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tumultuarisch

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tumultuarisch adj.

Bd. 22, Sp. 1769
tumultuarisch, adj. , ungeordnet, wild, unruhig. im frühen 18. jh. aus lat. tumultuarius entlehnt. lexikalisch begegnet tumultuarisch zuerst bei Hederich deutsch-lat. lex. (1777) 3021, in dessen 4. aufl. (1753) es dagegen noch nicht verzeichnet ist. 11) unruhig, als folge politischer wirren und feindlicher auseinandersetzungen, vgl. tumult A: von einführung der christlichen religion an bis auf Hussen's zeiten und von diesen tumultuarischen zeiten bis auf uns C. D. Schubart ges. schr. (1839) 6, 199; in diesen tumultuarischen und dislocirenden tagen Göthe IV 20, 147 W.; tumultuarische angriffe, aus bloszem volkshasse entstanden, solle man nicht gestatten Fr. Schlegel s. w. (1846) 14, 26; nur musz alles im wege der reform vor sich gehn und nicht auf tumultuarische weise Immermann w. 6, 60 Hempel; führte die zwiespältige wahl ... zu ... tumultuarischen scenen und gewaltthaten Döllinger akad. vortr. (1888) 1, 64. von aufrührerischem lärm einer erregten menge: allgemeiner aufstand ... die schranken werden eingestürzt, es entsteht ein tumultuarisches getöse Schiller 15, 2, 456 G.; die einwohner ... drängten sich tumultuarisch um uns herum Steffens nov. (1837) 1, 107; die auszeichnung durch cocarden, die tumultuarischen bewegungen, ... verriethen eine zu auffallende ähnlichkeit mit einem aufruhr J. G. Forster s. schr. (1843) 6, 269; gleich bei dem ersten punkte der tagesordnung ... kam es zu einem krach mit Fritzsche und zu tumultuarischen szenen durch seine anhänger Bebel aus meinem leben (1946) 1, 91. streiterfüllt: lasz uns den tumultuarischen Helikon fliehen und in wechselseitiger liebe die früchte des friedens schmeken Schubart br. 1, 116 Strausz. 22) geräuschvoll und bewegt, vgl. tumult B 1-3; das gewicht liegt stärker auf der akustischen seite, der gedanke an eine feindliche auseinandersetzung fehlt: die unterredung wurde so laut und tumultuarisch wie in einer trinkstube Musäus physiognom. reisen (1778) 4, 44; nun gab es eine tumultuarische erkennungsszene Caroline 2, 328 Waitz; die herzudringende menge, welche den grundherrn ... auf die tumultuarischste weise begrüszte Raabe s. w. I 3, 79. von der unruhe geselligen lebens: der prinz ... ist ... mit einer zahlreichen und glänzenden suite hier angelangt und hat unserm zirkel ein neues tumultuarisches leben gegeben Schiller 4, 272 G. 'wild und laut lärmend': dieser tumultuarischen hausgenossenschaft (den nächtlich umziehenden gespenstern) ... frieden gebieten und ein ewiges stillschweigen auferlegen Musäus volksm. 4, 114 Hempel; man hört ein tumultuarisches freudengeschrei unter trommeten und pauken Schiller 3, 155 G.; auch rein akustisch ohne den gedanken an eine erregte menge: die dominante einer wild und tumultuarisch beginnenden ... symphonie Justi Winckelmann (1866) 1, 258. dagegen nur optisch, 'bewegt', 'lebhaft': die aufgeregte, tumultuarische beweglichkeit ..., die künstliche ... beleuchtung, das alles war verbraucht (in der malerei des manierismus) Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 334; das tumultuarische badeleben an der Praia Werfel geschw. v. Neapel (1931) 299. von einer bewegung im elementaren bereich: wenn ... eingeschlossenes wasser endlich einen durchbruch findet, den es begierig benutzt, tumultuarisch dahin sich drängend Schopenhauer s. w. 3, 269 Gr. 33) jäh, unerwartet, überstürzt, übereilt: heute komm ich etwas früh und tumultuarisch, genieszen wir unser frühstück in ruhe Göthe I 24, 145 W.; die anklage gegen Delessart ward in tumultuarischer eile durchgesetzt Häusser dt. gesch. (1854) 1, 406; der grüne Heinrich ist jetzt in tumultuarischer abreise begriffen (1880) G. Keller br. u. tageb. 