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stecken

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stecken m.

Bd. 17, Sp. 1288
stecken, m. , baculum, ahd. stekko, mhd. stecke (die daneben sich findende rein oberdeutsche form ahd. stehhan, mhd. stechen hat noch in einem seltenen frühnhd. staechen vallus Diefenbach glossar 606a ihre entsprechung). stecke, stecken gebildet zu dem verb. 1stecken (s. unten) und eigentl. 'der (in die erde) gesteckte stab, stock u. s. w.' dieses verhältnisz machen noch fühlbar: kästenbäum pflanzt man auch als dann von stecken, die man inn das erdrich stecket Sebiz feldbau (1579) 52 und der beleg bei Sperling Nicodemus quaerens 1 (1718) 1383, unter 1stecken verb. 2 a, vgl. auch den wirthschaftlichen begriff (zaun)stecken unten. weitere westgermanische entsprechungen sind as. stekko (mndd. steke) und ags. sticca (engl. stick). lehnwort ist ital. stecca stab, stock (stecco, dorn) und ebenfalls wohl schon aus früher zeit anord. stjaki 'pfahl, stange'. über das aus dem niederdeutschen entlehnte subst. sticken, m. s. unten, und über die beziehung zu staken, m. s. oben, sp. 586. die form stecke neben staken belegt noch Stieler 2160 und Kramer dict. 2 (1702) 923a. daneben ist eine kurzform steck (wohl unter dem einflusz von stab und stock zu stande gekommen): in der älteren sprache wiederholt zu belegen ain ainser stegk Zingerle mittelalterliche inventare 4, 318 (Bozen 1485); der steck (im zaun) tirol. weisth. 4, 198, 32 (Wangen); ein steck oder gert, rut virga, virgula Alberus dict. (1540) 4a; ein krummer steck uncus, uncinus ebenda; ein steck, damit mann die leut bei seits triebe, wenn man in der götter ehr mit der process gieng commetabulum ebenda; stäck, stab scipio, fustis, baculus, baculum Maaler 383b; steck, stab baston, eschalas Hulsius (1616) 307b; steck, stock bastone, palo (1618) 238b; mein trost bei mir ist diser steck Frischlin dichtungen 119. beide formen neben einander: darob ward er dermassen erzürnet, dasz er einen stecken zuckt, den er in seinen händen trug, und einen knecht schlug, dermassen, dasz der steck von dem streich zerbrach buch der liebe 286a. in einer weiteren angleichung des vocals an stock: leyt neben mich ainen stöcken, damit ich sy (die thiere) müge von mir treyben Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 60. eine seltene nebenform steckten bietet Pauli mit einem steckten schimpf und ernst 37 Österley. bedeutung: 11) baculum, der wanderstab, doch von vornherein eingeschränkter im gebrauch als stab (s. oben sp. 335 unter stab II 5) und besonders unten stock. der stecken ist besonders das geräth alter leute, auch der lahmen, krüppel und blinden; so hat man sich ihn auch zumeist ohne alle kunstvolle bearbeitung zu denken und nur wenig verschieden von den rohen genossen im zaun des hofes oder gartens. sie (die alten leute) können nicht mehr gehen, sondern müssen ihre zuflucht zu den stecken nehmen Fleming der teutsche soldat 4, 11. sich an einen stecken lehnen: sich an ein stäcken erstützen oder leinen incumbere baculo Maaler 383b; (sie) Cymon vor ir an seinem stecken leynen sahe Arigo 312 Keller; ach got der da gesehen het die junge ritter an stecken geleynet durch das schlosz Montabor hungers halben wandern Aimon 10; allein der halb verschmachtete arme tropf danckte gott, dasz er an seinen stecken sich noch lehnen konnte polit. stockfisch 204. sich an einem stecken (weiter) steuern: Teutschland gehet auff in der gestalt eines armen elenden bettelweibes, ... sie steuret sich an einem stekken Rist friede wünschendes Teutschland (1648) 130; jenner gehet vber land, vnnd in mangel pferds trägt er einen stecken in der hand, an den er sich steyret Moscherosch gesichte (1650) 2, 145. am stecken gehen: so spricht der herr Zebaoth, es sollen noch förder wonen in den gassen von Jerusalem alte menner vnd weiber und die an stecken gehen fur grossem alter Zacharj. 8, 4; sie kam an eym stecken gegangen Wickram 7, 137, 648 Bolte; der alte narr muosz erst am stecken leren gon Gengenbach 71 Goedeke; da merkt die königin, dass da (in Prag) nicht wär gut bleiben, kein feuer mocht sie schmeckn, wer nicht mit ihr konnt reiten, musst gehen an dem steckn Opel-Cohn dreiszigjährig. krieg 82; wo die greisen leute stehn, und krummgebückt an stecken gehn Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 75. deutlicher arbeiten die folgenden belege die sphäre heraus: der maler lässt den greis am stecken kraftlos schleichen, uns ist, als hörten wir den greis vernehmlich keichen Gellert werke 7, 12; auf einem dunkeln pfad schlich ein gebückter greis an seinem stecken Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 198; dort kriechet ein alter an dem dürren stekken Lenz gedichte 28 Weinhold (landplagen); sich durch einen jungen knaben an einem stecken an die strasse führen lassen Simpl. 2, 347, 3 Keller. 1@aa) auch bärenführer lassen den tanzbären am stecken schreiten: Estherchen lachte und freute sich unbändig über den bären, wie er so zierlich umherwatschelte mit seinem stecken Keller 4, 21. 1@bb) neben krücke (s. th. 5 sp. 2427): in einer wallfahrtscapelle secht an den grossen hauffen der krucken vnnd stecken Paracelsus (1616) 1, 107; was krebs, eiter, grind ... hat, war hier in Aalen, und auf dem wege nach Ellwang an krücken, an stecken, auf eseln ... zu sehen Schubart leben 2, 96. 