Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
heilen
1.1 von verwundeten Menschen, kranken Körperteilen, ‘gesund werden’
1.2 von Wunden, Verletzungen, ‘(ver)heilen’
2 tr.
2.1 ‘jmdn., einen Körperteil gesund machen, (von etw.) heilen’
2.2 ‘etw. (Wunde, Krankheit u.ä.) heilen; (Narben, Schmerzen, Schwäche) beseitigen’
2.3 mit Ersparung des Obj., ‘jmdn./etw. gesund machen, heilen’
2.4 ‘jmdn./etw. retten’
2.5 ‘etw. ganz machen, wiederherstellen’
3 refl.
3.1 ‘gesund werden’ , übertr.
3.2 ‘sich retten’
1 intr. 1.1 von verwundeten Menschen, kranken Körperteilen, ‘gesund werden’ [die zu Höllenqualen Verdammten] werdent danne so tôt wunt, / daz si geheilent nímmer mê HeslNicG 5145. – als palde heilet diu hout und wirt scône und linde Barth 138,28; swa der aiz [Eiterbeule] ist an der hæut, der ziuht daz aitter auz dem leib, daz der leip heilet PrOberalt 118,22; daz ez [ein abgeschirmtes Licht] den brœden ougen deste verträgelîcher sî, biz sie geheilen DvASchr 324,37; Barth 147,29. 152,25. – in geistl. Sinne: diu sele heilet, so daz aitter der suͤnden auz gezogen wirt PrOberalt 118,27; Seuse 197,9. – im Minnekontext: ich bin leider sêre wunt âne wâfen, / daz haben mir ir schœniu ougen getân; / daz ich niemer mê geheilen kan MF:UvG Lied 2,5 1.2 von Wunden, Verletzungen, ‘(ver)heilen’ ouh bleib dâ manic wîgant / biz daz sîne wunden / heilen begunden SAlex 4761; dem hirze gehailten sîne wunden Kchr 6881; [eine Wunde] hailet schierer danne iemen gelouben mache Barth 138,6; unz daz der schade geheile Parz 615,11; Ipocr 154; Herb 8695; UvZLanz 3960. – bei einer Pflanze: eynen iungen kirsboum den spalde in di lenge [...]. dor noch so vuge beyde teyle gar glich czu samene [...] und las is wachsin. nach eyme iare, wen dy narwe geheylit ist, [...] Pelzb 127,6. – in geistl. Sinne: [Aufbruch der Kreuzfahrer:] nû heilent Kristes wunden. / sîn lant wirt schiere enbunden Walth 77,9. – übertr.: der sich sîner sunden bechlaget / unde der niht verdaget / sînen êwarten, / sô heilent si harte Messgebr 464 2 tr. 2.1 ‘jmdn., einen Körperteil gesund machen, (von etw.) heilen’ nehain arzet ne kunde si [verwundete Heiden] gehailen Rol 4530; miselsieche und vergihte, / sunder erzenîe phlihte / mit worten er si heilte KvHeimUrst 349; nu was ouch Tristan genesen / ganz unde geheilet garwe Tr 8143; [ein gewisser Stein] hât die kraft, daz er die tiefelhaftigen hailt und die von siehtum unsinnich sint BdN 467,33. 296,25; die bringent den toren und den stummen fuͤr den almæchtigen got, daz in mines træchteins genad heil PrOberalt 151,22; Kchr 714. 12423; Ägidius 95; TrSilv 205; En 11208; mit refl. Akk.: wie wil der geheilen mich, / der nicht wol kan geheilen sich? Boner 68,40; swelich mensch ist ouzgebrosten [aussätzig] , wil sich der schiere heilen, der [...] Barth 138,26. – unz wir unse sichen lide / geheilen und unse wunden Herb 7987; der win sterket den magen unde heilet di brust Macer 1,20; wenne man si [Hasenlunge] zereibet [...], sô hailt si müed füez, der si dâ mit salbet BdN 149,20; OvBaierl 148,10. – mit Gen.d.S. oder Präp. von: Liudegast geheilet sîner wunden was NibB 312,1; Kchr 12474; mag er [Arzt] in von sîn suhten gehailen ebd. 745. 12482; geheilet wart er und genas / von aller sîner swære [Altersschwäche] KvWTroj 10788; HeslApk 18727; WernhMl 7140. – in geistl. Sinne: daz got [...] / den kivninc geheilote / an libe, an der selen TrSilv 218; mit Präp. von: so werdet ir geheilet uon dem bitteren eitere aller iwer sunden Spec 102,3. – im Minnekontext: sie kann mir wol heiln / myn hercz, das sie hat verwundt MinneR 36 18; si heilet mit ir gruoze sendiu herzen KLD:BvH 5: 1,8; KvWLd 8,24; Mai 64,10. – an sorgen dû mich heiles KvWKlage 25,8 2.2 ‘etw. (Wunde, Krankheit u.