Wossidia
baben oben,
mnd. boven,
as. bi oƀan,
mnd. bovene,
as. oƀana, über; lautliche Entwicklung: boven (Ro 1375) UB. 18, 626; (Gü Güstrow@SchwaanSchwaan 1399) 23, 590;
baven Rost. Veide 3; Slagg. 217; Gry. Lb. 1, E 4
a; Grab. Lohgerb. 2, 58; baben Wigg. Gramm. 91; Mi 5
a; I.
Adv. oben; 1. örtlich a. für sich allein stehend; Gegensätze sind nedden und unnen, ünner. Bezeichnet die Lage: baben is de Häben Ro; denn is keen Häben baben dann kennt die Fröhlichkeit der Kinder keine Grenzen, für sie ist kein Himmel oben SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; de Knüppel bliwwt ... ümmer baben Reut. 7, 188; he blew baben auf dem Pferde Wi; dee (ein altes Schiff) künn nich mihr baben driben RoRostock@WarnemündeWarn; wi sünd äben baben sliert, baben von de Landspitz sind eben von Land freigeblieben ebda; wi krigen de Huk (Landspitze) woll baben ebda; 'wy borghemestere bavenschreven' (oben verzeichnet; 1499) Jb. 4, 253; du frettst noch so väl, dat 't baben (aus dem Munde)
rutkümmt StaStargard@SchönbeckSchönb; ... rutkickt Wa; mit em is 't baben (im Kopfe) nich richtig er ist verrückt RoRostock@RibnitzRibn; Rang: in de Schaul sitt hei baben; int Holthaugen set he baben, süs wir he 'n slichten Schöler Wa; im Reim auf die Güter bei Friedland heißt es von Staven: Staben dat is un blifft baben StaStargard@StavenStav; wohl so, wegen des Regierungssitzes in StaStargard@NeustrelitzNStrel, ist die Wendung baben 'in Strelitz' zu verstehen, doch kann auch die geographische Vorstellung vorliegen, zumal wenn dabei an das Land Stargard gedacht wird Schö; diese gilt in den unterscheidenden Zusätzen zu Namen von Dorfbewohnern: Peter Baben, Peter Nedden, Peter Midden int Dörp WiWismar@PoelPoel; ebenso als Zs.:
Unnerfritz, Babenfritz RoRostock@RibnitzRibn; Baben-Böttcher, Nedden-Böttcher SchöSchönberg@BörzowBörz; BabenSchütt WaWaren@MinzowMinz;
vgl. schon: 'per Marquardum Baven' (Ratzeburg 1341) UB. 9, 334 und vielleicht: 'Jochim Bown' (Ro 1584) Beitr. Rost. 1, 4, 86; wenn Hunn' unnen in 'n Dörp hulen, gifft 't baben 'n Doden PaParchim@SuckowSuck; in Verbindung mit kamen: se kümmt woll wedder baben im Tanzreim Lott is dot; dat Schipp is wedder baben (an die Oberfläche des Wassers)
kamen StaStargard@BlankenseeBlank; dat Fett drifft baven schwimmt oben Jeppe 12; dat (die alten Bräuche) sall nu wedder baben kamen MaMalchin@LevinLev; he is eenen baben kamen in der Schule einen Platz höher HaHagenow@RedefinRed; und kamen laten: he lett nicks baben kamen gibt vom ersparten Gelde nichts aus WaWaren@Groß FlotowGFlot; dat willen se nich recht baben kamen laten bekannt werden lassen StaStargard@CarwitzCarw. Besondere Ausprägung erfährt der Gegensatz oben — unten, zunächst in dem Sinne von über und unter der Oberfläche, hier der Außen- und Unterkleidung, außen geputzt und die Wäsche schmutzig und zerrissen:
baben hui, unnen pfui Ro Rostock@LichtenhagenLicht; Wa; baben fix, unnen nicks Zier. Kiesb. 11; baben fin un ünner as 'n Swin Wa; MaMalchin@RittermannshagenRitt; baben befläken un unnen beschäten WiWismar@NeubukowNBuk; baben glatt un glee, unnen rug un intwee SchöSchönberg@UpahlUp; ..., ünner swart un 'twee Ratz. Mitt. 5, 59; baben glatt un glei, ünnen rug un twei Heim. 7, 318; ..., ünner alls intwei LuLudwigslust@ZiegendorfZieg; Lumpen un Plünnen baben un ünnen Ruf des Lumpenhändlers Gü Güstrow@BützowBütz; vom menschlichen Körper: nu ward 'ck ümmer lütter, hadd de oll Mann seggt, ünner gah 'ck mi wat af, un baben fräten mi de Lüs' wat af Ro; dee is ok unnen un baben ut de Bücks wussen sagt man von einem Eingebildeten RoRostock@KühlungsbornKühl; baben lang un ünnen krank mit ihm ist nichts los StaStargard@GrünowGrün; im Ratespiel baben oder ünner, welche Hand, die obere oder untere, die Nuß od. ähnl. enthält;
