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um

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

um

Bd. 23, Sp. 761
um , präposition und adverb. herkunft und form. ein schon idg. weit verbreitetes wort, zu gr. ἀμφί, lat. amb-, am- (in ambages, amplector u. s. w.), ir. imb-, imm-, gall. ambi- gehörend (näheres s. Walde-Pokorny etym. wb. 1, 54), ursprünglich auch gemeingermanisch, nur got. nicht bezeugt: as. umbi, afries. umbe, um(me), aisl. um (umb), ags. ymb(e), ahd. umbi, umpi, vereinzelt umpa ahd. gl. 2, 468, mhd. umbe, umme, ümbe, mnld. om(me). der umgelauteten form begegnet man in litterarischen denkmälern bis etwa 1700. auf grund des reimes ümbe : krümbe subst., der freilich nur begrenzte beweiskraft besitzt, läszt sie sich Wolfram (Parz. 241, 15), Konrad von Würzburg (Trojanerkr. 9905; 20 261) und Hugo v. Trimberg (4627; 8751; 9342) zuschreiben, weitere mhd. reimbelege mhd. wb. 3, 178b. in frühnhd. zeit herrscht üm in den druckersprachen Nord- und Mitteldeutschlands, aber auch in Nürnberg (heute im um-gebiet) zeigt sich im 16. und 17. jahrh. mit wachsender regelmäszigkeit die umgelautete form, s. V. Moser frühnhd. gr. § 60. üm ist auch die form bei P. Gerhard (üm: ungestüm, stimm, grimm), P. Fleming (üm : stimm), Fr. v. Canitz (üm : grimm). Kramer dict. 2 (1702) 1196a; 1197b setzt noch üm neben um, warüm neben warum an. der sprachatlas erweist um als die obd. form, nördlichster punkt etwa Caub a. Rh., doch breiten sich die üm-formen südlich bis ins Jagst- und Kochergebiet aus. das md. hat durchgehend umgelautete formen: öm (bes. rheinisch), em, im (sächs.-schlesisch), ebenso überwiegend das nd., doch gibt es gerade hier auch weite um-gebiete: Ostfriesland und das nördliche Oldenburg, westliche theile von Schleswig-Holstein und ein breiter district, der sich von der mittleren Aller südöstlich bis Bautzen erstreckt. Ostpreuszen hat öm-, westlich und östlich davon om-formen.die assimilation umbe > umme gilt in der mittleren periode für das nd. und md. allgemein, z. th. auch für das mhd. die schreibung hält den auslautenden labial als 'stummes' b (Helber syllabierbüchlein 6) bis in die nhd. zeit fest. noch Schottel (haubtspr. [1663] 188) fordert, 'dasz in teutschen wörteren alle diejenige buchstabe, welche der rede keine hülfe thun und also überflüssig sein, sollen und müssen ausgelassen und nicht geschrieben werden, also schreibt man nicht recht umb, darumb, warumb'. lexikographen führen die ältere schreibung noch länger mit, vgl. Dentzler clavis (1716) 318 f. bedeutung und gebrauch. der ältesten schicht der präpositionen angehörend, dient um ursprünglich nur zur räumlichen bestimmung und bringt, im gegensatz zu auf, unter, vor, hinter, neben u. s. w. zum ausdruck, dasz sich ein gegenstand gleichzeitig oder nacheinander in mehr als einer richtung zu einem anderen gegenstande befindet. in dieser localen bedeutung hat sich um mit geringen einschränkungen bis auf den heutigen tag gehalten. bereits in den ersten historischen belegen erscheint daneben die breite schicht der übertragenen verwendungen, besonders in causalem und finalem sinne, deren entstehung nicht mehr sicher erweisbar ist. dieser im mhd. noch sehr freie gebrauch hat sich seither mehr und mehr auf bestimmte verbgruppen eingeschränkt. andere gebrauchsarten, die auch bereits an boden verloren haben (angabe des preises, der gröszendifferenz u. s. w.) entstammen jüngerer zeit. neben durchgehends nachfolgendem accusativ erscheint sporadisch auch der dativ (s. u. I A 1 e), in formeln auch der instrumental (s. u. I D 1 c). über scheinbar nachfolgenden genitiv s. I J 3. II. präposition. I@AA. localer gebrauch: I@A@11) beim ausdruck der ruhelage eines einzelnen gegenstandes oder mehrerer gegenstände, die um einen festen punkt geordnet sind, ebenso von zuständen und vorgängen: I@A@1@aa) daz upar edho umpi cneon ist ahd. gl. 1, 159, 14; umpi munt ebda 1, 165, 4; habeta ... bruohhah umbi sino lentin Tatian 13, 11; bigan tho druhtin redinon then selben zuelif theganon, then thar umbi inan sazun, mit imo saman azun Otfried IV, 10, 2; umb in dâ saz diu werde massenîe Wolfram Parz. 274, 28; so aber umb den gantzen mon zween oder drei kreisz erscheinen, das bedeutet ein fast grosse veränderung M. Herr feldbau (1551) 14b; sie sah mich an; ihr leben hing mit diesem blick an meinem leben und um uns wards Elysium Klopstock oden 1, 121 M.-P.; wenn alles still und finster um uns ist, erkenn' ich dich an deinen küssen wieder Göthe 2, 109 W.; um dich müsse mit vollen beeren der frischeste epheu grünen! es müssen um dich schönere blumen erziehn diese purpurwiesen! Herder w. 26, 15 S.; ich schwöre, ... dasz meine reinsten gedanken stets um Magelone sind L. Tieck schr. 4, 316, doch s. b. früh formelhaft wurde die verbindung (wohl, wehe) ums herz (sein): das ich eben sage, wie mirs umbs hertz Hutten opera 2, 184; die noth ... zwinget heraus zu sagen, was einem umb das hertze ligt Moscherosch ins. cura parentum 12 ndr.; ein schalck weisz, wie dem andern umbs hertz ist schöne weise klugr. (1548) 43a, in dieser und ähnlicher form häufig; der ist vor gesund zu schätzen, dem umbs hertz wol und warm ist Lehman flor. pol. 1, 327; dem armen knaben wars nun auf einmal bang ums herz Pfeffel poet. vers. 2, 152, weitere belege th. 4, 2, 1215. mit noch mehr sinnlicherem gehalt: mir ist umb mein brust also eng H. Sachs 21, 2 lit. ver.; dasz sie (die pferde) ... nicht dampf umb die brust werden J. Walther pferdez. (1658) 23; von verben oft bei sammeln, versammeln: sie hetten sich gesampt umb den Altenberg städtechron. 2, 175; der anblick der fanatischen menge, die sich um sie sammelte Ranke s. w. 14, 7. in älterer sprache auch neben verben, bei denen die geänderte auffassung der actionsart den gebrauch von um heute nicht mehr zuläszt: es kamen umb die stat als vil nattern und schlangen, dasz sie die eben umb die stat wol ein meil wegs umblegt hetten H. Schiltberger reiseb. 15 lit. ver. I@A@1@bb) eine lockerung der ursprünglichen bedeutung findet statt, wenn um einen gegenstand oder vorgang irgendwo in der umgebung oder nähe eines festen punktes localisiert und so, wiederum abweichend von den erwähnten präpositionen, zur mehr annähernden ortsbestimmung dient. die vorstellung des mehr- oder allseitig umschlieszenden ist hier vom gegenstand auf die umgebung übergegangen: nun bleibt er (der siderische leib) nicht im todten cörpel, aber nahendt umb ihn Paracelsus opera 2, 493; als wie ich um dis fenster stehe und sie an — zu erwachen — flehe Stieler geharn. Venus 109 ndr.; ich liesze meine wiesen mein feistes Osterland in seiner wollust stehn, im fall ich könte nur um euer Reuszen gehn, um ewer Moszkow sein P. Fleming 1, 132 lit. ver.; und um ihn (Apoll) setzte sich der schäfer horchend nieder Dusch verm. w. 308; (er) ist der mutter und tochter ums tor begegnet Göthe IV 1, 121 W.; um den hof zu Bodinkthorpe waren drei nur wach geblieben Fr. W. Weber Dreizehnlinden 95. zur festen verbindung wurde um jemanden sein im sinne von 'in jemandes nähe weilen, umgang mit ihm pflegen': so er also stat trostlos und nieman bi im noh umb in was Seuse deutsche schr. 10 Bihlmeyer; familiaris der stets umb ein ist E. Alberus dict. (1540) 7b, vgl. Kramer dict. 2, 1196b u. c; der fried liebt, ist nit gern umb zänkische badermetzen S. Franck sprichw. 1, 8a; schmeichele nicht den gewaltigen und sei nicht gern umb grosse leute J. Arnd Thomas a Kempis (1631) 10; es sein 2 thiere, welche immerdar bei und umb den menschen sein J. Prätorius winterfl. der sommervögel (1678) 4; indem ich glaube, dasz Sofchen um mich ist und erscheinen kann ..., so ist sie auch um mich und erscheint mir endlich gewiss Novalis schr. 3, 326 Minor; sie sind fast stets umeinander fere semper conversantur Steinbach wb. 1, 25. vermuthlich war die verbindung ursprünglich nur bei pluralischem subject möglich wie in: gott ist ... wunderbarlich uber alle, die umb ihn sind psalm 89, 8; mit anderen verben: je mee und lenger einer umb münch und nunnen wonet, je minder in gelust ein klosterläben anzunemen Eberlin v. Günzburg 1, 93 ndr.; (die) kinder wuochsen also mit einander auf, also das sie vil umbeinander wonten Wickram w. 2, 183 lit. ver. sonstiges mundartliches umeinander bei verben s. u. F 4. sein (des profossen) ampt ist, dasz er im zug und sonst sich fast umb und bei dem generalobersten halt Fronsperger kriegsb. 1, L 1b; Georg, du bleibst um mich Göthe 39, 99 W. jünger ist das gegenstück um sich haben circa se habere Dentzler clavis (1716) 321a: und niemanden als einen jungen bewundrer seines scharfsinnigen geistes um sich hatte J. E. Schlegel w. 5, 373; wäre es möglich, dasz ich dich (Christiane) um mich hätte, so wollte ich mirs nicht besser wünschen Göthe IV 10, 14 W. I@A@1@cc) schon der ältesten sprachperiode gehört ein in der gegenwart nur noch selten möglicher gebrauch an, wo es sich um die örtliche festlegung zu beiden seiten einer linie handelt: thiu lantscaf umbi Jordanem (regio circa Jordanem) Tatian 13, 12; den besten wîn, den man kunde vinden in dem lande al um den Rîn Nibelungenlied 1127, 4; du wirst um meinen strand den sichern weinstock schützen (worte des Elbgottes) König ged. (1745) 82; sie ... gedachten die völker um den Rhein und die Weser und die Elbe bis an die küsten der Ostsee zu bezwingen E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 231; selten in anderem bereiche: ir hemd war überall um die näthe mit schwartzer seiden ausgenehet Grimmelshausen 3, 32 Keller. entsprechend dem oben unter b angeführten gebrauche: die Volgov seh ich nun, die mich umb ihren rand läszt nach begehren ruhn P. Fleming 1, 129 lit. ver.; vgl. für das as.: ni uuas betara man umbi Giordanas staðos genesis 265, und für das mhd.: und îlte für vil drâte ... und leit sich rehte umbe den wec Hartmann Erec 5022; da der künec umbe den wec lac 5036. bei einem verb der bewegung 'längs': wie er ... mit dem rosz in einen graben fiel, ... lief der hund umb den graben her Heyden Plinius (1565) 199; das wasserpferdt ... zeucht ... umb das gestad her ebda 149. zu um den weg gehen, laufen, um den weg sein vgl. th. 13, 2903; Staub-Tobler 1, 224; Fischer schwäb. 6, 81. I@A@1@dd) folgt eine flächenangabe, so localisiert um an einem oder an mehreren punkten innerhalb dieser ebene: uzgieng thaz wort in alle Judeon fon imo inti umbi alle thie lantscaf (offensichtlich unter einflusz der lat. vorlage: in universam Judeam et omnem circa regionem) Tatian 49, 6, vgl. jedoch für das as.: thea hohon burgi umbi Sodomo land suart logna bifeng Heliand 4368; (er) rait ... an das gejaid in dem Trawngew ..., wann umb die selben art (in dieser gegend) des gewildes, auch der wäld, vast vil was U. Füetrer bayer. chron. 49 Spiller; vgl. ebda 24; um die stadt Zürich (in der stadt herum) G. Edlibach chron. (c. 1500) nach Staub-Tobler 1, 224; ist hier umb diese revier mein schatz gewesen bei Creizenach engl. comöd. 243; der hat ... umb die Basler gegne ob 60 schlösser und bevestigungen gebauwen Stumpf Schweizerchron. (1606) 301a; wer weisz, was etwan vorzeiten vor eine unteutsche nation um diese gegend gewohnet S. v. Birken verm. Donaustr. (1684) 16; um selbige gegend wohnet er Kramer 2, 1197b, so auch Adelung lehrgeb. 2, 151. gelegentlich auch nachgestellt: da er nu das alles ausgericht und das land umb prediget hatte Luther 8, 354 Weim.; wolan ich wil die gantz stat umb hören und sehen, daz ich uch einen bürgen uberkum Eulenspiegel 112 ndr.; da er daz land zuo Sachsen fast umb und umb gewandert hat ebda. 38. I@A@1@ee) unter dem einflusz der erwähnten localen präpositionen, die nach dem unterschiede von ruhe oder richtung bald den dativ, bald den accusativ nach sich fordern, läszt auch um gelegentlich die dativfügung zu, fast nur in localem sinne (s. u.), ebenso im mnd., s. Schiller-Lübben 5, 2, im ags. jedoch weit darüber hinausgehend, s. Bosworth-Toller 1294b; suppl. 752b: diu rint diu umb der muskâtnuz ist Megenberg buch d. natur 371; brachten zusam ein kleines heer, namen umb der stat ein ein flecken H. Sachs 2, 139 lit. ver.; den negsten nachpern, so umb ihm in velt ist österr. weisth. 1, 184, 39; als sie ihm einsmahls umb der straszen begegnet Olearius pers. rosenthal (1696) 71; rings umb ihrem gelage herumb Gabr. Rollenhagen indianische reisen 79; die ganze familie stand um ihr herum Lessing 9, 272 L.-M.; 4, 459; alles was um ihm (krit. ausg. ihn) lag, war nation, staat und vaterland Schiller Thalia 11, 44; als schlüge rings um ihr die welt in helle flammenlohe auf H. v. Kleist 2, 23 E. Schmidt; die lederkatze ..., die nicht unwuchtig dem händler um dem leib sasz W. Alexis vaterl. rom. 8, 220. selten bei causaler verwendung, s. u. I D 1 a. I@A@22) beim ausdruck der bewegung eines körpers, die ihn ganz oder zum theil um einen festen punkt führt. I@A@2@aa) am häufigsten neben verben der bewegung: der lewe wachet unde lief umb sîn ros und umb in Hartmann Iwein 3913; das erst (wasser) heisst Pison, das fleusset umb das gantze land Heuila 1. Mos. 2, 11; wenn der zimmerman umbs holtz spatziret, so fallen keine spän davon Lehman flor. pol. 1, 29; die mücken fliegen so lang umbs liecht, bisz sie versängt werden ebda 2, 68; jedoch anders: da musz ich (der landsknecht) hart zu felde liegen. die eissern mucken umb mich fliegen H. Sachs 9, 8 lit. ver.; wo der aar um beeiste spitzen kreiset Müllner dram. w. 2, 10; um den süszen, sanftgeschwellten mund zieht sich ein weiches dämmerndes verlangen A. v. Droste-Hülshoff 2, 213; man hat euch bisz hieher durch wunderliche künste recht umb das licht geführt Lohenstein Arminius 1, e 4; wenn sie (die elephanten) nur zusammen kommen, schlingen sie ihre schnautzen und schnäbel umeinander Chr. A. Knorr v. Rosenroth pseudodoxia (1680) 558, zu mundartlichem umeinander neben verben vgl. u. I F 4; bildlich: um den hof geht eine mauer u. dgl., schon früh: zu dem zune, der umbe das dutschen hachelwerk geget Marienb. treszlerb. 347 Joachim; anders: wie bunt es mir bisher um den kopf gegangen ist Göthe IV 13, 305 W. die vorstellung eines ringförmig verlaufenden vorgangs steckt auch in der wendung es geht reih' um: bei jeder waffe, die sie fegten, sangen rings alle einen vers; es ging reih' um Brentano ges. schr. 6, 232, vgl. th. 8, 641. nur ein theil des umfanges ist verstanden: sobald sie ümb die ecke des hauses gefahren J. Riemer polit. maulaffe (1681) 283; um eines hügels dürren fusz hervor trabt rasch ein schweiszbedeckter kriegerchor A. v. Droste-Hülshoff 2, 335, von hier aus bildete sich als verkürzte ausdrucksweise: sie wohnt hier um die ecke, ew. gnaden, wenn man den fuszsteig durch die hecken geht H. v. Kleist w. 1, 357 E. Schmidt. I@A@2@bb) bei anderen verben fügt um der thätigkeit die um einen punkt kreisende bewegung erst hinzu: daselbst man die ehebrecher ... umb den kopf stutzen und laufen läst Guarinonius grewel (1610) 1130; in geschäften musz man wol oft so fürsichtig sein, als einer der umbs maul balbiert Lehman floril. pol. 1, 82; wie solches der graf von Mansfeldt vernommen, ist er ergrimmet und befohlen, von stund an umb die stadt zu brennen Bodecker chron. 18 Napiersky. vermuthlich liegt eine ähnliche vorstellung der verbindung zugrunde jemanden um den kopf, die ohren u. s. w. schlagen, am frühesten in der heldenepik: si begunden in bliuwen alumbe sînen kopf und alsô sêre niuwen, daz er gienc umbe alsô ein topf Wolfdietrich D v 22, 3 Amelung-Jänicke; slach ez (d. i. daz getwerc) mit dem knopfe umb diu ôren und mache ez ze einem tôren Laurin 447 Holz, weitere belege deutsches heldenb. 4, 340, anm. z. str. 143 und th. 9, 360. in jüngerer sprache wird ein object zugefügt: so nahm ich doch das kurze degelein und schlug ihn damit um den kopf G. v. Berlichingen lebensbeschr. 10 Bieling; so wöllen sie dem redner die lauten umb das maul schlagen J. Nas antipap. eins u. h. 4, 172. seltener bei anderen verben: zwikt mich (mit der rute) um die blosse bein Th. Platter 16 Boos; einem ... das rauchfasz um den kopf schmeiszen Lessing 10, 424 L.-M. stets ausdruck besonderer heftigkeit, in gleichem sinne auch mundartlich obd. etwas um die erde werfen 'heftig zu boden schleudern': die letzte (flasche) ... wirft mich um die erde Nestroy ges. w. 1, 11. I@A@2@cc) in den nachfolgenden belegen besagt um, dasz die lage, in die ein gegenstand zu einem festen punkte gebracht wird, mehrseitig oder allseitig umschlieszend ist. bei verkürzter ausdrucksweise ist der eigentlich umschlieszende gegenstand oft nicht genannt: man pflanzota wingarton inti zun gab umbi inan (sepem circumdedit ei) Tatian 124, 1; den graben umb das hus graben Marienb. treszlerb. 205 Joachim; kein gürtel bind nit umb die lenden Scheit Grobianus 151 ndr.; sie schlugen die (felle) umb sich an kleider statt S. Münster cosmogr. vorr. 4; dann ordnet sie mit leichter hand ihr haar und läszt es dunkel um den busen fallen A. v. Droste-Hülshoff 2, 205; hencket umb die schulter zwar sein schwert geziert von silber gar J. Spreng Äneis 14a. häufige verbindungen: Mignon ... schlang ihre zarten arme um ihn Göthe 22, 18 Weim., s. th. 9, 732; 734; (ich) zu hundert male in willen gewesen pin mit meinen armen umb euch zu fallen Arigo decamerone 64 Keller; (sie) im ... umb sein halse mit iren armen fiele ebda 82. gewöhnlich jedoch: Esaw kumpt, felt im umb den hals H. Sachs 1, 105 Keller, s. th. 3, 1281; ja, ich will mich ihm um den hals werfen Göthe 31, 6 Weim.; umb den halse fassn L. Hollonius somnium 95 ndr. I@A@2@dd) von den bisher genannten gebrauchsweisen unterscheidet sich die nachfolgende durch eine andere sicht: gegenstand oder vorgang werden nicht auszenseitig um einen punkt, sondern binnenseitig an einer umgebenden fläche gesehen: das haus damit (mit dem kraut) umbstecken oder umb die wend hencken Paracelsus op. (1616) 1, 1040b; wie um den himmel sich der lichte milchweg zieht Kästner verm. schr. 1, 103; morgen, mittag, abend und nacht jagten in schwindlender eile um des himmels bogen Bettine die Günderode 1, 25; der mond ist viertzig mahl nun fast mit frischen pferden gereiset umb und umb den runden kreis der erden Opitz poemata 54 ndr.; I@A@33) um vor dem reflexivum. I@A@3@aa) in dieser verwendung gibt um an, dasz sich die thätigkeit des subjectes nach allen seiten hin erstreckt, dient also nur der erweiterung des verbalinhaltes. bei einigen verben ist die verbindung besonders häufig: hund, die da stäts umb sich peissen Keisersberg schiff der penitenz (1514) 69d; nicht weit von eim fluss ..., der nicht um sich frässe Sebiz feldbau (1579) 10, häufig in der sprache der medicin, besonders vom krebs: ihr gift reist weit ein und frist umb sich wie der krebs Luther 19, 597 Weim., aber auch sonst: dasz das übel der weisheit under den leuten nit weiter kreisz und um sich fresz S. Franck moriae enc. 43, 11 Götz.; eines tief um sich fressenden grolles fähig G. Keller ges. w. 6, 266; do ... greif (der mann) um sich Zürcher bib. (1531) 1, 130b; im meer ..., das ... weit und tief beide um und unter sich greift Heyden Plinius (1565) 303, zahlreiche belege unter greifen F. um sich schlagen: dasz er mit dem stab umb sich schlag und sich domit erwere Keisersberg bilgersch. (1512) 21b; uti pugnis et calcibus mit hend und füssen umb sich schlahen Frisius dict. 177b; umb sich hauen acriter se defendere J. Dentzler clavis 321a; um sich werfen: ein weiser ist wie ein gefäsz voll herrlichen gewürzes, welcher in der stille seinen lieblichen geruch um sich wirft Olearius pers. rosenthal (1696) 103; mit steinen ..., mit schelmen, mit narren ..., mit scheltworten um sich werfen Kramer 2 (1702) 1333c. um sich sehen, schauen, blicken: er vuort den meister iesâ in einen schœnen palas ... unt hiez in umbe sich sehen Stricker Amis 537 Lambel; ain saul ... gab ... liecht den kindern von Israhel, das si all mochten umb sich sehen Keisersberg ausgang d. Juden (1510) J 5c; also sachen sie jetz gar fleiszig umb sich und machten freundschaft durch heirath Stumpf Schweizerchron. (1606) 213a; solche ... nicht um sich her sehende, vorübereilende, anmaszliche fremde Göthe 46, 64 Weim.; eine stimme rief über mir: schau um dich maler Müller 1, 88; wohin ich rings um mich her blicke, strahlen mir feurige augen ... entgegen Gaudy s. w. 13, 15. bei einer fülle anderer verba ist diese erweiterung des verbalbegriffes auch möglich, doch weniger gebräuchlich: (dasz du) dein hend darzu zämest, daz si nit vast umb sich füren, und lasz si auch nit rüren dein antlütz oder dein gewand Hätzlerin liederb. 277; denn ruoft er umb sich, er suocht hilf und rat Keisersberg pred. (1508) 102b; den weit um sich brennenden flammen des leonischen geitzes Hutten opera 1, 414 Böcking; wo er (der bär) aber umb sich reiszt, die seiler zerkifflet Herold-Forer Geszners thierb. 17b; halt an dich, maister dich selber, nit wüt umb dich Keisersberg sieben schwerter (1510) ff 3a; frô Sælde teilet umbe sich und kêret mir den rügge zuo Walther v. d. Vogelweide 55, 35. I@A@3@bb) ein nach bedeutung und verbreitung sehr verschiedener gebrauch von um vor dem reflexivum gehört anscheinend nur dem frühnhd. an. um sich nähert sich einem adverbium des sinnes 'ringsum' (vgl. mhd. vür sich, hinder sich); vornehmlich neben quantitätsbezeichnungen: wennen die frawen klein um sich seind, so nemen sie ein sack oder sunst ein grob dick thuoch, und ist etwan mit baumwollen gfüllt, das binden sie umb sich Keisersberg brösaml. (1517) 1, 96a; wer ein müllestein ... umb sich als gros, das er den himel in halb rürti der ew. wiszheit betbüchlin (1518) 26b; die insel hat bei xx meil umb sich S. Franck weltb. (1534) 196b; dactylis weinreben eines fingers grosz umbsich Frisius dict. (1556) 361b; geschwär, die umsich ein herte hut habend 175b. I@A@44) adverbia, die voraufgehen oder nachfolgen, heben die vorstellung des allseitig umschlieszenden stärker hervor: ambigue ... ringsweis umb den hafen gon Frisius dict. 65a; ambulare foro transverso umb den markt umbhin spatzieren ebda 82a; circa Capuam ... umb Capuam umbhär 223a; der Deutsche sprengte ... umb seinen feind rings umbher Lohenstein Arminius 1, 33b; die umb sie herumb fochten ebda 38b; es liegt um uns herum gar mancher abgrund, den das schicksal grub Göthe 10, 229 Weim.; ich geh ... immer im kreis ums hofgezwitscher herum Bettine dies buch gehört dem könig 1, 17; seh ich nicht ein kleines Eden rings um mich erblühen A. v. Droste-Hülshoff 2, 222. am gebräuchlichsten um—her: den gantzen kreis des erdbodens umb Jerusalem her Luther 23, 579 W.; furcht und schrecken sol umb und umb dich her sein Jeremia 20, 3 randbem., Bindseil 7, 523, zur doppelung vgl. adverbiales um und um sp. 799. wann sich auch gleich ein gantzes heer legt ümb mich her, was ists denn mehr? P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 363a; den schiffermantel um mich her geworfen, tappt ich herum nach ihnen Shakespeare 3, 340; ein armes kind nimbt oftermals ein messer und spielet umb sich her Opitz opera 1 (1690) 64. I@A@55) aus der localen bedeutung entwickelten sich schon früh und anscheinend nur auf deutschem boden die festen verbindungen etwas um (d. i. bei) jemand kaufen, erwerben, leihen u. s. w., heute von jemand kaufen u. s. w., vgl. auch die belege gramm. 