stecken,
m. ,
baculum, ahd. stekko,
mhd. stecke (
die daneben sich findende rein oberdeutsche form ahd. stehhan,
mhd. stechen
hat noch in einem seltenen frühnhd. staechen
vallus Diefenbach
glossar 606
a ihre entsprechung). stecke, stecken
gebildet zu dem verb. 1stecken (
s. unten)
und eigentl. '
der (
in die erde)
gesteckte stab, stock u. s. w.'
dieses verhältnisz machen noch fühlbar: kästenbäum pflanzt man
auch als dann von stecken, die man inn
das erdrich stecket Sebiz
feldbau (1579) 52
und der beleg bei Sperling
Nicodemus quaerens 1 (1718) 1383,
unter 1stecken
verb. 2
a, vgl. auch den wirthschaftlichen begriff (zaun)stecken
unten. weitere westgermanische entsprechungen sind as. stekko (
mndd. steke)
und ags. sticca (
engl. stick).
lehnwort ist ital. stecca
stab, stock (stecco,
dorn)
und ebenfalls wohl schon aus früher zeit anord. stjaki '
pfahl, stange'.
über das aus dem niederdeutschen entlehnte subst. sticken,
m. s. unten, und über die beziehung zu staken,
m. s. oben, sp. 586.
die form stecke
neben staken
belegt noch Stieler 2160
und Kramer
dict. 2 (1702) 923
a.
daneben ist eine kurzform steck (
wohl unter dem einflusz von stab
und stock
zu stande gekommen):
in der älteren sprache wiederholt zu belegen ain ainser stegk Zingerle
mittelalterliche inventare 4, 318 (
Bozen 1485); der steck (
im zaun)
tirol. weisth. 4, 198, 32 (
Wangen); ein steck
oder gert, rut
virga, virgula Alberus
dict. (1540) 4
a; ein krummer steck
uncus, uncinus ebenda; ein steck, damit mann die leut bei seits triebe, wenn man in der götter ehr mit der process gieng
commetabulum ebenda; stäck, stab
scipio, fustis, baculus, baculum Maaler 383
b; steck, stab
baston, eschalas Hulsius (1616) 307
b; steck, stock
bastone, palo (1618) 238
b; mein trost bei mir ist diser steck Frischlin
dichtungen 119.
beide formen neben einander: darob ward er dermassen erzürnet, dasz er einen stecken zuckt, den er in seinen händen trug, und einen knecht schlug, dermassen, dasz der steck von dem streich zerbrach
buch der liebe 286
a.
in einer weiteren angleichung des vocals an stock: leyt neben mich ainen stöcken, damit ich sy (
die thiere) müge von mir treyben Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 60.
eine seltene nebenform steckten
bietet Pauli mit einem steckten
schimpf und ernst 37
Österley. bedeutung: 11)
baculum, der wanderstab, doch von vornherein eingeschränkter im gebrauch als stab (
s. oben sp. 335
unter stab II 5)
und besonders unten stock. der stecken
ist besonders das geräth alter leute, auch der lahmen, krüppel und blinden; so hat man sich ihn auch zumeist ohne alle kunstvolle bearbeitung zu denken und nur wenig verschieden von den rohen genossen im zaun des hofes oder gartens. sie (
die alten leute) können nicht mehr gehen, sondern müssen ihre zuflucht zu den stecken nehmen Fleming
der teutsche soldat 4, 11.
sich an einen stecken lehnen: sich an ein stäcken erstützen oder leinen
incumbere baculo Maaler 383
b; (
sie) Cymon vor ir an seinem stecken leynen sahe Arigo 312
Keller; ach got der da gesehen het die junge ritter an stecken geleynet durch das schlosz Montabor hungers halben wandern
Aimon 10; allein der halb verschmachtete arme tropf danckte gott, dasz er an seinen stecken sich noch lehnen konnte
polit. stockfisch 204.
sich an einem stecken (
weiter)
steuern: Teutschland gehet auff in der gestalt eines armen elenden bettelweibes, ... sie steuret sich an einem stekken Rist
friede wünschendes Teutschland (1648) 130; jenner gehet vber land, vnnd in mangel pferds trägt er einen stecken in der hand, an den er sich steyret Moscherosch
gesichte (1650) 2, 145.
am stecken gehen: so spricht der herr Zebaoth, es sollen noch förder wonen in den gassen von Jerusalem alte menner vnd weiber und die an stecken gehen fur grossem alter
Zacharj. 8, 4; sie kam an eym stecken gegangen Wickram 7, 137, 648
Bolte; der alte narr muosz erst am stecken leren gon Gengenbach 71
Goedeke; da merkt die königin, dass da (
in Prag) nicht wär gut bleiben, kein feuer mocht sie schmeckn, wer nicht mit ihr konnt reiten, musst gehen an dem steckn Opel-Cohn
dreiszigjährig. krieg 82; wo die greisen leute stehn, und krummgebückt an stecken gehn Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 75.
