben an einem wurfgeschütze (blîde) etwas auszubessern hat: daʒ der blîdinmeister steic und ûf in die hôhe kreic, zu beʒʒirne ich weiz nicht waʒ. 86d. der begriff klettern kommt erst durch die zusätze ûfwart, ûf in die hœhe hinein, es ist wie lat. eniti im verhältnis zu niti, mit aller kraft, mit armen und beinen in die höhe streben; vergl. ûfkriegen 3, a, β. Mit zu, nach einem ziele angestrengt hinstreben. Jeroschin erzählt von edeln Samen, die beim abfall ihres stammes lieszen hûs und erbe ligin und zû den brûdrin krigin mit wîbin unde kindin. 79a. bildlich, z. b. Herm. v. Fritzlar drückt die causa finalis deutsch so aus: worzû daʒ dinc geordnet sî in sîme ende, dar zû iʒ krîgende ist. myst. 1, 125, 12, wohin es seinem wesen nach strebt. I@1@a@bβ) geistig, vom willen und streben u. ä.; Siegfried der Dorfer erzählt von einer frau, die in folge schweres eheleidens zû dem tôde kreic (: neic), zu dem tode hinstrebte, selbstmord ausführen will. Haupts zeitschr. 7, 114 (v. 185, vergl. 134). wider einen krîgen, ihm widerstreben, sich widersetzen: si hât wider mich gecrigen und mîne botschaft dir virswigen. pass. H. 377, 28, es ist von keinem streiten, auch nicht von widersprechen die rede (s. b, γ), nur von der nichtausführung eines auftrags der heiligen, die diese als widersetzlichkeit auffaszt. I@1@bb) kämpfen, streiten. I@1@b@aα) ursprünglich sicher von einem handgemenge zwischen zweien oder mehreren, wofür doch belege fehlen (s. 3, b, α kriegen, vgl. krieg II, 1, a). von waffenstreit: das werete herzoge Heinrich von Beiern unde von Sachsen .. unde kregin wedir den marggrafen. Rothe thür. chron. cap. 367 nach der älteren Dresdn. hs. (Bech, bei Liliencron krigeten); die mer denn 40 jar hatten gekregin wedir die Reinischen. c. 219 ebenso; die lange wile under einander gekregin hatten. c. 385 ebenso (bei Liliencron beidemal gekriget); in demselben jare do kreig grave H. v. H. mit dem apte zu Fulde. cap. 595 Lil., von einer fehde; (pabst Urban IV.) der kreigk lange weile mit Menfride .. umbe das konigreich zu Sicilien. 510. I@1@b@bβ) auch sich krîgen, sich befehden: und kregen sich lange umme die burgk mit einem ritende krige (d. i. reiterfehde). K. Stolle thür. chron. 30; ebenso bildlich u. 2, b, γ. s. kriegen mit acc. II, 4, c. I@1@b@gγ) geistig, mit worten u. a. (s. krieg II, 1, c): daʒ ein ieglîcher gesweic und nicht vurbaʒ mit im kreic und mûsten im den sige lân. pass. K. 38, 44, von einem streite um religion; ein blint schuler zu Rome, der stetlichen mit den Juden rette unde kreigk umbe den glouben. Rothe thür. chron. c. 175 Lil. von dem sängerkriege auf der Wartburg erzählt ders. cap. 416: sie machtin unde tichtin nuwe gesenge unde kregin darmede wedir einandir .... dessir kreig alleine mit sime gesange wedir die andern alle. v. d. Hagens minnes. 4, 878a. Von rechtsstreite (s. II, 3): is worden do zwene bischofe gekoren (für Mainz), die kregen mit einander zu Rome umbe das bischtum. Rothe c. 594 L., suchten dort streitend ihren anspruch durchzusetzen (gleich nachher krîgeten). I@1@cc) dazu composita, erkrîgen, überkrîgen u. a. I@1@c@aα) erkrîgen, mit anstrengung erreichen: ir vil edel zuchtec site von tage zu tage hô ûf steic, unz si mit tugenden ercreic ein sô gar genême stat, daʒ si die swester übertrat. pass. H. 373, 32, das wetteifernde streben nach tugend ist als ein steigen, klettern um die wette vorgestellt (s. a, α). I@1@c@bβ) aber auch mit anstrengung überwinden, überstehn: warumme du nû hâst genumen ein ungemachsam crumme (umweg) die wûstenunge alumme, die vil kûme (mit mühe) ich hân ercrigen. pass. K. 347, 49, die schwierigkeit ist als gegner gedacht, der zu besiegen war; so kommen erwinnen, erstrîten, sonst erringen, auch für überwinden, überwältigen vor. I@1@c@gγ) das hiesz deutlicher überkrîgen (wie überstrîten), vgl. noch nhd. überkriegen verschmerzen III, C, 4, a zuletzt; bei einem harten kampfe mit den heiden hilft endlich gott den ordensrittern, daʒ si di ungehûre dît doch ubirkrigin und zûzin înstigin in di vestin mit gewalt. Jeroschin 108d; idoch sô wart er überkrigen (: gestigen). Marienleg. s. 254; daʒ sîn (des teufels) valschiʒ trîgin nicht mochte ubircrîgin des reinin mannes stêtikeit. Jeroschin 129c. Es gab übrigens auch înkrîgen in seine gewalt bekommen (spalte 2233 unten), zûkrîgen zustreben (I, 2, a, α), nâchkrîgen (2, c, α), ûfkrîgen, widerkrîgen (2, a, β), zerkrîgen u. a., man sieht, das wort war reichlich entwickelt. I@22) Daneben gieng aber ein schwaches krîgen, und zwar in der bedeutung gar nicht unterschieden. I@2@aa) sich anstrengen, ringen u. ä. I@2@a@aα) körperlich, z. b. wieder für steigen, klettern: die Sarrazêne in hôhvart gegen in (gegen die christen) den berc crîgeten ûf. Ludwigs kreuzfahrt 6686, ob aber nicht urspr. crigen stand? vgl. unter 1, b, α aus Rothe. vorher das. 6680 die hœhe êrste ercrîgeten die cristen, erkletterten, und zugleich errangen, eroberten (nach 1, c, β). Mit zu, wie unter 1, a, α; her Alber von Arnstete sieht seinen herrn im kampfgedränge schwer gefährdet und ringt sich zu ihm durch, das ist so gesagt: er crîgte zû dem herren dar. Ludwigs kreuzf. 2279. ebenso zûkrîgen von herandringender hilfe (4141), auch vom andringen gegen den feind: die Sarrazîne ouch heten daʒ vernumen (bemerkt) nû, daʒ in die cristen crîgeten zû (urspr. crigen?). 7183. I@2@a@bβ) geistig, bildlich, streben, 'ringen' nach etwas: er wolde ein bistûm stiften dâ, mit vlîʒe (eifrig) krîgete er darnâ. Ebernand 1016, selden er ir swîget unt hât darnâch gekrîget, daʒ diz bûch getihtet ist. 4080, von einem heftigen und unablässigen begehren. Mit wider, wie 1, a, β: si mûsten aldâ nîgen, da enwas kein wider krîgen. Marienleg. s. 241, 60; si begonden wider krîgen und sprâchen, si enwesten nicht von der selben geschicht. pass. K. 270, 84, beidemal ist von streit durchaus keine rede, nur von widersetzlichkeit, die in einem nichtthun besteht, ganz wie 1, a, β (s. schon ahd. u. krieg I, 3, c sp. 2214 und Hugo v. Trimb. sp. 2212 unten). I@2@bb) kämpfen, streiten. I@2@b@aα) im eig. sinne, z. b. bei Rothe unter 1, b, α nach der etwas späteren Sondersh. hs. krîgeten, gekrîget. so auch erkrîgen (s. 1, c, α. β) schwach: der marcgrâve Chûnrât die banîr ercrîget hât. Ludwigs kreuzf. 6233, erobert, nur musz man unser kriegen daraus noch fern halten, das ja von einem einzelnen gar nicht brauchbar ist, es ist 'durch anstrengung (im kampfe) erworben'. I@2@b@bβ) bildlich, von wortstreit u. ähnl., z. b. im leben des heiligen Stephanus ist davon die rede, wie die Juden gegen im krîgeten pass. K. 39, 61 (für den vers wäre doch auch da krigen besser). I@2@b@gγ) wieder auch sich krîgen (s. 1, b, β): das erzbischtum zu Menze, do sich die zwene erwelten bischofe umbe krigeten. Rothe thür. chr. c. 594 L., zur sache s. 1, b, γ zuletzt. I@2@cc) übrigens ist in vielen formen, im ganzen praesens, die schwache oder starke form nicht zu unterscheiden. I@2@c@aα) für streben, sich anstrengen: sun, du salt nicht krîgen und alzu hôhe ûf stîgen. pass. K. 415, 67, wol: danach trachten, gar zu hoch zu steigen (und dient öfter zu solcher verbindung zweier begriffe), schwerlich krîgen schlechtweg gleich steigen, emporstreben; swenne eʒ sich gevûget sô, daʒ er zu êren stîget, zuhant er dar nâch krîget, wie er kum uber den enpor, der im geholfen hât zuvor. 376, 50. Diesz krîgen nâch ..., nâchkrîgen auch noch ganz sinnlich, z. b. in einem kampfe läszt einer, der bedrängt ist, die seinen, die zurückgeblieben, nâchcrîgens manen Ludw. kreuzf. 4121, es ist wie unter a, α das krîgen zû .., zûkrîgen. I@2@c@bβ) das ziel des krîgens auch kurz im gen., wenigstens unsinnlich; Ebernand bittet seine leser um nachsicht wegen seiner mangelnden kunst, die er wol kenne, wan daʒ ich vil tumber man doch noch tihtens krîge. Heinr. u. Kunig. 4499, der dichtkunst nachtrachte, von derselben nicht ablasse. I@2@c@gγ) noch im 16. jh. erscheint die diesem krîgen entsprechende form kreigen, s. sp. 2229. 2238 (d). I@33) Im hochd. herschte zu gleicher zeit kriegen mit diphthong, blosz schwachformig; in der bed. aber stimmt auch das durchaus zu dem bisher vorgeführten. I@3@aa) angestrengt arbeiten, ringen, streben; vgl. streben unde kriegen Eckhart 255, 36. I@3@a@aα) körperlich, z. b. von einem eifrigen jäger: sîn kriegen machet tieres val. Haupt 8, 161; alle ûʒflüʒʒe kriegent wider iren gespring. das. 234, streben vorwärts in entgegengesetzter richtung zur quelle. auch das kriegen gegen .. Parz. 410, 15 ist wol nicht kämpfen, sondern andringen, wie unter 2, a, α, während Parz. 275, 29 zu β gehört, von widerstreben (s. 1, a, β). I@3@a@bβ) geistig, bildlich: wider sînen willen kriegete er, er gerte wider sîner ger. Trist. 11753 (295, 35), nicht 'kämpfte', sondern strebte, trachtete heftig (nach etwas, das sein wille verwarf), das kriegen fällt im begriffe wesentlich mit wille zusammen, wie gerte mit ger; darumbe hât got .. sînen sun den liuten geoffenbâret, daʒ si ime nâch kriegende geleitet werden ... in daʒ êrste umbegrîflîche wesen. Haupt 8, 231 fg., das kriegen ist aber da noch ganz sinnlich gedacht; daʒ wesen daʒ ze gotte .. kriegende ist. 234; alsô ist der sêle eigen, daʒ si .. âne underlâʒ ûf kriegende ist. Eckhart 172, 5, vgl. vis irascibilis, daʒ ist ein ûfkriegendiu kraft 171, 33. 172, 1, gleichsam aufbrausend, 'aufbegehrend'; 78, 13 nennt ers zornlicheit, erklärt es aber als kriegende kraft, sie ist alwege kriegende nâch dem ursprunge von dem si gefloʒʒen ist. I@3@bb) kämpfen, streiten (s. im mhd. wb. 1, 880b). I@3@b@aα) körperlich, von handgemenge: kriegent zwêne mit einander und wundet der eine den andern, âne den tôt. Schwabensp. 173, 1. den begriff bezeugt wol auch mortkrieclîch Wigal. 196, 11 in B, wie da die hand des einen, mordlustigen kämpfers genannt wird. beispiele für fehde führen, befehden s. II, 4; hier nur ein beispiel seiner form wegen: wäre ouch, das der bischof von Basel mit ieman kriegoti. weisth. 5, 29, v. j. 1352, daraus liesze sich die ahd. form entnehmen, falls das späte -oti echt ist. I@3@b@bβ) mit worten u. ä. streiten: eʒ kriegent die meister von Parîs etewenne, welich heilige der hôhste in dem himelrîche sî. Berthold 537, 15, von förmlicher disputation: vgl. II, 2, c, von rechtsstreite ebend. 3, a. c. I@3@cc) ob das starke krîgen im hd. gänzlich fehlte? ein part. praet. erkrigen erobert Liliencron hist. volksl. 1, 166b, würzburgisch um 1400, ist nur conjectur des herausg.; merkwürdig aber kreigen im 15. jh. in einem oberd., wahrscheinlich Augsb. drucke: wie ain tochter mit irer muoter kreiget (zankt). Neidhart Fuchs, Haupts Neidh. s. xiv, 1 var., ist das mehr als druckf.? oberd. ist auch 'adeptus erkriegen' Mones anz. 6, 217 (vgl. sp. 2233 mitte), etwa md. einflusz? s. aber unter I, 5, d. I@44) Im niederd. steht es eigenthümlich anders. I@4@aa) in der form zwar trifft es mit dem md. überein, ein starkes krîgen kreich ist mnd. sehr häufig; aber es fehlt ihm, so viel zu ermitteln war, die bed. sich anstrengen, streben, die doch fürs md. wie fürs hd. wort die grundlage bildet. erlangen, erwerben ist seine bed., mit der noch jetzt das starke krîgen das ganze nd. gebiet beherscht (s. III, B, 2), auch nl. krijgen kreeg gekregen, während diese bed. md. erst später, am spätesten hd. auftritt. I@4@bb) ein starkes krîgen kämpfen, streiten, das md. so entwickelt war (1, b. c), fehlt dem nd. gleichfalls; gegenwärtig sicher, denn es steht dem oberd. kriegen streiten, zanken (II, 2, b a. e.) nd. überhaupt nichts zur seite (kîven ist der ausdruck, schon mnd., s. keifen). mnd. kommt krîgen von rechtsstreite vor, richtsteig landr. 4, richtst. lehnr. 1, 1 (s. die stellen II, 3, a); war aber das praet. stark wie im md. (1, b, γ a. e.)? vermutlich nicht, denn das nahe stehende krîgen fehden, kriegen, das überhaupt selten ist (städtechron. 7, 162. 264, Tunnicius sprichw. nr. 486), war schwach: in dussem sulven jare krigeden to samede konich Lodewich to Frankrike unde Maximilianus. Leibnitz scr. br. 3, 417, auch 422. so noch nl. krijgen, krijgde neben dem alten oorlogen. ähnlich sogar zu mnd. strîden pugnare praet. strîdede, part. strîdet städtechr. 7, 325, 5, also gleich 'strîd machen', wie das schwache krîgen gleich 'krîch machen'. I@4@cc) dennoch kann das nicht der urspr. bestand sein. krîgen nancisci selbst setzt ein starkes krîgen niti als vorgängig voraus, vermittelt durch starkes erkrîgen, das mnd. bezeugt ist (III, A, 2, c); das zweite mag nur vor dem übermächtigen ersten früh zu grunde gegangen sein, ein alts. krîgan niti fehlt uns sicher nur zufällig. und auch ein starkes krîgen kämpfen wird doch bestanden haben; starkes krîgen erobern setzt es wol voraus, gekürzt aus erkrîgen (III, A, 3, e): tôch hertoch Rolef .. vor de Golzawe ... und stormede dar tô, und kreich se an dem dridden dage. Magdeb. schöppenchr. 335, 26; sus kregen de heren de vor genanten sloten .. ân groten storm und schaden. 336, 24. für eine der beiden bed., streiten oder streben, gibt wol auch einkrygich eigensinnig zeugnis (Hoffmann v. Fall. nd. Aesop. s. 80), das zu mhd. einkriegic stimmt, s. unter krieg I, 3, c. und auch die nord. sprachen geben zeugnis, dennn. krige zanken, hadern kann doch nicht hd., oberd., es musz nd. einflusz sein; ebenso schwed. dial. und norw. kri streiten (s. krieg I, 3, d). selbst für nd. krîgen streben kann vielleichtn. krig wille, trachten zeugen. I@55) Ergebnisse, verwandtschaft. I@5@aa) scharf gegeneinander stehn sich also das nd. und hd., sowol in der bed., wenigstens beim geschichtlichen auftreten beider, als besonders in der form. nd. ein starkes verb nach der ablautung î ei i, hd. ein schwaches mit diphthong ie, der auf eine andere ablautung iu ou u weist. dafür ist das hd. im gebrauch reich entwickelt, das nd. nur noch einseitig, also umgekehrt als es sonst zwischen stark und schwach ursprünglich der fall zu sein pflegt; das starke verbum erscheint der bed. nach schon im ausleben begriffen, eine reiche verzweigung der bed. aber eignet dem schwachen, das doch nur wie von einem ästlein des stammverbums, dem subst. kriec, neu abgezweigt aussieht, während dessen stamm, ein starkes kriogan, spurlos verschwunden ist (vgl. krieg I, 3, c). und in der bed. selbst ist zuerst zwischen beiden kein band zu sehen, sie erscheinen wie zwei verschiedene worte. I@5@bb) aber recht in die mitte zwischen beide tritt das mitteldeutsche wort, vermittelnd wie es sein beruf war. es ist in der form ein doppeltes, stark und schwach, und in der bedeutung doch eins. als schwach schlieszt es sich genau ans hd. an, denn sein î entspricht zugleich dem hd. diphthong ie, als stark genau ans nd., denn sein î ist zugleich eins mit dem nd. î, wenn anders beide md. î auch im klange eins waren (vgl. krieg I, 2, c, α). im gebrauche deckt es sich mit dem hd., auch in seinen starken formen, und steht mit diesem dem nd. gegenüber; aber es übernimmt von letzterem dessen eigene bed. und führt sie allmälich auch dem hd. zu. dabei konnte dem nd. gegenüber seine starke form die vermittelung besorgen, dem hd. gegenüber seine schwache (worüber das genauere u. III); in der schwachen form, also mit seiner hd. hälfte, und mit der bed. erlangen, also seiner nd. hälfte, hatte es im 18. jh. endlich alles, was hd. reden oder schreiben wollte, unter einen hut gebracht, und hält es auch darunter fest im gebrauch des lebens. bei wenigen wörtern würde durch genauere forschung das amt und wesen des mitteldeutschen so anschaulich vor uns treten, wie bei diesem. I@5@cc) denn fragen bleiben noch genug übrig. wie ist das md. zu seiner doppelform bei einheitlicher bed. gekommen? stammt das von eigener schöpfung? oder nur aus dem zusammenstoszen des hd. und nd.? oder hat das md. darin einen älteren bestand bewahrt, der in der vorzeit auch dem hd. und nd. eigen war? sehr alt könnte er doch nicht sein, da sonst in England spuren davon sich finden müszten; bis jetzt aber fehlt jede spur des wortes auszer Deutschland und den Niederlanden (abgesehen von der nord. entlehnung 4, c a. e.). und von einer nd. gestaltung, die der hd. diphthongform entspräche, wüszte ich keine spur; Kilians nl. kriegen neben krijgen bellare musz wol eine hd. einwirkung sein (vgl. krieg I, 2, c, γ). I@5@dd) aber umgekehrt musz ein starkes krîgen auch hd. einst bestanden haben. darauf weisen die schon unter krieg I, 3, c beigebrachten ahd. glossen: 'einchrigilicho obstinate', das nach folg. kurzes i haben wird; 'kreg pertinacia' (doch wol mit ë, wie scëf neben scif schiff), sie deuten auf eine bed. widerstreben, sich entgegenstemmen für das vermutete krîgan. aber auch die bed. streit oder kampf verrät sich schon in 'widirchregi controversia' Haupt 5, 342a (vgl. widerkrîgen vorhin 2, a, β). mit gleicher zusammensetzung ein merkwürdig geendetes adj. widircregilin obstinatus, auch mit diphthong widerchriegelin Graff 4, 590 (Schmeller 2, 384), es stimmt in der hauptsache zu dem md. kriegel gleicher bed. sp. 2214. auch das dunkle mhd. chrech (krëc) Wigal. 228, 28 in A von einem ausdauernden läufer gehört wol hierher, wenn es nicht verlesen ist für chvech (quëc). I@5@ee) da sich nun als sinnliche grundbed. herausstellt 'mit armen und beinen arbeiten', so bietet sich zu krîgen und auch kriegen als nächstverwandt krageln, strampeln, klettern sp. 1955. diesz aber erscheint auch auswärtig, doch mit s-, in engl. scraggle, scriggle (s. dort 2), und das erinnert an engl. struggle mit völlig gleicher bed., niti, pugnare (vgl. ags. strîdan tendere, gradi gleich ahd. scrîtan schreiten, auch mnd. strîden mhd. wb. 22, 690b und mrh. Haupt 13, 364). ich wage nicht weitere lautwechsel anzuführen, obwol sich manches darböte. IIII. Kriegen, streiten. II@11) Von handgreiflichem streite. II@1@aa) zwischen zweien. so mhd. (I, 3, b, α) und krieg II, 1, a; nhd.: gelobet sei der herr, der meine hende leret streiten und meine feuste kriegen. ps. 144, 1; wer ist dem thier gleich? und wer kan mit im kriegen? offenb. Joh. 13, 4; nur lust hat zu balgen und kriegen. H. Sachs 3, 1, 75a. II@1@bb) unter mehrern, unter einer menge: kriegen, auflaufen (auflauf machen), geschellen, zwitrachten, tumultare. voc. th. 1482 r 4a, vgl. krieg tumultus das. (sp. 2216 e), da sind im begriffe thätlichkeiten schon mit geschrei und feindseligkeit überhaupt gemischt. vgl. unter 7, c. II@22) Von wortstreite: kriegen mit worten, contendere, rixari, gwerrare, disceptare, objurgari, litigare, certare. voc. inc. teut. n 7a. dieser gebrauch ist aus dem vorigen durch abschwächung entstanden, der kampf zwischen zweien aus den händen in den mund verlegt. so hatte z. b. auch balgen neben der heutigen bed. die des zankens, und streiten galt urspr. von waffenstreite. II@2@aa) mit einander zanken. mhd.: kriegent zwêne mit einander, unde wellent einander an (zu thätlichkeiten übergehn). Schwabensp. 