sitzen,
starkes verbum. das wort ist gemeingermanisch, die westgermanischen sprachen und das nordische bilden den präsensstamm mit j;
got. sitan,
altnord. sitja,
dän. sidde,
schwed. sitta,
ags. sittan,
engl. to sit,
fries. sitta,
alts. sittian,
deutsch sitzen,
ndl. zitten;
auszerhalb des germanischen entsprechen skr. sadati,
griech. ἕζομαι,
lat. sedeo,
altslov. sd (Kluge
etym. wb.6 366
a).
die flexion des verbums bietet nichts bemerkenswertes; der imperat. müszte sitze
lauten, sitz wird aber durchaus nicht als falsch empfunden; ahd. sitzi: sizzi sliumo inti scrîb.
Tatian 108, 3; sitzi azs zesuûn halb mî
n. Isidor 9, 25;
eindringen der affricata in das präteritum: eine frau die kindts insetz (
in den wochen läge).
Grimm weisth. 4, 559;
part. (
das dann leicht schwach gebildet wird; ungesitzet Dief.-Wülcker 855) gesetzen (
oberfränkisch).
Baierns mundarten 2, 77; gesotz, gesotze Autenrieth
pfälz. idioticon 133; gasitzet, gasotzet
cimbr. wb. 231
b; gesotzt Zingerle
lusern. wb. 51
a; jesazen Hertel
thür. sprachschatz 229;
mit abstoszung des präfixes: ze gericht sessen bin.
tirol. weisth. 3, 340, 5.
das umschriebne perfectum wird von altersher sowol mit haben
als mit sein
gebildet (Grimm
gramm. 4, 165. Kehrein
gramm. 3, § 47); ich habe gesessen. Steinbach 2, 581; ich bin gesessen. Frisch 2, 281
b; ik hebbe seten.
brem. wb. 4, 774; ikk hebb säten. Stürenburg 247
a; ich hân für wâr hie geseʒʒen manec jâr.
Parz. 563, 21; des avendes do si hadden gessen unde verholen wainden hain gesessen.
d. städtechron. 12, 77, 1930.
umschreibung mit sein: der het gestrichen vaste des tages und was durch raste geseʒʒen zu der linden (
hatte sich gesetzt). H. v. Freiberg
Tristan 1163; unde as ich kome was gesessen.
d. städtechron. 12, 180, 5567; sie haben so wol gesungen bey met und külem wein, darbey ist gesessen der wirttin töchterlein.
bergreihen 100
neudruck; ach, wie oft sind wir beisammen gesessen manche liebe halbe stille nacht.
wunderhorn 1, 124
Boxberger; des volkes jamert mich, drei tag sints hie gesessen. Sachs
dichtungen 1, 68
Gödeke; ich empfinde fast ein grauen, das ich, Plato, für und für bin gesessen über dir. Opitz 2, 206 (1690); dasz ich kaum auff eine viertel stunde allhier gesessen bin. Fleming
ged. 623 (1666); ich konnte, zum glück, in verwichener nacht nicht schlafen — wir waren zu lange bey tafel gesessen. Wieland 4, 45 (
der neue Amadis 2, 30); wenn du gesessen bist, soltu zuscharren was von dir gangen ist.
5 Mos. 23, 13; bin ich doch teglich gesessen bey euch, und habe geleret
im tempel.
Matth. 26, 55; ich bin nicht gesessen bei den eittelen leuten: uont bin nicht ümgangen mit tuokmeussern. Melissus
ps. 6
b;
da ist man insgemein den abend für neun oder zehen uhr nicht zur tafel gesessen. Schuppius 105;
noch nie ist der unmuth so auf seiner stirne gesessen. Geszner 1, 203 (1762); wenn ich bei ihr gesessen bin, zwey, drey stunden, und mich an ihrer gestalt, an ihrem betragen, an dem himmlischen ausdruck ihrer worte geweidet habe. Göthe 16, 79; der schulmeister ... mag wol auf seinem lehrstuhl vor einem katzentische ... gesessen sein. J. Paul
herbstbl. 3, 141; Ekkehard war noch lang in der gartenlaube gesessen, dann war er hinausgerannt in die nacht. Scheffel
Ekkeh. 302.
schon Adelung
hat bemerkt, dasz die umschreibung mit sein
süddeutsch, die mit haben
norddeutsch ist, doch findet ausgleichung statt, freilich sind die norddeutschen geneigter, neben haben
auch sein
anzuwenden, als die süddeutschen haben
zuzulassen. gesessen sein
geht leicht in präsentische bedeutung über (
siehe unten 4,
a),
eben so wird geseʒʒen
in alter sprache oft so gebraucht, dasz auch das sitzen
in der gegenwart mit eingeschlossen ist, s. die beispiele bei Graff 6, 287
und unten 4,
a; (
Christus spricht bei der einsetzung des abendmahls:) hie ist alhie gesesszen und hot mit mer gesszen, der mich schier gibbet in den toid.
Alsfeld. passionssp. 3098; bist du wol und hoch gesessen, lasz ladunkelin nicht mit von teller essen. Henisch 948, 22;
besonders im sinne von wohnen: binnen deme biscopdume dar he inne geseten is.
Sachsensp. 1, 2, 1; der was geseszen hie zu Augspurg hinder dem Schlechtenbad.
d. städtechr. 5, 316, 1; was geseszen an dem marckt an ainem egg nachent bei unser lieben frawen capell. 127, 7; wer in der freiung gesessen ist und dinstpar ist.
steir. taid. 27, 12; ein kuninc, der is vermeʒʒen und ist hie bî geseʒʒen. Lamprecht
Alex. 5626; eʒ was ein küniginnegeseʒʒen über sê.
Nibel. 325, 1;
vgl. mhd. wb. 2, 2, 330
a (
unten); einem geseʒʒen sîn,
ihm benachbart sein (
ebenda 330
b);
vgl. noch: die bî den selben jâren dem gemerke wârn geseʒʒen. Ottokar
reimchron. 26068 (die bî dem gemerke sâʒen. 26082);
zunächst wol: so vor einem sitzen, dasz er drauf stoszen musz (
altnord. sitja fyrir e-m,
einem auflauern); wir seind jhnen gewachssen unnd gesessen (
können ihren angriff ruhig erwarten). Fischart
Garg. 264
b;
auch d. städtechron. 1, 145, 12. 149, 28
bedeutet gesessen sein
nur benachbart sein, nicht: einen anfeinden, bedrängen: also daʒ wir uns gentzlich nicht anders versehen, dann daʒ der krieg uff uns, den von Rotenburg, Windshein, Sweinfurt und Weissenburg mer ligend wirt und daʒ wir mer veind gewinnen, die uns gesessen sein, dann alle ander stet, die in dem punde sind. 1, 145, 12; wan er uns basz gesessen und im basz zuzukomen were, dann den Waldenfelsern. 2, 76, 13; einem um eine schuld gesessen seyn,
haver de' beni e del capitale, it. del credito abbastanza per sodisfarlo. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 823
b.
feindlich, auf einen gesessen sein,
einen hassen, anfeinden (
vgl. aufsässig): welcher gar auff die mönche und pfaffen gesessen war, und scholt sie für undersassen des antichrists. Fischart
bienenkorb 12
a.
beachtenswert ist die reiche ausbildung des gebrauchs von sitzen
im altnordischen; auch die ältere deutsche sprache verwendet das wort in manchen beziehungen mit einer freiheit, die spätere zeiten eingebüszt haben; vor allem hat die correcte schriftsprache sitzen
im sinne von '
sich setzen'
aufgegeben. die volkssprache mancher gegenden meidet sitzen
überhaupt, so ist in der Schweiz hocke
der gewöhnlichere ausdruck (Hunziker 243),
vgl. im übrigen anz. f. d. alterthum 19, 356
ff. 11)
im eigentlichen sinne von menschen, '
diejenige stellung wirklich haben, da man den leib auf den hintern niederlässet, und ihn also zur ruhe bringet, zum unterschiede von dem stehen und liegen ( Adelung)'. nicht liegen, nicht stehen, nicht sitzen können; sitzen bleiben; ich bin gar nicht zum sitzen gekommen; immer sitzen, nie auffstehen. Corvinus
fons lat. (1660) 583
a; ein handwerck so man sitzend übet und treibet. 582
b; zu vieles sitzen ist wieder die natur. Steinbach 2, 583; der uuile ûfstân, êr er sizze. Notker
ps. 126, 3; als weel schaltu wita, det ma da sententia dela schel sittende and naet stondende. Richthofen
fries. rechtsqu. 256
b, 19; warum sitzest du allein, und alles volck stehet umb dich her.
2 Mos. 18, 14; ich sitze oder stehe auff, so weiszestu es.
ps. 139, 2; da ich einmahl in die bequemlichkeit des sitzens gekommen war. Seume 2, 154 (1826); er sprach zu sinen iungeren, die da saʒen unde stunden. Kraus
ged. des 13. jahrh. III, 52; ik kan wer sitten efte gan.
des dodes danz 886; bleibt sitzen, meine lords. der könig ist oft so.
Schiller Macbeth 3, 8. de man hölt sittende gäste,
er hat eine schenke. Dähnert 424
b. ûf einem sitzen, eines sitzens (
ältere sprache)
wie: auf einen sitz (
s. oben sitz 1);
vgl. mhd. wb. 2, 2, 332
a; so en sal nyeman meer verdoen to enen sitten dan een mengelin wyns.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 219
b; ich lasz den passieren, welcher eins sitzens so viel saufft als er wigt. Fischart
Garg. 170
b.
eine im nd. sehr gewöhnliche wendung ist sitten gân: gao sitt'n,
setze dich. Danneil 193
a; sitten gân Schambach 192
b; sitten, liggen, staun gaun.
nd. korrespondenzbl. 16, 21. 36; wollen wir sitzen gehen. Stieler 2035;
ursprünglich mag sitzen
in dieser verbindung die bedeutung von sich setzen
gehabt haben (
vgl. 8,
a): diu herzoginne wol gevar her umb zuo Gâwân sitzen gienc.
Parz. 640, 5; darauff gieng er hertzlich betrübt in einen winckel sitzen.
pers. baumg. 4, 7.
in der wendung einen zum sitzen nötigen
liegt auch die bedeutung sich setzen
zu grunde; gen sitzen füren,
sessum deducere. Maaler 373
c;
ebenso im sinne von '
sich setzen': than ik sittian kumu, quað he, an thie mikilun maht.
Heliand 3314;
aber in der bedeutung καθῆσθαι: hier zur rechten kommt kaiserliche majestät, links meine scharmante hoheit, die prinzess zu sitzen. Schiller
Turandot 2, 1.
das partic. präsens wird gern in medialer anwendung attributiv mit substantiven verbunden: sitzendes handwerck. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 823
a; sitzendes leben, arbeit. Frisch 2, 281
c; Adelung
ist pedantisch genug, diesen gebrauch zu tadeln; item dʒ kein freier ein sitzend handtwerck treiben soll. Franck
weltb. 75
b (1542); in dem neuen sitzenden und schleichenden leben. Göthe 25, 182; es war schon im märz, wo die höhern stände wegen ihres sitzenden winterschlafes mehr vollblütig als kaltblütig sind. J. Paul
Hesp. 2, 232.
formelhaft ist sitzender markt,
forum publice sedens i. e. quo exponendi emendique merces et quaevis vendibilia publica est libertas et securitas. Haltaus 1693. sitzen
auf den hintern bezogen, in festen wendungen: einen sitzenden hintern haben,
fest am platze sitzen und dadurch lästig fallen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 823
a; keenen sittenden steert hebben,
unruhig seyn, keine gedult haben, lange bey einer arheit zu sitzen, oder auf einer stelle zu bleiben. Richey 255; ninen sittenden eers hebben.
brem. wb. 4, 774; 'n sittende nërs kan fl bedenken un ûtsinnen. ten Doornkaat Koolman 3, 188
b. 22)
nähere bestimmungen. 2@aa)
in älterer sprache durch ein auf das subject bezognes prädicatives adjectivum, altn. sitja kyrr (
vgl. gramm. 4, 934
ff.),
durch ein participium: griotandi sâtun idisi arm-skapana.
Heliand 5743.
es ist ein unterschied, ob die bestimmung sich auf das sitzen
selbst bezieht (ich sitze hier ganz bequem,
gut, du sitzt schlecht, zu niedrig sitzen)
oder etwas an der persönlichkeit hervorheben soll, wobei das sitzen
an sich nebensache sein kann (er sasz nachdenklich, stumm; end hiu sit wepanda en ropende.
fries. rechtsquellen 32, 26);
beide gebrauchsweisen können sich bis zur ununterscheidbarkeit nähern. er sasz still und schwieg; er sitzt nicht einen augenblick still;
bei still, müszig sitzen
verblaszt die sinnliche vorstellung des sitzens leicht, s. unten 4,
s. gedrang sitzen. Dasypodius; geraum
et gemächlich sitzen. Stieler 2035; lehne dich nicht an, sitze nicht gebückelt, halt die füsze stille. Mathesius
Syr. 2, 42
b; sie sitzt stumm — das auge starr auf das bild geheftet. Schiller
räuber 4, 4
schausp.; indessen sitzest du, theuerste, nachdenkend. Maler Müller 1, 353; (
wenn) ich melancholisch allein sasz.
ebenda; rittlings, nicht fest sitzen; fiang tho zi iro fuaʒin,gibot, sie stillo sâʒin. Otfrid 4, 11, 15; swie minneclîch diu frouwe saʒ.