deutlicher arbeiten die folgenden belege die sphäre heraus: der maler lässt den greis am stecken kraftlos schleichen, uns ist, als hörten wir den greis vernehmlich keichen Gellert
werke 7, 12; auf einem dunkeln pfad schlich ein gebückter greis an seinem stecken Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 198; dort kriechet ein alter an dem dürren stekken Lenz
gedichte 28
Weinhold (
landplagen); sich durch einen jungen knaben an einem stecken an die strasse führen lassen
Simpl. 2, 347, 3
Keller. 1@aa)
auch bärenführer lassen den tanzbären am stecken
schreiten: Estherchen lachte und freute sich unbändig über den bären, wie er so zierlich umherwatschelte mit seinem stecken Keller 4, 21. 1@bb)
neben krücke (
s. th. 5
sp. 2427):
in einer wallfahrtscapelle secht an den grossen hauffen der krucken vnnd stecken Paracelsus (1616) 1, 107; was krebs, eiter, grind ... hat, war hier in Aalen, und auf dem wege nach Ellwang an krücken, an stecken, auf eseln ... zu sehen Schubart
leben 2, 96. 1@cc)
im sprichwörtlichen vergleich bewegt sich die redensart er schreit wie ein blinder nach seinem stecken: derhalben wöllen wir nicht, bisz jhr vns vnser geläut und glockenbüttlichkeit wider gebet, nachlassen, euch nachzulauffen vnd nach zu schreien, wie ein plinder der seinen stecken verloren hat
Gargantua 244
neudr.; sie schreit wie ein blinder, der seinen stecken verlohren hat Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele (1641) 2, 290. 1@dd)
mit einer gewissen absicht suchen die sphäre unseres wortes: (
es) wurde mit einem stecken an die thür geklopft Storm 5, 196; Hinzelmeier griff nach seinem stecken, den er beim eintritt an die thür gestellt hatte 3, 25: sechsmal ist sonne schlafen gegangen, seit ich den heiligen stecken empfangen
Z. Werner
kreuz an der Ostsee (1806) 74. 1@ee)
in symbolischer sprache: von der wiegen bisz an die krucken odder stecken, versteh von kindswesen auff bis in das alter Franck
sprichwörter (1545) 1, 1
a,
ja, bis zum höchsten alter, wie im folgenden: in der gantzen statt ward niemand verschont, alles erwürget, weib vnd kind, alt leut an stecken S. Franck
chronicon (1538) 135
b. 22)
der stecken
als primitives schlaginstrument besonders beliebt: mit einem stecken schlagen battere con un bastone, bastonare, dar bastonate Kramer
dict. 2 (1702), 923
a; als sy den selben jemrigen mit stecken schluogent Niclas von Wyle
translationen 261, 21
Keller; wie der rhümen kan, der den stecken füret vnd hebt und füret jn so leicht, als were er kein holtz
Jesaj. 10, 15; der die jungfrawen mit einem stecken schlug
Amadis 1, 129
Keller; ausserdem würdest du, mit beyhülfe eines steckens dich in etwas malträtiert befinden Iffland
theatral. werke 1, 277 (
komet 7); und haist do zwen starck junge knaben her zu mir gen und mich do fahen und mich mit stecken seer do schlahen
pfarrer von Kalenberg 7, 138
neudr.; wer ein böses weib hat am sonntag, der schneid 'nen stecken am montag, prügle's weib am dienstag Holtei
schriften 21, 34;
mit stecken schmeiszen, schlagen; vgl. schmeiszen (
th. 9
sp. 1003): an statt, dass er soll pfenning suchen, und da mit kleydung, brot und wein mitleidenlich behilflich seyn, heyst er den armen mann abweissen, und noch
dazu mit stäkken schmeissen. Rompler von Löwenhalt (1647) 21.
in der anrede an einen schulmeister: du andrer Nero, du, der mit der ruten läuft, der mit dem stecken schmeisst, der stösset, schlägt und räuft Grob
dichter. versuchg. (1678) 50.
selten das geräth im bloszen accusativ: einen stecken an den hals schlagen
inquutere in caput scipionem Corvinus
fons lat. 529
b.
einen mit einem stecken von dannen jagen: die pewrin mich grob anzannen, jagen mich offt mit stecken dannen H. Sachs 9, 9
Keller-Götze. 2@aa)
als ethnographischer begriff wird er geschildert: nicht mit einem indianischen rohrstab, sondern mit einem teutschen stäcken Moscherosch
gesichte (1650) 219. 2@bb)
in verbindung mit entsprechenden begriffen: etwann das ainer geschlagen würdt mit ainem kolben oder stecken Braunschweig
chirurgia (1539) 25
a; mit ruthen, stecken und geisseln über die blosse dicke und schienbeine geschlagen werden Stranitzky
ollapatrida 308
Wien. neudr.; gebrauche fingerkraut, faust, peitschen, prügel, stecken: es ist mit nichts gethan Rachel
satyr. ged. 20
neudr St. Niklas spricht: so bringe ich euch den stecken und die ruth Arnim 17, 384; mit schollen, steinen, stangen, rohren, stecken, mit fäusten wollen wir sie niederstrecken Rückert (1867) 12, 63.
die begriffe durch allitteration gebunden: stock und stecken Fischart
bienenkorb (1588) 69
a; ey, das wär der sündigen welt ein guots euangelium, das sie billich, wanns müglich wär, mit stangen und stecken erhalten solt Nas
antipap. eins vnd hundert (1567) 3, 237
a;
die bürger schlagen einander mit stecken und stangen Prätorius
anthropodemus pluton. (1666) 1, 235; als einem mörder sicherlich habt ir gesuchet mich mit spiessen, stecken und stangen
altdeutsche passionssp. aus Tirol 57
Wackernell; mit stangen, steken und stainen Steinhöwel
Äsop 101.