1@cc) im sprichwörtlichen vergleich bewegt sich die redensart er schreit wie ein blinder nach seinem stecken: derhalben wöllen wir nicht, bisz jhr vns vnser geläut und glockenbüttlichkeit wider gebet, nachlassen, euch nachzulauffen vnd nach zu schreien, wie ein plinder der seinen stecken verloren hat Gargantua 244 neudr.; sie schreit wie ein blinder, der seinen stecken verlohren hat Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele (1641) 2, 290. 1@dd) mit einer gewissen absicht suchen die sphäre unseres wortes: (es) wurde mit einem stecken an die thür geklopft Storm 5, 196; Hinzelmeier griff nach seinem stecken, den er beim eintritt an die thür gestellt hatte 3, 25: sechsmal ist sonne schlafen gegangen, seit ich den heiligen stecken empfangen Z. Werner kreuz an der Ostsee (1806) 74. 1@ee) in symbolischer sprache: von der wiegen bisz an die krucken odder stecken, versteh von kindswesen auff bis in das alter Franck sprichwörter (1545) 1, 1a, ja, bis zum höchsten alter, wie im folgenden: in der gantzen statt ward niemand verschont, alles erwürget, weib vnd kind, alt leut an stecken S. Franck chronicon (1538) 135b. 22) der stecken als primitives schlaginstrument besonders beliebt: mit einem stecken schlagen battere con un bastone, bastonare, dar bastonate Kramer dict. 2 (1702), 923a; als sy den selben jemrigen mit stecken schluogent Niclas von Wyle translationen 261, 21 Keller; wie der rhümen kan, der den stecken füret vnd hebt und füret jn so leicht, als were er kein holtz Jesaj. 10, 15; der die jungfrawen mit einem stecken schlug Amadis 1, 129 Keller; ausserdem würdest du, mit beyhülfe eines steckens dich in etwas malträtiert befinden Iffland theatral. werke 1, 277 (komet 7); und haist do zwen starck junge knaben her zu mir gen und mich do fahen und mich mit stecken seer do schlahen pfarrer von Kalenberg 7, 138 neudr.; wer ein böses weib hat am sonntag, der schneid 'nen stecken am montag, prügle's weib am dienstag Holtei schriften 21, 34; mit stecken schmeiszen, schlagen; vgl. schmeiszen (th. 9 sp. 1003): an statt, dass er soll pfenning suchen, und da mit kleydung, brot und wein mitleidenlich behilflich seyn, heyst er den armen mann abweissen, und noch dazu mit stäkken schmeissen. Rompler von Löwenhalt (1647) 21. in der anrede an einen schulmeister: du andrer Nero, du, der mit der ruten läuft, der mit dem stecken schmeisst, der stösset, schlägt und räuft Grob dichter. versuchg. (1678) 50. selten das geräth im bloszen accusativ: einen stecken an den hals schlagen inquutere in caput scipionem Corvinus fons lat. 529b. einen mit einem stecken von dannen jagen: die pewrin mich grob anzannen, jagen mich offt mit stecken dannen H. Sachs 9, 9 Keller-Götze. 2@aa) als ethnographischer begriff wird er geschildert: nicht mit einem indianischen rohrstab, sondern mit einem teutschen stäcken Moscherosch gesichte (1650) 219. 2@bb) in verbindung mit entsprechenden begriffen: etwann das ainer geschlagen würdt mit ainem kolben oder stecken Braunschweig chirurgia (1539) 25a; mit ruthen, stecken und geisseln über die blosse dicke und schienbeine geschlagen werden Stranitzky ollapatrida 308 Wien. neudr.; gebrauche fingerkraut, faust, peitschen, prügel, stecken: es ist mit nichts gethan Rachel satyr. ged. 20 neudr St. Niklas spricht: so bringe ich euch den stecken und die ruth Arnim 17, 384; mit schollen, steinen, stangen, rohren, stecken, mit fäusten wollen wir sie niederstrecken Rückert (1867) 12, 63. die begriffe durch allitteration gebunden: stock und stecken Fischart bienenkorb (1588) 69a; ey, das wär der sündigen welt ein guots euangelium, das sie billich, wanns müglich wär, mit stangen und stecken erhalten solt Nas antipap. eins vnd hundert (1567) 3, 237a; die bürger schlagen einander mit stecken und stangen Prätorius anthropodemus pluton. (1666) 1, 235; als einem mörder sicherlich habt ir gesuchet mich mit spiessen, stecken und stangen altdeutsche passionssp. aus Tirol 57 Wackernell; mit stangen, steken und stainen Steinhöwel Äsop 101. über stecken und stab vgl. unten 2 d. 2@cc) als züchtigungsmittel in der hand des lehrers: plan, den stecken des praeceptors mit dem taktstocke des musikdirektors zu vertauschen Schubart briefe 1, 147; der religionsunterricht ... begann meistens mit der warnung: buben, wenn ihr euch nicht vor dem namen Jesu beugt, so schlag ich euch den stecken um die füsze herum Kerner bilderbuch (1849) 198. zugleich als tactstock dienend: der stecken (des cantors) musz die stimmen führen Abraham a S. Clara etwas für alle 2, 134. 2@dd) als geräth zum antreiben von (haus)thieren: denn du hast das joch jrer last, vnd die rute jrer schulter, vnd den stecken jres treibers zerbrochen Jesaj. 9, 4; unter dem stecken der treiber vgl. Herder 19, 324 Suphan; mit beiden händen die zügel, in der rechten überdies einen stecken haltend Gerhard akad. abhandl. (1866) 1, 24; besonders für den esel gebräuchlich: si asino omnino non dares futter und stecken, werden den esel nicht lang lassen ghen Luther 34, 2, 458, 10 Weim.; doch sagk und stecken mussen nicht alleyne seyn, szunder das futter auch ebenda 25; sein (des esels) haut ist so hart, dass er weder des stäckens noch des rägens achtet Gesner-Forer thierbuch (1563) 41; der eseldieb ... triebe den esel an mit dem stecken, in meinung, desto geschwinder nach haus zu kommen Abraham a S. Clara etwas für alle 2, 15. allgemein zum verscheuchen von thieren dienlich: vnd der Philister sprach zu David, bin ich denn ein hund, das du mit stecken zu mir kompst? 