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winden

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

winden

Bd. 30, Sp. 285
winden , st. v.; wand, wände, gewunden. II. herkunft und form. I@11) ahd wintan, mhd. winden, as. windan sich wenden, ags. windan, goth. bi-windan umwinden, an. vinda (vindr sich windend), ndl. winden, ndd. und vielfach md. winne(n), engl. wind, n. vinde, schwed. vinda (n. schwed. vind schief); frz. lehnwort guinder. — idg. wurzel wendh-, zu der auch gehören aind. vandhúram n., wagenkorb, umbr. ahavendu, avertito, abg. ąda f., fischhaken, vgl. Fick-Torp wb. 4 3, 390; Paul-Braune's beiträge 30, 268, idg. forsch. 16, 172ff.; gemeingermanische starke verbalwurzel wend-, wind-; dazu die bewirkungsform wenden, ferner wandeln, wandern, wand n., gewand n. Kluge; näheres dazu und zur grundbedeutung s. unten II A. I@22) ahd. wintu, want, wuntun, giwuntan; mhd. winde, want, wunden, conj. praet. wünde, gewunden; im frühnhd. noch häufig praet. wund Fischart glückh. schiff 280, H. Sachs 8, 492 Keller, auch noch später Zesen Sofonisbe 201; nebeneinander wand und wund Fischart geschichtklitt. 80 neudr.; plur. (sie) wunnen Cammerlander Sallust (1535) b 4a; discourse der mahlern 2, 133; Gottsched sprachk. 114; aber auch immer noch wand, so z. b. bei Franck chron. Germ. 208a; H. Sachs 21, 181; lied v. hürn. Seyfr. 35 neudr.; nach Gottsched a. a. o. 285 besser als wund; vereinzelt windete Lindenborn Diogenes (1742) 2, 309. — im präsens du windest, er windet schon bei Gottsched a. a. o.; aber noch du windst, er windt bei Braun orth.-gr. wb. (1793) 307a. I@33) mitteld. nebenform wingen Wrede anz. f. dt. altert. 19, 103; Behaghel gesch. d. dt. spr.3 184: die verstockten mügen sich drehen und wenden, ringen und wingen Luther 7, 34 Jena; und winge das duch um din heubt Alsfelder passionssp. 20, v. 688; vgl. auch windelbohrer. I@44) ableitungen: winde, windel, windeln, winder, winderich, 2 windig 'gewunden', windlein, windling, (über-) windlings, windung, gewinde, wund n., wind-schaffen, -schief; sonst vgl. unter A II 1. I@55) wechselbeziehungen zwischen winden st. v. einerseits und winnen 'sich abarbeiten, aufgeregt sein', winde f. 'schmerz' andrerseits finden sich schon frühe ein, veranlaszt durch lautliche an- und gleichklänge (md. ndd. winnen 'winden') und verwandte bedeutung (vgl. sich winden vor schmerzen und lat. tormina zu torquere, oben 14I, 45); so schon bei ahd. ubar-, untarwintan Graff 1, 751; ebenso bei mhd. über-, underwinden mhd. wb. 3, 680; mhd. widerwint m. 'gegner' Schmeller 2, 949; winden und waden ebd.; mhd. winne, winde f., wint m. 'schmerz' Lexer; windig adj., 'toll' aus winnig, s. d.; erwinden 'bei aller anstrengung nichts ausrichten' Stalder 2, 453. IIII. bedeutung und gebrauch. II@AA. bedeutungsentwicklung, ahd. und mhd. eigenthümlichkeiten, verwandtschaft, synonyme. II@A@11) die grundbedeutung ist 'biegen, drehen, wenden'. je nach der genaueren art dieser bewegungen (in bogen-, kreis-, schnecken-, schlangenwindungen) oder ihrem zweck (veränderung der form oder lage, einwickeln, aufwickeln, befestigen, trennen, sammeln, schmücken, auspressen, ineinander verflechten, binden u. a.) ergibt sich die möglichkeit reicher entfaltung der grundbedeutung; desgleichen führen die verschiedenheiten des intransitiven, transitiven und reflexiven gebrauchs zu mancherlei sonderverwendungen. II@A@1@aa) intransitiver gebrauch; 'sich drehen oder wenden', II@A@1@a@aα) um sich in einer bestimmten richtung in bewegung zu setzen, daher meist mit einer richtungsangabe, besonders einer partikel: ahd. tho iʒ zi dage want (sich wandte) Graff 1, 747; zu ze iro (sunnun) wundene (gerichtete) stellas, ebd.; mhd. einen ane winden 'sich wenden gegen, einen angreifen' mhd. wb. 3, 677; Lexer; vgl. ags. windan fly, leap, start, spring, wheel Bosworth 1231f.; engl. a ship winds to (steuert). die vorstellung des drehens kann dabei völlig zurücktreten und winden (wie nhd. sich wenden gegen) ein ganz allgemeiner ausdruck des fortbewegens werden, wie schon die obigen be lege zeigen. im übertragenen gebrauch entwickelt sich die bedeutung 'sich wenden gegen, sich nähern' zu 'angehen, nahestehen', vgl. nhd. verwandt; so mhd.: die in an wunden unde im guotes gunden Erec 2993; die schildes ambet ane want Parzival 280, 21; weitere belege mhd. wb. 3, 677. II@A@1@a@bβ) um der angefangenen bewegung eine andere, meist entgegengesetzte richtung zu geben; daher die bedeutung 'umkehren': siu wuntun mit grôʒen angustin Graff 1, 747; meist mit erklärendem zusatz: heim wintan, widar (-ort) wintan reverti, arwintan ebd.; vgl. mhd. wende f. und widerwant m., 'umkehr' mhd. wb. 3, 686, Lexer; hierher auch wandern 'auf beschränktem raum hin- und hergehen' oben 13, 1663. — tritt die vorstellung der wendung oder überhaupt einer bewegung zurück, so wird 'umkehren' zu 'aufhören, halt machen, reichen bis', gerne mit an + dativ: daʒ sper im în zem rachen brach unt innen an dem herzen want (stillstand) Tristan 8983; ein wüllin röckelîn kurz unt daʒ mê dann einer hant ob ir enkelînen want (aufhören, reichen) 15664; weiteres mhd. wb. 3, 677; an die stat, da unsers herrn gericht windet (aufhört) weisth. 3, 361 (Hessen 1341); ein starken liechtzun mit blanken zu machen alsz der zwinger windet bis zum diepthurn reiszbuch (der Kurpfalz) 1504, 65 Weech; zuo Rom sein gwalt hatt end und windt Hutten clag und vorman. v. 1334; vgl. hierzu ahd. anawanta versura, giwanta, giwant grenze Graff 1, 762; mhd. gewande, anwande ebenso; mhd. wb. 3, 686; gewann stelle, wo der pflug sich wendet oben 4I, 5319 ff.; mnd. wande grenze zwischen zwei äckern oder häusern, as. giwand ende; enteo ni wenteo Wessobr. gebet; näheres oben 13, 1472f.vielleicht gehören auch hierher wand f., wenn es ursprünglich 'grenze' bedeutet, und gewand n., wenn es zu gewann zu ziehen ist (s. b). II@A@1@bb) transitiver gebrauch; schon im ahd. und mhd. sehr vielseitig entwickelt mit den bedeutungen 'biegen, drehen, umwenden, schlingen, wickeln, ringen, auspressen, flechten, binden' u. a. (näheres unten), deren zusammenhang mit der grundbedeutung noch meist leicht ersichtlich ist. aus solchem gebrauch sind wohl zu erklären wand f. (ursprünglich wohl 'das geflochtene', da noch meist 'holzwand' im gegensatz zur steinernen mauer, und da auch ein wand n. 