wasen,
m. rasenstück, rasenfläche. II.
verbreitung, herkunft, formen. I@11)
das wort ahd. waso
mhd. wase
hat sich in der nhd. schriftsprache nicht völlig eingebürgert, wenn es auch in der litteratur bis zur neuzeit auftritt und von fast allen wörterbüchern (
allerdings meist nur in der bedeutung '
rasenstück')
angeführt wird; nach Adelung
ist es im obd. gebräuchlicher als im hd. seine heimat ist auszer Oberdeutschland (Stalder 2, 436. Martin - Lienhart 2, 862. Schmeller 2, 1017. Schöpf 803. Lexer 251)
auch Rhein- und Mittelfranken (wasen Follmann 532. Vilmar 442,
sonst wasem
s. u. 3);
in Thüringen und Obersachsen bieten es ältere quellen und die jetzigen mundarten nicht (
doch bei Döring 2, 87 wâsn '
kurzer rasen'
als veraltet aus Sondershausen),
die schlesischen dichter des 17.
jahrh. verwenden es. auch dem nd. ist das wort nicht fremd: wase Schiller - Lübben 5, 610, '
erdscholle mit dem kraute' Schütze 4, 342,
auch mndl. wase (
als f.) Verdam 679;
doch gewöhnlich nd. wrase, '
rasen',
daneben sode, torf.
in der nhd. litteratur erscheint das wort nicht bei Luther,
wol aber häufig bei Süddeutschen im 16.
jahrh.; im 17.
gebrauchen es u. a. Weckherlin, Balde, Ayrer, Harsdörffer, S. v. Birken, Abr. a S. Clara, Zinkgref, Grimmelshausen, Spee, Opitz, Scherffer,
auch Ant. Ulr. v. Braunschweig; im 18.
weicht es vor dem aus dem nd. vordringenden rasen (
das um 1700
in den wörterbüchern erscheint)
zurück, doch hat Wieland
eine vorliebe für das wort, das auch bei dem Pfälzer Fr. Müller,
dem Nassauer Jung Stilling,
dem Kölner Lindenborn (
Diogenes 1, 192)
vorkommt, Hölty
hat es unter dem einflusz der älteren dichtung; im 19.
ist es auch in der dichtersprache ungewöhnlich, obgleich es Rückert
und selbst der Norddeutsche W. Müller
verwendet; in prosa kommt es noch auszer dem technischen gebrauch (II, 1
am ende. 2. 7,
g. h.)
gelegentlich bei Schweizern, Schwaben (Mörike, Vischer)
und Österreichern (Anzengruber, Rosegger)
vor. —
aus dem fränk. ist das wort ins franz. als gazon,
aus dem bair.-öst. ins südslav. (
slov. vaza Miklosich 376)
gedrungen. I@22)
das auf das deutsche beschränkte wort führt auf den grundbegriff des feuchtseins (
vgl. bei Isidor ærdhwaso '
feuchte erdmasse');
auszerhalb des germ. gehört hierher lett. wasa '
feuchtigkeit des bodens', î-wasa '
feuchtigkeit in der erde, saft in bäumen' Fick 3
4, 404.
ob ein weiterer zusammenhang mit der in wasser
steckenden wurzel besteht, ist unsicher. im germ. gehört dazu ahd. wasal '
feuchte erdmasse',
dat. pl. wasulun '
pluviis',
afries. mnd. mndl. (
noch bei Kilian 654
a als fland. holl.) wase,
f., vläm. waze de Bo 1185 '
schlamm, kot',
mnd. mndl. wasem '
dampf, dunst' (
s. das zweite wasen);
ferner mit ablaut mnd. wôs '
schaum, absud, brühe',
ags. wós '
feuchtigkeit, brühe, saft',
engl. ooze '
feuchtigkeit, schlamm',
norw. schwed. os '
dampf, dunst, pflanzensaft'
und (
aus *wêsa-?,
doch nach Franck
et. wb.2 770
mit wase '
schlamm'
identisch)
ndl. waas '
dampf, dunst',
wfries. waes Dijkstra 3, 399.
das verhältnis von wase
zu dem gleichbedeutenden mnd. wrase,
das als rasen
in die schriftsprache drang (
nnd. auch frasen),
ist zweifelhaft. früher wurde meist identität angenommen (
so noch Noreen
urgerm. lautlehre 221),
wofür spricht, dasz die formen sich geographisch ungefähr ergänzen, aber die entstehung von w-
aus wr-
läszt sich nicht begründen, auch wird der anlaut w-
durch die etymologisch nahestehenden formen als alt erwiesen. es wird daher neben der indogerm. wurzel *vas
eine gleichbedeutende wurzel *vras
anzunehmen sein, für die ir. frass (
aus *vrastā) '
regen'
und weiter skr. várṣati '
regnet', varṣá- '
regen'
spricht Fick 3
4, 417.
auch neben wasen '
dampf'
kommt wrasen
vor, das zwar nicht in frühen quellen belegt ist, aber doch alt sein kann, vgl. ferner ofries. wrössem '
schaum vor dem munde'
und nd. wrosen '
den saft aus den kräutern drücken'
brem. wb. 5, 301.
