um ,
präposition und adverb. herkunft und form. ein schon idg. weit verbreitetes wort, zu gr. ἀμφί,
lat. amb-, am- (
in ambages, amplector
u. s. w.),
ir. imb-, imm-,
gall. ambi-
gehörend (
näheres s. Walde-Pokorny
etym. wb. 1, 54),
ursprünglich auch gemeingermanisch, nur got. nicht bezeugt: as. umbi,
afries. umbe, um(me),
aisl. um (umb),
ags. ymb(e),
ahd. umbi, umpi,
vereinzelt umpa
ahd. gl. 2, 468,
mhd. umbe, umme, ümbe,
mnld. om(me).
der umgelauteten form begegnet man in litterarischen denkmälern bis etwa 1700.
auf grund des reimes ümbe : krümbe
subst., der freilich nur begrenzte beweiskraft besitzt, läszt sie sich Wolfram (
Parz. 241, 15), Konrad von Würzburg (
Trojanerkr. 9905; 20 261)
und Hugo v. Trimberg (4627; 8751; 9342)
zuschreiben, weitere mhd. reimbelege mhd. wb. 3, 178
b.
in frühnhd. zeit herrscht üm
in den druckersprachen Nord- und Mitteldeutschlands, aber auch in Nürnberg (
heute im um-
gebiet)
zeigt sich im 16.
und 17.
jahrh. mit wachsender regelmäszigkeit die umgelautete form, s. V. Moser
frühnhd. gr. § 60. üm
ist auch die form bei P. Gerhard (üm: ungestüm, stimm, grimm), P. Fleming (üm : stimm), Fr. v. Canitz (üm : grimm). Kramer
dict. 2 (1702) 1196
a; 1197
b setzt noch üm
neben um, warüm
neben warum an. der sprachatlas erweist um
als die obd. form, nördlichster punkt etwa Caub a. Rh., doch breiten sich die üm-
formen südlich bis ins Jagst- und Kochergebiet aus. das md. hat durchgehend umgelautete formen: öm (
bes. rheinisch), em, im (
sächs.-schlesisch),
ebenso überwiegend das nd., doch gibt es gerade hier auch weite um-
gebiete: Ostfriesland und das nördliche Oldenburg, westliche theile von Schleswig-Holstein und ein breiter district, der sich von der mittleren Aller südöstlich bis Bautzen erstreckt. Ostpreuszen hat öm-,
westlich und östlich davon om-
formen. —
die assimilation umbe > umme
gilt in der mittleren periode für das nd. und md. allgemein, z. th. auch für das mhd. die schreibung hält den auslautenden labial als '
stummes' b (Helber
syllabierbüchlein 6)
bis in die nhd. zeit fest. noch Schottel (
haubtspr. [1663] 188)
fordert, '
dasz in teutschen wörteren alle diejenige buchstabe, welche der rede keine hülfe thun und also überflüssig sein, sollen und müssen ausgelassen und nicht geschrieben werden, also schreibt man nicht recht umb, darumb, warumb'.
lexikographen führen die ältere schreibung noch länger mit, vgl. Dentzler
clavis (1716) 318
f. bedeutung und gebrauch. der ältesten schicht der präpositionen angehörend, dient um
ursprünglich nur zur räumlichen bestimmung und bringt, im gegensatz zu auf,
unter, vor, hinter, neben
u. s. w. zum ausdruck, dasz sich ein gegenstand gleichzeitig oder nacheinander in mehr als einer richtung zu einem anderen gegenstande befindet. in dieser localen bedeutung hat sich um
mit geringen einschränkungen bis auf den heutigen tag gehalten. bereits in den ersten historischen belegen erscheint daneben die breite schicht der übertragenen verwendungen, besonders in causalem und finalem sinne, deren entstehung nicht mehr sicher erweisbar ist. dieser im mhd. noch sehr freie gebrauch hat sich seither mehr und mehr auf bestimmte verbgruppen eingeschränkt. andere gebrauchsarten, die auch bereits an boden verloren haben (
angabe des preises, der gröszendifferenz u. s. w.)
entstammen jüngerer zeit. neben durchgehends nachfolgendem accusativ erscheint sporadisch auch der dativ (
s. u. I A 1 e),
in formeln auch der instrumental (
s. u. I D 1 c).
über scheinbar nachfolgenden genitiv s. I J 3. II.
präposition. I@AA.
localer gebrauch: I@A@11)
beim ausdruck der ruhelage eines einzelnen gegenstandes oder mehrerer gegenstände, die um einen festen punkt geordnet sind, ebenso von zuständen und vorgängen: I@A@1@aa) daz upar edho umpi cneon ist
ahd. gl. 1, 159, 14; umpi munt
ebda 1, 165, 4; habeta ... bruohhah umbi sino lentin
Tatian 13, 11; bigan tho druhtin redinon then selben zuelif theganon, then
thar umbi inan sazun, mit imo saman azun Otfried IV, 10, 2; umb in dâ saz diu werde massenîe Wolfram
Parz. 274, 28; so aber umb den gantzen mon zween oder drei kreisz erscheinen, das bedeutet ein fast grosse veränderung
M. Herr
feldbau (1551) 14
b; sie sah mich an; ihr leben hing mit diesem blick an meinem leben und um uns wards Elysium Klopstock
oden 1, 121
M.-P.; wenn alles still und finster um uns ist, erkenn'
ich dich an deinen küssen wieder Göthe 2, 109
W.; um dich müsse mit vollen beeren der frischeste epheu grünen! es müssen um dich schönere blumen erziehn diese purpurwiesen! Herder
w. 26, 15
S.; ich schwöre, ... dasz meine reinsten gedanken stets um Magelone sind L. Tieck
schr. 4, 316,
doch s. b.
früh formelhaft wurde die verbindung (wohl, wehe) ums herz (sein): das ich eben sage, wie mirs umbs hertz Hutten
opera 2, 184; die noth ... zwinget heraus zu sagen, was einem umb das hertze ligt Moscherosch
ins. cura parentum 12
ndr.; ein schalck weisz, wie dem andern umbs hertz ist
schöne weise klugr. (1548) 43
a,
in dieser und ähnlicher form häufig; der ist vor gesund zu schätzen, dem umbs hertz wol und warm ist Lehman
flor. pol. 1, 327; dem armen knaben wars nun auf einmal bang ums herz Pfeffel
poet. vers. 2, 152,
weitere belege th. 4, 2, 1215.
mit noch mehr sinnlicherem gehalt: mir ist umb mein brust also eng H. Sachs 21, 2
lit. ver.; dasz sie (
die pferde) ... nicht dampf umb die brust werden J. Walther
pferdez. (1658) 23;
von verben oft bei sammeln, versammeln: sie hetten sich gesampt umb den Altenberg
städtechron. 2, 175; der anblick der fanatischen menge, die sich um sie sammelte Ranke
s. w. 14, 7.
in älterer sprache auch neben verben, bei denen die geänderte auffassung der actionsart den gebrauch von um
heute nicht mehr zuläszt: es kamen umb die stat als vil nattern und schlangen, dasz sie die eben umb die stat wol ein meil wegs umblegt hetten H. Schiltberger
reiseb. 15
lit. ver. I@A@1@bb)
eine lockerung der ursprünglichen bedeutung findet statt, wenn um
einen gegenstand oder vorgang irgendwo in der umgebung oder nähe eines festen punktes localisiert und so, wiederum abweichend von den erwähnten präpositionen, zur mehr annähernden ortsbestimmung dient. die vorstellung des mehr- oder allseitig umschlieszenden ist hier vom gegenstand auf die umgebung übergegangen: nun bleibt er (
der siderische leib) nicht im todten cörpel, aber nahendt umb ihn Paracelsus
opera 2, 493; als wie ich um dis fenster stehe und sie an — zu erwachen — flehe Stieler
geharn. Venus 109
ndr.; ich liesze meine wiesen mein feistes Osterland in seiner wollust stehn, im fall ich könte nur um euer Reuszen gehn, um ewer Moszkow sein P. Fleming 1, 132
lit. ver.; und um ihn (
Apoll) setzte sich der schäfer horchend nieder Dusch
verm. w. 308; (
er) ist der mutter und tochter ums tor begegnet Göthe IV 1, 121
W.; um den hof zu Bodinkthorpe waren drei nur wach geblieben Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 95.
zur festen verbindung wurde um jemanden sein
im sinne von '
in jemandes nähe weilen, umgang mit ihm pflegen': so er also stat trostlos und nieman bi im noh umb in was Seuse
deutsche schr. 10
Bihlmeyer; familiaris der stets umb ein ist E. Alberus
dict. (1540) 7
b,
vgl. Kramer
dict. 2, 1196
b u. c; der fried liebt, ist nit gern umb zänkische badermetzen S. Franck
sprichw. 1, 8
a; schmeichele nicht den gewaltigen und sei nicht gern umb grosse leute J. Arnd
Thomas a Kempis (1631) 10; es sein 2 thiere, welche immerdar bei und umb den menschen sein J. Prätorius
winterfl. der sommervögel (1678) 4; indem ich glaube, dasz Sofchen um mich ist und erscheinen kann ..., so ist sie auch um mich und erscheint mir endlich gewiss Novalis
schr. 3, 326
Minor; sie sind fast stets umeinander
fere semper conversantur Steinbach
wb. 1, 25.
vermuthlich war die verbindung ursprünglich nur bei pluralischem subject möglich wie in: gott ist ... wunderbarlich uber alle, die umb ihn sind
psalm 89, 8;
mit anderen verben: je mee und lenger einer umb münch und nunnen wonet, je minder in gelust ein klosterläben anzunemen Eberlin v. Günzburg 1, 93
ndr.; (
die) kinder wuochsen also mit einander auf, also das sie vil umbeinander wonten Wickram
w. 2, 183
lit. ver. sonstiges mundartliches umeinander
bei verben s. u. F 4. sein (
des profossen) ampt ist, dasz er im zug und sonst sich fast umb und bei dem generalobersten halt Fronsperger
kriegsb. 1, L 1
b; Georg, du bleibst um mich Göthe 39, 99
W. jünger ist das gegenstück um sich haben
circa se habere Dentzler
clavis (1716) 321
a: und niemanden als einen jungen bewundrer seines scharfsinnigen geistes um sich hatte J. E. Schlegel
w. 5, 373; wäre es möglich, dasz ich dich (
Christiane) um mich hätte, so wollte ich mirs nicht besser wünschen Göthe IV 10, 14
W. I@A@1@cc)
schon der ältesten sprachperiode gehört ein in der gegenwart nur noch selten möglicher gebrauch an, wo es sich um die örtliche festlegung zu beiden seiten einer linie handelt: thiu lantscaf umbi Jordanem (
regio circa Jordanem)
Tatian 13, 12; den besten wîn, den man kunde vinden in dem lande al um den Rîn
Nibelungenlied 1127, 4; du wirst um meinen strand den sichern weinstock schützen (
worte des Elbgottes) König
ged. (1745) 82; sie ... gedachten die völker um den Rhein und die Weser und die Elbe bis an die küsten der Ostsee zu bezwingen E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 231;
selten in anderem bereiche: ir hemd war überall um die näthe mit schwartzer seiden ausgenehet Grimmelshausen 3, 32
Keller. entsprechend dem oben unter b
angeführten gebrauche: die Volgov seh ich nun, die mich umb ihren rand läszt nach begehren ruhn P. Fleming 1, 129
lit. ver.; vgl. für das as.: ni uuas betara man umbi Giordanas staðos
genesis 265,
und für das mhd.: und îlte für vil drâte ... und leit sich rehte umbe den wec Hartmann
Erec 5022; da der künec umbe den wec lac 5036.
bei einem verb der bewegung '
längs': wie er ... mit dem rosz in einen graben fiel, ... lief der hund umb den graben her Heyden
Plinius (1565) 199; das wasserpferdt ... zeucht ... umb das gestad her
ebda 149.
zu um den weg gehen, laufen, um den weg sein
vgl. th. 13, 2903; Staub-Tobler 1, 224;
Fischer schwäb. 6, 81. I@A@1@dd)
folgt eine flächenangabe, so localisiert um
an einem oder an mehreren punkten innerhalb dieser ebene: uzgieng thaz wort in alle Judeon fon imo inti umbi alle thie lantscaf (
offensichtlich unter einflusz der lat. vorlage: in universam Judeam et omnem circa regionem)
Tatian 49, 6,
vgl. jedoch für das as.: thea hohon burgi umbi Sodomo land suart logna bifeng
Heliand 4368; (
er) rait ... an das gejaid in dem Trawngew ..., wann umb die selben art (
in dieser gegend) des gewildes, auch der wäld, vast vil was U. Füetrer
bayer. chron. 49
Spiller; vgl. ebda 24; um die stadt Zürich (
in der stadt herum) G. Edlibach
chron. (
c. 1500)
nach Staub-Tobler 1, 224; ist hier umb diese revier mein schatz gewesen
bei Creizenach
engl. comöd. 243; der hat ... umb die Basler gegne ob 60 schlösser und bevestigungen gebauwen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 301
a; wer weisz, was etwan vorzeiten vor eine unteutsche nation um diese gegend gewohnet S. v. Birken
verm. Donaustr. (1684) 16; um selbige gegend wohnet er Kramer 2, 1197
b,
so auch Adelung
lehrgeb. 2, 151.
gelegentlich auch nachgestellt: da er nu das alles ausgericht und das land umb prediget hatte Luther 8, 354
Weim.; wolan ich wil die gantz stat umb hören und sehen, daz ich uch einen bürgen uberkum
Eulenspiegel 112
ndr.; da er daz land zuo Sachsen fast umb und umb gewandert hat
ebda. 38. I@A@1@ee)
unter dem einflusz der erwähnten localen präpositionen, die nach dem unterschiede von ruhe oder richtung bald den dativ, bald den accusativ nach sich fordern, läszt auch um
gelegentlich die dativfügung zu, fast nur in localem sinne (
s. u.),
ebenso im mnd., s. Schiller-Lübben 5, 2,
im ags. jedoch weit darüber hinausgehend, s. Bosworth-Toller 1294
b;
suppl. 752
b: diu rint diu umb der muskâtnuz ist Megenberg
buch d. natur 371; brachten zusam ein kleines heer, namen umb der stat ein ein flecken H. Sachs 2, 139
lit. ver.; den negsten nachpern, so umb ihm in velt ist
österr. weisth. 1, 184, 39; als sie ihm einsmahls umb der straszen begegnet Olearius
pers. rosenthal (1696) 71; rings umb ihrem gelage herumb Gabr. Rollenhagen
indianische reisen 79; die ganze familie stand um ihr herum Lessing 9, 272
L.-M.; 4, 459; alles was um ihm (
krit. ausg. ihn) lag, war nation, staat und vaterland Schiller
Thalia 11, 44; als schlüge rings um ihr die welt in helle flammenlohe auf H. v. Kleist 2, 23
E. Schmidt; die lederkatze ..., die nicht unwuchtig dem händler um dem leib sasz W. Alexis
vaterl. rom. 8, 220.
selten bei causaler verwendung, s. u. I D 1 a. I@A@22)
beim ausdruck der bewegung eines körpers, die ihn ganz oder zum theil um einen festen punkt führt. I@A@2@aa)
am häufigsten neben verben der bewegung: der lewe wachet unde lief umb sîn ros und umb in Hartmann
Iwein 3913; das erst (
wasser) heisst Pison, das fleusset umb das gantze land Heuila
1. Mos. 2, 11; wenn der zimmerman umbs holtz spatziret, so fallen keine spän davon Lehman
flor. pol. 1, 29; die mücken fliegen so lang umbs liecht, bisz sie versängt werden
ebda 2, 68;
jedoch anders: da musz ich (
der landsknecht) hart zu felde liegen. die eissern mucken umb mich fliegen H. Sachs 9, 8
lit. ver.; wo der aar um beeiste spitzen kreiset Müllner
dram. w. 2, 10; um den süszen, sanftgeschwellten mund zieht sich ein weiches dämmerndes verlangen A. v. Droste-Hülshoff 2, 213; man hat euch bisz hieher durch wunderliche künste recht umb das licht geführt Lohenstein
Arminius 1, e 4; wenn sie (
die elephanten) nur zusammen kommen, schlingen sie ihre schnautzen und schnäbel umeinander Chr. A. Knorr v. Rosenroth
pseudodoxia (1680) 558,
zu mundartlichem umeinander
neben verben vgl. u. I F 4;
bildlich: um den hof geht eine mauer
u. dgl., schon früh: zu dem zune, der umbe das dutschen hachelwerk geget
Marienb. treszlerb. 347
Joachim; anders: wie bunt es mir bisher um den kopf gegangen ist Göthe IV 13, 305
W. die vorstellung eines ringförmig verlaufenden vorgangs steckt auch in der wendung es geht reih' um: bei jeder waffe, die sie fegten, sangen rings alle einen vers; es ging reih' um Brentano
ges. schr. 6, 232,
vgl. th. 8, 641.
nur ein theil des umfanges ist verstanden: sobald sie ümb die ecke des hauses gefahren J. Riemer
polit. maulaffe (1681) 283; um eines hügels dürren fusz hervor trabt rasch ein schweiszbedeckter kriegerchor A. v. Droste-Hülshoff 2, 335,
von hier aus bildete sich als verkürzte ausdrucksweise: sie wohnt hier um die ecke, ew. gnaden, wenn man den fuszsteig durch die hecken geht H. v. Kleist
w. 1, 357
E. Schmidt. I@A@2@bb)
bei anderen verben fügt um
der thätigkeit die um einen punkt kreisende bewegung erst hinzu: daselbst man die ehebrecher ... umb den kopf stutzen und laufen läst Guarinonius
grewel (1610) 1130; in geschäften musz man wol oft so fürsichtig sein, als einer der umbs maul balbiert Lehman
floril. pol. 1, 82; wie solches der graf von Mansfeldt vernommen, ist er ergrimmet und befohlen, von stund an umb die stadt zu brennen Bodecker
chron. 18
Napiersky. vermuthlich liegt eine ähnliche vorstellung der verbindung zugrunde jemanden um den kopf, die ohren
u. s. w. schlagen,
am frühesten in der heldenepik: si begunden in bliuwen alumbe sînen kopf und alsô sêre niuwen, daz er gienc umbe alsô ein topf
Wolfdietrich D v 22, 3
Amelung-Jänicke; slach ez (
d. i. daz getwerc) mit dem knopfe umb diu ôren und mache ez ze einem tôren
Laurin 447
Holz, weitere belege deutsches heldenb. 4, 340,
anm. z. str. 143
und th. 9, 360.
in jüngerer sprache wird ein object zugefügt: so nahm ich doch das kurze degelein und schlug ihn damit um den kopf G. v. Berlichingen
lebensbeschr. 10
Bieling; so wöllen sie dem redner die lauten umb das maul schlagen J. Nas
antipap. eins u. h. 4, 172.
seltener bei anderen verben: zwikt mich (
mit der rute) um die blosse bein Th. Platter 16
Boos; einem ... das rauchfasz um den kopf schmeiszen Lessing 10, 424
L.-M. stets ausdruck besonderer heftigkeit, in gleichem sinne auch mundartlich obd. etwas um die erde werfen '
heftig zu boden schleudern': die letzte (
flasche) ... wirft mich um die erde Nestroy
ges. w. 1, 11. I@A@2@cc)
in den nachfolgenden belegen besagt um,
dasz die lage, in die ein gegenstand zu einem festen punkte gebracht wird, mehrseitig oder allseitig umschlieszend ist. bei verkürzter ausdrucksweise ist der eigentlich umschlieszende gegenstand oft nicht genannt: man pflanzota wingarton inti zun gab umbi inan (
sepem circumdedit ei)
Tatian 124, 1; den graben umb das hus graben
Marienb. treszlerb. 205
Joachim; kein gürtel bind nit umb die lenden Scheit
Grobianus 151
ndr.; sie schlugen die (
felle) umb sich an kleider statt S. Münster
cosmogr. vorr. 4; dann ordnet sie mit leichter hand ihr haar und läszt es dunkel um den busen fallen A. v. Droste-Hülshoff 2, 205; hencket umb die schulter zwar sein schwert geziert von silber gar J. Spreng
Äneis 14
a.
häufige verbindungen: Mignon ... schlang ihre zarten arme um ihn Göthe 22, 18
Weim., s. th. 9, 732; 734; (
ich) zu hundert male in willen gewesen pin mit meinen armen umb euch zu fallen Arigo
decamerone 64
Keller; (
sie) im ... umb sein halse mit iren armen fiele
ebda 82.
gewöhnlich jedoch: Esaw kumpt, felt im umb den hals H. Sachs 1, 105
Keller, s. th. 3, 1281; ja, ich will mich ihm um den hals werfen Göthe 31, 6
Weim.; umb den halse fassn L. Hollonius
somnium 95
ndr. I@A@2@dd)
von den bisher genannten gebrauchsweisen unterscheidet sich die nachfolgende durch eine andere sicht: gegenstand oder vorgang werden nicht auszenseitig um einen punkt, sondern binnenseitig an einer umgebenden fläche gesehen: das haus damit (
mit dem kraut) umbstecken oder umb die wend hencken Paracelsus
op. (1616) 1, 1040
b; wie um den himmel sich der lichte milchweg zieht Kästner
verm. schr. 1, 103; morgen, mittag, abend und nacht jagten in schwindlender eile um des himmels bogen Bettine
die Günderode 1, 25; der mond ist viertzig mahl nun fast mit frischen pferden gereiset umb und umb den runden kreis der erden Opitz
poemata 54
ndr.; I@A@33) um
vor dem reflexivum. I@A@3@aa)
in dieser verwendung gibt um
an, dasz sich die thätigkeit des subjectes nach allen seiten hin erstreckt, dient also nur der erweiterung des verbalinhaltes. bei einigen verben ist die verbindung besonders häufig: hund, die da stäts umb sich peissen Keisersberg
schiff der penitenz (1514) 69
d; nicht weit von eim fluss ..., der nicht um sich frässe Sebiz
feldbau (1579) 10,
häufig in der sprache der medicin, besonders vom krebs: ihr gift reist weit ein und frist umb sich wie der krebs Luther 19, 597
Weim., aber auch sonst: dasz das übel der weisheit under den leuten nit weiter kreisz und um sich fresz S. Franck
moriae enc. 43, 11
Götz.; eines tief um sich fressenden grolles fähig G. Keller
ges. w. 6, 266; do ... greif (
der mann) um sich
Zürcher bib. (1531) 1, 130
b; im meer ..., das ... weit und tief beide um und unter sich greift Heyden
Plinius (1565) 303,
zahlreiche belege unter greifen
F. um sich schlagen: dasz er mit dem stab umb sich schlag und sich domit erwere Keisersberg
bilgersch. (1512) 21
b;
uti pugnis et calcibus mit hend und füssen umb sich schlahen Frisius
dict. 177
b; umb sich hauen
acriter se defendere J. Dentzler
clavis 321
a; um sich werfen: ein weiser ist wie ein gefäsz voll herrlichen gewürzes, welcher in der stille seinen lieblichen geruch um sich wirft Olearius
pers. rosenthal (1696) 103; mit steinen ..., mit schelmen, mit narren ..., mit scheltworten um sich werfen Kramer 2 (1702) 1333
c. um sich sehen, schauen, blicken: er vuort den meister iesâ in einen schœnen palas ... unt hiez in umbe sich sehen Stricker
Amis 537
Lambel; ain saul ... gab ... liecht den kindern von Israhel, das si all mochten umb sich sehen Keisersberg
ausgang d. Juden (1510) J 5
c; also sachen sie jetz gar fleiszig umb sich und machten freundschaft durch heirath Stumpf
Schweizerchron. (1606) 213
a; solche ... nicht um sich her sehende, vorübereilende, anmaszliche fremde Göthe 46, 64
Weim.; eine stimme rief über mir: schau um dich maler Müller 1, 88; wohin ich rings um mich her blicke, strahlen mir feurige augen ... entgegen Gaudy
s. w. 13, 15.