über stecken und stab
vgl. unten 2
d. 2@cc)
als züchtigungsmittel in der hand des lehrers: plan, den stecken des praeceptors mit dem taktstocke des musikdirektors zu vertauschen Schubart
briefe 1, 147; der religionsunterricht ... begann meistens mit der warnung: buben, wenn ihr euch nicht vor dem namen Jesu beugt, so schlag ich euch den stecken um die füsze herum Kerner
bilderbuch (1849) 198.
zugleich als tactstock dienend: der stecken (
des cantors) musz die stimmen führen Abraham a S. Clara
etwas für alle 2, 134. 2@dd)
als geräth zum antreiben von (
haus)
thieren: denn du hast das joch jrer last, vnd die rute jrer schulter, vnd den stecken jres treibers zerbrochen
Jesaj. 9, 4; unter dem stecken der treiber
vgl. Herder 19, 324
Suphan; mit beiden händen die zügel, in der rechten überdies einen stecken haltend Gerhard
akad. abhandl. (1866) 1, 24;
besonders für den esel gebräuchlich: si asino omnino non dares futter und stecken, werden den esel nicht lang lassen ghen Luther 34, 2, 458, 10
Weim.; doch sagk und stecken mussen nicht alleyne seyn, szunder das futter auch
ebenda 25; sein (
des esels) haut ist so hart, dass er weder des stäckens noch des rägens achtet Gesner-Forer
thierbuch (1563) 41; der eseldieb ... triebe den esel an mit dem stecken, in meinung, desto geschwinder nach haus zu kommen Abraham a S. Clara
etwas für alle 2, 15.
allgemein zum verscheuchen von thieren dienlich: vnd der Philister sprach zu David, bin ich denn ein hund, das du mit stecken zu mir kompst?
1. Sam. 17, 43; dann wann die katz will häfen lecken, so büszt man jhr den lust mit stecken Fischart
flöhatz 33
neudr.; als wann ein esel mit verlangen ist in ein korenfeld gegangen, darinnen er vil schadens thut, so lauffen her auss frischem muth die baurenbuben mit den stecken, er aber lasst sich nit erschrOecken Spreng
Ilias (1610) 149
b.
besonders alterthümlich als hirtenstecken (
s. th. 4, 2, 1578),
um die weidethiere zusammenzuhalten, doch nicht eigentlich (
trotz Butschky
unten)
als waffe wider die wilden thiere, wo der kolben seine sache thun muszte (
s. hirtenkolbe
unter kolbe II 1
b th. 5
sp. 1604);
mit groszer wahrscheinlichkeit hat man die groszen (
in der längsaxe unsymmetrisch durchlochten)
steinhämmer als solche hirtenwaffe der urzeit angesprochen: ein schäffer rath schlagt mit seim stecken Kirchhof
wendunmuth 2, 190.
dementsprechend als idyllisches tändelgeräth der vornehmen gesellschaft des 17.
und 18.
jahrhunderts: derowegen an einem sontag hernach, als ob ich nur in die gärten spatzieren wollte, gantz allein, mit einem à la mode stecken (hirtenstab) in der hand, das wasser hienunder schliche Moscherosch
gesichte (1650) 2, 24. 2@d@aα)
stark fällt hier aber die biblische sprache ein, mit anlehnung an Luthers
übersetzung von '
virga et baculus': und ob ich schon wandert im finstern tal, fürchte ich kein vnglück, denn du bis bey mir, dein stecken und stab trösten mich
psalm 23, 4,
wo gott als der gute hirte vorgestellt wird; vgl. auch: fürchte dich nicht, mein volck, das zu Zion wonet, fur Assur, er wird dich mit dem stecken schlahen vnd seinen stab wider dich auffheben, wie in Egypten geschach
Jesaj. 10, 24; wer ... ohne alle list leben wil, der begehret, unter den wölfen ... ohne stab oder stekken zu wandeln Butschky
Pathmos (1677) 9; dein stab, herr, und dein stecken benimmt mir all mein schrecken P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 357
a; er (
gott) gleittet mich zu tag vnd nacht, mit seinem steck vnd stabe Ringwaldt
handbüchlein B 10
b;
zu der verbindung stecken und stab
vgl. auch stab II 5
d (
oben sp. 339); deine ruthe und dein stecken haben mich getröstet Mayr
päckchen satiren 54, 1. er weyset mir den ort mit seinem stecken, da für und für ich wohnen mag ohn schrecken Weckherlin
gedichte 2, 70, 78.
s. auch unten die bildliche verwendung, welche hier ihre hauptnahrung gefunden hat (
unter 12
a). 2@ee)
die virgae der fasces der römischen lictoren werden als stecken
gedacht: ist wohl eine schimpfflichere dienstbarkeit zu ersinnen, als dass Deutschland ... beil und stecken gleichsam zum täglichen schrecken fürtragen sehen musz? Lohenstein
Arminius (1689) 1, 19
b;
vgl. auch er liess ... die frembden so bald mit weinstöcken, als die römischen bürger mit gemeinen stecken schlagen 1, 44
b.
dagegen der unten aus dem ruthenbündel heraussehende stiel des beiles ist gemeint: zuo Rom giengen den oberen gewaltschergen vor, mit wellenruoten vnd eim beihel an einem stecken Heyden
Plinius (1565) 46. 2@ff)
selten mit stecken werfen,
doch nur wenn ein schlagen nicht mehr möglich: einen stecken nach dem hasen schleudern
vgl. Peschel
völkerkunde 496.
anders gedacht aber sind: (
geworfene) stecken die da waren gebrant vnd vornen fewrig spitzen hant Murner
Äneis (1543)
o 1
b. 2@gg) stecken
im gegensatz zum schwert
und dadurch als ungefährlichere waffe charakterisiert: zefuosz, on weer vnd nitt zerosz, on schwerdt, mit stecken vnd demuot
schweiz. schauspiele 3, 119
Bächtold; lobt ihr das schwert, wenn ihr's nennt schärfer als den stecken? Rückert
werke (1867) 8, 245.
