morgen,
m. tempus matutinum; oriens; jugerum; ein uraltes, gemeingermanisches wort, das aber, ebenso wie tag
und abend,
der bezüge in den urverwandten sprachen entbehrt und seiner herkunft nach dunkel ist: goth. maúrgins;
altnord. morginn
und morgunn,
schwed. morgon,
dän. morgen;
fries. morn;
ags. morgen,
engl. mit erweiterung der ableitung morning
aus morgening;
alts. morgan,
niederl. niederd. morgen;
ahd. morgan,
mhd. morgen,
später auch mit angetretenem d
oder t morgend, morgent,
vgl. unten unter morgend;
aus der bedeutung des tagesanbruches und des ersten tagestheiles hat sich dann der begriff einer himmelsgegend und eines feldmaszes herausgebildet. II. morgen,
die frühzeit von tagesanbruch bis zum mittag. I@11)
man redet von einem frühen, grauenden, angehenden,
im gegensatze zu einem späten morgen,
der schon gegen den mittag geht: bei frühen morgen,
prima luce Steinbach 2, 76; disz ist gewisz, dasz sie beide unvermerkt fast der angehende morgen hat überfallen wollen. Hoffmannswaldau
ebenda; am späten morgen erst traf die nachricht ein; doch geht die fromme einfalt hin bald in dem frühsten morgen. P. Gerhard 53, 44;
mit bezug auf das aussehen des himmels zu dieser tageszeit ein heiterer, schöner, rosiger, rother, trüber, grauer morgen: o wie lacht dem das erste licht, das aus den grauen wolken bricht, und uns den rothen morgen zeiget! Hagedorn 1, 10; auf wehenden flügeln des rosigen
morgens. Stolberg 1, 135; du umschwebst sie dann auf rosigem schimmer des morgens. 315; es drehn sich glück und zeit. dem heitersten der morgen folgt oft ein abendsturm. Lichtwer
schriften 207; das grünende gebüsche, wo einst bei eines schönen morgens frische, ach meiner allzuseelgen hand die reizendste der hände sich verband. Tieck
Octav. s. 9; ein grauer trüber morgen bedeckt mein liebes feld.
der junge Göthe 1, 268; als der graue morgen dämmert. Uhland
ged. 378; der morgen grau, der abend roth ist ein guter wetterbot. Simrock
sprichw. 382;
die festen verbindungen der helle morgen, der lichte morgen, der helle lichte morgen
bezeichnen den voll angebrochenen, aus der dämmerung heraus getretenen neuen tag (
vergl. dazu hell
th. 4
2, 963, licht
oben sp. 858): ging zeitig zu bette, und schlief .. bis an den hellen morgen. Wieland 20, 125; drauf gabs ein fressen, das währte bis an den lichten morgen. Schiller
räuber 1, 2; do trunken sie die liebe lange nacht bisz dasz der helle morgen an brach, der helle lichte morgen. Uhland
volksl. 597; (
ich) schlaf durch ausz an (
ohne) alles sorgen, bisz das her pricht der helle morgen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 26, 150; belad dich nicht mit groszen sorgen, und schlaf bisz an den liechten morgen.
Grobian. K
a (
v. 2404);
früher stand in solchen zeitbestimmungen das adj. licht
auch ohne flexion: von liecht morgen an bis auf den mittag.
Neh. 8, 3; gott thu dis und noch mehr den feinden David, wo ich diesem bis licht morgen, uberlasse einen der an die wand pisset.
1 Sam. 25, 22; bis liecht morgen ward.
2 Sam. 17, 22; wo wir das verschweigen und harren, bis das liecht morgen wird.
2 kön. 7, 9;
die beschaffenheit der luft kennzeichnet der frische, kühle, thauige, schwüle morgen; frisch athmet des morgens lebendiger hauch. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 304; morgen
mit formelhaftem lieb,
vergl. oben sp. 901 (alle liebe morgen. P. Gerhard 237, 63); ein groszer morgen,
an dem groszes geschieht: der grosze morgen brach hervor, und brachte groszen tag. Gleim 4, 31; ein müder morgen,
an dem man müde erwacht: die nonnen flieht der schlaf: auch die äbtissin wacht, voll reger ungeduld, bis an den müden morgen. Hagedorn 2, 148; der morgen kommt, dämmert, graut, tagt, bricht an, leuchtet, scheint: wo jnen der morgen kompt, ists jnen wie ein finsternis.
Hiob 24, 17; der hüter aber sprach, wenn der morgen schon kompt, so wird es doch nacht sein.
Jes. 21, 12; meine lere leuchtet so weit, als der liechte morgen, und scheinet ferne.
