vogel,
m. ,
avis, gemeingermanisch, ohne entsprechung auszerhalb des germanischen: got. fugls,
altnord. fugl (fogl),
dän. norweg. fugl,
schwed. fogel,
ags. fugol,
engl. fowl,
nld. vogel,
alts. fugal,
ahd. fogal; Graff 3, 435;
mhd. wb. 3, 357
a; Lexer
mhd. hdwb. 3, 423
b; fogel, fugel, flogel,
volucris Diefenbach
gloss. 628
b; vogel,
ornis, avis Dasypodius 448
d; Maaler 471
b; Stieler 529; Frisch 2, 404
c; Steinbach 2, 899; Adelung, Campe.
mnd. vogel, vagel Schiller-Lübben 5, 295
a;
mnld. vogel Verwijs - Verdam 9, 769.
zur form u. zum gebrauch in den mundarten vgl. Schmeller
bayer. wb. 1, 834; Schöpf
tirol. 790; Lexer
kärnt. 100; Zingerle
lusern. 30
b;
Fischer schwäb. 2, 1598;
schweiz. idiot. 1, 690; Martin-Lienhart
els. 1, 99
a; Follmann
lothr. 169
a; Tonnar - Evers
Eupen 221
b;
wb. d. luxemb. mundart 472
a; Vilmar
idiot. von Kurhessen 431; Crecelius
oberhess. 883; Ruckert
unterfränk. 192; Hertel
thür. 251; Müller-Fraureuth 2, 623
a; Danneil
altmärk. 241
a; ten Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 529
a; Bauer-Collitz
waldeck. 35
b.
der plural hat im nhd. umlaut angenommen: vögel
die zuo dem weissagen gehören Dasypodius; so findt man auch vil edler vögel die haben lange krumme negel Scheit
Grob. 631
ndr. umlautlose formen halten sich bis ins 18.
jh.: die vogel fliegend im lufft, zu hauff
u. a. Maaler 471
b; über die fisch des meeres, vogel des lufts, und vich Zwingli
deutsche schr. 1, 56; in voglen verzert haben Wickram
rollw. 144, 1
Kurz; thuns doch die unvernünfftigen creaturen, die vogel gegen ihren jungen Prätorius
saturn. (1663) 340; der sperling, der ist unter vogeln, was unter menschen ist der bauer Logau 3, 5, 74
lit. ver. Steinbach 2, 899
verzeichnet vogel
neben vögel: an den thieren, vogeln, wolcken Bodmer
abh. v. d. wunderbaren (1740) 187; mit zwey schönen groszen vogeln Schnabel
Felsenburg 15
DLD (
druckfehler?)
; in der schweiz ist umlautloser plural erhalten schweiz. idiot. 1, 690. 11)
in scharfer beobachtung und liebevoller theilnahme hat das volk auch bei uns eine fast unübersehbare menge von festen wendungen, redensarten geschaffen und darin einen schatz von lebensweisheit niedergelegt. Wanders
freilich ungeordnete u. sich vielfach wiederholende sammlung zählt 628
nummern (
sprichw. lex. 4, 1645);
vgl. die sammlungen bei Fischer
schwäb. wb. 2, 1598
und im schweiz. idiot. 1, 690.
fricinnire, der cleynre voglen geluyt Diefenbach
gloss. 248
a;
garritus, das küttern der vögel 257
c;
ingluvies, der vogelkropff, darinn sich die speisz samlet Alberus 96
a; wilde, zahme, raub-, sumpf-, wasser-, wald-, land-, strand-, strich-, sing-, zugvögel; vögel halten, aushecken, fangen, rupfen, pflücken, braten
u. s. w. der vogel nistet, brütet, wird flügge, mausert sich, singt, pfeift, zwitschert
u. ä.; verbunden mit anderen thieren oder ihnen gegenübergestellt, besonders gern in allitterierender formel fisch, vogel,
beide einer niederen art der jagd zugehörig (da er den visch und vogel fieng Krüger
Clawerts werckl. hist. 64
ndr.): gewild, vögel und visch soll jederman gemein sin für sin not zuo fahen Eberlin v. Günzburg
schr. 1, 125
ndr.; hymel und erde, teuffel und menschen, visch und vogel Agricola
sprichw. a 6
a; als fisch und vögel, gewürm und thier aller gattungen Lavater
physiognom. fragmente (1775) 1, 4; ez sî vogel oder tier Wolfram
Parz. 592, 9; vögel, thier, würme, sampt den vischen H. Sachs 1, 436, 21
lit. ver. man sagt: nicht fisch noch vogel,
d. i. nichts festes, bestimmtes, gewöhnlicher ist: nicht fisch, noch fleisch
th. 3,
sp. 1680: zustände, die nicht fisch und nicht vogel seien Fontane I 4, 62;
dän. hverken fugl eller fisk,
engl. beide formeln verbunden und drollig erweitert: neither fish, flesh, fowl, nor a good red herring Nyrop-Vogt
leben d. wörter 185.
die luft ist das reich der vögel (
altn. foglheimr, ginn unga vé),
statt luft wird auch der himmel gesetzt: vogel des luftes, tier des waldes, visch des wassers Seuse
d. schr. 28, 5
Bihlm.; die füchse haben gruben, und die vögel unter dem himel haben nester
Matth. 8, 20 (die vogel des himels
erste d. bibel 1, 30
lit. ver., volatilia caeli); also das die vogel unter dem himel unter seinem schatten wonen können
Marc. 4, 32 (die vogel des himels
erste d. bibel 1, 134
lit. ver.); dann wir sind je mee und wärder by got, dann die vogel des luffts Zwingli
freiheit d. speisen 9
ndr.; die unvernünftigen vögel des himmels Schiller
räuber 1, 2; wo er dem winde und dem wetter und allen vögeln des himmels exponirt ist Tieck
schr. (1828) 1, 73; Stifter
w. 2, 57 (1901).
wenn der himmel einfällt, sind alle vögel tot oder gefangen: wann der himmel fällt, so werden alle vögel gefangen sein Fischart
praktik 4
ndr.; ein vogel wünschet ihm in freyer lufft zu seyn, und sperret man ihn gleich in gold und silber ein
Königsb. dichterkreis 89
ndr. gott ernährt die vögel: sehet die vogel unter dem himel an, sie seen nicht, sie erndten nicht, sie samlen nicht in die schewnen, und ewer himlischer vater neeret sie doch
Matth. 6, 26; der in der luft die vögel nährt und lilien auch darneben S.