173, 22, vgl. Kulm. recht 5, 24, 6; si (zwietracht) füeget, daʒ man unde wîp vil ofte kriegent umbe niht. troj. kr. 1497. nhd.: kriegen oder zanken, contendere. voc. 1482 r 4a; sie kriegten mit einander, welchen weg si gehn wollten. Pauli sch. u. ernst (1546) 7; disz exempel ist auch wider vil menschen und predicanten, die etwan warheiten sagen, die nit vil nutz bringen, sunder ... kriegen und zanken. ders. cap. 3 Öst.; wöllet euch hüten, dasz ihr mit unbesinnten thörichten menschen nit krieget oder hadert. buch der liebe 287c; eine fraw sol mit ihrem mann nicht kriegen. 288b; mit leuten kriegen oder zanken, die .. 290a. II@2@bb) auch im besondern von dem einen, der 'auf einen andern zankt': kriegen, kifeln, schelten, brigare, rixare .. voc. 1482 r 4a; kriegen mit worten und hOen sein, castigare dictis. Maaler 253b, mit acc. der person? s. hier c und 4, c; wir wollen kriegen nit (schelten). Vintler 8814; die fraw .. spricht zuo der köchin zornigklich 'warumb hast du die stub also haisz gemacht?' und kriegt mit ir. Keisersberg trostsp. (gran. 1511) l ija; als sanct Paulus spricht 2 Tim., ein knecht und ein diener gottes sol nit zanken und kriegen. Pauli sch. u. ernst cap. 3 Öst., Luther nicht zenkisch sein 2 Tim. 2, 24, er brauchte wol diesz kriegen nicht mehr (Matth. 12, 19 hat er zanken, Beheims md. übers. des 14. jh. krîgen); (die) nur sawr sicht und stetigs kriegt. Ambr. lb. 250, 62. noch bei J. Paul: tausend sachen lassen sich erfinden, wenn man keift und kriegt. flegelj. 1804 4, 147. es lebt noch in mundarten, z. b. oberbair., s. Schm. 2, 383, kärntisch, s. Lexer 167, tirol. Schöpf 345; hier eigen auch mit dat., einem etwas kriegen, vorhalten, verweisen. II@2@cc) es hiesz auch recipr. sich kriegen: secht, dy daigen thuent sich kriegen, das se uns umb das gelt thuent betriegen. fastn. sp. 996, 31, von einem streite zweier juristen; man sagte wol also auch einen kriegen, auf ihn schelten (wie einen balgen, keifen, kippeln); beides, einen und sich kriegen auch vom waffenstreite, s. 4, c, und 3, c rechtlich. merkwürdig auch dänisch kriges sich zanken, und krige zanken, hadern. II@2@dd) mhd. galt es auch ganz würdig z. b. von geistlichen disputationen (s. I, 3, b, β und krieg sp. 2215 mitte); vergl. einem gekriegen so Heinz. v. Const. s. 111. ähnlich noch im 15. jh. von dem streite zwischen Salomon und Markolf: ich schweig zu kriegen fort mit dir. 'so gib dich überwunden mir'. fastn. sp. 529, 16, der disput ist unter dem bilde eines zweikampfes gedacht, oder auch eines rechtsstreites (s. 3). II@2@ee) dazu ein mhd. gebrauch, der sich auch noch nhd. finden dürfte, eine meinung verfechten, vertreten, behaupten: kein vrowe kriege wider mich (Juno), daʒ si wunneclîcher sî. Konrad troj. kr. 1936; eʒ kriegeten zwêne meister mit einander. dâ kriegete einer, sant Johannes baptiste wære hœher dâ ze himel. dâ kriegete einer, sant Johannes ewangeliste der wære hœher. Berth. 538, 14 (141 Kl.). in gleicher bed. auch in kriege sîn, s. krieg II, 1, c, δ. II@2@ff) auch mitteld. kreigen noch im 16. jh. in der bed. zanken (wie in der u. III, B, 3, d), dem krîgen I, 1 entsprechend: ich hab ein fraw, die kreigt allen tag über das kochen. Eulensp. cap. 64 Lapp. II@33) Von rechtsstreite; vgl. krieg II, 2. II@3@aa) in mhd. zeit; so mhd. (wb. 1, 880b, Haltaus 1131): swer mit dir ze gerihte var kriegen umbe dîn gewant. Rudolf Barl. 104, 9, nach Matth. 5, 40, ebenso da md.: der mit dir krîgen wil an dem gerichte und dînen rok nemen Bechstein (Luther rechten); vortmeir habt ir uns geschrebin, wie zwene ewir miteburger krigen umb eine mawer ... hiruf spreche wir ein recht u. s. w. Behrend Magdeburger fragen s. 227; einem zu hulfe krigen, vor gericht helfen. richtst. landr. s. 101 unten. und auch nd.: hüt di, dat du den richtere nicht vortornest, wen it is swerlik tu krigen (var. dedingen) vor einen ungewegen richtere (vor einem dir ungewognen). richtst. landr. s. 104 Hom., auch in der md. übers. das. swerlich zu krigene vor eime ungnedigen richter; he (der herr) is ok richter under sine man, eft se krigen umme gud, dat se van eme hebben. richtsteig lehnrechts 1, 1. vgl. krieggut. II@3@bb) noch nhd. anfangs, doch scheint es bald auszer gebrauch gekommen (vgl. u. krieg II, 2, c): weisz auch nit zu kriegen, es bedarf sein auch nit, da mein obergab den grund allen entschaidt. Chmel urk. Maxim. I. 292; deshalben mit in zu kriegen oder rechtnen. ebend.; wo zwei dörfer mit einander kriegen umb ein gemain, umb solch krieg und irrung soll es gehalten werden u. s. w. bair. landr. v. 1616 25, 5 (Schm. 2, 383). Jenes kriegen oder rechten u. ä. war auch aus dem 14. jh. überliefert: der mit inen darwider kriegen oder rechten wolte vor geistlichen oder weltlichen gerichten. Haltaus 1131; was sie danne mit ime anfiengen, kriegten, rechteten oder handelten. das. II@3@cc) wie dieser gebrauch aus dem u. 2 hervorgieng, läszt folg. sehen: und kriegent liute mit einander, umbe swaʒ eʒ ist, und kument für den richter u. s. w. Schwabensp. 173, 21, auch Kulm. recht 5, 24, 4, hier mit der var. krygen sich (s. 305), s. 2, c. so gilt heute noch volksm. streiten für processieren, streit für process, das denn da mit lat. lis (urspr. stlis, stlitis) noch völlig zusammenfällt. aus diesem rechtlichen gebrauche hat sich aber weiter die heutige bed. entwickelt. II@44) Kriegen, fehden, befehden. II@4@aa) die bed. hat sich erst in der mhd. zeit entwickelt, zuerst mit dem begriffe eines rechtsanspruchs, den man mit den waffen verfolgte, wie zuvor erfolglos bei gerichte (s. genaueres unt. krieg II, 3, a, β): gewan der küster von Kirkel und der von Lichtenberg .. Bruomat und kriegetent darus uf daʒ bistuom mit brande und brantschetzende. Closener (städtechron. bd. 8) 139, 19, besonders diese art des befehdens, weniger offener kampf, ward im 14. 15. jh. unter kriegen verstanden; dise gebruodere kriegetent under einander so sere (um das reich), das des riches und der ROemer maht und kraft vaste zergingent. Königshofen (ebend.) 368, 15; darnach krigt der von Wirtenberg und di stet tegleich mit einander. U. Stromer, Nürnb. chron. 1, 37, 23, vgl. 57, 16, nicht von offener feldschlacht, sondern wie oben; darnach krigt der pischof mit der groszen stat (Würzburg) wol 10 tag. 33, 13, ein offener kampf aus dieser fehde wird mit fechten bezeichnet 58, 25, gewöhnlich steht dafür noch streiten, streit. II@4@bb) statt mit galt auch an vom gegner, wenn der kriegende angriffsweise verfährt, vgl. das an in angreifen, anfechten: (könig Rudolf) fuor gen Ertpfert (Erfurt) und bleib do, und kriegt us der stat an die, die daʒ lant hettent geschediget. Closener 53, 29, es handelt sich um herstellung des rechtszustandes; wiltus me an die Swytzer kriegen, so lasz dich din hochen muot nit triegen. Lenz Schwabenkrieg 157b; der an die Schwytzer kriege. 158a, Wolff hist. volksl. 585. Sonst auch wider, gegen (vgl. unter krieg sp. 2222): wiewol in die schützen erzürnen und wider in kriegen. 1 Mos. 49, 23; wider das reich kriegen, injicere arma regnis. Maaler 253b; wider etwen kriegen. Schönsleder g 4d; nun wöllen wir mit unserm heer gen Rom weiter nicht kriegen mehr. H. Sachs 5, 266d. II@4@cc) aber auch der blosze acc., einen kriegen (wie mhd. einen kempfen wb. 1, 785a), vermutlich schon in der bed. zanken 2, b (wie einen keifen u. ä. sp. 444): Markgraf Albrecht der fürste kriegt das heilig reich wider recht. Germ. 4, 366, Liliencron 1, 421a; vil ritter und menger edelman, die (nom.) wellen die Swytzer kriegen. Lenz Schwab. 136b, Liliencron 2, 385a; dasz du uns nit wölst kriegen auf wasser oder auf land. Uhland volksl. 323; darausz (aus der burg) hat man grosz mutwil triben und kriegt das römisch rich. Soltau 2, 63, wo noch mehr beispiele; do krieget er si bede und fiel mit frischem hör in si. Frank chron. 1531 194b; anno mdxxiij krieget Franciscus von Sickingen den bischof von Trier. 230b u. o.; und müssen ratschlagen widerumb, wie man Parthia kriegen sol. H. Sachs 5, 263c; wöll wir die feind mit kindern kriegn? Schmelzl Saul 23a; zu den zeiten Friderichs (des rotbarts), da er die Venediger gekrieget hat. Paracelsus op. 1589 2, 152 (1616 1, 250a); wir wollen zusammen ins Böhmerland reiten und die Böhmen tapfer kriegen. Opel u. Cohn dreiszigj. kr. 95. II@4@dd) daher auch passivisch, noch bei Opitz: ietz schanzen wir uns ein, ziehn wall und mauren für, und wann wir diese haben, so werden wir mit list von andern untergraben und unten auf (von unten auf) gekriegt. 1, 50 (Vesuv.), oder meinte er 'überwunden', also zu III? II@4@ee) diesem einen kriegen entspricht denn reciprokes sich kriegen, von zweien; s. aus Stolle 'kregen sich', kriegten sich u. I, 1, b, β, und für zanken II, 2, c, von einem rechtsstreite I, 2, b, γ. II@4@ff) auch mit einem zweiten, einem prädicatsobject: des krieges mszens underligen, wir wolln sie alle mat kriegen. Liliencron hist. volksl. 1, 171b, mit krieg matt machen (der streit im bilde des schachspiels), der krieg ist übrigens hier thatsächlich ein aufruhr, s. krieg II, 1, e. das prädicatsobject wird aber auch umschrieben, mit zu: er wart hernach herzogen Jörgen .. veint, an dem kriegt er sich bis in sein verderben zu tot. Wilw. v. Schaumb. 108, von fortgesetzten fehden. II@4@gg) bloszes kriegen: dann wann die Tütschen kriegen ... und uneins sind in irem land, so lachen die Welschen durch dhand. Lenz Schwabenkrieg 154a, kriegen zugleich eben gleich 'uneins sein', vgl. krieg gleich zwietracht sp. 2216; das eine ross ist vil besser zum kriegen und reiten, dann das ander. Albertinus narrenhatz 138, 'kriegen und reiten' ein ritterlicher ausdruck des 15. 16. jh. von den fehden der zeit, vgl. reitender krieg sp. 2220 (ε). II@4@hh) man verband gern kriegen und streiten, z. b.: ein volk, das zuo kriegen und streiten erboren ist, nata gens bellis. Maaler 253b, wie krieg und streit, sturm und streit u. a.; noch Opitz 3, 324. II@55) Das heutige kriegen, gleich krieg führen, krieg machen (s. sp. 2221); eine scharfe scheidung zwischen 5 und 4 ist nicht in jedem falle möglich, schon aus voriger nr. ist manches auch hierher zu zählen. II@5@aa) unser begriff von heute ist doch schon im 16. jh. als völlig ausgebildet zu erkennen, wenn auch die verwendung mit der heutigen nicht genau übereinkommt, z. b. wenn Schwarzenberg die landsknechte anspricht: ir kriegsknecht, hielt ir in der meng ewr ehr und aid in rechter streng, lieszt gottes schwuor und füllerei und wert gehorsam auch dabei, zuo kriegen würt ir hoch geacht. memorial der tugent (teütsch Cicero) 143a; in bezug aufs kriegen, wo sichs um kriegen handelt, oder im kriege, für den krieg, wie wir zu sagen hätten (s. b); doch wäre kriegen auch als pl. zu krieg möglich, zu kriegen wie mhd. ze strîte, im kampfe, also 'in kriegen' (s. kriege pl. sp. 2222 δ). ferner: wil sie (die stadt) aber nicht friedlich mit dir handeln (verhandeln) und wil mit dir kriegen, so belegere sie. 5 Mos. 20, 12, vorher eine stat bestreiten; wider das reich kriegen. Maaler 253b; es wird kein volk wider das ander ein schwert aufheben, und werden nicht mehr kriegen lernen. Micha 4, 3 (vgl.lernen kriegen, rem militarem discere Maaler 253b); und das land hatte aufgehöret mit kriegen. Jos. 14, 15; ich habe gute ursache zu kriegen. Luther 3, 325a, einem fürsten in den mund gelegt; die Römer, das mechtige keiserthum, hat fast am aller meisten damit gewonnen, das sie haben müssen kriegen. 324a; wer kriegt, der wird bekriegt. Lehman flor. 1, 479, sprichw., genauer gleich 'krieg anfangen'. II@5@bb) es ist zu bemerken, dasz bis ins 17. jh. oft das verbum gebraucht war, wo wir das subst. nehmen, wie oben schon bei Schwarzenberg; z. b.: ir lieben herrn (d. i. fürsten), hütet euch für krieg, es sei denn, das .. ewer aufgelegtes ampt euch zwingt zu kriegen. Luther 3, 324b, zum kriege zwingt würden wir sagen; das kriegen nicht recht ist .. es sei denn, das es solchen titel (rechtstitel) und gewissen habe, das da könne sagen, mein nachbar zwingt und dringt mich zu kriegen. 324b; sein ehr und freiheit zu beschirmen mit kriegen, fechten, schlahen, stürmen. J. Schradin bei Liliencr. hist. volksl. 4, 305a; das glück im kriegen hilft nur den dapfern helden. Lehman flor. 2, 162, im kriege jetzt; dasz das unglück im kriegen eben so wankelbar sei als das glück. Opel u. Cohn dreiszigj. kr. 384; dieweil das edle thier (das ross) zum kriegen ist geboren. Opitz 1, 95. II@5@cc) auch in der begrifflichen verwendung zeigen sich doch noch im 17. jh. unterschiede. man brauchte es auch vom einzelnen, bestimmten kampfe: frei von hand kriegen, mit gwerter hand an einandern zeschlahen kommen, conferre manu certamina. Maaler 253b; mache dasz ein gleicher theil seie deren, so zum kriegen gehen, und deren so bei dem bündel (der bagage) verbleiben. Schuppius 727 (kunst reich z. w.), vgl. krieg sp. 2219 für treffen, gefecht, die kinder brauchen es noch heute so. Ebenso vom einzelnen krieger (vgl. vorhin bei Opitz vom rosse): harre bis not und müssen kompt .. du wirst dennoch .. kriegens gnug kriegen. Luther 3, 324a, ermahnung an kriegsleute; umb sold kriegen, stipendium merere. Dasyp. 368c; kriegen, dem krieg nachziehen, militare. Maaler 253b. noch bei Schenkendorf dichterisch: es ist ein schönes kriegen in solchem heilgen hasz, und auch erschlagen liegen im grünen kühlen gras. ged. 1815 s. 84. II@5@dd) ungewöhnlich mit dativ, bei Opitz, von dem groszen kriege seiner zeit redend: ost, west und mitternacht hat für und wider uns die waffen aufgebracht und uns und ihm gekriegt. 1, 50 (Vesuvius), d. i. doch: gegen uns und sich (unter einander) gekriegt. auch bei Logau: es kriegt ihm Mars jetzt selbst, und das was er erkrieget, ist dasz er fällt die welt und selbst mit ihr erlieget. 1, 5, 8. mhd. kommt der dativ vor, aber in anderm sinne: ich kan dir niht gekriegen, du kanst dîn rede gebiegen sô meisterlîchen hin und her. Heinz. v. Konstanz s. 111, von einem wortstreite, gleich: ich bin dir im streite nicht gewachsen, wie einem gestrîten vom waffenstreite. II@5@ee) seit dem 18. jh. ist das wort im gebrauche sehr beschränkt; so viel von krieg die rede ist, so selten von kriegen, blosz im höhern stil (wie krieger): wann man anfangt zu kriegen, fangt man an zu liegen (lügen), Mars mendaciis est amicus. Aler 1242b, älteres sprichw.; wehr' allen, die gern kriegen. hannov. gesangb. nr. 761, v. 4; ja, will ein Friedrich selbst, nach seinem urtheil, kriegen, so wird er doch von kron und purpur nie bethört. Canitz (1734) 254; kriegen und rasen ist eins. Klopstock 2, 161; euch, die das kriegende schwert nie noch die trompete geschreckt. Voss Ovid nr. 19, 24 (belliger ensis metam. 3, 534); die Römer und Batavier kriegen menschlich, denn sie kriegen nicht für die religion. Schiller 778b (abfall d. Nied., vorr. a. e.). auch einen krieg kriegen, nach lat. bellum bellare (diesz aber nach πόλεμον πολεμεῖν): also freut' ich mich, dasz ein groszes, mächtiges volk sich nie eroberungskrieg wieder zu kriegen entschlosz. Klopstock, der eroberungskrieg, 1793. II@66) Bildlich. II@6@aa) im 15. jh. vom minnekrieg (sp. 2223): zehand huob sich ain kriegen, als es die lieb gepot. Hätzl. 12a; so Mars mit mir nit kriegen wil (sagt Venus). L. Bechsteins deutsch. mus. 1, 250, es kann unmittelbar aus 1, a entstanden sein; der liebsten freundligkeit, ihr blüendes gesicht, ihr angenehmes kriegen. Opitz 2, 230 (poet. wälder 4, 36), hierher? II@6@bb) nach kriegen bellare: dieweil ihr je krieg und unfried haben wöllet, so krieget mit diesem halmen. buch d. liebe 287d; mit dem bauch kriegen, fasten, ventri bellum indicere. Maaler 253a; als er die statt Bremen belägerte und .. vernahm, dasz die pest sehr in der statt regierte, hat er mit seufzen gesprochen: krieget gott mit ihnen, so will ich gern ablassen. Zinkgref 1653 1, 127; wie alles stille lag und sicher für gefahr, da musten endlich sie (die Römer) mit ihren lastern kriegen. Opitz 3, 273; er krieget, wie der Fabius, der durch verzug gewinnen musz. Hagedorn 2, 106, von einem manne, der sich den liebkosungen seiner frau zu entziehen strebt; gegen unsre weisheit kriegen Bacchus hier, dort Cypripor. Gotter 1, 295. II@6@cc) rein geistig: wenn die welt mit menschen krieget, musz der mensch mit gotte (d. h. als helfer) kriegen; weil die noth uns gegenliegt, müssen wir für gotte liegen und durch beten endlich siegen. Logau 1, 1, 8 (das gebete); ihn daurte nie die wahl, wann recht und glücke kriegten. Haller (1777) 107; so sieht er wahrheit mit betrug und tugend mit dem laster kriegen. Gotter 1, 463; er kriegte noch in sich. J. Paul Hesp. 1, 267. II@77) Endlich weidmännisch. II@7@aa) nhd. der hund krieget ( Adelung), bellt ein thier an, das ihm steht oder stand hält; schon im 16. jh.: (Teuerdank ritt) den nechsten hinein in den wald. darinnen hört er mit gewalt die hund vor dem wildschwein kriegen. er sprach: die hund werden nit liegen (lügen), sie haben das schwein khomen an. damit rant (d. i. ritt rasch) eilunds der khn man den nechsten (nämlich weg) dem geschelle nach. Teuerdank 61, 35. ebenso in S. Franks clavis zum Teuerd. (einl. s. 118): als nun die hund das ankamen, rent er dem kriegen und geschell nach. II@7@bb) wahrsch. aber schon mhd. nach folg.: wart (sieh), wie daʒ pirsen sî ein triegen! ein dæsic (s. däsig) hunt der niht enkan dan liegen ûf rehtem pfade: ein werlîch hunt, dés gelf kan wilt erkriegen! Frauenlob spr. 368 s. 209, liegen wie eben in Teuerd., falsch bellen, werlîch streitbar, kampflustig, gelf m. geschrei, gebell (wie geschelle vorhin), erkriegen durch sein 'kriegen' sich und dem jäger gewinnen. II@7@cc) welches ist der ursprung? die jagd ward vor alters auf gleichem fusze mit dem männerstreite behandelt, als ein krieg; das bellen des hundes gegen das sich stellende wild eröffnet gleichsam den eigentlichen krieg, d. i. zweikampf hier (s. 1, a)? oder ist es die bed. 'tumultuare'? s. 1, b und das 'kriegen .. geschellen' dort. Schmeller 2, 384 gibt es aus dem bair. oberlande, kriegen, ankriegen, aber mit einer andern aussprache (kriehhen) als das andere kriegen. IIIIII. Kriegen, bekommen. Es gilt heutzutage für ein niedriges, ja fast für ein pöbelwort (genaueres s. C, 5), ist aber geschichtlich eins der merkmürdigsten wörter unserer sprache, mit mehreren dunklen stellen in seiner geschichte. III@AA. der zusammenhang mit dem vorigen. III@A@11) einen unmittelbaren zusammenhang mit dem vorigen hat es in dem heutigen sprachbewusztsein nicht, schon darum weil jenes als selten einer hoch liegenden und nur schmalen schicht des sprachgefühls angehört (s. II, 5, e), dieses aber als alltagswort einer sehr niedrig liegenden. beim nachdenken jedoch stellt sich uns noch leicht folgende beziehung ein, in die man sie setzt, nur umgekehrt: geld musz beim krieger sein. man nennet ihn von kriegen, dieweil er oftmals kriegt auch auszer schlacht und siegen was andern zugehört. Opitz 1, 105 (lob des kriegsg. 