Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
güete stF.
1.1 in Bezug auf einen Gebrauchszweck (vgl. → guot Adj. 1.2 )
1.2 in Bezug auf sinnliches und psychisches Wohltun (vgl. → guot Adj. 8 )
2 ethisches Gut-Sein, ‘sittliche Vollkommenheit, Gerechtigkeit gegen Gott, Rechtschaffenheit, Tugendhaftigkeit’ (vgl. guot Adj. 10 )
3 ‘Freundlichkeit, Wohlwollen, Huld, Milde, Nachsicht’ (vgl. guot Adj. 9 )
3.1 als Charaktereigenschaft ‘freundliche, liebreiche Gesinnung, Gutmütigkeit’
3.2 besonders von der Güte Gottes als des Spenders alles Guten; oft werden und gnâde zus. gebraucht
3.3 Ausdruck des Wohlwollens, vor allem durch freundliche Rede
3.4 freundliche Handlungsweise, besonders ‘Wohltat, Gnadenerweisung, Liebesbeweis, Aufmerksamkeit’
1 ‘Vortrefflichkeit, Hochwertigkeit, Nützlichkeit’ von etw. 1.1 in Bezug auf einen Gebrauchszweck (vgl. → guot Adj. 1.2): daz swert im ûz der scheide schôz: / des güete [Schärfe] was alsô grôz / daz ez im durch den halsperc brach Iw 3946; dô was daz hûs [die Burg] in der güete [so befestigt] , / daz ez ze sturme niht entohte [nicht erstürmt werden konnte] Ottok 29397 [mit demselben Bezug und intensiv. Pl. (2 5Mhd. Gr. § S 98,2): niht in solhen güeten 29666]; die grifen wonent ouch da, / die der gimmen [Edelstein] huten, / nicht daz sie sich guten / an der gute des steines [keinen Gebrauch machen von seinen heilsamen Eigenschaften] HeslApk 21649; von unsaglicher guͤti [Heilsamkeit, Nützlichkeit] der betrahtunge des goͤtlichen lidens Seuse 254,5; abgeschwächt ‘(gute) Qualität’ so sulent si verkouffen broͮt in deme coͮffe vn̄ in der guͤtte nach der gewônheit zvͦ Houelden UrkCorp (WMU) 1653,13 1.2 in Bezug auf sinnliches und psychisches Wohltun (vgl. → guot Adj. 8): von des weines guete [wegen seines vorzüglichen Geschmacks] tranch er so vil / das in der sin vil gar verlie HvBurg 372; zehenzich unde drizzich so maneger iare alte bin ich, / dei han ich mit swæren muͦte gelebet in deheiner guͦte [ohne jemals eine gute Zeit, ein gutes Leben zu gehabt zu haben] GenM 103,12 2 ethisches Gut-Sein, ‘sittliche Vollkommenheit, Gerechtigkeit gegen Gott, Rechtschaffenheit, Tugendhaftigkeit’ (vgl. guot Adj. 10): habet stetigen muͦt, / habet zucht mit guͦte, / wesit demuͦte, / wesit got unter tan Rol 215; sô suln sîn [Gral] rîter hüeten / mit kiuscheclîchen güeten Parz 493,24. 823,13; nu kêret iwer gemüete, / daz er [Gott] iu danke güete ebd. 467,10; mit valschelôser güete lebt / ein man, der mir wol iemer mac / gebieten Walth 72,9; swie vil ein man guots begât, / die wîle er tœtlich sünde hât, / die güete gar verdirbet, / ob er ân riuwe stirbet Freid 37,24. – besonders als Eigenschaft des höfischen Ritters: swer an rehte güete / wendet sîn gemüete, / dem volget sælde und êre. / des gît gewisse lêre / künec Artûs der guote, / der mit rîters muote / nâch lobe kunde strîten Iw 1; er pflac manlîcher güete Parz 252,23; der tugenthafte Riwalîn / der was [...] mit lîbe und mit guote, / mit geselleclîchem muote / zir aller dienste gereit. / alsô lebeter in der werdekeit / und in der rehten güete, / die er in sîn gemüete / mit tegelîchen tugenden nam Tr 521; er was ein wîse junger man / und het mit güete vil getân / bî sîner zît, daz êre birt UvLFrd 311,26. – und der höfischen Dame (im Preis der Minnedame öfters zugleich ‘Huld, Gunst’ i.S. von 3): ir stæte güete, / ir wîplîche triuwe Iw 1602; ir schoene und ir güete beide / die lâze sî, sô kêre ich mich [von ihr ab] MF:BgfvRiet 6:3; daz ich von ir gescheiden niht kan, / daz hât ir schœne