4, 841; Fischer schwäb. 6, 81; Schmeller 1, 76; Vilmar Kurh. 421; mhd. wb. 3, 181, bis ins 16. jahrh. reichlich belegt: wir gechoufen umbe in (gott) mit temo werde rehtero deumuoti ... daz tiura gelt sinero gnadon Notker 1, 322 Piper; ein krâmer sitzet vor dem tor. kouft umb in, enruochet waz, er behalt iuz ors deste baz Wolfram Parz. 561, 7; das fogelwerke umb die furster nit zu keuffen (1446) K. Bücher Frankf. berufswb. 46a, vgl. 44a; do kouft er den meigerhoff umb den herren desselben ländlins Keisersberg post. (1522) 2, 69b, auch neben um als preisangabe (s. unten I G): die selbig butt (viehherde) kouften si umb die kneht umb funf guldin H. Hug Villinger chron. (1498) 5 Roder. weitere belege städtechron. 1, 75; 266; 2, 294; 8, 258; 9, 707; 16, 47; die lantherren bat er vast, ê im geschæhe ze sterben, daz si in liezen erwerben eine bete umbe siu Ottokar reimchron. 21 914; vgl. 3229; 16 605; Fortunatus ... bat in, daz er im erwurb umb den soldan ain glait in seinem land Fortunatus 81 ndr.; ebenso 82; 122; das erwarb im sant lrich umb got, daz im nichts prach städtechron. 4, 296; ebda 8, 125; hilf und rettung umb euch zuo erwerben Hutten opera 1, 413 Böcking; so er dir nit mer geben wil durch zürnen noch durch flechen, so solt umb in entlechen Laszberg lieders. 3, 544; wein und korn uf wucher um die juden entlehen Hutten 5, 195 Münch; gelt umb in entlehnen zimmerische chron.2 1, 218 Barack; gezelt gelehent umb die von Hagenow städtechr. 9, 1042; do verpfantent die von Strosburg die burg zuo Lichtenouwe und die halbe stat umb juncker Ludeman von Lichtenberg städtechron. 9, 791; gewunnen umbe den cheiser dia rumiskun selbwaltigi Notker 1, 31 Piper; der mir pacem hat gwunnan gegan (var. umbe) sinen vater mit effusione sui sanguinis Williram 142, 16 Seemüller; ain urlaub gewinnen umb ain raut städtechron. 5, 206. seltener bei anderen verben, so bei verben des bittens, flehens u. s. w.: wan swer des tugentrichen man dekaine künde ie gewan, umbe den kund er wol bejagen, daz er in sere muste clagen Rudolf v. Ems Willehalm 2073; ih habo daz irsiuftot umbe got Notker 2, 421 Piper; ob ich schon nit umb euch begerte, solt es die sache aus ir selbs von euch erlangen Hutten opera 1, 418 Böcking; des helfent sînem wîbe um got bitten alle daz im der sige gevalle Hartmann Erec 8894; diser ... hat umb gott gebeten, dasz er in us dieser zit berufte Tschudi chron. 1, 36. mhd. auch helfen umbe, s. mhd. wb. 3, 181b. I@A@66) bis in die gegenwart hielt sich nur etwas um jemanden verdienen, jedoch spielt hier die verwendung von um zur bezeichnung einer beziehung (s. u. I C) hinein: was es daz ein snider oder ein schuchsüter ... eime herren hiesche, daz er umbe in verdienet hette städtechron. 8, 123, hier noch im eigentlichen sinne; die iht triuwe hêten von den wart er gekleit: daz hete ouch wol verdienet umbe alle liute der helt gemeit Nibelungenlied 932, 4; ich han den schemelichen spot vil wol gedienet umbe got Hartmann armer Heinr. 384, vgl. Iwein 4502; 8094; der lieb heilig so vil um gott verdient hat Zwingli deutsche schr. 1, 280; so vil barmhärtzigkeit ... bewisen wirt von got, wie vil er jetz (auch denen, so es umb in nit verdient haben) den todten in sim gebät behilflich ist Eberlin v. Günzburg 1, 70 ndr.; Pisa konnte mich strafen: um Pisa hatt ichs verdient; aber womit um ihn? Gerstenberg Ugolino 244 Hamel; ich hab es wol auch mit um euch verdienet: ich sorge still, indes ihr ruhig grünet Göthe 2, 141 Weim.; mord! mord! — ihr selbst? beim trinken! Gunther, Gunther, verdient ich das um dich? Hebbel w. 4, 152 W. das synonyme beschulden, verschulden gab diese bedeutung und damit die verbindung mit um früh auf: ê ich die grozen minne ze rehte umb iuch verschulden müge Hartmann Iwein 7985; das hastu wol verschuldet zwar umb mich, durchleuchtigs freulin klar Oswald v. Wolkenstein 11, 38 Schatz; den ich fraget ... wie ich das umb in verschult het Arigo decamerone 259 Keller; mein allergnädigster herr solichs umb mich nie beschult hat Wickram w. 1, 13 lit. ver.; sua in illos merita ... was guts er umb si beschuldet Frisius dict. (1556) 1078; demereor guts umb einen beschulden Calepinus xi ling. (1598) 393a. I@BB. bei zeitbestimmungen dient um meistens nur der ungefähren festlegung um einen zeitpunkt (vgl. oben A 1 b), so auch ags., s. Bosworth-Toller 1294. I@B@11) gewöhnlich bei bezeichnung eines zeitpunktes: umpi super (media nocte) ahd. gl. 2, 664, 22; umpi sub (casum hiemis) ebda 629, 38; umbi thia sextun inti umbi thia niuntun zit Tatian 109, 1, hier öfter, stets als übertragung von circa, während der lat. abl. temp. mit zi oder in wiedergegeben wird; umbe mitten tag (in meridie) Williram 13, 2 Seemüller; ich sol um mitten tac morgen komen an eine stat Hartmann Iwein 4742; umb die vierden wach der nacht erste deutsche bibel 1, 144 lit. ver.; sie seint am morgen vol, ... zuo dem schlaftrunck vol und umb die x seind sie wider vol Keisersberg sünden des munds (1518) 5b; znacht um die elfen Th. Platter 90 Boos; so er des nachts kombt umb das ein H. R. Manuel weinspiel 2648 ndr.; heut zu mittag um zehen schlege sein gast (sub horam decimam) Joh. Orsäus nomencl. meth. (1623) 292; etwan umb zeigers 9 oder 10 viehbüchlein (1667) 10; an dem 4. tag apprillis zue morgens umb die 8 ur bei Baumann quellen 433; in mitten aller fleischlichen anfechtung, die um die 24 jar am grösten ist Zwingli deutsche schr. 1, 39; ein taub ... die kam zuo im umb den abent Zürcher bib. (1531) 1, 4b; ein storchen umb winachten ... wer mir warlich ... seltzam anzuoschawen Wickram 2, 105 lit. ver.; umb den herbst werden sich kranckheiten erregen M. Herr feldbau (1551) 23a; Lenore fuhr ums morgenroth empor aus schweren träumen Bürger 13 Bohtz. nur in älterer sprache: da es nu umb den abend kam N. Hermann sonntagsev. 51 Wolkan; da ... es nun nahend umb die abendzeit worden Schaidenreisser Odyssea (1537) 45b. mit adverb: wære daz iuch des niht betraget ..., so mehte wir iu vil kume hin umbe abent vol gesagen diu manegen groszen zeichen, diu min trähtin hiute begangen hat fundgr. 1, 84; bisz umb die viere Frisius dict. (1556) 639a. die bedeutung der annähernden zeitangabe ist schon früh verblaszt, sie bedarf heute der hervorhebung durch einen besonderen zusatz: etwa um ..., um ... herum. die maa. unterscheiden um zehne von um ein zehn, um zehn rum, dieses als ungefähre angabe, vgl. Fischer schwäb. 6, 82; Müller-Fr. 2, 595. nd. auch üm — ut: ümme johannisdag ūt fenget he an to bloimen Stürenburg ostfries. 240; Damköhler Nordharzer wb. 197, vgl. für das ags.: ymb midde niht ûtan (nocte media) Gregors dialoge 253, 17 Hecht; ganz vereinzelt auch schriftsprachlich: in der fastenzeit und um pfingsten aus pflegten sogar die kriegsleute keine waffen zu führen S. Fr. Hahn teutsche historie 3 (1723) 109; um fasten aus ebda 2 (1721) 233 anm. I@B@22) nur ältere sprache kennt einen noch weitergehenden gebrauch, so, wenn gelegentlich um zur angabe auch der ungefähren zeitdauer dient: ich ... rait mit in in den Turgöw umb 2 tag Richental Constanzer concil 23 lit. ver.; es ist noch umb drei wochen zu thun, so ist unser flachs aufgesponnen Grimmelshausen 3, 336 Keller, oder wenn der zeitpunkt für ein zukünftiges ereignis durch angabe der zeitlichen entfernung bestimmt wird, erst nhd. belegt, doch mit zahlreichen parallelen im ags.: ymb seofon niht post dies septem, s. Bosworth-Toller 1294a: um einer halben stunde werden wir speisen Borkenstein bookesbeutel 16 lit. denkm.; gehen hienein, umb ein wenig kommen sie wieder engl. comedien (1624) O 3b; bald umb ein augenblick so ist kein thier noch teufel, der also wüten kan J. Rachel sat. ged. 21 ndr.; sie legen ... meinen gedanken ... eine wichtigkeit bei, die ich erst ... um 10 jahre werde fordern dürfen B. G. Niebuhr in lebensnachr. 1, 46; ebenso 1, 49; 3, 144; 148; wenn wind und wetter gedeihen geben, so segeln wir ... um ein paar tage nach der Levante Kotzebue sämtl. dram. w. 7, 158; um drei jahre komme ich zurück 8, 92. vgl. mundartliches üm tid nach einer weile, mit der zeit niederd. jb. 20, 51. I@B@33) der gebrauch von localem um vor einer flächenbezeichnung (s. o. unter I A 1 d) hat sein gegenstück in um vor einem zeitabschnitt, während dessen ein vorgang sich zuträgt oder andauert: Christus sagt, der glaub werd umb die letsten täg abnemmen J. Nas antipap. eins u. hundert 2 (1568) B 7b; wenn alles umb die nacht empfindet seine ruh, so wach ich gantz allein S. Dach 161 lit. ver.; die unschuld wohnet auf dem lande wie umb Saturnus göldne zeit Stieler geh. Venus 23 ndr.; um sei zeit war er (der stellwagen) aa scho recht K. Stieler ged. 1, 141; nachgestellt: sol ich mein gest daz jar umb also speisen Eulenspiegel 51 ndr.; und wäret der salmenfang das jar umb Tschudi chron. helv. 2, 119; vel ein grote sne und sniede wol dre dage umme städtechron. 7, 347; dit schal stan en jar umme, van sunte Katherinendage an to rekende 36, 538, weiter belege Schiller-Lübben 5, 3; mundartlich ' s jōr um das jahr hindurch, im laufe des jahres Staub-Tobler 1, 226. I@CC. schon in vorlitterarischer zeit hatte die genetisch jüngere schicht der modalen verwendung von um das übergewicht über die locale. ihre entstehung läszt sich nicht mehr mit gewiszheit ersehen: I@C@11) zunächst belege, die die weite ausdrucksmöglichkeit von um für ein beziehungsverhältnis schlechthin ohne ausgesprochen causalen (darüber s. I D) oder finalen (darüber s. I E) charakter zeigen: Martha avalota umbi thaz oftiga ambaht (satagebat circa frequens ministerium) Tatian 63, 3; din fater gebot sinen angelis umbe dih (mandavit de te) Notker 2, 386 Piper; nu besueret er abo filias Hierusalem umbe sine sponsam Williram 19 Seemüller; nu ist ez anders umb iuch komen Wolfram Parz. 798, 28; er nam zu payden henden das schwert; er wolt es enden umb den wurm oder umb sich Heinrich v. Neustadt Apollonius 8475; umb Kernden (was Kärnten anbetrifft), als er mir enpôt, daz ist wizzenlich, daz mîn ôheim herzog Uolrich und sin vater herzog Bernhart mit mir des über ein wart, daz wir mit hantvesten ... mit einander uns verbunden ... (folgt regelung der erbfolge) Ottokar reimchron. 13 272 Seemüller; umbe das, ob die ding also beschehen wären, so müesst es ie ain ander sein gewesen U. Füetrer bayer. chron. 140 Spiller, weitere mhd. belege mhd. wb. 3, 180; es war ganz lecherlich zuzusehen, umb (für) die es nit angieng zimmer. chron.2 4, 110 Barack; er waz ein grosser swerer pei got umb alle kleine dinge Arigo decamerone 20 lit. ver.; umb (hinsichtlich) Ismael habe ich dich auch erhöret 1. Mos. 17, 20; da werden verhöret werden ein jeglicher umb seine sünd Paracelsus op. (1616) 2, 441; endlich hat es ein bös alter umb sie genommen Fronsperger kriegsb. 1 T 4a; meinet es wer ... schon aus umb die feindt Xylander Polybius (1574) 56. I@C@22) diese freie verwendung von um zum ausdruck einer beziehung schränkt sich schon früh auf bestimmte gruppen von verben und wendungen ein und hält sich neben ihnen z. th. bis in die gegenwart. I@C@2@aa) auf bereits vorgermanischen sprachgebrauch weist die verwendung von um neben verbis dicendi und sentiendi, vgl. ags. spreccan, seggian, cweðan, hycgan ymb, as. tellian, queðan, huggian u. s. w. umbi: umbi dhesan selbun christ chundida almahtic fater Isidor 5, 12 Hench; vgl. 19, 1; Monseer fragm. 33, 7; ich wil iu künden umb ir nar Wolfram Parz. 469, 2; ungemein häufig neben quedan im Isidor und in den Monseer fragmenten, s. die glossare. umbi sinan namun sprehhan Isidor 30, 22; zuo sîner meisterinne er sprach umb die sûl die er da sach Wolfram Parz. 591, 27; weitere belege zu sprechen in seiner verschiedenen bedeutung th. 10, 1, 2811; 2832; 2836; hier begin ih einna reda umbe diu tier Steinmeyer kl. denkm. (1916) 124; ich han geredet um mîn dinc Wolfram Parz. 217, 7; sagen um s. mhd. wb. 3, 181a; man seggt um em Schütze holst. id. 4, 311; raten um, rat geben um mhd. wb. 181b; den feifaltern und heuschrecken rechnunge tun umb ir geslechte ackermann aus Böhmen 13 Burd.-Bernt; der mensch wirt rechnung geben umb sein ding Paracelsus opera 2, 321; fragen um s. mhd. wb. 3, 181a; gr. 4, 837; Schiller-Lübben 5, 2b; als er ... einen jedern umb sein wissen genuogsam ausgefraget Heyden Plinius (1565) vorr. 5a; deswegen hab ich noch einmal an Vulpius geschrieben und erkundige mich noch um verschiedenes Göthe IV 9, 45 W.; 9, 55; 12, 60; 16, 9, jedoch erkundigen nach IV 16, 18, s. th. 3, 885; in haubide dhes libelles azs erist ist chiscriban umbi mih (scriptum est de me), dhazs ih dhinan willun duoe Isidor 16, 9 Hench; ebenso 7, 2; 32, 11; dhar dhu chihoris umbi dhen chisalbodon (audis deum unctum) ebda 5, 8 Hench, mhd. belege gr. 4, 855; dasz wir umb unsere boten noch nit vernomen dann wie sie seind wohl empfangen bei Staub-Tobler 1, 225; etliche darunter deren zum tail umb das handwerch nit gelernt haben (1568) österr. weisth. 10, 22; daz rou sî alsô sêre daz sî hâte lützel ahte umbe der bluomen gesmahte Fleck Flore 5682; si verstont sich nicht umb das Keisersberg sünden des munds (1518) 26a; do he denken begonde met allen sinnen sînen omb di skônen Lâvînen Heinrich v. Veldeke Eneit 11 026, s. gr. 4, 838; umbi chunda sahha meinant Monseer fragm. 26, 23 Hench; vgl. ebda 15, 1; waz tunchet iu umbe christ (quid vobis videtur de Christo) Notker 2, 311 Piper; wie dunckt dich umb die klugheit? Luther 18, 183 Weim.; mir ist kunt umbe, s. mhd. wb. 3, 181a; gr. 4, 860. 'um bezeichnet ... einen gegenstand des wissens: ich weisz nichts darum, er weisz um die sache' Adelung lehrgeb. 2, 152, auch in der gegenwart üblich, schon alt: liezen mich gedanke frî, son wiste ich niht umb ungemach Walther v. d. Vogelweide 41, 35, s. mhd. wb. 3, 181a; gr. 4, 855; di wusten me umme di zukunft gotis Dietrich v. Gotha predigten 12d nach Türk; alle, die umb das mord wiszten Fortunatus (1509) 152 ndr.; der alte hausfreund, der nebst dem beichtvater allein um das geheimnisz wuszte Göthe 23, 265 Weim.; als wisse er um alles Ludwig ges. schr. 1, 205; vgl. 2, 51; 568. auch noch mundartlich Staub-Tobler 1, 225. I@C@2@bb) seit dem 16. jahrh. kommt allgemein in brauch (s. th. 4, 1, 295): ein zart und teur ding ist es umb den glauben Luther 12, 271 Weim.; die baurn wusten nicht, wie köstlich ding es sei umb friede und sicherheit, das einer mag seinen bissen und trunck frölich und sicher geniessen 18, 394, vgl. 8, 357; 12, 490; 34, 1, 96; wie es so ein unbestendig und gebrechlich ding umb das glück sei Mathesius Sarepta (1571) 197a, s. Kramer 2, 1197b; es ist ein wunderbaar ding ums regiment dieser welt Göthe IV 3, 129 Weim., seltener: ists denn nit ein greulich wesen umb der papisten und geistlichen leben? Luther 10, 1, 1, 397 Weim.; daher ists um alles geschichtliche ein gar wunderliches unsicheres wesen Göthe 4, 38 Weim., jünger: dasz es eine ziemlich verdrieszliche sache um die welt sein würde J. E. Schlegel w. 5, 435; es ist eine schöne sache ums genie Göthe IV 1, 118 Weim., bei ihm öfter IV 8, 261; 12, 106; I 25, 147. nur in älterer sprache: denn es ist um unsern glauben ein solch thun, dasz er nicht durch gezäncke ... will bewähret sein Chr. Weise väterl. test. (1684) 3. neben diesen allgemeinen fügungen stehen auch speciellere: so ist es ein tol thier umb ein weib, das nicht zu settigen ist mit geschmuck Luther 24, 418 Weim.; ein seltzam thier ists umb ein landsknecht Montanus 284 Bolte; ein geil, üppig thier ists umb die rosz Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 134b; es ist eine schöne blume um eine rose Kramer dict. 2 (1702) 1197a; es ist ein seltzam wildpret um einen musicanten Chr. Weise grünende jugend 218 ndr.; es ist ein widerlicher harter ton um den ton der unfehlbarkeit Wieland s. w. 24 (1796) 51; es ist ein erfreuliches schönes schauspiel um die fahrt auf dem see Göthe 25, 234 Weim. allgemein üblich in der form: es ist etwas groszes um eine krone Schiller 4, 436 G.; es ist doch etwas herrliches um die grosze welt Pfeffel pros. vers. 2, 17, oder auch es ist herrlich um ein schwärmendes, hochwallendes herz Stifter s. w. 1, 162. I@C@2@cc) es liegt, steht um; es ist beschaffen, bestellt um u. ä.: swie'z umb alle frowen var, wîp sint alle frowen gar Walther v. d. Vogelweide 49, 7, schon ahd., s. Notker 2, 295 Piper; wie es umb die sach läg Hätzlerin liederb. 259; wie kumet ez umbe (verhält es sich mit) daz lant Siciliam Lucidarius 20, 1 Heidlauf, ebda öfter, s. glossar; allweg ist es ümb uns gethan, als fieng wir erst zuo leben an Schwarzenberg Cicero 151b; mich, wie es umb meinen vatern ain gestalt hat, ... zu erkunden Schaidenreisser Odyssea (1537) 7a. hierhin rechnen: es steht gut, schlecht, bös um u. ä., seit mhd. zeit belegt, s. th. 10, 2, 1681; ebenso es ist schad um, s. th. 8, 1977, vergeblich um: vergeblich ists um alles unser dencken P. Fleming 1, 174 lit. ver.; es ist oft seltzam umb irn leib Sterzinger spiele 130 Zingerle. ohne inhaltliche bestimmung: mein mund euch vergicht, wie es umb alle farb sei Hätzlerin liederb. 168; und en hebben noch gene tidinge, wo id is um den schiphern (1410) livl. urkundenb. 4, 734 Bunge; es ist umb uns geleich als umb ein wolken am himmel Keisersberg brösamlin (1517) 1, 23c; also ist es auch umb den willen, umb die liebe, umb die begierde und dergleichen J. Arnd Thomas a Kempis (1631) 7; so scheint es auch um die poesie zu sein A. v. Arnim trösteinsamkeit 45 Pfaff. I@C@2@dd) mir ist es um (zu thun um): mir ist umbe dich rehte als dir ist umbe mich Walther v. d. Vogelweide 49, 20, s. gr. 4, 859; th. 10, 1, 261. schon as.: mer is im thoh umbi thit heliðo cunni, liudi sint im lioboron mikilu Heliand 1683; do was im nit umb das gelt ..., sonder vil mer umb das er sich versach, es wurd auskommen Fortunatus (1509) 100; es ist mir umb dis id curo, id me sollicitat Schönsleder prompt. (1647) L l l 4a. ihr lutherischen fechtet für eure bibel, euch ists um die sach Schiller 12, 221 G.; es ist mir nur um dich und nicht um mich Hebbel w. 4, 215 W., vgl. mundartliches es isch em nit ums esse er hat keinen appetit Follmann lothr. 518b; Staub-Tobler 1, 225. dafür heute allgemein üblich: es ist dir nicht umb seelen, sonder umb gelt zu thun, lieber babst Luther 18, 258 Weim., s. th. 11, 1, 447; Kramer 2, 1096c; Behaghel syntax 2, 335. das pronomen kann auch fehlen: doch ist es umb dis malzeit zuo thun Eulenspiegel (1515) 51 ndr.; ists aber umb kurtzweil zu thun, sind verborgene fragen von den schweren zu unterscheiden Harsdörfer gesprächspiele 1, K 5a; nun ist es aber leider noch um das moralische und politische, um kunst und naturgenusz zu thun Göthe IV 8, 294 Weim.; anders: wann wir nasz werden, so ists ums trocknen zu thun se siamo bagnati, il remedio sarà di riseccarci Kramer 2 (1702) 109b; es ist umb die gewonheit zu thun Lehman flor. pol. 1, 342; es ist um's luege z' tue man braucht nur nachzusehen Staub-Tobler 1, 225. hierher auch: mir ist es ernst um: damit offenlich erkant werde, wie euch umb mein muotter ernst und gach sei Schaidenreisser Odyssea 88b; wie ernst es ihnen um ihre sache ist Göthe IV 10, 360 Weim. I@C@2@ee) es ist geschehen um, getan um u. s. w.: Phoebus hett bald ir end ersehen und dasz es war umb sie geschehen Scheit frölich heimfahrt K 1b; an meinem leben verzagt, förchtend, es wer schon umb mich geschehen Hutten opera 1, 408 Böcking, s. th. 4, 1, 3844; zweifelst du auch ..., dasz es umb mich gethon seie? (quin ego perierim) Frisius dict. (1556) 887a; es ist um mein bleiben bei dir gethan Göthe 25, 150 W., s. th. 11, 1, 449; es ist ausz umb uns, wir sind verdorbne leut absumpti sumus Frisius 12a; um unser leben ist es aus Spreng Ilias (1610) 242b, s. th. 4, 1, 323. auch es ist um-is um uns geschehen Staub-Tobler 1, 224. mhd. auch: nu ner uns küniginne vor Waten und sînen mannen. ez enstê an dir al eine, ich wæne ez sî umbe mich ergangen Gudrun 1508, 4; ez sol umb sie (d. i. die gîsel) ergangen sîn umbe solhe drô Ottokar reimchr. 5050, s. auch Hartmann Iwein 3145; 3298. I@C@2@ff) sonstige verba: sich verdient machen um: gelährte und üm Teutschland hochverdiente männer Rist friedewünschendes Teutschland (1648) 9; einem umb sie hochverdientem helden Xylander Polybius (1574) vorr. 3. nur mundartlich auch heute noch sich annehmen um, s. Staub-Tobler 1, 225 und th. 1, 416; mhd. wb. 2a, 267b: umb swiu si sich næmen an, daz wurde wol alsus getan daz si daran wæren sleht Ottokar reimchron. 3931; und nam mich umb die christin an H. Sachs 14, 27 lit. ver.; ich nehme mich um alles an, was liebe heiszt Nestroy ges. w. 2, 135. I@DD. causales um ist ahd. häufig bezeugt, seltener im ags. und as.: I@D@11) I@D@1@aa) umpi daz idcirco ahd. gl. 1, 178; giheftita inan in carcare umbi Herodianeum Tatian 79, 1 (als übertragung von 'propter', das sonst mit thuruh wiedergegeben wird). Isidortext und Otfried verwenden umbi in rein causalem sinne nicht, um so häufiger Notker: salig sint die umbe reht ahtunga leident 2, 122 Piper; der umbe wort manslaht tuot 2, 208, 15; halt mich umbe dina gnada (salvum me fac propter misericordiam tuam) 2, 15, 13; umbe iro unreht sint sie ferloren (propter iniquitatem suam) 2, 290, 26. weitere belege bei Graff ahd. präpos. 