1. Sam. 17, 43; dann wann die katz will häfen lecken, so büszt man jhr den lust mit stecken Fischart flöhatz 33 neudr.; als wann ein esel mit verlangen ist in ein korenfeld gegangen, darinnen er vil schadens thut, so lauffen her auss frischem muth die baurenbuben mit den stecken, er aber lasst sich nit erschrOecken Spreng Ilias (1610) 149b. besonders alterthümlich als hirtenstecken (s. th. 4, 2, 1578), um die weidethiere zusammenzuhalten, doch nicht eigentlich (trotz Butschky unten) als waffe wider die wilden thiere, wo der kolben seine sache thun muszte (s. hirtenkolbe unter kolbe II 1 b th. 5 sp. 1604); mit groszer wahrscheinlichkeit hat man die groszen (in der längsaxe unsymmetrisch durchlochten) steinhämmer als solche hirtenwaffe der urzeit angesprochen: ein schäffer rath schlagt mit seim stecken Kirchhof wendunmuth 2, 190. dementsprechend als idyllisches tändelgeräth der vornehmen gesellschaft des 17. und 18. jahrhunderts: derowegen an einem sontag hernach, als ob ich nur in die gärten spatzieren wollte, gantz allein, mit einem à la mode stecken (hirtenstab) in der hand, das wasser hienunder schliche Moscherosch gesichte (1650) 2, 24. 2@d@aα) stark fällt hier aber die biblische sprache ein, mit anlehnung an Luthers übersetzung von 'virga et baculus': und ob ich schon wandert im finstern tal, fürchte ich kein vnglück, denn du bis bey mir, dein stecken und stab trösten mich psalm 23, 4, wo gott als der gute hirte vorgestellt wird; vgl. auch: fürchte dich nicht, mein volck, das zu Zion wonet, fur Assur, er wird dich mit dem stecken schlahen vnd seinen stab wider dich auffheben, wie in Egypten geschach Jesaj. 10, 24; wer ... ohne alle list leben wil, der begehret, unter den wölfen ... ohne stab oder stekken zu wandeln Butschky Pathmos (1677) 9; dein stab, herr, und dein stecken benimmt mir all mein schrecken P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 357a; er (gott) gleittet mich zu tag vnd nacht, mit seinem steck vnd stabe Ringwaldt handbüchlein B 10b; zu der verbindung stecken und stab vgl. auch stab II 5 d (oben sp. 339); deine ruthe und dein stecken haben mich getröstet Mayr päckchen satiren 54, 1. er weyset mir den ort mit seinem stecken, da für und für ich wohnen mag ohn schrecken Weckherlin gedichte 2, 70, 78. s. auch unten die bildliche verwendung, welche hier ihre hauptnahrung gefunden hat (unter 12 a). 2@ee) die virgae der fasces der römischen lictoren werden als stecken gedacht: ist wohl eine schimpfflichere dienstbarkeit zu ersinnen, als dass Deutschland ... beil und stecken gleichsam zum täglichen schrecken fürtragen sehen musz? Lohenstein Arminius (1689) 1, 19b; vgl. auch er liess ... die frembden so bald mit weinstöcken, als die römischen bürger mit gemeinen stecken schlagen 1, 44b. dagegen der unten aus dem ruthenbündel heraussehende stiel des beiles ist gemeint: zuo Rom giengen den oberen gewaltschergen vor, mit wellenruoten vnd eim beihel an einem stecken Heyden Plinius (1565) 46. 2@ff) selten mit stecken werfen, doch nur wenn ein schlagen nicht mehr möglich: einen stecken nach dem hasen schleudern vgl. Peschel völkerkunde 496. anders gedacht aber sind: (geworfene) stecken die da waren gebrant vnd vornen fewrig spitzen hant Murner Äneis (1543) o 1b. 2@gg) stecken im gegensatz zum schwert und dadurch als ungefährlichere waffe charakterisiert: zefuosz, on weer vnd nitt zerosz, on schwerdt, mit stecken vnd demuot schweiz. schauspiele 3, 119 Bächtold; lobt ihr das schwert, wenn ihr's nennt schärfer als den stecken? Rückert werke (1867) 8, 245. so wird das schwert in spöttischer rede (gleichsam in der hand eines kindes gedacht) stecken genannt: hat man dir drumb den stecken geben, dasz du mir also freuenlich vnter meinen augen meine liebe freund soltst ermörden Gargantua 422 neudr. gefährlich wurde der stecken erst durch seine spitze, mochte sie nun durch feuer gehärtet oder mit einem metallschuh versehen sein: underredten sich, das sie kein schädliche wehr ... brauchen solten, kein kolben noch spitzig stecken Wickram 2, 276, 18 Bolte. 33) selten ist der stecken aus anderem material denn aus holz; er ist dann kunstvoller hergerichtet, und stab wird dann durchaus vom sprachgebrauch bevorzugt (s.stab 4 f oben sp. 334): czwen eysen steken Zingerle mittelalterl. invent. 16, 21 und 44, 256, wo es zweifelhaft bleibt, ob nur mit eisen beschuhte stecken gemeint sind (vgl. oben 2 g). — elfenbeinerne stecken: (er) schluog den Gallier mit einem helffenbeinin stäcken Stumpf Schwytzerchron. (1606) 152b. 44) der in die erde getriebene stecken: er trieb frische stecken je zu zweien in den boden Rosegger schriften (1895) 1, 82; ob ich etewenne korn ûf dem tenne mit drischelen ûʒ gebieʒ od ob ich stecken ie gestieʒ Helmbrecht 318. 4@aa) eingeschlagener stecken, welcher die grenze bezeichnet: item so ainer dem andern die marchstain oder stecken verändert oder selbs aussteckt und wiert verklagt, ist peen von iedem mark funfzig phunt persar tirol. weisth. 4, 704, 6 (Buchenstein 16. jh.) vgl.marcstecke Schm. 3, 610. 4@bb) insbesondere der zaunstecken (s. unten), um welchen sich das flechtwerk des alten zaunes herumlegt, wie der zettel des gewebes um den einschlag: stecken in einem zaun vgl. Schumann nachtbüchlein 232 Bolte; von zeun und stecken ausprechen tirol. weisth. 