grabscheit,
n. ,
spaten; vgl. grabschaufel.
mhd. grabeschît;
formen mit fugenvokal grabescheit (-d, -dt)
begegnen noch bis in das späte 17.
jh. hinein, dann nur noch vereinzelt, meist aus rhythmischen gründen, z. b. Wieland 5, 142
Hempel; H. Heine
s. w. 1, 15
E.; im übrigen setzt sich seit dem frühnhd. die fugenlose form grabscheit
durch. der erst seit dem 16.
jh. bezeugte plural zeigt in der regel die normalen nhd. formen der starken neutra, grabscheite
im nom. pl., im 16./17.
jh. aber bebegegnet auch der -er-
plural: grabscheiter (
akk. pl.) Fronsperger
kriegsb. (1578) 1, N 2
a; grab-scheitern (
dat. pl.) Er. Francisci
d. alleredelste vnglück (1670) 321; grabscheider (
akk. pl.) Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 409.
das wort ist md. und obd. verbreitet, nicht aber im südlichen sprachgebiet, es fehlt im schweiz. und scheint auch im bair.-österr. nicht geläufig zu sein. 11)
als blosze bezeichnung des werkzeugs; vgl. pala grabeschit (14./15.
jh.) Diefenbach
gl. 405
c;
fossorium grabe schyt (
obd. 1421)
ders., nov. gl. 180
b;
runcina grabscheyt (
md. 15.
jh.)
ders., gl. 504
a;
s. v. fossorium ebda 244
c;
frissorium (
l. fossorium)
ebda 248
a;
s. v. pala ebda 405
c;
s. v. vanga ebda 606
b u. ö.; pala, instrumentum fossorum ein spaten, grabscheid, ein schauffel B. Faber
thes. (1587) 580
a; grabscheid
bipalium Reyher
thes. (1686) g 5
d; grabscheidt
rutrum, bipalium Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 406: der spahte ... ist ein werckzeug, damit man grAebet; heist auch ein grabescheid Harsdörffer
teutscher secretar. (1656) 1, 533; ein spaten, das ist ein grabscheit Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 104; ein kleine grabeschit er nam, daz er zur erde neigete, da im daz lamp zeigete: niwan ein wenic er da grub
passional 663, 46
Köpke; das erst graben (
das umgraben des gartens) soll tieff sein mit der vanga, das ist ein grabscheyt
Petrus de Crescentiis vom ackerbaw (1531) 88
a; wie man das erdrich bei uns mit einem grabscheidt umbwirfft Müntzer v. Babenberg
reiszbeschr. (1624) 8; und mitleidig grub er mit eignen händen ein grab ihm ohne grabscheit Herder 26, 21
S.; wohlbedacht grub ich's grab mit dem grabscheit, nicht zu schmal und nicht zu breit Brentano
ges. schr. (1852) 1, 436; man kann aus gold so gut ein grabscheit machen, als eine monstranz; doch werden nur die wilden diesz thun Hebbel
w. 10, 385
Werner; an der rückwand der grotte lehnen die spaten und krampen der wegarbeiter. Bernadette denkt nicht daran, eines der grabscheite heranzuholen, um sich ihr werk (
die quelle zu finden) zu erleichtern Werfel
Bernadette (1948) 203.
oft wird angedeutet, dasz das grabscheit
aus eisen oder stahl angefertigt oder damit beschlagen ist: Apuleius erwehnet auch, er habe zu Athen einen gauckler gesehen, welcher nicht allein eine spathe oder grabscheid, daran ein grosses spitziges eisen gewesen, sondern auch einen jägerspiesz um ein geringes geld habe pflegen zu verschlingen Widmann
Fausts leben 272
Keller; die grabscheite, welche ganz von eisen sind, sind nützlicher, als die von holz und unten herum mit stahl beschlagenen Krünitz
öcon. encycl. 19 (1780) 600; schon schärfte der sclave, der die grube graben sollte, sein grabscheit Dahlmann
gesch. v. Dänemark (1840) 2, 248.
das grabscheit
gehört zur kriegsausrüstung: man soll auch bey den wagen haben hacken, grabescheyt, und solche notturfft (1486) Frauenholz
entwicklungsgesch. d. dt. heerw. 2, 2, 155; weiter ist not, das man hab einen guten vorraht schaufflen, bickel vnd hawen, eckzeyel, grabscheiter, sprtzen Fronsperger
kriegsb. (1578) 1, N 2
a; nachdem es aber nicht zu Aendern war, ... musten sie (
die soldaten) ... ihre seegen, äxte, ketten, grabescheite ... abwerffen Lohenstein
Arminius (1698) 1, 37
a.
es kann als waffe dienen: ohne ein wort zu sagen, drehte der kerl sein grabscheit um: puff, lag mir's auf der schulter Kretschmann
s. w. (1784) 5, 246; nun drang der Klaus, der tolle, auf mich ein, von hinten mir das schwert, eh ich's gedacht, entreiszend, dasz mir zur vertheidigung nichts, als mein grabscheid blieb Hebbel
w. 1, 265
Werner. 22)
in poetischer sprache dient das grabscheit
gern als zeichen harter und ernsthafter arbeit: und stünde es manchem ... edelman (
und andern adligen) bässer an, dasz sie für den sammetinen rock einen zwilchen kittel und für den degen das grab-scheid trügen Grimmelshausen 1, 30
Keller; ohne die ochsen aber wrden die edlen selbst ihre hAende an dem grabscheite roh reiben Lohenstein
Arminius (1689) 2, 201
a; durch ihren vorschub tauscht er pilgerstab und kleid mit einem sclavenwamms und einem grabescheit und dient um tagelohn im königlichen garten Wieland
w. 5, 142
Hempel; aber hüte dich wohl, dasz nicht ein schändlicher rückfall dich zur arbeit verleite, dasz man nicht etwa das grabscheit oder das ruder bei dir im hause finde Göthe I 1, 301
W.; das grabscheit ward in seiner hand zum scepter, der sclavenkittel zum purpur Kotzebue
s. dram. w. (1827) 4, 14.
anders in einem bilde: warum wenden sie so gewaltig viel geldes, guts und bluts darauff, untergraben die gemüter der stAende, mit gldnen spaten, oder grab-scheitern? Er. Francisci
d. alleredelste vnglck (1670) 321. —
dazu trikomposita wie grabscheiteisen, n.: grabescheidysen (
akk. pl.)
cod. dipl. Lusat. sup. II 1, 35
Jecht. —