schatten,
m. umbra. II.
Verwandtschaft und form. mhd. schate,
landschaftlich in mancherlei abweichenden formen: umbra, schade, schadt, schatt, schatte,
schatten, schatwan, schede, sched, schet, scheth, scheyde, scheid Dief. 626
a,
ahd. scato,
goth. skadus,
ags. sceadu,
f., scæd
n., alts. skado,
mnd. schade, schadewe, schaduwe Schiller-Lübben 4, 36,
mittelndl. schade, schaede, schaeye, schaduwe, schaeduwe, schaedue Kilian,
holländisch schaduw,
f., engl. shade, shadow,
nd. schadde, scharde, scharre, scharr ten Doornkaat Koolman 3, 87,
bair. schatt, schatten Schmeller 2, 482,
tirol. schatt, schatten Schöpf 593, schôt'n Hintner 213,
lusernisch schâtom Zingerle 49.
wurzelverwandt mit schatten
ist griech. σκότος,
finsternis, altir. scáth, scáil,
schatten Kluge 296. Fick 1
4, 566,
im altn. ist der begriff schatten
vertreten durch eine bildung von der wurzel skau, sk
schauen, skugge (
schwed. skugga,
dän. skygge),
ein wort, welches auch im ahd. als skûwo
und im ags. als scûwa, scûa
in derselben bedeutung sich findet. in der flexion zeigt sich manches bemerkenswerte. während im ahd. nur die starke biegungsweise erscheint, tritt das wort schon im mhd. häufig in die schwache über, welche die herrschende geworden ist, doch mit bildung des genitivs auf s. die jetzt übliche, aus den obliquen casus übernommene nominativform schatten
zeigt sich schon am ende der mhd. und anfang der nhd. epoche (
vgl. oben aus Dief.).
in Luthers bibelübersetzung sind die formen schatte
und schatten
ziemlich gleichmäszig vertreten. beide formen gehen von da ab neben einander her, und ziemlich bis in unsere zeit hat sich das richtige schatte
erhalten: der erschlagene Remus, der erste römische lemur, erschien als ein blutiger schatte. Herder
werke 15, 474
Suphan; der schwarze schatte, den einige reue nennen. J. Paul
Titan 3, 176; der giftige riesenschatte der schwarzen zukunft.
vorsch. d. ästh. 1, 57; wenn nun die erd' ein schatte war, und unsichtbares leben durch die zweige säuselte. Hölderlin
Hyperion 185; wenn im grabe wir liegen und nun sich unsere stimmen dumpf begegnen,
wie sich schatte mit schatte bespricht, Laila, bin ich auch staub. Herder 16, 319
Suphan; mein schatte bin ich nur, bald nur mein nahme. Schiller
Tell 2, 1; wo ich sei, und wo mich hingewendet, als mein flücht'ger schatte dir entschwebt?
werke 11, 373; o Mani, wann ich werd' in wüsten sein ein schatte, den nicht wasser labt noch wein. Rückert 4, 94; die vöglein lockte jetzo schon mein schatte (: hatte : blatte).
ges. ged. 1, 123.
ungemein häufig wird in der form schatte (
nomin. und starker acc.)
bei dichtern und prosaikern der älteren sprache, ebenso mundartlich das e
abgestoszen; schon im mhd. finden sich beispiele hierfür, s. Lexer
mhd. handwb. 2, 671
und die angeführten formen aus Dief.
neben dem männlichen geschlecht des wortes erscheint auch das weibliche, von mhd. zeit bis in die gegenwart: und zeiget im mit der hand dar in das waʒʒer an die schate (: state). Stricker
kleinere ged. 3, 115
Hahn; ist doch der mensch gleich wie nichts, seine zeit feret dahin wie eine schatte.
psalm 144, 4; denn du bist der geringen stercke, .. eine schatte fur der hitze.
Jes. 25, 4; würfelförmige stücke, welche auf leinwand an warmer luft, im sommer auf böden in der schatte, im winter in trocknen stuben langsam
bei gelinder wärme getrocknet werden. E. L. Schubarth
handb. d. techn. chemie u. chem. technologie (1851) 3, 136; worauf .. die masse in kleine würfel geformet und in der schatte getrockenet wird. 3, 296.
auch mundartlich erscheint das fem. im mansfeldischen Jecht 92,
im kärntischen Lexer 214.
als neutrum wird schatten
im gött.-grubenh. dialekt angewandt Schambach 181;
auch die in genannter mundart vorhandenen nebenformen schê, schêe, schë (
entstanden durch abstoszung des t-
lautes)
werden sowol als masc. wie auch als neutrum gebraucht (
siehe ebenda).
der umlaut erscheint im plural: wer bett und weiszt nit was er bett, der bloszt den wint, und slecht die schet. Brant
narrensch. 45, 30;
sodann auch im sing., s. Dief.
gloss. 626
a,
nassauisch schät, schätt Kehrein 341,
coblenzisch schät Schmidt 175,
westerwäldisch bisweilen schähte
ebenda: wenn ein bilger über feld gat und sich etwen under eynen boum an den schetten schloffen leit. Keisersberg
christenlich bilgerschafft 138
c; das sie vom wort sind abgetretten und han gefolget einem schetten. Fischart
Dominici leben R 3
b; und nit die zyt syns todes kennt, die wie eyn schätt von hynnan rennt. Brant
narrensch. 66, 116; was hilfft der welt ere, lob und ruom, es ist nuot dann eyn schätt gesyn. 92, 95.
noch andre beispiele s. bei Lexer
handwb. nachtr. 358.
auch eine verlängerung des kurzen stammvocals zeigt sich häufig, wie aus den gelegentlich bereits angeführten dialektischen formen zu ersehen ist. in oberdeutscher dialektaussprache fällt schatten
ganz mit schaden
zusammen, daher zu wortspielen benutzt, vgl. Schm. 2, 482.
das w
des suffixes wa,
welches im ahd. in den obliquen casus hervortritt, führt zur bildung eines im mhd. ziemlich häufig gebrauchten schatewe, schetewe
schwaches masc. (
auch schatwe
starkes masc.). Lexer
mhd. handwb. 2, 672.