4, 432, 24 (Sterzing); spelten, stöcken, zaunring 4, 463, 15 (Moos 18. jahrh.). hierher wohl auch: durch dornen und hekken, durch stauden und stekken ... wil ich mir machen eine bahn Silesius heilige seelenlust 14 neudr.; ein von einem zaune abgebrochener stecken Krünitz 171, 121. 4@b@aα) in sprichwörtlicher redensart: so rasch wird der stecken nicht vom zaun gebrochen Storm 7, 227, das heiszt die gelegenheit. vgl. die gelegenheit vom zaune brechen und unter zaun, eigentlich einen streit, einen rechtshandel kurzerhand hervorrufen, wie ihn die wendung solt man ein sache vom alten zaun brechen Luther 5, 287b noch in gröszerer frische spiegelt, denn sache ist hier noch ganz 'rechtstreit' (vgl.sache II 1 th. 8 sp. 1593); sie, die seit fünfzig jahren täglich ihren stecken vom zaune brach — sie will ruh' haben Rosegger wildlinge (1906) 356. 4@b@bβ) an den zaunstecken denkt wohl auch die bauernregel: es ist kein aprill so gut, er schneit dem stecken auch ein hut Kirchhofer schweizerische sprichwörter (1824) 313. 4@cc) kleinerer pfahl, um büsche, stauden und junge stämme damit zu befestigen: stäcken stossen im weyngarten vineam pedare Maaler 383b; man steckt die reben. man biegett sy von oben hernider biss auf die erden vnd steckt sy denn mit starcken ramen oder mit stecken, da mit die reben auffenthalt haben Thauler sermones (1508) 27a; schneid die wurtzeln der reben ab, vnd vmbstellet sie mit stecken Sebiz feldbau (1579) 50. — und sie pinden in (den pfeffer) an stecken als die weinreben Schiltberger reisebuch 80, 7; item eyn gartner, wann er junge reisz oder bäumlin sezt, steckt er eynen stecken darbei, das sie stracks vnd gleich aufwachssen Fischart ehzuchtbüchl. 279 Hauffen. mit völliger einkehr in das bild: thuo deinem sun als einem zwig, dem stelst du ein stecken zuo vnd bindest in daran, das er daran vffrecht wachsz. also den stecken der straff, bind in deinem sunn zuo, das er nicht von einem ieglichen wind seines eignen willens vmmgeworffen werd Keisersberg narrenschiff 174b. 4@dd) pfähle für tische und bänke im freien: der Fritz und seine gesellen hatten ... mit in den grasboden eingeschlagnen stecken und darauf genagelten brettern tische und bänke ... hergestellt Ludwig 2, 284. 4@ee) der leichnam des besiegten feindes wird auf einem in die erde getriebenen stecken zur schau befestigt: so nympt er in (den besiegten gegenkönig) und setzt in auff ein stecken, das im der steck zu dem halss wider aussgeet und muss auff dem stecken erfaulen Schiltberger reisebuch 65, 16. schon mhd., wo aber nur der kopf dieses schieksal erfährt, im übrigen eine alterthümliche sitte: hie (in dem baumgarten) was gestalt ein wîter rinc von eichînen stecken. des wundert Êrecken. ir ieglîch was sus bedaht, ein mannes houpt dar ûf gestaht, wan einer der was lære Hartmann Êrek 8770. 4@ff) im geschauten vergleich: her Nîthart hât uns hie verlâʒen als diu krâ den stecken, diu dâ hinne fliuget unde sitzet ûf ein sât Neidhart 198 Haupt (vgl. die anmerkung dazu). 55) in wirthschaftlicher sprache findet sich der stecken noch: 5@aa) als schürstock des feuers: welcher ... bey einem grosen hellen feur pflegt sein gepäck zu wärmen, vnd zu erharren, wann er von dem äcker der kesten feister würde, vnnd pflegt dieweil mit eim angepranten stecken, damit man das feur schüret, auff den herd etwas zu malen vnd zu schreiben Gargantua 329, vgl.schürstecke mhd. wb. 2, 2, 625b. 5@bb) als rührstock für flüssigkeiten: wo der weyn ... seiger werden wil, vnd man denn mit einem gespaltnen stAecken jn abbräwet Gesner-Forer thierbuch (1563) 20; schwencke das wasser in einem gefesz mit einem stecken geschwindt vmb Ercker mineral ertzt (1580) 73a. 5@cc) als tragstock im wurstwiemen: es wär glich als mglich, das ganz meer an den regenbogen zuo henken, wie ein brotwurst an ein stecken, das es tüerr und drucken wurd Manuel 230, 12 Bächtold (krankheit der messe). ähnlich auf der wanderschaft: und sie kamen bis an bach Escol, vnd schnitten daselbs eine reben ab mit einer weintrauben, vnd liessen sie zweene auff einem stecken tragen 4. Mos. 13, 24; er understuond die strassen dermassen zuo sicheren, dasz einer gold on sorg an einem stecken durch das land möcht tragen Münster cosmogr. 509. 5@dd) auch zum aufschütteln des bettes: aber wann mir das Cläuszle nit folgen wolt, botz krisam, so wolt ich jhn so jämmerlich abbören mit diesem stecken (dann er hett eben damals seinen stecken, damit er das bett macht, inn der hand, und fantasiert dran) Gargantua 357 neudr. hier knüpft wohl die redensart an: das weib ist so garstig, dasz man sie kaum mit einem stecken anrühren oder aufheben möchte Kramer dict. 2 (1702), 923a. 5@ee) stecken bilden das gerippe eines korbes, welche dann das eigentliche geflecht tragen (ähnlich wie oben zaunstecken): körb, von starcken stecken vnd zaunruhten geflochten oder gezäunet Kirchhof milit. discipl. 171; vgl.lärchen, die gut zu spelten, stecken, seilen oder ander notturft zu gebrauchen sint tirol. weisth. 1, 129, 7 (Lichtenwert 1519). 