'gewebtes zeug' nachweisbar, vgl. oben 13, 1472f.; idg. forsch. 17, 139; ferner ags. windan twist, plait, weave Bosworth a. a. o.; ags. winde 'korb'; got. wandus; engl. wand 'ruthe aus geflochtenen zweigen', oben 13, 1472; mhd. winde f. 'zeltwand'; gewand n. 'das gewendete, umgebogene', oben 4I, 3, 5236; idg. forsch. 14, 406ff.; wandeln, v. 'hin- und herwenden', oben 13, 1588. II@A@22) in den glossarien für lat. (con)torquere, complicare, rotari Graff 1, 746; colligere, plectere, nectere, conglobare, exprimere (wäsche) 747; girare, girgillare, fasciare, lapsare, plangere, volvere Diefenbach gloss.; flectere Dentzler 353b; tergiversari (für sich winden) 354a; ähnlich ahd. giwuntan tortus, tortuosus Graff 1, 748. — als synonyme finden sich in den alten wörterbüchern wickeln Alberus 57b, binden 59b; haspeln Duez nomencl. 93; für den reflexiven gebrauch sich ringen aus Faber thesaur. 462a; vil umbstend brauchen und umschweifende reden füren Frisius 65a. — gerne in stehenden verbindungen wie winden und biegen, w. und drehen, w. und wenden, w. und ringen, w. und binden u. a. II@A@33) den einblick in die bedeutungsentwicklung vervollständigen die alten composita wie er-, über-, unter-, verwinden, die, wenn auch nur übertragen und bildlich, die grundbedeutung 'wenden' treuer festgehalten haben als das stammwort, das seinen ältesten besitz vielfach an andere verben abgetreten hat (vgl. unten C). II@BB. bedeutungen im nhd. II@B@11) 'biegen, krümmen, verziehen': da wir der sachen redten und er (Karlstadt) sein ding aufs aller sterkest zu verteidingen sich verhies, wand (verzog) er das maul und schlug mir ein klipplin Luther 18, 89 Weim.; (die Aar) sich wie ein fischangel windt Fischart glückh. schiff v. 245; wenn man das gemeine recht kann winden und biegen Dähnhard griech. dram. 2, 239; unmöglich ist's, dasz er (der schild) sich bieg' und winde Gries Bojardos verliebt. Roland 2, 150; der ölzweig windet sich zum kranz Körner 1, 111. im part. perf.: auf einem gewundenen zettel (steht der name) Adelung mag. f. d. dt. spr. 2IV, 110; durch gewundene thäler und triften Bürger 236 Bohtz; auf krumm gewundener reiterbahn Lenau ged. (1857) 1, 274; zu regelmäszigen kurven gewundene hecken Schopenhauer werke 1, 549. besonders auch vom holz, vgl. 2windig adj., windschief adj.; engl. to wind sich werfen;n. schwed. vind schief. II@B@22) 'um einen festen punct oder eine achse drehen, umwenden, rollen, wälzen'. II@B@2@aa) transitiv. II@B@2@a@aα) 'drehen': so sie stets die fluogel winden (auf- und zuschlagen) ..., soll wind anzeigen Aitinger jagdb. 80; (das bauholz) bringens mit heben, lüften ... winden und wenden ... den berg hinauf Agyrtas grillenvertr. 26; nach ihren launen und grillen .. deine männlichkeit zu winden und zu drehen maler Müller 3, 92; vgl. windfahne, -hals, -pflug und vielleicht auch windbraue. — bildlich mit tadelndem sinn: gewundene phrasen Göthe 15, 29 Weim.; antworten Schlosser weltgesch. 13, 252; worte Freytag 17, 398; was reizend steht und sitzt und geht, ist hier gewunden und gedreht Göthe 16, 151 Weim.; ein schlechtes billet! so gewunden und gewandt Bouterwek graf Donamar 2, 200; von einer person: gewunden aber und zusammengedrängt wie jener ist er (Isokrates) nicht F. Schlegel 4, 178; substantiviert: selbst der grosze kurfürst war in diesen künsten des windens und wendens, des schleichens und lauschens ... meister Gervinus gesch. d. 19. jh. 2, 527. II@B@2@a@bβ) 'rollen, wälzen'; ahd. vom sand des fluszes Graff 1, 747: an vil wîʒen armen si die ermel want (aufkrempeln) Nibel. 427; den roc want er dô zu houf (zusammen) passional 609, 32 Köpke; das die kutten umb den hals so hart gewunden ist Luther 11, 384 Weim.; so mache ein blat (kuchen) von eiern ..., so wint das blat zusamene und macheʒ naʒ buch von guter speise 11. II@B@2@bb) reflexiv. II@B@2@b@aα) 'sich verschieben. rutschen': den stegreif haben, daʒ sich der satel iht winde schwabensp. s. 6 Wackernagel; 'ausweichen': da wand sich jener und mied das schwarze verhängnis Voss Ilias 3, 360. II@B@2@b@bβ) 'sich zusammenrollen': (wenn man sie fangen will) ziehen sie den rüssel sampt den füszen ... zuosamen und winden sich so rund in einander wie ein kugel Heyden Plinius 189; das man ... das ... faule holz nicht abhauet ..., darum windt es sich in ein kneule Sebiz feldb. 365; 'sich wälzen, rollen': und lauschet, wie die steinchen da im klaren bach sich artlich winden Morhof unterr. v. d. dt. spr. 1, 783. II@B@2@b@gγ) 'sich drehen, wenden': als sich die thür windet in ihrem angel bibel (1483) 304a (sprüche 26, 14); (wie) nach solcher spur der magnet sich windet Neumark t. palmb. 73; der achsen gleich bewandt, an deren angeln sich der ganze thierkreis windet Besser schr. 1, 23; wo die augen Lyonets verblinden, sich noch räder (sterne) winden Schiller 1, 281; die ausgefahrnen gleise, drinnen des colonisten rad sich wand Freiligrath 1, 233; bildlich: (ein christ) wolt herzlich gern der sünden los sein, er windet sich her, er keret sich dort hin, wie er im thut, so findet er zweierlei gesetz in im Luther 23, 457, 8 Weim.; ich mag mich drehn und winden, der undank bleibt mein lohn Günther 84; dasz sie sich ... um eine und dieselbe idee winden Herder 15, 398; soll der poet denn sich winden und richten nach euern schalen alltagsgeschichten? Lenz ged. 173; andere gehen beständig auszer sich, wenn sie es ernstlich meinen; ... ich aber winde und wende mich in mir selbst Bode Montaigne 4, 252. II@B@33) eine sache bogen- oder kreisförmig um eine andere herumlegen, 'wickeln, schlingen'. II@B@3@aa) 'wickeln'; vgl. windband, -schnur, winde f. (binde), windel f., windeln v. II@B@3@a@aα) das object ist die sache, die man auf- oder abwickelt, z. b. binden, garn, seile: darum wind die zwo binden ... bis zuo dem verwundten tail Braunschweig chirurg. 