waschen,
verb. mit wasser reinigen. II.
herkunft und formen. I@11)
ein gemeingermanisches wort: ahd. wascan Graff 1, 1079,
and. andl. wascan (
daneben wascon) Gallée 369,
mhd. mnd. waschen,
ndl. wasschen,
wfries. waskje Dijkstra 3, 410,
ags. wascan Bosworth-Toller 1158,
engl. wash,
anord. vaska Fritzner 3, 877,
schwed. vaska,
dän. vaske,
im got. nicht vorhanden (
dafür þwahan,
auch im anord. ist þvá
der gewöhnliche ausdruck, während im wgerm. das entsprechende wort im wesentlichen nur für die körperliche reinigung gilt).
das wort ist ins franz. aufgenommen: afrz. waschier, guaschier,
rühren, rudern, beschmutzen, nfrz. gâcher.
früher wurde waschen
gewöhnlich als ablautbildung zu wischen
angesehen, s. z. b. Schade
altd. wb. 1103,
doch ist wischen
erst ableitung von wisch,
das zu lat. virga
gehört. Kluge
leitet das wort von dem nominalstamm * vat '
wasser',
got. watô
ab, an den -sko-
als ursprünglich präsensbildendes element getreten wäre; Torp
bei Fick
4 3, 384
geht ähnlich von einer verbalwurzel *vet '
netzen, quellen',
skr. undáti '
quillt, benetzt',
aus, zu der auszer wasser
auch ags. wǽt,
anord. vátr '
durchnäszt'
gehört. als grundbedeutung wäre dann '
mit wasser netzen'
oder (
vgl. die bedeutungen des franz. lehnworts) '
im wasser hin und her bewegen'
anzunehmen. weniger wahrscheinlich ist verwandtschaft mit ir. faiscim,
kymr. gwasgu '
drücke, presse',
die Stokes
bei Fick
4 2, 260
auf *vakskô
zurückführt. möglich ist auch, dasz waschen
von der im germ. verbreiteten wurzel *vas '
feucht sein' (
s.wasen)
ausgegangen ist. I@22)
das a
in waschen
geht im alem.-schwäb., rhein- und mittelfränk. (
auch in einigen nd. dialekten)
unter einflusz des sch
in offenes ä
über, vgl. Seiler 311. Hunziker 302.
zeitschr. f. hd. mda. 2, 25 (
Bern). Martin-Lienhart 2, 872. Kauffmann 54. Meisinger 230.
zeitschr. f. hd. mda. 1, 26 (
Handschuhsheim). Autenrieth 150. Kehrein 439. Crecelius 895. Schmidt
Siegerland 28. Hönig
2 307. Müller-Weitz 258 (weische). Leihener 134
a.
beitr. 10, 600 (
Remscheid).
die umgelautete form geht auch nach Tirol (Schatz
Imst 44.
cimbr. beschen Schmeller 173. weschen Zingerle
Lusern 58)
und dem westlichen thüringen hinüber (Regel
Ruhla 104. Dellit
Kleinschmalkalden 37. Frommann 2, 467 (
Meiningen).
vgl. auch unten II 3
d weschen
bei dem aus dem Hildburghausischen stammenden Eyering).
dies wäschen
zeigt sich auch lange in der litteratur der betr. gegenden. im 16.
jahrh. heiszt es bei Schweizern, Elsässern, Schwaben, wenn ihre werke nicht auszerhalb gedruckt sind, regelmäszig wäschen (weschen);
auch bei Rheinfranken kommt wäschen
vor, doch neben waschen,
so bei Alberus, Waldis, Kirchhof;
der aus der Rhön stammende Melissus
hat wæschen
psalmen 93, 6
neudr.; für das mfränk. vgl. buch Weinsberg 4, 147 weschen. H. Sachs
hat vereinzelt weschen
fastnachtsp. 28, 176 (: leschen),
sonst waschen.
um 1600
findet sich weschen
noch in Apherdianus methodus discendi (
Köln 1601) 192
und bei Quadt v. Kinckelbach (
Köln 1609), wäschen
in den drucken von Paracelsus
und Stumpf,
bei Spangenberg
und Spreng; Eyering
hat weschen
und waschen,
während Weckherlin
schon waschen
durchführt. später kommt wäschen
noch vor (
doch nicht consequent)
bei Zinkgref, Spee, Lehmann, Moscherosch, Schupp, Grimmelshausen. Liselotte von Orleans
bedient sich in ihren briefen der form wäschen.
von wörterbüchern haben nicht nur Dasypodius, Maaler, Calepinus,
sondern auch Henisch (410, 13), Hulsius
und Dentzler
noch wäschen;
auch Pomay (1709)
gibt noch wäschen
neben waschen '
cajoler'
an. selbst im 18.
jahrh. tritt noch wäschen
auf, so bei Bodmer (
s. u., wegwäsche
Noah 9, 174),
dem Straszburger Wagner (
kindermörderin 72, 29. 75, 25
neudr.),
bei Göthe
briefe 1, 244
für '
plaudern',
bei Klinger
Otto 84
neudr. (wäsch Emirs blut weg);
auffällig auch bei dem in Erfurt geborenen Triller
poet. betrachtungen 2, 284 (: löschen).
der Nassauer W. H. Riehl
sagt noch: das recht des gewäsches beim wäschen
die deutsche arbeit (1861) 184. I@33)
die 2.
und 3.
sg. praes. ind. tritt bei Süddeutschen öfters ohne umlaut auf, doch handelt es sich meist (
so bei denen, die ihrer mundart nach im ganzen praes. ä
haben)
um blosz schriftdeutsche formen: wascht S. Franck
chron. Germ. (1538) 279
b; waschet Weckherlin 1, 513. Albertinus
Gusman 235. Abr. a S. Clara
Judas 1, 27. Brentano 7, 369; wascht Pfeffel
poet. versuche 4, 116. Brentano 1, 322. Uhland 1, 41. Grimm
d. sagen 1, 156. Mörike 1, 153. Anzengruber 9, 111. Gutzkow 7, 57. I@44)
das stark gebildete praet. weicht zuweilen in die klasse der reduplicirenden verba aus, nicht nur im conj., wo ie
für üe
stehen kann (wiesche Murner
narrenbeschw. 2, 118; wiesch
österr. weisth. 8, 807, 26),
sondern auch im ind.: wiesch Eberlin v. Günzburg 1, 184.
ferner treten sowohl im süden als im norden im praet. und part. praet. schwache bildungen auf; sie haben ihre grundlage in den mundarten, wo namentlich das part. häufig schwach gebildet werden kann Seiler 311. Martin - Lienhart 2, 872. Lexer 251. Autenrieth 150. Crecelius 895: wäschten Fischart
binenkorb 9
a; gwäschte
dicht. 3, 371
Kurz; waschete Widmann
chronica v. Hall 223. Sastrow 2, 88. Albertinus
verachtung des hoflebens 13
a; waschte
der welt thurnierplatz 126; wäschete
discourse der mahlern 1, 40 (Bodmer). IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11) waschen
von der anwendung von wasser zur reinigung oder erfrischung (
kräftigung)
des körpers. hier hat das wort das anfangs gleich gebrauchte ahd. dwahan,
mhd. twahen
allmählich verdrängt; es kommt nhd. als zwagen
noch vom abreiben im bade und in übertragenem sinn vor. anfangs auch zwagen
neben waschen: dasz sein weib ir gewardtet mit zwagen und weschen Knebel
chronik von Kaisheim 384; mit wischen, waschen, baden, zwagen. H. Sachs 4, 35, 17
Keller, vgl. 9, 167, 12. II@1@aa)
einen theil des körpers. die hände, die füsze waschen: thô wuasg er sîno henti. Otfrid 4, 24, 25; und alle morgen so er auffstund, so war sein erste arbeit, dasz er seine hende wusch
buch der liebe 317
d; bind d'hossen auff und strell das hor und gang und wäsch die dopen vor! Wickram 4, 71 (
losbuch 2202)
Bolte. die hände waschen
vor der mahlzeit: denn die phariseer und alle jüden essen nicht, sie waschen denn die hende manchmal
Marc. 7, 3; warumb übertretten deine jünger der eltesten auffsetze? sie waschen ire hende nicht, wenn sie brot essen
Matth. 15, 2; der keyser wuosch sein hend und sasz zuo der taffeln
Aymon (1535) b 5
a; wann du zum disch gehst, ist ein ehr, dasz du die hend wäscht nimmer mehr. Scheit
Grobianus 620
neudr. daher mit einem die hände waschen,
mit jemand zu tisch gehen: da sie in (
den filz) aber überraschn, mit im die hend am tisch zu waschn und zu genieszen seine speisz, so thut ers gar gezwungner
weisz. Ringwaldt
laut. warh. (1598) 104. einem die hände waschen
als dienstleistung (
wie das wasser reichen): das han wol verstanden
ich, das ir, lieber vatter min, min hende mir mszent weschent sin und mir waszer daruff gieszen. H. v. Bühel
Dyocletianus 7314. — thaʒ ein andremofuaʒi wasge gerno. Otfrid 4, 11, 50; man soll euch ein wenig wassers bringen, und ewre füsze wasschen
1. Mos. 18, 4; (
Jesus) gos wasser in ein becken, hub an den jüngern die füsze zu wasschen und trucknet sie mit dem schurtze
Joh. 13, 5; die reine frouwe suʒe hiʒ ir ein deil ir fuʒe weschen unde salben mit unslide allenthalben.
Elisabeth 7739
Rieger; (
wenn) man abendtz wäscht die füsz, ze nacht schläfft man daruff gar süsz. Tschudi
chron. helv. 2, 28. den kopf, das gesicht waschen: so ist an dem samstag gern der frawen gewonheit ihre heübter ze waschen
Decamerone 162, 4
Keller; ist ein mensch seerecht am haupt, so seud bappeln in wasser und wasche das haupt damit Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 7; von der person zu barbieren, und den kopff zu waschen
codex Augusteus 2, 860 (1623); wenn du aber fastest, so salbe dein heubt, und wassche dein angesicht
Matth. 6, 17; sie ... waschen sein angesicht mit feuchtem schwamme Fr. Müller 1, 124; sie ... wusch ihr gesicht mit so groszer emsigkeit und heftigkeit, dasz sie sich fast die backen aufrieb Göthe 21, 167
Weim. ausg.; mit dem thau der maienglocken wascht die jungfrau ihr gesicht. Uhland
ged. (1898) 1, 41. die augen, die ohren waschen: seine augen sind wie taubenaugen an den wasserbechen, mit milch gewasschen
hohel. Sal. 5, 12; mit dem schwamm will er (
Gelimer) seine rothen augen waschen, die er die zeit über nicht gewaschen hat Grimm
deutsche sagen 2, 15; so bin ich auch newlich ym bade gewesen und hab die oren gewasschen, das ich wol höre Luther 26, 280, 17
Weim. ausg. den mund waschen: wäsch die finger, nasz, und mundt, das ist deim geschwinden haupt gesundt. Scheit
Grobianus 2716
neudr. früher auch in der bedeutung '
ausspülen': den mund mit kaltem wasser wäschen, schwencken oder spülen Frisius
dict. (1556) 581
a;
noch bei Rondeau: den mund waschen,
rincer la bouche; mit kaltem wasser ist nit gesundt zu wäschen deine zeen und mundt. Scheit
Grobianus 180
neudr.; die zän wäschen, das zanwee mit wäschen vertreyben Frisius
dict. 388
a; thue es (
die mixtur) in ein glas, rhürs offt umb, wann es sich gesetzt, so wäsche den hals damit Gäbelkover
artzneybuch 1, 153.