vgl. Horn Selmsd. 1, 579; wie
ob. unnen — baben auch als räumlicher Gegensatz beim Ballspiel, wobei baben die Stelle, wo geschlagen wird, bezeichnet; sonst: ball ünner, ball baben, säd' de Voss, as he up 'n Sodswengel set SchöSchönberg@KlützKlütz; unnen (an den Scharren, die am Rathaus angebaut waren) hängen de Schaapsköpp un baben sitten s' Spott auf die Rostocker Stadtverwaltung; von rücksichtslosen Holzsammlern und -dieben: baben sünd de Böm los, ünner maken wi se los HaHagenow@RedefinRed; WaWaren@JabelJab; auch übertragen: baben büst du los un ünner wardst du los maakt als Drohung WiWismar@PoelPoel. b. in Verbindung mit anderen
Adv. oder mit Präp.: nu is he baben up un ünner dörch MaMalchin@RemplinRempl; Wa; ick byn baven uppn Peerd ich habe gewonnenes Spiel
N. Monschr. 4, 150
a; Latend. Agr. 228; der Faule geiht baben uppe Arbeit liggen Pa; dat is baben œwert Hart weggahn (hat ihn innerlich nicht berührt) Quitz. 2, 118;
s. unt. 2; wenn mi dor eener up helpt (auf volkstümliche Erzählstoffe), kam ick dor so baben rœwer Wa; 'de baven ut will, de stot sick an dat dack' (1553) Jb. 17, 252. Nah baben: in Bezug auf die höhere Lage eines Ortes, so sagt man in MaMalchin@DargunDarg: ick will nah baben nach MaMalchin@RöckwitzRöckw, während der umgekehrte Weg in MaMalchin@RöckwitzRöckw nah 'n Uurt bezeichnet wird; du gehüürst nah baben in die Irrenanstalt Domjüch StaStargard@Alt StrelitzAStrel; auf einem Schiff bedeutet nah baben in die Masten: ick müsst nah baben un räwen RoRostock@WarnemündeWarn; dee nah baben gahn sünd (beim Schiffbruch), sünd afborgen (
s. afbargen Sp. 89) ebda; in den Himmel: nah baben gahn sterben StaStargard@WulkenzinWulk; RoRostock@KlockenhagenKlock; nah baben kamen in den Himmel GüGüstrow@BoitinBoit; derb von dem Schwein, das beim Schlachten den letzten Recker tut: nu schrifft he nah baben Wa; an die höhere Instanz, die Regierung: ick gah (schriw) glik nah baben Wa; WaWaren@AnkershagenAnk; Kopf nach oben: ümmer Kopp nah baben, seggt de Jung, donn föll he inne Adelkul HaHagenow@LankLank. Von baben: 'mit dem rade von baven dale gerichtet' (1563) Jb. 54, 91;
dat sünd Gaben, de kamen von baben Firm. 3, 73
a; ...,
dee wägen wat Jeppe 12; dee hett von baben hat sein gutes Auskommen Ro Rostock@DierhagenDierh; dat (die Anordnung) kümmt von baben von der Regierung RoRostock@DoberanDob; gah man bi un hal Luft von baben zieh den Blasebalg ebda; Rda.: wenn 't man drög von baben blifft, hett 't Rägen kein Not HaHagenow@RedefinRed; natt von baben hendal Regenwetter; drög von baben hendal Schönwetter; de Krankheit is von baben kamen aus der Luft,
d. h. die Kartoffeln haben unter Frost gelitten Gü; een wir von baben follen aus den Wanten auf Deck RoRostock@WarnemündeWarn; von baben dal von oben herunter: so geiht 't nich los, mank min Dierns ward nich aast, dat geiht von baben dal sagte der Vater von sechs heiratsfähigen Töchtern, als ein Freier um die dritte warb Sohnrey Lach. Dorf 186; nu geiht 't wedder von baben dal! Ruf des Händlers beim Trulltrullspiel GüGüstrow@SchwaanSchwaan; Ach leew Gott von baben dal Ro,
