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malen

ahd. bis spez. · 24 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

malen verb.

Bd. 12, Sp. 1500
malen, verb. pingere. 11) goth. mêljan, causalbildung von mêl färbendes, fleck (vgl.mal oben sp. 1493), aber in die verengte bedeutung des schreibens übergegangen; ahd. mâlôn illinere, pingere, also in anderer bedeutung wie anderer form, indem das verbum vom gleichen stamme mit einem suffix gebildet, das zur bezeichnung anhaltender oder sich wiederholender thätigkeit dient, das verzieren durch eine farbe schlechthin ausdrückt; dem schlieszen sich an alts. mâlôn färben, zeichnen (in einer bildlichen wendung, Hel. 4878), mnd. mnl. malen, fries. mêlia malen; ags. mælan zeichnen, verzieren ist eine andere, zum gothischen stehende bildung. dem altnord. fehlt der ausdruck; er ist erst ins isländische als mala, wie ins dänische als male, schwed. mla aus dem deutschen gedrungen. die nhd. schreibung des wortes, die bis in dieses jahrhundert gewöhnlich das dehnungs-h trug (mahlen), hat sich heute als malen durchaus festgestellt; für das auge ist ein sonst unberechtigter unterschied von mahlen molere, dem das dehnungs-h gelassen worden (sp. 1454) entstanden. für das part. gemalt pictum steht mundartlich durch verwechselung die starke form gemalen, wie von jenem verbum, so bairisch: die tafel ist guet gemalen. Schm. 1, 1583 Fromm.; schweizerisch backen hätte sie gehabt wie gemalen. J. Gotthelf Uli d. knecht 227; wie schon mhd.: swel man niht von herzen noch von muote singet, dast der lûterlîche valsch verdecket in gemâlen schrîn. Ulrich v. Singenberg in Wackernagels Walther 233, 10. 22) malen, im allgemeinsten sinne, heiszt mit farbe anstreichen, etwas bunt verzieren; so häuser, wände, säulen u. ähnl.: ahd. gimâlôtiu inlitus (paries) Graff 2, 717; mhd. nhd. gleich wie ein zimmermann, wenn er ein newes haus bawet, nicht weiter denkt, denn das ers also mache, das es einen bestand habe, wie man es aber malen und schmücken sol, da leszt er einen andern fur sorgen. 2 Macc. 2, 30; und denkt, wolan, ich wil mir ein gros haus bawen, und weite pallast, und leszt jm fenster drein hawen, und mit cedern tefeln, und rot malen. Jer. 22, 14; in das gemalt stüblin fren (sprichwörtlich, einem ehre anthun). Frank spr. 1, 104a; heiszt denn pingere blosz malen? heiszt es denn nicht auch bemalen, illuminiren, mit farben anstreichen? hat denn herr Klotz nie gehört, dasz die alten nicht allein an ungebildeten stein und marmor, dasz sie auch an gebildete malten? dasz sie ihre statuen und gipsbilder colorirten? Lessing 11, 192; wie heute noch süddeutsch er läszt sein haus, seine küche, den hausgang frisch malen, vgl. dazu stubenmaler; in Obersachsen die stube malen lassen (im gegensatz zu tapezieren); eine kutsche, einen wagen malen, anstreichen; ein gemâlt sper derbî ich vant: her, daʒ nam al hie mîn hant. Parz. 460, 5; bildlich: gemâlet wart der grüene plân mit sînem rôten bluote naʒ. troj. krieg 12864; warheit läszt sich gar nicht mahlen, wer die warheit etwa mahlt und verkauft sie, nimmt die lügen, nimmt die warheit nicht bezahlt. Logau 3, 194, 14; auch wie sonst ausmalen (th. 1, 916): kupferstiche, holzschnitte malen (colorieren); gemalte kupfer; in bezug auf buchstaben, die nicht blosz mit tinte geschrieben, sondern mit farbe nachgezogen werden: der herr aber antwortet mir und spricht, schreib das gesicht und male es auf eine tafel, das es lesen künde, wer fur uberleuft. Habac. 2, 2; auch von solchen, die langsam, sorgfältig oder mit mühe erstellt werden: die mehrsten mahlten leichtsinnig ihren namen hin, ohne zu wissen, was sie unterschrieben. Schiller hist.