für ,
partikel, die ursprünglich praeposition ist und dann auch adverb wurde, dem aber noch praepositionelle kraft innewohnt. sie erwuchs mit vor,
dessen v
als nachklang der im mhd. herschenden schreibung geblieben ist und füglich wieder dem früheren f
weichen sollte (
vgl. 1
vorr. LXII. 3, 1210. 1888 for),
auf derselben grundlage, und als diese ist fur,
goth. mit der vor r
eintretenden brechung faúr,
anzunehmen, welches der lautverschiebung und seinem grundbegriffe gemäsz mit gr. πάρος,
vorn, vor, sanskr. puras (
für paras),
ante, zend. para,
vor, stimmt (
vgl. Curtius
griech. etymol. nr. 347)
und diesen gegenüber in seinem u
manigfaltigkeit des ablautes zeigt, wie sie sich im part. praet. bei goth. baíran, gataíran,
ahd. përan, zëran, scëran, suëran
bietet. diese grundlage oder grundform nun, dieses fur,
entfaltete sich einerseits zu goth. faúra,
ahd. fora, vora,
mhd. vor,
alts. fora, for,
mnd. nnd. vor,
mnl. nnl. voor,
ags. fore, for,
mittelengl. engl. for,
altfries. fara,
altn. dän. for,
unserm genannten vor,
andererseits, indem goth. faúr
blieb, zu ahd. furi, vuri,
mit überschlagen des i
in a
auch fura,
mhd. vür, für,
alts. furi,
nnd. vör,
altfries. fori,
ostfries. westfries. för,
altn. fyri, fyr,
schwed. för,
unserm nhd. für.
hier muste neben ahd. furi
das goth. faúr
auffallen, das man nicht als die vorhin angegebene grundform betrachten zu können glaubte, und Jacob Grimm
fragt gramm. 3, 256
auch »
warum nicht faúri?«
aber goth. geht nicht eine einzige praep. auf die bildungssilbe -i
aus, [] während dem ahd. furi
noch die praep. umpi,
unser nhd. um (
s. d.),
zur seite steht. zwar will er gramm. 4, 786
das -i
in furi
als ein comparativisches ansehen, als wenn diese praep. aus einer von dem nur als untrennbare partikel gebliebenen for
erwachsenen comparativform furir (
s.fürst),
d. i. goth. faúris,
abgestumpft sei, wie das altn. fyri
neben dem gleichbedeutigen fyrir
erscheinen kann, aber wb. 3, 47
wird wieder und wol mit recht, entschieden verneint, dasz in furi,
goth. faúr,
ein comparativelement liege. es dürfte auch hiernach nicht gefehlt sein, in dem -i
von furi
nur eine bildungssilbe zu erkennen. was aber drücken beide neben einander erwachsene formen ihrem ursprunge nach aus und wie unterscheiden sie sich in dieser hinsicht? in goth. faúra,
ahd. fora,
als praep., liegt die bezeichnung der ruhe, sie steht also auf die frage wo? und regiert demgemäsz den dat.; doch bricht ahd. zweimal auch der acc. durch. s. I
A 1)
a)
und 4)
r)
α).
in goth. faúr,
ahd. furi,
dagegen liegt die bezeichnung der bewegung, sie steht sonach auf die frage wohin? und regiert den acc. die rection der beiden casus, die sich bei den praepositionen an, auf, bei, hinter, in, über, unter
in éinem worte vereinigt, scheidet sich also hier nach den beiden formen. aber namentlich mit dem beginne des nhd. tritt verwirrung dieser formen ein und es wird vor
eben so wol mit dem acc. gefügt, wie für
mit dem dativ. später suchen dann, wie unten in einem rückblicke besonders dargelegt werden wird, die grammatiker feste regeln aufzustellen, worauf auch der heutige gebrauch von für
und vor
beruht. doch drangen diese regeln, die für
wieder auf die fügung mit dem acc. beschränkten, bei vor
aber die mit dem dat. und mit dem acc. festsetzten, erst allmählich durch. alts. fora, for
regiert den dat. und den acc., ebenso furi
beide casus. in gleicher weise steht nd. vor,
aber vör
hat blosz den dat. bei sich. ags. fore, for
wird, wie jenes alts. fora, for
mit dem dat. und mit dem acc. gesetzt, dagegen regiert altfries. fara
den dat., fori
den acc., altn. fyri, fyr
wieder den dat. und den acc., auch schw. för,
wiewol in dieser sprache sich dat. und acc. als gleichlautend nicht unterscheiden lassen. dän. för
ist nur noch adverb. Nach der nebeneinanderstellung der beiden formen gemeinschaftlichen ursprunges, die wir nhd. in vor
und für
haben, ist nun blosz dieses letzte zu betrachten, zunächst, wie bereits das vorausgehende zeigt, als praeposition und dann als adverb. II. für
die praeposition. in ihr liegt ursprünglich, wie oben angegeben wurde, die fügung mit dem acc. und die sinnliche bedeutung »
vornhin in beziehung auf, angesichts der vorderseite in beziehung auf«,
wovon dann die ferneren abgeleiteten bedeutungen, die unten angegeben werden. aber, wie oben bemerkt, tritt mit dem nhd. auch fügung mit dem dat. ein und das wort, das, indem es den acc. regiert, bewegung ausdrückt, nimmt zugleich die bezeichnung der ruhe an. natürlich ist, dasz die fügung mit dem acc. vorangestellt wird. das wort drückt also aus I@AA.
bewegung und erfordert den accusativ. hier geht es I@A@11)
auf den raum und bedeutet I@A@1@aa)
vornhin in beziehung auf, angesichts der vorderseite in beziehung auf. ahd. ni sentet iuwara merigroʒʒa furi suî
n. T. 39, 7 (
Matth. 7, 6); fiel in sîn annuzi furi sînê fuoʒî. 111, 2 (
Luc. 17, 16); taʒ liebera (
das liebere junge) chêret (
nemlich der affe) io fure sih, daʒ ander folgêt imo.
N. Boeth. 138 (136
bei Graff); zît ward thô gireisôt,thaʒ êr giangi furi got: opphorôn ër scolta. O. I. 4, 11.
mhd. sî gâhte über jëneʒ vëlt unde erbeiʒt vür diu gezëlt.
Iw. 3108; ûffen teppech kniete si für in.
Parz. 193, 1; dër wirt was alsô bedâht daʒ ër wider für in stuont. 560, 25, =
vor ihn sich stellte; leget, mîne vriunde,die schilde für dën fuoʒ.
Nib. 1796, 1; si hieʒen herbërgenfür dën grüenen walt gên des wildes abeloufedie stolzen jägere balt. 871, 1, sô sul wir ane vân dienen schœnen wîbenfür dën palas wît. 554, 7; ër wîste in schône vür daʒ tor.
Mai 211, 10; dës was dô niht langer rât, dër wirt muose für daʒ tor.
Biterolf 11845; wir suln im kumen für daʒ tor, dâ er unser beitet vor.
Walberan 971; dô si kâmen für daʒ tor, dô sâhen si halten dervor Walberân und sîne schar. 991; dô si für die stat kâmen. 945.
nhd. und (
Jacob) legt die stebe, die er geschelet hatte, in die trenckrinnen, fur die herde, die da komen musten zu
[] trincken.
1 Mos. 30, 38; ewre perlen solt jr nicht fur die sew werffen.
Matth. 7, 6; es ist nicht fein, das man den kindern jr brot neme und werff es fur die hunde. 15, 26; für die thür. Alberus
dictionar. pp iij
a; fürn keiser berufen. b 4
b; derhalben treib jn die not dahin, dasz er für den hauptmann begert in hoffnung, er solt jm etwas fürsetzen. Wickram
rollwagenb. (
Kurz)
s. 29, 22; ja herr, da tratt er wider und für all tag wol dreymal für die thür. H. Sachs II (1591). 2, 18
b; sammer potz ader! will ich je für den pfleger nit. 4, 9
d,
vgl. unten B 1); und führet sie hinnein für gott. 4, 63
c,
vgl. unten B 1); eh jhr bottschaft erreichet Rom Hanibal für Saguntha kom. 2, 88
b; das (
dasz) du (
spricht die frau zu ihrem manne) tag und nacht ligst beim wein, du sichst der hauszins geht herein, sag, wo wöll wir doch nemen den? »dein schauben musz fürt lucken (
vor die lücke) stehn« (sprach er) und hönet sie darmit. 1 (1590), 329
b,
sprichwörtlich, wie vor den risz stehn,
in dem sinne: bei der schuld aushelfen dasz sie getilgt werde oder doch sich nicht vergröszere. s. lücke. nach dem sie offt mit schmertzen lieff für die hauszthür, in jammer tieff jr kind zu sehen. IV. 3, 100
d; für Salomon zwuo kumen sind. Schwartzenberg 108, 2; wann ich ein politicus were, wolt ich das leben aller königen in Juda und Israel für mich nehmen und dasselbe betrachten. Schuppius 10; eben zu der zeit kamen zwo huren für den könig und traten für ihn. 23; entlich aber ... wurd bewilliget, das (
dasz)
d. Luther eygner person sich zu Wormbs für keyser Carolum und das gantze römische reich einstellen solte. Mathesius
Luther (1566) 23
a; nach vielfeltigen rathschlegen hat keyser Carl doctor Luthern citiert für seine maie. (
majestät) gen Worms. 23
b.
nach und nach aber erlischt für
in dieser bedeutung, von dem in dieselbe eingedrungenen vor
verdrängt. nur selten taucht es noch aus der volkssprache auf, in welcher sich für
in der hier angegebenen räumlichen bezeichnung erhalten hat. so z. b. in der bairischen mundart, in welcher für den könig kommen
oder gehen, für die stadt hinaus gehen, für die thür stellen, für die hunde werfen
gehört wird. s. Schmeller 1, 553.
andere mundarten, wie die wetterauische, kennen gar kein vor
mehr, sondern allein für
und setzen dies auch in allen den fällen, in denen im nhd. jenes steht. aus dieser mundart scheint es in folgenden stellen geschöpft, in deren erster es freilich wie ein nachklang aus früherer zeit erscheint: es ist nur zur nachfrage, wenn mir einmal der einfall käm, dasz ich gleich für die rechte schmiede ginge. Göthe 42, 48,
dagegen 8, 39
an derselben stelle, nach dem bereits damals geltenden schriftdeutschen, vor; für welchen richterstuhl eigentlich das geheimnisz gehöre, das wollen wir unter uns ausmachen. 23, 20; wir halten zusammen und gehen unsern eignen weg, stoszen so allen schlimmen, mittelmäszigen und guten fürn kopf.
derselbe an Merk, in den briefen an Merk 1, 94.
es ist dies für den kopf stoszen,
wofür auch für den kopf schlagen
gesagt wird, übrigens eine besondere redensart, über welche s. kopf II.
A. 3)
f),
wo belege von Luther
und Mathesius
beigebracht sind, dann eine stelle von Fischart
für das seltnere für den kopf schlagen. »für den kopff schlagen,
à Germanis dicitur translate, pro rejicere, condemnare, fraudare, inhumanitatem prae se ferre etc.« Alberus
dict. pp iij
a.
jetzt setzt man in der schriftsprache auch hier durchweg vor,
eben so in der redensart etwas für die hand nehmen (Lokmans
fab. 34),
anfangen sich mit demselben zu beschäftigen. s. hand
und vgl. fürhanden.
dasselbe findet statt in der von der sinnlichen bedeutung ausgehenden und dann mehr bildlich wie »
darthun, klar darlegen«
gebrauchten redensart für die augen stellen. Henisch 1291, 15; einem fürs angesicht führen, für die augen stellen,
in aspectum adducere. 1290, 66. ich hätte grossen lusten, solches der welt für augen zustellen. Schuppius 2.
desgleichen in der redensart für die augen bringen,
die in dem abgeleiteten sinne von »
gerade heraus sagen, offen sagen«
vorkommt (
s. Henisch 1291, 8),
so wie in der ebenfalls bildlich stehenden etwas für jemand bringen,
es ihm zu wissen thun, es ihm kund thun. und der knabe (
Joseph) war bei den kindern Bilha und Silpa seines vaters weibern, und bracht fur jren vater, wo ein böse geschrey wider si war.
1 Mos. 37, 2. einem für augen kommen,
sub aspectum cadere. Henisch 1290, 68.
aber wie für
[] die augen
im eigentlichen sinne wird auch überall fürs angesicht
gesagt. Stieler 583.
in einem falle ist dies schon vorhin bei Henisch
ersichtlich gewesen. Jetzt steht, wie bereits bemerkt wurde, schriftdeutsch überall vor,
welches in dem heutigen sinne mit acc. schon in ahd. fora dih,
ante te (Kero 7),
aufzutauchen scneint. verstärkt allfür,
ganz vorne in beziehung auf, recht in die augen fallend an der vorderseite in beziehung auf: darnach er jn sein gaden ging, den andern niern (
die andere hode) er do hing alfür sein pette do an die want. Rosenblut,
Gieszener hs. 18
b. I@A@1@bb)
vorwärts in beziehung auf, vorwärts fort in beziehung auf. in dem sinne steht das wort, wenn der von ihm abhängige acc. der eines persönlichen pronomens ist und es, nemlich für,
den ton hat. mhd. nëmt war wie gar unfuoge für sich dringe.
Walth. 24, 8; dô ër sî vür sich gên sach.
Iw. 1701; dô ër sî vür sich rîten sach. 3604; und hieʒ in vil balde dar durch (
nemlich den wald) rîten vür sich nâch dër hant dën rëhten strich.
krone 15978; du solt für dich lërnen gâ
n. Boner 65, 19; si begundn ein ander wenden nëben, für unt hinder sich.
Parz. 542, 15; vür sich sô las si Tristan, hër wider sô las si Tantris.
Trist. (
Maszm.) 255, 6
mitteld. und alsô vur sich strîten mit tugenden zallen zîten.
dër sünden widerstrît, Gieszener hs. 3438 (
s. 366). fürsich,
antrorsum. vocab. von 1419
bei Schmeller 1, 555.
nhd. ich ging im walde so für mich hin, und nichts zu suchen das war mein sinn. Göthe 1, 27.
eben so ich ging im felde so für mich hin. 3, 54,
wo aber auf der folgenden seite als anhang ich ging im walde so vor mich hin
u. s. w. kurtze und gute auslegung des heiligen vater unser, für sich und hinder sich. Luther 1, 358
b, =
vorwärts und rückwärts, vgl. vorhin die stelle aus Tristan; es schawt Ruggiero erst, für sich, gar steiff und starre. Werder
Ariost 11, 7, 1. für sich sehen
auch: vor die füsze sehen, sehen und aufachten dasz man nicht fällt, aber dann auch bildlich so viel als sich vorsehen, vorsichtig sein. solche kunst können vast alle juden, die da bekennen, dasz sie allzeit den zehenden mann aufopfern müssen, derohalben sehe ein jeder für sich. Tabernaemontanus 863. er (
der hirtenhund) trabt fürsich und sicht sich nicht umb. Schuppius 832; so er ohne forcht ist, so hat er sein gang für sich. Forer
fischb. 126
b; sonder (
der) geh jmmer fürsich hin den nechsten weg und bleib darinn. H. Sachs I (1590), 324
a. die sache geht für sich,
geht vorwärts, nimmt oder hat guten fortgang, geht nach wunsch, gelingt. diese letzte anwendung von für sich
kommt schon im 15.
jahrh. vor: wenn ich (
spricht die frau zu dem buhlerischen knechte) dich erman das du nicht prechst und das du es auch nicht wider sprechst, so geet für sich dein begirlichs werben. Rosenblut,
Gieszener hs. 14
a. vil schöner ros er (
auf dem rossmarkt) feilset und darumb kaufet, doch kein kauf im für sich ginge. Steinhöwel
decam. (
Keller) 78, 35; im sein sin nicht für sich ginge. 166, 23.
procedit, es gehet fürsich. Alberus
dict. X ij
a.
noch wetterauisch s gît fírschich,
es geht vorwärts, auch bildlich so viel als die sache gewinnt fortgang, hat fortgang. für sich
aber, wie es eigentlich gebraucht und dann angewandt wird, erstarrt selbst zu einem worte, was bereits das aneinanderrücken vorhin in dem vocabular von 1419,
dann bei H. Sachs
und Schuppius
zeigt, eben so fürschich
u. s. w. in den mundarten. s. Schmeller 1, 555
und fürsich.
wie nun, zumal mundartlich, das blosze sich
auch steht, wo wir den acc. des pronomens der ersten oder zweiten person erwarten sollten (
s. sich),
so haben gleicher weise statt für mich, für dich, für uns, für euch
häufig die mundarten, seltener die schriftsprache ein starr gewordenes für sich,
zusammengerückt fürsich.
wie geläufig ist doch in jenen ich fiel fürsich, geh fürsich, guckt
[] fürsich!
vgl. gramm. 4, 319. so gedacht die mus: louffest du hindersich, so vahet dich der hund, gast du fürsich so nympt dich der är.
buch der beispiele 132, 38—133, 1.
vgl. hinter sich
unter der praep. hinter.
Ein anderes für sich
mit dem ton auf sich,
also für sích,
s. unten unter 4) i). I@A@1@cc)
vorwärts weiter als, vorwärts über. mhd. in wîste für die stecken dër wirt sëlbe mit dër hant ûf einen stîc dën ër da vant.
Erec 8880; dô die helde für si jagten.
Parz. 125, 18.
nhd. wie mancher ist fürs zil geloffen da es der gänger basz hett troffen. Fischart
ehzuchtb. 52.
was aber vorwärts über einen gegenstand sich bewegt, das kommt dahin, dasz dieser hinten ist, und so geht die hier angegebene bezeichnung des wortes im grunde genommen aus der unter a)
hervor. zugleich musz das, was in jener weise seine bewegung vollbringt, an dem durch den acc. ausgedrückten gegenstande hin oder, was dasselbe sagt, vorbei und so entwickelt sich aus der bezeichnung hier »
vorwärts über«
die folgende I@A@1@dd)
an etwas hin in beziehung auf, vorbei in beziehung auf, vorbei. doch bleibt hierbei nicht immer zweifellos, ob diese bedeutung oder jene vorhergehende gemeint sei. mhd. junchêrre, sâht ir für iuch varn zwên ritter die sich niht bewarn kunnen an ritterlîcher zunft?
Parz. 122, 15; diu ros nach stichen truogendiu rîchen küneges kint beide für ein andersam si wæte ein wint.
Nib. 184, 2; und lât sulch rede für ôren gâ
n. Laurin (
Müllenhoff) 302; ich bin dîner wîse ein tôre, mîn sanc gât dir für dîn ôre, dîner hëlfe ich nie bevant.
MS. 1, 60
a (
H. 154
b), =
mein gesang geht dir am ohre vorbei, du beachtest ihn nicht. vgl. ohr
und Ben. 2, 1, 442
a.
nhd. dar umb losz red für oren gon. Brant
narrensch. 41; niemantz hatt es alles gethan, lassend red für oren gan und habtt vergutt und achten nit was der niemantz thutt. Val. Holls
hs. 124
a; kan er nit durch die finger sähen und red lassen für oren gon, sonder wils alles mit bachen behouwen und mit wurtzlen und gar uszryssen, dem helff gott. Frank
sprichw. 1, 133
b; reden muosz man lassen red sin unnd für oren gan. 2, 57
a; wer bawet an weg und strassen musz vil nachredt für oren lassen. Joh. Siebmachers
new wappenb., Nürnb. 1605; will ich still schwygend für sie gon und sie lon jnn jr narrheit bliben. Brant
narrensch. 98, 6, louff, doch nit für din husz. Franck
sprichw. 1, 60
b.
s. Zarncke
zu Brants narrensch. s. 377
a. am sonntag nach Othmari, was der 8. wintermonats, gieng ein redlicher frommer landmann von Uri, Wilhelm Tell genant, ... zu Altorf etlichmal für den uffgehenkten hut und tett im kein reverentz
an. Tschudi
chronik 1, 238
a. I@A@22)
auf die zeit, in den bedeutungen I@A@2@aa)
anfangend auf, seitdem in beziehung auf. mhd. daʒ ër danne vür die zît sül wëder rîten noch gëbn.
Iw. 2810, =
von der zeit an; wand sî lëbten vür dën tac ân angest unde ân nôt, dô dër rise gelac tôt. 5080, =
von dem tag oder der zeit an; und dar nâch für die sëlben frist hât ër ze sîner genist dehein gedinge mêre.
arm. Heinr. 239. vür daʒ =
von da an dasz, von da an als, seit: after dës ër (
Jacob) iemmer hanch,fur daʒ ër mit dëme engele geranch.
genesis 48, 16; unde dâ sult ir iuch alle samt wol behüeten, ir frouwen, für daʒ ir swanger worden sît. Berthold (
Pf.) 31, 32; diu dritte spîse hât die kraft, für daʒ ir ir niwan éin mâl enpfindet unde sie iu niwan éin mâl wirt, für baʒ iemer mêr sô habet ir freude âne trûren. 223, 36.
vgl. fundgruben 1, 370
a und Ben. 3, 377
b.
nhd. fehlen belege und für
in dieser stellung scheint erloschen. I@A@2@bb)
weiter als, mehr als: für das mal hin bin ich nit mer über den Urner see gefaren. Th. Platter 44, =
über diesmal hinaus nicht mehr, später niemals wieder. I@A@33)
auf den raum so wie auf die zeit in den formelhaft aussehenden ausdrücken, in welchen das wort die bedeutung »
nach der folge vorne an, folgend auf«
hat und das ihm unmittelbar vorausgehende [] subst. noch einmal als abhängiger acc., aber, wo dieser nicht wie der nom. lautet, in der form dieses hier gleichsam verhärtet erscheinenden casus wiederholt wird. solche ausdrücke sind I@A@3@aa)
in räumlicher bezeichnung fusz für fusz, blick für blick, mann für mann, schritt für schritt, zug für zug, stufe für stufe, punct für punct, stück für stück
u. s. w.: aber die königin an dem ort fusz für fusz gieng da in kürtzweyl etwas fast auff ein viertheilmeyl. H. Sachs IV, 2, 79
b; gieng fusz für fusz wie ein samrosz. 3, 97
c.
im reim findet sich hier auch der acc. im pl., was nicht zu billigen ist: in dem die zart tratt zu mir her mit leysen tritten fusz für füsz. I (1590), 380
b; der edlen schönheit gaben fliehn fusz für fusz. Opitz 2, 200; spiegle bilder blick für blick. Göthe 4, 70; du alter schnurrbart, haar für haar reisz ich dir ihn aus. H. L. Wagner
reue nach der that 125; der vater und des vaters brüder beschlossen endlich, mann für mann, dasz, weil er nicht gehorchen wollte, Johann der trommel folgen sollte. Gellert
lehrged. (1754)
s. 107; kennst du nicht mann für mann, du bist verloren. Göthe 3, 163; wie leicht und gern ich mich hieher gewöhne, denn ich verstehe mann für mann. 41, 117; er wies dem alten, schritt für schritt, hier bald das matte, dort das leere. Gellert
lehrged. (1754)
s. 89; er geht beherzt, denn schritt für schritt ist leicht, so dasz er fröhlich zweck und ziel erreicht. Göthe 3, 140; als die vegetation mir schritt für schritt ihr verfahren vorbildete, konnte ich nicht irren. 50, 50. sie (
die processionen) zogen mit angesang und antwort, fahnen flatterten, standarten schwankten, eine grosze und gröszere kerze erhob sich zug für zug. 43, 264; zug für zug. Klinger 10, 12; tretet heran, stufe für stufe, reihet euch ernst. Göthe 41, 210; und (
es würde) kein horn die neubegier der geschminkten bleichen docken haus für haus ans fenster locken. Göckingk 3, 65; dann geh und frage von haus zu haus, in Hamburg, Danzig, kurz, stadt für stadt. 2, 78; wir denken: ort für ort sind wir im innern. Göthe 3, 112; dasz die repräsentanten selbst sich punkt für punkt an ort und stelle aufzuklären und ohne vorurtheil in die natur der sache zu sehen sich bemühen sollten. 31, 37; die ... reinlich näht wie keine, stich für stich wie perlen, wie gestickt. 23, 43; das gift tropfen für tropfen einschlürfen. Klinger 3, 284; er besah alles stück für stück. Wieland 12, 179,
vgl s. 271; nun glaubt ihr wohl, bey der gelegenheit würd ich die schlitten, stück für stück, beschreiben? Göckingk 2, 200; mögt ihr stück für stück bewitzeln, doch das ganze zieht euch
an. Göthe 41, 24; rechnung für rechnung ist berichtigt, die wuchersklauen sind beschwichtigt. 64; zu dem ende soll meine ganze Ilias, gesang für gesang, in dem journale von und für Deutschland ... als ein aushang erscheinen. Bürger 183
b; ich wills ihnen wort für wort vorlesen. H. L. Wagner
kindermörderin 80.
