Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
guot
1.1 präd.
1.1.1 mit Präp.-Erg.
1.1.2 mit Dat.-Erg.
1.1.3 mit Präp.- und Dat.-Erg.
1.1.4 mit Dat.d.P. und Part.Prät. (vgl. 2 5 Mhd. Gr. § S 30,5)
1.1.5 etw. vür ~ haben (vgl. ➙ 12 )
1.1.6 von Personen: ‘Hilfe, Unterstützung bietend (gegen jmdn.)’
1.2 attr. ‘(aufgrund einer bestimmten Eigenschaft) für seinen Gebrauchszweck geeignet’
2 ‘tauglich, geschickt, tüchtig’ im Hinblick auf eine Fertigkeit, Tätigkeit, Handlung
2.1 von Personen
2.2 bei Verbalabstrakta
3 ‘passend, angemessen, ratsam, tunlich, richtig’ , vom Verhalten, Benehmen
4 ‘günstig, glücklich’ im Hinblick auf den Ausgang, das Gelingen einer Sache;
5 Wirksamkeit, Geltung, Verlässlichkeit bezeichnend, vor allem rechtl.
5.1 von Urkunden, Rechten, Gewohnheiten usw., ‘beglaubigt, sicher, gültig’
5.1.1 attr.
5.1.2 präd., in den Wendungen etw. machen, ~ blîben , etw. vür ~ haben / nemen / entphâhen (vgl. unter ➙ 12 )
5.2 von Zahlungsmitteln, ‘vollwertig’
5.3 von Bürgen, ‘zuverlässig’
5.4 allg. guote liute ‘bewährte, unbescholtene, rechtsfähige Personen’
5.5 guoter liumunt ‘untadeliger Ruf’
6 ‘wertvoll, hochwertig, kostbar, edel’
6.1 von Kleidung, Schmuck usw.
6.2 von Speisen und Getränken
6.3 terminol. bei Zeitbestimmungen ‘hoch, heilig’
6.4 bezogen auf geistige und künstlerische Werte ‘wertvoll, gehaltvoll’
7 ‘von gehobenem sozialem Rang; vornehm, edel’
8 ‘angenehm, bequem, erfreulich, schön, vorteilhaft; zufriedenstellend’
8.1 ‘angenehm’ hinsichtlich Geschmack, Geruch, Klang, Anblick
8.2 in Bezug auf das Wohlbefinden insgesamt
8.2.1 körperliches
8.2.2 seelisches
8.3 bezogen auf einen Zeitabschnitt (Tag, Nacht, Tageszeit usw.), häufig in Grußformeln und guten Wünschen
8.4 allg. für alles, was gefällt
8.5 ‘zufriedenstellend, annehmbar, hinnehmbar’ in den Wendungen etw. vür ~ haben / nemen / entphâhen (vgl. unter ➙ 12 )
8.5.1 ‘jmdn./etw. den Ansprüchen genügend finden, mit jmdm./etw. zufrieden sein, vorlieb nehmen’
8.5.2 ‘etw. billigen, hinnehmen, durchgehen lassen, dulden’ , häufig neg.
9 ‘geneigt, wohlmeinend, freundlich’
9.1 von Personen
9.1.1 eher aktiv, ‘freundlich gesinnt, liebreich, gewogen, gütig’ (gegenüber jmdm./etw.)
9.1.2 eher passiv, ‘gutmütig, gutwillig’
9.1.3 ein Verhältnis der Freundlichkeit, Geneigtheit zwischen Personen bezeichnend;
9.1.4 guote liute ‘Aussätzige’ (verschiedene Erklärungsmöglichkeiten werden erörtert in DWB 4,1,6, Sp. 1292; anders unter 10.1 )
9.2 bezogen auf Gesinnung, Meinung, Wille
9.3 guoter wille ‘freiwillige Geneigtheit zu einem Handeln, Tatbereitschaft’
9.4 bezogen auf Wort, Gebärde, Tat als Ausdruck freundlicher Gesinnung
10 ethisch ‘gut’
10.1 von Personen ‘rechtschaffen, tugendhaft, ehrenhaft’
10.2 von Gesinnungen, Handlungen und Zuständen;
10.3 dem äußeren Anschein nach guot
11 als Maßbegriff
11.1 ze guoter mâze ‘genau passend, angemessen’ , hier litotisch für ‘überaus’
11.2 ‘reichlich, beträchtlich’ ;
12 vür ~ haben / nemen / entphâhen s. unter 1.1.5, 5.1.2, 8.5, 9.1.1, 9.4 ; vgl. auch → verguot Adv.