s. arm Sp. 434; in einer Parodie: Grosser Gott von baben dal; von ausgelassener Lustigkeit: 'Hüppen, springn von Baven dahl' (Ro 1712) Kohf. Hg. 11, 2; 'Denn so geiht et recht van baven, Denn so kön wy noch eens daven' Mantz. Ruh. 7, 31; denn güng 't ümmer von baben dal ging es lustig her LuLudwigslust@GrabowGrab; womit sich flottes, üppiges Leben verbindet: dor güng 't von baben dal ging es hoch her PaParchim@WulfsahlWulfs; Ha Hagenow@RedefinRed; Wagtsm. Mart. 96; wenn dee 'n Daler süht, denn geiht dat: huuch Johann, von baben dal Schw.; auch: dat geiht von baben nah unnen dal es wird flott gelebt Wa; von oben herunter, vornehm, überlegen, stolz: dee snackt so von baben dal Ro; Wa; säd ... en beten sihr von baben dal Reut. 2, 289; 376; von der Behörde: dee kriggt wat (geldliche Unterstützung, Invalidenrente) von baben raf WaWaren@Schloß GrubenhagenSGrub; dat is begnadigt worden
von baben hendal HaHagenow@DöbbersenDöbb; im Schäfergruß:
wo kümmst du her? Von baben hendal Wi Wismar@NeuklosterNKlost; auch im Rätselmärchen; der Regen kommt von oben,
vgl.: se sünd natt worden von baben ut WiWismar@HobenHob; Schlag auf Schlag, Zug um Zug, beim Kartenspiel: dat geiht ümmer von baben dal in de Achterdör Wa. c. mit hier und dor verbunden: wat liggt dor baben? Kirch Grubenhagen im Ortsreim; im Kopf: min Schrift is nich to dull, œwer hier baben heww ick 'n Bok weiß viel SchöSchönberg@BoltenhagenBolt; der PN. Darboven ist von dem hoch oder höher gelegenen Wohnplatz genommen,
s. u. II 1. 2. in ä. Spr. auch modal: 'were over dat id dar boven we dede' (dagegen handelte; Schö Schönberg@GrevesmühlenGrev 1403) Jb. 33, 106; 'dede wol dar baven' (handelte jemand darüber, überschritte wer dies Maß; Ro 1567) Wiechm-Hofm. 2, 62; 'dot em ofte nemande dar boven nene overlast' (niemand darüber hinaus; Wi 1427) Jb. 55, 106. II. Präp. über 1. örtlich: solang' de Dod' baben de Ierd' steiht allgem.; in dieser Zeit sympathetische Kuren vollzogen Gü Güstrow@RühnRühn und anderorts; baven de Iierd' stahn Jeppe 12; auf einer unbezeugten Wendung baben de Ierd' wahnen,
d. h. höher als die übliche Wohnlage, auf einer Anhöhe wohnen fußt der PN. Babendererde, schon 'Gerke Bavendererden' (Gü@Zehl 1393) UB. 22, 220 belegt;
vgl. dazu ob. I 1 c den PN. Darboven und 1 a den PN. 'Baven'; die Kartoffeln slahn baben de Stang baben de Ierd' ut WaWaren@PenzlinPenzl; von einem schlechten Pflüger heißt es: dee blifft baben de Ierd' pflügt nur obenhin SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd, oder gar: dee haakt dree Toll baben Stoppel WaWaren@JabelJab; in mehreren Gegenden ist der Flachs nach dem Rœten (
s. d.) nicht im Backofen, sondern gleich auf dem Felde über einem Torffeuer, das in einer Grube, über der der Flachs auf Stangen lag, entfacht wurde, gedarrt und danach gebrakt worden:
baben de Kul braken RoRostock@KröpelinKröp; Elm; Toit; GüGüstrow@ZerninZern; Gäg; oberhalb, hinter:
rechts baben de Widen GüGüstrow@DobbinDobb; baben (Gegensatz: nedden) Slüs' Ro; oberhalb, vor: de Schäpen bleben baben Petersborg liggen Ro Rostock@RibnitzRibn; häufig in FN.: baben den Graben, meist in der Sprechform aufgezeichnet,
vgl.: baben 'n Bleek, baben 'n Kamp, baben 'n Turm, baben 't Dörp, baben 'e Bäk, baben 'e Beisen, baben 'e Dannen, baben 'e Mœhl, baben 'e Koppel, die fälschlich bisweilen als grammatische angesehen wird; diese
s. unt. III; das