Evchen Humbrecht 96; blatt für blatt. seite für seite. zeile für zeile.
s.fusz, gesang, haus, mann, ort, punct, rechnung, schritt, seite, stadt, stück, stufe, tropfe, wort, zeile, zug. I@A@3@bb)
zur bezeichnung einer zeit tag für tag, nacht für nacht, stunde für stunde, jahr für jahr
u. s. w.: tag für tag. A. Gryphius 1, 709; du weiszt, dasz tag für tag dein alter vater keift, und dennoch sorgst du nicht, ob sich dein vieh verläuft. Rost
schäferged. 111; je mehr er (
der künstler) sich zum fleisze zwingt, um desto mehr es ihm gelingt. drum übe dich nun tag für tag, und du wirst sehn, was das vermag! Göthe 13, 156; wenn ich mich tag für tag damit beschäftgen sollte. 160, ein mädchenherz erforscht ein weiser mann, mit kaltem blut, kaum, kaum in ganzen jahren, wenn ers auch tag für tag belauschen kann. Göckingk 2, 171;
[] mein ausgebliebener geleitsmann hatte auf den neuen wagen der von Straszburg kommen sollte, tag für tag, stunde für stunde, wie wir auf ihn geharrt. Göthe 48, 193; denn wie euch sonst das meer umgürtet, umgürtet ihr die kühnen wogen: so nacht für nacht, so tag für tag. 13, 274; bei mir, der nacht für nacht im traum ihm vorgekommen war. Göckingk 2, 144; wir trinken nektar jahr für jahr. J.
N. Götz,
oden Anakr. 73 =
ged. 2, 69; daneben wohnt die fromme pilgerschaar, sie wechseln gehend, kommend, jahr für jahr. Göthe 3, 139.
s.jahr, nacht, stunde, tag
Ungewöhnlich ist, wenn gleich dem subst. ein adverb mittelst für
sich wiederholt. dies in fort für fort,
immerfort. s. fort 3)
b). den stein, den kann man nicht gar wol erheben, er ruhet fest und unbeweglich dort: so liegt und bleibt dergleichen fort für fort. J. Chr. v. Schönborn
bei A. Gryphius 2, 502; du bittrer hertzenschaum, du trüber wehmuthsjäscht! ergeusz dich fort für fort aus meiner augenhöle, bisz mir mein lebenslicht dein kalter strom auslöscht. Lohenstein
thränen 125.
Dasz übrigens die ausdrücke formelhaft erscheinen, zeigt das vorsetzen einer andern praep., was nicht statt fände, wenn die verbindung nicht wie ein wort betrachtet würde: von schritt für schritt wuszt ich mirs zu erörtern. Göthe 41, 259.
Wie aber für
in dem sinne von »
vornhin in beziehung auf, vorwärts fort in beziehung auf«
durch vor
verdrängt worden, so ist auch hier trotz der formelhaften bildung, in der sonst das ursprüngliche wort haftet, mitunter vor
eingetreten und zwar kommt dieses bei Göthe
in den nemlichen ausdrücken vor, in denen er an andern stellen für
hat, ja, was noch auffälliger wird, selbst neben ausdrücken mit für: denn wo tag für tag das bedeutendste vor unsern augen vorgeht wenn wir mit so viel tausenden leiden und fürchten und nur furchtsam hoffen, dann hat die gegenwart ihren entschiedenen werth, und, schritt vor schritt vorgetragen, erneut sie das vergangene, indem sie auf die zukunft hindeutet. Göthe 30, 189; nun aber wiederholte sich das alles, gräulicher und grimmiger, bei dem gebildetsten nachbarvolke, wie vor unsern augen, tag für tag, schritt vor schritt. 275; so folgt mir streng die sorge, schritt vor schritt, und deutet mir bedenklich in die weite. 9, 328; recht langsam, schritt vor schritt, mit viel behutsamkeit, kroch eine wohl beladne schnecke. Lichtwer
fab. 4, 22; aber der frau, stück vor stück könnt ich ihr die seel aus dem leibe reissen sehn. H. L. Wagner
reue nach der that 116. tag vor tag
führt Adelung 2, 361
aus Gottsched
an, aber es findet sich auch anderwärts: traurig, o Luise, wenn ich einst im lichten paradiese dich vermiszte, wenn ich tag vor tag Spiegel fragte: wo dann bleibt Luise, die, als kind, mit uns so lieblich sprach? Kl. Schmidt
neue poet. br. 67.
Endlich trift man auch nach (
s. d.)
an in dieser stellung von für,
ohne dasz der sinn sich ändert: körn nach körnchen las der könig selbst ihn (
den weizen) aus Ximenens krause. Herder
Cid 1, 16. I@A@44)
auf verschiedene andere verhältnisse, und hat dann die abgeleiteten bedeutungen I@A@4@aa)
die stelle einnehmend in beziehung auf, und zwar I@A@4@a@aα)
an der stelle in beziehung auf, an der stelle was betrift, da wo man haben oder erwarten sollte. für
steht also hier eben so, wie das den gen. bei sich führende anstatt (
s. d.)
oder statt (
s. d.).
ahd. dër fure got dëmo tiefele dienôt unde imo undertân ist.
N. ps. 31, 9; sie (
die Aegypter) funden aber pluot fure waʒʒir,
sanguinem pro aquis. 77, 44.
dagegen findet sich in ältester zeit, bei Kero 1
u. 10, fora
mit dem dat. mhd. wan vil waʒʒer in ir lant truoc für dën grieʒ edel gesteine.
Parz. 519, 15; nu traget für die rôsendiu wâfen an dër hant. für schappel wol gesteinetdie liehten hëlme guot.
Nib. 1791, 2
u. 3.
nhd. und hatt alles das jm wurt sin not, darff nit an rüffen glück für
got. Brant
narrensch. 26, 92. so wachse mir disteln für weitzen und dornen für gersten.
Hiob 31, 40; und wird stanck fur gut geruch sein, und ein
[] lose band fur ein gürtel, und eine glatze fur ein kraus har, und fur einen weiten mantel ein enger sack, solchs alles an stat deiner schöne.
Jes. 3, 24; die kindheit der gedancken die obst für gold erkiest. Opitz 2, 118; seh ich gleichwohl allemal für den stern den donnerstrahl. Günther 14; bin ich etwan gar verschieden? oder giebt ein traumgesicht mir nur schatten für das licht?
ebenda; man betriegt sich nur allzuleicht in den ursachen: entweder fasset man sie nicht alle, oder man schätzet sie nicht, was sie wehrt sind, oder man nimmt eine für die andere. Bodmer
vorr. zu Breitingers crit. dichtkunst 4
a; siehst du, Töffel, wenn du nun gleich so gescheut gewesen wärst, so hättest du zweye (
es sind mäulchen gemeint) für eins gekriegt: aber nu — nur eins! C.
F. Weisze
kom. opern 3, 47; geht jetzt und hohlt einen fiaker. »zehn für einen!« H. L. Wagner
Evchen Humbrecht 144; auf komplimente weisz ich nichts zu antworten, als dasz ich für den, der sie mir macht, roth werde. Klinger 1, 140; ein schriftsteller soll vor seinen lesern denken, nicht für sie. Fichte
über die franz. revolution xvi; nicht lange, so überfiel sie eine art von lähmung der zunge, so dasz sie ein wort fürs andere sprach. Göthe 19, 259. den grammaticalischen schnitzer: zwey helden, für zween helden. Lichtwer
fab. (1775)
s. vii. 1 für 7 setzen. ein x für ein u machen,
X statt V schreiben, mit doppelter kreide schreiben. einen ducaten für einen louisdor nehmen. Adelung. I@A@4@a@bβ)
stellvertretend in beziehung auf, stellvertretend was betrift. für jn, an sein statt,
pro illo. Maaler 146
b.
mhd. dën Rîn havitin si vure diz meri.
Annol. 393; Etzel für Dietrîche sprach.
klage 736; ich wil ê für in stërben.
arm. Heinr. 564. da sey einer komen zu ym und habe sich erboten för jn zu predigen. Luther 6, 100
a; du (
spricht gott zu Moses) solt zu jhm (
Moses bruder Aaron ist gemeint) reden und die wort in seinen mund legen, und ich wil mit deinem und seinem munde sein und euch leren was jr thun solt, und er sol fur dich zum volck reden, er sol dein mund sein und du solt sein got sein.
2 Mos. 4, 16; sintemal wir halten, das (
dasz) so einer fur alle (
bei Ulfilas áins faúr allans) gestorben ist, so sind sie alle gestorben, und er ist darumb fur sie alle (
bei Ulfilas faúr allans) gestorben, auf das die, so da leben, hin fort nicht jnen selbs leben, sondern dem, der fur sie gestorben (
bei Ulfilas þamma faúr sik gasviltandin) und aufferstanden ist.
2 Cor. 5, 14. 15; was ich jetzt lebe im fleisch, das lebe ich in dem glauben des sons gottes, der mich geliebet hat und sich selbs fur mich dargegeben.
Gal. 2, 20,
bei Ulfilas þis ... atgibandins sik silban faúr mik;
Christus pro nobis dependit, hat für uns bezalt. Alberus
dict. L 4
b; wiszt, euern (
der beiden abwesenden freunde) mangel zu ersetzen, will ich für beyde mich ergetzen: berausch (
so steht da) trink ich des einen wein, des andern mägdchen schenkt mir ein. Christlob Mylius
verm. schriften (
Berlin 1754)
s. 590. klag für einen jungen helden. Weckherlin 468 (
od. 2, 15)
als überschrift. es ist ein klagelied eines jungen kriegers an seine geliebte, das der dichter in dessen auftrage dichtete. im lande, wo der Nil das feld für regen netzt. Tscherning
ged. frühl. 26; da tritt kein anderer für ihn ein, auf sich selber steht er da ganz allein. Schiller 330
a. einmal für allemal: das soll nun nicht seyn, schwager! einmal für allemal musz es nicht nach eurem kopfe gehen! C.
F. Weisze
kom. opern 3, 114. von der kanzel ein paar eínmal für allemal aufbieten,
einmal statt der üblichen dreimal. kürzer nur einmal mal
gesetzt ein für allemal: Sie sollen mir nicht lehren geben: ich leide es ein für allemal nicht. C.
F. Weisze
kom. opern 2, 25; ein für allemal! du muszt, du magst wollen oder nicht!
lustsp. 3, 256.
auch einmal für alle.
s. einmal
A 3). gut sprechen für jemand, bürge sein oder werden für jemand, bürgen für jemand oder etwas, sich für jemand oder etwas verbürgen, haften für jemand oder etwas, stehn für jemand oder etwas.
s.gut, bürge, bürgen, verbürgen, haften, stehen: ich wil bürge für jn sein, von meinen handen soltu jn foddern.
1 Mos. 43, 9; ich, dein knecht, bin bürge worden fur den knaben gegen meinem vater. 44, 32; ich habe keinen bürgen für mich, als Ihren onkel. C.
F. Weisze 3, 271;
[] mich henker, ruft er, erwürget! da bin ich, für den er gebürget! Schiller 63
a; zwölf ritter sollen bürgen für dein wort. 467
a (
j. v. Orl. 3, 2); sie ist unschuldig — ich verbürge mich, ich selbst für sie mit meiner fürstenehre! 479
b (4, 11); bürg du für dich und deinen eignen leib! 636
a (
Tell 3, 3); ich will gerne für meine frau mit stehen (
es ist von der bezahlung einer zeche die rede). C.
F. Weisze
kom. opern 3, 114. I@A@4@bb)
als, wie. eine bedeutung, die aus der vorhergehenden sich entwickelt, da stellvertretung und gleiche geltung an einander reichen. I@A@4@b@aα)
als jemand oder etwas oder solche der oder das oder die man bezeichnet als, als jemand oder etwas oder solche der oder das oder die man der eigenschaft nach nennen kann oder nennt. hier steht das wort, auf welches sich für
mit dem acc. bezieht, im nominativ. ahd. furi cast,
pro hospite. Kero 61.
mhd. si kômen alle dar für kint, di nu dâ grôʒe liute sint.
Parz. 471, 1.
nhd. ir wollet doch nich zu strite gehen, sonder wollet nur für kikers (=
zuschauer) stehen. Hildebrand
volksl. 104; ein schmied verliesz sein weib, war aussen manches jahr, indessen ward der knecht und dieses weib ein paar: als wieder kam der schmied, da theilten sie die stelle, für meister arbeit der und jener für geselle. Logau 2, 218, 41; er hat zweyen vornehmen fürsten für einen kammerdiener auffgewartet und einem andern vornehmen fürsten hiebevor auch als ein laquey gedienet. Schuppius 61; ich diene aber der stadt Hamburg nicht für einen generalsuperintendenten, sondern für einen pastorn der kirchen zu
s. Jacob. 589; er könnte alle augenblicke für einen städter passieren, wenn er einen vornehmen rock anhätte. C.
F. Weisze
kom. opern 2, 13; wenn er für einen vollen mann gelten soll. Claudius 4, 200, =
einen ganzen mann. eben so wol aber könnte für einen vollen mann
auch »
für einen betrunkenen mann«
gesagt werden: er trank überaus viel wein, doch konnte er nicht für einen vollen mann angesehen werden. wir stehen hier statt einer landsgemeine und können gelten für ein ganzes volk. Schiller 528
b (
Tell 2, 2).
noch heute hört man in Sachsen sie dient für jungemagd,
als jungemagd. mit nichts, etwas
u. dgl. nach für: dann das leben des fleischs für nichts wirdt geschatzt — also wirt das fleischlich und vergenglich leben unsers leibs fur nichts geschatzt und der todt des leibes fur keinen todt gerechnet. Carlstadt
sermon vom stand der christglaubigen seelen a iiij
b. er wird hier für nichts geachtet, und ich sollte meinen, er könnte doch, wenn er nur wollte, für etwas gelten. er, dem für seinen lohn gehört des himmels cron. nichts jrrdischem nachstrebet, und sich selbs uberlebet. Weckherlin 388.
Durch einflusz des niederdeutschen oder durch verwechselung mit vor
findet sich auch dieses, wo für
stehn sollte: wenn sie (
die lippe) soll vor eine zierrath gehn so musz sie derb und rund und wie ein purpur stehn. Picander
ernstscherzh. ged. 388. I@A@4@b@bβ)
als. in dieser bedeutung steht für
mit dem acc., wenn es sich auf einen acc. bezieht. mhd. sie enpfie dën wirt vür einen gast.
Iw. 8040 swër houbetsünde unt schande tuot mit sîner wiʒʒende umbe guot, sol man dën für einen wîsen nennen. Walther 22, 20; für wunder sol manʒ immer sagendaʒ sô vil helde wart erslagen von eines wîbes zorne.
klage 159.
nhd. weil sie ... jren heuchelstand und wercke für das vollkomenste leben gerhmet. Luther 4, 400
b; einen lewen oder rautenkrantz ... auff die müntze für das geprege schlagen. 418
b; er sol den son der feindseligen fur den ersten son erkennen, das er jm zweifeltig gebe, alles das furhanden ist. 5
Mos. 21, 17,
vgl. v. 15. 16; Sebul aber sprach zu jm: du sihest die schatten der berge fur leute
an. richt. 9, 36; er (
Luther) erkenne gegenwertige bücher für die seinigen. Mathesius
Luther (1566) 25; für fuorlon bezalen,
pro vectura solvere. Maaler 152
a (
vergl.fuhrlohn,
wo vor der redensart die worte »
Auffällig erscheint«
zu streichen sind); so bitt ich dich, du wöllest mir die (
es ist eine gefangene jungfrau gemeint) für ein schencke (=
als ein geschenk) schicken, dieweil ich sie erledigen
[] wil.
buch d. liebe 228, 1; man liset von ainem der alten väter, der als oft er zu seim siechbett ging, es für hailigtum küsset. Fischart
podagram. trostb. (Scheible) s. 687; sahen kein gute ordnung gern, und wolten gar nicht für ein herrn den jungen löwen krönen lassen. Alberus
Esop 67
b (1550
s. 89); wer nur am meisten gsaufen kan den preist man für ein helden. Uhland
volksl. 611; die jugendt musz je etwas han, für kurtzweil dem sie hange
an. H. Sachs III (1588) 3, 37
d; so erschlüg man dich kurtzer stund für einen doll wütenden hund. J. Ayrer
Machumet 156
b; nichts .... will ich dir für dein erbthail geben. Weckherlin 5 (
ps. 2, 8); sich für einen bürger aufführen,
pro cive gerere se. Nieremberger Ccc 4
c; warum schilt man mich demnach für einen pasquillanten? Liscov 457; da stehe der pfaff, und schelte Ihre fürstliche gnaden für einen ehebrecher und blutschänder, ihren herrn bruder für einen hahnrey! Schuppius 243; ich will ihn nicht für mein ehelich kind annehmen und erkennen. 246; Ajax erscheint nicht, wie er unter den heerden wüthet, und rinder und böcke für menschen fesselt und mordet. Lessing 6, 301; wiszt Ihr was, kommt gegen abend wieder, und zieht Euch für den zauberer
an. C.
F. Weisze
kom. opern 2, 167, =
dasz Ihr als der zauberer erscheint, als wenn Ihr der zauberer wäret; es sollte nur einmal eine mit einer solchen haube, wie sie itzt tragen, auf die welt kommen, wer weisz, für was für thiere man sie ansähe! 132; Fysignatus, der den zahnarzt für einen wohlhabenden und dabey sehr hitzigen und eigensinnigen mann kannte. Wieland 20, 15; so dreh ich dir (
ein gefangner vogel ist angeredet) den hals, mein sohn, und esse dich für einen braten. 18, 375 (326); es giebt übel gesinnte leute, welche sie (
die nachrichten) für eine satire ausrufen würden. 14, 261 (248); dasz er (
Araspes) zu den füszen eines weibes schmachtet und die pein, die sie ihm verursacht, noch für glückseligkeit nimmt. 16, 305 (284); für ein verbrechen auslegen. Kant 8, 7; dasz sie (
Gretchen) mich für ein kind zu den acten erklärt, nahm ich ganz entsetzlich übel. Göthe 25, 8;
lady. aber für was musz ich diesen vorbericht nehmen?
Ferdinand. für den einwurf der ehre, wenn Sie lust haben sollten, meine hand zu erzwingen! Schiller 190
a (
kab. u. liebe 2, 3); sie erkennt es (
das tuch) für dasselbe, welches sie dem Eduard vor neun jahren geschenkt. 679
a; sich für ein frauenzimmer ankleiden. seit unsrer verlobung sehe ich mich für die deinige
an. ich nehme es für scherz auf. scherz für ernst nehmen. er musz sichs für die gröste ehre schätzen, mit dir bekannt zu sein. ich sah es für was schweres an, es war auch wirklich schwer. Gottsched
ged. 1, 527, meine hochgeehrte herren wollen mir vergeben und es nicht für einen vorwitz auszdeuten, dasz ich diese erinnerung thue. Schuppius 331.
auch auslassung des vorausgehenden acc. es
findet statt, so dasz kein acc. vorhanden ist, sondern dieser durch einen ganzen satz vertreten scheint, auf welchen sich für
mit seinem acc. bezieht: so wil ich für die warheit jehen das ich kain frawen han nye gesehen.
Gieszener hs. nr. 1264 9
b.
hierbei läszt sich mhd. mit ëʒ
vergleichen: wan ich sagt ëʒ vür die wârheit: wand ëʒ was mir vür wâr geseit.
Iw. 2979. I@A@4@b@gγ)
in gleicher geltung wie, ganz so wie, in der eigenschaft wie. eine bedeutung, die mit der vorigen enge zusammenhängt und sich nur zu oft kaum strenge scheiden läszt. ich hôrte ie sagen von kindenvür ein waʒʒermære daʒ ze Gîvers in dëm bërgeein wîteʒ künicrîche erbowen wære.
Gudrun 1128, 3.
vgl. gramm. 4, 826. 835
f. nhd. liegt mir in dieser weise kein beispiel vor. aber für
mit einem bloszen adj. ist heute noch geläufig. für eigen geben, haben, leben
u. s. w., als leibeigen: mhd. eime sult ir iuwern lîp gëben für eigen. Walther 86, 20; owê sold ich si dicke sëhen, dër ich mich für eigen gihe! 112, 20;
[] ob ich vrîheit ie gewan, ir sult mich doch für eigen hâ
n. Parz. 523, 28; dër ich wil für eigen lëben.
