schnitzeln,
verb. in kleine stückchen oder späne zerschneiden, fein und anhaltend schnitzen, oder durch solches schnitzen herstellen. iterativ- bez. deminutivbildung zu schnitzen,
vgl. daselbst. mhd. in den zusammensetzungen ver-
und zersnitzeln,
s. Lexer
handwb. 2, 1039.
das i
in schnitzeln
wechselt bei Dasypodius
mit ü: schnützlen
sculpere; das geschnitzlet oder gegraben ist,
sculptilis (
dazu schnitzen, abschnützel),
vgl. noch Weigand 2, 621. 11)
fein schneiden: schnitzeln,
secare Wachter 1454, schnitzeln,
vulg. deminut. frustulatim abscindere, dasz die meisten späne vergeblich abfallen, nichts rechtes schnitzen. Frisch 2, 216
b;
dazu beschnitzeln,
s. theil 1, 1589: die bäume beschnitzeln,
arborum putationem instituere Steinbach 2, 481; ein holz ist besser zu schnitzeln dann das ander. Paracelsus
opus chir. (1565) 19; zugleich schnitzelte er tabak in seinen ledernen beutel. Meyer
Mareili (
Basel 1892) 42. 22)
gewöhnlich etwas durch anhaltendes schnitzen
herstellen, zurechtschnitzen, bilder schnitzeln
u. a.: ich schnitzele,
sculpturio, frustulatim abscindo Steinbach 2, 481;
auch vom hauen in stein u. ähnl., vgl. schnitzen: ein bildschnitzer (bildhawer) schnitzelt und gräbet ein bild aus, und setzet es auf den untersatz (stutz, seulen, fusz). Comenius
sprachenth. 771; ein einfaltiger baur kame in ein kirchen, und alsz er das bild Christi darinn geschnitzlet fande .. bettet er ein vatter unser. Wickram
rollwagenb. 48, 7
Kurz; habt jr nie die nusz umbher tragen gesehen, die schlecht geschinen, aber thewr verkaufft worden, dieweil ein zihender passion darein geschnitzelt gewesen.
Garg. 21
b; sie haben .. für eyn gulden kalb viel bilder geschnitzelet.
bienenk. 15
a; wir solten aber ja durchaus nicht aus dem hause gehen, sondern fein fleiszig korb-höltzer schnitzeln.
Felsenb. 2, 470; zu gutem glück hatte er eine geschickte hand zu allen mechanischen künsten: er drechselte, schnitzelte allerliebst ... er schnitzelte also meerschaumene tabaksköpfe, drehte tabaksstopfer aus helfenbein. Chr.
F. Weisze
d. kinderfreund 12, 121;
im bilde: o versündige dich nicht an mir, und mache dir kein geschnitzeltes bild dasselbige anzubeten. Bettina
briefe 2, 113. 33)
vielfach in übertragenem sinne. 3@aa) einen heiligen aus einem schnitzeln,
ihn dazu heranbilden u. ähnl.: ein frommer ordensbruder .. fand an dem unwissenden Benedix einen so rohen, wüsten klotz, dasz es ihm unmöglich schien, in so kurzer zeit, als ihm zu dem bekehrungsgeschäfte übrig blieb, einen heiligen daraus zu schnitzeln. Musäus
volksm. 1, 24
Hempel; wenn gott aus der eine heil'ge schnitzeln wollte, die ginge wohl ganz in die späne! Arnim 2, 209; ich musz es bekennen, gott hobelt mich sehr; er schneid't mich, er haut mich, doch fällt mir's nicht schwer. willst wissen, warum? ich halte dafür, gott wollt ja gern schnitzeln ein' engel aus mir.
wunderh. 1, 452
Boxberger. 3@bb)
hervorbringen, schaffen, von gott, der natur: dann die form ist geschnitzelt im mutterleib durch gott selbst. Paracelsus (1589) 1, 97; dasz der mensch nit darff sorgen, umb die form .. sondern er seet .. unnd alle ding, so den menschen belüstigen, so jhm ernehren sein leib .. versorget gott, und laszt dem menschen die herrschafft, dasz er .. die natur sorgen lasz umb das, dz es das werd, dz der mensch begert. auff solchs begeren schickts jhm die natur, machts jm, schnitzlets jm, ziert es mit farben. (1616) 2, 252 C;
ähnlich: denn er hette kein werckzeug mehr, damit man pflegt die kinder zu schnitzlen, es were jhm alles auszgeschnitten. Frey
gartenges. 85
a. 3@cc)
auf geistiges gewendet: die lateinische litteratur erstickte den geist und schnitzelte den geschmack an spekulationen und unsinn. Herder 1, 365
Suphan. an etwas schnitzeln: auch an dem zarten ausdrucke der sanften empfindungen wird so sehr geschnitzelt, dasz der bogen endlich brechen musz. Chr. H. Schmid im
teutschen Merkur 1773 2, 163.