Brunner erz. u. schr. 1, 64.
die leichte beweglichkeit, die unruhe, das fliegen, flattern erfreuen das auge, das zwitschern und singen das ohr. für die lyrik des mittelalters typisch in der frühlingslandschaft ist der gesang der vogellîn,
mannigfaltiger ist die neuere dichtung in ihren versuchen, die belebung der natur durch das treiben der vögel zum ausdruck zu bringen: hör, wie lüstig die vögel singen! schaw, wie die külen brünlein springen H. Sachs 1, 29, 5
lit. ver.; der vögel schaar sich frölich schwingt und lieblich in den lüfften singt Opitz
teutsche poemata 51
ndr.; da der vogel kling-gedichte menschen, vieh und feld erfrewt
Venusgärtlein 26
ndr.; wenn der morgen daher thaut, wenn glücklichern vögeln und menschen du, o abendstern, winkst Klopstock
oden 1, 77 (1889); so wie ein vogel, der auf einem ast im schönsten wald sich, freiheit athmend, wiegt Göthe IV 1, 13
W.; aber aus der dumpfen grauen ferne kündet leise wandelnd sich der sturm an, drückt die vögel nieder auf's gewässer I 2, 73
W.; nein, es scheuchte nur der schrecken aus dem busch den vogel auf Schiller 11, 208
G.; und alle die vögel, die singen im walde so wundervoll von tausend herrlichen dingen, die ich noch finden soll Geibel
ges. w. 4 1, 32; so hort man die vögel allenthalben uff den zweigen mit lieblichem gesang zuosammenstimmen Wickram 2, 140
lit. ver.; es ward zu der selbigen zeit umb den monat aprilen, in welchem die vögel sich herfür thuend
Amadis 87 (
lit. ver. 40); man sehe den vogel, wie er singend gesticulirt und durch beides seine empfindung ausdrückt Herder 22, 64
S.; es ist gar zu schön den ganzen tag im walde zu sein und die vögel zu hören Göthe 24, 4
W.; beim feierlich einförmigen geräusch des wasserfalls, dazwischen dann und wann ein vogel schlug Forster
schr. (1843) 241; eine unerquickliche, trostlose gegend, kaum von dem gezwitscher eines vogels belebt Holtei
erz. schr. 2, 88; dasz die vögel überrascht aufflogen und erschreckt über den seespiegel streiften Keller
ges. w. 2, 80.
sie verstummen am abend und schlafen: unter leisem blattgeflüster schlummern alle vögel ein Matthisson
schr. (1825) 1, 9; vögel, die bei'm untergang der sonne sich in schweigen verlieren Göthe 45, 121
W. liebesleben: wenn der vogel von liebesglück befangen ist, wird er blind und taub Holtei
erz. schr. 1, 16; sieh die vögel auf der flur küssen sich ohne betrüben maler Müller
w. (1811) 1, 202.
nester bauen, nisten: wie beneidenswerth sind die vögel, besonders wenn sie so artig und vertraulich ihre nester bauen Göthe 23, 179
W.; ez ist den vogeln ein grôzer brest, alliu jâr ein niuwez nest Freidank 145, 21; wo des lenzes tonvoller vogel nicht nistet Denis
lieder Sineds (1772) 202; kein vorspringendes gebälk, wo dieser vogel nicht sein hangend bette zur wiege für die jungen angebaut Schiller 13, 31
G. im bilde: und Shylock, seinerseits, wuszte, dasz der vogel flück war; und dann haben sie es alle in der art, das nest zu verlassen
Shakespeare kaufm. v. Venedig 3, 2.
characterisierung bestimmter vogelarten: er vergleicht sich den eynsamen vogeln und denen, die am tage nicht erfur komen Luther 18, 510
W.; sie gab der dritten rübe die gestalt einer elster. 'schwanke hin, beredsamer vogel', sprach sie, 'von baum zu baum' Musäus
volksmärchen 1, 15
Hempel; (
sperlinge) die reinen Preuszen in der weltgeschichte der vögel Fontane I 5, 62; sie sagen, immer wann die jahrszeit naht, wo man des heilands ankunft feyert, singe die ganze nacht durch dieser frühe vogel (
der hahn, bird of dawning,
vgl. ûhtfugal
as. genes. 285)
Shakespeare Hamlet 1, 1; schleicht sie, gleich dem einsiedlerischen vogel, heraus ins graulich düstre geisterreich der nacht Schiller
jungfrau, prolog 2.
die eule ist der vogel der Athene; scherzhaft: doch einer nachteule, ob sie gleich der Pallasvogel ist, steht es nicht an verse zu machen Schubart
briefe 1, 58
Strausz. die vögel singen zur ehre gottes: hier erhebt der vögel chor deiner allmacht lob durch singen Cronegk
schr. (1766) 2, 174; thier in wäldern und in meeren, vögel in der luft, im hain, preist ihn all Schubart
ged. (1787) 1, 13.
anders gewendet: im donner redet er (
gott), und in der vögel chören Giseke
poet. w. (1767) 1, 5.
vogel als spielzeug, hausthier, liebling: da er der wiese gras um deine tritte neidet, den vogel den du liebst, als nebenbuhler haszt Göthe 9, 5
W.; wenn er sich doch an irgend ein lebendes wesen kettete, wäre es auch nur ein hund oder ein vogel Kotzebue
dram. w. (1827) 2, 12.
vögel leichenfressend: denn wo ein asz, ist der vögel kein zal noch masz Waldis
Esopus 1, 301
Kurz. gehenkte sind ihnen verfallen: den vögeln zu fressen geben,
id est gehenckt seyn Kramer (1702) 2, 1205
b; nun hangt ir (
am kreuz) ... in den lufften und seyt der vogel speisz
altd. pass.-spiele aus Tirol 159
Wackernell; man sagt daher: was den vögeln gehört, wird nicht den fischen zuteil,
wer gehenkt werden soll, der ertrinkt nicht; den vögeln erlauben,
einen friedlos machen (
vgl. vogelfrei);
es wird damit das letzte bezeichnet, die verweigerung des begräbnisses: den will ich der freiheit berauben dem vogel in der lufft erlauben ihn ausz dem fried in unfried setzen Fischart
flöhatz 1990
ndr. schweiz.: d'n vöglen in d'r luft erloubt sīn,
jedem muthwillen, jeder bosheit ausgesetzt sein schweiz. idiot. 1, 690.
