winden ,
st. v.; wand, wände, gewunden. II.
herkunft und form. I@11)
ahd wintan,
mhd. winden,
as. windan
sich wenden, ags. windan,
goth. bi-windan
umwinden, an. vinda (vindr
sich windend),
ndl. winden,
ndd. und vielfach md. winne(n),
engl. wind,
dän. vinde,
schwed. vinda (
dän. schwed. vind
schief)
; frz. lehnwort guinder. —
idg. wurzel wendh-,
zu der auch gehören aind. vandhúram
n., wagenkorb, umbr. ahavendu,
avertito, abg. ąda
f., fischhaken, vgl. Fick-Torp
wb. 4 3, 390; Paul-Braune's
beiträge 30, 268,
idg. forsch. 16, 172
ff.; gemeingermanische starke verbalwurzel wend-, wind-;
dazu die bewirkungsform wenden,
ferner wandeln, wandern, wand
n., gewand
n. Kluge;
näheres dazu und zur grundbedeutung s. unten II A. I@22)
ahd. wintu, want, wuntun, giwuntan;
mhd. winde, want, wunden,
conj. praet. wünde, gewunden;
im frühnhd. noch häufig praet. wund Fischart
glückh. schiff 280, H. Sachs 8, 492
Keller, auch noch später Zesen
Sofonisbe 201;
nebeneinander wand
und wund Fischart
geschichtklitt. 80
neudr.; plur. (sie) wunnen Cammerlander
Sallust (1535) b 4
a;
discourse der mahlern 2, 133; Gottsched
sprachk. 114;
aber auch immer noch wand,
so z. b. bei Franck
chron. Germ. 208
a; H. Sachs 21, 181;
lied v. hürn. Seyfr. 35
neudr.; nach Gottsched
a. a. o. 285
besser als wund;
vereinzelt windete Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 309. —
im präsens du windest, er windet
schon bei Gottsched
a. a. o.; aber noch du windst, er windt
bei Braun
orth.-gr. wb. (1793) 307
a. I@33)
mitteld. nebenform wingen Wrede
anz. f. dt. altert. 19, 103; Behaghel
gesch. d. dt. spr.3 184: die verstockten mügen
sich drehen und wenden, ringen und wingen Luther 7, 34
Jena; und winge das duch um din heubt
Alsfelder passionssp. 20,
v. 688;
vgl. auch windelbohrer. I@44)
ableitungen: winde, windel, windeln, winder, winderich,
2 windig '
gewunden', windlein, windling, (über-) windlings, windung, gewinde, wund
n., wind-schaffen, -schief;
sonst vgl. unter A II 1. I@55)
wechselbeziehungen zwischen winden
st. v. einerseits und winnen '
sich abarbeiten, aufgeregt sein', winde
f. '
schmerz'
andrerseits finden sich schon frühe ein, veranlaszt durch lautliche an- und gleichklänge (
md. ndd. winnen '
winden')
und verwandte bedeutung (
vgl. sich winden vor schmerzen
und lat. tormina
zu torquere,
oben 14
I, 45);
so schon bei ahd. ubar-, untarwintan Graff 1, 751;
ebenso bei mhd. über-, underwinden
mhd. wb. 3, 680;
mhd. widerwint
m. '
gegner' Schmeller 2, 949; winden und waden
ebd.; mhd. winne, winde
f., wint
m. '
schmerz' Lexer; windig
adj., '
toll'
aus winnig,
s. d.; erwinden '
bei aller anstrengung nichts ausrichten' Stalder 2, 453. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@AA.
bedeutungsentwicklung, ahd. und mhd. eigenthümlichkeiten, verwandtschaft, synonyme. II@A@11)
die grundbedeutung ist '
biegen, drehen, wenden'.
je nach der genaueren art dieser bewegungen (
in bogen-, kreis-, schnecken-, schlangenwindungen)
oder ihrem zweck (
veränderung der form oder lage, einwickeln, aufwickeln, befestigen, trennen, sammeln, schmücken, auspressen, ineinander verflechten, binden u. a.)
ergibt sich die möglichkeit reicher entfaltung der grundbedeutung; desgleichen führen die verschiedenheiten des intransitiven, transitiven und reflexiven gebrauchs zu mancherlei sonderverwendungen. II@A@1@aa)
intransitiver gebrauch; '
sich drehen oder wenden', II@A@1@a@aα)
um sich in einer bestimmten richtung in bewegung zu setzen, daher meist mit einer richtungsangabe, besonders einer partikel: ahd. tho iʒ zi dage want (
sich wandte) Graff 1, 747; zu ze iro (sunnun) wundene (
gerichtete)
stellas, ebd.; mhd. einen ane winden '
sich wenden gegen, einen angreifen'
mhd. wb. 3, 677; Lexer;
vgl. ags. windan
fly, leap, start, spring, wheel Bosworth 1231
f.; engl. a ship winds to (
steuert).