so wird das schwert in spöttischer rede (
gleichsam in der hand eines kindes gedacht) stecken
genannt: hat man dir drumb den stecken geben, dasz du mir also freuenlich vnter meinen augen meine liebe freund soltst ermörden
Gargantua 422
neudr. gefährlich wurde der stecken
erst durch seine spitze, mochte sie nun durch feuer gehärtet oder mit einem metallschuh versehen sein: underredten sich, das sie kein schädliche wehr ... brauchen solten, kein kolben noch spitzig stecken Wickram 2, 276, 18
Bolte. 33)
selten ist der stecken
aus anderem material denn aus holz; er ist dann kunstvoller hergerichtet, und stab
wird dann durchaus vom sprachgebrauch bevorzugt (
s.stab 4
f oben sp. 334): czwen eysen steken Zingerle
mittelalterl. invent. 16, 21
und 44, 256,
wo es zweifelhaft bleibt, ob nur mit eisen beschuhte stecken
gemeint sind (
vgl. oben 2
g). — elfenbeinerne stecken: (
er) schluog den Gallier mit einem helffenbeinin stäcken Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 152
b. 44)
der in die erde getriebene stecken: er trieb frische stecken je zu zweien in den boden Rosegger
schriften (1895) 1, 82; ob ich etewenne korn ûf dem tenne mit drischelen ûʒ gebieʒ od ob ich stecken ie gestieʒ
Helmbrecht 318. 4@aa)
eingeschlagener stecken,
welcher die grenze bezeichnet: item so ainer dem andern die marchstain oder stecken verändert oder selbs aussteckt und wiert verklagt, ist peen von iedem mark funfzig phunt persar
tirol. weisth. 4, 704, 6 (
Buchenstein 16.
jh.)
vgl.marcstecke Schm. 3, 610. 4@bb)
insbesondere der zaunstecken (
s. unten),
um welchen sich das flechtwerk des alten zaunes herumlegt, wie der zettel des gewebes um den einschlag: stecken
in einem zaun vgl. Schumann
nachtbüchlein 232
Bolte; von zeun und stecken ausprechen
tirol. weisth. 4, 432, 24 (
Sterzing); spelten, stöcken, zaunring 4, 463, 15 (
Moos 18.
jahrh.).
hierher wohl auch: durch dornen und hekken, durch stauden und stekken ... wil ich mir machen eine bahn Silesius
heilige seelenlust 14
neudr.; ein von einem zaune abgebrochener stecken Krünitz 171, 121. 4@b@aα)
in sprichwörtlicher redensart: so rasch wird der stecken nicht vom zaun gebrochen Storm 7, 227,
das heiszt die gelegenheit. vgl. die gelegenheit vom zaune brechen
und unter zaun,
eigentlich einen streit, einen rechtshandel kurzerhand hervorrufen, wie ihn die wendung solt man ein sache vom alten zaun brechen Luther 5, 287
b noch in gröszerer frische spiegelt, denn sache
ist hier noch ganz '
rechtstreit' (
vgl.sache II 1
th. 8
sp. 1593); sie, die seit fünfzig jahren täglich ihren stecken vom zaune brach — sie will ruh' haben Rosegger
wildlinge (1906) 356. 4@b@bβ)
an den zaunstecken
denkt wohl auch die bauernregel: es ist kein aprill so gut, er schneit dem stecken auch ein hut Kirchhofer
schweizerische sprichwörter (1824) 313. 4@cc)
kleinerer pfahl, um büsche, stauden und junge stämme damit zu befestigen: stäcken stossen im weyngarten
vineam pedare Maaler 383
b; man steckt die reben. man biegett sy von oben hernider biss auf die erden vnd steckt sy denn mit starcken ramen oder mit stecken, da mit die reben auffenthalt haben Thauler
sermones (1508) 27
a; schneid die wurtzeln der reben ab, vnd vmbstellet sie mit stecken Sebiz
feldbau (1579) 50. — und sie pinden in (
den pfeffer) an stecken als die weinreben Schiltberger
reisebuch 80, 7; item eyn gartner, wann er junge reisz oder bäumlin sezt, steckt er eynen stecken darbei, das sie stracks vnd gleich aufwachssen Fischart
ehzuchtbüchl. 279
Hauffen. mit völliger einkehr in das bild: thuo deinem sun als einem zwig, dem stelst du ein stecken zuo vnd bindest in daran, das er daran vffrecht wachsz. also den stecken der straff, bind in deinem sunn zuo, das er nicht von einem ieglichen wind seines eignen willens vmmgeworffen werd Keisersberg
narrenschiff 174
b. 4@dd)
pfähle für tische und bänke im freien: der Fritz und seine gesellen hatten ... mit in den grasboden eingeschlagnen stecken und darauf genagelten brettern tische und bänke ... hergestellt Ludwig 2, 284. 4@ee)
der leichnam des besiegten feindes wird auf einem in die erde getriebenen stecken
zur schau befestigt: so nympt er in (
den besiegten gegenkönig) und setzt in auff ein stecken, das im der steck zu dem halss wider aussgeet und muss auff dem stecken erfaulen Schiltberger
reisebuch 65, 16.