661), vielleicht schwebte ähnliches schon Luthern vor bei seinen worten an den kriegsmann du wirst kriegens genug kriegen (II, 5, c). III@A@22) Besonders nahe gelegt war ein solcher zusammenhang durch gewisse composita, namentlich erkriegen. III@A@2@aa) vom 17. jahrhundert rückwärts galt neben kriegen nancisci erkriegen in gleicher bed. (s. die reichen beispiele 3, 881, wo aber zu sichten bleibt), z. b.: nun der frieden über krieg endlich hat erkriegt den sieg. Logau 2, 2, 50, da lehnt sich die bed. nancisci deutlich an bellare an, es schwankt sinnspielend zwischen beiden und haben solchs (ewiges gedächtnis) fridlich ersigt, nit wie jene durch gwalt erkrigt. Fischart gl. schiff 1164, da ist sogar sicher mehr an kriegen bellare gedacht. Aber es entfernt sich doch auch entschieden davon: spricht der fürst 'bewirbt sich mein gegentheil bei gott um hülf, so werd ich nicht vil erkrigen'. Mathesius hochzeitpr. X 4b; hab tausend gulden feirent ligen, kan auch kein herrn darzu erkriegen, der mir pro cento neun wil geben. H. Sachs 3, 3, 28b (1588). und so schon mhd.: s. Augustinus sprichet: die biren wâren mir vil süeʒer, die ich verstal, dan die mir mîn muoter gab ... alsô (ebenso) ist der sêle vil süeʒer diu gnâde, die si erkrieget mit sunderlîcher wîsheit unde flîʒe, denne diu allen liuten gemein ist. Eckhart 172, 17. III@A@2@bb) diesem schwachformigen hd. erkriegen entsprach ein md. starkes erkrîgen, z. b.: her machte guten frede in den landen unde erkreig einen groszen namen. Rothe thür. chron. cap. 335; s. mehr beisp. u. I, 1, c und mhd. wb. 1, 881a; in zwei md. voc. des 15. jh. 'nactus erkrigen, erkriegen' Dief. 374b, in einem v. 1410 'adeptus irkrigin' Haupt 5, 372 (vgl. oberd. u. I, 3, c). Daneben aber auch schwach 'nactus ircrigit' Schröers voc. v. 1420 24b, in dem Leipz. voc. opt. von 1501 und 1508 adeptus, acquisitus erkriget A 6a, nactus erkrieget R 5a; s. dazu I, 2 und hier 3, a a. e. conquirere, erkrigen, irkriegin Dief. 143b aus md. voc.; über das auftauchende ie s. sp. 2240 mitte. III@A@2@cc) auch nd. erkrîgen, aber nur stark: were ok, dat we (irgendwer) van utwendich in de stad to Huxere queme, de kindere hedde de dersulven broderscap gebruken wolden (d. h. in die innung eintreten), de scolden se irkrigen also ere vader, et enwere danne dat se seder der tyd gheboren hedden sin (gewesen wären) dat de vader se irkrigen (so) hebbe. gildebrief der wollenweber zu Höxter v. j. 1333, P. Wigand beitr. f. gesch. u. rechtsalt. 138; dat neimant in unser stad .. schal werken edder weven neinerlei linen laken ... he enhebbe de gilde unde broderschap ... gewunnen edder erkregen. 144, v. j. 1458; vordel to erkrigen. gl. zu Rein. vos 2, 7, s. 132 Lübben. ebenso niederrh., für empfangen, genauer 'endlich mit mühe erhalten': et wart ein gerucht in der stat, dat man die brief erkriegen hat. Wierstraat Neusz 2418. III@A@2@dd) daneben gab es auch verkrîgen und înkrîgen. jenes niederd. und nrh. (nl.): dat se grôte lêne ... hopen to vorkrîgen van den vorsten. Rein. vos gl. zu 1, 3, auch zu 1, 22; adipisci, verkrigen. Dief. 12c. nrh.: adipisci, verkrygen. Mones anz. 5, 239; nactus, verkregen. Cölner gemma Dief. 374b, wie in deren nl. vorlage vercreghen, inf. vercryghen nancisci Dief. n. gl. 260b; in der seele trost genade, dat ewige leven verkrigen, s. Pfeiffer in Fromm. mund. 3, 52b, auch für verschaffen (s. C, 2, e), z. b. verkrîch mir aflais (ablasz) 53a, wo denn freilich an krieg nicht entfernt mehr gedacht ist. Das andere, în krîgen, war md. und nd. (vgl. aus Livland Gutzeit, 1, 237a): Friderich .. wart nach im churfürst, kreig ein das wittebergische lant, Wilhelm aber nam die lantgrafschaft zu Duringen ein. monachus Pirn., Menken script. 2, 1468, für empfangen und in besitz nehmen (bei erbtheilung); so kreich unse here van Magdeborch Egelen in vor dat gelt. Magdeb. schöppenchr. 344, 8, erhielt es übergeben für die schuldforderung; Pechlin was van falschem sinn, mit schalkheit krech he den boigert (ein schiff) in. Soltau 2, 120. Liliencr. 3, 534b wuszte ihn mit list zu bekommen. auch nrh.: as dan die Venecianer mit behentgeit (list) in kregen dat slosz. Harff pilg. 40, 28. es entspricht dem hd. inne haben, ein nehmen u. a., s. einkriegen (17. jh.), noch jetzt nl. inkrijgen, gleich einbekommen (16. 17. jh.). III@A@2@ee) endlich auch bekriegen nancisci (s. schon 1, 1431): die ganzen christenheit betrogen (hätte dann der papst), das er bekriegt grosz gut und gelt, auch land und leut in dieser welt. Wolff hist. volksl. 93; auszerhalb zween, so sich irer bald laufenden füsz beholfen und durch geschwindigkeit ein kammer bekriegten, darinn sie sich meinten zufreien. Amadis 67; jagt den andern zweien nach, so schon den eingang und die thür ir hütten bekriegt hatten. 294; der löwe gelebt allein dés fleischs, so er aus raub und nachjagen bekrieget hat. Forer, Gesners thierb. Zürich 1583 102b (bekommen hat Horst Frkf. 1669 249); auch Maaler 56d hat es, 'bekriegen und überkommen, consequi.' das be- erinnert an bekommen. III@A@33) Welchen antheil hat nun wirklich das andere kriegen (oder krieg) an dem allen? III@A@3@aa) es gab in der that schon früher ein erkriegen, das zu krieg gehörte (3, 881 ist es nur aus dem 19. jh. belegt): eine stadt erkriegen, urbem expugnare, urbe bello potiri. Stieler 1040; das ganz kein ort (n.) ist, wiewol von natur ganz wol bewaret, das nit leichtlich erkriegt mag werden. M. T. Alpinus, P. Vergilius von den erfindern der dingen, übers. (Augsb. 1537) 48a, bei Verg. 2, 11 quin facile expugnetur. Schon im 15. 14. jh. gab es ein md. erkrîgen, durch krieg erwerben: sante her (der papst in Avignon) .. in Italien (acc.) .. einen cardinal .. das der weder erkrigen sulde die lant unde die stete, die zu der heiligen kirchen gehorten, unde sulde soldener gewinnen. Rothe thür. chron. cap. 693; wenn (denn) sie alle hoffenunge hatten, das sie das lant weder erkrigen wolden. 574; s. auch aus dem 14. jahrh. sp. 2225 die banîr ercrîget, erobert (b, α), die hœhe ercrîgeten, gewannen im kampfe (a, α). III@A@3@bb) aber auch im rechtsleben gab es ein md. erkrîgen, das anspruch erheben kann: ap ein man sein weib irsluge in zorne, wie der sein recht mag widdir irkrigen. Magdeb. fragen s. 11. 143 (im texte nachher steht dafür wedir gewinnen, in einer hs. erkrygen); mag her denne lengern (tag, fristung) gehaben (d. h. erhalten) unde irkrigen. 164 var.; ab sie die irkriget. 120, die frau ihre morgengabe. da krîgen auch vom rechtsstreite galt (II, 3), liegt ein erkrîgen durch rechtsstreit erlangen ganz nahe. freilich die angeführten stellen sprechen von keinem förmlichen rechtsstreite, nur vom erlangen eines anspruchs, dem rechtliche schwierigkeiten in den weg traten (Behrend s. 264b erklärt es auch nur mit 'erlangen'), der begriff ist nur 'mit anstrengung erlangen', wie nd. u. 2, c; vgl. auch ên gût ercrîgen richtst. landr. 26, 1, in gleichem sinne, anderes bei Haltaus 398. Aber in 'evincere, widderkriegen' Dief. 212c ist wol ein erlangen durch rechtsspruch wirklich enthalten, da das lat. wort diesz ausdrückt, und so steht nd. wirklich wedder crigen richtst. landr. s. 123. 243, im md. texte noch wider irkrigen (s. dazu B, 2, a). III@A@3@cc) überhaupt aber reicht diesz erkriegen, auch das u. a, zur erklärung unsres kriegen noch nicht aus. einmal ist es dazu doch zu selten gegenüber den vorherschenden gewinnen, ervehten, erstrîten (noch die vocc. d. 15. jh. bei Dief. 219a geben für expugnare nur diese), wie kriegen bellare überhaupt neben strîten, vehten. die frühesten erkriegen aber, aus dem 14. 13. jh., stehen dem begriffe krieg oder kampf schon so fern, dasz zu einem solchen verblassen des urspr. bildes wol ein vorleben von ein paar jahrhunderten gehörte, während der begriff waffenstreit doch frühestens im 13. jh. sich erst entwickelt hat (II, 4, a); s. z. b. de brôderscap (innung) erkrîgen u. 2, c, gnâde erkriegen bei Eckhart 2, a, dat ewige leven 2, d, s. auch I, 1, c. III@A@3@dd) die entstehung dieser bed. musz also viel weiter zurück liegen, und demgemäsz auch mehr noch sinnlich sein. den entstehungspunkt verrät wol eine glosse des 15. jh. 'extorquere erkrigen' Mones anz. 7, 158 aus dem voc. des mag. Engelhusen und aus einem andern voc. Dief. 220b, wo auch auskrygen dafür steht (neben abtwingen, uʒtwingen, uʒpinigen u. ä.). diese bed. passt auch für das älteste hd. vorkommen, dem Lichtenstein läszt seine vrouwe auf sein dringliches minnewerben melden: und wil er mir die minne mîn an erkriegen sunder danc (ohne meinen willen), daʒ ist gar ein tumplîch gedanc. frauendienst 360, 11. 30. das war wol urspr. 'abringen', im eigentlichen sinne, in gewaltsamem ringkampfe, ohne waffen (s. II, 1, a); die alten erkriegen lassen sich sehr oft durch unser erringen ausdrücken, und leibliche anstrengung ergab sich ohnediesz für krieg wie kriegen als die grundbedeutung. III@A@3@ee) aber die frage ist ja nach kriegen. III@A@3@e@aα) konnte aus erkriegen erringen durch kürzung kriegen erringen werden? aus erringen ward kein ringen, aus erstrîten kein strîten, aus erwerben kein werben, aus ervolgen assequi, obtinere (eig. erlaufen) kein volgen, aus erklagen kein klagen. Aber wirklich gab es für sige ervehten auch sige vehten (wb. 3, 310b), Wolfram braucht Parz. 113, 23 wirklich einmal ringen für erringen (wie hss. haben), vgl. auch erretten und retten, eig. entreiszen, und kennen I, 1; für erwinnen, das selten ist, aber gewiss das ursprüngliche, hiesz es vorherschend gewinnen (nd. winnen), und das verhältnis war da schon ahd. so. III@A@3@e@bβ) und besonders auf md. und nd. boden, wo unser kriegen seine heimat hat, war diesz abstoszen von er- (oder ver-, vor-) beliebt. da gab es wirklich werven für vorwerven, erwerben (z. b. Rein. vos 6462, nrh. Teuth. 60a), da war in der rechtssprache für erteilen, erdêlen, d. i. 'urteil sprechen', ganz gewöhnlich auch teilen, dêlen (z. b. im Ssp.), da galt für das im rechte so wichtige erholunge (s. sp. 1544 unten) auch kurz holunge (Homeyer richtst. landr. 539), zu dem erlouben des gerichts gab es ein subst. loube (Michelsen thür. rechtsd. 125. 129, md. Ssp. 3, 20, 2, richtst. landr. 90. 386, Magdeb. fragen 268); s. auch kobern aus erkobern sp. 1545 fg., gleichfalls aus dem rechtsleben, diesz schon ahd. mit verlust des ir- (1, a). und auch der grund der abstoszung wird aus den beispielen selber klar: es sind lauter wörter, die bis zum überdrusz häufig nötig waren, welche man sich endlich so erleichterte, und das musz denn bei erkrîgen auch der fall gewesen sein. wer sollte da z. b. in dem rechtlichen widererkrîgen (s. b zu anf. und zu ende) die beiden er lange sorgfältig schonen? Luther 3, 219b brauchte noch gnade kriegen und gnade erkriegen neben einander. III@A@3@e@gγ) im nrh. (und nl.) gebiete wird übrigens die kürzung aus verkrîgen vor sich gegangen sein, nach dem Teuth. 60a zu urtheilen, der als verb. nur crijgen, als subst. verb. aber dicht dabei nur vercryginge aufstellt; nl. besteht noch verkrijgen neben krijgen und vertritt erkrîgen, das da fehlt. III@BB. Die heimat des wortes, seine gestaltung. III@B@11) Es ist eigentlich nicht hd. III@B@1@aa) gegenwärtig zwar ist es auch der oberd. sprache eigen, und nicht blosz den durch die schriftsprache beeinfluszten kreisen, sondern auch dem volke. III@B@1@a@aα) nur in dem eigentlichen alemannischen hat es bis heute keinen boden fassen können, und das ist darum auffallend, weil gerade dort bekriegen gleich bekommen heimisch war (s. u. A, 2, e Forer, Maaler); dort hat überkommen seine stelle inne (überchô); doch s. aus dem Bregenzerwalde unter c. III@B@1@a@bβ) aber schon im Elsasz, in Straszburg krieje, z. b. e christkindel Arnold pfingstm. 37. 39. 127. 160 (daneben bekumme). in Schwaben, z. b. in sprichwörtern, wie: gang nit über dein mist, so weistu was du kriegst. Schmid schwäb. wb. 625 (sprich mischt: kriescht). in Franken Reinwald 1, 89, in Nürnberg Frommanns Grübel 3, 289a (kröign). in Baiern 'durchaus statt bekommen, erhalten, erlangen üblich', auch eine speise, eine kränkung u. ä. nicht hinunterkriegen künnen, s. Schmeller 2, 384. ebenso in Österreich, z. b. das fieber kriegen, ich will dich schon einmal kriegen, s. Höfer 2, 174; auch tief im gebirge, wie in Kärnten Lexer 167, in Tirol Schöpf 346, überall unentbehrlich und völlig eingewachsen (man vergl. unten c). III@B@1@a@gγ) doch noch an einer stelle fehlt es, und zwar geschichtlich bedeutsam: in Siebenbürgen. zwar hat es sich dort auch schon eingestellt in der verkehrssprache, aber nur als ein östreichisches wort; die urspr. 'sächsische' mundart aber kennt kein kriegen, d. h.: es war in der alten heimat der Sachsen, am Mittel- und Niederrhein, als sie da auszogen, noch nicht entwickelt, also im 12. jahrh., und das stimmt denn zu der oben angestellten wahrscheinlichkeitsrechnung (A, 3, c, vgl. C, 1, e, δ); s. auch aus dem Teuth. A, 3, e, γ. die stelle von kriegen hat dort noch bekommen (bekun). III@B@1@bb) wann und wie ist es nach dem süden vorgedrungen? III@B@1@b@aα) die älteren oberd. vocab. haben nichts davon; noch die Straszb. gemma 1518 gibt für adipisci nur das alem. überkommen, für nancisci erwerben, überkommen (ebenso Melber), während doch ihre Cölner vorgängerin da verkrigen hat (A, 2, d). kriegen fehlt ferner bei Dasypod. (auch da hauptsächlich überkommen), bei Frisius, Maaler, die doch bekriegen haben. aber der Baier Schönsleder 1618 nimmt kriegen auf g 6a, verweist jedoch die erklärung auf zuwegen bringen (consequi, adipisci u. s. w. J 1c), der Augsburger Henisch 1616 nennt es mit unter bekommen 271, 11, verwendet es auch sonst, z. b.: der demutstand kriegt überhand. 675, 31. III@B@1@b@bβ) aber der gebrauch der schriftsteller war der verzeichnung durch die wbb. vorausgegangen, wie immer. ich finde es schon bei dem Schwaben Schertlin: Hessen hab mit aller welt also kargklich gehandelt (sei so knauserig verfahren, wie jetzt im schmalk. kriege), verhofft mit disen (den jetzigen) stenden noch mer zu kriegen (geld bewilligt). briefe an die stadt Augsb. 36, v. j. 1545. in einem liede von 1546, vielleicht österr.: dasz ungehorsam kriegt sein straf durch götlich rach. Liliencron 4, 347b. ferner dem md. gebiete näher, bei H. Sachs schon ziemlich oft, auch bei Ayrer: erstecks in der gfengnuss ... das wir rhu vor ihn allen kriegen. H. Sachs 3, 1, 131c (1588); der jüngst sein erbtheil kriegt int hand. 143d; denn was kriegt ein mensch seiner zeit von all seiner müh und arbeit ... denn dasz er sein lebtag hat gwonnen unrhu, gremen, leid und schmerzen. 5, 201b, nach pred. Sal. 2, 22, vielleicht nach Luthers übers., s. C, 2, b, β; dasz ich gelt krig und ihn bezal. Ayrer fastn. 129b. III@B@1@b@gγ) dagegen scheint der Oberrhein länger widerstanden zu haben; von S. Brant, Keisersberg gar nicht zu reden, so hat es zwar Fischart, aber vorzugsweise im bienenkorbe (1579), der aus dem nl. übersetzt ist: allerlei materien, welche dardurch (durch die 'beschwörung' des priesters) grosze kraft kriegen wider sünd, teufel und höll. 1588 16a, nl. welcke .. groote cracht crijghen Marnix byencorf 13b; seintemal ja die pfafen kein eigne hausfrauen haben mögen, sonder brauchen die frauen in gemein die sie kriegen können. 170a, ebenso bei Marnix 160a; man mag zu Rom dispensation darüber kriegen umb ein stuck gelts. 256b (dispensatie crijghen M. 252a); unter welchen etliche von thür zu thür, ihr asz zukriegen, ... schwermen. 263b; da kriegen sie den kosten (unterhalt) ohn arbeit. 264b, beides nach M. 260b. doch auch schon im flöhhatz (1573): die alle krigten ain bös end. 2, 102 Kz. (kriegten kl. 10, 890); das alle weiber prauchen mügen alle flöhfallen, die sie krigen. 107 (krügen 895 Sch.). dann in der span. armada 1588: sie meinten hie viel gelds zu kriegen. 3, 359 Kurz, kloster 10, 1118. er braucht ebenda erkriegen, das ja oberd. war (sp. 2233): wann wir den pater nur erkriegen. III@B@1@cc) aber ein paarmal tritt es oberd. auf, wo entlehnung vorzustellen schwer ist. die sog. cimbr. gemeinden gebrauchen für bekommen vorkrigen, s. Schmeller 139a; wie sollte diese nrh. nd. form (A, 2, d) nach dem entlegensten süden übers gebirge gekommen sein? und im Bregenzerwalde mit einer kräftig sinnlichen bed.: 'kriogo, holz, heu, dünger u. dgl. durch einen flaschenzug bergauf bringen' (Felder); das erinnert nahe an den krieg als hebevorrichtung sp. 2211, zu dem es wol unmittelbar gehört, s. auch unter C, 1, a, ε. aber wie dieses von unserm kriegen fassen (C, 1) doch nicht zu trennen ist, so legt das alles den gedanken nahe, dasz doch auch auf oberd. boden ein kriegen nancisci sich keimweise entwickelt habe (das cimbr. vor- steht nicht im wege, denn es ist auch lusernisch, s. Zingerle 30b), zumal ja erkriegen, bekriegen dort bestand. ein bestimmender einflusz vom norden her würde dadurch nicht aufgehoben. III@B@22) Im nd. zeigt sich krîgen am frühesten entwickelt. III@B@2@aa) dasz es da früher entwickelt war, als auch im md., verrät sich wol z. b. in folg. umstande: up dat he des dach krige (dafür eine fristung gewinne) heiszt es im nd. texte des richtsteigs landrechts 46, 4, die md. übers. hat aber dafür noch: uf das her den tag irkrige (s. 297 Hom.), s. darüber A, 3, e; eine md. hs. geht sogar dem ganzen worte aus dem wege und setzt gewinne. ebenso setzt der md. text s. 123 für du crigest dat dine wedder noch du irkrigest, s. 188 für nd. were krigen noch gewere irkrigen, s. 243 für wedder crigen noch wider irkrigen; s. 100 behält er zwar das nd. krigen bei, aber nur weil er es misversteht als litigare (s. II, 3, a), während arcessere, nancisci gemeint ist. und beide hss. sind aus éinem jahre, vom j. 1382 (Homeyer s. 75). im Sachsensp. dagegen kommt es noch nicht vor. III@B@2@bb) doch tritt es gleich zuerst, im 14. 15. jh. so vielseitig entwickelt auf, dasz an einem vorleben von einigen jahrhunderten nicht zu zweifeln ist. und nicht nur sinnlich, z. b.: wat se dergenner (der verurtheilten) kregen, den leten se de koppe afhouwen. brem. gesch.-quellen s. 113; kregen mer lude (zur heerfahrt) wen sie behoveden (bedurften). 137; to kôp krîgen, zu kaufen kriegen. Magdeburger schöppenchr. 377, 16 (s. auch für 'erobern' I, 4, c) — sondern früh auch unsinnlich in verschiedenster abstufung, z. b.: vêde krîgen. Kindlinger gesch. der d. hörigkeit 518, v. j. 1404 (Bech); de sulve here Nicolaus konde sîne bestêdinge und bîsorge (seelsorge) nicht krîgen (als gewählter bischof). Magdeburger schöppenchr. 341, 18; kregen trôst (zusicherungen) van dem pawese und van dem keiser. 389, 21; strâf krîgen. Rein. vos 6655; dat ik vorwort (vertrag) mit ome krêch. Zeno 994 Lübben; krêch den sin, dat he na Rom theen wolde. H. Korner Wiener hs. 16b (K. Schiller); de dochter hadde lêf gekregen ênen schôler. 45a; he kreich on leif unde wert. Leibnitz scr. brunsv. 