Parz. 258, 30; wenn Cäsars tod sich naht, so sitzt er königlich. Lichtwer 245; sie wird jemerlich sitzen auff der erden.
Jes. 3, 26; hê sitt so stûr ass'n eddelmann. Danneil 279
b; bettelmännisch g'sesse ist besser als edelmännisch g'stand'
n. Wander sprichw. lex. 4, 579, 3; stöll gesete on langsam gefrete, man glowt nich, wat man herbarge kann. 580, 36; wol gesessen, ist halb gegessen. Henisch 950, 47
1. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 823
b; ubel gesessen ist halb gefast. Henisch 1417, 59;
vgl. Wander
a. a. o. 579, 14
ff.; gut gesessen ist halb gegessen. Göthe 11, 277; ick sitt ganz gôd, seggt de katt, dann sêt se up't speck. Wander
a. a. o. 580, 22; sittet wol, '
sagt hier der bauer, aus höflichkeit, wenn er in gesellschaft auf stehet und einen andern, der da sitzet, vorbey gehet, anstatt: sitzt stille, bemüht euch nicht auf zu stehen'.
brem. wb. 4, 774 (
vgl. die altn. begrüszung sittu heill); hie sitz ich besser, dann zu Speyr im stock. Fischart
Garg. 86
a; langsam sitzt ubel,
wer sich nicht dazu hält, findet keinen bequemen platz. Luther
sprichw. nr. 249
Thiele; wer gut sitzt, der stehe nicht auf,
oder: wer gut (warm, wohl) sitzt, lasse das rücken,
s. Wander
a. a. o. 581, 50; de woll sitt, late syn rükken. Richey 255;
vgl. brem. wb. 4, 774. Danneil 276
b. Woeste 238
a. Stürenburg 247
a. ten Doornkaat Koolman 3, 188
b;
entstellt: de wol sitt, late sinen rüggen. Schütze 4, 99; de gôd sitt, wâr sîn rügge. Frommanns
zeitschr. 4, 141, 301 (
Oldenburg); gut, wohl, warm, übel sitzen
oft im übertragenen sinne, s. unten 4,
s. zeitangaben: gantze tage da sitzen. Steinbach 2, 581; wir haben den ganzen tag gesessen. Adelung; ik drank vele, ôk sat ik ein weinich to lange.
des dodes danz 785; hand in hand, innig verschlungen sitzen
u. ähnl.; rücken gegen rücken sitzen. Stieler 2035; wande die diche samet stânt unde sizzent unde gânt. Karajan
sprachd. 11, 15; er gienc hin ûʒ zuo in zehant, dâ er sî sament sitzen vant.
Iwein 884; oben, unten, obenan, untenan, hinten, vorn sitzen; do die dumherren und die burgere zugegen sohsent.
d. städtechron. 8, 92, 15; jemandem gegenüber sitzen; du müssest denn mit scham unten an sitzen.
Luc. 14, 9; hier sitz' ich, forme menschen nach meinem bilde. Göthe 2, 81: ne, hir te sitten un nicks te verkopen, da kann min schuossten nitt van roken. Wander
sprichw. lex. 4, 580, 25; da sitzt er und ist eingenickt;
in der trennbaren composition dasitzen (
vgl. da stehen)
verstärkt da
den begriff des verbums und giebt ihm etwas ins auge fallendes, er sitzt da und schweigt;
häufig sind in volksthümlicher sprache vergleiche: also sasz ich da wie Matz von Dreseden und wuste mir selbst nicht zu helffen.
Simpl. 1, 356, 25
Kurz; dasitzen wie ein häufchen unglück, als wenn man keine drei zählen könnte. Spiesz 234.
einige beispiele ähnlicher volksthümlicher wendungen mögen sich anschlieszen, die haltung oder art, ausdruck, stimmung des sitzenden schildern; oft wird durch solche wendungen ganz allgemein die lage bezeichnet, so dasz der begriff des eigentlichen sitzens völlig schwindet: he sitt as wenn he an den stool pikket is,
er steht garnicht auf. Dähnert 348
b; ar sitzt wi d'r teif'l in d'r dôraheck'n,
eine schlimme, unbehagliche stellung zu bezeichnen. Frommanns
zeitschr. 6, 325, 379; dai sitted as 'ne meus im meäldüppen. 5, 162, 138; diser vogel ist so faul, traag unnd gmach, dasz er noch nit ab statt weycht, ob man schon zwey oder drey mal nach jm geschossen hat: dannenhär das sprüchwort von den faulen leuten gesagt worden, da man spricht: du sitzest wie ein Bushard. Geszner
vogelb. 143
a; er sitzt als ob er stränge scheissen wollte. Wander
sprichw. lex. 4, 582, 73; er sitzt wie der bürgermeister von Zinten (
breit und behaglich), wie der dachs im loche, wie der fuchs
unter der egge, wie der ochs im heu, wie die laus im schorf
u. a. Wander
a. a. o. 583, 96
ff.; wie ein ast (
so fest); er sitzt wie eine lausz zwischen zweyen daumen. Henisch 664, 29 (
befindet sich in sehr gefährlicher lage); er sitzt wie die perle im golde, wie butter an der sonne. he sett as e verlâwte brût; als en appelhäker (
breit und gemächlich). Wander
a. a. o. 116
ff.; he sitt, as de kuun upp'n mess,
so wie er sichs nur wünschen kann. Dähnert 304
b; he sitt ass Jann van feern,
er ist ein scheuer feigling. Stürenburg 97
b; he sitt as wenn he eier utbröden will. Wander
a. a. o. 584, 126; se sitt as en brud, de nüms halen will. Schütze 1, 166. 2@bb)
sehr mannigfache verbindungen werden durch präpositionen geknüpft. die übergänge zur freieren und übertragenen anwendung sind hier oft so unmerklich, dasz eine scheidung nicht durchzuführen ist; eine ganze reihe bildlicher wendungen sind im gebrauche. am ofen, an der wand sitzen. Adelung; bey einem am tisch sitzen. Maaler 375
c; an der thür sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
a; am fenster sitzen; an der orgel, am ersten pult sitzen; da er sasz an der thür seiner hütten. 1
Mos. 18, 1; an den wassern zu Babel saszen wir, und weineten.
ps. 137, 1; sasz ein blinder am wege, und bettelt.
Luc. 18, 35; sahe er einen menschen am zol sitzen.
Matth. 9, 9; den kindlin gleich, die an dem marckt sitzen. 11, 16; er sas eben am tisch und brettelte. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel; wir sitzen am feuer und machen rathschläge wegen unserer weiteren reise. Göthe 16, 275; am steuer sitzen;
bildlich: so lange dieser verhaszte prälat am staatsruder säsze. Schiller 9, 9; vielleicht kehrt wieder sie des wegs; laszt sitzen mich am stein. Grillparzer
5 2, 47. er sitzt am schmandkasten (
sodasz ihm nichts fehlen kann). Wander
sprichw. lex. 4, 582, 75.
in älterer sprache auch an,
wo jetzt in, auf
gesetzt wird: sizzet er an sînemo heiligen stuole. Notker
ps. 46, 9; the thâr sô gifrôdôd sitit, wîs an is win-seli.
Heliand 228; aller mîner freuden wer sitzet an dem arme mî
n. Parz. 395, 29; dô der meier und sîn wîp an dem bette sâʒen.
arme Heinrich 877.
besondere wendung, oben am bret sitzen,
den ersten platz einnehmen, meist übertragen: das er darnach rennet ..., wie er gen hof kome und hoch oben am brete sitzen möge. Luther 16, 25, 11
Weim. ausg.; virum primarium et principem, einen vortreflichen mann, der oben am bret sitzt, wie wir Teutschen reden. Creidius
hochzeitspredigten. nebend dem meister
auff dem stuol sitzen. Maaler 375
c; auf einem stul, sessel, banck sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
a; auf einem pferd, esel sitzen.
ebenda; er sasz auf des vaters grabe. Steinbach 2, 582; auf der bloszen erde sitzen. Adelung; bald auff dem esel sitzen, leychtlich erzürnt werden. Maaler 375
c; auf kohlen, wie auf kohlen, auf nadeln sitzen,
bezeichnung der ungeduld oder verlegenheit: doch ich sag' es unverhohlen: 'dieses heiszt die zeit verlieren', und ich sitze wie auf kohlen. Uhland
ged. 149 (1864). er sitzt auf dem pferde, wie die kneifzange auf der sau, wie ein frosch auf dem kuhschiss. Wander
sprichw. lex. 4, 582, 78
ff.; he! wat sitt de bûr up't perd as de moder godds up'n esel; he sitt up't perd as de esel up'n plûmbô
m. Frommanns
zeitschr. 5, 524, 605
ff.; ûffen ros nesizzent sie. Notker
ps. 65, 6; der (
schöffen) sessen abir nicht mer denne vier uff der bang.
Magdeb. fragen 1, 3, 18
Behrend; inen ist als sessen sie uf ameisen. Keisersberg
brösaml. 1, 13
a (1517); ein man sasz auff eim roten pferde.
Sacharja 1, 8; da er auf dem richtstuel sasz.
Matth. 27, 19; sass auff seinem wagen.
apost.-gesch. 8, 28; und ich sahe, und sihe, eine weisze wolcke, und auff der wolcken sitzen einen.
offenb. 14, 14; auf der schuckel sitzen (
oft bei Luther),
in unsichern verhältnissen sein, s. oben theil 9,
sp. 1830; der alte Moor auf einem stein sitzend. Schiller
räuber 5, 2
schauspiel; durch daʒ solde er sizzen uffe der êren banke.
graf Rudolf 11, 21; ich saʒ ûf eime steine, und dachte bein mit beine. Walther 8, 4; da sach ich ene uff eim esel sittzen.
Alsfeld. passionssp. 3802; de vorsch sprinkt wedder in den pôl, al sete he ôk up einem groten stôl. Tunnicius 698; ein kutscher, mit besetztem rock und grämlicher geberde, sasz majestätisch auf dem bock. Hölty 22
Halm; seht! da sitzt er auf der matte, aufrecht sitzt er da. Schiller 11, 234; schon stehn die beiden sänger im hohen säulensaal und auf dem throne sitzen der könig und sein gemahl. Uhland
ged. 390 (1864).
mit auf
wird nicht lediglich das angeknüpft, was zum sitze dient; überleitend: wie er sas auf den ruinen von Karthago. Schiller
räuber 3, 2
schauspiel; freier: auf der stube, auf der kneipe sitzen; up der bursen sat ik tavende wat to lange.
des dodes danz 929.
für uns befremdend: das er muste in ein schiff tretten, und auff dem wasser sitzen.
Marc. 4, 1 (
vgl. unten auf das wasser sitzen 8,
b).
anders wiederum gewendet: sessen sie daheim auff dem loch beim wein, so prechen sie kein schuch unnd zerstiessen kein bein. Fischart
Garg. 176
neudruck; sie habens oftmals in der noth stecken und aufm ars sitzen lassen. Franck
weltb. 39
b;
vielleicht gehört hierher: auf dem kropf sitzen, sitzen lassen,
s. oben theil 5,
sp. 2398;
Thiele Luthers sprichw. nr. 292;
die erklärung ist unsicher. mit keckem scherz: auf den ohren sitzen,
nicht hören, unaufmerksam sein: eige var þat, Hermundr, er þú sæter nú á hlustenne, er þu stótt upp?
Bandam. saga 54, 12
Heusler: jemandem auf der haube, dem halse sitzen
u. ähnl. s. unter 4,
p, auf sich selbst sitzen
unter 4,
r. die sinnliche vorstellung verblaszt leicht bei der wendung auf dem thron sitzen: damals sasz ein weiser herrscher auf dem throne (
regierte; vgl. 4,
b).
bei der gluot sitzen. Maaler 375
c; der sein lebtag bey seiner mutter schmant-töpffen gesessen .. hat. Schuppius 264; thâr he sittean fand Andreas endi Pêtrusbî them aha-strôme.
Hel. 1153; wenn du bey (
jetzt eher an) eins reichen mans tisch sitzest, so sperr deinen rachen nicht auff.
Syr. 31, 12; nun saszen die damen bei tische (
speisten). Göthe 23, 141;
entsprechend: beim essen, beim thee, beim weine sitzen; der msz ein schmürtzler, hümpeler sin wer nit will sitzen by dem wyn. Brant
narrenschiff 95, 43; bin ich doch teglich gesessen bey euch.
Matth. 26, 55; sitze nicht bey eins andern weib, und hertze dich nicht mit jr.
Syr. 9, 11; ich sitze nicht bey den eiteln leuten.
ps. 26, 4; Îsôte sîne swester vander mit züchten bî in sitzen. H. v. Freiberg
Trist. 385; bei sich selbst sitzen
s. unter 4,
r. da sitt he
vor fief mark veer schilling, '
wie aufs maul geschlagen, gleich einem der in der büttelei auf den staubbesen sitzt, der den büttel 5
m. 4
sch. einzubringen pflegte'. Schütze 4, 98.
gegen einem sitzen, einem im gesicht
ò vor jemand sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
a; und da er auff dem oleberge sasz gegen dem tempel.