13 subst. Gebrauch
13.1 MF. ‘der, die Gute’
13.1.1 allgemeiner, ‘Rechtschaffener’
13.1.2 stärker religiös, ‘Frommer, Heiliger’
13.2 N. ‘das Gute’
13.2.1 ethisch
13.2.2 ‘Erfreuliches’
13.2.3 ‘Wertvolles’
14 Ansätze zu adv. Gebrauch
14.1 zus. mit → wol
14.2 in der Wendung ez guot tuon , hier ‘tapfer kämpfen’ (vgl. 2.1 )
1 ‘geeignet, tauglich, brauchbar, nützlich’ zu, für, gegen etw., für jmdn. (Dat.) 1.1 präd. 1.1.1 mit Präp.-Erg.: ze erzenîe guot / was dâ maneges steines sunder art Parz 792,2. 124,2; der leopard wirt [...] etswenne [...] sô zam, daz er zuo jagen guot wirt, alsô daz man ander wilt dermit væht BdN 145,19; done was der Hagenen wille niht ze kurzewîle guot NibB 1919,4; der site was ze trûren guot Parz 231,19. 2,18. 479,2. – brôt / daz guot was vür siechtuomes nôt, / swer sô sîn ein lützel az LvRegFr 2611; luͤbstikel vnd minzze [...] sint guͦte wuͤrtze / fuͤr die grozzen furtze BvgSp 54; daz ist gar guot wider die kalten huosten BdN 367,2; für trûren und für ungemüete ist niht sô guot, / als an ze sehen ein schœne frowe wol gemuot Walth 27,34. – von Pers., ‘geeignet für (ze) ein Amt, eine Aufgabe’ si bedûhte des, er wære guot / ze herren in ir lande Iw 3808; wer [...] wære / guot ze rihtære Greg 3160 1.1.2 mit Dat.-Erg.: eine wurz i’u geben wil, / dâ von ir slâfet: deist iu guot Parz 580,21; kundestu noch geswîgen, daz wære dir guot NibB 839,2; sô nemet [...] in iuwern muot / waz iu sî nütze unde guot Iw 1988; daz der stat [...] gvͦt wær vnde nvͤtze UrkCorp (WMU) 476,18; ich wil mich von dir scheiden, / daz ist uns beiden guot Walth 88,24 1.1.3 mit Präp.- und Dat.-Erg.: daz was in guot vür den tôt Iw 5395; [er] tæte swaz im guot wære / vür des siechtuomes swære LvRegFr 3609; Parz 818,2; unt hete si dar zuo rehten muot, / daz was gein werdekeit ir guot [verhalf ihr zu w. ] ebd. 403,28 1.1.4 mit Dat.d.P. und Part.Prät. (vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 30,5) von du ist [...] di heilige misse / uns sundigen also gut gehort [ist es gut für uns, die Hl. Messe anzuhören] , / wande di heiligen gotis wort / di machent uns gote gemeine Glaub 1127; merkent rehte mîne wort, / hêrre, sie sint iu guot gehôrt UvEtzAlex 1412; [die Erzählung] ist in sêre guot gelesen Tr 172 1.1.5 etw. vür ~ haben (vgl. ➙ 12): der mensche [...] sol merchin, daz elliv dinch von gotte sint vnde och da uon nutze vnde guͦt sint, vnde dannan von sol er ez alliz fúr guͦt han vnde ensol enhain dinch virsmahin PrGeorg (Sch) 21,123.121 1.1.6 von Personen: ‘Hilfe, Unterstützung bietend (gegen jmdn.)’ vil gerne ich dir wære guot mit mînem schilde, / torst’ ich dir in bieten NibB 2196,1; er bat si flîziclichen, / daz si im guot wæren / gegen den stîræren Ottok 2313 1.2 attr. ‘(aufgrund einer bestimmten Eigenschaft) für seinen Gebrauchszweck geeignet’ recken siben hundert twang er [...] mit dem guoten [scharfen] swerte, daz hiez Balmunc NibB 95,1; ein garzûn [...] der einen guoten bogen truoc Iw 3265; mít den gûoten [heilkräftigen] sálbon gehêilet uuérdent dîe [...] sîechon lîchamon Will 70,10; Parz 484,15; Iw 3689; dô nam ein alter jegere einen guoten spürhunt NibB 933,1; dise [faulen] oͤphel die wile si do ligent, so sint si als [...] schoͤn geschaffen als die guͦten [essbaren, noch nicht verdorbenen] e man si an ruͤre und si uf hebe Tauler 185,2 2 ‘tauglich, geschickt, tüchtig’ im Hinblick auf eine Fertigkeit, Tätigkeit, Handlung 2.1 von Personen: ich bin niht bote guot. / lât mich pflegen der kamere NibB 531,1; swaz der [Tiere] von legere stuont, / die erjagten die gesellen, sô noch guote jeger tuont ebd. 933,4; sam er entworfen wære an ein permint / von guotes meisters listen ebd. 286,3; wie guot er ie wart in der verberkunst BdN 245,27; gute vogeler MarcoPolo 4,21. – besonders von Kriegern, ‘tapfer, mannhaft’ sô seht ir helme houwen von guoter helde hant NibB 195,3; Sîvrit was geheizen der snelle degen guot ebd. 21,1; [sie] pflâgens mitten swerten / als guote rîter solten Iw 5345; nâch ir minne / ist waldes vil verswendet [Speere] : / ir minne hât gepfendet / an freuden manegen rîter guot Parz 769,13 2.2 bei Verbalabstrakta: im ist ab guoter helfe nôt Parz 578,2; guoten dienst Walth 96,23; ain iegleich gefügel, daz krum klâen hât, daz ist guotes fluges BdN 164,21 3 ‘passend, angemessen, ratsam, tunlich, richtig’, vom Verhalten, Benehmen: ich prîs in swâ er rehte tuot, / und verswîge sîn laster: daz ist guot Iw 2494; swaz man den biderben êre tuot, / daz ist billîch unde guot ErnstD 1832. – ~ dünken: dô daz den künec niht dûhte