-krit. ausg. 8, 340; vom färben des menschlichen körpers: farben auch, den leib zu malen, steckt ihm in die hand, dasz er röthlich möge strahlen in der seelen land. Schiller nadowess. todtenklage; und in alter anwendung vom malen des gesichts, dem schminken: pfî! wâ sitzest du dâ vor mînen ougen mâlerin? wiltu dich baʒ mâlen, danne dich der almehtige got hât geschaffen? Br. Berthold 367, 27; die gift machen, würfel und carten und matery, damit sich die ungeschaffnen weiber malen. Keisersberg narrensch. 148a; gemaltes gesicht, facies fucosa, fucata, gypsata, pigmento et purpurisso infecta Stieler 1220; er sucht die sterbende, sieht die gemalte puppe (die im sterben liegende, geschminkte frau), und stutzt. Gotter 1, 69; sieht er, mit gemahlten wangen ein verlornes schönes kind. Göthe 1, 251; und danach wol auch die gemalte zunge (als die geschminkte worte redet): sie (die fürsten) pflegen die zu kiesen die mit gemahlter zung und krummem knie sich wiesen. Logau 2, 122, 15. 33) malen, als kunst- und künstlerwort, einen gegenstand auf einer fläche in farben darstellen. 3@aa) ohne object: malen als die maler, pingere, depingere. voc. inc. theut. n 3b; malen, wol malen, expingere, pingere, depingere Maaler 282b; er malet über die maszen schön, pingit mire, egregie, sic ut nemo melius. Stieler 1219; nach der kunst malen, arte polita picturam coloribus illustrare. ebenda; so ist doch dieser grief (kunstgriff) auf leinwand zu mahlen so gemein als das mahlwerk in nasse kalk-mauer. Lohenstein Arm. 2, 188b; wir (maler) mahlen mit augen der liebe. Lessing 2, 118; ha! dasz wir nicht unmittelbar mit den augen mahlen! auf dem langen wege, aus dem auge durch den arm in den pinsel, wie viel geht da verloren! 119; als ursache warum Tintorets gemählde meistens so dunkel geworden sind, wird angegeben, dasz er ohne grund, auch auf rothen grund, meist a la prima und ohne svelatur gemahlt. Göthe 38, 225; wie schnell übrigens Tintoret gemahlt. ebenda; Tizian und seine nachfahren mahlten wohl auch mitunter auf gemodelten damast. 228; dâ kan ich mâlen alsô wol daʒ eʒ al diu werlt loben sol. Amis 505; hör endlich auf mit deiner kunst zu prahlen, und mahle nicht, und lasz dich auch nicht mahlen. Hagedorn 1, 109 (auf einen ruhmredigen und schlechten mahler); auch die kunst selbst malt: die kunst musz mahlen, wie sich die plastische natur .. das bild dachte. Lessing 2, 117; sprichwörtlich: wer nicht malen kan, der musz farbe reiben. können wir nicht alle malen, so können wir doch alle tadeln. wer malen will, darf nicht in die schmide gehen. Stieler 1220. 3@bb) mit angabe der farbenart: er malt in öl; in wasserfarben malen; man malt in wasser, in öl, in fresko, in wachs, in pastel, in miniatur, in email. Jacobsson 3, 8b; dafür auch nur fresko malen, öl malen u. ähnl.: vieles hab ich versucht, gezeichnet, in kupfer gestochen, öl gemahlt, in thon hab ich auch manches gedruckt. Göthe 1, 355. 3@cc) mit object: ein bild, ein gemälde, eine skizze malen; eine landschaft, einen baum, personen, thiere malen; ein bild oder tafel malen, simulacrum, vel tabulam coloribus pingere, vel variare. Stieler 1219; einen nach dem leben malen, vivo colore vultum expressum dare. ebenda; die liebe ist ein bilde gottes, und nicht ein tod bilde, noch auf papir gemalt. Luther 6, 47a; und trugen erfur die bücher des gesetzs, welche die heiden suchen lieszen, jre götzen dar ein zu schreiben und zu malen. 