66) eine kleinere fahnenstange: ein mann von mittlerm alter ... ging voran und hielt ein weiszes tuch auf einem kleinen stecken empor Forster schriften 1, 455; nachdem der stecken mit der weissen grundfarbe bestrichen, welche für beide königreiche dieselbe war, wurde er mit einer spirallinie von der andern farbe umwunden Keller 3, 77; die lieb, recht als ain hader, empor an ainem stecken schwebt Hätzlerin liederbuch 241, 233; auch sonst gebräuchlich, um etwas den leuten sichtbar voranzutragen, vgl.: niemand hab jn vermöcht, das er die kron ie ein mal auff sein haupt setze, sonder allweg auff einem steckenn vor jm her tragen lassen Franck chronicon (1538) 38b. 77) die kinder reiten auf dem stecken, nehmen ihn rittlings zwischen ihre beine. vgl. dazu unten besonders steckenpferd und steckenrosz, sowie steckenreiter: stäcken darauff die kind reytend, was vor zeyten ein ror, bey vns badenrOesszle genannt wurde arundo Maaler 383b; aufm stecken reiten equitare in arundine longa Corvinus fons lat. 70a (vgl. Steinbach 2, 690); auf einem stecken reiten cavalcare un bastone ò una canna Kramer dict. 2 (1702), 923a; Agesilaus reut mit den kindern auff dem stecken herumb Gargantua 293 neudr.; 'quum ipse quoque pater evaseris, tunc patribus consilium dabis' sagte Agesilaus, als ihn einer sahe mit seinen kindern auff dem stecken reiten Moscherosch insomnis cura parentum 133 neudr.; der sagt, was er getriben hab, da er noch war ein junger knab, wie er auff steckn geritten sey, und triben seltzam spil darbey Scheit Grobianus 2033 neudr. ganz an stelle des kunstvoller gearbeiteten steckenpferds: auf Josephs stab ein männlein seie geschnitzlet gestanden, wie man sihet an denen stecken, da kinder ... auff zureitten pflegen Fischart bienenkorb (1588) 152b. 7@aa) als ausgesprochenes charakteristicum der jugendzeit: glücke läst sich nicht beherrschen von dem alter oder zeit: manchem bringt es schöne früchte, wann er noch auf stecken reit Logau sinngedichte 604, 76 Eitner. ähnlich: es ist nicht mehr vmb die zeit da Gretlin span und Hänszlin stecken ritt Fischart bienenkorb 139a, d. h. die tage der kindheit sind vorüber. 7@bb) übertragen mit beziehung auf liebhabereien, neigungen und gewohnheiten, welche so in den kreis des kindlichen, ja kindischen gebracht werden sollen (vgl. die reichere entwicklung unter steckenpferd 2): können sie den mann grosz finden, der niemals anders als auf seinen eigenen stecken reiten will Möser werke 3, 45 Abeken; nun setzten sich diese exegeten nackt auf stecken und hölzerne pferdchen, und ritten hin und her Zimmermann über die einsamkeit 2, 63 anm.; der ist ein guotter gouckelman, der zuo ross nit rytten kan vnd sitzet dannocht vff eim stecken, vff das er ryt mit andern gecken, ein valsche freud im selber macht Murner narrenbeschwörung 74, 3 neudr. 7@cc) im sprichwort: es ist docken werck, auff stecken geritten, es ist wol halb zuo fuoss gangen Franck sprüchwörter (1541) 1, 120b; dann darvon pflege man im sprüchwort zu sagen: stecken reiten sey helb gegangen Agyrtas grillenvertreiber (1670) 81; die schenckel empfindens wol, so man auff stecken reit Franck sprüchwörter (1545) 1, 81a. 88) der stecken als göttliches symbol, so des Hermes τριπέτηλον ῥάβδον: ey, ey, wie ein seltzamer mann! hat an seim stecken zwo schlangen, kan fliegen vnd kombt doch gegangen Ayrer dramen 516, 2; vnd mein Mercurisch richterstab mit igelschmaltz ich geschmieret hab, darmit ich euch flöh stillen mag, das jhr werd stumm, vnd daub vnd zag, wie Mercurius mit seim stecken kondt schlaffen machen vnd erwecken Fischart flöhatz 49 neudr. auch der dreizack des erderschütterers Poseidon: mit dem dreygespitzten stekken schlug er in das blaue meer Neumark musik.-poet. lustwäldchen (1652) 104. 8@aa) hier möge auch platz finden, wenn in der deutschen sage der treue Eckhart einen stecken führt: es soll aber vor dieses teuffels heer ein ... alter mann, welchen sie den getreuen Eckhard nennen, herziehen, und mit einem stecken ... forne an marchiren Praetorius Blockesberges verrichtung (1668) 15; ganz ähnlich wie Moses in der jüdischen: wo schreibt Lykurgus denn, und Moses mit dem stekken, dass eine hausfrau nur sol draat und finger lekken? Rachel satyr. ged. 35 neudr. 99) als magisches geräth: o du böses, altes wyb ... wie bist so blindt in disen sachen, das du wenst, du kynnest machen wetter, hagel oder schne, kinder lemen, darzuo me, vff gesalbten stecken faren! Murner narrenbeschwörung 46, 34; wann dir eine wunde fürkommet, so nim einen höltzern geschelten und reinen stecken Nigrinus von zäuberern (1592) 101; wenn Faust auf seinem mantel fuhr, und zur beschimpfung der natur mehr wunder in der welt, als Mosis stecken wirkte Gottsched gedichte (1751) 171; der weise ziehet einen kreis, schlägt dreymal mit dem goldnen stecken Ramler fabellese (1783) 1, 102. 1010) vereinzelt an stelle des stabes als rechtliches symbol (vgl.stab II 8 f. oben sp. 346 f. und Amira der stab in der germanischen rechtssymbolik 1909): das wörtlin aber 'virga', das hier steet, haisst nach latein ain ruot oder steck, als die richter in der hand tragen Luther 1, 694 Weim. 10@aa) an den stecken des richters geloben, d. h. 'tacto baculo judicis spondere' vgl. Jak. Grimm rechtsalterthümer 135: Herman Lobers dochter sol pilch dem schultheissen an dem stecken geloben Marburger akte von 1525 bei Crecelius 2, 807; auch an den stecken des ortsvorstandes gelobt sich die gemeinde zum gemeinsamen handeln Vilmar 398 (z. jahre 1609). deutlicher ist an den stecken greifen (vgl. das entsprechende unter stab II 8 g ζ sp. 349): hait he der burgen nicht, he sal dem richter an den stecken grifen, das ist so viel als hantgelobede Schminke monim. hass. 2, 721. doch den nur vereinzelten gebrauch bestätigt auch der gegensatz: der scepter eines richters kein stecken eines blinden, sondern wachsamb und sehend Albertinus hirnschleiffer (1664) 108. 