Sir. 24, 45; als der helle morgen anbrach da hub sie an zu weinen. Uhland
volksl. 220; wann der morgen weckt die welt. P. Gerhard 150, 46; so oft der morgen kömmt: so macht Yariko durch neuen unterhalt den lieben fremdling froh. Gellert 1, 24; sie schwatzten, bis der morgen durchs hüttenfenster schien. Hölty 10
Halm; nun hellt sich der morgen, die welt ist so weit. Göthe 3, 4; sieh, geliebte, wie der morgen sich empor schon hebt so blutig. Tieck
Octavian. 338; die lerche singt, der rothe morgen glüht. Uhland
ged. 131; der anbruch, das licht, der schimmer des morgens; bei manches morgens hellem schimmer sang Damons lerche froh bemüht. Gellert 1, 305; der beste theil des tags, des morgens heiterkeit. 2, 193; und bei des nächsten morgens lichte da tritt mit fröhlichem gesichte ein fischer vor den fürsten hin. Schiller
ring des Polykrates v. 79; den morgen erwarten, heranwachen, erleben, verschlafen: des abends wirstu sagen, ah, das ich den morgen erleben möchte.
5 Mos. 28, 67; den sol man an (
ohne) alles urtail strafen, das er kein morgen sol verschlafen, er sol den Juden heizen ein.
fastn. sp. 258, 1; hätte sie gefühl wie ich empfinde, würde sie den morgen nicht erwarten, würde schon in dieser stunde kommen. Göthe 2, 103, den morgen empfinden: uneingedenk der stadt und ihrer sorgen, empfind ich hier (
auf dem lande) die freiheit und den morgen. Hagedorn 1, 70; für den andern morgen sorgen, nach dem morgen ausblicken: sorget nicht fur den andern morgen.
Matth. 6, 34; neuere romane setzen sich leicht ins gröszte ansehen gleich bei dem ersten band, weil sie nicht für den andern morgen sorgen,
d. h. für den andern band, sondern die gegenwart genieszen. J. Paul
kom. anh. z. Tit. 1, 87; die längste nacht sie währt ihm nie so lange; verzweifelnd blickt er nach dem morgen aus. Uhland
ged. 442;
der morgen
im gegensatz zu nacht, finsternis,
zu mittag, abend: der aus dem finsternis den morgen, und aus dem tag die finster nacht machet.
Amos 5, 8; da ward aus abend und morgen der erste tag.
1 Mos. 1, 5; das volk stund umb Mose her, von morgen an bis zu abend.
2 Mos. 18, 13; es weret von morgen bis an den abend.
Hiob 4, 20; des abends, morgens und mittags wil ich klagen und heulen.
ps. 55, 18; die tage waren günstig (
zum aufnehmen einer gegend); die abende und die frühsten morgen brachte er mit aufzeichnen und schraffiren zu. Göthe 17, 32; der morgen sorgt, der abend verzehrt. Simrock
sprichw. 381; so lang ich denken kann, hab ich so manchen morgen, so manche liebe nacht mit kummer und mit sorgen des herzens zugebracht. P. Gerhard 284, 13; ich seh mich deinen fleisz vom morgen in die nacht durch ein exempel wecken. Günther 574; so fern der abend ist vom morgen, läszt er von dir die sünde sein. Gellert 2, 217. I@22)
dichter personificieren den morgen: und der morgen athmete kalt. Klopstock 4, 46 (
Mess. 7, 54); seine laute tönte durch die dämmrung, wenn der junge morgen, mit dem goldnen kleide, mit den rosen um die stirn erwachte. Hölty 55
Halm; (
der schöpfer) der rosen um des morgens stirne band. 119; mit rosenmunde ladet der morgen euch zu neuer wonne täglich und täglich ein. Stolberg 2, 19. I@33)
zeitbestimmungen durch morgen. I@3@aa)
im nominativ, in den fügungen es ist, wird morgen,
wo das subst. ohne artikel und wie adjectivisch steht: da es morgen ward, war sein geist bekümmert.
1 Mos. 41, 8; da es aber jtzt morgen war, stund Jhesus am ufer.
Joh. 21, 4; ehe es morgen wird, sind sie nimer da.
Jes. 17, 14; abend wards und wurde morgen, nimmer, nimmer stand ich still. Schiller
der pilgrim. I@3@bb)
im genitiv morgens. I@3@b@aα)
mit artikel, auch näherer bezeichnung, auf einen bestimmten morgen gehend: da David des morgens aufstund.