3 (1916) 313. von schnellen, abrupten veränderungen in der natur: die tumultuarischen entstehungen von flecken, sonnenfackeln A. v. Humboldt kosmos (1845) 3, 387; diese (niederschläge) erfolgten umso schneller, tumultuarischer, unkristallinischer, je später sie sich bildeten ders., ans. d. natur (1808) 1, 235. verbunden mit der nebenvorstellung 'ungeordnet', 'unregelmäszig', überleitend zum folgenden: man ward daher einig, den angriff auf ihn ja nicht übereilt und tumultuarisch, sondern behutsam und methodisch zu machen J. J. Engel schr. (1801) 12, 52; was für einen weg der bildung der südost nimmt? möchte es doch nicht auch der tumultuarische seyn, den jede retardirte cultur, leider, ergreifen musz Göthe IV 16, 340 W. 44) ungeordnet, planlos, wirr, wild durcheinander: die begräbnisse der soldaten ... die drauszen vorgenommen wurden, waren etwas tumultuarisch, es wurden alle die cörper und knochen an einen ort zusammengeschüttet Fleming d. vollk. teut. soldat (1726) 371; da man sich diese (versammlungen) unmöglich tumultuarisch zusammenlaufend denken kann, sondern ... förmlich berufen Niebuhr m. gesch. (1811) 1, 403; wer durfte angesichts dieser chaotischen zustände sich beruhigen ..., die tumultuarische verwaltung durch ausschüsse und commissäre ... reichte nimmermehr aus qu. a. d. j. 1886. lediglich zur bezeichnung des optischen eindrucks: sie entfliehen so kunstgemäsz-tumultuarisch, so symmetrisch-verworren, dasz es eine lust ist Göthe IV 40, 219 W. von unregelmäszigen naturgebilden: bei graupen sind die erscheinungen dieser epoche nicht von so anscheinend tumultuarischem ansehen; hier ist der gneis nicht durch fremd gebildete massen unterbrochen Göthe II 10, 119 W. von der ungeordneten, unsteten lebens- und arbeitsweise eines menschen: dasz ich ... über ihre tumultuarische art zu studiren unruhig bin Gellert s. schr. (1784) 8, 130; der zur heterodoxie überging, ohne sich ... in seiner tumultuarischen art zu leben ... davon deutliche rechenschaft zu geben Gervinus dt. dichtg. (1853) 4, 176. von einer unsystematisch, unmethodisch angefertigten arbeit, also nicht mehr von einer handlung, sondern ihrem ergebnis: dasz durch ein register nie werde in ordnung gebracht werden können, was von anfang an tumultuarisch geschrieben ist Nicolai literaturbr. (1759) 6, 407; von dem tumultuarischen, welches er meiner arbeit gar bald anmerken wird Lessing 11, 4 L.-M.; diese zuschrift entstand freilich zufällig und tumultuarisch genug W. v. Humboldt br. an Welcker 83 Haym. von ordnungswidrigen, ungesetzlichen masznahmen; 'tumultuarisch verfahren mit beiseitesetzung der gehörigen ordnung' Adelung (1801) 4, 721: als ehrlicher mann, der ihn nur so tumultuarisch nicht will verdammt wissen Lessing 13, 207 L.-M.; papst Benedict X., der noch einmal in der alten tumultuarischen weise ... eingesetzt worden war Ranke s. w. (1867) 14, 28; (sie) lieszen noch am abend (ihnen) durch den henker den kopf abschlagen. die güter der so tumultuarisch gerichteten wurden mit beschlag belegt Ric. Huch im alten reich (1927) 330. von rohen und unkultivierten lebensverhältnissen: der Deutsche, ... in einem unglücklichen tumultuarischen zustande verwildert, begab sich bei den Franzosen in die schule, um lebensartig zu werden Göthe I 27, 72 W. 55) im geistig-seelischen bereich 'wirr, verwirrt, aufgeregt': bisher ist's in meinem kopfe tumultuarisch zugegangen Göthe IV 30, 33 W.; er bediente sich dieser tumultuarischen stimmung meines herzens Kotzebue s. dram. w. (1829) 44, 333; es war ... eine tumultuarische unordnung in einem theile meiner vorstellungen Mendelssohn ges. schr. (1843) 3, 436. wild, zornig: und war mit Souris (dem hund) ordentlich tumultuarisch D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 2, 226.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    tumultuarischadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    tumultuarisch , adj. , ungeordnet, wild, unruhig. im frühen 18. jh. aus lat. tumultuarius entlehnt. lexikalisch begegnet…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    tumultuarisch

    Goethe-Wörterbuch

    tumultuarisch [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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Wortbildung

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Ableitung von tumultuarisch

tumultuar + -isch

tumultuarisch leitet sich vom Lemma tumultuar ab mit Suffix -isch.

Keine Komposita gefunden — tumultuarisch kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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Cotta, M. (2026). „tumultuarisch". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/tumultuarisch/dwb
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Cotta, Marcel. „tumultuarisch". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/tumultuarisch/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „tumultuarisch". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/tumultuarisch/dwb.
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