MS. 1, 36
b.
auch nhd. wird noch dieses für eigen
gewis sich finden, obgleich ich keinen beleg beizubringen vermag. häufig aber ist noch heute für gut.
mhd. vür guot,
zusammengerückt mit abschwächung des vür verguot,
s. Ben. 1, 589
a so wie gut
und vergut. für gut nehmen,
als gut nehmen, als gut aufnehmen: minne sol daʒ nëmen für guot. Walther 58, 12.
mit dieser bedeutung stimmt, wenn eine heute noch beliebte entschuldigungsformel lautet: nichts für ungut,
ich bitte, nicht etwas als ungut aufzunehmen. auszerdem hat aber für guot
auch die abgeleitete bedeutung: mit etwas zufrieden sein. daʒ rieten sie under in daʒ si eʒ næmen wol für guot.
Biterolf (
Müllenhoffs heldenb.) 12383; daʒ ërʒ næme für guot. Stricker 12, 520, =
dasz er damit zufrieden sei. dies auch nhd. in mehrers wil ich hievon nicht schreiben, sondern euch bitten, hiemit für gutt zu nehmen. Butschky
kanzl. 154. für gut finden: sie wehrt sich ganz bequem, bequem wie eine braut, und findet bald für gut, sich weiter nicht zu wehren. Gellert
fabeln (1748) 121; der aber fand hierauf für gut sich weiter umzusehn. Lichtwer
fab. 2, 10; was er für gut befand, das lobte sie zur stunde. 24.
s.gut.
sehr häufig ist auch für übel nehmen: ir nemmen mir gar für übel und machent ein grosze katz, das (
dasz) ich mit den sünderen yssz und gemeynschafft mitt jnen hab. es bisset uch. ir solten mir aber das nitt für übel uffnemmen. Keisersberg
postill 3, 49
b; nu! nu! Sie werden mirs nicht für übel nehmen, gnädiger herr, aber das geschieht in aller welt nicht, dasz ich Dorchen mit fort lasse. C.
F. Weisze
kom. opern 3, 275.
sehr oft auch ohne für: nimm mirs nicht übel.
s.übel. für lieb nehmen, für lieb annehmen: so nim doch das jenige für lib an, was
u. s. w. Butschky
kanzl. 263; dasz ... die zuhörer, wenn sie zum beispiel die Antigone des Sofokles erwarteten, die Erigone des Fysignatus für lieb und gut nehmen muszten. Wieland 19, 244.
s. lieb
und fürlieb. für wahr: si sprach, ich hân für wâr erkant durch waʒ du zu mir bist gesant.
Parz. 645, 21; ir sült gelouben mir für wâr daʒ ich dës leiches dœne sanc gar niu.
frauend. 422, 16.
nhd. etwas für wahr nehmen,
als wahr annehmen. haben sie von deinen fehlen immer viel erzählt, und für wahr sie zu erzählen vielfach sich gequält. Göthe 5, 72. für todt,
in der meinung dasz das wesen todt sei: mhd. dô sluoc ime dër rise einen slac, daʒ ër dâ gar gestraht lac vor ûf dëm rosse vür tôt.
Iw. 5049; wand im hëte dër leu benomen sô gar die kraft unttën sin daʒ ër vür tôt lac vor in. 6784.
mit der casusendung sage mîner frouwen Isôten, man handel mich ver tôten und si verwundet starke. Heinr.
Tristan 6332, =
man behandle mich wie einen todten, sehe mich an als wenn ich ein todter, als wenn ich todt wäre. eben so nhd. wie ein abte einem genant Ferondo ein pulver ze essen gab, von dem er entschlieffe und für toten begraben wart. Steinhöwel
decam. (
Keller) 216, 12.
dagegen wie einer für ein andern geklaget, peweinet und für tode pegraben ward. 28; wie ein lebendiger und nit toter für tode begraben warde. 29. für todt liegen.
aufzeichnung Jacob Grimms; sie wollen sich einer gewissen grube ... dazu bedienen, in die sich Scapin für todt hinlegen soll. Lessing 4, 430, =
als wenn er todt wäre; mit stockendem pulse für todt zu liegen. Göthe 11, 132; er legte sich listig grade für todt in den weg. 40, 9 (gink he liggen vor dôt
Reineke 176); Reinecke lag für todt auf der heide. 115; (
die bauern) streckten für todt ihn (
den wolf) zur erde darnieder. 52;
[] nicht wahr, ich bin gestürzt?vergibst du mirs? für todt hob man mich auf? 9, 260; der harfner ... war mit nach dem orte geeilt, einen wundarzt aufzusuchen, und seinem für todt zurückgelassenen wohlthäter nach möglichkeit beizuspringen. 19, 41; Mignon fuhr auf einmal mit der linken hand nach dem herzen und indem sie den rechten arm heftig ausstreckte, fiel sie mit einem schrei zu Nataliens füszen für todt nieder. 20, 204. für voll nehmen,
als wenn der gegenstand vollständig wäre, ihn als völlig annehmen, ihn durch zustimmung annehmen dasz an ihm nichts fehle. schon mhd. ëʒ næme der jude Smoyêl dën gewin wol vür vol, dër offenlîche gesuochet wol. Helbling
nr. 8, 983.
s. voll
und Ben. 3, 362
a.
noch jetzt ein geldstück für voll nehmen,
eins, das zu höherm werthe, als dem gesetzlich bestimmten, umläuft, zu diesem höhern annehmen, oder ein im werthe herabgesetztes zu dem frühern annehmen. preuszisches silbergeld für voll annehmen,
in den deutschen ländern, in welchen nach kreuzern und gulden gerechnet wird, das fünfsilbergroschenstück zu 18,
den drittelsthaler zu 36
kreuzern und den thaler zu einem gulden und 48
kreuzern annehmen, da doch gesetzlich diese münzen dort nur 17½
kreuzer, 35
kreuzer und einen gulden und 45
kreuzer gelten. den halben kronthaler für voll nehmen,
ihn zu einem gulden und 21
kreuzern nehmen, während er doch seit 1837
auf einen gulden und 20
kreuzer herabgesetzt ist. Verbindungen mit andern adjectiven: mhd. mîn alte nôt die klagte ich für niuwe.
MF. 133, 15.
nhd. so sante sie etwas guts zu essen oder zu trinken dar und liesz jnen sagen, das (
dasz) sie frölich und guter ding sein solten und wenig für vil rechnen. Fischart
klag des ehstands (Scheible) s. 633, =
mit wenigem fürlieb nehmen; es ist kein mensch in der welt, den man für glückseliger preysen könne, ehe dann er begraben ist. Schuppius 132; ich glaube für gewisz. Opitz; wie freu ich mich, dasz es bey thieren auch grosze geister giebt, die alles demonstrieren! mir hats der fuchs für ganz gewisz erzählt. Gellert
fab. u. erz. (1748) 1, 22. es ist eine verordnung des Lykurg, die ich für löblich fand.
deutscher Merkur, bei Campe 2, 200
a; ich preise mit besserm rechte für glücklich den, der klug genieszet. Ramler
ebenda. für gewöhnlich trinke ich wasser.
aber in solchen ausdrücken kann auch für
wegbleiben, also blosz die ich löblich fand, ich preise glücklich den, gewöhnlich trinke ich wasser
gesagt werden. mit einem als adj. stehenden part., namentlich einem part. praet.: mhd. daʒ sag ich iu für ungelogen.
Parz. 5, 18; si sagetens in für unbetrogn. 64, 1.
nhd. man möcht mir ainen nennen für gar pider und verswigen, das er nie posheit wer gezigen.
Gieszener hs. nr. 1264 6
a; meine landschaft will ich durch wasser ziehen und für geendigt abgeben. Göthe
an frau v. Stein 1, 69; ich nehme es für geschehen,
den guten willen für die that. ich nehme es für empfangen,
das wozu man eingeladen ist, eine ehrenerweisung, als empfangen. für erwünscht,
früher für gewünscht,
vgl. Menantes 1, 26.
Hierbei zeigt sich aber auch verwechselung mit vor,
die mehr schriftstellern Nord- und Mitteldeutschlands eigen zu sein scheint. schon mitteld. und nimmer nëmen niht vor gût swaʒ man sprichet oder dût.
dër sünden widerstrît, Gieszener hs. 1112 (
s. 305); nû vernuft und wîsheit uns habent daʒ vor wâr geseit daʒ sunde, sunde, zwîvel, wân uns mit stride wil bestâ
n. 1186 (
s. 307). ëʒ nam dër furste wol vor gut.
Ludwigs kreuzf. 6001.
nhd. comœdiæ grossen nutzen habn, darinn sich uben junge knabn in lernen, reden und auszsprechn: vor unnütz kans drumb niemands rechn. Gilhusius 11. I@A@4@b@dδ)
Besondere beachtung verdienen haben für, halten für
mit acc., welche verbindungen die bedeutung haben: nach vorstellung und denken angesehen als. zuerst die ältere ausdrucksweise haben für,
welche sich anbahnt in ahd. furi niuwiht habên,
parvi pendere (
gl. jun. 181),
für nichts achten, gering schätzen. eben so ahd mit eigan = habên: taʒ wir diu driu eigên fure ein,
ut hacc tria unum esse judicemus. N. Boethius 143 (
bei [] Graff
s. 130, 141).
aber mhd. sind Ben. 1, 597
a zahlreiche belege von hân vür, haben vür,
in dem heutigen sinne von halten für
verzeichnet. nhd. wie wol er (
G. Witzel) unterstanden hat sein weib fur ein hur zu haben. Alberus
wider Witzeln F 3
a; dasz das reich ... nicht ihr körperlich eygenthumb ist, dasz sie für naturrecht haben. Böhme
Aurora (1634)
s. 122 = (1853) 110.
mit einem bloszen adj. nach für:
mhd. dës hân ich in für eigen.
Nib. 764, 3; die jâhen daʒ nie vrouwebesæʒe küneges lant beʒʒer unde milter:daʒ hëten si für wâr. 1330, 3; wan enem kan nicht geschaden swër für guot hât swaʒ ër tuot. Walther 107, 9.
nhd. wend ir mirs nit für übel han ich heisz si all herinner gâ
n. Funckelin
reicher mann, deutsche dichter des 16. jh. 2, 173, 7; thet man mirs nit für ubel haben, so nem ich hie ein frischen trunck. H. Sachs III (1588). 3, 4
d; ich bitte den könig mit seinen knaben, er wolte mir nichts für übel haben. A. Gryphius
Peter Squentz s. 26.
s.haben
B I 6),
wo noch zahlreiche belege gegeben sind und zwar bis auf die gegenwart, in der freilich halten für,
durch welches haben für
nach und nach zurückgedrängt wurde, bei weitem vorherscht. dieses halten für
tauchte mit dem ausgange des mhd. auf und einer der frühesten belege ist und hielt es für ein mer (
eine märe =
erdichtung), samme sy (
die frau) unsinnig wer (
wäre).
ein ritter mit den nüssen, Gieszener hs. 17
a,
was aber in der fassung mit dem text in GA. 2, 280, 121
u. 122
nicht stimmt. wir aber hielten jn fur den, der geplagt und von gott geschlagen und gemartert were.
Jes. 53, 4; darumb, sihe, wil ich samlen alle deine bulen ... sampt allen, die du fur freunde heltest, zu deinen feinden.
Ez. 16, 37; denn sie (
das volk ist gemeint) hielten jn (
Johannes den täufer) für einen propheten.
Matth. 14, 5,
vgl. 21, 46
von Jesus; wer weis, wer es sieht, und mich für einen milzsüchtigen hält? Gellert
lustsp. (1748) 289; Sie werden es meiner narrheit zu gute halten, wenn ich sage, dasz ich Sie auch nicht für den klügsten mann halte. 282; bei allem dem wurde der oberpriester Stilbon durchgehens für einen wohlgesinnten und friedliebenden mann gehalten. Wieland 20, 206; ein kümmerlich armer teufel, den man an seinem verschabten, graulichbraunen rocke und an seinen übelconditionirten unterkleidern für einen magister, wie sie auf akademien zu vermodern pflegen, hätte halten sollen, stieg aus dem wagen. Göthe 18, 174; ihr gang selbst zeigte so wenig grazie, dasz man vielmehr versucht war, sie für einen verkleideten mann, als für eine männliche frau zu halten. Schiller 795
b; wissen Sie denn schon, ob ich das für mein glück halte, was Sie dafür ansehen? Gellert
lustsp. 276;
Carolinchen. halten Sie denn eine heyrath, ein so genaues band, das zeitlebens dauern soll, für eine kleinigkeit, bey der man sich gar nicht bedenken darf?
hr. Damon. nein, ich halte es für etwas sehr wichtiges. 278; ich halte es für eine strafe vom himmel, dasz ich euch eine stunde im hause leiden musz. 297; von den flammen getäuscht, welche diese maschine, gleich den übrigen fahrzeugen, von sich warf, hielt man sie blosz für einen gewöhnlichen brander, der die schiffbrücke anzuzünden bestimmt sei. Schiller 873
a. ich halte es für ein glück, dasz er in diesen dienst kommt. er hat es für seine pflicht gehalten, dich zu warnen. das halte ich für ein gutes zeichen. Adelung 2, 357; können sie noch die wahrheit für schmeicheley halten!
ebenda. einen für einen narren halten,
glauben dasz er ein narr sei. aber es bedeutet auch: sich an ihm belustigen, indem man ihn durch verstellung u. s. w. täuscht oder zur zielscheibe des witzes macht: das ist ein wettermädchen! sie hält mich nur fürn narren. C.
F. Weisze
kom. opern 3, 47.
auszerdem kann der ausdruck noch so viel sein als: einen zum lustigmacher im dienste haben, und dann fällt die redensart oben unter β).
mit etwas, nichts: wenn wir die tugend für etwas halten. Adelung 2, 357; in allen seinen tücken helt er (
der gottlose) gott fur nichts.
ps. 10, 4.
mit einem bloszen adj.: weh denen, die bey sich selbs weise sind, und halten sich selbs fur klug.
Jes. 5, 21; da sie sich fur weise hielten, sind sie zu narren worden.
Röm. 1, 22; und wie sollte ich zu dem glücke kommen, dasz Sie mich für tugendhaft hielten, da Sie in der welt keinen menschen für fromm halten, als Ihre eigene person. Gellert
lustsp. [] 200; hält er mich denn für so eigennützig, dasz ich ein caffeeschälchen nicht vergessen kann? 201; für so schlimm halte ich ihn nicht. 194; Ihre lebensart, ich wills Ihr kurz sagen, ist unwiedergebohren, versteht Sie mich? hält Sie eine solche lebensart wohl für gut? 199; warum halten Sie mirs denn für übel, dasz ich die freyheit hochschätze. 17; ich halte es ihnen für übel, dasz sie noch so mit mir umgehen.
derselbe; warum, gnädigste tante, soll ich denn überhaupt gezwungen werden zu heirathen? überlegen Sie doch, ich bitte, für wie grausam Sie das in Ihrem eigenen falle gehalten haben würden, und wie weit gütiger Ihre eltern gegen Sie waren, dasz sie Ihnen ihre eigene freyheit lieszen. Bode
Thomas Jones 6, 251 (
buch 17
cap. 8); wie lange hielt ich mich für unzerstörbar, für unverwundlich, und ach! nun seh ich, dasz ein tiefer früher schade nicht wieder auswachsen, sich nicht wieder herstellen kann. Göthe 18, 132; ja das phänomen wurde gewissermaszen für einzig gehalten. 54, 144; sie (
die aus fremden ländern kommenden herren) halten die daheim gebliebenen immer nicht für voll. 21, 111, =
für vollgültig. das halte ich für unwürdig. fürs beste halten. ich halts fürs best, das ich auszfliege nach der speisz. Burkhard Waldis
Esop 2, 4, 6; der nachsatz ist, dasz ich dieser fehler keines an deinem weibchen gewahret, wol aber, dasz es dich zu lieb hat und dadurch dich verführt, ohne dasz es dies will, das an ihr fürs beste zu halten, was das schlechteste ist. Veit Weber
sagen d. v. 3
2, 165.
mit einem participium: so dasz man es also für hinreichend abgeschieden halten könne. Göthe 54, 70. das halte ich für unpassend. ich halte ihn nicht für geneigt, darauf einzugehn. er hält ihn nicht für gelehrt genug zu der forschung.
Dasz da, wo in der verbindung mit einem adj. haben für
stehn sollte oder doch zu erwarten wäre, mitunter auch blosz haben
ohne die praep. für
gesetzt wird, selbst schon mhd., s. haben
B I 6).
gleiches findet aber auch bei halten
statt: sie halten den juristen so arg, als einen verwirrer des staats, einen beutelschneider. Göthe 8, 37, = für so arg; als wir die gegenstände nach und nach (
aus den zimmern) verschwinden sahen, die uns von jugend auf unterhalten hatten, und die wir eben so unveränderlich hielten, als das haus und die stadt selbst. 18, 104, = für eben so unveränderlich; weil gerade darin das herrliche und erhebende unserer vaterstadt bestehe, dasz alle bürger sich einander gleich halten dürften. 24, 106, = für einander gleich; die ältesten (
es sind söhne gemeint) wurden parlamentsglieder, und ihn (
den jüngsten sohn) bestimmte man zur handelschaft, nach art jener zeit, wo man es jüngern söhnen des ersten adels nicht nachtheilig hielt, wenn sie ihr glück auf diesem wege suchen wollten. 37, 325, = nicht für nachtheilig
oder für nicht nachtheilig; wollte man aber auch so den vortrefflichen mann nicht genug entschuldigt halten. 54, 106, = für nicht genug entschuldigt; ob alle deine diener diese that so unbedeutend halten, zweifl ich fast. 9, 163; hier in dem angesichte meines königs und dieses heilgen bischofs reich ich ihr (
Johanna) die hand als meiner fürstlichen gemahlin, wenn sie mich würdig hält, sie zu empfangen. Schiller 470
a, = für würdig.
in gleicher weise könnte auch in folgender stelle bloszes halten
ohne für
stehn: hält Sie mich einer niederträchtigkeit für fähig? C.
F. Weisze
lustsp. 2, 39.
s. halten.
Endlich tritt, wie in andern bedeutungen, auch hier zuweilen unter dem einflusse des niederdeutschen oder in mundartlicher verwechselung vor
ein, wo für
stehn musz. was haben
mit für
anbelangt, so finden sich mehrere belege unter haben
B I 6),
und schon mitteld. läszt sich anführen: dâ bî betrugelîcher wân dër nîman wil vor nith (= niht) hâ
n. dër sünden widerstrît, Gieszner hs. 1089 (
s. 304).
nhd. nach halten: was ganze völker göttlich nannten, schien einen einzgen schäfer nichts, Olint, den sieben heerden kannten, hielt es (
geübten zauber) vor blendwerk des gesichts. Lichtwer 3, 1.
mehr unter halten.
Statt des fragenden für was
bei halten
findet sich auch, freilich sehr ungewöhnlich, bloszes was,
bei welchem dann das ausgelassene für
hinzuzudenken ist: nun Kunz, was hältst du ihn? Claudius,
erste ausg., 1
u. 2
s. 224,
[] I@A@4@b@eε)
wie: dirne, du wirfst ja für toll. heida! ein puff auf den rücken! au! der traf mir den fusz! es saust um die ohren wie hagel! J. H. Voss
ged. 1 (1785), 134,
in den idyllen v. 1802
unnöthiger weise völlig geändert in rasende, zähme dich doch!
Übrigens läszt sich nicht immer genau scheiden, ob ähnlichkeit, oder gleichheit oder stellvertretung bezeichnet werden soll: dasz man sein (
des ferkels) rot leder fur das best kalbsfell solte essen. Fischart
bienenk. 229
a. I@A@4@cc)
als erwiderung, gegenleistung, vergeltung, ausgleichung, die betrift: mhd. die schilte wurden dar gegëbn ze nôtpfande vür daʒ lëbn.
Iw. 7220; vür mînen lîp was iuwer lëbn ûf die wâge gegëbn. 8001.
nhd. als haben sie ihme für den kriegsunkosten Stavenhagen gegeben. Micrälius
altes Pommern 3, 317; wenn er mir zeit gelassen hätte, ihn für sein geständnisz, mit einem andern ähnlichen geständnisse zu bezahlen? Lessing 1, 442; ich soll Ihnen für einige hundert pfund ruhe, ehre, glück, alles aufopfern? C.
F. Weisze
lustsp. 2, 85; marsch mit uns, opfer um opfer! Amalia für die bande. Schiller 142
b (
räub. 5, 2); für was für eine wohlthat soll sie ihr lob verschwenden? Dusch
verm. werke 95; für die versäumnisz kriegt ihr nichts und zu holen ist hier nichts als beulen. Göthe 8, 123. viel geld für waaren ausgeben. einen garten für einen acker eintauschen. es soll ja keine belohnung für Ihre mühe seyn. Gellert
lustsp. 436; ach! Lotte — geht davon! ist das, — ist das der lohn für meine lieb und treu? — C.
F. Weisze
kom. opern 1, 79. seinen lohn für die arbeit empfangen,
aber auch seinen lohn für eine unthat erhalten. wie lohnen oft kinder den eltern für die sorge und mühe, die sie auf ihre erziehung gewendet haben! nun war ein jahr vorbey. herr, sprach der gute bauer (
zum informator), was soll für seine mühe seyn? Gellert
lehrged. (1754)
s. 81. der gram, weil wir nicht bald beredt und fähig sind, der gütigen natur für unsern leib zu dancken. Günther 642; freundlich dank ich dir für gut gemeinten rath. J. H. Schlegel
Thomsons Sophonisba 20; das stehe ich vor ihm ... und danke für das grosze geschenk — mich ein paar stunden länger zu quälen! C.
F. Weisze
lustsp. 2, 26; dank dir für deinen wink! Schiller 350
b (
d. Picc. 3, 9). keinen dank für seine mühe ernten.
auch geradezu mit dem gegenstande der thätigkeit statt dessen, worauf sie verwandt wird, bei für: er (
der den informator seiner kinder reichlich lohnende bauer) würde (
bei bekanntmachung seines namens) nur verdrusz vom edelmanne haben, weil der für sein halb dutzend knaben mit vielem stolz kaum dreiszig gülden giebt. Gellert
lehrged. 82.