doch sagt man auch den vöglen sīn
von einem im gebirge abgestürzten, dessen leiche nicht geborgen werden kann ebenda. zu den vögeln treten andere leichenfresser: ich wil dein fleisch geben den vogeln unter dem himel, und den thieren auff dem felde
1. Sam. 17, 44; der kaiser hat execution gegen mich verordnet, die mein fleisch den vögeln unter dem himmel und den thieren auf dem felde zu fressen vorschneiden soll Göthe 8, 87
W. antik: und ihre cörper geben preysz, als er sie macht zu einer speysz, den vöglen, und den hunden grob (
ἑλώρια τεῦχε κύνεσσιν οἰωνοῖσί τε δαῖτα A 4) Spreng
Ilias (1610) 1
a. vögel abbalgen, ausstopfen: ich bin ein stummer, ein ausgestopfter vogel gegen euch verliebte, wettschlagende nachtigallen Gleim
briefw. 1, 220
Körte. 22)
einigen vogelnamen wird vogel
vorangestellt, sehr oft bei strausz,
ebenso vogel phönix, roch, greif,
von heimischen ist der vogel bülow
zu nennen: allenfalls vom vogel rock Göthe 17, 103
W.; einst fragt ihn seiner enkel schaar, was doch der vogel phönix wäre Pfeffel
poet. versuche (1802) 1, 63 nicht lange, so kam der vogel greif geflogen
Grimm deutsche sagen (1891) 2, 182. 33)
unter vögeln
werden oft in älterer sprache die wilden verstanden im gegensatz zu den hausthieren, den gänsen, enten, tauben und hühnern: gense, hüener, vogel, swîn
minnes. 2, 154
a Hagen; man pracht wilprat, vogel und ant, die man beraittet het zu essen
pfarrer v. Kalenberg 39, 786
ndr.; feyste gensz und vögel schaden nit
d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) b 3
a; ich bin doch weder gansz noch fogel
Till Eulensp. 20
ndr.; post Martinum bonum vinum, gänsz und vögel sind gut binen Fischart
Garg. 71
ndr. bei den jägern wiederum nur die kleinen unter den wilden vögeln Fischer
schwäb. wb. 2, 1602.
auch heute braucht man vogel
nicht, um im allgemeinen die nutzbaren hausvögel zu bezeichnen, sondern spricht vom geflügel.
jetzt denkt man beim martinsvogel
an die gans, doch ist in früherer zeit ein wilder vogel damit gemeint, s. th. 6,
sp. 1688.
nach Schmeller
bayer. wb. 1, 834
nennt man das männchen bei enten, auch bei gänsen vogel.
in allgemeinem sinne: den besten vogel den ich waisz das ist ein gans Forster
teutsche liedlein 85
ndr. vogel
im engeren sinne von jagdvögeln: so doch ain stifft herren ain iar iiij hundert gulden ze verzerendt hat, mit pferden, voglen, huoren Eberlin v. Günzburg
schr. 1, 179
ndr.; welchen es gefiele. mochten mit ihren vögeln am wasser auff und ab beiszen reiten Kirchhof
wendunm. 2, 40
lit. ver. 44)
in älterer zeit ist der begriff vogel
noch nicht so scharf bestimmt wie jetzt, die fledermaus steht bei Konrad v. Megenberg
unter den vögeln: der vogel under allen vogeln gepirt allain seineu kint als ain geperndez gêndez tier 226: (
fledermaus,) die sich bald zu den thieren, bald zu den vögeln zehlte
d. vern. tadlerinnen 1. 13.
fliege: diu fliege ist, wirt der sumer heiz, der küenste vogel den ich weiz Freidank 145, 25.
biene (
schweiz. idiot. 1, 692,
s. unten 17 h): die biene ist ein kleins vögelin
Sirach 11, 3; ist also dieser vogel (
die heuschrecke) den Egyptern nicht unbekant Luther 16, 152
W. der schmetterling: ich will mich eine zeit lang als ein häszlicher wurm einspinnen, um wieder als ein glänzender vogel an das licht kommen zu können Lessing 16, 538
M.; rings schwärmten bunte, bunte schmetterlinge; da dacht' ich wohl in meinem kindersinn: beglückt, wer solchen goldgen vogel finge Gaudy
w. (1844) 1, 189.
vgl. sommervogel th. 10, 1,
sp. 1563.
grotesk: jeder weisz was so ein maikäfer für ein vogel sei W. Busch
Max u. Moritz. 'vogel
heiszt in Hessen alles was fliegt, nicht nur die vögel: fledermäuse, käfer, schmetterlinge, hymenopteren, ja sogar fliegen, mücken u. dgl. werden mit dem allgemeinen namen vogel,
im diminutiv veulchen, veilchen
bezeichnet' Vilmar
idiot. v. Kurhessen 431. 55) vögel locken, fangen,
auch in mannigfachen redensarten u. oft bildlich: pipilare, vogeln locken,
ut auceps Diefenbach
gloss. 436
b; vogel fahen,
aucupari Maaler 471
b; die vögel ausz dem näst nemmen, vögel ausznemmen Frisius
dict. 866
b; vogel mit der leimstange fangen Stieler 529; vögel locken: gleich wie ein hungeriger vogel leicht zu locken ist Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 24; am nächsten sonntage ward der vogelherd wirklich gestellt, und die gelockten vögel zogen lustig ein (
das ganze ist bildlich gesagt) Langbein
schr. 31, 118; wen du die vögel wilt betriegen, das sy dir zuo dem garn ynfliegen, so muostu es mit stro verdecken Murner
narrenbeschw. 54, 32
ndr., denn sonst werden sie scheu und fliegen davon: (
im bilde) do aber die vögel hetten gespürt das netz, da waren sie schüch worden und hinwek geflogen
dtsche. städtechron. 3, 141.