2 Sam. 24, 11; Abraham aber macht sich des morgens früe auf an den ort, da er gestanden war, fur dem herrn.
1 Mos. 19, 27; der herr verschaffte einen wurm, des morgens, da die morgenröte anbrach, der stach den kürbis.
Jona 4, 7; eines morgens liesz mich der fürst rufen. Klinger 9, 251; als Wilhelm seine mutter des andern morgens begrüszte. Göthe 18, 7; des morgens, als Wilhelm sich ein wenig erholt hatte. 19, 55; eines morgens, als Wilhelm erwachte, fand er sich mit ihr (
Philinen) in einer sonderbaren nähe. 60; des andern morgens brachte Mignon die nachricht ans bette: dasz Philine in der nacht abgereist sei. 61; die ausmessung des hauses geschah des andern morgens. 26, 18; es wolt ein feines mägdelein des morgens früh aufsten. Uhland
volksl. 207; der schäfer Philopœmen hoch auf der hardt thet stehn, eins morgens, als die strämen der sonn uff wolten gehn. Zinkgref
bei Opitz (1624) 172. I@3@b@bβ) des morgens
aber auch jeden in frage kommenden morgen bezeichnend: und bracht er zu das speisopfer, und nam seine hand vol, und zündets an auf dem altar, auszer des morgens brandopfer.
3 Mos. 9, 17; und die raben brachten jm brot und fleisch, des morgens und des abends.
1 kön. 17, 6; des morgens so du wilt aufstehen.
Grobian. A 3
a (
v. 124); den abend währt das weinen, des morgens macht das scheinen der sonn uns gutes muts. P. Gerhard 181, 39; des abends währt die klage, des morgens die zufriedenheit. Gellert 2, 9. I@3@b@gγ)
ohne artikel, morgens,
an einem bestimmten morgen: morgens, da die hinrichtung vor sich gehen sollte. Klinger 3, 125;
gewöhnlich mit zusätzen: sonntag morgens; morgens vier uhr standen wir auf; die erste nacht blieb ich in Nordhausen, trat um 6 uhr morgens meine reise
an. Hölty 225
Halm; dienstags morgens brach ich wieder von da auf.
ebenda; gern in der verbindung morgens früh, früh morgens (
vgl. dazu früh
th. 4
1, 284): so stehet jr morgens früe auf, und ziehet ewr strasze.
1 Mos. 19, 2; das der könig Israel früe morgens untergehe.
Hos. 10, 15; und meinte Florindo, er würde bei seinem hoffmeister groszen dank verdienen, wenn er ihm früh morgens die artige action erzehlen würde. Chr. Weise
erzn. 26
Braune; früh morgens, im schutt, heut sucht ich nach. H. v. Kleist
Käthchen v. Heilbr. 4, 1. I@3@b@dδ)
öfter unbestimmt, wie des morgens
β: bat sie, das man ir erleubete, abends und morgens heraus zu gehen.
Jud. 12, 6; morgens eh's tages schein anbricht. Melissus
bei Opitz (1624) 163; wenn sie sich weinend niederlegen, so stehn sie morgens jauchzend auf. Drollinger 34; morgens trabst bei meiner krücke du einher. Hölty 208
Halm; wann er abends sich legt und wann er morgens erwacht. Uhland
ged. 349; früh morgens, morgens früh: der Philister trat erzu früe morgens und abends, und stellet sich dar vierzig tage.
1 Sam. 17, 16; meine schäfchen, morgens früh, früh bis an den abend, unter blumen weid ich sie. Herder
z. litt. 8, 29. I@3@b@eε) morgens
mit präpositionen; vor morgens: das meer kam wider fur morgens in seinen strom.
2 Mos. 14, 27; da kam das weib hart vor morgens.
richt. 19, 26; zu morgens: zu morgens geht er wie ein toll schaf oder schlefet auf mittag hinein. H. Sachs
fastn. sp. 1, 79, 324; zu morgens
im gegensatz zu einer vorhergehenden nacht: ein pfaff ein ganze nacht thet trinken, zu morgens aber thet er sinken in schlaf. L. Sandrub
kurzweil 109; ein meszpfaff fast ein ganze nacht hette mit saufen zugebracht, zu morgens, als er celebriert sein mesz, der kopf zu schwer jhm wird. 111;
daher zu morgens
auch ohne solchen ausdrücklich genannten gegensatz auf einen folgenden morgen gehend: seit gerüst zu morgens zu kriegen wider dise feind. Reiszner
Jerus. 2, 60
b. I@3@b@zζ)
auch bloszes morgens
kann den folgenden morgen oder tag bedeuten: darumb welchen auch der kützel sticht von haus zu zihen und die heiligen zu besuchen, der mach sich morgens mit den Jacobsbrüdern auf die fahrt. Fischart
bienk. 141
b; morgens schickte der khalife zu Giafar. Klinger 5, 185; er brachte die nacht schlaflos zu ... morgens trat er vor den khalifen ernst und kalt. 237; morgens ging Abdallah auf den markt, um den fang des vorigen tags zu verkaufen. 7, 241. I@3@cc)
im dativ. I@3@c@aα)
häufig mit der präp. an, an einem morgen, am morgen: am abend kamen wachteln erauf, und bedeckten das heer. und am morgen lag der taw umb das meer her.