schon mhd., wo aber nur der kopf dieses schieksal erfährt, im übrigen eine alterthümliche sitte: hie (
in dem baumgarten) was gestalt ein wîter rinc von eichînen stecken. des wundert Êrecken. ir ieglîch was sus bedaht, ein mannes houpt dar ûf gestaht, wan einer der was lære Hartmann
Êrek 8770. 4@ff)
im geschauten vergleich: her Nîthart hât uns hie verlâʒen als diu krâ den stecken, diu dâ hinne fliuget unde sitzet ûf ein sât Neidhart 198
Haupt (
vgl. die anmerkung dazu). 55)
in wirthschaftlicher sprache findet sich der stecken
noch: 5@aa)
als schürstock des feuers: welcher ... bey einem grosen hellen feur pflegt sein gepäck zu wärmen, vnd zu erharren, wann er von dem äcker der kesten feister würde, vnnd pflegt dieweil mit eim angepranten stecken, damit man das feur schüret, auff den herd etwas zu malen vnd zu schreiben
Gargantua 329,
vgl.schürstecke
mhd. wb. 2, 2, 625
b. 5@bb)
als rührstock für flüssigkeiten: wo der weyn ... seiger werden wil, vnd man denn mit einem gespaltnen stAecken jn abbräwet Gesner-Forer
thierbuch (1563) 20; schwencke das wasser in einem gefesz mit einem stecken geschwindt vmb Ercker
mineral ertzt (1580) 73
a. 5@cc)
als tragstock im wurstwiemen: es wär glich als mglich, das ganz meer an den regenbogen zuo henken, wie ein brotwurst an ein stecken, das es tüerr und drucken wurd Manuel 230, 12
Bächtold (
krankheit der messe).
ähnlich auf der wanderschaft: und sie kamen bis an bach Escol, vnd schnitten daselbs eine reben ab mit einer weintrauben, vnd liessen sie zweene auff einem stecken tragen
4. Mos. 13, 24; er understuond die strassen dermassen zuo sicheren, dasz einer gold on sorg an einem stecken durch das land möcht tragen Münster
cosmogr. 509. 5@dd)
auch zum aufschütteln des bettes: aber wann mir das Cläuszle nit folgen wolt, botz krisam, so wolt ich jhn so jämmerlich abbören mit diesem stecken (dann er hett eben damals seinen stecken, damit er das bett macht, inn der hand, und fantasiert dran)
Gargantua 357
neudr. hier knüpft wohl die redensart an: das weib ist so garstig, dasz man sie kaum mit einem stecken anrühren oder aufheben möchte Kramer
dict. 2 (1702), 923
a. 5@ee) stecken
bilden das gerippe eines korbes, welche dann das eigentliche geflecht tragen (
ähnlich wie oben zaunstecken): körb, von starcken stecken vnd zaunruhten geflochten oder gezäunet Kirchhof
milit. discipl. 171;
vgl.lärchen,
die gut zu spelten, stecken, seilen oder ander notturft zu gebrauchen sint
tirol. weisth. 1, 129, 7 (
Lichtenwert 1519). 66)
eine kleinere fahnenstange: ein mann von mittlerm alter ... ging voran und hielt ein weiszes tuch auf einem kleinen stecken empor Forster
schriften 1, 455; nachdem der stecken mit der weissen grundfarbe bestrichen, welche für beide königreiche dieselbe war, wurde er mit einer spirallinie von der andern farbe umwunden Keller 3, 77; die lieb, recht als ain hader, empor an ainem stecken schwebt Hätzlerin
liederbuch 241, 233;
auch sonst gebräuchlich, um etwas den leuten sichtbar voranzutragen, vgl.: niemand hab jn vermöcht, das er die kron ie ein mal auff sein haupt setze, sonder allweg auff einem steckenn vor jm her tragen lassen Franck
chronicon (1538) 38
b. 77)
die kinder reiten auf dem stecken,
nehmen ihn rittlings zwischen ihre beine. vgl. dazu unten besonders steckenpferd
und steckenrosz,
sowie steckenreiter: stäcken darauff die kind reytend, was vor zeyten ein ror, bey vns badenrOesszle genannt wurde
arundo Maaler 383
b; aufm stecken reiten
equitare in arundine longa Corvinus
fons lat. 70
a (
vgl. Steinbach 2, 690);
auf einem stecken reiten cavalcare sù un bastone ò sù una canna Kramer
dict. 2 (1702), 923
a; Agesilaus reut mit den kindern auff dem stecken herumb
Gargantua 293
neudr.; 'quum ipse quoque pater evaseris, tunc patribus consilium dabis' sagte Agesilaus, als ihn einer sahe mit seinen kindern auff dem stecken reiten Moscherosch
insomnis cura parentum 133
neudr.; der sagt, was er getriben hab, da er noch war ein junger knab, wie er auff steckn geritten sey, und triben seltzam spil darbey Scheit
Grobianus 2033
neudr. ganz an stelle des kunstvoller gearbeiteten steckenpferds: auf Josephs stab ein männlein seie geschnitzlet gestanden, wie man sihet an denen stecken, da kinder ... auff zureitten pflegen Fischart
bienenkorb (1588) 152
b. 7@aa)
als ausgesprochenes charakteristicum der jugendzeit: glücke läst sich nicht beherrschen von dem alter oder zeit: manchem bringt es schöne früchte, wann er noch auf stecken reit Logau
sinngedichte 604, 76
Eitner. ähnlich: es ist nicht mehr vmb die zeit da Gretlin span und Hänszlin stecken ritt Fischart
bienenkorb 139
a,
d. h. die tage der kindheit sind vorüber. 7@bb)
übertragen mit beziehung auf liebhabereien, neigungen und gewohnheiten, welche so in den kreis des kindlichen, ja kindischen gebracht werden sollen (