man klopft auf den busch (
th. 2,
sp. 558),
um den vogel
herauszulocken: klopfst du auf den busch, so fliegen die vögel heraus Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 300; der eine klopft auf den busch, der andere kriegt den vogel,
der eine hat die arbeit, der andere den gewinn. die vögel
fallen in den schlag (
fangvorrichtung): (
ablaszhandel) und wurfend die puren in unserem gricht so vil gelts in's becki, es war überricht, es klinglet stets den ganzen tag, und vielend guot vögel in den schlag
N. Manuel 75, 1175
Bächtold. vögel
werden auf die leimrute gelockt: vögel, die in (
den kautz) zu stechen begeren, und darüber in die leimruten fallen Fischart
Eulenspiegel 19
Hauffen; lauffe nicht mit solcher leimstange, da man irgendwo mehr lose vögel locken mögte Prätorius
glückstopf (1669) 494; da bleiben, wie vögel an der leimstange, die finger am griffe kleben Göthe 9, 185
W.; lehrt ihr des armen vogels, der an der ruthe klebt, geflattre mich doch kennen Lessing
Nathan vögel fangen
in vielen wendungen und redensarten: nit vögel fahn chönne,
dumm sein schweiz. idiot. 1, 690; wenn man vogel fangen wil streut man auff die beste kost Logau
sinnged. 2, 10, 39
lit. ver.; wenn man vögel fangen will, musz man süsze pfeifen Spanutius (1720) 628; wer vögel fangen will, musz singen können Kirchhofer
schweiz. sprüchw. 299; wer vögel fangen will, darf nicht mit prügeln, bengeln drein schlagen, werfen
u. ä. Stieler 529; Fischer 2, 1601; Martin-Lienhart
els. 1, 99
a;
wb. d. luxemb. ma. 472
a; das nicht gebräuchlich, mit prügeln unter die vögel zuwerffen, oder vor getroffenem accord viel von poengeldern zusagen, und dadurch die leute abzuschrecken Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 662; denn wo der tüffel vogel facht, das wyb er zuo eim kutzen macht Murner
mühle von Schwindelsheim 14, 305; ja freylich ist's nit unser schuld, ob wir gleich fahen ietzt nit vögel (
d. h. nichts erbeuten) H. Sachs 21, 4, 12
lit. ver.; ich bin ein weyl spaziren gangen, ob ich ein vogel möcht erhaschen, der mir ein weng füllet mein daschen 14, 304, 6
lit. ver.; wenn nicht alle umstände lügen, so hab' ich den vogel, dem wir so sehnlich nachstreben Göthe 38, 116
W.; ich fange auf einen zug zwey vögel, und stehe dir für die einwilligung Klinger
w. (1809) 3, 194. gefangene vögel: zu spat schreyet der vogel, nachdem er gefangen ist Kramer 2, 1205
b (1702). die vögel sind noch nicht alle gefangen,
die sache ist noch nicht zu ende Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 300; hier find' ich gefangen auch vögel noch hangen Göthe 1, 40
W. vögel
im nest fangen, sie ausheben: dieweil sie wol bedaucht, das in seins herren haus guot mausen und vogel ausznemen (
stehlen) wer Wickram 2, 241
lit. ver.; und wer Truppach deszelben mals mit 20 fuesknechten zugewinnen gewest, und hett vogl und neszt bei einander betretten mogen
verh. über Th. v. Absberg 47
lit. ver.; wir wollen das nest voll flücker jungen ausheben und den vogel dazu (
eine spielhölle) maler Müller
w. (1811) 2, 78. —
in gleichem sinne heben: er hebt einen vogel und läszt zehen fliegen Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 300. einnehmen: weil ich voraussezzen konte, dasz ein andrer doch den vogel einnehmen würde, wenn ich ihn fliegen liesze Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 294; mit welchen vögeln man fliegt, mit denen wird man gefangen Kirchhofer
schweiz. sprichwörter 300. —
der vogel in der hand
bezeichnet den gesicherten gewinn; den vogel entwischen, entfliegen, aus der hand lassen, der vogel ist entwischt
u. ä.: besser ein vogel in der hand als zehn über land, auf dem dach, baum, zaun Fischer
schwäb. wb. 2, 1601;
auch: es ist besser ein vogel im korb oder kefich, dann tausent im lufft
sprichwörter (1548) 101
b; solches erfuohre auch Zorobabel, das im der vogel entgangen war Schumann
nachtb. 348
lit. ver.; ich hab' ihn losgelassen, den vogel (
Weislingen) und er verachtet die gütige hand, die ihm in der noth futter reichte Göthe 8, 84
W.; wir dürfen diesen vogel nicht wieder aus den händen lassen, auch nicht auf die gefahr hin, dasz er uns kratzt und beiszt Fontane I, 2, 164; ist mir der vogel auch entflogn, von dem ich hab gar lang gesogn durch kuppel, spilen, list und renck vil gutes geltes, kleyder und schenk H. Sachs
fastn. sp. 1, 77, 239
ndr.; aber es war zu lang verzogen, der vogel war schon weg geflogen Eyering
prov. copia 3, 63; des glückes vogel kan aus unsern händen fliehen J. G. Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 173. der vogel ist verscheucht,
läszt sich nun nicht mehr fangen, die gelegenheit ist versäumt. der vogel entwischt, aber nicht ungeschädigt, im bilde: darumb seind sie auch so nachredick, so spitzick, so nerrisch, so apostutzlerisch, das keyn vogel ihnen entfligen mag, er musz ein feder lassen Eberlin v. Günzburg
schr. 3, 36
ndr. 66)
auf beobachtung der vögel, besonders der zugvögel gründen sich regeln über die zu erwartende witterung, s. Fischer
schwäb. wb. 2, 1598;
aber auch darüber hinaus traut das volk den vögeln voraussicht zu, sie sind schicksalskünder, auch ihr flug, ob rechts oder links ist bedeutsam s. Grimm
myth. 4 2, 944
ff.; 3, 324
ff.; Wuttke
volksaberglaube der gegenwart 3 § 274—281;
im sprachgebrauch zeigen sich natürlich auch antike einflüsse. am sichersten erfährt der die zukunft, der die sprache der vögel versteht, wendungen wie die spatzen pfeifen es von den dächern
zeigen, dasz die vögel sich mit den angelegenheiten der menschen beschäftigen; jetzt pfeift der vogel anders,
jetzt steht anderes bevor, ist eine andere lage. unglückvogel,
parra Dasypodius 448
d; wüste vogel, die kein glück bringend Maaler 471
b; es hat im ein guoter vogel gesungen
sprichw. (1548) 139
a; fremde vögel bedeuten fremdes volk
u. anderes schweiz. idiot. 1, 692; do beschach ain grosses zaichen von den vogeln (
vor der pabstwahl sammeln sich überm kaufhaus die krähen, dohlen, sie verschwinden nach dem ruf habemus papam,
an ihre stelle treten singvögel) Ulrich v. Richental
concil v. Constanz 123
lit. ver.; ich habe schohn einen andern vogel süngen hören, von dehm ich so vihl verstanden habe, dasz der fräund nicht al-zu-guht gewäsen ist Zesen
adriat. Ros. 77
ndr.; si wâren algemeine vrô, und ir muot der stuont alsô, daz ez in solde wol ergâ
n. in viel vil dicke wol ir spân, ir vogel in vil wol sanc
livl. reimchronik 7240
Pf. redender vogel
des märchens: das tanzende wasser und den singenden baum zu hohlen, und den vogel welcher redet Schiller
Turandot 2, 1. 77)
der vogel
ist ein bild der freiheit, der sorglosigkeit, daher: lasz die vögel sorgen,
mache dir keine unnötigen sorgen Adelung; 's guet vögeli lan sorge,
sorglos dahin leben schweiz. idiot. 1, 690; Martin-Lienhart
els. 1, 99
a; hat darnach die vögel lasen sorgen, wo es bezalt werde
zimm. chron. 2 4, 251, 29; nun lassend vogel sorgen
schweiz. volksl. 21
Tobler; frei wie der vogel in der luft
u. ä.: animus vacuus cura atque labore volitat, ist frey wie ein vogel in der lufft Faber
thesaurus 961
a; frey seyn wie ein vogel in der luft Kramer 2, 1204
c (1702); ich hatte eigentlich da droben (
auf dem kutschbock) ein prächtiges leben wie der vogel in der luft und brauchte doch dabei nicht selbst zu fliegen Eichendorff
w. (1864) 3, 41; frisch wie rosz im eisenklang sich brüstet wie der vogel in den lüften frey Schiller 1, 179
G. bild besonderen wohlbehagens: mir ist so wohl wie dem vogel im hanfsamen, im hirse
schweiz. idiot. 1, 690; Martin-Lienhart
els. 1, 99
a; er lebe wie der vogel im hanfsamen Hebel 2, 264
Behaghel (
DNL). —
der vogel
ist leicht, behend, rasch: denn herausfliegen sollte der karren, so leicht wie ein vogel, aus dem schmutz O. Ludwig
schr. (1891) 2, 24; niemals öfne das herz der liebe. findet es Amor vest verschlossen; er fliegt leicht wie ein vogel davon Herder
w. 26, 12
S.; bin ich ein pfeil, ein vogel, ein gedanke, dasz er mich durch das ganze schlachtfeld sprengt H. v. Kleist
Prinz v. Homburg 2, 1. vogel über dach,
geschwind, flüchtig, ohne überlegung, ohne gewähr schweiz. idiot. 1, 691.