3, 299. gleich zuerst wie noch heute umschreibt das nd. wort einen weiteren gebrauchskreis als das md. auch im volksmunde. III@B@2@cc) die form des nd. wortes ist stark, mnd. krîge, praet. krêch oder kreich, im pl. kregen, wie im conj. krege, part. gekregen (beispiele unter b); im praes. ind. tritt in der 2. 3. sg. nach nd. regel kürzung ein, krichst, kricht, z. b.: doch ik bin des alleine nicht, de bî vrouwen râde schaden kricht. Rein. vos 3434; isset (ist es), dat he mi wedder kricht, he lêt mi ungehangen nicht. 2910; men wêt nicht, wat men kricht. gl. zu 1, 36 (s. 102 Lübben); nicht anders bei erkrîgen: ercricht ên dîn gût unde clagestu dat. richtst. landr. s. 182. ebenso aber im md., s. 3, e. So noch nnd., z. b. mekelnb. ik krîch, du krichst, he kricht, wi krîgen u. s. w., praet. krêch oder kreich, part. krägen, und wenig anders allerwärts; auch friesisch, z. b. im Saterlande krîge, praet. krëigh, part. kriegen Fromm. 3, 262, ostfries. krêg, part. krägen Stürenburg 123b. III@B@2@dd) dennoch finden sich auch nd. spuren von schwacher bildung, die im md. vorherscht (3, b). ich finde bei Danneil 116b aus der Altmark neben dem part. krägn auch kriggt (wieder mit kürzung, wie unter c), wenigstens in der bestimmten bedeutung haschen (s. C, 1, b, α); von einem praet. krichte sagt er nichts, es gehört wol notwendig dazu. und bei Schambach 112b aus dem südl. Hannover neben dem praet. krêg 'selten kreig, krêgde' (nichts von einem schwachen part.); diesz krêgde ist sehr auffallend wegen seiner länge wie wegen seines e, es ist wol neubildung, vielleicht unter md. einflusse, vgl. u. g, γ. ist solcher einflusz auch bei dem märk. kriggt? schon in den fries. rechtsquellen hat doch krîga, krîgia erlangen, erhalten im part. krîgeth, s. Richthofen 879a. III@B@2@ee) im nrh. gleichfalls stark: praet. kreich Karlm. 340, 28, Harff 239, 10, der seele trost, s. Frommann 2, 442a, das. plur. kregen, conj. krege, part. gekregen, im praes. neben krîgen auch kreigen, krêgen (wie für krieg bellum kreich, creghe sp. 2213 unten). stark auch nl., mnl. crijgen creech gecreghen, nnl. krijgen kreeg gekregen; es tritt nl., wie nrh., gleich früh mit dem nd. auf (entstanden wol aus verkrijgen, s. A am ende), z. b. Reinaert 4220 Gr. III@B@33) Am wichtigsten fürs nhd. ist aber das mitteld., das hier einmal besonders deutlich die vermittelung übernahm zwischen hd. und nd. (vgl. h). III@B@3@aa) auch hier tritt das einfache oder vereinfachte wort weit früher auf als im hd., z. b.: uf das abir die lüthe .. des eine warnunge krigen, haben die rethe besloszin u. s. w. Posern-Klett urkundenb. der st. Leipzig 1, 343, ratserlasz v. j. 1467. auch das în krîgen erhalten unter A, 2, d enthält ja schon einfaches krîgen. und ein gekrîgen aus dem 14. oder noch 13. jh. gehört gleichfalls daher; von dem weltlichen ehrgeize des noch unbekehrten Augustin heiszt es: nu wolde er ouch an êren vrumen, ein teil ûf baʒ stîgen, und alsô daʒ gekrîgen zu Rôme in der houbetstat. pass. K. 417, 84, offenbar: erreichen, erringen, falls nicht für daʒ urspr. dar stand, wo dann die bed. I, 1, a einträte. III@B@3@bb) die form war md. eine doppelte. III@B@3@b@aα) das starke praet. kreig, part. (ge)kriegen, noch im 16. jahrh., z. b. bei Luther, in der bibelausg. letzter hand (wie ebend. schreib, bleib u. a.): und der herr segenet hernach Hiob mehr denn vorhin, das er kreig vierzehen tausent schaf u. s. w., und kreig sieben söne und drei töchter. Hiob 42, 12. 13; und war also ein weinstock, der reben kreig und zweige. Ez. 17, 6; das er die königliche krone kreig. Sir. 47, 7; die kreig unordecliche liebe. W. Gerstenberger bei Schminke mon. hass. 1, 77. 99, hessisch, wie folg.; den 28. jan. kriegen wir einen huck landes ins gesicht. H. Staden weltb. 1567 2, 28a, richtiger plur., wie stiegen, blieben; mit nd. voc. kreg: nach diesem schad kam sie (die kunst) wol auf und kreg hoffnung mit groszem hauf. Gilhusen gramm. (1597) 21. III@B@3@b@bβ) im part. praet. kriegen (wie blieben, geblieben u. a.): die jüden haben die bibel, und wir alle habens von den jüden kriegen. Luther 6, 350a; auch in der bibel: ich hab einen ehrlichen (d. i. ansehnlichen) gast kriegen. Sir. 39, 34; hastu kinder kriegen. ps. 45, 17 var. noch im 17. jh., hessisch: ei herr Claus, das musz leiden guter saft sein, wenn ich den nicht kriegen hette, were ich .. gestorben. Melander jocos. (1604) 579. die starke bildung nach nd. art gilt noch in Kurhessen, s. Vilmar 226. III@B@3@cc) aber sie war doch schon im 16. jh. zum untergang bestimmt; schon da sind, z. b. in Luthers bibel, die schwachen formen vorherschend: meinem herzen verlangte nach ir, und ich kriegte einen guten schatz. Sir. 41, 29. 2 Mac. 4, 10. 15, 11. 1 Sam. 5, 9. richt. 5, 13; er .. krieget seinen lohn, wie er verdienet hatte. 2 Macc. 5, 7, auch kurz kriegt 1 Mos. 26, 12 (var. fand). 1 chron. 2, 23 (var. nam). Tob. 14, 15; auf das Israel ir erbe kriegeten. Sir. 46, 2, die vollere form sollte vielleicht den conj. deutlicher machen. im part. praet.: und hattest schon lange har gekriegt. Ez. 16, 7; aber auch nur krieget: er hat auch grawe har krieget. Hos. 7, 9. Sir. 24, 15, und kriegt (vgl. f): da aber Pharao sahe, das er luft kriegt hatte. 2 Mos. 8, 15. Man sieht da, dasz die beiden bildungen im md. sprachbewusztsein wirklich neben und durch einander lebten, wie wahrscheinlich von je her (s. A, 2, b. I, 1 und 2), dasz aber damals die schwache, d. h. der hd. einflusz schon im siegen begriffen war. III@B@3@dd) zu dem praet. kreig, part. kriegen gehörte aber genau ein praes. kreigen, nicht kriegen (wie steigen, bleiben), als richtige umsetzung des früheren krîgen (vgl. II, 2, f). III@B@3@d@aα) bei Luther zwar nicht, aber anderwärts: das überhand .. der .. mensch nit kreig (: gleich). Melissus ps. D 1a; (samlet güter) unt wais nicht wer si kreigen wird. R 2b; bat mich, ich wolt die kunst nicht schweigen (ihm verhehlen), ich solt sie wol belohnet kreigen. froschm. N 1a (1b), I, 15; ach herzeliebe grosze magd, meinn mann den kriegst du nicht .... drum solst du stille schweigen, du wirst in schwerlich kreigen. Uhland volksl. 712, aus dem erzgebirg. bergliederbüchlein o. o. u. j. (s. Uhland 977) s. 230, im anf. des 18. jh. gedruckt. die form herscht noch in Sachsen beim volke, auf dem lande, aber zu krein geworden (wie stein aus steigen), dazu du kreist, er kreit (neben krichst, kricht, s. e). letzteres erscheint im 16. jh. als kreigt (dem reim zu liebe kreicht geschrieben), eben in Sachsen: ir werts versuchen, als mich deucht, das ir das krimm (krimmen) im nacken kreicht. Hayneccius (er war aus Borna) drei com. J vijb (s. 2, 832). III@B@3@d@bβ) aber ein starkes praet. dazu ist mir nicht bekannt, es heiszt in der regel krichte, part. gekricht (s. e), d. h. das schwanken beider bildungen ist so entschieden worden, dasz sie sich in das wort nach praes. und praet. gleich theilten. doch findet sich auch gekreit, also kreigen als schwach behandelt: Christoph, sprach mein buchbinder (zu dem bauer), wo habt ihr denn das buch (Gellerts fabeln) bekommen? 'wo wer ichs her gekreit han? ich ha mirs gekoft'. Gellerts familienbriefe Freib. 1819 s. 144; so mag auch kreite nicht fehlen. Alles diesz gilt in der hauptsache auch für Thüringen und das östl. und nordöstl. mitteldeutsch überhaupt. III@B@3@d@gγ) übrigens greift das ei noch weiter, im Egerlande, in der Oberpfalz kreign Gradl in Kuhns zeitschr. 18, 267, Schm. 2, 384, südhess. kreie Gradl 268; aber dort entsteht ei auch aus echtem ie (vergl. krieg I, 2, c, β), so dasz auch z. b. wetterauisch das praet. kreit dem hd. kriegte (nicht krichte), das part. kreit dem hd. kriegt (s. f) entspricht. III@B@3@ee) die erwähnte kürzung in krichte, gekricht, auch krichst und kricht (sowol er kricht als ihr kricht) haftet dem md. worte so lange und so weithin an (mit theilweiser ausnahme des westens, s. f a. e.), dasz man sie als berechtigt bezeichnen musz, obwol sie von der schule und der bildung hart bekämpft wird. III@B@3@e@aα) zwar im 14. jh. scheint sie dem md. noch fremd, nach dem richtsteig landr. 26, 1 zu urtheilen, wo die nd. fassung schon ercricht, doch wol schon mit kürzung, die md. noch irkrîget hat (s. 182 Hom.). aber in dem schwanken zwischen kriegte und kriegete, gekriegt und (ge)krieget bei Luther unter c verrät sich wol das aufkommen der kürzung neben der vollen form, nur dasz man das hd. ie beidemal schrieb, wie noch Stieler, Steinbach in gekriegt; vgl. aber krigt in Luthers tischreden unter C, 2, b, α. doch endlich unterscheidet auch Ludwig teutsch-engl. wb. Leipz. 1716 sp. 1073 zwischen kriegete bellavit und krigte accepit, schreibt aber nun der lieben gleichmäszigkeit zu gefallen auch krigen im unterschied von kriegen. erst Adelung spricht endlich von der aussprache, ohne sie doch in der schrift ausdrücken zu wollen: »im imperfecto und dem mittelworte der vergangenen zeit lautet das ie gemeiniglich kurz, da denn auch das g den hauch des ch annimmt [den es doch in md. aussprache durch das ganze wort hat, d. h. palatale aussprache], als wenn es ich krichte, gekricht geschrieben wäre; ja selbst im präsenti spricht man in der 2. und 3. einfachen person an den meisten orten du krichst, er kricht.« III@B@3@e@bβ) man findet es doch auch in der schrift ausgedrückt: were die campagne nicht zum endt, hetten wir meinen sohn nicht her gekricht. Elis. Charl. v. Orleans briefe (1867) 43, vom j. 1695, also auch pfälzisch; st! ich habe schon einmal eins aufs maul gekrigt! Hermes Soph. reise 2, 413. 1, 398. 298 und oft; sobald er den ruf krigte. 2, 446; weil ich düchtige wixe drüber krigte. 3, 51 u. o.; krigte viele schläge. Claudius 5, 114 u. o. das zog aber auch krigen nach sich (wie bei Ludwig vorhin): zu sehn krigen. Hermes 1, 499; krige keine convulsions. Claudius 4, 111, imperativ. III@B@3@e@gγ) die kürzung hat in der md. sprache kein genaues seitenstück (bei nehme nimmst, gebe gibst, mögen mochte ist die kürze das ursprüngliche), entspricht aber einer nd. regel, die für die entsprechende starke conj. gilt (s. z. b. Nerger gramm. des meklenb. dial. s. 14. 75. 162). dennoch ist unmittelbarer einflusz des nd. darum nicht möglich, weil beide mundarten nur in du krichst und er (he) kricht zusammentreffen, nicht im praet. und part., wo das nd. starke formen hat (doch s. kriggt in der Altmark 2, d). aber wie die kürzung nd. auch im schwachen verbum sich geltend machte (s. z. b. unter keichen 3, c), so zeigt auch das md. selbständig die neigung zu solcher kürzung vor consonantenhäufung, z. b. in der schönste mit kurzem ö neben schœn in sächsischer mundart. III@B@3@e@dδ) es kommen aber auch kürze und länge neben einander vor, z. b. in der mundart der Ruhl du krist und krîst, er oder ihr kritt und krît, während da sogar kriegen zu krinn gekürzt wird; ganz merkwürdig ist da praet. krêjt oder krêt oder krett, part. gekrêt (Regel 114). letzteres ist also da von der kürzung ganz ausgenommen, wie weiterhin nach westen auch das praet., s. d a. e., f a. e. III@B@3@ff) das part. praet. zeigt eine starke neigung zum abwerfen des ge-; wie schon bei Luther unter c kriegt, so weiter bis heute: das unzelige geld, das sie mit .. opfermessen kriegt haben. Luther 7, 438a Wittenb. ausg. 1572; der bleiche monde hat eilfmal erst abgenommen und neue hörner kriegt. Opitz 1, 31; da hat auch herz und muth den kranz des sieges kriegt. 1, 51; den stier hat Venus kriegt. 1, 91; der breutigam hat 1000. güldn mitkriegt. Stieler 1039; da ich den gedanken wiederum fest kriegt hab. Klinger theater 2, 344; ich hab ehrfurcht für Wild kriegt. 356; ich hab das geld erst den 19. januar kriegt. Göthe in Mercks briefs. 1, 122, v. j. 1778; einen gar guten brief von meiner mutter hab ich kriegt. an frau v. Stein 1, 213 (gekriegt 1, 95. 106); sonst hab ich nichts von der messe kriegt. werke 60, 224, briefl. v. 1774; euren lieben .. brief hab ich heute kriegt. Göthe und Werther 73. 72, von 1772, es ist frankfurtisch (s. nachher). Als ostmd. kenn ichs nicht von heute, aber im westen gilt es noch, z. b. auf dem Westerwalde, in der Wetterau kreit (zu dem ei s. d a. e.), während sonst das volk dort das ge- des part. nie wegläszt (Weigand), z. b.: wei mer schmisz kreit hun. Malsz die bauern s. 19 (1850). in Frankfurt kriet (wie kriest kriegst Malsz volkstheater 7, 28. 40, kriet kriegt 35. 8, 56), mrh. ebenso in Nassau Kehrein 247, auf dem Hundsrück Rottmann 96 (aber auch kricht ebend.), wie noch in Luxemburg krît Gangler 253, während da im sing. praes. auch gekürzt wird du kris, e krit (merkwürdig praet. krût, praes. kréen), also part. und praet. ungekürzt, in Frankfurt auch die 2. 3. sg. praes. (wie auch straszb. kriejst Arnold pfingstm. 124, part. kriejt 92, nürnbergisch kröigt part. Grübel 1, 20). III@B@3@gg) aber das praet. hat in der westl. hälfte des md. gebietes zum theil ganz abweichende formen. III@B@3@g@aα) in Frankfurt heiszt es krâg, z. b.: jetz krag er (der rappe) awwer die schwernoth in leib. Malsz bürgercap. 2, 13 (1821 s. 101, 1850 s. 70); ebenso auf dem Westerwalde Kehrein Nassau 247, in Oberhessen Vilmar 226. in der Wetterau aber krôg, 'was in krâg verhochdeutscht wird' Weigand (daneben aber kreit). und weiter her nach der mitte, im nördl. Franken, in Sonneberg krâg, conj. kræge (gesprochen kröig) Schleicher Sonneb. 59, Kuhns zeitschr. 7, 223, ebenso in Coburg Frommann 6, 528, bis dicht an die grenze des thüring.: wenn ich die sach zu machen hätt, da krägen sie nix. O. Ludwig Heiterethei 89; einen groszen kuppelpelz kräg er nicht von mir. 270. 268. III@B@3@g@bβ) diesz kräge, krägen kommt aber so ziemlich überein mit der entsprechenden starken form des nd. (2, c), die einst auch thüringisch war, wo auch der pl. praet. kregen lautete (s. I, 1, b, α) wahrscheinlich auch mrh. wie nrh.; das konnte den anlasz geben, das neue wort in eine der naheliegenden starken formen zu gieszen. bei krag mag dann liegen, lag, bei krog fliegen, flog mitgewirkt haben. ein beweis mehr für die verpflanzung von auszen her, das wort geriet bei dem versuche einzuwurzeln an eine falsche stelle. III@B@3@g@gγ) daher auch das schwanken, z. b. im praet. kommt es auch schwach vor, mit dem starken krag, kräge vermengt: sonnerbar is, wann sie 's geld krägte, un ich nix. Malsz Frankf. volkstheater (1850) 8, 53; vgl. das ruhlische krêjt e, δ, gött. krêgde 2, d. Übrigens tritt im nördl. Franken auch schon die östl. kürzung auf, im part. gekricht Frommann 6, 258, Schleicher Sonneb. 59 (nicht z. b. in Nürnberg), sodasz da das westmd. und das ostmd. deutlich zusammenstoszen. III@B@3@hh) so ist kriegen eine echt mitteld. schöpfung der nhd. zeit, nach längerm schwanken aus hd. und nd. wie durch ein compromiss zusammengebracht. der inhalt ist wesentlich nd., die form wesentlich hd.; der nd. inhalt hat darin seine starke form aufgegeben, die hd. form ihren urspr. reicheren inhalt eingebüszt. Das eintreten des hd. einflusses wird sich an dem ie erkennen lassen. er erscheint schon im passional neben dem sonstigen î, z. b. 331, 63 K. kriegen, freilich noch für befehden; aber diesz ie, obwol es gewiss nicht anders als î gesprochen wurde, verrät doch das streben zum anschlusz ans hd. (vgl. C, 5, d), so gut wie z. b. in vliegen : betriegen ebend. 331, 51. 52 (vgl. meinen Ssp. s. xiii fg.). dann im 15. jahrh. erkriegen neben erkrîgen (s. unter A, 2, b), immer öfter wie es scheint, bis im 16. z. b. in Luthers bibel kriegen durchgesetzt ist, trotz der reste starker form ebenda, wie kreig (s. b). nur im 17. jh. tritt vorübergehend wieder krigen auf, bei den schles. dichtern, als genaue wiedergabe der md. aussprache. Aber dieser md. anschlusz ans oberd. ist nur ein geschriebener, denn dort hat das ie noch seinen alten klang eines doppelvocals (östr. kriagn, bregenzerw. kriogo, nürnb. kröign), obwol die gebildeten dort auch schon länger auf die md. aussprache mit î einlenken; findet sich doch eignerweise auch dort am südlichsten rande volksm. i gesprochen, s. 1, c cimbr. verkrigen (wie krig krieg, dinan dienen u. a.). III@B@3@ii) eine erwähnenswerte eigenheit von kriegen ist endlich, dasz es kein passivum hat, auszer in einem falle (C, 1, b, β) und auch da selten. III@CC. Gebrauch und bedeutung. III@C@11) fassen, ergreifen, packen u. ä.; diese ganz sinnliche bed. tritt bis in die gegenwart sehr deutlich auf und scheint den angenommenen ursprung (A, 3, e) in frage zu stellen. III@C@1@aa) man kriegt, ergreift, packt etwas. III@C@1@a@aα) so nd., im 15. jh. wie noch heute (auch nl.); von den bauern, wie sie dem bären zu leibe wollen, heiszt es: îslik nam mit sik sîne were, wat he êrst krêch ût sînem werke, de eine eine vorke (mistgabel), de ander eine harke, de dridde ein spêt, de vêrde eine rake. Rein. vos 675, hier schon mit dem nebenbegriffe des zufalls (s. γ); dâr stûnt ein pekstaf bî der want, den krêch Martinet in de hant (als waffe). 1188. von heute z. b.: Hillerk, krî dî'n stôl, gâ wat sittn. Fromm. 4, 122, 40, ostfries., nimm dir einen stuhl (den ersten besten) und setz dich ein wenig. in der Altmark aoft afkrîgn obst abnehmen, upkrîgn aufnehmen von der erde, tüffeln upkrîgn oder ûtkrîgn kartoffeln ausmachen, s. Danneil 117a. dergleichen ist mir jedoch md. nicht bekannt, d. h. der nd. gebrauchskreis ist doch noch gröszer als der md. III@C@1@a@bβ) für ergreifen besteht es aber auch md.; in der stelle aus Rein. vos würde es da noch jetzt genau so heiszen: was er zuerst kriegte oder genauer vielmehr krichte (s. B, 3, e), auch in die hand krichte (s.γ), oder zu packen krichte (s. c). und auch bei schriftstellern: sie aber kriegte eine scheer und schnitte mir mein goldfarbes haar auf der rechten seiten hinweg. Simplic. 2, 120 (3, 13 Kurz), es ist nichts als 'nahm her', aber wesentlich mit dem nebenbegriffe des raschen, kurz entschlossenen, genau wie noch heute, man sagt aber da gern deutlicher, wie malend her kriegen (wie her nehmen); als die gäste des trinkens müde worden, kriegten sie eine karte und spielten. Weise erzn. 131, cap. 12, kriegten sie her würde es jetzt heiszen; und kriege das volle glas zur hand. Göthe 12, 191, durchaus nichts als: ergreife, 'nehme zur hand', aber wol vom raschen ergreifen, wie auch bei Weise eben; da kriegt er meinen kasten kaffee und setzt mir ihn oben hinauf ins C (statt ins K). 13, 60, pater Brey; da droben im gbirg die wilden ziegen, wenn ich eine bein hörnern thu kriegen, fasz mit dem maul ihre vollen zitzen ... 13, 80 (satyros 1), im stil der alltagsrede, nur in der ersten stelle 12, 191 nicht ganz (Valentin im Faust). III@C@1@a@gγ) bei uns drängt sich darin jetzt allerdings der begriff des zufalls vor, der sich schon mnd. zeigt (s.