guot, / dô bekêrte sî ir muot Iw 5749; sô diuht in lîhte guot, / ob ein eit hie wurd zebrochen Ottok 4132; ovch geben wir deme obermanne die gewalt, ob ez in gvͦt dúnket, daz er langer zil setze UrkCorp (WMU) 1388,15; als vns beschaidenlich vnd gvt dunch ebd. 1312A,11; du salt unse gote anebete, / daz dunkit mich gut noch unseme sete KathSp 130. – höfisch ‘geziemend, anständig, fein’ ir sult mit guoten siten / durch iuwer swester liebe der bete in vriuntlîchen biten NibB 532,3; guot gebærde und kiuscher site, / den zwein wont vil stæte mite Parz 414,23; sîn leben daz ist höfsch unde guot Tr 501; dar zuo gebt mir vier kint, / mit guoter zuht, von hôher art Parz 8,5; swaz ie guoter tugende an vroun Helchen lac, / des vleiz sich nu vrou Kriemhilt dar nâch vil manigen tac NibB 1389,1 4 ‘günstig, glücklich’ im Hinblick auf den Ausgang, das Gelingen einer Sache; speziell von Wind, Wetter: Hetele und die sîne guoten luft gewan. / si begunden segelen nâch ir vîanden Kudr 846,2. 1132,4; guͦt si uch weder unde wint. / der heilge geist hab uwer plege / alle zit unde alle wege Elis 594; got was dem werden gebende / guͦt weter gar die stunde Rennew 26377. – allgemeiner: wir haben niht guoter reise zuo dirre hôhgezît getân NibB 1738,4; swer ir vîent ist, dem wil si mite / rûnen; daz guot ende nie genam Walth 53,12; daz anegenge ist selten guot, daz bœsez ende hât ebd. 83,39. – des wirt ~ rât ‘das wird schon, wird guten Ausgang nehmen’ des sol doch guot rât werden Parz 340,13; des wirt danne guot rât Iw 944. – ~ heil ‘Glück, glücklicher Erfolg’ sô hâstû guot heil, / gescheidestû mit êren dan Iw 596; vart iuwer strâze / mit guotem heile ebd. 833 5 Wirksamkeit, Geltung, Verlässlichkeit bezeichnend, vor allem rechtl. 5.1 von Urkunden, Rechten, Gewohnheiten usw., ‘beglaubigt, sicher, gültig’ 5.1.1 attr.: an unsern alten rehten, / diu uns mit guoten und mit slehten / hantvesten sint bestætigt Ottok 19849; UrkCorp (WMU) 1029,21; mid guͦden briven ebd. 2787,43; mit meines vater hantfest und mit anderm guͦten vrchuͤnd ebd. 2669,9; nach guoter gewonhæit ebd. 2706,20; mit guͦtem rehte ebd. 1320,40; dise guͦten gesetzide ebd. 80,9 5.1.2 präd., in den Wendungen etw. ~ machen, ~ blîben, etw. vür ~ haben / nemen / entphâhen (vgl. unter ➙ 12): mit gîseln und mit hantvesten / woldens in daz machen guot [verbürgen] Ottok 46317; vnd daz tiz ganz vnd gvͦt blibe, so ist dirre brief bisigilt UrkCorp (WMU) 346,8; di borigschaft sol man fvͤr gvͦt haben nach der fier manne rat ebd. 475AB,20,24; sie [...] namen vergut den eit Herb 16011; den eit er vur gut enphienc ebd. 16022 5.2 von Zahlungsmitteln, ‘vollwertig’ eine marc gvͦtis vnd lvtirs silbers UrkCorp (WMU) 87,18. 293,2; sechundert fpunde guͦter Haller ebd. 1008,18; fúnfhvndert pfvnde Trielscher phenninge, guͦder vnd geber ebd. 986,30; gulden, die also [ebenso] guͦt sint ebd. 1000,32; ên andere muͦnze [...], swi gewere ove gut du were, it si an gewichte, gemelde ove swere ebd. N548AB,5,7 5.3 von Bürgen, ‘zuverlässig’ vnd sweder halb der porgen einer stirbt, so sol man einen an des selben stat setzen, der als guͤt sî UrkCorp (WMU) 1024,17; jnde da vuͦre sulen [...] vͦnse zveilf burgin [...] ze Kolne leisten, alse guͦdir burgin reiht is ebd. 380,16 5.4 allg. guote liute ‘bewährte, unbescholtene, rechtsfähige Personen’ und her ime sîne kost gelde nâh gûter lûte kure SSp (W) 2,29; in Zeugenlisten: Ot der Sneider, Leutwein von Teusendorf vnd ander guͦt vnd getriwe leut UrkCorp (WMU) 3411,14; Blankart der Durwarder jnde ander guder lude genuch ebd. N160,10 5.5 guoter liumunt ‘untadeliger Ruf’ unte uón den túgeden quám gûot lûimunt Will 42,6; guͦt livmunt lat ev niht wesen leit VMos 83,21; swie gar guot unde hel / âne alles tadels mâs / des erwelten liunt was Ottok 23523 6 ‘wertvoll, hochwertig, kostbar, edel’ 6.1 von Kleidung, Schmuck usw.: die arâbîschen sîden, wîz alsô der snê / unt von Zazamanc der guoten [sc. sîden ] , grüen’ alsam der klê, / dar in si leiten steine; des wurden guotiu kleit NibB 362,3; guot man ist wol guoter sîden wert Walth 44,10; vil guotiu kleider hêtens an / von bunt und von samîte Wig 7300; RvEBarl 4289. – vier unt zweinzec bouge mit gesteine guot / die gap si im ze miete NibB 558,1; silber vnde golt, / gut gesteine, schone gewant Herb 1629; daz edele gesteine, / daz guot ist unde reine Volmar 3; NibB 850,2. – nemet von mir ze minne diz golt vil guot NibB 1559,2; daz gereite guot von golde Iw 3463; Herb 4708. 