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umsonst

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

umsonst adv.

Bd. 23, Sp. 1155
umsonst, adv. , in älterer sprache um(be)sus, -süs, -sust, -süst, -sunst, -sünst, auch mit erweiterung um -e, -en, vgl. teil 10, 1, 1730; zusammenrückung von um und betontem so (sonst), das man sich substantiviert gedacht hat, s. Behaghel syntax 2, 54 und vgl. umb ein sonst, sunst H. Sachs 6, 317 K.; 13, 291; quelle von 1600 bei Fischer schwäb. 6, 108; von einer grundbedeutung, die auf 'um, gegen, für nichts' (vgl. dazu sp. 786) hinausläuft, ist auszugehen, s. die verbindung um nichts und (um) sonst: umb nichti und umb sust Heinrich v. Neustadt Apollonius 974 Singer; umbsunst und nicht Arigo decamerone 58 lit. ver. u. ö.; vgl. auch: frustra vergheefs, umbsus, umb nyet v. d. Schueren Teuthonista 431a Verdam; bei sonst, mhd. sus, liegt also die verwendung 'so' mit besonderer emphase zugrunde, vgl. etwa: hette er den seckel tzu seinen handen genommen, so wäre doch nit lang angestanden, ich müszt yn wider darumb gebeeten haben. allso hab ich yn sunst Fortunatus 135 ndr.; vereinzelt steht it is umme alsus dattu deist sündenfall 3409 Schönemann. 11) 'ohne lohn, entgelt, gegenleistung, vergütung'; gratis umbsusten Diefenbach 269a; gratuito unverdienstlich, freywilligklich, umbsunst Calepinus XI ling. (1598) 627b: ein dirne heizet, di ummesust dinet oder ûffe gnâde; aber ein maget heizet, di umme lôn dinet und umme kost mystiker 1, 112 Pfeiffer; dat soden (solcher) lön vor sangk unde stacien (kreuzzugsstationen) aff ward gedan unde de processien middetogande unde stacien to stande ummesus unde ane lön (1413) städtechron. 16, 331; so kon. majestat solche lehn slechtis umbsost nicht thun wolde, (wollen wir) seynen kon. maiestat eynen schuldtbriffe ... abtretin (1490) lehnsurkunden Schlesiens 2, 102; keufft on gelt und umbsonst beide wein unde milch Jes. 55, 1; das alle werck sollen und mussen frey umbsonst geschehn und kein nutz dadurch gesucht werden Luther 10, 3, 288 W.; frawendienst ward nie umbsonst schöne weise klugreden (1548) 107a; 's gibt eme niemand nischte ümsist Gryphius lustspiele 307 Palm; der seinen nehesten umbsonst arbeiten läst und gibt ihm seinen lohn nicht Schupp schr. (1663) 17; das sprichwort war: nichts ümsonst als der tod Butschky Pathmos (1677) 71; leichtfertige persohnen, so ohne disz das brodt umsonst verzehren v. Fleming soldat (1726) 434; er selbst ... wollte mich, wenn er zurückreise, umsonst mitnehmen W. Hauff s. w. (1890) 4, 36; dat do ek doch nit för ömsöss Leithäuser Barmer mundart 105a. 22) 'ohne die erwartete, nutzbringende wirkung, erfolg-, nutzlos, vergebens, sinn-, zwecklos'; frustra ummesus vel vorgheues Diefenbach 249b; incassum umsust oder eytel 291a; actum agere vergäbens und umbsunst arbeiten, zeyt und arbeit verlieren Frisius (1556) 67b; das war alles umsonst, aller fleisz, alle unkosten waren umsonst tutto questo era indarno M. Kramer 2 (1702) 841c: unt gap im einen solchen slac ..., daz ez in niht anequam wæn umbesust, wan er mit einem slage in gar betoubet Lohengrin 5762 Rückert; er wolde der küneginne und Tristâne durch ir minne gevâret haben ir lebens. weiz got, daz was vergebens und umbesus: sie wâren tôt Heinrich v. Freiberg Tristan 6675; daz swert werdit eime ritter gegebin, ... daz her daz noch fure sin lebin und ez nicht trage ummesus Johannes Rothe ritterspiegel 1216; das er vielleicht ycht lief oder hett gelaufen vergebens und umbsunst erste deutsche bibel 6, 25; als aber alle ertznei ym umsonst und unnutz waren Tristrant 17 Pfaff; menschlich gesetz und freywill odder vleys ist hie verloren und umbsonst Luther 12, 113 W.; ein nackenden auff die schiltwacht stellen heiszt vergebens arbeiten und sich umbsunst bemühen S. Franck sprüchw. (1545) 1, 4a; steh ab von deiner klag ungütig, dieselb ist bey mir umbsunst Spreng Ilias (1610) 69b; so ist es umbsonsten, das bey ihm ist, dann er nutzet ihm nicht Paracelsus opera (1616) 2, 435; dasz sie zeit umsonst und vergeblich vertrieben (hatte mit der belagerung) brüder Grimm deutsche sagen (1891) 2, 119; sie versuchte zu lesen, aber umsonst, sie konnte ihre aufmerksamkeit nicht zwingen Fontane ges. w. I 2, 23; wir beten umsonst ..., das korn ist hin Watzlik alp (1923) 71. gern in der negativen form: nicht umsonst: lasz der nachwelt einst in den geschichten melden: dasz du zu deiner zeit nicht ganz umsonst gelebt Gottsched gedichte (1751) 1, 378; so ein werk verdiente sowohl von seiten der poesie als musik nicht umsonst gemacht zu seyn O. Jahn Mozart (1856) 4, 150; (er) zeigte, dasz er seinen Balthasar Gracian nicht umsonst gelesen hatte Justi Winckelmann (1866) 1, 289; der alte herr war nicht umsonst calculator gewesen: sein haushalt war in musterhafter ordnung G. Freytag ges. w. (1886) 4, 12. 