strapaze,
f. ,
übermäszige anstrengung, beschwerlichkeit. aus dem gleichbedeutenden ital. strapazzo,
m.; dieses zu strapazzare,
woraus strapazieren,
s. d. strapaze
ist später bezeugt als strapazieren;
zuerst i. j. 1676 (
s. u.);
mit dem genus des ital. wortes: der strapatz Stieler (1691) 2185.
das sonst allein gebräuchliche fem. beruht vielleicht auf anlehnung an die synonymen anstrengung, mühe, beschwerlichkeit.
heute ist das wort allgemein gültig, jedoch vgl.: '
nur im gemeinen leben üblich ... für strappaze
sagt man in der anständigern sprechart lieber beschwerde, beschwerlichkeit
u. s. f.' Adelung 4 (1780) 803,
ebenso 4 (1801) 423.
auch in den maa. weit verbreitet, häufig mit apokope als strapatz;
auch strawats Bauer-Collitz
waldeck. 100.
neben strapatze
sind andere formen und schreibungen bezeugt: älter strappaze, strapazze,
s. u., jünger strapasze,
s. Campe
wb. d. fremden ausdr. (1813) 569. —
schwed. strapats,
dän. strabads
aus dem deutschen, s. Hellquist
svensk et. ordb. 21085. 11)
zunächst von körperlichen anstrengungen, dann auch von anderen mühseligkeiten. der gebrauch des plur. überwiegt stark: dasz die soldaten nicht von ihren strapazzen abkämen, sondern derselben fein gewohnt blieben v. Fleming
teutscher soldat (1726) 423; strappazen im krieg Apinus
gloss. (1728) 515; noch nicht gehärtet gegen die strapazen des krieges H. Steffens
was ich erlebte 7 (1843) 182; neben den physischen ursachen, den strapazen und der unregelmäszigen lebensweise während des feldzuges schildert er sehr fein die psychologischen Fr. Meinecke
v. Boyen 1 (1896) 58; die der stärksten natur öfters unverwindlichen strapazen des ersten feldzugs hatten Viktors gesundheit zerrüttet E. T. A. Hoffmann
s. w. 13, 148; um sie (
die truppen) an die strapazen zu gewöhnen Mommsen
röm. gesch. 43 (1866) 28; hier ruht er von strapazen aus und denkt einmal in ruh zu leben Göthe I 4, 224
W.; der rittmeister war nach dem manöver zu hause eingetroffen, um sich bei vier wochen hasenjagd von den strapazen zu erholen Clara Viebig
das schlafende heer (1904) 1, 107; ein sopha existirt nicht, bett sehr hart, aber nach diesen strapazen schläft man ungewiegt
quelle v. j. 1857; weil seine truppen durch strabazen und krankheiten sehr abgemattet waren Lessing 10, 9
L.-M.; wir waren von strapazzen so marode, das wir (
uns) lieber der länge nach hinlegten Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 1, 129; von alter, arbeit, krankheit und strapazen gebeugter ... mann G. Hauptmann
die weber (1892) 95; ich war bereits von den vielen strapatzen der empfindung halb verschmachtet, meinem gemüthe hing die zunge aus dem maule wie einem durstigen windhund Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 345; ach mein, wo kommts doch immer her, dasz manchen boten wächst das schmeer, da sie doch viel strapazzen haben? (17.
jh.)
bei Seb. Brant
narrenschiff 77
Zarncke; freylich man sieht älter aus, man hat allerley strapazen im menschlichen leben Kotzebue
s. dram. w. (1827) 4, 237.
in fester anwendung strapazen ausstehen, ertragen
usw.: da ich nun diese letzte strapazzen auch ausgestanden ... kam den letzten tag der medicus ... zu mir Frz. Ferd. v. Troilo
oriental. reisebeschr. (1676) 664; viele strapatzen ausstehen
soffrir molti strapazzi Rädlein
teutsch-ital.-frantz. (1711) 849; weil sie (
die soldaten) die beschwerlichkeit, die gefahr, und die strappazzen auszustehen hatten, müssen sie auch mit allen recht an der beute mit anteil haben v. Fleming
teutscher soldat (1726) 205; kann er ja die strapazen nicht ausstehen, so wird er ins lazaret gebracht Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 142; ich hab strabatzen ausgestanden Bettine
Goethes briefw. (1885) 1, 225; er trug alle strapazen eines gemeinen soldaten Hufeland
kunst d. menschl. leben zu verlängern (1797) 158; wie sehr übrigens der preuszische soldat ohne alle auszergewöhnlichen vorbereitungen zur ertragung von strapazen geeignet ist
militärische schriften (1897) 2, 261; nun soll einer behaupten, dasz ich keine strapazen ertragen kann! Platen
w. 2, 138
H.; in hohem alter, allerdings sehr kränklich, hoffe ich doch noch die strapazen des krieges ... überstehen zu können Pückler
briefw. (1873) 4, 127; welche sonst die strapatzen mit reiten und andern jagen nicht ausdauern mögen Döbel
jägerpract. (1754) 2, 54; strapazen dulden wir sehr wenig, ist uns das gehen zuwider, so fahren wir S.
Brunner ges. erz. (1864) 2, 169. —
weniger häufig im sing.: einen spatziergang von einer langen entsetzlichen meile vorzunehmen. es ist wahr, die strapatze ist auszerordentlich
liebe in der grotte 7
in: sammlung von schauspielen (1764) 4; ich ... zog dann mit ihnen nach Maynz, wo ... ich ... mich von meiner kleinen strapatze erholte Gleim
briefw. 1, 435
Körte; konte eine so erhizzende strapaze wol den geringsten nuzen haben? Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 88; es war eine harte strapaze, ich habe gelernt was ich ertragen kann Görres
ges. br. (1858) 3, 242; es gilt, deinen freund für die gräszlichste strapaze seines lebens zu belohnen Hebbel
br. 1, 412
Werner; jeder strapaze gewachsen Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 382; wenn ich die strapaze der seereise abrechne, so hab ich dir einen groszen genusz zu verdanken Ruge
briefw. (1886) 2, 310; vom auszahlen an mich wird die bank auf die letzt vor der strapaze noch krank Raimund
w. 1, 21
Glossy; auch collectivisch: wenn ein gemeiner soldat vor strapaz umfällt oder überritten wird, so schafft man ihn beiseite Cl. Brentano
Godwi (1801) 1, 203; muskulös und gesund wie ein baske hatte er zu aller strapaze und freude den körper immer treu erfunden H. Laube
ges. schr. (1875) 5, 84; dö mir a mein kopf soviel strapazi macht Hartmann
volksschausp. in Bayern (1880) 290. 22)
mundartlich zuweilen in entfernten anwendungen, z. b.: '
unglück, bankrott' Fischer
schwäb. 5, 1827; e strapaz mit leut '
menschenmenge'
ebda; '
person, die immer mit kleinigkeiten geschäftig tut'
ebda; '
unannehmlichkeit': was ha mir strawatze mit dere frau! Martin-Lienhart
els. 2, 634; strapatz '
diarrhöe'
ebda; in diesem letzteren sieht Heinr. Schröder
streckf. 133
eine streckform zu stratz,
doch wird auch hier eine bedeutungsübertragung von strapatze
vorliegen.