vgl. die reichere entwicklung unter steckenpferd 2): können sie den mann grosz finden, der niemals anders als auf seinen eigenen stecken reiten will Möser
werke 3, 45
Abeken; nun setzten sich diese exegeten nackt auf stecken und hölzerne pferdchen, und ritten hin und her Zimmermann
über die einsamkeit 2, 63
anm.; der ist ein guotter gouckelman, der zuo ross nit rytten kan vnd sitzet dannocht vff eim stecken, vff das er ryt mit andern gecken, ein valsche freud im selber macht Murner
narrenbeschwörung 74, 3
neudr. 7@cc)
im sprichwort: es ist docken werck, auff stecken geritten, es ist wol halb zuo fuoss gangen Franck
sprüchwörter (1541) 1, 120
b; dann darvon pflege man im sprüchwort zu sagen: stecken reiten sey helb gegangen Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 81; die schenckel empfindens wol, so man auff stecken reit Franck
sprüchwörter (1545) 1, 81
a. 88)
der stecken
als göttliches symbol, so des Hermes τριπέτηλον ῥάβδον: ey, ey, wie ein seltzamer mann! hat an seim stecken zwo schlangen, kan fliegen vnd kombt doch gegangen Ayrer
dramen 516, 2; vnd mein Mercurisch richterstab mit igelschmaltz ich geschmieret hab, darmit ich euch flöh stillen mag, das jhr werd stumm, vnd daub vnd zag, wie Mercurius mit seim stecken kondt schlaffen machen vnd erwecken Fischart
flöhatz 49
neudr. auch der dreizack des erderschütterers Poseidon: mit dem dreygespitzten stekken schlug er in das blaue meer Neumark
musik.-poet. lustwäldchen (1652) 104. 8@aa)
hier möge auch platz finden, wenn in der deutschen sage der treue Eckhart einen stecken
führt: es soll aber vor dieses teuffels heer ein ... alter mann, welchen sie den getreuen Eckhard nennen, herziehen, und mit einem stecken ... forne an marchiren Praetorius
Blockesberges verrichtung (1668) 15;
ganz ähnlich wie Moses in der jüdischen: wo schreibt Lykurgus denn, und Moses mit dem stekken, dass eine hausfrau nur sol draat und finger lekken? Rachel
satyr. ged. 35
neudr. 99)
als magisches geräth: o du böses, altes wyb ... wie bist so blindt in disen sachen, das du wenst, du kynnest machen wetter, hagel oder schne, kinder lemen, darzuo me, vff gesalbten stecken faren! Murner
narrenbeschwörung 46, 34; wann dir eine wunde fürkommet, so nim einen höltzern geschelten und reinen stecken Nigrinus
von zäuberern (1592) 101; wenn Faust auf seinem mantel fuhr, und zur beschimpfung der natur mehr wunder in der welt, als Mosis stecken wirkte Gottsched
gedichte (1751) 171; der weise ziehet einen kreis, schlägt dreymal mit dem goldnen stecken Ramler
fabellese (1783) 1, 102. 1010)
vereinzelt an stelle des stabes als rechtliches symbol (
vgl.stab II 8
f. oben sp. 346
f. und Amira
der stab in der germanischen rechtssymbolik 1909): das wörtlin aber 'virga', das hier steet, haisst nach latein ain ruot oder steck, als die richter in der hand tragen Luther 1, 694
Weim. 10@aa)
an den stecken des richters geloben, d. h. '
tacto baculo judicis spondere'
vgl. Jak. Grimm
rechtsalterthümer 135: Herman Lobers dochter sol pilch dem schultheissen an dem stecken geloben
Marburger akte von 1525
bei Crecelius 2, 807;
auch an den stecken
des ortsvorstandes gelobt sich die gemeinde zum gemeinsamen handeln Vilmar 398 (
z. jahre 1609).
deutlicher ist an den stecken greifen (
vgl. das entsprechende unter stab II 8
g ζ sp. 349): hait he der burgen nicht, he sal dem richter an den stecken grifen, das ist so viel als hantgelobede Schminke
monim. hass. 2, 721.
doch den nur vereinzelten gebrauch bestätigt auch der gegensatz: der scepter eines richters kein stecken eines blinden, sondern wachsamb und sehend Albertinus
hirnschleiffer (1664) 108. 10@bb)
selten auch über einen den stecken brechen (
das häufigere unter stab II 8
g θ sp. 349
und vgl. dazu Möller in der
zeitschrift für rechtsgeschichte 21, 63
ff.): sie seind verdampt, da hilfft nichts zu, den stecken will ich brechen nu Krüger
action von dem anfang und ende der welt (1580)
C 3
a; kaum ist ein (
verleumderisches) wort gesprochen, es ist so bald geglaubt. der stekken ist gebrochen, die unschuld ist in not, ja umb den halss gebracht Rachel
satyr. ged. 68
neudr. 10@cc)
an stelle des weiszen stabes
und noch gewöhnlicheren stockes (
s. unten)
in der hand des recht- und besitzlosen, des landflüchtigen: jedem gefangen ein stecken geben und in die kirche sperren
Gargantua 266
a; da ich war wie ein krug, mich mein vater zum haus hinaus schlug, er gab mir einen weiszen stecken in meine rechte hand und weiste mich in das drei und dreiszigste land
schwerttänzerlied bei Jak. Grimm
rechtsalterthümer4 1, 186. 1111)
im vergleich. 11@aa)
der stecken
als stütze und halt: uf dene kann mer sich verlasse wie uf e gebrochene stecke Martin-Lienhart 2, 580
b; ein erzieher soll immerhin wie ein hölzerner stecken sein, an dem die blume des kindlichen gemüthes sich aufrankt Gutzkow
ritter vom geiste 5, 317. 11@bb)
von der armuth, die blösser dann ein geschelter steck Franck
sprüchwörter (1545) 1, 37
a.