α); wir kriegen meistens in die hand, was uns gleichsam der zufall in die hand gibt, z. b.: gestern hab ich einen wunderbaren tag gehabt, habe nach tisch von ohngefähr Werthern in die hand gekriegt, wo mir alles wie neu und fremd war. Göthe an frau v. St. 1, 95. oder statt des zufalls steht das glück, das uns etwas in die hand gibt: sie meinen, wo síe die kugel in die hand kriegten, wolten sie wol zwelf kegel treffen, da doch nur neune auf der leich stehen. Luther 6, 136a. aber unter den stellen vorhin sind doch auch solche, wo dieser begriff auch md. völlig ausgeschlossen ist, wo ein wollendes greifen nach etwas auszudrücken war, z. b. im Simpl., in herkriegen, hernehmen; s. auch folg. III@C@1@a@dδ) es geht auch in holen, langen über, entschieden aus einem bewuszten wollen hervorgehend: krîg mi dat bôk, hole oder reiche mir das buch her. Dähnert 255a (ebenso nl.). und auch das ist md.: kriegte hierauf mit der kluft (zange) das möhmlein aus dem glas mit wasser. Simpl. 1, 378 (1, 385 Kz.), d. i. eine kröte, die er herauslangt; die äpfel hängen zu hoch, ich kann sie nicht kriegen. Adelung, erreichen und fassen; das geld ist verborgen. wenn ich es hervor kriege, wo soll ich sagen dasz ich es her bekommen habe? Lessing 1, 476 (der schatz 3). s. auch 2, e sp. 2247. III@C@1@a@eε) ob diese bedeutung auch ins südd. vorgedrungen ist? aus Schwaben gibt Reinwald henneb. id. 1, 89 ein verwandtes 'sich anschaffen', z. b. du muszt ein klavier kriegen, du solltest dir ein klavier anschaffen (vgl. dazu δ und 2, e, α); vgl. auch das bregenzerw. kriegen heraufziehen unter B, 1, c. letzterem steht nahe holst. upkrîgen aufs land (aus dem schiffe) oder auf den boden bringen lassen, z. b. waaren, holz Schütze 2, 348. III@C@1@bb) ebenso von menschen, die man kriegt. III@C@1@b@aα) nd. spielen z. b. die kinder krîgen, d. h. haschen, s. brem. wb. 2, 872, krîg mi maol rufen sie sich zu Danneil 116b (der ruf auch md., das spiel heiszt aber da nicht kriegen). von dem verklagten Reineke heiszt es: gy heren, denket darup mit vlyt, wo (wie) wy ene krygen in korter tyt. Rein. vos 3440. 3577; dat wart vorspêt (erspäht) und er drê se kreghen. Soltau 2, 133, seeräuber; item ein dieb, der einem manne sein herstelle fstellet, dat man (l. man'n) daer over krieget, sall hei u. s. w. weisth. 3, 70, westf., schon halb hd. (auch das krieget für kricht), gleich ertappen. auch reinweg gleich fassen: krîg em bîm kop, fasz ihn bei den haaren. Dähnert 254b. III@C@1@b@bβ) ebenso md.: und ein man krieget sie (die verlobte dirne) in der stad und schleft bei ir. 5 Mos. 22, 23 (schweiz. überkommt); es wolte mich in der Damasker stadt des königes Areten landvogt kriegen. Opitz 3, 106; ich trafe aber nichts als unglück an, dann ehe ich Schiltach erlanget, kriegte uns eine weymarische parthey musquetirer. Simpl. 3, 129 Kurz; sie kriegten sie allein, und die dirne konnte sich ihrer nicht erwehren. Göthe 8, 211 (Egm. 2), wieder mit dem nebenbegriff des zufalls; wollen ihn schon kriegen! 42, 122, der hauptmann sagt es vom Götz. vom ertappen eines verbrechers, wie vorhin nd.: einen über dem diebstahl kriegen, deprehendere in furto. Stieler 1039, es ist md. der feste volksmäszige ausdruck, den durchaus nicht nur das volk braucht, sie haben ihn endlich gekricht, z. b. einen mörder, ehe er noch gekrigt (gefangen) war. Ludwig 1073. diesz ist übrigens der einzige fall, wo davon das passivum gebräuchlich ist, wie auch Adelung bemerkt, mit beispiel: er ist gekriegt, wieder gekriegt worden. III@C@1@b@gγ) an solches ertappen und fangen ist auch im folg. gedacht (auch in kräftigem bilde in den sack kriegen, in die falle u. ä.): kriegt sie ihn, solls ihr übel gehn. Göthe 12, 188; ha, kriegt man dich so, mädchen! Weisze kom. op. 1, 166, wo freilich das ergreifen wegfällt, aus dem 'ertappen' wird ein bloszes treffen mit üblen folgen, mit irgend einer strafe. hierher auch einen kriegen, betriegen. Ludwig 1073. So besonders in drohungen: warte, dich will ich kriegen! Lessing 1, 496, bei seite von einem anwesenden gesagt, der als betrüger in verdacht ist, das treffen noch weiter abgeschwächt in entdecken, 'entlarven', krieg ich dich endlich! ruft man da bei sich aus; auch von überlisten, übertrumpfen im spottkampfe u. ä.: wart nur, du dummer kerl, ich weisz dich schon zu kriegen! Göthe 7, 88; nun warte nur, ich krieg ihn schon! 12, 109. so besonders auch wieder kriegen: nechst schleppte Florida den armen Polidor mit haaren durch das haus und schlug ihm stüber vor. ha! schwur der mann im zorn, ich will dich wieder kriegen, du solt mir nimmermehr zur rechten seite liegen. Günther 554, sie hatte ihn ja zuerst gekriegt, das wieder kriegen droht mit rache, strafe. III@C@1@b@dδ) aber auch für wirkliches fassen, packen: sie kriegen einander bei den haaren und zerren sich hurtig (heftig) auf dem schauplatz herumb. Gryphius Squenz (1663) 23; die zofen kriegten sich bereits beim goldnen haar, und kurz, es war nicht weit vom schlagen. Wieland 10, 156 (urtheil d. Paris); einen bei der kartause, beim kragen kriegen u. ä. besonders beim kopfe kriegen, ganz fest packen wie einen verbrecher (vgl. sp. 1755): dasz ich Lehnen dafür beim kopf kriegte und auf ihr böses maul einen herzlichen schmatz gab. Bettine br. 2, 10. III@C@1@b@eε) bildlich, schon im 17. jh.: ich habe den gelegten thaler selbst beim kopf kriegt. Simpl. 3, 385 Kz.; was (= mhd. swaʒ) er bei dem kopfe kriegen und halten konnte, verschlemmte er. Olearius pers. baumg. 50 (4, 4). auch bei der nase: mich musz ein pfaffe nicht vil bei der nase krigen. Gryphius (1663) 376, Car. St. 3, 190, Cromwell sagt es, in dem sinne wie noch nd.: enen bi der näse krigen, bei der nase herum führen, hintergehn. brem. wb. 2, 873. III@C@1@cc) es heiszt auch zu packen kriegen, eine häufung die doch jetzt nichts weiter aussagt als ein starkes kriegen, fassen, packen: ich kriegte ihn zum glück am schopfe zu packen; wenn mich nun die leute zu packen kriegen und fragen ... Göthe 10, 100 (Clav. 4); ich habe den grünen zweig der gesundheit wieder fest zu packen gekriegt. Bürger 492a. die genaue bed. davon scheint: gelegenheit finden, oder den glücklichen augenblick treffen, um etwas zu ergreifen; man fühlt aber den acc., z. b. den zweig als obj. zugleich zu packen und zu gekriegt. die bildung übrigens, der sowol packen wie kriegen zu derb sind, geht der wendung aus dem wege mit zu fassen bekommen, aber man probiere das nur in obigen stellen, um zu sehen was aus der kraft des ausdrucks wird. s. übrigens e, ε. III@C@1@dd) auch stehlen wird als bed. angegeben: kriegen, stehlen, aliquid sublegere, furto auferre. Aler 1242a. so mnd.: we kryget unde gerne stelt, syn eigen gebrek dicke melt. Hoffmann v. Fall. nd. Aesop. s. 25, vom eintragen der ameise. es ist vielleicht eig. ein beschönigender ausdruck von diebsgesellen. III@C@1@ee, III@C@1@e@aα) aber diese ganze bed. fassen musz nach dem unter A, 3 erörterten auffallen; musz sie als die sinnlichste nicht zugleich die ursprünglichste sein? dadurch würde aber kriegen nancisci von kriegen niti, pugnare wieder losgerissen, und man könnte gleich an skr. grah capere denken. Aber es ist nicht der einzige fall, dasz, umgekehrt als sonst, eine sinnliche bed. sich einmal aus einer unsinnlichen entwickelt; s. z. b. unter kobern 1, f, das sich überhaupt mit kriegen in seiner entwickelung sehr nahe berührt. III@C@1@e@bβ) genau dasselbe, wie hier bei kriegen, ist bei gewinnen vorgegangen; J. Rothe verlangt u. a. vom vollendeten ritter folg. reiterkünste: her sal kunne wol gerîtin, snelle ûf und abe gesitzin, wol gedrabin und gerinnen (trab und carrière reiten), umme gekêrin und mit witzin (klug, geschickt) von der erde etswaʒ gewinnen. rittersp. 2700, im vollen ritte wenden und etwas (verlorenes) vom boden aufheben. ein solches fassen liegt aber von haus gar nicht in gewinnen, es hiesz urspr. mit kampf oder anstrengung erwerben, auch durch richterspruch erwerben, d. h. es deckt sich in seinem entwickelungsgange mit kriegen; stand es doch auch in dessen heutigem gebrauche einst an seiner stelle. III@C@1@e@gγ) so bleibt nur die stelle im leben zu finden, die zu dieser entwickelung den anlasz gab. es kann kampf und krieg sein, denn was man erstritten, erkriegt, gewonnen hat, nimmt man mit der hand in besitz (vgl. 2, a). aber auch das rechtsleben bot diesen anlasz dar, und wol noch häufiger. das anfassen eines gegenstandes ist das zeichen des besitzrechtes, und wie der kläger ein bestrittenes eigen durch anfassen (anevanc, anevangen, s. mhd. wb. 3, 210a, vgl. oben anfangen, anfängen) in anspruch nahm, so fehlte das fassen gewiss auch nicht nach ergangenem spruche. das ist wol das vervâhen des Augsb. stadtrechts (s. RA. 589) im gegensatz zu dem bloszen anfänglichen anvâhen das. (mit dem die klage 'anfängt'), auch das widervâhen das. geht wol in diesen begriff über. III@C@1@e@dδ) es musz nun im nd. gebiete dafür auch erkrîgen, verkrîgen gegeben haben, im anschlusz an krîgen processieren (II, 3), in der doppelbed. durch rechtsspruch gewinnen und zum zeichen des gewinns anfassen; erkrîgen in erster bed. s. A, 3, b, das nd. wedder crîgen das. entspricht dem oberd. widervâhen, dem vervâhen das nd. verkrîgen A, 2, d. nur musz diese entwickelung über die zeit unserer nd. und md. rechtsquellen zurückliegen; vgl. A, 3, c. III@C@1@e@eε) selbst das zu packen kriegen (s. c), wenn es alt genug wäre, oder eine entsprechende wendung, an deren stelle es etwa trat, liesze sich aus dem rechtsgebrauch in seiner eigenthümlichen zusammenstellung völlig begreifen: eig. durch rechtsspruch dás gewinnen (kriegen), dasz man etwas als sein eigen anfasse (packe). auch ist das kriegen allermeistens kein gewöhnliches ergreifen, sondern ein verschieden bedingtes, gefärbtes; entweder ein rasches packen (s. a, β), oder ein ergreifen nach günstiger gelegenheit, nach umständen die es uns nahe legen, nach zufall (a, γ), und das alles könnte wol aus dem begriffe der berechtigung geworden sein; auch das obstabnehmen a, α ist ja eigentlich ein berechtigtes 'gewinnen'. in andern fällen ist vorausgegangene mühe, wettstreit (b, α) damit verknüpft, oder angewendete gewalt; das kann urspr. die folge eines wettstreites oder kampfes sein. III@C@22) Viele kriegen schlieszen sich leicht an das vorige an, es mag für die meisten die quelle sein. III@C@2@aa) kriegen durch kampf, streit, wettstreit (vgl. dazu erkriegen A, 2. 3, a); s. schon I, 4, c mnd. krîgen erobern. III@C@2@a@aα) gefangene kriegen, schlieszt sich an 1, b, β an: demnach mir es bei etlichen betteltänzen (d. i. gefechten) glückte, dasz ich gefangne kriegte, die sich keine bernheuter zu sein dunken. Simpl. 3, 35 Kurz; kriegten viel gefangen. Mascou 2, 111 u. o.; dasz nur mein Hector liege und ihn der feind auch todt nicht in die hände kriege. Opitz 1, 231. III@C@2@a@bβ) beute kriegen (vgl. dazu b, α): ich frewe mich uber deinem wort wie einer der eine grosze beute kriegt. Luther ps. 119, 162; wann wir die stadt inn haben, kriegt man viel köstlich gaben (beutetheile). Soltau 2, 360. III@C@2@a@gγ) den siegespreis u. ä.: nu habe ich das edele kleinod gewunnen oder kriegt. Luther 4, 33a (1556 36b), im munde einer mutter die einen sohn gebar, bildlich kleinod siegespreis, s. sp. 1127 fg., gewinnen das gewöhnliche wort davon, aber kriegen mochte Luthern kräftiger sein, gewonnen war der preis auch ehe man ihn erhielt, gekriegt aber erst da man ihn in der hand hatte; zur zeit als mann und mann sind aneinander kommen ... da hat auch herz und muth den kranz des sieges kriegt. Opitz 1, 51; tugendreicher sinn krieget preis und schwebt empor. Schuppius 772, eigentlich krieget den preis. III@C@2@bb) etwas kriegen als seinen antheil, seine gebühr, seinen lohn u. ä., eig. fassend in empfang nehmen. III@C@2@b@aα) bei einer theilung: damit dasz er auch möcht mit theil kriegen. Luther br. 2, 269, vgl. 'theil nehmen' (eig. erhalten), auch ohne art.: wo gleich und recht zu markte feil, da kriegt ein armer selten theil. Logau 2, zug. 37, 'feile gerechtigkeit'. es kann von beutetheilung oder auch erbtheilung herrühren (vgl. bûtteilen von erbtheilung Mones anz. 7, 361): als sie sturben, drücket er inen auch ir augen zu, und kriegt also das ganze erbe. Tob. 14, 15; auf das Israel ir erbe kriegeten. Sir. 46, 2; vgl. abkriegen (vom ganzen seinen theil). von mitgift u. ähnl.: wer ein fromm weib bekömmt, der krigt eine gute mitgift. Luther tischr. 432 Eisl. 1566 (da verrät sich wol die aussprache kricht, s. B, 3, e); der breutigam hat 1000. gülden mitkriegt. Stieler 1039; es wird ihm gut thun, wenn er einen thaler geld mit kriegt. Rabener 3, 270; jetzt freit seine tochter einen andern jungen geldschlingel. die kriegt mit! Immermann Münchh. 1, 140. III@C@2@b@bβ) lohn, verdienten gewinn u. dgl.: so diese letzten nur eine stunde erbeiten und kriegen gleichen lohn mit uns. Luther 3, 219b; sie kriegt so und so viel lohn; er kriegt wenig für seine mühe; 'ich fodre dreiszig thaler'. nein ... so kriegte ja der groszknecht, der mir pflügt, beinah so viel als der gelehrte kriegt ... Gellert (1784) 1, 228; was kriegt der mensch von aller seiner erbeit .. die er hat unter der sonnen, denn alle seine lebtage schmerzen? pred. Sal. 2, 22 (schweiz. bringt davon); wie selig ist ein sterblicher zu schätzen ... ..... der segen kriegt für fluch. Fleming 17 (5 Lapp.), als seinen theil oder lohn von gott erhält, wie ist kriegt hier mit seiner kraft unentbehrlich, und doch wie edel gemeint; dann du pflegst dergestalt dein leben einzutheilen, dasz dessen kern die welt und gott die hülsen kriegt. Canitz 167; Blaubart kriegt den tod zum lohn. Gotter 1, 56; den dritten (kuss) krieg ich zum lohn für die erlaubnis. H. v. Kleist 1, 65 (88). diesz ironisch: er kundte aber gleichwol das regiment nicht eröbern, sondern krieget seinen lohn wie er verdienet hatte, und flohe mit schanden. 2 Macc. 5, 7, s. weiter d. III@C@2@b@gγ) von früchten, die man als lohn der arbeit gewinnt (vgl. das nd. upkrîgen 1, a, α): das sie .. acker beseen und weinberge pflanzen möchten und die jerlichen früchte kriegeten. Luther ps. 107, 37 (var. kriegen, vielleicht als conj. praet., s. B, 3, b), in der schweiz. übers. bekommen. der ausdruck musz fest eingewurzelt gewesen sein, denn Luther braucht auch bloszes kriegen so: und Isaac seete in dem lande und kriegt desselben jars hundertfeltig. 1 Mos. 26, 12 (schweiz. bekam). ähnlich von vieh: und der herr segenet hernach Hiob mehr denn vorhin, das er kreig vierzehen tausent schaf und sechs tausent kamel ... und kreig sieben söne und drei töchter. Hiob 42, 12. 13, das kinder kriegen (c, γ) mag eben urspr. auf gleichem fusze mit dem kriegen von früchten, vieh behandelt worden sein. III@C@2@b@dδ) von nahrung, unterhalt, futter u. dgl.: da kriegen sie den kosten ohn arbeit. Fischart bienk. 1588 264b; der schimmel kriegte lebenslang bequemlichkeit und futter. Overbeck 163; der vogel hat sein futter noch nicht gekriegt (gekricht); so wärn auf dletzt ihre unterthanen nicht viel besser als d' dummen ochsen gwesen, die zfrieden sind wenns nur ihr futter kriegn. Eipeldauer briefe 15, 22. III@C@2@b@eε) zu bemerken ist, dasz da das praes. auch in besonders nachdrücklichem sinne steht, z. b.: wie viel kriegen sie? fragt man einen arbeiter nach seinem lohne, er antwortet ich kriege so und so viel, habe zu fordern; ich kriege noch zehn thaler heraus, bei einer abrechnung. ebenso bei bekommen, erhalten, vgl. auch kommen sp. 1650. III@C@2@cc) überhaupt zugetheilt oder gegeben erhalten, besonders als erfolg eines strebens, einer mühe und anstrengung (vgl. kriegen sich anstrengen I, 1, a. 2, a, β. 3, a, β), aber dann auch ohne diesz. III@C@2@c@aα) was zu erlangen mühe kostet (vgl.ε): Hessen (d. h. der landgraf) ... verhofft mit disen stenden (den gegenwärtigen) noch mer zu kriegen. Schertlin br. 36, v. j. 1545, das älteste oberd. beispiel das ich habe (s. B, 1, b), vielleicht eben aus dem munde des landgrafen; (gott) ehret in (David) mit göttlichem segen, das er die königliche krone kreig. Luther Sir. 47, 7; secht, wie dort ewer gsellen ligen, so meinten hie viel gelds zukriegen (die Spanier 1588 in England). Fischart 3, 359 Kz.; will einen dienst durch mich als seinen blutsfreund kriegen. Canitz 108; sie sollen dieses amt vor allen andern kriegen. Gellert 1, 174, der candidat, im munde eines 'sehr berühmten mannes'; das jemand gottes gnade kriege. Luther 3, 219b, bald nachher ebend. noch gnade erkriegen. auch gleich erwerben, z. b.: und kriegen gros gut dadurch auf erden. Rebhuhn klag d. a. manns 7; wer wolte den patron nicht in der see ertränken, der sich, wann sturmwind kömpt, mit fleisze dürfte lenken auf stein und klippen zu, zu kriegen dás geschrei, wie sehr bescheiden (klug) er im schiff regieren sei? Opitz 3, 298, d. h. sich den ruf zu erwerben; schätz' und gold kriegen 2, 92; dank 479. III@C@2@c@bβ) zugetheilt erhalten, auch ohne eignes zuthun: wie sie (die weiber) pflegen zu thun, wenn sie die schlüssel kriegen. Luther 4, 150a, d. h. hausfrauen werden; wer etwas guts kriegt, der kriegts von ihm (gott). 2, 490b (1555); und hab .. darnach zu Zion eine gewisse stet krieget. Sir. 24, 15 (die weisheit spricht); wie die frösche .. nicht mochten den klotz zum herrn leiden, kriegten sie den storch dafür. Luther 3, 321b, vorher so kriegt er denn hummeln für fliegen (der pöbel, der ein anderes regiment verlangt); doch dürften wir dafür eine harte stiefmutter kriegen. Schiller 148a; übergib einen alten freund nicht, denn du weiszest nicht, ob du so viel am newen kriegest. Sir. 9, 14. III@C@2@c@gγ) auch das kinder kriegen (mhd. gewinnen) läszt sich wol hierher ziehen, vgl. schon unter b, γ a. e. Luther: an stat deiner veter wirstu kinder kriegen, die wirstu zu fürsten setzen. ps. 45, 17; eine brave frau zu sein, kinder zu kriegen, zu erziehen. Göthe 57, 109, im munde einer frau (Erw. u. Elm.); wie viel kinder wiegen, wie viel soll ich kriegen? eins und zwei und dreie. Arnim kronenw. 1, 249, es ist eben der feste ausdruck im leben im gebrauch der mehrzahl und in fast ganz Deutschland, das kriegen eigentlich wol als ein erringen oder als eine gabe gedacht; das brem. wb. aber erklärt kurzweg 'kinder krigen, kinder gebären', und so steht schon in des bruder Hans Marienliedern 2584 dîn kint wart gecregen gleich natus est. Aber auch von thieren ebenso verbreitet: der polloneser von meiner frau gmahlin hat junge kriegt, und da treibts mein frau gmahlin nicht anders als wenn sie selbst nieder kommen wär. Eipeldauer br. 18, 30. III@C@2@c@dδ) auch einen mann, eine frau kriegen schickt sich wol daher: was wollen wir thun, das die überigen auch weiber kriegen? denn die weiber in Benjamin sind vertilget. richter 21, 16. 7 (schweiz. bekommen); wol dem, der kriegt ein solche braut, ein bös weib ist ein herbes kraut. N. Hermann haushaltung J. Matthesii; sonst dörfte wol der beste kerl kein fromm und treues weib mehr kriegen. Günther 437; drum folgt, ihr werdet doch noch reiche männer kriegen. Rost schäferg. 133; mich wundert, dasz Damöt schon vom verlieren spricht. er hat mich nie gehabt, und kriegt mich auch wol nicht. 