die vorstellung des drehens kann dabei völlig zurücktreten und winden (
wie nhd. sich wenden gegen)
ein ganz allgemeiner ausdruck des fortbewegens werden, wie schon die obigen be lege zeigen. im übertragenen gebrauch entwickelt sich die bedeutung '
sich wenden gegen, sich nähern'
zu '
angehen, nahestehen',
vgl. nhd. verwandt;
so mhd.: die in an wunden unde im guotes gunden
Erec 2993; die schildes ambet ane want
Parzival 280, 21;
weitere belege mhd. wb. 3, 677. II@A@1@a@bβ)
um der angefangenen bewegung eine andere, meist entgegengesetzte richtung zu geben; daher die bedeutung '
umkehren': siu wuntun mit grôʒen angustin Graff 1, 747;
meist mit erklärendem zusatz: heim wintan, widar (-ort) wintan
reverti, arwintan
ebd.; vgl. mhd. wende
f. und widerwant
m., '
umkehr'
mhd. wb. 3, 686, Lexer;
hierher auch wandern '
auf beschränktem raum hin- und hergehen'
oben 13, 1663. —
tritt die vorstellung der wendung oder überhaupt einer bewegung zurück, so wird '
umkehren'
zu '
aufhören, halt machen, reichen bis',
gerne mit an +
dativ: daʒ sper im în zem rachen brach unt innen an dem herzen want (
stillstand)
Tristan 8983; ein wüllin röckelîn kurz unt daʒ mê dann einer hant ob ir enkelînen want (
aufhören, reichen) 15664;
weiteres mhd. wb. 3, 677; an die stat, da unsers herrn gericht windet (
aufhört)
weisth. 3, 361 (
Hessen 1341); ein starken liechtzun mit blanken zu machen alsz der zwinger windet bis zum diepthurn
reiszbuch (
der Kurpfalz) 1504, 65
Weech; zuo Rom sein gwalt hatt end und windt Hutten
clag und vorman. v. 1334;
vgl. hierzu ahd. anawanta
versura, giwanta, giwant
grenze Graff 1, 762;
mhd. gewande, anwande
ebenso; mhd. wb. 3, 686; gewann
stelle, wo der pflug sich wendet oben 4
I, 5319
ff.; mnd. wande
grenze zwischen zwei äckern oder häusern, as. giwand
ende; enteo ni wenteo
Wessobr. gebet; näheres oben 13, 1472
f. —
vielleicht gehören auch hierher wand
f., wenn es ursprünglich '
grenze'
bedeutet, und gewand
n., wenn es zu gewann
zu ziehen ist (
s. b). II@A@1@bb)
transitiver gebrauch; schon im ahd. und mhd. sehr vielseitig entwickelt mit den bedeutungen '
biegen, drehen, umwenden, schlingen, wickeln, ringen, auspressen, flechten, binden'
u. a. (
näheres unten),
deren zusammenhang mit der grundbedeutung noch meist leicht ersichtlich ist. aus solchem gebrauch sind wohl zu erklären wand f. (
ursprünglich wohl '
das geflochtene',
da noch meist '
holzwand'
im gegensatz zur steinernen mauer,
und da auch ein wand
n. '
gewebtes zeug'
nachweisbar, vgl. oben 13, 1472
f.; idg. forsch. 17, 139;
ferner ags. windan
twist, plait, weave Bosworth
a. a. o.; ags. winde '
korb'
; got. wandus;
engl. wand '
ruthe aus geflochtenen zweigen',
oben 13, 1472;
mhd. winde
f. '
zeltwand';
gewand n. '
das gewendete, umgebogene',
oben 4
I, 3, 5236;
idg. forsch. 14, 406
ff.; wandeln, v. '
hin- und herwenden',
oben 13, 1588. II@A@22)
in den glossarien für lat. (
con)
torquere, complicare, rotari Graff 1, 746;
colligere, plectere, nectere, conglobare, exprimere (
wäsche) 747;
girare, girgillare, fasciare, lapsare, plangere, volvere Diefenbach
gloss.; flectere Dentzler 353
b;
tergiversari (
für sich winden) 354
a;
ähnlich ahd. giwuntan
tortus, tortuosus Graff 1, 748. —
als synonyme finden sich in den alten wörterbüchern wickeln Alberus 57
b, binden 59
b; haspeln Duez
nomencl. 93;
für den reflexiven gebrauch sich ringen aus Faber
thesaur. 462
a; vil umbstend brauchen und umschweifende reden füren Frisius 65
a. —
gerne in stehenden verbindungen wie winden und biegen, w. und drehen, w. und wenden, w. und ringen, w. und binden
u. a. II@A@33)
den einblick in die bedeutungsentwicklung vervollständigen die alten composita wie er-, über-, unter-, verwinden,
die, wenn auch nur übertragen und bildlich, die grundbedeutung '
wenden'
treuer festgehalten haben als das stammwort, das seinen ältesten besitz vielfach an andere verben abgetreten hat (
vgl. unten C). II@BB.
bedeutungen im nhd. II@B@11) '
biegen, krümmen, verziehen': da wir der sachen redten und er (
Karlstadt) sein ding aufs aller sterkest zu verteidingen sich verhies, wand (
verzog) er das maul und schlug mir ein klipplin Luther 18, 89
Weim.; (
die Aar) sich wie ein fischangel windt Fischart
glückh. schiff v. 245; wenn man das gemeine recht kann winden und biegen Dähnhard
griech. dram. 2, 239; unmöglich ist's, dasz er (
der schild) sich bieg' und winde Gries
Bojardos verliebt. Roland 2, 150; der ölzweig windet sich zum kranz Körner 1, 111.
im part. perf.: auf einem gewundenen zettel (
steht der name) Adelung
mag. f. d. dt. spr. 2
IV, 110; durch gewundene thäler und triften Bürger 236
Bohtz; auf krumm gewundener reiterbahn Lenau
ged. (1857) 1, 274; zu regelmäszigen kurven gewundene hecken Schopenhauer
werke 1, 549.