zu erwägen ist aber auch, ob nicht wrase
durch irgendwelche lautliche analogiebildung für wase
eingetreten ist, vgl. ags. wríxl '
wechsel', wreccean '
wecken',
dän. vrimle '
wimmeln',
nd. wraggeln '
wackeln' (
angelehnt an wriggeln),
wo kaum von indogerm. wurzeln, die ein r
enthalten, ausgegangen werden kann. I@33)
die nominativform wase
ist schon im 15.
jahrh. oft zu wasen (
auch mit erhaltener kürze wassen)
erweitert, doch hält sich daneben wase
z. b. voc. theut. (1482) nn 2
a. Keisersberg
bilg. 279. Liliencron 3, 194 —
so wird auch in Ritters
gramm. (1616) 39
und in den wörterbüchern bei Frisch
und Rondeau
angesetzt —
oder häufiger gekürzt (
schon Ottokar
reimchr. 93168) was
fastnachtsp. 555, 21. Watt 3, 358, 38. Ruff
Etter Heini 1739.
österr. weisth. 1, 199, 41; wasz Pincianus (1516) K 8°.
auch die mundarten haben z. th. die gekürzte form, in Lusern was Zingerle 57,
in Gottschee wāš Bacher 224,
oberschwäb. waz Birlinger
wb. z. volksth. a. Schwaben 91,
ostfränk. wôs Frommann 6, 315, ws
wb. d. luxemburg. mda. 491,
cimbrisch noch mit der ahd. endung baso Schmeller 171.
der gen. sg. erweitert wasens
schon in Tuchers
baumeisterbuch 233,
dagegen noch wasen Abr. a S. Clara
Judas 1, 11.
übergang zum fem. (
wie im mndl.)
in der mfränk. quelle bei Wasserschleben (II, 1)
und bei Schottel 1441.
aus wasen
hat sich (
durch anlehnung im auslaut an worte wie bodem)
die form wasem
oder (
mit erhaltener kürze) wassem
entwickelt, die besonders im rhein- und mfränk. gilt (Autenrieth 150. Lenz
vgl. wb. 76. Askenasy 176. Kehrein 439. Crecelius 895. Wegeler 759. Schmidt
Westerwald 322.
zeitschr. f. d. mda. 1908, 172 (
Siegburg).
rhein. geschichtsbl. 6, 61 (
Eifel). Münch
gramm. d. ripuarisch-fränk. mda. 40 —
für Siebenbürgen s. II, 2
den beleg aus Kronstadt —,
aber auch ins alem.-schwäb. hinübergeht (
im Elsasz neben wasə Martin-Lienhart 2, 862
b,
bei Hebel wesme '
grasbüschel'
zeitschr. f. hd. mda. 4, 170,
in Davos wasma,
n. '
rasenstück'
neben wasa Bühler 205).
die form ist schon in glossaren des 15.
jahrh. (
s. II, 1 Diefenbach)
und im 16.
jahrh. nicht selten belegt, so bei Micyllus, Franck, Herr, Zinkgref, Philander, Böckler (
dat. pl. wasemen
weisth. 4, 530.
Potier d'Estain [
Köln 1601] 19, wasmen Buck
flurnamenb. 294);
statt des e
erscheint auch ein voller vokal: wasamen
Frankfurter reformation 9, 3; wasime H. v. Langenstein
Martina 50, 88; wasum Alberus (II, 1),
jetzt hess. wassum Vilmar 442. v. Pfister 320. —
der plur. hält schriftsprachlich den umlaut fern, doch kommt wäsen
früher vereinzelt vor Lindenbruch
chronica K 3
b (1587).
österr. weisth. 3, 343, 9 (1617).
zeitschr. f. kulturgesch. 8, 177 (1620).
jetzt rheinfränk. wäsem Autenrieth 150.
zeitschr. f. hd. mda. 3, 346. Schmidt 322. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11) wasen
ist zunächst die erdscholle mit dem darin wurzelnden pflanzenwuchs: gleba, waso Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 514, 11. 578, 48. 734, 4; scollo, waso 2, 730, 56; scholle, wase 2, 407, 56. 420, 63; wase 3, 715, 14; Diefenbach
gl. 265
a.
nov. gl. 194
b gleba, wase, wasen; sin wunden waren also gethan, herr Helfferich der werde man verhuob ims mit eim wasen.