10@bb) selten auch über einen den stecken brechen (das häufigere unter stab II 8 g θ sp. 349 und vgl. dazu Möller in der zeitschrift für rechtsgeschichte 21, 63 ff.): sie seind verdampt, da hilfft nichts zu, den stecken will ich brechen nu Krüger action von dem anfang und ende der welt (1580) C 3a; kaum ist ein (verleumderisches) wort gesprochen, es ist so bald geglaubt. der stekken ist gebrochen, die unschuld ist in not, ja umb den halss gebracht Rachel satyr. ged. 68 neudr. 10@cc) an stelle des weiszen stabes und noch gewöhnlicheren stockes (s. unten) in der hand des recht- und besitzlosen, des landflüchtigen: jedem gefangen ein stecken geben und in die kirche sperren Gargantua 266a; da ich war wie ein krug, mich mein vater zum haus hinaus schlug, er gab mir einen weiszen stecken in meine rechte hand und weiste mich in das drei und dreiszigste land schwerttänzerlied bei Jak. Grimm rechtsalterthümer4 1, 186. 1111) im vergleich. 11@aa) der stecken als stütze und halt: uf dene kann mer sich verlasse wie uf e gebrochene stecke Martin-Lienhart 2, 580b; ein erzieher soll immerhin wie ein hölzerner stecken sein, an dem die blume des kindlichen gemüthes sich aufrankt Gutzkow ritter vom geiste 5, 317. 11@bb) von der armuth, die blösser dann ein geschelter steck Franck sprüchwörter (1545) 1, 37a. zur charakterisierung der langsamkeit: da wers (von der stell) gangen, wie ein alt weib am stecken Gargantua 169 neudr. von einer steif zurückhaltenden person wird gesagt: es war, als habe sie einen stecken im rücken, als sie das sagte Zahn helden des alltags (1907) 33. 11@cc) ein wenig künstlich bewegt sich: so mag er die zyffer, die fünff bedut, mit einer sichel verglychen ... die fünffzehenden mitt eim stecken vnd einer sichel Riederer spiegel der waren rhetoric (1493) k 1b. 11@dd) morsche stützen, die der mensch zerbricht wie einen stecken Germanicus socialismus und die frau (1899) 74; was das, beim Jupiter! für eine sprache ist! als schlüg' ein stecken an einen alten rostzerfressnen helm! Kleist 2, 415 Schmidt (Hermannsschlacht 5, 1). 1212) in bildlicher übertragung. 12@aa) in anlehnung an den stecken und stab des ps. 23, 4 oben unter 2 d α von gott und seinem heiligen wort: darumb lerne ja ein jglicher christ diese kunst, das er sich an diesen stecken und stab halte Luther 6, 347a; wir wollen uns durch dieses finstre thal, liebster vater, an einem stab und stecken halten, der uns beide trösten soll Hamann schriften (1843) 1, 335; wer gott zum stecken hat und seiner sich erfreut, dem musz ein wanderstab zu groszen heeren werden Hoffmannswaldau gedichte (1697) 5, 165; darf ich doch nicht erschrecken: er (gott) ist mein stab und stecken Neukirch gedichte (1744) 82; der uns die eine freiheit gab, will auch die schön're schenken, du unser stecken, unser stab, lass deiner stets uns denken Schenkendorf gedichte (1815) 23. gottes wort: dein wort lindert all schmerzen, es ist mein steck und stab Steurlein bei Fischer-Tümpel kirchenlied 4, 5; er (gott) war bey dir sonn und schild, und sein wort dein stab und stecken Schmolcke trost- und geistreiche schriften (1740) 1, 959. 12@a@aα) mit hinblick auf das vorige kann denn auch ein gutes kind stecken und stab seiner (alternden) eltern genannt werden: ha! ha! das ist der feine junge herr, der seiner familie so grosse ehre macht, und einst der stecken und stab seiner ältern werden wird! Bode gesch. des Thomas Jones (1786) 3, 395; die mutter nannte ihn (den sohn) ihren stecken und stab J. Paul leben Fibels 59; mit einem weibe ..., die mir zum stecken und zum stab 'n dutzend derbe buben gab Schubart gedichte (1825) 3, 32. verblaszter dafür stecken und trost: euere mutter, deren einige hofnung, stekken und trost ihres alters ihr seyd Butschky hochdeutsche kanzelley 100; wer wird mein unterhalt? mein trost? mein stecken seyn? Gottsched deutsche schaubühne 4, 252. 12@a@bβ) auch sonst: lassen sie uns von den französischen übersetzern anfangen; sie sind ohnedem, wie ich nunmehr wohl sehe, ihr einziger stecken und stab gewesen Lessing 3, 413. 12@a@gγ) selten im plural: meines alters stäbe vnd stecken so geschwind gleich mit zerbrochen sind Königsberger dichterkr. 267 neudr. 12@bb) der wanderstecken des pilgers (vgl. oben unter 1 d) wird lehrhaft ausgedeutet von Keisersberg: der fünfft steck oder stab, den der tüfel einem bilger darstellet an stat einer christenlichen hoffnung ist ein schwinspysz einer gebickten stangen bilgerschaft (1512) 39b. 12@cc) auf dem grund von oben 2 bewegt sich: der stecke solte auch hernacher folgen, das man zuschlüge, da gehört auff uns der Türcke oder sonst ein grewlicher tyran, wie wol unsere fürsten auch stecken gnug sind Luther 28, 654, 18 Weim., und hieran wohl anknüpfend: denn wie man sagt, wenn vns gott einen stecken oder strohhalm zum haupt setzet, so solten wir jn für vnser haupt erkennen, vnd dem selbigen ehre thuon Glaser gesindteuffel (1564) D 6b. 1313) sprichwörtliche redewendungen: 13@aa) er (pastor Goeze) nennet weder sack noch esel, auf die sein stecken zuschlägt Lessing 10, 129, d. h. sein angriff kommt von hinten herum, nähert sich der stichelei. 13@bb) von einem der närrisches, verkehrtes zeug treibt, wird gesagt: (er) geigt auff den nuszschalen, pfiff auff eim stecken Gargantua 198 neudr. 