185; daz er von herzeleide sich wolde erstechen umbe mich Hartmann Iwein 4004; sô habe doch, swester, lîhten muot, und schône dîn umbe mich Tristan als Mönch 1231; mich hat in die acht gethan der kunig Anthiochius gar umb nichti und umb sust Heinrich v. Neustadt Apollonius 974 Singer; gerechte lieb umb lieb ligt tot! Hätzlerin liederb. 283; man nannt auch die Francken umb dis wort die Salici und zuvor umb die art zu Köln U. Füetrer bayer. chron. 24 Spiller; herre tot, ir wisset es selber. umb solich gross herzenleit sol ich euch mit rechte zusuchen ackermann a. Böhmen 15 Burd.-Bernt. seit ahd. zeit auch bei angabe des psychologischen motivs: so er sie sluog, so suohton sie in unde irwunden ze imo nals umbe minna, nube umbe forhtun Notker 2, 317 Piper; den zins von sînen landen ... denselben liezen si dâ gar: daz tâten se umb ir selber muot (aus freiem antrieb) Wolfram Parz. 54, 2; vgl. herre, ir lobt mich umbe not 9, 17; so si hat geborn das kint, ietzunt gedenckt si nit der bedruckung umb die freude, das ein mensch ist geborn in der welt erste deutsche bibel 1, 403; wann er west, das si in hetten geantwurt umb neide 1, 109. dieser gebrauch, der dem modernen sprachempfinden am fernsten steht, ist seither nicht mehr bezeugt, wie denn überhaupt die freie verwendung des causalem um seit frühnhd. zeit zusehends geringer wird: der sie umb ir schoni zu einem wib nam Terenz deutsch (1499) 64b; pin sint wir got dem herrn schuldig und buoss für die sünd und umb die sünd Keisersberg bilgersch. (1512) B 2c; wer sich demütigt umb sein übel und schuld, die er begangen hat, der ist gedultig und mürmelet nit umb die peen, die er leiden sol A. v. Eyb spiegel (1511) B 1b; dasz wir auf erden leben, das geschicht nirgent umb, denn das wir ander leuten auch helfen sollen Luther 12, 267; impunitatem proponere einen frei sagen, dasz im nichts umb ein ding geschehen sölle Frisius dict. (1556) 1078b; umb eines anderen miszthaat verklagt 1161a; wen idt in der werlt were sede, dat man umme eebrock und horerie nasen afsnede Husemann spruchslg. nr. 65; das Ergöw ist nicht schuldig um ehe- oder anderer sachen ... nach Constantz zu gehen Tschudi chron. helv. 1, 1; sie wird mich um mich selbst lieben, und ich werde um sie die ganze welt vergessen Lessing 2, 254 L.-M.; wollt um dich aller gefahren spotten maler Müller 1, 202; wer wollte doch um einen irdnen krug ... solch einen aufruhr, so viel unheil stiften H. v. Kleist 1, 351 E. Schmidt; die götter retten um ihr reines blut das messenische volk Klinger w. 2 (1815) 130; so verzeiht mir gott um dieses leiden meine vorgen sünden Tieck schr. 1, 83; sie meinen auch, ... um den zweck dürfe man über die mittel wegsehen W. Alexis vaterl. romane 8, 470; der Franzose thut alles um die personen, um seinen feldherrn, um seinen chef, und zuletzt um sich Gutzkow ges. w. 9, 78, bei ihm öfter, vgl. zauberer v. Rom 1, 320; 3, 46; 71; 4, 47; 96; er war überzeugt, alle mädchen, die in Luckenbach krank waren, die waren das um ihn Ludwig ges. schr. 2, 349. ganz vereinzelt steht der dativ (s. auch oben A 1 e): ir wert in hasz allen leuten umb meinem namen erste deutsche bibel 1, 37; fragt sie der richter, wie und umb weme si gericht sein, so seind si im schuldig ze sagen österr. weisth. 1, 19. I@D@1@bb) neben gewissen verben vollzog sich ein übergang des causalen 'propter' in 'pro': sanguis meus ... qui pro multis effunditur miin ... daz umbi ... Monseer fragmente 22, 10 Hench; do er sich selben umbe sie patri opferota Notker 2, 6 Piper; also Christus umbe unsih (pro nobis) sin lib liez, also sulin wir den lib lassin umbe (pro) unsere bruodera 2, 361. bitten (beten) um (pro), heute nur in finalem sinne zu verstehen (s. I E 2 a), ist ahd. mhd. in gebeten allgemein üblich, vgl. etwa Otlohs gebet (Steinmeyer denkm. 182 f.) und Hoffmann v. F. fundgruben 1, 113, ein anderes bitten um 'erflehen von' s. o. A 5: ih peteta aber ze dir ... umbe sie Notker 2, 267 Piper; der umbe den andern pitet, der nert sich selben fundgr. 1, 114 (qui pro alio orat, se ipsum liberat); swer umbe den sündære bite, da lœse er sich selben mite Hartmann Gregorius 3401, weitere belege mhd. wb. 1, 170b; 3, 180a; ich bit umb si, nit umb die werlt; wann umb die, die du mir gebt, wan si seint dein erste deutsche bibel 1, 406 lit. ver.; wolt ir got ein widerlegung thuon umb sin grosse lieb zu euch ... Eberlin v. Günzburg 1, 52 ndr.; was tuond die, die do werden getaufet, umb die toten erste deutsche bib. 2, 103 lit ver.; wann der nit ist wider euch, der ist umb euch ebda 1, 157, vgl. 2, 140. mundartlich: he hät väl üm er dahn niederd. jb. 20, 51. I@D@1@cc) adverbielle verbindungen: umbe die zwo vorgesagten ursach Luther 7, 345 W.; üm zweierlei ursachen Bellin hochd. rechtschr. vorr. 4b; um kurzi der kürze wegen bei Staub-Tobler (a. d. j. 1525) 1, 226; Fischer schwäb. 6, 81; umbe waz, umbe daz warum, darum, mhd. gern im reim, z. b. frou Herzeloyde kêrt ir haz an die vogele, sine wesse um waz Wolfram Parz. 118, 30, vgl. 197, 7; 311, 2 u. ö. auch schon ahd., s. o. das enthelt ir got alles vor und verzeucht es ir um das Tauler sermones (1508) 20b. in dieser verbindung hielt sich auch der instrumental, s. die belege mhd. wb. 3, 181 und Behaghel synt. 2, 42. ich sag iu umbe wiu (: driu) Ottokar reimchron. 1262; waistu umb weu ich an Artus hof pin gelegen U. Füetrer Lanzelot 7 lit. ver.; nun schweigt! ich will euch wissen lan, umb weu ich euch her geladen han fastnachtssp. 439, 22 Keller; umb weu si stoszig wären (1308) Lori baier. bergrecht 5; umbe die so sint die becorungen des geluckes vile engestlichere wan des widermudes die lilie 9 Wüst. jünger: sie kamen auch nicht um deshalb, herr major W. Alexis vaterländ. romane 8, 105; einen überaus eleganten und um eben deshalb ... wenig passenden rokokoschreibtisch Fontane ges. w. I 5, 6, näheres unten I J 2. I@D@22) auch causales um geht schon früh mit bestimmten verben und verbgruppen eine feste verbindung ein: I@D@2@aa) loben, tadeln, strafen, danken um: ... lobeta ih dih umbe die urteilda dines rehtes Notker 2, 541 Piper; willigo lobon ih dih, nals umbe ander ane umbe dih selben 2, 205, auch in neuerer sprache, doch selten: wenn ihn die kameraden um dinge loben, um die er sich hätte schämen müssen O. Ludwig ges. schr. 2, 124; dagegen öfter bezeugt, wenn auch nur älterer sprache angehörend, strafen um: dô strâphoter si gar sêre umbe ir ungelouben deutsche predigten 2, 142 Grieshaber; (sie) in mit etlichen stichworten umb sein also ze nichtes leben meinet mit zucht ze straffen Arigo decamerone 50 lit. ver.; darumb wiltu um dein ungeschickligkeit oder ubertrettung ungestrafft sein J. Arnd Thomas a Kempis (1631) 127; strafen umb sein urtail österr. weisth. 5, 197, umb sein ungehorsam 722; wer wolthat gibt, solls bald vergessen; wer wolthat nimmt, solls nie vergessen; sonst ist um undanck der zu straffen und jenem hoffart zuzumessen Logau sinnged. 467 Eitner; neben verwandten verben: si sprechend, man bandet nieman um die schuld, aber um die ungehorsame Zwingli deutsche schr. 1, 80; nieman sol ouch einen andern rugen ... umme sine suonde in der bicht deutsche pred. 34, 3 Leyser. hierhin auch schuldig um in verschiedenem sinne: umbe dich selben bis du dich dineme gevere zuirent schuldich die lilie 40, 24 Wüst; umb brodt zehen gulden schuldig Ferdinand v. Tirol spec. vitae hum. 46 ndr.; (dennoch) heisz ich um verrath ihn schuldig Fr. W. Weber Dreizehnlinden 135. um schuld wird formelhaft: manger hat sîn wîp geslagen umb ir krenker schulde Wolfram Parz. 135, 27; gevangen umb ir schuld Oswald v. Wolkenstein 103, 32 Schatz; fraw, wa sind chomen, die dich gerüget hand umb deine schuld Hätzlerin liederb. 114a; das man fürter kein umb schuld lasz in ban thuon Eberlin v. Günzburg 1, 12 ndr.; wozu mich ... des himmels satz um schuld verurtelt hat Logau sinnged. 208 lit. ver. ihm gegenüber steht um unschuld: wan ich bin umbe unschulde her in (in den kerker) geworfen deutsche predigten 98 Grieshaber; zuo einem mal was ein koufman und den fieng ein böser man um unschult der heyligen leben summert. (1472) 100a; er schrib ... brieff, wie in die fürsten umb unschuld hassetind Tschudi chron. helvet. 1, 47, vgl. Staub-Tobler 8, 651; wie strafen um ist kaum über das frühnhd. hinausgekommen danken um: si kunde ouch sich des nieten daz se im dancte umb sîn komn Wolfram Parz. 725, 11; der (arzt) aus der kunst soll sich rühmen, ..., der mit der kunst, dancke umb die kunst Paracelsus chirur. (1618) 128c; ein jetlicher christ sol all tag ... sich im gebät zuo gott keren ... in dancksagung umb alles guots Eberlin v. Günzburg 1, 41 ndr. I@D@2@bb) am häufigsten neben verben der gemüthsbewegung und ihrer äuszerung. dieser gebrauch reicht bis in vorlitterarische zeit zurück, vgl. as. gornon umbi, sorgon umbi Sehrt wb. 440, ags. cearian ymb, forht ymb Bosworth-Toller 1294; der lange hât geweinet umb iuwer süeze minne mit ougen und mit sinne Konrad v. Würzburg Trojanerkr. 22 823; und niemant hetten, der umb sie weinet oder trauret Arigo decamerone 6 Keller; ach, so werd ich um dich mein ganzes leben durchweinen Klopstock oden 1, 58 M.-P.; in eineru minnu umbi alleman sufteot sola dilectione erga omnes inhiat Monseer fragm. 30, 12, s. th. 10, 1, 702; do vernam ouch disiu mæresîn muoter Siglint. si begunde trûrenumb ir liebez kint Nibelungenl. 61, 2; die guote amme on masz traurig umb ir verlorne frawen Arigo decamerone 95 Keller; siehe das grab der frommen schwester, die trauernd um den bruder erblich Herder 26, 24 S.; und tag und naht, wachen und slafen, so pin ich umb euch bekumert privatbriefe 1, 3 Steinhausen; auch in anderem sinne: sich um etwas bekümmern, schären Kramer 2 (1702) 1196c, weitere belege th. 1, 1432; hie sulle wir prüefen, hân wir rehten riuwen umbe alle unser gebresten myst. 2, 453, 7 Pfeiffer, s. th. 8, 830 f.; und werden sich umb in betrüben, wie man sich betrübt umb ein erstes kind Sacharja 12, 10; bis suorcfol inti gitruobit umbi managu Tatian 63, 4. sorgen um, sorge um ist bereits ahd. und as. belegt, s. th. 10, 1, 1755; 1773, vgl. auch sorgfältig um ebda 1792. seit mhd. zeit begegnet mir ist leit, wê, swære umb, s. mhd. wb. 3, 180b: es ist mir von herzen leid umb euch Arigo decamerone 200 Keller; liebe nicht alzu lieb, leide nicht alzu leit sol umb gewin und umb verlust bei weisem manne wesen ackermann a. Böhmen 54 Burd.-Bernt; auch leid haben, tragen um, s. th. 6, 657; 11, 1, 1073. heute fest geworden es thut mir leid um, s. Gerstenberg recensionen 146 lit. denkm.; klagen um reicht bis in die gegenwart: wenn du unsichtbar dich den einsamkeiten nahest, wo er um meinen tod noch klagt Klopstock oden 1, 101 M.-P.; für das mhd. vgl. mhd. wb. 3, 180b; gr. 4, 846. nur in älterer sprache gibt um den grund der freude an: fore mendi mendet ir umbi die lutun des priutegomen (gaudio gaudet propter vocem sponsi) Notker 2, 196 Piper; mir ist daz herze worden vro ümbe ein vil reine sælik wîp v. d. Hagen minnesinger 1, 10a. bis in die gegenwart dagegen neben ausdrücken des bangens und fürchtens: pihuctigeer si um bi kidancha sine sollicitus sit circa cogitationes Steinmeyer denkm. 211, 27; der künic ez wol hôrte er angeste umb den man Nibelungenlied 622, 1; ich habe solche angst um dich Fontane ges. w. I 5, 154; mich ergriff ein schweres bangen um des gatten theures leben Müllner dram. w. 2, 9; der held, um den du bebest Ramler lyr. ged. 98; wie oft hab ich um euch gezittert, eh das feuer mir so nahe kam Lessing w. 3, 11, 181 L.-M.; jedoch ungebräuchlich: hab knechtlich forcht umb die sünd Keisersberg bilgersch. (1512) 11c. hierhin auch: mîn hohstiu nôt ist umben grâl; da nâch umb mîn selbes wîp Wolfram Parz. 467, 26, und in gewissem sinne die fügungen: aus not um, in not sein um, not leiden um, überhaupt (viel) dulden, erdulden, leiden um und in jüngerer zeit verlegen sein um. neben zürnen, gram sein, hassen, auch sich wundern: welt, du ensolt niht umbe daz zürnen, ob ich lônes man Walther v. d. Vogelweide 60, 13; weiber, die da umb eine sache einmal zürnen engl. comedien (1624) B 1b; zürnest du auch wohl um eine derbgeschlagne wunde Bürger w. 167 Bohtz; und woren eme gram umme sine gottlichin zeichin und umme sine heilge lere Dietr. v. Gotha pred. 55a nach Türk; anders: tot vor gram um mich Lenz ges. schr. 1, 53 Tieck; daz mich der künec Gramoflanz sus hazzet umbe sînen kranz Wolfram Parz. 696, 26; si ... truogen im hass umb sein gerechtes leben summerteil d. heyl. leben (1472) 38b; da wundert sich erst jung und alt umb die verwandelung der gstalt C. Scheit frölich heimfart 75 Strauch, für das mhd. vgl. mhd. wb. 3, 180b; ungewöhnlich du bist wohl stolz um solch ein knabenspiel Fouqué held des nordens 1, 98. bis in die gegenwart fest beneiden um: Rachel nidet ir swestir kint umb ir schoniu kint genesis 57, 10 Diemer; und meinen herd, um dessen gluth du mich beneidest Göthe 2, 76 Weim. I@EE. auch finales um hat im laufe der letzten jahrhunderte beträchtlich an boden verloren: I@E@11) daz wir siu (d. i. unseriu hantwerch) netuoen umbe werltlichen dang, wanda so sint siu chrumb Notker 2, 382 Piper; er gibet lieht, regen, wint umbe die erdwuochera 2, 430; ich sanc hie vor den frowen umb ir blôzen gruoz Walther v. d. Vogelweide 49, 12; pitter marter, so du lait gedultikleichen geren umb unser freud und sälikait Oswald v. Wolkenstein 108, 11 Schatz; wer schlüft inn esel umb das schmär S. Brant narrenschiff 54 Zarncke; einsmals im gnadenreichen jar ich auch zu Rom umb ablas war H. Sachs 9, 486 lit. ver.; das sprach der herr zu Mose: recke deine hand uber Egyptenland umb die heuschrecken, das sie auf Egyptenland komen 2. Mos. 10, 12; den fuchs jagen umb den balck Fischart Dominicus 128 Kurz; men sal nicht geven umme weddergeven Tunnicius sprichw. nr. 763; umb den nahmen eines gelährten studiert ein jeder und nicht dardurch fromb und tugendhaft zu werden Lehman flor. pol. 1, 490; der marktrichter der muesz umb die peisizer ausschreiben (1576) österr. weisth. 6, 388 anm.; die vögel sitzen traurig auf braunen ästen und pfeifen um speise; die gefrorene erde seufzt um wärme U. Bräker s. schr. 2, 242; die kleinen verfolgten mich um ein mährchen Göthe 19, 72 W.; so vieler Schweden adeliches blut es ist um gold und silber nicht geflossen Schiller 12, 223 G.; ich umb anders nicht hie pin dann zethon euer wolgefallen Arigo decamerone 184 Keller; in diesen verborgenen winkel, in diese kluft ist der sohn gottes hinabgestiegen, nirgends anders um, als die seelen zu suchen Scriver seelenschatz (1737) 1, 26a; nur in älterer sprache: wie er im hülfe umb sin leben Boner 11, 30 Benecke, s. mhd. wb. 3, 181b; darumb ich min husfrouw bat, dasz sie mir helfen wett umb gelt N. Manuel 73 Bächtold; an der Öttsch was der welsch wein so wol geratten, als kain man gedenckt ..., es half das Öttschland umb gros gut städtechron. 25, 77, davon gänzlich zu scheiden die fälle mit nachfolgendem personalobject (bei jem. zu etwas verhelfen), s. o. A 5. I@E@22) finales um neben bestimmten verben: I@E@2@aa) seit ältester zeit bitten, flehen, fragen, schreiben, rufen um: daz got ofto betuot sin ora gebetener umbe disiu zitelichen (temporalia), durh daz, daz man in bitte umbe diu ewigen (eterna) Notker 2, 160 Piper; zehant lêch er und gap, umbe swiu si in baten Ottokar reimchr. 15 051, mhd. wb. 3, 181a; ich bin das weip, die do hie stund vor dir, betent zuo dem herrn umb ditz kind erste deutsche bibel 5, 13 lit. ver.; wi bidden got umme sine hulpe Tunnicius sprichw. nr. 588 Hoffmann; nit ist das gebet gut und recht, das vil ist, ... langk, umb zeitlich adder ewig gut, sundern das fest bauet und trauet, es wird erhoret Luther 2, 127 Weim.; elliptisch: um vergebung, wie ist ihr name Schnabel Felsenburg 16 lit. denkm. ältere sprache verwendet bei bitten auch den genitiv, s. gr. 4, 850, jüngere nur noch um, ebenso bei den synonymen: und man fleht um euern segen Göthe 2, 31 Weim., s. th. 3, 1751; warumb geilent ihr umb die ämpter? Paracelsus opera 2, 625, s. th. 4, 1, 2, 2577; ersuch Archigenes umb einen guten rath J. Rachel sat. ged. 51 ndr.; ein pfarrherr, der bei einer evangelischen gemeind umb dienst ansucht Lehman flor. pol. (1662) 89, s. th. 1, 495; dieselben hielten bei den Schotten umb einen ort landes an Micrälius Pommerland (1640) 2, 153, s. th. 1, 365; also mane man en umbe das vorgeschrebin gelt handelsrechn. d. deutschen ord. 279 Sattler; um bundeshülfe gemahnt Mommsen m. gesch. 2, 20; ein anderen anzuosprechen umb rat und absolution Eberlin v. Günzburg 1, 29 ndr., s. th. 1, 468; Staub-Tobler 1, 252; si (die Juden) got umb urtail fragten Hätzlerin liederb. 114; umb erlaubnusz fragen Fischart praktik 5 ndr.; umb rath fragen Ferdinand v. Tirol spec. vitae hum. 79 ndr.; auch im sinne von 'interrogare', wo heute allgemein nach gebräuchlich ist: wenn man sie umb schrift und grund ihrs dings fragt Luther w. 10, 2, 149 W.; er fragte ihn um die ursache seiner traurigkeit Klinger w. 3, 93; um meinen namen und mein alter fragen Göthe 21, 72 W.; (er) fragte um die mutter, man hatte sie in dem garten nicht gesehen Stifter s. w. 3, 278, s. th. 4, 1, 1, 54; aber ih scriio umbe genist, also swalewun iungi unde sufton darumbe also tuba Notker 2, 611 Piper; da schrei in Juda jung und alt zu got umb hilf in diser not H. Sachs 1, 215 lit. ver.; hör meines sohnes blut; es schreit zu dir um rache J. E. Schlegel w. 1, 28, s. th. 9, 1717; ir frouwen die des toufes pflegn, rüeft alle an got umb sînen segn Wolfram Parz. 574, 30; er hat zu lange gelebet, wer uns umb sterben hat angerufet ackermann a. Böhmen 29 Burd.-Bernt. am häufigsten: umb hilf anruofen Frisius dict. (1556) 105b, s. th. 4, 2, 1324; uber ettlich zeit schreib er dem würt umb sein ketten, der würt schreib umb sin gelt Wickram rollwagenb. 100, 26 Kurz; ich habe ... um einige nähere auskunft geschrieben Göthe IV 12, 96 Weim. I@E@2@bb) als zweckbestimmung neben verben der bewegung: ih cham umbe urteil (in judicium) hera in werlt Notker 2, 335 Piper; nu kam zuoz im an ainem tage ain wapenknappe umbe guot Rudolf v. Ems Willehalm 2822 Junk; ob die Engländer kämen um des handels willen, oder dann um krieg Ritter erdk. 1, 275; dann si all umb stain ausgefaren waren Schaidenreisser Odyssea (1537) 100a; um den artzten, um den beichtvater etc. laufen, um brod, um wein etc. gehen, kommen Kramer dict. 2 (1702) 1196b; si giengen ûz umb ir bejac Wolfram Parz. 485, 19; um winninge geit de pape an dat altar Tunnicius sprichw. nr. 335 Hoffmann, vgl. üm de aier gōn Woeste westfäl. 279b; um öppis us sin Staub-Tobler 1, 225; der verwalter ging um den schlüssel Stifter s. w. 5, 1, 366; prägnanter umb brot gon (d. i. betteln) Eberlin v. Günzburg 1, 99 ndr.; (er) kam in solche armuth, dasz er umb brot gehen ... muste Heyden Plinius (1584) 62; als die fedren warendt verthon, do muostens umb den bettel gon Murner geuchmatt 1153 Fuchs; sin herre hête in dare gesant umb einen michelen ârant Wiener genesis in fundgruben 2, 34; herre, ich bin in ditze lant von dem kunige gesant umb anders niht denn umbe diu daz ich vordern sull an iu ... Ottokar reimchr. 13223; wann er hat gesant zuo mir umb meine weiber und umb die sune und umb daz silber und umb daz gold erste deutsche bibel 5, 331 lit. ver., s. th. 10, 1, 574; er schickt zustund umb erzt, die in bünden und heilten Tristrant 182 lit. ver.; (er) hatte nach dem herzog von Urbino um hülfe geschickt Göthe 43, 104 Weim., heute noch obd. um den arzt, den pfarrer schicken. I@E@2@cc) trachten, streben, sich umsehen um u. a.: umb ein reiches weib trachten Guarinonius grewel (1610) 283, s. th. 11, 1002; werben um ist bereits mhd. durchaus üblich, s. mhd. wb. 3, 181a; gr. 4, 841; (beide) umb ir hulde worben Arigo decamerone 111 Keller; und das erstaunen wurde noch gröszer, als er ... — um die pfarrerstochter warb G. Keller w. 1, 20; sich um etwas bewerben, umthun, umsehen Kramer dict. 2 (1702) 1196c; zu buhlen um s. th. 2, 502; den oft und hertzlich geführten wunsch umb die erscheinung und zukunft des Messiä Dannhawer cat. milch 1, vorr. 2a; gr. 4, 851. daz ich si verheiret und ir umb ainen erbern fromen man seche Arigo decamerone 342 Keller; ir beid euch umbsehen wolt umb ein schöne junckfrau Wickram w. 2, 85 lit. ver.; zum andern sol der schultheisz umb zwölf geschickte männer sehen und trachten Fronsperger kriegsb. 1, a 1b; drauf oft Cupido stund und sich um einen weg für seinen pfeil umsahe Logau sinnged. 280 Eitner; er schaue aber umb andere wer den menschen ticht und menschen ler J. Strausz christl. unterricht B 4a; schau um den kaffee Nestroy ges. w. 5, 13; lugen um s. th. 6, 1271. I@E@2@dd) als bezeichnung des gegenstandes eines strebens, einer bemühung; besonders (sich) streiten, zanken, fechten, bemühen um, vgl. gr. 4, 844 und ags. winnan, sacan ymb. manche belege könnten auch den bereits oben unter C 2 und D 2 genannten verbgruppen zugezählt werden: thar was strit umbi thaz joh gisliz hebigaz Otfried III 20, 67, vgl. I 27, 17; iuridiciale strit umbe daz tietreht Notker 1, 648 Piper; der ie streit umb iuwer êre wider unstæte liute, daz was ich Walther v. d. Vogelweide 40, 29; der stier bewegt strit umb die minne sins glichen N. v. Wyle transl. 32 Keller; dasz wir Schwaben allezeit vorfechten müssen, wo um des reiches not gestritten wird Scheffel ges. w. 2, 11; so wil ich kempfen ouch umb in Konrad v. Würzburg Trojanerkr. 3663; die zur finsternis gebornen werden verwegen um licht kämpfen Klinger w. 3, 25; was seine (des Friesenvolkes) chroniken melden, ist ... ein grausiges ringen und kämpfen ohne ende; hier mit den fluten um den teueren heimatsboden, um existenz, um hof und herd, um weib und kind; dort um seine freiheit und sein gutes recht mit hochmütigen fürsten H. Allmers marschenbuch 40; ich wil der römischen grausamkeit geschweigen, dasz sie ... ihre gefangenen umb leib und leben zu fechten nötigten Lohenstein Arminius 1, 18b, ältere belege th. 3, 1389; dâ mac dîn dienst wol ringen nâch wîbe lôn und umb ir gruoz Wolfram Willehalm 86, 24; du solt dar für den psalter singen, nit umb den narrenkolben ringen Murner narrenbeschw. 