bei einer fülle anderer verba ist diese erweiterung des verbalbegriffes auch möglich, doch weniger gebräuchlich: (
dasz du) dein hend darzu zämest, daz si nit vast umb sich füren, und lasz si auch nit rüren dein antlütz oder dein gewand Hätzlerin
liederb. 277; denn ruoft er umb sich, er suocht hilf und rat Keisersberg
pred. (1508) 102
b; den weit um sich brennenden flammen des leonischen geitzes Hutten
opera 1, 414
Böcking; wo er (
der bär) aber umb sich reiszt, die seiler zerkifflet Herold-Forer
Geszners thierb. 17
b; halt an dich, maister dich selber, nit wüt umb dich Keisersberg
sieben schwerter (1510) ff 3
a; frô Sælde teilet umbe sich und kêret mir den rügge zuo Walther v.
d. Vogelweide 55, 35. I@A@3@bb)
ein nach bedeutung und verbreitung sehr verschiedener gebrauch von um
vor dem reflexivum gehört anscheinend nur dem frühnhd. an. um sich
nähert sich einem adverbium des sinnes '
ringsum' (
vgl. mhd. vür sich, hinder sich);
vornehmlich neben quantitätsbezeichnungen: wennen die frawen klein um sich seind, so nemen sie ein sack oder sunst ein grob dick thuoch, und ist etwan mit baumwollen gfüllt, das binden sie umb sich Keisersberg
brösaml. (1517) 1, 96
a; wer ein müllestein ... umb sich als gros, das er den himel in halb rürti
der ew. wiszheit betbüchlin (1518) 26
b; die insel hat bei xx meil umb sich S. Franck
weltb. (1534) 196
b;
dactylis weinreben eines fingers grosz umbsich Frisius
dict. (1556) 361
b; geschwär, die umsich ein herte hut habend 175
b. I@A@44)
adverbia, die voraufgehen oder nachfolgen, heben die vorstellung des allseitig umschlieszenden stärker hervor: ambigue ... ringsweis umb den hafen gon Frisius
dict. 65
a;
ambulare foro transverso umb den markt umbhin spatzieren
ebda 82
a;
circa Capuam ... umb Capuam umbhär 223
a; der Deutsche sprengte ... umb seinen feind rings umbher Lohenstein
Arminius 1, 33
b; die umb sie herumb fochten
ebda 38
b; es liegt um uns herum gar mancher abgrund, den das schicksal grub Göthe 10, 229
Weim.; ich geh ... immer im kreis ums hofgezwitscher herum Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 17; seh ich nicht ein kleines Eden rings um mich erblühen A. v. Droste-Hülshoff 2, 222.
am gebräuchlichsten um—her: den gantzen kreis des erdbodens umb Jerusalem her Luther 23, 579
W.; furcht und schrecken sol umb und umb dich her sein
Jeremia 20, 3
randbem., Bindseil 7, 523,
zur doppelung vgl. adverbiales um und um
sp. 799. wann sich auch gleich ein gantzes heer legt ümb mich her, was ists denn mehr? P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 363
a; den schiffermantel um mich her geworfen, tappt ich herum nach ihnen
Shakespeare 3, 340; ein armes kind nimbt oftermals ein messer und spielet umb sich her Opitz
opera 1 (1690) 64. I@A@55)
aus der localen bedeutung entwickelten sich schon früh und anscheinend nur auf deutschem boden die festen verbindungen etwas um (
d. i. bei) jemand kaufen, erwerben, leihen
u. s. w., heute von jemand kaufen
u. s. w., vgl. auch die belege gramm. 4, 841; Fischer
schwäb. 6, 81; Schmeller 1, 76; Vilmar
Kurh. 421;
mhd. wb. 3, 181,
bis ins 16.
jahrh. reichlich belegt: wir gechoufen umbe in (
gott) mit temo werde rehtero deumuoti ... daz tiura gelt sinero gnadon Notker 1, 322
Piper; ein krâmer sitzet vor dem tor. kouft umb in, enruochet waz, er behalt iuz ors deste baz Wolfram
Parz. 561, 7; das fogelwerke umb die furster nit zu keuffen (1446) K. Bücher
Frankf. berufswb. 46
a,
vgl. 44
a; do kouft er den meigerhoff umb den herren desselben ländlins Keisersberg
post. (1522) 2, 69
b,
auch neben um
als preisangabe (
s. unten I G): die selbig butt (
viehherde) kouften si umb die kneht umb funf guldin H. Hug
Villinger chron. (1498) 5
Roder. weitere belege städtechron. 1, 75; 266; 2, 294; 8, 258; 9, 707; 16, 47; die lantherren bat er vast, ê im geschæhe ze sterben, daz si in liezen erwerben eine bete umbe siu Ottokar
reimchron. 21 914;
vgl. 3229; 16 605; Fortunatus ... bat in, daz er im erwurb umb den soldan ain glait in seinem land
Fortunatus 81
ndr.; ebenso 82; 122; das erwarb im sant lrich umb got, daz im nichts prach
städtechron. 4, 296;
ebda 8, 125; hilf und rettung umb euch zuo erwerben Hutten
opera 1, 413
Böcking; so er dir nit mer geben wil durch zürnen noch durch flechen, so solt umb in entlechen Laszberg
lieders. 3, 544; wein und korn uf wucher um die juden entlehen Hutten 5, 195
Münch; gelt umb in entlehnen
zimmerische chron.2 1, 218
Barack; gezelt gelehent umb die von Hagenow
städtechr. 9, 1042; do verpfantent die von Strosburg die burg zuo Lichtenouwe und die halbe stat umb juncker Ludeman von Lichtenberg
städtechron. 9, 791; gewunnen umbe den cheiser dia rumiskun selbwaltigi Notker 1, 31
Piper; der mir pacem hat gwunnan gegan (
var. umbe) sinen vater mit effusione sui sanguinis Williram 142, 16
Seemüller; ain urlaub gewinnen umb ain raut
städtechron. 5, 206.
seltener bei anderen verben, so bei verben des bittens, flehens u. s. w.: wan swer des tugentrichen man dekaine künde ie gewan, umbe den kund er wol bejagen, daz er in sere muste clagen Rudolf v. Ems
Willehalm 2073; ih habo daz irsiuftot umbe got Notker 2, 421
Piper; ob ich schon nit umb euch begerte, solt es die sache aus ir selbs von euch erlangen Hutten
opera 1, 418
Böcking; des helfent sînem wîbe um got bitten alle daz im der sige gevalle Hartmann
Erec 8894; diser ... hat umb gott gebeten, dasz er in us dieser zit berufte Tschudi
chron. 1, 36.
mhd. auch helfen umbe,
s. mhd. wb. 3, 181
b. I@A@66)
bis in die gegenwart hielt sich nur etwas um jemanden verdienen,
jedoch spielt hier die verwendung von um
zur bezeichnung einer beziehung (
s. u. I C)
hinein: was es daz ein snider oder ein schuchsüter ... eime herren hiesche, daz er umbe in verdienet hette
städtechron. 8, 123,
hier noch im eigentlichen sinne; die iht triuwe hêten von den wart er gekleit: daz hete ouch wol verdienet umbe alle liute der helt gemeit
Nibelungenlied 932, 4; ich han den schemelichen spot vil wol gedienet umbe got Hartmann
armer Heinr. 384,
vgl. Iwein 4502; 8094; der lieb heilig so vil um gott verdient hat Zwingli
deutsche schr. 1, 280; so vil barmhärtzigkeit ... bewisen wirt von got, wie vil er jetz (auch denen, so es umb in nit verdient haben) den todten in sim gebät behilflich ist Eberlin v. Günzburg 1, 70
ndr.; Pisa konnte mich strafen: um Pisa hatt ichs verdient; aber womit um ihn? Gerstenberg
Ugolino 244
Hamel; ich hab es wol auch mit um euch verdienet: ich sorge still, indes ihr ruhig grünet Göthe 2, 141
Weim.; mord! mord! — ihr selbst? beim trinken! Gunther, Gunther, verdient ich das um dich? Hebbel
w. 4, 152
W. das synonyme beschulden, verschulden
gab diese bedeutung und damit die verbindung mit um
früh auf: ê ich die grozen minne ze rehte umb iuch verschulden müge Hartmann
Iwein 7985; das hastu wol verschuldet zwar umb mich, durchleuchtigs freulin klar Oswald v. Wolkenstein 11, 38
Schatz; den ich fraget ... wie ich das umb in verschult het Arigo
decamerone 259
Keller; mein allergnädigster herr solichs umb mich nie beschult hat Wickram
w. 1, 13
lit. ver.; sua in illos merita ... was guts er umb si beschuldet Frisius
dict. (1556) 1078;
demereor guts umb einen beschulden Calepinus xi
ling. (1598) 393
a. I@BB.
bei zeitbestimmungen dient um
meistens nur der ungefähren festlegung um einen zeitpunkt (
vgl. oben A 1 b),
so auch ags., s. Bosworth-Toller 1294. I@B@11)
gewöhnlich bei bezeichnung eines zeitpunktes: umpi
super (
media nocte)
ahd. gl. 2, 664, 22; umpi
sub (
casum hiemis)
ebda 629, 38; umbi thia sextun inti umbi thia niuntun zit
Tatian 109, 1,
hier öfter, stets als übertragung von circa, während der lat. abl. temp. mit zi
oder in
wiedergegeben wird; umbe mitten tag (
in meridie) Williram 13, 2
Seemüller; ich sol um mitten tac morgen komen an eine stat Hartmann
Iwein 4742; umb die vierden wach der nacht
erste deutsche bibel 1, 144
lit. ver.; sie seint am morgen vol, ... zuo dem schlaftrunck vol und umb die x seind sie wider vol Keisersberg
sünden des munds (1518) 5
b; znacht um die elfen Th. Platter 90
Boos; so er des nachts kombt umb das ein H. R. Manuel
weinspiel 2648
ndr.; heut zu mittag um zehen schlege sein gast (
sub horam decimam) Joh. Orsäus
nomencl. meth. (1623) 292; etwan umb zeigers 9 oder 10
viehbüchlein (1667) 10; an dem 4. tag apprillis zue morgens umb die 8 ur
bei Baumann
quellen 433; in mitten aller fleischlichen anfechtung, die um die 24 jar am grösten ist Zwingli
deutsche schr. 1, 39; ein taub ... die kam zuo im umb den abent
Zürcher bib. (1531) 1, 4
b; ein storchen umb winachten ... wer mir warlich ... seltzam anzuoschawen Wickram 2, 105
lit. ver.; umb den herbst werden sich kranckheiten erregen
M. Herr
feldbau (1551) 23
a; Lenore fuhr ums morgenroth empor aus schweren träumen Bürger 13
Bohtz. nur in älterer sprache: da es nu umb den abend kam
N. Hermann
sonntagsev. 51
Wolkan; da ... es nun nahend umb die abendzeit worden Schaidenreisser
Odyssea (1537) 45
b.
mit adverb: wære daz iuch des niht betraget ..., so mehte wir iu vil kume hin umbe abent vol gesagen diu manegen groszen zeichen, diu min trähtin hiute begangen hat
fundgr. 1, 84; bisz umb die viere Frisius
dict. (1556) 639
a.
die bedeutung der annähernden zeitangabe ist schon früh verblaszt, sie bedarf heute der hervorhebung durch einen besonderen zusatz: etwa um ..., um ... herum.
die maa. unterscheiden um zehne
von um ein zehn, um zehn rum,
dieses als ungefähre angabe, vgl. Fischer
schwäb. 6, 82; Müller-Fr. 2, 595.
nd. auch üm — ut: ümme johannisdag ūt fenget he an to bloimen Stürenburg
ostfries. 240; Damköhler
Nordharzer wb. 197,
vgl. für das ags.: ymb midde niht ûtan (
nocte media)
Gregors dialoge 253, 17
Hecht; ganz vereinzelt auch schriftsprachlich: in der fastenzeit und um pfingsten aus pflegten sogar die kriegsleute keine waffen zu führen S. Fr. Hahn
teutsche historie 3 (1723) 109; um fasten aus
ebda 2 (1721) 233
anm. I@B@22)
nur ältere sprache kennt einen noch weitergehenden gebrauch, so, wenn gelegentlich um
zur angabe auch der ungefähren zeitdauer dient: ich ... rait mit in in den Turgöw umb 2 tag Richental
Constanzer concil 23
lit. ver.; es ist noch umb drei wochen zu thun, so ist unser flachs aufgesponnen Grimmelshausen 3, 336
Keller, oder wenn der zeitpunkt für ein zukünftiges ereignis durch angabe der zeitlichen entfernung bestimmt wird, erst nhd. belegt, doch mit zahlreichen parallelen im ags.: ymb seofon niht
post dies septem, s. Bosworth-Toller 1294
a: um einer halben stunde werden wir speisen Borkenstein
bookesbeutel 16
lit. denkm.; gehen hienein, umb ein wenig kommen sie wieder
engl. comedien (1624)
O 3
b; bald umb ein augenblick so ist kein thier noch teufel, der also wüten kan J. Rachel
sat. ged. 21
ndr.; sie legen ... meinen gedanken ... eine wichtigkeit bei, die ich erst ... um 10 jahre werde fordern dürfen B. G. Niebuhr
in lebensnachr. 1, 46;
ebenso 1, 49; 3, 144; 148; wenn wind und wetter gedeihen geben, so segeln wir ... um ein paar tage nach der Levante Kotzebue
sämtl. dram. w. 7, 158; um drei jahre komme ich zurück 8, 92.
vgl. mundartliches üm tid
nach einer weile, mit der zeit niederd. jb. 20, 51. I@B@33)
der gebrauch von localem um
vor einer flächenbezeichnung (
s. o. unter I A 1 d)
hat sein gegenstück in um
vor einem zeitabschnitt, während dessen ein vorgang sich zuträgt oder andauert: Christus sagt, der glaub werd umb die letsten täg abnemmen J. Nas
antipap. eins u. hundert 2 (1568) B 7
b; wenn alles umb die nacht empfindet seine ruh, so wach ich gantz allein S.
Dach 161
lit. ver.; die unschuld wohnet auf dem lande wie umb Saturnus göldne zeit Stieler
geh. Venus 23
ndr.; um sei zeit war er (
der stellwagen) aa scho recht K. Stieler
ged. 1, 141;
nachgestellt: sol ich mein gest daz jar umb also speisen
Eulenspiegel 51
ndr.; und wäret der salmenfang das jar umb Tschudi
chron. helv. 2, 119; vel ein grote sne und sniede wol dre dage umme
städtechron. 7, 347; dit schal stan en jar umme, van sunte Katherinendage an to rekende 36, 538,
weiter belege Schiller-Lübben 5, 3;
mundartlich ' s jōr um
das jahr hindurch, im laufe des jahres Staub-Tobler 1, 226. I@CC.
schon in vorlitterarischer zeit hatte die genetisch jüngere schicht der modalen verwendung von um
das übergewicht über die locale. ihre entstehung läszt sich nicht mehr mit gewiszheit ersehen: I@C@11)
zunächst belege, die die weite ausdrucksmöglichkeit von um
für ein beziehungsverhältnis schlechthin ohne ausgesprochen causalen (
darüber s. I D)
oder finalen (
darüber s. I E)
charakter zeigen: Martha avalota umbi thaz oftiga ambaht (
satagebat circa frequens ministerium)
Tatian 63, 3; din fater gebot sinen angelis umbe dih (
mandavit de te) Notker 2, 386
Piper; nu besueret er abo filias Hierusalem umbe sine sponsam Williram 19
Seemüller; nu ist ez anders umb iuch komen Wolfram
Parz. 798, 28; er nam zu payden henden das schwert; er wolt es enden umb den wurm oder umb sich Heinrich v. Neustadt
Apollonius 8475; umb Kernden (
was Kärnten anbetrifft), als er mir enpôt, daz ist wizzenlich, daz mîn ôheim herzog Uolrich und sin vater herzog Bernhart mit mir des über ein wart, daz wir mit hantvesten ... mit einander uns verbunden ... (
folgt regelung der erbfolge) Ottokar
reimchron. 13 272
Seemüller; umbe das, ob die ding also beschehen wären, so müesst es ie ain ander sein gewesen U. Füetrer
bayer. chron. 140
Spiller, weitere mhd. belege mhd. wb. 3, 180; es war ganz lecherlich zuzusehen, umb (
für) die es nit angieng
zimmer. chron.2 4, 110
Barack; er waz ein grosser swerer pei got umb alle kleine dinge Arigo
decamerone 20
lit. ver.; umb (
hinsichtlich) Ismael habe ich dich auch erhöret
1. Mos. 17, 20; da werden verhöret werden ein jeglicher umb seine sünd Paracelsus
op. (1616) 2, 441; endlich hat es ein bös alter umb sie genommen Fronsperger
kriegsb. 1 T 4
a; meinet es wer ... schon aus umb die feindt Xylander
Polybius (1574) 56. I@C@22)
diese freie verwendung von um
zum ausdruck einer beziehung schränkt sich schon früh auf bestimmte gruppen von verben und wendungen ein und hält sich neben ihnen z. th. bis in die gegenwart. I@C@2@aa)
auf bereits vorgermanischen sprachgebrauch weist die verwendung von um
neben verbis dicendi und sentiendi, vgl. ags. spreccan, seggian, cweðan, hycgan ymb,
as. tellian, queðan, huggian
u. s. w. umbi: umbi dhesan selbun christ chundida almahtic fater
Isidor 5, 12
Hench; vgl. 19, 1;
Monseer fragm. 33, 7; ich wil iu künden umb ir nar Wolfram
Parz. 469, 2;
ungemein häufig neben quedan
im Isidor und in den Monseer fragmenten, s. die glossare. umbi sinan namun sprehhan
Isidor 30, 22; zuo sîner meisterinne er sprach umb die sûl die er da sach Wolfram
Parz. 591, 27;
weitere belege zu sprechen
in seiner verschiedenen bedeutung th. 10, 1, 2811; 2832; 2836; hier begin ih einna reda umbe diu tier Steinmeyer
kl. denkm. (1916) 124; ich han geredet um mîn dinc Wolfram
Parz. 217, 7; sagen um
s. mhd. wb. 3, 181
a; man seggt um em Schütze
holst. id. 4, 311; raten um, rat geben um
mhd. wb. 181
b; den feifaltern und heuschrecken rechnunge tun umb ir geslechte
ackermann aus Böhmen 13
Burd.-Bernt; der mensch wirt rechnung geben umb sein ding Paracelsus
opera 2, 321; fragen um
s. mhd. wb. 3, 181
a;
gr. 4, 837; Schiller-Lübben 5, 2
b; als er ... einen jedern umb sein wissen genuogsam ausgefraget Heyden
Plinius (1565)
vorr. 5
a; deswegen hab ich noch einmal an Vulpius geschrieben und erkundige mich noch um verschiedenes Göthe IV 9, 45
W.; 9, 55; 12, 60; 16, 9,
jedoch erkundigen nach IV 16, 18,
s. th. 3, 885; in haubide dhes libelles azs erist ist chiscriban umbi mih (
scriptum est de me), dhazs ih dhinan willun duoe
Isidor 16, 9
Hench; ebenso 7, 2; 32, 11; dhar dhu chihoris umbi dhen chisalbodon (
audis deum unctum)
ebda 5, 8
Hench, mhd. belege gr. 4, 855; dasz wir umb unsere boten noch nit vernomen dann wie sie seind wohl empfangen
bei Staub-Tobler 1, 225; etliche darunter deren zum tail umb das handwerch nit gelernt haben (1568)
österr. weisth. 10, 22; daz rou sî alsô sêre daz sî hâte lützel ahte umbe der bluomen gesmahte Fleck
Flore 5682; si verstont sich nicht umb das Keisersberg
sünden des munds (1518) 26
a; do he denken begonde met allen sinnen sînen omb di skônen Lâvînen Heinrich v. Veldeke
Eneit 11 026,
s. gr. 4, 838; umbi chunda sahha meinant
Monseer fragm. 26, 23
Hench;
vgl. ebda 15, 1; waz tunchet iu umbe christ (
quid vobis videtur de Christo) Notker 2, 311
Piper; wie dunckt dich umb die klugheit? Luther 18, 183
Weim.; mir ist kunt umbe,
s. mhd. wb. 3, 181
a;
gr. 4, 860. 'um
bezeichnet ... einen gegenstand des wissens: ich weisz nichts darum, er weisz um die sache' Adelung
lehrgeb. 2, 152,
auch in der gegenwart üblich, schon alt: liezen mich gedanke frî, son wiste ich niht umb ungemach Walther v.
d. Vogelweide 41, 35,
s. mhd. wb. 3, 181
a;
gr. 4, 855; di wusten me umme di zukunft gotis Dietrich v. Gotha
predigten 12
d nach Türk; alle, die umb das mord wiszten
Fortunatus (1509) 152
ndr.; der alte hausfreund, der nebst dem beichtvater allein um das geheimnisz wuszte Göthe 23, 265
Weim.; als wisse er um alles Ludwig
ges. schr. 1, 205;
vgl. 2, 51; 568.
auch noch mundartlich Staub-Tobler 1, 225. I@C@2@bb)
seit dem 16.
jahrh. kommt allgemein in brauch (
s. th. 4, 1, 295): ein zart und teur ding ist es umb den glauben Luther 12, 271
Weim.; die baurn wusten nicht, wie köstlich ding es sei umb friede und sicherheit, das einer mag seinen bissen und trunck frölich und sicher geniessen 18, 394,
vgl. 8, 357; 12, 490; 34, 1, 96; wie es so ein unbestendig und gebrechlich ding umb das glück sei Mathesius
Sarepta (1571) 197
a,
s. Kramer 2, 1197
b; es ist ein wunderbaar ding ums regiment dieser welt Göthe IV 3, 129
Weim., seltener: ists denn nit ein greulich wesen umb der papisten und geistlichen leben? Luther 10, 1, 1, 397
Weim.; daher ists um alles geschichtliche ein gar wunderliches unsicheres wesen Göthe 4, 38
Weim., jünger: dasz es eine ziemlich verdrieszliche sache um die welt sein würde J. E. Schlegel
w. 5, 435; es ist eine schöne sache ums genie Göthe IV 1, 118
Weim., bei ihm öfter IV 8, 261; 12, 106; I 25, 147.
nur in älterer sprache: denn es ist um unsern glauben ein solch thun, dasz er nicht durch gezäncke ... will bewähret sein Chr. Weise
väterl. test. (1684) 3.