Im besondern: als werthbetrag betreffend: man bot zween thaler baares geld für einen kleinen rest (
von modetuch). Lichtwer
fab. (1775)
s. 27; denn für die hoffnung aufzuleben, möcht ich nicht eine mücke geben, nein! wieder aufstehn wirst du nie. 4, 29; Thyrsis bot ihr für ein mäulchen zwey, drey schäfchen gleich am ort. Göthe 1, 21.
ist aber der den werth bezeichnende ausdruck von für
abhängig, so hat dieses den sinn: in dem werthe betragend, in dem werthe der beträgt. herr Richard ist so gütig gewesen und hat mir versprochen, die neue andrienne seiner frau liebste mir für geld und gute worte zu lassen. Gellert
lustsp. 429. er hat das haus für zehntausend thaler gekauft. er erstand das buch für zwanzig silbergroschen.
so schon mhd. und mitteld.: daʒ wir virkauft hân Bërcholde Feiʒten ... eine halbe marg gëldis ûf unseme hûse unde hovestad biz an dën burnen und dër burne dar zû gên dëm wëge, fur iv marg pennege.
urk. v. j. 1344
in Baurs
Arnsburger urkundenbuch s. 452
nr. 720.
die gewöhnliche praep. aber ist mhd. umbe,
mitteld. umme,
unser nhd. um,
das wir ja auch noch hier in demselben sinne wie für
gebrauchen. s. um
und gramm. 4, 842.
goth. steht der kaufpreis bei bugjan,
kaufen, und frabugjan,
verkaufen, in einem instrumentalisch gesetzten dat.: niu
[] tvái sparvans assarjáu bugjanda?
Matth. 10, 29.
ahd. wird der wirkliche, aber gesunkene instrumentalis noch durch mit
verstärkt: choufit man zuênê sparon mit scazzû.
T. 44, 21.
auch alts. wird mid
gesetzt. s. gramm. 4, 711.
doch steht bei ahd. fircoufan
auch widar,
wider, und übereinstimmend bei alts. sellian, gisellian,
verkaufen, wider.
s. gramm. 4, 842. Luther
hat in jener stelle Matth. 10, 29
noch in der im mhd. geläufigen weise um: kaufft man nicht zween sperlinge umb einen pfennig?
Auch hier läuft durch mundartliche einwirkung, wol auch verwechselung vor
unter. dies schon mitteld.: wir sprëchin auch, daʒ hër Thîderîch sal gëbin hërn Cûnrâte vor ein phërt, daʒ hë verlôs und vor sînen schaden xii marg peninge.
urk. v. j. 1320
in Baurs
Arnsburger urkundenbuch s. 340
nr. 511.
nhd. vor einen sanften kusz, holdseelge schäferin, will ich auf dieser flur für dich die lämmer weiden. J.
N. Götz,
oden Anakr. 58,
doch in den von Ramler
herausgegebenen ged. 1, 179 für. I@A@4@dd)
als zukommend an oder auf: das, liebe Franciska, stecke bey seite; für den ersten blessirten armen soldaten, der uns anspricht. Lessing 1, 535; ich aber behaupte, dasz ein rebhuhn für einen herrntisch und höchstens eine gans für einen bauer gehört. C.
F. Weisze
kom. opern 1, 112; gab jedem der kinder einen kreuzer, und auch fürs jüngste gab ich ihr einen, ihm einen weck zur suppe mitzubringen, wenn sie in die stadt ginge. Göthe 16, 20; eine genauere erörterung dieser materie gehört für eine andere gelegenheit. Wieland
Lucian 4, 348; dann ist es eine polizeisache, eine criminalsache, die gehört für mich, für den gerichtshalter, für die regierung, für den fürsten. Göthe 14, 300,
oder hat für
hier die bedeutung 1) a)?
vgl. oben sp. 619. I@A@4@ee)
in beziehung auf, in hinsicht auf, in absicht auf, was betrift: im augst ist der dritt seet und der best für rhetig, ruoben, nopen, girlin
u. s. w. Herr
ackerwerk Columelle 112
b (
Col. 11, 3); aber er (
der köl) wechszt gar in kraut und macht keyn stengel für den winter, so er eyn mal abgehawen wird.
ebenda; doch ist mir sicher leid für dich. H. Sachs I (1590), 401
b; auch ist dirs gar nicht leid für deine schelmerei. Lohenstein; allein diesz wär für ihn betrübt. Gellert
lehrgea. 82; manche schreyende eule und mancher wahrsagende kibitz forderten leichen vom dorf, ein süszer gesang für den cantor. Zachariä
der phaeton 3, 30; der weg, so kurz er war, war für die schnecke weit, ein zeiger an der uhr kann nicht so sachte gehen. Lichtwer
fab. 4, 21; nichts aber könnte mich in der welt wohl so vergnügen, als dasz meine töchter so vortrefflich für euch passen. Lessing 1, 395; was für ein labsal für mich, wenn ich Sie seufzen hörte, wenn ich Sie zittern sähe! 1, 441; ich erkenne in diesen worten meine denkungsart: es mögen also gar wohl meine eigenen worte gewesen seyn. aber was daraus für hr. Klotzen? Lessing 8, 190; es ist unsere schuldigkeit, dasz wir mit für unsers herrn vergnügen sorgen, da er für unsere ruhe sorgt. C.
F. Weisze
kom. op. 3, 12; ich sollte der gute freund einer solchen kreatur sein? nichts für mich! 30; aber ich kann für alles nichts. 31; hieraus ist zu erklären wie jemand für sein alter gesund zu sein sich rühmen darf. Kant 1, 317; für euch bricht mir mein schwesterliches herz, für euch thränt unversiegt mein ahnend auge. Wieland
supplem. 4, 203; vom süszesten der träume kaum erwacht, schleicht sie zum garten, doch ist für des morgens pracht ihr schmachtend auge noch zu trübe. Gotter 1, 15; genug für den prolog. 198; helden, könige und göttersöhne stritten zehn jahre für den schimpf, den Menelas erlitten. 2, 38; und besuchte er Sie oft? »zu selten für den wunsch meines herzens, aber oft genug um mich zu überzeugen, dasz das seinige nur für mich schlug.« 3, 37;
madame Sommer. Sie sind in trauer?
postmeisterin. für meinen mann, den ich vor drey monaten verlor. Göthe 10, 131; dies land ist überall, für den ders in sich hat. Herder
z. l. u. k. 15, 176; für, was drein geht und nicht drein geht, ein prächtig wort zu diensten steht. 12, 96; sorg du mir für ein geschenk für sie. 137; jammerschade für die schöne kirche! seht nur, wie ihre säulen und pfeiler durch gebüsch und bäume noch so wohl
[] erhalten durchsehen, ob sie gleich schon viele hundert jahre in schutt liegt. 21, 13; eine, für damalige zeiten wenigstens, wundersame uhr. 24, 256; nehm Er nur (
die börse). es ist für leben und sterben. Schiller 210
a (
kab. u. liebe 5, 5); ich stehe Ihnen für Ihre ernennung. 542
b. für Görgen ist mir gar nicht bange, der kömmt gewisz durch seine dummheit fort. Gellert
fabeln 2 (1751), 11; mir bangte für meine Amalia, die meines schicksals wegen jede minute einen tod würde zu leiden haben. Schiller 127
b (
räuber 3, 2); mir ist bang für die stadt. 119
b (
räuber 2, 3); zum glück war mir noch nie für die ausführung eines entwurfes bang, wo ich mich mit einem: es soll so seyn! einstellen konnte. 185
b (
kab. u. liebe 1, 5); sie hatte keinen begriff, dasz man kaufen könne, ohne zu bezahlen: für nichts war ihr mehr bange, als wenn sie schuldig war. Göthe 20, 95; für meine frau war mir angst, wie ich diese bei dem umstand nehmen würde. Mercks
ausgewählte schriften 208; so hat auch für Hannchen mein herze gezittert. C.
F. Weisze
kom. opern 3, 77; Luise ward bleich und gestand, dasz sie für das leben ihres bräutigams zittere. Göthe 15, 133; man fürchtete für Lottens leben. 16, 192; ich fürchte daher für herrn Forsters system nichts von einem ketzergerichte. Kant 10, 91; wer für nichts mehr zu zittern hat, der fürchtet sie (
die götter) nicht mehr. Schiller 512
b; warum hab ich gerechtigkeit geübt, willkür gehaszt mein leben lang? dasz ich für diese erste unvermeidliche gewaltthat selbst die hände mir gefesselt: 438
a (
M. St. 4, 10); es mangelte ihr nicht an geist und einem besondern sinn für geschäfte, den sie ihren erzieherinnen abgelernt. 795
b; England begann die welt für entdeckungen umsegeln zu lassen. Niebuhr
kl. schr. 1, 23; das sicherste für uns ist, ihm (
dem abgedrückten pfeile) aus dem weg zu gehn. H. L. Wagner
Macbeth 59; schlimm für Sie, wenn Sie nichts mitgebracht haben! C.
F. Weisze
lustsp. 2, 157; alle edle weichgeschaffene seelen, die für einander gemacht sind. H. L. Wagner
reue nach der that 94; raum ist in der kleinsten hütte für ein glücklich liebend paar. Schiller 49
b. 642
a.
b; gesellschaftszerstreuungen sind der tod für jeden fähigen und thätigen kopf. Heyne
briefe an Joh. v. Müller s. 18. das ist für mich zu schwer, zu angreifend.
im besondern in rechtsausdrücken wie für sich und seine erben verkaufen, für sich und seine erben erklären
u. s. w.: verbindlich in hinsicht auf, verbindlich was betrift. wir Friderich pfaltzgrave ... bekennen, das wir fur uns und unsern lieben sone herczog Philipps ... und alle unser erben verkaufft haben
u. s. w. Baur
hess. urk. 4
s. 171, 180.
Tadelhaft ist, wenn hier, sei es durch mundartliche einwirkung oder durch verwechselung, vor
gesetzt wird: es würde sich doch wohl in diesen schönen gründen noch eine schäferin vor einen Thyrsis finden. Rost
schäferged. 96; pflückt veilchen, streifet myrthen, macht sträuszer vor die hirten, und theilt die schönsten bänder aus. 106; mich reizt dein witz und deine tugend, die sind an dir beständig schö
n. vor mich mag deines körpers jugend gleich heute noch verloren gehn. 105; die käfer sahen sie (
die schöne käferin) mit lust. vor andern einer, schwarz von leibe, begehrte sie vor sich zum weibe. Lichtwer
fab. (1775)
s. 21.
In dem hier angegebenen sinne wird aber oft statt der praep. für
mit dem acc. ein bloszer dat. gesetzt: dem geschäfte, das er erwählet, ganz zu leben. Gellert
bei Adelung 2, 359, = für das geschäfte; dir (
Hymen ist angeredet) schmückt das fromme mädchen sich bey seinem morgenliede. Ramler 1, 69 (1772
s. 107); dir lebt ich, o herzchen, dir sterb ich mit lust! Bürger 35
b; schon ist mir das thal gefunden, wo wir einst zusammen gehn. Göthe 1, 62. es ist mir zu schwer.
ungewöhnlich jedoch und darum auffallend erscheint der dat. in folgenden stellen: ein tränkchen und ein pülverchen ward ihr (
der ohnmächtigen) zugleich gegeben! die Amorn und die grazien erzittern ihrem leben! Gleim,
im alm. d. deutsch. mus. 1779
s. 256, = für ihr leben;
[] grabe, wems behagt, der rinde der geliebten namen ein: welcher hirtin ich empfinde flüstert keine buch im hain! Boie
in Voss musenalm. 1792
s. 83, = für welche hirtin.
vergl. Weinholds
Boie 306—308.
diese seltne fügung von empfinden
mit dem dat. ist wb. 3, 428
nachzutragen. Der volksmäszigen ausdrucksweise entsprechend findet sich bei volksschriftstellern auch für
vor dem inf. mit zu,
der so gleichwie ein acc. erscheint, und jenes für
bedeutet dann so viel als »
in der absicht, zu dem zwecke«: jedes haupthaar (
ist) ein sabel. ein solcher sabel läszt sich aus einander ziehen, wie ein perspectiv, für in die nähe zu fechten und in die weite. Hebel (1853) 3, 29; es waren (
die scharen Attilas sind gemeint) genug, für alles zu verheeren. 43; jetzt wolle er ins weltsche (
es ist die welsche d. h. französische Schweiz gemeint), für weltsch zlere (=
französisch zu lernen). Gotthelf 10, 233; aber für grosz zu thun auf ihre weise reute sie kein geld. 237.
eben so vor einer andern praep. mit ihrem casus: einem namhaften goldschmied hatten zwei vornehm gekleidete personen für 3000 thaler kostbare kleinode abgekauft für auf die krönung in Ungarn. Hebel 3, 54. I@A@4@ff)
zum vortheil in hinsicht oder absicht auf, zu gunsten in hinsicht oder absicht auf, zum besten in hinsicht oder absicht auf, zu guter bestimmung in absicht auf. ahd. scaz, thën thanne nëmmenti gib in furi mih inti thih. T. 93 (
Matth. 17, 26).
mhd. wand niemen vür in gërne tobt, dër sîne bôsheit prîse.
Iw. 2500. sô gêt einer sô rinclîchen hin unde swert einen eit für einen sînen friunt. Berthold (
Pfeiffer) 27, 18.
vergl. dagegen unten unter o)
die beiden stellen aus der genesis und dem Parzival. mitteld. daʒ si daʒ mochte vorgifte (
verschenken) fur ir sêle an klôstere, an gotshûs und an alle stede war si geluste.
urk. v. jahre 1346
in Baurs
Arnsburger urkundenbuch s. 459
nr. 734.
nhd. für, oder zuo,
e, et ex. Dasypodius 333
b,
vgl. 59
c. ein guter hirte lesset sein leben fur die schafe.
Joh. 10, 12,
vgl. v. 15; bittet fur die, so euch beleidigen und verfolgen.
Matth. 5, 44; ich bitte aber nicht alleine fur sie, sondern auch fur die, so durch jr wort an mich gleuben werden.
Joh. 17, 20; die räth zum alten fürsten tratten, und für den jungen fürsten baten. H. Sachs II (1591). 3, 113
d; er läszt für seine frau in allen kirchen bitten. Gellert
fabeln (1748) 72; meiner mutter sollst du sagen: dasz sie für ihren sohn beten soll. Göthe 16, 155; schon wünschte er für ihn (
den mörder) sprechen zu können, schon drängte sich der lebhafteste vortrag nach seinen lippen. 147; wir wollen Götzen ansprechen, für uns ein gut wort einzulegen. 8, 124; hab ich nicht alles für dich gethan? Fr. Müller 3, 144; so viel mir bekannt ist, hat Meissen das beste recht von andern provinzen Deutschlands zu fodern, dasz sie ihre eigene aussprache und mundart für die seinige verlassen, allermassen es darinnen wahre vorzüge vor allen andern aufweisen kan. ... dennoch wird man den kunstlehrern anderer provinzen vergönnen, die vortheile zu untersuchen, welche solche provinzen, über die Meissen keine angebohrne herrschaft hat, vermögen sollen, ihre aussprache und mundart der meisznischen unterwürffig zu machen. Bodmer
vorr. zu Breitingers forts. der crit. dichtkunst, vorrede 4
a; wie pralt der mensch mit der chimere, was er sieht, sey für ihn hervorgebracht! für ihn allein dreht sich die sphäre, die ganze welt ist blosz für ihn gemacht. Mylius
verm. schr. 585; die für Burgund gefochten. alle sollen in die versöhnung aufgenommen seyn. Schiller 467
a (
j. v. Orl. 3, 2); gedankt sey allen, die für uns gefochten, und allen, die uns widerstanden, sey verziehn. 479
a (4, 10); er hat sein leben zehenmal für dich gewagt und zürnt, dasz ich mein gold jetzt wage. 454
b (1, 4); sein mund spricht rauhe worte, doch sein herz ist treu wie gold, es ist derselbe doch, der warm dich liebt und oft für dich geblutet. 456
b (1, 5); im namen gottes frag ich dich. schweigst du aus dem gefühl der unschuld oder schuld? wenn dieses donners stimme
für dich zeugt, so fasse dieses kreuz und gib ein zeichen! 480
a (4, 11); ich, meines landes retterin, des höchsten gottes kriegerin, für meines landes feind entbrennen! 474
b (4, 1);
[] wir waren herzensfreunde, waffenbrüder, für éine sache hoben wir den arm und hielten fest in noth und tod zusammen. 466
b (3, 1), rechtschaffner freund! du wolltest mehr als diesz für meine ruhe thun! 467
b (3, 2); welch ein moment für die feinde, wenn sie es verstanden hätten, ihn zu benutzen! 874
a; bring sie was fürs kind mit, es kann kaum mehr schreyn, so matt ists. H. L. Wagner
kindermörderin 104.
doch in dieser stelle kann auch die bedeutung d)
sp. 632
stattfinden. dann oft: zu vortheil und schutz in hinsicht oder absicht auf, zum schutz und besten in hinsicht oder absicht auf. o rette dich! o rette deinen sohn! und sieh, ob ich fürs vaterland, für dich, für meinen sohn den tod noch werde scheuen: ob nicht mein herz so warm, so grosz als deines mir in dem busen klopft? C.
F. Weisze
trauersp. 3, 92; du fühlst, ich bin dir gut, für meine lieben liesz ich leib und blut. Göthe 12, 179; kämpfe fürs vaterland! du kämpfst für deine liebe! Schiller 534
b.
Dem für
entgegen stehn wider
und gegen,
und nicht selten ist eine von diesen praepositionen mit für
zusammengestellt, wenn die gegensätze hervorgehoben werden sollen: wer nicht wider uns (
bei Ulfilas viþra izvis) ist, der ist fur uns (
bei Ulfilas faúr izvis).
Marc. 9, 40; ist got fur uns, wer mag wider uns sein?
Röm. 8, 31; die seele schreyt von stummen bissen (
des gewissens) und kämpft bald für, bald wider sich. Günther 16; der verfasser läszt sich in das gesinge und gesumse wider und für die religion gar nicht ein. Claudius
erste ausgabe 1
u. 2, 30; die gründe, welche für oder wider eine meinung vorgetragen worden waren, kaltblütig gegen einander abzuwä
gen. Wieland 20, 201. er ist mir gleichgültig, und ich bin weder für noch wider ihn. was damals gerecht war, weil dus
für ihn thatst, ists heute auf einmal schändlich, weil es
gegen ihn gerichtet wird? Schiller 366
b (
W. tod 1, 7); angesichts dieser verclausulirungen darf man billig behaupten, dasz der vorliegende timesartikel sich eben so gut für als gegen eine intervention benutzen liesze.
Frankfurter journal 1868
erste beil. zu nr. 334.
Vgl. unten II 6).
Wie aber in andern bedeutungen des für
an dessen stelle durch einflusz des niederdeutschen sich vor
geltend zu machen sucht, so auch hier und zwar bereits im 13.
jh. mitteld.: sëth (= sëht) mit sus getânen siten hânt gûte lûte vor uns gestriten.
dër sünden widerstrît, Gieszener hs. 2851 (
s. 350).
dies selbst neben vür,
das freilich, wie der anfang der folgenden stelle oben 1) b)
zeigt, in anderem sinne steht: und alsô vur sich strîten mit tugenden zallen zîten vor allir lûte selickeit als unser lîbe hêrre streit. 3441 (
s. 366).
anstrich des alterthümlichen aber soll vor
geben in wir stehn vor unser land, wir stehn vor unsre weiber, unsre kinder! Schillers
Tell, erster druck s. 90. I@A@4@gg)
bestimmt betreffend, ausschlieszlich betreffend: und er hat fur eine person gnug gethan. Luther
tischr. 1, 3; sie verbargen nicht, dasz beide ungeduldig seyen für ihren theil in der abreise von diesem ort sich gehindert zu sehen. Göthe 23, 164; in dem glauben für den höchsten, wil man ketzern nichts gestehen: in dem glauben für den nechsten, läst man alle falschheit gehen. Logau 3, 41, 9,
wo die überschrift der heilige glaube und weltliche glaube; doch fürchte nimmer für meine stärke, für mein festes band mit Rom, mit Scipio und mit der ehre. Joh. Heinr. Schlegel
Thomsons Sophonisba 20; unglücklich, wer, bestimmt für kanzeln und altäre, sich wall und mauer zu erstürmen sehnt. Gotter 1, 97; sie aber hatte nie gethan noch einen fall, als nur (wie jhr jetzt habt gehört) für diesesmal. Werders
Ariost 19, 82, 4; für dieszmal war es nur ein tropfen fegefeuer. Göthe 12, 116; für dieszmal sieh dich immer satt. 124; für dieszmal kommst du so davon. 127.
[] so viel für diesmal
beginnt Göthe
einen brief vom 21.
juni 1781
an maler Müller zu schlieszen (
s. neue preusz. zeit. 1869
beil. zu nr. 2). für dasmal konnte er nichts ausrichten.
von der zeit: und erklärte den könig Gustav Adolf mit seinen erben in absteigender linie, für gegenwärtige und künftige zeiten, der krone Schwedens verlustig. Beckers
weltgeschichte (6.
ausg.) 14, 89. für dén tag ist die arbeit gethan. aufgerieben ein groszer theil seines heers, ein anderer verstümmelt und für viele tage unbrauchbar gemacht. Schiller 874
a; sie verlangte ein paar couplets von mir für diesen abend. 637
a; wollt ihr, für diese nacht, quartier mir gastfrey wohl vergönnen hier? Werner
der 24.
febr. (
Leipz. 1815)
s. 63.
auch mit einem bloszen adverb der zeit bei für: nur für heute, nicht für morgen sorgt man. C.
F. Weisze
kom. opern 2, 125; lebet für heute wohl. Chamisso (1864) 5, 130; unglück über unglück für immer und immer auf diejenige, die zum ersten male nach mir diese lippen küszt! Göthe 25, 285. für jetzt ists genug.
s. füritzt.
Auch hier ist vor
verwerflich, kommt aber bisweilen durch einflusz des niederdeutschen oder durch verwechselung vor: und so viel vor diesmal. Lichtwer (1775)
s. xiii; hätt ich die scheere nicht voritzt zur hand genommen, wir wären noch zuletzt um haus und hof gekommen.
fabeln 4, 25. I@A@4@hh)
zur bestimmung als: als dann stämpfft man sie (
die in wasser zwölf tage zum faulen gelegten misteln) widerumb und thut die hülsen hinweg, und das schleimig behelt man für vogelleim. Lonicerus
kräuterb. 88
a; und wiewol deiner tugent ehren ... uns zwungen dich von hertzen grund für unsre fürstin zu begehren. Weckherlin 350.
zur bestimmung in oder an oder auf oder in hinsicht auf u. s. w.: wären sie noch ein rares thier, so fütterte Sie mein herr zu tode und liesz Sie darnach wenigstens für seine kunstkammer ausstopfen. C.
F. Weisze
lustsp. 2, 157; als mit lockenden (
so steht da) holunder für den käfich, armes ding (
ein vogel ist angeredet), dich die schlanke ruthe fieng. Schmidt
v. W. in Voss musenalm. 1787
s. 42. diese neuen geräthschaften sind für das haus. das geld ist für eine wissenschaftliche reise zurückgelegt. I@A@4@ii)
mit ausschlusz alles andern zukommend oder gehörend an, sich beschränkend auf. vgl. oben e). für einen bräutigam musz nichts wichtiger seyn, als die angelegenheit seines herzens. C.
