Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kriegen swV.
1.1 häufig mit Präp. oder Präp.-Erg.
1.2 mit Gen. ‘einer Sache nachstreben’
1.3 ohne Erg.
2 ‘streiten, eine Auseinandersetzung haben’
2.1 allg.
2.2 mit Worten
2.3 handgreiflich
2.4 in einem Wettstreit
2.5 in einem Rechtsstreit
3 ‘kämpfen, Krieg führen’
3.1 ohne Erg.
3.2 mit präp. Ergänzung zur Bezeichnung des Gegners oder der Streitsache
3.3 mit Akk. ‘jmdn. bekämpfen’
3.4 subst.
1 (mit körperlicher oder geistiger Anstrengung) ‘streben, trachten’ 1.1 häufig mit Präp. oder Präp.-Erg.: heim zu lande / urloup zum kunige nâmen die, / der sie niht gerne von im lie, / er mûste sie lân, sie criegten hin Kreuzf 49; des glîche tuot daz viur: daz krieget ûfwert, und ein ieglîchiu crêatûre suochet ir natiurlîche stat Eckh 3:27,6; er wolde ein bistuom stiften dâ; / mit vlîze krîgete er darnâ EbvErf 1016. 4080; nochdenne krieget der himel nâch dem werke, daz got in im selben würket Eckh 2:328,3; swer dâ kriegt nâch fremder habe UvEtzWh 6539; daz ist also daz der mentsche sol nach gotte kriegend gedenken, daz ist reht contemplieren PrGeorg 33,5; Tit 168,3; die zwelfe lebten bruͦderlich. / sie kriegten umb daz himel rich HvNstGZ 4919; er criegte zû dem herren dar Kreuzf 2274. 4136; do kriegete ich doch zuͦ dir [Gott] mit minen ellenden sinnen Mechth 3: 12,4; alle dinc [...] crigin zu dem ende Parad 44,31; dem steine enwirt diu bewegunge niemer benomen, die wîle er ûf der erde niht enliget, er enkriege iemer ze der erde Eckh 3:27,5; VitasPatr 249,5. – mit gegen oder wider etw./jmdn./jmdm. ~ ‘widerstreben, andringen’ nu hœret, wie der fürste var! / er kriegete gein der vînde schar ErnstD 844; [ die ] gegen im krigeten in der zit Pass III 39,61; Wh 293,5; ich sprach: ‘dû bœswiht, nein ich! / daz dû sô kriegest wider mich, / daz ich dir niht vertragen mac.’ Helbl 3,116; want danne alle ûsflüsse kriegent wider iren gespring PrEkkewint 234; wider sînem willen crieget er Tr 11749; kein vogel kan ûz allen landen wider in [den Adler] nû gecriegen KvWLd 32,327; daz vünkelîn der sêle, [...] daz dâ ist kriegende alwege wider allem dem, daz götlich niht enist Eckh 1:333,1. – bezogen auf die gegengesetzte Rotation der sieben Planeten zwischen Erde und Fixsternhimmel (s.a. Heinzle, Wh., S. 818 zu 2,2-4): nû sage mir, hâst dû meisterschaft, / wie daz firmamentum mit sô hôher kraft / gein den siben plânêten müge kriegen, / oder wie der Pôlus articus / stê und der hôhe meisterstern Antarticus? Loheng 133; derz firmamentum an liez / unt die siben plânêten hiez / gein des himels snelheit kriegen, / sîn wâge kan niht triegen Wh 216,11 1.2 mit Gen. ‘einer Sache nachstreben’ swie ich mich anemâze / ze tihten, des ich lutzel kan, / wan daz ich vil tumber man / doch noch tihtens krîge. / jâ mohte ich wol geswîge, / dâr guote meister sprechent, / die guot getihte zechent [schaffen] EbvErf 4499 1.3 ohne Erg.: – Part.