2, 16 ndr.; weitere belege th. 8, 1002; die episteln ... ad Hebreos umb die haben etzlich gekriegt und haben gesprochen, das si nit sant Pauls seint erste deutsche bib. 2, 2 lit. ver., weitere belege th. 5, 2223; haben sich umb die stätte geschlagen pugnarunt de loco Orsäus nomencl. (1623) 307, vgl. th. 9, 391; sie ... haderen gern umb kleine ursachen Stumpf Schweizerchron. (1606) 145a, s. th. 4, 2, 118; als man sich nun bereits bei den haaren um das gold risz Brentano ges. schr. 5, 109, frühere belege th. 8, 759; unser herr kaiser Fridereich, mein herr herzog Albreht desgleich, ümb Osterlant sich zanken M. Beheim ged. 3, 33 Karajan; umb die geiszwoll zancken schöne weise klugr. (1548) 41a; sich um meine werthe person ... zanken Göthe 21, 42 Weim.; sich streichen umb die herrschaft hart durch practick, lüg und hinderlist H. Sachs 15, 133 lit. ver.; ein weib, das umb den hut sich garnicht mag bemühen J. Rachel sat. ged. 38 ndr. heute allgemein: sich bemühen um, s. th. 1, 1462; wie erbärmlich quälen sich nicht neuere künstler um die kleinsten historischen umstände Göthe IV 9, 73 W., s. th. 7, 2304; sehr um einen thun Kramer dict. 2 (1702) 1196b; do der konig Salomon so wislichen richte den zwen frouwen umme das kint Dietrich v. Gotha pred. 160b nach Türk, s. th. 8, 883; ich beger von euch ainer urtail umb ain sach U. Füetrer bayer. chron. 61 Spiller; umb fried zuo handlen S. Franck chron. Germ. (1538) 114b; um öppis handle mit etwas handel treiben Staub-Tobler 1, 225; daran angelehnt kaufen um mit nachfolgendem kaufobject: Florentz und Venedig, da will ich umb köstlich kleinot kaufen. wenn ich dieselben leg zu haufen H. Sachs 12, 209 lit. ver.; der geitzig Marx kauft umb ein strick, der an sein hals hinan sich schick Sandrub kurzweil 101 ndr. I@E@2@ee) zur bezeichnung des einsatzes bei wettkampf und -spiel: und hæte ich sîn gewettet umb allez daz ich ie gesach Konrad v. Würzburg 3115; vertriben da freundtlich die zeit, spilten umb ein pfenning, zwen, drei Scheit Grobianus 1950 ndr.; (das schiff, das) auf dem Rein wettlif um den preis Fischart glückh. schiff 680 ndr.; umbe mina hemide, die ih ze liche truog, ... wurfen sie loz Notker 2, 69 Piper, s. losen um th. 6, 1187; vgl. auch es geht um, jünger auch es gilt um th. 4, 1, 2, 2470; 3090; wagen um th. 13, 397. formelhaft wurde um die wette, d. i. ursprünglich 'um den wetteinsatz', diese concrete bedeutung verblaszte jedoch schon früh: die gesellen der meintate die ilten vil drate rehte alse umbe wette von bette ze bette priester Wernher Maria D 4893 Wesle; weil sie im schir vergonnen thet dasz es lif mit ir um die wett Fischart glückh. schiff 606 ndr.; und es singt die schöne kette, zart und zärter, um die wette Göthe 2, 25 Weim.; wenn nun der abend kam und alles umb die wette mit sich zur ruhe kam Chr. Weise grün. jugend 36 ndr. I@E@77) seit ahd. zeit steht um neben geben zur bezeichnung des gegenstandes, der erworben werden soll (davon verschieden geben um mit nachfolgender preisangabe, s. u. I G 1): er umbi thaz thia dunichun gigabi Otfried IV 14, 10, (vendat tunicam et emat gladium), vgl. III 14, 102; für das mhd. s. mhd. wb. 1, 502a; wan ich han umbe dich gegeben des ich hiute solde leben erdephil guote genesis 58, 12 Diemer; do man um ein absoluz 2, 3 oder 4 gulden geben muosz Zwingli deutsche schr. 1, 39; und gab do umb geleith 22 Dürer tageb. 47; nicht nur von kauf und tausch im eigentlichen sinne: mit entzücken gäb ich sie alle die geprahlten nichtswürdigkeiten um ein dankbares lächeln ihrer erröthenden wangen Gerstenberg Ugolino 247 Hamel; die gern alle ihre ... flitterschätze um ein gefühl der kindlichkeit ... hingeben möchten Tieck schr. 1, 26. verblassend zur bedeutung 'achten, schätzen': versuocht zuo reden, ob er mehr umb mein red geben wolt dann umb die euer Wickram w. 1, 125 lit. ver.; und gäb nit umb den papst ein schnitz Scheit Grobianus 650 ndr.; ich gäb kein nestel umb die wal 1207; so schön und gut sie immer ... so wollt ich keine nusz um eure tugend geben Wieland s. w. 10 (1795) 25; ähnliche wendungen mhd. wb. 1, 502a. erhalten blieb um häufiger nur in der verbindung nichts geben um (neben auf), s. th. 4, 1, 1718: wer alweg saur sihet, umb den gibt man nit S. Franck sprichw. (1545) 1, 73b; contumaces boves ... widerspennig ochsen, die nützid umb den gart gebend Frisius dict. (1556) 163b. I@FF. der begriff des wechselseitigen gebens und nehmens führte leicht zur vorstellung einer alternierenden oder successiven folge. I@F@11) zunächst belege, die den übergang von der voraufgehenden gruppe zeigen und mehr oder minder den gedanken gleichen entgelts zum ausdruck bringen sollen: du wider antwurtest wort umb wort, glichs mit glichem (verbum verbo, par pari ut respondeas) Terenz deutsch (1499) 120b; talio ... wenn man zuogefügten schaden mit gleichem widergilt, also aug um aug, hand umb hand Frisius dict. (1556) 1287a; vices vitare die streit meiden, darin ie streich um streich gat 1376a; audire et reddere voces notas ... wort umb wort reden 1409a; du jugend, die du tändelnd liebst, ein küszchen um ein küszchen gibst Göthe 4, 93 Weim.; schon früh zeigen sich erstarrungen: aug um aug codex Teplensis 6; item, so spricht man: stück umb stück, auge umb auge, faust umb faust, gelt umb gelt, leib umb leib, in welchen reden die artickel besser auszen bleiben, denn das sie dabei stünden Luther 26, 358 Weim.; vulpinor cum vulpe fuchs gegen fuchs, list umb list E. Alberus dict. (1540) 117a; nun begann ein siebenjähriger kampf, schlag um schlag, list um list Ritter erdkunde 4, 592. vgl. auch slicht üm slicht nd. jb. 20, 51, eine umgangssprachlich weit verbreitete formel. I@F@22) der schon in den voraufgehenden belegen, verblassende gedanke der wechselseitigkeit schwindet gänzlich, wenn die handlung nur von einer seite getragen wird, die vorgänge reihen sich in einer zeitlichen reihe aneinander: so schlag ufs nasbein bald der reinen streich umb streich und püff umb püff Th. Murner mülle 484 Bebermeyer; die sterne senken strahl um strahl in ihre reinen kelche ein. Brentano ges. schr. 5, 213. so entsteht die vorstellung einer gleichmäszig sich hinziehenden aufeinanderfolge einzelner akte: und so zog ich kreis um kreise Göthe 1, 181 Weim.; das anhaltende regenwetter ... hatte ... flusz um flusz angeschwellt 24, 326; stück um stück der rundschau trat ins lichte H. v. Barth Kalkalpen 345; im klostergarten die nonnen wandeln zwei um zwei Leuthold ged.4 33. neben zeitbegriffen hebt diese zergliederung den zögernden ablauf besonders hervor: wenn wir nun jahr um jahr und monat um monat alle qualen der gefangenschaft ... einzeln aufgezeichnet finden Strausz Schubarts leben vorr. 15; stunde um stunde verging Ludwig ges. schr. 2, 194, oder sie veranschaulicht durch die betonung des einzelnen die vorstellung der grösze oder ganzheit: hut umbe hut git der man (Job) und allis daz er mac han, daz diu sele werde ernert und niht eweclich verhert Hugo v. Langenstein Martina 83, 57; bald hat er (der erfinder der buchdruckerkunst) wort um wort absonderlich gemacht dasz er sie wechslen kön Rompler erstes geb. (1647) 58; sie (die abschrift) ist doch so verfaszt, dasz man sie leicht verwechselt? — ich hab' sie zeil um zeile nachgemalt Schiller 12, 159 G.; die mädchen alle, zwei um zwei, sind, sagt man, eitel, ungetreu Kretschmann s. w. 2, 298; zur bezeichnung der fülle: von seiner erfüllung emphingen wir alle genad umb genad erste deutsche bibel 1, 336 lit. ver., vgl. Johannes 1, 16, seither öfter. I@F@33) neben der artikellosen wiederholung des wortes steht seit frühnhd. zeit einer um den andern, eins ums andere, zunächst in den zuletzt genannten bedeutungen: so lebte er ein jährchen um das andere G. Keller w. 4, 222; (er muszte) einen schritt um den andern zurückweichen 6, 408; ein geschäft um das andere war abgethan 1, 31. du weeszt's, was mir a so seufzn een'n tag um a andern G. Hauptmann weber (1892) 41; sie fragte ein um das anderemal Brentano ges. schr. 5, 29; auch: fragte das mädchen einmal ums andere Ludwig ges. schr. 2, 350; wind und ströme, donner und hagel rauschen ihren weg, und ergreifen vorüber eilend einen um den andern Göthe 2, 84 Weim. nach voraufgehendem plural: die äpfel fielen in den sack, einer um den andern, in kurzen regelrechten pausen Storm s. schr. (1868) 5, 182; sie berührte die briefe alle, einen um den andern Ludwig ges. schr. 1, 234. häufiger dient jedoch diese formel dazu, die besondere art der alternierenden aufeinanderfolge zu bezeichnen: das sollen thun einer oder tzween, odder einer umb den andern, odder ein chor umb den andern Luther 12, 35 Weim.; hie stehet widderumb brod und becher, so treibt Paulus eins umbs ander, itzt nennt ers brod und becher, darnach widder leib und blut 26, 485; die cantores je eins umb das ander gon liessen, jetz mit instrumenten, darnach mit gesang Wickram w. 2, 92 lit. ver.; alternis dicetis eins umbs ander, stuck umb stuck, gleich wie meistergesang Frisius dict. (1556) 77b; (könig Lear) wil bei seinen töchtern einen monat umb den andern bleiben bei Creizenach engl. comöd. 348; (der kranke) sucht alle mittel, gesund zu werden und treibt eins umbs ander, so lang, bisz dem fasz der boden auszgehet Lehman flor. pol. 1, 328; (die katze) nun, pfote um pfote abschüttelnd Holtei erz. schr. 1, 4. auch kurz umeinander: und mag mans brauchen so lang, bis nichts mehr am pflaster ist, allein das mans umb einander verwichsl Paracelsus chirurg. bücher (1618) 552b. mit besonderer bedeutungsentwicklung: sie sangen um einander (concinebant) mit loben und danken dem herrn Esra 3, 11; singet umb einander dem herrn mit dancke psalm 147, 7. zu umeinander in obd. mundarten s. 4. die alternation kann auch dadurch zustande kommen, das jeweils das zwischenglied ausfällt, also jedes zweite gemeint ist: arbores quaedam alternant fructus etliche beume tragen ein jar umb das ander Faber thes. (1587) 40b; sonder mir auch alle jahr, auf wenigst eins umbs ander jahr zwei kinder brachte Grimmelshausen 3, 349 Keller; bat ..., dasz er mich in dem gefangenhofe einen tag um den andern besuchen dürfe Gellert w. 4, 268, vgl. Staub-Tobler 1, 225; Martin-Lienhart 1, 38. auch: der eine war schwach von leibe, asz nur umb den andern tag einmahl, der ander aber starck, asz alle tage dreimahl Olearius pers. rosenthal 46b; so entstand: das fieber kommt immer um den dritten tag Adelung lehrgeb. 2, 151; meine andacht ist sünde. Julius! immer um den dritten gedanken dein bild Leisewitz Julius v. Tarent 84 lit. denkm.; und dabei immer ums dritte wort von tugend zu schwatzen ebda 77; freundschaft und freundschaft, um das dritte Wort Lessing 2, 406 L-M; und auch mich beschied er hin, und beide auf den tag, der kommt ums vierte jahr, sein geburtstag Müllner dram. w. 1. 41. I@F@44) ein von dem erwähnten der entstehung und bedeutung nach verschiedenes umeinander ist auf obd. boden weit verbreitet. es ist auch dann anwendbar, wenn nur von einem gegenstande die rede ist und begegnet in einem doppelten sinne: I@F@4@aa) als 'hin und her', 'herum', neben verben der bewegung: uf ein zit was ich ... in fünf jaren nit bi iren gsin und wit umbeinander getzogen in ferren landen Th. Platter selbstbiogr. 34 Boos; als mir nun gott wider heim half, kam am morgen ... der Humel zuo mir, mich umeinander zefieren 297; concurso hin und her umeinanderlaufen Calepinus xi ling. (1598) 297b, ebda auch inambulo umeinandergehn 695b; noctivagus der ze nacht umbeinanderschweifet 955a; es hätte ja nimmermehr so übel ablaufen mögen, dasz man nicht weniger schaden würde genommen haben, als durch ein solches müssiges umbeinander ziehen geschehen W. Gottlieb der vorwitzige tadler (1677) 25; no ja, mir werd'n da umeinanderrennen, mir sein grad aufg'legt, dasz mer 'g'vatter-leih-mer-d'scheer' spiel'n Anzengruber ges. w. 7, 155; barfuszet ziehgt er umanand K. Stieler ged. 3, 32; a bauerwei lauft in der stadt umanand 1, 13; aber ich kann gar nicht stehen bleiben, musz alleweil umeinandergehn Rosegger schr. III 9, 68; umeinandertappen 4, 160; auch: wiszt ja, wie er sich lustig macht über euch bauern, und was er vom Stöszel-Hautz umeinanderplauscht 15, 160; herauszen, wo er umeinanderfaulenzt 4, 206. statt des schriftsprachlichen reflexivs, s. o. A 3: da bin i drin glegn sterbenskrank und han umananda gschlegelt vor lauter hitz Stieler ged. 4, 5. die zahl der verba, die in dieser form erweitert werden können, ist sehr grosz, vgl. bei Staub-Tobler umeinanderrennen 6, 965; -rühren umrühren 1264; -reiten 1688; -surren 7, 1290; -schlagen 9, 404; -schnüffeln 1168; bei Seiler Basel umeinanderspringen 295a; weit umeinander kommen weit herumkommen Martin-L. 1, 50a; umeinanderbruten u. s. w. Fischer schwäb. 2, 587. I@F@4@bb) als 'nahe bei', 'in der nähe', 'im umkreis', localisierend irgendwo um einen punkt, wie oben A 1 b: do ummenander hier in der gegend, hier in der nähe Seiler Basel 295a; wit um enander weit im umkreis; do um enander bin ich guet bekannt; er hets um en ander grüemt an vielen orten Martin-Lienhart els. 1, 50; der Korbl, woaszt, der hat sein stand da drunt bei Freising umanand Stieler ged. 3, 31; alls umanand is voller ruh ebda 1, 68; (er) versicherte hoch und teuer, er liege jetzt wohl über dreiszig jahre auf den almen und sennhütten 'umeinand' und habe den namen nie gehört Steub wanderungen 141; ist niemant um einand(er)? in der nähe Fischer schwäb. 2, 587. I@GG. neben ausdrücken des überlassens, hingebens, tauschens, wechselns bildete sich aus der finalen (weniger causalen) bedeutung von um seine verwendung zur angabe des kaufpreises und werthes. vgl. auch die oben unter F eingangs aufgeführten belege. die nachfolgenden belege zeigen den übergang: lâzen dirre welt muot umbe daz iemer wernde guot Rud. v. Ems Barlaam 10, 36 Pfeiffer; umb ditz ding lest der man den vatter und sein muotter, und zuohaft seim weip erste deutsche bibel 2, 170 lit. ver.; (er) hatte den hof von Constantinopel um den mönchsstand verlassen Zimmermann einsamk. 2, 144; do wir eine briefsweike (postpferd) goben umme eine ander und goben das geld z Marienburger treszlerbuch 75 Joachim; meritorium gälthuor, die sich laszt umb gält Frisius dict. (1556) 1189a. I@G@11) häufig neben geben, das in älterer sprache durchaus in dem prägnanteren sinne von verkaufen gebraucht wird, s. th. 4, 1, 1, 1681; mhd. wb. 3, 179b: sô was in sanfte unde alsô wol, daz si enhæten niht ir leben umb kein ander künicrîche gegeben Gottfried Tristan 1370; in der mesz zu Franckfurt gibt man zwuo nadel umb ain ai Hätzlerin liederb. 202; er hats umb ein spott und nütt hingäben, umb ein stückle brot verkauft Frisius dict. (1556) 29b; und fragt, was er umb ihn geben solt; da liesz in der kaufmann umb viertzig sestercios E. Alberus fabeln 11 ndr.; geb 15 batzen vor ein gulden, äpfel umb birnen Lehman flor. pol. 1, 86; um weniger soll ich den bock doch nich hergeben G. Hauptmann biberp. 21. bei antithetischem verhältnis bildet sich die bedeutung 'anstatt', 'an stelle von': sie gaben mir ubel umbe guot Notker 2, 118 Piper, in dieser oder ähnlicher form häufig Terenz deutsch (1499) 20b; erste deutsche bibel 3, 197; Melissus psalmen 129 ndr.; (der bapst) gibt dir blei umbs golt, fell umbs fleisch, schnur umb den beutel, wachs umbs honig, wort umbs gut, buchstaben umb den geist Luther 6, 450 Weim.; auch neben anderen verben: mir leid umbe lieb tuonten Notker 2, 17 Piper; sie buten mir ubel umbe guot unde haz umbe mina minna ebda 469. besonders deutlich: der mûsar vât um diu rebhüenre miuse meistergesangb. 31b nach mhd. wb. 1, 49a; ich fürchte ... mein vatter ... wen, ich well sein spotten und für uber mich den fluoch um den segen (inducam super me maledictionem pro benedictione) erste deutsche bibel 3, 129 lit. ver. I@G@22) auch neben wechseln, tauschen und älterem verstechen bleibt der ausgang von der finalen bedeutung wahrscheinlich: so newehsalotin sie dia triuwa umbe scaz Notker 2, 218 Piper; (er) daz sein (geld) verbechselt het umb einen guldin ring Arigo decamerone 90 Keller; anders: daher, als der landgrav umb den cypressenkrantz verwechselend den lorbör Weckherlin ged. 2, 323 lit. ver.; ein jeder ... dieses wercklein ... einem welschen würtzkrämer umb ein bixel voll schnupftaback vertauschen mag Grimmelshausen 4, 503 lit. ver., vgl. 3, 328; 427; die herschaft ist vertauscht umb geld und heiratgut J. Rachel sat. ged. 22 ndr.; hab ich dann die schönen auen ... um kein fernes feld vertauscht Gottsched ged. 1 (1751) 109; so müssen hauben und schauben hebreisch lernen oder ... umb halb gelt an frembden orten verpartirt und umb böse kux verstochen werden Mathesius Sarepta (1571) 49b, s.stechen th. 10, 2, 1263. I@G@33) neben anderen verben: ich hab dich gemút umb lone (mercede conduxi te) erste deutsche bibel 3, 141 lit. ver.; dar er ie umb bucher gelichen het Arigo decamerone 72 Keller; umb zins hinleihen Hulsius (1618) 264a; am häufigsten neben verkaufen und kaufen: das sie ihr wahr auf borgen und zeit theurer verkeufen denn umb bahr gelt Luther 15, 305 Weim.; die ire gute werck verkaufen umb gelt, käs, aier, liecht und schmaltz, umb hüner, fleisch, wein, koren, saltz H. Sachs 6, 376 lit. ver.; er verkaufte ihm den stein um fünf schafe Stifter s. w. 5, 1, 277, s. verkaufen th. 12, 618; ich hab den quest umb hundert guldin kouft N. Manuel 467 Bächtold; treu wird umb treu kauft und verkauft S. Franck sprichw. 1, 9a; etwas ums geld kaufen u. s. w. Kramer dict. 2 (1702) 1196b; ein zufriednes herz läszt sich um kein geld kaufen J. E. Schlegel w. 5, 388; das si uns umb und für gedachte 200 ℔ unseren boumgarten ... abgenommen ... habend (1565) J. H. Hotz Züricher groszmünsterstift 2, 129. jünger: zu haben sein: es sind diese zeitungen umb einen billigen preis auf allen ... poststationen ... zu haben Casell. zeitg. (1731) 16; sollst es um den billigsten preis haben Lessing 3, 87 L.-M.; könnte man nicht erfahren, ... ob das gut um einen leidlichen preis zu haben wäre? Göthe IV 10, 16 Weim., ebenso I 1, 31; 21, 104 u. ö.; wo eine anzahl ... ums geld zu haben sein werden Brentano ges. schr. 5, 377; um geld und gueti wort chan-me vil ha Staub-Tobler 1, 225; das war urtail ist worden vail umb zeitlich gut und hab Hätzlerin liederb. 38; wie man bekümpt all ding umb geld Hutten opera 3, 456 Böcking; dieselbigen (arien sind) bei mir umb einen gar billigen kauf zu bekommen H. Albert in Königsberger dichterkr. 36 ndr.; ir wert hundert umb einen den ir gebet, empfahen Arigo decamerone 43 Keller; empter werden ausgeben ... umb schmiralien, ... umb vielfältig suppliciren Lehman flor. pol. 1, 19; sogar: der könig Attalus bezalt ein tafel ... um hundert talent golds Heyden Plinius (1565) 53. I@G@44) auch neben jedem sonstigen verbum kann mit um preis, lohn oder die höhe einer sonstigen summe angegeben werden: sie uobent unreht umbe gold unde umbe silber unde umbe lob Notker 2, 83 Piper; den minsten lon, den ich geben wil in ewigkeit umb das minste liden der ew. wiszheit betb. (1518) 30a; (ich) will das nicht laszen (den richtereid auszer acht lassen) noch umb lieb noch umb leid noch umb geschenk rechtsalterth. 1, 75; prenholz umb das geding (versprechen der zahlung) ze pringen ... bei straf verpoten, aber umb das tagwerch ze pringen vergonnt österr. weisth. 3, 39; der den dienst haben will, ... mus meinen gr. herrn entweder umb 1000 thaler gesessen sein oder umb solche summa einen bürgen stellen Grimmelshausen 3, 12 Keller; nicht um dies ganze reiche eiland, nicht um alle länder, die das meer umfaszt, möcht ich vor euch so stehn wie ihr vor mir Schiller 12, 500 G.; um ein stück geld folgten sie ihm Göthe 21, 109 W.; um so billige bedingungen ... zu arbeiten geneigt ebda IV 15, 185; bei angabe des schätzungswerthes: ob er den (d. i. meidem) ahte umb ein lant daz belîbt im unverwizzen Ottokar reimchr. 5630; hernach schätzte ich einen jeden becken umb einen kreutzer-wecken Grimmelshausen 3, 369 Keller; bis in die jüngste vergangenheit bei angabe der strafhöhe: einen um hundert thaler strafen Kramer 2 (1702) 1196b; die Chier ... wurden ... um 2000 talente ... gebüszt Mommsen m. gesch. 2, 296. häufig in bestimmten verbindungen, vgl. etwa im banntaiding österr. weisth. 6, 55 f.: umb xii Sch0 u. ä. wandlfellig, verfallen, zu wandl, oder kurz: so ist er umb all sein guet, umb beide augen u. s. w. allgemein um geld strafen S. Franck chron. Germ. (1538) 44b; Ranke s. w. 3, 36. vermuthlich hierhin auch umb das leben gefangen (1409) österr. weisth. 10, 3 anm., eine häufige verbindung: ewern mann, der umb das leben gefangen ligt, wider frei ... zuo euch zuo bringen Montanus schwankbücher 195 Bolte. I@G@55) formelhafte verbindungen: um lohn, um sold, um geld u. s. w.: lâz mich dienen umb ir lôn Wolfram Parz. 814, 27; ich meint, si (die frauen) wärind mir sonst hold und nit alleinig umb den sold H. R. Manuel weinsp. 3175 ndr.; die ... umb lohn brief dichtet Riederer spiegel d. rhetoric (1493) k 6a; der regent wie der künstler arbeiten um lohn Herder w. 22, 141 S.; inquilinus ein hauswirt, der in einem frömbden haus umb den zins wohnet Calepinus xi ling. (1598) 734a; umb gelt halft ir das recht umbbeugen H. Sachs 2, 19 lit. ver.; ach fraw, es dient mir auch wol, umb gelt zu essen, warumb ader wievil sol ich hie essen und trincken. die frauw sprach, an der herren tisch umb xxiiii pfenig und mit meinem gsind für xii pfenig Eulenspiegel (1515) 50 ndr.; da er ... seine kunst um geld lehrte Wieland s. w. 1 (1794) 16; Wallenstein kann mit hohem preis, die beiden andern stücke um den gewöhnlichen gegeben werden Göthe IV 14, 86 W.; er arbeitet alles um den preis, den er bereits in der brust trägt Ludwig ges. schr. 2, 121; häufig: um jeden preis E. M. Arndt s. w. 1, 57; um keinen preis A. v. Arnim s. w. 2, 329, hier zur bekräftigung einer aussage; dem gleichen zwecke dient eine fülle von erstarrten mhd. formeln zur verstärkung einer verneinung: niht umb ein har, ein ber, ein slêhe, ein bônen, ein kicher, ein wicken, ein nusz, ein grûz, ein vesen, ein spriu, ein strô, ein blat, ein loup, ein bast, ein brôt, ein ei u. s. w., belege bei Zingerle Wiener sitzungsber. phil. hist. kl. 39, 438. vereinzelt begegnen sie auch noch in nachmittelhochdeutscher zeit: und acht man gar nit umb ein schuo H. R. Manuel weinsp. 