1 Macc. 3, 48; uber niemand sind wir in der hölle mehr erzürnet als uber die mahler, darumb weil sie mit uns umbgehen, als ob wir jhre narren weren, indem sie uns abreiszen und mahlen jhres gefallens, bald mit klawen und griffen, .. bald mit hörnern und habichsnasen .. bald mahlen sie uns mit bärten wie die indianische hanen. Philander 1 (1642), 22; jener malte eine sonnenblume, mit der überschrift: sequitur suum! Rabener sat. 3, 261; jene malte einen kleinen korb. 262; wer wird dich mahlen wollen, da dich niemand sehen will, sagt ein alter epigrammatist über einen höchst ungestaltenen menschen. Lessing 6, 381; La Mettrie, der sich als einen zweiten Democrit mahlen und stechen lassen. 389; vornehmlich weil er das bedürfnis der kunst erwog, allen verständlich zu sein, rieth er ihm, die thaten des Alexanders zu mahlen. 450; er mahlte lieber die geschichte eines Ialysus, einer Cydippe und dergleichen. ebenda; wollte man darum auf ihn anwenden, was jener alte künstler zu einem lehrlinge sagte, der eine sehr geschmückte Helena gemahlt hatte, 'da du sie nicht schön mahlen können, hast du sie reich gemahlt'. 496; ehrwürdig, wie man die heiligen malt. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 245 (räuber trauersp. 2, 3); die ältesten bilder, welche mit wasserfarbe gemahlt sind. Göthe 38, 223; swer mich mâlen wil an eine want. Renner 5572; Manuel, aller welt figur hastu gemalt an dise mur! N. Manuel 19, 88 Bächtold; man pfleget mehr, was mahler mahlen, als was poeten, zu bezahlen. Logau 3, 48, 54 (vgl. dazu unten 5, a); ist Mopsus nicht ein andrer Titian? schau, welche kunst aus seinen tafeln blicket. er mahlt ein kleid so schön mans finden kan, von farben bunt, mit golde reich gesticket ... er mahlt den kopf gewaltig matt und schlecht, nur dasz er nicht der kleidung schönheit kränke. Drollinger 129; Selinde soll sich malen lassen. Gellert 1, 88; auch die wände des speisesaales malen, mit gemälden schmücken, das innere einer kirche malen, die kapelle malen; die wand .. war durchaus gemahlt, und der ankömmling konnte nicht lange daran hergehen, ohne zu bemerken, dasz die heiligen bücher der Israeliten den stoff zu diesen bildern geliefert hatten. Göthe 22, 18; ich mâle iu wol über al ein hûs oder einen sal, und mâle dran diu bilde, bêdiu zam unt wilde, diu ieman lebendic hât gesehen. Amis 511; ein fenster, eine glasscheibe malen, vgl. glasmalerei; gemalte kirchenfenster; gedichte sind gemahlte fensterscheiben! Göthe 3, 179; verfluchtes dumpfes mauerloch! wo selbst das liebe himmelslicht trüb durch gemahlte scheiben bricht! 12, 31; sprichwörtlich: die hölle schwarz malen, von einer derben schilderung irgend eines schrecklichen dinges: er malte seinen bauern die hölle ziemlich roth. Hölty 12 Halm; den teufel an die wand malen, mit unheil drohen oder solches prophezeien; es ist nit not, das man in (den teufel) an die wand mal, er kumpt on das. Keisersberg narrensch. 77a; diese fabel zeigt der welt, man darf den teufel uber die thür nicht malen. Luther 5, 272a; malet jr ja nicht den teufel uber die thür, und bittet jn nicht zu gevattern, er kompt dennoch wol. 6, 276a; weilen man ja den teufel nicht viel an die wand mahlen oder rufen darf. Simpl. 1 (1713) 131; anders ein gemalter teufel, eine leere schreckgestalt: nur ein kindisch aug schreckt ein gemalter teufel. Schiller Macbeth 2, 4, nach Shakespeare: 't is the eye of childhood, that fears a painted devil. Macbeth 2, 2; eine abweisende formel ist ich will dir etwas malen!; dem pferde hafer in die krippe malen, ventrem verbis pascere. Stieler 1220; ich werde dir es gewisz erst malen, quasi vero, ut in picturis, omnia ex voto tuo corrigi possint. ebenda. 3@dd) reflexiv, mit angabe der wirkung: er hat sich reich gemalt; sich die finger lahm malen; ich hab mich um meine augen gemahlt. Klinger theater 2, 196. 