41a; hilf mir winden garn und faden Wickram 4, 13; wem spannen und wanden sie (die feen) nicht sein schicksal? Herder 23, 285; und an ewig gleicher spindel winden sich von selbst die monde auf und ab Schiller 11, 7; mit zu ergänzendem object: die lâsen, die wunden (garn) Iwein 228; eines spinnet, das ander windt, das dritt haspelt, das vierte spult H. Sachs 5, 252 Keller; das winden, aufwinden der seide als vorbereitung zum weben Prechtl enc. 1, 425. meist mit zufügung des gegenstandes, um oder auf den etwas gewickelt wird: umbe daʒ houbet altdt. myst. 2, 66 Pfeiffer; si hettend es (das tuch) suss also umb sich gewunden Richental chron. 85; mit breit hangedem haar, langlächtig on fleisz umbs haupt gwunden Boltz Terenz 67b; ein rund holz ..., die gesotten sailer darumb gewunden Fronsperger kriegsb. 1, a 6b; wind ein saubers tüchlin umb ein finger Gäbelkover arzneib. 1, 142; (daher die redensart: er wöll si als weich und zam machen, dasz man si umb ein finger mocht winden Tschudi chron. Helv. 1, 235; Lohenstein Arminius 2, 1031a); (ringlein) ihr garn und faden drauf zu winden W. Spangenberg dicht. 44; auf papier Abr. a St. Clara Judas 1, 261; auf rohrspulen Göthe 25, 118 Weim.; in einem knäuel gewunden Gottsched beobacht. 157. letzteres gerne bildlich mit verschiedenen vorstellungen: gottes gesetz und gebot .., so er (Moses) allhie kürzlich zusamen gefasset und gleich als auf ein kleuel (in handlicher form) gewunden ... hat Luther 28, 512 Weim.; wenn unser könige und fürsten ihre sachen die weil auf ein kleuel wünden (zusammenlegten) 30II, 147; got windet oder haspelt aller menschen missethat auf ein klüngeln (aus langmuth) Franck sprichw. 2, 64b; die vielen verschränkten fäden auf einen knaul winden (um sie zu entwirren) Göthe 24, 334 Weim.mit gegentheiliger vorstellung: (ein Orpheus, der) opern-arien, wie zwirn vom knäuel wand Pfeffel poet. vers. 10, 71. II@B@3@a@bβ) das object ist die person oder sache, die man umwickelt. II@B@3@a@b@aaaa) die person: Achilles wart gewunden mit rûher tiere belzen troj.-krieg v. 6078 lit. ver.; wir funden es (das kind) gewunden in windlen und gebunden Mone schausp. d. mittelalt. 1, 169; ein mensch .., den ein mensch auf erden gebirt, seuget, windet und wartet Luther 37, 42 Weim.; vgl. fasciis involvere, (ein kind) winden Chytraeus 84; dafür später meist windeln v. (s. d.). gewöhnlich mit angabe des gegenstandes, in den man gewickelt wird: si gebar iren ersten geborn sund und want in in tuoch erste dt. bibel 1, 203; ähnlich in sein windeln Rollenhagen froschmeuseler n iiib; in rain leinwat und pfulwen Fischart trostb. 25 Hauffen; in blätter von den bäumen Butschky Pathmos 51; in ein weiszes laken A. U. von Braunschweig Octavia 2, 1036. — bildlich im sinne von 'verwickeln': in seine netze Ayrenhoff 2, 31; in ein labyrinth Wieland 22, 69. — in der verbindung: euch darein (in die fahne) winden und wickeln Kirchhof milit. disc. 74. II@B@3@a@b@bbbb) die sache: das (schwert) ist gewunden in ein mantel erste dt. bibel 5, 95; lasz die nabelschnur damit (mit dem tüchlein) winden Gäbelkover arzneib. 2, 43. — mit gegentheiliger vorstellung: dann aus des mantels falten dicht ein büblein windet sein gesicht Droste-Hülshoff 2, 30. II@B@3@a@gγ) das object ist eine person oder sache, die man 'eingewickelt in etwas hineinlegt oder bettet': do woltent sü es (das kind) nüt döten und wundent es in eine geheb (feste, geräumige) lade chron. d. dt. st. 8, 260; si legent hin den umbhang .. und windent in in die arch des gezeugs erste dt. bibel 4, 13. II@B@3@bb) 'schlingen'; ahd. vom halse des drachen oder der schlange Graff 1, 747, vom brusttuch 748; umb seine kneü gewunden (obvoluta genibus eius) Herold Dictys (1554) 48. II@B@3@b@aα) das object ist die sache, die man schlingt: neumal umgebe sie (die kette) dir, locker gewunden, den hals Göthe 1, 269 Weim.; meist mit nennung eines zweiten gegenstandes: umb deines (grab) hat Armin cypressen selbst gewunden Lohenstein Arminius 1, e 3; so sei dieser eppichstrausz in dein weiszes haar gewunden P. Fleming dt. ged. 1, 84; mit ihren um den kleinen kopf gewundenen .. zöpfen Gutzkow zaub. v. Rom 1, 12; mit kreuzweise um die knöchel gewundenen bändern Keller 6, 20; ihre schönen arme um ihn windend Wieland Agathon 1, 208; übertragen: fahrwege wand der greise tyrann um steile zacken Kopisch (1856) 5, 62; es wand um den vater und blühenden sohn die treue noch heil'gere bande Kind ged. 3, 61; wo die feen mit leichten füszen runde tänze winden Wieland 1, 402 akad.-ausg. reflexiv: sich umb einander winden (von ästen) Amadis 1, 45; um mastbaum und ruder sich winden (von reben und epheu) S. Gesner schr. 1, 126; ein kranz von rosen wand sich um ihre locken Wieland Agathon 1, 191; wenn arm um arm und geist um geist sich windet Hölty (1869) 199; II@B@3@b@bβ) das object ist die sache, die man durch umschlingen mit einer anderen schmückt: eure (jungfern) ihre haare winden (umwinden) mit dem gold und perlen pracht Venusgärtlein 82 neudr.; drüm eilet und bindet die kränze, und windet sie zierlich mit gold Neumark fortgepfl. m.-p. lustw. 1, 261. II@B@44) 'schlangenförmig hin- und herbewegen', mit vielfacher übertragung. II@B@4@aa) transitiv: (die schlange) windt und ringlet ihren schwanz Spreng Äneis 33b; den ganzen leib er wand und regt, thet sich so krumb und seltsam biegen Fischart Eulensp. v. 1832 Hauffen; ringen, geilen, die hend durch einander winden Terenz (1499) xiia (glosse); wie sehr er (der aal) sich mit seim selsamen krummen winden gedenkt auszuwinden Fischart ehezuchtb. 