neben diesen allgemeinen fügungen stehen auch speciellere: so ist es ein tol thier umb ein weib, das nicht zu settigen ist mit geschmuck Luther 24, 418
Weim.; ein seltzam thier ists umb ein landsknecht Montanus 284
Bolte; ein geil, üppig thier ists umb die rosz Herold-Forer
Geszners thierb. (1563) 134
b; es ist eine schöne blume um eine rose Kramer
dict. 2 (1702) 1197
a; es ist ein seltzam wildpret um einen musicanten Chr. Weise
grünende jugend 218
ndr.; es ist ein widerlicher harter ton um den ton der unfehlbarkeit Wieland
s. w. 24 (1796) 51; es ist ein erfreuliches schönes schauspiel um die fahrt auf dem see Göthe 25, 234
Weim. allgemein üblich in der form: es ist etwas groszes um eine krone Schiller 4, 436
G.; es ist doch etwas herrliches um die grosze welt Pfeffel
pros. vers. 2, 17,
oder auch es ist herrlich um ein schwärmendes, hochwallendes herz Stifter
s. w. 1, 162. I@C@2@cc)
es liegt, steht um; es ist beschaffen, bestellt um u. ä.: swie'z umb alle frowen var, wîp sint alle frowen gar Walther v.
d. Vogelweide 49, 7,
schon ahd., s. Notker 2, 295
Piper; wie es umb die sach läg Hätzlerin
liederb. 259; wie kumet ez umbe (
verhält es sich mit) daz lant Siciliam
Lucidarius 20, 1
Heidlauf, ebda öfter, s. glossar; allweg ist es ümb uns gethan, als fieng wir erst zuo leben an Schwarzenberg
Cicero 151
b; mich, wie es umb meinen vatern ain gestalt hat, ... zu erkunden Schaidenreisser
Odyssea (1537) 7
a.
hierhin rechnen: es steht gut, schlecht, bös um
u. ä., seit mhd. zeit belegt, s. th. 10, 2, 1681;
ebenso es ist schad um,
s. th. 8, 1977, vergeblich um: vergeblich ists um alles unser dencken P. Fleming 1, 174
lit. ver.; es ist oft seltzam umb irn leib
Sterzinger spiele 130
Zingerle. ohne inhaltliche bestimmung: mein mund euch vergicht, wie es umb alle farb sei Hätzlerin
liederb. 168; und en hebben noch gene tidinge, wo id is um den schiphern (1410)
livl. urkundenb. 4, 734
Bunge; es ist umb uns geleich als umb ein wolken am himmel Keisersberg
brösamlin (1517) 1, 23
c; also ist es auch umb den willen, umb die liebe, umb die begierde und dergleichen J. Arnd
Thomas a Kempis (1631) 7; so scheint es auch um die poesie zu sein A. v. Arnim
trösteinsamkeit 45
Pfaff. I@C@2@dd)
mir ist es um (
zu thun um): mir ist umbe dich rehte als dir ist umbe mich Walther v.
d. Vogelweide 49, 20,
s. gr. 4, 859;
th. 10, 1, 261.
schon as.: mer is im thoh umbi thit heliðo cunni, liudi sint im lioboron mikilu
Heliand 1683; do was im nit umb das gelt ..., sonder vil mer umb das er sich versach, es wurd auskommen
Fortunatus (1509) 100; es ist mir umb dis
id curo, id me sollicitat Schönsleder
prompt. (1647) L l l 4
a. ihr lutherischen fechtet für eure bibel, euch ists um die sach Schiller 12, 221
G.; es ist mir nur um dich und nicht um mich Hebbel
w. 4, 215
W., vgl. mundartliches es isch em nit ums esse
er hat keinen appetit Follmann
lothr. 518
b; Staub-Tobler 1, 225.
dafür heute allgemein üblich: es ist dir nicht umb seelen, sonder umb gelt zu thun, lieber babst Luther 18, 258
Weim., s. th. 11, 1, 447; Kramer 2, 1096
c; Behaghel
syntax 2, 335.
das pronomen kann auch fehlen: doch ist es umb dis malzeit zuo thun
Eulenspiegel (1515) 51
ndr.; ists aber umb kurtzweil zu thun, sind verborgene fragen von den schweren zu unterscheiden Harsdörfer
gesprächspiele 1, K 5
a; nun ist es aber leider noch um das moralische und politische, um kunst und naturgenusz zu thun Göthe IV 8, 294
Weim.; anders: wann wir nasz werden, so ists ums trocknen zu thun
se siamo bagnati, il remedio sarà di riseccarci Kramer 2 (1702) 109
b; es ist umb die gewonheit zu thun Lehman
flor. pol. 1, 342; es ist um's luege z' tue
man braucht nur nachzusehen Staub-Tobler 1, 225.
hierher auch: mir ist es ernst um: damit offenlich erkant werde, wie euch umb mein muotter ernst und gach sei Schaidenreisser
Odyssea 88
b; wie ernst es ihnen um ihre sache ist Göthe IV 10, 360
Weim. I@C@2@ee)
es ist geschehen um, getan um u. s. w.: Phoebus hett bald ir end ersehen und dasz es war umb sie geschehen Scheit
frölich heimfahrt K 1
b; an meinem leben verzagt, förchtend, es wer schon umb mich geschehen Hutten
opera 1, 408
Böcking, s. th. 4, 1, 3844; zweifelst du auch ..., dasz es umb mich gethon seie? (
quin ego perierim) Frisius
dict. (1556) 887
a; es ist um mein bleiben bei dir gethan Göthe 25, 150
W., s. th. 11, 1, 449; es ist ausz umb uns, wir sind verdorbne leut
absumpti sumus Frisius 12
a; um unser leben ist es aus Spreng
Ilias (1610) 242
b,
s. th. 4, 1, 323.
auch es ist um-is
um uns geschehen Staub-Tobler 1, 224.
mhd. auch: nu ner uns küniginne vor Waten und sînen mannen. ez enstê an dir al eine, ich wæne ez sî umbe mich ergangen
Gudrun 1508, 4; ez sol umb sie (
d. i. die gîsel) ergangen sîn umbe solhe drô Ottokar
reimchr. 5050,
s. auch Hartmann
Iwein 3145; 3298. I@C@2@ff)
sonstige verba: sich verdient machen um: gelährte und üm Teutschland hochverdiente männer Rist
friedewünschendes Teutschland (1648) 9; einem umb sie hochverdientem helden Xylander
Polybius (1574)
vorr. 3.
nur mundartlich auch heute noch sich annehmen um, s. Staub-Tobler 1, 225
und th. 1, 416;
mhd. wb. 2
a, 267
b: umb swiu si sich næmen an, daz wurde wol alsus getan daz si daran wæren sleht Ottokar
reimchron. 3931; und nam mich umb die christin an H. Sachs 14, 27
lit. ver.; ich nehme mich um alles an, was liebe heiszt Nestroy
ges. w. 2, 135. I@DD.
causales um
ist ahd. häufig bezeugt, seltener im ags. und as.: I@D@11) I@D@1@aa) umpi daz
idcirco ahd. gl. 1, 178; giheftita inan in carcare umbi Herodianeum
Tatian 79, 1 (
als übertragung von '
propter',
das sonst mit thuruh
wiedergegeben wird).
Isidortext und Otfried
verwenden umbi
in rein causalem sinne nicht, um so häufiger Notker: salig sint die umbe reht ahtunga leident 2, 122
Piper; der umbe wort manslaht tuot 2, 208, 15; halt mich umbe dina gnada (
salvum me fac propter misericordiam tuam) 2, 15, 13; umbe iro unreht sint sie ferloren (
propter iniquitatem suam) 2, 290, 26.
weitere belege bei Graff
ahd. präpos. 185; daz er von herzeleide sich wolde erstechen umbe mich Hartmann
Iwein 4004; sô habe doch, swester, lîhten muot, und schône dîn umbe mich
Tristan als Mönch 1231; mich hat in die acht gethan der kunig Anthiochius gar umb nichti und umb sust Heinrich v. Neustadt
Apollonius 974
Singer; gerechte lieb umb lieb ligt tot! Hätzlerin
liederb. 283; man nannt auch die Francken umb dis wort die Salici und zuvor umb die art zu Köln U. Füetrer
bayer. chron. 24
Spiller; herre tot, ir wisset es selber. umb solich gross herzenleit sol ich euch mit rechte zusuchen
ackermann a. Böhmen 15
Burd.-Bernt. seit ahd. zeit auch bei angabe des psychologischen motivs: so er sie sluog, so suohton sie in unde irwunden ze imo nals umbe minna, nube umbe forhtun Notker 2, 317
Piper; den zins von sînen landen ... denselben liezen si dâ gar: daz tâten se umb ir selber muot (
aus freiem antrieb) Wolfram
Parz. 54, 2;
vgl. herre, ir lobt mich umbe not 9, 17; so si hat geborn das kint, ietzunt gedenckt si nit der bedruckung umb die freude, das ein mensch ist geborn in der welt
erste deutsche bibel 1, 403; wann er west, das si in hetten geantwurt umb neide 1, 109.
dieser gebrauch, der dem modernen sprachempfinden am fernsten steht, ist seither nicht mehr bezeugt, wie denn überhaupt die freie verwendung des causalem um
seit frühnhd. zeit zusehends geringer wird: der sie umb ir schoni zu einem wib nam
Terenz deutsch (1499) 64
b; pin sint wir got dem herrn schuldig und buoss für die sünd und umb die sünd Keisersberg
bilgersch. (1512) B 2
c; wer sich demütigt umb sein übel und schuld, die er begangen hat, der ist gedultig und mürmelet nit umb die peen, die er leiden sol A. v. Eyb
spiegel (1511) B 1
b; dasz wir auf erden leben, das geschicht nirgent umb, denn das wir ander leuten auch helfen sollen Luther 12, 267;
impunitatem proponere einen frei sagen, dasz im nichts umb ein ding geschehen sölle Frisius
dict. (1556) 1078
b; umb eines anderen miszthaat verklagt 1161
a; wen idt in der werlt were sede, dat man umme eebrock und horerie nasen afsnede Husemann
spruchslg. nr. 65; das Ergöw ist nicht schuldig um ehe- oder anderer sachen ... nach Constantz zu gehen Tschudi
chron. helv. 1, 1; sie wird mich um mich selbst lieben, und ich werde um sie die ganze welt vergessen Lessing 2, 254
L.-M.; wollt um dich aller gefahren spotten maler Müller 1, 202; wer wollte doch um einen irdnen krug ... solch einen aufruhr, so viel unheil stiften H. v. Kleist 1, 351
E. Schmidt; die götter retten um ihr reines blut das messenische volk Klinger
w. 2 (1815) 130; so verzeiht mir gott um dieses leiden meine vorgen sünden Tieck
schr. 1, 83; sie meinen auch, ... um den zweck dürfe man über die mittel wegsehen W. Alexis
vaterl. romane 8, 470; der Franzose thut alles um die personen, um seinen feldherrn, um seinen chef, und zuletzt um sich Gutzkow
ges. w. 9, 78,
bei ihm öfter, vgl. zauberer v. Rom 1, 320; 3, 46; 71; 4, 47; 96; er war überzeugt, alle mädchen, die in Luckenbach krank waren, die waren das um ihn Ludwig
ges. schr. 2, 349.
ganz vereinzelt steht der dativ (
s. auch oben A 1 e): ir wert in hasz allen leuten umb meinem namen
erste deutsche bibel 1, 37; fragt sie der richter, wie und umb weme si gericht sein, so seind si im schuldig ze sagen
österr. weisth. 1, 19. I@D@1@bb)
neben gewissen verben vollzog sich ein übergang des causalen '
propter'
in '
pro'
: sanguis meus ... qui pro multis effunditur miin ... daz umbi ...
Monseer fragmente 22, 10
Hench; do er sich selben umbe sie patri opferota Notker 2, 6
Piper; also Christus umbe unsih (
pro nobis) sin lib liez, also sulin wir den lib lassin umbe (
pro) unsere bruodera 2, 361. bitten (beten) um (
pro),
heute nur in finalem sinne zu verstehen (
s. I E 2 a),
ist ahd. mhd. in gebeten allgemein üblich, vgl. etwa Otloh
s gebet (Steinmeyer
denkm. 182
f.)
und Hoffmann v.
F. fundgruben 1, 113,
ein anderes bitten um '
erflehen von'
s. o. A 5: ih peteta aber ze dir ... umbe sie Notker 2, 267
Piper; der umbe den andern pitet, der nert sich selben
fundgr. 1, 114 (
qui pro alio orat, se ipsum liberat); swer umbe den sündære bite, da lœse er sich selben mite Hartmann
Gregorius 3401,
weitere belege mhd. wb. 1, 170
b; 3, 180
a; ich bit umb si, nit umb die werlt; wann umb die, die du mir gebt, wan si seint dein
erste deutsche bibel 1, 406
lit. ver.; wolt ir got ein widerlegung thuon umb sin grosse lieb zu euch ... Eberlin v. Günzburg 1, 52
ndr.; was tuond die, die do werden getaufet, umb die toten
erste deutsche bib. 2, 103
lit ver.; wann der nit ist wider euch, der ist umb euch
ebda 1, 157,
vgl. 2, 140.
mundartlich: he hät väl üm er dahn
niederd. jb. 20, 51. I@D@1@cc)
adverbielle verbindungen: umbe die zwo vorgesagten ursach Luther 7, 345
W.; üm zweierlei ursachen Bellin
hochd. rechtschr. vorr. 4
b; um kurzi
der kürze wegen bei Staub-Tobler (
a. d. j. 1525) 1, 226; Fischer
schwäb. 6, 81; umbe waz, umbe daz
warum, darum, mhd. gern im reim, z. b. frou Herzeloyde kêrt ir haz an die vogele, sine wesse um waz Wolfram
Parz. 118, 30,
vgl. 197, 7; 311, 2
u. ö. auch schon ahd., s. o. das enthelt ir got alles vor und verzeucht es ir um das Tauler
sermones (1508) 20
b.
in dieser verbindung hielt sich auch der instrumental, s. die belege mhd. wb. 3, 181
und Behaghel
synt. 2, 42. ich sag iu umbe wiu (: driu) Ottokar
reimchron. 1262; waistu umb weu ich an Artus hof pin gelegen U. Füetrer
Lanzelot 7
lit. ver.; nun schweigt! ich will euch wissen lan, umb weu ich euch her geladen han
fastnachtssp. 439, 22
Keller; umb weu si stoszig wären (1308) Lori
baier. bergrecht 5; umbe die so sint die becorungen des geluckes vile engestlichere wan des widermudes
die lilie 9
Wüst. jünger: sie kamen auch nicht um deshalb, herr major W. Alexis
vaterländ. romane 8, 105; einen überaus eleganten und um eben deshalb ... wenig passenden rokokoschreibtisch Fontane
ges. w. I 5, 6,
näheres unten I J 2. I@D@22)
auch causales um
geht schon früh mit bestimmten verben und verbgruppen eine feste verbindung ein: I@D@2@aa)
loben, tadeln, strafen, danken um: ... lobeta ih dih umbe die urteilda dines rehtes Notker 2, 541
Piper; willigo lobon ih dih, nals umbe ander ane umbe dih selben 2, 205,
auch in neuerer sprache, doch selten: wenn ihn die kameraden um dinge loben, um die er sich hätte schämen müssen O. Ludwig
ges. schr. 2, 124;
dagegen öfter bezeugt, wenn auch nur älterer sprache angehörend, strafen um: dô strâphoter si gar sêre umbe ir ungelouben
deutsche predigten 2, 142
Grieshaber; (
sie) in mit etlichen stichworten umb sein also ze nichtes leben meinet mit zucht ze straffen Arigo
decamerone 50
lit. ver.; darumb wiltu um dein ungeschickligkeit oder ubertrettung ungestrafft sein J. Arnd
Thomas a Kempis (1631) 127; strafen umb sein urtail
österr. weisth. 5, 197, umb sein ungehorsam 722; wer wolthat gibt, solls bald vergessen; wer wolthat nimmt, solls nie vergessen; sonst ist um undanck der zu straffen und jenem hoffart zuzumessen Logau
sinnged. 467
Eitner; neben verwandten verben: si sprechend, man bandet nieman um die schuld, aber um die ungehorsame Zwingli
deutsche schr. 1, 80; nieman sol ouch einen andern rugen ... umme sine suonde in der bicht
deutsche pred. 34, 3
Leyser. hierhin auch schuldig um
in verschiedenem sinne: umbe dich selben bis du dich dineme gevere zuirent schuldich
die lilie 40, 24
Wüst; umb brodt zehen gulden schuldig Ferdinand v. Tirol
spec. vitae hum. 46
ndr.; (
dennoch) heisz ich um verrath ihn schuldig Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 135. um schuld
wird formelhaft: manger hat sîn wîp geslagen umb ir krenker schulde Wolfram
Parz. 135, 27; gevangen umb ir schuld Oswald v. Wolkenstein 103, 32
Schatz; fraw, wa sind chomen, die dich gerüget hand umb deine schuld Hätzlerin
liederb. 114
a; das man fürter kein umb schuld lasz in ban thuon Eberlin v. Günzburg 1, 12
ndr.; wozu mich ... des himmels satz um schuld verurtelt hat Logau
sinnged. 208
lit. ver. ihm gegenüber steht um unschuld: wan ich bin umbe unschulde her in (
in den kerker) geworfen
deutsche predigten 98
Grieshaber; zuo einem mal was ein koufman und den fieng ein böser man um unschult
der heyligen leben summert. (1472) 100
a; er schrib ... brieff, wie in die fürsten umb unschuld hassetind Tschudi
chron. helvet. 1, 47,
vgl. Staub-Tobler 8, 651;
wie strafen um
ist kaum über das frühnhd. hinausgekommen danken um: si kunde ouch sich des nieten daz se im dancte umb sîn komn Wolfram
Parz. 725, 11; der (
arzt) aus der kunst soll sich rühmen, ..., der mit der kunst, dancke umb die kunst Paracelsus
chirur. (1618) 128
c; ein jetlicher christ sol all tag ... sich im gebät zuo gott keren ... in dancksagung umb alles guots Eberlin v. Günzburg 1, 41
ndr. I@D@2@bb)
am häufigsten neben verben der gemüthsbewegung und ihrer äuszerung. dieser gebrauch reicht bis in vorlitterarische zeit zurück, vgl. as. gornon umbi, sorgon umbi Sehrt
wb. 440,
ags. cearian ymb, forht ymb Bosworth-Toller 1294; der lange hât geweinet umb iuwer süeze minne mit ougen und mit sinne Konrad v. Würzburg
Trojanerkr. 22 823; und niemant hetten, der umb sie weinet oder trauret Arigo
decamerone 6
Keller; ach, so werd ich um dich mein ganzes leben durchweinen Klopstock
oden 1, 58
M.-P.; in eineru minnu umbi alleman sufteot
sola dilectione erga omnes inhiat Monseer fragm. 30, 12,
s. th. 10, 1, 702; do vernam ouch disiu mæresîn muoter Siglint. si begunde trûrenumb ir liebez kint
Nibelungenl. 61, 2; die guote amme on masz traurig umb ir verlorne frawen Arigo
decamerone 95
Keller; siehe das grab der frommen schwester, die trauernd um den bruder erblich Herder 26, 24
S.; und tag und naht, wachen und slafen, so pin ich umb euch bekumert
privatbriefe 1, 3
Steinhausen; auch in anderem sinne: sich um etwas bekümmern, schären Kramer 2 (1702) 1196
c,
weitere belege th. 1, 1432; hie sulle wir prüefen, hân wir rehten riuwen umbe alle unser gebresten
myst. 2, 453, 7
Pfeiffer, s. th. 8, 830
f.; und werden sich umb in betrüben, wie man sich betrübt umb ein erstes kind
Sacharja 12, 10; bis suorcfol inti gitruobit umbi managu
Tatian 63, 4. sorgen um, sorge um
ist bereits ahd. und as. belegt, s. th. 10, 1, 1755; 1773,
vgl. auch sorgfältig um
ebda 1792.
seit mhd. zeit begegnet mir ist leit, wê, swære umb,
s. mhd. wb. 3, 180
b: es ist mir von herzen leid umb euch Arigo
decamerone 200
Keller; liebe nicht alzu lieb, leide nicht alzu leit sol umb gewin und umb verlust bei weisem manne wesen
ackermann a. Böhmen 54
Burd.-Bernt; auch leid haben, tragen um,
s. th. 6, 657; 11, 1, 1073.
heute fest geworden es thut mir leid um,
s. Gerstenberg
recensionen 146
lit. denkm.; klagen um
reicht bis in die gegenwart: wenn du unsichtbar dich den einsamkeiten nahest, wo er um meinen tod noch klagt Klopstock
oden 1, 101
M.-P.; für das mhd. vgl. mhd. wb. 3, 180
b;
gr. 4, 846.
nur in älterer sprache gibt um
den grund der freude an: fore mendi mendet ir umbi die lutun des priutegomen (
gaudio gaudet propter vocem sponsi) Notker 2, 196
Piper; mir ist daz herze worden vro ümbe ein vil reine sælik wîp v.
d. Hagen
minnesinger 1, 10
a.
bis in die gegenwart dagegen neben ausdrücken des bangens und fürchtens: pihuctigeer si um bi kidancha sine
sollicitus sit circa cogitationes Steinmeyer
denkm. 211, 27; der künic ez wol hôrte er angeste umb den man
Nibelungenlied 622, 1; ich habe solche angst um dich Fontane
ges. w. I 5, 154; mich ergriff ein schweres bangen um des gatten theures leben Müllner
dram. w. 2, 9; der held, um den du bebest Ramler
lyr. ged. 98; wie oft hab ich um euch gezittert, eh das feuer mir so nahe kam Lessing
w. 3, 11, 181
L.-M.; jedoch ungebräuchlich: hab knechtlich forcht umb die sünd Keisersberg
bilgersch. (1512) 11
c.
hierhin auch: mîn hohstiu nôt ist umben grâl; da nâch umb mîn selbes wîp Wolfram
Parz. 467, 26,
und in gewissem sinne die fügungen: aus not um, in not sein um, not leiden um,
überhaupt (viel) dulden, erdulden, leiden um
und in jüngerer zeit verlegen sein um.
neben zürnen, gram sein, hassen, auch sich wundern: welt, du ensolt niht umbe daz zürnen, ob ich lônes man Walther v.
d. Vogelweide 60, 13; weiber, die da umb eine sache einmal zürnen
engl. comedien (1624) B 1
b; zürnest du auch wohl um eine derbgeschlagne wunde Bürger
w. 167
Bohtz; und woren eme gram umme sine gottlichin zeichin und umme sine heilge lere Dietr. v. Gotha
pred. 55
a nach Türk; anders: tot vor gram um mich Lenz
ges. schr. 1, 53
Tieck; daz mich der künec Gramoflanz sus hazzet umbe sînen kranz Wolfram
Parz. 696, 26; si ... truogen im hass umb sein gerechtes leben
summerteil d. heyl. leben (1472) 38
b; da wundert sich erst jung und alt umb die verwandelung der gstalt C. Scheit
frölich heimfart 75
Strauch, für das mhd. vgl. mhd. wb. 3, 180
b;
ungewöhnlich du bist wohl stolz um solch ein knabenspiel Fouqué
held des nordens 1, 98.