3@ee) der infinitiv substantivisch: man musz sich nach des landes weise richten, wie in getränken, speisen und gewanden, so manchmal auch im malen und im dichten. Uhland ged. 444; in der bedeutung gemälde: wer yeman der die schrift veracht oder villicht die nit künd lesen, der sicht im molen wol sin wesen (d. h. in den bildern zum narrenschiffe). Brant narrensch., vorrede 28; was dienen uns die strahlen der sonne bei der nacht? wer lobt desz künstlers mahlen dafür ein umhang schwebt? Logau 2, 10, 37; einer, etwas ist zum malen schön, zur bezeichnung eines ungewöhnlichen grades von schönheit: sei schön, ich meine schön zum mahlen. Wieland 10, 232; ins ohr gesagt — die dirnen waren zum mahlen schön, von schwarzen augen, gelben haaren ... 18, 338; vorher kam noch, das ding war zum malen, der manichäer mit häscher-macht, und prätendirte, ich sollte bezahlen. Körner nachtwächter, 4. auftr. 44) malen auch vom entwerfen, vorzeichnen eines gemäldes: voranhin malen, oder mit einer kolen entwerfen, adumbrare Maaler 282b; das mhd. mâlen wurde auch vom entwerfen im geiste gebraucht, vgl. mhd. wb. 2, 1, 24b. 55) malen, in bildlicher verwendung. 5@aa) von einer ausgeführten, belebten schilderung durch die rede (wie ja das malerwort schildern jetzt fast ausschlieszlichen bezug auf worte erlangt hat): sihe, also kan es der apostel hie malen, das er aus gott und der liebe ein ding machet. Luther 6, 47a; o jr unverstendigen Galater, wer hat euch bezaubert, das jr der warheit nicht gehorchet? welchen Christus Jhesus für die augen gemalet war (οἷς κατ' ὀφθαλμοὺς Ἰησοῦς Χριστὸς προεγράφη), und jetzt unter euch gecreuziget ist. Gal. 3, 1; jeder zug, den der mahlende dichter braucht. Lessing 6, 415; wenn Tibull die gestalt des Apollo mahlet, wie er ihm im traume erschienen. 428; es sind kräuter und blumen, welche der gelehrte dichter mit groszer kunst und nach der natur mahlet. 472; es ist nun zeit, dasz ich mich dir mahle (mich ausführlich schildere). Klinger 7, 272; der idealisirende dichter und der satyriker nehmen sich beide vor, uns den menschen zu mahlen. 11, 5; von ihrer antwort wird es nun abhangen, ob ich mich ihr ganz mit meinen sowohl moralischen als physischen mängeln und gebrechen darstellen soll ... schlechter soll sie mich dann wenigstens nicht finden, als ich mich zum voraus gemahlt habe. ich denke es ist pflicht, hier lieber ins häszliche, als ins schöne zu mahlen. Bürger 500b; könnt ich euch malen, wie leer die welt ist, man würde sich an einander klammern und nicht von einander lassen. Göthe an frau v. Stein 1, 278; aber der dichter male für ameisenaugen. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 344; Miller. und dieser dritte ort, meine tochter? Louise. er kennt ihn nicht? er kennt ihn wirklich nicht, vater? sonderbar! der ort ist zum finden gemalt. Ferdinand wird ihn finden. 3, 476 (kab. u. liebe 5, 1); einem hochedlen stadtrath oder einer trefflichen testamentexecuzion die freude zu malen, dasz sie .. mich .. zum geschichtschreiber eines Harnisch auserlesen. J. Paul flegelj. 1, 18; sie (poeten) zuckern alle worte, es blüht an allem orte, sie schreiben nicht, sie mahlen. Logau 3, 103; alles das, wonach Guarini lüstern macht, der diese dinge uns so zauberisch ins feine zu mahlen weisz. Wieland 18, 200; ich (Kleist) malte die natur, belauscht und haschte den lenz auf blumiger flur. Herder z. litt. 6, 288; mein sohn! du brichst dir selbst den stab. sehr reizend malst du ein glück, das du mir nie gewährtest. Schiller don Carlos 2, 2; da malen sie so schön, so bunt den ehestand. Kotzebue dram. sp. 2, 180; mit ausführung des bildes durch erwähnung der farbe oder des pinsels: dasz Götz uns überall mit dreckfarbe mahlt, wuszt ich. Wieland in Mercks briefs. 