263 Hauffen. — gewunden, ahd. vom drachen oder weg Graff 1, 748: gewundene schleichwege Arndt werke 1, 237; felsen Tieck schr. 7, 228. II@B@4@bb) häufiger reflexiv. II@B@4@b@aα) im eigentlichen sinn: der Rein mocht dis kaum hören aus, da wund er umb das schiff sich kraus Fischart glückh. schiff v. 280; ihr schlängelchen, die ihr umb unsern leib euch windet Rachel ged. 139 neudr.; ein wurm sogar windet sich, wenn er getreten wird Gottsched neuestes aus d. anm. gelehrs. 6, 312; und sah's mit kaltem blute, wie sich das fischlein wand Schubart ged. 2, 114; in vergleichen und paarungen: sich winden als ein âl mhd. wb. 3, 678; sich schlingen und winden wie ein schlang Mathesius Sarepta 16b; sich rümpfen und w. gleich wie ein aal Schade sat. 1, 114; als ein armer wurm Felsenburg 168 neudr.; wurmartig Göthe 38, 270 Weim.; in schlangenlinien Raabe hungerpastor 1, 196. von lebhaften, unruhigen bewegungen auch der pferde, hunde: es sollen sich ihre rosz mit ganzem leibe haben wissen zuo regen und winden Heyden Plinius 212; ähnlich mhd. wb. 3, 678; da des die hund wurden gewar, da deten sie sich winden Montanus schwankb. 493; von ringenden, tanzenden, wimmelnden menschen: da wuste ich mich .. so artlich zu winden, zu krümmen und herumb zu lenken, dasz ihr gerade die büx vors angesicht kam Grimmelshausen 4, 555 Keller; die einen winden sich um einander herum und suchen einer dem andern ein bein zu unterschlagen Wieland Lucian 4, 324; nach dem süszen geflüster der flöten ... sich winden Klinger werke 6, 24; mit dem .. labyrinth ..., worin sich hier alles windet und dreht Forster 9, 9. von bergen Olearius verm. reisebeschr. 188; flüssen Storm 5, 3; schluchten Fouqué bildersaal 1, 177; pfaden Rückert werke 2, 445; einem zug Platen 1, 94 Hempel; den nebelstreifen Eichendorff 3 (1864), 445; musicalischen begleitfiguren O. Jahn Mozart 4, 418; kriechenden sträuchern Allmers marschenb. 1/2, 91. II@B@4@b@bβ) als ausdruck und begleiterscheinung verschiedener körperlicher und seelischer zustände, gerne in verbindung mit synonymen; bei substantivierung meist ohne reflexivpronomen: (er starb) ohn winden, krümpfen oder pein Kirchhof wendunmuth 3, 81; II@B@4@b@b@aaaa) vor allem als zeichen des schmerzes: das sehen wir wol an denen, die da sterben, wie si sich winden und krümmen Luther 10III, 73 Weim.; der angst: so windet und dreht sich ein bube, der die ruthe seiner mutter fürchtet K. G. Lessing mätresse 95 neudr.; der noth: mich im schuldwesen gewunden Schweinichen 279 Österley; der gewissensbisse: mich in ewiger unschuldiger schuld zu winden Göthe III 1, 9 Weim.; da wand der edelmann sich auf seinem stuhl wie ein angeklagter unter der folter Freytag 5, 53; der verzweiflung: der missionär verzweifelt, krampfhaft windet sich sein tiefstes ich Platen 274; des schmerzlichen ringens: was er auch bat und that mit schreien, ringen, winden Werder ras. Roland 5; II@B@4@b@b@bbbb) der verlegenheit, rathlosigkeit: wie geht der geist (Karlstadt) hie auf eiern, wie ringet und windet er sich Luther 18, 198 Weim.; ähnlich 26, 282; vgl. auch oben I 3; wie du dich doch sichtlich windest .. und bedenken trägst es herauszusagen Schleiermacher Platon 6, 213; daher des suchens nach ausflüchten Frisius 65a, Dentzler 354a: Tschudi windet sich recht gewaltig, um diese schwierigkeiten zu heben Hahn einleit. 2, 264; bei der antwort schien er sich etwas zu winden und zu drücken Hebbel tageb. 1, 417; II@B@4@b@b@cccc) der mühseligkeit: darumb muhen sie sich fast, ringen und winden sich, ... dasz nit not were, mich mit schriften anzutasten Luther 7, 638 Weim.; ähnlich 15, 394; wie jämmerlich sie sich winden und zerren muszten, um wieder einmal einen tropfen freude .. zu fühlen Lenz schr. 3, 148; II@B@4@b@b@dddd) des sträubens: wie sich die natur da gegen rumpfet, krummet und windet Luther 6, 272 Weim.; vergebens wand und sträubt' ich mich Böhme volksth. lieder 516; II@B@4@b@b@eeee) des sehnlichen verlangens: jener lorbeer wand sich einst um hülfe Schiller 6, 22; ähnlich J. Paul (1826) Hesp. 1, 274; Rückert werke 1, 376; das winden der seele Droste-Hülshoff 3, 165; II@B@4@b@b@ffff) der schmeichelei, der kriechenden, demüthigen gesinnung: seht doch die kleine schlange! sie weisz sich schön zu winden! Göthe 12, 279 Weim.; der sich mit bücklingen und schmeicheleien durch's leben windet Engel schr. 12, 37; das deutsche volk schmieget und windet sich, als wäre es der hofmarschall Kalb Börne 6, 56; II@B@4@b@b@gggg) der kraft- und muthlosigkeit: sich im staube winden Schiller 11, 21; am boden Gervinus gesch. d. dt. dicht. 3, 487; II@B@4@b@b@hhhh) vereinzelt auch angenehmer gefühle: sich in den weichen betten winden Gellert (1839) 1, 180; vor lachen Ebner-Eschenbach 4, 397. II@B@4@b@gγ) als ausdruck der fortbewegung mit verschiedenen präpositionalverbindungen, adverbien u. dgl. II@B@4@b@g@aaaa) 'sich schnell hin und her oder durcheinander bewegen': Turenne, stets bemüht, sich hin und her zu winden, hätt uns nicht mehr gekost zu schlagen als zu finden Besser schr. 1, 42; sieh, wie sie durcheinander in kühnen schlangen sich winden Schiller 11, 40; im windenden gedränge Tieck 4, 263. II@B@4@b@g@bbbb) 'sich mühsam durchschlängeln, schleichen, fortbewegen': durchs leben Gotter 1, 108; durch der meere strudel Kleist 3, 348; durch dieses labyrinth Tiedge werke 1, 100; durch's examen Holtei 10, 42; durch ein gedrücktes dasein Immermann Münchhausen 2 3, 16; zur liebsten Göthe 1, 326 Weim.; immer höher IV 4, 127; bergab Scheffel Juniperus 105. II@B@4@b@g@cccc) 'sich mühsam lösen, losreiszen': daher hätte er sich gerne durch einen vergleich losz gewunden Lohenstein Armin. 1, 901a; aus der angst P. Gerhardt 222 Gödeke; aus meiner hand Lessing 1, 114; aus der ... lethargie Seume (1835) 182 (spaz.); aus allen fesseln Platen 85; aus den bedenken J. Grimm kl. schr. 1, 386; — besonders von dem zur welt kommenden kind: dasz er .. zum bad auslief wie er aus mutterleib gewunden Rollenhagen I 2, 16, 29; es wand ihr ein knäbchen sich weinend vom schoosz Bürger 62a; seiner gebärerin ... vom herzen Herder 1, 398; — in verbindungen wie: sich ... aus den mörwällen ... diser welt gewunden und gerungen (haben) Fischart trostb. 