daran schlieszt sich die gurgel waschen
u. dgl. '
trinken'
s. u. 3
g. II@1@bb)
zusammenfassend sich waschen: thâr stuantun waʒarfaʒ,so thâr in lante situ was, thên mannon sus iowannesih zi wasganne. Otfrid 2, 8, 28; (
er) willen het zuo dem mere ze gen sich zuo waschen
Decamerone 86, 18
Keller; Susanna (
kam) mit den zwo megden, wie ire gewonheit war, in den garten sich zu wasschen
Sus. 15; und wenn du dich gleich mit laugen wüschest, und nemest viel seiffen dazu, so gleiszet doch deine untugent deste mehr fur mir
Jer. 2, 22; und wenn sie (
die phariseer) vom marckt komen, essen sie nicht, sie wasschen sich denn
Marc. 7, 4; und sprach zu im, gehe hin zu dem teich Siloha ... und wasche dich
Joh. 9, 7; sie muest auch wider ufsteen, sich weschen und alles wider seubern
Zimmerische chronik2 2, 261, 22; Judith ... hat ... sich ... gewaschen mit köstlichen wassern Butschky
Pathmos (1677) 296; wie künig David auff seim dach fraw Batseba sich waschen sach. H. Sachs 1, 240, 5
Keller. auch von thieren: so die wasser- und meervögel sich stäts wäschen und duncken, das bedeut alles ungewitter Herr
feldbau 15
a; ein solcher (
fischreiher) musz recht oft reines wasser ... bekommen, weil er sich gern wäscht Naumann
vögel 9, 50; heute kommt jemand, weil sich die katze wäscht (
beleckt) Rosegger
schelm a. d. Alpen 228. sich waschen
als religiöser brauch: von ihren seltzamen ceremonien, gebetten, baden, waschen und narrenwerck ... were viel zu schreiben Kirchhof
wendunmuth 2, 101. II@1@cc) einen waschen: ist, druhtîn, quad, gilumplîhthaʒ thu nu wasgês mih? Otfrid 4, 11, 21; die mutter die musz waschen dich. H. Sachs 1, 59, 16
Keller; do nam sie ir kind und wuosch es mit brunnenwasser S. Münster
cosmographey 77.
einen toten vor dem begräbnis: wir wellen ouch, daʒ man die priesterbruoder, sô sî sterbent, wasse zegelîcher wîs, alse die legebruoder
statuten des deutschen ordens 136, 20
Perlbach; da wuschen sie dieselbige (
tote), und legten sie auff den söller
ap.-gesch. 9, 37; gestaltsamb man ihn
schon für todt gehalten und zu waschen angefangen Prätorius
anthropodemus plutonicus 1, 346; zu leichenbalsam macht' ich blumenseime und wusch den todten mit des abends thau. Rückert
werke 3, 195. II@1@dd) eine wunde mit laulichtem wasser waschen, säubern oder auswaschen Ludwig 2389; man wusch endlich meine blutenden schmerzenden wunden Klinger
werke 4, 34.
mit persönl. dat.: man zôch ûʒ den kleidernsînen schœnen lîp und wuosch im sîne wunde,man leite in ûf den rê.
Nibel. 967, 3; ein angeschossner eber, der sich die wunde wusch, verriet voreinst den jägern den quell in kluft und busch. Uhland
ged. (1898) 1, 280. II@1@ee)
man sagt bis in die neuere zeit sich, einen körpertheil aus einem wasser waschen: ausz wasser wäschen oder spülen,
eluere ex aqua Maaler 482
a; das du nicht etwan das angesicht aus diesem wasser weschest Barth
weiberspiegel B 7
a; wer dunckhle augen hette undt sie aus solcher büchen (
laugenwasser) waschete Widmann
chronica von Hall 223
Kolb; schickt er uns ... ein schönes becken, und ein wasserkanden ..., darausz solten wir die hände waschen
generalchronicen (
Frankf. 1576) 117
a; weite höf, in denen schöne rörkästen, darausz sie sich täglich waschen Rauwolf
raisz (1582) 26; ward der Rhein so gros, das ... man kund auff der brucken die hend aus dem Rhein weschen Quadt v. Kinckelbach
teutscher nation herligkeitt (1609) 65; der priester wusch seine hände aus dem brunnen Lohenstein
Arminius 1, 10
b; man soll sich aus keinem warmen wasser waschen, dasz bey altem holtze von alten wagenrädern gewärmet ist J. G. Schmidt
rockenphilosophia 6, 211; da wasche dich aus der frischen quelle Göthe 19, 49
Weim. ausg.; auch musz man, um schönheit zu erlangen, sich beim erblicken der ersten schwalbe aus der mistpfütze waschen
mitteilungen der schles. ges. f. volkskunde heft 19, 91; einst stand der lappichte geselle und wusch die augen aus der quelle. Wieland 18, 372 (
vogelges.); ein schönes mädgen (sie sah mich nicht) wusch aus dem klaren wasser ihr rosenfarbnes angesicht. Kretschmann 1, 222.
daneben kommt seit dem mhd. auch in einem wasser waschen
vor: es (
das wasser) ging ouch untz undenan an die brucken ..., das einre ... wol sine hende wsch in der Brüsch Königshofen,
städtechr. 9, 866, 19; er (
der kranke) sölt sich ouch in dem heligen brunnen weschen
Stretlinger chronik 90, 23
Bächtold; als sie sich im wasser Nilo waschte Albertinus
weiblicher lustgarten 95; ich habe mir doch alle morgen in der quelle mein gesicht gewaschen S. Geszner
schriften 2, 149; ich wusch mir die augen in dem nahen born v. Gaudy
werke 2, 87; als im Lokrischen hain der hirt Hesiodus abschied, wuschen im klaren quell nymphen den heiligen leib. Herder 26, 15
Suphan. II@1@ff)
auf das zu entfernende weist hin sich, einen körpertheil von etwas waschen: Eridanus wusch seine glieder vom staub und blut und brande wieder. Triller
poet. betracht. 2, 268; eine art, die sich rein dünckt, und ist doch von irem kot nicht gewasschen
spr. Sal. 30, 12; soll man ... die augen, mund ... von aller unreinigkeyt ausz kaltem wasser weschen Ryff
spiegel u. regiment d. gesundheit 83
b; wir haben uns ... sieben mal waschen müssen von all' dem staub und moder Gutzkow
ritter vom geist2 2, 383.
so besonders in übertragenem sinn, s. u. 2
b γ.
daneben auch die unreinigkeit von etwas waschen;
schon bei Notker
mit änderung der lat. construction: wasg nu mêr ába mir mîn unreht (
amplius lava me ab iniquitate mea)
ps. 50, 4.
häufiger erst seit dem 18.
jahrh.: von der hüft' wasche ich mein blut, das aus der wunde flosz S. Geszner
werke 2, 19; als ich mir den nachtthau von dem angesichte wusch Brentano 4, 80; er benützte reichlich das ... wasser, um den reisestaub von sich zu waschen Stifter
werke 3, 335; geh! nimm etwas wasser und wasche diesz verrätherische zeugnisz von deinen händen — Schiller 13, 49 (
Macbeth 2, 4).
vereinzelt aus etwas waschen: ich hab auff ein zeit von eim bauren mehr dann viertzig stein, als erbsen, ausz dem bluot geweschen Dryander
d. ganzen arzenei gemeiner inhalt 56
b. II@1@gg)
mit waschen
kann sich ein prädicatives adj., besonders rein,
verbinden, häufig in übertragenem sinn (
s. u. 2
b),
doch auch in eigentlichem: da wuschen wir uns in dem saal sauber mit frischem wasser all. Spreng
Aeneis 49
b; es jauchzten die frauen, wuschen heilig und rein im klaren wasser, o Phöbus, deine glieder. Göthe 4, 325
Weim. ausg. mit reflexivem dativ: rein wusch ich mir die hände. Herder 25, 145
Suphan; sie ... waschen die äuglein sich klar. Arndt
ged. (1860) 64; ich ... wusch mir in dem klaren wasser die augen hell Eichendorff
werke (1864) 3, 65. II@22) waschen
von der körperlichen reinigung in übertragenem gebrauch. II@2@aa)
nicht häufig zeigt sich die bedeutung '
erfrischen, erquicken',
gern in verbindung mit baden: dîn schœne mînem herzen gab voller vröuden übervluot. dîn schœne waschet mir den muot.
Mai und Beaflor 176, 10
var. (
text: balsemt); da wäscht, da badet er ihre seelen in freuden Fr. Müller 1, 241; mit dieser groszen und herrlichen stadt werde ich nun schon familiärer ... es ist mir sehr gesund in einem solchen elemente mich erst recht zu baden und zu waschen Göthe
briefe 8, 178
Weim. ausg.; die nächste woche werden nun die vorzüglichsten statuen und gemählde Roms mit frisch gewaschnen augen besehen 329. II@2@bb)
ganz gewöhnlich ist es '
reinigen, frei machen von sünde, schuld'. II@2@b@aα)
die wendungen sind z. th. noch bildlich gehalten: ich getrawe im daʒ er mich entlade, daʒ er mich wasche und bade in siner gnaden unden.
kleinere mhd. erzählungen 3, 181, 580
Rosenhagen; ich mit gleichem eiffer lauffe zu dem brunnen wolbewust (
Christi blut); da mich spüle, wäsch und tauffe, trinck nach viel gewünschtem lust. Spee
trutznacht. 321; wer wil, der wasche sich durch eigner wercke schwitzen. Logau 2, 7, 57 (
s. 356
Eitner); du (
gott) muszt mich priesterlich entsündigen, so bin ich rein; wenn du mich wäschest, bin ich weisz wie schnee. Herder 12, 97
Suphan; wasschet, reiniget euch, thut ewer böses wesen von meinen augen
Jes. 1, 16; sie wusch sich jeden morgen durch gebete Lichtenberg
Hogarthische kupferstiche 2, 60. eine that: ob ein rat wol hart umb justicia anhilte, noch waren vil, wilche die dait weschen wolten
buch Weinsberg 4, 147 (1592). II@2@b@bβ)
häufig rein waschen: die tauffe, do man midde weschet reine, der an der sele wel genesen.
Alsfelder passionsspiel 6610
Grein; der ists, der mich rein wäschet, macht schneeweisz, was ist roth. P. Gerhardt
bei Fischer - Tümpel 3, 388
a; ich stahl ein mohrenkind und lass' es taufen; dem himmel führt' ich eine seele zu: das tilget jede schuld und wäscht mich rein. Immermann 16, 22
Hempel (
thal v. Ronceval 1, 1). sich rein waschen '
von vorwurf, verdacht u. dgl. reinigen': schickte dieser seine brüder ... nach Rom, ihn von allen verläumdungen weisz zu brennen. gleichwol aber konten sie sich so rein nicht waschen Lohenstein
Arminius 1, 881
b; nein, der kunstgriff täuscht mich nicht, du giebst dich strafbar, um dich rein zu waschen. Schiller 15, 1, 63 (
Phädra 4, 2).
jetzt auch sich weisz waschen
s. weisz. II@2@b@gγ) waschen (rein waschen) von etwas: in dem (
der taufe) wirt er geweschen und gerainet von allen sinen sünden Grieshaber
predigten des 13.
jahrh. 2, 24; die seind in dem kat gelegen, die hatt der herr geheiliget und geweschen von der erbsünd Keisersberg
Marie himelfart 15
a; so wasche nu Jerusalem dein hertz von der bosheit
Jer. 4, 14; wasche mich wol von meiner missethat
ps. 51, 4; das wir inn den tod unsers heilandts Jhesu Christi getauchet, und also von unsern sünden gewaschen ... werden Melanchthon
hauptartikel christl. lehre 634; zuverlässig ... hat es auf erden schon unentdeckte mörder gegeben, ... die sich von blut und laster rein wuschen im strome der zeit v. Holtei
erzähl. schriften 3, 115; da durch der nie kein sünde that von sünden uns gewaschen hat. Luther,
Wackernagels kirchenlied 3, 25; auch nemet hin das gsegnet wasser! das wescht euch von den sünden nasser und wird eur vorige tauff verneüd, damit ihr Christo verleibet seid. Ayrer 1762
Keller; er wäscht von eigner schuld sich rein mit unszerm blute. Gryphius
schausp. 241
Palm (
Cath. v. Georgien 5, 166); der tod wäscht jetzt von jeder schuld mich rein. H. v. Kleist 3, 121 (
prinz v. Homb. 5, 7)
E. Schmidt. im folgenden zeigt der gebrauch eine erweiterung: des herzogs fall hat mich sehr erschüttert ... wollte gott er könnte sich auch einmal von diesen unglücklichen ideen rein baden und waschen (
befreien), und sich und den seinigen wiedergegeben werden Göthe
briefe 8, 117
Weim. ausg. an der folgenden stelle ist es '
leer machen': sin seckel suber und rein wäschen von aller siner barschaft gar.