Ecken auszfart 62
Schade; soll er ain wassen auszraiszen und den miten von einander schneiden
österr. weisth. 5, 111, 3 (
Tirol 1509); aber der hyrtz reiszet den wassen mit dem gehürn usz, das ym die end schwartz werden H. v. Eppendorff
Plinius (1543) 8, 66; oder wo sie (
die pflugschar) schon hienein kompt, kan sie doch das erdtrich nicht zu kleinen schollen brechen, sonder nimpt grosze wasem mit einander, welche darnach grosze hindernusz geben Herr
feldbau (1551) 44
b.
bei der eigenthumsübergabe wurde aus einem acker oder einer wiese ein wasen
als rechtssymbol entnommen (Grimm
rechtsalt.4 157
f.): dese 29 morgen, der geyt man uys ind in vur richter in de scheffen des hoifs van
M. mit eyme helpenbeynen metze, mit eynre groenre wasen ind mit eynen silveren pennincghe Wasserschleben
teutsche rechtsquellen des M. A. 182 (1364); nachdem die execution (
vergantung) gepeten und erlangt ist, soll durch den fron- oder landpoten aus dem hausz ain span, aus ainem acker oder wisen ain erdscholl oder wasen genommen, und auf das negstvolgend gericht der span, schollen oder wasen aufgepoten ... werden
der stat Nürmberg verneüte reformation (1564) 61
a; dasz dem kläger auff ferners anhalten span oder wasen auff dem underpfandt endtlich vergundt werden soll
bayrisches landrecht (1616) 82; noch heute werden im Münchener gantverfahren die symbole span und wasen den akten beigelegt Schmeller 2, 1017.
daran schlieszt sich die formel in (an, bi, ze) wasen und in (an, bi, ze) zwîe '
mit allem zubehör' (
vgl. mnd. an torve unde an twige Schiller-Lübben 4, 583): Harthusen und den zehenden, der zu dem eigen horet, und akker und wisen in holz und en velde, en wasen und en zewige ... daʒ geben wir in
Ulmisches urkundenbuch 1, 171 (1282); kirchsaz, aker, wisen, ehafti und swas dar zuoe horet an wasen oder an zwie
codex diplom. Salemitanus 2, 568 (
Ulm 1300)
Weech; mit allen rehten ..., bi wasen, bi czwigen, bi stege, bi wege
monumenta Zollerana 1, 217 (1371); mit allem reht ze holtze, ze velde, ze wasen, ze zwie 130 (1317).
botanisch ist wasen
das in der erde befindliche vielverzweigte wurzelwerk einer pflanze (
vgl. wasicht 2): der gemeine armleuchter (
eine algenart) ... in stehenden wassern, in deren grunde diese pflanze oft sehr dichte wasen bildet Nemnich 2, 1000. II@22)
weiter sind es aus dem rasen ausgestochene viereckige stücke: cespes, waso, wasi, wase Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 92, 18; waso, wasen 3, 194, 59; wase 3, 351, 38; waso 4, 329, 55; Diefenbach
gl. 116
a.
nov. gl. 87
a cespes, wase, was, wasen, wasem, wassem, wasum;
cespis, terra cum herbis et gramine evulsa, wasz Pinicianus (1516) K 8
c; wasen
vel rasen,
cespis, gleba terre cum graminibus. voc. inc. teut. C 2
b;
caespes, wasum Alberus
dict. H h 1
b;
caespes, wasen, graszbusch Calepinus
XI ling. (1598) 182
b; wasen, wasenschrolle,
cespo Krämer 1212
a; wase,
cespes Stieler 2400.
im 18.
jahrh. bezeichnet Steinbach wasen
als landschaftlich, doch wird es in der bedeutung '
rasenstück'
auch von nordd. wörterbüchern angegeben: wasen (abgestochen wiesen- oder rasenschrollen),
zoode, afgespatte aard, plagge Kramer (1719) 260
a; rasen, wasen,
viereckige stücken von einer mit dichtem grase bewachsenen erde Jacobsson 3, 362
a;
noch bei Mothes
baulex.3 4, 337
a neben rasen
und soden (
vgl. auch unten Bode).
man sagt wasen stechen Krämer 1212
a oder ausstechen: stechen darnach viereckete wasen ausz und legen sie auff die rinden, besähen sie mit habern oder gersten Fronsperger
kriegsb. 3, 146
a; gute wasen müssen aus einem fetten und trächtigen grunde ausgestochen werden, womit man den wall bedeckt Jacobsson 4, 598
b; o, es gibt menschen, man könnte ihnen wasen in der kopfhaut stechen, sie merktens nicht! Vischer
altes u. neues 3, 364. mit wasen (
collectiver sing. oder plur.) belegen, bedecken
u. dgl.: dasselb pret (
schutzbrett am weiher) lest man dan fur vallen und verlegt das hinden mit einem karrn vol wasens, die man darzu aufhawen und füren musz Tucher
baumeisterbuch 233, 19; (
im mai soll man) die kellerfenster mit dicken wasen belegen, dasz die hitz nicht einschlage v. Hohberg
Georgica (1682) 1, 118; verstopfte sie (
die wand der hütte) gegen wind und regen fest mit moos, belegte sie unten mit wasen Fr. Müller 1, 57; der wög ist ober eb'n, durch felsen g'haut, mit sond bedeckt, belöckt mit wos'n neb'
n. Grübel III 53; darnach sol man auff einer matten und wisen ein zimliche weite gruben ... zurichten und das loch vornen mit brettern oder einem grünen wasen zudecken
jag- und weydwerckbuch (1582) 1, 97
a; so auch einer so freffelich were, dasz er die gesetzte (
grenz-)stein ... auszheben, auszwerffen, oder dieselben fürsetzlich mit wasamen, erden oder sonst decken würde
Frankfurter reformation 9, 3 § 9; jährlich untersuchten die vorsteher der feuerpolicey, ob die häuser mit wasen oder ziegeldächern gut genug bedeckt seyn J. v. Müller
werke 20, 208; sie ... sind in die schlösser kommen verborgen in ein schiff, mit wasen zugedeckt. Opitz 3, 303; da man die hütten deckt mit waasen, schilf und stroh. W. Scherffer
Hermann Hugonis drey bücher 131
bei Drechsler 269; etwan werden tieffe gruben auszgraben, mit reysz überlegt, darauff denn grne wasen ausgebreit
Gesners thierbuch übers. v. Herold
u. Forer 17.