brem. wb. nachtr. 268;
davon weitergebildet schatwen Dief.
nov. gloss. 384, schatwan
gloss. 626
a, schattewan Dief.-Wülcker 834, schattewant
Sachsensp. 3, 45, 9
lesart, sam ein schatawe
quelle bei Schm. 2, 482.
auch später noch tauchen solche formen auf: meyne tag seynd gewichen wie ein schadwe. Luther
schriften (Weim. ausg.) 1, 195, 24
vom jahre 1517; den Zal heyst ein finster schadwen, Zalmon finsternis wie von schadwen kompt. 8, 17, 8
vom jahre 1521; wir halten uns nit an schadwen, wie du ketzerischer keeszprediger leren thuest. Carlstadt
wider bruder Johan holzschuhersordens B 2
b.
diese bildung lebt noch mundartlich in erweiterter femininer form schettewnne,
schatten, kühler aufenthalt durch schatten, beschatteter platz, weg. Liesenberg
Stieger mundart 193.
auch in andern theilen des nördlichen Thüringens findet sich diese form. IIII.
Bedeutung. der gebrauch des wortes ist sehr mannigfaltig, doch lassen sich die einzelnen bedeutungen nicht immer streng sondern, da sie vielfach in einander übergehen; im allgemeinen können folgende bedeutungssphären von einander abgegrenzt werden. II@11) schatten,
das durch hemmung des lichtes hervorgerufene dunkle abbild eines körpers: Jesaya sprach, das zeichen wirstu haben vom herrn, das der herr thun wird was er geredt hat. sol der schatten zehen stuffen forder gehen, oder zehen stuffen zurücke gehen?
2 kön. 20, 9; seinen schatten an der wand sehen. Campe; in Ruszland .. fror ihm einmal bei einer auszerordentlichen kälte sein schatten dergestalt am boden fest, dasz er ihn nicht wieder losbekommen konnte. Chamisso 2, 294; als sie ihm nachsahen, da er langsam mit nachspringenden schatten und mit den an ihm herabschlüpfenden sonnenblitzen durch die lorbeerbäume ging. J. Paul
Titan 1, 27; dort, das gewand vom schatten gefleckt der beweglichen blätter, sasz sie. Voss 2, 7; hilf! Zeus! an seiner seite fliegt sie schon! ihr schatten, grosz, wie ein riese in der morgensonne, erschlägt ihn schon! H. v. Kleist 1, 112.
besonders II@1@aa) schatten
als etwas bewegliches. die bewegungen des körpers übertragen sich auf den schatten,
oft in erhöhtem masze: standst am thurm, den feuchten blick empor, liebäugelnd mit dem licht in ihrer kammer, sahst ihre schatten an den wänden fliehn. Grillparzer 6, 79.
als schneller: siehe wie schwebenden schritts im wellenschwung sich die paare drehen, den boden berührt kaum der geflügelte fusz. seh ich flüchtige schatten, befreit von der schwere des leibes? Schiller 11, 41.
den bewegungen des körpers folgend, daher sprichwörtlich: über seinen schatten springen kann dem leichtsten nicht gelingen. Logau
bei Lessing 5, 216; 'was lehr' ich dich vor allen dingen?' möchte über meinen eignen schatten springen! Göthe 4, 319.
seinem träger folgend: mein schatten schleicht mir nach wie ein spion. Herwegh 1, 93;
daher auf menschen angewandt: wuth ist es, die mich zu deinem schatten macht. Klinger 2, 125 (
vgl.schatten, hieszen scherzweise die ungeladenen personen, die ein vornehmer gast als seine gute freunde mitbrachte. Wieland
Horazens briefe 1, 101).
die bewegung des schattens ist lautlos: schleichen wie ein schatten; in dem bedaucht mich wie die stet hübschlich die kamer auff thet und sitlich schleichend wie der schat gen mir zu meinem bette drat.
fastn. sp. 1296.
keine spur hinterlassend: die menschlichen geschlechter sterben; sie sind flocken ausgesäet in den sturm; spurlos, wie schatten über eine wand, ziehn ihre schaaren über diese erde. Grabbe 1
3, 44
Gottschall. II@1@bb)
der schatten
wird nach der stellung des lichtes (
der sonne)
gröszer und kleiner: je höher die sonne steht, desto kleiner werden die schatten. Campe;
daher bei angabe der tageszeit: ey es wil abend werden, und die schaten werden gros.
Jer. 6, 4; des mittags geben die körper den kleinsten schatten. Frisch 2, 164; gegen die abendzeit werfen die körper immer gröszern schatten.
ebenda; abends, wenn die schatten länger werden. Adelung; wenn die sonn' auf ihres wandels zinne mit durst'gen zügen auf die schatten trinkt. Grillparzer 6, 41; doch heut ist's spät; die sonne glühet schon roth. und lange schatten ziehet der kleine tamariskenstrauch weit überm sand im abendrauch. Immermann 15, 66.
auf das leben gewendet, das den höhepunkt überschritten: zwar längern schon sich ihres lebens schatten, doch löst sie gerne noch den wittwenschleier. Uhland
ged. 460.
mit angabe der jahreszeit: im sommer wird der schatte klein. Stieler 1739.
die länge des schattens hängt also nicht vom körper ab: ein kleiner mann macht oft einen groszen schatten. Simrock
volksbücher 5, 419.
von einer an sich geringfügigen, in ihren folgen wichtigen angelegenheit: die sache freilich ist klein, aber ihr schatten ist lang,
als sprichwörtliche redensart bei Rochholz
Germania 5, 70. II@1@cc)
stellung des schattens verschieden, nach der tages- und jahreszeit: der thurm wirft seinen schatten gegen abend. Adelung; geduld! nach süden wirft auf ihrer bahn sie jetzt bald wieder senkrecht meinen schatten. ein jahr ist um, es fängt ein andres
an. Chamisso 2, 32. II@1@dd)
das schattenbild verschwindet schnell, daher oft in vergleichen mit dingen, die schnell vergehen, wie menschliches leben, irdische güter u. a. m.: uuaʒ tohta uns ubermuoti unde rîhtuomes ruom? siu fersuuundun also scata. Notker
ps. 52, 5; daranâh wanchton mîne taga, also scato uuenchet. 101, 12; mennisco ist kelîh uppigheite uuanda sîne taga also scato vergânt. 143, 4; unser tag sein als der schat auf der erde.
bibel (1483) 197
a; sin (
des greises) tag sint vergangen als ein schat. Keisersberg
christenl. bilgerschafft 71
a; der mensch .. gehet auff wie eine blume und fellet abe, fleucht wie ein schatten, und bleibt nicht.