2, 73; gesteht nur, Machiavell: in meiner ganzen schattirung, aus der ich allenfalls mahlen könnte, ist kein ton so gelbbraun, gallenschwarz, wie Albas gesichtsfarbe, und als die farbe, aus der er mahlt. Göthe 8, 229; komm und vertraue dich mir. ich bin es, die von den menschen (ob mich schon wenige kennen) nachdem die neigung den pinsel führet, unähnlich gemahlt und mit mancherlei namen begabt wird. jetzo nennt man mich tugend, jetzt wahrheit. Wieland 2. suppl.-band s. 361; wo nehm ich den pinsel, zu malen den mund, die händchen so klein und die brüste so rund und die augen von schmelzender güte? Stolberg 1, 303; die bange lust, die süszen qualen — umsonst! kein jüngling kann sie mahlen — hier werf ich meinen pinsel hin. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 167; wo schwärmt der knabe hin? mit welchen farben mahlt er sich seinen werth und sein geschick? Göthe 9, 167; ein richter, der nicht strafen kann, gesellt sich endlich zum verbrecher; ich malte schwarz, doch dichtern flor zög ich dem bilde lieber vor. 41, 11; worte selbst malen: Jokasta. sag, ists denn wirklich ein so groszes übel, des vaterlands beraubet sein? Pol. das gröszte, und gröszer wahrlich, als es worte malen! Schiller scene a. d. Phönicierinnen v. 374; auch wird durch geberdensprache gemalt: in dem geberdenspiel ist der französische schauspieler mehr malend als der deutsche, der fast nur ausdrückende geberden kennt. W. v. Humboldt in d. briefen Göthes u. der gebr. Humboldt s. 97. 5@bb) affecte, liebe, hasz, interesse malen: hinter diesen maximen lauert ein feurigeres interesse, das dir meine dienste besonders abscheulich mahlt. Schiller kab. u. liebe 4, 7; doch, da sie nun begann den jüngling abzumahlen, und ich (verschönert zwar) mich selbst geschildert fand, so wie die liebe mahlt, mit farben nicht, mit strahlen. Wieland 17, 165 (Idris 3, 62); in diesem selbstgespräch war etwas üble laune. man weisz sie mahlt die dinge gern ins braune. 18, 180; nie malt der harm, die pest der welt, sein (des knaben) blühendes gesicht, als wenn sein ball ins wasser fällt, als wenn sein schwert zerbricht. Hölty 121 Halm; schlummer und traum ebenso: schnell mahlte der lächelnde bube (ein traumgott) vor dem auge Dorinde mir. Stolberg 1, 60; bis mir (im schlummer) .. der zukunft sonne meine wogenden seelenfluthen röthe, und die leichten, fliegenden traumgewölke male mit purpur! 214. 5@cc) endlich die sonne (vergl. dazu das letztgegebene beispiel), die natur, das abendrot u. ähnl., wobei wieder besonders (s. oben malen 2) die vorstellung einer lebhaften färbung hervortritt: der schneckenweg zum altare war von den farben des blütenstaubes gemalt. J. Paul Tit. 2, 59; so deutet das schöne grün, diese frühlingfarbe, sobald es eine wolke malt, nichts an als lange nässe. 3, 81; alles was glänzet, was funkelt, was strahlet, alles was schmücket, was zieret, was mahlet, hat sich an unsere göttin ergeben, bei jhr zu dienen, jhr eigen zu leben. Logau 3, 212; ihm (dem weisen) grünet lust und freude, ihm mahlet die natur. Hagedorn 3, 71; sie (die sonne) mahlet mit farben des himmlischen bogens die schwebenden wolken der stäubenden fluth! Stolberg 1, 105; wenn das milde abendroth die hügelspitzen malt. Hölty 120 Halm; durch birkenlabyrinthe malt abendliche glut mit warmer zaubertinte des rohrbachs leise flut. Matthisson ged. (1794) 80; purpur malt die tannenhügel nach der sonne scheideblick. 135; tauchen will ich euch in strahlen, mit der Iris schönstem licht will ich eure blätter malen, gleich Aurorens angesicht. Schiller klage der Ceres; der himmel, den des abends sanfte röthe lieblich malt. glocke 331; auch auszerhalb der angegebenen vorstellung: sie kehrten sich halb um und suchten mit den blicken im malenden wasser das tiefe himmelblau. J. Paul Hesp. 3, 211; die sonne blinkt von der schale rand, malt zitternde kringeln an die wand. Chamisso in Wackernagels leseb. 