F. Weisze
lustsp. 2, 246; sie (
Daphne) spricht: der straus ist fein, er wird ihr (
Galatheen) artig stehen. ich sag ihr hundertmal: mein kind, er ist für dich; sie spricht: das glaub ich nicht, er ist zu schön für mich. Dusch
verm. werke 467; lebt Kalaf! leben sollt ihr — und für mich! Schiller 607
b; ich liebe Feodoren, ich lieb und wanke nie. sie ward für mich geboren, geboren ich für sie. Haug
ged. (
Leipz. 1827) 2, 145; darumb soll er (
der fürst) auch die zeit im essen nicht ändern, wie Hannibal. erfordert es die hohe noth, das ist für sich. wo nicht so soll man bey der regul bleiben: wol dem land, des fürsten essen zu rechter zeit. Schuppius 104; sie kannten mich nicht, und würden also eben so viel zu ihrer rechtfertigung für sich haben, als Sie in ansehung Ihres sohnes. C.
F. Weisze
lustsp. 2, 191; ich habe keine geheimnisse für Sie, mein herr, und dieser freund wird bei meiner erzählung nicht zu viel seyn, er ist sattsam von dem unterrichtet was ich Ihnen zu sagen habe. Göthe 10, 67.
im engeren sinne bezeichnet hier für
mit dem acc. des persönlichen pronomens eine entschiedene beschränkung auf das durch diesen ausgedrückte mit ausschlusz jedes andern. in diesem falle aber ruht der ton auf dem pronomen, während er bei der oben unter A 1) b)
angegebenen bezeichnung auf der praep. liegt. schon bei Luther denn fur mich setze ichs in keinen zweifel.
briefe 4, 317, =
was mich betrifft, indem ich mich mit ausschlusz jedes andern ganz auf mich beschränke; gewisz, du fängst mich nicht, lasz mich nur ungestöhrt, und liebe nur für dich, das ist dir unverwehrt. Rost
schäferged. 133; gehe Sie nur hin: es ist spät. die kerze will ich selbst auslöschen und für mich zu bette gehen. Göthe 17, 128,
[] =
ohne alle beihilfe; frauen sollten durchaus mannichfaltig gekleidet gehen ... weil sie bestimmt sind, ihr ganzes leben allein zu stehen und allein zu handeln. »das scheint mir sehr paradox,« versetzte Charlotte, »sind wir doch fast niemals für uns.« 281; für mich, sagte er, wäre ich gar nicht abgeneigt, auch zu deiner fahne zu schwören. 22, 46. für sich,
ganz auf die eigne person beschränkt und diese von andern absondernd: alle und ein jegklicher fürsich. Henisch 1305, 22; ein jeder für sich, gott für uns alle. 24. wie oft denke ich mir sie, in der stille für sich sitzend, auf ihren ellenbogen gestützt. Göthe 18, 133.
dann zugleich in dem sinne von »
still«.
mhd. disen sëgen (
dieses gebet) tëte sî vür sich.
Iw. 5987.
nhd. do thet der paur fur sich seinen segen. Rosenbluts
fahrender schüler 108,
in der Gieszener hs. do thet der pawer do für sich den segen.
oder hat in diesen stellen für
die unter f)
angegebene bedeutung? vgl. Benecke
wb. zum Iwein 522.
hieran schlieszt sich, dasz im dialoge für sich
vor worten steht, die sich still auf die eigne person beschränken und andre nicht hören sollen; dem aber, was nach solchen worten wieder an eine andre person oder andre personen gerichtet ist, wird dann häufig laut
vorgesetzt: Selicour (für sich) alles geht gut — jetzt diesen Firmin weggeschafft, der mir im weg ist. (laut) werden Sie mir verzeihen, herr von Narbonne? Schiller 640
a (
parasit 4, 3);
Narbonne (für sich). sollte La Roche recht behalten — (laut) und welche geheime ursache hätte ich, ein solches quartier zu suchen. 645
a (5, 3). vor sich
statt für sich
sollte niemals gebraucht werden, kommt aber dennoch vor. und hört ihm niemand zu, so spielet er vor sich. Rost
schäferged. 146.
so haben beim dialoge Lessing, C.
F. Weisze, Gotter vor sich,
aber auch andere setzen hier dieses vor:
Marie (vor sich). er ist sehr krank. Göthe 8, 157;
Faust (vor sich). zu wenig, und zu viel in meiner jezigen stellung! Fr. Müller
Fausts leben 63;
alle (mit lärmendem geschrei). es lebe der hauptmann!
Spiegelberg (aufspringend, vor sich). bis ich ihm hinhelfe! Schiller 110
b;
pater (vor sich, stutzt). ist das das drachennest? 122
a.
später setzt Schiller für sich.
dann hat für sich
die bedeutung: aus eignem antriebe, aus freien stücken, wie wir auch sagen von selbst. für sich,
sua sponte, ultro. Steinbach 1, 528.
noch bestimmter, als für sich,
setzt man, um beschränkung auf einen gegenstand mit ausschlusz jedes andern auszudrücken, für sich selbst: für sich selbst,
privatim. Dasypodius 333
b. 194
a. gaben si (
die zur eröffnung der thore aufgeforderten Stargarder) die antwort, der herzog (
auf dessen befehl man sich berief) het ir ganz kein macht, sie weren für sich selber.
Wilw v. Schaumburg 46; die für sich selbs nit guot sind. Herr
ackerw. Colum. 106
a; denke ich mir sie, unterschiedliche hölen, entweder für sich selbst, oder mit menschen hand eröffnet. Schuppius 690, =
von natur vorhanden, in ihrer bildung ganz auf sich beschränkt; wir wissen dasz unzahlbar viel leut mit treflichen (
so steht da) gemüth und tugend gewesen seyn und ohne die geschickligkeit, durch angeborne schier göttliche natur, für sich selbsten, tugendsam und ansehnlich gewesen. 708; biszweilen ... hiengen die patroni in kleinern rechten, welche jetzo für sich selbst, jetzo durch den jenigen fleisz ausz dem ersten entsprungen. 770; zween triebe sind vom himmel den thieren eingeschrieben, erst für sich selbst zu sorgen, dann ihr geschlecht zu lieben. Dusch
verm. werke 85.
s. sich
und selbst.
eben so gebraucht man für sich allein: für sich allein,
pro se solum. Henisch 1305, 26; alsdann bedarf das junge, das schon sein schicksal weisz, für sich allein zu leben, nicht mehr der ältern fleisz. Dusch
verm. werke 87. an und für sich,
ganz auf sich beschränkt ohne jedes andere, von jedem andern gegenstand abgesondert: für die dichtkunst an und für sich hatte man keinen grundsatz finden können, sie war zu geistig und flüchtig. Göthe 25, 77. den vorfall an und für sich betrachtet konnte er gar nicht anders handeln. an und für sich ist er ein guter mensch.
noch mehr verstärkt an und für sich selbst: auf unauflösliche begriffe zu kommen, die es entweder an und für sich selbst oder für uns sein werden. Kant 1, 71.
Aber das blosze für sich
heiszt auch so viel als von selbst, ohne zuthun: Bätely. nimm das tuch, du wirst sonst voll blut.
[] Jery. es heilt für sich, es heilt geschwinde.
Bätely. nein! nein! gleich will ich dir einen umschlag zurechte machen. Göthe 11, 28.
Vgl. vorhin die stelle Schuppius 690.
Unrichtig ist es, hier den dat. nach für
zu setzen, welcher in folgender stelle bei Scriver
neben dem richtigen acc. erscheint: für wem ist der liebe Jesus mit seinen wunden und verdienst, als für die beängstigte herzen? für wem hat der vater brod, als für seine hungrige kinder? für wem gibt die quelle das wasser, als für den gejagten hirsch?
u. s. w. Gotthold 962.
dieses verwechseln des dat. und acc. eben bei Scriver
ist nachher unter n)
am schlusse besonders hervorgehoben. I@A@4@kk)
mit anwünschung an, mit hingabe an. so in den verwünschungen für den t
** oder für den teufel, für den deixel, für den henker. =
zum teufel, zum deixel, zum henker. sie will für den t
**, dasz man sie selbst vor den gnädigen herrn don Eugenio lassen soll. Wieland 12, 357; mein gnädiger herr don Sylvio behauptet für den deixel, dasz es die fee Karabosse sei.
ebenda, s. deixel; aber ich werde doch fürn henker behaupten dürfen, dasz ein silbermannisches clavier ein besseres instrument ist, als eine maultrommel? Lichtenberg 4, 301; ich möchte fürn henker wissen, wer euch dazu bestellt hat. C.
F. Weisze, =
zum henker, hole mich der henker! s. henker, teufel.
mit hingabe was betrifft: für mein leben gern hätte ich ihn kennen mögen! C.
F. Weisze
lustsp. 3, 198, =
ich hätte mein leben hingegeben, um ihn zu kennen! um den preis meines lebens hätte ich ihn kennen mögen! ein schüler asz, wie viele knaben, die datteln für sein leben gern. Pfeffel 2, 117.
Aber auch hier schleicht sich unrichtig vor
ein, wo für
stehn musz: ich wäre des todes, wenn ich ein gespenst sehen sollte, und höre doch vor mein leben gerne von gespenstern erzählen. C.
F. Weisze
kom. opern 3, 96. I@A@4@ll)
in der richtung auf, bestimmt in der richtung auf: ein dampfer verläszt New Orleans für Havana zweimal monatlich an denselben tagen ... und übergiebt seine passagiere dort an den postdampfer Grenada für Aspinwall. A. Petermanns
geogr. mittheilungen 1859
s. 308.
es steht hier für
demnach gerade so, wie nach
mit dem dat. (
s. nach).
ähnlich wird für,
von der bedeutung 1) a)
oben ausgehend, volksmäszig nach dem niederdeutschen zur bezeichnung der richtung auf den oder die angesprochenen gesetzt, wo hochd. zu
mit dem dat. zu stehn pflegt. da sagt seine frau für ihn: geh hinaus auf die straszen und gassen. Curtze
volksüberlieferungen aus Waldeck (
Arolsen 1860)
s. 63 = zu ihm; er rief also seinen Johann herein und sagte für den: sieh einmal ... 114; »sie soll wol stehen und weinen«, sagte einer für den andern. 117.
in der Wetterau u. s. w. setzt man über
mit dem acc. (
s. über). I@A@4@mm)
gegenüber in der richtung auf. eine bedeutung, in welcher schon im 18.
jh. gewöhnlich vor
mit dem dat. gesetzt wurde, weshalb uns heute für
mit dem acc. auffällt. ein polyhistor, sprach der schatten für den die schulen ehrfurcht hatten. Gellert 1, 216,
heute vor dem; hätte ich nicht zu viel ehrfurcht für den herrn bruder. C.
F. Weisze
lustsp. 2, 199; wie unsre vorfahren alle ehrfurcht für ihren fürsten gehabt, wenn er sie regiert wie er sollte. Göthe 8, 201; wenn das ist, so habe ich alle ehrfurcht für ihn. C.
F. Weisze
lustsp. 3, 294; die göttin (
Latona ist gemeint) — für die ich übrigens alle ehrfurcht hege, die einer schönen frau und einer göttin gebührt. Wieland 20, 183; ich hingegen gebe meinen traum für — einen traum,
d. i. eine feige für eine feige, und das heiszt doch, denke ich, ehrerbietung für seinen leser tragen. 14, 258, =
vor seinem leser hegen oder haben; ich verlange, dasz du für deine gouvernante so viel ehrerbietung als für mich haben, sie als mein ander ich ansehen und ihr in allem ohne widerrede gehorchen sollst. Chr.
F. Weisze
der kinderfreund 1, 196; ich versichere dir (
schreibt J. H. Voss an Brückner), dasz ich für Gellerts wahre verdienste eben die hochachtung habe, die du nur immer haben kannst. J. H. Voss
briefe 1, 185; er (
J. H. Voss) ward unmutig und sagte, wir hätten keine achtung für seine zeit: was begehrt würde, erfordere nachdenken und unterbreche ihn zur unzeit. Ernestine Voss
in Voss br. 3, 2, 214; ob es (
das angelangte essen und trinken) gleich ... von der achtung, die man für die gäste hatte, kein sonderliches zeugnisz ablegte. Göthe 18, 259; ebenso kann ich für neigung überhaupt ... nicht achtung haben. Kant 4, 18; seine achtung für dieses praktische gesetz. 19;
[] allein ihm wehrt, ihr um den hals zu fallen, die achtung für den ritter von Anglant. Gries
Ariost 23, 65; der kaiser (
Napoleon III.) hätte geantwortet, dasz er die gröszte achtung für den charakter des herzogs (
von Montpensier) und die tugenden der herzogin hege
Frankfurter journal 1868
zweite beilage zu nr. 271; dazu habe ich viel zu viel achtung für einen officier. Lessing 1, 510; er mag es (
nemlich mein bräutigam) werden oder nicht: so verlange ich hochachtung für ihn. C.
F. Weisze
lustsp. 3, 272. I@A@4@nn)
in beziehung auf, in hinsicht auf, so dasz das durch den acc. ausgedrückte gemieden wird. eine seltene bei norddeutschen schriftstellern hier und da vorkommende bedeutung, in welcher man schriftdeutsch sonst stets vor
mit dem dat. setzt. s. vor.
die fügung findet bei den verben bewahren, fürchten, grauen, hüten
u. s. w. statt: hinführo soll mir nicht so für die liebe grauen, ich sehe nun, man darf auch keiner mutter trauen. Rost
die gelernte liebe B 8
b,
aber in den spätern schäferged. s. 135
geändert in für der liebe.
vgl. unten B 3) b).
heute würde man sagen vor der liebe. wenn ihr euern beutel selbst nicht flicken könnt: so werden ihn wahrlich alle policeyanstalten nicht für löcher bewahren. Möser
patr. phant. 1, 229; zweimal taugt eine frau — für die mich gott bewahre. Lessing 1, 197, =
vor der; hüte dich also für mich! Boie
an Bürger in Weinholds Boie s. 156, = vor mir.
neben dem ursprünglich richtigen vor
mit dem dat. (
s. vor): die königin (
Maria Stuart) liesz sich vernehmen, sie fürchte sich mehr vor des Johann Knoxen gebet und fasten, als für ein feindliches kriegesheer von 30000 mann. Scriver
seelensch. 2, 656; du fürchtest dich mehr für die kanne wein, die du geben sollst, als für den teufel. Lessing 1, 414.
doch in den frühern schriften Scrivers,
eines Holsteiners, ist bei für, neben, zu
u. s. w. das setzen von dat. und acc. ohne bestimmte regel, wenn sich auch eine annäherung an den heutigen sprachgebrauch nicht verkennen läszt. I@A@4@oo)
gegen. eigentlich: zur wahrung gegen, zum schutze gegen. mhd. für daʒ huor swuor ër einen eit dës gewan ër michil arbeit.
Genesis, Milstäter hs. 78, 24; für dise rede ich dicke swuor manegen ungestabten eit.
Parz. 498, 2; das was in guot vür dën tôt.
Iw. 5395; doch wolder wësen hêrrefür allen dën gewalt des in den landen vorhtedër dëgen küene unde balt.
Nib. 44, 3; ir ietwëder schërmenfür starke wunden began. 2155, 4; wir gâben uns in gotes phlëge für dës tievels kraft ze wer.
Gerhard 2605; man sagt von hansteinen swër ir in dën munt nëm einen, daʒ ër guot vür dën durst sî. Stricker
kl. ged. nr. 11, 159; darumb sien wir all ... mit gûtem willen lieplich und friuntlich uber ain chomen (
übereingekommen) für kunftigen und grôʒʒen schaden.
chron. d. d. städte 4, 129, 20; das hûs sol ze vier orten offen sîn und sol für rëgen und fürsunnen gedekt sî
n. Mone
zeitschr. 9, 361,
v. j. 1386.
nhd. für das oder wider das beissen der thieren,
ad morsus bestiarum. Henisch 1298, 16; etwan henken sie gute wort oder caracter an die hels, das ist für das, das da für, und ist als (
alles) gaukelwerck. Keisersberg
brösamlin 1, 63
a; so hett der bawer hinterm hausz ... ein dorenheck bey einem stock, der schafft er sein zwyfachen rock, das (
dasz) man jn solt der dorenhecken zu winters zeiten uberdecken für reyf, kält, regen, wind und schnee. H. Sachs II (1591). 3, 68
d; auch hast mir für ein windel gschworn. I (1590), 384
b.
es ist dies ein vorwurf, den eine frau ihrer magd macht, diese habe ihr geschworen, dasz sie von der windel nichts wisse. vgl. die vorhin angeführten stellen aus der genesis und dem Parz. für lieb hilfft weder thür noch thor. (1588). 3, 3
d; dem Schwaben wurd dieweil sehr lang ... da auff den todtenbeynen sasz, für die lang weil gstohlen nüsz asz. II (1591). 4, 73
d;
animi gratia, für die lang weil. Alberus
dict. uu 1
a; die herrn generäle und kommandanten ... »sind nicht für die langweil herbemüht.« Schiller 320
a; für alles kan ein arzt. das eine fehlt ihm nur, dasz er für seinen todt weisz selbsten keine kur. Fleming 221,
vgl. vorhin Iw. 5395,
[] das wasser (
von tausendgüldenkraut) getrunken, ist gut für den ritten oder feber. Lonicerus
kräuterb. 148
a; (
dasselbe wasser) ist gut für das darmgicht oder grimmen im bauch.
ebenda; für den fallenden siechtagen (
die fallende sucht) einen ring getragen, dabey der eychenmistel sey. 88
a; darumb (
zum schutz gegen fallsucht) auch etliche dasselbig (
nemlich mistel von eichen, haselsträuchen und birnbäumen) mit einem faden, oder in silber gefast, den kindern an halsz hencken, soll also für gespenst helffen.
ebenda; sie (
die äpfel) seind aber gut für die ohnmacht und stärckens hertz. 25
b; (
maulbeerwasser) ist auch gut fürn husten. 27
a;
tussilago valet ad tussim, für den huosten. Alberus
dict. dd 1
a. er führt, wenn er weit über feld geht, ein stück brot bei sich für den hunger. diesen apfel isz, der ist für den durst. ein rechtschaffner kerl möchte einen eckel für alles trinken bekommen. Lessing 9, 579; allein verdenken kann ichs ihm jetzt nicht, dasz er für alles handwerk einen abscheu bekommen. Möser
patr. phant. 2, 286; so ist er für die ungereimtheit der filzigen habsucht gesichert. Kant 10, 19. gott bewahre dich für einen nachbar, der böses thue. Claudius 4, 77, =
gegen das zukommen oder das dasein eines nachbars, der u. s. w.; ich weisz nicht, welcher dämon mir eingab, eine hohe tugend auszuüben — gott bewahre mich für hohe tugenden! Caroline Flachsland
an Herder, in Herders nachlasz 3, 180.
in den fünf letzten stellen wird heute allgemein üblich hochdeutsch vor
mit dem dat. gesetzt, und man würde vor allem trinken, vor allem handwerk, vor den ungereimtheiten, vor einem nachbar, vor hohen tugenden
sagen. eigentlich: in absicht auf etwas dasz dieses aufhöre oder nicht entstehe. die bedeutung geht zunächst aus der unter e)
hervor. ach, ach, dasz für die grosse brunst kein kraut wächst auff der erden. Opitz 1, 81 (
Dafne 5); o rautenstrauch, der felder zier, für dem die schlangen fliehen, der böse lust und schmertzen stillt, für dessen krafft kein gifft was gilt. 83,
oder ist kraft
dativ und bei für
hier an die bedeutung B 3) b)
zu denken? Übrigens findet sich auch bereits vor
mit dem acc.: Lau (
Stephan Lau) zitterte sich fast zu tode, doch zittern half nicht vor den frost. Burmann
fabeln 116. I@A@4@pp)
über und betreffend: es (
Grethchen) ist ein gar unschuldig ding, das eben für nichts zur beichte ging. Göthe 12, 134; was raub! bin ich für nichts an dieser stelle! ist dieser schlüssel nicht in meiner hand! er führte mich, durch graus und wog und welle der einsamkeiten, her zum festen stand. 41, 91.
mit dieser bedeutung hängt enge zusammen die folgende. I@A@4@qq)
über und auf: so fleiszig wie ein deutscher von adel! das hab ich mein lebtag nicht gehört. hätt mir das einer geweissagt wie ich auf schulen war, ich hätt ihn einen lügner geheiszen. man sieht, man musz für nichts schwören. Göthe 42, 42. I@A@4@rr)
hinaus über. eine oben von 1) c)
abgeleitete, ein übertreffen, einen vorzug anzeigende bedeutung, die sich nach zwei richtungen scheidet. für
nemlich drückt hier aus I@A@4@r@aα)
ein »
mehr als«
: ahd. mit kelîchên dingen habest tu angelos unde homines fure gezucchet (=
vorgezogen) fure anderiu tier, ih meino ratione et intellectu.
N. Boeth. 150 (148
bei Graff).
mhd. die sëlben vreude ich prîse vür alle die ich ie gesach.
Iw. 689; für alle mîne vriundegetrouwe ich iu wol.
Nib. 853, 4; wan sist (
denn sie ist) im holt für elliu wîp.
Parz. 87, 15; du seitest mir ich wær dir liep vür elliu wîp.
MSH. 1, 28
a, 4, 2; ir lîp vröut vür dës meien zît. 93
b, 3, 4; dicke schuʒʒen si dën schaft, dâ bî wurfen si dën stein. dô was under in dehein dër ëʒ tëte für dën gast.
Biterolf 3383.
nhd. für andere, mehr dann die anderen frölich,
ante alios hilaris. Henisch 1291, 21; für ander höher gehalten oder geschetzt und geachtet,
antelatus. 19. sihe wol reich (
nemlich an gleiches ausdrückenden sprichwörtern) sind wir Teutschen für all zungen, wann wir nun unser eigen sprach könden reden, schreiben und recht applicieren. Frank
sprichw. 2, 11
b =
Zürich 1545 1, 148
a.
[] nach gantzem lust han ich mich gesellt zu einem den han ich mir auserwellt fur all wellt gemein: er liebt mir (
ist mir lieb) sicherlich allein fur alles das auf erden mag geleben.
fastnachtsp. 3, 1404; desz wurd Pontus gar stoltz und prechtig, für ander all am hof zu mechtig. H. Sachs III (1588). 2, 185
b; du bist mir die liebst auff mein ayd, für alle andre bawrn mayd, die in dem gantzen dorffe sein. 3, 5
b; ja für alle mansbilder auff erd mein hertz allein ewer begert. 38
b; preist jn für ander hauptleut gar. V, 281
c, ach gott wir haben geld und guht für alles nur begehret. Rist
himl. lieder 21; du sollst hieraus wohl in acht nehmen, es habe der mensch einen grossen vorzug für alle andere thiere. Scriver
seelenschatz 1, 14; ich seh gestirne kommen dicht gedrängt! ein stern für viele, herrlich glänzet er! Göthe 40, 388,
in der ausgabe von 1850
geändert in vor vielen.