Hiob 14, 2; meine tage sind dahin wie ein schatten, und ich verdorre wie gras.
ps. 102, 12; was hilfft uns nu der pracht? was bringt uns nu der reichthum sampt dem hochmut? es ist alles dahin gefaren wie ein schatte.
weish. Sal. 5, 9; die zeitliche ehre ist wie ein schatten,
gloria humana ut umbra transit. Stieler 1739; was nützt uns nün grosz ubermuot, flaischlichs lieb, und päses guot. sölchs ist vergangen als der schat. Schwartzenberg 115
b; der welt macht, herrligkeit, reichtum, gewalt, ehr, kunst, gunst, gnad, zier, pracht, und alles was hoch wird geacht auff dieser erd, und nicht besteht, ja wie ein schem und schatt' vergeht. Hollonius
somnium 69
neudruck; heut grünen sie (
die bösen) gleich wie ein baum, ihr herz ist froh und lachet, und morgen sind sie, wie ein traum, von dem der mensch aufwachet, ein bloszer schatt, ein todtes bild, das weder hand noch auge füllt, verschwindt im augenblicke. P. Gerhardt 192, 68
Gödeke; also dein leben (schnellverflogen) hat sich nicht anderst dan ein tag, ... zeit, traum, flug, schat, unn rauch verzogen. Weckherlin 451; dort, wo ein ew'ger morgen nach trüben nächten lacht, dort fliehen schwarze sorgen, wie schatten, in die nacht. Schubart
ged. 1, 318.
ebenso in eigentlichem bilde: denn wir sind von gestern här und wüssend nüt, unser läben ist ein schatten auf erden.
Züricher bibel (1530) 260
a; narren, die sich auff dieses nichtigen leben flüchtigen schatten, auff reichthumb .. verlassen. Hollonius
somnium 4; und alles was der mensch hie hat, was ists? nur ein schatte flüchtig. 68. II@1@ee)
auf die unkörperlichkeit des schattens wird bezug genommen II@1@e@aα)
um etwas kraftloses, besonders eine kraftlose gestalt zu bezeichnen: alle meine glieder sind wie ein schatten.
Hiob 17, 7; der gute Solande gieng wie ein schein auf der gasse und wie ein schatten vor aller menschen augen.
pol. stockf. 188; er siehet aus wie ein schatten. Adelung; er ist einem schatten ähnlicher als einem menschen.
ebenda; bist gleichsam als ein schatt der sich an wänden zeygt, vergilbet, blöd und matt, ja wie ein nacht-gespänst den leüthen forgekommen. Rompler
reimged. 81; bald ist das schöne thier, eh noch drei tage hingeschwunden, zum schatten abgezehrt. Schiller 11, 21; und fratzenbilder nur und sieche schatten seh' ich auf dieser erde, und ich weisz nicht, ist sie ein tollhaus oder krankenhaus. H. Heine 1, 136. II@1@e@bβ)
um das kindische einer handlung, eines gefühls zu bezeichnen, meist in festen redewendungen: gang von dem woren guot zuo dem falschen guot, bysz uff den schatten von den öpffeln in den distlen. Keisersberg
christenl. bilgerschafft 54
a; wer auf trewme helt, der greifft nach dem schatten, und will den wind haschen.
Sir. 34, 2; seinen eignen schatten förchten. Maaler 348; nach dem schatten greiffen. Henisch 1738, 38; auf di hoheit der welt sich zu verlassen, nichts anders als den grund in den wind legen, und auf den schatten bauen. Butschky
hd. kanzell. 376; seinen eigenen schatten fliehen. Adelung; er eifert mid'n schatt'n an da wand. Hügel 135; und solch ein trugbild soll dir grundgebäu von deiner pflicht und hoffnung, deinem glück und unglück seyn? auf einen schatten willst du stützen dich? Herder 29, 133
Suphan. II@1@ff) schatten
als etwas unkörperliches, unwesenhaftes, im gegensatz zur sache selbst: doch sage mir auf dein gewissen jetzt,
ob das, was du für wahr mir geben willst, wahrscheinlich auch nur auf den schatten ist. H. v. Kleist 1, 221.