Marc. 13, 3.
hinter dem tische sitzen. Campe; hinterm ofen sitzen,
sprichwörtlich vom faulen oder von dem, der niemals aus der bequemen beschränkung herauskommt. s. Thiele
Luthers sprichw. nr. 217. hinter den büchern sitzen,
in den büchern studieren; freier: hinter einem werck sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
c; ich hab auch ordentlich dahinter gesessen,
ich hab mich selbst darum gekümmert und eifrig getrieben (
wenn andre etwas auszurichten hatten).
in der liberey (
bibliothek) sitzen. Maaler 375
c; in einem sessel sitzen und ruhen. Corvinus
fons lat. (1660) 582
b; imo sizzentemo in themo duomsedale.
Tatian 199, 5; im schatten sitzen. Stieler 2036; im finstern sitzen: wir wollen noch einige zeit im finstern sitzen, ehe wir licht anstecken.
häufig in bildlicher anwendung: sizzente in finstri, unde in dôdes scatue. Notker
ps. 106, 10; im schmalz, im speck, in der wolle sitzen,
in behaglichster lage sein; in der wolle sitzen
kann aber auch heiszen: in verlegenheit sein, vgl. auch 4,
s. im bade sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 822
a; der reuter im sattel sitzende. Comenius
sprachenth. übers. von Docemius (1657) 451; im fenster sitzen. Adelung; im theater, im wirtshaus, im concert sitzen; der mutter im schosz sitzen; er sitzt hier wie in Abrahams schoosz (
sehr behaglich). einem im lichte sitzen; dai sitted sik im lechte as en holskenmeäker. Frommanns
zeitschr. 5, 162, 138 (
s. unten nach). der die umbirigun also diu ecclesia uuas êr iro sponsus châme nu tuot sizzen in sînemo hûs frouua muoter manigero chindo. Notker
ps. 112, 9; allso das ain sollicher mennsch sitzt wie ain spynne in irem wepp, wa deren ain fad wirtt angerüert, des wirt sy gewar, denn verlasset sy ir statt, und laufft dartzuo. Keisersberg
pred. 75
a (1510); und fand im tempel sitzen, die da ochssen, schaf, und tauben veil hatten.
Joh. 2, 14; sie hetten vorzeiten im sack und in der asschen gesessen, und busse gethan.
Luc. 10, 13; es ist besser im winckel auff dem dache sitzen, denn bey eim zenckischen weibe in einem hause beysamen.
sprüche 25, 24; er aber sas in der sommerleube.
richt. 3, 20; wer ym rohr sitzt, schneit die beste pfeiffe. Thiele
Luthers sprichw. nr. 260; de in't reit sitt, het gôd pîpen snîden. Frommanns
zeitschr. 4, 141, 303; im rosengarten sitzen,
sich in glück und wonne befinden. Thiele
a. a. o. s. 76;
vgl. oben th. 8,
sp. 1172; in dutten sitten,
zusammengekauert sitzen. s. oben 2,
sp. 1771.
nd. korrespondenzblatt 11, 74; die lieben kinder, die gott ynn der schossz sitzen. Luther 16, 467, 11
Weim. ausg.; da sehen wir allererst wo Jäckel in den bohnen gesessen. Philander 2, 13; im sattel sitzen,
auch im bilde, in sicheren verhältnissen sein: so bald Sylvius widerumb im sattel sasze, wurde er auff einmal so hoffärtig, dasz ich mich nicht genugsam darüber verwundern konte. Schuppius 247;
dagegen im eigentlichen sinne: graue und unangenehme bilder, die einen, der nicht recht fest im sattel säsze, gar leicht herab werfen könnten. Göthe 16, 277; ihr saszt mir im schoos, — wiszt ihr noch. Schiller
räuber 4, 3
schauspiel; in dem kroge sat ik in dem lage.
des dodes danz 1361; die da sizzent in siner schôʒ, de nemuot hungir noch durst.
genesis 45, 9
Diemer; dô sâʒen in den venstrendiu schœnen meidî
n. Nibel. 597, 1; dem ich in dem schosz gesessen, warum hast du mein vergessen? P. Gerhardt 129
Gödeke; man kann dabei bequem und säuberlich in warmer stube sitzen. Schiller
Turandot 2, 1;
in besonderer verwendung (
ältere sprache): do hei in der doufen sas, wart eme al sins ovels bas.
d. städtechron. 12, 37, 549; er sitzt bis an den hals im wasser; des ernsten weisen, welcher bis an den bart in büchern sitzet. Hölty 87
Halm; worin stecken und stecken bleiben (
bildliche wendungen): in der patsche, in der tinte sitzen; er sitzet mitten in der brühe,
mediis in fluctibus haeret. Stieler 2036; zwischen zweyen stülen im dreck sitzen. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 822
a. bis an den hals in schulden sitzen,
s. unten 4,
s. andere verknüpfung: in gedanken sitzen; ich sitte in bedenk,
bin zweifelhaft. Schütze 4, 100.
mit gekreuzten beinen sitzen: sasz, mit verschränkten beinen. verhüllt in petumduft. Hölty 12
Halm; besondere wendung: he sitt mit'n êrs na't lucht, as de holskenmakers. Frommanns
zeitschr. 5, 524, 603. sizze
neben mir. Notker
ps. 109, 1. ih chisah druhtin sitzendan
oba dhrâto hôhemu hôhsetle.
Isidor 17, 29; obe babylonis ahôn sâʒen uuir unde uueinoton. Notker
ps. 136, 1; wan daʒ ir ob iuwern buochen soltet sitzen. B. von Regensburg 1, 361, 39 (
vgl.über); die wile sü ob dem dische soszent essende.
d. städtechr. 8, 91, 21;
wie das folgende über einem dinge sitzen,
damit beschäftigt sein: ob ich ein jâr darob sæʒe, mit getiht ich nicht volmæʒe ir klage strenge. Ottokar
reimchron. 21846;
vgl.: so thu io in thia redinathar langor sizis obana. Otfrid 3, 7, 81.
über den büchern sitzen,
lesend über sie gebeugt: ich sah durch das fenster, dasz er wieder über seinen büchern sasz; es wollte mir nie gefallen, dasz du immer mehr lust hattest, über büchern ... als an deinem spinnrocken zu sitzen. Wieland 39, 163; ich empfinde fast ein grauen, dasz ich, Plato, für und für bin gesessen über dir. Opitz 2, 206 (1690). über einem dinge sitzen,
sich eifrig mit etwas beschäftigen, an etwas arbeiten (
vgl. unten 4,
h): tagelang hab ich über dieser arbeit gesessen; der stets über etwas sitzt,
sedulus. Corvinus
fons lat. 582
b.
veraltet: sie sitzen gern oben an uber tissch.
Matth. 23, 6; da sie uber dem tisch sitzen.
buch d. liebe 275
b. und er sahe rings umb sich auff die jünger, die
umb jn im kreise saszen.
Marc. 3, 34; dort seh ich die drey scharfe schützen linker hand um ein feuer sitzen. Schiller
Wallensteins lager 1. fand jn
unter einer eichen sitzen.
1 kön. 13, 14; Lot aber sas zu Sodom under dem thor.
1 Mos. 19, 1; die under demo burgetore sâzzen. Notker
ps. 68, 13; Bêne unders küneges armen saʒ.
Parz. 686, 1.
freier: ih saz unter sînemo scate. Williram 29, 1; ich sitze unter dem schatten des ich begere.
hohel. 2, 3;
besondere wendung: dâ diu schœne Criemhiltbî Ezele under krOene saʒ (
im krönungsschmuck neben ihm sasz).
Nib. 1314, 4;
andere anknüpfung: er sitzt mitten unter den frauen. fundun inan in themo temple sizzantan untar mittên thên lêrârin.
Tatian 12, 4; wie lieb ich dich, o silberweisze quelle, wo Chloe unter blumen sasz. Hölty 126
Halm. sprichwörtlich: er ist unter den hünern gesessen,
er ist ein überkluger, eingebildeter. Luther
sprichw. nr. 456
Thiele. die bey einer frawen
vorm bett sitzet. Corvinus
fons lat. (1660) 583
a. jr werdet sehen des menschen son sitzen
zur rechten hand der krafft.
Marc. 14, 62; das sitzen zu meiner rechten und lincken zu geben, stehet mir nicht zu.
Matth. 20, 23; sitzend zu den füszen Ihesu.
Luc. 8, 35; er sitzt den ganzen tag zu hause und liest; immer zu hause sitzen,
nicht ausgehen. Adelung.
für uns fremd: ouch saʒ diu küneginne zen venstern dar inne.
Parz. 61, 4; zum verkauf sitzen,
feil halten. Campe; zu pferde sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
b; gut zu pferde sitzen. Adelung; wenn du zu pferde sitzest, so wirf den körper nicht hinten über.
don Quixote5 2, 316
Tieck; wie stattlich er zu rosse sitzt. Hoffmann v. Fallersleben
ged.9 346.
in dieser wendung auch im sinne von sich setzen, s. 8,
a; zu tisch sitzen (
speisen)
u. ähnl.: in thô zi muose sizzentê
n. Tatian 160, 1; es war aber einer unter seinen jüngern, der zu tische sasz an der brust Ihesu.
Matth. 13, 23; hyr sitten gesellen in êr matschop to beir.
Theophilus 361; dat si mit en to der taflen sitte.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 218
b; da es nun zeit war zu tisch zu sitzen (
sich zu tisch zu setzen).
buch der liebe 30
d; wie freuten sich die kinder auf diese nachtkost, denn sie sollten mit zu tische sitzen. Göthe 23, 132; thaʒ thar zi disge saʒinmit imo saman aʒin. Otfrid 4, 4, 13; thar hereron thie wisesizzent zi iro muase. 3, 10, 39; si saʒʒen ze muosemit vrolichem chose.
genesis 43, 19
Diemer; wir sitzen hier zu weine. Hoffmann v. Fallersleben
ged.9 266.
nicht immer ist zu entscheiden, ob die bedeutung unsres sitzens
oder '
sich setzen'
vorliegt: ich sah dich gestern nacht mit deiner ersten gemahlin, reich geputzt, zu tische sitzen. Schiller
Wallensteins tod 5, 3.
in besondrer wendung: denn jede, wett ich, sitzet nun zu winckel, wägt deinen zorn und zittert kindischer. Lessing 2, 507.
zwischen zwein vrouwen guot saʒ ein ritter hôchgemuot. H. v. Freiberg
Trist. 896. 2@cc)
von sitzen
ist ein infinitiv abhängig; aus neuerer zeit ist nur das in der umgangssprache norddeutscher gegenden gebräuchliche spazieren sitzen
anzuführen; die verbindung von sitzen
mit einem folgenden infinitiv war früher nicht ungewöhnlich, vgl. Kehrein
gr. 3, § 32: frouwen die suln dâ heime sitzen spinnen. B. von Regensburg 1, 356, 19; dô sâʒen aber râwendie von Burgonden lant.
Nibel. 2016, 1; der meynt der fyrtag sy erdacht das kleyner arbeit gott nit acht als das mans holtz jm spiel brAett schlag und kartten sytzt eyn gantzen tag. Brant
narrensch. 95, 27; die andern sytzen spyelen, prassen. 39; sitzt sich berühmen fort und fort. B. Ringwaldt
die lauter warheit (1597) 75; wenn er trincken sitzt. 73; sitzt stachlen als ein neydisch hund.
ebenda; sitzt jmmer pfeiffen, singen, lachn. 83; sitzt bey jungen nonnen lachn. 217; ich hab itzt nicht mehr zu verrichten, als, dasz ich sitze in diesem winckel tichten. A. Gryphius (1698) 1, 735. 2@dd)
für uns fremdartig: so voll sey es allenthalben gewesen von krancken, oder andern leuten, so auff ihren knien gesessen und gebetet. Schuppius 77; zu dem Spanier, der noch in groszer furcht auff den knien gesessen hatte. 822;
ebenso ags. on cneówum sittan. 2@ee)
kühner: hê sitt glîk mit sîn poten in de kumme, wen't eten up de disk steid. ten Doornkaat Koolman 3, 188
a;
stecken, haften: hê blêf mit sîn mantel in de dorens sitten.
ebenda. 2@ff)
mit reflexivem accusativ und prädicativem adjectivum: sich müd, steif sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
b; sich krumm, wund sitzen.
mit reflexivem dativ: sich den hintern wund sitzen. 2@gg)
unpersönlich und reflexiv: darauff sichs wol sitzet. Corvinus
fons lat. (1660) 583
a; hier läszt sichs gut sitzen. Campe. 33)
von thieren gebraucht, die mit niedergelassenen gliedern ruhen; bei den vögeln nicht blosz von der lage beim brüten (
für das sitzen
auch prägnant gebraucht wird, vgl. sitzhenne),
sondern auch ihrem stehenden ruhen. ob den eyern sitzen, brüten. Maaler 375
c; der vogel sitzt auf dem baum. Stieler 2035; die hüner sitzen schon (auf dem stänglein,
nämlich zur nachtruhe). Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
a; als hunde, katzen. Frisch 2, 281
b; wie die hüner und vögel. 281
c; 'sitzen
wird von dem rothwildpret gesagt, wenn es sich auf seinem bette nieder gethan hat. auch wenn der hase in seinem lager ist, so sagt man: der hase sitzet veste'. Jacobsson 4, 180
a;
nach Kehrein
wb. d. weidmannsspr. 273
wird es für ruhen gebraucht bei edel-, dam-, elen- und rehwild, auch bei hasen, zuweilen bei dächsen. einige sagen auch: die sau sitzet im bett, andere hingegen sprechen: sie liegt im lager. Heppe
wohlr. jäger 279
a; dat hoon sitt,
es brütet eier aus. Dähnert 424
b; wie ein junger lewe der in der hüle sitzt.