N. Manuel 73 (
v. papst u. s. priesterschaft 1105). II@2@b@dδ)
im acc. kann auch stehen, was durch die reinigung entfernt werden soll: daʒ sich der kunic wolde toufen und ab im waschen unde stroufen allen ungelouben. Ottokar
österr. reimchr. 13460
Seemüller; denn wird der herr den unflat der tochter Zion wasschen, und die blutschulden Jerusalem vertreiben von ir
Jes. 4, 4; du solt deinen nehesten lieben, wie dich selbs, und richte dich darnach, so soltu fein sehen, ob es nicht wird rein wasschen, und ausbeiszen, was da ist von eigen nutz und liebe Luther 6, 36
b Jen. ausg.; er müsse dieses thun, spricht er, um so die schaam sich vom gesichte zu waschen Heinse 3, 290
Schüddekopf. II@2@b@eε)
eine erweiterte bedeutung, bei der es weniger auf die reinigung, als das freisein von makel, vorwurf ankommt, hat sich bei dem part. gewaschen
entwickelt, s. th. 4, 1, 5367,
wo darauf hingewiesen wird, dasz das wort so zunächst negirt gebraucht wird (
vgl.ungewäschen '
gewissenlos' Liliencron
hist. volksl. 3, 337, 45).
auch positive wendungen sind durch die bibelsprache bestimmt: so lasset uns hinzu gehen, mit warhafftigem hertzen ... los von dem bösen gewissen und gewaschen am leibe, mit reinem wasser
Hebr. 10, 22;
s. u. 6
a einer der sich gewaschen hat; sie (
die Hamburgerinnen) sind alle so zweifelsohne, haben innerlich und äuszerlich so 'was ungewöhnlich gewaschenes und bezeugen in allem, was sie thun und nicht thun, die richtigkeit der lehre vom einflusz der guten kinderstube Fontane
frau Jenny Treibel 145. mit gewaschener hand (
s. a. a. o.): wie wohl ... man mir selbst in meiner verhochdeutschung etlicher ... geschichte, mit einer übel gewaschenen hand, die wörter groszkönig oder groszherr in das wort keiser, ohne meine bewilligung, verändert Zesen
Assenat (1670) 401; ob ich gleich keine schrift mit gewaschnern und vollern händen angefangen habe Lessing 12, 540. II@2@cc)
besondere gebrauchsweisen haben sich bei der wendung im blute waschen
entwickelt. II@2@c@aα)
von Christus heiszt es, dasz er uns in seinem blut gewaschen
hat: der ... uns alle in sime túren bluote geweschen het Tauler
predigten 34, 24
Vetter; der uns wuosch von unsern sunden in seinem blut (Luther: gewaschen von den sünden mit seinem blut) Mentels
bibel, offenb. Joh. 1, 5; ir sult hute alle in gotis lammes blut gewaschen werden reine von uwern sunden alle gemeine.
Katharinenspiel 139
v. 282; wer nicht in deinem blute rein sich wäscht ... ungläubig dich verachtet. Cramer
ged. 8, 160.
in materiellerer auffassung: damit die leyen ire wüste bärt nit im blut desz nachtmals wäschten, haben sie ihnen den wein im h. nachtmal abgestricket Fischart
binenkorb (1588) 9
a.
auch mit seinem blut (
s. o. Luther): in diesem mir auch gnedig sey, wasch mich mit seinem blute. Ringwaldt
handbüchlin A 8
a; nimm sein rosenrothes blut, und die menge seiner wunden, und mit jenem wasche mich, und in diesen kühle dich. Neukirch
ged. (1744) 58. II@2@c@bβ) im blut
von menschen waschen
ist ein nachklang älterer epischer wendungen wie im bluote baden, waten
u. dgl. sich, die hände, die schwerter,
auch die kleider im blut waschen: dan seitenmahl ihr stoltz und boszheit all-vermessen ... dein armes volck, o herr, numehr gantz auffgefressen mit unmenschlicher plag: und ihre pferd und sich geschwimmet und gewaschen in deines volcks blut-see. Weckherlin 1, 419
Fischer; weil Leo sich im blut der unterthanen wäscht. Gryphius
schausp. 20
Palm (
Leo Arm. 1, 1, 21); seine hände in unschuldigem blute waschen Rondeau; wenn ich (
Mars) meine hände in menschenblut gewaschen ..., das giebt eine herzkühlende lust meiner seelen Schottel
friedenssieg 18
neudr.; dasz er's nun so lohnt, im bruderblut seine hände wäscht, der mörder! Fr. Müller 1, 110; die augen gehen mir über, wenn ich bedencke: dasz ... wir unsere schwerdter im blute unserer eigenen blutsverwandten waschen Lohenstein
Arminius 1, 18
a; klirrend glänzt das schwert in funken, das sich oft im blute wusch; auf dem chako, freudetrunken, taumelt ihm der federbusch. Lenau
ged. 1, 282 (1857); da du aus dem sack der aschen standest auf nach langer rast endlich, und dein kleid gewaschen in dem blut des feindes hast! Rückert
werke 1, 107.
im acc. kann auch hier das zu tilgende stehen: vielleicht mach ich bey euch den fehler wieder gut und wasche meinen schimpf in dieses schurken blut. Zachariä 1, 66; wir wollen in der Mauren blut die schmach, die gleichgetheilte, dieses tages waschen. Grillparzer 7, 193 (
jüdin v. Toledo 2). II@2@c@gγ)
im anschlusz an beide gebrauchsweisen heiszt es auch das blut wäscht: dô iʒ begunde gieʒen, di sîten nider flieʒen, blût undt waʒʒer, daʒ wôsch der werilde laster. Hartmann
vom glouven 1040
v. d. Leyen; ach bleib mir hold und gutes muths, bis mich die ströme deines bluts gantz rein gewaschen haben. P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 406
b; und des hauses ehre waschen musz das blut.
Z. Werner
theater 6, 117 (
Cunegunde 3, 7); das blut wäscht die altäre rein, die wir entheiligt sehn. Körner 1, 68. von, aus etwas: blut wäscht von jedem schimpfe. Zachariä 1, 62; eh das herzblut eines Doria diesen häszlichen fleken aus deiner ehre wäscht Schiller 3, 38, 16 (
Fiesko 1, 12). II@2@dd)
andere übertragungen knüpfen daran an, dasz das waschen
auch als etwas unangenehmes und schmerzhaftes empfunden werden kann. so wird aus Berlin als schulausdruck verzeichnet waschen '
einem mit schnee das gesicht abreiben' H. Meyer
der richtige Berliner 149
b.
ferner tritt die bedeutung '
jemand ins wasser tauchen'
auf: herczog Fridreich ... emphalch in (
den knechten), wenne der Unger urlaub nêm, daʒ si in denne wüschen. daʒ teten die schiltknecht und wurffen den selben Unger in daʒ wasser und heten in nahent getrenkcht
österr. chronik von den 95
herrschaften 190, 5
Seemüller. mehr von der grundbedeutung losgelöst, aber noch in bildlicher wendung '
qual erdulden lassen': das aber musz ich nu gott lassen walden, der mich vileycht meyner sunden halben so wol ynn dem bade des trübsals weschet, das ich schyr meyn leben ausblasz Luther 18, 439, 31
Weim. ausg. besonders (
wegen des gewaltsamen reibens beim waschen, wie auch bei zwagen) '
durchprügeln'
; zunächst noch bildlich: wenn mich die buben thun erhaschen, wirt ich wol umb den kopff gewaschen, das mir rind ubers maul das blut. H. Sachs 1, 63, 22
Keller; der bader schalt: du nasser knab, sehr bald ich dich gewäschen hab. ich wil dich bald mit priegeln zwagen und dich ausz meiner badstub schlagen. Fischart
Eulenspiegel 9411
Hauffen; er sagt, er wolle euch mit einer scharffen lauge den kopff waschen
he threatens to pay, or claw, you off deadly Ludwig 2389;
vgl. die belege th. 6, 389
u. lauge.
die bedeutung '
prügeln'
wird jetzt aus mundarten des südens und nordens angegeben Schmeller 2, 1040. Schöpf 802. Frommann 4, 48 (
Niederösterreich). Lexer 251. Martin- Lienhart 2, 872. Meisinger 230. Crecelius 895. Frischbier 2, 457.
so schon bei H. Sachs
ohne zusatz: ich hab itzunder ein gewaschen. 1, 59, 18; wollen ihn waschen (
den einfallenden feind) Klinger
Otto 41 (2, 7)
neudr.; ich will dir gleich eins um die ohren waschen Frischbier
a. a. o. abgeschwächt '
übel mitnehmen': das sie all der jarrit ms waschen! H. Sachs
fab. u. schw. 2, 257, 120
Götze; das dich der ritt wäsch, wer klopfft da? Fröreisen
nubes 232
Dähnhardt. übertragen beim kartenspiel, mit seinen trümpfen waschen,
alle stiche machen Martin-Lienhart 2, 872,
s.wäsche 3.
häufiger mit angabe eines körpertheils als object: den buckel waschen Martin-Lienhart. Crecelius; ein guter deutscher stock soll dir die rippen waschen. Göthe 12, 249 (
hausgenossen 558); er nahm ein ziemlich teil von ungebrannter aschen, hub ihre schenkel an zu salben und zu waschen. Bokemeyer
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 279.
auch den kopf waschen (
s. o.)
kann so zu nehmen sein: den knecht hab ich gestern zum hause naus geprügelt, und ietzund hab ich der magt den kopff mit ungebranter asche gewaschen Hübner
Christ-comoedia 5, 23
neudr.; und war sein (
des türkischen kaisers) tolle meinung, er wolle anderst den christen die köpff waschen, als Magdalena Christo die füsz Abr. a S. Clara
reimb dich 221 (
auff, auff, ihr christen); wiszt ihr denn aber auch, ihr lieben leute, was in den Niederlanden vorgegangen ist? ich habe hier eben die neuste zeitung. sie haben sich die köpfe wacker gewaschen Lessing 1, 266 (
d. j. gelehrte 2, 14).