zur bezeichnung von etwas gedachten, durch täuschung hervorgerufenen, namentlich von den durch den traum erzeugten schattenbildern, im gegensatz zum wirklichen, seienden: ein frischer regenbogen von gartenfarben und ein entfärbter nebenregenbogen liefen nebeneinander fort, wie im erwachen der schatten des traumbilds noch sichtbar vor der blitzenden gegenwart entläuft. J. Paul
Tit. 3, 103; die phantasey, der muthwillige affe der sinne, gaukelt unserer leichtgläubigkeit seltsame schatten vor. Schiller
räub. 4, 5
schauspiel; wenn der mensch im schlaf liegt, aufgelöst, .. dann verdrängt ein gefühl der zukunft alle
gedanken und bilder der gegenwart, und die dinge, die kommen sollen, gleiten als schatten durch die seele, vorbereitend, warnend, tröstend. Hebbel
werke 1, 19; aber was musz ich sehen! kann das natürlich geschehen? ist es schatten? ist's wirklichkeit? wie wird mein pudel lang und breit? Göthe 12, 66; Tancredens heldenliebe zu Chlorinden, Erminiens stille nicht bemerkte treue, Sophroniens groszheit und Olindens noth, es sind nicht schatten, die der wahn erzeugte, ich weisz es, sie sind ewig, denn sie sind. 9, 146; mir hat von diesen königen und schlachten und kriegesthaten nur geträumt — es waren nur schatten, die an mir vorübergingen. Schiller 13, 302; kein zauber, sagte sie, kein traum hat dich betrogen, kein leerer schatten hat von mir dir wirklichkeit nur vorgelogen. Bürger 108
b. schatten
als bloszes erinnerungsbild (
bezüglich eines toten sich mit 7
berührend): und soviel vermag über dies weib ein andenken, der schatten der liebe. Leisewitz
Julius von Tarent 40
neudruck; ist er der herrliche nicht, und ist er nicht mein? o ihr schatten seliger zeit! ihr meine trauten erinnerungen. Hölderlin
Hyperion 135; ihr bringt mit euch die bilder froher tage und manche liebe schatten steigen auf; gleich einer alten halbverklungnen sage, kommt erste lieb und freundschaft mir herauf. Göthe 12, 5; schatten sinds, die sie umgeben. wie ein holdes traumgesicht, schwand der gott aus ihrem leben, nur aus ihrem herzen nicht. Tiedge 1, 77; wir haben immer, was wir hatten, des lebens tag versinkt in leise dämmerung; durch dieses zwielicht geht ein freundlich holder schatten! o, das bist du, erinnerung! 2, 184.
vgl.gedanken aus den tagen meiner jugend stiegen wie schatten vor meiner seele auf. Hauff
memoiren des satans c. 14;
von trüben erinnerungen und gedanken: einst, da ich eine nacht, wie ernte-tage lang, mit gram und ungeduld im leeren bette rang, wann öde schatten uns das unglück schwärzer machen und, unholdinnen gleich, die sorgen mit uns wachen. Haller
ged. 181
Hirzel; schläfst du auch mit augen zu, findet doch dein geist nicht ruh', schatten drohn, die nie verbleichen, und gedanken, die nicht weichen. H. Heine 2, 230
Elster. II@1@gg) schatten
für die nichtigkeit einer sache, in vergleichen: reht als ein troum und sam ein schate, sus wâren alliu schœniu wîp, swâ man ir (
der Helena) tugentlichen lîp begunde rehte schouwen. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 19708; die ere was nu gar ein troum und als ein vergangen schate.
pass. 3, 31
Köpke; was hat dein tyrannei gewunnen? nicht grünes, wie ich hab vernummen. geb, wie ihr müh und arbeit hand, zletzt wirds wie ein schatt an der wand. Opel - Cohn 52.
ebenso im eigentlichen bilde: und dir hoffnung desz ewigen lebens abschneiden umb einer hand voll ehre willen, das doch nur ein schatte, ein rauch und dampff ist. Schuppius 309; dirre brœden werlde schîn, der enist niht wan ein armer schat. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 4286; verscherzt ist dem menschen des lebens frucht, so lang er die schatten zu haschen sucht. Schiller 11, 320; weh dem, den aus der seinen stillem kreise des ruhms, der ehrsucht eitler schatten lockt. Grillparzer 3, 163; nachdem getastet meine dumpfheit dahin und dorthin, stets gehascht nur schatten, taumelwein ernascht. Immermann 13, 214;
verstärkt: sie gehen in der welt und suchen gut und geld, der schatten einen schemen! P. Gerhardt 87, 33.
in dieser bedeutung oft im gegensatz zum wahren: die lügnerin, gedungen von despoten, hat für die wahrheit schatten dir geboten. Schiller 4, 28; schatten sind des lebens güter, schatten seiner freuden schaar, schatten worte, wünsche, thaten, die gedanken nur sind wahr. Grillparzer 6, 135. II@1@hh)
der schatten
als das bild eines körpers, entspricht in den umrissen der gestalt desselben: der schatten des lahmen ist krumm. Gryphius
bei Wander; ein krummer stecken kann keinen geraden schatten werfen. Adelung.
etwas im schatten
entwerfen, d. h. einen schattenrisz von einer sache machen: ich will mich blos, nach ihrem leitfaden, von der literatur meines vaterlandes unterrichten, und ein gemälde derselben in den letzten sechs jahren, im schatten, entwerfen. Herder
zur schönen literatur und kunst 1, 6. schatten
zur bezeichnung des bildes, abbildes von geistigen oder noch nicht ins dasein getretenen wesen: so nimet er denne in sîne hant ein vil hêrlich gewant. daʒ heiʒʒet ein hûmerale. mîn trohtin dâhte, waʒ daʒ wâre. dâmite chumet ime der scate, des heiligen geistes. vil wol bedarf er des.
deutung der messgebräuche in Haupts zeitschrift 1, 276; ob dû (
die ungeborene mutter gottes) dâ lîphaft wære niht, sô was doch ie mit hôher state, dîn bilde und dîner sêle schate vor sîme antlütze lebende. Konr. v. Würzburg
goldne schmiede 723.
zur bezeichnung eines meist schwachen abbildes. von personen: Adelheid. hatten sie keinen kaiser?
Weislingen. liebe frau! er ist nur der schatten davon, er wird alt und miszmutig. Göthe 8, 128; die person des günstlings und siegelbewahrers ist gewissermaszen der schatten der majestät — beleidigungen gegen jenen sind verletzungen dieser. Schiller
kab. u. liebe 3, 1; der
N. is ka schattn von sein vadern. Hügel 135; ich bin es selbst; und bin's auch nicht.die asche nur des feuers, das einst für euch geglüht, ihr wiszt, wie heisz; der schatten nur des wesens, das ich war. Grillparzer 8, 96.
von geistlichen dingen, hier meist als vorbild. goth. ni manna nu izvis bidômjai in mata aiþþau in drangka .. þatei ist skadus þizê anavaírþane, iþ leik Xristaus.
