Wossidia
Hand Pl. Hänn', im Dat. Pl. häufig ohne Umlaut,
s. tau Hannen (
unt. I A 4)
f. Hand: manus 'Handt' Chytr. 111; Hand, Hänn' Mi 30
b I. die Hand, das wichtigste Glied des menschlichen Körpers A. in Redewendungen 1. ein Hand wascht de anner; häufig in Beteuerungsformeln: de Hand sall mi verbrennen RoRostock@Kloster WulfshagenKWulfsh; mi sall de Hand affallen Pa; ick will min Hand int Füer leggen, wenn dat nich wohr is RoRostock@DierhagenDierh; die Wahrhaftigkeit eines Mitmenschen verbürgt: dat is 'n gauden Minschen, för denn' will 'ck woll min Hand int Füer leggen ebda; eine alte Frau, die nicht mit Handschlag begrüßt wurde, sagte: min Hand is doch ok noch so väl wiert HaHagenow@BelschBelsch; ein Kind, das die Hand gegen seine Mutter erhebt, wird ermahnt: wenn du din Mudder sleihst, waßt din Hand ut 'n Graff, un dor pissen de Hunn' an Pa Parchim@GanzlinGanzl;
s. unt. C 3a; vom Verschwender heißt es: bi denn' hett dat Geld kein Haft, sin Hänn' sünd
tau heit, dat smölt't von sülben Schw; vom Faulpelz: hei is nich tau 'n Arbeiten geburen, sin Hänn' stahn nah hinnen ebda; sprichw. wie hd.: vel Hänn' maken bald en Enn' Zier. Plaugf. 110; iron. vom schlechten Fahrer:
dei hett so väl Hänn' bi 't Führen Ha Hagenow@RedefinRed; Abwehr drückt aus: 'de Hand van dissen Brede' (Ro 1712) Kohf. Hg. 13, 4;
Hand von de Bütt Zinck Lustsp. 43; Hand von 'n Sack, de Hawern is verköfft mehrf.; der hilflose Alte klagt: ick kann de Hand nich mihr folgen (falten) habe meine Handfertigkeit verloren StaStargard@WulkenzinWulk; im Beispielsprichw.: alle Hänn' vull to don, seggt oll Dahlmann un hett man een Ro; wi hebben vulle Hand tau daun LuLudwigslust@WarlowWarl; der Vermögende kann de Hand noch inne Tasch krigen LuLudwigslust@LaupinLaup; scherzhafte Drohung: ick nähm de Hand — un stäk se inne Tasch RoRostock@KlockenhagenKlock; einen de Hand leihnen ihm helfen ebda; das begehrte Mädchen bruukt bloß de Hand ruttostäken, denn hacken dor nägen an Wa; dee steckt kein Hand ant Wark er ist faul HaHagenow@RedefinRed; 'de allerwegen de Handt wyl im Sade hebben' (seine Nase überall hereinstecken muß) Gry. Lb. 1, E 3
a; große Dunkelheit kennzeichnet: man kan nich Hand vör Ogen sehn Mantz. Ruh. 7, 55; diebische Art deutet an: 'erer etlike syn ock untruw, laten de Hende kleven' Gry. Wed. D 2
b; Lb. 1, Q 1
b; Bestechlichkeit wird umschrieben: 'sick de Hende vOerglden unde vOerslveren laten' H 2
a; min Mudder fallen beid' Hänn' dal sie erschrickt heftig HaHagenow@DöbbersenDöbb; de Hänn' unner de Schört nähmen um sie zu wärmen RoRostock@DierhagenDierh; schlechtes Handwerk tadelt: dat sünd all' Slachters, dor kann 'n sick de Hänn' an warmen SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; ebenso von schlechten Karten PaParchim@DobbertinDobb; ähnl.: 'Glyckenissen so elend jammerlick und kael, Dat men scholde de Hende darby warmen' Laur. Schg. 2, 537; in Henkers Hand afgäben dem Henker übergeben MaMalchin@SeedorfSeed;
aller Welt Hand was gegen uns Reut. 4,301. 2. Stellung, Lage, Form sowie Eigenschaften der Hand werden durch Attribute erläutert: 'mit stormender Hand' (im Kampf; 1581) Dietr.