bis in die gegenwart fest beneiden um: Rachel nidet ir swestir kint umb ir schoniu kint
genesis 57, 10
Diemer; und meinen herd, um dessen gluth du mich beneidest Göthe 2, 76
Weim. I@EE.
auch finales um
hat im laufe der letzten jahrhunderte beträchtlich an boden verloren: I@E@11) daz wir siu (
d. i. unseriu hantwerch) netuoen umbe werltlichen dang, wanda so sint siu chrumb Notker 2, 382
Piper; er gibet lieht, regen, wint umbe die erdwuochera 2, 430; ich sanc hie vor den frowen umb ir blôzen gruoz Walther v.
d. Vogelweide 49, 12; pitter marter, so du lait gedultikleichen geren umb unser freud und sälikait Oswald v. Wolkenstein 108, 11
Schatz; wer schlüft inn esel umb das schmär S. Brant
narrenschiff 54
Zarncke; einsmals im gnadenreichen jar ich auch zu Rom umb ablas war H. Sachs 9, 486
lit. ver.; das sprach der herr zu Mose: recke deine hand uber Egyptenland umb die heuschrecken, das sie auf Egyptenland komen
2. Mos. 10, 12; den fuchs jagen umb den balck Fischart
Dominicus 128
Kurz; men sal nicht geven umme weddergeven Tunnicius
sprichw. nr. 763; umb den nahmen eines gelährten studiert ein jeder und nicht dardurch fromb und tugendhaft zu werden Lehman
flor. pol. 1, 490; der marktrichter der muesz umb die peisizer ausschreiben (1576)
österr. weisth. 6, 388
anm.; die vögel sitzen traurig auf braunen ästen und pfeifen um speise; die gefrorene erde seufzt um wärme U. Bräker
s. schr. 2, 242; die kleinen verfolgten mich um ein mährchen Göthe 19, 72
W.; so vieler Schweden adeliches blut es ist um gold und silber nicht geflossen Schiller 12, 223
G.; ich umb anders nicht hie pin dann zethon euer wolgefallen Arigo
decamerone 184
Keller; in diesen verborgenen winkel, in diese kluft ist der sohn gottes hinabgestiegen, nirgends anders um, als die seelen zu suchen Scriver
seelenschatz (1737) 1, 26
a;
nur in älterer sprache: wie er im hülfe umb sin leben Boner 11, 30
Benecke, s. mhd. wb. 3, 181
b; darumb ich min husfrouw bat, dasz sie mir helfen wett umb gelt
N. Manuel 73
Bächtold; an der Öttsch was der welsch wein so wol geratten, als kain man gedenckt ..., es half das Öttschland umb gros gut
städtechron. 25, 77,
davon gänzlich zu scheiden die fälle mit nachfolgendem personalobject (
bei jem. zu etwas verhelfen),
s. o. A 5. I@E@22)
finales um
neben bestimmten verben: I@E@2@aa)
seit ältester zeit bitten, flehen, fragen, schreiben, rufen um: daz got ofto betuot sin ora gebetener umbe disiu zitelichen (
temporalia), durh daz, daz man in bitte umbe diu ewigen (
eterna) Notker 2, 160
Piper; zehant lêch er und gap, umbe swiu si in baten Ottokar
reimchr. 15 051,
mhd. wb. 3, 181
a; ich bin das weip, die do hie stund vor dir, betent zuo dem herrn umb ditz kind
erste deutsche bibel 5, 13
lit. ver.; wi bidden got umme sine hulpe Tunnicius
sprichw. nr. 588
Hoffmann; nit ist das gebet gut und recht, das vil ist, ... langk, umb zeitlich adder ewig gut, sundern das fest bauet und trauet, es wird erhoret Luther 2, 127
Weim.; elliptisch: um vergebung, wie ist ihr name Schnabel
Felsenburg 16
lit. denkm. ältere sprache verwendet bei bitten
auch den genitiv, s. gr. 4, 850,
jüngere nur noch um,
ebenso bei den synonymen: und man fleht um euern segen Göthe 2, 31
Weim., s. th. 3, 1751; warumb geilent ihr umb die ämpter? Paracelsus
opera 2, 625,
s. th. 4, 1, 2, 2577; ersuch Archigenes umb einen guten rath J. Rachel
sat. ged. 51
ndr.; ein pfarrherr, der bei einer evangelischen gemeind umb dienst ansucht Lehman
flor. pol. (1662) 89,
s. th. 1, 495; dieselben hielten bei den Schotten umb einen ort landes an Micrälius
Pommerland (1640) 2, 153,
s. th. 1, 365; also mane man en umbe das vorgeschrebin gelt
handelsrechn. d. deutschen ord. 279
Sattler; um bundeshülfe gemahnt Mommsen
röm. gesch. 2, 20; ein anderen anzuosprechen umb rat und absolution Eberlin v. Günzburg 1, 29
ndr., s. th. 1, 468; Staub-Tobler 1, 252; si (
die Juden) got umb urtail fragten Hätzlerin
liederb. 114; umb erlaubnusz fragen Fischart
praktik 5
ndr.; umb rath fragen Ferdinand v. Tirol
spec. vitae hum. 79
ndr.; auch im sinne von '
interrogare',
wo heute allgemein nach
gebräuchlich ist: wenn man sie umb schrift und grund ihrs dings fragt Luther
w. 10, 2, 149
W.; er fragte ihn um die ursache seiner traurigkeit Klinger
w. 3, 93; um meinen namen und mein alter fragen Göthe 21, 72
W.; (
er) fragte um die mutter, man hatte sie in dem garten nicht gesehen Stifter
s. w. 3, 278,
s. th. 4, 1, 1, 54; aber ih scriio umbe genist, also swalewun iungi unde sufton darumbe also tuba Notker 2, 611
Piper; da schrei in Juda jung und alt zu got umb hilf in diser not H. Sachs 1, 215
lit. ver.; hör meines sohnes blut; es schreit zu dir um rache J. E. Schlegel
w. 1, 28,
s. th. 9, 1717; ir frouwen die des toufes pflegn, rüeft alle an got umb sînen segn Wolfram
Parz. 574, 30; er hat zu lange gelebet, wer uns umb sterben hat angerufet
ackermann a. Böhmen 29
Burd.-Bernt. am häufigsten: umb hilf anruofen Frisius
dict. (1556) 105
b,
s. th. 4, 2, 1324; uber ettlich zeit schreib er dem würt umb sein ketten, der würt schreib umb sin gelt Wickram
rollwagenb. 100, 26
Kurz; ich habe ... um einige nähere auskunft geschrieben Göthe IV 12, 96
Weim. I@E@2@bb)
als zweckbestimmung neben verben der bewegung: ih cham umbe urteil (
in judicium) hera in werlt Notker 2, 335
Piper; nu kam zuoz im an ainem tage ain wapenknappe umbe guot Rudolf v. Ems
Willehalm 2822
Junk; ob die Engländer kämen um des handels willen, oder dann um krieg Ritter
erdk. 1, 275; dann si all umb stain ausgefaren waren Schaidenreisser
Odyssea (1537) 100
a; um den artzten, um den beichtvater
etc. laufen, um brod, um wein
etc. gehen, kommen Kramer
dict. 2 (1702) 1196
b; si giengen ûz umb ir bejac Wolfram
Parz. 485, 19; um winninge geit de pape an dat altar Tunnicius
sprichw. nr. 335
Hoffmann, vgl. üm de aier gōn Woeste
westfäl. 279
b; um öppis us sin Staub-Tobler 1, 225; der verwalter ging um den schlüssel Stifter
s. w. 5, 1, 366;
prägnanter umb brot gon (
d. i. betteln) Eberlin v. Günzburg 1, 99
ndr.; (
er) kam in solche armuth, dasz er umb brot gehen ... muste Heyden
Plinius (1584) 62; als die fedren warendt verthon, do muostens umb den bettel gon Murner
geuchmatt 1153
Fuchs; sin herre hête in dare gesant umb einen michelen ârant
Wiener genesis in fundgruben 2, 34; herre, ich bin in ditze lant von dem kunige gesant umb anders niht denn umbe diu daz ich vordern sull an iu ... Ottokar
reimchr. 13223; wann er hat gesant zuo mir umb meine weiber und umb die sune und umb daz silber und umb daz gold
erste deutsche bibel 5, 331
lit. ver., s. th. 10, 1, 574; er schickt zustund umb erzt, die in bünden und heilten
Tristrant 182
lit. ver.; (
er) hatte nach dem herzog von Urbino um hülfe geschickt Göthe 43, 104
Weim., heute noch obd. um den arzt, den pfarrer schicken. I@E@2@cc)
trachten, streben, sich umsehen um u. a.: umb ein reiches weib trachten Guarinonius
grewel (1610) 283,
s. th. 11, 1002; werben um
ist bereits mhd. durchaus üblich, s. mhd. wb. 3, 181
a;
gr. 4, 841; (
beide) umb ir hulde worben Arigo
decamerone 111
Keller; und das erstaunen wurde noch gröszer, als er ... — um die pfarrerstochter warb G. Keller
w. 1, 20; sich um etwas bewerben, umthun, umsehen Kramer
dict. 2 (1702) 1196
c;
zu buhlen um
s. th. 2, 502; den oft und hertzlich geführten wunsch umb die erscheinung und zukunft des Messiä Dannhawer
cat. milch 1,
vorr. 2
a;
gr. 4, 851. daz ich si verheiret und ir umb ainen erbern fromen man seche Arigo
decamerone 342
Keller; ir beid euch umbsehen wolt umb ein schöne junckfrau Wickram
w. 2, 85
lit. ver.; zum andern sol der schultheisz umb zwölf geschickte männer sehen und trachten Fronsperger
kriegsb. 1, a 1
b; drauf oft Cupido stund und sich um einen weg für seinen pfeil umsahe Logau
sinnged. 280
Eitner; er schaue aber umb andere wer den menschen ticht und menschen ler J. Strausz
christl. unterricht B 4
a; schau um den kaffee Nestroy
ges. w. 5, 13; lugen um
s. th. 6, 1271. I@E@2@dd)
als bezeichnung des gegenstandes eines strebens, einer bemühung; besonders (
sich)
streiten, zanken, fechten, bemühen um, vgl. gr. 4, 844
und ags. winnan, sacan ymb.
manche belege könnten auch den bereits oben unter C 2
und D 2
genannten verbgruppen zugezählt werden: thar was strit umbi thaz joh gisliz hebigaz Otfried III 20, 67,
vgl. I 27, 17;
iuridiciale strit umbe daz tietreht Notker 1, 648
Piper; der ie streit umb iuwer êre wider unstæte liute, daz was ich Walther v.
d. Vogelweide 40, 29; der stier bewegt strit umb die minne sins glichen
N. v. Wyle
transl. 32
Keller; dasz wir Schwaben allezeit vorfechten müssen, wo um des reiches not gestritten wird Scheffel
ges. w. 2, 11; so wil ich kempfen ouch umb in Konrad v. Würzburg
Trojanerkr. 3663; die zur finsternis gebornen werden verwegen um licht kämpfen Klinger
w. 3, 25; was seine (
des Friesenvolkes) chroniken melden, ist ... ein grausiges ringen und kämpfen ohne ende; hier mit den fluten um den teueren heimatsboden, um existenz, um hof und herd, um weib und kind; dort um seine freiheit und sein gutes recht mit hochmütigen fürsten H. Allmers
marschenbuch 40; ich wil der römischen grausamkeit geschweigen, dasz sie ... ihre gefangenen umb leib und leben zu fechten nötigten Lohenstein
Arminius 1, 18
b,
ältere belege th. 3, 1389; dâ mac dîn dienst wol ringen nâch wîbe lôn und umb ir gruoz Wolfram
Willehalm 86, 24; du solt dar für den psalter singen, nit umb den narrenkolben ringen Murner
narrenbeschw. 2, 16
ndr.; weitere belege th. 8, 1002; die episteln ... ad Hebreos umb die haben etzlich gekriegt und haben gesprochen, das si nit sant Pauls seint
erste deutsche bib. 2, 2
lit. ver., weitere belege th. 5, 2223; haben sich umb die stätte geschlagen
pugnarunt de loco Orsäus
nomencl. (1623) 307,
vgl. th. 9, 391; sie ... haderen gern umb kleine ursachen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 145
a,
s. th. 4, 2, 118; als man sich nun bereits bei den haaren um das gold risz Brentano
ges. schr. 5, 109,
frühere belege th. 8, 759; unser herr kaiser Fridereich, mein herr herzog Albreht desgleich, ümb Osterlant sich zanken
M. Beheim
ged. 3, 33
Karajan; umb die geiszwoll zancken
schöne weise klugr. (1548) 41
a; sich um meine werthe person ... zanken Göthe 21, 42
Weim.; sich streichen umb die herrschaft hart durch practick, lüg und hinderlist H. Sachs 15, 133
lit. ver.; ein weib, das umb den hut sich garnicht mag bemühen J. Rachel
sat. ged. 38
ndr. heute allgemein: sich bemühen um,
s. th. 1, 1462; wie erbärmlich quälen sich nicht neuere künstler um die kleinsten historischen umstände Göthe IV 9, 73
W., s. th. 7, 2304; sehr um einen thun Kramer
dict. 2 (1702) 1196
b; do der konig Salomon so wislichen richte den zwen frouwen umme das kint Dietrich v. Gotha
pred. 160
b nach Türk, s. th. 8, 883; ich beger von euch ainer urtail umb ain sach U. Füetrer
bayer. chron. 61
Spiller; umb fried zuo handlen S. Franck
chron. Germ. (1538) 114
b; um öppis handle
mit etwas handel treiben Staub-Tobler 1, 225;
daran angelehnt kaufen um
mit nachfolgendem kaufobject: Florentz und Venedig, da will ich umb köstlich kleinot kaufen. wenn ich dieselben leg zu haufen H. Sachs 12, 209
lit. ver.; der geitzig Marx kauft umb ein strick, der an sein hals hinan sich schick Sandrub
kurzweil 101
ndr. I@E@2@ee)
zur bezeichnung des einsatzes bei wettkampf und -spiel: und hæte ich sîn gewettet umb allez daz ich ie gesach Konrad v. Würzburg 3115; vertriben da freundtlich die zeit, spilten umb ein pfenning, zwen, drei Scheit
Grobianus 1950
ndr.; (
das schiff, das) auf dem Rein wettlif um den preis Fischart
glückh. schiff 680
ndr.; umbe mina hemide, die ih ze liche truog, ... wurfen sie loz Notker 2, 69
Piper, s. losen um
th. 6, 1187;
vgl. auch es geht um,
jünger auch es gilt um
th. 4, 1, 2, 2470; 3090; wagen um
th. 13, 397.
formelhaft wurde um die wette,
d. i. ursprünglich '
um den wetteinsatz',
diese concrete bedeutung verblaszte jedoch schon früh: die gesellen der meintate die ilten vil drate rehte alse umbe wette von bette ze bette priester Wernher
Maria D 4893
Wesle; weil sie im schir vergonnen thet dasz es lif mit ir um die wett Fischart
glückh. schiff 606
ndr.; und es singt die schöne kette, zart und zärter, um die wette Göthe 2, 25
Weim.; wenn nun der abend kam und alles umb die wette mit sich zur ruhe kam Chr. Weise
grün. jugend 36
ndr. I@E@77)
seit ahd. zeit steht um
neben geben
zur bezeichnung des gegenstandes, der erworben werden soll (
davon verschieden geben um
mit nachfolgender preisangabe, s. u. I G 1): er umbi thaz thia dunichun gigabi Otfried IV 14, 10, (
vendat tunicam et emat gladium),
vgl. III 14, 102;
für das mhd. s. mhd. wb. 1, 502
a; wan ich han umbe dich gegeben des ich hiute solde leben erdephil guote
genesis 58, 12
Diemer; do man um ein absoluz 2, 3 oder 4 gulden geben muosz Zwingli
deutsche schr. 1, 39; und gab do umb geleith 22 Dürer
tageb. 47;
nicht nur von kauf und tausch im eigentlichen sinne: mit entzücken gäb ich sie alle die geprahlten nichtswürdigkeiten um ein dankbares lächeln ihrer erröthenden wangen Gerstenberg
Ugolino 247
Hamel; die gern alle ihre ... flitterschätze um ein gefühl der kindlichkeit ... hingeben möchten Tieck
schr. 1, 26.
verblassend zur bedeutung '
achten, schätzen': versuocht zuo reden, ob er mehr umb mein red geben wolt dann umb die euer Wickram
w. 1, 125
lit. ver.; und gäb nit umb den papst ein schnitz Scheit
Grobianus 650
ndr.; ich gäb kein nestel umb die wal 1207; so schön und gut sie immer ... so wollt ich keine nusz um eure tugend geben Wieland
s. w. 10 (1795) 25;
ähnliche wendungen mhd. wb. 1, 502
a.
erhalten blieb um
häufiger nur in der verbindung nichts geben um (
neben auf),
s. th. 4, 1, 1718: wer alweg saur sihet, umb den gibt man nit S. Franck
sprichw. (1545) 1, 73
b;
contumaces boves ... widerspennig ochsen, die nützid umb den gart gebend Frisius
dict. (1556) 163
b. I@FF.
der begriff des wechselseitigen gebens und nehmens führte leicht zur vorstellung einer alternierenden oder successiven folge. I@F@11)
zunächst belege, die den übergang von der voraufgehenden gruppe zeigen und mehr oder minder den gedanken gleichen entgelts zum ausdruck bringen sollen: du wider antwurtest wort umb wort, glichs mit glichem (
verbum verbo, par pari ut respondeas)
Terenz deutsch (1499) 120
b;
talio ... wenn man zuogefügten schaden mit gleichem widergilt, also aug um aug, hand umb hand Frisius
dict. (1556) 1287
a;
vices vitare die streit meiden, darin ie streich um streich gat 1376
a;
audire et reddere voces notas ... wort umb wort reden 1409
a; du jugend, die du tändelnd liebst, ein küszchen um ein küszchen gibst Göthe 4, 93
Weim.; schon früh zeigen sich erstarrungen: aug um aug
codex Teplensis 6; item, so spricht man: stück umb stück, auge umb auge, faust umb faust, gelt umb gelt, leib umb leib, in welchen reden die artickel besser auszen bleiben, denn das sie dabei stünden Luther 26, 358
Weim.; vulpinor cum vulpe fuchs gegen fuchs, list umb list E. Alberus
dict. (1540) 117
a; nun begann ein siebenjähriger kampf, schlag um schlag, list um list Ritter
erdkunde 4, 592.
vgl. auch slicht üm slicht
nd. jb. 20, 51,
eine umgangssprachlich weit verbreitete formel. I@F@22)
der schon in den voraufgehenden belegen, verblassende gedanke der wechselseitigkeit schwindet gänzlich, wenn die handlung nur von einer seite getragen wird, die vorgänge reihen sich in einer zeitlichen reihe aneinander: so schlag ufs nasbein bald der reinen streich umb streich und püff umb püff Th. Murner
mülle 484
Bebermeyer; die sterne senken strahl um strahl in ihre reinen kelche ein. Brentano
ges. schr. 5, 213.
so entsteht die vorstellung einer gleichmäszig sich hinziehenden aufeinanderfolge einzelner akte: und so zog ich kreis um kreise Göthe 1, 181
Weim.; das anhaltende regenwetter ... hatte ... flusz um flusz angeschwellt 24, 326; stück um stück der rundschau trat ins lichte H. v. Barth
Kalkalpen 345; im klostergarten die nonnen wandeln zwei um zwei Leuthold
ged.4 33.
neben zeitbegriffen hebt diese zergliederung den zögernden ablauf besonders hervor: wenn wir nun jahr um jahr und monat um monat alle qualen der gefangenschaft ... einzeln aufgezeichnet finden Strausz
Schubarts leben vorr. 15; stunde um stunde verging Ludwig
ges. schr. 2, 194,
oder sie veranschaulicht durch die betonung des einzelnen die vorstellung der grösze oder ganzheit: hut umbe hut git der man (
Job) und allis daz er mac han, daz diu sele werde ernert und niht eweclich verhert Hugo v. Langenstein
Martina 83, 57; bald hat er (
der erfinder der buchdruckerkunst) wort um wort absonderlich gemacht dasz er sie wechslen kön Rompler
erstes geb. (1647) 58; sie (
die abschrift) ist doch so verfaszt, dasz man sie leicht verwechselt? — ich hab' sie zeil um zeile nachgemalt Schiller 12, 159
G.; die mädchen alle, zwei um zwei, sind, sagt man, eitel, ungetreu Kretschmann
s. w. 2, 298;
zur bezeichnung der fülle: von seiner erfüllung emphingen wir alle genad umb genad
erste deutsche bibel 1, 336
lit. ver., vgl. Johannes 1, 16,
seither öfter. I@F@33)
neben der artikellosen wiederholung des wortes steht seit frühnhd. zeit einer um den andern, eins ums andere,
zunächst in den zuletzt genannten bedeutungen: so lebte er ein jährchen um das andere G. Keller
w. 4, 222; (
er muszte) einen schritt um den andern zurückweichen 6, 408; ein geschäft um das andere war abgethan 1, 31. du weeszt's, was mir a so seufzn een'n tag um a andern G. Hauptmann
weber (1892) 41; sie fragte ein um das anderemal Brentano
ges. schr. 5, 29;
auch: fragte das mädchen einmal ums andere Ludwig
ges. schr. 2, 350; wind und ströme, donner und hagel rauschen ihren weg, und ergreifen vorüber eilend einen um den andern Göthe 2, 84
Weim. nach voraufgehendem plural: die äpfel fielen in den sack, einer um den andern, in kurzen regelrechten pausen Storm
s. schr. (1868) 5, 182; sie berührte die briefe alle, einen um den andern Ludwig
ges. schr. 1, 234.
häufiger dient jedoch diese formel dazu, die besondere art der alternierenden aufeinanderfolge zu bezeichnen: das sollen thun einer oder tzween, odder einer umb den andern, odder ein chor umb den andern Luther 12, 35
Weim.; hie stehet widderumb brod und becher, so treibt Paulus eins umbs ander, itzt nennt ers brod und becher, darnach widder leib und blut 26, 485; die cantores je eins umb das ander gon liessen, jetz mit instrumenten, darnach mit gesang Wickram
w. 2, 92
lit. ver.; alternis dicetis eins umbs ander, stuck umb stuck, gleich wie meistergesang Frisius
dict. (1556) 77
b; (
könig Lear) wil bei seinen töchtern einen monat umb den andern bleiben
bei Creizenach
engl. comöd. 348; (
der kranke) sucht alle mittel, gesund zu werden und treibt eins umbs ander, so lang, bisz dem fasz der boden auszgehet Lehman
flor. pol. 1, 328; (
die katze) nun, pfote um pfote abschüttelnd Holtei
erz. schr. 1, 4.
auch kurz umeinander: und mag mans brauchen so lang, bis nichts mehr am pflaster ist, allein das mans umb einander verwichsl Paracelsus
chirurg. bücher (1618) 552
b.
mit besonderer bedeutungsentwicklung: sie sangen um einander (
concinebant) mit loben und danken dem herrn
Esra 3, 11; singet umb einander dem herrn mit dancke
psalm 147, 7.
zu umeinander
in obd. mundarten s. 4.