häufig den pelz (
für '
die haut des menschen'
th. 7, 1534) waschen (Martin-Lienhart): sonderlich wann ein bürgersman, der die bauren wol hönen kan, sie auff ihrer kirmesz wil schenden ... die thun ihm bald den beltz recht weschen und schlagen drein als ob sie dreschen. Eyering 1, 126; auch die köchin des pfaffen ... blieb nicht dahinten, kam mit dem rocken gelaufen, bei dem sie am tage gesessen, dem unglücklichen bären den pelz zu waschen. Göthe 50, 21 (
Rein. fuchs 2, 131)
Weim. ausg.; darauff fiel Hornbock dem garstigen Caraffen in die haare, und da gieng das peltz-waschen ... an Kuhnau
music. quack-salber 215, 4
neudr. aus der bedeutung '
miszhandeln'
ist dann die von '
auszanken, schelten'
hervorgegangen, die aus denselben mundarten angegeben wird (
auch nd.: ik heff em wuschen '
ich habe ihm die wahrheit gesagt' Schütze 4, 341): einen dapfer wäschen,
aceto perfundere Dentzler 342
b; es dunckt mich, du wöllst uns vor gricht dapffer waschen, und seine bubenstück herfürziehen Schönsleder K k 6
d; ich will ihn schon waschen! ich will dem naseweis den appetit nach meinen amouren verleiden Schiller 3, 432 (
kabale u. liebe 3, 2); wenn er nun kommt, will ihn Varnhagen (der noch immer die alte balgsucht hat) ganz erschrecklich waschen Kerner
briefw. 1, 89. die haut waschen: bekennet hat er mir, der braut, die ihn erst tüchtig zappeln liesz, ihm tüchtig wusch die grobe haut. Brentano 5, 42.
auch in diesem sinn den pelz
und besonders den kopf waschen: den beltz wil ich myr weschen lon (
in der beichte) und den harnisch sauber fegen, was ich nit kan, muosz der pfaff fregen. Murner
schelmenzunft 31, 10
neudr.; darumb musz ich inen hie den peltz waschen und den bapst sampt seinen juristen zur schule führen, weil sie ja so grob und unverstendig seyn, dasz sie es nicht wissen, so müssen wir sie es lehren Luther
tischr. 400
a; seines gegners agent ... wusch ihm (
vor gericht) den pelz, dasz er glaubte, er könne sein lebtag keinem menschen mehr in's gesicht sehen Gotthelf
schriften 3, 360; einem den kopf waschen,
laver la tête à quelqu' un, lui faire des reproches Rondeau; sie seindt immer bey madame la princesse, aber zu mir kommen sie mir nicht mehr, seyder ich ihnen den kopff geweschen Elis. Charl. v. Orleans
briefe (1719) 145
Holland; dem plauderer werde ich den kopf waschen Hermes
Sophiens reise 1, 447; die marquisin ... wusch ihm den kopf, wie ers verdient hatte, und drohte ihm, den ganzen vorgang seinen obern zu melden Schiller 3, 562; wen er auf bösen wegen ertappte, dem wusch er unbarmherzig den kopf Langbein
schriften2 6, 32; also geht, ihr braven lieder, dasz man euch die köpfe wascht! Mörike 1, 153.
seltener sind den bart, den hals, das maul waschen: die offensive kritik hat wirklich ihre kunstwörter im deutschen: einen herumnehmen, einem den bart waschen, einen versohlen Lichtenberg 1 (1800), 274; also wuosch er inen den halsz Pauli
schimpf u. ernst 343; ich blieb ihr nichts schuldig ... ich wusch ihr das maul wie sichs gehörte Wieland 12, 332 (
don Sylvio 7, 3). II@2@ee)
die wendung die hände in etwas (geld
u. dgl.) waschen
bedeutet '
sich an etwas gütlich thun, besonders an fremdem eigenthum': er beschneidet also meine ausgaben, damit er seine hände desto besser in meinem gelde waschen kann
sammlung v. schauspielen (
Wien 1764/69)
bd. 7,
der verschwender s. 17; mir sitzen narren in der deschen, die gern ir hendlin wolten weschen in gelt und anderer lüten guot. Murner
vom luther. narren 699
Kurz; wolten münch und pfaffen gemein so groses guot haben allein? nüt, nüt, es bleibt in kum die eschen, wir wöln die hend in guldin weschen. 2016; sy (
die das für messen gestiftete geld im eigenen nutzen verwendet haben) handt ir finger undt die hendt geweschen in dem testament der frummen messen, als man sagt, das es noch mancher frummer klagt.
des alten christl. beeren testament A 4
a.
els. d'händ in eim sim vermöje wäsche '
es veruntreuen' Martin-Lienhart 2, 872. II@2@ff)
die wendung das maul mit etwas (jemand) waschen,
die im alem. des 16.
jahrh. gewöhnlich ist, aber auch bei Luther
und H. Sachs
vorkommt, ist eigentlich '
etwas im (
schmutzigen)
munde führen',
vgl.das maul schwenken
th. 6, 1788: alle wält wäscht das maul mit im, yeder man hat von im zesagen,
in ore vulgi atque in communibus proverbiis versatur Maaler 482
a;
fabula, ein gassenred, ein tantmähr, damit jederman sein maul wäscht Heupold
dict. (1620) 165; manicher weschet iez sin mund mit der eidgenossen sach. Tobler
schweiz. volkslieder 1, 11 (1441); wen man went, ir horendt messen, so stondt ir wol zwelff gantzer stundt und weschendt uwren faulen mundt mit frummen, erberen, erenleüten. Murner
schelmenzunft 18, 33
neudr., vgl. 47, 12; du leugst. was darffstu dein maul mit mir waschen? H. Sachs
fab. u. schw. 1, 8, 41
Götze; wenn ein eerenfraw hie kem in eim kurtzen mantel gon, bisz an die knye, so wurd yederman das maul mit ir weschen Keisersberg
brösamlin (1517) 1, 97
b; wenn du es unter ander leute tregst, so bleibt die person ungebessert und das böse ... wird durch dich ... ausgetragen, das jederman sein maul damit wesschet Luther 32, 333, 36
Weim. ausg., vgl. 16, 524, 25; binn ich bey den leuten, so weschen alle menschen ir maul mit mir und anderen pfaffen Eberlin v. Günzburg 2, 75
neudr. mit einmischung anderer vorstellungen: so geschicht dir hernach auch nit unrecht, wann sie (
die gäste) schon das maul mit dir blewen und weschen und dich zu danck also bezalen
Petrarche trostbücher 16
b; nachdem unsz furkhomen, dasz edle und unedle ire fuesz und meuler an dem kuchenmaister wolten waschen und wischen, ime zu tretten, zu schlahen, schulden, und sonst schmachwort zu reden
deutsche hofordnungen 2, 142
Kern (
Württemberg 1550). Luther
hat auch die zunge waschen: damit den lester-meulern die ursach genomen werde, yhr lugenhafftige tzungen mit frumen kindern tzu wasschen 11, 395, 23
Weim. ausg., vgl. waschbläuel am ende. II@2@gg)
an den mund, den hals waschen '
mit wasser ausspülen'
schlieszen sich eine reihe von wendungen in der bedeutung '
trinken'
an, die im älteren nhd. häufig sind (
bei Ayrer
und in jüngeren belegstellen zeigt sich die bedeutung '
zu trinken geben'). den bauch, lunge und leber, den kragen, hals, die gurgel, kehle waschen: ich will meinen pauch wäschen mit ainem kruog vol weins und trincken, das mir die leber schwimmen möcht Eyb
dramen 106, 20
Herrmann; darnach wöllen wir zu der flaschen und wöllen, ho ho woit gut! lungen und lebern waschen.
jägerkunst und waidgeschrey (
Nürnberg 1610),
Wagners archiv 1, 146; wolan, bring her ein volle flasch, die sorg ausz meinem kopf zujagen, und das ich lung und leber wasch, was hilft es sich selbs vil zuplagen? Weckherlin 1, 179, 15
Fischer; ich füll mein wanst, und wasch mein kragen, lasz weib und kind am hungertuch nagen. H. Sachs 17, 147, 27
Götze; also ein singer taugt nit viel, er wasch denn seinen kragen mit gutem wein. Hoffmann
gesellschaftslieder 105, 2; weil sie vorhero nichts in ersparung gezogen, sondern das mehrste durch das kragen-waschen verzehrt Abr. a S. Clara
huy u. pfuy (1725) 71; wil doch mit wein erst füllen mein flaschen auff dem weg meinen halsz zu waschen. H. Sachs 11, 378, 19
Keller; Lucas. das sey, ... so nym hin dy flaschen!
Cleophas. ja, ich mues noch pas mein goder waschen. Wackernell
altd. passionsspiele 6, 480; (
er) tregt auff Reinwein und muscateller und newen wein in groszen flaschen, dasz ich köndt meinen goder waschen. H. Sachs 21, 105, 12
Götze; setz in den trog die fleschen, so mögen wir die gurglen weschen. Wickram 6, 138 (
Tobias v. 4005)
Bolte; habt ihm recht gethan, damit ihr ewer gurgel wol wäschen mögend, ewren huren röck schencken Paracelsus
chirurg. bücher (1618) 129 A; in einer winkelkneipe erwarteten ihn seine saufbrüder, dort erzählte er, was ihm widerfahren, und forderte sie auf, ihm zur rache behilflich zu sein, da er ihnen bereits mit mancher halbe die gurgel gewaschen Pichler
allerlei gesch. aus Tirol (1867) 319; dreiszig flaschen, die müssen ihr des tags die kehle waschen. Arnim (1853
ff.) 19, 273; mit weinen von Burgund, die mir der arzt verbot, musz ich die kehlen ihrer lober waschen. Schiller 6, 30; so wolln wir ihn wider führn zum specht in das gestrich wirtshausz und ihm den beutel schwencken ausz. er musz uns beidn die backen waschn. Ayrer 2442, 32
Keller. vereinzelt nur sich waschen: bald eilten sie zu den weinschenken und wuschen sich Meisterlin,
städtechr. 3, 136, 5.
eine umschreibung für '
essen'
schlieszt sich an: nach dem mittaganbisz, da man die kutteln geweschen hat
Garg. 122
Alsleben; vgl. schweiz. er wäscht em de chuttle Wander 4, 1798
und els. kuttelwäsch Martin-Lienhart 2, 873. II@33) waschen
wird auch von jeher von der reinigung von gegenständen gebraucht, die im wasser mit den händen gerieben werden. II@3@aa) kleider, leinenzeug waschen: daʒ ir niht enwaschetLudwîges man diu kleider.