2 Mos. 16, 13; das himelreich ist gleich einem hausvater, der am morgen ausgieng, erbeiter zu mieten, in seinen weinberg.
Matth. 20, 1; es kan vor abend noch ein anders werden, weder es am morgen war. Stieler 2374,
sprichwörtlich für plötzliche änderung; heut als ich jn auszlisz am morgen, macht er ein ghrümpel an der stigen. H. Sachs 4, 33, 329; am morgen ward er in das haus Pilati hingeführet. P. Gerhard 34, 122; am andern morgen war Damöt bei seinen heerden eingeschlafen. Gellert 1, 53; an einem morgen ist der herzog fort. Schiller
Wallensteins tod 1, 7;
in unbestimmtem sinne, wie morgens
oben b, β und δ: der herr wird euch am abend fleisch zu essen geben, und am morgen brots die fülle.
2 Mos. 16, 8; am abend schlachtens (
die metzger) ein alte geisz, am morgen ists gut hammelfleisch. Schade
handwerksleben s. 90;
mit bei, mit: bei dunkelem morgen,
sub obscuro mane, einem den brief bei frühem morgen geben,
alicui literas multo mane dare, mit dem ersten morgen das werk angreifen,
a primo mane opus adgredi, bei guten morgen etwas schreiben,
bene mane aliquid scribere Steinbach 2, 76;
mit auf: auf dem morgen aber gieng das volk eraus.
richt. 9, 42. I@3@c@bβ)
mit zu
nur in der verbindung zu morgen essen,
die gewöhnliche morgenmahlzeit einnehmen: ze morgen essen, sich entnüchteren,
ientare Maaler 293
c; der (
bauer) sasz eben über tisch und asze mit seim gesind und kinden zuo morgen. Wickram
rollw. 43, 18
Kurz; als Florens uber dem tisch sasz, und zu morgen asz.
buch der liebe 9
a. I@3@c@gγ)
auch der einfache dativ morgen
aus morgene (
die kürzung morn,
s. d., zeigt bisweilen noch die dativendung in der form morne)
als zeitbestimmung, in der fügung früh morgen (
vergl.früh morgens
oben b, γ.
δ): da sie früe morgen den berg hinab gieng.
Judith 10, 12; (
er) predigt jnen von Jhesu ... von früe morgen an bis an den abend.
ap. gesch. 28, 23; heute morgen,
am morgen des heutigen tages: hettestu heute morgen so gesagt, das volk hette ein jglicher von seinem bruder abgelassen.
2 Sam. 2, 27; gestern morgen,
heri mane, heute morgen,
hodie mane Stieler 2374; eines (
ein bein, spricht der hund), lieber Pantalon, hab ich nur noch gestern morgen in dem winterreisz verborgen. Gellert 1, 38;
alemannisch auch morne morgen,
vergl. unter morn;
bairisch morgen des morgens Schm. 1, 1648
Fromm.; hess. mor morgen, more morgen,
morgen früh. Vilmar 272. I@3@c@dδ)
dieser dativ morgen,
adverbial geworden, ursprünglich im gegensatz zu einer vorhergehenden nacht gedacht, und den ihr folgenden morgen bezeichnend: schon ist es tiefe nacht, ruht aus bis morgen. Tieck
Octavian. 327;
welche bezeichnung schon früh sich auf den folgenden tag überhaupt ausgedehnt hat (
vgl.morgens oben b, ζ und eine ähnliche begriffserweiterung von heint
aus heinacht, hînacht
th. 4
2, 888,
nr. 3);
ahd. morgane: thaʒ gras thes accares, thaʒ hiutu ist inti morgane in ovan uuirdit gisentit.
Tat. 38, 5; heilî thuruhfremiu hiutu inti morgana inti themo dritten gientôn (
sanitates perficio hodie et cras et tertia consumor). 92, 1;
mhd. morgen
und zusammengezogen morne
und morn (
vergl.morn);
nhd. hat sich für die schriftsprache morgen
überall wieder hergestellt: cras, morgen Dief. 155
a; last uns essen und trinken, wir sterben doch morgen.
Jes. 22, 13; geduld, armer unglücklicher vater. warte ab, bis es morgen wird. Schiller
kabale und liebe 5, 1; hausherr dasz wil ich mit mir tragen (
etwas gutes von der tafel), dasz ich auch morgen denk daran, wie jr uns habt so gütlich than.