Col. 2, 17;
ahd. ouge uns Christum der dîn dextra ist, unde sîne electos, die des sîn uuîse, uuieo unheuig kuot in ueteri testamento geheiʒʒen sî, dar umbra futurorum (scato dero chunftigon) ist. Notker
ps. 89, 12;
nhd. die übel disz lebens seint nit me dan schatten der zuokunfftigen übel. Keisersberg
narensch. 94
a; so lasset nu niemand euch gewissen machen uber speise oder uber tranck .. welches ist der schatten von dem das zukünfftig war, aber der cörper selbs ist in Christo.
Col. 2, 17; dieweil da priester sind, die nach dem gesetze die gaben opffern, welche dienen dem fürbilde, und dem schatten der himmlischen güter.
Hebr. 8, 5; wie hernach .. seine apostel im newen testament, solch bildwerck und figuren (
wie die bildwerke in der stiftshütte) erkleret und gedeutet haben, nemlich das es schatten und abrisz sein künfftiger ding, die im newen testament und ewigen reich ergehen sollen. Mathesius
Sarepta 43
a.
in sonstiger verwendung: Rom ist ietzt nur ein schatten gegen zuvor. Stieler 1739; dann wird es (
in einem schönen landstrich) dem paradiese so ähnlich werden, als das paradies .. dem himmel ähnlich ist, ein nachahmender schatten. Geszner 1, 62; ein solcher fall musz in unsrer lage gar nicht möglich scheinen — denn scheint er einmal möglich, so artet er schon in den schatten der wirklichkeit aus; und diesen schatten verdickt man leicht. Klinger 9, 209; dennoch find ich in der that ein exempel, welches mir, wenigstens im schatten, zeiget, das, die möglichkeit zu fassen, unsern geist nicht übersteiget. Brockes 4, 442; ein solches lob gereicht zum vorwurff der natur, das beste meister-stück ist nur von ihr ein schatten. Bodmer
krit. ged. 29
neudruck; komm, wir führen dich jetzt zu deinem genossen, dem leibe, den die natur schön bildet, damit sein lächeln, o seele, schatten deiner himmelsgestalt im antlitze zeige. Klopstock 3, 139; erst läszt er (wie ein weiser okuliste in solchem fall verfahren müszte) von dem, was wahr und immer schön und selbst beständig ist, ihr nur die schatten sehn. Wieland 9, 130; in des frühlings blumenkleide schwebet, leisen tritts, die freude, schwebt sie selbst auf dieser flur; in der stadt ihr schatten nur.
Göttinger musenalm. 1774, 160; und erreicht wohl der dichter den schmelz der farbigen blumen? neben deiner gestalt bleibt nur ein schatten sein wort! Göthe 1, 307; das wesen jedes leids hat zwanzig schatten, die aussehn wie das leid, doch es nicht sind.
Shakespeare Richard II. 2, 3.
von einem falschen abbild: o kinder, wann ich euch soll rathen, so haszt der liebe falschen schaten, liebt nicht mit worten nur allein, laszt ewre liebe scheinbar seyn, durch wahren mund und rechte thaten. Opitz (1640) 3, 124.
in derselben weise sagt man von groszen ereignissen, die sich durch unwichtigere vorgänge ähnlicher art im voraus kundgegeben: sie werfen ihre schatten voraus. II@1@ii) schatten,
in enger berührung mit dem vorhergehenden, bezeichnet das, was als das schwächste abbild von etwas, als das kleinste einer sache sich darstellt, und ist dann gleichbedeutend mit '
schein, spur'
und ähnlichen ausdrücken. in bezug auf concrete dinge: er hat nicht einmahl den schatten davon gesehen. Frisch 2, 164; tief im Böhmer walde, von dem jetzt nur ein schatten übrig ist. Musäus
volksm. 4, 71
Hempel. im bilde: der meister jeder kunst fühlt tief .. und weisz dasz, wenn beym schatten selbst des jochs er sich nicht bäumte, pedanterey und neid ihn bald zum lastthier zäumte. Gotter 1, 197.
mit dem genitiv abstracter begriffe oder entsprechenden wendungen mit von: wenn ein herr spurt dasz jhm der diener nur ein schatten einer untrew macht. Lehmann
florilegium 141; eine andere art von spielen .. welche wenigstens einen schatten von vernunft hatten. Lessing 4, 313; ihre (
der malerei) gröszten thürme, ihre schroffesten rauhen abstürze, ihre noch so überhangende felsen, werden auch nicht einen schatten von dem schrecken und schwindel erregen, den sie in der natur erregen. 11, 158; um einem verdacht vorzukommen, wovon der schatten genug war, ihrem geliebten das leben zu kosten. Wieland 1, 57; dasz unter diesen menschen noch ein schatten von sittlichkeit zu finden ist. 1, 206; und doch hielt mich ein schatten von hoffnung, dasz sie vielleicht blosz durch zufällige ursachen verhindert worden sey. 2, 70; aber man brauchte ihm nur den schatten einer gefahr dabey zu zeigen, so legte sich die auffahrende lohe wieder. 2, 350; dasz sie nichts vergessen haben werden, seiner kaltsinnigkeit auch nicht den schatten einer anständigen entschuldigung übrig zu lassen. 3, 94; zu einer kleinen gesellschaft von unverdorbenen, arbeitsamen und mäszigen menschen verbannt, ohne einen schatten von vermuthung, dasz er mehr sey als der geringste unter ihnen. 7, 124; ich würde mich selbst verachten, wenn nur der schatten eines argwohns gegen ihre ehre in meine seele kommen könnte. 11, 224; noch blieb mir immer wenigstens ein schatten von hoffnung übrig, nun ist auch der verschwunden. Wagner
kindermörd. 78
neudr.; der offizier ... wuszte ihr unter dem staatsklugen vorgeben, dasz sie geister sähe und für ihr kloster auch nicht der schatten einer gefahr vorhanden sei, die wache zu verweigern. H. v. Kleist 4, 200; o könnte dich ein schatten rühren der wollust, die zwei herzen spüren. Haller
ged. 82
Hirzel; an unsrer königlichen ehre soll auch nicht der schatten eines zweifels haften. Schiller
M. Stuart 5, 13; obwohl ich dich nicht gast kann nennen, so will ich doch selbst den schatten des gastrechts ehren. Grabbe 1
3, 20
Gottschall. auch absolut, für ein kaum merkliches, wahrnehmbares: dein ist es, phantasie! es trennen ja nur dünner wolken schranken, ein schatten nur, dich und philosophie! von Creuz
oden u. gedichte 2, 212. II@1@kk)
das schattenbild als farblos und dunkel gezeichnet: ein schatten von der sonne auf eine weisze fläche geworfen, gibt uns keine empfindung von farbe, so lange die sonne in ihrer völligen kraft wirkt. er scheint schwarz, oder wenn ein gegenlicht hinzu dringen kann, schwächer, halberhellt, grau. Göthe 52, 43.