besonders auch vom holz, vgl. 2windig
adj., windschief
adj.; engl. to wind
sich werfen; dän. schwed. vind
schief. II@B@22) '
um einen festen punct oder eine achse drehen, umwenden, rollen, wälzen'. II@B@2@aa)
transitiv. II@B@2@a@aα) '
drehen': so sie stets die fluogel winden (
auf- und zuschlagen) ..., soll wind anzeigen Aitinger
jagdb. 80; (
das bauholz) bringens mit heben, lüften ... winden und wenden ... den berg hinauf Agyrtas
grillenvertr. 26; nach ihren launen und grillen .. deine männlichkeit zu winden und zu drehen maler Müller 3, 92;
vgl. windfahne, -hals, -pflug
und vielleicht auch windbraue. —
bildlich mit tadelndem sinn: gewundene phrasen Göthe 15, 29
Weim.; antworten Schlosser
weltgesch. 13, 252; worte Freytag 17, 398; was reizend steht und sitzt und geht, ist hier gewunden und gedreht Göthe 16, 151
Weim.; ein schlechtes billet! so gewunden und gewandt Bouterwek
graf Donamar 2, 200;
von einer person: gewunden aber und zusammengedrängt wie jener ist er (
Isokrates) nicht
F. Schlegel 4, 178;
substantiviert: selbst der grosze kurfürst war in diesen künsten des windens und wendens, des schleichens und lauschens ... meister Gervinus
gesch. d. 19.
jh. 2, 527. II@B@2@a@bβ) '
rollen, wälzen'
; ahd. vom sand des fluszes Graff 1, 747: an vil wîʒen armen si die ermel want (
aufkrempeln)
Nibel. 427; den roc want er dô zu houf (
zusammen)
passional 609, 32
Köpke; das die kutten umb den hals so hart gewunden ist Luther 11, 384
Weim.; so mache ein blat (
kuchen) von eiern ..., so wint das blat zusamene und macheʒ naʒ
buch von guter speise 11. II@B@2@bb)
reflexiv. II@B@2@b@aα) '
sich verschieben. rutschen': den stegreif haben, daʒ sich der satel iht winde
schwabensp. s. 6
Wackernagel; '
ausweichen': da wand sich jener und mied das schwarze verhängnis Voss
Ilias 3, 360. II@B@2@b@bβ) '
sich zusammenrollen': (
wenn man sie fangen will) ziehen sie den rüssel sampt den füszen ... zuosamen und winden sich so rund in einander wie ein kugel Heyden
Plinius 189; das man ... das ... faule holz nicht abhauet ..., darum windt es sich in ein kneule Sebiz
feldb. 365; '
sich wälzen, rollen': und lauschet, wie die steinchen da im klaren bach sich artlich winden Morhof
unterr. v. d. dt. spr. 1, 783. II@B@2@b@gγ) '
sich drehen, wenden': als sich die thür windet in ihrem angel
bibel (1483) 304
a (
sprüche 26, 14); (
wie) nach solcher spur der magnet sich windet Neumark
t. palmb. 73; der achsen gleich bewandt, an deren angeln sich der ganze thierkreis windet Besser
schr. 1, 23; wo die augen Lyonets verblinden, sich noch räder (
sterne) winden Schiller 1, 281; die ausgefahrnen gleise, drinnen des colonisten rad sich wand Freiligrath 1, 233;
bildlich: (
ein christ) wolt herzlich gern der sünden los sein, er windet sich her, er keret sich dort hin, wie er im thut, so findet er zweierlei gesetz in im Luther 23, 457, 8
Weim.; ich mag mich drehn und winden, der undank bleibt mein lohn Günther 84; dasz sie sich ... um eine und dieselbe idee winden Herder 15, 398; soll der poet denn sich winden und richten nach euern schalen alltagsgeschichten? Lenz
ged. 173; andere gehen beständig auszer sich, wenn sie es ernstlich meinen; ... ich aber winde und wende mich in mir selbst Bode
Montaigne 4, 252. II@B@33)
eine sache bogen- oder kreisförmig um eine andere herumlegen, '
wickeln, schlingen'. II@B@3@aa) '
wickeln'
; vgl. windband, -schnur, winde
f. (
binde), windel
f., windeln
v. II@B@3@a@aα)
das object ist die sache, die man auf- oder abwickelt, z. b. binden, garn, seile: darum wind die zwo binden ... bis zuo dem verwundten tail Braunschweig
chirurg. 41
a; hilf mir winden garn und faden Wickram 4, 13; wem spannen und wanden sie (
die feen) nicht sein schicksal? Herder 23, 285; und an ewig gleicher spindel winden sich von selbst die monde auf und ab Schiller 11, 7;
mit zu ergänzendem object: die lâsen, die wunden (
garn) Iwein 228; eines spinnet, das ander windt, das dritt haspelt, das vierte spult H. Sachs 5, 252
Keller; das winden,
aufwinden der seide als vorbereitung zum weben Prechtl
enc. 1, 425.
meist mit zufügung des gegenstandes, um oder auf den etwas gewickelt wird: umbe daʒ houbet
altdt. myst. 2, 66
Pfeiffer; si hettend es (
das tuch) suss also umb sich gewunden Richental
chron. 85; mit breit hangedem haar, langlächtig on fleisz umbs haupt gwunden Boltz
Terenz 67
b; ein rund holz ..., die gesotten sailer darumb gewunden Fronsperger
kriegsb. 1, a 6
b; wind ein saubers tüchlin umb ein finger Gäbelkover
arzneib. 1, 142; (
daher die redensart: er wöll si als weich und zam machen, dasz man si umb ein finger mocht winden Tschudi
chron. Helv. 1, 235; Lohenstein
Arminius 2, 1031
a); (
ringlein) ihr garn und faden drauf zu winden W. Spangenberg
dicht. 44; auf papier Abr. a St. Clara
Judas 1, 261; auf rohrspulen Göthe 25, 118
Weim.; in einem knäuel gewunden Gottsched
beobacht. 157.