Kudrun 1267, 3
Martin; das manne und nüt frowen soltent weschen die alterdcher und alben und was gewihet were Königshofen,
städtechr. 9, 522, 18; die dischlachen und hantquehelen waschen Schmidt
els. wb. 419
a (1400); und er hatte ... seine kleider nicht gewasschen
2 Sam. 19, 24; wer wirde uns (
wenn die frauen nicht wären) die suppen kochen, das hemb wäschen? Philander 2, 268; welche (
wäscherin) ihm die groszen kragen wäschet Schupp
schriften 109; er befahl auch seiner magd ... sie solte ... meine hosen wäschen, und vor den stubenofen hängen
Simpl. 1, 118
Kurz; da schaut' ich eine schöne maid, die emsig wusch ein weiszes kleid. Heine 1, 14
Elster. etwas zu waschen geben;
ein zeug läszt sich waschen,
wenn es in der wäsche die farbe hält, es hat sich gut gewaschen. garn, wolle waschen: garn sieden, wäschen, blaichen Henisch 1357, 50; nach dem, als sie gezöget het, wie die woll nach dem wäschen und erlesen mit den kammen gelütert werden sölte Steinhöwel
de claris mulieribus 39
Drescher; der freiherr ... hielt viel auf seine schafheerde und setzte einen stolz darein, seine feine wolle gut waschen zu lassen Freytag 4, 26 (
soll u. h. 1, 3); darnoch get es an den september. so wesche din schoff und schir din lember. Dangkrotzheim
heil. namenbuch 256
Pickel; (
er) wusch die weisze lämmerlein. Spee
trutznacht. 287.
geräte waschen: die schüsselen (das küchengeschirr) waschen, spülen Kramer (1719) 259
c; die ergisten buben ..., die nicht werd sind, das sie die schussel solten waschen Luther 17, I, 211, 10
Weim. ausg.; ich hab' doch im Meraner hotel für fürsten und grafen die teller g'waschen Anzengruber
3 6, 28 (
pfarrer v. Kirchfeld 1, 3); kessel, häfen, löffelkratten wäschen und fyn in eeren han. H. R. Manuel
weinspiel 1839
neudr.; die bei denen waszerkaren ... allerlei unsauberheiten, schäffer, gefäsz und geschier waschen und abschwemben
österr. weisth. 8, 857, 38 (1701); die fischer aber waren ausgetretten und wuschen ire netze
Luc. 5, 2. in der druckerey eine ausgesetzte form waschen (
mit einer in lauge getauchten bürste abreiben) Ludwig 2389. Täubel
wb. d. buchdruckerkunst anh. 38. Prechtl
technol. encycl. 22, 151.
zur speise dienendes waschen: wanta man sus wannewuasg thaʒ fleisg tharinne (
im teich). Otfrid 3, 4, 5; si giengen dâ der brunne flôʒ, si wuoschen würze unde ir krût. W. v. Eschenbach
Parzival 486, 3; das eingeweide aber und die schenckel sol man mit wasser wasschen
3 Mos. 1, 9; die wampen waschen
s. o. sp. 1448 3)); ein fasz, darinnen die butter zu waschen 6
gr. codex Augusteus 2, 856 (1623); flinke weiber und mädchen wuschen salat O. Ludwig 2, 28. die fenster, die stube, ein haus, ein schiff waschen: die fenster waschen Ludwig 2390; denn sie waren, selbst die zerbrochenen scheiben, klar und sauber gewaschen Keller 4, 108; deine stube hier, die bücherkammer will ich nun einmal recht waschen und scheuern ... lassen Sturz
schriften (1779) 1, 255; so weschen wir die stuben alle. Dangkrotzheim
heil. namenbuch 303
Pickel; das alles sieht so lustig aus, so wohl gewaschen das bauerhaus. Göthe 3, 136
Weim. ausg.; am abend wird das waschen des verdecks wiederholt G. Forster
schriften 5, 125. II@3@bb)
für das waschen
des leinenzeugs ist seit dem mhd. absolut waschen
üblich, das auch auf die dauernde beschäftigung damit gehen kann: die wol mit vreuden wæren,wie den daʒ mac gezemen, daʒ si müeʒen waschenin den vremeden landen, Kûdrûn unde Hildeburcdie wuoschen alle zît ûf einem sande.
Kudrun 1165, 4
Martin; heiʒet iuch füeren bî dem zoum für mîn hûs, dâ ich inne wasch unde spinne. Enikel
weltchronik 20816
Strauch; alsô seh wir oft auf den pücheln ob den pächen, dâ die weschen waschent, den slag mit den pleueln, ê wir den galm hœren K. v. Megenberg 91, 34; die frow wuosch eines mals und hett eyn groszes schaff mit wasser
der heyligen leben summerteil (1472) 23
a; so sieht er ein alte wüste vettel ... über eim bach wäschen Frey
gartenges. 125, 14
Bolte; den frauensleuten, so graben ..., in flachs arbeiten, waschen und dergleichen arbeit thun Krumbholtz
die gewerbe der stadt Münster 452 (1623); kochen, backen und wäschen hatte ich ... gelernet
Simpl. 1, 210, 3
Kurz; weiber wäschen undt schlagen die wäsch Elis. Charl. v. Orleans
briefe (1707—15) 157; heute über acht tage wollen wir waschen; sie gehet aus waschen, sie ernähret sich mit waschen Ludwig 2389; wie vater noch oberförster war, da wusch ihre mutter schonn bei uns im hause G. Hauptmann
Rose Bernd 103 (
act. 4); mit iren schencklein gehet sie bar, recht als sie waschen solte. Forster
frische teutsche liedlein 32 (1, 47, 2)
neudr.; es solt ein medlen waschen gan, ir hemdlen weisz, ir euglin klar. Uhland
volkslieder 252; (
ich will) spinnen, garnwinden und abhaspen, spüln, kern, betthen und waschen. H. Sachs 9, 112, 28
Keller; welche junckfraw fromm will bleiben, dieselb soll ir zeyt vertreyben mit waschen, spinnen und mit nehen. Schumann
nachtbüchlein 57
Bolte; auch kochen, waschen, stricken und nähn thut den mädcher sehr wohl anstehn. Arnim (1853
ff.) 21, 122; sie waschet, sie plättet, sie fältelt so rein. Brentano 7, 369.
gern verbunden wischen und waschen: so überhuobe sie sich nicht ires fürstlichen adels, sunder diente den armen leüten, mit herbergen, almuosen, wüschen und weschen H. Gebweiler
Otilie (1521) G 2
b; denn wie ein weibszbild ... durch wischen und waschen kan selig werden Mathesius
Sarepta (1571) 7
a. II@3@cc)
beim maler ist waschen
die aufgetragene farbe mit wasser verwischen, so dasz das dunkle allmählich ins helle übergeht, lavieren, tuschen v. Hoyer
u. Kreuter
5 833
a; eine gewaschene zeichnung Adelung; auf gewaschene art Campe. II@3@dd)
übertragen die karten waschen '
mischen' Schütze 4, 342 (
auch upwaschen).
ebenso wird ndl. wasschen
gebraucht. II@44)
dieses waschen
erscheint dann auch besonders technisch in erweitertem gebrauch, in dem es überhaupt ein verfahren vermittelst wassers oder einer andern flüssigkeit bezeichnet, ohne dasz eine zur reinigung dienende thätigkeit mit den händen stattfindet. II@4@aa) münzen waschen,
in scheidewasser legen, um etwas gold oder silber abzulösen: das sindt myr freylich nasse knaben, die fill verzeren und wenig haben, ... noch dem guot verduondt die eschen, duckaten, reinsche gulden weschen. Murner
schelmenzunft 23, 16; im selber stelen, übel schweren, mit guldin weschen sich erneren, zedel werffen, scholder nemmen — die schelmen solt man billich schwemmen!
narrenbeschw. 16, 72; tieser ist des bazen-waschens ohne zweifel auch bericht. Grob
dichter. versuchg. 55 (2, 4); sonderlich soll das betrieglich aller reichsmüntzen prechen, granaliren, saigern, ringern, beschneiden, schwechen, weschen, abgieszen, auszwiegen, auffwechsseln, und dann verfälschen ... verbotten seyn
des heil. röm. reichs ordnungen (1579) 2, 296
a (
reichstagsabschied 1570); so wirdt auch ein falsch begangen an der müntze, wenn dieselbe beschnitten, oder durch scheidewasser abgewaschen und verringert ... werden Til. Friese
müntzspiegel (1592) F 1
b; II@4@bb)
den weizen waschen,
durch wasser die unreinigkeiten wegschwemmen Jacobsson 4, 596
a. Adelung. II@4@cc) gas waschen,
es reinigen, indem man es durch bestimmte flüssigkeiten streichen läszt Karmarsch-Heeren
3 10, 241. Prechtl
technol. encycl. 23, 238. II@4@dd) arzneimittel waschen '
insonderheit wann man mit wasser die saltzigkeit davon abwaschet' Blancard
med. wb. (1710) 360. II@4@ee)
im bergwesen ist waschen '
zerkleinte erze vermittelst aufgegossenen wassers auf dem planenherde von den untauglichen bergarten befreien'
und '
durch siebe unreines grubenklein mit hülfe des wassers reinigen' C.
F. Richter
berg- u. hüttenlex. 2, 611: uff denselben tzechen sall der bergkmeyster keyne halde ane unszern willen tzu cleinen ader tzu waschen gestatten
urkundenbuch d. stadt Freiberg 2, 507, 26 (1509); des schmeltzens, treibens, waschens, müntzens Mathesius
Sarepta (1571) 6
a; item sie besuchten die muntzbräger ..., fuhren ein in die gäng, schecht, stollen, und geschick, sahen schürffen, weschen, rösten
Garg. 294
Alsleben; dann einer hat gewohnlich allein zu schürffen die erfahrung, der ander zu wäschen Agricola
bergwerckbuch verd. durch Bech 2; man wäschet das ertz, aber vergifftet darmit die bäch 6.
in hüttenwerken überhaupt (
wie schlämmen)
die '
mechanische behandlung zerkleinerter substanzen mit wasser',
z. b. beim alaunmehl Lampadius
handwb. d. hüttenkunde 216; nimb kieszlingstein ... stosz ihn klein ..., und schlemb oder wasch das trübe darvon Ercker
beschr. aller mineral. ertzt 12
b; der schlam aus der büdden, welcher durch höltzerne körbe gewaschen ist Berward
interpres phraseologiae metallurgicae (1702) 33. gold waschen,
goldkörner aus dem fluszsand durch aufschütten von wasser gewinnen: zo komestu zcu dem weyszinwasser ..., zo findistu zcu waschen golt und ametissten
cod. dipl. Silesiae 20, 84 (15.
jh.); davon dann auch die flüsz ... besämbt sein, dasz man darinnen gediegen golt an vielen orten ... wescht, und zu nutz bringt Ercker
beschr. aller mineral. ertzt 42
a; in früheren jahren haben seltsame menschen ... das gold in unsern bächen gewaschen und sind reich von dannen gezogen Stifter
werke 5, 1, 278; und wasch dennocht (wie du) kein goldt. Waldis
Esopus 2, 38, 44
Kurz; hier fleuszt pur klares gold. geringe bauern wissen mit waschen gut bescheyd, und lesen einen sand, der auch mit seiner stärck' erobert leut' und land. Opitz 1, 133 (
Zlatna). aus der erde, dem sand: aus der erde der umgegend waschen die weiber mühsam den goldstaub Ritter
erdkunde 1, 308; das gold, welches damals aus dem Rheinsand gewaschen wurde, war im ganzen unbedeutend Freytag 17, 288 (
bilder 1, 5); es wäscht der lockige neger aus fluszsand goldene körner. Freiligrath 1, 330.
bildlich: und aus ihren geistesströmen haben viele hundert andere schriftsteller goldkörner gewaschen Arndt
schriften 2, 92. II@4@ff) wein, bier waschen,
mit wasser verfälschen: ein wäscherin ward zu den würthen gewiesen, weil diese den wein so wol wäschen können Philander (1650) 1, 21; das Merseburger bier, das, wenn man es nicht wäscht, uns stärkt, und ist gesund, und uns den durst auch löscht.
der spaziergang nach Eutritzsch (1781) 10. II@4@gg)
eine eigenthümliche bedeutungsentwicklung zeigt holz waschen '
aus dem wasser auffischen'
im älteren preusz. (
s.waschstuhl): item 8 scot vor 4 schog ronen us dem wasser zu waschen Joachim
das Marienburger treszlerbuch d. jahre 1399 —1409
s. 283, 25. II@55)
während waschen
zunächst nur eine menschliche thätigkeit bezeichnet, wird dann auch von den thränen, dem regen, den flüssen und bächen gesagt, dasz sie waschen. II@5@aa)
der erste gebrauch wird dadurch vorbereitet, dasz die netzung eines gegenstandes durch thränen waschen
heiszt. mit (
selten in) thränen waschen:
lavabo per singulas noctes lectum meum, ich wasche alle naht min bette mit minen zahern
speculum ecclesiae 50
Kelle; er ... liesz im ... sin fsze wäschen mit ir trähennen
S. Georgener prediger 170, 4
Rieder; (
das tote) hercze daʒ sy mit iren ellenden zähern gewaschen hett
Decamerone 255, 27
Keller; und ihn hiemit mit iren schneweiszen armen umbfieng und im mit haiszen thränen sein klares angesicht wuosch Schumann
nachtbüchlein 116
Bolte; thränenquellen, mit denen sie sich alle nacht wäschet J. Arnd
nachfolge Christi 26; o wandrer, wasche den platz mit thränen. Goekingk 3, 281; niemand spotte dieser asche, die ich jetzt mit thränen wasche. Bürger 15
b; (
er) drükt ihre kraftlose hand an die lippen, wäscht sie in seinen tränen. Lenz
ged. 32
Weinhold. bildlich: sin missetat er waschen mit heiʒen trachen began.
zeitschrift f. d. alt. 1, 130 (
bruchstück aus Barlaam und Josafat).
schon seit dem mhd. auch die thräne wäscht: die riuwigen zæhere gebentuns die toffe widere, daʒ helleviur si leschent,von sunden si uns waschent.