87 Hauffen; sich ausz der sachen nicht winden und reiszen mögen Mathesius werke 3, 259. II@B@4@b@g@dddd) 'sich gewandt herumdrücken um etwas': so winden si sich de observatione jejuni[i] Zwingli freih. d. sp. 19 neudr.; er windet sich um die wahre ursache herum Lessing 9, 61; um die lästige fessel Freytag 17, 183. II@B@55) 'spiral- oder schraubenförmig bewegen': durch sein inneres windet sich ein spiralförmiger gang Steffens was ich erlebte 1, 331; ihre .. gehäuse winden sich ... spiralig im raume Peschel völkerk. 19; eines schneckenförmig gewundenen ... körpers Göthe IV 31, 146; schon ahd. von den ranken der gurke, vom stamm der eiche, von einer stiege, vom werg, von der wäsche Graff 1, 746 ff.; vgl. mhd. windinc m. 'beinbinde', nhd. winde f. pflanze, windung f., windlein, windel n., gewinde n. besonders zum zweck II@B@5@aa) des festhaltens und aufsteigens an einer stütze; 'sich ranken, schlingen'; meist reflexiv: die kleinen zwicklin, darmit sich die weinräben hefft ..., windend sich um das, so si fassend Frisius 183b; ranken seind ... ein gesträuche, das sich windet und in die höhe ziehet Gueintz rechtschr. 111; die kriechende und sich windende kräuter Hohberg georg. 3, 474b; auch ohne reflexivpronomen, namentlich im part. praes., s. unten C 1: mit windenden reben ein rebstock Eschenburg beispiels. 4, 127; mit windenden stengeln Schlechtendal flora 4, 48; — übertragen und ohne ausgeprägte vorstellung des umschlingens nur 'emporsteigen'; so schon mhd. vom nebel, rauch, den splittern, in den luft, durch den luft, mhd. wb. 3, 678: aus den hügeln liebender winden sich blumensträuche Grimm mythol. 42, 689; durch sphären windet sich dein lauf Mereau ged. 1, 32; sich aus allen deutschen herzen hell des dankes flamme wand Rückert werke 1, 156; II@B@5@bb) des festen zusammendrehens; mhd. sich winden alsam ein wit, mhd. wb. 3, 678; 'durch drehen verfertigen': und stest du hie und windst ein wit Uhland volksl. 145; darausz die alten ketzer ihre schnür und seiler pflegten zu winden und flechten Fischart binenkorb 261a; dein faden ist zu grob und viel zu derb gewunden Kästner schr. 1, 163; ebenso von der bogensehne Spreng Ilias 210a; knitteln aus sacktüchern Immermann Münchh. 23, 36; im part. perf. ein gewundener strick Sandrub kurzweil 86 neudr.; riemen Guarinonius greuel d. verw. 1003; gewundenes stroh Hohberg georg. 1, 424; heu Dürer underricht z. bef. c iib; infolge vergleichung mit einem strick auch: ein ... wunderbar gewundener strauch Eichendorff (1864) 3, 63; mit krauser, ... strickförmig gewundener oberfläche Humboldt kosmos 4, 424. II@B@5@cc) der verzierung: so du nun die seulen zwifach .. oder einfach winden wild Dürer underweis. g iiiie; ein ... ringlein ..., von gold, silber und kupfer sehr artig gewunden Mathesius Sarepta 196a; goltvar gewunden ist ir hâr Hätzlerin 55; wenn ich Tiliens seidne locken winde Brentano schr. 2, 95; daher ist gewunden auch beiwort zu kegel Dürer underweis. g 1b; ketten Züricher bibel (1531) 2. Mos. 28 c; kerzen mhd. wb. 3, 678; wachs Chr. Reuter Schelmuffsky 47; zucker allg. haush.-lex. 1, 64a (auch gerstenzucker ebd.; zuckerpenit Schmeller 2, 947); locken Scheffel Ekkeh. 3; asiatischer ... bund (turban) Ziegler Banise 247; schnecken Drollinger ged. 82; müschelchen (des ohrs) Mörike 3, 72; band (einer gemalten fahnenstange) Keller 3, 79; auch 'mit gewundenen linien verziert': (ein horn ist) mit kleinen linien gewunden wie ein Blasikerzen Herold-Forer Gesners thierb. 37b. II@B@5@dd) des entwindens, losreiszens, lösens; vgl. auch sp. 292 cc; mhd. ûʒ der hant, von der helle, hindenort mhd. wb. 3, 678; die zungen ûʒ winden ebd.: ich will ihm das gefänge kühnlich aus dem garne zu winden wissen Harsdörffer gespr.-sp. 5, 347; besonders in verbindungen wie: reich und macht dem kaiser aus der hand ... winden Lohenstein Ibrahim sultan, Agrippa 25; das schlachtmesser aus der hand Armin. 1, 78a; das kriegsrecht aus der faust A. Gryphius trauersp. 460 lit. ver.; das vermögen aus meiner hand Olearius verm. reisebeschr., pers. baumg. 11; den zepter aus der hand Gottsched dt. schaub. 3, 3; das heft aus den händen Herwegh briefe 152; — ohne vorstellung des gewaltsamen: der ringe, welche Hildebrand von seinem arm windet Scherer lit. gesch. 29. II@B@5@ee) des ausrenkens: (sie) wand ihm den arm, dasz das schwert klirrend zu boden fiel Freytag werke 8, 145. auf diese vorstellung geht wohl auch zurück die alte verbindung die hände winden d. h. 'krampfhaft in den gelenken bewegen, ringen'; schon mhd. wb. 3, 677f. öfter: si wand ihr hend Hätzlerin 2; der rabi wind sein hend H. Sachs 1, 172 Keller; .. o wie sie die hände wand Rückert werke 12, 328; sie rangen und wanden die schneeweiszen hände Musäus volksm. 1, 9; — ähnlich die arme winden Hoffmannswaldau begräbn.-ged. 24; refl. A. v. Arnim 3, 170; — mit windender hant Gudrun 3623, vgl. Grimm gr. 4, 65; mit gewunden henden Eberlin v. Günzburg 2, 105; mit gewundenen händen Lohenstein Armin. 2, 902a. II@B@5@ff) des (aus)pressens; ahd. für exprimere Graff 1, 748; II@B@5@f@aα) nasse tücher, kleider 'auswinden': und tröpflet plt, also das man ausz etlicher kleider pluot wande Franck chron. Germ. 56a; wann man solche ihre köstliche kleider nur ein wenig winden und pressen solte Albertinus Lucifer 128; kurz darnach ward ich gewaschen, gewunden Simpliciss. 517 Kögel; die wäsche winden Rädlein 1, 1064a. II@B@5@f@bβ) trauben pressen, 'keltern'; mhd. Lexer 3, 900: kelterwin und under siner gnaden keltern zu winden Mone z. f. g. d. Oberrh. 3, 262; wer auch wingarten hat in der mark zu Amorbach, der sal sinen win uff des closters keltern winden und duwen oberrhein. stadtrechte 1, 218 (1359); vgl. windhaus n. unter 3. II@B@5@gg) der raumersparnis: gewundene treppe Heyse nov. 1, 46; Schönermarck-Stüber hochbaulex. 