sprichw.: zur rach bisz ein schneck, zur wolthat ein vogel Franck
sprüchw. (1541) 1, 55
a; der sey in rahtschlägen langsam wie die schneck und dann nach reiffen rath geschwind als wie ein vogel mit der that Voigtländer
oden u. lieder (1642) 96. bleierner vogel,
bild der langsamkeit, schwerfälligkeit Sartorius
ma. von Würzburg 185. —
kleine vögel essen zierlich und anscheinend bescheiden, daher: für speisen hast du keine auslagen verursacht — du aszest ja kaum, wie ein vogel Stifter
w. (1901
ff.) 3, 282.
vgl. schweiz. idiot. 1, 691. 88)
der gesang des vogels ist natürlich und kunstlos, er ist bezeichnend für seine freiheit und genügsamkeit: der vogel singt, wie er nistet,
beides lehrt ihn die natur Herder 5, 26
S.: ich singe, wie der vogel singt, der in den zweigen wohnet; das lied, das aus der kehle dringt, ist lohn, der reichlich lohnet Göthe 1, 163
W. preziös: ich habe keine stolze veste, von der man länder übersieht, ich wohn' ein vogel nur im neste, mein ganzer reichthum ist mein lied Herwegh
gedichte eines lebendigen (1841) 17; verhebter (
gefangner) vogel singt übel
sprichwörter (1548) 59
a. —
jeder vogel singt so, wie es ihm die natur gegeben hat, jeder hat seine weise, daher erkennt man ihn am gesang: ein jeder vogel singet wie ihm der schnabel gewachsen ist
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 195; jedweder vogel singt nach seinem schnabel Tieck
schr. (1828) 3, 213; bey dem gesang kennet man den fogel, denn er singet, wie yhm seyn schnabel gewachsen ist Luther 10, 1, 188
W.; sprichwörter (1548) 38
a; Stieler 529; Ferdinand ii. v. Tirol
spec. vitae humanae 6
ndr.; auch ich war verdrieszlich und sagte: jeder vogel singe nach seiner weise Göthe 43, 58
W.; Bauernfeld
ges. schr. 4, 12; bösz vögel singen bösz gesang
sprichw. (1548) 156
b; mancherlei vögel, mancherlei gesang. — vögel die frü anfahen zusingen, haben bald versungen 167
b; (
oder: friszt nachts die katze Fischer
schwäb. wb. 2, 1600;) die vögel so vil und wol singen, seind
selten feyszt 104
b. 99)
vögel erkennt man an den federn, an den farben, am schwanz: man siehet an den federn wol, was es für ein vogel ist Stieler 529; Moscherosch
ges. (1650) 2, 76; am schwanz Kirchhofer
schweiz. sprüchw. 299; an farben kent man vögel und narren Fischart
bienenk. (1588) 26
a; also sieht man gar fein, an unsern federn schöne, was wir für vögel sein (
stutzer) Opel-Cohn 30
jähriger krieg 415; wie man den vogel an den federn, den löwen an den klauen erkennt Göthe IV 20, 159
W.; Eichendorff
w. (1864) 3, 89. —
am flug: so kent man doch den vogel an dem flug Weckherlin
ged. 2, 220
lit. ver. vögel sind gesellig: wo vögel seyn, fliegen vögel zu Spanutius (1720) 628; das sprichwort will hierher nicht taugen: kein vogel frist des andern augen Henrici
gedichte 4, 503; die vogel gesellen sich zu ires gleichen
Sirach 27, 10.
gleich und gleich finden sich zusammen: vögel von einn federn fliehen gern zusamen
sprichw. (1548) 41
a. —
so hoch der vogel fliegt, er musz doch einmal zur erde nieder: es fliegt kein vogel nie so hoch, er sucht seine speise auf erden Spanutius 627. —
der vogel und sein nest: es entspricht ihm, er hat es gern, beschmutzt es nicht: ein groszer vogel wil ein grosz nest haben Eyering
prov. copia 2, 82; kleiner vogel, klein nest Stieler 529; wie der vogel, so baut er sein nest, einem jeden vogel gefällt sein nest
u. ä.; der vogel wont gern umb sein nest Eyering 1, 472; am nest wird man leichtlichen innen was für ein vogel wont darinnen 1, 89. ein schlechter vogel, der sein eignes nest beschmutzt,
z. b. von einem, der über seine heimat, seine landsleute vor fremden schlecht spricht Fischer
schwäb. wb. 2, 1601; es ist ein böser vogel der in sein eygen nest hofiert
sprichwörter (1548) 57
a; ein garstiger vogel der in sein eigen nest scheist Kramer (1702) 2, 1205
b; und myr schult gibst, ich sey eyn unreyn fogel yn meynem nehst Luther 7, 679
W.; (
wir also) als unflätige vögel, unser eigen nest besudeln Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 38; er hat sein nest beschmutzt, und das hätt' ich nie gedacht, ich hielt ihn für einen bessern vogel Hebbel
Agnes Bernauer 3, 6; der vogel kan nit sein der best, der scheiszet in sein eigen nest. wer im selbst ein schalk wil sein, wie schonet er der eren mein? Murner
schelmenzunft 30, 7; es ist ein rechter vogel in das nest, es ist vieh als stall,
beide taugen nichts sprichwörter (1548) 43
a. —
vogel und ei: wie der vogel, so das ey; böser vogel, böses ei Adelung; wie der vogel ist, so legt er eyer Faber
thesaurus (1587) 210
a. 1010) der vogel ist ausgeflogen (
oder plural),
man trifft jemanden nicht, wo man ihn erwartet; besonders auch bei gewinnsüchtiger oder feindlicher absicht, der gesuchte ist entwischt, die beute ist entgangen: Hügel
Wiener dialekt 183
a; do ist in heusern nichs mehr von hausrat gewesen, die bösten vögel sein auszgeflogen gewesen
zimm. chron. 2 1, 257, 15; als er aber bey Rinteln anlangte, war der vogel ... schon aus dem neste, doch kaum eine stunde zuvor, entwischet Chemnitz
schwed. krieg 2, 50; also ward im sein raub entzogen, und warn die vögel ausz geflogen Scheit
Grob. 4309
ndr.; Fischart
Eulenspiegel 5495
Hauffen. — vögel im bauer: man musz erst den vogel im bauer haben, ehe man ihn will pfeifen lehren Chr. Felix Weise
lustspiele 1, 312; wann der vogel ausz dem gebauer ist, so hats mit der wache gut wege Chr. Weise
d. grünenden jugend überfl. gedanken 222
ndr. — vögel braten: man tut ihm vögel auf dem buckel braten,
von einem der sich alles gefallen läszt schweiz. idiot. 1, 690; die gebratenen vögel (
öfter tauben) fliegen dir nicht ins maul,
du muszt etwas dazu thun, wenn du etwas erreichen willst. —
von jemandem, der träge oder gar nicht grüszt, sagt man: er hat vögel unterm hut. — auf den mann ein vogel,
jeder bekommt ein gleiches stück. 1111)
vogel und katze (vögel, die früh singen, friszt am abend die katze
oben unter 8): ein vogel für die katz',
ein todkranker wb. der luxemb. mundart 472
a. — wann ein mal ein katz ein vogel friszt, so muosz sie alweg hören: katz vom vogel Franck
sprichw. (1541) 1, 88
b; katz
ist hier scheuchend, s. kätz th. 5,
sp. 278;
als ausruf (kutz): botz kutz vom vogel, was ist disz? (
eins von zwei hühnern ist vom spiesz verschwunden) Fischart
Eulenspiegel 1322
Hauffen. die katze hat den vogel,
die sache ist zu ende, oder auch: das geheimnis ist verraten. 1212) frisz vogel oder stirb Kramer (1702) 2, 1205
a; vogel frisz oder stirb,
aut moriendum aut vincendum Steinbach 2, 899; Fischer 2, 1600;
schweiz. idiot. 1, 690; Martin-Lienhart 1, 99
a;
zunächst bei einer wahl zwischen zwei gleich schweren dingen, dann auch bei einem groszen wagnis. der ursprung der redensart, die seit dem 16.