10759 6.2 von Speisen und Getränken: si fuorten rîche spîse, dar zuo vil guoten wîn, / den besten, den man kunde vinden umben Rîn NibB 380,1; sibin svͦme [...] gvͦtes wines UrkCorp (WMU) 201,24; dô hiez dar tragen diu wîse / trinkn unt guote spîse Parz 581,24; nim huͤnre magen vnd lebern, snit abe daz herte, daz guͦte snit duͤnne BvgSp 40 6.3 terminol. bei Zeitbestimmungen ‘hoch, heilig’ up eynen gueden Cristus daich / [...] hie misse sprach HagenChr (G) 128; vonme guten vrietage [Karfreitag] nach mittime tage biz an den phingistabint nach mittimetage UrkCorp (WMU) 1161A,45; anders in ➙ guotentac stM. 6.4 bezogen auf geistige und künstlerische Werte ‘wertvoll, gehaltvoll’ in disem exemplar stand geschriben vier guͦtú buͤchlú Seuse 3,2; biscoph Guntere vone Babenberch, / der hiez machen ein vil guot werch: / er hiez di sine phaphen / ein guot liet machen VEzzo 2; Reimâr, waz guoter kunst an dir verdirbet Walth 82,29 7 ‘von gehobenem sozialem Rang; vornehm, edel’ mir ist harte wol geschehen, / sît ich hie solde gesehen / alsô guote liute Greg 3279; swelich man dheme anderen sleit enen orslach oder enen duͦntslach, he weddet deme vogede ver scill [...], of he en gvͦt man es UrkCorp (WMU) 2,2; vort die gude luͦde [Angehörige des städt. Patriziats] , die uzzir irme ampte wordin gedan inde vmbidinget sint, die sulin wiedir in ir ampt kuͦmin, of it den bruderen sceffin inde den gudenluden in der gemeidin bevelt ebd. 62,1. – besonders neben Standesbezeichnungen: Gunther der künec guot NibB 325,3; des guoten marcgrâven wîp ebd. 2259,4; diu guote künegîn Iw 230 8 ‘angenehm, bequem, erfreulich, schön, vorteilhaft; zufriedenstellend’ 8.1 ‘angenehm’ hinsichtlich Geschmack, Geruch, Klang, Anblick: ob des wines in dem chloster niht enwære, der erber vnd guͦt ze trinchen wære UrkCorp (WMU) 2216,22; diu wîsheit in des herzen grunde / smecket rehte als in dem munde / dem guom ein guotiu spîse tuot, / wan sie troestet den muot / mit allen den dingen, / diu man kan ze guote bringen LvRegSyon 2798; der brunne der was küele, lûter unde guot NibB 979,1; wilt du einen guͦten fladen machen von kalbslebern, so nim [...] BvgSp 90; do sint ouch stere [Störe] gar groz unde vet und gut czu essin MarcoPolo 8,21. – dîe quékke [Frische] des gûotes stánkes [von kostbaren Salbölen] Will 70,9; vier boume gâben in / guoten smac unde schaten Flore 191; die engele [...] tróstent sie mit guteme lufte oder mit guͦteme gesmacke Lucid 126,11. – swenne ir die seiten mîn / verirret guoter dœne, der iuwer helmschîn / der muoz vil trüebe werden NibB 2270,2; ir stimme ist lûter unde guot Tr 4759; wil dû guote stimme gewinnen, sô nim [...] Barth 134,5. – des [Rubins] schîn was ze sehen guot / und gap dem herzen wünne Wig 7085; daz golt [...] was guot ougen weide ebd. 7281 8.2 in Bezug auf das Wohlbefinden insgesamt 8.2.1 körperliches: der wirt vil minneclîche [...] schuof in guot gemach NibB 1165,3; Iw 1783; guote herberge gap man den gesten sint NibB 1297,4; ouch enwirt diu wirtschaft nimmer guot / âne willigen muot Iw 2693; diu alte küniginne wîs / ein bette hiez bereiten [...] bî einem guotem fiure Parz 578,7; die wîle sult ir gân / in iuwer herberge und sult vil guote ruowe hân NibB 1450,4 8.2.2 seelisches: lâ guoten muot den bœsen muot von dir vertrîben; / minne got, sô maht dû vrô belîben Walth 37,28; sît bî guotem muote UvEtzAlex 2593; der künic in guotem wâne dô vrœlîchen saz NibB 659,1; TristMönch 1482; diu grœste fröude, die ich hân, / deist guot gedinge und lieber wân Freid 134,23; SM:UvS 17: 3,8; Boner 22,5; ouch hân ich guoten trôst dar an Tr 13314; mit guoten freuden er az Parz 581,26; Iw 6531 8.3 bezogen auf einen Zeitabschnitt (Tag, Nacht, Tageszeit usw.), häufig in Grußformeln und guten Wünschen: Êrec und vrouwe Ênîte / hâten guote zîte [...] unz in erschein der morgen Er 8615. – mac ein man danne hân / guoten tac und senfte zît Iw 1749; schœnen morgen, guoten tac / und süeze zît müezet ir hân Eracl 3498; nymmer ich me gewinne / vor leide keinen guͦten tag Rennew 35159. – er gedâhte, des lîhte niht geschach, / mit ir vil guote naht hân Er 6356; nû gap im Êrec / mit gruoze guoten morgen ebd. 3508; der wirt bôt im guote naht Parz 242,22; got gebe iu, frowe, guote naht. / ich wil ze herberge varn Walth 101,21; guͦte naht in allen sprach / der kuͤnc und diu kuͤnginne Rennew 32258; die herren riten sâ zehant / von dem kunic ze guoter naht Ottok 1621; siu hieß in guoten obent han TristMönch 2281 8.4 allg. für alles, was gefällt: sich treit der werlde sache / vil ofte zungemache / und aber von ungemache / wider ze guoter sache Tr 1868; durch gemach si fuoren von schiffen ûf den sant. / guoter dinge genuoge hei waz man der dâ vant! Kudr 1143,2; gotes hulde / ist mir ein übergulde / vor allen guoten dingen EnikWchr 3985. – ‘lieblich, schön’ guoter rede kunnt ir vil Heidin IV 959; guot geticht und süez gedœne SM: Had 8: 3,10; guot sang ebd. 8: 1,10; si nam den brief sâ in die hant, / dar an si wol geschriben vant / [...] / mit guoter schrift wîse unde wort UvLFrd 321,24. – ‘erfreulich’ ‘waz mære hâstû vernomen?’ / ‘guotiu mære.’ Iw 2207; ich sünge gerne hübschen sanc / und seite ouch guote [erheiternde, unterhaltsame] maere FvSonnenburg 73,2 8.5 ‘zufriedenstellend, annehmbar, hinnehmbar’ in den Wendungen etw. vür ~ haben / nemen / entphâhen (vgl. unter ➙ 12) 8.5.1 ‘jmdn./etw. den Ansprüchen genügend finden, mit jmdm./etw. zufrieden sein, vorlieb nehmen’ anderhalp die megede gar / in hôher wirde ruome / sî stuonden engellîch gevar / [...]: / sô edel wart ein keiser nie, / er müeste ir eine hân verguot Virg 306,13; [Adam zu Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies:] nû hab ein trûrigen muot, / sît dû niht freud hêtst für guot EnikWchr 1200; swer kinde pflegen sol, / der mac vil kume tuͦn also wol / das man es habe an im verguͦt RvEWh 2531; BuchdRügen 416; daz her nimmer so wole geto, / daz siez alle vuͦr got / nimen, die in deme hove sin Roth 2008; Portalaphê diu rîche [...] / liez ir kostberlîch gewant / und gienc [...] / in tegelîcher wæte: / die müeste hân genomen verguot / diu tiurste in ir lande Virg 195,7. – in Aufforderungen: er dailte mit im was er hett, / geleich was er aß. / ‘hett ich mer, ich date paß. / hab verguett was ich han! [...] ’ HvNstAp 1417; die wîle ich singen wil, sô vinde ich iemer wol / ein niuwen lop, der ir gezimt. / nû habe [sc. siu ] ir diz für guot: sô lobe ich danne mê Walth 64,26; RvEWchr 26179 8.5.2 ‘etw. billigen, hinnehmen, durchgehen lassen, dulden’, häufig neg.: ez was dem abte ungemach / unde het ez niht verguot Ottok 26624; nu suochet solher wîbe muot, / die solhe [entehrende] schimphe hân verguot Wildon 2,348; mit sîner herten kiulen / mahte er starke biulen / den knehten [...]. / doch muosten siz verguot haben / von dem tœrehten knaben, / wan der mit tôren schimpfen wil, / der muoz verdulden narrenspil HBirne 203; EnikWchr 7661; UvLFrb 1963.66; unreht hohvart nimt er [Gott] die lenge niht fúr guot: / Lucifer muoste von dem himel vallen Wartb Anh 14,2; EnikWchr 22844; Hawich 2382; Erz III 194,69. – von jmdm.: daz du [...] mich daz verholn hast, daz han ich niht vür guot von dir PKchr 141,48; KvWTroj 24430; ZürBrf 4,17. – subst.: daz ist mîn hêrre Zorn [...] / und mîn her Grimmeclîcher Mût / und ‘Nîmer Nemen nicht vergût, / swaz man sprichet oder tût’ Widerstr 1114. 737 9 ‘geneigt, wohlmeinend, freundlich’ 9.1 von Personen 9.1.1 eher aktiv, ‘freundlich gesinnt, liebreich, gewogen, gütig’ (gegenüber jmdm./etw.): bistu übel ode guot? Iw 483; si ist sô guot, / swenne ir güete / erkennet mîn gemüete, / daz si mir daz beste tuot Walth 14,18; hie hete her Îwein / sîn nôt überwunden / und guoten [gastfreundlichen] wirt vunden Iw 3654; das gein im [Jakob] were niht Laban / alse guͤtliche gemuͦt / und in niht alse wol fúr guͦt / hette als ê davor RvEWchr 6421. – mit Dat.d.P. : wie solde ich den geminnen, der mir übel tuot? / mir muoz der iemer lieber sîn, der mir ist guot Walth 26,11; unde gebôt / al dem hovegesinde, / daz si dem vremedem kinde / guot unde genædic wæren / und daz sim êre bæren Tr 3389; sît enruochet sî swiez mir gât: / daz ist ein starker wîbes muot. / ichn weiz wes sî mir niht ist guot HartmKlage 98. – mit Dat.d.S. oder Präp.-Obj.: zucht und êren ist si guot SM:Had 11: 5,8; got selbi lerti unsich chuschi undi dimuot, / gidult undi wesin widir ubili guot / undi vremidiz leit irbarmin SuTheol 256; Minne, [...] wis mînen fröiden guot KLD:Rub 15:3,6. – besonders von Gott ‘gnädig, gütig, hilfreich’ got ist sô guot / daz er nieman übel tuot LvRegSyon 1263; daz [Gott] er si giwaltic undi guot SuTheol 23; rîcher got der guote Iw 5972; der guot unde der gehiur EnikWchr 17306; si bat got den guoten sîner sêle pflegen NibB 1103,3; wan got guͦt ist, darumb sint wir [gibt es uns] Tauler 8,25. – vom Schicksal: wirt mîn gelücke alsô guot / sô mîn herze unt der muot Iw 5517 9.1.2 eher passiv, ‘gutmütig, gutwillig’ er tet als ein guot man / und liez ez aber hin gan, / iedoch begund er prüeven daz / und der vrouwen hüeten baz Frauenlist 577; swâ guot man hât ein übel wîp / und dâ bî unverwizzen gar, vervluochet