840. II@B@5@hh) sonstiges: wer preist genug des mannes kluge hand, wenn er aus draht elast'sche federn wand Göthe 16, 136 Weim. federn von gewundnem stahle Gökingk 2, 71; — (die schlangen) ergreifen ihn und ziehen ihn darnieder und winden (bohren) ihren gift in jede nerve! Heinse werke 2, 166; vgl. ferner winden 'umwinden' oben 3 b. II@B@66) 'drehend in einander verschlingen oder verflechten, binden'; vgl. ahd. zisamene giwuntanaʒ Graff 1, 748. II@B@6@aa) transitiv. II@B@6@a@aα) von knoten, schlingen u. ä.: könig Wilhelm .. bindet und windet die segelseil geschichtklitt. 293 neudr.; den knoten hat das schicksal selbst gewunden Wieland 22, 177; die früheren zustände .. hatten aber dies band fester gewunden J. Grimm Reinh. Fuchs ii; fester wand der taumel seine schlingen Droste-Hülshoff 1, 62; II@B@6@a@bβ) von blumen, kränzen u. ä.: (wo sie) ihren Friederich zu krönen tausend reife blumen wand Neukirch ged. 251; windet zum kranze die goldenen ähren Schiller 11, 292; ähnlich 11, 377; ein mägdlein windet blüt' und klee Geibel 1, 91; dann mit begriffsvertauschung: der ... von den musen gebundene und gewundene kranz Butschky Pathmos 518; ebenso kronen Neukirch ged. 53; ketten Herder 25, 338; eine ehrenpforte A. v. Arnim 7, 299; sträuche (sträusze) [K. Stieler] geh. Venus 116 neudr.; Becker mildheim. liederb. 108; die palme winden Hölty 67 Hahn;bildlich: wo dann die kunst alle reize des orts zu einem kranz gewunden hat Justi Winckelmann 2I, 16; II@B@6@a@gγ) von den händen (vgl. oben 5 e): nu schlahe ich min hende ob minem houpt zesamen, ich winde sú von leide in einander Suso dt. schr. 280; die hände in einandern zu winden (als bergmännischer grusz) Herttwig bergbuch 55b; auch umb einander winden (vor schmerz) Amadis 1, 225; II@B@6@a@dδ) von sonstigem: sennen oder aderen, die in einander gewunden seint Gersdorff wundarzn. lxv 2b; (die artikel des glaubens) sind alle in einander gewunden und geschlossen wie eine gulden keten Luther 34II, 384 Weim.; in einander gewundene kerzen Stifter 2, 224; — das winden der klingen, beim fechten das wirbelartige drehen der feindlichen klinge, um den gegner zu ermüden Brockhaus conv.-lex.; Schmeller 2, 947. II@B@6@bb) reflexiv: der strît sich under einander want Lohengrin 2725; so haben sich ... die zweige ... artig in einander gewunden Harsdörffer secret. 1, d d vb; so lange .. sich elend und verbrechen noch durch einander winden Pestalozzi 3, 376; (es windet) sich zu innigerm genusz arm in arm Kind ged. 1, 260; dort musz der stoff sich bald zum knoten winden Pocci komödienb. (1859) 218. II@B@77) 'mit hilfe einer winde aufwärts- oder vorwärtsbewegen'; erst frühnhd. abgeleitet von winde f., zeitschr. f. dt. wortf. 1, 3; winden, mit einer winde schrauben oder heben Rädlein 1, 1064a. II@B@7@aa) 'aufwärtsheben': 2 m. vor primegelt den schiffkindern, die den win us dem schiffe wunden Joachim Marienb. treszlerb. 150 (um 1400); lies der patroyn eicht anker inwinden, daran dat schiff gehefft was Harff 59, 38; in die höhe winden Göthe III 2, 104; (tonnen) heraufzuwinden Heine 3, 29; bildlich: gott bewahre uns für einem ernstlichen band, an dem sie mir die seele aus den gliedern winden würde Göthe IV 4, 299; das ist ein zauberisches winden und ziehen, das mir das herz aus dem leibe reiszt 13II, 291 Weim.; (was) windet und schraubt mich ans zimmer und haus 1, 89 Weim.; als ob du dir ein vergnügen gemacht hättest, meine empfindungen zu einer solchen höhe zu winden Seume nach Planer-Reiszmann J. G. Seume, gesch. s. lebens 127. II@B@7@bb) 'aufwärts- und vorwärtsbewegen': sie danketen gott herzlich vor diese gnädige rettung, wunden das schadhafte schif aufs land Bucholtz Herkulisk. 917; substantiviert: (als maszregel zum flottmachen) winden auf den anker handelsgesetzb. § 853. II@B@7@cc) mnd. auch '(die armbrust) spannen' Schiller-Lübben 5, 726. II@CC. neuere einschränkung der bedeutung und des gebrauchs. II@C@11) im 19. jh. beschränkt sich die bedeutung von winden mehr und mehr auf eine kreis-, spiral- oder schlangenförmige bewegung; für die älteren verwendungen sind die jeweils unter B vermerkten sinnverwandten ausdrücke wenden (dies schon im mhd. beginnend), biegen, drehen, krümmen, ringen, schlingen, wickeln u. a. eingetreten, die jeweils nur eine oder einige seiten des bedeutungskreises von winden darstellen; daher auch der unterschied von windung und wendung; besonders die umgangssprache kennt winden nur noch in sehr beschränktem masze. II@C@22) völlig verloren hat sich der intransitive gebrauch, höchstens abgesehen besonders von infinitiv und präsensparticip in der botanischen fachsprache: dasz die pflanzen derselben ordnung verschieden winden unsere zeit n. f. 14I, 747; windender strauch Oken naturg. 3, 1030; stengel windend 3II, 848; das winden der stengel um andere pflanzen Ratzeburg standortgew. 85; und sonst vereinzelt: dasz die züge rechts statt links winden grenzboten 25II, 258; durch windende thal Voss Ilias 22, 190; in seiner windenden todesnoth Göthe 14, 226 Weim.; ein windender weg Hirschfeld gartenk. 3, 185; und im subst. infin.: mehr winden, streben, geduld Klinger werke 9, 147. — der transitive gebrauch beschränkt sich fast ganz auf objecte wie garn, eine binde, kränze, den körper, und auch auf diese mehr in der schrift- als in der umgangssprache.dagegen hat sich der reflexive gebrauch vom 16. jh. ständig und sehr mannigfaltig entwickelt, vgl. besonders B 4. II@DD. zusammensetzungen: ab-, auf-, aus-, be-, durch-, ein-, empor-, ent-, er-, fort-, her-, hin und her-, heraus-, hervor-, hinauf-, hindurch-, hinein-, hoch-, los-, nieder-, über-, um-, umher-, unter-, ver-, vorbei-, zer-, zu-, zurück-, zusammenwinden.
35762 Zeichen · 747 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    windenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    winden stn. maneger juncvrowen hant mit winden wart zebrochen kl. 325.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    windenst. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +7 Parallelbelege