letzteres gerne bildlich mit verschiedenen vorstellungen: gottes gesetz und gebot .., so er (
Moses) allhie kürzlich zusamen gefasset und gleich als auf ein kleuel (
in handlicher form) gewunden ... hat Luther 28, 512
Weim.; wenn unser könige und fürsten ihre sachen die weil auf ein kleuel wünden (
zusammenlegten) 30
II, 147; got windet oder haspelt aller menschen missethat auf ein klüngeln (
aus langmuth) Franck
sprichw. 2, 64
b; die vielen verschränkten fäden auf einen knaul winden (
um sie zu entwirren) Göthe 24, 334
Weim. —
mit gegentheiliger vorstellung: (
ein Orpheus, der) opern-arien, wie zwirn vom knäuel wand Pfeffel
poet. vers. 10, 71. II@B@3@a@bβ)
das object ist die person oder sache, die man umwickelt. II@B@3@a@b@aaaa)
die person: Achilles wart gewunden mit rûher tiere belzen
troj.-krieg v. 6078
lit. ver.; wir funden es (
das kind) gewunden in windlen und gebunden Mone
schausp. d. mittelalt. 1, 169; ein mensch .., den ein mensch auf erden gebirt, seuget, windet und wartet Luther 37, 42
Weim.; vgl. fasciis involvere, (
ein kind) winden Chytraeus 84;
dafür später meist windeln
v. (
s. d.).
gewöhnlich mit angabe des gegenstandes, in den man gewickelt wird: si gebar iren ersten geborn sund und want in in tuoch
erste dt. bibel 1, 203;
ähnlich in sein windeln Rollenhagen
froschmeuseler n iii
b; in rain leinwat und pfulwen Fischart
trostb. 25
Hauffen; in blätter von den bäumen Butschky
Pathmos 51; in ein weiszes laken A. U. von Braunschweig
Octavia 2, 1036. —
bildlich im sinne von '
verwickeln': in seine netze Ayrenhoff 2, 31; in ein labyrinth Wieland 22, 69. —
in der verbindung: euch darein (
in die fahne) winden und wickeln Kirchhof
milit. disc. 74. II@B@3@a@b@bbbb)
die sache: das (
schwert) ist gewunden in ein mantel
erste dt. bibel 5, 95; lasz die nabelschnur damit (
mit dem tüchlein) winden Gäbelkover
arzneib. 2, 43. —
mit gegentheiliger vorstellung: dann aus des mantels falten dicht ein büblein windet sein gesicht Droste-Hülshoff 2, 30. II@B@3@a@gγ)
das object ist eine person oder sache, die man '
eingewickelt in etwas hineinlegt oder bettet': do woltent sü es (
das kind) nüt döten und wundent es in eine geheb (
feste, geräumige) lade
chron. d. dt. st. 8, 260; si legent hin den umbhang .. und windent in in die arch des gezeugs
erste dt. bibel 4, 13. II@B@3@bb) '
schlingen'
; ahd. vom halse des drachen oder der schlange Graff 1, 747,
vom brusttuch 748; umb seine kneü gewunden (
obvoluta genibus eius) Herold
Dictys (1554) 48. II@B@3@b@aα)
das object ist die sache, die man schlingt: neumal umgebe sie (
die kette) dir, locker gewunden, den hals Göthe 1, 269
Weim.; meist mit nennung eines zweiten gegenstandes: umb deines (
grab) hat Armin cypressen selbst gewunden Lohenstein
Arminius 1, e 3; so sei dieser eppichstrausz in dein weiszes haar gewunden P. Fleming
dt. ged. 1, 84; mit ihren um den kleinen kopf gewundenen .. zöpfen Gutzkow
zaub. v. Rom 1, 12; mit kreuzweise um die knöchel gewundenen bändern Keller 6, 20; ihre schönen arme um ihn windend Wieland
Agathon 1, 208;
übertragen: fahrwege wand der greise tyrann um steile zacken Kopisch (1856) 5, 62; es wand um den vater und blühenden sohn die treue noch heil'gere bande Kind
ged. 3, 61; wo die feen mit leichten füszen runde tänze winden Wieland 1, 402
akad.-ausg. reflexiv: sich umb einander winden (
von ästen)
Amadis 1, 45; um mastbaum und ruder sich winden (
von reben und epheu) S. Gesner
schr. 1, 126; ein kranz von rosen wand sich um ihre locken Wieland
Agathon 1, 191; wenn arm um arm und geist um geist sich windet Hölty (1869) 199; II@B@3@b@bβ)
das object ist die sache, die man durch umschlingen mit einer anderen schmückt: eure (
jungfern) ihre haare winden (
umwinden) mit dem gold und perlen pracht
Venusgärtlein 82
neudr.; drüm eilet und bindet die kränze, und windet sie zierlich mit gold Neumark
fortgepfl. m.-p. lustw. 1, 261. II@B@44) '
schlangenförmig hin- und herbewegen',
mit vielfacher übertragung. II@B@4@aa)
transitiv: (
die schlange) windt und ringlet ihren schwanz Spreng
Äneis 33
b; den ganzen leib er wand und regt, thet sich so krumb und seltsam biegen Fischart
Eulensp. v. 1832
Hauffen; ringen, geilen, die hend durch einander winden
Terenz (1499) xii
a (
glosse); wie sehr er (
der aal) sich mit seim selsamen krummen winden gedenkt auszuwinden Fischart
ehezuchtb. 263
Hauffen. — gewunden,
ahd. vom drachen oder weg Graff 1, 748: gewundene schleichwege Arndt
werke 1, 237; felsen Tieck
schr. 7, 228. II@B@4@bb)
häufiger reflexiv. II@B@4@b@aα)
im eigentlichen sinn: der Rein mocht dis kaum hören aus, da wund er umb das schiff sich kraus Fischart
glückh. schiff v. 280; ihr schlängelchen, die ihr umb unsern leib euch windet Rachel
ged. 139
neudr.; ein wurm sogar windet sich, wenn er getreten wird Gottsched
neuestes aus d. anm. gelehrs. 6, 312; und sah's mit kaltem blute, wie sich das fischlein wand Schubart
ged. 2, 114;
in vergleichen und paarungen: sich winden als ein âl
mhd. wb. 3, 678; sich schlingen und winden wie ein schlang Mathesius
Sarepta 16
b; sich rümpfen und w. gleich wie ein aal Schade
sat. 1, 114; als ein armer wurm
Felsenburg 168
neudr.; wurmartig Göthe 38, 270
Weim.; in schlangenlinien Raabe
hungerpastor 1, 196.