zur charakterisierung der langsamkeit: da wers (
von der stell) gangen, wie ein alt weib am stecken
Gargantua 169
neudr. von einer steif zurückhaltenden person wird gesagt: es war, als habe sie einen stecken im rücken, als sie das sagte Zahn
helden des alltags (1907) 33. 11@cc)
ein wenig künstlich bewegt sich: so mag er die zyffer, die fünff bedut, mit einer sichel verglychen ... die fünffzehenden mitt eim stecken vnd einer sichel Riederer
spiegel der waren rhetoric (1493)
k 1
b. 11@dd) morsche stützen, die der mensch zerbricht wie einen stecken Germanicus
socialismus und die frau (1899) 74; was das, beim Jupiter! für eine sprache ist! als schlüg' ein stecken an einen alten rostzerfressnen helm! Kleist 2, 415
Schmidt (
Hermannsschlacht 5, 1). 1212)
in bildlicher übertragung. 12@aa)
in anlehnung an den stecken und stab des ps. 23, 4
oben unter 2
d α von gott und seinem heiligen wort: darumb lerne ja ein jglicher christ diese kunst, das er sich an diesen stecken und stab halte Luther 6, 347
a; wir wollen uns durch dieses finstre thal, liebster vater, an einem stab und stecken halten, der uns beide trösten soll Hamann
schriften (1843) 1, 335; wer gott zum stecken hat und seiner sich erfreut, dem musz ein wanderstab zu groszen heeren werden Hoffmannswaldau
gedichte (1697) 5, 165; darf ich doch nicht erschrecken: er (
gott) ist mein stab und stecken Neukirch
gedichte (1744) 82; der uns die eine freiheit gab, will auch die schön're schenken, du unser stecken, unser stab, lass deiner stets uns denken Schenkendorf
gedichte (1815) 23.
gottes wort: dein wort lindert all schmerzen, es ist mein steck und stab Steurlein
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 4, 5; er (
gott) war bey dir sonn und schild, und sein wort dein stab und stecken Schmolcke
trost- und geistreiche schriften (1740) 1, 959. 12@a@aα)
mit hinblick auf das vorige kann denn auch ein gutes kind stecken und stab
seiner (
alternden)
eltern genannt werden: ha! ha! das ist der feine junge herr, der seiner familie so grosse ehre macht, und einst der stecken und stab seiner ältern werden wird! Bode
gesch. des Thomas Jones (1786) 3, 395; die mutter nannte ihn (
den sohn) ihren stecken und stab J. Paul
leben Fibels 59; mit einem weibe ..., die mir zum stecken und zum stab 'n dutzend derbe buben gab Schubart
gedichte (1825) 3, 32.
verblaszter dafür stecken und trost: euere mutter, deren einige hofnung, stekken und trost ihres alters ihr seyd Butschky
hochdeutsche kanzelley 100; wer wird mein unterhalt? mein trost? mein stecken seyn? Gottsched
deutsche schaubühne 4, 252. 12@a@bβ)
auch sonst: lassen sie uns von den französischen übersetzern anfangen; sie sind ohnedem, wie ich nunmehr wohl sehe, ihr einziger stecken und stab gewesen Lessing 3, 413. 12@a@gγ)
selten im plural: meines alters stäbe vnd stecken so geschwind gleich mit zerbrochen sind
Königsberger dichterkr. 267
neudr. 12@bb)
der wanderstecken
des pilgers (
vgl. oben unter 1
d)
wird lehrhaft ausgedeutet von Keisersberg: der fünfft steck oder stab, den der tüfel einem bilger darstellet an stat einer christenlichen hoffnung ist ein schwinspysz einer gebickten stangen
bilgerschaft (1512) 39
b. 12@cc)
auf dem grund von oben 2
bewegt sich: der stecke solte auch hernacher folgen, das man zuschlüge, da gehört auff uns der Türcke oder sonst ein grewlicher tyran, wie wol unsere fürsten auch stecken gnug sind Luther 28, 654, 18
Weim., und hieran wohl anknüpfend: denn wie man sagt, wenn vns gott einen stecken oder strohhalm zum haupt setzet, so solten wir jn für vnser haupt erkennen, vnd dem selbigen ehre thuon Glaser
gesindteuffel (1564)
D 6
b. 1313)
sprichwörtliche redewendungen: 13@aa) er (
pastor Goeze) nennet weder sack noch esel, auf die sein stecken zuschlägt Lessing 10, 129,
d. h. sein angriff kommt von hinten herum, nähert sich der stichelei. 13@bb)
von einem der närrisches, verkehrtes zeug treibt, wird gesagt: (
er) geigt auff den nuszschalen, pfiff auff eim stecken
Gargantua 198
neudr. 13@cc) einem ins rad einen stecken schieben oder stecken,
ihm ein hindernisz bereiten, e stecke ins rad stecken Martin-Lienhart 2, 580
b;
auch einem fuszgänger einen stecken zwischen die beine werfen,
so dasz er zu fall kommt. 13@dd) einem steht kein stecken gerade,
ihm ist nichts recht, er ist mit nichts (
mehr)
zufrieden: der Marie-Liese steht auch kein stecken gerade, wegen ihrer verdrüsse mit ihrem junker und seiner schwester Holtei
erz. schriften 15, 181; weil unsere damen nicht auf der gallerie sitzen, steht dem jungen herrn kein stecken gerade 35, 192. 13@ee) dreck am stecken haben,
schon etwas auf dem kerbholz haben, schon einmal bestraft sein: die dreck am stecken haben, müssen sich klein machen Ganghofer
der mann im salz (
gartenlaube 1905
s. 947
a); die meisten aber leugnen die hexerei, weil sie selber dreck am stecken haben und vor dem richter zittern 782
a.