Genesis u. Exodus 30, 22
Diemer; so ruft sie kläglich aus, indem ein thränengusz sein starres auge wäscht und seine marmorwangen. Wieland 17, 94 (
Idris u. Zen. 2, 51, 2); ach! dann wascht ihm vielleicht eine reuige thräne von den triefenden händen das blut. Pfeffel
poet. versuche 4, 116; wie wusch oft salzig nasz um Rosalinde dir die wange blasz!
Shakespeare, Romeo u. J. 2, 3. II@5@bb) der regen wäscht: ich habe mir hier um meinen regenschirm sechzehn silberglöckchen befestigt und bei jedem glöckchen ein anderes kleidchen ..., und wenn sie schmutzig sind, wäscht mir sie der regen Brentano 5, 116; ich bin gewaschen worden,
sagt der vom regen naszgewordene; so rein ist Jena lange nicht gewaschen worden Göthe
briefe 28, 102
Weim. ausg.; was plagt mich erst der regen noch! er wird mich doch nicht weschen weis. Fischart 1, 180 (
S. Dominicus 1883)
Kurz; wie? wär diese hand auch um und um in bruderblut getaucht: giebt es nicht regen gnug im milden himmel sie weisz wie schnee zu waschen?
Shakespeare, Hamlet 3, 3;
absolut: wo der donner bis in d' erd' h'nein schüttert und der regen über oa'm rauscht und wascht Anzengruber 9, 111 (
fleck auf der ehr 3, 3).
dialektisch steht auch waschen
unpersönlich für '
stark regnen' Martin-Lienhart 2, 872. Schöpf 802. Unger-Khull 618
b.
ähnlich vom thau: der thau wusch die bestaubten fluren. Lichtwer
äsop. fabeln 68. II@5@cc) das wasser
von flüssen, bächen, des meers wäscht '
bespült': stiegen wir ... die von dem klaren wasser gewaschenen felsenstuffen hinauff
Felsenburg 1, 75
neudr.; klippen, deren fusz das bächlein tief drunten so heimlich wäscht Immermann I, 1, 50
Koch; es ist kein distelrand, den unsre Pegnitz wäscht. S. v. Birken
forts. d. Pegnitz-schäferey X 4
b; durch blumen rinnt die silberquelle; es wäscht, dem ohr vernehmlich kaum, mit klagendem geräusch die welle der schauervollen grotte saum. Boie
im Gött. musenalmanach 1770, 97 (126, 86)
neudr.; wirf die brücke über den entsühnten strom, und, den dort die fluten waschen, aus den aschen richt' empor den kaiserdom! Geibel 4, 234 (
heroldsrufe). waschen
tritt in diesem gebrauch ganz in die construction von spülen
ein: das die Begnitz das dam nit hinwasch oder durchfresz oder überfall Tucher
baumeisterbuch 271, 7; sie (
die marmornen kammern) wehren der flut, die schleicht, nicht den eingang durch die spalten, noch dasz sie den fusz des baues wegwäsche. Bodmer
Noah (1752) 270 (9, 174); die gierige kohlmeise wird ihre äuglein ausgehackt haben — oder die wasser der Pernitz werden um ihre zarten glieder waschen Stifter
werke 2, 60; das gebrause des meeres drauszen, das ... die groszen eingerammten steine wie kiesel aus der westermoole wusch Fontane I, 4, 79.
bei K. v. Megenberg
kommt ist gewaschen
für '
ist durchgesickert'
vor (
oder ist es passivisch zu nehmen? vgl. 4
e die stelle aus Berward): daʒ waʒʒer, daʒ gesigen ist oder gewaschen durch der veigenpaum aschen, daʒ ist guot zuo dem gerunnenn pluot in dem leib 322, 30. II@5@dd)
ungewöhnlich vom wind: weil ... nu der wind mit nichten stum das erdreich gleichsam saiffend waschet. Weckherlin 1, 508, 3
Fischer. II@66)
redensarten (
s. schon oben 2). II@6@aa) einer, der
oder etwas das sich gewaschen hat
vgl. 2
a ε.
die zunächst von personen gebrauchte wendung (er hat sich nicht gewaschen Stieler 2446)
tritt litterarisch früher auf, als th. 4, 1, 5367
angenommen wird (
in der stelle bei Logau
allerdings noch in einem bilde),
und ist frühzeitig auch auf dinge übertragen worden: in der tugend frauen-zimmer, da ist gut die bräute wehlen, da kan eben nicht die dritte, da kan nimmer keine fehlen. die zumahl sich so gewaschen durch viel tapffres stamm-geblüte, dasz die welt, der grosze zeuge, selbsten zeugt von ihrer güte. Logau 3, 5, 48 (
s. 517
Eitner); sie hatte eine schnur perlen um den hals, die hatten sich gewaschen, die lieszen sich sehen, die prangeten,
she had a string of excellent pearls Ludwig 2389; ihr sollt schon einen vers kriegen, der sich gewaschen hat
Holberg dän. schaubühne (1743—55) 4, 540 (
Bramarbas 1, 8); gevatterbriefe und hochzeitbriefe, das ist mein werk, die kann ich schreiben, trotz zehn andern! ich schicke ihnen von beyden eine probe mit, die sich gewaschen hat Rabener
werke 3, 50.
es können auch bestimmende adverbia hinzutreten: wenn ich ein capital von 5000 rthlr. im schubsacke habe, will ich bald zu einem andern weibe kommen, die sich verhoffentlich besser wird gewaschen haben Stoppe
Parnasz im Sättler 521; (
ein gartensaal) noch im alten geschmacke — da hat sich meines herrn tempel anders gewaschen Gotter 3, 179.
als bedeutung wird in den idiotiken theils allgemein '
ausgezeichnet, vorzüglich'
angegeben, theils bestimmter von personen '
grosz, stark', '
verständig, fleiszig' (Schmidt
westerwäld. id. 321), '
anständig, nett',
aber auch '
gerieben, schlau' (Crecelius 895, Ruckert 193),
von sachen '
seine schwierigkeiten bietend'
; in Berlin ist es '
reich' H. Meyer 60;
vgl. ich kann gar nicht schmutzig sein, denn ich bin ein reicher mensch und folglich ein kerl, der sich gewaschen hat Raimund
werke 1, 41.
doppelsinnig (
vgl. 4
f)
ist die wendung an folgenden stellen: preis sei dem brauer Pott, dem besten in der stadt! der braut doch noch ein bier, — das sich gewaschen hat. Kretschmann 7, 124; viele der herren von adel schicken den tag zuvor ein fläschgen aus ihrem keller; unser graf nicht also, obgleich sein Rheinwein sich nicht gewaschen hat v. Hippel
lebensläufe 3, 347. II@6@bb) mit einem wasser gewaschen sein '
durch erfahrung eine art angenommen haben' (
wol von der anwendung von essenzen und arzneien ausgehend, vgl. th. 8, 1686 mit allen salben geschmiert,
aber auch Ruckert 194 dar it scho mit'n dracket'n wasser getäfft '
getauft'): das sindt myr freylich nasse knaben, die den schalk beschlossen haben: sy sindt mit bosem wasser geweschen. Murner
schelmenzunft 23, 3; die weiber sindt zu betriegen also von art gewidmet und mit so bösem wasser gewaschen, das die einfeltigst neunfeltig ist, wanns an bösz list geht S. Franck
sprichw. 1, 24
a; er ist mit (
auch: in) allen wassern gewaschen '
überall erfahren' Wander 4, 1828: der bursch ist mit allen wassern gewaschen und läszt sich so leicht nicht fangen H. v. Schmid,
gartenlaube 1878, 439
b.
daran schlieszt sich: da spürt man wol, mit was philosophia du geweschen bist Paracelsus
op. (1616) 1, 75 A. II@6@cc) einen mohren waschen (weisz waschen) '
etwas unmögliches versuchen, vergebliche arbeit thun',
von Jer. 13, 23
ausgehend (
vgl. th. 6, 2472): ist so vergebliche arbeit, als ob wir einen mohren zu waschen ... bemühet wären v. Ziegler
asiat. Banise 465; man darf nicht gänzlich verzweifeln, dasz ein thor noch einmal gescheut werden könne, wer aber einen narren klug zu machen gedenkt, wäscht einen mohren Kant 10, 12; wer behielte die lust einen mohren zu waschen? Göthe
briefe 20, 251
Weim. ausg.; eh wirst du einen mohren waschen, eh er (
der jude) das mauscheln lassen kan.
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs nr. 147, 9 (1737)
Mehring. mit beziehung von mohr
auf eine bestimmte person: aber solch sünden seind euch leicht, weil ihrs nur abwäscht mit der beicht, die man eim pfaffen blaszt in d' ohren; darnach seit ir wie gwäschte moren. Fischart 3, 371
Kurz (
gegenbadstüblein 270); er bleibt allezeit wie zuvor, es läszt sich nicht waschen dieser mohr. Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 229; seit Bismarcks sturz hat man die Polen durch starke zugeständnisse zu gewinnen versucht; — diese mohren wäscht man aber nicht weisz
F. Dahn
bei Flathe
deutsche reden 2, 651.
umbildungen der redensart: ich bin ein thor, dasz ich mich mühe, euch mohren all den kopf zu waschen Arnim (1853
ff.) 16, 15; lohnt's doch der mühe nicht, den teufel weisz waschen zu wollen Klinger
werke 3, 95;
auch nur einen weisz waschen,
vgl. 5
b Fischart
und s. weisz. II@6@dd) seine hände in unschuld waschen (
beruht auf vermischung von Matth. 27, 24
mit ps. 73, 13),
vgl. auch ps. 26, 6 ich wasche meine hende mit unschuld,
darnach H. Sachs 18, 117, 4
und noch Rondeau seine hände mit unschuld waschen.
auch ohne zusatz: unschuldig bin ich an dem endt und wasch wie Pilatus meine hendt. H. Sachs 13, 97, 2
Keller; hiemit so wäsch ich händ und mund, und bin gantz reyn von dieser sü
nd. Fischart 2, 334
Kurz (
d. gelehrten d. verkehrten 141); das blut käm doch allein über uns, und er wüsche die hände Klinger
Otto 95 (5, 2)
neudr. über, von etwas: ich wasche meine hände über die folgen, die daraus entstehen mögen! Wieland 7, 290 (
d. gold. spiegel 2, 14); o blut'ge that, verzweiflungsvoll verübt! gern, wie Pilatus, wüsch' ich meine hände von diesem höchst verruchten sünd'gen mord.