Grobian. D 1
b (
v. 850); o stelle dich, Narcisz, doch morgen bei mir ein! Hagedorn 1, 109; schönheit hat dein herz verdorben, dein gesichtchen! schäme dich! morgen ist sein glanz erstorben. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 308;
im sprichwort: komm morgen wieder,
cras redi, hodie non liquet. Stieler 2374; morgen kommt rath und that. morgen ist auch noch ein tag. Simrock
sprichw. 381; doch, morgen ist auch noch ein tag. Bürger 298
a; des nachts so du wilt schlafen gehn, lasz alle ding auf der tafel stehn, becher, geschirr, was es sein mag, es kompt doch morgen auch ein tag.
Grobian. K 1
a (
v. 2410); kömmts nicht heute, wie man will, sei man nur ein wenig still; ist doch morgen auch ein tag, da die wohlfahrt kommen mag. P. Gerhard 234, 59; wenn eure herrlichkeit nur noch bis morgen sich gedulden mag! (wird ihm zur antwort) morgen ist auch ein tag. Wieland 18, 336;
mit näheren zeitbestimmungen: mach dich morgen früe auf, und trit fur Pharao.
2 Mos. 8, 20; sihe, ich wil morgen umb diese zeit, einen seer groszen hagel regen lassen. 9, 18; morgen umb diese zeit wil ich sie alle erschlagen geben.
Jos. 11, 6; Mose sprach, sihe, wenn ich hinaus von dir kome, so wil ich den herrn bitten, das dis unzifer von Pharao und seinen knechten und seinem volk genomen werde, morgen des tags.
2 Mos. 8, 29; morgen des tags will ich meine alten bekannten wieder aufsuchen. H. L. Wagner
d. wolthät. unbekannte 32; welches urtheil morgen des tages vollzogen werden solle. Lessing 7, 298; morgen des tages soll er seinen lohn empfangen. Göthe 34, 49; ich bin alsô gevangen, verbrant ode erhangen wird ich morgen an dem tage.
Iwein 4041; jetzundt mustu mit mir heim gehn, das du morgen kanst fr auf stehn. H. Sachs
fastn. sp. 1, 79, 310; wer aber giebt dir sicherheit dasz morgen noch um diese zeit du dieses leben wirst genieszen? Caniz 12;
mit präpositionen: heiliget euch auf morgen.
4 Mos. 11, 18; niemand lasse etwas davon uber bis morgen.
2 Mos. 16, 19; ich dacht, möcht ich bis morgen leben.
Jes. 38, 13; spar nicht auf morgen, was du heute thun kannst. Simrock
sprichw. 381; was sünden hast du jetzt auf dir, dasz du gleich beichten wilt auf morgen? H. Sachs
fastn. sp. 4, 91, 75; setz dich an den tisch on sorgen, du müssest warten sunst bisz morgen.
Grobian. Q 2
b (
v. 4091); warum bis morgen sparen, was wir heut vermögen? Schiller
Tell 4, 2;
formelhaft verbunden mit dem gegensatze heint,
vgl. th. 4
2, 888: und ist sein (
des herrn) meinung und beger, ich sol jm heint ganz rechnung thon; wann morgen fr musz ich darvon mit jhm reiten in das Welschland. H. Sachs
fastn. sp. 4, 28, 189; kompt der bawer heint oder morgen. 3, 128, 112;
mit heute,
vergl. th. 4
2, 1296: so wird mir mein gerechtigkeit zeugen heute oder morgen.
1 Mos. 30, 33; lasset uns wein holen und vol saufen, und sol morgen sein wie heute.
Jes. 56, 12; so gehets doch endlich also, heute könig, morgen tod.
Sir. 10, 12; heut grünen sie gleich wie ein baum, ihr herz ist froh und lachet, und morgen sind sie, wie ein traum, von dem der mensch aufwachet. P. Gerhard 192, 66; heute läszt du mich ertödten, morgen ist die lebenszeit, da ermunterst du mich wieder. 148, 91; heut ist wie gestern war, und morgen wird wie heut. Haller
schweiz. ged. 25; morgen, morgen, nur nicht heute! sprechen immer träge leute, morgen, heute will ich ruhn! C.