treppe, tisch, altar u. s. w. von wasen: an der hinterseite war eine treppe von wasen so gut angebracht, dasz man sie nicht gewahr wurde Wieland 9, 29 (
Sylvio v. Rosalva 1, 1, 5); sie stiege auf einen von grünem wasen erhabenen thron Ant. Ulr. v. Braunschweig
Octavia 1, 747; sie bauen hübsch unter der schattigen eichen ein tischlein von waasen zum freudigen zeichen. Harsdörffer
gesprechspiele 2, 244; von wasen sie zwen althar macht. Wickram 7, 317, 527 (
Met. 7, 240)
Bolte; unterdesz hatten beym aufgang des lichts die persischen weisen einen altar aus wasen von pyramidischer bildung aufgethürmet. Wieland 16, 113 (
Cyrus 3, 388).
besonders werden wasen
für wälle und bollwerke verwandt: wo auch an den steinen mangel ist, da sollen plosze schütten und greben gemacht werden mit wasen beschlagen Dürer
underricht v. befestigung der stett F 2
a; es haben aber die andern wasem und erden zuo getragen, und den angefangen wall erschüttet Micyllus
Tacitus 9
b; die pastei auf dem berg, so vor 2 jahren mit wasem gemacht gewesen, ist mit einer mauern umbzogen worden
quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 4, 516, 33 (1554); darnach kan man (
das bollwerk) allenthalben mit grünen wasemen ... bekleiden
Potier d'Estain, theoria et praxis fortalitiorum (
Köln 1601) 19; die wälle und parapetts wollt' ich auch mit soden machen. — die besten ingenieurs nennen es wasen oder rasen, Trim, sagte mein oncle Toby Bode
Tristr. Schandi 2, 41. wasen
zur ausfüllung eines grabens: zwölf tag er vorm Wolfpittel lag ... mit wasen er den graben fült, den sturm er den seinen einbildt. Liliencron
hist. volksl. 4, 273 (514, 26). II@33)
in Oberdeutschland wird das wort auch für die aus zersetzten pflanzenstoffen ausgestochenen stücke, torf, gebraucht: etlich wermen sich mitt auffgedörrten erdschollen und wasen Ryff
spiegel u. regiment d. gesundheit (1544) 10
a; am möre aber ist mangel an holtz, darumb brauchen sie da zuom fewr wasen S. Münster
cosmographey 143; sie ... truckenen ... den mit den henden auffgefangen kaat, oder schleimechtige wäsen (das ist torff) Lindenbruch
chronica von dem scheutzlichen kriege welchen die Cimber mit dem röm. volcke geführet (
Hamburg 1589) K 3
b; torff oder wasen so in einer wischen ... gestochen
Potier d'Estain 20; und findet man auch an denselben orten gemeinlich die bituminosische oder erdpechische wasen, die man torff nennet Tabernaemontanus (1664) 202
b; den ausgestochenen waasen den legte man (
in Holland) ins feur: nein! in unsern Saltzburger - land ist das holtz nicht so theur Stranitzky
reyszbeschreibung 26
neudr. jetzt ist so wasen (
in Oberschwaben auch waz)
in der Schweiz und Schwaben gebräuchlich Tobler 439
b. Birlinger
schwäb.-augsburg. wb. 426
a (
Allgäu).
wb. zum volksthüml. aus Schwaben 91.
Bayerns mundarten 1, 41. wasen
als düngemittel: wer wasen grept uf der almainde in dem ettern umb Vilingen, ze tungent, der kunt umb ain pfuont
Villinger rechte 47 (
stadtrecht v. 1371, § 46)
Roder. II@44)
das wort wird dann und schon seit dem späteren mhd. auch von der ganzen erddecke gebraucht, in der pflanzen wurzeln: so du dines huses virst hie (
im grabe) rürest mit diner nasen, ich meine der erde wasen, dar uʒ du bist gemachet. H. v. Langenstein
Martina 277, 76 (
s. 698)
Keller; ain prunn ... der macht die erden hert und macht lind üseln stark sam ainen wasen K. v. Megenberg 483, 11; uszwendig und obenhin ist der was gruen und hat bluomen, innen aber under dem wasen stinkt es alles Watt
schriften 3, 358, 38
Götzinger; wann du solches (
die verwandlung der matten in acker) anfangen wilt, so nim eynen kleynen karst und zerhaue den wasen im aprillen zu groszen schollen Sebiz
feldbau (1580) 460; dasz einer, der von oben herab sihet, gar keinen wasem oder erdreich desz berges sehen kan
generalchronicen (
Frankf. 1576) 74
b; wo ein flieszend wasser iemand durch ainen grund bricht, also das der wasen desselben grunds zu beden seiten des wassers dennoch ganz bleibt und gesehen wirdet
österr. weisth. 1, 158, 5 (
Wartenfels 1585); darzu schneidet man ein stück wasem aus der erde Böckler
neue kriegs-schule 246; so soll sich auch niemand undernemmen, auf den gemeinen allmenden den wasen oder herd abzuograben und in seine eigne gter oder anderstwo zuo verfhren
stadtrecht von Arau 405, 17 (1688)
Merz; drum sig verflüecht die erd, der was, darzuo die frûcht, das loub und gras, das Abels bluot empfangen hatt. Ruff
Elter Heini 1739.