Heute ist hier für
ungewöhnlich und durch vor
mit dem dat. verdrängt (
s. vor).
diese praep. mit acc. scheint sich schon ahd. in dem sinne in fora alle schînit,
prepollet (
gl. jun. 244)
zu zeigen. nhd. aber steht auch früher für
mit dem dat. s. unten B 3) f).
ein dürftiger rest jener fügung mit dem acc. ist bei zahlen nach für
geblieben: pfiffig indesz, werden manche sagen, sey mein nachbar doch für zehn andre. Lessing 10, 103; sie gesellte sich zu den garten- und feldgenossen, ergriff den spaten und arbeitete für zwey bis drey. Göthe 23, 223.
doch setzt man auch hier lieber vor
mit dat., oder ein bloszes mehr als: vor andern all, vor zehn anderen, vor zweien bis dreien,
oder mehr als die andern all, mehr als zehn andre, mehr als zwei oder drei. I@A@4@r@bβ)
ein »
lieber als«:
mhd. swaʒ si sagen, ich bin dir holt, und nim dîn glesîn vingerlîn für einer küneginne golt. Walther 50, 12; daʒ müet mich inneclîchen sêre (wir lëbten ie vil wol), daʒ ich nû für mîn lachen weinen kiesen sol. 124, 29; doch næme ich sölhen blôʒen lîp für ëtslîch wol gekleidet wîp.
Parz. 257, 32; ich sihe mîn liep für bluomen schîn, mîn liep für vogel singen.
MS. 1, 59
a.
doch bleibt oft unbestimmt, ob diese oder die vorhergehende bedeutung gemeint sei, denn beide lassen sich nicht immer scheiden. nhd. liesze sich z. b. wol sagen er ist mir unter meinen freunden für zwei oder drei,
lieber als zwei oder drei, einen beleg aber weisz ich nicht beizubringen. I@A@4@ss)
der zahl und ordnung nach als. für das erste, für das zweite, für das dritte
u. s. w., gewöhnlich praep. und artikel zusammengezogen fürs erste, fürs zweite, fürs dritte
u. s. w. vgl. erste 12) i). meine frau zwar wollte, dasz du solltest eingesteckt werden: aber fürs erste gieng das nicht, fürs zweyte drang ich mit meiner autorität durch. C.
F. Weisze
kom. opern 2, 228; für das zweite werdet ihr nicht leugnen können ... Lichtenberg 4, 234; die schöne Gieremund wollt er (
der fuchs) besuchen in doppelter absicht: fürs erste hofft er von ihr zu erfahren, was eigentlich Isegrim klagte. zweytens wollte der schalk die alten sünden erneuern. Göthe 40, 41. fürs erste ist er ein schelm und fürs zweite ein dieb obendrein.
dann hat für das erste, fürs erste
auch die abgeleitete bedeutung: zuerst vor allem, vornehmlich. und das solt jr fur das erste wissen, das keine weissagung in der schrifft geschicht aus eigner auslegung. 2
Petr. 1, 20; fürs erste lerne der, der grosz zu seyn begehret den innerlichen stand des staates, der ihn nähret. Haller
die verdorb. sitten; fürs erste kömmst du ungerufen ins zimmer ... und seit wann pflegt man denn meinen sohn anzumelden? Gotter
der weise in der that s. 18; fürs erste würde ich mir eine kleine reformation in Ihren sitten ausbitten, wenn Sie mein schwiegersohn werden wollten! C.
F. Weisze
lustsp. 1, 337; fürs erste, sie nimmt Ihre geschenke
an. 2, 102.
aber auch zeitlich kommt es vor in dem sinne: jetzt, eben. betrachten mag ich dich fürs erste nicht. Lessing ...
Sonst hat dieser, wie er auch vor sich
statt für sich
setzt: vors erste. lassen Sie sehen, was wir haben werden —
der wirth. Sie sollen haben:
[] vors erste —. Lessing 1, 539; so haben wir sie doch vors erste. 2, 151 (
Em. Gal. 3, 3).
eben so bei Göckingk: vors erste denn, so gern ichs möchte wissen, gilt beides mir so ziemlich einerley.
im Leipziger alm. d. d. musen 1777
s. 169,
dagegen ged. 1, 147
geändert in fürs erste sey mir beides einerley. I@A@4@tt)
davon nach umfang oder zahl betragend. eine stellung, in welcher hochd. gewohnlich zu
mit seinem dat. gesetzt wird. wir müssen die veränderung, die in einer sprache mit den sylben und buchstaben der wörter unvermercket vorgehet, für einen groszen theil der verzärtelung der organorum zuschreiben. Breitinger
forts. der crit. dichtk. 19, = zum groszen theile.
doch könnte hier auch die bedeutung e)
sp. 632
stattfinden. I@A@4@uu)
veranlaszt durch. eine bedeutung die sich nur findet in ahd. in noh thô ni giloubentên inti wuntrôntên furi givëhen, quad. T. 231, 1 (
Luc. 24, 41),
in der vulgata illis non credentibus et mirantibus
prae gaudio, dixit.
sonst steht überall fora
mit dat., wie auch mhd. nur vor
mit dat. vorkommt. nhd. hatte sich neben diesem vor
noch für
mit dat. geltend gemacht. s. hernach B 3) d). I@A@4@vv)
Wenn man hier und da bei dem volk in Sachsen etwas für baar geld bezahlen,
dann etwas, das sonst acht groschen kostete, wird jetzt für einen thaler bezahlt
hört, so steht hier für baar geld, für einen thaler
wie hochd. mit baarem gelde, mit einem thaler. Campe 2, 201
a bezeichnet den gebrauch des für
hier als unsinnig und verwerflich. das mag zuviel gesagt sein, aber keineswegs läszt sich derselbe empfehlen. I@BB. ruhe und erfordert den dativ. auch hier geht für I@B@11)
auf den raum und bedeutet I@B@1@aa)
vorn in der richtung von oder zu, nach der vorderseite von, auf der vorderseite von. als wenn ich den spruch
s. Pauli fur mir hab, da gesagt wird ... Luther
tischr. 1, 6; und er (
Joseph) war dreissig jar alt, da er fur Pharao stund.
1 Mos. 41, 46; da nu Joseph zum hause engieng, brachten sie jm zu hause das gesckencke in jren henden, und fielen fur jm nider zur erden. 43, 26; und neigeten sich, und fielen fur jm nider. 28; las deinen knecht ein wort reden fur deinen ohren, mein herr. 44, 18; und er (
Jacob) sandte Juda fur jm hin zu Joseph. 46, 28; die kinder Ammon zogen aus und rüsteten sich zum streit fur der thür des thors.
2 Sam. 10, 8; Joab macht sich erzu mit dem volck das bey jm war, zu streitten wider die Syrer, und sie flohen fur jm. 13; Sobach der feldheubtman Hadad Eser zoch fur jnen her. 16; sie nam das gericht und schüttets fur jm aus. 9; und kam gen Jerusalem, und trat fur die lade des bunds des herrn, und opfferte brandopffer und danckopffer.
1 kön. 3, 15; und bawet eine halle fur den tempel, zwenzig ellen lang, nach der breite des hauses, und zehen ellen breit fur dem hause her. 6, 3; aber das haus des tempels (fur dem chor) war vierzig ellen lang. 17; und zog güldene riegel fur dem chor her. 21;
ad fores fenestrae, für den fenstern. Alberus
dict. dd 1
a;
prae me, fur mir.
ebenda; extra urbem, für der stat.
ebenda; ante ostium, für die thür, oder für der thür.
ebenda; liesz er ihn ein weil für der thür stehn.
dessen Esop 4 (1550 B 3
a); und siht den wolf stehn für dem hausz. 1550
s. 45; den keiser will ich unterdrücken, er soll sich noch gern für mir bücken. 157
a; find wirs (
wir sie), wöll wir weger sie beyd verklagen für dem pfleger. H. Sachs II (1591). 4, 9
d; als der herr sah den rotzing hauffen da für jm stehn kreysten und schnauffen. 4, 63
c; ich sach mir für einem walde ein feins hirschlein stan.
Ambraser liederb. 64, 1; der buhler ligt gefangen für seiner liebsten thür. Opitz 2, 85; dasz sich der elephant, o käyser, für dir neiget, für dem der ochs erst sich so furchtsam hat erzeiget, das thut er ohn befehl. 306, schlägt er ihn heute todt, so darff er morgen nicht für ihm stehn in der noth, dasz er sich rechen wird. Fleming 109; wer wolte nicht viel lieber an einen sichtbarn feind, für dem er stehen kan, und auf gut ritterlich es mit ihm nehmen
an. 134; setze dich zu mir an den cypressen stock, der für uns stehet hier. 2; sind dieselbe auch alle für dem feinde geblieben. Micrälius
alt. Pommern 2, 202; darmit ich ... mich mit meinen diensten
[] für deinen füssen demüthigen können. Olearius
pers. rosenth. 5, 16; last sie meinem herrn könig eine dirne, eine jungfrau suchen, die für dem könig stehe und sein pflege. Schuppius 115,
aus 1 kön. 1, 2; musz er sich doch offt für einen (
lies einem) kahlen dintensieder, für einem schreiber oder stiefelschmierer bücken und den hut so tieff abziehen. 61; Asträa weiht für dir bereits ihr kleinod ein. Günther 741; ich lasse mich nicht wohl für meinem kauffmann blicken. Picander
ernstscherzh. ged. 480,
wo übrigens für
auch »
in gegenwart von«
bedeuten kann. s. nachher b).
im 18.
jh. erlischt dieses für
in der schriftsprache und es tritt überall wieder vor
an seine stelle. Gegensatz ist hinter: anders für dem man denn hinter im reden und handeln. Spalatin
bei Luther 5, 35
b.
Bei norddeutschen schriftstellern läuft hier verwechselung des dat. mit dem acc. unter, so dasz zuweilen dieser erscheint, wo jener stehn sollte: wie kan auf solche weis ein freier bürger schweigen, und für die obrigkeit sich allezeit so neigen? Rist
parnass 60.
umgekehrt findet sich aber auch ebenfalls bei norddeutschen schriftstellern nach für
der dat., wo der acc. stehn sollte: die sache gelanget für dem richter. Olearius
pers. rosenth. 7, 14,
statt für den,
heute vor den,
s. oben A. 1) a); da stellet sich der götze für dem mann und spricht ...
Lokmans fabeln 16,
statt für den mann,
heute vor den mann.
hier wäre für (vor) dem mann
nur dann richtig, wenn der götze vor dem manne danieder gelegen und sich in dessen anschauen wieder erhoben hätte. I@B@1@bb)
in gegenwart von, in wahrnehmung von d. h. wahrnehmbar von. eine aus der vorhergehenden flieszende, von ihr oft nicht zu scheidende weitere bedeutung (
s. vorhin die stelle von Picander). und er gehet für jm über, und gibt jm nicht ein tropflin wasser. Luther 5, 47
b; und die fürsten des Pharao sahen sie (
Sara), und preiseten sie fur jm.
1 Mos. 12, 15; bey welchem aber du deine götter findest, der sterbe hie fur unsern brüdern. 31, 32; so sage nu fur dem volck, das (
dasz) ein jglicher von seinem nehesten und eine jgliche von jrer nehestin silbern und gülden gefesz fordere.
2 Mos. 11, 2; las meine schwester Thamar komen, das sie mich etze und mache fur mir ein essen, das ich zusehe und von jrer hand esse.
2 Sam. 13, 5; aber Abraham bleib stehen fur dem herrn (
es ist gott gemeint) und trat zu jm und sprach.
1 Mos. 18, 22; hab ich gnade fur dir (
gott ist angeredet) funden, so mach mir ein zeichen, das (
dasz) du es seiest der mit mir redet. weiche nicht bis ich zu dir komme und bringe mein speisopffer, das ich fur dir lasse.
richt. 6, 17
u. 18; da ists nu fur gott gar umgekehrt. Luther
tischr. 1, 9; darzu ist das ein tugent fein, dasz er (
der löwe) für jhm lest etwas sein auch ander thier. Alberus
Esop (1550)
s. 91; zerschmättert, sollen sie als scherben für dir verfallen und verderben. Weckherlin 5 (
ps. 2, 9); für mir verfünstert und verborgen. 132 (
ps. 30, 9); er hiesz die lahmen gehen, die lauffen nun für jhm. Opitz 3, 209; wie? soll ich mich denn auff für deiner (
gottes) hochheit blöhen, ein pharisäer seyn? Fleming 553; wenn schon David die Abisag von Sunem nicht erkant hat, so war sie doch für got sein eheweib. Schuppius 16,
vgl. 1
kön. 1, 4.
auch hier erlischt für
und es tritt wieder allgemein vor
ein. wo es noch vorkommt, erscheint es nur wie ein nachklang aus früherer zeit: du könntest gott danken und dich für der welt grosz machen, wenn
u. s. w. Göthe 42, 158,
dagegen 8, 122
geändert in vor.
auch kann für
der mundart entnommen sein. I@B@22)
auf die zeit in der bedeutung: voraus, in der zeit rückwärts von. ja weil ich besorg, ir werdets nicht finden, hauet dieweil mit strosecken, es gehet für dieser fastnacht wol hin. Luther 1, 372
b; alle jre vorfaren für Bonifacio. 8, 224
a; 241 jahr fur Christus geburt.
tischr. 1, 2; es ist geschehn für langer zeit. Alberus
Esop (1550) 62,
vgl. 157. 216; für etlich jarn. 82;
Cornelius Celsus floruit paulo ante Quintilianum, eyn kleyne zeyt für dem Quint.
dessen dictionar. uu 1
a; für des menschen erschöpffung. Mathesius
Sarepta 7
a (10
a); wer für ihnen das land eingehabt, ist insgemein unbekand. Micrälius
altes Pommern 1, 2; was sich für zweyen tagen auff der mauwren zugetragen.
buch der liebe 213, 3;
[] was kan ein herr, ein fürst, ein könig bessers lesen, als was für uns und jhm geschehen und gewesen. Opitz 1, 12; des Ruggiers wird gedacht, von welchem für der zeit ewr unterherren all und jhr entsprossen seyd. Werders
Ariost 1, 4, 3; dasz für einem jahr sein juncker ihn wegen einer gesetzpredigt seines dienstes entsetzt hab. Schuppius 88; da ist man insgemein den abend für neun oder zehen uhr nicht zur tafel gesessen. 105.
so auch in für tage.
mitteld. vur dage.
Karl Meinet 239, 40 (
s. 364).
nhd. es gewehnet sich Cyrus desz morgens für tage auff zu sein. Spangenberg
jagteufel 312.
Mit dem superl. längst: ey was beschwerstu dich, den helm zu lassen hier den du für längsten schon soltst wieder geben mir. Werders
Ariost 1, 26, 8; Orlando, der für längst hatt' heftig schon geliebet. 5, 1.
in jener stelle steht der dat. pl., in der letzten der dat. sg. nach für,
später zusammengerückt fürlängst.
s. fürlängst.
Mit dem gegensatze nach
neben sich: wie sich für unnd nach der sündflut die alten bergkherrn und sincher verhalten. Mathesius
Sarepta (1562) 8
b.
Später überall vor,
wie dem ahd. und mhd. gemäsz gesetzt werden sollte und auch Luther
in der bibelübersetzung hat: sorge macht alt vor der zeit.
Sir. 30, 26. I@B@33)
auf verschiedene andere verhältnisse und hat hier die abgeleiteten bedeutungen I@B@3@aa)
in beziehung oder hinsicht des ansehens u. s. w. von: da gürtete daheim der vater seine lenden, fiel, ohne scham und scheu für dem Justinian, mit einer scheer, o trotz! das corpus juris
an. Lichtwer
fab. 4, 25. I@B@3@bb)
in beziehung auf die gegenwart von, in beziehung auf das dasein oder entstehn von, in beziehung auf das zukommen von, in beziehung auf das gegenübersein oder entgegensein von, in beziehung auf das einwirken oder wirken von. bei einem verbum, als: verbergen, sich verstehlen, bewahren, hüten, in acht nehmen, sich fürchten, zittern, beben, erschrecken
u. s. w., fliehen, flüchten, laufen, weichen
u. s. w., warnen
u. s. w. denn du verbirgest dein angesicht fur uns und lessest uns in unser sunden verschmachten.
Jes. 64, 7; und wenn sie sich fur meinen augen verbürgen im grunde des meers, so wil ich doch den schlangen befelhen, das sie daselbs stechen sollen.
Amos 9, 3; wie lang verbirget sich für meiner schweren pein, herr, deiner gnaden süsser schein. Weckherlin 46 (
ps. 13, 1); verberget für mir nur nicht ewer schön gesicht. Werders
Ariost 11, 8, 7; es waren da viel ställ umbher, bey dieser höhlen, dasz für der sonnen sie sich konten nein (
hinein) verstehlen. 10, 6; beware auch deinen knecht fur den stoltzen, das sie nicht uber mich herrschen.
ps. 19, 14; wer seinen mund und zungen bewaret, der bewaret seine seele fur angst.
spr. Sal. 21, 23; fur einem bösen weib das deine wol (
das adv.) bewaren.
Sir. 42, 6; der herr ist trew, der wird euch stercken und bewaren fur dem argen.
2 Thess. 3, 3; man mus sich hüten für dem geitz, das er uns nicht heimlich erschleiche und einneme. Luther 5, 410
b,
vgl.datum,
wo die stelle vollständig; hütet euch fur dem geitz, denn niemand lebet davon, das (
dasz) er viel güter hat.
Luc. 12, 15; so hüte dich fur allem bösen.
5 Mos. 23, 9; hüte dich fur der plage des aussatzs. 24, 8; ich bin on wandel fur jm und hüte mich fur sünden. 2
Sam. 22, 24; ein jglicher hüte sich fur seinem freunde und trawe auch seinem bruder nicht.
Jer. 9, 4; Jhesus aber sprach zu jnen: sehet zu und hütet euch fur dem sawerteig der phariseer und saduceer.
Matth. 16, 6; für dem, der dir dein lob umbs geld verkaufft, dich hüte. Olearius
pers. rosenth. 8, 38; sich für dem giffte fürsichtigst hütten. Butschky
Patmos 414; so pflegt ihr eure gunst wol allen anzubieten, die mutter sagt ganz recht: man soll sich für euch hüten. Dusch
verm. werke 483; wenn meine äbtissin guten humors war, pflegte sie zu sagen: hütet euch, ihr kinder, für den mannsleuten überhaupt nicht so sehr, als wenn sie liebhaber oder gar bräutigams geworden sind. Göthe 42, 54; hüte dich ja für der lüderlichkeit.
derselbe bei Jahn 208; sich für einem angreifer in acht nehmen. Heilmanns
Thucydides 532; so müszte ich mich für ihm als fur dem henker fürchten. Luther
tischr. 2, 126; du solt dich fur deinem gott fürchten.
3 Mos. 19, 14; der herr
[] aber ist mit uns, fürchtet euch nicht fur jnen.
4 Mos. 14, 9; denn ich furchte mich fur dem zorn und grim, da mit der herr uber euch erzürnet war, das er euch vertilgen wolt. 5
Mos. 9, 19; fürchtet euch nicht fur denen, die den leib tödten und die seele nicht mögen tödten. fürchtet euch aber viel mehr fur dem, der leib und seele verderben mag, in die helle.
Matth. 10, 28; förcht dir nicht für desz feuers glut.
buch d. l. 217, 1; ich fürchte mich nicht für diesem gifftigen wurm. Olearius
Lokmans fab. 4; man müsse sich für ihm fürchten. 13; der sich für dir wird fürchten.
dessen pers. rosenth. 1, 10; er wird sich auch nicht recht für ihm fürchten. Schuppius 193; für den festungen dürfen wir uns nicht fürchten. Heilmans
Thucyd. 165; vornehmlich furchte sie sich für der opferzeit. Rost
schäferged. 84,
vgl. schäfererz. 58; ist ein rechter bursch, fürcht sich für hexen. Göthe 42, 258,
dagegen 8, 21
an derselben stelle dem schriftdeutschen gemäsz vor; sich für dem tageslichte fürchten. Leisewitz
briefe 237; das lamb erschrack für solcher stimm. Alberus
Esop 23 (1550 13). man sagt: hunde heulen und zittern auf kreuzwegen für gespenstern, die dem menschen unsichtbar vorbeiziehen. Göthe 42, 86; feiger! wie sehr habe ich mich betrogen! gewohnt an das, was der pöbel frevel nennt, bebst du für diesem? v. Brawe
der freigeist 103. für etwas erschrecken.
in der Wetterau sagt man von milchwecken, die blasse farbe haben: man meint, die seien für dem tod erschrocken. man sah jhr faistes angesicht und hertz als für dem tod sich krümmen, dörren, schrincken. Weckherlin 70 (
ps. 18, 68). die jäger ..., für welchen er (
der hirsch) flohe. Olearius
Lokmans fab. 2; dasz ich für den menschen geflohen. 8; Atreus, der des todes des Chrysippus wegen für seinem vater geflohen. Heilmans
Thucyd. 10; denn hätten sie für einer fluth geflüchtet, so ist zu vermuthen, dasz sie eher und mehr und mehr die gipfel der berge gesuchet hätten, als eine höhle, die unter ihnen vom wasser bald erreichet wird. Wille
an Merck, in Mercks briefen 2, 225; kaum sahn die matadors der hölle die giftgeschwollene Marelle (
name einer bösen frau), so bebten sie bestürzt zurück, fort brüder, schrie der ganze hauffen, hier ist es aus mit unserm glück: der teufel selbst musz für Marellen lauffen! Burmann
fabeln 57; kein muthiger pygmä ist Schwaben (
Joh. Joach. Schwabe) zu vergleichen, wann für der waffen blitz die kranche schüchtern weichen. Rost
vorsp. 23. das (
dasz) sich der gottlose warnen lasse fur seinem wesen.
Ezech. 33, 8; warnestu aber den gottlosen fur seinem wesen, das er sich davon bekere. 9; dasz sie (
die übersetzung) einen für gewissen fehlern warnet. Heilmans
Thucyd. vorrede s. 15; schreibt ein junges genie von verdienst, so such ich es empor zu heben, nicht zu unterdrücken. aber für dem verfasser der leidenden frau (
Klinger, dessen hier gemeintes trauerspiel aber »
das leidende weib«
heiszt) musz man ehrliche leute warnen. H. L. Wagner
die frohe frau 17.
bei einem subst., als: fahr, furcht, angst
u. s. w. wann sie eins pfennings wurden gwar, der stund für jhn in grosser fahr. Alberus
Esop 34; aus furcht für dem jäger und für einer kleinen gefahr. Olearius
Lokmans fab. 8; die liebe zur wahrheit besieget in mir alle furcht für dem grimm der spötter. Liscow 289; ihre furcht für den Herakliden. Heilmans
Thucyd. 10; aus furcht für eurer macht. 40.
bei einem adj., als: sicher, angst, bange
u. s. w. es kundt kein (
keine taube) sicher für jhm (
dem habicht) sein. Alberus
Esop (1550) 62. wer das pulver von eychenmisteln abends und morgens braucht in warmem bier, der ist sicher für der pestilentz desselben tags mit gottes hülff. Lonicerus
kräuterb. 88
a.