31 ndr.; lasz dichs nicht irren umb ein heller K. Scheit Grobianus 2637 ndr.; er ehrt mich nicht um ein sandkorn Bürger w. 190 Bohtz. um nichts wechselt in der bedeutung wie umsonst: soliche gehaltest du umbe nieht (pro nihilo salvos facies eos) Notker 2, 213 Piper, aber umme nicht für nichts, umsonst Schiller-Lübben 5, 2; man steht nicht um nichts mit einer sängerin auf so vertrautem fusze Bauernfeld ges. schr. 1, 12. älter auch: ist um kein gewest (1522) Götz v. Berlichingen, s. württemb. geschichtsqu. 19, 511; mundartlich üm vergews niederd. jb. 20, 51. jüngerer zeit angehörend und bis in die gegenwart gebräuchlich: um alles wollte er mich nicht verlieren Göthe 43, 195 W.; um die welt nicht maler Müller 1, 179; deinem treuen liebhaber wirst du um die ganze welt nicht ungetreu werden Fr. L. Schröder dram. w. 1, 8; um alle welt, was hast du nur gethan? Cl. Brentano ges. schr. 5, 40; ich ... wäre um mein leben gern traurig ... gewesen Göthe 22, 308 Weim.; ums leben ebenso wie ums verrecken heute mundartlich, s. Staub-Tobler 1, 225; Fischer 6, 82; Martin-Lienhart 1, 38b; Follmann lothr. 518b. I@HH. die oft nur formelhafte verwendung von um vor gröszenangaben, besonders bei preis- und werthbezeichnungen, mag dazu geführt haben, dasz es seit frühnhd. zeit auch zur angabe der differenz zweier gröszen verwendet wurde, ältere gebrauchsweisen, so den genitiv (s. Behaghel synt. 1, 249), verdrängend: I@H@11) am häufigsten bei comparativen: das geringe landgewicht ist umb die helfte leichter Mathesius Sarepta (1571) 168a; digitum progredi non possunt si mögend nit umb einen finger weiter kommen oder fürfaren Frisius dict. (1556) 1070a; wann der krieg anfängt, so musz der teufel die höll umb hundert tausend klafter weiter machen Lehman flor. pol. 1, 472; persiflage gehört zum humor, ist aber um einen grad geringer Novalis im Athenäum 1, 79; um viel, um ein gutes, um ein ehrliches, (um ein ebenes) besser, reicher ... Kramer 2 (1702) 1197a; der teutsche barde ... rückt unsern begriffen und unsrer empfänglichkeit um vieles näher Kretschmann s. w. 1, 16; dasz die jüngere generation ... um nichts besser und um nichts klüger als die ältere war Mommsen m. gesch. 2, 43; befind die sachen umb ein minuten nit anderst dann eben wie du darvon geschriben Wickram w. 2, 105 lit. ver.; mit consecutivem nachsatz: (das) thier, so man giraffen nennet, (ist) vornen umb so viel höher dann hinden, dasz man gleich meint, es stünde aufgelähnt Herold-Forer Geszners thierbuch (1563) 1. für die überschieszende gröszendifferenz: ich kam um drei tage zu spät Pfeffel pros. vers. 9, 182; praepropere umb vil ze schnäll Frisius dict. (1556) 1043, oder für die noch fehlende grösze: es fehlet um nichts mehr, als dasz ihr auf die hochzeit zustellet kunst über alle künste 82 R. Köhler. hierhin auch: so felt es mir wol umb ein puren schuo N. Manuel 50 Bächtold, so und ähnlich häufig im 16. jahrh., s. S. Brant narrenschiff Zarncke, anm. zu 65, 52 und th. 1, 1182 s. v. bauernschuh; es ist noch um ein eisern thor, so wird die pforte springen müssen Günther ged. (1734) 124; es freut mich sehr zu hören, dasz Herder wohl ist, um wenige tage hätte ich ihn in Frankfurt gesehen Göthe IV 10, 27 W.; es ist noch umb ein kleines, so ist der gottlose nimer psalm 37, 10; im underesten um ains (im zweituntersten) (1519) bei Staub-Tobler 1, 225, weitere belege s. unter 3. I@H@22) ebenso bei verben, die von einem comparativ gebildet sind oder eine comparative auffassung gestatten: würd' also die zal üm vir wider verringert wärden M. I. Bellin hochd. rechtschr. (1657) 2; die wachen verminderte er umb die helfte Lohenstein Arminius 1, 44a; seine schwäche für äuszerlichkeiten, die den Berliner jargon um einen ausdruck bereicherte Bismarck gedanken u. erinn. 1, 100; (Marianne) fand sich äuszerlich und innerlich um nichts gebessert Göthe 21, 45 Weim.; um zwanzig jahre verjüngt ebda IV 40, 4; auch soll das thor umb ein halben schuch ... erhöcht ... sein Sebiz feldbau (1579) 28; wir ... (müszten) unsere gantze nahrung umbs halb schwächen Grimmelshausen 3, 363 Keller; die farbe des homogenen lichtes (ist) bei diesen versuchen um nichts verändert worden Göthe II 2, 154 Weim.; die alle künst um gar vil übertrifft Rompler erstes geb. 49; der wie Saul das volck weit überragt um eines hauptes länge Geibel w. 5, 7; dich, Derar, lasz ich um 'nes kopfes kürzen Tieck schr. 2, 52; möge ... das reich der wahrheit, wenn auch nur um einen schritt, dadurch gefördert werden Ritter erdk. 1, 10; einige kleinigkeiten ... verzögerten seinen aufbruch um einige tage Göthe 21, 96 Weim.; das fluchen ... der postillone, die sich um so viele zeit aufgehalten sahen 33, 7; (den) tag ihrer hochzeit ... um einen monat zu verschieben Pfeffel pros. vers. 5, 175; hätte man das überschreiten der sächsischen grenze um vierzehn tage verschoben Moltke denkw. 1, 29; man verrechnet sich im kleinen immer um tage wie im groszen um wochen und monate Göthe IV 11, 184 Weim.; ich was nit gwichen umb ein tritt N. Manuel 16 Bächtold; sie ... entfernte sich ... um einige schritte Göthe 22, 131 Weim.; dieser ... führte mich um eine strecke in den weinpflanzungen fort Stifter s. w. 3, 198; so uber alle massen stattliche gedächtnuss, dasz sie auch nicht umb ein wort fehlen Moscherosch ges. 1 (1650), 82; rückt um einen teller herunter Göthe 45, 90 Weim. I@H@33) seit mhd. zeit ist die verbindung um ein haar, jünger um haares breite, formelhaft, in verschiedener verwendung, nicht nur beim comparativ: daz ich sîn wol erbîte und nimmer gerîte deste drâter umb ein hâr Hartmann Iwein 4608; der bild oder zaichen zaigt kaines an, dasz einer ... umb ein har witziger sei worden dann vor Eberlin v. Günzburg 1, 156 ndr.; ös machts es ja nöt bessar um a hr A. Hartmann volksschausp. 27; für die noch fehlende grösze: Romulus selbst wäre um ein haar kein mensch geworden W. Schlegel im Athenäum 2, 318; ümen hr häde ik den halse bruoken Bauer-Collitz 45a; Fischer schwäb. 6, 81; Damköhler Nordharzer wb. 198. am häufigsten als verstärkung neben einer negation, schon mhd., hier neben vielen ähnlichen verbindungen (s. o. G 5): dane hât sich der bote niht versûmet umb ein hâr Hartmann Iwein 6063; sie wanten sich nit darumb, io nit umb ein hor Keisersberg bilgersch. (1512) C 2d; auf seiner meinung bleiben hart und umb kein har nit weichen dir Scheit Grob. 3736 ndr.; mein wundsch ist gentzlich worden war, es fehlt nicht umb ein einigs har B. Krüger bäuerl. richter 1995 Bolte; ähnliche verbindungen: es ist um ein kleines noch, bis dasz euch das süsze joch ... beiderseits ohn end erquickt P. Fleming ged. 1, 93 lit. ver.; jünger: um etwas, heute bereits seltener: dasz man ... umb etwas barmhertziger, als das urtheil ausweist, mit den armen sündern fortfahre Guarinonius grewel (1610) 984; Winckelmann scheint seiner eigentlichen bestimmung erst in den acht jahren ... um etwas näher getreten zu sein Göthe 46, 90 Weim.; oder bei einem verbum wie oben 2: dardurch unsere vorwitzige begierden an statt völliger befriedigung umb etwas aufgehalten ... worden Grimmelshausen 3, 329 Keller. auszerhalb des comparativs: welcher der hertigkeit halb des diamands natur umb etwas gleich ist Thurneysser magna alchymia (1583) 4; darum wöllen wir hie den Rhein umb etwas ruowen lassen Stumpf Schweizerchron. (1606) 419b; dasz ich guten freunden, die mir täglich sträng darum anligen, um etwas zu wilfahren, einen entwurf darvon an das liecht brächt Rompler erstes geb. vorr. 3b. I@H@44) schon früh formelhaft wurde um so mehr, um so weniger u. ä., um wie viel mehr, weniger u. ä., denen auf der einen seite auch je, desto mehr, weniger gegenüberstehen kann (frühnhd. auch in einander verschachtelt um [so viel] desto mehr, vgl. Behaghel synt. 2, 19). I@H@4@aa) zur bezeichnung des reciproken verhältnisses zweier gröszen oder gröszenveränderungen: wann das weinfasz nur halber vol ist, wird der wein derhalben, dasz das holtz umb so viel als weit das fasz lehr und wohn ist, die sulphura an sich zeucht ..., zu nicht gemacht Thurneysser magna alchymia (1583) 3; umb wie vil lenger ein sunder beharrt ... in sünden ..., umb so viel heftiger wirdt er von seinem bösen gewissen genagt Äg. Albertinus zeitkürtzer (1603) 4; des teufels macht ist auch umb so viel desto kräftiger und mächtiger, umb wie vil schwächer der mensch ist ders. Lucifer 14 Liliencron; das letzte that ich um desto williger, je gewisser ich wuszte Gottsched vernünft. tadlerinnen 1, 2; nur jedes gefühl ist in solchem zustande, je weniger in fäden zertheilt, ein um so mächtiger anziehendes band Herder 5, 9 S.; aus diesem drang ..., der um so mächtiger in allen volkskreisen erwacht, je höher die gesittung steigt W. H. Riehl deutsche arb. 17. I@H@4@bb) häufig dienen diese formeln auch einer causalen verknüpfung. an die stelle einer um einen betrag vermehrten oder verminderten grösze tritt hier die gesteigerte veranlassung. zunächst fälle, in denen ein nachfolgender (causal-) satz den hinzukommenden grund für ein verhalten, ein vorgehen, einen vorgang u. s. w. angibt: Solimus (war) umb so viel desto geneigter, weil im ... newe feind ... wachsen wollten Stumpf Schweizerchron. (1606) 29b; ich sterbe um so viel desto frölicher, weil ich hoffe ... Grimmelshausen 1, 86 Keller; es wird dieses um so wahrscheinlicher, da einige pflanzen keinen samenstaub absondern Göthe II 6, 58 Weim.; (das giftkraut der falschen scham, das) um so mehr zu wuchern beginnt, als es von der dummheit der alten menschen eher gehätschelt und gepflegt als ausgereutet wird G. Keller ges. w. 1, 131; der besondere anlasz ist irgendwie sonst durch die umgebung gegeben: darumb dann solche leutte gott umb so viel desto mehr von inniglichem hertzen dancken solten Moscherosch insomnis cura 135 ndr.; ich hab den tod verdient, frage also umb so viel desto weniger um mein verwircktes leben v. Lilienberg unordnung 1, 55; weswegen denn ewer klugheiten sich um so viel eher zufrieden geben können Riemer pol. maulaffe (1679) widmung; so wird mir eine freude vorbereitet, dasz ich um so lieber nach hause gehe Göthe IV 8, 128 Weim.; ich konnte über die wirkung der litterarischen positiven und polemischen schriften manche gute bemerkung machen, und das versprochene gegenmanifest (gegen Reinhardt) wird nicht um desto schlimmer werden IV 12, 2. I@H@4@cc) bisweilen soll nur auf die aussage ein besonderer nachdruck gelegt werden: als er mein wolverhalten aus dem munde meiner officirer vernahm, war es ihm um so viel desto angenehmer, das ich von gutem unverfälschtem adel war Ziegler asiat. Banise (1689) 74; um so schlimmer für die kritik, wenn ... was sie vergnügt, ihr nicht gefällt, und was ihr gefällt, sie nicht vergnügt Herder 22, 36 S.; nun verlangt mich um so mehr nach Rom, um ... die begebenheiten zu erfahren Göthe IV 8, 221 Weim.; einzelne liebliche verse ..., die uns auf das ganze um so lüsterner machen Tieck schr. 4, 77; was sind wir doch um so vieles besser daran als jene Holtei erz. schr. 1, 40. das gilt besonders, wenn ein antithetisches verhältnis hineinspielt: man kannte unsern man daselbst nicht unter dem namen des buchhändlers Hieronymus, hingegen der namen des korn- oder viehhändlers Hieronymus war ... um desto bekannter Nicolai Seb. Nothanker 1 (1799) 30; drinnen ... das toben, jauchzen ..., um so einsamer war es hier fürst Pückler briefw. 1, 161; der kleine Cornelius trat innerlich mit einem beben, aber um so frecher und unverschämter ins zimmer A. v. Arnim w. 1, 71. I@JJ. die verbindung um — willen, vornehmlich zum ausdruck einer causalen beziehung dienend, hat zeitweilig das übergewicht über einfaches um, theilt dann aber mit ihm das gleiche schicksal und verliert bis in die gegenwart mehr und mehr an boden, heute mit einiger häufigkeit noch in festen formeln. zur entstehung vgl. th. 14, 2, 166, ebda weitere belege: I@J@11) zum irsten 3 m eime boten mit eime pferde ken Wasschow ... umbe nuwer zitungen willen zu senden Marienb. treszlerb. 234 Joachim; das si umb niemants willen die abgötter anbetten solten erste deutsche bib. 4, 443 lit. ver.; darumb hat er uns um unsers nutzes willen und nit von seines nutzes wegen lieb Keisersberg pred. 114a. mit anderer wortstellung, s. th. 14, 2, 167: umb willen eines schnöden gewins Luther 10, 3, 19 Weim.; allein bitte ich, ob mich iemant umb ausgebner und beschriebenen warheit willen vervolgen wölt Hutten opera 1, 323; der todt, der uns ümb mancherlai ungewisser zuofälle willen täglich entgegen stähet Schwarzenberg Cicero (1535) 58; so sie für die lange weil und umb lusts willen es nach und nach lesen Xylander Polybius (1574) vorr. 4a; wie der Westphäler saget: umb einer krähe willen wird nicht winter Prätorius winterfl. (1678) 133; das leben ist um des todes willen Novalis im Athenäum 1, 73; der kaiser ... geruhet, euch ... um eurer treue und verdienste willen zum ritter ... zu schlagen Klinger w. 3, 79; ich musz enden und eilen um der witterung und anderer umstände willen Göthe IV 8, 20 Weim.; der schauspieler musz stets bedenken, dasz er um des publicums willen da ist I 40, 154; schaffen und raffen blos um eigennützigen gewinnes willen W. H. Riehl deutsche arb. 8; vereinzelt statt des causalen um neben verben (vgl. oben unter D 2): da nun der abt würfel auflegt, wie kan er die armen mönch umbs spielens willen straffen? Kirchhof wendunmuth 1, 37 lit. ver.; mit dem schreien, heulen und weinen umb ires herrn willen ritten sie den negsten weg gen Paris zuo Aymont (1535) C 2b; so einer umb des regiments und gantzen volcks willen und nicht wegen seiner person forchtsam ist Lehman flor. pol. 1, 254. heute bereits ungebräuchlichere formeln: um dieser ursachen willen per questa cagione Kramer 2 (1702) 1196c; um dergleichen ursache willen König ged. (1745) 138; um tausend und aber tausend ursachen willen Göthe IV 23, 375 Weim.; will ich doch umb kürtze willen allein von zweierlei musica sagen M. Agricola mus. choral. (1533) A 3b; um geliebter kürtze willen Grimmelshausen Simplic. 8 ndr.; Harsdörfer gesprächsp. 1, B 6b; um uns, der kürze willen einer ... formel zu bedienen Göthe IV 16, 289 W.; der religiösen sprache, die auch hier conservativer blieb, entstammen: er aber ist zu dieser stund umb unser missethat verwund und umb unser sünd willen geschlagen H. Sachs 6, 249 lit. ver.; die ... vmb seiner liebe willen ir bluot vergossen haben C. Hedio chron. (1530) 3b; dieb müssen umb der gerechtigkeit willen leiden Lehman flor. pol. (1662) 1, 137; das gute um des guten willen thun Schiller 9, 171 G.; ebendorther kommen auch die formeln: um gottes, um Christi, um des himmels willen u. ä.; noch im eigentlichen sinne als ausdruck selbstlosen opfersinnes: gedenket, dasz ihr euch der armen um gottes willen sollt erbarmen Rompler erstes geb. 20; ich si (vier heller) gab umb gots willen (per l'amor di Dio) Arigo decamerone 25 Keller; ironisch: mancher stilt ein ochsen und gibt die füsz umb gotteswillen Lehman flor. pol. 1, 137; etwas anders: das din hertz bereit si sölche schaden und noch vil gröszeres zu liden umb gots willen, umb des heils willen dins nechsten Keisersberg bilgersch. (1512) B 6d. häufiger, um einer bitte, aufforderung besonderen nachdruck zu verleihen: bitt euch umb gottes willen, laszt uns eilen Amadis 22 lit. ver.; um gottes willen sagt mir nun, wohin ir reisen wöllet buch der liebe (1587) 5d; um gottes willen ... mäszige dich itzt Gerstenberg Ugolino 255 Hamel. als ausruf des erstaunens, entsetzens: 'todt!' rief sie, 'was, todt? um gottes willen' A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 285; 'um gott, was ist geschehen?' rief der alte Fouqué alts. bilders. 2, 328. fast nur in dieser verwendung: um des himmels willen: um des himmels willen ..., was wollen sie? Pfeffel pros. vers. 5, 197; geschwind! um aller heiligen! sie wankt, sie fällt H. v. Kleist w. 2, 261 E. Schm. diese formeln bilden zusammen mit den pronominalen verschmelzungen um meinet-, deinet-, seinet-, unsert-, euert-, ihret-, dessent-, deswillen (belege th. 14, 2, 167) das hauptcontingent der heutigen verwendungen. I@J@22) die concurrierenden formen einer sache halb(en), halber, wegen führten zu mischbildungen, von Adelung miszbilligt: 'noch ein um vorzusetzen, um des wohlstandes halben oder halber ist fehlerhaft' lehrgeb. 2, 120: um der sünd wegen Luther 10, 3, 125 Weim.; das sie umb seind wegen nicht viel verlieren ebda 34, 2, 180; um merer lütrung wegen des textes Steinhöwel Äsop 4 lit. ver.; idcirco um desselbigen wegen; quapropter, quocirca umb welches wegen Aventinus 1, 455 Lexer; dass sie von ihrem schöpfer abfielen und seinen willen um einer einzigen einschränkung wegen übertraten Bodmer samml. crit. schriften 1, 31; wie ich selbst nicht um geldgewinnes wegen dies unternehmen begonnen habe M. Haupt an R. Raumer anz. f. d. altert. 15, 246; nit allein ausz not, sunder auch umbs gewissen halb S. Franck chron. (1543) 1, 274a; nach mancherlei geschlecht ... der schwalben verbergen sie sich, wie man meint, üms winters halben J. Prätorius winterfl. (1678) 100; weitere belege s. o. D 1 c. I@J@33) andererseits führten diese formen dazu, dasz ein glied in um — willen unterdrückt wurde, selten fiel um: als politischer ursachen willen (in späteren aufl. wegen pol. urs.) die remonstranten so sehr verfolgt wurden Nicolai Seb. Nothanker (1773 f.) 3, 35; wenn ich der beliebten kürze willen ... zusammengedrängt habe Göthe IV 15, 339 W. häufig und schon seit dem 16. jahrh. fehlt willen, so dasz der eindruck einer genitivrection nach um entsteht, für das mnd. vgl. Schiller-Lübben 5, 2: aber derhalben, das er umb seiner kranckheit nicht lange aus der stuben bleiben kan Hutten opera 2, 180; den der abte umb seiner übel gerüstung in dem ersten ansechen nicht erkant Arigo decamerone 46 lit. ver.; was ist eerlicher und nötiger dann die sach, umb der wir geschworen haben Eberlin v. Günzburg 1, 144 ndr.; den sünden ist er gleichwol feind, umb deren wir zu zeiten geplagt werden Gretter ep. Pauli an die Römer (1566) 541; ein solcher mann könnte auch mir um der seltenheit gefallen Klinger w. 3, 82, bei ihm öfter: er liebt sie um ihres und seines glücks 1, 420, um eines fehlers 1, 346, vgl. 3, 50; 78; 82; 4, 118; 121; mein prinz von Homburg, als ich euch gefangen setzte, um eures angriffs, allzufrüh vollbracht H. v. Kleist 3, 97 E. Schm.; 'um dieser ungefälligkeit aber', sagte Kohlhaas, 'bist du von der Tronkenburg nicht weggejagt worden.' — 'behüte gott', rief der knecht, 'um eine gottvergessene missetat!' 3, 151, auch bei ihm häufig, s. 1, 48; 2, 358; 374; 3, 88; 113; o wollte gott, dasz wir um beszrer ursach uns hier beisammen fänden Tieck schr. 1, 72. I@J@44) aus der auslassung von zwischengliedern erklärt sich auch die gelegentliche verwendung von um — willen als causale conjunction; den ausgang zeigen: aber umb der ursach willen, das es dester ee werd vermitten Terenz deutsch (1499) A 2a; warumb werde ich geschmächt umb deswillen umb das ich danckbar bin Zwingli v. f. freiheit der speisen 27 ndr.; der fusz beneidet das aug nit umb des willen, das es im haubt stat Keisersberg pred. 110a; gesänge, die eben um deswillen, weil sie das epische mit dem lyrischen verbinden, so grosse wirkung thun Kretschmann s. w. 1, 15; so ... have ich dese tzwae leste pilgrimmacien ... niet ... in eime tzoich vollenbraicht umb will etzliger edel lude ambasiaten ... geschickt waeren, die mich ... wendich maichten A. v. Harff pilgerf. 3 Groote; detestation ... ob sothanem laster, um willen es gar zu gemein werden will corp. const. brandenb.-culmbac. 1, 226; dasz G. von seinem weibe, um willen selbige des landes verwiesen worden, geschieden seie ebda 326; sogar mit lautlicher contamination, vgl. unten I L 1: mir ist unmöglich mehr bei dir zu bleiben, um weilen du also unmenschlich mit mir verfahrest A. a s. Clara s. w. 19, 17; ein bronn, welcher ... den namen hat der Jesusbronn, um weilen die mutter gottes ... soll haben das gebenedeite kint darinnen gebadet ebda 107, bei ihm daneben um — willen, s. th. 14, 2, 169. ebenso vereinzelt folgt ein infinitiv: ich möcht nicht allweg hie bleiben, umb willen es anderswo zu besehen Kirchhof wendunmuth 1, 386 lit. ver. I@KK. vorwiegend in finalem sinne wird die infinitivconstruction mit um — zu gebraucht. sie ist seit beginn des 13. jahrhs. in der urkundensprache nachweisbar, litterarisch jedoch auch im 16. jahrh. noch selten und lexikographisch erst bei Stieler verzeichnet. I@K@11) die ansichten über die entstehung der construction sind geteilt. der infinitiv läszt sich substantivisch und mit dem in älterer sprache stets voraufgehenden object als einheitlicher, geschlossener ausdruck auffassen, vor den in seiner gesamtheit um als präposition getreten ist. wie um — willen älteres durch — willen ablöszt (s. th. 14, 2, 166 u. oben J), so hätte um — zu seinen vorläufer in durch — zu: do bestatet man ir beider lîp durch ir heil ze mêren klage 1169. unabweislich ist diese auffassung in vereinzelten fällen, wo allerdings zu fehlt: umb werwort finden bedarf sie (das weib) keines ratmannes ackermann aus Böhmen 69 Burd.-Bernt. nicht weniger wahrscheinlich jedoch ist, dasz der auf um folgende substantivische ausdruck ursprünglich dem voraufgehenden satztheil angehörte, später jedoch sich dem nachfolgenden infinitiv anschlosz. näheres bei C. E. Göransson die doppelpräpositionalen infinitive im deutschen (1911), wo s. 29 herkunft aus dem lateinischen gerundivum erwogen wird. der inf. noch in loser verbindung mit dem voraufgehenden: bat koning Conrad den bischop und de canoniken umme hilligdom to gevende städtechron. 