F. Weisze
kl. lyr. ged. 2, 204 (
lieder für kinder, 3.
buch); heute hüpft im frühlingstanz noch der frohe knabe; morgen weht der todtenkranz schon auf seinem grabe. Hölty 197
Halm; heute — morgen
vom vorhergehenden und folgenden tage, in der erzählung: das volk wuszte heute nicht wem es morgen gehorchen würde. Schiller
hist.-krit. ausg. 9, 251. I@3@c@eε)
das adverb morgen
auch substantivisch als neutrum verwendet, das morgen,
der folgende tag: viel tausent gestern sind vorbeigegangen, viel tausent morgen kommen wieder.
quelle bei Stieler
lehrschrift s. 240; liegt dir gestern klar und offen, wirkst du heute kräftig frei; kannst auch auf ein morgen hoffen, das nicht minder glücklich sei. Göthe 4, 337;
weitere beispiele th. 4
2, 1297,
nr. 4;
als blosze anführung des vorher ausgesprochenen adverbs: leb wohl, Lotte! leb wohl, Albert! wir sehn uns wieder — morgen, denke ich, versetzte sie scherzend. ich fühlte das morgen! 16, 86. I@3@c@zζ)
unter solchem einflusz kann nun wieder das masc. der morgen
den sinn des folgenden tages annehmen: es sol des taglöners lohn nicht bei dir bleiben, bis an den morgen. 3
Mos. 19, 13; so solt jrs desselben tags essen, und solt nichts übrigs bis auf den morgen behalten. 22, 30; wenn ich nur ein geschäft wüszte, ein rühriges, das aber keine folge auf den morgen hätte, das fleisz und bestimmtheit im augenblick erforderte, ohne vorsicht und rücksicht zu verlangen. Göthe 16, 204; heute, heut ist hohe zeit; wer sich erst durch langsamkeit auf den morgen denkt zu fristen, wird sein glück und heil versehn. Chr. Gryphius
poet. wälder 1, 62; wer in dem gestern das heute sah, dem geht das heute nicht allzunah, und wer im heute nicht sieht den morgen, der wird sich rühren, wird nicht sorgen. Göthe 4, 337 (sieht das morgen 2, 377
Hempel); ein weises schicksal deckt dem sterblichen den morgen, auf! halt die stunde fest! das heute nur ist dein. E.
M. Arndt
gedichte (1840)
s. 101;
mit anklang an die eigentliche bedeutung des subst. morgen: nein! mir genügt ein frohes heüt; und, was ein neüer morgen dräut, das überlasz ich dem geschicke. Drollinger 175. I@3@dd)
im accusativ. I@3@d@aα) jeden morgen, manchen morgen, alle morgen: sie samleten aber desselben (
manna) alle morgen.
2 Mos. 16, 21; anzünden dem herrn alle morgen brandopfer, und alle abend.
2 chron. 13, 11; und bin geplagt teglich, und meine strafe ist alle morgen da.
ps. 73, 14; er geht jeden morgen ins geschäft; gelobt sei deine treue, die alle morgen neue. P. Gerhard 20, 26; genug, dasz wir so manchen morgen mit eiern unser haus versorgen. Gellert 1, 69; den nächsten, den folgenden morgen: ich komme den nächsten morgen; dienstag morgen bin ich da; den folgenden morgen,
postero mane. Steinbach 2, 76; den ganzen morgen schlafen,
totum mane dormire. ebenda. I@3@d@bβ)
mit präpositionen: und gehe kein mensch zu seiner hausthür eraus, bis an den morgen.
2 Mos. 12, 23; wenn die wolke da war, von abend bis an den morgen.
4 Mos. 9, 21; kom, las uns gnug bulen, bis an den morgen.
spr. Sal. 7, 18; ruht doch bis an morgen. die nacht ist gar unfreundlich. Göthe 8, 161;
auch nur bis morgen: und sie schlief bis morgen, zu seinen füszen.
Ruth 3, 14; auf ein morgen, doch nit gar zuo fr, kam der ein für desz andern fenster. Wickram
rollw. 39, 23; wenn ich komb von meim bulen wider, leg ich mich zu der sew (
dem trunkenen manne) auch nieder und schlaf bei jm bisz an den morgen. H. Sachs
fastn. sp. 4, 103, 45; heut solt auch zu mir auf den morgen der alte hofschneider sein kummen. 139, 40; gegen morgen,
um die morgenzeit: er konnte erst gegen morgen einschlafen; ja ich komme, komme gegen morgen ganz gewisz, mein freund, auf deine stube. Göthe 2, 102. I@44)
solche zeitbestimmungen (3)
auch in einem abgeblaszten sinne =
eines tags oder einst, namentlich in den formeln eines morgens,
gern besonders auch eines schönen morgens, an einem schönen morgen: so fand ich für gut an einem schönen morgen aus der derwischerei zu entweichen. Wieland 8, 96; genug, an einem schönen morgen, da ich mich eher alles andern versehen hätte, kommt der hoffnungsvolle sohn Onolaus des zweiten auf mich zugerennt. 35, 293; an einem hübschen morgen gibt er mit dem ellbogen seinem kameraden einen schub und bauz! baradauz! der götze liegt am boden. Göthe 36, 112; schwere schicksale haben mein leben beschleunigt, es könnte geschehen, dasz ich eines morgens unverhofft ausbliebe. Schiller
menschenfeind, 8.