2 (1876), 1688; zeit, alter malt: wenn das glück dir noch so freundlich strahlt, so kan es dennoch nicht der zeiten macht besiegen, die schon ein traurigs weisz um deinen scheitel mahlt. Drollinger 183, nach dem franz. le tems qui toujours vole, et qui d'un triste blanc va peindre tes cheveux. 66) reflexives sich malen. 6@aa) von personen, welche ihrer eigenart nach in irgend einer weise ein getreues bild von sich geben: eine gottheit, die sich in allen geschöpfen malt. Kant 8, 372; in seinen thaten mahlt sich der mensch. Schiller hist.-krit. ausg. 10, 285; Alba sowohl als Egmont malen sich in den menschen, die ihnen nahe sind. 6, 90. 6@bb) von äuszerem, was in das innere eines menschen wirkt: Faust lag in einem süszen morgenschlummer, ... als sich ein sehr bedeutender traum vor seinem geiste mit lebhaften farben mahlte. Klinger 3, 260; da mahlten sich seine jugendträume wieder lebend vor seinen augen. 8, 243; ein blühend kind, von grazien und scherzen umhüpft — so, freundin, spielt um dich die welt; doch so, wie sie sich malt in deinem herzen, in deiner seele schönen spiegel fällt, — so ist sie nicht. Schiller einer jungen freundin ins stammbuch; anders, begreif ich wohl, als sonst in menschenköpfen, malt sich in diesem kopf die welt. don Carlos 3, 10. 6@cc) von inneren bewegungen, trieben, leidenschaften, die sich im äuszern des menschen zeigen: auf seinem gesichte malte sich die freude über diese nachricht; verdrossenheit und trübsinn mahlte sich in blick und gang und stellung sichtbarlich. Wieland 9, 3; in jeder nerve reiz, in jedem puls verlangen, und in der brust ein saitenspiel, wo rege lust und warmes mitgefühl, beim leisesten akkord der freude, wiederklangen — und dieses alles malte sich so unverkennbar in geberden, mienen, zügen ... Gotter 1, 321; auf deinem antlitz malt sich ein verhaszter brief (d. h. hasz in folge eines eben gelesenen briefes). Platen 166; von der tugend in ihrer beziehung zur that: grosz ists, der tugend nachzustreben: das weib dient ihr im stillen leben und in der liebe sanftem schosz; doch in des mannes thaten malen sich prangend ihre tausend strahlen. Schiller Iphig., 2. act, 2. zwischenhandlung. 6@dd) von gestalten oder landschaften, deren bild irgendwo zurückgeworfen wird: wo .. auf silberrosen das bild des schönen frühroths sich malte. Hölty 81 Halm; wann mich, mit meinem harm vertraut, zur stunde der gespenster, der liebe, helle mond beschaut, bebts (das bildnis) durch mein kammerfenster, und malt sich an die weisze wand. 170; Geneva malt sich in der fluten spiegel. Matthisson ged. (1794) 54; wenn sich des mondes flimmer in quellen malt. Göthe 1, 65; die art, wie sich die gestalt im auge malt (nach der apparenz der fläche). Kant 7, 185; in süszem schrecken bebt die sultanstochter auf, indem, zum ersten mahl, vom morgen angestrahlet, das weltmeer grenzenlos sich in ihr auge mahlet. Wieland 22, 248 (Oberon 6, 2); dies zarte bild, das, in den kleinsten rahmen gefaszt, das unermeszliche uns zeigt, und der krystall, in dem dies bild sich malt, .. er ist das aug, in das die welt sich drückt. Schiller Turandot 2, 4. 6@ee) sich malen, auch sich farbig schmücken: die bächlein rauschen in dem sand und malen sich und ihren rand mit schattenreichen myrten. P. Gerhard 239, 26 Gödeke.
21742 Zeichen · 309 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    mâlênsw. v.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    mâlên , mâlôn sw. v. , mhd. mâlen, nhd. malen; as. mâlon, mnd. mâlen, mnl. malen; afries. mēlia; ae. mǽlan; vgl. got. mē…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    mâlenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +7 Parallelbelege