ein schwarzer schatten
wird auch als dick bezeichnet: läg' nur nicht auf deinen schultern hie und da, wie dicker schatten, etwas erdenstaub, ich würde mit der Venus dich vergleichen. H. Heine 2, 19
Elster. doch giebt es auch farbige schatten: zu den farbigen schatten gehören zwey bedingungen: erstlich, dasz das wirksame licht auf irgend eine art die weisze fläche färbe, zweytens, dasz ein gegenlicht den geworfenen schatten auf einen gewissen grad erleuchte. Göthe 52, 43. II@1@ll)
insofern die durch den schatten
bewirkte verdunkelung betont wird, tritt der begriff des bildes oft zurück: auf dem hohen thurm die glocke war schon lange wieder stumm, der altar warf düstere schatten, gräber lagen rings herum. Hebbel 7, 70.
ebenso von empfindungen, die den heitern ausdruck des antlitzes verdunkeln: wenn sie jeden schatten eines wölkchens auf der stirne, jeden schatten einer wehmut, eines stolzes auf der lippe, jeden funken mir im auge sah. Hölderlin
Hyperion 86; wohin, mein schwärmer, erwidert' Alabanda trocken, und ein schatten von spott schien über sein gesicht zu gleiten. 55.
ähnlich von handlungen, die das charakterbild einer person verdunkeln: (
sie) liesz nur blosz einige kleine nebendinge aus, die einen zu starken schatten auf ihre tochter geworfen haben möchten. Bode
Thomas Jones b. 17,
c. 6.
von widrigen geschicken und ähnlichen, die das leben verfinstern: dunkle stunde! du streckest deinen schatten über ganze jahre aus. J. Paul
uns. loge 2, 161; die 600 krankheiten, die nach Hippokrates die gebärmutter erzeugt, färbten mit ihren 600 schatten sein (
des ehemanns) leben etwas grau.
leben Fibels 20.
ebenso in redensarten, die besonders der neueren sprache angehören: das glück wird durch schatten getrübt,
u. ähnl. II@1@mm)
oft verschwindet der begriff des bildes, indem schatten
die verdunkelte stelle einer fläche überhaupt bezeichnet: er überkam, nach unsrer stutzer art, ein schönes leeres haubt, ein wohlgepudert haar, wobey zugleich dem kinnchen ohne bart ein flügelwerk von band, anstatt des schattens, war. Hagedorn 2, 70; die gase, die nur, wie ein lichter schatten auf einem alabasterbild, sie hier und da umwallet. Wieland
bei Campe
unter alabasterbild; da zeigte sich mit umgestürztem lichte, an Kastor angelehnt, ein blühend Polluxbild; der schatten in des mondes angesichte, eh sich der schöne silberkreis erfüllt. Schiller 6, 272. II@1@nn) schatten
für schattenbild mit dem verbum werfen
verbunden. im wortspiel: während der kurzen zeit .. hab' ich .. wirklich mit unaussprechlicher bewunderung den schönen, schönen schatten betrachten können, den sie in der sonne und gleichsam mit einer gewissen edlen verachtung, ohne selbst darauf zu merken, von sich werfen. Chamisso 2, 287. schatten umherwerfen,
im bilde: neusprossende palme des glaubens, die du blos tiefsinnige schatten umherwarfst über die male der vorzeit. Platen 127.
auch schatten strecken: dasz es dem wassertrinker wundersam war in dem thale, wo kein weinberg die schatten strecket. Bodmer
krit. ged. 76
neudruck. II@1@oo)
besonderer gebrauch. schatten
bezeichnet auch das spiegelbild eines körpers: seinen schatten im wasser sehen. Adelung; dô sach man in dem waʒʒer wol der rîter schat begarwe und ouch der rosse varwe. Stricker
kleinere ged. 3, 111
Hahn; sam ein kint daʒ wîsheit unversunnen sînen schaten ersach in einem brunnen.
minnes. frühling 145, 23; wie nun die sonn scheint meint er zwar was er im wasser seh wer war, die sonne gab desz fleisches schatten. Alberus
fabeln (1590) 19; der hund war schon umb sein prebend, damit zu gleich der schatt verschwandt.
ebenda; ey, ey, jetzund ich mich beschau ausz dem schatten in dem brunnen. Ayrer 2205, 13
Keller; nicht gnug kan ich verwundern mich. jetzt, so ich meinen schatten sich, befind ich, wie ich so schön bin.
ebenda; komm und schau dann mit entsetzen deine brüste, junges blut, gleich gezognen fischernetzen zitternd schwimmen in der flut. o dann frage deinen schatten: wangen, seid ihr mein, so bleich? Lenau 2, 51.
im bilde zur bezeichnung von etwas trügerischem: denken sie ja fleiszig an den hund, der mit einem stücke fleisch durchs wasser schwamm. sie haben einen liebhaber, der ihnen gewisz ist; kehren sie sich an den schatten von einem andern nicht. Lessing 1, 381.
sodann von dem den umrisz einer person darstellenden schattenrisse: hier hast du einen schatten vom herzog.