ä.) heilen; (Narben, Schmerzen, Schwäche) beseitigen’ er vindet einen arzat, / der im heilit sine wunden Wahrh 143. 114; das er [...] allen siechtuͦm an den liuten heilite Konr 10,167; swaz man mit keltnisse heilin mac unde sal, daz heilet man mit stures saffe getempert mit ezsige Macer 92,9; [Bdelliumharz] hailt krefticleich ains töbigen hundes piz BdN 358,14; so sal dir min truwe is [= ez ] geben, / daz sie heilet dine slege Eilh St,7288; PrOberalt 7,22; Iw 7775; StRAugsb 115,10. – sein gall [...] hailt der wunden mâsen und hailt auch der ôrn smerzen BdN 123,17; [der alte Widder] wart [...] / erjunget und ergeilet. / sîn alter was geheilet / durch niuwer arzenîe ursprinc KvWTroj 11054. – in geistl. Sinne: div laster elliv heilte der himelisch arzât Spec 8,5; daz igelicher dem anderen mit vlêlichen worten heile die wunden des hercen StatDtOrd 48,45; Lilie 16,19. – im Minnekontext: wer kan mannes minnewunden heilen? SM:KvL 12: 3,9; diu mir wol heilet sorgen slac KLD:UvL 2: 2,7; guot muot heilt manig grôzzez sêr SM:JvR 1: 16,9; KLD:GvN 44: 2,3; KLD:Kzl 7: 1,14; SM:Ro 9: 3,7. – übertr.: biz die bewegenge [zornige Erregung] mit guden worten geheilit [besänftigt] werde BrEb 71; pfenningsalbe [Bestechung] wunder tuot, / si weichet [La. heilet ] manigen herten muot Renner 660; armer lute unheil / mit eime teile [ihres Vermögens] sie heilten [linderten] , / wand sie ez lieplich teilten / pilgerimen und armen Pass I/II (HSW) 465; Pass III 54,81 2.3 mit Ersparung des Obj., ‘jmdn./etw. gesund machen, heilen’ du wndis vnde heiles Litan 52; dor noch gyngen sy uz in dy lant predigende unde heylende EvBerl 101,11. – im Minnekontext: diu guote wundet unde heilet Walth 98,34; minn von natur ist / ein edel ertznye, die do heilt, / wo sie die suchten hat geteilt / zu den luͤten Minneb 3829; SM:HvS 3: 3,5 2.4 ‘jmdn./etw. retten’ gehailet ist unser vater Nôê, / wande in got selbe behuote / von der grôzen sinfluote Kchr 9329; di dine du [Gott] gehaile, / unse viante du zetaile Rol 7925; (geistl.:) de gude [rechtschaffene] man [...] ersleit den duvel inde heilet die dugede bit sinen worden Lilie 7,34; mit refl. Akk.: heile dich selbir unde stik von dem cruce EvBerl 59,9; StargTagz 21. – im christl. Sinne, ‘jmdn./etw. zum Heil bringen, (von etw.) erlösen’ ich nechom nieht daz ich die welt ertailte, sunder daz ich si gehailte [ salvificem Io 12,47] TrudHL 41,31; der hailige Christ / hât uns mit sîner marter gehailet Kchr 8928. 6494; swer in der tovfe wirt gereinet, / der ist in dem ewigen libe geheilet TrSilv 258; nu verdilige mine sunde / unde heile mine sele SüklV 62; [die Seligen sind] geziret unt gehailet Rol 5136; JPhys 1,16; Glaub 171; Wernh D 3145; StrAmis 1348. – mit Präp. von: der uns alle geheilet hat von allen unsern sunden PrHoff 83,16; daz sie [ pfaffen ] von des ungelauben not / die heiden balde heilten Rennew 8777 2.5 ‘etw. ganz machen, wiederherstellen’ [der tote Stier, von Aasfressern zerrissen,] ist alsô wîten zetailet, / daz in niemer nehain man gehailet Kchr 10244; so saltu sie [Edelsteine] heilen / und gantz als e machen, / die ich [...] / hiez brechen und verswachen! Pass I/II (HSW) 27007 3 refl. 3.1 ‘gesund werden’, übertr.: der [ edelsteine ] glanz waz so reine, / daz trvrig herze sich davon heilt TürlArabel *A 227,29; so sicht man vrô mîn gir / nâch der zîte heilen sich SM:Ro 9: 3,10 3.2 ‘sich retten’ swelhe sich nu wellen gehailen, / di komen alle samt! / hi ist der genadige Teruagant, / den sculen wir anbeten Rol 8132. – im christl. Sinne, ‘Heil erwerben’ niemen wirt von der heiligen vasten beswært wan der tievel und sîn volgære. heilen uns alsô und vertîligen unser sunde PrStPaul 67,10
MWB 2 1265,42; Bearbeiter: Bohnert