Shakespeare, Richard III. 1, 4. II@6@ee) den geringsten löffel dazu nit zuwaschen haben Schottel 1117 '
nicht den geringsten dienst dabei verrichten können, gar nichts davon verstehen': wenn er (
der schwätzer) aber bey glerte kompt, mit seinen sprachen gar verstumpt, von künsten hat ein lere taschen, kan nicht zur sach ein löffel waschen. Waldis
Esopus 1, 90, 62
Kurz; sie wissen wol geld inn der tasschen und nicht ein löffel zuwasschen zu solcher ehrlichen kurtzweil, man solt sie nennen grobe keyl.
M. Agricola
musica instrumentalis deudsch 142
neudr.; das mirs mit diesem meinem werck auch also gehen und widerfahren werde (
dasz ein jeder etwas daran werde zu meistern finden), sonderlich von denen, die darzu nicht hetten einen leffel waschen können Cyr. Spangenberg
Mansfeldische chronica 1,
vorrede 3
b; er hat nicht den geringsten löffel dabey zu waschen Schellhorn
sprichw. (1797) 6.
umgeändert: ob er sonsten gleich von keinem dinge weis ein leffel zu waschen
Reinecke fuchs (
Rostock 1650) 267. II@6@ff) den sinn zu waschen geben '
sich seines verstandes entäuszern': sie haben ir sinn zu waschen geben S. Franck
sprichw. 2, 69
b; sie haben ire sinn ausz zu weschen geben Tappius (1545) 82
b; sölt mich ein süntlich sach nu fröwen als ein reines seligs leben, so wölt ich zwar im winter höwen und hett die sinn ze weschen geben. H. v. Montfort 64 (20, 52)
Wackernell; er (
der verliebte) acht auch keyner kunst, freundschaft noch gesellschaft sunst. auch wo er hab zu schaffen mit layen oder pfaffen, thut er, samb hab er eben sein sinn zu waschen geben. H. Sachs 4, 312, 9
Keller. II@6@gg) auf beiden bänken (
vgl.waschbank) waschen '
es mit zwei parteien halten': ein fromer fürste ... waschende auf beiden bäncken Eschenloer
gesch. d. stadt Breslau 2, 327; alsz die landrähte ... gnade suchen lieszen, auch heimlichen ... bey der nacht kamen ... und wolten auff beiden bänken waschen Schweinichen
Heinrich XI., scriptores rerum Silesiacarum 4, 53. II@6@hh) wasch mir den pelz, aber mach' ihn nicht nasz,
vielleicht auf die geschichte von Eulenspiegels pelzwaschen zurückgehend, vgl. th. 7, 1534: das heist wol redlich: wasche mir den peltz, aber bey leib und leben mache mir ihn nicht nasz!
Simpl. 3, 407, 6
Kurz (
vogelnest 1, 17).
mit bestimmter beziehung: die zahme mitte aber zwischen dem freien denken und dem gebundenen, die den pelz wäscht und nicht nasz macht
F. Th. Vischer
krit. gänge 1, 134. II@6@ii) 's wasch.n und 's bachə~ haben, kriegen,
von arbeiten gedrängt, erdrückt sein, werden Schmeller 2, 1039. II@6@kk) ich wasche keine lumpen,
I do not love to busy my self about trifles Ludwig 2389. II@6@ll) viel hosen zu waschen haben Krämer 1211
b '
sich um eigene angelegenheiten kümmern müssen': er hat viele hosen zu waschen,
he is a busy-body Ludwig 2389; luog zuo dinen eignen sachen! das unser könnend wir selb wol machen ... du hast gern vil höszly zweschen.
schweiz. schausp. 1, 259, 2041. II@6@mm) hosen, windeln im maul waschen '
ein ungewaschenes maul haben': die sagten von vilen dingen, wie sie denn die leüt auszzuorichten pflegen und alle brüch in iren meulern weschen müssen und auff der gassen ständeling halten Lindener
Katzipori 115
Lichtenstein; er hat ein maul, man solt ihm nur drein hofieren, windeln waschen S. Franck
sprichw. 2, 68
b,
vgl. 1, 86
b; er hat ein maul, mann solt im nur beschissen windlen drinn waschen
sprichwörter (
Frankf. 1548) 160
b. II@6@nn) die windeln waschen '
verächtliche arbeit im hause verrichten'
: mancipium, knecht
vel maget,
interdum vir, so er musz die windel waschen
voc. praed. o 6
b; wenn eyn man hynginge und wussche die windel odder thet sonst am kinde eyn verachtlich werck Luther 10, II, 296, 27
Weim. ausg.; ein mann ... soll nicht, wie man saget, die erbsen inn den hafen zalen oder die windelen zuwäschen befehlen Fischart
philos. ehzuchtb. 186
Hauffen; wenn ein ander fantaste vermeinete, das hanrey so viel wehre als ohn- oder ahnrey ... welcher zu hause müste die windeln waschen Prätorius
philosophia colus 31. II@6@oo) das wäscht ihm kein regen ab '
dagegen kann er nichts machen' Brendicke 191. II@77)
sprichwörter. eine hand wäscht die andre,
früher in der form: wenn eine hand die ander weschet, so werden sie beide reine Faber
thesaurus (1587) 482
a,
ähnlich Tappius (1545) 238
b und Wille
sittenlehre 98; wäsch mich, so wäsch ich dich, so werden wir beyd hüpsch Lehmann 407, 30; kurtzumb wäsch du mich, so wesch ich dich
Garg. 63
Alsleben; hand wird nur von hand gewaschen; wenn du nehmen willst, so gib! Göthe 2, 292
Weim. ausg.; zu mittag! gut, gevatter! jetzt gilt's freundschaft. ihr wiszt, wie sich zwei hände waschen können. H. v. Kleist 1, 330 (
zerbr. krug 1)
E. Schmidt. — doch merk mich recht, merk mich mit fleysz, was man nicht wäscht, wird selten weysz.
Lalebuch 8
neudr.; wer sich wäscht, dem siehet man keinen makel an Lehmann 710, 15; je länger wir uns waschen, je unreiner wir werden Petri 2, 844
bei Wander 4, 1797; der sich fürsiehet, dasz er nicht in koth fället, der darff sich nicht wäschen Lehmann 710, 5; wer sich täglich besudelt, musz sich täglich waschen 710, 7; wer viel wäscht, musz viel trocknen Wander 4, 1797; wäschen, zinsen und beichten, soll man nicht aufschieben, es kommt immer mehr dazu
ebenda. — an alten häfen und schälcken ist alles waschen verloren
sprichw. (
Frankf. 1548) 18
b; schwarz geboren, hat's waschen verloren Kirchhofer 241; man mag en waschen odder riwen, as he is, so will he wol bliwen. Schütze 4, 378. — wer sich mit dreck wil weschen rein, der leit zwölff groszer dreck uff ein. Murner
narrenbeschw. 57, 1; das seind Adams feigenbletter, dasz ers die Eva zeihet und sich mit ihrem unflat wil wäschen und reyn machen
sprichw. (
Frankf. 1591) 19
a. — es wäscht sich keiner selbst so schön, als wann er würd zuom scherer gehn Fischart
praktik groszm. 4
neudr.; wann der mann selber nicht kompt, da wirdt im das hembd nicht wol gewaschen Henisch 1595, 4; wōr man sulvest nig kumt, dār ward enem de kopp nig wusken
brem. wb. 5, 202; wer nicht da ist, dem wird der kopf nicht gewaschen! v. Holtei
erzähl. schriften 15, 182. Brendicke 191. — nach dem sprichwort: wilt du lang leben, so wäsch die milch vonn der leber Lindener
rastb. 53
Lichtenstein. — alte lumpen rein gewaschen, helffen manchem ausz der aschen. Henisch 1595, 5. — wer sich mit wahrheit wäscht, kriegt eine grobe haut. Stoppe
bei Steinbach 2, 946. — du giebst wenig von einer lüge zu waschen, du kannst sie wohl selbst sechten Kirchhofer 341. — weisze händ und täschen seind gnug gewäschen Fischart
praktik groszm. 557
Scheible; des vaters täschen thun manche wäschen Kirchhofer 177. II@88) waschen (
daneben watschen
s. d.) '
plaudern'
ist ursprünglich ein ganz anderes wort, das nebst wasche '
maul'
und '
ohrfeige'
onomatopoetischen ursprungs ist, frühzeitig aber mit dem gewöhnlichen waschen
in verbindung gebracht wird, vgl.: weiber sollen mit dem pleuel und nicht immerdar mit dem maul waschen Matthesius
Syrach (1586) 26
a,
s. auch waschbank und waschbläuel.
das jetzt veraltete wort hat sich von beschränktem gebiet aus allmählich ausgebreitet; am frühesten (
seit anfang des 14.
jahrh.)
tritt es im thüringischen, dann auch in andern ostmd. mundarten und um 1500
im hessischen auf, auch im nd. des 15.
jahrh. wird waschen (
wie wasche '
plappermaul')
gebraucht Schiller-Lübben 5, 610.
dem obd. ist das wort ursprünglich fremd, doch verbreitet es sich hier vom anfang des 16.
jahrh. an (
vgl. auch wäscher
und waschhaft),
wobei der auszerordentlich häufige gebrauch bei Luther
und in der bibel von besonderem einflusz ist. so erscheint das wort bei H. Sachs
und S. Franck,
bei beiden allerdings nur in anlehnung an eine bibelstelle, ferner bei Eberlin, Eck, J. Nas
und in Petrarche trostbüchern, im 17.
jahrh. bei Weckherlin, Dannhawer
und Abr. a S. Clara.
die alten glossare bringen es nur selten (
doch vgl. wäscher): Diefenbach
gl. 258
a.
nov. gl. 189
b garrulare, waschen (2
nd. quellen des 15.
jahrh.); waschen, vilkosen,
garrulare. voc. theut. (1482) nn 2
a.
es fehlt bei den Süddeutschen Dasypodius
und Maaler,
auch Hulsius, Schönsleder, Dentzler,
dagegen verzeichnet es Alberus 28
b blatero, blatio ... ich schwetz, wesch unnütze ding, blapper, klapper;
auch Kilian 666
führt weschen
als ein sächsisches wort an '
garrire, nugare', wescher
auch als sicambrisch; im 17.
jahrh. hat es Corvinus
fons latinitatis 76 '
argutari'
und auch der Süddeutsche Güntzel 838 'unnutz red, gespräch treiben';
regelmäszig verzeichnet wird das wort seit Krämer 1211
b und Stieler 2446 '
metaphorice propter strepitum: garrire, causari, verbis humidis et lapsantibus diffluere, stulta et immodica blaterare, colluvione verborum aestuare, voce tinnire'.
es kommt in der litteratur des 17.
jahrh. häufig vor, wird aber doch als niederer ausdruck empfunden und von der dichtung im ganzen fern gehalten. im 18.
jahrh. tritt es noch bei Sachsen und Norddeutschen auf, weicht aber sonst (
im unterschied von wäscher, waschhaft
und besonders gewäsch)
stark zurück, obgleich es noch Campe
nicht als veraltet bezeichnet. Göthe
hat es noch einmal in vertraulichem briefstil in der mundartlichen form gebraucht: es fehlt nicht viel, so fange ich an zu wäschen
briefe 1, 244
Weim. ausg. jetzt ist das wort auffallender weise gerade in seiner alten heimat veraltet, vgl. Müller-Fraureuth 2, 642,
aus Thüringen wird es von Hertel
nicht mehr gebracht, doch wird es noch von Döring 87
aus Sondershausen (
als selten)
und Frommann 2, 467
aus dem hennebergischen angeführt; im nordosten scheint es noch zu leben Bernd
Posen 344 (
auch watschen). Frischbier 2, 457,
ebenso im westen Schmidt 321. Kehrein 439. Crecelius 895;
auch in nd. idiotiken wird das wort erwähnt, aber keineswegs in allen Schütze 4, 341. Dähnert 540. Strodtmann 279,
in den meisten erscheint das wort nicht mehr. im süden hat es das Elsasz Martin-Lienhart 2, 872,
wo auch schon früher waschen
mit seinen ableitungen häufig vorkommt, und dann hat es sich im südosten eingebürgert, so dasz es hier als dialektwort angeführt wird Loritza 141. Schöpf 802. Lexer 251. Unger-Khull 618
b. II@8@aa)
der onomatopoetische charakter des wortes zeigt sich noch darin, dasz es hauptsächlich das geräusch des redens bezeichnet, mit dem kein rechter sinn und verstand verbunden ist; meistens kommt auch das bedeutungsmoment des fortgesetztredens hinzu: und ir alten vlattertaschen, ir kunnet vil smetzen und waschen.
osterspiel, fundgruben 2, 298, 2; die alten wiber ich lerne kebeln, swatzen und waschen (
l. weschen): das sind min lieben glapperdeschen.