der junge Göthe 3, 142; ich bitte euch, setzt euch, dasz ich euren schatten nehme! Klinger 3, 174; wenn ich den schatten einer person bei mir führe, mus es nicht folgen, dasz das original mir werth ist? Schiller
Fiesko 2, 2; hier ist noch dein schatten! nimm ihn hin, du gabst ihn mir in einer schönen stunde. Tieck 2, 297.
im wortspiel gelegentlich der übersendung eines bildes der braut: den Schlemihl genannt sie hatten, reich in seiner schatten zier gönnet jetzt von seinem schatten strafend einen schatten dir. Chamisso 1, 95.
in besonderer dichterischer verwendung. von Klopstock
wird der körper, das abbild der seele, als schatten
bezeichnet: auch du wirst einmal mehr wie verwesung seyn, der seele schatten, hütte, von erd' erbaut. 1, 86; lang sah ich Meta, schon dein grab, und seine linde wehn; die linde wehet einst auch mir, streut ihre blum' auch mir, nicht mir, das ist mein schatten nur, worauf die blüte sinkt; so wie es nur dein schatten war, worauf sie oft schon sank. 2, 242.
von Schiller
die urformen des seienden: das reich der schatten.
überschrift eines gedichtes bei Schiller 11, 54 (
mit den abweichungen: das reich der formen. das ideal und das leben);
vgl. fliehet aus dem engen dumpfen leben in der schönheit schattenreich. 55. II@1@pp)
bedeutung im volksglauben und recht. der schatten
heilend, wunder wirkend: also, das sie die krancken auff die gassen her aus trugen, und legeten sie auff beten und baren, auff das wenn Petrus keme, das sein schatte jrer etliche uberschattet.
apostelgesch. 5, 15; er verstand sich so gut darauf, die kranken kühe durch seinen schatten gesund zu machen als der renommirte Sankt Martin von Schierbach. Musäus
volksm. 4, 76
Hempel; der schate den sant Pêter bar der der himelporte phleget, der hât vil siechen geweget.
legende von Servatius v. 720
in Haupts zeitschrift 5, 99; desz herrn saim, sanct Peters schat, sanct Paulsen klaid jedes sein statt mit wunderzaichen machet klar, wer walt, nem rechter ursach war. Schwartzenberg 132
b.
scherzhaft vom schatten eines klosters: dann es macht auch nur der schatten von eim kloster fruchtbar: gleich wie auff den äckern eins nuszbaum schatten unfruchtbaret: es musz sich in klöstern alles mehren, hund unn katzen, esel unn geisen.
Garg. 259
b.
besondere kraft wird auch dem schatten eines riesen im märchen zugeschrieben: der grosze riese, der nicht weit von hier wohnt, vermag mit seinem körper nichts ... aber sein schatten vermag viel, ja alles. deszwegen ist er beim aufgang und untergang der sonne am mächtigsten, und so darf man sich abends nur auf den nacken seines schattens setzen, der riese geht alsdann sachte gegen das ufer zu und der schatten bringt den wanderer über das wasser hinüber. Göthe 15, 216.
über die weitgehende bedeutung des schattens
im deutschen glauben s. Rochholz
deutscher glaube u. brauch 1, 59
ff. Germania 5, 69
ff. 175
ff. Grimm
mythol. 856. 3, 302.
der schatten
im alten recht: spelluden unde alle den, die sik to egene geven, den gift man to bute den scaden enes mannes.
Sachsensp. 3, 45, 9; spilliuten unde allen den, die sich ze eigen hânt gegeben und die guot für êre nement, den gît man ze buoʒe den schaten eines mannes gegen der sunnen .. er sol den schatten an der wende an den hals slahen.
Schwabensp. 258, 6
Gengler; swaz ich im tuon, daz sol er mînem schaten tuon.
oberd. rechtssprichwort bei Rochholz
Germania 5, 194. II@22) schatten
der mangel des lichtes, der dadurch entsteht, dasz ein körper das licht hemmt, und der raum, worin dieser lichtmangel statt hat: sîn scato bedahta die berga. Notker
ps. 79, 11; berge sind mit seinem schatten bedeckt, und mit seinen reben die cedern gottes. 80, 11; weh dem lande, das unter den segeln im schatten feret.
Jes. 18, 1; weil du, maul, gehöhnt, soll künftig nase recht übel dir stehn, sollst immer in ihrem schatten sitzen zur straf'. Fr. Müller 1, 170; oft werden wir in heiterer nacht im schatten unsers obstwalds wandeln. Hölderlin
Hyperion 159; da setzte er sich aber geflissentlich in den schatten der logenwand. Grillparzer 15, 87; er gibt uns auch den schaten und seinen sonnenschein.
bergreihen 37; in den angenehmen büschen, wo sich licht und schatten mischen. Brockes 7, 74; indem die blätter nun dem licht den durchgang nicht verstatten, so steht der blumen heer in einem grünen schatten. 2, 49; lockt uns kein laub in ungewisse schatten, so baut man dach und zimmer
an. Hagedorn 3, 100; der sonnen-strahlen flüchtges blitzen, spielt auf der dunklen blätter spitzen in zitterndem und holden schein. diesz kan der blicke ziel erweitern, der schatten schwartze nacht erheitern. 84
neudr.; überhüllet von laub, girret ein taubenpaar sein entzücken mir vor; aber ich wende mich, suche dunklere schatten, und die einsame thräne rinnt. Hölty 102; bringet ihm, in grünen schatten, eure frühlingsopfer dar, junge neuvermählte gatten, auf der liebe festaltar. 131; ich ging im walde so für mich hin, und nichts zu suchen das war mein sinn. im schatten sah' ich ein blümchen stehn. Göthe 1, 27; vor seiner hütte ruhigem schatten sitzt der pflüger, dem genügsamen raucht sein heerd. gastfreundlich tönt dem wanderer im friedlichen dorfe die abendglocke. Hölderlin
ged. 107; Hölty dein freund, der frühling, ist gekommen! klagend irrt er im haine, dich zu finden; doch umsonst! sein klagender ruf verhallt in einsamen schatten! Lenau 1, 168; hüll' in deine schatten mich tief, geliebte linde, dasz die kummergebleichte wange, und die bange thräne sein holdes lächeln nimmer verscheuche! 169; er ist von uns gewichen, er ist so früh verblichen, laszt uns in tiefste schatten dies heisze herz bestatten. 386; jedes blatt, von mondes blicken wie bezaubert, stille steht. still die götter zu beschleichen und die ewigen gesetze, in den schatten hoher eichen wacht der zaubrer, einsam sinnend. zwischen ihre zweige spinnend heimliche gedankennetze. 402.