    winden , st. V. nhd. winden, drehen, wenden, darstellen, umwinden, einwickeln, wickeln, flechten, aufwinden, in die Höhe…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Winden

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Winden , verb. regul. act. welches nur bey den Jägern üblich ist, wo es so viel als riechen bedeutet, und besonders von …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    winden

    Goethe-Wörterbuch

    winden [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Winden

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Winden , s. Convolvulaceae .

  6. modern
    Dialekt
    winden

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    winde n I [wentə Hi. Dü. Hf. ] unpers. wehen, vom Wind. s wind e t un d wëttert Hf. ‘Wann es windet oder regnet’ aus ein…

  7. Sprichwörter
    Winden

    Wander (Sprichwörter)

    Winden 1. Der windet sich wie ein Wurm. – Klix, 122. 2. Er windet sich, wie der Furz im Rohrstuhl. – Masson, 342. Um ein…

  8. Spezial
    winden1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    win|den 1 I vb.tr. 1 (drehen) intorcoré (-ra), intorje (-rj, intort) 2 (flechten) intrecé (intrëcia) 3 (heben) alzé sö c…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit winden

145 Bildungen · 53 Erstglied · 85 Zweitglied · 7 Ableitungen

Zerlegung von winden 2 Komponenten

win+den

winden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

winden‑ als Erstglied (30 von 53)

windenagel

DWB

winde·nagel

windenagel , m. , ' hölzerner nagel, über den das gefärbte garn zum auswinden gehängt wird ' Jacobsson technol. wb. 4, 651 a ; zu winden st.…

windenbank

DWB

winden·bank

windenbank , f. , ' gestelle zum aufwinden von seide ' Jacobsson a. a. o. 7, 322 b . —

windenbaum

DWB

winden·baum

windenbaum , m. , ' welle einer winde ' ; mhd. windenboum Lexer; Frisius 1349 b ; Hoyer-Kreuter 1, 852 ; s. windbaum. —

windenbausch

DWB

winden·bausch

windenbausch , m. , ' theil der armbrustwinde ' Han ausreden der armbr.- u. büchsensch. xxxi; s. windenschlupf. —

Windenblättchen

Wander

winden·blaettchen

Windenblättchen 'S Wenneblädel – e Butterflädel. ( Rheinpfalz. ) Die Blätter der Winde (convolvulus) sollen ein gutes Futter für die Kühe, d…

windenblat

Lexer

winden·blat

winden-blat stn. wer windenpleter tregt, bedeutet, das er begert ains ainigen trôsts, dâ mit er in die hœch chomen müg Hätzl. 173 a .

Windenblüte

PfWB

winden·bluete

Winden-blüte f. : 'Blüte der Acker- oder Zaunwinde', nur in der Winzerregel: Wer Wennebliet findt, findt aach Trauwebliet [GH-Weingt ( Wilde…

windenboum

Lexer

winden·boum

winden-boum stm. ein windenpaum der 30 schûch lang ist Tuch. 76,27.

Windenbrëttle

ElsWB

Winde n brëttle [Wìntəpratlə Steinbr. Hattst. Ensish. ; Welpratlə Mittl. ] n. Windholz am Heuwagen, od. das zum Spannen des Heuseiles benut…

Windenbrittle

ElsWB

Winde n brittle [Wìəprìtli Olti. ] n. Windholz zum Spannen des Heuseils.

windendach

DWB

winden·dach

windendach , n. , dach über der windeluke Mothes baulex. 4, 481 . —

windende

KöblerMhd

wind·ende

windende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. „windend“ E.: s. winden (2) W.: nhd. windend, (Part. Präs.=)Adj., windend, DW- R.: mit windender hant: nh…

windenharz

DWB

winden·harz

windenharz , n. , harz oder verdickter saft der wurzel der syrischen winde; ein abführmittel; auch scammoniumharz Hübner ztgslex. 31 4, 950 …

windenhȫvet

KöblerMnd

windenhȫvet , N. nhd. „Windenhaupt“, Windeblock in dem die Scheibe sich dreht E.: s. winden (1), hȫvet L.: Lü 584b (windenhovet) Son.: lange…

winden II

ElsWB

winde n II [wìə Hi. K. Z. ; weə Rothb. M. ; wìntə Su. Dü. ; Part. kwùntə Dü. , kəwùə K. Z. Rothb. ] winden, aufwinden, aufrollen, spez. a…

winden als Zweitglied (30 von 85)

hantwinden?