jh. bezeugt ist, ist dunkel. es wird heissen auff dieser kirb: sech zu vogel, frisz oder stirb Fischart
Eulenspiegel 764
Hauffen; es hiesz compelle intrare, vogel isz oder stürb
zimm. chron. 2 1, 284; dasz es also hies, vogel frisz oder stirb, namen eine desperate resolution Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 157; vogel frisz oder stirb. wer nicht mitmachen wollte, war des lebens nicht sicher Hebel
w. 2, 240
Behaghel. 1313)
sehr oft wird vogel
auf einen menschen bezogen, gewöhnlich mit attribut oder in zusammensetzung; die meinung neigt sich dabei gern nach der ungünstigen seite, doch kann auch fröhlichkeit, geistige beweglichkeit be zeichnet werden: scurra, spott-
vel speyvogel Diefenbach
gloss. 522
a; hurenvogel Apinus
gloss. (1728) 275; ein arger vogel,
homo nequissimus Steinbach 2, 899. er giebt einen spottvogel ab,
cavillator est: glücksvogel, unglücksvogel 900 (
ebenso pechvogel).
hier hat sich die bedeutung verschoben, denn eigentlich sollten glück oder unglückbringendes gemeint sein, unglücksvogel
wird von Steinbach
auch als turbator, mali alicujus autor erklärt. gewöhnlich werden aber vom geschick begünstigte oder verfolgte bezeichnet. leichtfertiger vogel
nebulo, ein galgenvogel,
homo patibulo dignus Frisch 2, 405
a (
umschrieben: du vogel von der galgensart Reuter
ehrliche frau 51
ndr.); ein durchtriebener vogel Adelung; glatter vogel,
sittlich verdorbener, unseliger vogel,
schwächlicher, elender, armseliger Martin-Lienhart 1, 99
b;
vgl. Fischer
wb. 2, 1602.
beispiele für feste und losere verbindungen mit adj., arg: jungfern von fünfzehen jahren die bedörfen guter wacht, ihnen wird von argen vögeln wol am meisten nachgetracht Grob
dicht. versuchg. (1678) 99.
böse: nun sprichstu, ich weiss leider wol, das ich ein böser vogel bin Geiler
bilgersch. (1512) c 3
a; zuo Venedig sind etlich böss vögel unnd landtfarer Forer
Gesners thierbuch (1563) 37. —
durchtrieben: nun werden sie ja wohl den bischof bald dort haben, er ist wie mich dünckt, ein durchtriebener vogel Lichtenberg
briefe (1901) 1, 366; der durchtriebene vogel, der Till Immermann
w. 1, 33
Hempel. —
ehrlich: du ehrlicher vogel Bucholtz
Herkuliskus (1665) 6. —
ehrvergessen: was, sagte sie, du ehrvergessener vogel, wilstu wieder aus dem hause lauffen Chr. Weise
erznarren 11
ndr. —
fein: ein feiner vogel und spaszmacher Fontane i, 6, 353. —
frech: zwar wäre es billig, diesen frechen vögeln (
den brüdern Schlegel) auch tüchtig was am bunten zeug zu flicken Göthe 5, 1, 171
W. gerupft, abgerupft: und dann hatte ich wieder bedenken ... einen schlechten, gerupften vogel (
mädchen) einzuführen 43, 78.
gewöhnlich ein seines geldes beraubter, z. b. durch spieler ausgebeuteter. —
gut, mitleidig oder ironisch: in dem kam ein guter vogel, ein gartknecht hinein Wickram 3, 106
LV. —
ketzerisch: anderer solcher ketzerischer vögel Fischart
bienenk. (1588) 34
b. —
leicht: du must ein leichter vogel sein, dasz du begerst für uns herein für unsern königlichen thron Ayrer
dramen 125, 27
lit. ver. leichtfertig: hörstu narr, was bistu aber für ein leichtfertiger vogel
von dem jetzigen zustand der kipper u. wipper (1621) a 2
b; Rist
d. friedewünschende Teutschland (1648) 19; je du leichtfertiger trotziger vogel Gryphius
lustspiele 268
LV; aber sollten die leichtfertigen vögel auch wohl über mich lachen J. E. Schlegel
w. 5, 158; so bistu ein wüster gesel und ein leichtfertiger vogel Fröreisen
Aristophanes wolken übers. 212, 209
lit. ver. leichtsinnig: gleicher weisz, wie der jenige nicht from ist, der von einem leichtsinnigen vogel gelobet wird Moscherosch
gesichte (1650) 2, 453. —
locker: und der unterricht (
im trinken) schlägt bei dem lockern vogel an Tieck
schr. (1828) 17, 37. —
lose: loser vogel, ich werde es bald sehen Chr.
