malen,
verb. pingere. 11)
goth. mêljan,
causalbildung von mêl
färbendes, fleck (
vgl.mal oben sp. 1493),
aber in die verengte bedeutung des schreibens übergegangen; ahd. mâlôn
illinere, pingere, also in anderer bedeutung wie anderer form, indem das verbum vom gleichen stamme mit einem suffix gebildet, das zur bezeichnung anhaltender oder sich wiederholender thätigkeit dient, das verzieren durch eine farbe schlechthin ausdrückt; dem schlieszen sich an alts. mâlôn
färben, zeichnen (
in einer bildlichen wendung, Hel. 4878),
mnd. mnl. malen,
fries. mêlia
malen; ags. mælan
zeichnen, verzieren ist eine andere, zum gothischen stehende bildung. dem altnord. fehlt der ausdruck; er ist erst ins isländische als mala,
wie ins dänische als male,
schwed. mla
aus dem deutschen gedrungen. die nhd. schreibung des wortes, die bis in dieses jahrhundert gewöhnlich das dehnungs-h
trug (mahlen),
hat sich heute als malen
durchaus festgestellt; für das auge ist ein sonst unberechtigter unterschied von mahlen
molere, dem das dehnungs-h
gelassen worden (
sp. 1454)
entstanden. für das part. gemalt
pictum steht mundartlich durch verwechselung die starke form gemalen,
wie von jenem verbum, so bairisch: die tafel ist guet gemalen. Schm. 1, 1583
Fromm.; schweizerisch backen hätte sie gehabt wie gemalen. J. Gotthelf
Uli d. knecht 227;
wie schon mhd.: swel man niht von herzen noch von muote singet, dast der lûterlîche valsch verdecket in gemâlen schrî
n. Ulrich v. Singenberg
in Wackernagels Walther 233, 10. 22) malen,
im allgemeinsten sinne, heiszt mit farbe anstreichen, etwas bunt verzieren; so häuser, wände, säulen u. ähnl.: ahd. gimâlôtiu
inlitus (
paries) Graff 2, 717;
mhd. nhd. gleich wie ein zimmermann, wenn er ein newes haus bawet, nicht weiter denkt, denn das ers also mache, das es einen bestand habe, wie man es aber malen und schmücken sol, da leszt er einen andern fur sorgen. 2
Macc. 2, 30; und denkt, wolan, ich wil mir ein gros haus bawen, und weite pallast, und leszt jm fenster drein hawen, und mit cedern tefeln, und rot malen.
Jer. 22, 14; in das gemalt stüblin fren (
sprichwörtlich, einem ehre anthun). Frank
spr. 1, 104
a; heiszt denn pingere blosz malen? heiszt es denn nicht auch bemalen, illuminiren, mit farben anstreichen? hat denn herr Klotz nie gehört, dasz die alten nicht allein an ungebildeten stein und marmor, dasz sie auch an gebildete malten? dasz sie ihre statuen und gipsbilder colorirten? Lessing 11, 192;
wie heute noch süddeutsch er läszt sein haus, seine küche, den hausgang frisch malen,
vgl. dazu stubenmaler;
in Obersachsen die stube malen lassen (
im gegensatz zu tapezieren); eine kutsche, einen wagen malen,
anstreichen; ein gemâlt sper derbî ich vant: her, daʒ nam al hie mîn hant.
Parz. 460, 5;
bildlich: gemâlet wart der grüene plân mit sînem rôten bluote naʒ.
troj. krieg 12864; warheit läszt sich gar nicht mahlen, wer die warheit etwa mahlt und verkauft sie, nimmt die lügen, nimmt die warheit nicht bezahlt. Logau 3, 194, 14;
auch wie sonst ausmalen (
th. 1, 916): kupferstiche, holzschnitte malen (
colorieren); gemalte kupfer;
in bezug auf buchstaben, die nicht blosz mit tinte geschrieben, sondern mit farbe nachgezogen werden: der herr aber antwortet mir und spricht, schreib das gesicht und male es auf eine tafel, das es lesen künde, wer fur uberleuft.