7, 115; bat in um pfärd ze mieten Steinhöwel Äsop 41 lit. ver.; ein guot gebet zuo unser lieben frowen umb ein guot sälig ende zuo erwerben der ewigen wiszheit betbüchlein (1518) C 3b; der nit gerne arbeit umb sein brot zu erwerben Luther 6, 7 Weim., hier wie in den nachfolgenden belegen läszt sich der infinitiv als ergänzung und zusätzliche erklärung zum voraufgehenden fassen: is ist auch geret mit namen, was in dem rade zu setzen ist, ez si umb burgermeister, rechemeister und reidelude zu kiesende oder was es anders zu setzen ist städtechron. 17, 15; alle dorfer und landlüte furent in die stat umbe ire notdurft zuo koufende und zuo verkoufende 8, 86; (obe) missehelunge queme zwuschen uns und ime ... umb einen andern schriber oder besieher zu setzen, so sal (er) macht haben 17, 367; 1 m einen boten uszurichten in lant zu Polan umbe zitunge zu dirfaren Marienburger treszlerbuch 589 Joachim; ain cardinal ... mit im redte umb ain tädinge ufzunehmen städtechron. 5, 359; als ir meiner liebn fraw mutter geschribn habet umb ein furpett von ewern wegn an mich zu thun, sulchs hat mein liebe fraw muttr an mich getrewlichen geworben chroniken der stadt Eger 288 Gradl. die bisherigen belege zeigen, dasz um — zu ursprünglich nicht nothwendig ein finales verhältnis zum ausdruck bringt wie heute, doch überwiegt diese verwendung anscheinend von vornherein: do wurden si eintrechtichlich und einmytichlich, umb den vorgenanten unvrid ze bessern und vride ze machen (1281) mon. Boic. 29, 538; diese sätze ... sind von ir ratgeben betrachtet ze bezzern allen den schaden, der ... geschehen ist ... und umb vrid und genade ze behalden allen liuten (1281) ebda 5, 38; vort so han wir ... uns virbunden und zesomene geloeft umbe alle vruntschaf ze irmeirrene und zu steedighen (1328) L. H. Höfer ält. urk. 221; do bischop Hildewart quam, de keiser entpfeng on leiflik unde opende om sin herte unde sine begeringe umme dat bischopdome to Magdeborch to stichtende Magd. schöppenchron. 58 in städtechron. 7; und umb merern grossern kosten und schaden zu verhuden, so kaufte der rat ... ire ... lipgedingsgulte abe städtechron. 17, 219 (hdschr. des 15. jh.); gelove is uthe umme truwe to halen Husemann spruchsamml. (1575) nr. 81. die neue zuordnung der satztheile verräth sich am sichtbarsten in der stellung des substantivischen ausdruckes hinter den infinitiv, anfänglich nur selten zu belegen, am frühesten im nd.: dat is gescheen, umme tho beholdende de vriheid dusser stat, dar se oldings mede bewedemet is (nach 1400) städtechron. 26, 404; item umme tho rechtfertigen umme dat bose gelt ... so will de rat ebda 411; des haben wir einen unsern wergkman ... geschicket, umb zu besehen, wie es umb das steinwergk gelegen si (aus Mainz um 1440) städtechron. 17, 280; noch weiter zurück reichen mittelndl. belege, s. Verwijs-Verdam 5, 98. I@K@22) im 17. jahrh. mehren sich die belege, der finale sinn tritt ganz in den vordergrund, wenn er auch mit verschiedener schärfe zum ausdruck kommt: Reinoldt ... versamblet ... all sein volck, umb das (castell) zu entsetzen P. v. d. Aelst Heymonskinder 59 Pfaff, vgl. ebenda 51; 60; 63; damit ich ihn (Judas) auch besser erkennen könte, nahete ich ihm, umb zu sehen, ob er, wie man sagt, einen rothen bart hätte Moscherosch ges. (1650) 1, 390; (die menschen) sind blutarm auf der see umb reich zu sein zu lande Opitz ausgew. dicht. 139 Tittmann; ich setzte mich ... nahe zum ofen, umb mich rechtschaffen auszubächen Grimmelshausen 3, 17 Keller, vgl. 3, 331; Walpurgis ..., welche sich, umb dem geilen Varus zu entkommen, ... ertränkt hatte Lohenstein Arminius 1, 2; ebenso 99; Kramer 2 (1702) 1197c; ach, wie süsz war jede stunde, die wir rauben konnten, um als mann und weib hier zu wohnen S. Geszner w. 2, 5; wie gern der schlaffste mensch andächtig schwärmt, um nur ... um nur gut handlen nicht zu dürfen? Lessing 3, 18 L.-M.; man wird untersuchen, wie er (der stier) hörner haben könne um zu stoszen Göthe II 8, 17 Weim.; dazu sei er da, um die bürde des reiches löblich zu tragen Ranke s. w. 1, 39. gewissermaszen ironisch: um das masz dieses tages voll zu machen, verfiel ich auf den abenteuerlichen gedanken, den langen rückzug ... durch einen geradlinigen Abstieg ... zu vermeiden H. v. Barth nördl. Kalkalpen 3, 18. die nachfolgenden verwendungen sind nicht ungewöhnlich, widersprechen jedoch wegen der unklaren beziehung strengerem sprachgefühl: da schenkt er uns ... irgend ein ländchen, ... um federvieh und kaninchen zu unterhalten Gerstenberg Ugolino 232 Hamel; mein drittes heft ... geht nun rasch vor sich, um es euch vor ostern in die hände zu bringen Göthe IV 29, 19 Weim.; da schildert er die ratlosigkeit des armen jungen, der niemand hatte, um die triebe seiner reichen begabung zu pflegen und zu leiten R. Huch Gottfr. Keller. 14. I@K@33) das rein finale verhältnis wandelt sich zum conditionalen hin, wenn ein ausdruck des müssens, nothwendigseins voraufgeht: man musz Schakespearn folgen können, um ihn zu beurtheilen Gerstenberg litteraturbr. 163 lit. denkm.; um Dänemarks innere geschichte zu begreifen, musz man das eigenthümliche dasein eines solchen mannes verstehen H. Steffens was ich erlebte 1, 21; der forscher (müszte) ein stumpfsinniger sein ..., um bei der entscheidung jener frage eben nur historisch interessiert zu sein D. F. Strauss leben Jesu ges. schr. 3, 32; und nun fanden die philosophen selbst sich genöthigt, um popular zu sein, auch deutlich und faszlich zu schreiben Göthe 27, 101 Weim.; mich dünkt, dasz sie nur wenig schritte zu thun hätten, um zur bürgerlichen verfassung zu gelangen Wieland s. w. (1818) 42, 135; dieses fand ich nötig, um nicht gegen tatsachen anzustoszen Schiller 4, 230 G.; so gewisz ist der allein glücklich und grosz, der weder zu herrschen noch zu gehorchen braucht, um etwas zu sein Göthe 13, 224 Weim.; um die brittische konstituzion so fehlerfrei zu machen als irgend ein menschenwerk sein kann, bedürfte sie nur weniger modifikazionen Wieland s. w. 42, 195; gegenden, wo sie (die natur) nur wenig hülfe fodert, um ihnen die unschuldigen bedürfnisse und bequemlichkeiten reichlich darzubieten S. Geszner schr. (1777) 1, 5. I@K@44) erstarrt ist die finale verwendung in gewissen parenthetischen formeln, die einem elliptischen gebrauche ähneln: umb vil zuogelegte wort ze miden Steinhöwel Äsop 5 lit. ver.; umb unser histori zu continuiren von Reinoldt, so geschahe es auf eine zeit, dasz ... P. v. d. Aelst Heymonskinder (1604) 60; um nur einiger gröszeren sammlungen Winckelmannischer briefe zu gedenken Göthe 46, 13 Weim.; mit ... einem gewissen frei-heitern, um nicht zu sagen geistreichen gespräche 25, 2; kurz, um der worte mehr nicht zu verschwenden 2, 6; um nun auf das vorige einzulenken Tieck schr. 4, 108; um mich eines gleichnisses aus einer seiner abgeschmackten fabeln zu bedienen Immermann 1, 8 Boxb.; um auch das nicht zu vergessen Fontane ges. w. 5, 137. I@K@55) übergang in die consecutive bedeutung zeigt sich nach ausdrücken des zu viel oder zu wenig. die im infinitiv liegende folge unterbleibt: also war diesem gesellen der tag zu kurtz umb zu trinken und die nacht nicht lang genug umb auszzunüchtern Harsdörfer lust- und lehrreiche gesch. 1, 106; die sache ist zu ernsthaft, um ein wortspiel daraus zu machen Gerstenberg Ugolino 227 Hamel; sie ... waren glücklich — zu glücklich, um es lange zu bleiben ders. recensionen 127 Fischer; sein dasein war ihm zu sehr zum seltsamen traum verwirrt, um auch nur aus der ferne die übrigen in sein gemüth schauen zu lassen Tieck schr. 4, 412. entsprechend gibt ein negierter infinitiv den eintritt der folge an: eine solche verfassung däuchte ihn ... aus zu vielerlei gewichten und rädern zusammengesetzt, um nicht alle augenblicke in unordnung zu gerathen Wieland 3 (1796) 14; ein system, welches ihren empfindungen zu sehr schmeichelte, um nicht für wahr gehalten zu werden 350; (man war) der königsherrschaft zu sehr gewohnt, um nicht mit der legitimitätsfrage sich rasch abzufinden Mommsen m. gesch. 2, 40. sehr häufig nach ausdrücken des fehlens, nicht-genügens: es fehlt dir nur der anblick einer groszer thätigkeit, um dich auf immer zu dem unsern zu machen Göthe 21, 52 Weim.; eine art von geheul ..., dem nur wenig fehlte, um für fröhliches ..., wenn gleich heiseres gebell zu gelten Holtei erz. schr. 1, 6; sie ... waren nicht so hohen und feurigen sinns, um gleich eine kriegserklärung ... hinzuschütten Klinger w. 3, 71; da die absolution ... nicht so vollständig war, um die deutschen fürsten vor weiteren schritten zurückzuhalten Ranke s. w. 1, 21; warum fühlten sie (die regenten) sich nicht grosz genug, um die befreier ihres volks zu werden J. G. Forster kl. schr. 119 Leitzmann; diese (eindrücke) ... waren nicht stark genug, um angeborne preuszisch-monarchische gefühle auszutilgen Bismarck gedanken u. erinn. 1, 19. bei positiver verwendung kommt zum ausdruck, dasz etwas zum eintritt der folge hinreicht: auch der bösewicht ist noch ... ein wesen, das ... vollkommenheit genug behält, um sein verderben, seine zernichtung lieber nicht zu wollen Lessing 10, 108 L.-M.; man nahm ... die sache ernst genug, um die absendung eines consuls ... zu beschlieszen Mommsen m. gesch. 2, 5. auch wenn keine der genannten ausdrucksweisen vorliegt, kann ein consecutiver sinn anklingen: ein anblick, um das herz zu zerreiszen R. Huch Ludolf Ursleu (1903) 178; die ihr vordem ein volk, ein groszes, hieszet, was habt ihr denn, um noch zu heiszen eines? Fr. Rückert w. 1, 5. I@K@66) da das im infinitiv zum ausdruck kommende ereignis zeitlich an das hauptverb anschlieszt, ist um — zu mit zunehmender häufigkeit ausdruck für ein zeitliches nacheinander geworden. zunächst belege, die den übergang zeigen: vergissest dein und deiner lust, um uns, mit groszmuthsvoller brust, des vaterlandes dienst zu lehren Gottsched ged. (1751) 1, 55; ein piket jäger, das ... hinab in die niedergebrannten vorstädte zog, um von da aus die wälle zu beunruhigen Göthe 33, 33 Weim.; verläszt er sie abends, um weiter zu gehn ebda 1, 227. schon hier könnte der infinitiv dem voraufgehenden verb coordiniert werden, mehr noch in den nachfolgenden verwendungen: ich komme von dieser ausschweifung zurück, um ... vielleicht in einer andern fortzufahren Th. Abbt verm. w. 2, 31; (der anblick) hemmte ... den laut ihrer ... fröhlichkeit, um alle ihre aufmerksamkeit auf diese erscheinung zu wenden Wieland Agathon 1, 8; mit absicht reiste er ... lange in Italien, um dann urplötzlich in Boulogne zu erscheinen Treitschke deutsche gesch. 1, 218; aus der unergründlichen tiefe der zeiten an das tageslicht gestiegen, sonnen sich diese menschen darin ..., um wohl oder wehe wieder in der dunkelheit zu verschwinden, wenn ihre zeit gekommen ist G. Keller ges. w. 1, 12; vom räumlichen nebeneinander: nahezu geradlinig streicht der gebirgsscheitel ... über die schuttlehnen weg, um dann wieder nordwärts gewendet in schartiger mauer die nordseite des hocheisthales zu bilden H. v. Barth Kalkalpen 95. nicht selten auch in antithetischem sinne: warum machte er mich grosz, um mich dann desto tiefer hinabzuwerfen? Tieck schr. 4, 178. Göthe kennt alle spielarten, nicht selten wird jedoch diese weitgehende verwendung heute als sprachwidrig bezeichnet: warum sind wir so klug, wenn wir jung sind, so klug, um immer thörichter zu werden 22, 88 Weim.; er war beleidigt, wüthend um nicht wieder zu vergeben 20, 146; ... schande, die von der zeit auf die richter und nationen zurückgeworfen wird, um ewig an ihnen zu haften 45, 14. I@LL. die conjunction um dasz entwickelt sich bereits mhd., sie löst älteres durch dasz ab und bezeichnet vorwiegend causale abhängigkeit. im 16. und 17. jahrh. ist sie allgemein üblich. für sie gab es verschiedene ausgangspunkte: ufsitzen meit er umbe daz, er forht daz er zertræte des sateles gewæte Wolfram Parz. 530, 28, daneben stand: wann wir besunderlichen gern das dochterlin bi uns hetten umb das, das es uns zuogehort (1447) Steinhausen privatbr. 1, 49; nit anders denn umb das, das es das pest und das edlist ist theologia deutsch 15 Mandel; umb Christus unsers fürsprechers und mittlers willen und umb das in uns die gaben angefangen sind Luther vorr. z. Römerbr. 7, 436 Bindseil; vgl. auch die vorformen von um willen als conj. oben J 4. I@L@11) der schriftsprachliche gebrauch ist um 1500 allgemein, doch fehlt es nicht an früheren belegen: die en hant weder fröde noch pine noch lip noch leit, umbe daz si got nit ensehent mystiker 1, 267 Pfeiffer; die wil ich nemen zuo einem wibe umb das min lant nit erbelos belibe H. v. Bühel Diokletian 392 Keller; ich wil dir gen den lon, umb das du mir einst ze Loupen gar vil ze leid hast thon Wackernagel 2leseb. 924; umme daz man des nicht vor war inweiz Dietrich v. Gotha 62b nach Türk 133; der sich darnach, sein weib und kind ertötte vor laid, umb das er aus künigklicher freihait solt kumen in die dienstperkait oder aigenschaft der Römer U. Füetrer bayer. chron. 6 Spiller; der sin muoter tödet umb das si güdet in ir richtuom F. Riederer spiegel d. rhetoric (1493) c 4a; das alle pein ... nicht so grosz sein als die pein in dem fegfeuer, die du leiden muost, umb das du schleck suochest, und es dir nit not ist Keisersberg sünden des mundes 7b, bei ihm öfter, vgl. ebda 20b; postille 4, 39a; bilgersch. 67b; Esopum, umb das er so ungestalt was, stellet er zwischen si in einer groben juppen Steinhöwel Äsop 44 lit. ver., s. de claris mulier. 54; 57; 95; 275; ich weis, ich werd noch landts verjagt umb das ich solchs nit schweigen kan U. v. Hutten opera 3, 532 Böcking; hat ... grosze klag gefürt über die göttin Calypso umb daz si den ... Ulissem ... aufgehalten Schaidenreisser Odyssea 19b; du hassest den ritter, umb das er von unserm gnädigen herren liebgehalten ist Wickram 1, 29 lit. ver.; deszgleichen propheceiet das kindt durch das wainen die unwissenheit, umb dasz es nicht waisz, wie ... ihm so vil böses solle erfolgen Albertinus zeitkürtzer (1603) 7; er starb aber in der belägerung der statt Scodra von leid, umb dasz er dieselbig nicht gewünnen mochte Stumpf Schweizerchron. (1606) 17a; dasz wir euch nur foppen ..., umb dasz ihr eine windelswäscherin so hoch zu verehren euch bereden lasset Grimmelshausen 2, 359 Keller; auch war diser schäfer froh üm dasz er von ihr vernommen, dasz der oft gewünschte tag morgen würde widerkommen J. Schwiger feldrosen (1655) F 7a. auch das mnd. kennt um das in causalem und finalem sinne, s. Schiller-Lübben 6, 2; städtechron. 31, 2 glossar. die maa. verwenden es noch heute, s. Stürenburg ostfries. 296; Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 462a; Anton Oberlaus. 9. in älterer sprache gelegentlich verkürzt zu bloszem um: wie mir W. sagt, so ist er im haus ... gar still und ruhewig ..., umb er sich vor mich scheüe B. Paumgartner briefw. 203 lit. ver., ebenso 157; 187; umb er (Machabeus) nit folget Jorams rot, ward er schantlich erschlagen dot P. Gengenbach 5 lit. ver. durch vermischung entstand um weil, vgl.um willen, s. o. J 4: ich fiel, umb weil ich mich an Englands haupt verbroche, ich fiel, umb weil ich nicht die königin gerochen Aug. Ad. v. Haugwitz Maria Stuarda (1683) 58; welches dann die eltern gar leicht für eine augenscheinliche straf konnten nehmen, um weil sie den sohn von dem geistlichen stand abwendig gemacht A. a s. Clara s. w. 19, 165, vgl. bei demselben um weilen J 4. I@L@22) die finale bedeutung hat sich in vereinzelten ausläufern bis in die jüngste vergangenheit gehalten: noch zog er pei allen seinen veinten in der veint landt, umb das sie nie in sein landt kamen, noch nichtz schaden theten U. Füetrer bayer. chron. 212 Spiller; das er ein weil gewandert hab, um das er etwas pring zu lant, das sust doheim ist unbekant H. Folz fastnachtssp. 1222 Keller; umb das wir nit vil wort vergebens treiben Fortunatus (1509) 92 ndr.; und tet das um das im der künig sein tochter geben solt Tristrant 28 lit. ver.; ebenso 137; 186; ich hab got nit angefangen zu dienen, umb das er mir das himelreich soll geben Keisersberg has im pfeffer (1510) B b 6a, vgl. sieben schwerter (1510) e e 6c; straf der weiber, so ire kinder, umb das sie der abkommen, in geferlickheit von inen legen Carolina 1, 69 Kohler; ich schick aber ch ... disz büchlin ... umb daz üwer fürstlich gnAvd das zuo kurtzwil lese Niclas v. Wyle translat. 16 lit. ver.; ebenso 18; was meinen geist umschwingt, mich zu verlachen, verlasz ich nun, um dasz ich bleibe frei D. Schirmer rosengep. (1650) 57; die blume ... send' ich dir entgegen, um dasz du spüren magst, wie lieb du mir brichst an P. Fleming 1, 529 lit. ver.; das cameel aber liesz er, umb dasz sie sehen solten, es wäre ein wahrhaftiges thier, ... für ihren augen herumbgehen Olearius persianischer rosenth. (1696) 91. in jüngerer zeit nur umgangssprachlich, häufig in briefen: um dasz ich doch nicht zum lügner werde, schike ich hiermit die ersten bogen an ewere excellence Haller an Fr. v. Gemmingen 30 lit. ver.; es durfte nichts minder kräftiges sein, um dasz er wirklich ein linderungsmittel drin finden konnte Lessing 21, 256 L.-M.; gott hat ihn eigen dazu erschaffen ..., um dasz eine comedie über ihm gemacht werden soll bei Fielitz Schiller u. Lotte 1, 240; die wird sie doch nicht behalten wollen, um dasz sie sie pflegen kann Rahel 1, 198 Varnhagen v. Ense; vergeblich erbot der sieger gegen Aratos sich zu gütlicher ausgleichung, um dasz einung des gesamten Peloponnes daraus hervorginge Wachsmuth hellen. alterthumsk. 1, 314; sie hielt Paula, um dasz sie ... nur nicht schwankte Gutzkow zauberer. wiederum contaminiert: meine augen zehren von den deinigen, üm damit ihre unschuld mich los und ledig zahle Butschky hochd. kanzelley (1659) 104. I@L@33) mit als dasz, um zu (s. o. K) wird um das gelegentlich vermengt: das gesicht ist übrigens zu ausgezeichnet, um dasz nicht öffentliche urtheile darüber gefällt werden sollten Schiller br. 2, 247 Jonas; beide sind geistvoll genug, um dasz ihnen ihre eigene wohllust ein nothwendig zu lösendes problem ward bei Rahel 2, 48 Varnhagen v. Ense; ebenso 1, 296; 336; immer noch ist genug übrig geblieben ..., um dasz er zwischen jenen menschen sich ausnehme, wie zwischen dohlen und raben die weisze taube Holtei erz. schr. 11, 237. I@MM. ungeklärt bleibt die entstehung des gebrauches von um zur bezeichnung einer einbusze, eines verlustes, vornehmlich in den parallelen fügungen bringen um — kommen um. eine vermuthung zu kommen um th. 5, 1678, anders Paul3 wb. 566: 'es liegt wohl die anschauung zugrunde, dasz man um etwas herumkommt und es deshalb nicht erlangt oder es verliert'. I@M@11) kommen um ist seit mhd. zeit belegt, s. th. 5, 1677, häufig von gerichtlicher busze, s. th. 5, 1677; Fischer schwäb. 4, 590; Staub-Tobler 1, 224; 3, 266; österr. weisth. 2, 4; 3, 75 (umb das wandel kommen), doch gleichzeitig auch sonst: solt ich aber umb mein er kummen, so wer mir aller trost benommen Friedr. v. Schwaben 3391 Jellinek. seither in mannigfachster verwendung, neben concreten wie abstracten begriffen: ich bin umb gesicht und augen kummen Zürcher bibel (1531) 2, 15b; so eim doch nüt darusz mag gan, denn das einer umb das sin kumm H. R. Manuel weinsp. 638 ndr.; orbitas weiszlose, verlurst eines lieben dings, als so ein frauw umb iren mann oder der vatter umb seine kinder kumpt Frisius dict. (1556) 927a; weil er umb sein geschencktes erbgut, das schöne paradeisz, durch anleitung der alten schlangen ... kommen war Mathesius Sarepta (1571) 7b; ich ihn (den leichnam Christi) wil dannen holen, kom sonst umb hirn und sinn Spee trutz-nachtigall 50 Balke; indem man ohnmächtig seine ohren ... allem preisgibt, was man höret, kömmt man eben dadurch selbst um alle gedanken Zimmermann einsamk. 1, 34; du (Christiane) kommst um den muff und das kind um die pelzmütze Göthe IV 10, 315 Weim.; durch ein verfehltes unternehmen um seinen credit kommen Ranke s. w. 1, 120; häufig: um die frucht (ums kind) komen Rädlein 1, 554a, s. o. th. 5, 1677; abortire ... miszgebähren, um die geburt kommen Castelli wb. (1741) 1, 5a; die weiber aber ... stond im ... achten monat in grosser gefar und kummen oft umb die kinder Eppendorff Plinius (1543) 11; man sagt, ... so ein schwangere frauw ein biber überschreite, das si umb die frucht komme Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 27b; die ... hohen äste prechen, ... kommen derhalben also um ire frucht Sebiz feldbau (1579) 360; bis in die gegenwart allgemein üblich: um sein leben kommen Kramer dict. 2 (1702) 1197a; gewisslich wird er auch hierneben kläglich kommen sein umb sein leben W. Spangenberg ausgew. dicht. 41; umb leib und leben kommen Grimmelshausen 3, 328 Keller; wie ... tausende von menschen ums leben kamen Steffens was ich erlebte 1, 233; vereinzelt: (der) durchs papsts practick umb den kopf kam Stumpf Schweizerchron. 342a. I@M@22) gegenüber steht ums leben bringen, seit Luther reich bezeugt, s. Dietz wb. 347: er bracht allenthalben vil unschuldiger leut umbs leben wie ein tyrann S. Franck chron. Germ. (1538) 26b; umb das läben bringen, tödten Frisius dict. (1556) 140b; von (ihm) wird behauptet, man habe ihn mit gift ums leben gebracht Ranke s. w. 1, 135; daneben auch: (Delila den Samson) pracht umb leib und craft Hätzlerin liederb. 270; sie sagen wol, sie lieben ire kinder, bringens aber umb den hals Ambach vom zusauffen F 4b, s. th. 4, 2, 249; wu listigen halp he den predicanten verjagen tho Wesseleren und brachten umb den kragen Soester Daniel 2378 Jostes; den vater ... um seinen kopf bringen Pfeffel pros. vers. 1, 95. auch in der sonstigen verwendungsmöglichkeit zeigt sich die parallelität zu kommen um, s. auch th. 2, 390; Staub-Tobler 5, 702: swer mich bringet umb die gâb, dâvon ich itewîz gewinne Ottokar reimchr. 89380; ain kirchen untrülich umb das ir zu bringen, ist vergewaltigung geweichter güter Albr. v. Eyb spiegel (1511) M 1a; umb die gesicht bringen Frisius dict. (1556) 170b; um das kräntzle bringen 36a (umbs kräntzle kommen 1089a); einen um sein geld, um seine wolfahrt ... bringen Kramer dict. 2 (1702) 1197a; ich mag sie nicht um ihre gesundheit bringen Gottsched schaubühne 1, 155; da brachte eine glänzende heerschau den Czaren um alle seine vorsätze Treitschke deutsche gesch. 