KöblerMhd

*hant·winden

*hantwinden? , V. nhd. „Hand winden“ E.: s. hant, winden W.: nhd. DW-

hendewinden?

KöblerMhd

*hendewinden? , V. nhd. „Hände winden“ Hw.: s. hendewinden (2) E.: s. hende, winden W.: nhd. (ält.) händwinden, V., händewinden, DW 10, 385

missewinden

KöblerMnd

*missewinden , st. V. nhd. sich zum Schlechten wenden Vw.: s. missewende E.: s. misse (2), winden (1)

swinden?

KöblerMhd

*swinden? , st. N. Vw.: s. vleisch- E.: s. swinden (1) W.: nhd. Schwinden, N., Schwinden, DW-

abe swinden

MWB

abe swinden stV. ‘an Umfang oder Kraft abnehmen, dahinschwinden’; übertr.: wie wir denne swinden [Var.: nemen ] abe / sô diu welt die êre lâ…

abe winden

MWB

abe winden stV. ‘abwickeln, losbinden’ si want mit ir hende / wider ab ir houbtgebende Parz 780,8; si erwarb eine strâle, / [...] daz gevide…

abeswinden

KöblerMhd

abe·swinden

abeswinden , st. V. nhd. „abschwinden“, an Wert verlieren Q.: RAlex (1220-1250) (FB abe swinden), JvR E.: s. abe, swinden W.: nhd. abschwind…

abschwinden

DWB

abschwinden , evanescere, dahin schwinden, abzehren: von der pein, die ich empfunden, ist mein antlitz abgeschwunden. Opitz 3, 153 ; die gli…

abwinden

DWB

abwinden , devolvere, nnl. afwinden: garn, seide abwinden; die spule, den knäuel abwinden; seiler abwinden; hat vil zwirns mit ir abgewunden…

afwinden

MNWB

afwinden , stv. , entwinden.

ane erwinden

MWB

ane erwinden stV. ‘etw. ergreifen’ sînen sun er enbant, den ram er an erwant. / got er in oppherôte Gen 938 MWB 1 233,19; Bearbeiter: Schnel…

ane winden

MWB

ane winden stV. mit Akk.d.P./d.S. 1 ‘(zu) jmdm. gehören’ 2 ‘jmdn. berühren’ 2.1 ‘jmdn. anfassen, ergreifen’ 2.2 ‘jmdn. angreifen’ 2.3 ‘jmdm.…

aneerwinden

KöblerMhd

ane·erwinden

aneerwinden , st. V. nhd. ergreifen Q.: Gen (1060-1080) E.: s. ane, erwinden W.: nhd. DW2- L.: Hennig (anerwinden), MWB 1, 233 (ane erwinden…

anegewinden

KöblerMhd

anegewin·den

anegewinden , st. V. nhd. „angewinden“, angreifen Q.: Lanc (1240-1250), NvJer E.: s. ane, gewinden W.: nhd. DW- L.: Benecke/Müller/Zarncke I…

ane winden

Lexer

ane·winden

ane winden BMZ einen (= an einen w.) zu ihm gehören, ihn angehen; alle die in anwindent ( seine genossen ) Mw. 197,25. 244, 24 ; vgl. zu Jos…

anwinden

DWB

anwinden , alligare: der epheu windet sich an. nnl. aanwinden.

aufwinden

DWB

auf·winden

aufwinden , n. glomeratio staminis, anzetteln: ich sehe, an diesem stuhl ist man beim aufwinden. ich betrachtete nun sorgfältig das aufwinde…

auswinden

DWB

aus·winden

auswinden , extorquere, ahd. ûʒ wintan ( Graff 1, 753 ), 1 1) die wäsche ausringen: es solt ein medlein waschen gan, ir hemdlen weisz, ir eu…

bewinden

DWB

bewinden , involvere, umwinden, bewickeln: daʒ die milich glîte ûf ein biuteltuoch, dar in bewint sie. von guter speise 10; so wint daʒ blat…

d(a)rabwinden

Idiotikon

d(a)rabwinden Band 16, Spalte 559 d(a)rabwinden 16,559

durchwinden

DWB

durch·winden

durchwinden , in windungen einflechten, einmischen, einweben, durchziehen. 1 1. untrennbar. mit blumen will ich ihn durchwinden den schönen …

entschwinden

DWB

ent·schwinden

entschwinden , evanescere, weg, aus den augen kommen, verschwinden: und schnell, wie geister in die luft verwehen, entschwand sie mir und wa…

entwinden

DWB

ent·winden

entwinden , nnl. ontwinden, entzwingen. 1 1) extorquere, aus der hand winden: wiszt, Eckhof war es, der dem tiefen Britten, dem leichten Gal…

enwinden

KöblerMnd

enwinden , V. nhd. einwinden? E.: s. en (1), winden (1) L.: MndHwb 1, 574 (en[t]winden)

erwinden

DWB

erwin·den

erwinden , ein früher sehr geläufiges wort, dessen entfaltung der von erwerben ähnelt. nemlich das einfache goth. vindan, ahd. wintan, ags. …

geschwinden

DWB

geschwinden , verb. , verstärktes schwinden ( s. d. ). 1 1) dahinschwinden, verschwinden, vergehen: mhd. dô muoste im gar geswinden diu vröu…

Ableitungen von winden (7 von 7)

bewinden

DWB

bewinden , involvere, umwinden, bewickeln: daʒ die milich glîte ûf ein biuteltuoch, dar in bewint sie. von guter speise 10; so wint daʒ blat…

entwinden

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entwinden , nnl. ontwinden, entzwingen. 1 1) extorquere, aus der hand winden: wiszt, Eckhof war es, der dem tiefen Britten, dem leichten Gal…

erwinden

DWB

erwinden , ein früher sehr geläufiges wort, dessen entfaltung der von erwerben ähnelt. nemlich das einfache goth. vindan, ahd. wintan, ags. …

gewinden

DWB

gewinden I , verstärktes winden zu wind ( ventus ) s. d.; es was auch so kalt und gewindet so vil, dasz in etwa vil tagen niemant gewandlen …

verwinden

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verwinden , schw. v. , zu wind, witterung ( s. teil 14, 2, 249): verwinden, vom wilde, wenn es irgend eine sache riecht, durch den geruch wa…

zerwinden

DWB

zerwinden , verb. , verdrehen, durch winden entstellen, zerbrechen: ein grosze brücken ... gar zerdrehet und zerwunden als eine weide theatr…