Habac. 2, 2;
auch von solchen, die langsam, sorgfältig oder mit mühe erstellt werden: die mehrsten mahlten leichtsinnig ihren namen hin, ohne zu wissen, was sie unterschrieben. Schiller
hist.-krit. ausg. 8, 340;
vom färben des menschlichen körpers: farben auch, den leib zu malen, steckt ihm in die hand, dasz er röthlich möge strahlen in der seelen land. Schiller
nadowess. todtenklage; und in alter anwendung vom malen des gesichts, dem schminken: pfî! wâ sitzest du dâ vor mînen ougen mâlerin? wiltu dich baʒ mâlen, danne dich der almehtige got hât geschaffen? Br. Berthold 367, 27; die gift machen, würfel und carten und matery, damit sich die ungeschaffnen weiber malen. Keisersberg
narrensch. 148
a; gemaltes gesicht,
facies fucosa, fucata, gypsata, pigmento et purpurisso infecta Stieler 1220; er sucht die sterbende, sieht die gemalte puppe (
die im sterben liegende, geschminkte frau), und stutzt. Gotter 1, 69; sieht er, mit gemahlten wangen ein verlornes schönes kind. Göthe 1, 251;
und danach wol auch die gemalte zunge (
als die geschminkte worte redet): sie (
die fürsten) pflegen die zu kiesen die mit gemahlter zung und krummem knie sich wiesen. Logau 2, 122, 15. 33) malen,
als kunst- und künstlerwort, einen gegenstand auf einer fläche in farben darstellen. 3@aa)
ohne object: malen als die maler,
pingere, depingere. voc. inc. theut. n 3
b; malen, wol malen,
expingere, pingere, depingere Maaler 282
b; er malet über die maszen schön,
pingit mire, egregie, sic ut nemo melius. Stieler 1219; nach der kunst malen,
arte polita picturam coloribus illustrare. ebenda; so ist doch dieser grief (
kunstgriff) auf leinwand zu mahlen so gemein als das mahlwerk in nasse kalk-mauer. Lohenstein
Arm. 2, 188
b; wir (
maler) mahlen mit augen der liebe. Lessing 2, 118; ha! dasz wir nicht unmittelbar mit den augen mahlen! auf dem langen wege, aus dem auge durch den arm in den pinsel, wie viel geht da verloren! 119; als ursache warum Tintorets gemählde meistens so dunkel geworden sind, wird angegeben, dasz er ohne grund, auch auf rothen grund, meist a la prima und ohne svelatur gemahlt. Göthe 38, 225; wie schnell übrigens Tintoret gemahlt.
ebenda; Tizian und seine nachfahren mahlten wohl auch mitunter auf gemodelten damast. 228; dâ kan ich mâlen alsô wol daʒ eʒ al diu werlt loben sol.
Amis 505; hör endlich auf mit deiner kunst zu prahlen, und mahle nicht, und lasz dich auch nicht mahlen. Hagedorn 1, 109 (
auf einen ruhmredigen und schlechten mahler);
auch die kunst selbst malt: die kunst musz mahlen, wie sich die plastische natur .. das bild dachte. Lessing 2, 117;
sprichwörtlich: wer nicht malen kan, der musz farbe reiben. können wir nicht alle malen, so können wir doch alle tadeln. wer malen will, darf nicht in die schmide gehen. Stieler 1220. 3@bb)
mit angabe der farbenart: er malt in öl; in wasserfarben malen; man malt in wasser, in öl, in fresko, in wachs, in pastel, in miniatur, in email. Jacobsson 3, 8
b;
dafür auch nur fresko malen, öl malen
u. ähnl.: vieles hab ich versucht, gezeichnet, in kupfer gestochen, öl gemahlt, in thon hab ich auch manches gedruckt. Göthe 1, 355. 3@cc)
mit object: ein bild, ein gemälde, eine skizze malen; eine landschaft, einen baum, personen, thiere malen; ein bild oder tafel malen,
simulacrum, vel tabulam coloribus pingere, vel variare. Stieler 1219; einen nach dem leben malen,
vivo colore vultum expressum dare. ebenda; die liebe ist ein bilde gottes, und nicht ein tod bilde, noch auf papir gemalt. Luther 6, 47
a; und trugen erfur die bücher des gesetzs, welche die heiden suchen lieszen, jre götzen dar ein zu schreiben und zu malen. 1
Macc. 3, 48; uber niemand sind wir in der hölle mehr erzürnet als uber die mahler, darumb weil sie mit uns umbgehen, als ob wir jhre narren weren, indem sie uns abreiszen und mahlen jhres gefallens, bald mit klawen und griffen, .. bald mit hörnern und habichsnasen .. bald mahlen sie uns mit bärten wie die indianische hanen. Philander 1 (1642), 22; jener malte eine sonnenblume, mit der überschrift: sequitur suum! Rabener
sat. 3, 261; jene malte einen kleinen korb. 262; wer wird dich mahlen wollen, da dich niemand sehen will, sagt ein alter epigrammatist über einen höchst ungestaltenen menschen. Lessing 6, 381; La Mettrie, der sich als einen zweiten Democrit mahlen und stechen lassen. 389; vornehmlich weil er das bedürfnis der kunst erwog, allen verständlich zu sein, rieth er ihm, die thaten des Alexanders zu mahlen. 450; er mahlte lieber die geschichte eines Ialysus, einer Cydippe und dergleichen.