von lebhaften, unruhigen bewegungen auch der pferde, hunde: es sollen sich ihre rosz mit ganzem leibe haben wissen zuo regen und winden Heyden
Plinius 212;
ähnlich mhd. wb. 3, 678; da des die hund wurden gewar, da deten sie sich winden Montanus
schwankb. 493;
von ringenden, tanzenden, wimmelnden menschen: da wuste ich mich .. so artlich zu winden, zu krümmen und herumb zu lenken, dasz ihr gerade die büx vors angesicht kam Grimmelshausen 4, 555
Keller; die einen winden sich um einander herum und suchen einer dem andern ein bein zu unterschlagen Wieland
Lucian 4, 324; nach dem süszen geflüster der flöten ... sich winden Klinger
werke 6, 24; mit dem .. labyrinth ..., worin sich hier alles windet und dreht Forster 9, 9.
von bergen Olearius
verm. reisebeschr. 188;
flüssen Storm 5, 3;
schluchten Fouqué
bildersaal 1, 177;
pfaden Rückert
werke 2, 445;
einem zug Platen 1, 94
Hempel; den nebelstreifen Eichendorff 3 (1864), 445;
musicalischen begleitfiguren O. Jahn
Mozart 4, 418;
kriechenden sträuchern Allmers
marschenb. 1/2, 91. II@B@4@b@bβ)
als ausdruck und begleiterscheinung verschiedener körperlicher und seelischer zustände, gerne in verbindung mit synonymen; bei substantivierung meist ohne reflexivpronomen: (
er starb) ohn winden, krümpfen oder pein Kirchhof
wendunmuth 3, 81; II@B@4@b@b@aaaa)
vor allem als zeichen des schmerzes: das sehen wir wol an denen, die da sterben, wie si sich winden und krümmen Luther 10
III, 73
Weim.; der angst: so windet und dreht sich ein bube, der die ruthe seiner mutter fürchtet K. G. Lessing
mätresse 95
neudr.; der noth: mich im schuldwesen gewunden Schweinichen 279
Österley; der gewissensbisse: mich in ewiger unschuldiger schuld zu winden Göthe III 1, 9
Weim.; da wand der edelmann sich auf seinem stuhl wie ein angeklagter unter der folter Freytag 5, 53;
der verzweiflung: der missionär verzweifelt, krampfhaft windet sich sein tiefstes ich Platen 274;
des schmerzlichen ringens: was er auch bat und that mit schreien, ringen, winden Werder
ras. Roland 5; II@B@4@b@b@bbbb)
der verlegenheit, rathlosigkeit: wie geht der geist (
Karlstadt) hie auf eiern, wie ringet und windet er sich Luther 18, 198
Weim.;
ähnlich 26, 282;
vgl. auch oben I 3; wie du dich doch sichtlich windest .. und bedenken trägst es herauszusagen Schleiermacher
Platon 6, 213;
daher des suchens nach ausflüchten Frisius 65
a, Dentzler 354
a: Tschudi windet sich recht gewaltig, um diese schwierigkeiten zu heben Hahn
einleit. 2, 264; bei der antwort schien er sich etwas zu winden und zu drücken Hebbel
tageb. 1, 417; II@B@4@b@b@cccc)
der mühseligkeit: darumb muhen sie sich fast, ringen und winden sich, ... dasz nit not were, mich mit schriften anzutasten Luther 7, 638
Weim.; ähnlich 15, 394; wie jämmerlich sie sich winden und zerren muszten, um wieder einmal einen tropfen freude .. zu fühlen Lenz
schr. 3, 148; II@B@4@b@b@dddd)
des sträubens: wie sich die natur da gegen rumpfet, krummet und windet Luther 6, 272
Weim.; vergebens wand und sträubt' ich mich Böhme
volksth. lieder 516; II@B@4@b@b@eeee)
des sehnlichen verlangens: jener lorbeer wand sich einst um hülfe Schiller 6, 22;
ähnlich J. Paul (1826)
Hesp. 1, 274; Rückert
werke 1, 376; das winden der seele Droste-Hülshoff 3, 165; II@B@4@b@b@ffff)
der schmeichelei, der kriechenden, demüthigen gesinnung: seht doch die kleine schlange! sie weisz sich schön zu winden! Göthe 12, 279
Weim.; der sich mit bücklingen und schmeicheleien durch's leben windet Engel
schr. 12, 37; das deutsche volk schmieget und windet sich, als wäre es der hofmarschall Kalb Börne 6, 56; II@B@4@b@b@gggg)
der kraft- und muthlosigkeit: sich im staube winden Schiller 11, 21; am boden Gervinus
gesch. d. dt. dicht. 3, 487; II@B@4@b@b@hhhh)
vereinzelt auch angenehmer gefühle: sich in den weichen betten winden Gellert (1839) 1, 180; vor lachen Ebner-Eschenbach 4, 397. II@B@4@b@gγ)
als ausdruck der fortbewegung mit verschiedenen präpositionalverbindungen, adverbien u. dgl. II@B@4@b@g@aaaa) '
sich schnell hin und her oder durcheinander bewegen': Turenne, stets bemüht, sich hin und her zu winden, hätt uns nicht mehr gekost zu schlagen als zu finden Besser
schr. 1, 42; sieh, wie sie durcheinander in kühnen schlangen sich winden Schiller 11, 40; im windenden gedränge Tieck 4, 263. II@B@4@b@g@bbbb) '