V. Lohe 47; manus aversa 'de gewendte Handt' Chytr. 111; manus dextera 'de rechter Handt' ebda; manus sinistra, laeva 'de luchter Handt' ebda; ein Kind, das die linke Hand zum Gruß reicht, wird ermahnt:
Giff best Hänning Wo.
V. 3, 1285; die linke Hand heißt de leg' Hand, de eisch Hand ebda; wenn einem Gast ein Getränk vorgesetzt wurde, pflegte er zu sagen: is in gaud' Hand, dann trank der Geber zuerst Gü; PaParchim@GoldbergGoldb; RoRostock@RibnitzRibn; SchöSchönberg@BoienhagenBoit; kalte Hände deuten Furchtlosigkeit an, daher: Se hebben jo so koll Hänn', Se hebben kein Furcht up 'n Harten Klütz; dee höllt nich rein Hand er stiehlt Wa; dor hett he ne bannige Hand tau das versteht er gut RoRostock@KühlungsbornKühl. 3. Wortpaare: bi 't Seigen (Säen) möt Hand un Faut ümmer tauglik gahn WaWaren@TorgelowTorg; daher: so Hand geiht, so Faut geiht HaHagenow@RedefinRed; von einem lebhaften Kinde sagt man: is all' Hand un Faut, wat üm un an is RoRostock@DierhagenDierh; Wa; beteuernd: Ick wull an Hand und Föht verlahmen, Wo ick nich söp gantz ahn Rasuhn (Ro 1742) Kohf. Hg. 28, 2
a; iron. von nichtsnutzigen Menschen und schlechten Karten: dor kann 'n sick Hänn' un Fäut an warmen MaMalchin@GielowGiel; Wa; Wi; ähnl. Reut. 6, 467;
s. ob. 1; 'n Seemann möt sick up sin Hänn' un Fäut verlaten RoRostock@DierhagenDierh; Un sitt un rögt nich Hand un Faut Reut. 7, 77; 218; 6, 425; Hand un Fäut küssen demütig bitten RoRostock@KlockenhagenKlock; wi willen Hand un Faut tausam setten uns gemeinsam abmühen LuLudwigslust@BrunowBrun; wi hebben Hand un Mund vull alle Hände voll zu tun Ha; dor gäw ick Se Hand un Siegel up das verspreche ich Wa; der Geisterbeschwörer sagt: ick will di henbringen, wo du nie wedder eenen Minschen to Hand un Wand kümmst Wa. 4. mit Präp.; achter: wat achter de Hand hebben Vermögen haben: Reut. 6, 367; 3,225; jeder Knecht hadd' jo wat von Brut achter de Hand Ro; SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; beim Segelheißen is de Jung' achter de Hand ist der letzte Ro Rostock@RibnitzRibn; Wustr. an: ick hadd' 'n Pierd anne Hand als Handpferd MaMalchin@DargunDarg; de Jud' hadd' all' de Buern an de Hand sie waren seine Kunden StaStargard@TriepkendorfTriepk; dat Wuurt hadd' he ümmer anne Hand Grau; hest du de vierhunnert Daler nich an de Hand liggen (zur Verfügung) Bri. 7,148; ick gew em dat an de Hand teilte es ihm mit StaStargard@NeustrelitzNStrel; einen ganz gehürig an de Hand faten ihn gründlich ausschelten HaHagenow@WittenburgWitt. bi: hei is ümmer fuurts bi de Hand ist stets hilfsbereit Ro Rostock@KlockenhagenKlock; 'gegen Quasimodogeniti etwa 8 oder 10xa0000 Taler bey Händen zu bringen' (Gü. 1627) Spald. Land. 2, 86. in: dor heff 'ck nich so väl bi, as 'ck inne Hand hollen kann das Geschäft bringt mir keinen Vorteil Wa; iron. vom Schwächling: dee kann ne Mus inne Hand dot drücken StaStargard@WulkenzinWulk; ein Kind, das sich die Nase mit der Hand schneuzt, wird verspottet: dat 's recht, nimm 'n inne Hand, smit 'n anne Wand un lat 'n doran bammeln Wo.