-Adj.: hoffenunge klebet in der kriegenden kraft, diu alle zît ûfkriegende ist in daz hœhste und in daz lûterste: in die wârheit Eckh 2:168,1. – subst.: sîn [des Jägers] chriegen machet tieres val KvHeimHinv 8; die meister sprechent: daz lieht ist sô natiurlich, daz ez iemermê ein kriegen hât, und heizet sinderesis und lûtet als vil als ein zuobinden und ein abekêren Eckh 1:333,5 2 ‘streiten, eine Auseinandersetzung haben’ 2.1 allg.: Effrem hies ein abt, zvͦ dem gieng ein boͤs wip vnd wolt in han in vnkúschekeit oder in zorn gevellet, wan in gesach nie mv́nsche gezúrnen noch kriegen VitasPatr 323,15; und criegent an mir starke / beidiu tôt unde leben Tr 18542; Ottok 15910. – subst.: ain paum an aim stain [abgebildet auf einem Edelstein] , an des rehter seiten ain fraw ist und an der lenken ain man, der macht ainträhtigung zwischen den êläuten und versœnt die kriegenden BdN 471,14 2.2 mit Worten: – ‘diskutieren’ wan ez kriegent die meister von Parîs etewenne, welich heilige der hôhste in dem himelrîche sî unde von welhen tugenden einer hœher sî danne der ander PrBerth 1:537,15. 1:538,14; si kriegten welhez under in / von êrst dô solte kêren hin / ze dem junkherren ûz genomen KvWPant 1471; si sâzen kriegend alle drî [Juno, Pallas, Venus] / und triben des vil unde gnuoc. / swaz wirde ir iegelîchiu truoc, / diu wart besunder dâ geseit KvWTroj 2578; ir [ Discordiâ ] sâme wirt noch hiute / geworfen under manigen lîp. / si füeget, daz man unde wîp / vil ofte kriegent umbe niht ebd. 1497; maniger sprichet, ich heize in liegen / swenne er liuget, und wil ouch kriegen, / sprêche ich daz er habe gelogen Renner 15356; seit dir ieman von schrift, oder von anderen sachen, kriege mit im nv́t VitasPatr 248,27; Frl 9:16,1; EvBerl 119,15; SpitEich 25,2. – ‘Meinung vertreten, behaupten’ kein vrouwe kriege wider mich [Juno] , / daz si wunneclicher sî KvWTroj 1936. – mit Dat.d.P. ‘im Streit nicht gewachsen sein’ ich han dir niht gekriegen. / du kanst dine rede gebiegen / so meisterlichen hin und her HeinzelRitt 345. – subst.: sus gie daz criegen under in / umbe ir eit her unde hin Tr 15693; nû die götinne beide [Juno und Pallas] / mit rede ân underscheide / striten hövelîche alsus, / dô sprach diu vrouwe Vênus : / ‘ir mügent iuwer kriegen lân, / ich wil den apfel selbe hân, / wan er ist mîn von rehte [...].’ KvWTroj 2099; dîner schrift geloube nû / und lâ dîn valschez kriegen abe KvWSilv 3283; nu waz ir [der Jünger] criegen vnderwegen [ inter se in via disputaverant Mc 9,33] , / wer vnder yn den hosten segen / hede an gewalde, ere vnd geniez EvStPaul 3948. 10100 2.3 handgreiflich: sus kriegtens gein einander als zwên hanne Loheng 5556; [Rebekka] wart swanger zwaigir kinde [Jakob und Esau] , vnde dú kint kriegeton in der muͦtir mit ain andir [ conlidebantur Gn 25,22] PrGeorg (Sch) 2,187. – subst.: der Wâleys tet im einen slac, / daz er zuo der erde mit tôde vallens pflac. / nû lât in ligen, ez het ein ende sîn kriegen Loheng 2750 2.4 in einem Wettstreit: liehte bluomen, grüene gras, / mit den diu pleine erliuhtet was, / diu criegeten vil suoze in ein Tr 16747; ein lûter klingen bechelîn / vliuzet, dâ die bluomen kriegent umb ir schîn Loheng 6135. – subst.: ‘ir wellet hern / den alten meister Erewin, / der funt, der was da vor ouch sin.’ / ob ouch wol die sprache ist min, / so treit er doch daz kriegen hin Frl 13:5,8 2.5 in einem Rechtsstreit: vnd daz vnser herre, [...] an behapt hette mit reht vor rehtem gerihte. vnd des wir darnach chriegten reht UrkKlostern 1,155 (a. 1317). – mit präp. Ergänzung zur Bezeichnung des Streitgegenstandes oder des Streitgegners: swer mit dir ze gerihte var / kriegen umbe dîn gewant, / dem solt dûz lâzen zehant [vgl. Mt 5,40] RvEBarl 4109; ez kriegten zwêne rîche man / mit einander umbe guot. / der krieg wert lang Boner 95,4. 76,57; swo zwen chriegent mit einander umb einen chauf StRMünch 313,12; din mage hant dich schiͤr verclagt: / so man in dinen dot sagt, / sie kriegent sere umb daz guͦt HvNstVis 127; swa zwene, ez si herre oder arm man, criegen vmme guͦt vor gerithe UrkCorp (WMU) N408,12; wo zwen mit einander kriegent umb ainen aigen man UrkÖsterrErbl 60,16 (a. 1237); SchöffIglau 71; daz daz selb tail, daz da wider chriegt, von allem sinem reht gæntzlich gevallen si UrkCorp (WMU) 1966,5; wær iemen, der her nach chriegen wolte nah dem selben lehen ebd. 3051,5. – der mit dir chriegen wil in dem gerihte [ vult tecum iudicio contendere Mt 5,40] EvAug 9,25; Tauler 289,7; swer die rehten gewer an einem guͦte hat. vnd krieget mit im ieman dar an. wen sol im gezivge erteilen. vnde ienem nvͦt. der ir darbet SchwSp 192a; swenne burger kriegent vnder ein andirn UrkCorp (WMU) 248AB,10,24; herre apt Chvenrat von Seiteinsteten chriegt mit vron Chunegvnden Otachers havsvrawen von Stille vmbe ein wis in dem Reintal UrkEnns 3,525 (a. 1280); EvBerl 122,17. – helfen ~ jmdn. in einer Streitsache unterstützen: daz ich minem brvͦdere [...] helfe criegen [...], vnz ime die stat wider wirt UrkCorp (WMU) 177,31 3 ‘kämpfen, Krieg führen’ 3.1 ohne Erg.: er sprach zer meide wol gevar / "war kriegt der herzoginne schar, / sus manec rîter ûz erkorn? / wer hât ir hulde verlorn?" Parz 632,24; swer kriegen wil und kriegen sol, / der bedarf guoter friunde wol Renner 1549; wer spitzig dünneu naslöcher hât, der ist ain krieger und kriegt gern BdN 45,24. 143,26; JvFrst 1182; kleiniu vogellîn selten kriegent, / diu schareht mit einander fliegent Renner 21329 3.2 mit präp. Ergänzung zur Bezeichnung des Gegners oder der Streitsache: da chriegt chaiser Hainreich sun mit seinem vater und uͤberwant in im andern jar EnikWchr 542 Prosa 9,20. 543 Prosa 2,2; dô kom der künec Vergulaht. / der sach die strîteclîchen maht / gegen Gâwâne kriegen Parz 410,15. 275,29; umb ein lant grôz / mit einander wir kriegen Ottok 62576; [die Elefanten] kriegent niht umb iriu weip, wan si prechent ir ê niht BdN 135,10. – mit dem tode ~ ‘im Sterben liegen’ wenne wir [...] mit dem tode vaste krigen [...], / so kumpt der prister [...] / und brenget eine salbe so / gemachet uz oli und balsamo Brun 5768 3.3 mit Akk. ‘jmdn. bekämpfen’ die wischten uf in die luft / und huben an mit stolzer guft / daz volc kriegen durch beiac Pass III 331,63 3.4 subst.: dâ ergienc von in beiden / hurteclîchez kriegen. / si liezen gêre vliegen / mit anderem ir geschôze Wh 431,7; si wolte der edelen vruht uz Katelangen / der strangen so niht lazen sunder kriegen JTit 1942,3
MWB 3,2 590,52; Bearbeiterin: Herbers