umspringen,
vb. 11)
trennbar. 1@aa)
herum-, umherspringen: de recht schuldigen wyl ik noch bryngen, de by deme narrenschepe ummespryngen Hans v. Ghetelen
narrenschyp 103, 4
Brandes; (
er liesz) heimlich die besten stuten sein umbspringen mit den hengsten fein Spreng
Ilias (1610) 57
a; der leichten vögel schaar springt auff den ästen umb Opitz
teutsche poemata 238
ndr.; wenn die geschickte faust auf ihrer laut umsprang Gryphius
trauerspiele 285
lit. ver.; übertragen: die creutzherren ... setzten sich darkegen, gedachten auch, weil der hohmeister numehr alt ..., sie wolten nach seinem tode anders als itzo im land und städten umbspringen
M. C. Schütz
historia rer. pruss. (1592) 1, B b 2
b. 1@bb)
in eine andre, die entgegengesetzte richtung springen: 1@b@aα)
vom wind, wie '
umschlagen': weil der wind wieder umbsprung, wir mit anrudern zu thun hatten Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 207
b; ostwind ... in west umspringend Ritter
erdkunde 8, 587; ein gewitter ..., wobei tauwind herrscht und acht tage lang beständig umspringend die wolken hin und her treibt Laistner
nebelsagen 289; der wind ist umgesprungen ... nach nordwest Storm (1868) 19, 307;
aufs wetter übertragen: die (
witterung) bei uns im nu von 7 grad kälte zu 7 grad wärme umspringt fürst Pückler
briefwechsel 3, 131; nach tagen der drückendsten hitze sprang das wetter um Gutzkow
zauberer von Rom (1858) 8, 221. 1@b@bβ)
erweitert zu '
sich ändern': hasz schmilzt in liebe, liebe springt in hasz um Immermann 16, 405
Boxb.; so springt das vergnügen gar bald in gleichgiltigkeit und selbst in unbehagen um Steub
wanderungen (1862) 161;
vor allem vom menschen, '
seine meinung, gesinnung, sein wesen ändern': welcher anfänglich zwar geurtheilt, es rührte der nam Nürnberg her vom Tiberio Nerone, nachmals aber umgesprungen und ... gesagt ... Valvasor
Crain (1689) 2, 116; die ehrfurcht trieb mich vor den siegern nachzusingen; jetzt aber denck ich nur: bleibt, helden, wo ihr wollt! Carl, tugend und Eugen! erlaubt mir umzuspringen: die mägdgen rauben mir, was ihr bekommen sollt Günther
gedichte (1735) 582; (
früher) fand ich dich gut, billig, gerecht ... du sprangst um. alle laster hängen dir nun an Klinger
theater (1786) 3, 179; was waren das für leute, die damals das allgemeine interesse als märtyrer anregten! sehr viele sind ganz umgesprungen Niebuhr
in lebensnachrichten über ihn (1839) 3, 65. 1@cc) '
rundum, zu ende springen': ein kurtzer reigen ist bald umbgesprungen Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 2, x 5
a. 1@dd)
zu boden springen, fallen: do ist der (
feindliche büchsenmeister) omgesprongen. ich wuste wol, das ich in treffen wolde (1520) Falk
elbing.-preusz. chronik 68
Töppen. 1@ee)
die feste fügung umspringen
mit jemand
in verbindung mit einer modalbestimmung hat den sinn '
mit ihm (
hart, willkürlich)
umgehen, verfahren',
aus a
entwickelt: het sich Petrus ... nit bald ausz dem staub gemacht, man würde eben wie mit Johanne Husz mit ihm umgesprungen sein Fischart
binenkorb (1588) 41
b; man ist so grausam und erschrecklich mit jederman ... ümbgesprungen Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 521; ein vornehmer ... bürger der stadt Riga ... (
wurde) dem herren von Troggen übergeben, mit selbigem nach eigenem gefallen umzuspringen Chr. Kelch
liefl. historia (1695) 377; hätten auch säuberlicher mit ihm umspringen mögen, denn er war ein guter christ Alexis
Roland von Berlin (1840) 2, 118; he ward dull mit em ümspringen Dähnert
plattdeutsch. 503
a; oft beneidete er das gebaren ... des doktor Pfeffer, der so frischweg mit den leuten umsprang Auerbach
dorfgesch. (1884) 3, 153,
hier mehr wie '
verkehren'
; auch von nicht persönlichem: (
im überfall sie) mit diesen ländern grewlich umbgesprungen Neuhof
gesantschaft (1666) 70
b; zu sehen, wie der gast mit der wäsche umspringe O. Ludwig
ges. schr. 2, 345
E. Schmidt-St.; (
du wirst mit) sünden so umspringen wie er mit den ostereyern Hippel
lebensläufe 3, 1, 404; gern ... wäre er schon mit diesem virgilischen bruchstücke an mancher stelle noch freier umgesprungen Bürger 243
Bohtz; so mit meinem portrait umzuspringen! Fr. L. Schröder
dram. werke (1831) 1, 274; Shakespeare ist zuweilen ähnlich mit der wirklichen zeit umgesprungen O. Ludwig
ges. schr. 5, 391
E. Schmidt-St.; die gesetze sind nicht dazu da, dasz Hinz und Kunz mit ihnen umspringen Fontane
ges. w. I 6, 34; mit jem., etwas umzuspringen wissen, umspringen können
zumeist in milderer bedeutung '
damit umzugehn, es zu handhaben, zu verwenden wissen': von dannen kömmts, dasz ich sogar mit den Lateinern nicht weisz umzuspringen Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 89; ein mensch, welcher vielmehr mit betrug als mit seiner rechnung umzuspringen gewust Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 326; (
die Afrikaner) sind nicht streitbar und wissen mit den waffen nicht umzuspringen Männling
eroticus curiosus (1717) 48; (
sie) wissen ... mit dem verdammen geschwinder umzuspringen als unser einer Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 3, 29; ich bin nur eine schlechte ... bürgerstochter, die wohl zur noth ein wenig schreiben gelernet, aber besser mit dem spitzklöppel als der feder umspringen kann Sonnenfels
ges. schr. (1784) 4, 309; kein übler dichter, besonders weisz er mit den sonetten umzuspringen Kotzebue
s. dram. w. (1828) 10, 18; in welcher (
gemeine) ... jedermann mit der gnade des herrnen, dem blute des lammes ... gewandt umzuspringen wuszte Immermann 7, 26
Boxb. 22)
untrennbar, springend umgeben: sy umbsprungen den alter, den sy hetten gemacht
erste deutsche bibel 5, 324; so schwummen wir dahin mit nymphen ganz umbsprungen P. Fleming
deutsche gedichte 1, 187
Lapp.; umsprangen ihn (
den herrn) die hunde mit freudigem gebell G. Freytag
ges. w. (1886) 8, 375; während die ... kälber sie (
die rehe) lustig umsprangen L. v. François
Reckenburgerin (1871) 1, 54.