V. 3, 1367; sehr große Hände kennzeichnet: sin Brut nimmt in jede Hand 'n Kommißbrot un fröggt, wat heff ick in de Hand StaStargard@StrelitzStrel; se müßt Geld in de Hand nähmen, üm dat tau köpen SchwGörst; wat in de Hand tau nähmen hebben eine Beschäftigung haben SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; de Schepers hebben wider nicks in de Hand tau nähmen weiter nichts zu tun HaHagenow@GranzinGranz; SchwSchwerin@PinnowPinn; von kinderlosen Eheleuten heißt es: ick mein, dat wir bäter, wenn se wat inne Hand tau nähmen hadden GüGüstrow@Klein UpahlKUp; Eile bezeichnet: Denn nehmt dei Poten in dei Hand (Ro 1741) Kohf. Hg. 27, 3; Georg nimmt in dei Hand nu sin Bein Camm. Bil. 172; de (die Enten) sünd mi so unverseihens in de Hand rin wussen (ich bin unverhofft dazu gekommen) Reut. Unterhbl. 1855, S. 96;
vgl. Reut. 2, 55; männigmal ward einen de Glow jo inne Hand dan geschenkt WaWaren@MalchowMalch; HaHagenow@RedefinRed; die Bequemlichkeit der Maurer tadelt: de Murers mœgen sick giern allens in de Hand don laten WiWismar@SternbergSternb; gebefreudige Eltern werden gewarnt: 'dewyle dat du levest, so avergyff nemande dyne Gder, ... ydt ys beter dat dyne Kynder dyner bedarven, den dat du en mOetest in de Hende sehen' Gry. Lb. 1, M 1
a; gemeinsame Bauarbeit kennzeichnet: Murer un Timmermann möten ümmer Hand in Hand slahn RoRostock@DoberanDob. mank: manck den Händen kamen Schläge bekommen Mantz. Ruh. 2, 55. mit: 'usen Oemen helpen ... med gantzer macht selven med der hand' (1369) UB. 16, 455; dat betahl ick mit een Hand ut das kann ich mit Leichtigkeit bezahlen Wa; mit harrer (harter) Hand mit großer Anstrengung, mit Mühe RoRostock@RibnitzRibn; 'woruth alle möten ... als men secht mit der Handt ergripen' (handgreiflich erkennen; 1533) Ungnad Amoen. 1093; Knabenfopperei: womit höllst du dat, mit 'n Düwel oder mit 'n Herrgott? erfolgt die Antwort: mit 'n Herrgott, so sagt der Fragende: ick holl 't mit de Hand; auf die Frage wo wist du hen? heißt es derb abweisend: mit de Hand an 'n Noors LuLudwigslust@GrabowGrab; Ungeschicklichkeit wird umschrieben: wat hei mit dei Hänn' upricht't, stött hei
mit 'n Noors wedder üm RoRostock@KlockenhagenKlock; der Unentschlossene späält sick mit de Hand an de Fingern StaStargard@StrelitzStrel; von gutem Kaffee, bei dem die Bohnen nicht sparsam abgemessen sind, heißt es: dor hest woll de Bohnen mit de Hand tau dan SchwSchwerin@JarmstorfJarmst; von dickem Tabaksqualm: dat is nich mit de Hand dörchtauhaugen LuLudwigslust@DömitzDöm; häufig gekoppelt: hüt möt't ji juch mit Hand un Fot 'n bäten rögen schnell arbeiten Wa; se stöten mi mit Hand un Fot ut 'n Deenst Nd. Kbl. 3,27; ick hadd' man mit Hand un Fot to stüren (abzuwehren) ebda; 'se werden (wehrten sich) mit hande und munde' (1563) Dietr.