sich mühsam durchschlängeln, schleichen, fortbewegen': durchs leben Gotter 1, 108; durch der meere strudel Kleist 3, 348; durch dieses labyrinth Tiedge
werke 1, 100; durch's examen Holtei 10, 42; durch ein gedrücktes dasein Immermann
Münchhausen 2 3, 16; zur liebsten Göthe 1, 326
Weim.; immer höher IV 4, 127; bergab Scheffel
Juniperus 105. II@B@4@b@g@cccc) '
sich mühsam lösen, losreiszen': daher hätte er sich gerne durch einen vergleich losz gewunden Lohenstein
Armin. 1, 901
a; aus der angst P. Gerhardt 222
Gödeke; aus meiner hand Lessing 1, 114; aus der ... lethargie Seume (1835) 182 (
spaz.); aus allen fesseln
Platen 85; aus den bedenken J.
Grimm kl. schr. 1, 386; —
besonders von dem zur welt kommenden kind: dasz er .. zum bad auslief wie er aus mutterleib gewunden Rollenhagen I 2, 16, 29; es wand ihr ein knäbchen sich weinend vom schoosz Bürger 62
a; seiner gebärerin ... vom herzen Herder 1, 398; —
in verbindungen wie: sich ... aus den mörwällen ... diser welt gewunden und gerungen (
haben) Fischart
trostb. 87
Hauffen; sich ausz der sachen nicht winden und reiszen mögen Mathesius
werke 3, 259. II@B@4@b@g@dddd) '
sich gewandt herumdrücken um etwas': so winden si sich de observatione jejuni[i] Zwingli
freih. d. sp. 19
neudr.; er windet sich um die wahre ursache herum Lessing 9, 61; um die lästige fessel Freytag 17, 183. II@B@55) '
spiral- oder schraubenförmig bewegen': durch sein inneres windet sich ein spiralförmiger gang Steffens
was ich erlebte 1, 331; ihre .. gehäuse winden sich ... spiralig im raume Peschel
völkerk. 19; eines schneckenförmig gewundenen ... körpers Göthe IV 31, 146;
schon ahd. von den ranken der gurke, vom stamm der eiche, von einer stiege, vom werg, von der wäsche Graff 1, 746
ff.; vgl. mhd. windinc
m. '
beinbinde',
nhd. winde
f. pflanze, windung
f., windlein, windel
n., gewinde
n. besonders zum zweck II@B@5@aa)
des festhaltens und aufsteigens an einer stütze; '
sich ranken, schlingen'
; meist reflexiv: die kleinen zwicklin, darmit sich die weinräben hefft ..., windend sich um das, so si fassend Frisius 183
b; ranken seind ... ein gesträuche, das sich windet und in die höhe ziehet Gueintz
rechtschr. 111; die kriechende und sich windende kräuter Hohberg
georg. 3, 474
b;
auch ohne reflexivpronomen, namentlich im part. praes., s. unten C 1: mit windenden reben ein rebstock Eschenburg
beispiels. 4, 127; mit windenden stengeln Schlechtendal
flora 4, 48; —
übertragen und ohne ausgeprägte vorstellung des umschlingens nur '
emporsteigen'
; so schon mhd. vom nebel, rauch, den splittern, in den luft, durch den luft,
mhd. wb. 3, 678: aus den hügeln liebender winden sich blumensträuche Grimm
mythol. 42, 689; durch sphären windet sich dein lauf Mereau
ged. 1, 32; sich aus allen deutschen herzen hell des dankes flamme wand Rückert
werke 1, 156; II@B@5@bb)
des festen zusammendrehens; mhd. sich winden alsam ein wit,
mhd. wb. 3, 678; '
durch drehen verfertigen': und stest du hie und windst ein wit Uhland
volksl. 145; darausz die alten ketzer ihre schnür und seiler pflegten zu winden und flechten Fischart
binenkorb 261
a; dein faden ist zu grob und viel zu derb gewunden Kästner
schr. 1, 163;
ebenso von der bogensehne Spreng
Ilias 210
a;
knitteln aus sacktüchern Immermann
Münchh. 23, 36;
im part. perf. ein gewundener strick Sandrub
kurzweil 86
neudr.; riemen Guarinonius
greuel d. verw. 1003; gewundenes stroh Hohberg
georg. 1, 424; heu Dürer
underricht z. bef. c ii
b;
infolge vergleichung mit einem strick auch: ein ... wunderbar gewundener strauch Eichendorff (1864) 3, 63; mit krauser, ... strickförmig gewundener oberfläche Humboldt
kosmos 4, 424. II@B@5@cc)
der verzierung: so du nun die seulen zwifach .. oder einfach winden wild Dürer
underweis. g iiii
e; ein ... ringlein ..., von gold, silber und kupfer sehr artig gewunden Mathesius
Sarepta 196
a; goltvar gewunden ist ir hâr Hätzlerin 55; wenn ich Tiliens seidne locken winde Brentano
schr. 2, 95;
daher ist gewunden
auch beiwort zu kegel Dürer
underweis. g 1
b; ketten
Züricher bibel (1531)
2. Mos. 28 c; kerzen
mhd. wb. 3, 678; wachs Chr. Reuter
Schelmuffsky 47; zucker
allg. haush.-lex. 1, 64