ebenda; wollte man darum auf ihn anwenden, was jener alte künstler zu einem lehrlinge sagte, der eine sehr geschmückte Helena gemahlt hatte, 'da du sie nicht schön mahlen können, hast du sie reich gemahlt'. 496; ehrwürdig, wie man die heiligen malt. Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 245 (
räuber trauersp. 2, 3); die ältesten bilder, welche mit wasserfarbe gemahlt sind. Göthe 38, 223; swer mich mâlen wil an eine want.
Renner 5572; Manuel, aller welt figur hastu gemalt an dise mur!
N. Manuel 19, 88
Bächtold; man pfleget mehr, was mahler mahlen, als was poeten, zu bezahlen. Logau 3, 48, 54 (
vgl. dazu unten 5,
a); ist Mopsus nicht ein andrer Titian? schau, welche kunst aus seinen tafeln blicket. er mahlt ein kleid so schön mans finden kan, von farben bunt, mit golde reich gesticket ... er mahlt den kopf gewaltig matt und schlecht, nur dasz er nicht der kleidung schönheit kränke. Drollinger 129; Selinde soll sich malen lassen. Gellert 1, 88;
auch die wände des speisesaales malen,
mit gemälden schmücken, das innere einer kirche malen, die kapelle malen; die wand .. war durchaus gemahlt, und der ankömmling konnte nicht lange daran hergehen, ohne zu bemerken, dasz die heiligen bücher der Israeliten den stoff zu diesen bildern geliefert hatten. Göthe 22, 18; ich mâle iu wol über al ein hûs oder einen sal, und mâle dran diu bilde, bêdiu zam unt wilde, diu ieman lebendic hât gesehen.
Amis 511; ein fenster, eine glasscheibe malen,
vgl. glasmalerei; gemalte kirchenfenster; gedichte sind gemahlte fensterscheiben! Göthe 3, 179; verfluchtes dumpfes mauerloch! wo selbst das liebe himmelslicht trüb durch gemahlte scheiben bricht! 12, 31;
sprichwörtlich: die hölle schwarz malen,
von einer derben schilderung irgend eines schrecklichen dinges: er malte seinen bauern die hölle ziemlich roth. Hölty 12
Halm; den teufel an die wand malen,
mit unheil drohen oder solches prophezeien; es ist nit not, das man in (
den teufel) an die wand
mal, er kumpt on das. Keisersberg
narrensch. 77
a; diese fabel zeigt der welt, man darf den teufel uber die thür nicht malen. Luther 5, 272
a; malet jr ja nicht den teufel uber die thür, und bittet jn nicht zu gevattern, er kompt dennoch wol. 6, 276
a; weilen man ja den teufel nicht viel an die wand mahlen oder rufen darf.
Simpl. 1 (1713) 131;
anders ein gemalter teufel,
eine leere schreckgestalt: nur ein kindisch aug schreckt ein gemalter teufel. Schiller
Macbeth 2, 4,
nach Shakespeare: 't is the eye of childhood, that fears a painted devil.