V. Lohe 14; 'mit hande unde munde vorplichtet' (Ro 1502) Jb. 7, 206;
s. unt. D 2 b. nah; nur in ä. Belegen: 'gelick alße dat korne na der hant verdorrede' (nachher; Ro 1543) Bartsch 2, 4; 'so in den 5 tagen durch die Bürgermeisters nach der handt gedruncken wurden' (gelegentlich; 1601) Warncke Schönb. Bürg. 20. œwer: de Plaug geiht œwer ein Hand, de Haken œwer beid' Hänn' RoRostock@GresenhorstGres; haakt würd' œwer beid' Hänn', ierst œwer de linke, nah, wenn 'n trügg' kem, œwer de rechte Hand WiWismar@KirchdorfKirchd; auch beim Longieren eines anzubändigenden Pferdes: lat em œwer de anner Hand gahn GüGüstrow@GülzowGülz. tau: tau Hannen sin zur Hand, dabei sein allgem.; Ick bün ok tau Hannen Reut. 1, 90; selt. mit Art.: dat se ümmer tau de Hand wiren griffbereit RoRostock@WarnemündeWarn; wenn mi dat tau Hand kümmt in die Hand fällt RoRostock@GresenhorstGres; kumm mi nich wedder to Hand vor die Augen StaStargard@MirowdorfMirowd; dor kann einen wat tau Hand stöten, wat 'n nich vermauden is RoRostock@DierhagenDierh; un sine Rach' lagg em tau dicht tau Hand Reut. 3, 55; 'Ein Bage altydt gespant Werd na gerade schlap und breckt intwey tho handt' (sogleich) Laur. Schg. Beschluht 16. unner: twei wiren unner de Hand beim Barbier,
d. h. sie wurden rasiert RoRostock@AltheideAHeide; Garben unner de Hand binnen StaStargard@Groß NemerowGNem; Wa; Gegensatz: œwer 'n Dumen binnen (fläuten),
s. Dumen (2, 558); 'is mi disse schrift under de Hand gekamen' (in die Hand; Ro 1487) Jb. 8, 186; dat drög't unner de Hand bald GüGüstrow@GülzowGülz. up: 'se syn in der uthersten nodt, dat se dat Schip mOeten up den henden dragen, alse de Sehevaren lde reden' (stehen in Gefahr zu kentern?) Gry. Both. Jon. G 4
a; 'hebben em nicht allene Geldt up de Handt geven' Lb. 2, Aa 2
a; 'Wen wy man balde gelt up de Handt kregen' (in die Hand) Schlue 45; Maandsgeld kregen wi uppe Hand als Handgeld beim Anmustern RoRostock@WarnemündeWarn; WiWismar@Weitendorf auf PoelWeitP; de Lüd' hebben nu mihr Arbeit uppe Hand as früher LuLudwigslust@KummerKumm; dee hadd' dat Diernsmeiden uppe Hand besorgte den Bauersfrauen die Mägde SchöSchönberg@PogezPog; du weißt man nich, wat se uppe Hand hatt hett was sie vorhatte Wi; im Pl.:
hei hett wat up 'n Hännen HaHagenow@RedefinRed; 'de willen Köste maaken Un hebben sick ock all wat geven up de Hand' (ein Verlöbnisgeschenk gewechselt; 1720) Kohf. Hg. 18, 2; syn. Wendung
s. Habbe; denn' würd' dat von 'n Hoff uppe Hand gäben er wurde damit beauftragt MaMalchin@DargunDarg; ebenso: he hett dat 'n Rechtsanwalt up de Hand gäben Ma; sei harrn em up de Hand geben, dat glik ... tau betahlen H. Schrö
d. Buerh. 1, 48; 130; Aufforderung zum Rundgesang: jeder sall een Leed up sin eigen Hand singen StaStargard@TriepkendorfTriepk; Hand up Hand eine Art des Kawelns beim Ballspiel, bei welcher jeder Spieler seine Hand um den Schläger legt LuLudwigslust@DömitzDöm. ut: dee lihrt ok noch ut de Hand äten vom Stolzen PaParchim@DobbertinDobb; Wa; ut de Hand spinnen ohne Wocken RoRostock@WarnemündeWarn; de Schap würden all' ut de Hand bucken laten man ließ den Bock nicht zu ihnen hinein, sondern hielt sie ihm einzeln hin Ro; SchöGrev; ähnl. Loep. 179; beim Kartenspiel ut dei Hand spälen ohne aufzunehmen; der Kegler, dessen Kugel fehlging, entschuldigt sich: dee is mi ut de Hand follen GüGüstrow@BützowBütz; wenn einen Pierd'knecht dei Pierd' ut de Hand weglopen wiren wenn er die Herrschaft über die Pferde verloren hatte GüGüstrow@LenzenLenz; beim Halen der Segel wird gerufen: bäten mihr ut Händs (