den gegensatz dazu bildet sand: do si dan wolten scheidin, ubir sant und ubir wasin msten si die haldin asin zende an allin vieren. R. v. Ems
weltchronik 23335
Ehrismann. an folgender stelle ist es die grasnarbe: zwischen berg und tiefem thal saszen auch zwei hasen, fraszen ab das grüne gras bis auf den wasen. Arnim (1857) 11, 345 (
wunderhorn). den wasen brechen: die pauren heiszend es strauchen, so man blosz den wasen bricht Frisius
dict. (1556) 889
b. II@55)
seit dem mhd. kommt es vor, bleibt aber vereinzelt, dasz das wort auf den pflanzenwuchs, besonders das gras, auf dem wasen
beschränkt wird: dâ grüener klê und ander wase under boume schate müge sî
n. W. v. Eschenbach
Willehalm 326, 18; den hof begunde er mêren werdeclichen ûf dem grase, dâ beide bluomen unde wase zierten anger unde velt. K. v. Würzburg
troj. krieg 1116; ist aber der winterrocken das beste korn ... wurtzelt auch vor winter eyn wie ein wasen, wann es schön und trucken wetter hat Tabernaemontanus (1664) 585; so soll man den platz ... umackern, darmit das gras oder die wasen desselbigen orts ausgetilget (
werde) und verwesen thue Schwappach
handb. d. forst- u. jagdgesch. 1, 415 (
Hohenlohe 1579); den wassen ahn den wüssen abhauen
österr. weisth. 9, 408
anm. (17.
jh.); '
dichtes, kurzhalmiges gras' Schmidt
Westerwald 322.
davon geht wol die übertragene bedeutung '
grosze masse, menge'
im elsäss. aus Martin-Lienhart 2, 863
a.
zuweilen auch abgeschnittene oder abgerissene pflanzen oder gras: doch findt man bey uns allzeyt den rechten adler nisten auff gähen kiselsteinen, hat aber allzeyt wasen, staub, flachsz oder heut ... undergeströuwt Heuszlin
vogelb. 4
a; so soltu ... den boden ... mit schönem frischem wasen und grünem gras beschütten Sebiz
feldbau 311; wann sie (
die wachteln) im zimmer gehalten werden, müssen sie mit sand und bisweilen mit frischen waasen versehen seyn v. Hohberg
Georgica 2 (1695), 791
b.
dasz wasen (
wie frz. gazon)
auf einzelne pflanzen übertragen wird, kommt in der Schweiz vor: spanische wase,
statice elongata '
grasnelke' Rhiner
pflanzenn. der Waldstätten 95. II@66)
wie bei lat. caespes
wird das wort dann auch auf eine gröszere rasenfläche übertragen: wase ...
pro prato etiam accipitur Stieler 2400; der helt wolt tun ein schritt gar weit auf ein wasen über ein gleit, der hoffnung, zu haften im gras.
Teuerdank 20, 80; der schnee ligt auff den wasen. Stranitzky
reyszbeschreibung 3
neudr. II@6@aa) wasen
erscheint so verbunden mit bedeutungsverwandten worten wie anger, matte, aue, wiese: di tyevelynne kunde gifft werffen auff (
l. ausz) der nasen, das der anger und di wasen mit al wurden uberdent, als der leym ward geklaint. H. v. Neustadt
Apollonius 9028
Singer; (
das gras) der wasen, auen, rangen, matten, felder zier. Harsdörffer
poet. trichter 3, 246; ihr matten voll schatten, begrasete wasen, ihr närbicht und färbicht geblümete rasen. S. v. Birken
Pegnesis 1, 60; da wirst du ... sehen der wisen ihr gestickte arbeit, desz waasen grünsammeten töppich Abr. a S. Clara
Judas 1 (1687), 11; dises schwartze sommervögerle (
die grille) singt und klingt stäts in grün wisen und wasen 2 (1690), 72.