die alternation kann auch dadurch zustande kommen, das jeweils das zwischenglied ausfällt, also jedes zweite gemeint ist: arbores quaedam alternant fructus etliche beume tragen ein jar umb das ander Faber
thes. (1587) 40
b; sonder mir auch alle jahr, auf wenigst eins umbs ander jahr zwei kinder brachte Grimmelshausen 3, 349
Keller; bat ..., dasz er mich in dem gefangenhofe einen tag um den andern besuchen dürfe Gellert
w. 4, 268,
vgl. Staub-Tobler 1, 225; Martin-Lienhart 1, 38.
auch: der eine war schwach von leibe, asz nur umb den andern tag einmahl, der ander aber starck, asz alle tage dreimahl Olearius
pers. rosenthal 46
b;
so entstand: das fieber kommt immer um den dritten tag Adelung
lehrgeb. 2, 151; meine andacht ist sünde. Julius! immer um den dritten gedanken dein bild Leisewitz
Julius v. Tarent 84
lit. denkm.; und dabei immer ums dritte wort von tugend zu schwatzen
ebda 77; freundschaft und freundschaft, um das dritte Wort Lessing 2, 406
L-M; und auch mich beschied er hin, und beide auf den tag, der kommt ums vierte jahr, sein geburtstag Müllner
dram. w. 1. 41. I@F@44)
ein von dem erwähnten der entstehung und bedeutung nach verschiedenes umeinander
ist auf obd. boden weit verbreitet. es ist auch dann anwendbar, wenn nur von einem gegenstande die rede ist und begegnet in einem doppelten sinne: I@F@4@aa)
als '
hin und her', '
herum',
neben verben der bewegung: uf ein zit was ich ... in fünf jaren nit bi iren gsin und wit umbeinander getzogen in ferren landen Th. Platter
selbstbiogr. 34
Boos; als mir nun gott wider heim half, kam am morgen ... der Humel zuo mir, mich umeinander zefieren 297;
concurso hin und her umeinanderlaufen Calepinus xi
ling. (1598) 297
b,
ebda auch inambulo umeinandergehn 695
b;
noctivagus der ze nacht umbeinanderschweifet 955
a; es hätte ja nimmermehr so übel ablaufen mögen, dasz man nicht weniger schaden würde genommen haben, als durch ein solches müssiges umbeinander ziehen geschehen W. Gottlieb
der vorwitzige tadler (1677) 25; no ja, mir werd'n da umeinanderrennen, mir sein grad aufg'legt, dasz mer 'g'vatter-leih-mer-d'scheer' spiel'n Anzengruber
ges. w. 7, 155; barfuszet ziehgt er umanand K. Stieler
ged. 3, 32; a bauerwei lauft in der stadt umanand 1, 13; aber ich kann gar nicht stehen bleiben, musz alleweil umeinandergehn Rosegger
schr. III 9, 68; umeinandertappen 4, 160;
auch: wiszt ja, wie er sich lustig macht über euch bauern, und was er vom Stöszel-Hautz umeinanderplauscht 15, 160; herauszen, wo er umeinanderfaulenzt 4, 206.
statt des schriftsprachlichen reflexivs, s. o. A 3: da bin i drin glegn sterbenskrank und han umananda gschlegelt vor lauter hitz Stieler
ged. 4, 5.
die zahl der verba, die in dieser form erweitert werden können, ist sehr grosz, vgl. bei Staub-Tobler umeinanderrennen 6, 965; -rühren
umrühren 1264; -reiten 1688; -surren 7, 1290; -schlagen 9, 404; -schnüffeln 1168;
bei Seiler
Basel umeinanderspringen 295
a; weit umeinander kommen
weit herumkommen Martin-L. 1, 50
a; umeinanderbruten
u. s. w. Fischer
schwäb. 2, 587. I@F@4@bb)
als '
nahe bei', '
in der nähe', '
im umkreis',
localisierend irgendwo um einen punkt, wie oben A 1 b: do ummenander
hier in der gegend, hier in der nähe Seiler
Basel 295
a; wit um enander
weit im umkreis; do um enander bin ich guet bekannt; er hets um en ander grüemt
an vielen orten Martin-Lienhart
els. 1, 50; der Korbl, woaszt, der hat sein stand da drunt bei Freising umanand Stieler
ged. 3, 31; alls umanand is voller ruh
ebda 1, 68; (
er) versicherte hoch und teuer, er liege jetzt wohl über dreiszig jahre auf den almen und sennhütten 'umeinand' und habe den namen nie gehört Steub
wanderungen 141; ist niemant um einand(er)?
in der nähe Fischer
schwäb. 2, 587. I@GG.
neben ausdrücken des überlassens, hingebens, tauschens, wechselns bildete sich aus der finalen (
weniger causalen)
bedeutung von um
seine verwendung zur angabe des kaufpreises und werthes. vgl. auch die oben unter F
eingangs aufgeführten belege. die nachfolgenden belege zeigen den übergang: lâzen dirre welt muot umbe daz iemer wernde guot Rud. v. Ems
Barlaam 10, 36
Pfeiffer; umb ditz ding lest der man den vatter und sein muotter, und zuohaft seim weip
erste deutsche bibel 2, 170
lit. ver.; (
er) hatte den hof von Constantinopel um den mönchsstand verlassen Zimmermann
einsamk. 2, 144; do wir eine briefsweike (
postpferd) goben umme eine ander und goben das geld z
Marienburger treszlerbuch 75
Joachim;
meritorium gälthuor, die sich laszt umb gält Frisius
dict. (1556) 1189
a. I@G@11)
häufig neben geben,
das in älterer sprache durchaus in dem prägnanteren sinne von verkaufen gebraucht wird, s. th. 4, 1, 1, 1681;
mhd. wb. 3, 179
b: sô was in sanfte unde alsô wol, daz si enhæten niht ir leben umb kein ander künicrîche gegeben Gottfried
Tristan 1370; in der mesz zu Franckfurt gibt man zwuo nadel umb ain ai Hätzlerin
liederb. 202; er hats umb ein spott und nütt hingäben, umb ein stückle brot verkauft Frisius
dict. (1556) 29
b; und fragt, was er umb ihn geben solt; da liesz in der kaufmann umb viertzig sestercios E. Alberus
fabeln 11
ndr.; geb 15 batzen vor ein gulden, äpfel umb birnen Lehman
flor. pol. 1, 86; um weniger soll ich den bock doch nich hergeben G. Hauptmann
biberp. 21.
bei antithetischem verhältnis bildet sich die bedeutung '
anstatt', '
an stelle von': sie gaben mir ubel umbe guot Notker 2, 118
Piper, in dieser oder ähnlicher form häufig Terenz deutsch (1499) 20
b;
erste deutsche bibel 3, 197; Melissus
psalmen 129
ndr.; (
der bapst) gibt dir blei umbs golt, fell umbs fleisch, schnur umb den beutel, wachs umbs honig, wort umbs gut, buchstaben umb den geist Luther 6, 450
Weim.; auch neben anderen verben: mir leid umbe lieb tuonten Notker 2, 17
Piper; sie buten mir ubel umbe guot unde haz umbe mina minna
ebda 469.
besonders deutlich: der mûsar vât um diu rebhüenre miuse
meistergesangb. 31
b nach mhd. wb. 1, 49
a; ich fürchte ... mein vatter ... wen, ich well sein spotten und für uber mich den fluoch um den segen (
inducam super me maledictionem pro benedictione)
erste deutsche bibel 3, 129
lit. ver. I@G@22)
auch neben wechseln, tauschen
und älterem verstechen
bleibt der ausgang von der finalen bedeutung wahrscheinlich: so newehsalotin sie dia triuwa umbe scaz Notker 2, 218
Piper; (
er) daz sein (
geld) verbechselt het umb einen guldin ring Arigo
decamerone 90
Keller; anders: daher, als der landgrav umb den cypressenkrantz verwechselend den lorbör Weckherlin
ged. 2, 323
lit. ver.; ein jeder ... dieses wercklein ... einem welschen würtzkrämer umb ein bixel voll schnupftaback vertauschen mag Grimmelshausen 4, 503
lit. ver., vgl. 3, 328; 427; die herschaft ist vertauscht umb geld und heiratgut J. Rachel
sat. ged. 22
ndr.; hab ich dann die schönen auen ... um kein fernes feld vertauscht Gottsched
ged. 1 (1751) 109; so müssen hauben und schauben hebreisch lernen oder ... umb halb gelt an frembden orten verpartirt und umb böse kux verstochen werden Mathesius
Sarepta (1571) 49
b,
s.stechen th. 10, 2, 1263. I@G@33)
neben anderen verben: ich hab dich gemút umb lone (
mercede conduxi te)
erste deutsche bibel 3, 141
lit. ver.; dar er ie umb bucher gelichen het Arigo
decamerone 72
Keller; umb zins hinleihen Hulsius (1618) 264
a;
am häufigsten neben verkaufen
und kaufen: das sie ihr wahr auf borgen und zeit theurer verkeufen denn umb bahr gelt Luther 15, 305
Weim.; die ire gute werck verkaufen umb gelt, käs, aier, liecht und schmaltz, umb hüner, fleisch, wein, koren, saltz H. Sachs 6, 376
lit. ver.; er verkaufte ihm den stein um fünf schafe Stifter
s. w. 5, 1, 277,
s. verkaufen
th. 12, 618; ich hab den quest umb hundert guldin kouft
N. Manuel 467
Bächtold; treu wird umb treu kauft und verkauft S. Franck
sprichw. 1, 9
a; etwas ums geld kaufen
u. s. w. Kramer
dict. 2 (1702) 1196
b; ein zufriednes herz läszt sich um kein geld kaufen J. E. Schlegel
w. 5, 388; das si uns umb und für gedachte 200 ℔ unseren boumgarten ... abgenommen ... habend (1565) J. H. Hotz
Züricher groszmünsterstift 2, 129.
jünger: zu haben sein: es sind diese zeitungen umb einen billigen preis auf allen ... poststationen ... zu haben
Casell. zeitg. (1731) 16; sollst es um den billigsten preis haben Lessing 3, 87
L.-M.; könnte man nicht erfahren, ... ob das gut um einen leidlichen preis zu haben wäre? Göthe IV 10, 16
Weim., ebenso I 1, 31; 21, 104
u. ö.; wo eine anzahl ... ums geld zu haben sein werden Brentano
ges. schr. 5, 377; um geld und gueti wort chan-me vil ha Staub-Tobler 1, 225; das war urtail ist worden vail umb zeitlich gut und hab Hätzlerin
liederb. 38; wie man bekümpt all ding umb geld Hutten
opera 3, 456
Böcking; dieselbigen (
arien sind) bei mir umb einen gar billigen kauf zu bekommen H. Albert
in Königsberger dichterkr. 36
ndr.; ir wert hundert umb einen den ir gebet, empfahen Arigo
decamerone 43
Keller; empter werden ausgeben ... umb schmiralien, ... umb vielfältig suppliciren Lehman
flor. pol. 1, 19;
sogar: der könig Attalus bezalt ein tafel ... um hundert talent golds Heyden
Plinius (1565) 53. I@G@44)
auch neben jedem sonstigen verbum kann mit um
preis, lohn oder die höhe einer sonstigen summe angegeben werden: sie uobent unreht umbe gold unde umbe silber unde umbe lob Notker 2, 83
Piper; den minsten lon, den ich geben wil in ewigkeit umb das minste liden
der ew. wiszheit betb. (1518) 30
a; (
ich) will das nicht laszen (
den richtereid auszer acht lassen) noch umb lieb noch umb leid noch umb geschenk
rechtsalterth. 1, 75; prenholz umb das geding (
versprechen der zahlung) ze pringen ... bei straf verpoten, aber umb das tagwerch ze pringen vergonnt
österr. weisth. 3, 39; der den dienst haben will, ... mus meinen
gr. herrn entweder umb 1000 thaler gesessen sein oder umb solche summa einen bürgen stellen Grimmelshausen 3, 12
Keller; nicht um dies ganze reiche eiland, nicht um alle länder, die das meer umfaszt, möcht ich vor euch so stehn wie ihr vor mir Schiller 12, 500
G.; um ein stück geld folgten sie ihm Göthe 21, 109
W.; um so billige bedingungen ... zu arbeiten geneigt
ebda IV 15, 185;
bei angabe des schätzungswerthes: ob er den (
d. i. meidem) ahte umb ein lant daz belîbt im unverwizzen Ottokar
reimchr. 5630; hernach schätzte ich einen jeden becken umb einen kreutzer-wecken Grimmelshausen 3, 369
Keller; bis in die jüngste vergangenheit bei angabe der strafhöhe: einen um hundert thaler strafen Kramer 2 (1702) 1196
b; die Chier ... wurden ... um 2000 talente ... gebüszt Mommsen
röm. gesch. 2, 296.
häufig in bestimmten verbindungen, vgl. etwa im banntaiding österr. weisth. 6, 55
f.: umb xii Sch0
u. ä. wandlfellig, verfallen, zu wandl,
oder kurz: so ist er umb all sein guet, umb beide augen
u. s. w. allgemein um geld strafen S. Franck
chron. Germ. (1538) 44
b; Ranke
s. w. 3, 36.
vermuthlich hierhin auch umb das leben gefangen (1409)
österr. weisth. 10, 3
anm., eine häufige verbindung: ewern mann, der umb das leben gefangen ligt, wider frei ... zuo euch zuo bringen Montanus
schwankbücher 195
Bolte. I@G@55)
formelhafte verbindungen: um lohn, um sold, um geld u. s. w.: lâz mich dienen umb ir lôn Wolfram
Parz. 814, 27; ich meint, si (
die frauen) wärind mir sonst hold und nit alleinig umb den sold H. R. Manuel
weinsp. 3175
ndr.; die ... umb lohn brief dichtet Riederer
spiegel d. rhetoric (1493) k 6
a; der regent wie der künstler arbeiten um lohn Herder
w. 22, 141
S.; inquilinus ein hauswirt, der in einem frömbden haus umb den zins wohnet Calepinus xi
ling. (1598) 734
a; umb gelt halft ir das recht umbbeugen H. Sachs 2, 19
lit. ver.; ach fraw, es dient mir auch wol, umb gelt zu essen, warumb ader wievil sol ich hie essen und trincken. die frauw sprach, an der herren tisch umb xxiiii pfenig und mit meinem gsind für xii pfenig
Eulenspiegel (1515) 50
ndr.; da er ... seine kunst um geld lehrte Wieland
s. w. 1 (1794) 16; Wallenstein kann mit hohem preis, die beiden andern stücke um den gewöhnlichen gegeben werden Göthe IV 14, 86
W.; er arbeitet alles um den preis, den er bereits in der brust trägt Ludwig
ges. schr. 2, 121;
häufig: um jeden preis E.
M. Arndt
s. w. 1, 57; um keinen preis A. v. Arnim
s. w. 2, 329,
hier zur bekräftigung einer aussage; dem gleichen zwecke dient eine fülle von erstarrten mhd. formeln zur verstärkung einer verneinung: niht umb ein har, ein ber, ein slêhe, ein bônen, ein kicher, ein wicken, ein nusz, ein grûz, ein vesen, ein spriu, ein strô, ein blat, ein loup, ein bast, ein brôt, ein ei
u. s. w., belege bei Zingerle
Wiener sitzungsber. phil. hist. kl. 39, 438.
vereinzelt begegnen sie auch noch in nachmittelhochdeutscher zeit: und acht man gar nit umb ein schuo H. R. Manuel
weinsp. 31
ndr.; lasz dichs nicht irren umb ein heller K. Scheit
Grobianus 2637
ndr.; er ehrt mich nicht um ein sandkorn Bürger
w. 190
Bohtz. um nichts
wechselt in der bedeutung wie umsonst: soliche gehaltest du umbe nieht (
pro nihilo salvos facies eos) Notker 2, 213
Piper, aber umme nicht
für nichts, umsonst Schiller-Lübben 5, 2; man steht nicht um nichts mit einer sängerin auf so vertrautem fusze Bauernfeld
ges. schr. 1, 12.
älter auch: ist um kein gewest (1522) Götz v. Berlichingen,
s. württemb. geschichtsqu. 19, 511;
mundartlich üm vergews
niederd. jb. 20, 51.
jüngerer zeit angehörend und bis in die gegenwart gebräuchlich: um alles wollte er mich nicht verlieren Göthe 43, 195
W.; um die welt nicht maler Müller 1, 179; deinem treuen liebhaber wirst du um die ganze welt nicht ungetreu werden Fr. L. Schröder
dram. w. 1, 8; um alle welt, was hast du nur gethan? Cl. Brentano
ges. schr. 5, 40; ich ... wäre um mein leben gern traurig ... gewesen Göthe 22, 308
Weim.; ums leben
ebenso wie ums verrecken
heute mundartlich, s. Staub-Tobler 1, 225; Fischer 6, 82; Martin-Lienhart 1, 38
b; Follmann
lothr. 518
b. I@HH.
die oft nur formelhafte verwendung von um
vor gröszenangaben, besonders bei preis- und werthbezeichnungen, mag dazu geführt haben, dasz es seit frühnhd. zeit auch zur angabe der differenz zweier gröszen verwendet wurde, ältere gebrauchsweisen, so den genitiv (
s. Behaghel
synt. 1, 249),
verdrängend: I@H@11)
am häufigsten bei comparativen: das geringe landgewicht ist umb die helfte leichter Mathesius
Sarepta (1571) 168
a;
digitum progredi non possunt si mögend nit umb einen finger weiter kommen oder fürfaren Frisius
dict. (1556) 1070
a; wann der krieg anfängt, so musz der teufel die höll umb hundert tausend klafter weiter machen Lehman
flor. pol. 1, 472; persiflage gehört zum humor, ist aber um einen grad geringer Novalis im
Athenäum 1, 79; um viel, um ein gutes, um ein ehrliches, (um ein ebenes) besser, reicher ... Kramer 2 (1702) 1197
a; der teutsche barde ... rückt unsern begriffen und unsrer empfänglichkeit um vieles näher Kretschmann
s. w. 1, 16; dasz die jüngere generation ... um nichts besser und um nichts klüger als die ältere war Mommsen
röm. gesch. 2, 43; befind die sachen umb ein minuten nit anderst dann eben wie du darvon geschriben Wickram
w. 2, 105
lit. ver.; mit consecutivem nachsatz: (
das) thier, so man giraffen nennet, (
ist) vornen umb so viel höher dann hinden, dasz man gleich meint, es stünde aufgelähnt Herold-Forer
Geszners thierbuch (1563) 1.
für die überschieszende gröszendifferenz: ich kam um drei tage zu spät Pfeffel
pros. vers. 9, 182;
praepropere umb vil ze schnäll Frisius
dict. (1556) 1043,
oder für die noch fehlende grösze: es fehlet um nichts mehr, als dasz ihr auf die hochzeit zustellet
kunst über alle künste 82
R. Köhler. hierhin auch: so felt es mir wol umb ein puren schuo
N. Manuel 50
Bächtold, so und ähnlich häufig im 16.
jahrh., s. S. Brant
narrenschiff Zarncke, anm. zu 65, 52
und th. 1, 1182
s. v. bauernschuh; es ist noch um ein eisern thor, so wird die pforte springen müssen Günther
ged. (1734) 124; es freut mich sehr zu hören, dasz Herder wohl ist, um wenige tage hätte ich ihn in Frankfurt gesehen Göthe IV 10, 27
W.; es ist noch umb ein kleines, so ist der gottlose nimer
psalm 37, 10; im underesten um ains (
im zweituntersten) (1519)
bei Staub-Tobler 1, 225,
weitere belege s. unter 3. I@H@22)
ebenso bei verben, die von einem comparativ gebildet sind oder eine comparative auffassung gestatten: würd' also die zal üm vir wider verringert wärden
M. I. Bellin
hochd. rechtschr. (1657) 2; die wachen verminderte er umb die helfte Lohenstein
Arminius 1, 44
a; seine schwäche für äuszerlichkeiten, die den Berliner jargon um einen ausdruck bereicherte Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 100; (
Marianne) fand sich äuszerlich und innerlich um nichts gebessert Göthe 21, 45
Weim.; um zwanzig jahre verjüngt
ebda IV 40, 4; auch soll das thor umb ein halben schuch ... erhöcht ... sein Sebiz
feldbau (1579) 28; wir ... (
müszten) unsere gantze nahrung umbs halb schwächen Grimmelshausen 3, 363
Keller; die farbe des homogenen lichtes (
ist) bei diesen versuchen um nichts verändert worden Göthe II 2, 154
Weim.; die alle künst um gar vil übertrifft Rompler
erstes geb. 49; der wie Saul das volck weit überragt um eines hauptes länge Geibel
w. 5, 7; dich, Derar, lasz ich um 'nes kopfes kürzen Tieck
schr. 2, 52; möge ... das reich der wahrheit, wenn auch nur um einen schritt, dadurch gefördert werden Ritter
erdk. 1, 10; einige kleinigkeiten ... verzögerten seinen aufbruch um einige tage Göthe 21, 96
Weim.; das fluchen ... der postillone, die sich um so viele zeit aufgehalten sahen 33, 7; (
den) tag ihrer hochzeit ... um einen monat zu verschieben Pfeffel
pros. vers. 5, 175; hätte man das überschreiten der sächsischen grenze um vierzehn tage verschoben Moltke
denkw. 1, 29; man verrechnet sich im kleinen immer um tage wie im groszen um wochen und monate Göthe IV 11, 184
Weim.; ich was nit gwichen umb ein tritt
N. Manuel 16
Bächtold; sie ... entfernte sich ... um einige schritte Göthe 22, 131
Weim.; dieser ... führte mich um eine strecke in den weinpflanzungen fort Stifter
s. w. 3, 198; so uber alle massen stattliche gedächtnuss, dasz sie auch nicht umb ein wort fehlen Moscherosch
ges. 1 (1650), 82; rückt um einen teller herunter Göthe 45, 90
Weim. I@H@33)
seit mhd. zeit ist die verbindung um ein haar,
jünger um haares breite,
formelhaft, in verschiedener verwendung, nicht nur beim comparativ: daz ich sîn wol erbîte und nimmer gerîte deste drâter umb ein hâr Hartmann
Iwein 4608; der bild oder zaichen zaigt kaines an, dasz einer ... umb ein har witziger sei worden dann vor Eberlin v. Günzburg 1, 156
ndr.; ös machts es ja nöt bessar um a hr A. Hartmann
volksschausp. 27;
für die noch fehlende grösze: Romulus selbst wäre um ein haar kein mensch geworden W. Schlegel im
Athenäum 2, 318; ümen hr häde ik den halse bruoken Bauer-Collitz 45
a; Fischer
schwäb. 6, 81; Damköhler
Nordharzer wb. 198.