und ir güete gemachet / und ir rôter munt, der sô lieplichen lachet Walth 110,18; si ist sô guot, / swenne ir güete / erkennet mîn gemüete, / daz si mir daz beste tuot ebd. 14,19; owê dazs ir güete niht genâde lêret KLD:Rub 6:2,8; nu gewert mich, vrouwe, des ich ger, / durch wîplîche güete Wig 272; personif.: dâ saz frou Güete gallen frî KvWKlage 10,1 3 ‘Freundlichkeit, Wohlwollen, Huld, Milde, Nachsicht’ (vgl. guot Adj. 9) 3.1 als Charaktereigenschaft ‘freundliche, liebreiche Gesinnung, Gutmütigkeit’ kiuscheit mit der diemüete, / gedult senfte unde güete / und ander unser gespiln / [...] ieslîchiu nâch ir site / bescheidenlich uns volge mite LvRegSyon 3855; gude, daz ist suzikeit des gemudis Parad 71,29; ouch wonte in ir gemüete / [...] diu güete / daz sî in schier ernerten / unde sînen geverten Iw 5618; des lob ich den heilant, / daz ich doch under liuten bin! / wan eteswer ist under in, / der sîne güete an mir begât / und tuot mir eteslîchen rât Tr 7629; alle gûte ich an im vant, / nâch der wâren liebe gebote Kreuzf 1066; noch mere genaden tuen wir von willichlicher guͦete vnsern purgern UrkCorp (WMU) 2918,22. 2345,16. 3225,5. – durch dîne / iuwer ~ als Appell an wohlwollende Gesinnung: er bat in durch sin guͦte daz er im genadote GenM 63,19; Litan 619; frowe, dur iuwer güete / rucket ûf die hüete Walth 75,6; ei frouwe, durch iuwer güete! / waz hilfet iu mîn sterben? / nemt iu ein guot gemüete, / und lât mich senden iuwer gunst erwerben MinneR 30 632,1; künic hôchgeborn, / dir sol an mir niht wesen zorn; / künic, durch dîn güete / ich sag dir mîn gemüete EnikWchr 9893 3.2 besonders von der Güte Gottes als des Spenders alles Guten; oft werden ~ und gnâde zus. gebraucht: [Gott] niemen ane trost enlat, / swer mit deumuͦte / suchet sine guͦte Rol 3488; so ergib ich iuch in gotes segen: / der kan iuwer baz gepflegen / und ruoche iu durch sîne güete / iuwer swærez ungemüete / vil schiere verkêren / ze vreuden Iw 5537; got der rîche, / sô rîche dû genâden bist, / sô vil güete als an dir ist, / vil süezer got, sô bite ich dich, / daz dû genâde wider mich / und dîne güete noch begâst Tr 2492; er git sin gnad gar vergeben von siner miltekait, von siner ganzen guͦti, daz er des lonet daz er selb tuͦt PrGeorg 66,8; do aber dein veterleiche guet / ir verwandelt das gemuet / und dein gnad ir hercz entleuchte HvBurg 5933; es meinet aber, daz er sine wunder hie an dir wil erzoͤigen und den úberflusz siner guͤte Seuse 467,19 3.3 Ausdruck des Wohlwollens, vor allem durch freundliche Rede: swaz ich sprach, daz hôrte sî / und antwurt es mit güete Iw 343; verstêt mîn red in gûte, / sînt ichz in güete meine MinneR 30 638,2; vnd sol der abte [...] mit vns in lieb vnd in gueten sein UrkCorp (WMU) 2269,5; daz der rihtær mit rat vnd mit hilfe des rats in der stat den, der weder minne noh reht wil, mit gvͤten dar an bringe oder mit twanchsal dwinge, daz er daz reht nem ebd. 3452,6; jst abir, daz ein man den andern lemt, so gehort ein lem gegen der andern, er choͤme sein denne abe mit bete oder mit guete ebd. 1914,3; durch reht noch durch güete / enhete sîz nimmer getân. / sî muose gewalt od vorhte hân Iw 7706 3.4 freundliche Handlungsweise, besonders ‘Wohltat, Gnadenerweisung, Liebesbeweis, Aufmerksamkeit’ elliv guͦte chumit uon im Spec 79,31; der alsô manege güete / mit veterlîcher stæte / an ime erzeiget hæte Tr 5640; ir leben was vil gemeine dô, / si wâren mit ein ander vrô / und hôhten ir gemüete / mit vil gemeiner güete ebd. 1366
MWB 2 998,43; Bearbeiter: Plate