übertragen vom himmel: du blawes feld und wasen. Spee
trutznacht. 153. II@6@bb)
der blumenschmuck und das grünen des wasens
wird hervorgehoben: der selbe wonnecliche wase rîlîche stuont gezieret dâ. wîʒ, brûn, gel, rôt, grüen unde blâ was er von gelpfer blüete. K. v. Würzburg
troj. krieg 16220; sag, jaufkint, warumb grunet der was?
fastnachtsp. 555, 21
Keller; röther blühet thal und au, grüner wird der wasen, wo die finger meiner frau maienblumen lasen. Hölty (1869) 146
Halm (
minnelied).
darnach der geblümte wasen: dîn êre gruonet als ein wert und als ein wol geblüemet wase. K. v. Würzburg
goldene schmiede 777
Grimm; steigt vom beblümten wasen ein süszer dampf empor und eilt zu deiner nasen. Wieland
suppl. 1, 82 (
natur d. dinge 2, 225).
auch der krautige wasen: wie der krutige wase von den rifen valwe und von den snewen salwe. H. v. Langenstein
Martina 92, 25 (
s. 230)
Keller; wa die selben körnlen von wind und regen ausgfielen, und ein krautigen wasen erreichten, so zeitigten sie noch das selbig jar S. Franck
chronica (1531) 164
c.
besonders aber der grüne wasen: fancht das vederspil an sich zu mauszen, so sol man es nemen von aller arbait ... und alsdann so ist es guot, das man es stelle uf grön wasen Mynsinger
von den falken 55.
übertragen lothr. nid uf de grine wasen kumme '
auf keinen grünen zweig kommen' Follmann 532.
der wasen
besitzt feuchtigkeit: tirol. nsz wie a wôs'n Hintner,
zeitschr. f. d. mda. 1910, 219.
bildlich: von disen wassern (
güte und barmherzigkeit) der gruon wase got der herr ewiglichen fücht blibt ... und die wasser ewiglichen us und in disen wasen flieszen Keisersberg
bilg. 27
c. II@6@cc)
auf dem wasen
finden die thiere ihre nahrung, sie verweilen hier gern: intfanget hey dese zwene hasen! ich veynck sy hude an eynem wasen sunder brack ind sunder wind.
Karl Meinet 127, 55
Keller; bey ir sach ich auff grünen wasen ein gantz schnee-weiszes lemblein grasen. H. Sachs 3, 326, 33
Keller; er treibet sie (
die schafe) zur waiden, zum grünen erd-gemüsz, zum wasen underscheiden mit vilen blümlein süsz. Spee
trutznacht. 41; ein dürrer ochs musz weiter: der faist kan z' acker gehn: oder auff einem waasen von morgen bisz zu nacht sicher zu gnügen grasen. Balde
Agathyrsus 34; auf dem wasen frischbethaut hirsche grasen lieb und traut. Rückert
werke 6, 251.
sprichwörtlich: wer da beschuf den hasen, der beschuf im auch den wasen Keisersberg
emeis (1517) 16
a; beschert got den hasen, so beschert er auch den wasen S. Franck
sprichw. 1, 140
b. Kirchhofer 129; geit gott án hôs, geit ár á' án wôs Frommann 6, 315 (
Franken). II@6@dd)
der mensch benutzt den weichen, schwellenden wasen
als ruheplatz: sy in den garten fürten, under eynen bierenbaum auff eynen grünen wasen (
un pratello) nyderseczten
Decamerone 458, 37
Keller; (
die altväter) als die bisweilen auff einen grünen wasen werden zu hauff gesessen sein Rätel
Joach. Curäi chronica des herz. Schlesien (1607) 268; legte mich in einen grunen wasem, mit lieblichem schatten ... umbgeben Philander (
Leyden 1646) 5, 270; eine wolgelegene einsamkeit selbiger ufere lude ihn ein, dasz er sich in seiner müdigkeit zu erholen, auf den begrünten wasen sich niederliesze S. v. Birken
Pegnesis 1, 4; ein reisender ... der einen schönen grünen wasen antrifft ... mit lust eins schlaffet Abr. a S. Clara
etwas für alle 2, 75; jetzt ... sey in diesen heitern sommertagen, der grüne wasen mein faulbettchen, mit weichem gras und blumen gepolstert Wieland 13, 16 (
Diog. v. Sin. 4); ich ... hab' mich dort unter die büsch' auf'n wasen g'setzt Anzengruber 3, 314; da lag er pei dir auf einem grünn wasen.
fastnachtsp. 586, 20
Keller; ein holer wasen sanfft und lind, darein legt sie ir liebes kind. C. Scheit
die frölich heimfart B 1
a.
sprichwörtlich: man ligt senffter auff eim wasen, dann auff eim seidin bett S. Franck
sprichw. 1, 117
b; der baur schläfft müd auff einem strosack, wasen, banck und sonst wo er ligt 2, 150
a. II@6@ee)
tanz auf dem wasen: lâ den tanz al ûf den wasen rîten.