am häufigsten als verstärkung neben einer negation, schon mhd., hier neben vielen ähnlichen verbindungen (
s. o. G 5): dane hât sich der bote niht versûmet umb ein hâr Hartmann
Iwein 6063; sie wanten sich nit darumb, io nit umb ein hor Keisersberg
bilgersch. (1512) C 2
d; auf seiner meinung bleiben hart und umb kein har nit weichen dir Scheit
Grob. 3736
ndr.; mein wundsch ist gentzlich worden war, es fehlt nicht umb ein einigs har B. Krüger
bäuerl. richter 1995
Bolte; ähnliche verbindungen: es ist um ein kleines noch, bis dasz euch das süsze joch ... beiderseits ohn end erquickt P. Fleming
ged. 1, 93
lit. ver.; jünger: um etwas,
heute bereits seltener: dasz man ... umb etwas barmhertziger, als das urtheil ausweist, mit den armen sündern fortfahre Guarinonius
grewel (1610) 984; Winckelmann scheint seiner eigentlichen bestimmung erst in den acht jahren ... um etwas näher getreten zu sein Göthe 46, 90
Weim.;
oder bei einem verbum wie oben 2: dardurch unsere vorwitzige begierden an statt völliger befriedigung umb etwas aufgehalten ... worden Grimmelshausen 3, 329
Keller. auszerhalb des comparativs: welcher der hertigkeit halb des diamands natur umb etwas gleich ist Thurneysser
magna alchymia (1583) 4; darum wöllen wir hie den Rhein umb etwas ruowen lassen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 419
b; dasz ich guten freunden, die mir täglich sträng darum anligen, um etwas zu wilfahren, einen entwurf darvon an das liecht brächt Rompler
erstes geb. vorr. 3
b. I@H@44)
schon früh formelhaft wurde um so mehr, um so weniger
u. ä., um wie viel mehr, weniger
u. ä., denen auf der einen seite auch je, desto mehr, weniger
gegenüberstehen kann (
frühnhd. auch in einander verschachtelt um [so viel] desto mehr,
vgl. Behaghel
synt. 2, 19). I@H@4@aa)
zur bezeichnung des reciproken verhältnisses zweier gröszen oder gröszenveränderungen: wann das weinfasz nur halber vol ist, wird der wein derhalben, dasz das holtz umb so viel als weit das fasz lehr und wohn ist, die sulphura an sich zeucht ..., zu nicht gemacht Thurneysser
magna alchymia (1583) 3; umb wie vil lenger ein sunder beharrt ... in sünden ..., umb so viel heftiger wirdt er von seinem bösen gewissen genagt Äg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 4; des teufels macht ist auch umb so viel desto kräftiger und mächtiger, umb wie vil schwächer der mensch ist
ders. Lucifer 14
Liliencron; das letzte that ich um desto williger, je gewisser ich wuszte Gottsched
vernünft. tadlerinnen 1, 2; nur jedes gefühl ist in solchem zustande, je weniger in fäden zertheilt, ein um so mächtiger anziehendes band Herder 5, 9
S.; aus diesem drang ..., der um so mächtiger in allen volkskreisen erwacht, je höher die gesittung steigt W. H. Riehl
deutsche arb. 17. I@H@4@bb)
häufig dienen diese formeln auch einer causalen verknüpfung. an die stelle einer um einen betrag vermehrten oder verminderten grösze tritt hier die gesteigerte veranlassung. zunächst fälle, in denen ein nachfolgender (
causal-)
satz den hinzukommenden grund für ein verhalten, ein vorgehen, einen vorgang u. s. w. angibt: Solimus (
war) umb so viel desto geneigter, weil im ... newe feind ... wachsen wollten Stumpf
Schweizerchron. (1606) 29
b; ich sterbe um so viel desto frölicher, weil ich hoffe ... Grimmelshausen 1, 86
Keller; es wird dieses um so wahrscheinlicher, da einige pflanzen keinen samenstaub absondern Göthe II 6, 58
Weim.; (
das giftkraut der falschen scham, das) um so mehr zu wuchern beginnt, als es von der dummheit der alten menschen eher gehätschelt und gepflegt als ausgereutet wird G. Keller
ges. w. 1, 131;
der besondere anlasz ist irgendwie sonst durch die umgebung gegeben: darumb dann solche leutte gott umb so viel desto mehr von inniglichem hertzen dancken solten Moscherosch
insomnis cura 135
ndr.; ich hab den tod verdient, frage also umb so viel desto weniger um mein verwircktes leben v. Lilienberg
unordnung 1, 55; weswegen denn ewer klugheiten sich um so viel eher zufrieden geben können Riemer
pol. maulaffe (1679)
widmung; so wird mir eine freude vorbereitet, dasz ich um so lieber nach hause gehe Göthe IV 8, 128
Weim.; ich konnte über die wirkung der litterarischen positiven und polemischen schriften manche gute bemerkung machen, und das versprochene gegenmanifest (
gegen Reinhardt) wird nicht um desto schlimmer werden IV 12, 2. I@H@4@cc)
bisweilen soll nur auf die aussage ein besonderer nachdruck gelegt werden: als er mein wolverhalten aus dem munde meiner officirer vernahm, war es ihm um so viel desto angenehmer, das ich von gutem unverfälschtem adel war Ziegler
asiat. Banise (1689) 74; um so schlimmer für die kritik, wenn ... was sie vergnügt, ihr nicht gefällt, und was ihr gefällt, sie nicht vergnügt Herder 22, 36
S.; nun verlangt mich um so mehr nach Rom, um ... die begebenheiten zu erfahren Göthe IV 8, 221
Weim.; einzelne liebliche verse ..., die uns auf das ganze um so lüsterner machen Tieck
schr. 4, 77; was sind wir doch um so vieles besser daran als jene Holtei
erz. schr. 1, 40.
das gilt besonders, wenn ein antithetisches verhältnis hineinspielt: man kannte unsern man daselbst nicht unter dem namen des buchhändlers Hieronymus, hingegen der namen des korn- oder viehhändlers Hieronymus war ... um desto bekannter Nicolai
Seb. Nothanker 1 (1799) 30; drinnen ... das toben, jauchzen ..., um so einsamer war es hier fürst Pückler
briefw. 1, 161; der kleine Cornelius trat innerlich mit einem beben, aber um so frecher und unverschämter ins zimmer A. v. Arnim
w. 1, 71. I@JJ.
die verbindung um — willen,
vornehmlich zum ausdruck einer causalen beziehung dienend, hat zeitweilig das übergewicht über einfaches um,
theilt dann aber mit ihm das gleiche schicksal und verliert bis in die gegenwart mehr und mehr an boden, heute mit einiger häufigkeit noch in festen formeln. zur entstehung vgl. th. 14, 2, 166,
ebda weitere belege: I@J@11) zum irsten 3 m eime boten mit eime pferde ken Wasschow ... umbe nuwer zitungen willen zu senden
Marienb. treszlerb. 234
Joachim; das si umb niemants willen die abgötter anbetten solten
erste deutsche bib. 4, 443
lit. ver.; darumb hat er uns um unsers nutzes willen und nit von seines nutzes wegen lieb Keisersberg
pred. 114
a.
mit anderer wortstellung, s. th. 14, 2, 167: umb willen eines schnöden gewins Luther 10, 3, 19
Weim.; allein bitte ich, ob mich iemant umb ausgebner und beschriebenen warheit willen vervolgen wölt Hutten
opera 1, 323; der todt, der uns ümb mancherlai ungewisser zuofälle willen täglich entgegen stähet Schwarzenberg
Cicero (1535) 58; so sie für die lange weil und umb lusts willen es nach und nach lesen Xylander
Polybius (1574)
vorr. 4
a; wie der Westphäler saget: umb einer krähe willen wird nicht winter Prätorius
winterfl. (1678) 133; das leben ist um des todes willen Novalis im
Athenäum 1, 73; der kaiser ... geruhet, euch ... um eurer treue und verdienste willen zum ritter ... zu schlagen Klinger
w. 3, 79; ich musz enden und eilen um der witterung und anderer umstände willen Göthe IV 8, 20
Weim.; der schauspieler musz stets bedenken, dasz er um des publicums willen da ist I 40, 154; schaffen und raffen blos um eigennützigen gewinnes willen W. H. Riehl
deutsche arb. 8;
vereinzelt statt des causalen um
neben verben (
vgl. oben unter D 2): da nun der abt würfel auflegt, wie kan er die armen mönch umbs spielens willen straffen? Kirchhof
wendunmuth 1, 37
lit. ver.; mit dem schreien, heulen und weinen umb ires herrn willen ritten sie den negsten weg gen Paris zuo
Aymont (1535) C 2
b; so einer umb des regiments und gantzen volcks willen und nicht wegen seiner person forchtsam ist Lehman
flor. pol. 1, 254.
heute bereits ungebräuchlichere formeln: um dieser ursachen willen
per questa cagione Kramer 2 (1702) 1196
c; um dergleichen ursache willen König
ged. (1745) 138; um tausend und aber tausend ursachen willen Göthe IV 23, 375
Weim.; will ich doch umb kürtze willen allein von zweierlei musica sagen
M. Agricola
mus. choral. (1533) A 3
b; um geliebter kürtze willen Grimmelshausen
Simplic. 8
ndr.; Harsdörfer
gesprächsp. 1, B 6
b; um uns, der kürze willen einer ... formel zu bedienen Göthe IV 16, 289
W.; der religiösen sprache, die auch hier conservativer blieb, entstammen: er aber ist zu dieser stund umb unser missethat verwund und umb unser sünd willen geschlagen H. Sachs 6, 249
lit. ver.; die ... vmb seiner liebe willen ir bluot vergossen haben C. Hedio
chron. (1530) 3
b; dieb müssen umb der gerechtigkeit willen leiden Lehman
flor. pol. (1662) 1, 137; das gute um des guten willen thun Schiller 9, 171
G.; ebendorther kommen auch die formeln: um gottes, um Christi, um des himmels willen
u. ä.; noch im eigentlichen sinne als ausdruck selbstlosen opfersinnes: gedenket, dasz ihr euch der armen um gottes willen sollt erbarmen Rompler
erstes geb. 20; ich si (
vier heller) gab umb gots willen (
per l'amor di Dio) Arigo
decamerone 25
Keller; ironisch: mancher stilt ein ochsen und gibt die füsz umb gotteswillen Lehman
flor. pol. 1, 137;
etwas anders: das din hertz bereit si sölche schaden und noch vil gröszeres zu liden umb gots willen, umb des heils willen dins nechsten Keisersberg
bilgersch. (1512) B 6
d.
häufiger, um einer bitte, aufforderung besonderen nachdruck zu verleihen: bitt euch umb gottes willen, laszt uns eilen
Amadis 22
lit. ver.; um gottes willen sagt mir nun, wohin ir reisen wöllet
buch der liebe (1587) 5
d; um gottes willen ... mäszige dich itzt Gerstenberg
Ugolino 255
Hamel. als ausruf des erstaunens, entsetzens: 'todt!' rief sie, 'was, todt? um gottes willen' A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 285; 'um gott, was ist geschehen?' rief der alte Fouqué
alts. bilders. 2, 328.
fast nur in dieser verwendung: um des himmels willen: um des himmels willen ..., was wollen sie? Pfeffel
pros. vers. 5, 197; geschwind! um aller heiligen! sie wankt, sie fällt H. v. Kleist
w. 2, 261
E. Schm. diese formeln bilden zusammen mit den pronominalen verschmelzungen um meinet-, deinet-, seinet-, unsert-, euert-, ihret-, dessent-, deswillen (
belege th. 14, 2, 167)
das hauptcontingent der heutigen verwendungen. I@J@22)
die concurrierenden formen einer sache halb(en), halber, wegen
führten zu mischbildungen, von Adelung
miszbilligt: '
noch ein um
vorzusetzen, um des wohlstandes halben
oder halber
ist fehlerhaft'
lehrgeb. 2, 120: um der sünd wegen Luther 10, 3, 125
Weim.; das sie umb seind wegen nicht viel verlieren
ebda 34, 2, 180; um merer lütrung wegen des textes Steinhöwel
Äsop 4
lit. ver.; idcirco um desselbigen wegen;
quapropter, quocirca umb welches wegen Aventinus 1, 455
Lexer; dass sie von ihrem schöpfer abfielen und seinen willen um einer einzigen einschränkung wegen übertraten Bodmer
samml. crit. schriften 1, 31; wie ich selbst nicht um geldgewinnes wegen dies unternehmen begonnen habe
M. Haupt
an R. Raumer anz. f. d. altert. 15, 246; nit allein ausz not, sunder auch umbs gewissen halb S. Franck
chron. (1543) 1, 274
a; nach mancherlei geschlecht ... der schwalben verbergen sie sich, wie man meint, üms winters halben J. Prätorius
winterfl. (1678) 100;
weitere belege s. o. D 1 c. I@J@33)
andererseits führten diese formen dazu, dasz ein glied in um — willen
unterdrückt wurde, selten fiel um: als politischer ursachen willen (
in späteren aufl. wegen pol. urs.) die remonstranten so sehr verfolgt wurden Nicolai
Seb. Nothanker (1773
f.) 3, 35; wenn ich der beliebten kürze willen ... zusammengedrängt habe Göthe IV 15, 339
W. häufig und schon seit dem 16.
jahrh. fehlt willen,
so dasz der eindruck einer genitivrection nach um
entsteht, für das mnd. vgl. Schiller-Lübben 5, 2: aber derhalben, das er umb seiner kranckheit nicht lange aus der stuben bleiben kan Hutten
opera 2, 180; den der abte umb seiner übel gerüstung in dem ersten ansechen nicht erkant Arigo
decamerone 46
lit. ver.; was ist eerlicher und nötiger dann die sach, umb der wir geschworen haben Eberlin v. Günzburg 1, 144
ndr.; den sünden ist er gleichwol feind, umb deren wir zu zeiten geplagt werden Gretter
ep. Pauli an die Römer (1566) 541; ein solcher mann könnte auch mir um der seltenheit gefallen Klinger
w. 3, 82,
bei ihm öfter: er liebt sie um ihres und seines glücks 1, 420, um eines fehlers 1, 346,
vgl. 3, 50; 78; 82; 4, 118; 121; mein prinz von Homburg, als ich euch gefangen setzte, um eures angriffs, allzufrüh vollbracht H. v. Kleist 3, 97
E. Schm.; 'um dieser ungefälligkeit aber', sagte Kohlhaas, 'bist du von der Tronkenburg nicht weggejagt worden.' — 'behüte gott', rief der knecht, 'um eine gottvergessene missetat!' 3, 151,
auch bei ihm häufig, s. 1, 48; 2, 358; 374; 3, 88; 113; o wollte gott, dasz wir um beszrer ursach uns hier beisammen fänden Tieck
schr. 1, 72. I@J@44)
aus der auslassung von zwischengliedern erklärt sich auch die gelegentliche verwendung von um — willen
als causale conjunction; den ausgang zeigen: aber umb der ursach willen, das es dester ee werd vermitten
Terenz deutsch (1499) A 2
a; warumb werde ich geschmächt umb deswillen umb das ich danckbar bin Zwingli
v. f. freiheit der speisen 27
ndr.; der fusz beneidet das aug nit umb des willen, das es im haubt stat Keisersberg
pred. 110
a; gesänge, die eben um deswillen, weil sie das epische mit dem lyrischen verbinden, so grosse wirkung thun Kretschmann
s. w. 1, 15; so ... have ich dese tzwae leste pilgrimmacien ... niet ... in eime tzoich vollenbraicht umb will etzliger edel lude ambasiaten ... geschickt waeren, die mich ... wendich maichten A. v. Harff
pilgerf. 3
Groote; detestation ... ob sothanem laster, um willen es gar zu gemein werden will
corp. const. brandenb.-culmbac. 1, 226; dasz G. von seinem weibe, um willen selbige des landes verwiesen worden, geschieden seie
ebda 326;
sogar mit lautlicher contamination, vgl. unten I L 1: mir ist unmöglich mehr bei dir zu bleiben, um weilen du also unmenschlich mit mir verfahrest A. a
s. Clara
s. w. 19, 17; ein bronn, welcher ... den namen hat der Jesusbronn, um weilen die mutter gottes ... soll haben das gebenedeite kint darinnen gebadet
ebda 107,
bei ihm daneben um — willen,
s. th. 14, 2, 169.
ebenso vereinzelt folgt ein infinitiv: ich möcht nicht allweg hie bleiben, umb willen es anderswo zu besehen Kirchhof
wendunmuth 1, 386
lit. ver. I@KK.
vorwiegend in finalem sinne wird die infinitivconstruction mit um — zu
gebraucht. sie ist seit beginn des 13.
jahrhs. in der urkundensprache nachweisbar, litterarisch jedoch auch im 16.
jahrh. noch selten und lexikographisch erst bei Stieler
verzeichnet. I@K@11)
die ansichten über die entstehung der construction sind geteilt. der infinitiv läszt sich substantivisch und mit dem in älterer sprache stets voraufgehenden object als einheitlicher, geschlossener ausdruck auffassen, vor den in seiner gesamtheit um
als präposition getreten ist. wie um — willen
älteres durch — willen
ablöszt (
s. th. 14, 2, 166
u. oben J),
so hätte um — zu
seinen vorläufer in durch — zu: do bestatet man ir beider lîp durch ir heil ze mêren
klage 1169.
unabweislich ist diese auffassung in vereinzelten fällen, wo allerdings zu
fehlt: umb werwort finden bedarf sie (
das weib) keines ratmannes
ackermann aus Böhmen 69
Burd.-Bernt. nicht weniger wahrscheinlich jedoch ist, dasz der auf um
folgende substantivische ausdruck ursprünglich dem voraufgehenden satztheil angehörte, später jedoch sich dem nachfolgenden infinitiv anschlosz. näheres bei C. E. Göransson
die doppelpräpositionalen infinitive im deutschen (1911),
wo s. 29
herkunft aus dem lateinischen gerundivum erwogen wird. der inf. noch in loser verbindung mit dem voraufgehenden: bat koning Conrad den bischop und de canoniken umme hilligdom to gevende
städtechron. 7, 115; bat in um pfärd ze mieten Steinhöwel
Äsop 41
lit. ver.; ein guot gebet zuo unser lieben frowen umb ein guot sälig ende zuo erwerben
der ewigen wiszheit betbüchlein (1518) C 3
b; der nit gerne arbeit umb sein brot zu erwerben Luther 6, 7
Weim., hier wie in den nachfolgenden belegen läszt sich der infinitiv als ergänzung und zusätzliche erklärung zum voraufgehenden fassen: is ist auch geret mit namen, was in dem rade zu setzen ist, ez si umb burgermeister, rechemeister und reidelude zu kiesende oder was es anders zu setzen ist
städtechron. 17, 15; alle dorfer und landlüte furent in die stat umbe ire notdurft zuo koufende und zuo verkoufende 8, 86; (obe) missehelunge queme zwuschen uns und ime ... umb einen andern schriber oder besieher zu setzen, so sal (
er) macht haben 17, 367; 1 m einen boten uszurichten in lant zu Polan umbe zitunge zu dirfaren
Marienburger treszlerbuch 589
Joachim; ain cardinal ... mit im redte umb ain tädinge ufzunehmen
städtechron. 5, 359; als ir meiner liebn fraw mutter geschribn habet umb ein furpett von ewern wegn an mich zu thun, sulchs hat mein liebe fraw muttr an mich getrewlichen geworben
chroniken der stadt Eger 288
Gradl. die bisherigen belege zeigen, dasz um — zu
ursprünglich nicht nothwendig ein finales verhältnis zum ausdruck bringt wie heute, doch überwiegt diese verwendung anscheinend von vornherein: do wurden si eintrechtichlich und einmytichlich, umb den vorgenanten unvrid ze bessern und vride ze machen (1281)
mon. Boic. 29, 538; diese sätze ... sind von ir ratgeben betrachtet ze bezzern allen den schaden, der ... geschehen ist ... und umb vrid und genade ze behalden allen liuten (1281)
ebda 5, 38; vort so han wir ... uns virbunden und zesomene geloeft umbe alle vruntschaf ze irmeirrene und zu steedighen (1328) L. H. Höfer
ält. urk. 221; do bischop Hildewart quam, de keiser entpfeng on leiflik unde opende om sin herte unde sine begeringe umme dat bischopdome to Magdeborch to stichtende
Magd. schöppenchron. 58
in städtechron. 7; und umb merern grossern kosten und schaden zu verhuden, so kaufte der rat ... ire ... lipgedingsgulte abe
städtechron. 17, 219 (
hdschr. des 15.
jh.); gelove is uthe umme truwe to halen Husemann
spruchsamml. (1575)
nr. 81.
die neue zuordnung der satztheile verräth sich am sichtbarsten in der stellung des substantivischen ausdruckes hinter den infinitiv, anfänglich nur selten zu belegen, am frühesten im nd.: dat is gescheen, umme tho beholdende de vriheid dusser stat, dar se oldings mede bewedemet is (
nach 1400)
städtechron. 26, 404; item umme tho rechtfertigen umme dat bose gelt ... so will de rat
ebda 411; des haben wir einen unsern wergkman ... geschicket, umb zu besehen, wie es umb das steinwergk gelegen si (
aus Mainz um 1440)
städtechron. 17, 280;
noch weiter zurück reichen mittelndl. belege, s. Verwijs-Verdam 5, 98. I@K@22)
im 17.
jahrh. mehren sich die belege, der finale sinn tritt ganz in den vordergrund, wenn er auch mit verschiedener schärfe zum ausdruck kommt: Reinoldt ... versamblet ... all sein volck, umb das (
castell) zu entsetzen P. v.
d. Aelst
Heymonskinder 59
Pfaff, vgl. ebenda 51; 60; 63; damit ich ihn (
Judas) auch besser erkennen könte, nahete ich ihm, umb zu sehen, ob er, wie man sagt, einen rothen bart hätte Moscherosch
ges. (1650) 1, 390; (
die menschen) sind blutarm auf der see umb reich zu sein zu lande Opitz
ausgew. dicht. 139
Tittmann; ich setzte mich ... nahe zum ofen, umb mich rechtschaffen auszubächen Grimmelshausen 3, 17
Keller, vgl. 3, 331; Walpurgis ..., welche sich, umb dem geilen Varus zu entkommen, ... ertränkt hatte Lohenstein
Arminius 1, 2;
ebenso 99; Kramer 2 (1702) 1197
c; ach, wie süsz war jede stunde, die wir rauben konnten, um als mann und weib hier zu wohnen S. Geszner
w. 2, 5; wie gern der schlaffste mensch andächtig schwärmt, um nur ... um nur gut handlen nicht zu dürfen? Lessing 3, 18
L.-M.; man wird untersuchen, wie er (
der stier) hörner haben könne um zu stoszen Göthe II 8, 17
Weim.; dazu sei er da, um die bürde des reiches löblich zu tragen Ranke
s. w. 1, 39.
gewissermaszen ironisch: um das masz dieses tages voll zu machen, verfiel ich auf den abenteuerlichen gedanken, den langen rückzug ... durch einen geradlinigen Abstieg ... zu vermeiden H. v. Barth
nördl. Kalkalpen 3, 18.
die nachfolgenden verwendungen sind nicht ungewöhnlich, widersprechen jedoch wegen der unklaren beziehung strengerem sprachgefühl: da schenkt er uns ... irgend ein ländchen, ... um federvieh und kaninchen zu unterhalten Gerstenberg
Ugolino 232
Hamel; mein drittes heft ... geht nun rasch vor sich, um es euch vor ostern in die hände zu bringen Göthe IV 29, 19
Weim.; da schildert er die ratlosigkeit des armen jungen, der niemand hatte, um die triebe seiner reichen begabung zu pflegen und zu leiten R. Huch
Gottfr. Keller. 14. I@K@33)
das rein finale verhältnis wandelt sich zum conditionalen hin, wenn ein ausdruck des müssens, nothwendigseins voraufgeht: man musz Schakespearn folgen können, um ihn zu beurtheilen Gerstenberg
litteraturbr. 163
lit. denkm.; um Dänemarks innere geschichte zu begreifen, musz man das eigenthümliche dasein eines solchen mannes verstehen H. Steffens
was ich erlebte 1, 21; der forscher (
müszte) ein stumpfsinniger sein ..., um bei der entscheidung jener frage eben nur historisch interessiert zu sein D.