scene; einst wollten zu Athen, an einem schönen morgen, die bürger ihre stadt mit einem gott versorgen. Drollinger 142. I@55)
die gruszformel guten morgen
ist die verkürzung des wunsches gott gebe euch einen guten morgen,
vergl. dazu unter geben
th. 4
1, 1707
fg.: vrowe mîn, got gebe dir guoten morgen, guoten tac, vil freude rîche nacht. Lichtenstein 518, 1; guten morgen, meine kinder! J. Paul
Siebenk. 1, 145; 'guoten morgen, guoten âbent',was den minniclîchen meiden tiure.
Gudrun 1220, 4; alta, alta, ein guten morgen! H. Sachs
fastn. sp. 3, 86, 18;
es heiszt guten morgen wünschen, sagen, geben, bieten: ich habe ihrer jungfer tochter noch keinen guten morgen gesagt. Lessing 1, 539; nû gap im Ërec mit gruoʒe guoten morgen.
Erec 3508; schnell nun kam in ehrbarem schmucke die hausfrau, bot ihm fröhlichen morgen, und fragete, herzlich ihn küssend: wacht mein väterchen schon? Voss
Luise 2, 32; beide umarmten sie, einen freundlichen morgen ihr wünschend. Körner
werke 2, 195; das (
der tod) ist nun freilich ein schlaf, wo es ewig niemals guten morgen heiszt. Schiller
räuber 2, 2.
für etwas unwillkommenes grüszt man nicht, wie man sonst nicht dankt: wolt dir keinen guten morgen drumb geben. H. Sachs 4, 3, 79
b; guten morgen
ironisch: etiam ironice dicitur ja guten morgen,
quasi vero, perinde vero, quasi haberet, toto coelo erras. Stieler 2374; nehmen kann er das mädel nicht — vom nehmen ist gar die rede nicht, und zu einer dasz gott erbarm? guten morgen! Schiller
kabale und liebe 1, 1; möchtest du auch welche? ja, guten morgen. J.
M. Miller
ged. 432. I@66) morgen
in neuerer dichterischer sprache, die zeit eines anfangs, einer entwickelung, eine frühzeit: als ich ihn das erste mal sah ... o damals gieng in meiner seele der erste morgen auf. tausend junge gefühle schossen aus meinem herzen wie die blumen aus dem erdreich. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 368 (
kabale u. liebe 1, 3); die neue wahrheit, deren erfreuender morgen jetzt über Europa hereinbricht. 7, 10; mein morgen ist vorbei, der frühling meiner tage, wie ich den hingebracht, das weisz ich selber nicht; mein mittag ist dahin, der ohngefehr die wage des kurzen lebens hielt. Caniz 48; tod der ältern, frühe sorgen, schwärzten meiner jahre morgen. Lichtwer
schriften 268; liebe, scherze, von verdrusz entladen, weil die parze deiner tage faden seiden spinnet und dein morgen scheint! Gotter 1, 84; als ich dein, in der kindheit morgen, mit muttertreue pflog. 2, 92; vergäsz ich auch der feinde, die seines lebens morgen ängsteten. 198; als der morgen der liebe aus dem jungen herzen in sanfterröthende wangen stieg. Stolberg 1, 392; es hätte bei mir gestanden, einen neuen morgen heraufzuführen über diese reiche. Schiller
don Carlos 4, 21; der mutterliebe zarte sorgen bewachen seinen (
des kindes) goldnen morgen.
glocke v. 56; in meiner tage morgen. Uhland
ged. 53; der freiheit morgen steigt herauf. 99; wir waren neugeboren, himmlisch helle war uns der liebe morgen aufgegangen. 131; beginnst du so, was soll ich künftig hoffen, wenn schon am morgen unsres neuen bundes mich solch ein schlag aus blauer luft getroffen? Platen 99. I@77) morgen,
gemälde einer landschaft in morgenbeleuchtung: von den andern bildern, einem herrlich schönen morgen, einer trefflichen nacht, sag ich gar nichts. Göthe 29, 32. IIII.
morgen, die gegend des sonnenaufgangs, ost. II@11) morgen
als gegendbezeichnung war dem mhd. nicht oder kaum genehm, erst im 15.
jahrh. heiszt es gelegentlich morgenswind,
eurus, subsolanus, est ventus orientalis. voc. inc. theut. o 2
a;
die sprache Luthers
aber verwendete das wort sehr häufig, im Basler nachdruck des neuen testamentes muszte es für oberländische leser erklärt werden: morgenlandt, aufgang der sonnen. Fromm. 6, 43
a. II@22)
es steht nur mit präpositionen, entweder mit artikel: da sie nu zogen gem (
gegen dem) morgen, funden sie ein eben land.