Heute überall, wenn nicht alterthümlicher oder mundartlicher ausdruck herscht, wieder vor.
vgl. oben A 4) n).
Aus dieser bedeutung aber geht die folgende hervor, welche mitunter schon durchblickt: fur jrer macht halt ich mich zu dir (
gott ist angeredet), denn gott ist mein schutz.
ps. 59, 10. I@B@3@cc)
was gegen
mit dem acc., gegen das drohende dasein oder eintreten von: [] sölch brot (
das im heiligen abendmahl ist gemeint) das dort dj engel nert, würt nyeszlich hj der seel beschert .... stärckt allermaist für tugent schwancken. Schwartzenberg 155, 1
a; liebes Moab, sey du jr schirm fur dem verstörer.
Jes. 16, 4; eine fromme oberkeit, so jhr volck beschirmet für den tyrannen und bösen buben. Alberus
Esop s. vii (1550 A ij
b); schirme mich für angst und grauen. v. Canitz 11; es war keine stad die sich fur uns schützen kund.
5 Mos. 2, 36; die hültzern ... götzen können sich nicht schützen fur dieben und reubern.
Bar. 6, 56. ich traue seiner gnaden, die mich für allen schaden (
pl.), für allem ubel schützt. Fleming 287; für meinen verleumbdern ... vertheidingen. Alberus
Esop s. xii (1550 A iij
b); verhoffend, es (
das tractätlein) werde ... für naseweiser maulaffen unzeitigen (
so steht da) urtheil an diesen orten sicher seyn. Schuppius 2; für den feinden sicher sein. Olearius
pers. rosenth. 1, 8. 12; ich bin für seinem zorn nicht sicher. 1, 16; für den spilen eine abscheu tragen. Butschky
Patmos 668.
Später überall vor. I@B@3@dd)
auf grund von, aus veranlassung von, veranlaszt von, aus: ich kann es in dem zimmer für hitze nicht aushalten. des tages verschmacht ich fur hitze und des nachts fur frost und kam kein schlaff in meine augen.
1 Mos. 31, 40; fur hunger sollen sie verschmachten.
5 Mos. 32, 24; so ligen sie fur hunger verschmacht.
Jer. 14, 18; studierte jener itzt noch so, für lohn, so müszte Salomo nun freylich wohl für hunger sterben. Göckingk 2, 125; und endlich liesz der filz sein weib für hunger sterben, er that es, o des schimpfs! um menr von ihr zu erben. Lichtwer
fab. 4, 5; die elenden und armen suchen wasser, und ist nichts da, jre zunge verdürret fur durst.
Jes. 41, 17; dem seugling klebt seine zunge an seinem gaumen fur durst.
klagl. Jer. 4, 3; der herzog kann für schnuppen nicht schreiben, sagt er. Göthe
an frau v. Stein 2, 36. er kann für fieber nicht auf sein. ich bin bald in dem zustande dasz ich für lauter materie nicht mehr schreiben kann. Göthe
an Schiller 259; für lauter äuszerlichkeiten hat sich von innen nichts entwickeln können.
derselbe in Bettinens briefen 2, 288; das jahr übt seine heiligende kraft, was grau für alter ist, das ist ihm göttlich. Schiller
Wallenstein, erster druck 2, 17 (
Wall. tod 1, 4),
in spätern drucken, auch in den sämmtlichen werken 362
b unbefugt in vor
geändert; jr fels wird fur furcht wegzihen.
Jes. 31, 9; so hetten sie doch mocht fur furcht vergehen.
weish. 17, 9; ... erschracken sie und sprachen: es ist ein gespenst und schrien fur furcht.
Matth. 14, 26; die hüter aber erschracken fur furcht und wurden als weren sie tod. 28, 4; die steuerleute aber wissen sich für groszer furcht nicht rath. Schiller
Tell, erster druck 162 (4, 1); und soll ich für furcht eines qualvollen lebens sterben?
räuber 4, 5,
auch hier später unbefugt vor,
sämmtl. werke 135
a; welcher für schrecken so bleich und entferbet, dasz jm unmüglich ein einig wort zureden.
Amadis 220; für schrecken glaubte diesz die junge Doris kaum. Rost
schäfererz. 47.
schäferged. 72; da bin ich wieder — wo ist eure mutter? »da steht sie an der thür und kann nicht weiter, so zittert sie für schrecken und für freude.« Schiller
Tell, erster druck 228 (5, 2),
später auch hier, sämmtl. werke 550
a,
unbefugt in vor
geändert; sie (
die ratte, welche gift gefressen hatte) kam für angst am hellen tag der küche zugelaufen, fiel an den herd und zuckt und lag. Göthe 7 (1790) 44,
aber 1827 12, 106
geändert in vor angst; heut ist der vierdte tag, dasz ich für leide nicht für leute gehen mag. Fleming 105; wen disz exempel nicht erschreckt und sich entsetzt für solcher pein, der musz ein harter demant sein. Alberus
Esop (1550) 32; und sie zu bissen (
zerbissen) jre zungen fur schmertzen, lesterten gott im himel fur jrem schmertzen und fur jren
[] drüsen und theten nicht busse fur jre werck.
offenbar. Joh. 16, 10
u. 11; müszt ich nicht für schmerz, für beängstigung untergehen, wenn ihr blut meinen degen färben sollte. Göthe 10, 76; in den armen liegen sich beide und weinen für schmerzen und freude. Schiller
im musenalm. 1799
s. 182,
dagegen sämmtl. w. 63
a unbefugt vor; ich dachte, er wollte für neid und verdrusz auf der stelle umkommen. Göthe 34, 58; meine mutter starb darüber für gram. Heinse
Ardinghello 1, 87; (
der kranke kranich) seufzt für gram und schmerz. E. v. Kleist
neue ged. (
Bertin 1758)
s. 44; manch herr professor kriegte schon für kummer graue haare, dasz mehr jetzt gilt der Agathon als facultätenwaare. Bürger
im Göttinger musenalm. 1777
s. 194,
später geändert in vor kummer (
s. sämmtl. werke 40
a); ein welkes haupt ... bewegte sich für schwachheit hin und wieder. Rost
schäfererz. 63.
schäferged. 97; die angst trat häufig ausz, und bricht für heisser noth zu mund und augen rausz. Fleming 136 und unterwegs begegnet ihm ein schwarm von hornissen, die fallen auf sein rosz, dasz es für marter todt zu boden sinkt. Schiller
Tell, erster druck 191 (4, 3); ich kanns nicht sagen für weinen und freude. Klinger
theater 2, 334; und gieng hin fur freuden uber dem selbigen (
dem gefundenen schatze).
Matth. 13, 44; da sie aber noch nicht gleubeten fur freuden und sich verwunderten.
Luc. 24, 41; ich werde toll für freude. Klinger 2, 333; für freude brach mir der schweisz aus. Claudius 3, 51; will mich wälzen und für freude schrein. 1
u. 2, 194; ach! ich bin entzückt für freuden. Mylius
verm. schr. 489; er kann sich für freude nicht lassen. Göthe 3, 4;
Maria. da lief das kind nach haus und konnt für freuden nichts reden.
Karl. und fiel seiner mutter um den hals und weinte für freuden —. 8, 19. 42, 22; und er und sie, kurz alle beyde zerschmelzeten fast für gewiszensfreude. Rost
schäfererz. 62.
schäferged. 87; für lust, die keinem noch von menschen ist bewust. Fleming 34; (
die schar der kraniche) eilt mit schnellen flügeln fort und schreyt für lust. E. v. Kleist
neue ged. 44; für ungefühlter reiner lust vergasz sie allen schmerz. Chr. Stolberg 1, 69; gebötest du, mich wieder einzustellen, du würdest mich für liebe sterben sehn. Hagedorn 3, 34; wenn ich fast für lieb gestorben. Göthe 2, 254; im voraus seh ich schon die freude, im bilde trift mein wunsch schon ein. ja, Doris, ja ich seh uns beide für zärtlichkeit entgeistert sein. Rost
schäferged. 35; ich brenne seit geraumer zeit für sehnsucht und für zärtlichkeit so einen nahen freund zu küssen. Lichtwer
fab. 3, 13; es war hohe zeit, dasz ich mich auf den weg machte, ich wäre für sehnsucht vergangen. Göthe
in Mercks briefsamml. 2, 269; wenn du doch balde wieder kommen könntest. da mir auch Fritz fehlt, möcht ich krank werden für sehnsucht.
derselbe an frau v. Stein 3, 178; dieses (
das volk) weisz niemals für lauter wollen was es will.
werke 23, 258. 49, 116; für ungeduld läuft das mädchen fort. 45, 172; das pferd fieng weidlich an zu treten für ungedult. Claudius 1
u. 2, 153; mag nicht für langer weile schwitzen. Göthe 47, 35; geliebtes kind, ich sterbe für betrüben, wenn nicht dein blut aus liebe für mich wallt.
N. Götz,
oden Anakr. 53; ich schweige für erstaunen, königin, dasz man dein ohr mit schrecknissen erfüllt. Schiller 418
b (
Maria Stuart 2, 3); sie sank für scham in seinen arm. Göckingk 3, 107; ach ich ersticke! ich sterbe für wuth! Göthe 11, 22; für wuth möcht ich mich selbst auffressen. 42, 200; knirschend für wuth. Klinger 3, 159. für zorn bersten.
[] wenn deine huld und gunst bey dir ist gantz entschlaffen und du für zorne brennst. Fleming 15.
mit dem artikel vor dem subst.: ich wil dir wolthun, und deinen samen machen, wie den sand am meer, den man nicht zelen kan fur der menge.
1 Mos. 32, 12; sie alle die hand am schwert, alle kriegesgelehrt, jeder an der hüfte sein schwert, fürm graun der nacht. Herder
lieder der liebe 37; wie freut es mich, dasz Fritz einen flusz mit schiffen, und bäume gesehen hat, die sich für der last der früchte zur erde beugen. Göthe
an frau v. Stein 3, 178.
auch mit dem nebenbegriffe, dasz der grund in einem zuviel, oder einer besondern stärke dessen enthalten ist, das der dat. ausdrückt, also in der bedeutung: auf grund eines zuviel von, wegen eines zuviel von: für jugend kann sie nicht dein zärtlich herz erkennen. sie sieht dir etwas an und weisz es nicht zu nennen. Rost
schäferged. 129.
Auffällig aber bleibt der acc. statt des dativs nach für
und ist wol nur durch verwechselung gesetzt, wie sie in Norddeutschland vorkommt: (
der ritter) stand wie jener da, den, als ein glücksfall ihm geschah, der schlag für frohen schreck getroffen. Thümmel
d. heil. Kilian 51.
Heute ist freilich vor
üblich. dasz aber für
noch bei unsern classischen schriftstellern oft genug gesetzt wird, zeigen die eben angeführten zahlreichen stellen, und es hätte der bei mehreren angegebenen eingetretenen änderungen in vor
keineswegs bedurft, zumal da daneben noch für
stehn geblieben ist. I@B@3@ee)
in vergleichung mit: dabei man einen für den andern kennen und unterscheiden kan. Luther 7, 403
b; schau, der gewinn steht hier, für welchem dein verlust dir kommt wie keiner für. Fleming 199; man wird ein grösser werck bisz in die wolcken führen, für welchem Babels bau sich wie nicht durffte rühren. 138; doch diese sängerin musz für Belinden weichen. Dusch
verm. werke 162.
in dieser bedeutung aber blickt mitunter leise oder merklicher die eines vorzugs, eines übertreffens durch, und es entwickelt sich die folgende bestimmtere. Heute steht durchgehends vor. I@B@3@ff)
zuerst in vergleichung mit, am meisten in vergleichung mit. die praep. drückt also einen vorzug, ein übertreffen aus. so sehet für allen dingen, dasz ihr dem herrn, dem ihr dienen werdet, die impression machet, dasz ihr wol wisset das einmal ein, dasz euch sey alle rechnung gemein. Schuppius 30; gewalt gieng underweiln für recht. Alberus
Esop (1550) 15,
heute im sprichwort gewalt geht vor recht; weyl nun Elia der grossen propheten einer ist, welchen der son gottes mit einem sundern geyst unnd krafft für viel andern begabet. Mathesius
Sarepta (1562) 4
b; Leander war ein glückeskind für mir und meines gleichen. Fleming 541; auf! Dangeau, den verdienst und stand für andern ehren. Canitz 143; sey nun für andern stoltz, du neu erwehltes hausz! Günther 640. für andern,
anderm vorgezogen, vor anderm. Mich. Neander
bedenken 4.
Heute wird hier überall vor
gesetzt. I@CC. Gleichsam ausnahmsweise hat für
auch den gen. bei sich. dies in dem seltenen für dessen =
in der der gegenwart vorausgehenden zeit, in früherer zeit: ... welche wohl wusten, dasz er für dessen die wandersleute bisz zum dorffe hinaus verfolget hätte. Justus Gottfried Rabener
nützliche lehrged. (
Dresden 1691),
bei Gellert 1, 32.
jetzt vordessen, vordes,
s. d. und vergl. auch ehedessen, ehedes.
in der Wetterau fir âlersch
d. i. für alters;
heute hochd. vor alters.
s. vor.
Rückblick auf die praep. für.
Sieht man zurück auf dieses für,
seine rection und bedeutungen, so ist es im nhd. in die rection des dat. vorgedrungen und damit in die des nahe stehenden vor
und dessen bedeutungen, während umgekehrt dieses in die rection des acc. vordrang, damit in die des für
und seine bedeutungen. dieses vordringen des vor
aber bahnt sich schon im ahd. an, wie oben sp. 620
u 641
gezeigt wurde (
s. auch vor),
und ist mit jenem [] des für
im 16.
jahrh. vollendet, weshalb auch Albertus Ölinger in seiner
grammatica 168
u. 188 für
und vor
als mit dem dat. und acc. gefügt angibt. im 17., 18.
und 19.
jh. bemühten sich dann die grammatiker, festzustellen, wann für
und wann vor
zu setzen sei. zuerst geschah dies von Johann Rudolph Sattler
in seinem zu Basel 1610
gedruckten werke teutsche orthographey und phraseologey s. 24,
wo er sagt: bey guten authorn, die noch vor wenig jahren im truck auszgangen, wirdt gefunden, dasz dieser underscheid zwischen dem
für und
vor gehalten worden:
für haben sie gebraucht an statt des lateinischen pro, als für einen schreiben, fürschreiben, fürsprech, fürgehn; so dann das
vor, an statt desz lateinischen ante, als er ist vor ihme allhie gewesen, vorgehn, vormahls.
dann fügt er noch hinzu: vor kurtzer zeit aber ist es dahin kommen, dasz man ohne underscheid das vor braucht, redt und schreibt, vor einen schreiben, vorschrifft, vorsprech, vorgehn, u.
s. w. u.
s. w. für einen gehn und vor einem gehn sind ja zweyerley: darumb ich meiner einfalt nach (meniglich ungetadlet) dafür halte, dasz solches viel mehr ausz miszbrauch, weder aber mit guten fundamenten beschehe.
s. Reichards
historie d. deutschen sprachkunst (
Hamburg 1747)
s. 60.
der um 31
jahre spätere Schottelius
s. 771
f. (1641
s. 639)
theilt kurz und bestimmt für
die bedeutung pro und den acc., vor
dagegen die bedeutungen ante, coram, prae und den acc. und ablativ zu, während Gueintz in seiner
deutschen rechtschreibung 67
f. vor
von einem ort oder einer zeit, von pro oder ante nimmt und für
so viel bedeuten läszt als »
an eines stelle gleiche verrichtung thun«
und prae oder coram, wozu er am ende fügt: jedoch weil diese vorwörter und praepositiones prae, pro und ante ofte für einander im lateinischen gebrauchet werden, so geschicht es auch, das der unterscheid in dem deutschen zwischen vor und für nicht allemal genau beobachtet wird: insonderheit wird man darinnen bey den reimen in den endungen etwas nachzugeben haben. Stieler
hochd. sprachk. s. 238
u. 239
läszt für
mit dem acc. und vor
mit dem dat. und dem acc. gefügt werden, doch findet sich im sprachschatz 583
auch für
mit dem dat. in »für augen haben,
habere in conspectu«,
wie daneben er hat mich vor augen. Frisch 1, 307
c hebt, dürftig genug, als hauptsächlich hervor, dasz für
allezeit den acc. regiere und so viel als anstatt sei, während vor
immer auf einen ort oder eine zeit gehe. mit gröszerer genauigkeit aber führt Freyer 150
bei für,
das mit einem acc. construiert werde, die bedeutungen anstatt, zu gute an und faszt es weiter als wort des werthes (
z. b. er hat in acht tagen für einen gantzen thaler obst aufgegessen),
als beschreibungswort (
z. b. ich halte sie für feinde. Rö
m. 11, 28. für lieb nehmen),
als zahlwort (
z. b. fürs erste), vor
dagegen s. 162
hat nach seiner angabe einen accusativum, wenn es ad locum auf einen ort gehet,
und einen ablativum, wenn es in loco, an einem orte, bleibet, oder eine gegenwart, zeit, vorzug, gefahr und ursache bedeutet.
das aber ist bereits in den grundzügen ersichtlich bei Sattler,
deutlicher niedergelegt bei Schottelius,
und im wesentlichen unterscheiden gleicherweise bei vollständigerer angabe der begriffe Gottsched in seiner
grundlegung (1748)
s. 431
f. u. 439 =
sprachk. (1762)
s. 512
f. u. 521
f. und Adelung
mit ausführlichkeit in seinem lehrgebäude 2, 140—147,
kürzer in seinem wb. 2
2, 362
f., wobei übrigens, wie z. b. in der stelle klagel. Jer. 3, 8,
offenbare unrichtigkeiten untergelaufen sind. am ausführlichsten handelt Popowitsch
in seinen anfangsgründen der deutschen sprachkunst (
Wien 1754)
s. 422—442,
und auch Karl Philipp Moritz
in seinen schriften vom richtigen deutschen ausdruck (2.
aufl., Berlin 1796)
s. 36—40
und vom unterschiede des acc. und dat. (6.
aufl., Berlin 1817)
s. 54—57
u. 167—168
läszt sich des breiteren auf diese unterscheidung ein. bei allen aber ist eine tief eingehende historische forschung nicht anzutreffen, und diese war auch für die eben genannten grammatiker nicht möglich. was Adelung
höchstens bietet, sind einige leichte blicke auf das ahd., das mhd. ist fast ganz auszer acht gelassen. erst Graffs
ahd. praepositionen s. 130—155
enthalten, wenn auch eben nur auf das ahd. beschränkt, eine gründliche untersuchung, und gramm. 4, 785—787
dehnt sich die forschung in bündigster kürze zu gröszerem umfange aus. auf beidem beruhen hauptsächlich die synonymischen unterscheidungen von für
und vor
in dem wb. d. d. syn. 1, 477—479.
hier wird auf solche am füglichsten erst unter vor,
nachdem auch dessen bedeutungen dargelegt sind, besondere rücksicht genommen. Noch ist zu erwähnen die zusammenziehung der praep. für
mit dem artikel, zunächst dem bestimmten. in dieser wird, wie in den angeführten belegstellen ersichtlich ist, für das
zu fürs,
[] für dem
zu fürm
und für
mit dem acc. sing. masc. den
zu fürn.
ein anderes fürn
ist aus für
mit dem dat. pl. den: hastu (
spricht der wolf zum lamm) mich nicht einmal verklagt fürn schäferhunden und gesagt ich sey ein mörder und ein dieb? Alberus
Esop (1550) 14; (
das vöglein cassita hatte in die frucht) genistet und stundt in der fahr fürn schnittern. 66.
auszerdem kann, wie für das
zu fürs,
sich für
mit nachfolgendem des
ebenfalls zu fürs
zusammenziehen: so behüt euch gott der herre fürs teuffels trug und listigkeit.
neue zeitung 1605,
in Adrians
mittheil. 392. er trat fürs königs thron.
doch wird dieses fürs
als eine härte in der schriftsprache gemieden. mit dem unbestimmten artikel zusammengezogen kommt nur fürn
aus für einen
vor. vgl. oben sp. 1629 fürn narren halten
und narr. IIII. für
das adverb. in ihm verbindet sich nicht selten räumliche und zeitliche bezeichnung, so dasz sich beides nicht wol trennen läszt, wie es vorhin bei der praep. stattfand. die bedeutungen sind II@11)
vorn und angesichts. vgl. oben A 1) a).
gegensatz ist hinter:
mhd. gên ich hin für, ich bin doch iemer hinder ir. Walther
MS. 1, 119
a (
vgl. Lachmann 56, 1
und s. 179).
das wort findet sich aber nhd. nur in der abgeleiteten bedeutung: in der vorbereitung zur that oder zum wirklichwerden, im werke: ich mercke wol das (
dasz) etwas für ist und die sachen nicht richtig sein. Heinrich Julius v. Braunschweig
Susanna 2, 5.
s. fürsein. II@22)
hervor, heraus, hinaus. gegensatz ist ein (
mhd. în), hinein.
mhd. wan daʒ hât dâ ninder stat, und vil gerûmeclîchen pfat, zeinem ôren în, zem andern für.
Parz. 241, 25.
nhd. in summa, es gebürt dem thier, welchs ich bracht ausz dem abgrund für. Fischart
Jesuiterhütlein A 8
b; derhalb wer lust zu kempffen hat, auff den plan für her zu uns tret. Ayrer
könig in Cypern 400
a, trag alles, was du hast in kuch und keller, für. Fleming 589; und wenn ein armes knäblein stand bettelnd vor der thür, reicht er vom schwarzen laiblein ein dünnes stückchen für. Rückert 212.
s.fürbrechen, fürbringen, fürher, fürreichen, fürtragen
u. a. m. II@33)
vorher. gegensatz ist nach: es schweig aber der pfaff. noch (
nach) wie fur, einen weg als den andern. Alberus
wider Witzeln G 3
b.
sonst ist in dieser schrift gewöhnlich vor =
vorher gesetzt. II@44)
vorbei, vorüber. vgl. I
A 1) d).
mhd. daʒ snit (
die ernte) und daʒ wînlësen sint beidiu vür unt ist uns ir beider nicht worden. Leyser
pred. 20, 35; daʒ ich sô dicke unliebe spür, dës was ich nâch an allen mînen fröiden für.