F. Weisze
lustspiele 1, 155; die andern sind junge edelleute, militärische edelknaben meines gnädigsten herrn, und lose vögel Göthe 17, 17
W.; ein loser vogel müsse den gesellen daher geschickt haben O. Ludwig
schr. (1891) 2, 366;
verdeutlicht: den losesten vogel scheucht' er heute, der ihm gärtchen und nichte bestiehlt Göthe 1, 255
W.; vom geflügelten Amor: Amorn den losesten aller vögel 17, 105
W. —
luftig: 'kennen denn ew. hochwürden den bräutigam?' fragte ich ganz verwirrt. — 'nein', erwiderte der alte herr, 'aber er soll ein luftiger vogel sein'. — 'o ja', sagte ich hastig, 'ein vogel, der aus jedem käfig ausreiszt, sobald er nur kann, und lustig singt, wenn er wieder in der freiheit ist' Eichendorff
w. (1864) 3, 91. —
lustig: er ware der lustigste vogel, den ich jemal gekennet Lindenborn
diogenes (1742) 2, 15; hätt' ichs je gedacht, dasz der finstre Verrina in seinen alten tagen noch ein so lustiger vogel würde Schiller
Fiesko 1, 7; nun ist der übergang vom waldgefieder auf die lustigen vögel in livree an und für sich gar nicht übel Holtei 40
jahre 1, 27; lustige vögel, die gerne schwatzen Schiller
Wallensteins lager 1.
nasz, vgl.nasser bruder
u. ä. th. 7,
sp. 422; ein unnützer nasser vogen Wickram
rollw. 53, 7
Kurz. —
nichtswürdig: du nichtswürdiger vogel Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. gedanken 179
ndr. —
öde: mit disen worten der öd vogel sein gesang beschlosz Wickram 1, 92
lit. ver.; —
rar (
s.selten, seltsam): bist mir a rarer vogel, du Anzengruber
w. (1892) 1, 47.
rar,
hier seltsam und miszfällig, rara avis
in dem sinne von seltenes wesen steht bei Persius
sat. 1, 46. —
redlich: da kommt der redliche vogel Gryphius
lustspiele 499
lit. ver.; —
schlau: ich denke, sie sind mir ein schlauer vogel Chr.
F. Weisze
lustsp. 1, 54. —
schlimm: aber der schlimme vogel hielte der guten tröpffin dannoch sein wort nicht Grimmelshausen
Simpl. 3, 397
lit. ver.; —
schön (
ironisch): du bist ein schöner vogel, ein schöner kerl Kramer 2, 638
a (1702). —
selten (
s.rar,
lat. rara avis),
in seiner art vereinzelt: organist, welches in Curland ein seltener vogel ist Hippel
lebensläufe (1778) 1, 85. —
seltsam, jetzt ist ein seltsamer vogel
ein mensch von wunderlichen eigenschaften, sonderbarem aussehen, in älterer sprache dagegen ist es meist ein '
seltener',
nur vereinzelt vorkommender, und zwar gewöhnlich (
vgl.rar, selten)
als prädikat, etwas seltenes: ein senfftige guotige fraw sey ein seltzamer vogel auff erttrich Albrecht v. Eyb
deutsche schr. 1, 8;
N. v. Wyle
translationen 130: wo sind sie die gerne das creutz leiden? es ist ein seltzamer vogel ein christ Luther 20, 579
W.; es sagt der poet Ovidius, das die liebe oder ainigkait zwischen gebrüedern ain seltzamer vogel seie
zimm. chron. 2 2, 285; es sey ein seltzamer vogel der reich und gelehrt sey, denn das alte sprüchwort leugt nicht: reichthum dominirt, armuth studirt
der wohlgeplagte priester (1695) 45.
andere wendungen: von ... dem seltzamen vogel, amicus, freund genant
sprichwörter (1548) 170
a. seltsamer vogel um,
wie: seltene sache um: so ein seltzamer vogel ist es umm einn danckbarn 61
a; und solt wissen, das von anbegynn der wellt gar eyn seltzam vogel ist umb eyn kluogen fursten Luther 11, 267
W. dagegen in dem sinne, den seltsamer vogel
jetzt haben würde: nachdem nun Auberle Hessel zu Sigmaringen gestorben, hat graf Christof ain andern narren überkommen, hiesz der Nuspaum, war ain seltzamer vogel
zimm. chron. 2 2, 311. —
unnütz: der unnütz vogel Wickram 3, 120, 23
lit. ver.; einige zeilen vorher: ein üppiger, verwänter vogel 15; alle müszige schlingel, unnütze vögel, vaterverderber und galgenaasz Fischart
bienenkorb (1588) 254
b. —
undankbar: verschriebe ihm das gröste theil meines vermögens, im heurathscontract, aber mit meinem baren gelde habe ich mir den undanckbaresten vogel von der welt erkauffet
ollapatrida 130
ndr. —
verschmitzt: er ist wol so ein alter verschmitzter vogel Ayrer
hist. proc. juris (1600) 100. —
wild: da war ein pfarrherr, ein wilder vogel Frey
gartenges. 76
lit. ver. —
wüst: wüster vogel! pake dich Schiller 1, 214
G. 1414) vogel
allein von personen; auch hier zeigt sich die neigung, von gutmütiger charakterisierung aus zur schelte und zum schimpfwort überzugehen. häufig sind wendungen: man weisz, merkt schon, was das für vögel sind,
wobei in der gedachten antwort allerdings ein attribut zu vogel
gesetzt wird: o gebenedeyet sey der bock zu Leyptzick, der uns antzeygt, was er (
Luther) fur ein fogell ist Luther 7, 625
W.; der schuoster sahe bald, was er für einen vogel (
dummen menschen) hette Schumann
nachtbüchlein 212
lit. ver.; Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 122
ndr.; von welcher art mag dieser vogel seyn? (
of what kind should this cock come of)
Shakespeare wie es euch gefällt 2, 7. wie Rübe-zahl auch solcher vogel sol seyn in Schlesien auff dem Riesen-berge Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 43; man kann den Mathy's und andern vögeln dieser art nicht recht trauen
briefe von und an Herwegh 222. — vogel
allein: dieser vogel und ertzbösewicht Grimmelshausen 4, 776
literar. verein; wer weisz was die vögel einmahl wieder haben angestifftet Reuter
d. ehrliche frau 42
ndr.; der autor davon (
dieses buches) musz ein vogel seyn (
ein schelm, schalk)
ollapatrida 4
ndr.; was meynst, das aus dem vogel werd? (
dem jungen, der nicht zur schule gehalten wird) Wickram 6, 252
lit. ver. in der anrede: du vogel du, ha vogel der du bist Kramer (1702) 2, 1205
b; antwortest du nicht, vogel! soll ich dir die rede mit diesem stocke aus dem leibe langen Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. gedanken 179
ndr.; dort in der runden stube — gelt vogel Schiller 2, 142
G.; auf Levulum, einen feder-hans (
prahler, s. th. 3,
sp. 1406). du vogel, Levulus, wie dasz du dich bewegest, du vogel, wann man spricht? da federn du doch trägest Logau 1, 10, 78. ertztvogel,
homo nequissimus Steinbach 2, 900. 1515)
wie seltner vogel, rarer vogel
eine sache bezeichnen kann, so ist es in einer reihe anderer wendungen der fall, die z. th. schon erwähnt sind (
z. b. der vogel ist mir entschlüpft
von entgangenem gewinn): hetich ist ein böser vogel, habich ist ein guter Franck
sprüchwörter (1541) 2, 193
a. 1616)
man schosz mit der armbrust, später auch mit der büchse nach einem auf hoher stange angebrachten vogel; sieger war, wer den letzten rest des vogels herunter holte, den vogel abschosz. den vogel abschieszen
heiszt dann das richtige treffen, das beste leisten, eine glückliche entscheidung finden, in einem wettstreit siegen u. ä.: ein geschnitzter vogel, wornach sie schissen; den vogel abschissen Steinbach 2, 899; vom fogel abschieszen Luther 34, 1, 154, 4
W.; sicut nobiscum dicitur: viel schissen nach dem vogel, sed unus eum deiicit 154, 18; da die bürger mit armbrüsten nach dem vogel schieszen solten Schütz
hist. rerum pruss. (1592) o 4
c; do sie nun einmal zum Berlin zum vogel schossen, und Clawert etwas langsam ankommen, das der vogel fast zum abschus stundt Krüger
Clawerts werckl. historien 25
ndr.; früh nach dem vogel geschossen Göthe III 1, 43
W.; wie viel er vögel abgeschossen Lessing 1, 7
M.; endlich haben wir den vogel abgeschossen (
endlich ist es gelungen)
Z. Werner
d. söhne des thales (1804) 2, 187.