engl.), dann treten die andern zurück, damit der Vormann mehr Spielraum hat Ro. von: dee hett sick dat Geschäft von de Hand slagen es aufgegeben Wa; Margret güng dat (die Arbeit) von dei Hand, as den Vagel dat Fleigen Wagtsm. Mart. 33; selt. ohne Art.: dei Arbeit geiht em von Hand Schw; kärglichen Verdienst und beschränkte Verbältnisse umschreibt: et iß mit em man so, van de Hand in de Mund Mantz. Ruh. 2, 42; mod.: dat geiht von de Hand in 'n Mund SchwSchwerin@PampowPamp; beim Braken würd' dei Flaß von Hand tau Hand lang't RoRostock@CarlewitzCarl; wenn der Teig fertig geknetet war, güngen de Bröd' Hand von Hand in den Ofen hinein WiWismar@KirchdorfKirchd; beim Waschen güngen dei Schap von Hand tau Hand RoRostock@SatowSat; die Lade der Knechte güng' von Hand tau Hand wurde von den abziehenden Knechten an die zuziehenden verkauft SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd. vör: vör de Hand sniden mit der Hand: ick heff ok noch vör de Hand snäden mit der Handhäcksellade gearbeitet WiWismar@GoldebeeGold; dat Holt würd' in oll Tiden all' vör de Hand snäden Wo. Seem. 2, 87; häufig ohne Art.: min Vadder hett twintig Johr vör Hand snäden in de Basedower Forst mit der Handsäge Bretter geschnitten MaMalchin@GielowGiel; de Fotbodden würd' früher vör Hand spund't, as 't noch keen Maschinen gew Ro; StaStargard@WoldegkWold; meiht würd' alles Kuurn vör Hand SchwSchwerin@GadebuschGad; GWelz; örtl.: beim Takeln fött de Madros' ümmer vör Hand (oben), de Lichtmadros' achter Hand, der Junge zuletzt RoRostock@WustrowWustr; zeitl.: dat hebben Sei noch vör de Hand das steht Ihnen noch bevor SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd. B. Kinderreim und Spiel: Dor hest 'n Daler in din Hand, Dorvör köp di
Sand un Land Wo.
V. 3, 355; Backe backe Köke, Hännes sünd so söte, Beid' Hännes sünd so small, As 'n Koken warden sall 288; inne Hand klappen ein Greifspiel, bei dem ein Spieler der einen Partei einen Spieler der gegenüberstehenden Partei durch Handschlag zu seinem Verfolger wählt PaParchim@KossebadeKoss; beim Abschluß einer Wette pflegt ein Dritter die verschlungenen Hände der Wettenden durchzuschlagen und erhält dadurch einen Teil des Gewinns allgem.; 'de manus datione arctissima, da ein Dritter muß die gegebenen Hände aus einander schlagen' Mantz. Sel. 1, 176; Wortspiel: ick heff twei Ogen vör un twei Hinn' (Hände, gesprochen wie hinnen hinten) Wo.
V. 1, 915. C. Brauch und Glaube 1. um die Ähren vor Vogelfraß zu schützen, umschreitet man das Feld nach Sonnenuntergang rückwärts gegen den Lauf der Sonne, pflückt mit behandschuhter Hand auf jeder Ecke einen Halm ab, bindet diese zusammen und verwahrt sie unter dem Hausdach, wo weder Sonne noch Mond sie bescheinen kann Bartsch 2, 216; die Berührung mit der bloßen Hand wirkt schwächend auf den abwehrenden Brauch mehrf.;
s. Hanschen; auch die Reiser für den Twölftenbessen soll man nicht mit blot Hänn' anfaten oft; der Bursche, der zum Losen geht, möt œwer de Hand gripen, denn loßt he sick fri WiWismar@BrüelBrüel; in die Taschen gesteckte Hände hemmen; wenn ein Hengst eine Stute decken soll, so mißlingt dies, sobald jemand dabei steht, der die Hände in den Hosentaschen hat Bartsch 2, 155; ebenso, wenn eine Kuh zum Bullen gebracht wird WiWismar@StrömkendorfStrömk. 2. in der magischen Krankheitsbehandlung spielt die Hand eine gewichtige Rolle: a. das Bestreichen, das mit der Hand der leidenden Person oder des Stillenden, vielfach unter Benutzung eines besonderen Gegenstandes, namentlich der Totenhand (