132; sie kriegen an Lottchen gewiss eine verständige frau. Gellert (1784) 3, 63; das mädchen, wovon du gestern das lied sangst, kriegte einen mann durch witz, du kriegst ihn durch schalkheit. Göthe 11, 113. auch kurz einen kriegen u. ä.: den reitersknecht den mag ich nicht, will lieber den herren selber. krieg ich den herren selber nicht, so klag ichs meiner mutter. Uhland volksl. 221, vgl. wunderh. 4, 304. ob 'sie sich kriegen', ist der volksmäszige unterscheidungspunkt für lustspiel oder trauerspiel. III@C@2@c@eε) das gewinnen mit mühe, mit schwierigkeiten tritt auch deutlicher auf: aber, liebe mama! wie viel strümpf musz ich wol noch fertig machen, bis wir den papa wieder kriegen? (aus der sclaverei durch loskaufen). H. L. Wagner der wolthätige unbekannte 6. man fragt: wie sollen wir das kriegen? oder räumlich: wo sollen wir das her kriegen? auch ohne diesz her, das doch das gewöhnliche ist: wo wolten wir strümpfe kriegen? Chr. Weise erzn. 400; denn baute nicht mein fleisz das feld, wo würdest du den haber kriegen? Gellert 1, 139, das kutschpferd; und wenn die frau was braucht, so hat sie keinen gulden, und du fragst nicht darnach, wo sie ihn kriegen kann. Göthe 7, 48; ungern vermiss ich ihn doch, den alten kattunenen schlafrock, ächt ostindischen stoffs; so etwas kriegt man nicht wieder. 40, 235. III@C@2@dd) aber auch von unerstrebtem, ja unerwünschtem, sodasz da der urspr. begriff eig. in sein gegentheil umschlägt. III@C@2@d@aα) z. b. strafe kriegen, was doch noch von dem kriegen durch richterspruch entsprungen sein könnte: doch krîgen sodâne vaken strâf. Rein. vos 6655; dasz ungehorsam kriegt sein straf durch götlich rach. Liliencron 4, 347b, oberd. v. j. 1546. Aber auch vom gegentheile: das er seine rechte absolution kriege. Luther 6, 331a, geistlich. überhaupt von jeder entscheidung, die von einem amte, einer behörde kommt, z. b. dispensation kriegen Fischart bien. (s. B, 1, b, δ), eine inhibition Rabener 3, 110, bescheid Opitz 4, 310, befehl, anweisung, abschlägige antwort u. s. w. III@C@2@d@bβ) schläge u. dgl. (scherzhaft auch fassen): von allen krêch he slege vel. Rein. vos 1193; Clawes Knyphof krech dar einen slach (im kampfe), van anxste he (dasz er vor angst) gar seer erscrach. Soltau 2, 121; halts maul ... du dörftest sonst greulich pumpes kriegen! Simpl. 1, 103 Kz.; nu, du sollst prügel kriegen! Weisze kom. op. 1, 159; wenn du schläge kriegst. Göthe 14, 98; ich selbst kriegte zwei maulschellen (im pfänderspiele). 16, 36; wir kriegen nun schelten und streich bis aufs blut. 1, 227. Auch kurz und nur andeutend eins kriegen (vgl. 3, 258), eins abkriegen: der ihm zu hülfe kam, kriegt' eines durch den bauch, das ander in den kopf, fiel todt hin in den wasen. Opitz 1, 98; die, ehe sie sichs versahen, wieder eins auf die nase kriegten, ohne zu sehen wo der schlag her kam. Wieland 15, 150. Ebenso schelten (pl.) kriegen, s. Göthe vorhin, oder gescholten kriegen (s. 4, e, β), auch gescholtenes, gezanktes u. a. Aber auch im gegentheil gute worte, freundliche, gewinnende behandlung: ein kutscher musz gute worte kriegen (von seiner herschaft), und seine pferde satt haber und heu! ich zieh auch ab. sie mögen sehen, wo sie einen andern kutscher herkriegen. Weisze kom. op. 2, 12. III@C@2@d@gγ) zu dem allen gehört, gleichfalls nur andeutend, es kriegen (vgl. 3, 1122), strafe, schläge, schelte u. ä., die blosze andeutung wirkt kräftiger mit drohen, angst machen: du wirsts krigen! du wirst anlaufen, thou shalt pay for it. Ludwig; lasz es nur dem vater merken (das liebeln), du wirsts schon kriegen! Weisze kom. op. 3, 6. es ist besonders kindersprache: na aber du wirsts kriegen! jetzt kriegst dus aber! Auch es abkriegen, büszen müssen: wir kriegens ab für unsern frevel. Göthe 4, 220 (1850 13, 260). III@C@2@d@dδ) auch schmerzen, krankheit, tod; es ist wol da urspr. gott oder die natur als gebend gedacht: ik hadde vilnâ den dôt gekregen. Rein. vos 5970; kan auch, ehe denn ein land die wehe kriegt, ein volk zu gleich geborn werden? Jes. 66, 8; er wird zu letzt ein böse fieber davon kriegen. Sir. 40, 31, zugleich zu b, β; und kriegten heimliche plage an heimlichen örten. 1 Sam. 5, 9. so das grimmen Sir. 37, 33, eine blutstürzung Gellert 2, 230, convulsions Claudius 4, 111, verzuckungen Soph. reise 5, 352, einen schlagflusz Göthe 8, 41. 42, 51, kopfschmerzen Klopstock 11, 16; ich kriege noch den tod über euch. Gellert lustsp. 1748 s. 297, im munde einer keiferin (vgl. sp. 575). III@C@2@d@eε) überhaupt von allem was uns von der natur kommt: und hattest schon lange har gekriegt. Ezech. 16, 7; er hat auch grawe har krieget. Hos. 7, 9; ob du wol graue haare davon gekriegt hast? Göthe 10, 158; da kriegt ich den ansatz (zum zahngeschwür). an frau v. Stein 1, 113; sodasz auch zuletzt die alte Sophie einen ganz steifen rücken kriegte vom vielen bücken. Falk Joh. von der Ostsee 1, 166. man sagt von solchen übeln auch sich holen, als geschähe es absichtlich. Aber auch kraft, gesundheit u. dgl.: die auf den herrn harren, kriegen newe kraft. Jes. 40, 31; das ('s) mit im besser werde, und gesundheit kriege, lenger zu leben. Sir. 38, 14; grosze kraft kriegen. Fischart (s. B, 1, b, δ, bildlich). neue kräfte kriegen Ludwig. III@C@2@ee) aber auch das bewuszte kriegen tritt auf dieser scheide des sinnlichen und unsinnlichen noch recht kräftig auf, im anschlusz an holen, langen 1, a, δ. III@C@2@e@aα) für herbeiholen, herbeischaffen: sprich ferner nicht 'ich kann mich rühren, laufen, gehen, du arme blume muszt beständig stille stehen'. sprich, sag ich, nicht also; sonst werd ich vögel kriegen, die sagen: ist der mensch nicht plump? er kann nicht fliegen. Brockes 2, 67 (1739 77); selbst Henrich bat ihn, jemand für lohn zu kriegen, der mit der deckerei (dem dachdecken) ein ende mache (statt seiner). Stilling jugend 143, ostmd. wäre das hernehmen, gewählt gewinnen. aber nd. schon im 14. jh. ênen tu hulpe krîgen, als helfer zuziehen, holen, im richtst. landr. 3, 4. s. auch das schwäb. kriegen anschaffen 1, a, ε, und das altnrh. verkrîgen verschaffen sp. 2233 unten. letzterem ähnlich bei Opitz von Christo, doch zugleich 'erwerben' (c, α): du bist hinaufgefahren, hast dem gefängnis obgesiegt, hast gaben für die menschen kriegt. 4, 126. III@C@2@e@bβ) ähnlich einen her kriegen, vorkriegen, mit halber gewalt. man kriegt einen her, eig. indem man ihn beim ärmel nimmt u. ä. (s. kriegen fassen 1, b), ein lehrer z. b. den schüler, den er 'coram nimmt'. ebenso vorkriegen, vornehmen dasz er sich rechtfertige oder zur strafe, auch zur neckerei: vorher mus ich ihnen sagen, dasz ich diesen mann, wenn ich lustig bin, oft vorkrige. Hermes Soph. reise 1, 406. III@C@2@e@gγ) einen dran kriegen (an eine aufgabe, pflicht u. ä., s. 2, 757) wider seinen willen: und wenn ihr gleich die andern .. fortgeschickt habt, so wird euch dér vielleicht mit seiner subtilität dran kriegen. Göthe 11, 45; nein, satanas! du sollst mich nicht daran kriegen (mich bestechen zu lassen). Schiller 210a; er will nicht bezahlen, aber ich will ihn schon dran kriegen, vgl. ich will ihn schon kriegen 1, b, γ. nd. rann krîgen, 'k heff'n doch rannkrägn. Danneil 117a. berlinisch ranner kriegen (aus heranher?): na wie die eenen rannerkriegen können zu de beicht (zum geständnis), det gloobt keen ehrlichet kristenmensche. beobachter an der Spree 1814 s. 814, so schreibt einer aus dem gefängnis. ähnlich im sinn einen herum kriegen, trotz widerstrebens zu etwas bringen. III@C@2@e@dδ) auch einen kriegen zu etwas: ich kan ihn nicht darzu krigen (bringen oder überreden) dasz ers thue. Ludwig 1073, auch da kann noch halbe oder ganze gewalt vorliegen. milder, unsinnlich gleich gewinnen: der, der uns für ketzer helt, solt uns kriegen für den glauben. Logau 2, zug. 173. er hat meine besten kunden gekrigt, he has got away ... Ludwig, mir abgewonnen, abspenstig gemacht. III@C@2@e@eε) auch atem kriegen fügt sich hierher, vgl. 'atem holen': das müde herze klopft, ich kan nicht odem kriegen. Fleming 634, sonn. 3, 53. ebenso luft kriegen, er konnte keine luft kriegen. III@C@33) Bildlich, geistig, wie zum theil schon vorhin. III@C@3@aa) das object ist mehr oder weniger unsinnlich. III@C@3@a@aα) z. b. schaden kriegen, vgl.schaden 'nehmen': doch ik bin des alleine nicht, de bî vrouwen râde schaden kricht. Rein. vos 3434; dat hi creech scade ende scande mede. Reinaert 6145. ein gutes jahr: und stund alles aufs aller schöneste, und meinet so gut jahr zu kriegen desgleichen kein mensch erlebt hette. Luther 6, 134b. zank, händel: zank und händel kriegen. Günther 80. 523; wie ich mit dem Polacken händel kriegte. Göthe 8, 28. 42, 269. platz, raum, luft, zeit: kriegt er (der feind) raum, so kan er deines bluts nicht sat werden. Sir. 12, 16; da aber Pharao sahe, das er luft kriegt hatte, ward sein herz verhertet. 2 Mos. 8, 15 (schweiz. bekommen); wir schlichen ins gemach, in dem der mörder liget, der zeit zu seiner thurst (keckem unternehmen) durch uns're langmut kriget. A. Gryphius 1663 s. 45. ursache, gelegenheit u. ä.: damit ich nicht ursach kriege ins werk zu setzen ... Simpl. 3, 181 (1713 143); so kriegen wir heute noch eine trauer. Gellert (1784) 3, 412. III@C@3@a@bβ) trost, mut, lust u. dgl.: wer from ist, der kriegt trost vom herrn. spr. Sal. 12, 2 var., in der ausg. letzter hand aber bekompt; von diesem trost kriegt das volk wider ein herz. 1 Macc. 13, 7; davon alle einen mut kriegten. 2 Macc. 15, 11; da kan das herz nicht so vil muts kriegen. Luther 4, 4b; er wird muth kriegen. Göthe 7, 133; ich musz mich auf den Pindus schwingen, da krieg ich feuer, muth und licht. Adelg. Gottschedin klein. ged. 49; darob der bader kriegt ein graus. Scheible flieg. bl. des 17. jh. 174, wie noch einen schrecken kriegen, auch sinnlich in die glieder kriegen; angst kriegen, furcht kriegen; so kriegt ich noch zu wandern lust. froschm. G 3a; dasz der graf eine sonderliche lust kriegte, unsern weg dahin zu leiten. Göthe 16, 238; er musz respect vor uns kriegen. 15, 53; ich hab ehrfurcht für Wild kriegt und noch mehr hasz für Bushy. Klinger th. 2, 356; soll ich ekel und hasz für mein kind kriegen? 368. ruhe kriegen Opitz 2, 20. 472, trost 156, ehre 204. III@C@3@a@gγ) auch gedanken kriegen, weisheit, verstand: wol .. dem menschen, der verstand kriegt. spr. Sal. 3, 13, in der ausg. letzter hand aber bekompt; wer verstendig ist, der nimpt solche weisheit an, und wer sie krieget, der lobet sie. Mathesius Syrach 1, 113b; dasz ich solche gedanken drüber kriege. Luther tischr. 241a; und ich habe auch also oft mehr gelernt in einem gebet, weder ich aus viel lesen und tichten hette kriegen können. werke 6, 310a. Opitz braucht es geradezu gleich lernen, von seinem heimatsorte redend: wo die begraben lieget, so mich zur welt gebracht, und wo ich erstlich krieget disz schlechte (geringe) was ich weisz! 1, 139 (Zlatna 442). III@C@3@bb) als subject erscheinen dinge (bisher war es durchaus der mensch, oder an seiner stelle das thier), d. h. ursprünglich als menschen gedacht. III@C@3@b@aα) pflanzen: und war also ein weinstock, der reben kreig und zweige. Luther Ezech. 17, 6 (schweiz. bekam, wie im folg.); ein cederbaum .. kriegte viel este und lange zweige. 31, 5. 9. Sir. 40, 15; und der weinstock hält sich kaum, krieget augen von der sonnen. Opitz 3, 13; hernach fand ich, dasz das schicksal, da es mich hieher pflanzte, vollkommen gemacht hat wie mans den linden thut. man schneidet ihnen den gipfel weg und alle schöne äste, dasz sie neuen trieb kriegen. Göthe an frau v. Stein 1, 123. III@C@3@b@bβ) andere naturdinge und dinge überhaupt: so ist fleisch und blut faul und lasz und leszt das liecht einen butzen und kolbe kriegen. Luther 4, 264b; stracks oberhalb dieser (der Katzbach) krieget der durchbrechende Queisz, da zur seite die hochfallende Aupe, und wo ihr den glatten kiesz sehet, die Iser ihren ursprung. Opitz 2, 260; (berg) der vieh und früchte hegt und kühlen schatten kriegt mit einer stillen lust von seines weines reben. 1, 29; gleich wie die sonn', als sie kriegt eine wolkendeck. Werder Ariost 11, 6, 8; das glas hat bei dem anstoszen einen sprung gekriegt (auch weg gekriegt, ganz wie von menschen). III@C@3@b@gγ) aber eben so gut abstractes, das freilich damit eben in sinnliche gestalt zurückversetzt wird, z. b.: bis mich der letzte tod hier unversehens kriegt. Opitz 2, 177; je toller wird der krieg, je mehr er krieget jahr. Logau 1, 7, 2; das meineid und betrug den namen 'hülfe' kriegt. Opitz 2, 129; kriegten alle sachen eine ganz andere gestalt. Felsenb. 1, 63; wenn ich es (das werkchen) nun könnte ein jahr liegen lassen und es dann wieder vornehmen, sollte es doch eine reinere gestalt kriegen. Göthe an Knebel 92. III@C@3@cc) endlich ist das ganze wort mit seinem begriffe so abstract geworden, dasz von einer bildlichkeit, von einem zusammenhange mit seinem ursprünglichen sinnlichen inhalte keine rede mehr ist, ungefähr wie bei haben, zu dem übrigens dieses kriegen eine nahe beziehung hat als stiller begleiter. der gebrauch wird auf diesem gebiete erst recht unerschöpflich. III@C@3@c@aα) es musz aber schon im 16. jh. zum theil so gewesen sein, nicht nur md., theilweis auch schon oberd. (s. B, 1, b), z. b.: der faule begerd und kriegts doch nicht (var. hat doch nichts, wie schweiz.), aber die vleiszigen kriegen gnug. Luther spr. Sal. 13, 4; so mus er (der faule) in der ernden betteln, und nichts kriegen. 20, 4; ir bittet, und krieget nicht, darumb das ir ubel bittet. Jac. 4, 3 (οὐ λαμβάνετε, schweiz. empfanget es); bittet, spricht er, so sollt ihrs kriegen. Luther br. 3, 551, nach Matth. 7, 7, wo er aber so wird euch gegeben übersetzte (δοθήσεται ὑμῖν). das alles ist bis heute die rede md. lande, und auch die der oberd. geworden (C, 1, a): ich gebe wie ichs habe, und nehme wie ichs kriege. Simrock spr. 4173; das war ein garstiger, geiziger mann, der nie genug kriegen konnte. Lessing 1, 502; er nahm was er kriegen konnte; ob wir gleich nicht viel verlangten, so kriegten wir doch immer weniger als wir hofften. Göthe 14, 82. III@C@3@c@bβ) aus der fülle der anwendungen im einzelnen nur ein paar beispiele. nachricht u. dgl. kriegen: Knyphof heft gekregen nye mer (mhd. niumære). Soltau 2, 118; gott wird mit dir sein, und geben, dasz ich dienstag nachricht von dir kriege. Marg. Klopstock 11, 17; ich kriegte deinen brief bei tische. 18 u. o. (vgl. 5, e, α Göthe). ähnlich wind, ungefähre kunde: man kann nicht wissen wie er wind kriegt. Göthe 10, 108. gäste, besuch u. ä.: ich hab einen ehrlichen gast kriegen, ich mus das haus haben. Luther Sir. 29, 34; der .. wenig gäste auf seine hochzeit kriegte. Weise überfl. ged. 400 (wie man gäste auf der hochzeit 'hat'); wir kriegen morgen besuch. recht abstract ist es im folg.: morgen gehen wir zusammen, da hoff ich freundlichere gesichter zu kriegen. Göthe und Werther 42 (an Kestner 1772), die freundlichen mienen wie eine gabe behandelt. III@C@3@c@gγ) einige beispiele, um das verhältnis zu haben zu beleuchten; so ziemlich von allem was man hat, ist auch kriegen brauchbar: mancher dienet dem andern zu unrechten sachen, und eben damit krieget er in zum feinde. Sir. 20, 25 (schweiz. bekommt), wie man einen zum feinde 'hat'; soldaten übern hals kriegen. Stieler 1039, man hat sie nachher auf dem halse, als last; wir kriegen heute ein gewitter heiszt es, wie wir haben eins (gehabt); wie man etwas satt hat, so kriegt mans auch satt, zum überdrusse, oder genug: endlich kriegte ers doch genug, und .. nahm seinen hut. Wieland 12, 95. ein lehrling bei einem guten meister z. b. hat es gut, und wer als solcher dahin kommt, kriegt es gut; so folg., Coryphaea gibt als recept reich zu werden u. a. an: es ist sich zum höchsten zu befleiszen, dasz man die jenige, darvon man nutzen hat, in unterthänigkeit und armut erhalte, und (besser wäre aber) sie, wann sie wol kriegen, gleich bessere. Simpl. 3, 125, man musz auch 'wol haben' für 'es gut haben' (42, 64) gesagt haben, vgl. wolhabend. wie schüler frei haben (die schule), so heiszt es in ihrer sprache auch frei kriegen. ein sprichwort sagt ich weisz wol was ich habe, aber nicht was ich kriege. Simrock 4172; ein anderes éin haben ist besser als zwei kriegen 4175; diesz auch so: ich weisz, éin 'hab ich' ist mehr werth, als zehen 'krieg ich' sind. Weisze kom. op. (1777) 3, 232, wie hab ich ist besser als hätt ich. III@C@44) Noch sind einige besondere fügungen vorzuführen, wo auszer dem object noch eine bestimmung hinzutritt. III@C@4@aa) räumliche bestimmungen, zur bezeichnung des zieles, des erfolges. III@C@4@a@aα) in etwas hinein kriegen, z. b.: mein gott! wie musz das arme weib rennen und laufen, dasz sie wagen und pflug erhält, um ihren haber und buchweizen in die erde zu kriegen. Möser phant. (1775) 1, 87, es ist das kriegen mit anstrengung (2, c), aber in sehr abstracter erscheinung: ehe sie es so weit bringt, dasz ihr haber .. in der erde ist, nachher aber hat sie ihn in der erde (s. 3, c, γ); wer einen fusz hinein kriegt, der denkt mit dem ganzen leib hinnach zu folgen. Henisch 679, 7, also schon 1616 oberd.; wie ihrs habt herein kriegen können (das bier in die flasche)? Kant 7, 198. das ist denn aber, ganz deutlich das erste, genau genommen kein haben mehr, eigentlich also auch kein kriegen. aber in folg. entsteht aus dem kriegen erst ein rechtes haben: einen fang ins netze kriegen. Opitz 4, 26; ist doch keine menagerie so bunt als meiner Lili ihre! sie hat darin die wunderbarsten thiere, und kriegt sie rein, weisz selbst nicht wie. Göthe 2, 90. III@C@4@a@bβ) ebenso heraus kriegen, z. b. den fusz aus einer klemme, hervor kriegen, z. b. einen aus seinem versteck, herunter kriegen, hinunter kriegen u. s. w.; auch aufkriegen, wie ein schlosz, eine thür, auskriegen, z. b. ein kleid (Frisch 1, 549b), ankriegen, abkriegen, z. b. enge stiefeln, stimmen dazu, und wieder entspricht haben, ich habe die stiefeln endlich an (gekriegt). III@C@4@a@gγ) ferner entzwei kriegen (Frisch), aus oder von einander kriegen, auch z. b. zwei handgreiflich streitende: das alle die consistorialen verschrecket worden und darzwischen fellen (fielen, sich warfen), das man sie von einander krech. geschichtsquellen d. bisth. Münster 3, 229, 17. jh. aber auch zusammen kriegen: (ein kaufmann) der kriegte seine wahren mit guter gelegenheit zusammen. Chr. Weise cur. ged. von deutschen versen 2, 5, und noch anders, etwas los kriegen (vgl.