a (
auch gerstenzucker
ebd.; zuckerpenit Schmeller 2, 947); locken Scheffel
Ekkeh. 3; asiatischer ... bund (
turban) Ziegler
Banise 247; schnecken Drollinger
ged. 82; müschelchen (
des ohrs) Mörike 3, 72; band (
einer gemalten fahnenstange) Keller 3, 79;
auch '
mit gewundenen linien verziert': (
ein horn ist) mit kleinen linien gewunden wie ein Blasikerzen Herold-Forer
Gesners thierb. 37
b. II@B@5@dd)
des entwindens, losreiszens, lösens; vgl. auch sp. 292 cc;
mhd. ûʒ der hant, von der helle, hindenort
mhd. wb. 3, 678; die zungen ûʒ winden
ebd.: ich will ihm das gefänge kühnlich aus dem garne zu winden wissen Harsdörffer
gespr.-sp. 5, 347;
besonders in verbindungen wie: reich und macht dem kaiser aus der hand ... winden Lohenstein
Ibrahim sultan, Agrippa 25; das schlachtmesser aus der hand
Armin. 1, 78
a; das kriegsrecht aus der faust A. Gryphius
trauersp. 460
lit. ver.; das vermögen aus meiner hand Olearius
verm. reisebeschr., pers. baumg. 11; den zepter aus der hand Gottsched
dt. schaub. 3, 3; das heft aus den händen Herwegh
briefe 152; —
ohne vorstellung des gewaltsamen: der ringe, welche Hildebrand von seinem arm windet Scherer
lit. gesch. 29. II@B@5@ee)
des ausrenkens: (
sie) wand ihm den arm, dasz das schwert klirrend zu boden fiel Freytag
werke 8, 145.
auf diese vorstellung geht wohl auch zurück die alte verbindung die hände winden
d. h. '
krampfhaft in den gelenken bewegen, ringen'
; schon mhd. wb. 3, 677
f. öfter: si wand ihr hend Hätzlerin 2; der rabi wind sein hend H. Sachs 1, 172
Keller; .. o wie sie die hände wand Rückert
werke 12, 328; sie rangen und wanden die schneeweiszen hände Musäus
volksm. 1, 9; —
ähnlich die arme winden Hoffmannswaldau
begräbn.-ged. 24;
refl. A. v. Arnim 3, 170; — mit windender hant
Gudrun 3623,
vgl. Grimm
gr. 4, 65; mit gewunden henden Eberlin v. Günzburg 2, 105; mit gewundenen händen Lohenstein
Armin. 2, 902
a. II@B@5@ff)
des (
aus)
pressens; ahd. für exprimere Graff 1, 748; II@B@5@f@aα)
nasse tücher, kleider '
auswinden': und tröpflet plt, also das man ausz etlicher kleider pluot wande Franck
chron. Germ. 56
a; wann man solche ihre köstliche kleider nur ein wenig winden und pressen solte Albertinus
Lucifer 128; kurz darnach ward ich gewaschen, gewunden
Simpliciss. 517
Kögel; die wäsche winden Rädlein 1, 1064
a. II@B@5@f@bβ)
trauben pressen, '
keltern'
; mhd. Lexer 3, 900: kelterwin und under siner gnaden keltern zu winden Mone
z. f. g. d. Oberrh. 3, 262; wer auch wingarten hat in der mark zu Amorbach, der sal sinen win uff des closters keltern winden und duwen
oberrhein. stadtrechte 1, 218 (1359);
vgl. windhaus n. unter 3. II@B@5@gg)
der raumersparnis: gewundene treppe Heyse
nov. 1, 46; Schönermarck-Stüber
hochbaulex. 840. II@B@5@hh)
sonstiges: wer preist genug des mannes kluge hand, wenn er aus draht elast'sche federn wand Göthe 16, 136
Weim. federn von gewundnem stahle Gökingk 2, 71; — (
die schlangen) ergreifen ihn und ziehen ihn darnieder und winden (
bohren) ihren gift in jede nerve! Heinse
werke 2, 166;
vgl. ferner winden '
umwinden'
oben 3 b. II@B@66) '
drehend in einander verschlingen oder verflechten, binden'
; vgl. ahd. zisamene giwuntanaʒ Graff 1, 748. II@B@6@aa)
transitiv. II@B@6@a@aα)
von knoten, schlingen u. ä.: könig Wilhelm .. bindet und windet die segelseil
geschichtklitt. 293
neudr.; den knoten hat das schicksal selbst gewunden Wieland 22, 177; die früheren zustände .. hatten aber dies band fester gewunden J. Grimm
Reinh. Fuchs ii; fester wand der taumel seine schlingen Droste-Hülshoff 1, 62; II@B@6@a@bβ)
von blumen, kränzen u. ä.: (
wo sie) ihren Friederich zu krönen tausend reife blumen wand Neukirch
ged. 251; windet zum kranze die goldenen ähren Schiller 11, 292;
ähnlich 11, 377; ein mägdlein windet blüt' und klee Geibel 1, 91;
dann mit begriffsvertauschung: der ... von den musen gebundene und gewundene kranz Butschky
Pathmos 518;
ebenso kronen Neukirch
ged. 53; ketten Herder 25, 338; eine ehrenpforte A. v. Arnim 7, 299; sträuche (
sträusze) [K. Stieler]
geh. Venus 116
neudr.; Becker
mildheim. liederb. 108; die palme winden Hölty 67
Hahn; —
bildlich: wo dann die kunst alle reize des orts zu einem kranz gewunden hat Justi
Winckelmann 2
I, 16; II@B@6@a@gγ)