F. Strauss
leben Jesu ges. schr. 3, 32; und nun fanden die philosophen selbst sich genöthigt, um popular zu sein, auch deutlich und faszlich zu schreiben Göthe 27, 101
Weim.; mich dünkt, dasz sie nur wenig schritte zu thun hätten, um zur bürgerlichen verfassung zu gelangen Wieland
s. w. (1818) 42, 135; dieses fand ich nötig, um nicht gegen tatsachen anzustoszen Schiller 4, 230
G.; so gewisz ist der allein glücklich und grosz, der weder zu herrschen noch zu gehorchen braucht, um etwas zu sein Göthe 13, 224
Weim.; um die brittische konstituzion so fehlerfrei zu machen als irgend ein menschenwerk sein kann, bedürfte sie nur weniger modifikazionen Wieland
s. w. 42, 195; gegenden, wo sie (
die natur) nur wenig hülfe fodert, um ihnen die unschuldigen bedürfnisse und bequemlichkeiten reichlich darzubieten S. Geszner
schr. (1777) 1, 5. I@K@44)
erstarrt ist die finale verwendung in gewissen parenthetischen formeln, die einem elliptischen gebrauche ähneln: umb vil zuogelegte wort ze miden Steinhöwel
Äsop 5
lit. ver.; umb unser histori zu continuiren von Reinoldt, so geschahe es auf eine zeit, dasz ... P. v.
d. Aelst
Heymonskinder (1604) 60; um nur einiger gröszeren sammlungen Winckelmannischer briefe zu gedenken Göthe 46, 13
Weim.; mit ... einem gewissen frei-heitern, um nicht zu sagen geistreichen gespräche 25, 2; kurz, um der worte mehr nicht zu verschwenden 2, 6; um nun auf das vorige einzulenken Tieck
schr. 4, 108; um mich eines gleichnisses aus einer seiner abgeschmackten fabeln zu bedienen Immermann 1, 8
Boxb.; um auch das nicht zu vergessen Fontane
ges. w. 5, 137. I@K@55)
übergang in die consecutive bedeutung zeigt sich nach ausdrücken des zu viel oder zu wenig. die im infinitiv liegende folge unterbleibt: also war diesem gesellen der tag zu kurtz umb zu trinken und die nacht nicht lang genug umb auszzunüchtern Harsdörfer
lust- und lehrreiche gesch. 1, 106; die sache ist zu ernsthaft, um ein wortspiel daraus zu machen Gerstenberg
Ugolino 227
Hamel; sie ... waren glücklich — zu glücklich, um es lange zu bleiben
ders. recensionen 127
Fischer; sein dasein war ihm zu sehr zum seltsamen traum verwirrt, um auch nur aus der ferne die übrigen in sein gemüth schauen zu lassen Tieck
schr. 4, 412.
entsprechend gibt ein negierter infinitiv den eintritt der folge an: eine solche verfassung däuchte ihn ... aus zu vielerlei gewichten und rädern zusammengesetzt, um nicht alle augenblicke in unordnung zu gerathen Wieland 3 (1796) 14; ein system, welches ihren empfindungen zu sehr schmeichelte, um nicht für wahr gehalten zu werden 350; (
man war) der königsherrschaft zu sehr gewohnt, um nicht mit der legitimitätsfrage sich rasch abzufinden Mommsen
röm. gesch. 2, 40.
sehr häufig nach ausdrücken des fehlens, nicht-genügens: es fehlt dir nur der anblick einer groszer thätigkeit, um dich auf immer zu dem unsern zu machen Göthe 21, 52
Weim.; eine art von geheul ..., dem nur wenig fehlte, um für fröhliches ..., wenn gleich heiseres gebell zu gelten Holtei
erz. schr. 1, 6; sie ... waren nicht so hohen und feurigen sinns, um gleich eine kriegserklärung ... hinzuschütten Klinger
w. 3, 71; da die absolution ... nicht so vollständig war, um die deutschen fürsten vor weiteren schritten zurückzuhalten Ranke
s. w. 1, 21; warum fühlten sie (
die regenten) sich nicht grosz genug, um die befreier ihres volks zu werden J. G. Forster
kl. schr. 119
Leitzmann; diese (
eindrücke) ... waren nicht stark genug, um angeborne preuszisch-monarchische gefühle auszutilgen Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 19.
bei positiver verwendung kommt zum ausdruck, dasz etwas zum eintritt der folge hinreicht: auch der bösewicht ist noch ... ein wesen, das ... vollkommenheit genug behält, um sein verderben, seine zernichtung lieber nicht zu wollen Lessing 10, 108
L.-M.; man nahm ... die sache ernst genug, um die absendung eines consuls ... zu beschlieszen Mommsen
röm. gesch. 2, 5.
auch wenn keine der genannten ausdrucksweisen vorliegt, kann ein consecutiver sinn anklingen: ein anblick, um das herz zu zerreiszen R. Huch
Ludolf Ursleu (1903) 178; die ihr vordem ein volk, ein groszes, hieszet, was habt ihr denn, um noch zu heiszen eines? Fr. Rückert
w. 1, 5. I@K@66)
da das im infinitiv zum ausdruck kommende ereignis zeitlich an das hauptverb anschlieszt, ist um — zu
mit zunehmender häufigkeit ausdruck für ein zeitliches nacheinander geworden. zunächst belege, die den übergang zeigen: vergissest dein und deiner lust, um uns, mit groszmuthsvoller brust, des vaterlandes dienst zu lehren Gottsched
ged. (1751) 1, 55; ein piket jäger, das ... hinab in die niedergebrannten vorstädte zog, um von da aus die wälle zu beunruhigen Göthe 33, 33
Weim.; verläszt er sie abends, um weiter zu gehn
ebda 1, 227.
schon hier könnte der infinitiv dem voraufgehenden verb coordiniert werden, mehr noch in den nachfolgenden verwendungen: ich komme von dieser ausschweifung zurück, um ... vielleicht in einer andern fortzufahren Th. Abbt
verm. w. 2, 31; (
der anblick) hemmte ... den laut ihrer ... fröhlichkeit, um alle ihre aufmerksamkeit auf diese erscheinung zu wenden Wieland
Agathon 1, 8; mit absicht reiste er ... lange in Italien, um dann urplötzlich in Boulogne zu erscheinen Treitschke
deutsche gesch. 1, 218; aus der unergründlichen tiefe der zeiten an das tageslicht gestiegen, sonnen sich diese menschen darin ..., um wohl oder wehe wieder in der dunkelheit zu verschwinden, wenn ihre zeit gekommen ist G. Keller
ges. w. 1, 12;
vom räumlichen nebeneinander: nahezu geradlinig streicht der gebirgsscheitel ... über die schuttlehnen weg, um dann wieder nordwärts gewendet in schartiger mauer die nordseite des hocheisthales zu bilden H. v. Barth
Kalkalpen 95.
nicht selten auch in antithetischem sinne: warum machte er mich grosz, um mich dann desto tiefer hinabzuwerfen? Tieck
schr. 4, 178. Göthe
kennt alle spielarten, nicht selten wird jedoch diese weitgehende verwendung heute als sprachwidrig bezeichnet: warum sind wir so klug, wenn wir jung sind, so klug, um immer thörichter zu werden 22, 88
Weim.; er war beleidigt, wüthend um nicht wieder zu vergeben 20, 146; ... schande, die von der zeit auf die richter und nationen zurückgeworfen wird, um ewig an ihnen zu haften 45, 14. I@LL.
die conjunction um dasz
entwickelt sich bereits mhd., sie löst älteres durch dasz
ab und bezeichnet vorwiegend causale abhängigkeit. im 16.
und 17.
jahrh. ist sie allgemein üblich. für sie gab es verschiedene ausgangspunkte: ufsitzen meit er umbe daz, er forht daz er zertræte des sateles gewæte Wolfram
Parz. 530, 28,
daneben stand: wann wir besunderlichen gern das dochterlin bi uns hetten umb das, das es uns zuogehort (1447) Steinhausen
privatbr. 1, 49; nit anders denn umb das, das es das pest und das edlist ist
theologia deutsch 15
Mandel; umb Christus unsers fürsprechers und mittlers willen und umb das in uns die gaben angefangen sind Luther
vorr. z. Römerbr. 7, 436
Bindseil;
vgl. auch die vorformen von um willen
als conj. oben J 4. I@L@11)
der schriftsprachliche gebrauch ist um 1500
allgemein, doch fehlt es nicht an früheren belegen: die en hant weder fröde noch pine noch lip noch leit, umbe daz si got nit ensehent
mystiker 1, 267
Pfeiffer; die wil ich nemen zuo einem wibe umb das min lant nit erbelos belibe H. v. Bühel
Diokletian 392
Keller; ich wil dir gen den lon, umb das du mir einst ze Loupen gar vil ze leid hast thon
Wackernagel 2leseb. 924; umme daz man des nicht vor war inweiz Dietrich v. Gotha 62
b nach Türk 133; der sich darnach, sein weib und kind ertötte vor laid, umb das er aus künigklicher freihait solt kumen in die dienstperkait oder aigenschaft der Römer U. Füetrer
bayer. chron. 6
Spiller; der sin muoter tödet umb das si güdet in ir richtuom
F. Riederer
spiegel d. rhetoric (1493) c 4
a; das alle pein ... nicht so grosz sein als die pein in dem fegfeuer, die du leiden muost, umb das du schleck suochest, und es dir nit not ist Keisersberg
sünden des mundes 7
b,
bei ihm öfter, vgl. ebda 20
b;
postille 4, 39
a;
bilgersch. 67
b; Esopum, umb das er so ungestalt was, stellet er zwischen si in einer groben juppen Steinhöwel
Äsop 44
lit. ver., s. de claris mulier. 54; 57; 95; 275; ich weis, ich werd noch landts verjagt umb das ich solchs nit schweigen kan U. v. Hutten
opera 3, 532
Böcking; hat ... grosze klag gefürt über die göttin Calypso umb daz si den ... Ulissem ... aufgehalten Schaidenreisser
Odyssea 19
b; du hassest den ritter, umb das er von unserm gnädigen herren liebgehalten ist Wickram 1, 29
lit. ver.; deszgleichen propheceiet das kindt durch das wainen die unwissenheit, umb dasz es nicht waisz, wie ... ihm so vil böses solle erfolgen Albertinus
zeitkürtzer (1603) 7; er starb aber in der belägerung der statt Scodra von leid, umb dasz er dieselbig nicht gewünnen mochte Stumpf
Schweizerchron. (1606) 17
a; dasz wir euch nur foppen ..., umb dasz ihr eine windelswäscherin so hoch zu verehren euch bereden lasset Grimmelshausen 2, 359
Keller; auch war diser schäfer froh üm dasz er von ihr vernommen, dasz der oft gewünschte tag morgen würde widerkommen J. Schwiger
feldrosen (1655) F 7
a.
auch das mnd. kennt um das
in causalem und finalem sinne, s. Schiller-Lübben 6, 2;
städtechron. 31, 2
glossar. die maa. verwenden es noch heute, s. Stürenburg
ostfries. 296; Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 462
a; Anton
Oberlaus. 9.
in älterer sprache gelegentlich verkürzt zu bloszem um: wie mir W. sagt, so ist er im haus ... gar still und ruhewig ..., umb er sich vor mich scheüe B. Paumgartner
briefw. 203
lit. ver., ebenso 157; 187; umb er (
Machabeus) nit folget Jorams rot, ward er schantlich erschlagen dot P. Gengenbach 5
lit. ver. durch vermischung entstand um weil,
vgl.um willen,
s. o. J 4: ich fiel, umb weil ich mich an Englands haupt verbroche, ich fiel, umb weil ich nicht die königin gerochen Aug. Ad. v. Haugwitz
Maria Stuarda (1683) 58; welches dann die eltern gar leicht für eine augenscheinliche straf konnten nehmen, um weil sie den sohn von dem geistlichen stand abwendig gemacht A. a
s. Clara
s. w. 19, 165,
vgl. bei demselben um weilen J 4. I@L@22)
die finale bedeutung hat sich in vereinzelten ausläufern bis in die jüngste vergangenheit gehalten: noch zog er pei allen seinen veinten in der veint landt, umb das sie nie in sein landt kamen, noch nichtz schaden theten U. Füetrer
bayer. chron. 212
Spiller; das er ein weil gewandert hab, um das er etwas pring zu lant, das sust doheim ist unbekant H. Folz
fastnachtssp. 1222
Keller; umb das wir nit vil wort vergebens treiben
Fortunatus (1509) 92
ndr.; und tet das um das im der künig sein tochter geben solt
Tristrant 28
lit. ver.; ebenso 137; 186; ich hab got nit angefangen zu dienen, umb das er mir das himelreich soll geben Keisersberg
has im pfeffer (1510) B b 6
a,
vgl. sieben schwerter (1510) e e 6
c; straf der weiber, so ire kinder, umb das sie der abkommen, in geferlickheit von inen legen
Carolina 1, 69
Kohler; ich schick aber ch ... disz büchlin ... umb daz üwer fürstlich gnAvd das zuo kurtzwil lese Niclas v. Wyle
translat. 16
lit. ver.; ebenso 18; was meinen geist umschwingt, mich zu verlachen, verlasz ich nun, um dasz ich bleibe frei D. Schirmer
rosengep. (1650) 57; die blume ... send' ich dir entgegen, um dasz du spüren magst, wie lieb du mir brichst an P. Fleming 1, 529
lit. ver.; das cameel aber liesz er, umb dasz sie sehen solten, es wäre ein wahrhaftiges thier, ... für ihren augen herumbgehen Olearius
persianischer rosenth. (1696) 91.
in jüngerer zeit nur umgangssprachlich, häufig in briefen: um dasz ich doch nicht zum lügner werde, schike ich hiermit die ersten bogen an ewere excellence Haller
an Fr. v. Gemmingen 30
lit. ver.; es durfte nichts minder kräftiges sein, um dasz er wirklich ein linderungsmittel drin finden konnte Lessing 21, 256
L.-M.; gott hat ihn eigen dazu erschaffen ..., um dasz eine comedie über ihm gemacht werden soll
bei Fielitz
Schiller u. Lotte 1, 240; die wird sie doch nicht behalten wollen, um dasz sie sie pflegen kann Rahel 1, 198
Varnhagen v. Ense; vergeblich erbot der sieger gegen Aratos sich zu gütlicher ausgleichung, um dasz einung des gesamten Peloponnes daraus hervorginge Wachsmuth
hellen. alterthumsk. 1, 314; sie hielt Paula, um dasz sie ... nur nicht schwankte Gutzkow
zauberer. wiederum contaminiert: meine augen zehren von den deinigen, üm damit ihre unschuld mich los und ledig zahle Butschky
hochd. kanzelley (1659) 104. I@L@33)
mit als dasz, um zu (
s. o. K)
wird um das
gelegentlich vermengt: das gesicht ist übrigens zu ausgezeichnet, um dasz nicht öffentliche urtheile darüber gefällt werden sollten Schiller
br. 2, 247
Jonas; beide sind geistvoll genug, um dasz ihnen ihre eigene wohllust ein nothwendig zu lösendes problem ward
bei Rahel 2, 48
Varnhagen v. Ense; ebenso 1, 296; 336; immer noch ist genug übrig geblieben ..., um dasz er zwischen jenen menschen sich ausnehme, wie zwischen dohlen und raben die weisze taube Holtei
erz. schr. 11, 237. I@MM.
ungeklärt bleibt die entstehung des gebrauches von um
zur bezeichnung einer einbusze, eines verlustes, vornehmlich in den parallelen fügungen bringen um — kommen um.
eine vermuthung zu kommen um
th. 5, 1678,
anders Paul
3 wb. 566: '
es liegt wohl die anschauung zugrunde, dasz man um etwas herumkommt und es deshalb nicht erlangt oder es verliert'. I@M@11) kommen um
ist seit mhd. zeit belegt, s. th. 5, 1677,
häufig von gerichtlicher busze, s. th. 5, 1677; Fischer
schwäb. 4, 590; Staub-Tobler 1, 224; 3, 266;
österr. weisth. 2, 4; 3, 75 (umb das wandel kommen),
doch gleichzeitig auch sonst: solt ich aber umb mein er kummen, so wer mir aller trost benommen
Friedr. v. Schwaben 3391
Jellinek. seither in mannigfachster verwendung, neben concreten wie abstracten begriffen: ich bin umb gesicht und augen kummen
Zürcher bibel (1531) 2, 15
b; so eim doch nüt darusz mag gan, denn das einer umb das sin kumm H. R. Manuel
weinsp. 638
ndr.; orbitas weiszlose, verlurst eines lieben dings, als so ein frauw umb iren mann oder der vatter umb seine kinder kumpt Frisius
dict. (1556) 927
a; weil er umb sein geschencktes erbgut, das schöne paradeisz, durch anleitung der alten schlangen ... kommen war Mathesius
Sarepta (1571) 7
b; ich ihn (
den leichnam Christi) wil dannen holen, kom sonst umb hirn und sinn Spee
trutz-nachtigall 50
Balke; indem man ohnmächtig seine ohren ... allem preisgibt, was man höret, kömmt man eben dadurch selbst um alle gedanken Zimmermann
einsamk. 1, 34; du (
Christiane) kommst um den muff und das kind um die pelzmütze Göthe IV 10, 315
Weim.; durch ein verfehltes unternehmen um seinen credit kommen Ranke
s. w. 1, 120;
häufig: um die frucht (ums kind) komen Rädlein 1, 554
a,
s. o. th. 5, 1677;
abortire ... miszgebähren, um die geburt kommen Castelli
wb. (1741) 1, 5
a; die weiber aber ... stond im ... achten monat in grosser gefar und kummen oft umb die kinder Eppendorff
Plinius (1543) 11; man sagt, ... so ein schwangere frauw ein biber überschreite, das si umb die frucht komme Herold-Forer
Geszners thierb. (1563) 27
b; die ... hohen äste prechen, ... kommen derhalben also um ire frucht Sebiz
feldbau (1579) 360;
bis in die gegenwart allgemein üblich: um sein leben kommen Kramer
dict. 2 (1702) 1197
a; gewisslich wird er auch hierneben kläglich kommen sein umb sein leben W. Spangenberg
ausgew. dicht. 41; umb leib und leben kommen Grimmelshausen 3, 328
Keller; wie ... tausende von menschen ums leben kamen Steffens
was ich erlebte 1, 233;
vereinzelt: (
der) durchs papsts practick umb den kopf kam Stumpf
Schweizerchron. 342
a. I@M@22)
gegenüber steht ums leben bringen,
seit Luther
reich bezeugt, s. Dietz
wb. 347: er bracht allenthalben vil unschuldiger leut umbs leben wie ein tyrann S. Franck
chron. Germ. (1538) 26
b; umb das läben bringen, tödten Frisius
dict. (1556) 140
b; von (
ihm) wird behauptet, man habe ihn mit gift ums leben gebracht Ranke
s. w. 1, 135;
daneben auch: (
Delila den Samson) pracht umb leib und craft Hätzlerin
liederb. 270; sie sagen wol, sie lieben ire kinder, bringens aber umb den hals Ambach
vom zusauffen F 4
b,
s. th. 4, 2, 249; wu listigen halp he den predicanten verjagen tho Wesseleren und brachten umb den kragen
Soester Daniel 2378
Jostes; den vater ... um seinen kopf bringen Pfeffel
pros. vers. 1, 95.
auch in der sonstigen verwendungsmöglichkeit zeigt sich die parallelität zu kommen um,
s. auch th. 2, 390; Staub-Tobler 5, 702: swer mich bringet umb die gâb, dâvon ich itewîz gewinne Ottokar
reimchr. 89380; ain kirchen untrülich umb das ir zu bringen, ist vergewaltigung geweichter güter Albr. v. Eyb
spiegel (1511)
M 1
a; umb die gesicht bringen Frisius
dict. (1556) 170
b; um das kräntzle bringen 36
a (umbs kräntzle kommen 1089
a); einen um sein geld, um seine wolfahrt ... bringen Kramer
dict. 2 (1702) 1197
a; ich mag sie nicht um ihre gesundheit bringen Gottsched
schaubühne 1, 155; da brachte eine glänzende heerschau den Czaren um alle seine vorsätze Treitschke
deutsche gesch. 1, 225.
in nachmhd. zeit übernimmt um
auch neben betrügen, täuschen
die gleiche function: das man ... die, so das ire vertrawet haben dem heiligen tempel ..., solt umb das ire betriegen 2.