dementsprechend denn auch: de bekommst dreck an den stecken,
du wirst bestraft Martin-Lienhart 2, 580
b. 13@ff) einem den stecken geben,
ihn verabschieden und aus dem hause schicken, mit dem beisinn, dasz er nun heimathlos sei: geb dem mann sein stecken,
mach, dasz der mann fortkommt Askenasy
Frankfurter mundart 37; meine letzte amour, die ich verlassen hab' oder, wie man in der hohen dichtersprache sagt, der ich den stecken gegeben hab', hat mir beim abschied prophezeit Raimund 1, 7 (
barometermacher auf der zauberinsel 1, 2);
wie es auch im folgenden heiszt '
blosz und aller habe bar durchs land fahren': Jacob ... war ein armer schlucker, hatte nichts als ein stecken in der hand Abraham a S. Clara
etwas für alle (1699) 1, 252,
von wo aus sich versteinerungen begreifen wie die folgende: und die selbigen knaben, die zeren alwegen bey den wirten, die zu dem stecken heissen, das ist als viel, das sie keinen wirt bezalen, was sie yhm schuldig sind Luther 26, 651
Weim. doch die leichtlebigkeit spricht: seit ich ... mich durch ergreiffung des sacks und steckens in die unschätzbarliche freyheit unsers herrenlebens gesetzt
Simpl. 2, 349
Keller. 13@gg) einen stecken dabei stecken
und sich so eine stelle in der landschaft merken, sie für künftiges wiederfinden bezeichnen; es ist eso', de chanst e stëke derzue steke
du magst es dir nur merken Hunziker
Aargauer wörterbuch 252.
eine andere seite des sprachlichen bildes entwickelt: wenns dir nit gfallt, so steck e stecke derzue Martin-Lienhart 2, 580
b;
d. h. halte dich dabei nun nicht weiter auf und gehe deinen weg weiter; ist er nicht zufreden, stosz er einen stecken derzu
ebenda. den allgemeinen sinn '
ein exempel statuieren, das sich andere merken mögen',
hat es im folgenden: wir wollen schon dahinter kommen und einen stecken dabei stecken, so dasz jedermann mit unserer justiz zufrieden sein musz Huch
hahn von Quakenbrück 24. 13@hh)
ob die redensart: uf dem stecken sitzen,
im zweifel sein, in banger erwartung leben Martin-Lienhart 2, 580
b mit der andern ebenda verzeichneten: er geht mit den hüehnern uf den stecke,
d. h. er geht früh zu bett und steht früh wieder auf, zusammenhängt, musz zweifelhaft bleiben. 1414) stecken
in der bildlichen einkleidung der negation zugleich mit verstärkendem beisinn: das freylich dieser konig nicht ainen stecken zu eigen hat ynn aller wellt Luther 30, 2, 406
Weim., d. h. rein garnichts; wenn ers thun durfte, er (
der teufel) lies dir nicht ein gans leben, und ynn summa ... keinen stecken stehen 32, 115, 8
Weim.; weder kuo noch gansz, ja kein steck an deinem hauss belibe dier 32, 555, 6
Weim.; ihr solltet nicht einen stecken behalten 33, 606, 38
Weim.; ich habe nicht einen stecken holtz im hause Kramer
dict. 2 (1702), 923
a. 1515)
entsprechend der unter span,
astula A II 6 (
th. 10, 1
sp. 1866),
dafür aufgewiesenen bedeutung '
geld'
hat diesen sinn auch der plural stecken: mit denne
n par stëcke
n, wi
e er verdient, kann er ke
in grossi sprüng mache
n Martin-Lienhart 2, 581
a,
doch zugleich mit hervorhebung des wenigen, geringen. 1616) stecken,
brennholzmasz in Frankfurt a. M. und im groszherzogthum Hessen. handschriftl. mittheilung von Hoffmann von Fallersleben,
vielleicht eigentlich '
ein bündel holz so grosz, wie man es auf einmal auf dem tragstecken fortschaffen kann'. 1717)
dünne, magere beine und arme heiszen stecken: der teufel soll mich mit brennenden granaten neunundneunzig mal todt werfen, wenn mein kleiner finger nicht gerade so dick ist, wie des windhundes seine tausendsackermentischen stecken von beinen Holtei
erzähl. schriften 6, 81; seine arme sind die reinen stecken.
der ausgangspunkt findet sich in dem vergleich beine, arme haben so dünn wie ein stecken. 1818)
dementsprechend auch von einer hageren person überhaupt: ein alter stecke, ein alter schedel Berthold von Regensburg 1, 416, 34;
entsprechend dem vergleich: ich rufe gott zum zeugen an, der kerl sei so dünn als ein stecken Kleist 4, 211
E. Schmidt. 1919) stecke,
membrum virile Martin-Lienhart 2, 581
a;
dazu die redensart: di
e ge
ht an de
n stecken. 2020) stecken
in Obersteiermark ein schmaler, auf beiden seiten abschüssiger felskopf, der von der schneide aus gesehen wie ein schmaler kegel aussieht Unger-Khull 571
a.