MS. 1, 151
b,
deshalb war ich beinahe an allen meinen freuden vorbei, hatte ich beinahe auf sie alle verzichtet. nhd. so die würdtschafft für ist. Frank
weltb. 205
b; das sage ich dir, die halbe mitternacht ist noch nit für.
Ambraser liederb. nr. 62, 12.
später durch vorbei, vorüber
ausgedrückt. s. fürgehen, fürlaufen, fürreisen, fürreiten, fürsein
u. a. m. noch bedeutet schweiz., bair., tirol., kärnt. das adv. für
vorbei, vorüber, dann aus, zu ende. Stalder 1, 405; Tobler 199
b. Schmeller 1, 554
f. Schöpf 162. Lexer 105.
appenzell. auch er ist för,
gestorben. Tobler
a. a. o. II@55)
vorn weiter, vorwärts. in verbindungen mit einem andern adv. durch und. II@5@aa) für und wieder,
vorwärts und zurück, und wieder und für,
zurück und vorwärts: mhd. dô saher für unde wider an der clâren meide lîp.
Parz. 591, 12; dô suochter wider unde vür und ënvant vënster noch tür dâ ër ûʒ möhte.
Iw. 1145; sus gienc ër wider unde für, unz ër dën rîchen palas vant.
Parz. 588, 26; ëʒ ist als ein sneller wint dër wider unde vür wæt.
krone 6032.
auch vür noch wider: done mohte dër gast vür noch wider.
Iw. 1126.
[] nhd. wenn das geschech das jhr begert das Plutus wider gesehend wür, so würd er gehn wider und für, und denn reich machen jederman. H. Sachs II (1591). 2, 15
d, ja herr, da tratt er wider und für all tag wol dreymal für die thür, fro war er, liesz ich jhn ins hausz. 18
b, (
das weib) laufft ein stieg auff, die ander ab, und schnurrt im hausz wider und für. 4, 8
b; du steigst int gärtn wider und für. III (1588). 3, 6
b; vorausz bey der hindern thür da niemand geht wider und für. IV. 3, 2
c.
dieses wider und für,
oder, wie wir heute schreiben würden, wieder und für,
erlosch aber bald, indem sich wider und für
oder für und wider
in einem andern sinne geltend machte. s. unten 6).
wie übrigens für
und wieder
einander hier entgegengesetzt sind, so finden sich auch, unverbunden durch und,
mhd. vür
und hinder,
doch dieses in der folgenden stelle als praep.: dô vür dër vatter (
ein alter krebs) solte gân, dën wëg er hinder sich dô nan (
nahm). Boner 65, 37. II@5@bb)
verstärkungen. II@5@b@aα) für und für,
vorwärts und vorwärts, d. h. unaufhörlich weiter in der bewegung, immerfort vorwärts, immerfort. Jacob Grimm
in seinen aufzeichnungen vergleicht es fort und fort.
s.fort 3) c). für und für,
offt und dick, beharrlich, perpetim, subinde, continenter, in perpetuum, assiduè, jugiter. Henisch 1299, 54. wan aber ein geschrei über sie gat, so sünden sie für und für, und meinen, es gelte nun gleich. Keisersberg
narrensch. 88
b; also wollen sie für und für sünden bis in ir end.
seelenparadies 108
a; ein mensch musz sich des fleiszen und sich ganz daran gewönen, das er alle seine werck gott zu lob tue für und für.
pred. 54
b; das sehen wir in dem fliessenden wasser, das da allwegen on underlasz für und für fleuszt.
schiff der penitenz 32
a; welcher der nechst an dem bret ist an dem herren, der halt sich genow hin an den andern, darnach der nechst an den selbigen, darnach aber nechst an dem bret schmuckt sich an den selben, und also für unnd für, ye einer an den andern, wie ein kethin da ein ring an dem andern hanget.
sünden des munds 15
a; (
der stumme fängt an zu reden) und blieb darnach für und für redend. Pauli
schimpf 16
b; das beschicht als umb unser küngin, die im für unnd für ligt im syn.
Theuerdank 95, 106; derselben künigin gefiel er für unnd für ye lenger, ye pass. 98, 189; den fan des creützes nymm zuo trost, ... damit genäh dich zuo der thür, steyg kägklich, täglich für und für. Schwarzenberg 153
c,
vgl. kecklich; gott wöl solch müh vergelten dir, die du für und für hast zu mir. H. Sachs III (1588). 3, 35
a; streng für und für geschossen wardt. Soltau
volksl. 370; das ers ... mit allem mutwillen imer mehr für und für treiben möchte. Luther 6, 330
a; frechlich für und für fahren.
br. 2, 113; das ist mein name (
spricht gott) ewiglich, da bey man mich nennen sol fur und fur.
2 Mos. 3, 15; und solt sie (
die leibeignen knechte und mägde) besitzen und ewre kinder nach euch, zum eigenthum fur und fur.
3 Mos. 25, 46; er hette dein reich bestetiget uber Israel fur und fur.
1 Sam. 13, 13; herr gott, du bist unser zuflucht, fur und fur.
ps. 90, 2; dein gedechtnis herr weret fur und fur. 95, 13; dein gott Zion (
ist) fur und fur. 146, 10; die krone weret nicht fur und fur.
spr. Sal. 27, 24; seine herrschafft wehret fur und fur.
Dan. 3, 33; sie lagen einander für und für im haar. Wickram
rollw. 23; do hader und zanck für und für ... gewehret. 71; bestunde er für und für auff seinen eylff augen. 93
b,
vgl. wb. 1, 800; stellebogen, die für und für gespannt waren. Götz v. Berlichingen 68; allda ist für und für hitz, was gegen mittag ligt. Frank
weltbuch 17
a;
Jörg. so handlen sie darnach den gemein nutz.
Franz. ja für und für. Schade
satiren u. pasquille 2, 54, 28; die fürsten loszent wuocherei der geselschaft, beschwerung, bedrug und falschen gewin also für und für geen, dasz man dargegen ire unrechtlich neuw zöl und anschleg, steuwer und schatzung auch nit anfichtet. 57, 13; dann er hat für und für gesagt, ich werd im die pillelen, das ist den neuwen zol, zuo reiten (
zubereiten) oder daran verhindern. 58, 8; also gehet der wucher für und für, gült genant, 78, 36; in das rechte vatterlandt (
den himmel),
[] darin wir ein gewisz ort und bleiben für und für haben werden. Mathesius
Sar. (1562) 296
a; dann es der übeltheter im anfang einmal durch bosheit seinen willen erlangt und sich verschempt (
schamlos bezeigt) hett, wer kein aufhören do oder besserung zu warten, dann das er durch solch weg für und für gieng. Schöfferlin
Livius 17; lang in dem garten auff und abgieng, für unnd für gedanken hatt.
Galmy 25; sie auch für und für mahnen zu sterben und den todt mit gedult zu vertragen. 299; die herzogin mit solcher klag für und für ihr zeit vertreiben thet. 304; die pferdt für und für den weitzen abetzten. Frey
gartengesellsch. 13
b; du schiltest mich für und für. 44; sondern schrei für und für. 95; bleibst doch für und für ein armer mühseliger stumpffer. Kirchhof
wendunmuth 131
a; die anzahl knechte, so etwa in einer festung für und für, ob es gleich friedt ist, ligen.
dessen milit. discipl. 215; ich sag für und für, sagt die alt, du seyest zu weich gegen jhm.
buch der liebe 215, 3; zum ersten fluchete die frau und handelte ihn übel aus, der mann sang für und für: adsperges me
etc. Henneberger
landtafel 483; (
die mistel) grünet für und für. Lonicerus
kräuterb. 87
b; sie fangen an im meien zu blühen und währen für und für in stätiger blüt bis in den winter hinein. Tabernaemontanus 712; für und für. Mich. Neander
bedenken 15
b.
Petr. 76
b; ein geschray das für und für gaht, unnd stets wäret,
rumor firmus. Henisch 1299, 58,
nach Maaler 146
b; deine kürch ... soll ... für und für seelig wehren. Weckherlin 203 (
ps. 93, 6); wann du die menschen fleugst (
fleuchst), machst noch im leben dir ausz deinem hausz ein grab und tichtest für und für auff bücher. Opitz 1, 58; dieses ziehl nach welchem dir stehen musz hertz und gedancken unverwand und für und für. 2, 67; soldaten die verlangen nach blute für und für. 85; alle vögel in den lüfften hört man singen für und für. 206; ich empfinde fast ein grauen dasz ich, Plato, für und für bin gesessen uber dir. 311; so singen für und für die götter und auch wir. Fleming 385, fliest ... hinfürder für und für. wie vor, und nun. 528; er, der fürst der artzeneyen, sie, das bild der zucht und zier, für und für, mögen glück- und frölich freyen. 394; bisz dasz ihr kummt ins wol, das wol bleibt für und für. Logau 1, 68 (AA); so blühe für und für dein haus und stamm! A. Gryphius 1, 30, = 1663
s. 24; reine lib herscht für und für. 163 = 1663
s. 165; dasz seine barmhertzigkeit zwar wehre für und für bey denen die ihn fürchten. Schuppius 193,
nach der weiter unten angeführten stelle Luc. 1, 50; o tummer wahn! der die für weise hält, die für und für im dunkeln schatten sitzen. Drollinger 40; hol ich (
schreibt der teufel) ihn (
Gottsched ist angeredet) einst, so soll er mir meinen braten wenden für und für. Rost
der teufel, in Schmidts anthologie 1, 218; und für und für zum dudeldum der sfären die grazien tanzen sehn. Wieland 9, 132; drob sei auch von nun an leben und unsterblichkeit gegeben deinem namen für und für. Bürger 27
b; mein trautel hält mich für und für in festen liebesbanden. 29
b; wenn einer sich zu mir kehret: geh, ruf ich, für und für! Göthe 3, 201, =
weiter fort; ich bin ein kind des friedens, und will friede halten für und für, mit der ganzen welt, da ich einmal mit mir selbst geschlossen habe. 29, 119; neigung aber und liebe unmittelbar nachbarlich angeschlossen lebender durch so viele zeiten sich erhalten zu sehen, ist das allerhöchste, was dem menschen gewährt sein kann. und so für und für!
an frau v. Stein 3, 460; das mühlrad, von der flut gerafft, umwälzt sich für und für. Schiller 68
a; nacht ists und stürme sausen für und für. Platen 32;
[] da Deutschland ruft: kommt wieder! bleibt bei mir für und für! Freiligrath
an seine tochter str. 8.
alle diese belege, denen noch zahlreiche hinzugefügt werden könnten, zeigen, dasz der ausdruck für und für
geläufig war und es bis heute geblieben ist, also keineswegs als veraltet gilt, wie ihn bereits Adelung
ansieht. Schweiz. für und für,
nach und nach, allmählich. Stalder 1, 405.
Selten tritt hier vor
ein: diejenigen, welche dem läger vor und vor mit jhrer kramerey und handthierung nachziehen wöllen. Kirchhof
milit. discipl. 95,
während an einer anderen, oben angeführten stelle für und für.
Nachdrücklich verstärkend erscheint für und für
neben den synonymen immer
und stets: seine barmhertzigkeit weret jmer fur und fur, bey denen die jn fürchten.
Luc. 1, 50; und lag ein groser schne und schnigt stets für und für. Mone
zeitschr. 3, 173.
aus dem jahre 1533.
jenes würde gleich einem immer fort und fort,
das letzte gleich einem stets fort und fort
sein. Wie aber für und für
heute noch geläufig ist, so sind die folgenden verbindungen, gleich für und wider
oben, erloschen. II@5@b@bβ) für und an: fürwar, fürwar, man hat euch gselln das wort bey uns nit wol gethan, wie jr all beyde für und an uns jungfrawen sehr ubel redt. H. Sachs III (1588). 3, 38
b; weil man kan einen biderman am angsicht kennen für und
an. Frischlin
Julius redivivus 141. II@5@b@gγ) für und hin,
fort und fernerhin, fortwährend: wiewol er aber für und hin mich huret, säcket, raufft und schlug. H. Sachs IV. 3, 10
c; dasz jn reitz mein kleglich geberd ... und ich bey jm ewiglich bleib, in lieb verbunden für und hin. V, 265
c. II@5@b@dδ) fort und für.
s.fort 3) a). II@66)
zum vortheil, zu gunsten, zum besten. vgl. oben A 4) f).
in dieser bedeutung, in der für
mit wider
verbunden wird, aber in anderem sinne, als vorhin, sticht das adv. als ein praepositionales besonders hervor. bist du für oder wider? bring deine gründe für und wider vor.
man gebraucht aber den ausdruck gerne substantivisch und zwar, was das geschlecht anlangt, als neutrum, wie dies bei substantivisch gesetzten partikeln zu geschehen pflegt (
vgl. gramm. 3, 539). dasz nicht das für und wider mir aufs neue durch die seele schwankt. Göthe 8, 255; ich habe keinen auftrag, jedes für und wider noch einmal durchzugehen. 265; als endlich ein fall, über den die stadt in bewegung gerieth, eines morgens das für und wider für einige stunden heftig hervorrief. 23, 25; die geistlichkeit sowohl als die laien theilten sich in das für und wider. 24, 62.
übrigens ist der der älteren sprache unbekannte ausdruck nicht so substantiviert, dasz er eine casusendung annähm ähnlich für und wider
sagt man auch, doch weniger häufig, für und dagegen: die gründe für und dagegen haben wir wechselsweise vorgebracht. Göthe 17, 13. II@77)
mehr als erforderlich, übrig. schweiz., s. Stalder 1, 405. Tobler 200
a. ich hab das für,
das bleibt mir übrig. Stalder
a. a. o. s. fürig, fürsein. II@88)
Besonders zu erwähnen ist was für,
dessen bedeutung sich sehr der des pronomens welch
nähert, in so fern dieses fragend (
vgl. unten die stelle Schuppius 702),
verwundernd oder ein anstreben vom ungewissen zum bestimmten in sich schlieszend steht; doch scheint was für
mehr auf die beschaffenheit zu deuten. was sind das fur rede, die jr zwischen euch handelt unter wegen, und seid trawrig?
Luc. 24, 17; die gäst sahen mich alle an, was ich wer für ein göckelmann. H. Sachs I (1590), 380
a; mein herr ist heut lang in dem rhat, was man halt für ein handel hat, ist wol ein stund uber die zeit. V, 274
c; wie wol ich nicht weis, was für schneider im himel seind, so machen kleider. Fischart
v. s. Dominici L 3
b; was es seyen für fein gesellen. O 1
a; was mst man nur für laugen brauchen, das man jm möcht die nasen bauchen? was mst man für starck wasser nemen das jm den unflat möcht verschwemmen? S 4
b; was sie allerhand für kurtzweil vorhaben die männer zuergötzen. Fischart
Gargantua 68
a = (1608) H iiij
a,
wo berichtigt [] ist in was sie für allerhand kurtzweil; dasz was euch gleich für übels inn diesem streit begegne, jhnen darüber kein gewalt oder leid zugefügt werde.
Amadis 415; was haben wir indessen (
im jahre) für missethat vergessen für gutes werck vollbracht. Opitz 3, 178; wenn wir nicht wüszten ..., mit was für feinden ihr krieg führet. Olearius
Lokmans fab. 11; ein jeglicher kennet am besten, und weisz, was es für eine gelegenheit mit ihm hat. 20; nehme ausz der welt die gläubiger und schuldner, welche, oder was für andere wirst du haben? Schuppius 702; was würde nicht bey ihm für eine lust entstehn? Gottsched
ged. 1, 486; was beym zweyten Ferdinand Opitz sonst für gnade fand. 2, 17; mein bitten rührt dich nicht, du kannst es nicht ergründen, was in dem worte: ja! für eine wollust steckt. Rost
schäferged. 5; himmel was für entsetzlicher pein bin ich aufgehoben! E. C. v. Kleist
neue ged. 123; Moloch, Adramelech, Typhon, oder was du sonst für ein böser geist bist. C.
F. Weisze
lustsp. 1, 35; ah! deine selige mutter, was das für eine frau war! 278; was zum henker für ein gewäsche (
geschwätz)? 3, 373; du weiszt nicht, was ich mit Tulpen für absichten habe. 294; was sie für schöne rothe bäckchen hat!
kom. opern 3, 108; was ist das für mannsvolk? 224; was klang dort für gesang und klang? was flatterten die raben? Bürger 11
b (
Lenore str. 21); was sie sich für mühe gab! zehnmal wischte sie und rieb es. Gotter 1, 53; was für ein irrgeist treibt mich herum? Fr. Müller 3, 44; was für ein anderer unterricht sich sonst noch anschliesze. Göthe 22, 164; was für ein hirnverrückender planet verwirrt euch also die gesunden sinne? Schiller 461
b; was war das für ein placken und schinden bei Gustav dem Schweden, dem leuteplager? 322
a.
da also was für
in seinem begriffe mit welch
sich enge berührt, so ist das in der umgangssprache oft gebrauchte, im pl. fragende was für welche?
nicht zulässig: ich habe meinem freunde einen pack bücher geschickt. »was für welche?«
dagegen kann in beziehung auf ein vorausgehendes subst. bloszes was für
gesetzt werden, und es braucht jenes nicht wiederholt zu werden: gelehrsamkeit, aber was für? keine ausgebreitete, sondern diffundirte, keine gründliche, sondern velitirende, nicht einmal belesenheit im wahren sinn. Göthe 33, 118.
mit einem gen., wie wenn was
allein da stünde, das fragend den gen. häufig bei sich hat (
s.was
und gramm. 4, 451. 737)
und da auch gerne in der bedeutung von was für
steht: antwort die jungfrau, dasz diesen rittern, jn und all andere herren disz königreichs, sicherheit und frey gleid gegeben werde, der gestalt, dasz was euch gleich für übels inn diesem streit begegne, jhnen darüber kein gewalt oder leid zugefügt werde.
Amadis 415.
Auch hier schleicht sich durch mundartliche verwechselung vor
ein, so dasz statt was für
ein unzulässiges was vor
unterläuft: was bringt mein alt vor newe mär. H. Sachs II (1591). 4, 9
c; was sie euch vor einen bescheid geben werden. Ettner
hebamme 364; und was das wieder vor umstände sind! das schiebt sich und verschiebt sich. Göthe 23, 21.
mit dem vom verbum erforderten acc. hinter vor: so konnte ich nicht sehen was bei der ehrbaren welt und bei mir vor einen dank zu gewarten.
Simpliciss. 2, 160.
Auslassung von für
scheint hier und da ohne störung des sinnes vorzukommen: ich weisz nicht, was ich anzügliches für die menschen haben musz: es mögen mich ihrer so viele und hängen sich an mich. Göthe 16, 11; auf was weise er den hammer in die fundgrube einwerffen musz. Ettner
hebamme 365,
vgl. 347; so weisz ich doch nun auch, auf was art sich die teufel danken. Schiller (
Gödeke) 3, 506.
s. was. II@99)
Endlich findet sich auch für
statt dafür
gesetzt: sie mugen im wol sagen, precht er einen oder czwen von den, dy pey der selben nam (=
beraubung) weren gewest hy czwischen und lichtmesz, und unser geschollen (=
schuldner) weren, oder in eim menet (
monat), so wolt man in ausz für lassen und dor zu ein schenck thun.
chronik. der deutschen städte 2, 86, 36.
in jüngerer zeit kommt das wort nicht mehr in dieser weise vor. [] Zusammensetzungen mit für. Wenn die praep. für
nur in einer einzigen zusammensetzung als letztes wort vorkommt, nemlich in dem oben sp. 620
angeführten allfür,
so findet sich dagegen das adv. für
als letztes wort mit einem andern adv. zusammengesetzt in dafür,
früher darfür,
in herfür,
mit abfall des anlautes erfür,
ferner in hiefür
oder hierfür, hinfür, hinterfür, wofür,
welche wörter besonders nachzusehen sind. wie aber die unzusammengerückt gebliebene verbindung was für
auch getrennt werden kann, dasz zwischen was
und für
mehr oder minder andere wörter des satzes treten, so kann dies gleicher weise bei dem aus da
und für
zusammengerückten dafür (
s. d.)
geschehen: wie bald verwirret gott, was wir so mühsam richten! wer weisz, da er für sey, ob diese schöne stadt der krieg in kurtzer zeit nicht auffgerichtet hat. Opitz 2, 165; da sey gott für, dasz es bis dahin kommen soll! Schiller 344
a (
d. Picc. 2, 7); da sey gott für! Göthe 10, 157.
hier ist, um dies zugleich zu bemerken, dafür
vollständig richtig und nicht in davor
zu ändern, denn es steht nicht statt vor dem,
sondern drückt so viel aus als für das =
gegen das. vgl. A 4) o).
so kann auch davor
nicht gebilligt werden in was kann denn ich davor, dasz du mit langem ohr geboren bist, herr esel? Gleim
der esel u. der eseltreiber 1; kann ich davor, wenn Braun mit blutiger platte wieder zurückkehrt? Göthe 40, 60.
s.dafür
und davor,
so wie vor.
Die mit dem adv. für
zusammengesetzten wörter, in welchen dasselbe zuerst steht, sind überaus zahlreich, und hier erscheint es am meisten mit verben zusammengesetzt, doch ist bei diesen bis auf wenige im laufe des 18.
jahrhunderts und vollends im gegenwärtigen vor
statt für
eingetreten, weshalb vorzugsweise die mit vor
zusammengesetzten verben nachzusehen sind. hier gilt es hauptsächlich, diese mit für
zusammengesetzten verben als vorkommend nur zu belegen. der ton ruht bei ihnen auf für
und das part. praet. wird gebildet mit ge-
unmittelbar vor dem mit dieser partikel zusammengesetzten verbum. das anschlieszen derselben vornen findet aber eben so, wie in den participien, im inf. und in bedingender rede statt, während sie im imp. und in directer rede los nachfolgt. die zusammensetzung ist also eine uneigentliche. weit weniger häufig, als die zusammensetzungen des für
mit einem verbum, waren die mit einem subst., aber die zahl ist, da auch hier an die stelle desselben vor
trat, heute bis auf wenige zusammengeschmolzen. in einigen verbindungen mit einem adj., in welchen sich für
mit diesem zusammenschob, ruht der ton auf dem letzten, eben so in zusammensetzungen mit einem adv. Wenn aber bei den zusammenschiebungen des für
und eines adj. jenes sich auch zu einem tonlosen ver-
abschwächen kann, wie vergut
und verlieb
statt fürgut
und fürlieb
zeigen, so steigert sich umgekehrt die untrennbare zusammensetzungspartikel ver
mitunter zu für,
wie z. b. aus fürhöret, fürnummen
in Luthers
briefen 5, 671
statt verhöret, vernommen
ersichtlich ist.