ps. 17, 12; an den selben (
den wassern) sitzen die vögel des himels.
ps. 104, 12; der hase sitzt oder drückt sich im lager; nicht, er liegt. Döbel
jägerpractica 1, 31
b; unter dem stummsitzen aller halberfrornen nachtigallen. J. Paul
Titan 3, 20; mein huhn sitzt schon zu neste. Brentano 4, 84; von dem Laufemer hinter der brodbahre, wo die katz darauf sitzt. Hebel 2, 213 (1853); in meim kamer fenster sas ein kacz. Sachs
fastn. sp. 5, 143, 185; der sperling unterm dache sitzt bei seiner trauten sie anitzt. Bürger 30
b;
wendungen, die sich auf das brüten beziehen, aber von menschen gebraucht werden: up den eiern sitten bliven,
in dem besitz und nieszbrauch eines gutes bleiben. brem. wb. 4, 775; he sittet up de eier,
er bewahrt sein gut wohl. Schütze 4, 98; he sitt as wenn he up eier sitt,
steht nicht gern auf. 1, 296; er sitzt zu lange uber den eyern. Wander
sprichw.-lex. 4, 583, 110; brauches selb nit, auch nimmer nützen drauff wie die henn auffn eyern sitzen. B. Waldis
Esop 3, 26, 30
Kurz. von jemandem, der sich in gefährlicher lage befindet, sagt man: er sitzt wie eine lausz zwischen zweyen daumen. Henisch 664, 29; auf dem sprunge sitzen,
eigentlich vom thiere, das sich zum sprunge zusammenkauert; häufig auf den menschen übertragen: ich sitze schon lang auf dem sprunge (
warte schon lange auf die gelegenheit);
anders: nu wäre es ja gar ein ungleichs, dasz sie ihm möchten urlaub geben, wenn sie wollten, und er also immerdar muszte unstät und auf dem sprunge sitzen. Luther 5, 62 (
immer bereit sein müszte, seine stelle zu verlieren und weiter zu ziehen). 44)
schon zu anfang ist hervorgehoben worden, dasz die freiere und übertragne anwendung des wortes seit alter zeit in reichem masze entfaltet ist und dasz besonders die gebrauchsentwicklung, wie sie sich im altn. bietet, beachtung verdient. die enge eigentliche bedeutung wird erweitert zum begriff des verharrens, nicht bewegt seins. von dieser vorstellung aus kommt man dann wieder in einigen richtungen zur prägnanten anwendung. andere der im folgenden angeführten besondern gebrauchsweisen halten an dem eigentlichen sinne des wortes fest. 4@aa) sitzen,
seinen aufenthalt haben, wohnen. in diesem sinne ist sitzen
oder gesessen sein
sehr gewöhnlich in älterer sprache (
vgl. auch hier das altn. sitja; Richthofen
fries. wb. 1019
b. Bosworth-Toller
unter diesem worte),
später wird der gebrauch etwas eingeschränkt; sitzen,
wenn es in dieser bedeutung verwandt wird, bekommt daher in der neueren sprache leicht den klang eines gewählteren ausdrucks, auch die nebenvorstellung des '
besitzens, haushaltens'
ist fast stets vorhanden, was früher durchaus nicht immer der fall ist; gesessen sein
ist überhaupt ungebräuchlich geworden. wir sagen nicht mehr er sitzt in der Friedrichstrasze, er sitzt zur miete, pacht (Göthe
und J. Paul
brauchen das wort so noch);
dagegen: er sitzt auf seinem hofe; auf dem schlosse sasz ein graf; jahrhunderte lang hat die familie auf diesem gute gesessen;
allerdings kann auch in älterer sprache die vorstellung des innehabens, genieszens schärfer hervortreten, z. b. auf der pfründe sitzen;
vorstellung des verwaltens, versehens: daʒ nû vil wunderlîchen kûme eteswâ ûf vier kirchen ein priester sitzet. Berthold v. Regensburg 1, 364, 4;
in neuerer sprache wird ferner sitzen
im weiteren sinne von '
wohnen, aufenthalt haben'
gebraucht, wenn es sich um die prägnante bedeutung '
fest sitzen, haften'
handelt: zehn jahre hab ich als amtsrichter in dem kleinen nest gesessen
u. ähnl.; die Langobarden saszen damals an der untern Elbe;
vgl. oben sitz 3;
gentes ... quae antea in ea locatae erant, gisetana uuarun.
altsächs. sprachdenkm. 51
b, 9
Wadstein; qui ibi in proximo erant, naist gisetana. 60, 24; latan that manno folc sittian umbi Sodoma.
alts. genesis 223; thanna sat im thar an innan burugadalburdig man. 260; die ze ende dero uuerlte sizzent. Notker
ps. 64, 9; alle die in erdo sizzent, fone sunnun ûfkange unʒ ze iro sedelgange. 49, 1; gens iudea saʒ fone iordane unʒ an mare magnum. 79, 10;
vgl. die beispiele bei Lexer
mhd. handwb. 2, 944
unten und 945. Schiller-Lübben 4, 218
b. Haltaus 1693; in der statt wonen und sitzen. Maaler 375
c; wol sitzen, ein guot hausz haben.
ebenda; er sitzet in einem schlechten baurenhause, trefflich und herrlich. Stieler 2035; ab her usz eyme andern lande ist adir in eyner andern herschafft gesessen ist.
Magdeb. fragen 1, 5, 1
Behrend; der so ferre gesessen ist, das her nicht dingpflichtig ist. 2, 2, 14; anno domini 1349 di juden hi waren gesessen zu mittelst auf dem platz.
d. städtechron. 1, 25, 1; Wolfram Stromer waʒ meins anhern bruder, der sass an dem hewmarkt. 61, 22; den leuten, die bey dem waszer saszen (
in der nähe des wassers wohnten). 412, 23; sitzt zu Wildenberg. 2, 79, 30; sein weib sitzt zu Kulmbach. 82, 13; sitzt auf dem Potenstein. 85, 11; sitzt 2 meil von Lichtenberg. 13; wann hie (
in der stadt) geseszen warent vil freiherren graven und edel. 3, 67, 26; gesezzen zuo Reichartzhusen. 4, 99, 2; iren nachpuren, die umb die stat zu Augspurg gesessen sind. 153, 9; alle, die auf der pfaffen guet saszen. 5, 60, 22; daselben sasz der kaiser auf die zeit. 112, 14; desselben mals was ich in meinem haus geseszen, das gelegen ist an der weiten kirchgaszen. 137, 29; bedwang dat volk dat in dusseme lande sat. 7, 7, 7; des sat ein to Billingestorp. 57, 27; daʒ orthüs do der Becherer sitzet. 8, 96, 10; so seind etwann hie gsessen guet edl ritter und knecht.
tir. weisth. 2, 178, 16; ich Ianutt Carl de Balkun ault, oder von Hohenbalken ze tütsch genannt, gesessen ze Tufers. 3, 340, 2; die auf unsern urbarn nicht gesessen seind.
Salzb. taid. 4, 17; item ob ain gotzhausman sein guet von meinem genedigen herrn hiet, darauf er nit säsz. 48, 22; ist es ain frau, die nicht recht hat auf dem erb, ... so soll sie daʒ ander jar sitzen mit rue.
tir. weisth. 1, 78, 4; keinen trost, hülff noch rad an meiner freundschafft, die ... myr auch weit gesessen. Luther 15, 90, 12
Weim. ausg.; alle die jr auff erden wonet, und die im lande sitzen.
Jesaias 18, 3; herab von der herrligkeit, du tochter, die du zu Dibon wonest, und sitze in der dürre.
Jer. 48, 18; viel werden komen vom morgen und vom abend, und mit Abraham und Isaac und Jacob im himelreich sitzen.
Matth. 8, 11; er sas aber daselbs ein jar und sechs monden, und leret sie das wort gottes.
ap.-gesch. 18, 11; denen, die auff erden sitzen und wonen.
offenb. 14, 6; er mag nun in einem dorff, oder in einer stadt sitzen. Schuppius
schriften 266; da graff Königsmarck in Prag sasse. 385; welche gern in den einfältigen fischer-himmel wolten, darin der alte fischer Zebedäus mit seinen söhnen Jacobo und Johanne sitzt. 193; du wolltest hier ausziehen? du hast wenig gelasz und sitzest theuer. Göthe 7, 135; ein junger, ganz glücklicher, wohlbehaglicher fürst, der von seinem vater reich und erbe und heerde und güter empfangen hatte, und darinne sasz mit genüglichkeit. 33, 279; nun ist der ehrliche schlag so gesund, wie ein hecht im wasser, sitzt bei mir zu miethe, zeugt seine jährlichen kinder. J. Paul
aus des teufels papieren 1, 130; du siehst schweren zeiten entgegen wie alle leute, du vielleicht mehr, weil du an der grenze mitten unter soldaten sitzest. Brentano 9, 254; dat clôster, dâr de brôder sat.
v. s. Marinen 31; wio sie in thesa redinawarun ana selida, in hutton giwarosaʒun fiarzug jaro. Otfrid 3, 15, 14; zu einem smide künstic gnuoc; der saʒ zu Karke in der stat. H. v. Freiberg
Tristan 5975; der bstelt, duscht, koufft so manig pfruon das er verjrrt dick an der zal und duot jm also we die wal uff welcher er doch sytzen well. Brant
narrenschiff 30, 25; in der stat Pistoya sase eine witfraw. H. Sachs
fabeln u. schwänke 1, 188 (
nr. 63, 1)
neudruck; inquisitor. sag ahn, wo er zu hausse sey.
Herman Pich. er sitzet in der langen gassen.
fastn. sp. 5, 33, 111
neudruck; bleibe denn hier und sitz' auf dem deinigen. Voss
Od. 2, 370; des königs burgvogt, der auf Roszberg sasz. Schiller
Tell 1, 1.
aufenthalt auf der reise: so sitzen wir übermorgen um diese zeit in Realp in dem Ursner thal. Göthe 16, 275.
gezwungner aufenthalt (
vgl. 4,
n): gott dank! dasz uns so wohl geschah, der tyrann sitzt auf Helena. 47, 228. im fegfeuer, in der helle sitzen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 822
b. gesessen
im sinne von ansässig, besitzend in den zusammensetzungen burg-, erb-, schloszgesessen.
mhd. ingeseʒʒen, inseʒʒen, alt-, erbseʒʒen.
mhd. wb. 2, 2, 331
b. 332
a; umbeseʒʒen,
in der umgegend ansässig. 336
b; ungesitzet,
nicht ansässig. Diefenbach - Wülcker 855.
in älterer sprache auch gesessen
allein: ein gesessener mann,
vir bona possidens. Steinbach 2, 583; die ebrecher und wucherer alhie geseszen.
Alsfeld. passionssp. 2179.
besondere wendung der älteren sprache: Stephan Althans sitzt mit haus zu Lichtenburg.
d. städtechron. 2, 81, 32; solt hie in der stat mit haus sitzen. 5, 169, 12; für ein burc wünneclîch: dar ûf sô was diu tugende rîch, mîn vrowe, der ich nie vergaʒ. diu guot mit hûs dar ûffe saʒ. Lichtenstein
frauendienst 330, 4; Gretz, dâ er mit hûse saʒ. Ottokar
reimchr. 2359. zu haus sitzen,
sein eigenes hauswesen verwalten: wo du dein eigens uberkompst und zu haus sitzest. Luther 4, 402
b.
manche dieser wendungen sind formelhaft und gehören der rechtssprache an (
vgl. 8,
d: in die güter und erbe sitzen): deer eer oppe dat eerwe ende op da wara sit.
altfries. rechtsqu. 418, 16
Richthofen; ende hio nu an da wara sitta schil mit mara riucht. 419, 17; durch dat he mit ir in den geweren sit.
Sachsensp. 1, 45, 2 (
vgl. unter d); sitten an erve unde in allen gode.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 218
b,
vgl. brem. wb. 4, 775; aber rehte (
justi) inphahent in erbe dia erda, unde sizzent iemer darana. Notker
ps. 36, 29; eines gutes bey nutz und gewer sitzen,
im unangefochtnen besitz des gutes sein. quelle bei Schm. 2, 345; die zu dem Hornbach sitzen in allen nutzen und recht.
tirol. weisth. 2, 105, 25; als er nun wider in all sein herschaft, gewalt
etc. und ander nutz und gewer gesessen was.
d. städtechr. 5, 199, 32; seine beyde junge söhne ... sind unter dem regiment jhrer mutter Agnesz ... in ungetheileten gütern gesessen. Micrälius
altes Pommern buch 3,
s. 386; so lang sött de bûr nich op sinen arw, denn öss hei all lang pankrut. Wander
sprichw.-lex. 4, 585, 165.
vgl.gut,
übel,
warm sitzen
u. ähnl. unter 4,
s. 4@bb)
mit dem nebensinne des thronens, herrschens (
sitzend übt der fürst seine gewalt aus): durch das sitzen wird offtmahls eine regierung angedeutet, wie man zum öfftern in gemeinem leben reden höret: dieser pabst hat so und so viel jahre auf dem päbstlichen stuhle gesessen. Sperling
Nicodemus quaerens 1 (1718), 1238; sâton irô heritogon an landô gihwemhabdun liudeô giwald.
Heliand 58;
qui sedet in altissimis, der sizit in hohinum.