sî der lîp! RvZw 105,1; swelch guot man hât ein biderbe wîp, / der slâfe unt habe gemach! ebd. 102,1. – ‘versöhnt’ Esau wart alse guͦt, / das er vil gar ze guͦte / becherte in sinim muͦte / swas er zornes îe gewan RvEWchr 6695 9.1.3 ein Verhältnis der Freundlichkeit, Geneigtheit zwischen Personen bezeichnend; guoter vriunt ‘geneigter, wohlgesinnter’, dann ‘hilfsbereiter, treuer v. ’ ensamet solten wesen / gerne guote friunde; sô möhten si genesen / vor ir starken vînden immer dester baz Kudr 237,2; vnt ist daz allez also verrihtet vnd verteidinget vor frvͦmen lævten vnd vor guͦten frivnden UrkCorp (WMU) 418,2; vnd svn von beiden sîtton vmbe alle die selben getêtj einer ander gvͦten vnd getrivwen frivnde wesen ebd. 3054,3. 1699,24. N146,23; saget, wer brâhte iuch her? / – guote vriunt. – nu saget doch, wer? / – mîn herze und mîn selbes muot Er 9034; wer hât mich mînes kindes und iuch des iuwern man / bî alsô guoten friunden sus mortlîche âne getân? NibB 1023,4. – guoter geselle: sô sagten sie dâ bi, / daz er ein gût geselle sî / gewesen mit den rittern, wunneclich, / frô, milde, trôstlich Kreuzf 2626; ez giengen zwên gesellen guot / (doch wârens ungelîch gemuot) / mit einander dur einen walt Boner 73,1; Teichn 376,30; erotisch: wol dir, geselle guote, daz ich ie bî dir gelac MF: KaiserHeinr 2:2,1. – in vertraulicher Anrede: suochent, guote liute, / in winkeln und under benken Iw 1286; als ichz iu ’nbiute, / komt wider, guoten liute Parz 208,30; ir guote schifliute, ir bringet mich ze lande, / des lône ich iu gerne Kudr 133,3 9.1.4 guote liute ‘Aussätzige’ (verschiedene Erklärungsmöglichkeiten werden erörtert in DWB 4,1,6, Sp. 1292; anders unter 10.1): die bruͦder phleger des hvses der guͦten lûte [des Gutleuthauses] [...] bi Friburg an dem velde UrkCorp (WMU) 1648,13; an der nvͥwen mvͦlen die da gelegen ist vf der wisen [...] bi den gvͦten lvͥten vor der stat ze Halle UrkCorp 2539,40; und setzet den siechen [...] nuͤn untze heller [...] und den guͦten luͤten ein phunt hellere ZGO 12,13 (a. 1318) 9.2 bezogen auf Gesinnung, Meinung, Wille: weder wider mich sîn muot / wære übel ode guot Iw 476; dem vil übeln wîbe / gap diu minne guoten muot Wig 5465; RvEWchr 31075. – ich enweiz, wie dîn wille stê / wider mich; der mîne ist guot / wider dich Walth 60,21; der helt von Burgonden in allen guoten willen truoc NibB 1736,4; mit guotem willen gruozter sî Iw 7953; ob wir den genedich sein, di sich mit trewen vnd mit dienst vnserm gebot machent vndertan, so wehset ovch der diener schar vnd wirt ir wille guet UrkCorp (WMU) 2918,33; vnd beschach daz alles mit sines brvders Eberhartes gvͦten willen ebd. 1152A,5. 2719,5. 668,26. – dat luͦtere inde eweliche vruͦntschaf inde guͦde guͦnst tuͦschen vͦns inde in sal wesin UrkCorp (WMU) 60,10 9.3 guoter wille ‘freiwillige Geneigtheit zu einem Handeln, Tatbereitschaft’ wir wellen sciere hinnen, des ich vil guoten willen hân NibB 76,4; under den arm sluoc er / mit guotem willen daz sper / und nam daz ors mitten sporn Iw 5026; als der einen starken stap / mit gvͦtem willen bræche enzwei TürlArabel *A 54,9; und vinde des in ime einen wol bereiten guͦten willen Tauler 139,6; si wolten sich bereiten: das schein ein harte guͦter wille ebd. 137,27; RvZw 19,6 9.4 bezogen auf Wort, Gebärde, Tat als Ausdruck freundlicher Gesinnung: lobe ich si, sô man ander vrouwen tuot, / daz engenimet si niemer tac von mir vür guot MF:Reinm 10: 1,6; er hôrte wol, daz man vür guot / dâ sîner worte niht enpfienc KvWTroj 18236; diu rede was im ande und dûhte in niht ze guot Kudr 992,2; ir mochtet mir bescheinen / doch mit guoter rede, daz / ir mir wêret nicht gehaz HvFreibTr 1027; lützel guoter sprüche redet’ er dar zuo NibB 1500,2; dô gap er mir vil guotiu wort Loheng 1404; [von einer Beschimpfung:] hebe, swa vúr du wilt wand vúr guͦt [ tene verbum a me dictum in omni genere nisi pro bono ] UrkCorp (WMU) 26AB,37,38. – der guote gruoz der vreut den gast, swen er în gât MF:Sperv 2:13,1; mit guotem urloube si kômen ûf den sê NibB 526,3; dô wart der rîterlîchen maget / von mir gnâde gesaget / ir guoten handelunge Iw 389. 6480; gûte gâbin EvBeh Mt 7,11; so suͦlen wir den buͦrgere van Kolne guͦd inde geneitlig [gnädig] gerichte duͦn UrkCorp (WMU) 3485,20. 