Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
bein stN.
1.1 phras.
1.1.1 trucken als ein ‘knochentrocken, sehr trocken’
1.1.2 in der Paarformel unde vleisch zur Bezeichnung des Körpers
1.1.3 ze beine gân/ dringen ‘(jmdm.) zu Herzen gehen, (jmdn.) tief berühren’
2 ‘Bein’ , Körperteil von Mensch und Tier
2.1 phras.
2.1.1 beine biegen ‘niederknien’ (vgl. knie biegen )
2.1.2 zuo dem beine/ ze beine binden ‘etw. auf sich nehmen, sich etw. aufbürden’
2.1.3 zur Wendung kindes bein kint
1 ‘Knochen, Gebein’ got [...] worhte den mennischen einen / uzzen von aht teilen: / [...] / von dem steine gab er ime daz pein VEzzo 43; so was im durch sine hut, / beide durch fleisch vnde durch bein, / der phil getriben Herb 7087; das vleisch, das sich von dem beine losset Macer 4,9; Barth 152,19; des menschen hirnschal ist auz hertem pain gemacht BdN 4,14. 13,16. 22,10. – ‘Elfenbein’ nv wil ich îu sagen welich des helphantis pein und sin hût ist JPhys 8,32; wenne man die helfande jagt, sô vallent si auf herte erd oder auf stain und zerprechent iriu pain dar umb, daz man si iht tœt durch des pains willen, wan helfenpain ist gar edel BdN 134,27. 135,24. – ‘Fischgräte’ im wart gesetzet vür ein visch, / [...] / in die kelen im dar abe / kam [...] ein starkez bein KvWSilv 399; ersticken unde erworgen / begunde er an dem beine ebd. 409 1.1 phras. 1.1.1 trucken als ein ~ ‘knochentrocken, sehr trocken’ wan das lant allumbe schein / dúrre und trucken als ein bein RvEWchr 18397 1.1.2 in der Paarformel ~ unde vleisch zur Bezeichnung des Körpers: ja nehat der geist weder bein noch fleisk AvaLJ 182,4; durch unse brode nam her an sich bein vnde uleisch. / daz was der werliche got TrSilv 832; das goͤtlich nature nu an ir hat bein und vleisch, lip und sele Mechth 4: 14,38. 4:14,6; KvWGS 1710 1.1.3 ze beine gân/ dringen ‘(jmdm.) zu Herzen gehen, (jmdn.) tief berühren’ swie ichz niht enweine, / sô gât mîn leit ze beine; / ez mohte erbarmen steine KLD:Namenlos h 35,30; mir gêt mîn leit ze beine / und ze herzen StrDan 7624; Tr 6482; mîn trûren und mîn sende nôt / [...] dringent mir ze beine / und zuo der sêle grunde KvWTroj 21356 2 ‘Bein’, Körperteil von Mensch und Tier: niderhalb des chnieraden an deme beine stânt die waden Gen 175. 105; er was an einem beine lam RvEBarl 10060; Wig 6348; Eracl 3026; SalArz 65,35; was vihes in den citen gat ins korn, das vier bein hat UrkCorp (WMU) N816,41. – ‘Stängel’ bei Pflanzen: aber daz kraut ist grœzer und hât langeu pain [ crura longa ] und hât der vil auz ainer wurzel gênd BdN 386,1 2.1 phras. 2.1.1 beine biegen ‘niederknien’ (vgl. knie biegen): ê ez [das Recht] diu sîniu müeden bein gebiege RvZw 132,8; dâ dienten juncvrouwen vil: / die langen und die kurzen / ze dienste bugen sî ir bein Virg 216,11. – refl.: ze dienste bouc sich manec bein ebd. 771,11 2.1.2 zuo dem beine/ ze beine binden ‘etw. auf sich nehmen, sich etw. aufbürden’ vil dicke ich sældelôser man / in mînem herzen weine / daz ich den kumber dankes han / gebunden zuo dem beine / für den ich listes niht enkan / wie ich in versweine HartmKlage 1742; ich barc dîn ungefüege in friundes schôz, / dîn leit bant ich ze beine, / mînen rugge ich nâch dir brach Walth 101,31 2.1.3 zur Wendung kindes bein → kint
MWB 1 528,51; Bearbeiter: Schnell