s. Dodenhand 2, 356), geschieht, findet bei zahlreichen Leiden statt Staak Krankh. 334; dem an Bauchweh leidenden Rindvieh legt man beim Sprechen der Stillformel 'die Hand auf den Schmerz' Bartsch 2, 371; auch beim Besprechen einer Wunde bedeckt man diese mit der Hand 378; Vieh, das nicht fressen wollte, bestrich man mit der abgeschlagenen Hand eines Pferdediebes Wi Wismar@PoelPoel; gegen Schlangen- oder Spitzmausbiß sucht man vor Sonnenaufgang einen Stein, den man aber nicht mit der bloßen, sondern nur mit der durch ein Tuch verhüllten Hand aufnehmen darf, und bestreicht damit die Wunde unter Hersagen eines Zauberspruchs Bartsch 2, 453; solch heilkräftige Hände sind angeboren: der jüngste von sieben Söhnen, die in unmittelbarer Folge geboren sind, kann allen Schaden durch Berührung mit der Hand heilen 41; auch Zigeunerinnen ist diese Gabe häufig eigen, so kehrt dem Mann, der sein vorheriges Leben vergessen hatte, das volle Bewußtsein zurück, as de Taterfru em ehre Hand dreimal inne Krüz up 'n Kopp leggt hett WaWaren@KargowKarg. b. Hexenwesen und Sagenzüge; eine Hexe sichert einem Zimmermann in RoRostock@WarnemündeWarn seinen von Feinden bedrohten Dienst, indem sie ihm rät, 'das er des morgens die hende waschen solte und sagen: Ich nehme wasser auf meine hende ..., das alle meine viende schlapen Und wesen doff und blindt' (1584) Bartsch 2, 25; der Hexenmeister hett ne swart Hand hatt, dor hett he mit zaubert Wa Waren@PenzlinPenzl; der Behexte muß zu seiner Heilung aus der hohlen Hand der Hexe trinken Pa Parchim@GanzlinGanzl; der Schmiedegeselle bannt den gespenstischen Schmied in WaWaren@PenzlinPenzl mit ne höltern swart Hand; mit einer eisernen Hand wird der gespenstische Hund in StaStargard@DannenwaldeDann gebannt. D. Recht und Rechtsbrauch 1. die abgehauene Hand: schwere Verbrechen, die mit Todesstrafe oder Abnehmen der Hand gesühnt wurden, gehörten vor die hohe Gerichtsbarkeit, das Gericht 'an hant unde an hals',
s. Hals I 1; ein alter Rechtsbrauch erforderte, daß an Stelle des Körpers eines Ermordeten ein vom Körper getrenntes Glied, gemeinhin die rechte Hand, vor das Gericht gebracht wurde: 'den doden de hant afleden; de hant aflaten, africhten';
s. (Ro 1376) UB. 19, 43; (1457) Beitr. Rost. 4, 1, 22. Bei uns ist diese Sitte bis zur Mitte des 16. Jahrh. nachweisbar. Nur wenn der Erschlagene eine Standesperson war oder wenn dessen Anverwandte darum eingekommen waren, sie mit der Abnehmung der Hand zu verschonen, wurde an deren Stelle eine wächserne Hand beim Gericht niedergelegt I. C. H. Dreyer Nebenstunden (1768) 88; 'dem Doden (is) de Hand nicht afgeleden, sünder ene Wassen Hand in de stede gelegt, nahdem he en Eddelman waß dorch bede und Borgen' (Wi 1512) D. Schrö
d. Pap. 1, 669; der des Totschlags Beschuldigte konnte sich durch Reinigungseid, wobei er seine rechte Hand auf die abgelöste Hand legte, von der Schuld lossagen. Auch Zeugen gegen den vermeintlichen Täter wurden bei der toten Hand vernommen,
s. 671;
vgl. Handgraft. 2. die schwörende Hand a. beim Entlastungseid: 'wil he sik der thicht untschuldeghen, he mach sik afnemen mit syme rechte mit eyns hant' (ohne Eideshelfer; 1371) UB. 18, 44; 'vorsaket he der misdaet, he mach sik dar af nemen ... mit synes enes hant' 45;
s. Einshand (2, 709); Urk. Maltz. 2,22. b. beim Lehns- und Huldigungseid, der durch Formel und Handschlag besiegelt wurde: 'und scolen en des eyne liflike huldinge důn mit hande und mit můnde' (1377) UB. 19, 187; (1359) 14, 420 u. öft.; bei Pfandeinlösungen werden die Vasallen 'mit hande unde mit munde' an den neuen Lehnsherrn gewiesen (GüGüstrow@BützowBütz 1399) 23, 657; ähnl. bei Verkauf und Auflassung von Grundstücken: 'vorkope unde vorlate myt hande unde myt munde' Urk. Oertz. 2, 131; das Gelöbnis mehrerer Familienmitglieder oder verbündeter Herren bezeichnet: 'dat love wy unde med uns ... unse vader unde ... unse broder ... en thruen med ener samenden hant' (SchwSchwerin@CrivitzCriv 1350) UB. 10, 361; Auflassung, Verpfändung, Übertragung von Grundstücken und ähnl. Rechtsgeschäfte geschehen 'to truwer hant': 'alle desse wort ... love wy ... thOe erer trůwen hand deme byscoppe thOe Zweryn unde den borghermesteren ... yn der stad thOe Rosteke stede ... unde vast tho holdende' (Gü 1353) UB. 13, 261;