Murb. hymnen 17, 2, 4; der hoho sizzet .. der ûffen hôhen himelen sizzet. Notker
ps. 112, 6; das er für der welt in fürstlicher ehre sitzt. Luther 6, 7
b; das erste leret, wie man sich halten soll gegen alle obirkeit, welche an gottes stat sitzet. 16, 486, 15
Weim. ausg.; die feinde, da sie sitzen und regiren. 24, 496, 15; er sitzt uber dem kreis der erden.
Jes. 40, 22; di ubirmûtige Gâʒen, di ubir Philistim sâʒen. Lamprecht
Alex. 2014; sit über lant ein frouwe saʒ.
Parz. 824, 2; wat helpet, dat ik was hôch vormeten unde hebbe in eines apostels stede geseten.
des dodes danz 290.
prägnant: Cletus ein Romer sas 11 jor und 1 monot und 11 tage (
war pabst).
d. städtechron. 8, 16, 6. 4@cc)
verhältnis der unterordnung, unter, hinter einem sitzen (
vgl. hinter-, untersasz); ein adelicher der unter dem fürstlichen amt sitzt. Frisch 2, 282
c; dieser stadt ihre unterthanen sitzen alle hinter andern herren. 281
c; sy und ir lewt, die hinter in sitzent.
d. städtechron. 1, 112, 13; einen pauer ... der siczt hinder den karteusern. 2, 78, 2; Thoman der jung von Reytzenstein sitzt hinter marckgraf Johansen. 19; sitzt unter dem von Swarczpirck. 83, 27; so sitzen Hans Lewpolt und der Ottendörffer auch zu Rodach hinter dem pfarer von Warttenfels. 92, 9; hinder wem oder wo si sitzent.
tir. weisth. 1, 87, 31; siczt er hinter uns, so bedarf er kainer porgschaft.
Salzburger taid. 5, 26; ob ainer ainen inman oder holden aufnem .., der vorhin hinter dem gotzhaus nit gesessen wäre. 48, 32; ain underthon, so unter einer andern herrschaft sizt.
steir. taid. 133, 33; so sitz ich hie unter einem churfürsten zu Sachssen zu recht. Luther 6, 358
b; twang die, daʒ sü im zu dieneste muostent sitzen.
d. städtechron. 8, 42, 27; wan künig Philippus sas künig Dario zuo dienste. 303, 27. in huldeginge sitten,
gehuldigt haben. brem. wb. nachtr. 303. 4@dd)
eheliches zusammenleben, eheliche gütergemeinschaft; auch hier entsteht in älterer sprache prägnanter gebrauch: hweerso tuer syden togara sitten sint onde nen kynden habben.
fries. rechtsquellen 426, 21; durch dat he mit ir in den geweren sit.
Sachsenspiegel 1, 45, 2; unde dat dy eldeste swester mit irem manne in der were unde in dem erbe gesessin habin.
Magdeb. fragen 1, 7, 23; eyn wip beclaget iren elichen man, das her sy gelosen hat, und sesze mit eyme andirn wibe. 3, 7, 1; siczt mit ir yn der e in das vierde iar. 1, 9, 4; mitenander sessen an der e. 1, 14, 2; der bey jm hatt sitzen seiners bruders frow. Keisersberg
post. 1, 4 (1522); sie sitzet mit ime in gemeinen gütern. Luther 16, 218, 32
Weim. ausg.; es sollen zwey ein leib sein, sie sitzen in gemeinen gütern. 219, 21; habe also mit meinem herzlieben weibe, nunmehr in gott ruhende, in einer geruhsamen friedliebenden ehe gesessen 20 jahr 5 wochen weniger 2 tage. H. v. Schweinichen 525
Österley; vatter und muter die nit in der heiligen e sitzen.
quelle von 1377
bei Dief.-Wülcker 855; sint by einander allweg ehelich zu tisch und bette gesessen.
quelle bei Haltaus 1693 (
daselbst weitere belege); do si und ir man entsamt geseʒʒen wâren an der ê.
passional 460, 31
Köpke; die bî der ê sitzent.
Martina 131
a, 3. 4@ee)
friedliche oder feindliche beziehungen (
vgl. 8,
g): myt den wy in vrunschop unde leue sittet.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 219
c; unde he ok wol wuste, dat wy mit unsen heren in anclaghe seten (
mit ihm processierten).
ebenda; de unse vyende weren und dar we unvrundliken mede seten.
ebenda; das solich verstentnüsz gemacht wurd, wie man bei einander sesze und das man wider einander nit sesse.
d. städtechron. 2, 527, 37.
vgl. 8,
d (Ottokar 40177). 4@ff)
innehaben eines amtes, einer würde, ausüben einer gewalt u. ähnl. (
vgl. 8,
d zu diesem und den folgenden abschnitten): in einem amt sitzen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 822
b. Frisch 2, 281
c; im regiment sitzen, das gemein regiment füren. Maaler 375
c; wer sonst in einem ampt sitzet und andere richten und regiren sol. Luther 16, 357, 19
Weim. ausg.; da er allbereit in seinem ampt gesessen. Schuppius
schriften 10; der damals .. im rathstuel oder im predigampt gesessen hab. 190; deren zwey noch itzo im geistlichen stande sitzen. 334; der regierungsstand, da einer alleine im regiment sitzet. 534; die an dem gewalte sâʒen des êrsten in Assyria, ze Kriechen und in Persia. Ottokar
reimchron. 24; gott sitzt im regimente und führet alles wol. P. Gerhardt 186, 55
Gödeke. besondere wendung: ein bruoder der zuo dem groʒen silber sitzet,
es in verwaltung, obhut hat. quelle im mhd. wörterbuch 2, 2, 329
b; (
dasz er) mit dem königlichen kind so lang zu gewalt und rhat sitz, bisz er das reich für sich selber zu regiren sich tauglich befind. Fischart
Garg. 269
b; auf rechnung sitzen,
einem amte so vorstehen, dasz man dem eigenthümer über einnahme und ausgabe rechenschaft zu geben hat. Adelung. 4@gg)
mitglied einer beratenden, verwaltenden, richtenden mehrheit von personen, eines collegiums sein (
vgl. sitz 3): mit im rathe, mit im gerichte, in der commission sitzen. Adelung; in dem staatsrath .. saszen der bischoff von Arras, der prinz von Oranien, der graf von Egmont
u. s. w. Schiller 7, 93;
freier: kann dieser sinn (
des höchsten reichsgerichts) erfüllt werden, wenn nicht beyde religionen darin sitzen. 8, 17; sie — der im ganzen strengen rath der weiber bestochne richter sitzen hat. Schiller
don Karlos 2, 8.
in besondrer wendung: der doch von allen der älteste, des rathes erster sitzt. Göthe 7, 263 (
vgl. l); erstlich soll sitzen Reutlingen, darnach Nördlingen, Rottenburg, Halle, Uberlingen.
abschied des städtetags zu Speyer 22.
märz 1523. 4@hh)
besonders und ursprünglich in bezug auf die ausübung des amtes, das natürlich auch von einem einzigen bethätigt werden kann (
s. unten unter 5): am gricht sitzen, ein richter sein; den überigen teil desz tags zuo gericht sitzen; uber einen ze gericht sitzen, uber einen richter sein. Maaler 375
c. Adelung
sagt: '
die biblischen redensarten zu gericht, am gericht sitzen
sind im hochd. veraltet',
in so fern mit recht, als zu gericht sitzen
fast nur mit dem zusatz über etwas
in neuerer sprache gebraucht wird; auch dann ist es eine wendung der gewählten ausdrucksweise und wird oft im übertragnen sinne genommen; in älterer sprache auch am gerichte, zu rechte, am rechte
u. ähnl.: ist der scheppen dry adir me, so mogen sy unde sullen czu dinge siczen.
Magdeburger fragen 1, 3, 8; ab scheppin zcu rechte siczen in eyme echten burger dinge. 1, 3, 15; also sasz kunig Heinrich umb den mort an dem bischoff .. zu gericht.
d. städtechron. 3, 273, 5; derselbe meiger do zuo gerihte sol sitzen von iren wegen. Grimm
weisth. 5, 512; es mag ain brobst, was meines herren von Admund urbar, ecz, trät, pimerke beruert, selbs wol auf meines herren von Admund urbar an dem rechten sitzen.
steir. taid. 3, 3; darnach sol der redner fragn den richter, ob er nu sei sizen zu recht mit wol geloumbten männern. 60, 25; auch wellen wir, das der lantrichter an dem sunntag an dem rechten siczen sol.
Salzburger taid. 200, 37; lobt den herrn, .. die jr am gericht sitzt.
richter 5, 10; und sie sahen auff jn alle die im rat saszen.
ap.-gesch. 6, 15; einen rechtshandel will ich schlichten, den kein reiner schlichtet — sünder sizen zu gerichte. Schiller
räuber 5, 6
trauerspiel; die fürsen sâʒen an der kür. Walther v.
d. Vogelweide 17, 22; eins dagis darna der buschof sas zo gerichte up dem sale.
d. städtechron. 12, 46, 866, ich will die groszen meines königreichs versammeln und selber zu gerichte sitzen. Schiller
don Karlos 3, 4.
frei: die schlacht sitzt ob dem ausgang zu gericht.
Shakespeare Macbeth 5, 4.
prägnante anwendung, sitzung halten, an ihr theilnehmen: der rath, das gericht sitzt heute nicht. swenne si selbe niht sitzen noch rihten wellen.
quelle bei Lexer
mhd. handwb. 2, 944; de mene rad seten bi sik unde woghen mengherleye stuocke.
d. städtechron. 6, 359, 17; das ain brobst müg sitzen, stiften, richten alles das fur in kumbt.
steir. taid. 1, 3; des gerihts so da sizt. 216, 12; so ein parthey sich beschwert zu sein befünde, mag sie solchs alszpald nach eröffnung der endurtl in sitzendem gericht mit lebendiger stimm fürnemen.
Nürnb. reform. (1564) 54
b; man soll einen trunck weins an eine böse sache gieszen, so vertrage man mehr haders, als in dreyen sitzeten räthen. Mathesius
hochzeitpred. (1584) 147
a; wenn auch gleich die wettherrn nicht alle sitzen, .. soll es (
das gericht) dennoch so kräftig sein, als wenn sie sämptlich säszen.
Danziger willkür von 1598; wenn jemand was vor zu bringen hat, der thue es im sitzenden rathe. Weise
comödienprobe (1695) 260; im sittenden raad. Dähnert 424
b; in sunte Dorotheen daghe upbrochte malck syne claghe in de nyenstadt vor den radt, wan de gemeyne sitten gadt.
d. städtechron. 16, 109, 245; der fürst versammelt der höflinge haufen eilend um sich, und sitzt. Klopstock
Mess. 7, 503. Hagenaw und Bisantz sitzen ein tag umb den andern (
nehmen abwechselnd an den sitzungen theil). Fels
zweyter beytrag zu d. reichstagsgesch. (1769) 206;
mit dem dativ: wer dann derselben schrann gewaltig ist, der sol uns siczen und unverzogne recht tuen.
Salzb. taid. 320, 2. über etwas, ob einem dinge sitzen,
über etwas richten oder es zum gegenstande der beratung machen (
anders oben 2,
b unter über): item des ersten gab man ausz dem rate fünfe und einen von der gemein, die ob den hernach geschriben sachen nach und vor tische saszen.
d. städtechron. 2, 244, 8; darob sien wir geseʒʒen manig zeit her und bedachten, wie wir von schulden kOemen. 4, 158, 20; und solt mit seinen gelerten darüber sitzen und dise ding wegen. Keisersberg
brösamlin 1, 89
b (1517). der todtenbeschauer hat über sie gesessen, und christlich begräbnisz erkannt.
Shakespeare Hamlet 5, 1.
von einer städtischen verwaltungsbehörde oder beamten gebraucht, '
im amte sein': de sittende rath,
der halbe rath, der an der regierung ist; sittende borgermeister,
regierender bürgermeister; so schölen de borgermeistere unde rahtmanne, de tho den tiden sitten in den eden (
unter geleistetem eide ihres amtes walten).
brem. wb. 4, 775,
vgl. Schiller-Lübben 4, 219
a; der alte rath Hans Hedderich und Marcus Spittendorff mit den andern rathern, die das jahr gesessen hatten. Spittendorff 42, 3. 4@ii)
vom beichtvater: die gaistlichen, die dann an der pychte gesessen sind.
d. städtechron. 5, 377, 3; zur
beicht sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1705) 2, 822
b.
s. beicht sitzen
unter 5. 4@kk)
einem maler, bildhauer sitzen,
der ein porträt anfertigen soll oder den sitzenden als modell benutzt (
erst in neuerer sprache, vgl. 5
am ende): dem mahler sitzen. Adelung; eine der gröszten glückseeligkeiten meines lebens ist es, dasz Emilia Galotti mir gesessen. Lessing
Em. Gal. 1, 4; sie sitze eben einem mahler als modell. Wieland 33, 188 (
Aristipp 1, 14); ich weisz wohl, dasz eben diese Fryne auch dem Apelles gesessen haben soll, da er seine berühmte Venus Anadyomene mahlte. 24, 188 (
über die ideale der griech. künstler); deszwegen er mir auch öfters vier bis fünf stunden sasz. Göthe 35, 26.
verschroben ausgedrückt: Amante das gemahlt, ohne gesessen zu haben (
ohne dasz Laura ihm gesessen hat). Klinger
theater 2, 129 (1786).