1 Mos. 11, 2; heb deine augen auf, und sihe von der stet an da du wonest, gegen mitternacht, gegen dem mittag, gegen dem morgen, und gegen dem abend. 13, 14; vom morgen drei thor, von mitternacht drei thor, vom mittag drei thor, vom abend drei thor.
offenb. 21, 13; ich wil vom morgen deinen samen bringen.
Jes. 43, 5; viel werden komen vom morgen und vom abend.
Matth. 8, 11;
oder häufiger ohne artikel, und so die gegend unbestimmter bezeichnend: da hub Jacob seine füsze auf, und gieng in das land das gegen morgen ligt.
1 Mos. 29, 1; thu das fenster auf gegen morgen. 2
kön. 13, 17; (
das land) sol stoszen an Asser von mitternacht, und an Isaschar von morgen.
Jos. 17, 10; das sol Dan fur sein teil haben, von morgen bis gen abend.
Hes. 48, 1; es wird jn aber ein geschrei erschrecken, von morgen und mitternacht.
Dan. 11, 44; meyereyen, die gegen morgen und mitternacht gebawet sein. Coler.
hausb. 3 (1604), 12; das gesicht gegen morgen gerichtet, stellte sich der magier jezt auf den teppich. Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 215; was sieh ich aber dort für gaben einherbringen? es scheinen weisze leuth aus morgen da zu sein. Rompler 27; aus allen freiern von morgen, mittag und mitternacht, die an schach Bambos hof sich wie die meereswogen ergossen. Wieland 4, 13 (
n. Amadis 1, 16) sturm von morgen und abend. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 122; der himmel ist hell, es ist kein wölkchen zu sehen, und von morgen wehet der wind mit lieblicher kühlung. Göthe 40, 235. IIIIII. morgen,
ackermasz. III@11)
bereits ahd.: morgan, morgon,
jugerum, iurnalis Graff 2, 854;
mhd. morgen:
juger, ein morgen, ein morge Dief. 311
c;
nhd. vornehmlich in Mittel- und Norddeutschland: morgen,
jugerum, halber morgen,
semijugerum, viertels morgen,
quarta pars Stieler 2375;
es wird angenommen, ein morgen
sei so viel, als ein mann an einem morgen bearbeiten könne (
vergl.tagwerk,
als ackermasz): vom lateinischen wort jugero, welches so vil lands ist, als ein par ochsen oder pferd mit einander inn das joch gekuppelt oder eingeschirrt, in einem tag erackern oder uberfaren mögen (daher nennens auch wir Teutschen jochackert oder jugackert, und nach art unserer sprach, die gern verkürzte wort hat, juchart .. an etlichen enden nennet man es ein morgen, welches mit dem wort jornal oder jornata uberein kommet, so vil felds nämlich, als von morgen bisz abends ein par bejochter oder eingespannter pferd mit dem pflug umbkehren mögen). Sebiz
feldb. 470; (
der pflüger) theilt nach seinen morgenwerken die erdfläche in festbegränzte morgen. Arnim
kronenw. 1, 2. III@22)
umfang des morgens: die morgen haben 300 ruten in die lenge oder in die breite. fünf ruten breit und 60 ruten lang, thut einen morgen. Coler.
hausb. 3 (1604), 43; ein morgen lands ist in der mark 10 ruthen breit, 30 ruthen lang. Frisch 1, 670
a;
es heiszt die eintheilung der äcker in morgen,
divisio et assignatio facta in jugeribus. ebenda; vierzehn morgen thet er aus, um die hälfte zu säen. Henneberger
preusz. landtafel 491; ich fragte ihn, was doch ein morgen bei ihnen an getreide brächte.
ebenda; in der älteren sprache mit näher bezeichnendem subst. im genitiv: jugerum, morgen
l. acker landes, morgen lans, ackers Dief. 311
c; ein morgen landes,
jugerum Stieler 2375; ein acker der drei morgen lands hält,
ager trium jugerum Frisch 1, 670
a; man konnte ... einen morgen landes kaufen. Möser
patr. phant. 2, 99;
neuer mit bloszer apposition: dreiszig morgen ackerland und zehen morgen wiesen. Fr. Müller 1, 269; mir ist der säbel lieber, als fünf morgen weinberg. 3, 156.