s. D 3b; endlich: 'enen de hant afnemen' ihn von seinem Gelöbnis ent binden,
z. B. einen in Ehrenhaft gehaltenen Ritter: 'unde ok schal he Hennekens vrunden ere hant afnemen erer venghenisse' (Ro 1359) 14, 465. 3. weitere Fälle a. 'de samende hand' das Besitzrecht der gesamten Familie (aller Lehnsvettern): 'unse slote, stede, man und land scholen bliven in der samenden hant unser vedderen' (Gü 1353) UB. 13,320; die im 14. Jahrh. noch seltene Belehnung einer adligen Familie zur gesamten Hand erbringt: '1395 in den acht Tagen der Verkündigung Mariae haben Johannes und Ulrich der I., Gebrüder, Herzogen zu Meklenburg, Bernharten und Wilken, Gevättern denen Lübberßtorffen, die gesamte Hand an ihre Güter gegeben' 22, 510; 'ist auch ferner beliebet, daß die Kayserliche Reichsbelehnung nach wie vor zur gesamten Hand geschehe' Convention von 1748; Bürgschaften werden 'eo iure, quod vulgo dicitur mit samender hant', geleistet (Ro 1284) UB. 3, 132; gemeinsame Folgepflicht aller Dorfschaften bedeutet: 'damit solche Landstreicher nicht entlaufen, so sollen in denen Dörfern die Glocken gezogen werden, damit eine Dorfschaft der andern zu Hülfe kommen und also mit gesambter Hand ihnen nacheilen könne' Verord. von 1703. b. zu 'truwer hant' zu, in getreuer Verwahrung und Verwaltung: 'ok schal ik ... dessen vorscreven Bulowen dat leen desses ... gudes tů truwer hant holden' UB. 22,249; 'dit ghud ... vordeghedinghen dem godeshuse to ghude unde to truwer hant' (WaWaren@MalchowMalch 1377) 19,221. c. mit anderen Attributen: 'so magh de vorbenomede Henneke Rygheman ... brynghen dat gůd in werende hant' (in Besitz; 1386) UB. 21, 18; 'und also nichts lieber wünschten, als Selbigen die hülfreiche Hand reichen zu können' (WiWismar@SternbergSternb 1606) Spald. Land. 1, 286; 'Weiber, Knechte und Mägde, so auf ihre eigene Hand liegen und nicht dienen wollen, jährlich 1 bis 2 Rthl. (Contribution)' (1755) Bär. Gr.-Ges. 813; ferner die sog. tote Hand, der Sterbefall, ein der Herrschaft gebührender Teil des Nachlasses eines Unfreien: 'item auch hebben de Vagde ehemals ein tode hant to goddin uth dem gerichte genahmen' (SchwSchwerin@Mühlen EichsenMEichs um 1500) Jb. 1, 72. 4. übertr. Besitz, Verfügung: 'wi ... scolen dy ... slote tů siner und tů siner erven hant und behůve holden' (SchwSchwerin@GadebuschGad 1355) UB. 13, 673; 'wan desse ... slote ... to user hand komen, unde wi der weldich werden' (Wi Wismar@SternbergSternb 1343) 9, 459; 'Hermen van Zule ... het der dorpe vorteghen unde upghegheven uns vor unsen ridderen tu der hant des ... closters' (StaStargard@NeubrandenburgNBrand 1339) 182; 'de dar len ane hebben, de scholen dat van der hant laten, also en recht is' (1349) 10,315. E. zur Bezeichnung von Richtung und Lage: 'der Stadt Wißke ... belegen by deme Damme ... thor luchternhandt ... und tho der fordern Handt den Halß, die da schüt up dem Tegelhoff' (Ro 1472) Rost. Nachr. 1752, S. 29; in der Mda. unter Wegfall der Präp.: linken Hand steiht 'n Hus, rechten Hand stahn ok noch twei SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; rechterhand von dat Altor Luk. 1, 12; sei ... seihn dor 'n jungen Mann rechter Hand sitten Mark. 16, 5.