übertragen vom vorbild des schriftstellers; überleitend: die jünglinge deren bilder und silhouetten wir hier vor uns haben, sind die ersten menschen, die mir zur physiognomischen beschreibung saszen und standen, wie, wer sich mahlen läszt, dem mahler sitzt. Lavater
bei Göthe 48, 151; er hat diese leute nach leib und seele so unverkennbar abgeschildert, als ob sie ihm ausdrücklich dazu gesessen wären. Wieland
Lucian 1, 436; endlich ist sich auf ächte verläumdung mehr zu verlassen als auf satyre, die immer leute malt, die nie gesessen. J. Paul
biogr. belust. 1, 111; wovon mir wenigstens der egoismus, die libertinage und das müsziggehen gewisz bleiben und sitzen.
Titan 1, 67; kein lebender und keine lebende sasz diesem bild, der süszen sympathie und freundschaft aufgestellt. aus nicht vorhandnen welten entlehnte es — ich kannte dich noch nicht — ein volles herz und warme phantasie. Göthe 6, 1. 4@ll) der oberste, der unterste in einer klasse sitzen (
vgl. oben Göthe 7, 263
unter g); über, unter einem sitzen: wenn in der schule das lesen und schreiben und lernen dir niemals wie den andern gelang und du immer der unterste saszest. Göthe 40, 256. 4@mm) weglagerung, wenn man hinter einem busch sitzt, und einem vorwartet. Corvinus
fons lat. 583
b;
vgl. altnord. sitja fyrir
und fyrir-sát. um eine burg, eine stadt sitzen,
sie belagern. vgl. 8,
c. 4@nn)
im gefängnisse beschlossen sein, oft prägnant. gefangen sitzen. Frisch 2, 281
c; er sitzet,
in carcerem conjectus est. Stieler 2035; der thäter sitzet schon, lang sitzen müssen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
b; auf den tod sitzen,
die hinrichtung im gefängnis erwarten. Adelung;
ebenso: auf den hals sitzen (
ältere sprache); bei wasser und brod sitzen.
der student sitzt,
wenn er karzerstrafe verbüszt. Kluge
stud. 126
a. þe we in carcerne sittað sorgende sunnan wilsið, hwonne uns liffrea leoht ontyne.
Crist 26 (
im bilde); saszen etliche tage im gefengnis.
1 Mos. 40, 4; wann er aber in der bütteley im gefängnisz sitzt. Schuppius 134; schon über drey wochen sitzt er. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel; nennen sie mir einen düstern winkel in ihrem hause, den ich bewohnen soll, ohne murren will ich dort gefangen sizen.
schriften 3, 571. 4@oo)
beim skatspiel zu vieren sagt man von dem, der keine karten bekommt, also nicht mitspielt: er sitzt während des spiels.
mit mehr recht beim tanz: sie hat während des letzten tanzes gesessen,
ist nicht aufgefordert worden. vgl. u. 4@pp) jemandem auf dem nacken, dem halse, der haube, dem dache, dem gatter sitzen,
ihn hart bedrängen, ihn antreiben, ihn nicht in ruhe lassen: der einem fleiszig uff dem tach ist, stets
überm hals sitzet und jhn antreibet. Corvinus
fons lat. (1660) 583
a; einem auf dem halse sitzen,
essergli grave, importuno, discommodo, it. di discapito colla sua presenza. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
b; den hab ich nun auf dem halse sitzen,
den werd ich nicht los. der feind sasz ihm stets dicht auf den fersen. und indem man hin und her zeitung hatte, dasz der jäger ausgerissen wäre, sasz ich denen, die sich damit kützelten, wieder unversehens auf der haube.
Simpl. 1, 255, 1
Kurz; sitzen mit keinem neid und feyndtschafft auffeynander. Franck
weltbuch 94
a (1542); da sitzt der teuffel dir im schopf, das jr einander lAembd und mOerd. Sachs
fastn. sp. 1, 62, 281
neudruck. 4@qq) auf etwas sitzen,
sich auf etwas verlassen: durch ihre tapffere faust, darauf sie sasz.
Simpl. 3, 221, 19
Kurz. darob sitzen,
darauf dringen, bestehen: dasz du darob sitzest, dasz dem eid genug geschehe.
quelle bei Schmeller 2, 345. 4@rr) bei sich selbst, auf sich selbst sitzen,
einsam sein, dann aber besonders im sinne des gedrückt, niedergeschlagen seins: es würt aber nitt einem yetlichen gestattet also bey ym selber zuo sitzen das und anders desgleichen zuo betrachten. Keisersberg
seelenpar. (1510) 130
d; es begibt sich ettwen, so ein mensch bey ym selber sitzet, und nit weiszt was er thuon sol, und denn anfahet und warnympt mitt seinen gedencken, der allmechtikeit, weyszheit, und guotheit gottes. 187
b; als wenn du also trostmtig daheimen beleibst, uff dir selb sitzen. Wickram
von guten u. bösen nachb. (1556) 4
b; weh dem, der also einsam ist, auff jm selb sitzet alle frist. Sachs 5, 271
c (1579), schwermütigkeit mein herz durchdrung, und west doch selb nicht, was mir was. gleich traurig auf mir selber sas.
spruchged. s. 94, 6
Tittmann; wie bist so trawrig auft thür gsessen?
fastn. sp. 5, 16, 22
neudruck; ob jm selb sitzen,
labore et cura canescere hominum vestigia vitans. voc. von 1618
bei Schm. 2, 345; auf sich selber sitzen,
trübsinnig für sich allein hocken ist im bair. noch zu Schmellers
zeit lebendig; auf sich selbst angewiesen sein: ich bin jetzt bald dreyvierteljahr auf mir selber gesessen und habe keinen dienst finden können. Pestalozzi 3, 297 (1819). 4@ss)
weitere beispiele für den freieren gebrauch des wortes im sinne von verharren, sich halten, sich befinden, sein: altn. sitja kyrr um hríð,
nichts unternehmen für einige zeit; do schickt man ain potschaft gen Landshuet da ward geredt und gemacht, dasz die stat solt still sitzen und solten die pfaffen mit ainander umbgen lassen.
d. städtechron. 5, 60, 20; etlich fürsten halfen dem kaiser, etlich hertzog Ludwigen, etlich saszen stil (
blieben neutral). 22, 510, 8; und sihe, alle lender sitzen stille.
Sacharja 1, 11; das ich meines volcks, und der heiligen stad zerstörunge sehen mus, und dazu still sitzen. 1
Macc. 2, 7; sie sprâchen, daʒ er genumen het darumme des soldânes golt, daʒ er stille sitzen solt.
Ludwigs kreuzfahrt 2507. als mus denn unser herr gott dieweil droben müszig sitzen. Luther 6, 137
a. gut, warm, wohl, übel sitzen
u. ähnl. (
vgl. oben 2,
a)
wird oft im übertragenen sinne, zustand, verhältnisse, öconomische lage bezeichnend (
vgl. 4,
a)
gebraucht: er sitzt wol, treflich wol, elend, warm. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 822
c; er sitzt fett. Frisch 2, 281
c (er sitzt im schmalz, fett,
im überflusz); sacht sitten,
in gutem wohlstande sein. Dähnert 424
b; meinstu denn, ich sitz auch nit wol? ich hab kisten und keller vol .,. ein hausz erbawet schön und vest, ein pferd am paren, gut zöblen schaubn, kleinot, silbrgschirr und mardre haubn. wie könte eîn man sein basz gesessen. Sachs
fastn. sp. 1, 93, 367
neudruck; des sitz viel sicherer ich herniden in einem gantzen ringen standt. 364; ihr sitzt hier warm. wir, in feindes land, muszten derweil uns schlecht bequemen. Schiller
Wallensteins lager 6. in schulden, in betrübnis, in überflusz, in vorrat, in reichtum sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
c; ohne dienst sitzen. 823
a; bis über die ohren in schulden sitzen; in der klemme sitzen; da er in der höchsten glückseligkeit sasz. Schuppius 172; da Hiob im unglück sasz. 175; genug, dasz wir in dem genusse ihrer (
der reformation) früchte sitzen. Lessing 4, 99; sie sitzen im unrecht, wir wollen ihnen keine kissen unterlegen. Göthe 8, 125; der schelm sitzt überall im vortheil. 245; hier wo man recht in der fülle sitzt. 29, 88; (
als er) an die gefahr dachte, in der er gesessen war. Hebel 2, 98 (1853); wer unter den (
versehentlich, später dem) schirm des höhesten sitzt.
ps. 91, 1. 4@tt) sitzen,
feststecken, nicht weiter können; da sitzt er,
sagt man von einem redner, der stecken bleibt (
vgl. unter u): da sitzen wir und wissen nicht, was wir anfangen sollen. drin sitzen,
im innern eines dinges stecken: ik sitt nig drinn, '
ist die schnöde antwort wenn man über das innere physische oder moralische eines dinges nicht auskunft geben will'. Schütze 4, 98. 4@uu) sitzen bleiben,
nicht weiter können, in einer peinlichen lage verharren müssen; sitzen lassen,
einen im stich lassen, in einer peinlichen lage stecken lassen, in mannigfacher anwendung: der kaufmann bleibt
mit der waare sitzen,
die er nicht verkauft. auf der reise, wenn man den anschlusz an einer übergangsstation nicht erreicht, oder sonst an weiterem fortkommen verhindert wird: wenn ich nun statt jener gehofften ehre schimpflich sitzen geblieben. Göthe 48, 185; mitten in der rede sitzen (
stecken) bleiben. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 823
a,
vgl. unter t. in der classe sitzen bleiben,
nicht in die nächsthöhere versetzt werden. fremdartig für uns (
vgl. unten sitzen lassen): es seynd ihrer viel im selbigen treffen sitzen blieben. Kramer
a. a. o. 823
a; sitzen bleiben,
vom mädchen gesagt, das nicht zum tanz aufgefordert wird, dann von dem, das keinen freier findet: die jungfer wird wol sitzen bleiben. Stieler 2035; iedoch nit jeder nemen thut eins burgers tochter zu der frist, wo er bohes herkommens ist. so hett ich in dem burgerstand, der jhr gleich wer, niemand erkant und wer sie mir gar sitzen blieben. Ayrer 2, 1190, 17
Keller; was aber kommt bei diesem ganzen spiel heraus, als dasz sie sitzen bleibt? Schiller
Turandot 2, 1; das mädel ist verschimpfiert auf ihr lebenlang, bleibt sitzen.
kab. u. liebe 1, 1. einen im unglück sitzen lassen,
ihn im stich lassen, ihm nicht beistehen: er hat mich schmählich sitzen lassen;
auch anders gewendet, er hat ein mir gegebenes versprechen, auf dessen erfüllung ich rechnete, nicht gehalten: er wollte um 8 uhr kommen, aber er hat mich einfach sitzen lassen (
ist gar nicht gekommen); hoffen und harren das hat gemacht viel groszer narren. ich würd euch noch lang lassen sitzen (
auf meine gunst warten lassen). Sachs
fastn. sp. 1, 39, 81
neudruck. verstärkt: sy habens offtmals in der not stecken unnd an arsz sitzen lassen. Franck
weltb. 39
b (1542); nacket und blos sitzen lassen.
Hesekiel 16, 39. sitzen lassen,
im stich lassen: der teufel läszt keinen schelmen sizen. Schiller
Fiesko 4, 9; könnt ihr ihm nützen, laszt ihn nicht sitzen. Göthe 12, 67. im stiche sitzen lassen: doch da spielt er den groszen herrn, läszt uns im stiche sitzen.
Göttinger musenalmanach 1782, 102.
für uns fremdartig: sie haben zehen tausend mann dabey sitzen lassen (
an toten, verwundeten zurückgelassen). Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 823
a;
ähnlich brauchen wir die wendung bei sächlichem object: er hat in der stadt manchen thaler sitzen lassen;
etwas anders: er hat hie und da schulden sitzen lassen. ein mädchen sitzen lassen,
nicht um sie werben: ein vernünfftige tochter, kriegt wol einen man, aber ein ungeratene tochter, leszt man sitzen.
Sir. 22, 4;
gewöhnlich in dem engern sinne, dasz man trotz gegebenen wortes oder sonstiger verpflichtung dem mädchen davongeht: ein ander äffet ein gut ehrlich kindt ein, zwey, drey, vier fünff jahr und wol lenger, lesset sie hernach sitzen, und nimpt ein andere. Schaller
theol. heroldt (1604) 95; ein ehrliches mädchen, die sie liebt, nicht sitzen zu lassen. Lessing 1, 574; der teufel soll mich holen, wenn ich sie nicht heirathe, wenn der Desportes sie sitzen läszt. Lenz 1, 299.
anders gewendet und in gutem sinne: he het de frouw good sitten laten,
ihr ein gutes vermögen hinterlassen. brem. wb. 4, 774. 55)
in alter sprache kann ein objectsaccusativ mit sitzen
verbunden werden, der das angibt, worauf, woran, worin man sitzt, was einer inne hat, so im altnord.: hest, borð, bœ, hús sitja;
ags. setl sittan. he sad den stul (
den päpstlichen thron) 16 jar.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 219
a; den breutelstuel sitzen. Lexer
mhd. handwb. nachtr. 366; in den satel kund er sich wol, dâ man den satel sitzen sol, gesetzen unde gevüegen. G. v. Straszburg
Tristan 169, 28; der grabe, den man nû hin saʒ (
an dem man sich nun befand). Ottokar
reimchr. 49284;
passivisch: nâh sind her gesetana burgi managa mid megin-thiodun.