13@cc) einem ins rad einen stecken schieben oder stecken, ihm ein hindernisz bereiten, e stecke ins rad stecken Martin-Lienhart 2, 580b; auch einem fuszgänger einen stecken zwischen die beine werfen, so dasz er zu fall kommt. 13@dd) einem steht kein stecken gerade, ihm ist nichts recht, er ist mit nichts (mehr) zufrieden: der Marie-Liese steht auch kein stecken gerade, wegen ihrer verdrüsse mit ihrem junker und seiner schwester Holtei erz. schriften 15, 181; weil unsere damen nicht auf der gallerie sitzen, steht dem jungen herrn kein stecken gerade 35, 192. 13@ee) dreck am stecken haben, schon etwas auf dem kerbholz haben, schon einmal bestraft sein: die dreck am stecken haben, müssen sich klein machen Ganghofer der mann im salz (gartenlaube 1905 s. 947a); die meisten aber leugnen die hexerei, weil sie selber dreck am stecken haben und vor dem richter zittern 782a. dementsprechend denn auch: de bekommst dreck an den stecken, du wirst bestraft Martin-Lienhart 2, 580b. 13@ff) einem den stecken geben, ihn verabschieden und aus dem hause schicken, mit dem beisinn, dasz er nun heimathlos sei: geb dem mann sein stecken, mach, dasz der mann fortkommt Askenasy Frankfurter mundart 37; meine letzte amour, die ich verlassen hab' oder, wie man in der hohen dichtersprache sagt, der ich den stecken gegeben hab', hat mir beim abschied prophezeit Raimund 1, 7 (barometermacher auf der zauberinsel 1, 2); wie es auch im folgenden heiszt 'blosz und aller habe bar durchs land fahren': Jacob ... war ein armer schlucker, hatte nichts als ein stecken in der hand Abraham a S. Clara etwas für alle (1699) 1, 252, von wo aus sich versteinerungen begreifen wie die folgende: und die selbigen knaben, die zeren alwegen bey den wirten, die zu dem stecken heissen, das ist als viel, das sie keinen wirt bezalen, was sie yhm schuldig sind Luther 26, 651 Weim. doch die leichtlebigkeit spricht: seit ich ... mich durch ergreiffung des sacks und steckens in die unschätzbarliche freyheit unsers herrenlebens gesetzt Simpl. 2, 349 Keller. 13@gg) einen stecken dabei stecken und sich so eine stelle in der landschaft merken, sie für künftiges wiederfinden bezeichnen; es ist eso', de chanst e stëke derzue steke du magst es dir nur merken Hunziker Aargauer wörterbuch 252. eine andere seite des sprachlichen bildes entwickelt: wenns dir nit gfallt, so steck e stecke derzue Martin-Lienhart 2, 580b; d. h. halte dich dabei nun nicht weiter auf und gehe deinen weg weiter; ist er nicht zufreden, stosz er einen stecken derzu ebenda. den allgemeinen sinn 'ein exempel statuieren, das sich andere merken mögen', hat es im folgenden: wir wollen schon dahinter kommen und einen stecken dabei stecken, so dasz jedermann mit unserer justiz zufrieden sein musz Huch hahn von Quakenbrück 24. 13@hh) ob die redensart: uf dem stecken sitzen, im zweifel sein, in banger erwartung leben Martin-Lienhart 2, 580b mit der andern ebenda verzeichneten: er geht mit den hüehnern uf den stecke, d. h. er geht früh zu bett und steht früh wieder auf, zusammenhängt, musz zweifelhaft bleiben. 1414) stecken in der bildlichen einkleidung der negation zugleich mit verstärkendem beisinn: das freylich dieser konig nicht ainen stecken zu eigen hat ynn aller wellt Luther 30, 2, 406 Weim., d. h. rein garnichts; wenn ers thun durfte, er (der teufel) lies dir nicht ein gans leben, und ynn summa ... keinen stecken stehen 32, 115, 8 Weim.; weder kuo noch gansz, ja kein steck an deinem hauss belibe dier 32, 555, 6 Weim.; ihr solltet nicht einen stecken behalten 33, 606, 38 Weim.; ich habe nicht einen stecken holtz im hause Kramer dict. 2 (1702), 923a. 1515) entsprechend der unter span, astula A II 6 (th. 10, 1 sp. 1866), dafür aufgewiesenen bedeutung 'geld' hat diesen sinn auch der plural stecken: mit dennen par stëcken, wie er verdient, kann er kein grossi sprüng machen Martin-Lienhart 2, 581a, doch zugleich mit hervorhebung des wenigen, geringen. 1616) stecken, brennholzmasz in Frankfurt a. M. und im groszherzogthum Hessen. handschriftl. mittheilung von Hoffmann von Fallersleben, vielleicht eigentlich 'ein bündel holz so grosz, wie man es auf einmal auf dem tragstecken fortschaffen kann'. 1717) dünne, magere beine und arme heiszen stecken: der teufel soll mich mit brennenden granaten neunundneunzig mal todt werfen, wenn mein kleiner finger nicht gerade so dick ist, wie des windhundes seine tausendsackermentischen stecken von beinen Holtei erzähl. schriften 6, 81; seine arme sind die reinen stecken. der ausgangspunkt findet sich in dem vergleich beine, arme haben so dünn wie ein stecken. 1818) dementsprechend auch von einer hageren person überhaupt: ein alter stecke, ein alter schedel Berthold von Regensburg 1, 416, 34; entsprechend dem vergleich: ich rufe gott zum zeugen an, der kerl sei so dünn als ein stecken Kleist 4, 211 E. Schmidt. 1919) stecke, membrum virile Martin-Lienhart 2, 581a; dazu die redensart: die geht an den stecken. 2020) stecken in Obersteiermark ein schmaler, auf beiden seiten abschüssiger felskopf, der von der schneide aus gesehen wie ein schmaler kegel aussieht Unger-Khull 571a.
37535 Zeichen · 397 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    steckensw. V. (1a)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    stecken , sw. V. (1a) Vw.: s. stekken*