83,40. – der rîche friunt sol hân [La. nemen ] für guot / den dienst, den ime der arme tuot Freid 98,5 10 ethisch ‘gut’ 10.1 von Personen ‘rechtschaffen, tugendhaft, ehrenhaft’ da mit [...] er im selben ein urchunde tuot, / daz erne ist reht noch guot VRechte 286; man wirt mit guoten liuten guot, / mit übeln übel, dâ man übel tuot Freid 107,10; soliche reht [...], da von die gvͦten vnd die vnschuldigen lvte in fridelicheme gemache bliben UrkCorp (WMU) 372,36; der guote man swaz der in guot / und niwan der werlt ze guote tuot, / swer daz iht anders wan in guot / vernemen wil, der missetuot Tr 5; Iw 4898; reht und einvaltis muͦtis / was er der reine guͦte [Jakob] , / in herzen und in muͦte / hater sih valschis gar bewegin RvEWchr 5490; des hiet ich gern mir erkorn / einen schenken der wære / guot und êrbære EnikWchr 5420. 19898. – im Sinne höfischer Standesethik: Gâwein, / an dem niht tes enschein / ezn wære hövesch unde guot, / der erzeicte getriuwen muot / hern Îwein sînem gesellen Iw 2699; jâ hoere ich vil der tugende sagen von eime ritter guot MF: Eist 12:2,1; vor gote ich guoten wîben bite, / daz in rehtiu mâze volge mite Parz 3,3. 128,2; swer guotes wîbes minne hât, / der schamt sich aller missetât Walth 93,17. – übertr. von herze, muot: ir wîplîch herze was sô guot, / ein arke für unkiusche fluot Parz 477,11; reinez herze und reiner muot / diu sint in allen wæten guot Freid 112,22; sô was doch innerthalp der muot / sô reine gartet und sô guot, / daz edeler muot und reiner art / under helme nie bedecket wart Tr 6718. – betont religiös: dîe guoton sêla. dîe der ín sélbon conscię sint íro brôde Will 52,40; di undir iv werden guͦt die sin mine sun in got, / die ubelen ich zersprenge, elliv genade si in enge GenM 107,34; der guͦte lidet sich darinne durch got, und der ist luterlichen sin grunt [...]; aber der boͤse enmeinet got nút und vellet in die súnde sunder bekorungen Tauler 116,15; gute Engel (im Ggs. zu den gefallenen): do di gutin engili al / an sahin den sinin [Lucifers] val SuTheol 59. – als Epitheton heiliger, frommer Personen: der guote biscoph Guntere vone Babenberch VEzzo 1; Wärbel der vil snelle den guoten bischof vant NibB 1427,2; Moyses der vrone bote guot VEzzo 326; do sprach Jacob der guͦte RvEWchr 5519; den guͦten sanctum Brendanum Lucid 39,5; ir habet ainen hêren lîchnâmen, / den guoten sante Stephânen Kchr 13754; hey waz guoter pfaffen ze sîner bîfilde was! NibB 1065,4; den seligen vnd den gvͤten swestern prediger ordens ze Tvln UrkCorp (WMU) 2740,29; man liset in der heiligen schrift, daz die guoten liute in der alten ê gesworn hânt unde die heiligen in der niuwen ê PrBerth 1:266,13; swâ sô man diu klôster und guote liute vant NibB 1061,2 (nicht wie 9.1.4, vgl. Heinzle z.St.). 10.2 von Gesinnungen, Handlungen und Zuständen; – guoter sin, wille usw.: an swen got hât geleit / triuwe und andern guoten sin, / volle tugent Iw 2427; diu cristenheit gelepte nie sô gar nâch wâne. / die sî dâ lêren solten, die sint guoter sinne âne Walth 33,32; der bose wille machet den menschen bose vnd uͦbel. vnd der guͦte wille machet den menschen guͦt PrLpz (L) 53,26; ein guͦte begerunge eins nuwen wesens und eins guͦten dinges Tauler 12,25. – formelhaft guotiu triuwe: ir triuwe diu ist guot, / der mîner vrouwen mâge sô schône kunnen pflegen NibB 1815,2; si habent uns iu recken ûf guote triuwe her gesant ebd. 1440,4; Parz 428,22; daz guot behielt diu vrouwe wol / mit guoten triuwen, als man sol / behalten daz bevolhen ist Boner 72,21; dat wir, die stat van Kolne [...] in guͦden truwen sunder arge list dar ane suͦlen halden UrkCorp (WMU) 380,18; wir súlen inen mit guͦten trúwen oͮch behaben, was da vor verschriben ist ebd. 5C,34. 1310B,5; hêre, ist iuwer triuwe iht boese, / sôn durft ir sie niht loese; / seht, ist sie aber guot, / nemt ez rehte in iuwern muot Rittertreue 721. – guotiu werc: sámo zîerent díh gûotív uuérch in mînero ána sûne Will 66,14; so der tiuvel niht erwenden kan / guotiu werc an guotem man Freid 68,17; wan swer guoten willen hât, / ist daz er guotiu werch begât, / der ist ûf der rehten strâze LvRegSyon 1898; und tete als vil guͦter werke als alle die welt mit einander tuͦt Tauler 188,9. – guotez leben, guotiu site: swâ mensche in guotem leben ist, / dar kêrt der tiuvel sînen list, / wie er in unstæte gemachen müge Freid 68,22; hüetent iuwere ougen / offenbâr und tougen, / lânt si guote site spehen / und die bœsen übersehen Walth 87,19; swer sich flîzet guoter site, / dem volget dicke sælde mite Freid 108,23. – guotiu lêre, guotez bilde (Beispiel, Vorbild): daz ist ál daz gerúste [die Waffen] gûoter lêro unte gûoter uuércho Will 58,25; stûret míh mít íuvueren gûoten bíliden ebd. 31,6; daz geborn wart Christ, / daz er die touffe enphiench / unde uns manich guot