Macbeth 2, 2;
eine abweisende formel ist ich will dir etwas malen!; dem pferde hafer in die krippe malen,
ventrem verbis pascere. Stieler 1220; ich werde dir es gewisz erst malen,
quasi vero, ut in picturis, omnia ex voto tuo corrigi possint. ebenda. 3@dd)
reflexiv, mit angabe der wirkung: er hat sich reich gemalt; sich die finger lahm malen; ich hab mich um meine augen gemahlt. Klinger
theater 2, 196. 3@ee)
der infinitiv substantivisch: man musz sich nach des landes weise richten, wie in getränken, speisen und gewanden, so manchmal auch im malen und im dichten. Uhland
ged. 444;
in der bedeutung gemälde: wer yeman der die schrift veracht oder villicht die nit künd lesen, der sicht im molen wol sin wesen (
d. h. in den bildern zum narrenschiffe). Brant
narrensch., vorrede 28; was dienen uns die strahlen der sonne bei der nacht? wer lobt desz künstlers mahlen dafür ein umhang schwebt? Logau 2, 10, 37; einer, etwas ist zum malen schön,
zur bezeichnung eines ungewöhnlichen grades von schönheit: sei schön, ich meine schön zum mahlen. Wieland 10, 232; ins ohr gesagt — die dirnen waren zum mahlen schön, von schwarzen augen, gelben haaren ... 18, 338; vorher kam noch, das ding war zum malen, der manichäer mit häscher-macht, und prätendirte, ich sollte bezahlen. Körner
nachtwächter, 4.
auftr. 44) malen
auch vom entwerfen, vorzeichnen eines gemäldes: voranhin malen, oder mit einer kolen entwerfen,
adumbrare Maaler 282
b;
das mhd. mâlen
wurde auch vom entwerfen im geiste gebraucht, vgl. mhd. wb. 2, 1, 24
b. 55) malen,
in bildlicher verwendung. 5@aa)
von einer ausgeführten, belebten schilderung durch die rede (
wie ja das malerwort schildern
jetzt fast ausschlieszlichen bezug auf worte erlangt hat): sihe, also kan es der apostel hie malen, das er aus gott und der liebe ein ding machet. Luther 6, 47
a; o jr unverstendigen Galater, wer hat euch bezaubert, das jr der warheit nicht gehorchet? welchen Christus Jhesus für die augen gemalet war (
οἷς κατ' ὀφθαλμοὺς Ἰησοῦς Χριστὸς προεγράφη), und jetzt unter euch gecreuziget ist.
Gal. 3, 1; jeder zug, den der mahlende dichter braucht. Lessing 6, 415; wenn Tibull die gestalt des Apollo mahlet, wie er ihm im traume erschienen. 428; es sind kräuter und blumen, welche der gelehrte dichter mit groszer kunst und nach der natur mahlet. 472; es ist nun zeit, dasz ich mich dir mahle (
mich ausführlich schildere). Klinger 7, 272; der idealisirende dichter und der satyriker nehmen sich beide vor, uns den menschen zu mahlen. 11, 5; von ihrer antwort wird es nun abhangen, ob ich mich ihr ganz mit meinen sowohl moralischen als physischen mängeln und gebrechen darstellen soll ... schlechter soll sie mich dann wenigstens nicht finden, als ich mich zum voraus gemahlt habe. ich denke es ist pflicht, hier lieber ins häszliche, als ins schöne zu mahlen. Bürger 500
b; könnt ich euch malen, wie leer die welt ist, man würde sich an einander klammern und nicht von einander lassen. Göthe
an frau v. Stein 1, 278; aber der dichter male für ameisenaugen. Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 344;
Miller. und dieser dritte ort, meine tochter?
Louise. er kennt ihn nicht? er kennt ihn wirklich nicht, vater? sonderbar! der ort ist zum finden gemalt. Ferdinand wird ihn finden. 3, 476 (
kab. u. liebe 5, 1); einem hochedlen stadtrath oder einer trefflichen testamentexecuzion die freude zu malen, dasz sie .. mich .. zum geschichtschreiber eines Harnisch auserlesen. J. Paul
flegelj. 1, 18; sie (
poeten) zuckern alle worte, es blüht an allem orte, sie schreiben nicht, sie mahlen. Logau 3, 103; alles das, wonach Guarini lüstern macht, der diese dinge uns so zauberisch ins feine zu mahlen weisz. Wieland 18, 200; ich (
Kleist) malte die natur, belauscht und haschte den lenz auf blumiger flur. Herder
z. litt. 6, 288; mein sohn! du brichst dir selbst den stab. sehr reizend malst du ein glück, das du mir nie gewährtest. Schiller
don Carlos 2, 2; da malen sie so schön, so bunt den ehestand. Kotzebue
dram. sp. 2, 180;
mit ausführung des bildes durch erwähnung der farbe oder des pinsels: dasz Götz uns überall mit dreckfarbe mahlt, wuszt ich. Wieland
in Mercks briefs. 2, 73; gesteht nur, Machiavell: in meiner ganzen schattirung, aus der ich allenfalls mahlen könnte, ist kein ton so gelbbraun, gallenschwarz, wie Albas gesichtsfarbe, und als die farbe, aus der er mahlt. Göthe 8, 229; komm und vertraue dich mir. ich bin es, die von den menschen (ob mich schon wenige kennen) nachdem die neigung den pinsel führet, unähnlich gemahlt und mit mancherlei namen begabt wird. jetzo nennt man mich tugend, jetzt wahrheit. Wieland 2.
