zerfleischen,
verb.,
nhd. an die stelle des mhd. vleischen (Lexer 3, 396)
tretend, 1)
eig. einen thier- oder menschenkörper durch schnitte, stiche, schläge oder zerren und reiszen so verwunden, dasz das fleisch zerfetzt und zerrissen wird: zerhauwen und zerhacken, ... z. Frisius 277
a; Stieler 504; Frisch 1, 275
a; Adelung
2 4, 1687; Campe 5, 842
a; zeflaischen
zerhausen, zerziehen Schmeller-Fr. 1, 798; H. Fischer 6, 1131; Schaidenreiszer
Od. 66
a; nun sollen die geier und hunde schmAehlich dich zerfleischen Bürger 238
Bohtz; sah er ... zwei wölfe ... sie (
eine hindin) z. br. Grimm
sag. 2, 197; solt auch ein henckersknecht mich gliederweis zerfleischen A. Gryphius
ged. 573
P.; einen missethäter, martyrer grausamblich z. Kramer
teutsch-it. 1, 384
a; also dasz die eltern ihre todte kinder ... an vielen orten vor groszem, unersettlichen hunger zerfleischt und gegessen haben H. Rätel
Curäi chron. 12; wurdet yhr (
bauern) zuletzt ... eüch selbs unter einander mussen zufleysschen wie die wütigen bestien Luther 18, 330
W.; wie lang zerfleischt mit eigner hand Germanien sein eingeweide? Ramler
einl. 3, 65; das reich ..., von bürgerkriegen zerfleischt Moltke
ges. schr. 6, 182;
in dieser verwendung geläufig; mit angabe des verwundenden gegenstandes: (
Anna) zerfleischt mit grimmgen nägeln das gesicht Schiller 6, 418; 2, 71
G.; zerfleischt eure rücken mit riemen Schiller 2, 104
G.; frei: die bey denen brgerlichen kriegen zerfleischte freyheit Lohenstein
Arm. 1, 6
a; hosen z.: Frisch 1, 275
a; 2)
übertr. a)
auf seelische leiden, wobei das bild eines zerreiszenden, zerbeiszenden wilden thieres vor augen steht: wilden bestien ähnlich zerfleischten sich die leidenschaften Görres
ges. schr. 1, 67; der schmerz zerfleischt die brust Stoppe
Parnasz 433; von reue und gewissensbissen zerfleischt Immermann 4, 57
B.; sehr beliebt die vb. das herz z.:
theat. d. Deutsch. 1 (1768) 162; Schiller 3, 87
G.; gewissensbisse z. mein herz Kotzebue
s. dram. w. 4, 14;
u. a.; b)
zerpflücken, bekriteln: schreckensmänner wären sie gerne, doch lacht man in Deutschland ihres grimmes, der nur mäszige schriften zerfleischt Göthe 5, 236
W.; Gutzkow
ges. w. 7, 422. —
dazu zerfleischer, m.: G. Fr. Rebmann
minister d. hölle (1797) 50; Pansner
schimpfwb. 80
a; du mein ... schwehrt ..., du z-inn der allertapfersten helden J. Rist
friedewünsch. Teutschld 100;
ferner zerfleischung, f.: der wilden thiere z-en waren gegen diese raserey kurtzweil Lohenstein
Arm. 2, 849
a; 879
a; z. der körper (
in der folter) Chph. v. Einem
Mosheims kirchengesch. 2 (1770) 27; H. v. Kleist 3, 154
Schm.; schadenfrohe z. ihres rufes H. v. Kahlenberg
fam. Barchwitz 119. —