ε), auch einen gefangenen (d, α). besonders kräftig einen unterkriegen, subigere. einen wohin kriegen, wohin man ihn wünscht, mit gewalt oder güte, feindlich oder freundlich, s. z. b. sp. 2239 (β). III@C@4@a@dδ) wieder auch unsinnlich, z. b zu ende kriegen: das alte stück, man spielts so fort und kriegt es nie zu ende. Eichendorf ged. (1843) 21. ähnlich durch kriegen, z. b. er hat den roman in einem tage durch gekriegt (gekricht), mit lesen durchgemacht, durchgebracht. einen bei seite oder auf die seite kriegen, heimlich für etwas (böses) gewinnen: wie wenn wir für ein gutes trinkgeld einen kerl auf die seite kriegten, der frech genug wäre .. zehn lügen in einem athem zu sagen? Lessing 1, 477. III@C@4@a@eε) selbst rein geistig, so herauskriegen, z. b. ein rätsel, ein schweres rechenexempel, einen dieb, und wieder auch ich habe es heraus, sie haben ihn heraus (den dieb). ähnlich weg kriegen, etwas schwer zu fassendes: ich habe es oder ihn bald weg gekriegt, durchschaut (wie ich habe es weg); ebenso los kriegen, überall mit einer malerischen kraft, die kein anderes wort hat. ganz merkwürdig überkriegen, überwinden, verschmerzen: ich kann es nicht überkriegen, dasz ... Immermann Münchh. 4, 134 (246), wie einst md. überkrîgen vincere I, 1, c, γ. III@C@4@bb) einen oder etwas zu gesichte kriegen, was uns 'zu gesichte kommt', oder vor augen kriegen: ein soldat .. welcher .. seinen feind vor augen kriegt. Simpl. 1, 284 (281 Kz.); Andreas Doria ist entflohen ... ich kriegte ihn gar nicht zu gesicht. Schiller 175a (Fiesco 5, 6); früher ins gesicht: kriegen wir einen huck landes ins gesicht. H. Staden a 3a (s. B, 3, b); bet se dat lant int gesichte kregen. Uhland volksl. 445, ditmars. ebenso zu ohren kriegen, was uns 'zu ohren kommt': dies werk blieb so verschwiegen, dasz er das minste nicht zu ohren konnte kriegen. A. Gryphius 1698 1, 141. einen in den wurf kriegen, der uns 'in den wurf kommt': Dorchen hat ein gutes mundwerk, und wenn sie der gnädige herr in wurf kriegt ... Weisze kom. op. 3, 212. III@C@4@cc) mit einem infinitiv und zu, schon mnd. (s. δ). III@C@4@c@aα) mit sinnlichem objecte: der, der selbst nicht hände hat, kriegt sie nirgend wo zu borgen. Logau 3, 9, 88, wie zu kaufen kriegen u. ä., doch sagte man wahrscheinlich auch zu borge kriegen (s.zu borge nehmen 2, 241); und kriegte von dem herrn davor fünf städte zu verwalten. Günther 32, wie er hat sie zu verwalten, da hat haben und kriegen begrifflich zwei objecte, die städte und die verwaltung, oder das wahre begriffliche object setzt sich aus beiden zusammen; die mutter kriegt das ding zu schauen. Göthe 12, 145; wenns mir nachgeht, sollst du keine gräte davon 'zu sehen kriegen' (d. h. erhalten). 11, 112; vgl. vorhin b zu gesichte kriegen und was gibt es, was ist hier zu sehen? auch zu hören (wie zu ohren): was ich hier mag zu hören kriegen. Rückert 143. und noch manigfach anders: erst jetzt hat es Moritz zu lesen gekriegt. Göthe 29, 216, zum lesen würde den sinn etwas verschieben, lesen träte damit aus dem innerlichen objectsverhältnis heraus; wo der nichts zu singen kriegt, so kömmt er wieder mit seinen reden aufgezogen. Weise überfl. ged. (1701) 409. III@C@4@c@bβ) es gibt aber manche kleine abweichungen dabei. einmal bleibt das eigentliche object unausgesprochen, sodasz der inf. selber als solches erscheint: wo der nicht zu singen kriegt könnte es bei Weise auch heiszen; kriegt man hier zu essen und zu trinken?; da wirst du zu thun kriegen, viel arbeit; kriegten sie mit den Franzosen zu thun. Mascou 2, 17 anm.; so ist die tugend auch (glänzt erst), wann sie zu schaffen kriegt. Opitz 3, 292. Natürlich auch viel, wenig, etwas zu thun kriegen u. ä., es ist wie bei er 'hat' zu thun oder hat viel zu thun. aber auch es zu thun kriegen: ich aber zog mich feiertäglich an, umb dem doctor zu weisen, mit was vor einem vornehmen kerl ers zu thun kriegte. Simpl. 2, 385 (4, 62 Kz.). III@C@4@c@gγ) daraus erklärt sich wol als kürzung es kriegen mit ..., in einer nordd. redensart es mit der angst kriegen, bange werden (z. b. in Stettin, Braunschweig, Göttingen), die angst scheint urspr. als persönliche macht gedacht. ähnlich: damals kriegte er es auch mit der see. Edm. Höfer bewegtes leben (1856) s. 6, ward von der lust zur see erfaszt. so läszt man bei es haben manchmal zu thun weg: da hast dus mit mir! sagt man drohend; was habt ihr mit einander? III@C@4@c@dδ) auch zu wissen kriegen u. ä.: so wan mîn wîf dit to wetten kricht. Rein. vos 4840; krîge ik to wetten, wôr se sîn. 5577; dat kregen se dar to weten. Soltau 2, 136; die sonne hat sich blosz nur darumb trüb erzeiget, auf dasz sie deinen sinn recht zu erkennen krieg'. Opitz 2, 225. III@C@4@dd) mit einem adj. als zweitem objecte. III@C@4@d@aα) so besonders das kriegen mit anstrengung (2, c): habt ir auch vergessen, wie zum ersten meine lere .. so ein köstlich ding war? da alle bischove gar gerne sahen, das dem bapst .. seiner tyrannei ein wenig gestewret würde? da kunden sie mir fein zusehen, horchen .. und lauren, wie sie ir bischofliche oberkeit wider ganz kriegen möchten (die der pabst gebrochen hatte). Luther 5, 78b, obwol da ganz auch adverbial gemeint sein könnte; einen frei kriegen, liberare e vinculis, quod etiam loskriegen dicitur. Stieler 1038; mir ist gut jetzt, da ich den gedanken wiederum fest kriegt hab. Klinger th. 2, 344; sagt, gute frau, was fehlt dem kind? es sitzt da drauszen in dem wind und ist nicht still zu kriegen. Lenz bei A. Stöber, Lenz u. Fried. von Sesenh. 92. III@C@4@d@bβ) aber auch das kriegen nach fügung oder zufall, wo der zweite acc. schwerer begreiflich ist: etlich, die nicht darnach denken (darauf bedacht sind), kriegen das haus voll kinder. Luther briefe 2, 599. einen lieb kriegen, wie lieb gewinnen: wan ein minsche dit bilde Cristi .. ansüt, mit den ôgen sînes herten, sô scal me dat sô lange ansên, sô dat he dat lêf krîge. Germ. 12, 103; dat ic u oeit (je) sô lief gecrege, seer rouwet dat mi. hor. belg. 11, 135; diesen winter haben wir nun auch freund Wieland kennen lernen. wer diesen mann sieht und ihn nicht lieb kriegt, über den sage ich mein urtheil einmahl nicht. Göthes mutter bei S. H., zwölf briefe von G.s eltern an Lavater s. 14; s. auch Moser 5, c, β. III@C@4@d@gγ) auch geistig, etwas klar kriegen: sie bekennen .. dasz sie das vorgebrachte denn doch gar nicht verstehen und klar kriegen könnten. Fichte Nicolais leben 86, werke 8, 64. ebenso klein kriegen, s. sp. 1093 (β), kurz kriegen, die eigentlich z. b. von holz, zucker gelten, die man 'klein' macht. III@C@4@ee) mit einem part. pass. als zweitem object. III@C@4@e@aα) mit object und part.: seht zu, dasz ihrs heut abend gethan kriget, endeavour to get it done by night. Ludwig 1073, das engl. to get deckt sich vielfach mit kriegen; ich kriege meine mühe redlich bezahlt. Rabener 2, 225; wenn sie nur die zehn tausend thaler auch gewiss ausgezahlt kriegen. Gellert 3, 335; mehr speck und butter und eier kriegtest du in den tornister geschenkt, als ein jäger geschenkt kriegt ... Götz 1, 74, wo neben die beiden acc. noch eine räumliche bestimmung tritt (s. a, α), die sowol zu kriegtest wie zu geschenkt gehört; vielleicht könnte ich etwas von ihm geborgt kriegen? Weisze kom. op. 2, 214 (vgl.zu borgen kriegen c, α); um eine kanne bier bezahlt zu kriegen fangen sie händel an. Göthe 8, 207; der hats aber gesagt gekriegt! d. h. 'die wahrheit'. III@C@4@e@bβ) aber auch mit dem bloszen part. pass.: sie sollen auch beschert kriegen, wenn sie recht geschickt sind, ein wachsstöckchen und noch was. Göthe 16, 157 (Werther 1775 181, 1787 255), nachher: donnerstag abend, sagte sie, ist weihnachtsabend ... da kriegt jedes das seinige. diesz kriegen, 'beschert kriegen' ist gerade da das eigentliche hauswort, sicher jahrhunderte alt in Nord- und Mitteldeutschland. Ferner: während .. die gäste an die krüge schlugen, um eingeschenkt zu kriegen. J. Paul Hesp. 2, 65. auch gescholten, gezankt kriegen, oder mit flexion gezanktes u. ä. (2, d, β). das gehört zu den fällen, wo der blosze begriff des verbs im part. ausgedrückt erscheint, wie in aufgeschoben ist nicht aufgehoben (gramm. 3, 538. 4, 952). III@C@55) Endlich von dem banne, mit dem das wort belegt ist. III@C@5@aa) das malerisch kräftige wort mit seinem reichen leben ist doch von der bildung mit einem banne belegt: es gilt für niedrig, unanständig; in schrift und druck ist es jetzt der theorie nach unmöglich, auszer wo es darauf ankommt, die farbe des volkslebens und des alltagslebens genau zu treffen. denn im alltagsleben, im hause, in freundesverkehr gestattet man sichs noch auch weit über die kreise des volks hinaus. aber selbst im verkehr geht man ihm aus dem wege in allen lagen, wo man grund hat seine bildung nicht in zweifel kommen zu lassen, und auch wo mans denkt, übersetzt mans im sprechen oder briefschreiben zuvor, hauptsächlich in bekommen, zum theil in empfangen, erhalten, was denn freilich oft wunderlich genug heraus kommt, wenn dabei fügungen von kriegen auf jene wörter mit übernommen werden, die ihnen nicht auf den leib gewachsen sind. den grund und das alter dieses bannes genauer zu erforschen verlohnte sich bei dem wichtigen alltagsworte durchaus der mühe, es würde mitten in die bewegungen und einflüsse hineinführen, aus denen unser neuhochdeutsch hervorgegangen ist und die seinen fortgang noch jetzt bestimmen. hier sind nur andeutungen möglich. III@C@5@bb) schon zu Gellerts zeit musz in der hauptsache (vgl. c, γ) das verhältnis gewesen sein wie heute, denn in dem brieflichen berichte über seine bekannte begegnung mit dem bauer bei seinem buchbinder legt er jenem zwar kriegen (gekreit) in den mund, dem buchbinder aber bekommen (s. unter B, 3, d, β zuletzt), und doch hat der Leipziger buchbinder sicher gekricht gesagt; aber Gellert wollte den briefstil heben und fand so kriegen in städtischem munde geschrieben bedenklich, hat er doch für den druck nachher (briefe 1756 s. 133, 14. br.) auch das bäurische gekreit ganz entfernt. Und schon i. j. 1741 gibt Frisch 1, 549b an: 'kriegen, bekommen, wird im guten stile selten mehr gebraucht'; noch stärker der Schlesier Steinbach i. j. 1734, er versieht es 1, 938 mit dem zeichen, das bei ihm 'vocem plebejam, quae in scriptis non adhibetur' bezeichnet (praef. 6a), obwol er selber stellen aus Günther und Hofmannswaldau dafür gibt. wahrscheinlich aber war diesz gefühl gegen kriegen aus dem 17. jh. überkommen, und dann möchte es auch dem 16. schon nicht fremd gewesen sein. Das deutet vielleicht Luthers verhalten gegen das wort an. er hat es zwar wie sonst so auch in der bibelübersetzung oft genug verwandt, aber hier nicht ohne unterschied; im N. T. steht es nur einmal, Jac. 4, 3 (s. 3, c, α), und da machte sich abwechselung in den sinnverwandten ausdrücken nötig, von den andern 63 fällen aber kommen 33 allein auf die apokryphen (die allermeisten auf Sirach), bei denen er sich mit der wahl in wörtern weniger angestrengt haben wird. ja es finden sich stellen, wo es anfangs stand und dann entfernt wurde, z. b. spr. Sal. 3, 13. 12, 2, wo in der ausg. letzter hand bekommen dafür eingesetzt wurde (3, a, β. γ), ebend. 4, 5. 7, wo es für nim an weisheit, nim an verstand urspr. hiesz kriege die w., kriege den v., also auch hier wie es scheint ein sträuben gegen das wort. III@C@5@cc) der gebrauch der schriftsteller widerspricht freilich diesem verrufe des wortes vielfältig. III@C@5@c@aα) im 17. jh. erscheint es mit dem gewähltesten, ja edelsten inhalte, z. b.: mit löwenkraft erliegen, so soll man fuchsnatur an ihre stelle kriegen. Opitz 1, 97; da (im goldnen zeitalter) hat auch herz und muth den kranz des sieges kriegt. 1, 51; die schöne sonne steiget, die luft kriegt neue zier ... wald, wild und feld erwachen, der lenz kriegt seinen lauf. 2, 13; (volk) das nie zu kriegen pflegt den geist von oben her, der die poeten regt. 2, 12; das trewe heil, das die gerechten kriegen, kömpt her von gott. 4, 74; mein geist, wilt du gar erliegen? was vor unruh hast du doch? rath und that ist ja zu kriegen, hoff auf gott, er lebet noch. 4, 83. 84; als mein gebein erst (zuerst) worden ist, da ich im lébendigen grabe (im mutterleibe) der glieder stickwerk (so) krieget habe. 4, 258, ps. 139, überhaupt macht der führer der schlesischen schule sehr reichlichen gebrauch davon, ja er scheint es völlig als dichterwort zu behandeln; wenn ein herz' ein herze krieget, das ihm gleicht, so ists vergnüget (d. i. befriedigt, beglückt). Fleming 430 (331 Lapp.), wie erwerben, gewinnen im edelsten sinne, aber mit einer ihm eignen kraft; der tausch ist wol vergnügt, wenn man für menschen gott, für tod das leben kriegt. 128. III@C@5@c@bβ) noch im 18. jh. findet sich dergleichen: nichts hab ich ohne gott, nichts auf der welt ist mein, nichts kann ich sonder ihm, nichts kann mein herze rühren, nichts krieg' ich blosz durch mich, und nichts kann ich verlieren, wenn aller dinge herr es nicht erlaubt und fügt. Brockes 1 (1728), 411; und wer aus steifem sinn, mit schwermuht wohl bewehret, sein forschend denken ganz in diese tiefen kehret, kriegt oft vor wahres licht und immer helle lust nur würmer in den kopf und dolchen in die brust. Haller ged. 1734 s. 57 (gedanken über vernunft u. s. w.), und diesz kriegt blieb in den ausg. stehn, trotz anderer in dem satze vorgenommener besserungen, bis zur 11. ausg. 1777, wo es endlich in findt geändert ist (s. 66), d. h. der Schweizer wählte und entfernte das unschweizerische wort (s. B, 1, a) nach maszgabe des 'obersächsischen' geschmackes; gott kriegte mich so lieb, dasz er mir kindesrecht verschrieb. K. Fr. v. Moser geistl. ged. Frkf. 1763 1, 67; in einer hymne, wie sie der Tejer sang, hatt' ich des zarten Amors triumph erhöht. da sagt' er: zur belohnung kriegst du etliche küsse von meiner mutter. Götz 2, 128, das wort kommt hier zugleich auf Ramlers rechnung, da er die herausgabe von Götzens gedichten in seiner weise besorgte. selbst in unserer zeit noch: verzage nicht, mein herz! das ei kann federn kriegen, und aus der engen schal' empor zum himmel fliegen. Rückert weish. d. br. (1843) 593. III@C@5@c@gγ) zur erklärung dieses widerspruches passt im allgemeinen, was Heynatz antibarb. 2, 202 von seiner zeit äuszert (1797): 'kriegen für erlangen, bekommen, ergreifen sollte aus der schriftsprache ganz verbannt sein, aber selbst unsere besten schriftsteller lassen sich noch davon übereilen', d. h. das sprachgefühl war nach seinen zwei seiten mit sich im widerstreit: das bewuszte sprachgefühl bannte das wort, das unbewuszte konnte und kann es noch nicht entbehren und trotzt denn wol auch einmal jenem und läszt es aus der feder kommen. durch solchen bewuszten trotz wie es scheint ist es schon mehrmals wieder emporgekommen, so zur zeit der sturm- und drangperiode (wie kerl u. a.), durch den schlesischen und nordd. einflusz im anfang des 18. jh. (daher bei Haller), und um 1620 durch Opitz. bei diesem mag übrigens ein äuszerer anstosz mitgewirkt haben, der einflusz den die nl. dichtung auf ihn hatte; denn das nl. krijgen hat durchaus nichts unedles und ist bis heute ein dichterwort, d. h. das nd. gewächs hat sich dort ungestört entwickeln können. III@C@5@dd) die ursache des sträubens dagegen kann auch nur darin liegen, dasz man es als niederd., als 'platt' fühlte (wie bei kerl). selbst das mitteld. wort, das die verbreitung vermittelte (B, 3), gibt doch zeugnis dafür; denn dasz von seiner urspr. doppelform, der starken und schwachen, im 16. jh. gerade die zweite siegte und jene unterlag (B, 3, b ff.), wird auch nur den grund haben, dasz krîgen kreig dem nd. glich, krîgen krichte aber sich ans hd. kriegen kriegte (bellare, niti) anlehnen konnte, daher denn auch die aufnahme des ie für das eigentlich berechtigte ei (s. B, 3, d. h). noch gegenwärtig ist in gebildeten md. und nordd. kreisen von den zwei formen des praet. krichte (B, 3, e) am schärfsten gebannt und bekämpft, d. h. die am meisten nd. form, am ehesten aber geduldet kriegte, d. h. die hd. form. ist übrigens das sträuben des sprachgefühls dagegen so alt, wie es nach b schien, so wird doppelt merkwürdig wie es doch ganz Deutschland erobern konnte: verachtung und triumph zu gleicher zeit! III@C@5@ee) zuletzt etwas über den jetzigen stand des wortes. III@C@5@e@aα) wie sehr es in unserm jh. schon zurückgewichen ist, läszt sich z. b. an folg. briefstellen Göthes empfinden: dieses blatt kriegen sie erst donnerstags. an frau v. Stein 1, 73; ihr zettelchen hab ich gekriegt. 1, 106; eben krieg ich ihr briefchen vom 11ten. 1, 117 und noch i. j. 1831 an Reinhard s. 322: leute, die das ganze jahr weder brod noch butter noch bier zu sehen kriegen (d. h. zu essen bekommen) — er würde, er könnte heute nicht mehr so schreiben, und diesz war an eine adeliche frau, an einen grafen gerichtet. und wenn in Lichtenbergs magazin der physik 4, 3, 2 Blumenbach drucken liesz: ich habe gelegenheit gehabt, drei negerschedel in meine sammlung zu kriegen, so wäre das jetzt in jedem blatte, geschweige in einem wissenschaftlichen unmöglich. III@C@5@e@bβ) da musz denn aber zuletzt noch einmal auf die kraft hingewiesen werden, die dem kriegen eigen ist und oft durch ein andres wort nicht zu erreichen. zwar los kriegen z. b. (4, a, γ) ist durch los bringen ziemlich ersetzt, wie hinunter kriegen durch hinunter bringen; ebenso einen her oder vorkriegen (2, e, β) durch nehmen, 'dich will ich kriegen!' (1, b, γ) allenfalls durch fassen; in andern fällen ist gewinnen ein trefflicher ersatz, z. b. für zum freunde kriegen, lieb kriegen (4, d, β), gestalt kriegen (3, b, γ, Göthe), raum, zeit kriegen (3, a, α), wo das alte gewinnen auch in der verkehrssprache schon wieder festen platz gefaszt hat, zum theil ihn nie verloren; auch für das kriegen mit mühe tritt vielfach gewinnen treffend ein. III@C@5@e@gγ) aber mit dem farblosen bekommen, das uns längst kein bild mehr gibt, geht in vielen fällen alte schöne kraft verloren, wie in einen schrecken bekommen, zu gesicht bekommen, selbst in kinder bekommen, wo nicht gar die wendung etwas spaszhaft geziertes erhält, z. b. in zu packen bekommen, gesagt bekommen (4, e, α), hervor bekommen (vgl. Lessing unter 1, a, δ), los bekommen (4, a, γ). unersetzlich aber ist kriegen z. b. in unterkriegen, und kraftwendungen wie einen dran kriegen (2, e, γ) gehen der sprache mit kriegen überhaupt ganz verloren. Allerdings sind das vorwiegend fälle aus dem sinnlichen bereiche oder aus dem alltagsleben; aber eben da sollte man mit der verfolgung des wortes endlich inne halten und es in den grenzen anerkennen, die es bis jetzt in der wirklichkeit behauptet hat. die kluft zwischen unserer schriftsprache und unserer haussprache ist ohnehin grosz genug, viel zu grosz, weit gröszer als bei den Franzosen und Engländern, wovon gar viel zu sagen wärewir müssen sie kleiner machen, nicht gröszer.
133247 Zeichen · 3298 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    kriegênsw. v.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    ? kriegên sw. v. — Graff IV,590 s. v. kregên. chrekendi: part. prs. Gl 1,82,2 ( K ); chregenti: dass. ebda. ( Pa ). 136,…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kriegenswv., stv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +8 Parallelbelege