    mâlen , mælen swv. s. mahelen.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    malen

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +5 Parallelbelege

    malen, sw. v. 1. malen, pingere. 2. mit irgend einem mâl versehen (z. B. Schafe, Schweine etc.); bes. mit Grenzbezeichnu…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Malen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Malen , S. Adelung Mahlen .

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    malen

    Goethe-Wörterbuch

    malen häufig -ah-; öfter subst 1 (als Künstler, Dekorateur uä) mit Farben arbeiten, in Farbe darstellen a allgemein als …

  6. modern
    Dialekt
    malen

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    male n [mólə allg.; Part. kmólt O. Betschd. ; kəmólt K. Z. ; kmólə Geisp. ] 1. malen. ‘So Schnittli, Kresse, Lauch .. di…

  7. Sprichwörter
    Malen

    Wander (Sprichwörter)

    Malen 1. Malen ist mehr als eine Wand beschmuzen. Die Engländer: Zum Anstreichen gehört mehr Kunst, als Schmuz an die Ma…

  8. Spezial
    malen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ma|len I vb.tr. depënje (depënj, depënt) II vb.refl. sich malen se depënje. ▬ ein Bild in Öl malen depënje n cuader a ör…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit malen

63 Bildungen · 20 Erstglied · 38 Zweitglied · 5 Ableitungen

malen‑ als Erstglied (20 von 20)

Malenga

PfWB

Malenga f. : eine weiße, frühreifende Traubensorte, Malenga, Malenka [VPf ( Wilde 203)]; vgl. Malingre .

Malengaherbst

PfWB

Malenga-herbst m. : ' Lese der Traubensorte Malenga ', Malengahäʳbscht (maˈlęŋga-) [ LA-Edk Maik Mart ].

Malengien

DRW

malen·gien

Malengien, n. nur mittelniederländisch, aus französisch malengin: Betrug, Arglist überwiegend in Rechtsformeln zur Beteuerung der redlichen …

Malenhandel

RhWB

malen·handel

Malen-handel Allg. [ mnə- Klev o. O.] m.: H., Suche nach einem Rinde. RA.: Hen es op de M. der Bursche ist auf der Suche nach einem Mädchen…

Malen II

RhWB

Malen II = Grasschwaden s. Maden.

Malenkalb

RhWB

malen·kalb

Malen-kalb -kaləf Allg. n.: weibl. K. RA.: Treck, Bur, et es en M.! hurtig, die Arbeit bringt Gewinn Klev .

маленький

RDWB2

маленький маленький да удаленький идиом. - klein aber fein idiom. распить маленькую - eine kleine Flasche Wodka austrinken ты уже не маленьк…

malenmass

RhWB

malen·mass

malen-mass m:ləm:s  May-Rieden Adj.: wie gemalt, passend.

Malennös

RhWB

Malen-nös -ns Rees-Hamminkeln n.: dass.

Malenrente

DRW

malen·rente

Malenrente, f. nur mnl. Anteil eines Malen an den Erträgen von fremdgenutzten gemeinschaftlichen Gütern der ¹Mahlschaft (I) G. ... gaff over…

mālenslot

MNWB

malen·slot

mālenslot , māl- (mael-) , n. , Vorhängeschloß, Kettenschloß, zum Verschluß von Türen, Kästen, Geschützen.

mālent, mēlen

MNWB

mālent, mēlen, n. , Mahlen, Tätigkeit des Mahlens, Mühlenarbeit.

Malenzgass

Idiotikon

Malenzgass Band 2, Spalte 452 Malenzgass 2,452

malen als Zweitglied (30 von 38)

gemalen?

KöblerMhd

*ge·malen

*gemalen? , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. un- E.: s. gemalen (1) W.: nhd. gemahlen, Adj., gemahlen, DW-

abemalen

KöblerMhd

abe·malen

abemalen , st. V. nhd. ausmahlen E.: s. abe, malen W.: nhd. abmalen, st. V., abmalen, DW2 1, 578 L.: Lexer 356c (abemaln), LexerN 3, 6 (abe …

Abmalen

Wander

Abmalen 1. Ich will dich recht abmalen. Lat. : Tuis te pingam coloribus. ( Tappius, 133. ) 2. Sich obmohlen lossen of Leschpapier mit Ehlfar…

afmâlen

MNWB

afmâlen , swv. , 1. mit einem Mal bezeichnen : (Haustieren) ein Zeichen aufbrennen; mit Grenzzeichen versehen. 2. (ab)malen, (ab)zeichnen, a…

anmâlen

MNWB

anmâlen , swv. , ankreiden.

ausmalen

RDWB1

aus·malen

ausmalen (kein Bezug zu "рисовать") вообразить, представить себе Ich mag mir nicht ~, was dir alles passieren konnte. - Мне даже страшно воо…

blakmâlen

MNWB

blak·malen

blakmâlen , swv. , Gravierungen in Silber mit schwarzer, silberhaltiger Schmelzmasse (Niello) ausfüllen. —

ermâlen

Lexer

erm·alen

er-mâlen swv. BMZ malen können, durch malen zu stande bringen Pass.