1, 225. in nachmhd. zeit übernimmt um auch neben betrügen, täuschen die gleiche function: das man ... die, so das ire vertrawet haben dem heiligen tempel ..., solt umb das ire betriegen 2. Macc. 3, 12; du bist ... auch gar um keine zeit betrogen Rompler erstes geb. 70; nicht fühlt sie, dasz ... ihn um sein urtheil schon das herz betrogen A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 229 Sch.; ich wollt halt ungeren dapei sein, das du gelaichn wurst umb das dein Sterzinger spiele 97 Zingerle; der schmerz wird neu, es wiederholt die klage des lebens labyrinthisch irren lauf, und nennt die guten, die, um schöne stunden vom glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden Göthe 14, 5 Weim. auch sich um etwas bringen, s. th. 2, 390, und entsprechend die erst aus jüngerer zeit stammenden freieren verwendungen wie: so pflegt die wahrheit insgemein sich um den hals zu singen Günther ged. (1740) 39; Str. dichtet sich um den beifall der menschen Gellert 6 (1784) 339; ihr redet euch ums leben Klinger w. 4, 31, auch sich sprechen um, s. th. 10, 1, 2828; 2829. zu viel weisheit machte manchen kalten tropf; doch kein froher lachte sich um herz und kopf Tiedge w. 4, 47. I@M@33) eine elliptisch anmuthende formel ist nur selten bezeugt: das stück fleisch fiel ihm aus dem maul und fuhr die bach hinab behend, der hundt war schon umb sein prebend E. Alberus fabeln 25 ndr.; ich bin drum Kramer 2 (1702) 1197a; solange der könig schläft ist er um seine krone, der mann um seines weibes herz Schiller 5, 1, 172 G.; wenn uns jemand da vom rath der alten hörte ..., wir wären um alle reputation Immermann w. 19, 235 Boxb.; vgl. ich kan drum sein es entbehren Stalder 2, 369. IIII. adverbium. II@AA. es steht nur selten allein, gewöhnlich sucht es auch dann anlehnung an eine zweite adverbiale bestimmung, s. u. B, oder an das zugehörige verbum, s. u. C, so dasz die grenze zu den festen compositionen nicht scharf zu ziehen ist. ältere sprache trennt noch gern, was jüngere als feste zusammensetzung auffaszt: ich such nach einem vogel umb H. Sachs 12, 434 lit. ver.; dat man Colne de heilge stat mit burgen dus umb hait besat städtechron. 12, 91; let he de stad mit graven unde doren umme vestigen 36, 56; hastu zum schlaf kein sondern lust, so geh umb zu spatzieren sust Scheit Grobianus 971 ndr.; als nun die herold blisen umb, da kam herbei der mehrer theil Spreng Ilias (1610) 14b. statt des heutigen um sich (s. o. I A 3 a) diu frouwe beiz umbe als ein grusch Seifried Helbling 1, 1216 Seemüller; mit einiger häufigkeit in dieser selbständigen form heute nur noch neben dem verbum substantivum in zwei stark differencierten bedeutungen, und zwar bezeichnet es dann II@A@11) 'den gegensatz des geradesten und kürzesten weges: der weg ist um, führet um, das ist viel um' Adelung lehrgeb. 2, 153, weniger schriftsprachlich, mundartlich dagegen weit verbreitet, vgl. det is sehre um Brendicke Berliner wortsch. 186; es is net viel um Jakob Wien 200; we me da düre geit, so ists um haec via per ambages eo deducit Sam. Schmidt id. Bernense 70, s. Staub-Tobler 1, 226; ich weisz hier einen fuszpfad, er ist etwas um, doch lustig zu wandeln Musäus volksmährchen 2, 115 Wieland; den weg an der herrnmühl vorbei, den geht sie nicht; der wär ihr zu viel um O. Ludwig ges. schr. 2, 136. die verwendung von um in diesem sinne ist alt und beschränkt sich nicht auf um sein: swer niht umbe varn wil und minnet den slehten wec vil, der in hin ze gote bringet ..., er mac schierer komen dar, dan hie beliben, daz ist wâr Thomasin v. Zirclaria wälscher gast 11597 Rückert; als wir denn um sind geritten, so haben wir als vil wider hinder sich müessen riten (1521), quelle bei Staub-Tobler 1, 226; an guoten wegen ümbe enschadet kein krümbe in Freidanks bescheidenheit 131, 9 Bezzenberger; diese redensart ist auf dem ganzen sprachgebiet verbreitet, in wechselnder form: guoter weg umb ist kein krüm schöne weise klugreden (1548) 196, so und ähnlich Tunnicius sprichw. nr. 499; Hennenberger preusz. landtafel (1595) 10; Schottel haubtspr. 1132; Kramer dict. 2 (1702) 1197c; Rabener w. 4, 32, aber auch en guete chrumb ist nüd um Staub-Tobler 1, 226; ein gute krümm ist bisweilen nichts üm Blum sprichw. 1, 148. II@A@22) neben zeitbegriffen den ablauf eines zeitabschnittes: exacto mense als ein monat umb war E. Alberus dict. 14b, im 16. jahrh. allgemein gebräuchlich; basz (bis) die vier jahr des beifriedes umb wehren (1521) acten der ständetage Preuszens 5, 669; bis die vierzig tage umbgewesen sind Luther 19, 243 W., vgl. 12, 569 u. ö.; dann der künig ... wirt ... herauf ziehen ..., ee das jar umb ist Zürcher bibel (1531) 1, 176; wenn demnach seine zeit were umbgewesen S. Artomedes christl. ausleg. (1609) 1, 62; grausame tochter! deine frist ist um! Schiller 13, 397 G.; er trat auf sieben jahr in Etzels dienst, und die sind um Hebbel w. 5, 254 W.; der zeitbegriff ist indirect gegeben: der wechsel ist heute um, und es stünde bei mir, ihn in verhaft zu nehmen Lessing 3, 228 L.-M.; im fall ... unsere miethe um sei, wünschte ich die prolongation derselben Göthe IV 8, 281 W. für eine im voraufgehenden genannte action wird der endpunkt angegeben: verjagt man euch, so gehet aus einer stadt in die andere, und wen die stedte alle umb sindt, dan will ich komen mit dem jungsten tage Luther 33, 415 Weim.; an den ausgangspunkt dieser wendung führt: etliche hauen die satzweiden von dem stamme ab, im wachsenden oder zunehmenden monden, wenn der mond kaum vor drei tagen umgewesen schles. wirthschafftsbuch (1712) 213, d. h. den kreis durchlaufen hat. II@BB. neben anderen adverbiellen bestimmungen: II@B@11) eine locale bestimmung als adverb oder präpositionale verbindung geht ohne bindeglied vorauf oder folgt, s. thar umpi Graff 1, 257; dar umbe, her umbe, hin umbe u. s. w. mhd. wb. 3, 179a: ûzen umb man si rennen sach Ottokar reimchr. 7368; ist enkein stat noch dorf hie umbe, da ich mich erwarmen mug Seuse deutsche schr. 82 Bihlmeyer; der gegni daselbs um (1489) württemberg. geschichtsqu. 14, 235; gan Dissyon und da um (1500) nach Staub-Tobler 1, 226, dort weitere belege; in denen landen gegen mittnacht ... als in ... Flandern und desz umb Stumpf Schweizerchron. (1606) 142a; die leut daselbst umb österr. weist. 6, 327; es gibt wohl nirgend um schnakischere gesellen als in meinem reich maler Müller 2, 23; umpi in chirch circumquaque ahd. gl. 1, 84, 29; 39; die bî den füezen ümbe da suochten wilde krümbe Konrad v. Würzburg Trojanerkr. 20261; ein legate ... tôch umme in dem lande städtechron. 7, 117 (Magdeburg); im land umb reit ich hin und wider, die gassen trat ich uf und nider H. R. Manuel weinsp. 3074 ndr.; solches wirt gemeinlich ein insel genennt, so ein land oder erdtrich gerings umb mit dem möre umbgeben wirt S. Münster cosmogr. (1578) 3; der büchsen schall gar weit erhall zuoring um in dem lande Liliencron volksl. 2, 559; II@B@22) um ist mit einem zweiten adverb zu paarigem ausdruck verbunden: II@B@2@aa) am häufigsten und schon mhd. um und um, heute namentlich mundartlich, s. Hönig Köln 131b; Follmann lothr. 518b; Müller-Fr. 2, 595b; Damköhler Nordharzer wb. 198b; brem. ndsächs. wb. 6, 383, allgemein von den obd. mundartenwb. verzeichnet. in den dialekten haben sich auch die früh auftretenden verschmelzungen erhalten: umadum, umədumə, uməstum, auch dummedum, obersächs. imetim, imdim. dazu die historischen formen: umbentum heldenb. 240, 18 lit. ver.; umb und om Diefenbach gl. 288a; umbendum, in und in ebda 122a; umbadum(b) H. Sachs 2, 70; 9, 151; 7, 457 lit. ver.; umbmetumb 6, 382; uemaduem (: ungestüem) 22, 310; ummendumb Murner narrenbeschwörung 119 ndr.bei den lexikographen gibt um und um ἀμφί, undique, circumcirca, omniquaque wieder, s. Diefenbach gl. 122a; 396a; 626c; E. Alberus dict. (1540) 14a; Calepinus xi ling. (1598) 241a; Dentzler clavis (1716) 319a. diese locale bedeutung überwiegt auch in den litterarischen belegen, s. Fischer schwäb. 6, 80; Staub-Tobler 1, 226; Ch. Schmidt Straszb. 109a; Elsäss. 373a; Schiller-Lübben 5, 3 und mhd. wb. 3, 179. II@B@2@a@aα) zum verbum gehörig, um die bedeutung 'rundum', 'ringsum' zu unterstreichen, besonders bei einer bewegungsvorstellung, zunächst in nur loser verbindung mit dem verbum: si triben in mit spotte umb und umbe als einen bal Gottfried Tristan 11367; er ... grein und grisgramet in im selb und wande sich von nöten umb und umb Seuse deutsche schr. 39 Bihlmeyer; umb und umb bewegen Diefenbach gl. 263b; circumculco umb und umb trätten, mit füszen umbhärstampfen 224a; (der stecken) ..., welchen er in der hand umb und umb stets ... bewege Guarinonius grewel (1610) 995; ob es (das wasserrad) schon umb und umb vom wasser wird getrieben Lehman flor. pol. 1, 103; das bett lief gleichfalls mit mir um und um Hafner ges. lustsp. 1, 27; und d'watschen fliegen um und um Stieler ged. 2, 10. daneben auch bei festen zusammensetzungen, heute in weitestem umfang möglich: sein bethstatt mit einem tiefen graben umb und umb ringen Guarinonius grewel (1610) 307; mit feindes volck umb und umbgeben Moscherosch insomnis cura. par. 15 ndr., auch in der heute nicht mehr möglichen form: die flut gaben mich umb und umb N. Selneccer christl. ps. (1587) 71; es ist mir meine lust bei todten stets zu leben, mit denen um und um, die nicht sein, sein gegeben Logau sinnged. 97 lit. ver.; und die hähne fliegen mich blind vor freuden um und um F. L. G. Göckingk bei Minor fabeldichter 188; etwas um und um drehen tornare, volgere qualche cosa in giro Kramer dict. 2 (1702) 1197; ich hab ihm den kopf um und um gedreht Kotzebue s. dram. w. 6, 270; wie er sich sieht so um und um, kehrt ihm das fast den kopf herum Göthe 16, 127 Weim.; der gute meister bär burzelte um und um Brentano ges. schr. 5, 462; mit anderer bedeutung: und keret dis haus zuo mal umb und umb als ain mensch, der etwas suocht Tauler sermones (1508) C 1a; ihr haus und wo sie saszen, das wirft er ümb und ümb P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 353b; es ist der tolle krieg, der seinselbst eigne wiege hat um und um gestürtzt, dasz unten oben liege Logau sinnged. 73 lit. ver.; sie gruben allmählig alles um und um Storm w. 7, 61. II@B@2@a@bβ) selbständiger und mehr zum ausdruck der ruhelage: umb und umbe hin zetal dâ stuonden boume âne zal Gottfried Tristan 16737; das veld ist umb und umb verhert Hätzlerin liederb. 3; auch verstärkt: und man al umme und umme den gesten wazzer gôz Rosengarten 223 Holz; ebda 220; 226; und er bedeckt ... mit gold ... alle wende des tempels um und um erste deutsche bibel 5, 263; ich wont got wer ummendum, io er ist ummendum in allen dingen Keisersberg bilgersch. (1512) 30a; diser altvatter hat recht, wann es ist hie umb und umb nit weder ein tal der trehern ebda 15d; die nieren hangen an dem rucken und haben feisztigkeit umb und umb Gersdorff wundtartzney 11b; verschwembt das land umb und umb (: ungestümb) H. Sachs 17, 432 lit. ver., bei ihm, wie überhaupt im 16. und 17. jahrh., ein beliebtes reimwort, s. 1, 56; 436; 2, 126; 8, 169; 9, 2; 17, 272; 19, 6; 21, 11; denn gottlosen umb und umb sind, wo die losen leute aufkomen Luther 18, 63 Weim.; die (glocken) müssen hangen under den dachen in den kirchen umb und umben, das sie dapfer inher brumen Murner luth. narr. 64 Scheible; weitere belege im glossar z. narrenbeschw. ndr.; wir Tütschen haben ein lob um und umb, das man spricht, wir seient warhaftig und trüw J. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 42b; wann die vöglein umb und ummen hoch in weitem wolkenfeld hin und her sich müd geschwummen Spee trutznachtigall 232 Balke; diese waren allenthalben, wie Hans umb und umb, daheim Moscherosch ges. (1650) 1, 153, vgl. Hans-in-allengassen; schon stieg der mond in halbem glanz hervor, die stille wallt in hellen thaugewölken von ihm herab und herrschet um und um Wieland w. 1, 375 akad. ausg.; felsschluchten, wo um und um nur todtes gestein starrt Göthe 24, 368 Weim.; II@B@2@a@gγ) die ursprünglich rein locale bedeutung verblaszt hin und wieder und macht allgemeineren bedeutungen platz. vgl. mhd. ûz und ûz Germania 24, 147. noch auf der grenze: ob sie mag pei im pestan in der ee und umb und umb fastnachtssp. 572, 16 Keller; welch fraw hurtig, biszig und frum, die ist zu loben umb und umb Brant narrensch. 63 Zarncke; ein still weib liebt man umb und umb S. Franck sprichw. 1, 49; die tugent hat umb und umb iren lon, nemlich ewige und lebendige gedechtnus der tapfern geschicht und taten Aventinus bayer. chron. 1, 330 Lexer; als steigernde adverbverbindung 'gänzlich', 'ganz und gar': mein öheim Hainz ist ümb und ümb ain mann fastnachtsp. 568, 28 Keller; mein fleisch ist um und umb wörmicht und kötticht Hiob 7, 5; sie (die druiden) zogen in keinen krieg, si gaben weder zins, zol oder steur, si warn umb und umb gefreit Aventinus bayer. chron. 1, 367 Lexer; wer witzig si gantz umb und umb der läs min fründ Virgilium S. Brant narrensch. 114b Z.; des sathans war sie (Maria Magdalena) umb und umb N. Selneccer psalmen (1587) 438; die sel ist um und um betrübet mit lastren, die er hat verübet Rompler erstes geb. (1647) 22; mir ist ... um und um wohl, so bald du erscheinest U. Bräker s. schr. 2, 195; kann ich sie mit halber seele fühlen? sie, die um und um so innig eines ist, ein göttlich ungeteiltes leben Hölderlin ges. dicht. 2, 182 L.; der pflichtmäszige besuch ... genügt mir um und um Fr. v. Bülow allein ich will (1903) 49; es is umadum nix drn Jakob Wien 200, vgl. Schiller-Lübben 5, 3; wie heutiges 'alles in allem gerechnet': noch blibst mir schuldig umb und umb ... 200 guldin (1537) nach Staub-Tobler 1, 226; wann ihrs bedencket umb und umb, es ist fürwar ein hübsche sum B. Krüger spiel v. d. richtern 43 Bolte; so leicht es, um und um genommen, dem richter ward Hippel s. w. 7, 93; so nur selten, aber häufig und schon früh in ähnlicher bedeutung: wenn es um und um kommt 'letzten endes', 'schlieszlich': wanns um und um dann kümt, bleibt warheit doch bestehen Fr. v. Logau sinnged. 317 lit. ver.; ich weisz gewisz, komts üm und ümme, so het es eine magde, geträumet und gesagte Filidor Wittekind (1666) m 3a; aber wenn es umb und umbkommt, so wird nichts daraus Joh. Gorgias buhlende jungfer (1671) 71; wir machen zwar viel wesens von der befestigung des reiches Christi; wenn es aber um und um kommet, so bestätigen wir das unsrige Chr. v. Ryssel seelenfrieden (1685) 308; wann es um und um komt, so finde ich, dasz ihr unrecht habt tutto ben ponderato (gall. après tout) trovo che havete torto Kramer 2 (1702) 1197c, umgangssprachlich und mundartlich weit verbreitet, s. Schütze holstein. id. 4, 311; Dähnert pommer. 501; Vilmar Kurhessen 422; wenns ummadum kimmt Schöpf tirol. 781. II@B@2@a@dδ) gelegentliche substantivische verwendung im sinne von 'lärm', 'getümmel' wurde begünstigt durch den lautmalenden charakter: (er) sie mit feusten plewen war, dergleichen sie in widerumb mit grossem gschrei und umerdumb; H. Sachs 21, 177 lit. ver.; in disem umberdumb und zwitracht Aventin bayer. chron. 1, 490 Lexer, s. Schmeller-Fr. 1, 77. allein steht: we umerdum, wie hast ain lebm! Sterzinger spiele 177 Zingerle. II@B@2@bb) um und an hat einen gänzlich anderen ausgangspunkt, mündet aber in dieselben bedeutungen wie um und um. II@B@2@b@aα) ursprünglich umfaszt es alles, was jemand um und an sich trägt, vornehmlich die kleidung, s. Staub-Tobler 1, 226; Fischer schwäb. 6, 80; Schmeller-Fr. 1, 77: (die tochter zum hungernden und dürftig gekleideten vater) dîn swaches leben uns niht zimt, wan du uns ze schanden gâst unde weder umbe noch an hâst v. d. Hagen gesamtabenteuer 2, 422; die infel, die hentschen mit allem andern, das er umb und an het Arigo decamerone 88 Keller; umb und an victus et amictus Aventinus s. w. 1, 425 Lexer; (die räuber) nehmen ihm sein gelt, seine kleider, und alles, was er umb und an hatte Harsdörfer schaupl. erstes hundert (1651) 7; was hab und trag ich umb und an, als was du mir gegeben? P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 444a; wiewol er weder huth, mantel noch degen auf, umb und an sich hatte Grimmelshausen 3, 334 Keller; diesen weiten wiesenplan mich, und was ich um und an, solstu von mir haben D. Schirmer poet. rosengep. (1650) 10; wer ... weinstöck ... auszeucht ..., soll ihm der pergmaister nehmen, was er umb und und an hat (1670) österr. weisth. 7, 670; alles, was er umb und an hat, damit soll er bezahlen sächsisch-altenburg. gerichtsordnung (1704) c. 10 § 7; häufig: er hat alles an, was er hat, hat nichts mehr als umb und an Apherdianus meth. (1601) 173; sie brächte nichts in tisch und bette als was sie um und an sich hätte Lichtwer äsop. fab. 75; nichts um und an haben Bauer-Collitz waldeck. 107a; Askenasy 30; (da er) nichts besitze, als was er um und an sich trage Immermann w. 1, 77 Boxb.; von der nichtigkeit irdischen besitzes: wir bringen alle gemein in dem leben nicht mehr darvon denn essen, trincken, umb und an H. Sachs 19, 423 lit. ver.; dir wirdt nit mer dan umb und an, zuo letst mit einem duoch darvan Th. Murner badenf. 22 Martin; in dieser oder ähnlicher form redensartlich, vgl. noch: dir wirt nicht mer dann umb und an darnach du tan bei Ziegler geschützinschr. 72 (um 1520); umb und an, und damit davon Lehman flor. pol. 2, 552. daneben steht: ein jeder, der arbeit nach seinem stand und beruf und auf die gottes gnad, der sol davon haben fuoter und mal, hülle und fülle, umb und an schöne weise klugr. (1548) 133a; so wird sie gott der vater versorgen mit um und an, hüll und füll H. Creidius nuptialia 2, 107, aus beidem bei Luther: hul und ful, umb und an und darmit davon hec naturae humanae convenientissima sunt 14, 286 Weim. II@B@2@b@bβ) der in den obigen belegen oft mitschwingende begriff der ganzheit begünstigte den übergang zur allseitigkeit; diese entwicklung zur localen bedeutung hin stand offenbar unter dem einflusz des häufigeren um und um s. o.: und man seinen (der luft) weder umb noch an nicht ein augenblick kan entraten Sebiz feldbau (1579) 4; ist dann nun umb und an so vieler felder grund mit schwefel angedünget Opitz opera (1690) 1, 40; ob man schon um und an den schaden (der feuersbrunst) noch nicht recht für rauchen sehen kan Gryphius lyr. ged. 563 Palm; bis er sie um und an nach ihrem werth und ihrer grösze beschauet hat Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 399; hier wo alles um und an von blumen strotzt Wieland s. w. (1796) 23, 261; gestürmt das schlosz wird um und an Herder w. 25, 341 S.; es ... fielen hüte ... rechts und links und um und an aus der luft herab Hebel w. 2, 36 Behaghel; weder um noch an sin nirgends vorhanden sein Staub-Tobler 1, 226. schlieszlich verblaszt zur nur verstärkenden formel (wie um und um 'gänzlich'): die welt ist so beschaffen, dasz dem erst wol ist umb und an, der selig eingeschlafen S. Dach 157 lit. ver.; so dasz ich ganz nicht anders kan, ich musz ihr um und an sein untertan P. Fleming 430 lit. ver.; was immer wird genant, das ist ihm um und an ja durch und durch bekant J. Grob dicht. vers. 71; um und an bin ich verloren Herder w. 25, 154 S.; in anlehnung an wenn es um und um kommt (s. o.): in der jugend traut man sich zu, dasz man den menschen paläste bauen könne, und wenns um und an kömmt, so hat man alle hände voll zu thun, um ihren mist beiseite bringen zu können Göthe IV 4, 192 Weim. als negationsverstärkung: nichts raten um und an ist hier der beste rat P. Fleming 528 lit. ver. ebenso 403; 486. vgl. nicht um und nicht an wissen Schmeller-Fr. 1, 77. II@B@2@cc) anscheinend nur bair.-österr. begegnet um und auf: dö zwa guld'n san main um und auf die ganze habe Castelli Österreich ob d. Enns 260; als negationsverstärkung wie um und an (s. o.): 's geht mich um und auf nix an Auerbach 3 ges. w. (1896) 4, 73; häufiger substantivisch: schau, du bist mein um und auf, sunst wars ja gefehld, sunst häd i ja glei somein nix auf da weld J. G. Seidl flinserln 4 (1837) 19; meine schwester is mein um und auf in der welt gewesen Silberstein dorfschwalben 2 (1881) 291; das bewusztsein, eines anderen menschen köstlichstes gut, sein um und auf, sein schicksal zu sein M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 113. II@B@2@dd) selten erscheint um verbunden mit sonstigen adverbien: circumquaque umb und allenthalben Diefenbach mittellat.-hochd. wb. 68; er ... verwüstet umb und das land auf vil, vil meil J. Nas antipap. eins und hundert 2, n 5b; (das) weisz ... niemand, der nicht darbei und mit umb gewesen ist Hennenberger preusz. landtafel (1595) 2; etliche lassen ein fasz voller löcher um und umher auf allen seiten und boden bohren fischbüchlein 119; so sol der richter die penche umb und umbhin machen an dem platze österr. weisth. 5, 387; wie schmiedehämmer pocht' es um und neben A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 97 Sch.; nur niederdeutsch: din kind liggt in de weegen un ik bün ok bi di; din sorgen und din leven is allens um un bi Th. Storm s. w. 8 (1904) 218; als 'ungefähr': he is üm un bi 70 johr oold Mensing schlesw.-holst. wb. 1, 333; auch ümbi Doornkaat-Koolman 3, 461, in dieser form besonders reich entwickelt neben verben, s. brem.-niedersächs. wb. 6, 383. II@B@33) nach zeitlichen bestimmungen in der bedeutung: 'nach verlauf von': zu dryen wuchen umb (1553), nach 4 tagen umb (1539) u. s. w., quellen bei Staub-Tobler 1, 226; dieselbigen jar-püntnussen warend nit ewig, giengend alleweg ze 10 jaren umb us Tschudi chron. helvet. 1, 56; II@CC. am häufigsten ist adverbielles um erstes glied in verbalen und nominalen zusammensetzungen (darüber handelt die übersicht über die compositionstypen am schlusse der alphabetischen reihe) oder als zweites glied in adverbien, vgl. warum, darum, rundum, ringsum, linksum, rechtsum, allum, wiederum, kurzum u. s. w.
154660 Zeichen · 3334 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    umPräp.