Macc. 3, 12; du bist ... auch gar um keine zeit betrogen Rompler
erstes geb. 70; nicht fühlt sie, dasz ... ihn um sein urtheil schon das herz betrogen A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 229
Sch.; ich wollt halt ungeren dapei sein, das du gelaichn wurst umb das dein
Sterzinger spiele 97
Zingerle; der schmerz wird neu, es wiederholt die klage des lebens labyrinthisch irren lauf, und nennt die guten, die, um schöne stunden vom glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden Göthe 14, 5
Weim. auch sich um etwas bringen,
s. th. 2, 390,
und entsprechend die erst aus jüngerer zeit stammenden freieren verwendungen wie: so pflegt die wahrheit insgemein sich um den hals zu singen Günther
ged. (1740) 39; Str. dichtet sich um den beifall der menschen Gellert 6 (1784) 339; ihr redet euch ums leben Klinger
w. 4, 31,
auch sich sprechen um,
s. th. 10, 1, 2828; 2829. zu viel weisheit machte manchen kalten tropf; doch kein froher lachte sich um herz und kopf Tiedge
w. 4, 47. I@M@33)
eine elliptisch anmuthende formel ist nur selten bezeugt: das stück fleisch fiel ihm aus dem maul und fuhr die bach hinab behend, der hundt war schon umb sein prebend E. Alberus
fabeln 25
ndr.; ich bin drum Kramer 2 (1702) 1197
a; solange der könig schläft ist er um seine krone, der mann um seines weibes herz Schiller 5, 1, 172
G.; wenn uns jemand da vom rath der alten hörte ..., wir wären um alle reputation Immermann
w. 19, 235
Boxb.;
vgl. ich kan drum sein
es entbehren Stalder 2, 369. IIII.
adverbium. II@AA.
es steht nur selten allein, gewöhnlich sucht es auch dann anlehnung an eine zweite adverbiale bestimmung, s. u. B,
oder an das zugehörige verbum, s. u. C,
so dasz die grenze zu den festen compositionen nicht scharf zu ziehen ist. ältere sprache trennt noch gern, was jüngere als feste zusammensetzung auffaszt: ich such nach einem vogel umb H. Sachs 12, 434
lit. ver.; dat man Colne de heilge stat mit burgen dus umb hait besat
städtechron. 12, 91; let he de stad mit graven unde doren umme vestigen 36, 56; hastu zum schlaf kein sondern lust, so geh umb zu spatzieren sust Scheit
Grobianus 971
ndr.; als nun die herold blisen umb, da kam herbei der mehrer theil Spreng
Ilias (1610) 14
b.
statt des heutigen um sich (
s. o. I A 3 a) diu frouwe beiz umbe als ein grusch Seifried Helbling 1, 1216
Seemüller; mit einiger häufigkeit in dieser selbständigen form heute nur noch neben dem verbum substantivum in zwei stark differencierten bedeutungen, und zwar bezeichnet es dann II@A@11) '
den gegensatz des geradesten und kürzesten weges: der weg ist um, führet um, das ist viel um' Adelung
lehrgeb. 2, 153,
weniger schriftsprachlich, mundartlich dagegen weit verbreitet, vgl. det is sehre um Brendicke
Berliner wortsch. 186; es is net viel um Jakob
Wien 200; we me da düre geit, so ists um
haec via per ambages eo deducit Sam. Schmidt
id. Bernense 70,
s. Staub-Tobler 1, 226; ich weisz hier einen fuszpfad, er ist etwas um, doch lustig zu wandeln Musäus
volksmährchen 2, 115
Wieland; den weg an der herrnmühl vorbei, den geht sie nicht; der wär ihr zu viel um O. Ludwig
ges. schr. 2, 136.
die verwendung von um
in diesem sinne ist alt und beschränkt sich nicht auf um sein: swer niht umbe varn wil und minnet den slehten wec vil, der in hin ze gote bringet ..., er mac schierer komen dar, dan hie beliben, daz ist wâr Thomasin v. Zirclaria
wälscher gast 11597
Rückert; als wir denn um sind geritten, so haben wir als vil wider hinder sich müessen riten (1521),
quelle bei Staub-Tobler 1, 226; an guoten wegen ümbe enschadet kein krümbe
in Freidank
s bescheidenheit 131, 9
Bezzenberger; diese redensart ist auf dem ganzen sprachgebiet verbreitet, in wechselnder form: guoter weg umb ist kein krüm
schöne weise klugreden (1548) 196,
so und ähnlich Tunnicius
sprichw. nr. 499; Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 10; Schottel
haubtspr. 1132; Kramer
dict. 2 (1702) 1197
c; Rabener
w. 4, 32,
aber auch en guete chrumb ist nüd um Staub-Tobler 1, 226; ein gute krümm ist bisweilen nichts üm Blum
sprichw. 1, 148. II@A@22)
neben zeitbegriffen den ablauf eines zeitabschnittes: exacto mense als ein monat umb war E. Alberus
dict. 14
b,
im 16.
jahrh. allgemein gebräuchlich; basz (
bis) die vier jahr des beifriedes umb wehren (1521)
acten der ständetage Preuszens 5, 669; bis die vierzig tage umbgewesen sind Luther 19, 243
W., vgl. 12, 569
u. ö.; dann der künig ... wirt ... herauf ziehen ..., ee das jar umb ist
Zürcher bibel (1531) 1, 176; wenn demnach seine zeit were umbgewesen S. Artomedes
christl. ausleg. (1609) 1, 62; grausame tochter! deine frist ist um! Schiller 13, 397
G.; er trat auf sieben jahr in Etzels dienst, und die sind um Hebbel
w. 5, 254
W.; der zeitbegriff ist indirect gegeben: der wechsel ist heute um, und es stünde bei mir, ihn in verhaft zu nehmen Lessing 3, 228
L.-M.; im fall ... unsere miethe um sei, wünschte ich die prolongation derselben Göthe IV 8, 281
W. für eine im voraufgehenden genannte action wird der endpunkt angegeben: verjagt man euch, so gehet aus einer stadt in die andere, und wen die stedte alle umb sindt, dan will ich komen mit dem jungsten tage Luther 33, 415
Weim.;
an den ausgangspunkt dieser wendung führt: etliche hauen die satzweiden von dem stamme ab, im wachsenden oder zunehmenden monden, wenn der mond kaum vor drei tagen umgewesen
schles. wirthschafftsbuch (1712) 213,
d. h. den kreis durchlaufen hat. II@BB.
neben anderen adverbiellen bestimmungen: II@B@11)
eine locale bestimmung als adverb oder präpositionale verbindung geht ohne bindeglied vorauf oder folgt, s. thar umpi Graff 1, 257; dar umbe, her umbe, hin umbe
u. s. w. mhd. wb. 3, 179
a: ûzen umb man si rennen sach Ottokar
reimchr. 7368; ist enkein stat noch dorf hie umbe, da ich mich erwarmen mug Seuse
deutsche schr. 82
Bihlmeyer; der gegni daselbs um (1489)
württemberg. geschichtsqu. 14, 235; gan Dissyon und da um (1500)
nach Staub-Tobler 1, 226,
dort weitere belege; in denen landen gegen mittnacht ... als in ... Flandern und desz umb Stumpf
Schweizerchron. (1606) 142
a; die leut daselbst umb
österr. weist. 6, 327; es gibt wohl nirgend um schnakischere gesellen als in meinem reich maler Müller 2, 23; umpi in chirch
circumquaque ahd. gl. 1, 84, 29; 39; die bî den füezen ümbe da suochten wilde krümbe Konrad v. Würzburg
Trojanerkr. 20261; ein legate ... tôch umme in dem lande
städtechron. 7, 117 (
Magdeburg); im land umb reit ich hin und wider, die gassen trat ich uf und nider H. R. Manuel
weinsp. 3074
ndr.; solches wirt gemeinlich ein insel genennt, so ein land oder erdtrich gerings umb mit dem möre umbgeben wirt S. Münster
cosmogr. (1578) 3; der büchsen schall gar weit erhall zuoring um in dem lande Liliencron
volksl. 2, 559; II@B@22) um
ist mit einem zweiten adverb zu paarigem ausdruck verbunden: II@B@2@aa)
am häufigsten und schon mhd. um und um,
heute namentlich mundartlich, s. Hönig
Köln 131
b; Follmann
lothr. 518
b; Müller-Fr. 2, 595
b; Damköhler
Nordharzer wb. 198
b;
brem. ndsächs. wb. 6, 383,
allgemein von den obd. mundartenwb. verzeichnet. in den dialekten haben sich auch die früh auftretenden verschmelzungen erhalten: umadum, umədumə, uməstum,
auch dummedum,
obersächs. imetim, imdim.
dazu die historischen formen: umbentum
heldenb. 240, 18
lit. ver.; umb und om Diefenbach
gl. 288
a; umbendum, in und in
ebda 122
a; umbadum(b) H. Sachs 2, 70; 9, 151; 7, 457
lit. ver.; umbmetumb 6, 382; uemaduem (: ungestüem) 22, 310; ummendumb Murner
narrenbeschwörung 119
ndr. —
bei den lexikographen gibt um und um
ἀμφί,
undique, circumcirca, omniquaque wieder, s. Diefenbach
gl. 122
a; 396
a; 626
c; E. Alberus
dict. (1540) 14
a; Calepinus xi
ling. (1598) 241
a; Dentzler
clavis (1716) 319
a.
diese locale bedeutung überwiegt auch in den litterarischen belegen, s. Fischer
schwäb. 6, 80; Staub-Tobler 1, 226; Ch. Schmidt
Straszb. 109
a;
Elsäss. 373
a; Schiller-Lübben 5, 3
und mhd. wb. 3, 179. II@B@2@a@aα)
zum verbum gehörig, um die bedeutung '
rundum', '
ringsum'
zu unterstreichen, besonders bei einer bewegungsvorstellung, zunächst in nur loser verbindung mit dem verbum: si triben in mit spotte umb und umbe als einen bal Gottfried
Tristan 11367; er ... grein und grisgramet in im selb und wande sich von nöten umb und umb Seuse
deutsche schr. 39
Bihlmeyer; umb und umb bewegen Diefenbach
gl. 263
b;
circumculco umb und umb trätten, mit füszen umbhärstampfen 224
a; (
der stecken) ..., welchen er in der hand umb und umb stets ... bewege Guarinonius
grewel (1610) 995; ob es (
das wasserrad) schon umb und umb vom wasser wird getrieben Lehman
flor. pol. 1, 103; das bett lief gleichfalls mit mir um und um Hafner
ges. lustsp. 1, 27; und d'watschen fliegen um und um Stieler
ged. 2, 10.
daneben auch bei festen zusammensetzungen, heute in weitestem umfang möglich: sein bethstatt mit einem tiefen graben umb und umb ringen Guarinonius
grewel (1610) 307; mit feindes volck umb und umbgeben Moscherosch
insomnis cura. par. 15
ndr., auch in der heute nicht mehr möglichen form: die flut gaben mich umb und umb
N. Selneccer
christl. ps. (1587) 71; es ist mir meine lust bei todten stets zu leben, mit denen um und um, die nicht sein, sein gegeben Logau
sinnged. 97
lit. ver.; und die hähne fliegen mich blind vor freuden um und um
F. L. G. Göckingk
bei Minor
fabeldichter 188; etwas um und um drehen
tornare, volgere qualche cosa in giro Kramer
dict. 2 (1702) 1197; ich hab ihm den kopf um und um gedreht Kotzebue
s. dram. w. 6, 270; wie er sich sieht so um und um, kehrt ihm das fast den kopf herum Göthe 16, 127
Weim.; der gute meister bär burzelte um und um Brentano
ges. schr. 5, 462;
mit anderer bedeutung: und keret dis haus zuo mal umb und umb als ain mensch, der etwas suocht Tauler
sermones (1508) C 1
a; ihr haus und wo sie saszen, das wirft er ümb und ümb P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 353
b; es ist der tolle krieg, der seinselbst eigne wiege hat um und um gestürtzt, dasz unten oben liege Logau
sinnged. 73
lit. ver.; sie gruben allmählig alles um und um Storm
w. 7, 61. II@B@2@a@bβ)
selbständiger und mehr zum ausdruck der ruhelage: umb und umbe hin zetal dâ stuonden boume âne zal Gottfried
Tristan 16737; das veld ist umb und umb verhert Hätzlerin
liederb. 3;
auch verstärkt: und man al umme und umme den gesten wazzer gôz
Rosengarten 223
Holz; ebda 220; 226; und er bedeckt ... mit gold ... alle wende des tempels um und um
erste deutsche bibel 5, 263; ich wont got wer ummendum, io er ist ummendum in allen dingen Keisersberg
bilgersch. (1512) 30
a; diser altvatter hat recht, wann es ist hie umb und umb nit weder ein tal der trehern
ebda 15
d; die nieren hangen an dem rucken und haben feisztigkeit umb und umb Gersdorff
wundtartzney 11
b; verschwembt das land umb und umb (: ungestümb) H. Sachs 17, 432
lit. ver., bei ihm, wie überhaupt im 16.
und 17.
jahrh., ein beliebtes reimwort, s. 1, 56; 436; 2, 126; 8, 169; 9, 2; 17, 272; 19, 6; 21, 11; denn gottlosen umb und umb sind, wo die losen leute aufkomen Luther 18, 63
Weim.; die (
glocken) müssen hangen under den dachen in den kirchen umb und umben, das sie dapfer inher brumen Murner
luth. narr. 64
Scheible; weitere belege im glossar z. narrenbeschw. ndr.; wir Tütschen haben ein lob um und umb, das man spricht, wir seient warhaftig und trüw J. Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 42
b; wann die vöglein umb und ummen hoch in weitem wolkenfeld hin und her sich müd geschwummen Spee
trutznachtigall 232
Balke; diese waren allenthalben, wie Hans umb und umb, daheim Moscherosch
ges. (1650) 1, 153,
vgl. Hans-in-allengassen; schon stieg der mond in halbem glanz hervor, die stille wallt in hellen thaugewölken von ihm herab und herrschet um und um Wieland
w. 1, 375
akad. ausg.; felsschluchten, wo um und um nur todtes gestein starrt Göthe 24, 368
Weim.; II@B@2@a@gγ)
die ursprünglich rein locale bedeutung verblaszt hin und wieder und macht allgemeineren bedeutungen platz. vgl. mhd. ûz und ûz
Germania 24, 147.
noch auf der grenze: ob sie mag pei im pestan in der ee und umb und umb
fastnachtssp. 572, 16
Keller; welch fraw hurtig, biszig und frum, die ist zu loben umb und umb Brant
narrensch. 63
Zarncke; ein still weib liebt man umb und umb S. Franck
sprichw. 1, 49; die tugent hat umb und umb iren lon, nemlich ewige und lebendige gedechtnus der tapfern geschicht und taten Aventinus
bayer. chron. 1, 330
Lexer;
als steigernde adverbverbindung '
gänzlich', '
ganz und gar': mein öheim Hainz ist ümb und ümb ain mann
fastnachtsp. 568, 28
Keller; mein fleisch ist um und umb wörmicht und kötticht
Hiob 7, 5; sie (
die druiden) zogen in keinen krieg, si gaben weder zins, zol oder steur, si warn umb und umb gefreit Aventinus
bayer. chron. 1, 367
Lexer; wer witzig si gantz umb und umb der läs min fründ Virgilium S. Brant
narrensch. 114
b Z.; des sathans war sie (
Maria Magdalena) umb und umb
N. Selneccer
psalmen (1587) 438; die sel ist um und um betrübet mit lastren, die er hat verübet Rompler
erstes geb. (1647) 22; mir ist ... um und um wohl, so bald du erscheinest U. Bräker
s. schr. 2, 195; kann ich sie mit halber seele fühlen? sie, die um und um so innig eines ist, ein göttlich ungeteiltes leben Hölderlin
ges. dicht. 2, 182
L.; der pflichtmäszige besuch ... genügt mir um und um Fr. v. Bülow
allein ich will (1903) 49; es is umadum nix drn Jakob
Wien 200,
vgl. Schiller-Lübben 5, 3;
wie heutiges '
alles in allem gerechnet': noch blibst mir schuldig umb und umb ... 200 guldin (1537)
nach Staub-Tobler 1, 226; wann ihrs bedencket umb und umb, es ist fürwar ein hübsche sum B. Krüger
spiel v. d. richtern 43
Bolte; so leicht es, um und um genommen, dem richter ward Hippel
s. w. 7, 93;
so nur selten, aber häufig und schon früh in ähnlicher bedeutung: wenn es um und um kommt '
letzten endes', '
schlieszlich': wanns um und um dann kümt, bleibt warheit doch bestehen Fr. v. Logau
sinnged. 317
lit. ver.; ich weisz gewisz, komts üm und ümme, so het es eine magde, geträumet und gesagte Filidor
Wittekind (1666) m 3
a; aber wenn es umb und umbkommt, so wird nichts daraus Joh. Gorgias
buhlende jungfer (1671) 71; wir machen zwar viel wesens von der befestigung des reiches Christi; wenn es aber um und um kommet, so bestätigen wir das unsrige Chr. v. Ryssel
seelenfrieden (1685) 308; wann es um und um komt, so finde ich, dasz ihr unrecht habt
tutto ben ponderato (
gall. après tout)
trovo che havete torto Kramer 2 (1702) 1197
c,
umgangssprachlich und mundartlich weit verbreitet, s. Schütze
holstein. id. 4, 311; Dähnert
pommer. 501; Vilmar
Kurhessen 422; wenns ummadum kimmt Schöpf
tirol. 781. II@B@2@a@dδ)
gelegentliche substantivische verwendung im sinne von '
lärm', '
getümmel'
wurde begünstigt durch den lautmalenden charakter: (
er) sie mit feusten plewen war, dergleichen sie in widerumb mit grossem gschrei und umerdumb; H. Sachs 21, 177
lit. ver.; in disem umberdumb und zwitracht Aventin
bayer. chron. 1, 490
Lexer, s. Schmeller-Fr. 1, 77.
allein steht: we umerdum, wie hast ain lebm!
Sterzinger spiele 177
Zingerle. II@B@2@bb) um und an
hat einen gänzlich anderen ausgangspunkt, mündet aber in dieselben bedeutungen wie um und um. II@B@2@b@aα)
ursprünglich umfaszt es alles, was jemand um und an sich trägt, vornehmlich die kleidung, s. Staub-Tobler 1, 226; Fischer
schwäb. 6, 80; Schmeller-Fr. 1, 77: (
die tochter zum hungernden und dürftig gekleideten vater) dîn swaches leben uns niht zimt, wan du uns ze schanden gâst unde weder umbe noch an hâst v.
d. Hagen
gesamtabenteuer 2, 422; die infel, die hentschen mit allem andern, das er umb und an het Arigo
decamerone 88
Keller; umb und an
victus et amictus Aventinus
s. w. 1, 425
Lexer; (
die räuber) nehmen ihm sein gelt, seine kleider, und alles, was er umb und an hatte Harsdörfer
schaupl. erstes hundert (1651) 7; was hab und trag ich umb und an, als was du mir gegeben? P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 444
a; wiewol er weder huth, mantel noch degen auf, umb und an sich hatte Grimmelshausen 3, 334
Keller; diesen weiten wiesenplan mich, und was ich um und an, solstu von mir haben D. Schirmer
poet. rosengep. (1650) 10; wer ... weinstöck ... auszeucht ..., soll ihm der pergmaister nehmen, was er umb und und an hat (1670)
österr. weisth. 7, 670; alles, was er umb und an hat, damit soll er bezahlen
sächsisch-altenburg. gerichtsordnung (1704) c. 10 § 7;
häufig: er hat alles an, was er hat, hat nichts mehr als umb und an Apherdianus
meth. (1601) 173; sie brächte nichts in tisch und bette als was sie um und an sich hätte Lichtwer
äsop. fab. 75; nichts um und an haben Bauer-Collitz
waldeck. 107
a; Askenasy 30; (
da er) nichts besitze, als was er um und an sich trage Immermann
w. 1, 77
Boxb.;
von der nichtigkeit irdischen besitzes: wir bringen alle gemein in dem leben nicht mehr darvon denn essen, trincken, umb und an H. Sachs 19, 423
lit. ver.; dir wirdt nit mer dan umb und an, zuo letst mit einem duoch darvan Th. Murner
badenf. 22
Martin; in dieser oder ähnlicher form redensartlich, vgl. noch: dir wirt nicht mer dann umb und an darnach du tan
bei Ziegler
geschützinschr. 72 (
um 1520); umb und an, und damit davon Lehman
flor. pol. 2, 552.
daneben steht: ein jeder, der arbeit nach seinem stand und beruf und auf die gottes gnad, der sol davon haben fuoter und mal, hülle und fülle, umb und an
schöne weise klugr. (1548) 133
a; so wird sie gott der vater versorgen mit um und an, hüll und füll H. Creidius
nuptialia 2, 107,
aus beidem bei Luther: hul und ful, umb und an und darmit davon hec naturae humanae convenientissima sunt 14, 286
Weim. II@B@2@b@bβ)
der in den obigen belegen oft mitschwingende begriff der ganzheit begünstigte den übergang zur allseitigkeit; diese entwicklung zur localen bedeutung hin stand offenbar unter dem einflusz des häufigeren um und um
s. o.: und man seinen (
der luft) weder umb noch an nicht ein augenblick kan entraten Sebiz
feldbau (1579) 4; ist dann nun umb und an so vieler felder grund mit schwefel angedünget Opitz
opera (1690) 1, 40; ob man schon um und an den schaden (
der feuersbrunst) noch nicht recht für rauchen sehen kan Gryphius
lyr. ged. 563
Palm; bis er sie um und an nach ihrem werth und ihrer grösze beschauet hat Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 399; hier wo alles um und an von blumen strotzt Wieland
s. w. (1796) 23, 261; gestürmt das schlosz wird um und an Herder
w. 25, 341
S.; es ... fielen hüte ... rechts und links und um und an aus der luft herab Hebel
w. 2, 36
Behaghel; weder um noch an sin
nirgends vorhanden sein Staub-Tobler 1, 226.
schlieszlich verblaszt zur nur verstärkenden formel (
wie um und um '
gänzlich'): die welt ist so beschaffen, dasz dem erst wol ist umb und an, der selig eingeschlafen S. Dach 157
lit. ver.; so dasz ich ganz nicht anders kan, ich musz ihr um und an sein untertan P. Fleming 430
lit. ver.; was immer wird genant, das ist ihm um und an ja durch und durch bekant J. Grob
dicht. vers. 71; um und an bin ich verloren Herder
w. 25, 154
S.; in anlehnung an wenn es um und um kommt (
s. o.): in der jugend traut man sich zu, dasz man den menschen paläste bauen könne, und wenns um und an kömmt, so hat man alle hände voll zu thun, um ihren mist beiseite bringen zu können Göthe IV 4, 192
Weim. als negationsverstärkung: nichts raten um und an ist hier der beste rat P. Fleming 528
lit. ver. ebenso 403; 486.
vgl. nicht um und nicht an wissen Schmeller-Fr. 1, 77. II@B@2@cc)
anscheinend nur bair.-österr. begegnet um und auf: dö zwa guld'n san main um und auf
die ganze habe Castelli
Österreich ob d. Enns 260;
als negationsverstärkung wie um und an (
s. o.): 's geht mich um und auf nix an Auerbach
3 ges. w. (1896) 4, 73;
häufiger substantivisch: schau, du bist mein um und auf, sunst wars ja gefehld, sunst häd i ja glei somein nix auf da weld J. G. Seidl
flinserln 4 (1837) 19; meine schwester is mein um und auf in der welt gewesen Silberstein
dorfschwalben 2 (1881) 291; das bewusztsein, eines anderen menschen köstlichstes gut, sein um und auf, sein schicksal zu sein
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 113. II@B@2@dd)
selten erscheint um
verbunden mit sonstigen adverbien: circumquaque umb und allenthalben Diefenbach
mittellat.-hochd. wb. 68; er ... verwüstet umb und das land auf vil, vil meil J. Nas
antipap. eins und hundert 2, n 5
b; (
das) weisz ... niemand, der nicht darbei und mit umb gewesen ist Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 2; etliche lassen ein fasz voller löcher um und umher auf allen seiten und boden bohren
fischbüchlein 119; so sol der richter die penche umb und umbhin machen an dem platze
österr. weisth. 5, 387; wie schmiedehämmer pocht' es um und neben A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 97
Sch.; nur niederdeutsch: din kind liggt in de weegen un ik bün ok bi di; din sorgen und din leven is allens um un bi Th. Storm
s. w. 8 (1904) 218;
als '
ungefähr': he is üm un bi 70 johr oold Mensing
schlesw.-holst. wb. 1, 333;
auch ümbi Doornkaat-Koolman 3, 461,
in dieser form besonders reich entwickelt neben verben, s. brem.-niedersächs. wb. 6, 383. II@B@33)
nach zeitlichen bestimmungen in der bedeutung: '
nach verlauf von': zu dryen wuchen umb (1553), nach 4 tagen umb (1539)
u. s. w., quellen bei Staub-Tobler 1, 226; dieselbigen jar-püntnussen warend nit ewig, giengend alleweg ze 10 jaren umb us Tschudi
chron. helvet. 1, 56; II@CC.
am häufigsten ist adverbielles um
erstes glied in verbalen und nominalen zusammensetzungen (
darüber handelt die übersicht über die compositionstypen am schlusse der alphabetischen reihe)
oder als zweites glied in adverbien, vgl. warum,
darum,
rundum, ringsum, linksum, rechtsum, allum, wiederum, kurzum
u. s. w.