Heliand 2826; sôhta imu burg ôðra, thiu so thikko wasmid theru thiodu Judeôno, mit sûðar-liudiun gisetan. 3037.
sitzend ausüben, abhalten, ins werk setzen, sitzend theilnehmen an etwas, ding, richt, gericht sitzen
u. ähnl. (
vgl. oben 4,
h);
altnord. þing, bryllaup sitja. nenne warf seka and nen thing sitta.
fries. rechtsquellen 540, 6,
s. Schiller - Lübben
mnd. wb. 4, 219
b; recht sitten,
gericht hegen. brem. wb. 4, 775.
mhd. wb. 2, 2, 329
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 945. Diefenb.-Wülcker 855; siczet der konig gerichte in eyner stat.
Magdeb. fragen 1, 4, 4; in dem sulven jare sat de keiser gerichte to Magdeborch.
d. städtechron. 7, 88, 15; dat he des borchgreven dinge sitten wolde. 239, 10; darum de radt eyn richte sadt. 16, 226, 4033; ich gloube, daʒ got Jhesu Crist selber czuekunftig ist und wil selber siczen daʒ gericht. Mone
altd. schausp. 153, 333; ich bin Pylatus genant, eyn konig in der jden lant und wil hye eyn richte siczen. 110, 42; so wel ich sittzen recht gericht.
Alsfeld. passionssp. 3899; der hirsch war schultheis, sasz das recht. B. Waldis
Esop 4, 94, 19
Kurz; darnach wird Christus hoch erwogn auff einem güldnen regenbogn, in einer wolcken voller blitzn, mit groszer krafft gerichte sitzn. Ringwaldt
tr. Eckart (1589) M 4
b; item, ich sas nach meiner pflicht, im gantzen jar nicht eins gericht. G 7
b.
der gegenstand der beratung im accus., schott sitten Schiller-Lübben
a. a. o., rechenunge sitzen Lexer
a. a. o. beicht sitzen,
sie anhören. Adelung: nur soviel geweihte priester .. als nöthig beichte zu sitzen und das meszopfer zu verrichten. Göthe 29, 194; der bis zum donnerstag messe gelesen und beichte gesessen. Brentano 9, 188; wie? sagt er: ihr wollt beichte sitzen? Hagedorn 2, 148 (1771).
andere wendungen mit dem accusativ: der muost jm ein stosz sitzen (
im sattel einen stosz aushalten), oder muost schnell seinen sattel raumen.
Galmy 55
a (1540);
der neueren sprache gehört an modell sitzen (
einem maler, bildhauer),
s. oben 4,
k. 66) sitzen
von unpersönlichem. 6@aa)
haften an, in etwas, verbunden sein mit etwas, stecken, sich befinden in etwas, vorhanden sein, verharren, zurückbleiben u. s. w.: der augapffel, welcher im augenweis sitzet. Comenius
sprachenth. übers. von Docemius 246 (1657); das bret sitzt fest, locker. Adelung; der hut sasz ihm schief auf dem kopfe; lasz nur die mütze sitzen; die kugel sitzt noch im knochen; der zahn sitzt lose; der nagel sitzt im holze; an meinen stiefeln sitzt dreck, auf den blüten sitzt noch thau, er hat eine mächtige warze im gesicht sitzen, der rost sitzt fest
u. s. w. in nicht zu erschöpfender mannigfaltigkeit; wat buten sitt (
im gesicht), dat mi nig bitt,
auf das aussehen geb ich nichts. Schütze 4, 99; es sitzt zwischen fell und fleisch,
intercus insidet. Stieler 2037; es sitzt ihm noch zwischen fell und fleisch,
er kann noch zu keinem festen entschlusse kommen. Wander
sprichw.-lex. 4, 583, 112;
in gleichem sinne mit persönlichem subject: hei sött twischen bôm on bork. 584, 138; es sitzet vieler schleim auf der brust. Adelung;
mit unbestimmtem subject: es sitzt mir etwas auf der brust,
hemmt den athem. andere, ähnliche wendungen s. weiter unten. drohende berührung, das messer sitzt ihm an der kehle,
bildlich, er ist in höchster not. so hat's gesessen,
sagt man, indem man die stücke eines zerbrochenen gegenstandes zusammenhält: si so hiät et siäten, segget de allen wiwer, wann se 'n düppen tebriäket. Wander
a. a. o. 580, 28; dat geld sitt dar so dikk nig,
die mittel sind da so grosz nicht. Dähnert 424
b; es sitzt einem das geld nicht gleich da, wie du meinest. Kramer
deutschital. dict. (1702) 2, 822
c; hä lätt en drop sitten,
er hält sein versprechen nicht. Woeste 238
a; er hat viel hundert duplonen in Franckreich, im spielen sitzen lassen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 823
a; nun weisz ich doch, dasz er sein felleisen schulden halber in Bremen sitzen lassen. Fr. Müller 1, 278. hier sitzen die moneten,
sagt man und schlägt sich an die gefüllte börse; eine andere vorstellung liegt zu grunde, wenn man sagt: der teig bleibt sitzen,
er hebt sich nicht, geht nicht auf; wird ein gefäsz ausgegossen, so bleibt festeres auf dem boden sitzen; nun fühl ich erst, dasz mir das mark nicht mehr in den knochen sitzt wie vor alters. Göthe 11, 22; hier sasz das wärzchen; sie sehen keine spur mehr davon. 20, 41; nasen und münde, die gar an kein gesicht sitzen. Claudius 3, 33; vater Piepmeyer war derjenige gewesen, welcher sich bei dem einzuge des kurfürsten auf einen eckstein gestellt, jubelnd seinen durch alle verführungen der fremdherrschaft geretteten zopf geschwungen und gerufen hatte: durchlaucht! durchlaucht! meiner sitzt noch. Immermann
Münchh. 1, 17 (1841); es ist aber nicht dabei angezeigt, wo ihnen das horn gesessen habe. Brentano 5, 404; wer den hut nicht sitzen lassen darf vor kaisern und königen, der ist kein mann der freyheit. Schiller
Piccolom. 4, 5; die spitze, die mich bannte, sie sitzt ganz vornen an der kante. Göthe 12, 78;
in besonderer wendung: daʒ feur wert sô lang als daʒ dinch wert, daʒ dâ prennet und dar auf eʒ sitzt. Megenberg 73, 15; so lange nun die quell des licht's noch niedrig sitzet. Brockes 1, 146 (1739).
im werte stehen: de stralewitten scholden vor dre pennyngh sitten unde eynen ferlingh dartho.
d. städtechron. 16, 189, 2745. 6@bb)
vom schwimmenden schiffe sagt Notker: truhten uuas in dero arca, sament dien sînen, do sî in dero fluote saʒ.
ps. 28, 10.
eine solche auffassung ist der späteren sprache fremd; das schiff sitzt in
oder auf
etwas, wodurch seine fahrt gehemmt wird: das schiff sitzt im treibeise,
besonders '
auf den grund geraten': es sitzt auf dem sande, auf einer klippe, sitzt fest; fest sitzen, als ein schiff. Frisch 2, 281
c. Bobrik
naut. wb. 640
a; manche ihrer schiffe wurden von der ebbe übereilt, und saszen fest auf dem strande. Schiller 9, 76; die starken planken krachten, der kiel saasz auf dem fels'. Fleming 80 (1666).
auf die fahrenden übertragen: dasz wir nur drey fusz behielten, und tieff in den schlick zu sitzen kahmen. Olearius
pers. reisebeschreib. 203
a.
sehr oft im bilde, prägnant: in allen gesprächuntiefen, wo man schon halb im sitzen oder sinken ist, gibts keine herrlichere schiffpumpe, als eine historie, die man zu erzählen hat. J. Paul
Hesp. 2, 4; auf dem trocknen, dem sande sitzen,
mit den mitteln zu ende sein. 6@cc)
ebenso von andern fahrzeugen und den in ihnen fahrenden: der wagen blieb im sumpfe, der zug im schnee sitzen. wir haben zwischen Königsberg und Thorn sechs stunden im schnee gesessen. 6@dd)
von kleidungsstücken, passen (stehen,
der körpergestalt, gesichts-, haarfarbe angemessen sein: der hut steht ihr, blau steht ihr nicht).
oft prägnant: das kleid sitzet ihm nicht wol. Stieler 2035; die barucke, das kleid sitzt ihm vortrefflich wol. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
c; sitzen wie angegossen. Campe; dat kleed sitt nig,
es passet nicht. Dähnert 424
b; als er zu den frauen in's versammlungszimmer kam, beriefen sie ihn einstimmig, dasz nichts recht sitze; der schöne federbusch sey verschoben, die schnalle passe nicht. Göthe 19, 202; das häubchen sasz so nett auf dem kleinen kopfe. 24, 266; alle die ceremonienkleider, die oft schief sitzen. Brentano 9, 216; hat sat ham üüs a sögg a sâdel.
zeitschr. für d. alterth. 8, 355, 69; ihr habt da einen saubern spitzen am kragen, und wie euch die hosen sitzen. Schiller
Wallensteins lager 6. 6@ee)
darnach übertragen, passen, anstehen (
vgl. Grimm
gr. 4, 236): gewisso wiʒun wir thaʒ,thaʒ uns iʒ harto wola saʒ, joh uns iʒ theh filu fram. Otfrid 3, 26, 31; joh thahta, iʒ imo saʒi,ob er sia firliaʒi. 1, 8, 12; iʒ krist in deta suaʒi,thaʒ in iʒ wola saʒi. 4, 5, 48; to male ouel unde wunderlike dat syt, dat de esel synen heren to markede rit.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 219
b; nach dem juristen Toullieu .. sitzt eben den männern, aber nicht den weibern unwissenheit der rechte gut. J. Paul
aus d. teufels pap. 1, 62; und bildet sich nicht minder und nicht mehr auf eine gabe ein, die ihm so fremde sitzet wie jener eselin die redeseligkeit. Wieland 18, 159 (
Pervonte II). 6@ff)
weitere beispiele für die ausbildung des freieren und übertragenen gebrauchs: es sitzen ihm grillen im kopfe. Steinbach 2, 582. gesundheit sitzt auf ihren wangen; der schlaf sitzt noch in seinem auge; ihr bild sitzt mir im herzen; die liebe sitzt mir im herzen; das sitzt einmal im blute; ein tief eingesessenes leiden. es sitzet in der natur. Stieler 2036; hier sitzet mirs,
hier fehlt mirs. Adelung; da sitzt der fehler, der haken, der knoten. da sitt es,
da ist der rechte fleck, da musz mans angreifen. Dähnert 424
b; daʒ gesicht, daʒ in den augen sitzet. Megenberg 9, 12; eure weiszheit, so nirgend als in den eselgrauen haaren sitzet. Köhler
kunst über alle künste 10, 10; es soll eine moralische erzehlung seyn, und ich kann nur nicht finden, wo ihr das moralische sitzt. Lessing 7, 146; schade nur, dasz man so eigentlich nicht weisz, weder wo ihm die vernunft, noch wo ihm das christenthum sitzt. 9, 421; weil der mensch von eigener schuld genug auf sich sitzen hat. Kant 5, 299; ein furchtbarer, zurückschreckender ernst sasz auf seiner stirne. Schiller 8, 144; dem (
gemalten) Petrus sitzt der kircheneifer in jeder fingerspitze. E. Förster
gesch. d. d. kunst 2, 171; es musz doch ein tiefer fond von gottesfurcht im gemeinen manne bei uns sitzen. Bismarck
briefe an s. braut nr. 471; auf der breiten stirne sasz was majestätisches, das euch zum schauern brachte. Wieland 17, 154 (
Idris u. Zenide 3, 42); oder sitzt noch der schlaf auf deiner gefalteten stirne.