Alsfelder passionsspiel 438
Grein; ein grober ungezogener mensch plaudert unfursichtiglich, und wesscht imer fort, wie es im einfelt
Sirach 20, 21; er (
der trunkene mann) daumelt, fellet, speyet, wescht, handelt unverschampt Luther 19, 417, 23
Weim. ausg.; dasz sie (
die gottlosen) davon rhümen, singen, sagen, wasschen und plaudern 19, 588, 23; da wil der teufel auch hin und mit zehen meulern waschen und plaudern 23, 541, 30; eine nerrin ... mag (
man) ... fluchs an den worten kennen, dann sie wescht gern Barth
weiberspiegel R 6
a; du wirst noch so viel waschen, das ich dir das maul einmal werde zustopffen Heinr. Jul. v. Braunschweig 304
Holland (
von e. wirthe 1, 4); als wenn die weiber umb so viel bessere oder mehr menschen wären ... als mehr sie plaudern, tandeln, waschen Prätorius
d. abenteuerl. glückstopf 84; ein grober mensch, wüst, ungezogen, plaudert unfürsichtig betrogen, wescht immer fort, wies im einfellt. H. Sachs 19, 82, 36
Götze (
ganz ähnlich auch bei S. Franck
sprichw. 1, 113
a); du magst viel waschn, singen und schreibn, von meinem sesz wirst mich nicht treiben. Gilhusius
grammatica 103 (4, 3); disz heiszet nicht verstehen und weise seyn, viel schwätzen: wer immer waschen will, wer freyen ziegel gibt dem hertzen ... den treibt ein wirbelsturm. Opitz 2, 488; was ihn nicht selbsten brennt, begehrt er nicht zu löschen, und höret mit geduld, wenn andre schwätzer wäschen. Triller
poet. betrachtungen 2, 284.
das unüberlegte des redens wird auch noch durch zusätze wie ins gelag
hervorgehoben: plauderst und wäschest ins gelag bei bier und wein den ganzen tag. Opel
u. Cohn
30 jähr. krieg 435, 45; so brauch dich deines mauls und wasch ins gloch hinein, es möge nun gefehlt, mög' oder troffen seyn. Scherffer
grobianer 8; wer nit wol reden kan, der wil immer inn hauffen hinein waschen
Petrarche trostbücher 196
b.
der inf. gern substantivirt wie gewäsch: desselbigen gleichen die ketzer haben sich auch auffs waschen gegeben Luther 19, 585, 20
Weim. ausg.; lügen darff viel wasschens und plauderns, warheit ist bald gesagt 23, 206, 7; so meinen sie, sie können es alles und treiben ire hoffart mit unmeszigen wasschen 28, 626, 20; sie sprichet, mer sollen gleuben an Jhesum Crist: bi minem worm! das uns gar fremde ist. wollet er nu volgen miner lere, mer woln uns an ere weschen nit keren.
Alsfelder passionsspiel 4531
Grein; grosz waschen, und das on viel wort ..., hat niemand erfarn noch gesehn. Kirchhof
wendunmuth 1, 271
Österley; last ewer geschwetz, ich weis geschwindt, das ihr viel waschens treiben kündt. Hayneccius
Pfriem 1201
neudr.; viel waschens, und dabey verkert, wirds gar nicht thun auff dieser erd: du kannst stoltz sein und reden gros, das hertz aber ist glaubens los. Selnecker,
Wackernagels kirchenlied 4, 389, 10; wirds da (
in der mädchenschule) nicht ein ewigs waschen geben, mährchenmachen, splitterrichten über die lehrer Hermes
Sophiens reise 6, 287. II@8@bb)
manchmal steht waschen
dem sprechen
sehr nahe, unterscheidet sich aber durch den verächtlichen ton, so bei Luthers drein waschen: wenn man lieder singet, so wasche nicht drein
Sirach 32, 6; (
ein jüngling) sol sich nicht den herrn gleich achten, und wenn ein alter redet, nicht drein waschen 32, 13.
ferner: da du reden solt, da schweygistu, da du schweygen solt, da weschistu Luther 10, II, 257, 1
Weim. ausg.; wen er das predigen soll, so wescht er do hin das gnadenreych evangelium, das yn nymandts verstehen kann
reformations-flugschriften 1, 28; (
die kaufleute) machend ehe ain umhang oben darfür: darmit der ainfeltig nit sehe was mangels am tuoch sei: kaufts allain auf des waschen und loben, und schweren Eck
predigten 5 (1539) 49
a; so tantzen sie dem prediger und pfarrherr zu kriege und verdrusz, weil ers nicht leiden wil und viel darumb mauls haben und waschen (wie sie es nennen), straffen und schelten Dauler
tantzteuffel, theatr. diabol. 177
b; der wäschen für seine gröste kunst hält, und dem stillschweigen eine grosze strafe Schupp
schriften 551; deren etlichen (
haben) sie ... die hände abgehawen, einem das maul zugenähet, dasz er nicht mehr waschen solte Dannhawer
catechismusmilch 2, 384; es giebet ochsen, flegel und rilpen in unserer gemeine, welche unter der predigt immerfort waschen, und wenig acht haben
polit. maulaffe (1679) 126; waschen in der kirchen ist verboten
altenburgische landes-ordnung (1705)
im register; ich glaube, sie hat dieses im namen des ganzen weiblichen geschlechts gesagt, denn im waschen übertreffen sie gewisz sehr die mannsbilder, verstehe im schwätzen Abr. a S. Clara
närrinnen (1713) 129; still schweigen all frist niemals schedlich gewesen ist, aber viel waschen unbedacht hat offt dem menschen schaden bracht. Eyering 2, 351; wer teutsch ist, der red auch gut teutsch, wie der welsch will gut welsch parlieren ... ... dem gehört ein narren-kolb, der teutsch und welsch zusamen waschet. Weckherlin 1, 513
Fischer. II@8@cc) von etwas waschen: von sinem (
Hermanns) tode ist manchir leie wan unde sage, daʒ iʒ beʒʒer ist geswegin, wi her sin ende neme, wanne daʒ man da von frevelichen schrebe unde wusche Ködiz
leben des h. Ludwig 15, 13; die im thor sitzen, wasschen von mir, und in den zechen singet man von mir
ps. 69, 13; hie wescht er ein gantz capitel von dem, da doch nichts angelegen ist Luther 24, 406, 27
Weim. ausg.; das sie sich lassen düncken, evangelium und glauben haben, stehe allein in worten, das man könne viel davon waschen 6, 52
b Jen. ausg.; etlich prediger ... wöllen nit mercken, das nit yn worten, mehr aber yn der krafft ist das reych gottes, und schwatzen und waschen vil on allen ernst und zittern von gottes wort Eberlin v. Günzburg 3, 144
neudr.; weis (
Wicel) weder was glaub noch gute werck sind, und wescht und schwatzt doch vil von glauben und guten wercken Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken E 7
a; was du dann ferrners weschst von der beicht ... das ist ... von vil hochgelerten widerlegt worden J. Nas
das antipap. eins und hundert 3, 22
a; und lasset euch nicht mit den schwencken umbtreiben und narren, wie man biszher in Babel hat gethan, da man von der seelen und ihrem geiste disz und das gewaschen, einer so, der ander anderst J. Böhme
schriften 5, 154; was hilfts? wie Leontin, des pöbels lob zu haschen, mit langem wortgepräng gelehrt von nichts zu waschen? Dusch
mor. br. X, 154. II@8@dd)
bei waschen
kann auch (
wie bei klatschen)
die mangelnde verschwiegenheit besonders betont sein: für irem liegen, waschen, untrew und diebstal sich fürchtet Kirchhof
wendunmuth 1, 262
Österley; zum schlenckeriren, faullentzen, posttragen, klatschen und waschen brauchen wir kein gesinde
jungfer Robinsone 122.
dahin gehört aus dem hause, dem rat, der schule waschen: darnach sol auch das gesind verschwiegen sein, und herrn und frawen zu ehren nichts ausz dem hausz waschen P. Glaser
gesindteuffel, theatr. diabol. 1, 199
a,
darnach Schupp
schriften 350; der (
secretarius) aus dem rath gewaschen in seiner kranckheit als ein irrender wahnwitziger mensch Luther
tischreden 341
a; es ist jo niemands umb und umb, es bleibt wol heimlich auff der stat, du wolst denn waschen aus dem rath. Hayneccius
Pfriem 658
neudr.; steht das einen redlichen bedienten meines gleichen an, dasz ich aus der schule wasche? Weise
Catharine 126 (1, 15)
Fulda; gewiszlich! wolten sie nur aus der schule waschen, sie wissen meistens schon, wie most bei Bartheln schmeckt. Henrici
ged. 1, 254. II@8@ee) mit jemand waschen: kanstu tag und nacht sitzen im bierkrug, oder sonst mit guten gesellen wasschen und plaudern Luther 6, 34
b Jen. ausg.; manche dirne hats im brauch, das sie gerne mit jungen gesellen weschet Matthesius
Syrach 26
a. zusammen waschen: sie haben zusamen gewaschen, wie durch hole döpffe, was es gewesen ist, hat er nicht verstanden Hennenberger
preusz. landtaffel 235. II@8@ff) auf jemand waschen '
etwas unbegründetes von jemand sagen': drumb sag mir her du grechter richter ... bei welchem baum du habst im garten die zwei der unzucht sehen warten, wie du vorhin auf sie hast gewaschen. Rebhun
Susanna 5, 323
Palm. die bedeutung '
verläumden'
zeigt sich auch in dem frühzeitig auftretenden, aber vereinzelt bleibenden waschen
mit persönl. acc.: di wort quamen vor Ditherichen von Elrich. der brachte dy vor dy rete und sprach, he worde hinderwart gewaschen
gesetze der stadt Nordhausen (
um 1360),
neue mittheil. aus dem gebiet hist. - antiqu. forschungen 3, 4, 75; der mich also gewaschen hat, der thut dar an als ein herien son und luget uf mich als ein schalk
ebenda. auch bewaschen
schlieszt sich wol hier an: so sol auch kein meister den andern bewaschen oder beligen
Rochlitzer hüttenordnung (1486)
art. 33,
mitteilungen d. vereins f. Rochlitzer geschichte 1, 72. II@99)
ebenfalls onomatopoetisch ist das bair. waschen (
neben wascheln) '
schleppend oder in weiten kleidern einhergehen' Schmeller 2, 1039,
dazu die adj. bildung waschet;
vgl.waschel,
n.