von den händen (
vgl. oben 5 e): nu schlahe ich min hende ob minem houpt zesamen, ich winde sú von leide in einander Suso
dt. schr. 280; die hände in einandern zu winden (
als bergmännischer grusz) Herttwig
bergbuch 55
b;
auch umb einander winden (
vor schmerz)
Amadis 1, 225; II@B@6@a@dδ)
von sonstigem: sennen oder aderen, die in einander gewunden seint Gersdorff
wundarzn. lxv 2
b; (
die artikel des glaubens) sind alle in einander gewunden und geschlossen wie eine gulden keten Luther 34
II, 384
Weim.; in einander gewundene kerzen Stifter 2, 224; — das winden der klingen,
beim fechten das wirbelartige drehen der feindlichen klinge, um den gegner zu ermüden Brockhaus
conv.-lex.; Schmeller 2, 947. II@B@6@bb)
reflexiv: der strît sich under einander want
Lohengrin 2725; so haben sich ... die zweige ... artig in einander gewunden Harsdörffer
secret. 1, d d v
b; so lange .. sich elend und verbrechen noch durch einander winden Pestalozzi 3, 376; (es windet) sich zu innigerm genusz arm in arm Kind
ged. 1, 260; dort musz der stoff sich bald zum knoten winden Pocci
komödienb. (1859) 218. II@B@77) '
mit hilfe einer winde
aufwärts- oder vorwärtsbewegen'
; erst frühnhd. abgeleitet von winde
f., zeitschr. f. dt. wortf. 1, 3; winden, mit einer winde schrauben oder heben Rädlein 1, 1064
a. II@B@7@aa) '
aufwärtsheben': 2
m. vor primegelt den schiffkindern, die den win us dem schiffe wunden Joachim
Marienb. treszlerb. 150 (
um 1400); lies der patroyn eicht anker inwinden, daran dat schiff gehefft was Harff 59, 38; in die höhe winden Göthe III 2, 104; (
tonnen) heraufzuwinden Heine 3, 29;
bildlich: gott bewahre uns für einem ernstlichen band, an dem sie mir die seele aus den gliedern winden würde Göthe IV 4, 299; das ist ein zauberisches winden und ziehen, das mir das herz aus dem leibe reiszt 13
II, 291
Weim.; (was) windet und schraubt mich ans zimmer und haus 1, 89
Weim.; als ob du dir ein vergnügen gemacht hättest, meine empfindungen zu einer solchen höhe zu winden Seume
nach Planer-Reiszmann
J. G. Seume, gesch. s. lebens 127. II@B@7@bb) '
aufwärts- und vorwärtsbewegen': sie danketen gott herzlich vor diese gnädige rettung, wunden das schadhafte schif aufs land Bucholtz
Herkulisk. 917;
substantiviert: (
als maszregel zum flottmachen) winden auf den anker
handelsgesetzb. § 853. II@B@7@cc)
mnd. auch '(
die armbrust)
spannen' Schiller-Lübben 5, 726. II@CC.
neuere einschränkung der bedeutung und des gebrauchs. II@C@11)
im 19.
jh. beschränkt sich die bedeutung von winden
mehr und mehr auf eine kreis-, spiral- oder schlangenförmige bewegung; für die älteren verwendungen sind die jeweils unter B
vermerkten sinnverwandten ausdrücke wenden (
dies schon im mhd. beginnend), biegen, drehen, krümmen, ringen, schlingen, wickeln
u. a. eingetreten, die jeweils nur eine oder einige seiten des bedeutungskreises von winden
darstellen; daher auch der unterschied von windung
und wendung;
besonders die umgangssprache kennt winden
nur noch in sehr beschränktem masze. II@C@22)
völlig verloren hat sich der intransitive gebrauch, höchstens abgesehen besonders von infinitiv und präsensparticip in der botanischen fachsprache: dasz die pflanzen derselben ordnung verschieden winden
unsere zeit n. f. 14
I, 747; windender strauch Oken
naturg. 3, 1030; stengel windend 3
II, 848; das winden der stengel um andere pflanzen Ratzeburg
standortgew. 85;
und sonst vereinzelt: dasz die züge rechts statt links winden
grenzboten 25
II, 258; durch windende thal Voss
Ilias 22, 190; in seiner windenden todesnoth Göthe 14, 226
Weim.; ein windender weg Hirschfeld
gartenk. 3, 185;
und im subst. infin.: mehr winden, streben, geduld Klinger
werke 9, 147. —
der transitive gebrauch beschränkt sich fast ganz auf objecte wie garn, eine binde, kränze, den körper,
und auch auf diese mehr in der schrift- als in der umgangssprache. —
dagegen hat sich der reflexive gebrauch vom 16.
jh. ständig und sehr mannigfaltig entwickelt, vgl. besonders B 4. II@DD.
zusammensetzungen: ab-, auf-, aus-, be-, durch-, ein-, empor-, ent-, er-, fort-, her-, hin und her-, heraus-, hervor-, hinauf-, hindurch-, hinein-, hoch-, los-, nieder-, über-, um-, umher-, unter-, ver-, vorbei-, zer-, zu-, zurück-, zusammenwinden.