umsonst,
adv. ,
in älterer sprache um(be)sus, -süs, -sust, -süst, -sunst, -sünst,
auch mit erweiterung um -e, -en,
vgl. teil 10, 1, 1730;
zusammenrückung von um
und betontem so (sonst),
das man sich substantiviert gedacht hat, s. Behaghel
syntax 2, 54
und vgl. umb ein sonst, sunst H. Sachs 6, 317
K.; 13, 291;
quelle von 1600
bei Fischer
schwäb. 6, 108;
von einer grundbedeutung, die auf '
um, gegen, für nichts' (
vgl. dazu sp. 786)
hinausläuft, ist auszugehen, s. die verbindung um nichts und (um) sonst: umb nichti und umb sust Heinrich v. Neustadt
Apollonius 974
Singer; umbsunst und nicht Arigo
decamerone 58
lit. ver. u. ö.; vgl. auch: frustra vergheefs, umbsus, umb nyet v.
d. Schueren
Teuthonista 431
a Verdam; bei sonst,
mhd. sus,
liegt also die verwendung '
so'
mit besonderer emphase zugrunde, vgl. etwa: hette er den seckel tzu seinen handen genommen, so wäre doch nit lang angestanden, ich müszt yn wider darumb gebeeten haben. allso hab ich yn sunst
Fortunatus 135
ndr.; vereinzelt steht it is umme alsus dattu deist
sündenfall 3409
Schönemann. 11) '
ohne lohn, entgelt, gegenleistung, vergütung'
; gratis umbsusten Diefenbach 269
a;
gratuito unverdienstlich, freywilligklich, umbsunst Calepinus
XI ling. (1598) 627
b: ein dirne heizet, di ummesust dinet oder ûffe gnâde; aber ein maget heizet, di umme lôn dinet und umme kost
mystiker 1, 112
Pfeiffer; dat soden (
solcher) lön vor sangk unde stacien (
kreuzzugsstationen) aff ward gedan unde de processien middetogande unde stacien to stande ummesus unde ane lön (1413)
städtechron. 16, 331; so kon. majestat solche lehn slechtis umbsost nicht thun wolde, (
wollen wir) seynen kon. maiestat eynen schuldtbriffe ... abtretin (1490)
lehnsurkunden Schlesiens 2, 102; keufft on gelt und umbsonst beide wein unde milch
Jes. 55, 1; das alle werck sollen und mussen frey umbsonst geschehn und kein nutz dadurch gesucht werden Luther 10, 3, 288
W.; frawendienst ward nie umbsonst
schöne weise klugreden (1548) 107
a; 's gibt eme niemand nischte ümsist Gryphius
lustspiele 307
Palm; der seinen nehesten umbsonst arbeiten läst und gibt ihm seinen lohn nicht Schupp
schr. (1663) 17; das sprichwort war: nichts ümsonst als der tod Butschky
Pathmos (1677) 71; leichtfertige persohnen, so ohne disz das brodt umsonst verzehren v. Fleming
soldat (1726) 434; er selbst ... wollte mich, wenn er zurückreise, umsonst mitnehmen W. Hauff
s. w. (1890) 4, 36; dat do ek doch nit för ömsöss Leithäuser
Barmer mundart 105
a. 22) '
ohne die erwartete, nutzbringende wirkung, erfolg-, nutzlos, vergebens, sinn-, zwecklos'
; frustra ummesus
vel vorgheues Diefenbach 249
b;
incassum umsust
oder eytel 291
a;
actum agere vergäbens und umbsunst arbeiten, zeyt und arbeit verlieren Frisius (1556) 67
b; das war alles umsonst, aller fleisz, alle unkosten waren umsonst
tutto questo era indarno M. Kramer 2 (1702) 841
c: unt gap im einen solchen slac ..., daz ez in niht anequam wæn umbesust, wan er mit einem slage in gar betoubet
Lohengrin 5762
Rückert; er wolde der küneginne und Tristâne durch ir minne gevâret haben ir lebens. weiz got, daz was vergebens und umbesus: sie wâren tôt Heinrich v. Freiberg
Tristan 6675; daz swert werdit eime ritter gegebin, ... daz her daz noch fure sin lebin und ez nicht trage ummesus Johannes Rothe
ritterspiegel 1216; das er vielleicht ycht lief oder hett gelaufen vergebens und umbsunst
erste deutsche bibel 6, 25; als aber alle ertznei ym umsonst und unnutz waren
Tristrant 17
Pfaff; menschlich gesetz und freywill odder vleys ist hie verloren und umbsonst Luther 12, 113
W.; ein nackenden auff die schiltwacht stellen heiszt vergebens arbeiten und sich umbsunst bemühen S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 4
a; steh ab von deiner klag ungütig, dieselb ist bey mir umbsunst Spreng
Ilias (1610) 69
b; so ist es umbsonsten, das bey ihm ist, dann er nutzet ihm nicht Paracelsus
opera (1616) 2, 435; dasz sie zeit umsonst und vergeblich vertrieben (
hatte mit der belagerung) brüder Grimm
deutsche sagen (1891) 2, 119; sie versuchte zu lesen, aber umsonst, sie konnte ihre aufmerksamkeit nicht zwingen Fontane
ges. w. I 2, 23; wir beten umsonst ..., das korn ist hin Watzlik
alp (1923) 71.