    Köbler As. Wörterbuch

    um , Präp. nhd. um, betreffs ne. around (Präp.), concerning (Präp.) Vw.: s. -bi Hw.: vgl. ahd. umbi Q.: GlG, H (830) E.:…

  2. 8.–14. Jh.
    Altnordisch
    umPräp., Adv.

    Köbler An. Wörterbuch

    um , Präp., Adv. nhd. um, herum, ringsum Vw.: s. -ganga, -gangr, -venda Hw.: s. bāðir E.: germ. *umbi, Adv., Präp., um; …

  3. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    um

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    um , üm s. umbe, un.

  4. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    umKonj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +20 Parallelbelege

    um , Konj. Vw.: s. ümme (3) L.: MndHwb 3, 2, 7 (um)

  5. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Um

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Um , ein Partikel, welche in dreyfacher Gestalt üblich ist. 1. Als ein Vorwort, welches allemahl die vierte Endung, oder…

  6. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    um

    Goethe-Wörterbuch

    um [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  7. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    u/M

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    u/M ., militärische Abkürzung für »umgeändertes Modell«.

  8. modern
    Dialekt
    um

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    um [ùm allg. ] Adv. um. Dë r Baüm muess m i r um muss gefällt werden Steinb. E guete r Wëj is t nix um Bf. Der Geisshirt…

  9. Sprichwörter
    Um

    Wander (Sprichwörter)

    Um 1. Dôr bün ik um 1 , sagt jener, as Töms um sînen Hâmel. – Hoefer, 480. 1 ) Darum bin ich, das hab' ich verloren. 2. …

  10. Latein
    um

    Mittellateinisches Wb.

    -um v. phoeniceus, -um. Konstanciak

  11. Spezial
    um

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    um I praep. 1 (örtlich) incër: die Kinder laufen um die Kirche i mituns salta incër dlijia 2 (zeitlich: ungefähr) a, da,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit um

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Keine Komposita gefunden — um kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.