minnesinger 2, 78
b Hagen; dahero die jungen töchter ... auff einem annehmlichen ebnen und grünen wasen gantz frölich herumb getantzt Abr. a S. Clara
Judas 2 (1690), 34. II@6@ff) in (auf)
oder unter dem wasen
findet der mensch auch seine letzte ruhestätte (
vgl. 4 H. v. Langenstein): ir begrebnusz ist ein auszgegraben gruob, etwa auff einem wasem im feld S. Franck
chron. Germaniae (1538) 7
a; nach dem sein todten cörper hat man heymlich in den garten tragen (
lassen) ... darnach vergraben unter die wasen. H. Sachs 16, 420, 21
Götze; Georg (
der trompeter) schweiget under disem wasen, weil er sein letztes auszgeblasen. Weckherlin 1, 450
Fischer; richten darf man mir keine marmor grabes zier, nur ein wasem klein soll bedecken mein gebein. Zincgref
bei Opitz
t. poemata (1624) 210; o welche männer steigen im vereine, wie heldengeister aus der grüfte wasen. Rückert
werke 1, 29; grabt mir ein grab im wasen, deckt mich mit grünem rasen: mein schatz hat's grün so gern. W. Müller
verm. schr. 1, 141; auf deiner mutter wachst heut der grün wasen, sie lasz mir in ruh! Rosegger
schriften II, 9, 103. II@6@gg)
schützengräben im wasen: als aber der bundt zusamenkam und hertzog Ulrich sich bey Türcken in feld uff dem waasen vergraben, wichen die Schweitzer J. Herolt
chronica v. Hall 185
Kolb. II@6@hh)
in bestimmten wendungen der älteren sprache tritt wasen
ganz für '
erde, boden'
ein: ieder bierschäncker gibt ein zuber kofent; den trägt man auf die burg; ist etwas gesetzt, so geust man hinein; ist nichts da, so geust man aufn wasen
chroniken der stadt Eger 69 (1561)
Gradl; diu frouwe mit ir blôʒem vel was zem sprunge haste snel von dem pfärde ûf den wasen. W. v. Eschenbach
Parzival 268, 21; von rechter bosheit valt er nider. Samuel, lupf in ab dem wasen, gib im eins uff die langen nasen. Mone
schauspiele des mittelalters 2, 289 (
passionsspiel 2613); di birn auf dem baum schüttelt er, dasz sie fielen auf den wasen.
Peter Leu 1221 (
bei Bobertag
narrenbuch s. 127).
namentlich von toten oder sterbenden an, auf, in den wasen fallen: Cedius ime zu trat und sluc in an die stat, daʒ er zu der erden viel mit groʒʒen swerden uf daʒ gras an den wasen. Herbort v. Fritslar
troj. krieg 7583; er schlug den wunderknen man, das er fiel auff den wasen.
Sigenot 147, 3
Schade; der ihm zu hülffe kam, kriegt' eines durch den bauch, das ander in den kopff, fiel todt hin in den wasen. Opitz (1698) 1, 98.
ebenso auf dem wasen bleiben, liegen: denen in sölcher leuten unruow ire vätter, bruoeder und andere gefründte auf dem wasen bleiben und erschlagen worden Watt
deutsche histor. schriften 1, 510, 40
Götzinger; solten sie nit eh da gepliben sein auff dem wasen, als iren könig in nöten stecken lassen
Garg. 385
Alsleben; daʒ was ein groʒʒer jamer, daʒ der, der ein romischer chünich was des morgens, daʒ der des nahtes so nachent und so armer auf dem wasen lach
erste bair. forts. der sächs. weltchronik 331, 7
Weiland. daran schlieszen sich folgende freiere wendungen: daʒ haupt naigt er gein dem wasen. J. v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 8905
Regel; für uns nur ausz, auff das wir sterben, drausz auff eim grün wassen verderben. H. Sachs 13, 220, 5
Keller; die hoffart aufgeblasen ihr thorheit nie recht sicht, bis sie beiszt in den wasen und kommt fürs streng gericht. Arnim (1857) 14, 283 (
wunderhorn 4.
theil); oder werden aber, wens wol gereth, landsbescheiszer (ich wolt sprechen lantzknecht) bisz uns die seel auff dem wasen umbhüpfft S. Franck
trunkenheit (1531) F
b; welcher dir (
herzog Ulrich) etwas tuot, der muosz ain pauren nemen beim har, ain frischer griener wase muosz sein unser aller bar. Liliencron
hist. volksl. 3, 194 (299, 11). II@77)
bei wasen '
rasenfläche'
treten noch folgende besondere bedeutungen hervor. II@7@aa)
der zu einer ortschaft gehörige anger: anno 1424 ... ist ein landvolgunge gewest zu Dietze uf dem wasen
weisth. 1, 577 (
Diez a. d. Lahn 1424). II@7@bb)
der ein haus umgebende rasenplatz: sie gingen allzusammen quer über den wasen hin, auf welchem das einsame häuschen stand Jung Stilling 9, 23; er ging vorsichtig zurück, stieg an den wasen hinaus und schlug den weg ein, der zum pfarrhause führte
M. Meyr
erzählungen aus dem Ries 2, 350. II@7@cc)
bleichplatz: stotzen, wie sie pflegen auf bleichen im wasen zu stecken Mörike
erzählungen2 172. II@7@dd)
die grünen ufer eines flusses: waasen, hochwaasen, nennet man auch das erdreich, so gleich an das ufer des wassers anstöszet Stahl
forst- fisch- und jagdlexicon 3 (1773) 771; etliche schiffgesellen ... foeren under Deutz an die groin wasen
buch Weinsberg 3, 203 (1583); etlich sagten, er (
der flüchtling) were auf der Thonaw under aynen wasen gesessen, hette in ain paur gesechen
quellen z. gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 83
Baumann. bei Frankfurt die Mainwasen,
die als bleichplätze benutzten Mainufer Askenasy 239. II@7@ee)
im flusse sich bildende grasbewachsene insel: mitten ûf dem sêwe sach er sweben einen wasen breit und lanc, der sich gein dem staden swanc. H. v.
