transportieren,
vb. ,
seit dem 17.
jh. üblich. 11)
concret '
befördern; fortschaffen; versenden'
; in neuerer zeit sogar in die maa. eingedrungen; es buchen Bauer-Collitz
waldeck. wb. 105
a;
lux. wb. 440
b; Jakob
Wien 194
b;
in der ital. form Bacher
Lusern 406.
der anwendungsbereich des wortes ist zunächst bestimmt durch grosze masse, bedeutenden umfang oder schweres gewicht der zu befördernden gegenstände: in solcher meinung hette er seine waffen bis hieher transportiret Chemnitz
schwed. krieg 1, 147; dasz man dennoch lieber seine waaren zu land als zu wasser transportirte
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 453; er liesz tragbare kähne an den punct, wo die brücken gestanden hatten, transportiren Mommsen
röm. gesch.4 3, 382; da hab ich im grauen zimmer kartoffeln aufgeschüttet! die können nicht so eilig transportirt werden Kotzebue
s. dram. w. 2, 21;
daher charakterisiert transportieren
schlechthin die mühseligkeit, beschwerlichkeit der beförderung, auch wenn sie aus anderen ursachen resultiert: wenn nur die barometer nicht so entsetzlich schwer zu transportieren wären Lichtenberg
br. 2, 144
Leitzm.-Schüdd.; auf der post werfen sie die sachen so herum, dasz zerbrechliches nicht gut auf diesem wege transportirt wird Göthe IV 20, 133
W. von lebenden wesen gern gesagt, wenn diese in ihrer bewegungsfreiheit gehemmt sind und wie ein stückgut unter bedeckung befördert werden, zumal von soldaten oder gefangenen: missetäter nach America transportiren, dasz sie daselbst für sclaven an den örtern, wo zucker und toback gebauet wird, dienen Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2003; 60 000 mann nebst der groszen menge pferde nach Palästina zu transportiren
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 20; konnt er mich nicht, gleich andern rekruten, geradezu nach Berlin transportiren lassen U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 107; ich will euch wie die gemeinsten verbrecher an einander knebeln lassen, euch am hellen mittage in die stadt transportiren lassen Grabbe
w. 1, 464
Blumenthal; in Riga hörte sie auf der polizei, Ferdinand sei nach Sibirien transportirt worden Laube
ges. schr. 8, 67; diebe, die von wächtern transportiert wurden G. Keller
ges. w. 3, 118
Cotta. auch sonst nur da, wo die aus den verschiedensten ursachen entstandene hemmung der eigenen bewegungsfähigkeit sich in der beförderung oder begleitung durch andere personen spiegelt: so hätte mich der besoffne postillion mit seiner verdammten eilfertigkeit mir nichts dir nichts nach Strasburg transportirt Schiller 14, 182
G.; die alte kutsche, in welcher man die schöne transportirte Göthe I 21, 70
W.; der graf hatte versprochen, die ganze gesellschaft einige tagereisen weit transportiren zu lassen, die pferde waren eben bereit
ebda 22, 9; ward sie (
die kranke) mit groszer beschwerde nach Trier transportirt Droste-Hülshoff
br. an Schücking 315; auch die tragbahre hatte man wieder mitgebracht, um die leiche transportieren zu können G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 58.
so auch von gefangenen, schwierig zu befördernden tieren: wie er (
der fisch) einen gewaltigen rachen gehabt und jetzt nach dem botanischen garten transportirt worden sei v. Gaudy
s. w. 6, 46; früher sei die grosze lebendige vogelsammlung nicht zu transportieren Storm
w. (1899) 1, 166.
scherzhaft für '
einen menschen hinauswerfen': und man transportirte ihn mit guter manier, weil er zu laut wurde, vor die thür Kortum
Jobsiade 3, 78; wollt ihn die stieg hinunter transportirt haben, dasz er hals und bein drüber gebrochen maler Müller
w. (1811) 3, 76;
anders: professor Maier, der seinen Gottfried und mich aus unserem himmel auf seine stube zum lernen transportirte Kerner
bilderb. (1849) 174.
nur selten in neuerer zeit ohne das merkmal der gewichtigkeit oder kostbarkeit und der sich daraus ergebenden beförderungsschwierigkeit des gegenstandes: dem reglement eine handliche form zu geben, so dasz es leicht zu transportiren ist Wilhelm i.
milit. schr. 1, 514; die gewölle (
der raubvögel werden) nicht auf solche entfernungen wie von Norwegen bis nach Norddeutschland transportirt Nehring
tundren u. steppen 151. —
dazu als nicht allzu häufige weiterbildung transportierung, f.: mit der transportirung derer cörper v. Fleming
vollk. teutsche soldat (1726) 372; sie (
die kriegsgefangenen) merken, dasz es mit ihrer weitern transportirung ernst ist Lessing 18, 467
L.-M.; ähnlich Wilhelm i.
milit. schr. 2, 102.
dafür allgemein üblich transport. 22)
in abstracter verwendung im sinne des üblichen transferieren (
s. d. unter 1,
sp. 1237)
für '
übertragen'
in staatsrechtlicher beziehung: hauptquell aller unruhe und übeln zustandes, dadurch königreich, fürstenthumb und länder geändert, umbgekehret, verwüstet und auf frembde transportiret und gebracht werden Schupp
schr. (1663) 18; so transportiren sie die unfehlbarkeit vom papst auf kirche oder auf die koncilien Nicolai
reise d. Deutschld. 5, 142. 33)
in der kaufmannssprache '
von einer seite auf die andere tragen; aus dem journal in das hauptbuch übertragen; überweisen; eine schuld anweisen' Marperger
kaufmannsmag. (1708) 1284; Sperander
a la mode-sprach (1727) 753
a;
verz. d. gebräuchlichsten wörter (1748) 179: wird ein wechselbrieff einem andern transportiret Overheide
verm. teutsche schreibkunst (1668) 312; transportire auff folgende seite rthlr. Dibbern
gründl. beschr. (1692) v 4
b.
weitere nachweise bei Schirmer
wb. d. kaufmannsspr. 193.
vgl.transport 3 a. 44)
nach frz. vorbild nur im 17.
jh. '
begeistern; berauschen; in verzückung geraten': das sie in allen dero actionen der ambition ein ziel gestecket, und sich nicht transportiren, sondern ihre ambition darin bestehen lassen Chemnitz
schwed. krieg 2, 10.
vgl. transport 4.