bilede vor begiench, / manege diemuotin Hochz 896; swer iu guote lêre gebe / und selbe iht gæbeclîche lebe, / dâ nemet ir guot bilde bî / und enruochet, wie dem andern sî Freid 71,3; die uns guot bilde solten geben, / die velschent gnuoge ir selber leben ebd. 69,21. – alliu guotiu dinc: got, vater ewich, ist daz angengi / allir guoten dingin SuTheol 2; wande er rehte ein anevanch / aller guͦten dinge ist Kröllwitz 437 10.3 dem äußeren Anschein nach guot: sîniu wort diu sint guot: / von den scheidet sich der muot Iw 3125; aber haut er guͦten schin / und ist guͦtz willen blozz Teichn 492,92. – ~ schînende: also ward er jemerlich zertragen in verrú land [weithin verleumdet] von derley guͦtschinenden menschen Seuse 125,18. 156,17; den genuͤget mit iren guͦtschinenden werken Tauler 288,2 u.ö.; 36,1. 288,18. 374,11; Eckh (Pf) 340,30; MerswZM 49,2 11 als Maßbegriff 11.1 ze guoter mâze ‘genau passend, angemessen’, hier litotisch für ‘überaus’ unz daz in zeinen stunden / slâfende vunden / drî vrouwen dâ er lac, / wol umb einen mitten tac, / nâ ze guoter mâze / bî der lantstrâze / diu in ze rîten geschach Iw 3365; der künic was sînen gesten ze guoter mâze holt Kudr 325,2 11.2 ‘reichlich, beträchtlich’; bei Mengenbezeichnungen: unt swaz der wîten rîche ist uns undertân, / der sult ir teil vil guoten mit samt Kriemhilde hân NibB 693,4; von den chæsen sol man einem iechlichem herren gebn ein guot fierteil in daz chrowt UrkCorp (WMU) 3204,7; [...] Rvͤdmar der Havengazzer vnd ander ain guͤtail, die der bei gewesen sint ebd. N662,18; einen guͦten halben braten BvgSp 94. – bei Längenmaßen, Streckenbezeichnungen: einer guoten mîle / an der lenge het diu schar Ottok 96001; Lûnete, / diu im geselleschaft tete / einen guoten wec hin Iw 5553; Achiron lieff hinder sich / ainen guten weg hin dan HvNstAp 5043. – bei Bezeichnungen der Dauer: dâ stuont er guote wîle Tr 18650; wiez [...] nu guote wîle si gewant ebd. 8483; do er ein guͦt wili sin herz also mit got erkuͦlte Seuse 85,23; in guͦtim altir man in sah / von dirre welte scheiden hin RvEWchr 18961; guot zît Heidin IV 1390 12 vür ~ haben / nemen / entphâhen s. unter 1.1.5, 5.1.2, 8.5, 9.1.1, 9.4; vgl. auch → verguot Adv. 13 subst. Gebrauch 13.1 MF. ‘der, die Gute’ 13.1.1 allgemeiner, ‘Rechtschaffener’ swem mîns dienstes nôt geschiht / und swer guoter des gert, / dern wirt es niemer entwert Iw 6003; sîn keiserlîchez houbet zimt ir alsô wol, / daz sî ze rehte nieman guoter scheiden sol Walth 18,33; das ir dekeinir das niht lat / guͦter noh unguͦter, / si slahin vater und muͦter RvEWchr 1550; Sant Francisk het die ger / ze gote alle zît, daz er / bat die tumben und die wîsen, / guot und unguot, sich bewîsen, / wie er möhte baz geleben LvRegFr 3260 13.1.2 stärker religiös, ‘Frommer, Heiliger’ die vriunde an dem rate / daz sint die tougen guote, / wan si uns helfent bringen / zuo den christenlichen dingen Hochz 376; die guoten enphahent vröuden leben, / die übelen varent der helle grunt JTag 370; alsust beteilet got dy beyde [Gute und Böse] , / ydoch mit underscheide. / wan dem guten gybt und tut / daz man nennet geistlich gut / und riche geistliche gab Hiob 10579 13.2 N. ‘das Gute’ 13.2.1 ethisch: von dem holze des lebenes, des guͦten und des ubeles, / uon dem holze der gewizzene uindet hie geschriebene GenM 9,23 (Rubrik); ir ist sô vil, die des nu pflegent, / daz si daz guote zübele wegent, / daz übel wider ze guote wegent Tr 30; alsô kleine schat ez iht, / dô der man daz guote sagt; / ez schat im mêr, ob erz verdagt UvEtzAlex 22461 13.2.2 ‘Erfreuliches’ du bewîsest mich des guoten / bî [dem Sach-Symbol] der krummen ruoten: [...] daz noch von dem getwange mîn / ir knie müezen biegen / alle künge und sich smiegen UvEtzAlex 1917 13.2.3 ‘Wertvolles’ und der mage der kochet die spise und teilet das grobe, das boͤse von dem guͦten Tauler 294,7 14 Ansätze zu adv. Gebrauch 14.1 zus. mit → wol: was das îe ze keinir vrist / reht, guͦt unde wol getan, / so muͤzes iuh ze guͦte irgan RvEWchr 19105; geschieht daz: wol vnd gvͦt. mag aber sin [...] niht geschehen [...] UrkCorp (WMU) 1058,41 14.2 in der Wendung ez guot tuon, hier ‘tapfer kämpfen’ (vgl. 2.1 ): Sîvrit der recke, der het ez guot getân, / des im jehen muosen alle Guntheres man NibB 221,3. 2135,1; der was von rîterschefte wunt, / und hetz ouch dâ vil guot getân Parz 46,19; si [Frauen] vuorten mannes kleider an / und hêtenz ofte guot getân / an manger rîterschefte / mit wîplîcher krefte Wig 9139. 11016; RvEAlex 7091
MWB 2 1028,1; Bearbeiter: Plate