gemalen

DWB

gem·alen

gemalen , verstärktes malen, molere ( Lexer nachtr. 190 ): er spricht: das korn ist ernasset, wie kan das wol gemalen? teufels netz 9406 , a…

hinmalen

DWB

hin·malen

hinmalen , verb. : mit feurigen zügen wollte ich dir die schrecklichen bilder des elends deines volks hinmahlen. Klinger 5, 70 . auch für un…

în malen

Lexer

în malen stv. an mel abgeben. zwai schaf roggen tet dannocht nit als vil ein malen als ein alt schaff koren Chr. 4. 312,11. tr. getreide in …

nachmalen

DWB

nach·malen

nachmalen , verb. 1 1) malend nachbilden, abmalen, effingere et imitari primum exemplum picturae Stieler 1222 ; (die mahler) sollen nicht so…

oftmâlen

MNWB

oft·malen

* oftmâls , öfter- , oftmâlen , adv. gen., oftmals , oft, des öfteren.

ohrmalen

DRW

ohr·malen

ohrmalen, v. auch öhr- ein Haustier mit einem Ohrmal versehen vgl. ohren daß die ambtleutte ... die schaffe, mith vleisse zehlen, unnd wenn …

schmalen

DWB

schma·len

schmalen , verb. , bei den köhlern den meiler schmalen oder beschmalen, die unterste schicht des holzfertigen meilers mit ästen vollends aus…

schwarzmalen

RDWB1

schwarz·malen

schwarzmalen изобразить / представить дело в чёрном цвете / в мрачных красках

slëhtmalen

Lexer

sleht·malen

slëht-malen part. adj. sleh malen brôt, brot von einfachem, ordinärem mel, der semel entgegengesetzt Augsb. r. M. 25,4. 196,17. Chr. 5,180 a…

undermâlen

Lexer

under·malen

under-mâlen swv. BMZ unterschreiben, durch unterschrift bestätigen Cod. pal. 321, 122 f. bei Vilm. weltchr. 25.

ungemalen

Lexer

ung·e·malen

un-gemalen part. adj. ohne zu malen. sein mul sol ungemalen stên Prag. r. 59,97.

untermalen

DWB

unter·malen

untermalen , v.; mhd. undermâlen. vgl. übermalen . A A. in trennbarer verbindung. ' unter etwas malen' Campe ; to paint under Lucas ; du bra…

upmâlen

MNWB

upmâlen , swv. : (Farben) auf eine Zeichnung auftragen, „ Zunst sall ein platmaler ein tafereil kriten, eine historie darup tekenen, doet-va…

vermalen

DWB

ver·malen

vermalen , verb. malend ausführen. die vorsilbe ver gibt dem einfachen stammworte mancherlei nebenbedeutungen. aus den ältern sprachen ist d…

vormalen

DWB

vor·malen

vormalen , adv. , aus vormal entwickelt, Jelinek 886 , s. vormals; vormaln oder eemaln voc. 1482 m m 3 a ; antehac vor der zeit, vormalen Ca…

vüremalen

KöblerMhd

vüremalen , st. V. nhd. im Voraus mahlen Q.: Chr (1449/1450) E.: s. vüre (1), malen (1) W.: nhd. (ält.) fürmahlen, V., im Voraus mahlen, DW …

Ableitungen von malen (5 von 5)

bemâlen

MNWB

bemâlen , swv. , bemalen, anstreichen.

ermâlen

Lexer

er-mâlen swv. BMZ malen können, durch malen zu stande bringen Pass.

gemalen

DWB

gemalen , verstärktes malen, molere ( Lexer nachtr. 190 ): er spricht: das korn ist ernasset, wie kan das wol gemalen? teufels netz 9406 , a…

vermalen

DWB

vermalen , verb. malend ausführen. die vorsilbe ver gibt dem einfachen stammworte mancherlei nebenbedeutungen. aus den ältern sprachen ist d…

zermalen

KöblerMhd

zermalen , st. V. nhd. zermahlen (V.), zermahlen (V.) in, zermalmen Q.: Apk, Seuse (zermaln), Cranc (zumalen) (FB zermaln), Er (um 1185), JT…