d. Türlin
krone 17330; die insel oder der wasen oder der werde der in dem wasser wirt
clag, antwurt (
Augsb. 1497) 62
b; wann sichs begibt, dasz werd, wasen odder insel im meere werden, die seind jederman frey
statutenrecht (
Frankf. 1572) 111
a. II@7@ff)
von der wiese
unterscheidet sich der wasen
durch das fehlen der bewässerung und des regelmäszigen grasschnitts: mein herr wil fremde wisen grasen und lest die sein werden zu wasen; darumb ich billich ding ein knecht, der mir mein wisen wesser recht.
fastnachtsp. 115, 10
Keller. doch kommt auch grasnutzung beim wasen
vor: die gemeine wäsen sein den gräserin das gantze jar ... verbotten
zeitschr. f. kulturgesch. 8, 177 (
Insingen b. Rothenburg a. d. T. 1620); uff den tag, als den kühen die hörner abgeschnitten werden ... auch zugleich der gemeine wahs oder wieszen verbeutet (
versteigert) wird 182.
meistens dient der wasen
aber nur als weideplatz: er eczt in ir wasen abe, das si nit aczung den pferden gehaben mugen
monumenta Boica 47, 569 (15.
jahrh.); die gemeyn weyde und wasem, domyde die lude ire pherde und andere fiehe halden sullen
Frankfurter denkschrift bei Scherz-Oberlin 2042; nicht lenger (
sollen sie weidgang suchen) uf den verbottenen wahsemen
weisth. 4, 530 (
Virnheim 16.
jahrh.).
aus Lothringen wird als bedeutung '
trift'
angegeben Follmann 532.
im Elsasz sind es bergwiesen, die zu den melkereien gehörigen weideplätze Martin-Lienhart 2, 862
b. 966. Martiny
wb. d. milchwirtschaft 137: sie (
die melkereien) liegen auf den bergwiesen, welche man firsten oder auch wasen nennt Aufschlager
das Elsasz 2, 44.
darauf beruhen bergnamen in den Vogesen wie Kahlewasen, Rotwasen. II@7@gg)
im bergwesen wie rasen
die erdoberfläche im gegensatz zu den gängen innerhalb des berges: er was och niht ein brasime ergrabin uʒ dem wasime, noch der winvarwe granat. H. v. Langenstein
Martina 50, 88
Keller; das unser perchrichter alle hofstet und fünde auf dem perch leihe, wo sich das wandelt, awer di vanchpfenning und das vierzigst gehoret den an, des der was ist
österr. weisth. 1, 199, 41 (
Gastein 1342); si sullen uns auch als vil holz ze berg und auf den wasen antworten Lori
bergrecht 15 (1354)
bei Schmeller 2, 1018; eröffnet die gäng, welche zun zeiten reich seind von ertz, am wasen gefunden
Agricola bergwerckbuch verd. d. Bech (1621) 21.
vgl. wasenläufer. II@7@hh)
das land, wo der abdecker oder wasenmeister (
s. d.)
das vieh ausweidet und verscharrt, schindanger, in Süddeutschland und am Rhein üblich (
in Hessen auch wulwasen Vilmar 460, schindwasem Crecelius 895): samel ... von den metzgern, köchinen oder auff dem wasen röhren von küen, ochssen oder pferdten Fronsperger
kriegsb. 2, 180
a; das abgangen vich solle er nirgend anderstwo abziehen dann uf gemeinem wasen
Schlettstadter stadtrechte 810 (1608)
Geny; abgestandne rosz und vieh haben sie ainanderen uff dem blaz oder waszen, wansz der decker abgedeckt ... darumb gerissen und geschlagen Bürster
schwed. krieg 100
v. Weech; kühgerippe, wie solche auf dem wasen liegen
Simpl. 1, 176, 24 (2, 17)
Kurz; drittens solle das viehe, so mit ansteckender seüche angestochen zu seyn sich befindet, zum wasen gehörig seyn
trierische wasenverordnung (1746) 1
b.
darnach dient das wort (
wie aas, luder, schelm)
im Elsasz als scheltwort, bes. für männliche personen Martin-Lienhart 2, 863
a. II@88)
an die bedeutung '
torf'
schlieszt sich wasen
als '
mooriger bezirk'
an: da er sie über einen wasen oder gemos wolt lauffen und suchen machen, da darff er nit weiters
new jägerbuch (1590) 75
b.
in Süddeutschland so vielfach als ortsname zu nehmen Schmeller 2, 1018. II@99)
vereinzelt erscheint in der älteren sprache die bedeutung '
pflanzenbewachsene fläche'
zu '
saatfeld' (
seges, sat, ezzisch
vel wase Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 407, 34)
oder '
hain' (
nemus, waso 3, 194, 28)
entwickelt.