redensart: bei mir ist der vogel runter,
ich bin nicht aufgelegt, habe keine lust Müller-Fraureuth 2, 623
a. 1717)
besondere bedeutungen. 17@aa)
keimfleck im ei: der vogel, das weisz im dutter darausz die jungen güggele geboren werdend Maaler 471
b;
umbilicus der vogel im ey Orsäus
nomenclator meth. (1623) 63; das vögelein,
der kleine, weisze, linsenförmige körper auf dem häutchen des eidotters (narbe, auge, köpfchen, hahnentritt) Campe; Schmeller 1, 834; Fischer 2, 1602;
schweiz. idiot. 1, 692; die selb weysse hat ain flecklin, nennet man den fugel Geiller
schiff der penit. 112; gleich einem hennen ey, so auszwendig ein schalen unnd häutlein hat, darmit der dotter und der vogel verschlossen bleibe Ruoff
hebammenbuch (1580) 95. 17@bb)
eiterbläschen auf der haut, eiterndes geschwür (
gewissermaszen '
angeflogen') Schmeller
bayer. wb. 1, 834; Schöpf
tirol. 190, Höfler
krankh.-namenbuch 767
a. 17@cc)
eine art länglicher brote Schöpf 790; Fischer 2, 1603; vögeli,
semmel in vogelgestalt mit augen aus reckholderbeeren schweiz. idiot. 1, 692; Follmann
lothring. 169
b. 17@dd)
ein stück aus dem kessel genommenen gebrühten käsestoffes (käsvogel)
schweiz. idiot 1, 692. 17@ee)
gericht aus kalbfleischstücken, kälbervögel, kälberne vögel
schweiz. idiot. 1, 692; Fischer 2, 1603; Schmeller 1, 834. 17@ff) gelbe vögel,
goldstücke, nicht nach aufgeprägten adlern, sondern weil sie zu- und fortfliegen schweiz. idiot. 1, 692; Martin-Lienhart 1, 99
b; reiche leute haben trotz ihrer gelben vögel doch manchmal auch allerlei lasten und krankheiten auszustehen Hebel 2, 174. 17@gg)
dagegen nach den adlern auf den knöpfen am kragen der gefreiten, sergeanten und feldwebel sagt man: er hat den kleinen (
gefreiter), groszen vogel bekommen,
ist gefreiter, sergeant geworden Horn
soldatenspr. 71.
auch von einem orden, bes. dem roten adlerorden in Preuszen: roter vogel, piepmatz vierter (
klasse). 17@hh)
wenn vogel
kollectiv zur bezeichnung eines bienenschwarms gebraucht wird, wirkt die frühere allgemeinere anwendung des wortes nach (
s. oben 4) Fischer 2, 1602 (schöner, starker, junger vogel)
schweiz. idiot. 1, 692. 17@ii)
scherzhaft nennt man das ungeziefer, läuse vögel Martin-Lienhart 1, 99
b ; schweiz. idiot. 1, 692; Frischbier
preusz. wb. 2, 446
b. 17@kk) vogel
obscön, penes: ich wæn, er ir ze liebe hât in die selben kliebe sînen rôten vogel geschoben
minnes. 3, 229
a Hagen. 17@ll)
traggestell der maurer schweiz. idiot. 2, 693 (
auch von anderen ähnlichen traggestellen oder -brettern) Fischer 2, 1603; Martin-Lienhart 1, 99
b; Follmann
lothr. 169
b;
wb. d. luxemb. ma. 472
a. 17@mm)
vorrichtung am webstuhl, das schiffchen aufzufangen und zurückzuschnellen schweiz. idiot. 1, 693. 17@nn)
kleiner sitz hinten am sog. wurstschlitten für einen knaben oder diener schweiz. idiot. 1, 693. 17@oo) vogel,
das oberste, dünne ende der baumstämme Schmeller
bayer. wb. 1, 835. 17@pp) vögel,
späne rings um ein scheit, gefiederähnlich hervorstehend schweiz. idiot. 1, 692. 17@qq)
zusammengeballte federn in bettkissen ebenda. 17@rr)
man sagt: er hat einen vogel,
eine fixe idee, eine verrücktheit, es ist nicht richtig mit ihm; du hast wohl einen vogel,
bist wohl verrückt Fischer 2, 1602; Follmann
lothr. 169
b; Müller-Fraureuth 2, 623
a; Frischbier
preusz. 2, 446
b; schlieszlich glaubt es der weber, und nun hat er den vogel Hauptmann
die weber act 4.
die zu grunde liegende vorstellung tritt deutlich hervor in den redensarten: dir pickt es wohl? den pickt der vogel. 17@ss)
in alter zeit trugen die geschütze oft vogelnamen, daher inschriften: de ule bin ik genant, wen ander vagel slapen, so kome ik bi de hand. ein vogel bunt bin ik, de heister, den vienden to schaden en gut meister Ziegler
geschützinschriften 24. 17@tt)
in der Schweiz kuhname schweiz. idiot. 1, 692; Vogel, Vöglein,
jüdischer weiblicher vorname Fischer 2, 1603. 17@uu)
figur im kaffeesatz, bedeutet gute freunde Avé-Lallemand
deutsches gaunerthum 2, 263,
anm. 2. 1818) vogel (
oder vögel)
als erstes glied in zusammensetzungen; usuelle und charakteristische verbindungen in auswahl (
auf das nur vereinzelt auftretende s
in der kompositionsfuge ist bei der alphabet. ordnung keine rücksicht genommen). —