nd. baben erscheint in der Form oben in der hd. Verkehrssprache: 'oben den Pösten' (WaWaren@RöbelRöb)
N. Strel. Anz. 1820, 633, öft.; de Wasch wir to hoch baben Water über dem Wasserspiegel WaWaren@BlücherhofBlüch; bildl.: dee höllt ehr baben Water unterstützt sie RoRostock@DierhagenDierh; baben dit Kapitel Loep. 158; dee baben uns is nämlich Gott WaWaren@JabelJab; baben dat Kind 'n Vaderuns' bäden Wred; Hand baben Hand greifen, am Schlagholz, um die anschlagende Partei auszumachen SchwSchwerin@PampowPamp; bildl. einen baben den Kopp wassen jem. überlegen werden; keen Kummer, dat he mi baben den Kopp wegwassen deit Ro; de Gören wassen eenen baben Kopp her HaHagenow@BelschBelsch; baben (den) Harten reden, weinen bedeutet obenhin, leichthin, nicht von Herzen: 'As du nielick baven Harten hersäds' (sagtest; Ro 1712) Kohf. Hg. 10, 2; dat seggst du doch man so baben den Harten weg Reut. 6, 159; Camm. Vadd. 188; dat is so baben Harten seggt ist nicht so (bös) gemeint PaParchim@DobbertinDobb; baben Harten hen roren Ro; dat geiht man so baben Harten geht nicht tief HaHagenow@RedefinRed. 2. zeitlich: 'was baven 10 jare koster' (Wi 1459) Jb. 47, 73; 'nachtsete baven teyn schlege (halten)' (Wi 1574) Hans. Geschbl. 21, 336. 3. modal: 'boven III dusent man' (Wi 1427) Jb. 55, 106; 'baven twelf tunnen Beers' (GüGüstrow@BützowBütz 1508) Mantz. Ruh. 7, 11; 'nicht baven sös drömet' ebda; 'hundert mark boven de sovenhundert mark' (Ro 1396) UB. 23, 114; 'dat he baven sinen tall getheret' Grab. Lohgerb. 2, 58; 'so was dar boven mate vele volkes' (Wi 1427) Jb. 55, 119; 'dat kurrent was baven de mate' Rost. Veide 3; 'baven mate hebben se sick ghesettet wedder em' Slagg. 94; 217; 'baven mate erschrocken' Gry. Lb. 2, Bb 2
b; 'menniger ... pranget mit nyen unde frömbden Münsteren hoferdichlick baven alle mate daher' 2, F 3
a; 'baven alle mate' Wed. F 2
a; 'Godt ... wil, dat men em baven alle dink früchten ... schal' D 8
a; 'menniger kledet sick baven sin gehör unde gebör' Lb. 2, F 3
a; 'Godt wert em baven vermöge nicht besweren' Both Jon. M 6
a; gegen: 'boven recht' (GüGüstrow@SchwaanSchwaan) UB. 23, 590; trotz: 'boven alle breve' (Schw 1373) UB. 18, 276; 'dat he baven den frede geschulden hefft' Grab. Lohgerb. 2, 55; abgesehen davon daß: 'baven dat de landesfursten ... darin geschreven hebben' (StaStargard@FriedlandFriedl 1526) Jb. 12, 166; außerdem: 'baven dat kamen des Compters knechte unde grepen den man' (StaStargard@Groß NemerowGNem 1529) Jb. 9, 84; 'baven dat ... so hefft he doch solchs nicht geachtet' D. Schrö
d. Kirchenhist. 2, 303; 'baven dat do ick nichts mehr' Gry. Lb. 1, E 4
a; in der heutigen Sprache nur noch selten: denn' kann 'n baben Döst drinken ein gutes Bier, auch wenn man keinen Durst hat SchöSchönberg@CarlowCarl; baben Mod' außer Mode WaWaren@RogeezRog; se kriggt noch Schell baben ehren gauden Willen zu all ihrem guten Willen hinzu WaWaren@JabelJab. III. Grammatische Einzelheiten: einen Superlativ bœwelst
s. u.; in Zss. als Grundwort: PN. Darboven (
s. ob. I 1 c), ilenbaben (
s. d.); als Bestimmungswort in babenan, -in, -up, -tau, -warts, -weg, wofür die Belege unt. folgen; ferner vielfach in FN., die nicht immer als echte Zss. zu gelten haben, wenn etwa baben 'n Kamp irrig als Babenkamp behandelt wird, Belege: Babenacker, -brauk, -busch, -dik, -fohrt, -graben, -hof, -holt, -holtkoppel, -katen, -pauhl, -see, -stücken. — Br. Wb. 1, 62; Da. 14
a; Dä. 25
b; Me. 1, 192; Ri. 11.