F. Hand als Maß: dat Kuurn hett in vier Wochen nich ne Hand wussen WaWaren@Groß FlotowGFlot; scherzend zu einem kleinen Menschen: büst 'n Kierl ne Hand hoch höger as 'n Swin MaMalchin@GnoienGnoi; ähnl.: hei is ne Hand breit höger as 'n Daglöhnerfarken RoRostock@SatowSat; palma 'eine Handt breit' Chytr. 111; im Fastnachtsreim: Hal s' ne ganze Hand vull, Denn ward dat ganze Land vull Wo.
V. 4, 779; ähnl. im Trost des abgewiesenen Freiers: dor is kein Hand vull, dor is 'n ganz Land vull SchöSchönberg@DemernDem; ick wir jo man ne Handvull klein und zierlich von Gestalt HaHagenow@WittenburgWitt. G.
Dim., Zss. und FN. 1.
Dim.: Hännes, Händers, Hännings Wo.
V. 3,288; ä. 'Hendeken': 'darna geidt men hen, dar de Wyn unde dat Beer am besten ys unde leth dat Hendeken baven den Kop ghan' (leert das Glas bis zur Neige, wobei der Kopf weit zurückgebogen wird) Gry. Paw. Ll 1
a. 2. Zss.: Achter-, Baben-, Deig-, Doden-,
Hinner-, Holtsetter-, Kinner-, Kuß-, Luchter-, Manns-, Mudder-, Nah-, Nuurden-, Oewer-, Schinner-, Ünner-, Vadders-, Vör-, Wedder-, Wehrhand; ferner: allent-, alltau-, so-, üm-, väler-, vörhand; wenn'handsch; af-, eigen-, frihännig. 3. FN.: Handbütt, -wiser; '7 Morgen vor dem Pöler Tor bey der Eisernen Hand' Wism. Zeitung 1831, Stück 85. II. übertr. A. als Bezeichnung für den ganzen Menschen: 'etlyke guder hande juncfrow unde borgher kinder' (guter Art, guter Familie) Slagg. 148; Blomenholt is hunnert Johr in Jürnsen Hänn' wääst in der Familie J. StaBlumenh; dat (die Klage) geiht ierst in de höger Hand in die höhere Instanz MaMalchin@GielowGiel; das seem. all Händs alle Mann ist aus dem Engl. übernommen, so hieß es beim Schlafengehen: all Händs to Koi? Ja Wi; Ahl Hands älöft (alle Mann hinauf in die Takelage, zu
engl. all hands aloft) Bri. 7,218; wenn Gefohr is, denn möten alle Mann, alle Hänn' anfaten bi 't Pumpen RoRostock@WarnemündeWarn. B. Art, a. Spr.: 'sunder genegher hande hinder' (1332) UB. 8, 296; 'sunder genegher hande wedersprake' (1340) 9,280; 'Unde liden nener hande pyn' (keinerlei) Red. Ost. 674. C. an Geräten, so an der Wagendeichsel der eiserne Bolzen, der die Wacht hält RoRostock@BartelshagenBart; Wa Waren@BlücherhofBlüch; Schö; beim Haken das Eisen, das über den Hakenbaum faßt MaMalchin@GülzowGülz; öft. für Handgriff,
s. Pumpen-,
Spillhand. — Mnd. hant
f. — Br. Wb. 2, 576; Dä. 171
b; Kü. 1,679; Me. 2, 599; Schu. 11.