    kriegen swv. BMZ md. krîgen, nicht immer zu unterscheiden vom stv. krîgen: sich anstrengen, streben, ringen, trachten, k…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kriegenst. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    kriegen , st. V. Vw.: s. krīgen (1)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Kriegen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    2. † Kriegen , verb. reg. act. welches nur im niedrigen Leben üblich ist. 1) Eigentlich, mit der Hand ergreifen. Jemande…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    kriegen

    Goethe-Wörterbuch

    kriegen bis Ende der 1770er Jahre öfter Part Prät ohne ge-; Großschr B2,31,14 ; mehrfach apokopiert bzw apostrophiert ‘k…

  6. modern
    Dialekt
    kriegen

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    kriege n I [rìèkə S.; krìajə Bisch. ] streiten Fisl. Bisch. ; vom Krieg reden Olti. ‘kriegen’ zanken, schelten Geiler J…

  7. Spezial
    kriegen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    krie|gen vb.tr. 1 (erhalten, bekommen) ciafé (-fa) 2 (erwischen) pié (pëia), abiné (abina) 3 (finden) ciafé (ciafa). ▬ e…

Verweisungsnetz

195 Knoten, 209 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kriegen

41 Bildungen · 5 Erstglied · 31 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von kriegen 2 Komponenten

krie+gen

kriegen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kriegen‑ als Erstglied (5 von 5)

Kriegen (accipere)

Wander

Kriegen (accipere) Kriegen (accipere). 1. Dat wöl wi wull krîgen, sä Snîder Meinert, he mên aber de Krintstûte. ( Süderdithmarschen. ) Das w…

Kriegen (bellare)

Wander

Kriegen (bellare) Kriegen (bellare). 1. Beim Kriegen ist kein Vortheil. – Petri, II, 74. 2. Besser draussen (in der Ferne) kriegen, als dahe…

kriegende

KöblerMhd

krieg·ende

kriegende , (Part. Präs.=)Adv. nhd. „kriegend“ Q.: SGPr (1250-1300) (FB kriegende) E.: s. kriegen W.: nhd. DW-

kriegen II

RhWB

kriegen II das Wort ist allg.; doch Nfrk, Rip u. resthaft WEif auf krîgen zurückgehend (im Gegens. zu kr. I, das auf kriegen zurückgeht); di…

kriegen als Zweitglied (30 von 31)

abe kriegen

MWB

abe kriegen swV. ‘jmdm. etw. durch kriec abgewinnen’ (?): vnrecht gut ist alles daz erwuͦchert vnd gestolen vnd geravbt ist. [...] man nem d…

abekriegen

KöblerMhd

abe·kriegen

abekriegen , sw. V. nhd. „abkriegen“, durch Krieg abgewinnen Hw.: vgl. mnd. afkrīgen Q.: Rechtss (14. Jh.) E.: s. abe, kriegen (1) W.: nhd. …

abkriegen

DWB

abkriegen , herabbringen, nnl. afkrijgen. ich kann die stiefel nicht abkriegen. davon tragen: er kriegt von dem gelde nichts ab; er ruht nic…

ane erkriegen

MWB

ane erkriegen swV. ‘etw. von jmdm. erstreiten’ (mit Dat.d.P.): wil er mir die minne mîn / an erkriegen sunder danc UvLFrd 360,11 MWB 1 232,2…

aneerkriegen

KöblerMhd

ane·erkriegen

aneerkriegen , sw. V. nhd. erstreiten Q.: UvLFrd (1255) E.: s. ane, er, kriegen (1) W.: nhd. DW2- L.: MWB 1, 232 (ane erkriegen)

ankriegen

DWB

ank·riegen

ankriegen , induere, gegensatz von abkriegen : die stiefel sind zu enge, ich kann sie nicht ankriegen, an die füsze ziehen, feiner, nicht an…

aufkriegen

DWB

auf·kriegen

aufkriegen , nnl. opkrijgen, mehrdeutig, immer aber gemein und unedel, 1 1) aperire, aufgewinnen: ich kann die thür, das schlosz, den mund n…

bekriegen

DWB

bekri·egen

bekriegen , in doppeltem sinn, 1 1) arma movere contra aliquem, debellare, nnl. bekrijgen: du solt die Moabiter nicht beleidigen noch bekrie…

Drankriegen

Wander

drank·riegen

Drankriegen A wollt mich drankrigha, onns (und das) Kalb koam äarschlich. ( Oesterr.-Schles. ) – Peter, 444. Er wollte mich betrügen, aber b…

Dúrchkriegen

Campe

durch·kriegen

Х Dúrchkriegen , v. trs. ich kriege durch, durchgekriegt, durchzukriegen, in den gemeinen Sprecharten, so viel als durchbringen; hindurchkri…

dāwiderkriegen

KöblerMhd

dāwider·kriegen

dāwiderkriegen , sw. V. nhd. „widerkriegen (?)“, sich gegen etwas bemühen Q.: Kreuzf (1301) (FB dāwider kriegen) E.: s. dāwider, kriegen W.:…

erkriegen

DWB

erk·riegen

erkriegen , 1 1) nancisci, obtinere, erlangen, bekommen, mhd. erkriegen und erkrîgen, erkreic, wofür zahlreiche belege im mhd. wb. 1, 880. 8…

gekriegen

DWB

gek·riegen

gekriegen , verstärktes kriegen gewinnen ( das selbst erst aus erkriegen gekürzt scheint ), noch im 16., 17. jh.: wiewol auch etliche andere…

herauskriegen

RDWB1

heraus·kriegen

herauskriegen umg. узнавать / узнать, выяснять / выяснить (а не "получать") Kannst du das ~? - Ты можешь это узнать / выяснить?

Hinkriegen

Campe

hin·kriegen

Х Hinkriegen , v. trs . an jenen Ort kriegen, bewirken, daß etwas an jenen Ort sich begebe, gebracht werde  in der anständigern Sprechart h…

Kleinkriegen

Wander

klein·kriegen

Kleinkriegen Es ist nicht zum Kleinkriegen. – Frischbier 2 , 2043. Es ist eine ärgerliche, verwickelte, nicht zu lösende Sache.

nāchkriegen

KöblerMhd

nāchkriegen , st. N. nhd. „Nachkriegen“, Nachstreben Q.: Kreuzf (1301) (FB nāchkriegen) E.: s. nāchkriegen (1) W.: nhd. (ält.) Nachkriegen, …

spitzkriegen

RDWB1

spitz·kriegen

spitzkriegen (kein Bezug zu "острый") прознать, пронюхать разг. , неодобр. , проведать устар. , прослышать устар. , разузнавать / разузнать,…

verkriegen

DWB

verk·riegen

verkriegen , verb. 1 1) durch krieg verlieren. mhd. verkriegen, mnd. vorkrigen. nhd. so soll es auch sein, das grosze herrn zuweilen ein gan…

widerkriegen

Lexer

wider·kriegen

wider-kriegen swv. rebellare, reluctari Dfg. 486 a . 491 c , intr. Pass. K. 270,84, tr. Berth. 532,10 ;

zerkriegen

DWB

zer·kriegen

zerkriegen , verb. , refl., sich mit jem. zanken, in streit gerathen, sich entzweien ; ein bair.-österr. ausdruck: Lexer 3, 1071 ; ob sich z…

zukriegen

DWB

zukriegen , v. , Campe : genug, genug, ich krieg den seidel sonst nicht zu Brentano 4, 86 .

în kriegen

MWB

în kriegen swV. ‘hin(ein)drängen’ ein meister sprichet: got ist etwaz, [...] dâ alliu dinc înkriegent als in ir lestez ende Eckh 1:144,7 MWB…

überkriegen

KöblerMhd

überkriegen , sw. V. nhd. überwinden, übertreffen Q.: JTit (3. Viertel 13. Jh.), LS, Renner E.: s. über (1), kriegen W.: nhd. (ält.) überkri…

īnkriegen

KöblerMhd

īnkriegen , sw. V. nhd. hindrängen, hineindrängen Hw.: vgl. mnl. incrigen, mnd. inkrīgen Q.: EckhI (vor 1326) (FB īn kriegen) E.: s. īn, kri…

ūfkriegen

KöblerMhd

ūfkriegen , sw. V. nhd. „aufkriegen“, aufstieben Hw.: vgl. mnd. upkrīgen Q.: EckhII (vor 1326), Parad (FB ūf kriegen), Kreuzf E.: s. ūf, kri…

ūskriegen

Idiotikon

ūskriegen Band 3, Spalte 798 ūskriegen 3,798

Ableitungen von kriegen (5 von 5)

bekriegen

DWB

bekriegen , in doppeltem sinn, 1 1) arma movere contra aliquem, debellare, nnl. bekrijgen: du solt die Moabiter nicht beleidigen noch bekrie…

erkriegen

DWB

erkriegen , 1 1) nancisci, obtinere, erlangen, bekommen, mhd. erkriegen und erkrîgen, erkreic, wofür zahlreiche belege im mhd. wb. 1, 880. 8…

gekriegen

DWB

gekriegen , verstärktes kriegen gewinnen ( das selbst erst aus erkriegen gekürzt scheint ), noch im 16., 17. jh.: wiewol auch etliche andere…

verkriegen

DWB

verkriegen , verb. 1 1) durch krieg verlieren. mhd. verkriegen, mnd. vorkrigen. nhd. so soll es auch sein, das grosze herrn zuweilen ein gan…

zerkriegen

DWB

zerkriegen , verb. , refl., sich mit jem. zanken, in streit gerathen, sich entzweien ; ein bair.-österr. ausdruck: Lexer 3, 1071 ; ob sich z…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „kriegen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kriegen/dwb?formid=K13703
MLA
Cotta, Marcel. „kriegen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kriegen/dwb?formid=K13703. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kriegen". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kriegen/dwb?formid=K13703.
BibTeX
@misc{lautwandel_kriegen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„kriegen"},
  year         = {2026},
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  urldate      = {2026-05-15},
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