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stecken

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +7 Parallelbelege

    stecken s. stöcken.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    steckensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    stecken , sw. V. nhd. schäften, fiedern Hw.: s. sticken (1) E.: s. sticken (1) R.: steckede hossen: nhd. „geschäftete Ho…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stêcken

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Der Stêcken , des -s, plur. ut nom. sing. ein mäßiger oder kleiner Stock, und zuweilen auch ein jeder Stock. An einem St…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stecken

    Goethe-Wörterbuch

    stecken [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stecken

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Stecken , ein Brennholzmaß am untern Main, in Darmstadt 100 Kubikfuß = 1,5625 cbm.

  7. modern
    Dialekt
    stëcken

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    stëcke n , sticke n [takə Su. Co. Dü. U.; tækə Str. Lohr Wh. ; tìkə Lauterb.; Part. ktakt O. U., ktækt Str. , ktok…

  8. Spezial
    stecken2

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +3 Parallelbelege

    ste|cken 2 vb.intr. 1 (sein) ester (é, sté) 2 (festsitzen) ester ficé (ficiada), ester taché (tacada) 3 (befestigt sein)…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stecken

215 Bildungen · 141 Erstglied · 69 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von stecken 2 Komponenten

stec+ken

stecken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stecken‑ als Erstglied (30 von 141)

stecken I

SHW

stecken I Band 5, Spalte 1333-1334

stecken II

SHW

stecken II Band 5, Spalte 1335-1336

Steckenbein

SHW

Stecken-bein Band 5, Spalte 1339-1340

Steckengaul

SHW

Stecken-gaul Band 5, Spalte 1339-1340

Steckenholz

SHW

Stecken-holz Band 5, Spalte 1339-1340

Steckenzaun

SHW

Stecken-zaun Band 5, Spalte 1339-1340

steckenartig

DWB

stecken·artig

steckenartig , adj. , von der art, nach art eines steckens: die steckenartigen glieder François letzte Reckenburgerin 2, 248 , d. h. dünn wi…

steckenbalgen

DWB

stecken·balgen

steckenbalgen , n. ( entsprechend balgen verb. th. 1 sp. 1086 subst. inf. ), bei Kramer dict. 2 (1702) , 923 b dasselbe wie unten steckenkam…

steckenbaum

DWB

stecken·baum

steckenbaum , m. , baum, von welchem stecken geschlagen werden, insbesondere ' bäumchen, aus dem man weingart stecken kliebt ' Unger - Khull…

steckenbeil

DWB

stecken·beil

steckenbeil , n. , versuch, den symbolischen begriff der römischen ' fasces ' völlig zu übersetzen Posselt bei Campe ; vgl. auch unten steck…

steckenbein

DWB

stecken·bein

steckenbein , n. , stockdürres, wadenloses bein ( dünn wie ein stecken): die schöne Pariser mode, dasz die weiber durch einen kleinen falten…

steckenbeinig

PfWB

stecken·beinig

stecken-beinig Adj. : ' mager, dünn, knochig ', von Beinen, steckebäänich (ˈšdęgə̩bEniχ) [ ZW-Marthh ].

steckenberg

DWB

stecken·berg

steckenberg , m. , benennung etwa für einen weinberg, wo sich stecken neben stecken findet; weniger ist an einen berg zu denken, wo steckenb…

stecken als Zweitglied (30 von 69)

abstecken

DWB

abstecken , defigere, laxare, gegensatz von anstecken und aufstecken : das band vom ermel, die schleife von der brust, das tuch vom hals abs…

ane stecken

MWB

ane stecken swV. 1 ‘etw. anstecken’ 2 ‘in Brand setzen’    1 ‘etw. anstecken’ dú sehte [ 6. Jungfrau] stakte ir ain guldin vingerlin an PrGe…

anstecken

DWB

anst·ecken

anstecken , unterscheidet sich der form nach von anstechen, wie das starke stechen stach, ahd. stëchan stah, mhd. stëchen stach vom schwache…

aufstecken

DWB

auf·stecken

aufstecken , affigere, praefigere, anstecken, vorstecken. 1 1) das haupt des getödteten aufstecken: sein haupt wurde zu ewigem schimpf, scha…

ausstecken

DWB

aus·stecken

ausstecken , erigere, nnl. uitsteken, zeichen, fahne ausstecken: also werden sie auch das fenlin nicht auf den mastbawm ausstecken. Es. 33, …

bestecken

DWB

best·ecken

bestecken , configere, praet. besteckte, mhd. bestacte, transitiv, im gegensatz zu dem vorausgehenden intransitiv: 1 1) ein grab mit blumen,…

Beystêcken

Adelung

bey·stecken

Beystêcken , verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, eine Sache neben der andern stecken; ingleichen figürlich: jemanden b…

dahinterstecken

RDWB1

dahinter·stecken

dahinterstecken скрываться (а не "торчать за чем-л.") es steckt mehr dahinter - за этим скрывается ещё кое-что, за этим стоит нечто более ва…

durchstecken

DWB

durch·stecken

durchstecken , durch eine öffnung stecken, transmittere, niederd. dôrsteken Schambach 46 a . steck die hand durch Henisch 775 . sie hat die …

einstecken

DWB

einst·ecken

einstecken , praet. steckte ein, immittere, nnl. insteken. 1 1) condere, den degen, das schwert einstecken, auch mit ausgelassenem acc. blos…

entstecken

DWB

ent·stecken

entstecken , incendere, anstecken, nnl. ontsteken: wo liebe, die natur in eurem blut erweckt, wo wahre vatertreu ie fürst dein herz entsteck…

Erbstecken

Wander

erb·stecken

Erbstecken 1. Es hat niemand einen Erbstecken 1 in dieser Welt. Das Wort fehlt bei Grimm, findet sich aber bei Seybold. Lat. : Vivere mancip…

erstecken

DWB

erst·ecken

erstecken , n. suffocatio: si (die kranwit) sint auch den zeitigen maigden guot für daʒ erstecken der muoter, daʒ prefocatio matricis haiʒt.…

fortstecken

DWB

fort·stecken

fortstecken , ulterius figere: einen pflock, einen nagel fortstecken, in das nächste loch.

g(e)stecken

Idiotikon

g(e)stecken Band 10, Spalte 1599 g(e)stecken 10,1599

gestecken

DWB

gest·ecken

gestecken , verb. verstärktes stecken ( s. d. ). 1 1) transitiv: gestecken, stecken, anheften, figere Henisch 1574 ; mhd. ir wart erslagen s…

haselstecken

DWB

hasel·stecken

haselstecken , m. stecken von der hasel: des böhmischen fürsten Primiszlai häselstecken. a. weiszh. lustg. 393.

Hineinstecken

Campe

hinein·stecken

Hineinstecken , — stehlen, — steigen, — stellen, — stolpern, — stoßen, — strahlen, — streichen, — streuen, — strömen, — stürmen, — stürzen ,…

ingistecken

AWB

ingistecken , -stîgan , -tuon s. Grundwort.

instecken

KöblerAhd

instecken , sw. V. (1a) Vw.: s. instekken*

Jochstecken

Wander

joch·stecken

Jochstecken Durch Gôchstâke rieden. ( Siebenbürg.-sächs. ) – Frommann, V, 173, 121. In unverständlichen Bildern reden.

Ableitungen von stecken (5 von 5)

bestecken

DWB

bestecken , configere, praet. besteckte, mhd. bestacte, transitiv, im gegensatz zu dem vorausgehenden intransitiv: 1 1) ein grab mit blumen,…

entstecken

DWB

entstecken , incendere, anstecken, nnl. ontsteken: wo liebe, die natur in eurem blut erweckt, wo wahre vatertreu ie fürst dein herz entsteck…

erstecken

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erstecken , n. suffocatio: si (die kranwit) sint auch den zeitigen maigden guot für daʒ erstecken der muoter, daʒ prefocatio matricis haiʒt.…

gestecken

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gestecken , verb. verstärktes stecken ( s. d. ). 1 1) transitiv: gestecken, stecken, anheften, figere Henisch 1574 ; mhd. ir wart erslagen s…

verstecken

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verstecken , verb. form. 1 1) es geht in der bedeutung auf das trans. 1 stecken ( th. 10, 2, 1298) als factitivum zu stechen zurück, hat abe…