33) specielle, aus 1 und 2 abgeleitete verwendungen. 3@aa) umsonst im sinne von 'ohne verdienst': her künec, nu lât michs âne sîn, unz daz ez baz die hende mîn verdienen, als ich willen hân. — daz niht ansprechen iuwer man, diu gebe sî umbesus getân Biterolf 1944; meistens in religiöser sphäre: swer da is durstig, kume, des si gewis, im wirt der brunne des leben gar ummesus gegeben Heinrich v. Hesler apokalypse 23210 Helm; alle di gnâde, di menslîch geslechte verlorn hât, di sal dir wider werden gegebin ummesust, wan gnâde mac niman vordinen mystiker 1, 111 Pfeiffer; das on verdienst und frey umbsunst die sünd vergeben werden Luther 12, 155 W.; der (gott) uns seel, leib, ehr, gut und leben umbsunst ausz gnaden hat gegeben H. Sachs 1, 83 K.; gottes gnad und gunst kompt durch Christ umbsunst Petri der Teutschen weiszheit (1604) 1, d 1a. 3@bb) so viel wie 'ungestraft': süllen wir ims umbsunst varn lan, dasz muosz mir immer wesen laid fastnachtspiele 415 Keller; meist negiert, mit ironischem beiklang: geloubet mir, wir helfen in (den vom sultan bedräng- uns mûz entwîchen der soldân. ten) dan, sît mit mir ûf, die verlust fûrt er niht hin ummesust kreuzfahrt Ludwigs des frommen 4014 Naumann; doch thust du solches nicht umbsunst. des höchsten zorns gerechte brunst wirt dich bezahlend bald verzöhren Weckherlin 1, 344 Fischer; du solst mir den fluch nicht umsonst gethan haben Chr. Reuter ehrliche frau 5 ndr.; mich verschmäht man nicht umsonst Gotter gedichte (1787) 1, 170; sie sollen mirs nicht umsonst gethan haben, ich sags ihnen, und sollts bis an den kurfürsten selber kommen Lenz ges. schr. 1, 58 Tieck; die soll uns nicht umsonst vexirt haben Göthe 17, 53 W. 3@cc) umsonst ohne grund, gern negiert nicht umsonst mit gutem grund: ist daz er hôchvart leit und tuot iu umbesus leit, ... denn ist liep, daz ir dâ wider tuot warnung 988; der von golde niht würken kan, der heizet umbesus ein goltsmit mystiker 1, 310 Pfeiffer; dâvon ist er (der Antichrist) niht umbsust genant ein sun der verlust, wan er darûf trahte ..., wie er verliesen möhte menschlîch geslähte vom Antichrist in zs. f. deutsches altertum 6, 373; thustu aber böses, so fürchte dich, denn sie (die obrigkeit) tregt das schwert nicht umbsonst (sine causa) Römer 13, 4; es nit umbsunst geschehen ist, denn ich förcht, unser heimliche liebe wöll auszfindig werden buch der liebe (1587) 246; die natur hat nicht umbsonst und ursach uns menschen nur eine zunge, aber zwey ohren gegeben Schupp schr. (1663) 558; ich musz dir nur sagen, dasz mir eben das geträumt hat ... das ist gewisz nicht umsonst geschehen Miller Siegwart (1777) 1, 31; sie kommen nicht umsonst her, sie suchen etwas G. Freytag verlorene handschrift (1864) 1, 62; umsonst hat der keine so rote bäcklein Fischer schwäb. 6, 109.
7534 Zeichen · 93 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Umsónst

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Umsónst , adverb. 1. Eigentlich, ohne Lohn, ohne Vergeltung. Jemanden etwas umsonst geben. Einem umsonst dienen. Ich hab…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    umsonst

    Goethe-Wörterbuch

    umsonst [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    umsonstAdv.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    um-sonst Adv. : 1. a. 'unentgeltlich, ohne Gegenleistung, gratis', ummesunscht, umsunscht (uməˈsunšd, umˈsunšd) beide Fo…

  4. Sprichwörter
    Umsonst

    Wander (Sprichwörter)

    Umsonst 1. Alles vmbsunst, das schafft kein Gunst. – Petri, II, 7. 2. Es ist alles umsonst, was der Blinde fürs Licht gi…

  5. Spezial
    umsonst

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    um|sonst adv. 1 por nia, debann, a öt 2 (kostenlos, unentgeltlich) gratis. ▬ etw. umsonst bekommen ciafé valch por bel y…

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Wortbildung

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Cotta, M. (2026). „umsonst". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/umsonst/dwb?formid=U04146
MLA
Cotta, Marcel. „umsonst". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/umsonst/dwb?formid=U04146. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „umsonst". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/umsonst/dwb?formid=U04146.
BibTeX
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