suppl.-band s. 361; wo nehm ich den pinsel, zu malen den mund, die händchen so klein und die brüste so rund und die augen von schmelzender güte? Stolberg 1, 303; die bange lust, die süszen qualen — umsonst! kein jüngling kann sie mahlen — hier werf ich meinen pinsel hin. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 167; wo schwärmt der knabe hin? mit welchen farben mahlt er sich seinen werth und sein geschick? Göthe 9, 167; ein richter, der nicht strafen kann, gesellt sich endlich zum verbrecher; ich malte schwarz, doch dichtern flor zög ich dem bilde lieber vor. 41, 11;
worte selbst malen:
Jokasta. sag, ists denn wirklich ein so groszes übel, des vaterlands beraubet sein?
Pol. das gröszte, und gröszer wahrlich, als es worte malen! Schiller
scene a. d. Phönicierinnen v. 374;
auch wird durch geberdensprache gemalt: in dem geberdenspiel ist der französische schauspieler mehr malend als der deutsche, der fast nur ausdrückende geberden kennt. W. v. Humboldt
in d. briefen Göthes u. der gebr. Humboldt s. 97. 5@bb)
affecte, liebe, hasz, interesse malen: hinter diesen maximen lauert ein feurigeres interesse, das dir meine dienste besonders abscheulich mahlt. Schiller
kab. u. liebe 4, 7; doch, da sie nun begann den jüngling abzumahlen, und ich (verschönert zwar) mich selbst geschildert fand, so wie die liebe mahlt, mit farben nicht, mit strahlen. Wieland 17, 165 (
Idris 3, 62); in diesem selbstgespräch war etwas üble laune. man weisz sie mahlt die dinge gern ins braune. 18, 180; nie malt der harm, die pest der welt, sein (
des knaben) blühendes gesicht, als wenn sein ball ins wasser fällt, als wenn sein schwert zerbricht. Hölty 121
Halm; schlummer und traum ebenso: schnell mahlte der lächelnde bube (
ein traumgott) vor dem auge Dorinde mir. Stolberg 1, 60; bis mir (
im schlummer) .. der zukunft sonne meine wogenden seelenfluthen röthe, und die leichten, fliegenden traumgewölke male mit purpur! 214. 5@cc)
endlich die sonne (
vergl. dazu das letztgegebene beispiel),
die natur, das abendrot u. ähnl., wobei wieder besonders (
s. oben malen 2)
die vorstellung einer lebhaften färbung hervortritt: der schneckenweg zum altare war von den farben des blütenstaubes gemalt. J. Paul
Tit. 2, 59; so deutet das schöne grün, diese frühlingfarbe, sobald es eine wolke malt, nichts an als lange nässe. 3, 81; alles was glänzet, was funkelt, was strahlet, alles was schmücket, was zieret, was mahlet, hat sich an unsere göttin ergeben, bei jhr zu dienen, jhr eigen zu leben. Logau 3, 212; ihm (
dem weisen) grünet lust und freude, ihm mahlet die natur. Hagedorn 3, 71; sie (
die sonne) mahlet mit farben des himmlischen bogens die schwebenden wolken der stäubenden fluth! Stolberg 1, 105; wenn das milde abendroth die hügelspitzen malt. Hölty 120
Halm; durch birkenlabyrinthe malt abendliche glut mit warmer zaubertinte des rohrbachs leise flut. Matthisson
ged. (1794) 80; purpur malt die tannenhügel nach der sonne scheideblick. 135; tauchen will ich euch in strahlen, mit der Iris schönstem licht will ich eure blätter malen, gleich Aurorens angesicht. Schiller
klage der Ceres; der himmel, den des abends sanfte röthe lieblich malt.