gern in der negativen form: nicht umsonst: lasz der nachwelt einst in den geschichten melden: dasz du zu deiner zeit nicht ganz umsonst gelebt Gottsched
gedichte (1751) 1, 378; so ein werk verdiente sowohl von seiten der poesie als musik nicht umsonst gemacht zu seyn O. Jahn
Mozart (1856) 4, 150; (
er) zeigte, dasz er seinen Balthasar Gracian nicht umsonst gelesen hatte Justi
Winckelmann (1866) 1, 289; der alte herr war nicht umsonst calculator gewesen: sein haushalt war in musterhafter ordnung G. Freytag
ges. w. (1886) 4, 12. 33)
specielle, aus 1
und 2
abgeleitete verwendungen. 3@aa) umsonst
im sinne von '
ohne verdienst': her künec, nu lât michs âne sîn, unz daz ez baz die hende mîn verdienen, als ich willen hâ
n. — daz niht ansprechen iuwer man, diu gebe sî umbesus getân
Biterolf 1944;
meistens in religiöser sphäre: swer da is durstig, kume, des si gewis, im wirt der brunne des leben gar ummesus gegeben Heinrich v. Hesler
apokalypse 23210
Helm; alle di gnâde, di menslîch geslechte verlorn hât, di sal dir wider werden gegebin ummesust, wan gnâde mac niman vordinen
mystiker 1, 111
Pfeiffer; das on verdienst und frey umbsunst die sünd vergeben werden Luther 12, 155
W.; der (
gott) uns seel, leib, ehr, gut und leben umbsunst ausz gnaden hat gegeben H. Sachs 1, 83
K.; gottes gnad und gunst kompt durch Christ umbsunst Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 1, d 1
a. 3@bb)
so viel wie '
ungestraft': süllen wir ims umbsunst varn lan, dasz muosz mir immer wesen laid
fastnachtspiele 415
Keller; meist negiert, mit ironischem beiklang: geloubet mir, wir helfen in (
den vom sultan bedräng- uns mûz entwîchen der soldâ
n. ten) dan, sît mit mir ûf, die verlust fûrt er niht hin ummesust
kreuzfahrt Ludwigs des frommen 4014
Naumann; doch thust du solches nicht umbsunst. des höchsten zorns gerechte brunst wirt dich bezahlend bald verzöhren Weckherlin 1, 344
Fischer; du solst mir den fluch nicht umsonst gethan haben Chr. Reuter
ehrliche frau 5
ndr.; mich verschmäht man nicht umsonst Gotter
gedichte (1787) 1, 170; sie sollen mirs nicht umsonst gethan haben, ich sags ihnen, und sollts bis an den kurfürsten selber kommen Lenz
ges. schr. 1, 58
Tieck; die soll uns nicht umsonst vexirt haben Göthe 17, 53
W. 3@cc) umsonst
ohne grund, gern negiert nicht umsonst
mit gutem grund: ist daz er hôchvart leit und tuot iu umbesus leit, ... denn ist liep, daz ir dâ wider tuot
warnung 988; der von golde niht würken kan, der heizet umbesus ein goltsmit
mystiker 1, 310
Pfeiffer; dâvon ist er (
der Antichrist) niht umbsust genant ein sun der verlust, wan er darûf trahte ..., wie er verliesen möhte menschlîch geslähte
vom Antichrist in zs. f. deutsches altertum 6, 373; thustu aber böses, so fürchte dich, denn sie (
die obrigkeit) tregt das schwert nicht umbsonst (
sine causa)
Römer 13, 4; es nit umbsunst geschehen ist, denn ich förcht, unser heimliche liebe wöll auszfindig werden
buch der liebe (1587) 246; die natur hat nicht umbsonst und ursach uns menschen nur eine zunge, aber zwey ohren gegeben Schupp
schr. (1663) 558; ich musz dir nur sagen, dasz mir eben das geträumt hat ... das ist gewisz nicht umsonst geschehen Miller
Siegwart (1777) 1, 31; sie kommen nicht umsonst her, sie suchen etwas G. Freytag
verlorene handschrift (1864) 1, 62; umsonst hat der keine so rote bäcklein Fischer
schwäb. 6, 109.