Gött. musenalm. 1775, 28; wo sind nun die grübchen, wo die scherze saszen. Hölty 53
Halm; ja, ja, im ganzen, da sitzt die macht. Schiller
Wall. lager 11; da ist der fehler, da sitzt es eben. Göthe 13, 68.
ein wort sitzt
auf der zunge, wenn man ganz nahe daran ist, es auszusprechen: ich sah alles voraus, hundertmal sasz mir's auf der zunge, es ihnen zu sagen. Göthe 16, 106.
anders und nicht so passend: es sitzt mir auf der zunge,
wenn man sich auf den richtigen ausdruck, ein bestimmtes wort nicht besinnen kann. die zunge als falscher platz: mein hertze sol nicht allzeit auff meiner zunge sizzen (
ich will nicht immer ohne veranlassung mein inneres offenbaren); idoch sol meine zunge ... nichts sagen, das nicht von hertzen kommt. Butschky
Pathmos 62; da die tugend aus unsrem herzen fort wollte, so schnappten wir alle mit dem maule zu und jetzt haben wir sie zu unsrem vortheile auf der zunge sitzen. J. Paul
lit. nachl. 4, 138;
die seele sitzt
auf der zunge, ist im begriff, den körper zu verlassen: es sind etliche so verseumlich, das sie nicht ehe lassen foddern oder ansagen, bis die seel auff der zungen sitzt. Luther 3, 397
b;
das gewissen sitzt
an der kehle, drängt, würgt: mein' seel', 's ist schwer, frau Marthe, dreist zu sprechen, wenn das gewissen an der kehl' uns sitzt. Kleist
zerbr. krug 9. 6@gg) sitzen lassen
mit unsinnlichem object: er habe schon hundert centner silbers an den krieg gewendet, er könne ihn nun nicht sitzen lassen (
ihn nicht aufgeben). Schuppius
schriften 396; 't sitten laten,
etwas nicht ausführen und sich dadurch blamiren. Stürenburg 247
a;
etwas schlimmes (
schande, schuld, beleidigung u. ä.) auf sich sitzen lassen,
sich nicht davon befreien durch rechtfertigung, wiedervergeltung: die schuld nicht auf sich sitzen lassen,
se excusare, se purgare. Frisch 2, 281
c; schimpft mich jemand, so thu ichs auch, — oder — oder schlage ihn hinter die ohren. ein ehrlicher kerl musz nichts auf sich sitzen lassen. Lessing 1, 328; so musz ich mich darein ergeben, einen vorwurf auf mir sitzen zu lassen, den ich nicht vermeiden kann. Wieland 20, 166 (
Abd. 4, 15); du must den schimpf nicht auf dir sitzen lassen. Schiller
räuber 2, 1
schauspiel; er habe noch keine beleidigung auf sich sitzen lassen. Göthe 18, 224. 6@hh) der hieb, stosz, schusz sitzt,
hat das ziel gut getroffen (
eigentlich von der waffe oder kugel, die dort haftet, wo sie soll);
so in der duellsprache der studenten (Kluge
stud. spr. 126
a); ein elender fechterstreich ..., genannt brechung der mensur, durch den man einen stosz noch gar abglitschen machen möchte, der schon sizt. Lessing 11, 587;
im bilde: der hieb hat gesessen,
die bemerkung hat den gegner getroffen, das kann er nicht von sich abwehren; übertragen: der scherz hat gesessen,
in gleichem sinne. es sitzt,
sagt der student, wenn er ein quantum zum nachtrinken annimmt. Kluge
a. a. o. 126
a; das gelernte will nicht sitzen,
es haftet nicht im gedächtnisse. 77)
bei voll, voller
findet die bekannte umtauschung des subjects statt: die wirtsstube sitzt voller gäste, der rock sitzt voller staub, der hund voller flöhe; er sitzt voll der lustigsten einfälle; nu saʒ diu burcmûr und diu wer vol ritter unde vrouwen. H. von Aue
Gregor. 2112; der baum siczt vol der voglin schon. Reinmar v. Zweter 290, 10
Roethe; da waren noch zwen steinre tisch, der erst der sasz auch vol. Uhland
volksl.2 486 (239, 9); und aller hohen klippen spitzen, die vol alter steinwacken sitzen. Rollenhagen
froschm. Nn 5
a. 88) sitzen,
sich setzen; '
im oberdeutschen gangbar'. Adelung.
diese beobachtung ist richtig, dem eigentlichen schriftdeutschen ist der gebrauch fremd, doch vgl. auf-,
absitzen (
s. unten): auff ein rosz sitzen. Dasypodius; sitz aufhin, oben zuohin, setz dich zuo oberist an tisch. Maaler 375
b; der ihm auf die achsel sitzen lesset, dem sitzet man zuletzt auf den kopf. Schottel 1122
b; er sitzt zwischen zweyen stülen nieder,
utrobique infelix est, im schwanken zwischen zwei möglichkeiten verfehlt er beide, dann: er giebt etwas sicheres um eine unsichere hoffnung auf, er verfehlt sein glück. Stieler 2037; sitz ein wenig weg.
ebenda; aufs pferd sitzen. 2035; vom pferde auf den esel sitzen. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
a; nun gesessen, ihr herren. 823
b; sitz auff dein arss, so tragen dir die meus kein stroh hinein. Wander
sprichw.-lex. 4, 580, 30; sitzen's nur her. Mareta 58
a;
reciprok: siz di' nidr. Schmeller 2, 345;
vgl. im übrigen Grimm
gr. 4, 820. Kehrein
gr. 3, § 235, 2; § 259, 4; zu tisch sitzen,
s. 2,
b. 8@aa) he gink van dem slote unde sat up sîn pert.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 218
b; daʒ die zwên vogel zuo enander sâʒen. Megenberg 228, 10; der vant villihte einen schölmen fliessen in dem wasser, uf den er sasz (
der rabe).
d. städtechron. 8, 243, 11; wer uff das pferd will sytzen, der muosz den stegreyff nitt verschmahen. Keisersberg
seelenp. 130
b (1510); also ein hoffertiger sitzt auch zwyschen zweyen stülen nider.
narrensch. 137
c (1520); stehe still (
esel) denn Mahmet ists, der auf dich sitzen sol. Luther 8, 29
a;
qui cibantur a Christo, sitzen auffs gras. 11, 63, 23
Weim. ausg.; du bist mir ausz der hand gefallen, ich wil dich rausz rucken und muszt mir rauff sitzen. 191, 15; wer zum vater wil, der mus sich an das liebe kind hencken, mus dem kind auff den rucken sitzen. 20, 227, 20; lies jn auf den wagen sitzen.
1. kön. 20, 33; wolan, sitzt auff die rosse.
Jer. 46, 9; ich wurde zwischend zweien stlen nider sitzen. Platter 85
Boos; sitzt mitt freuden neben jren verstorbnen mann an die feurstatt. Franck
weltb. 194
b (1542); sitzen dann beyde ins bad. Wickram
rollw. 45, 24
Kurz; leget mir etwas darauff ich sitze, denn säsze ich auff die erden, so würden mir die nestel in meinen hosen zerbrechen.
buch d. liebe 290
b; Chariclia legte das plünderlin unter sich, und sasz darauff. 206
c; als er nachmals auff ein wohl abgerichtes rosz gesessen. Opitz
Argenis 2, 37 (1644); sasz sie auff jhr bette. 2, 398; der arme tropff wurde gezwungen in einem schlechten tuchen rock auff das pferd zu sitzen. Olearius
pers. reisebeschr. 62
b; hing die güldene kette an hals, sasz frölich zu pferd.
Simpl. 1, 296, 16
Kurz; er sasz auch gleich auf mein pferd. 306, 5; wenn ich wieder auf den dreibatzenplatz size, soll mich der teufel holen. Schiller
kabale u. liebe 5, 5; wie hätte sie, die so fest auf ihre grundsäze hielt, den sohn des mächtigen Karl neben sich auf den thron sizen lassen?
schriften 4, 100; um die schwäche der armee zu verbergen, muszten alle troszjungen und knechte zu pferde sitzen. 8, 286; (
Adam) sitzet mitten unter sie. Fr. Müller 1, 14; sitze in dein zimmerchen bey toback und bier. 2, 127; sie saszen theils auf die aestchen, die um die laube winkten, oder auf blumen, wie bienen auf die blyte. Geszner 2, 132 (1762); sie wollte das mädchen mit ihrer arbeit in das nebenzimmer sitzen lassen. Göthe 16, 165; er hiesz mich zu sich sitzen. 28, 213; dann befahl er uns in die wagen zu sitzen. 14, 152; wenn er wieder an seinen webstuhl sasz. Hebel 2, 208 (1853); sasz oben ein weilchen nieder. Keller 8, 61; giwêt imo thô an themu âBandealowaldand krist an thena seli sittian.
Heliand 4557 (
vgl. oben unter 1); eiris sâʒun idisisâʒun hera duoder.
erster Merseb. spruch; si bat den boten sitzen.
Nib. 520, 1; an daʒ gagensideleman Sîfriden sach sizen mit Kriemhilde. 571, 3; Ortwînes ros daʒ guoteûf die hehsen saʒ.
Gudr. 1408, 2; hêr, dâ stêt ein banc: ruocht sitzen.
Parz. 438, 12; dô wart vaste geseʒʒen (
da setzte man sich fest im sattel zurecht). 738, 30; Îsôt, mîn swester, sitze duo von uns ein wêninc hindan. H. v. Freiberg
Tristan 388; Kamelîne saʒ zu ir. 4614; er sæʒ ûff sînen soumære. Ottokar
reimchron. 34799; dâ wart sumelîcher wunt, daʒ er ûf die erden saʒ (
zur erde sank. vgl. 7261).
livl. reimchron. 6211; bode, sitze weder up din pert.
d. städtechron. 12, 25, 108; ir kainer auff ain pferd mocht sytzen âne kreisten. O. v. Wolkenstein 14, 5, 16; nu siczet hir zu nach miner ger.
Alsf. passionssp. 898; heet de deren alghemeyne swygen unde sytten int gras.
Reinke de vos 2573; er wär schon auf sein pferd gsessen.
Teuerdank 25, 25
Goedeke; sie hies ihn nidder sitzen wol nidder auff eine banck.
bergreihen 72, 15
neudruck; so kumb und sitz zum haber prey. Sachs 1, 523
c (1558); det also pey des mones glîczen oben auf den stadel first siczen.
fabeln u. schwänke 2,
s. 533, 60
neudruck; komm sitze neben mich. A. Gryphius 1, 656 (1698); Phyllis schlieff, ein bienlein kam, sasz auff jhren mund. Logau 2, 75, 83; saszen auff die menschen-töchter. 3, 100; jetzo sitzet er nieder, meinem scheitel nahend. Herder 27, 25
Suphan; sitze bei'm claviere nieder. Göthe 1, 115; sie zieht mich in den garten fort, sitzt auf ein hüglein nieder ... zu ihren füszen sasz ich hin. Brentano 2, 418; der augenblick ist dringend. sitzt und schreibt. Kleist
prinz v. Homburg 4, 4; sitz obenan zu tische. Uhland
ged. (1864) 95; dasz ich noch aufs pflaster sitze, musz ich jeden schritt erbeben. 154; sie saszen ins blumenland. 214. 8@bb) sitzen auf, in ein schiff, zu schiff,
es besteigen: zu schiff sitzen,
imbarcarsi. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 822
b; sahs in ein gros schif uf das mer.
d. städtechron. 9, 698, 27; soltu ungesaumet in ain schiff sitzen. Schaidenreiszer
Od. 46
b (1537); er sasz mit dem botten zu schiff auff das meer.
buch d. liebe 275
b; wöllen darnach ich und jr ... ins schiff sitzen. 24
a; auff ein klein schiff zu sitzen. 257
a; wenn ihr in's schiff wollt sitzen. Hebel 3, 95 (1853); in daʒ schiffel saʒ Tristan. H. v. Freiberg
Tristan 5668; in ein schif zû hant er saʒ.
livl. reimchron. 7752.
freier mit verschweigung des fahrzeuges, auf das meer sitzen,
in see gehen: auff das mer sitzen und faren. Maaler 375
c; sas uffs meer und siegelte nach Hierusalem. Spittendorff 206; er sasz uff das mer; der wind was guot.
Morgant 265, 12
Bachmann; (
als er) auff das meer wil sitzen.
buch d. liebe 274
c;
vgl. noch: die stolzen hergesellensâʒen an den Rî
n. Nib. 366, 3. 8@cc) (
vgl. 4,
m) man sol für die burc und für die stat sizen mit geseʒe (
um sie zu belagern).
Schwabensp. 207, 6. 8@dd) an den rath, das gericht, das recht sitzen,
sich zum rathen, richten niedersetzen, rath, gericht halten, und ähnliche wendungen (
vgl. 4,
f—
h): ob der ambtman ainen an das recht hies sitzen.
steir. taid. 509, 39; saʒʒen aniʒ gerichte.
Silvester 339; der künic des morgens wart inein, daʒ er an daʒ gerichte saʒ. H. v. Freiberg
Tristan 3103; (
bischöfe und herren) sâʒen dâ an sînen (
des königs) rât. Ottokar
reimchron. 14669; macht ein ordenung ... das Isaac ... ym hause bleiben sol und ynn die güter und erbe sitzen. Luther 24, 429, 13
Weim. ausg.; vgl. oben 4,
a; swenn ich mich alsô vergæʒe und mit in in die phliht sæʒe (
ihnen gegenüber verpflichtungen einginge, ihrer sache mich anschlösse). Ottokar
reimchron. 40177;
vgl. 4,
e; und die Maccabeer, so nicht vom hause David, sondern vom priester stam waren, in das regiment saszen. Luther 8, 73
a;
vgl. 4,
f. 8@ee) man sitzt auf mich,
invidia premor. voc. von 1618
bei Schmeller 2, 345;
vgl. 4,
p. 8@ff)
in der wendung vom pferd sitzen
u. ä. ist die eigentliche bedeutung von sitzen
ganz aufgegeben (
vgl. absitzen): des seten do de vorsten van eren perden.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 218
b; sat van deme waghene.
ebenda; he sat van sinen orse unde knede.
d. chron. 2, 1, 161, 35; als er von dem rosse gesaʒ.
Erec 2634; der künic Artûs, als ich las, geseʒʒen von dem rosse was. H. v. Freiberg
Tristan 2550. 8@gg) aus dem ehlichen stand sitzen,
sich scheiden (
vgl. 4,
d): solten wir so lange bei einander gewesen sein und nun erst usz dem eelichen stat sitzen, das wer nit guot.
Eulenspiegel 67 (
s. 106
neudruck). 8@hh)
mit unpersönlichem subject: flüsse, so aus dem leib herab in die füsse sitzen. Pinter
pferdschatz (1688) 400.
freier: die liebe sasz mächtig in sein bebendes herz. Geszner 2, 135 (1762). 99) sitzen
transitiv im sinne von setzen: sy (
die seele) sitzen inn die ewig fröud.
Morgant 323, 22
Bachmann; im übrigen unbezeugt.