glocke 331;
auch auszerhalb der angegebenen vorstellung: sie kehrten sich halb um und suchten mit den blicken im malenden wasser das tiefe himmelblau. J. Paul
Hesp. 3, 211; die sonne blinkt von der schale rand, malt zitternde kringeln an die wand. Chamisso
in Wackernagels leseb. 2 (1876), 1688;
zeit, alter malt: wenn das glück dir noch so freundlich strahlt, so kan es dennoch nicht der zeiten macht besiegen, die schon ein traurigs weisz um deinen scheitel mahlt. Drollinger 183,
nach dem franz. le tems qui toujours vole, et qui d'un triste blanc va peindre tes cheveux. 66)
reflexives sich malen. 6@aa)
von personen, welche ihrer eigenart nach in irgend einer weise ein getreues bild von sich geben: eine gottheit, die sich in allen geschöpfen malt. Kant 8, 372; in seinen thaten mahlt sich der mensch. Schiller
hist.-krit. ausg. 10, 285; Alba sowohl als Egmont malen sich in den menschen, die ihnen nahe sind. 6, 90. 6@bb)
von äuszerem, was in das innere eines menschen wirkt: Faust lag in einem süszen morgenschlummer, ... als sich ein sehr bedeutender traum vor seinem geiste mit lebhaften farben mahlte. Klinger 3, 260; da mahlten sich seine jugendträume wieder lebend vor seinen augen. 8, 243; ein blühend kind, von grazien und scherzen umhüpft — so, freundin, spielt um dich die welt; doch so, wie sie sich malt in deinem herzen, in deiner seele schönen spiegel fällt, — so ist sie nicht. Schiller
einer jungen freundin ins stammbuch; anders, begreif ich wohl, als sonst in menschenköpfen, malt sich in diesem kopf die welt.
don Carlos 3, 10. 6@cc)
von inneren bewegungen, trieben, leidenschaften, die sich im äuszern des menschen zeigen: auf seinem gesichte malte sich die freude über diese nachricht; verdrossenheit und trübsinn mahlte sich in blick und gang und stellung sichtbarlich. Wieland 9, 3; in jeder nerve reiz, in jedem puls verlangen, und in der brust ein saitenspiel, wo rege lust und warmes mitgefühl, beim leisesten akkord der freude, wiederklangen — und dieses alles malte sich so unverkennbar in geberden, mienen, zügen ... Gotter 1, 321; auf deinem antlitz malt sich ein verhaszter brief (
d. h. hasz in folge eines eben gelesenen briefes). Platen 166;
von der tugend in ihrer beziehung zur that: grosz ists, der tugend nachzustreben: das weib dient ihr im stillen leben und in der liebe sanftem schosz; doch in des mannes thaten malen sich prangend ihre tausend strahlen. Schiller
Iphig., 2.
act, 2.
zwischenhandlung. 6@dd)
von gestalten oder landschaften, deren bild irgendwo zurückgeworfen wird: wo .. auf silberrosen das bild des schönen frühroths sich malte. Hölty 81
Halm; wann mich, mit meinem harm vertraut, zur stunde der gespenster, der liebe, helle mond beschaut, bebts (
das bildnis) durch mein kammerfenster, und malt sich an die weisze wand. 170; Geneva malt sich in der fluten spiegel. Matthisson
ged. (1794) 54; wenn sich des mondes flimmer in quellen malt. Göthe 1, 65; die art, wie sich die gestalt im auge malt (
nach der apparenz der fläche). Kant 7, 185; in süszem schrecken bebt die sultanstochter auf, indem, zum ersten mahl, vom morgen angestrahlet, das weltmeer grenzenlos sich in ihr auge mahlet. Wieland 22, 248 (
Oberon 6, 2); dies zarte bild, das, in den kleinsten rahmen gefaszt, das unermeszliche uns zeigt, und der krystall, in dem dies bild sich malt, .. er ist das aug, in das die welt sich drückt. Schiller
Turandot 2, 4. 6@ee) sich malen,
auch sich farbig schmücken: die bächlein rauschen in dem sand und malen sich und ihren rand mit schattenreichen myrten. P. Gerhard 239, 26
Gödeke.