Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
horn stN.
1.1 allg.
1.2 als Helmschmuck (aus Tierhorn oder diesem nachgebildet)
1.3 als Trinkhorn bzw. Behältnis für Flüssigkeiten
1.4 als Schröpfkopf
1.5 übertr. von etw. spitz zulaufend Hervor- bzw. Herausragendem
1.6 vereinzelt (wohl bibelsprachl. beeinflusst) als Symbol der Stärke, in der Wendung jmdn. von den ~ bringen ‘jmdn. entmachten’ (vgl. auch DWB 4,2,1817f.)
2 ‘Hornsubstanz’
2.1 allg.
2.2 als in der Panzerung und im Waffenbau verwendetes Material
2.3 im Vergleich ‘hart wie Horn’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 226)
3 Bez. verschiedener Horninstrumente (vgl. MGG S 4,368f.; Eitschberger, Musikinstr., S. 179ff.)
3.1 allg.
3.2 im Vergleich von Hornstoß und lauter Stimme (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 226)
3.3 sprichwörtl.
1 ‘Horn’ 1.1 allg.: Aristotiles spricht, daz alliu tier, die hörner auf dem haupt habent, mangeln der zend an dem obern kinpacken BdN 13,26; alliu hörner sint inwendig hol ân des hirzen hörner [Geweih] ebd. 129,16. 266,20 u.ö.; [das Tier] heizzit einhurne, uon div daz iz niewan eines hornis hat Spec 14,3; Ipocr 27; Mühlh 180,18 1.2 als Helmschmuck (aus Tierhorn oder diesem nachgebildet): sîn helm was mit zwein hornen / gezieret wol in fürsten wîs, / diu lûhten beide silbergrîs / und hæten schône sich gebogen KvWTurn 488. 997; EnikFb 3042. 3815 1.3 als Trinkhorn bzw. Behältnis für Flüssigkeiten: nim in ein horn oͤl [vgl. I Sm 16,1] RvEWchr 23763; der [Ginover (Dat.)] brahte uz Provenze ein horn / von Portigal ein petschelier, daz was so wunderlicher art, / swer dar uz tranc, der wandel hete, daz er da mit begozzen wart Tannh 4,50 1.4 als Schröpfkopf: snyt eme den becze [Biss] , daz ez sere blode vnde setcze eyn horne eder eynen koph dar ouer, daz daz bose blud her vz komme OvBaierl 140,4 1.5 übertr. von etw. spitz zulaufend Hervor- bzw. Herausragendem: der [die Haloerscheinung] het ainen volkomenn halben kraiz und het ain horn gegen mittem tag und daz ander gegen norden oder gegen der himelspitz gekêrt BdN 98,11; der sneck [...] hât vier hörner [Fühler] , aber ir zwai sint lenger und zwai kürzer ebd. 303,2; irn adel den erkenn ich wol, wann sie den pflug begreifen bei dem horen Neidh (S) 2,86 c34:9,7; und her stunt lange an dem horne des altâres HvFritzlHl 242,1; ArnoltSieb 22,4 1.6 vereinzelt (wohl bibelsprachl. beeinflusst) als Symbol der Stärke, in der Wendung jmdn. von den ~ bringen ‘jmdn. entmachten’ (vgl. auch DWB 4,2,1817f.): do von ir untrwe riet / wi si brechten von den horn / Jesum, des si sich besworn TvKulm 3369 2 ‘Hornsubstanz’ 2.1 allg.: an den [Händen] sint forne finf fingere mit horne. / daz horn sint die negele Gen 133; ir [der Hornmenschen] vel was horn in grüenem schîn Wh 395,23. 35,13; Rennew 30411 u.ö. – vom Pferdehuf: welch ros eynen gespaldyn vues hot, dem sal man uf spaldyn czwisschen dem hare unde czwischen dem horne Albrant 3,28 (vgl. aber: czwyschyn deme horne unde dem hufe ebd. 2,19) 2.2 als in der Panzerung und im Waffenbau verwendetes Material: diu brustwere darf aver niht sin / weder horn noch bein / noch stal noch stein SüklV 754; sin wappenklaid von hornne waz / grün alsam daz grünne grass GTroj 22539. 14245; niht ist daz dâ vor [vor der Lanze] gewer, / horn, stein noch îsengwant, / man steche dâ durch unz an die hant Wig 4751; Rol 3315. 5113; si fuorten alle starke bogen / erziuget wol ûz horne KvWTroj 29943. 38082 (vgl. hornboge ) 2.3 im Vergleich ‘hart wie Horn’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 226): sîn [des Zentauren Cheiron] hût was herte alsam ein horn KvWTroj 5872; im [dem Riesen] was diu hût niht linde, / si was herter denn ein horn StrDan 433 3 Bez. verschiedener Horninstrumente (vgl. MGG S 4,368f.; Eitschberger, Musikinstr., S. 179ff.) 3.1 allg.: waz sol ein jager ân guot hund und ân ein horn? SM: Ga 1: 2,8; lude do ein horn scal / ouer berich vnd dalc [über Berg und Tal] Roth 4195; von vil rôtem golde fuort^$’ der herre ein schœne horn NibB 951,4; von helfenbeine ein michel horn / hiez er dô schellen über al KvWTroj 12198; inainer siner hant / truger [Roland] daz horn Oliuant Rol 6776; da enwaz kein swigen: / [...], / horn, busunen, brummen, / beide zymbeln und drummen, / harpfen und auch zytoln HvNstGZ 4667; HvNstAp 19103; Lanc 158,3; in doze des horen [interl. zu in voce tube ] PsM 46,6. – sô man der busînen horn / erschelte Kreuzf 2884 (vgl. busîne) 3.2 im Vergleich von Hornstoß und lauter Stimme (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 226): mit kraft begonde ruofen der degen ûz erkorn, / daz sîn stimme erlûte alsam ein wisentes horn NibB 1987,2; sin stime alsam ain horn / da mit grossen creften schall GTroj 9382; sîn stimme alsam ein horn dôz Tr 4046; HvNstAp 4172; Er 8994 3.3 sprichwörtl.: ez missehillet oft ein horn. / wa wechset ane spriu ein korn, / rose ane dorn? Frl 5:71,13
MWB 2 1694,36; Bearbeiter: Hansen