dichterisch schatten der stille: o, so reisze ihn aus dem getümmel, hülle ihn in deine (
der stille) schatten ein, o, in deinen schatten, theure, wohnt der himmel, ruhig wird's bei ihnen unter stürmen seyn. Hölderlin
ged. 1, 11.
in dieser bedeutung von schatten,
bei der der begriff der geringern beleuchtung der herrschende ist, sagt man meist schatten machen: ein schatten machen,
inumbrare, adumbrare, umbrare Maaler 348
a; einen schatten machen, durch seine körperliche masse die lichtstrahlen aufhalten. Adelung.
oft bezeichnet schatten
ohne zusatz die weniger scharfe beleuchtung im gegensatz zu dem directen vollen lichte des tages oder der sonne: und ich .. habe sie (
ein schönes mädchen) .. durch das lebendige colorit — durch die abstufung des schattens und lichts — durch die schlangenlinien, die sie vereinigen, unendlich poetischer gefunden, als den dichter. Thümmel
reise 9, 175; keine farbe sehen wir aber rein, wie sie ist, sondern .. durch licht und schatten verändert; wir mögen daher einen körper in den sonnenstrahlen oder im schatten sehen, bei starker oder schwacher beleuchtung, .. immer wird die farbe anders erscheinen. Göthe 53, 41. schatten
im gegensatz zum lichte der öffentlichkeit, der welt: läben under dem tach unn am schatten. eines menschen läben der nit zun hausz ausz kumpt,
vita umbratilis et delicata. Maaler 348
a. licht und schatten
bezeichnen die gegensätze der freude und des leides, der vorzüge und fehler, u. ähnl.: Weislingen. gott lasz euch viel freud am knaben erleben, Berlichingen.
Götz. wo viel licht ist, ist starker schatten — doch wär mirs willkommen. wollen sehn was es gibt. Göthe 8, 27; mögt ihr von euren lichten höhen, wo nichts mehr zwischen schatten schwebt, noch auf den wandrer niedersehen, der unten heisz im staube strebt? Arndt
ged. 326;
Mathilde. denn wer genieszt als nur der ruhig sinnende? wer sinnt, dem schweben licht und schatten wechselnd vor.
Richard. in meinem herzen les' ich ein verwandt gefühl. doch welche schatten kämpfen mit dem lichte? sprich! hat nicht ein guter engel uns bisher geführt? Platen 165. im schatten stehen, in den schatten stellen, setzen,
eigentlich: ein körper stehet im schatten, auf der seite, welche kein licht empfängt. Adelung; etwas in den schatten stellen, an eine stelle, von welcher die lichtstrahlen abgehalten werden. Campe.
übertragen: die farben, die mir die abendröthe, die mir der mond aufmischte, setzten alle andere bilder meiner seele in schatten. Thümmel
reise 7, 364; die nähere bekanntschaft seiner .. zeigt mir ihn jetzt in einem lichte, das den buchhändler sowohl als den kirchner gewaltig in schatten setzt. 5, 162; schon als knabe ward ich in schatten gestellt, und er ans licht gezogen, ihm alles zwiefach gegeben. Klinger 1, 14; so wie sich der karakter Herrmanns erhob, wurde der karakter des alten Daniels in schatten gestellt. Schiller 2, 371; die liebe wählt sich den kleinen ort, auf den sie scheinen will, alles übrige steht bei ihr im schatten. Pestalozzi (1821) 7, 234; sind diese ideen in seiner (
Posas) seele gar die vordringenden und herrschenden, und stehen diejenigen dagegen im schatten, die ihn auf einen gelindern ausweg führen könnten, so ist der entschlusz, den er faszt, nothwendig. Schiller 6, 76.
doch jemandem im schatten stehen
mundartlich auch in der bedeutung jemandem im lichte stehen (
s. theil 6, 867): du steist mî in de scharr'. ten Doornkaat Koolman 3, 87. im schatten lassen: aber ein einziges wort mehr, würde ihr in dem schatten, worinn sie der dichter lassen muszte, einen sehr entscheidenden druck vielleicht gegeben haben. Lessing 6, 417. II@33) schatten
bezeichnet dämmerung und dunkel überhaupt, da ja das dunkel auch nur ein schatten ist: die nacht ist der schatten der erden. Frisch 2, 164.
dieser gebrauch ist besonders häufig in dichterischer sprache, die mit vorliebe in dieser bedeutung den plural gebraucht: schatten
quoque omnem opacitatem, imo ipsas tenebras, et noctem poetis et orationibus notat. Stieler 1739; du missest die kreise der sterne, und irrst in dem schatten der welten in tausend jahren um keine stunde. Pestalozzi 7, 69; ihr seyd zeugen, ihr sterne! ihr habt mich so oft in der todenstille der nacht beym klaviere belauscht, wenn alles um mich begraben lag in schatten und schlummer. Schiller
räuber 1, 3
schauspiel; ni mahta swigli lioht skôni giskînan,ak sia (
die sonne) skado farfêng thim endi thiustri.
Heliand 5629; des lichtes schöpfer fühlet pein, drum musz mit finstern schatten sein das schönste licht verhüllet. P. Gerhardt 37, 257
Gödeke; heint, als die tunkle schatten mich ganz umgeben hatten, hat Satan mein begehret. 59, 5 (
morgenlied); dich blendt der dunkle schatten nicht, die finsternisz ist dir ein licht. 288, 37; schöne nacht, gewünschte schatten, kommt doch, kommet doch von statten. P. Fleming (1666) 352; schau, wie das, was athem ziehet, sich bemühet um der sonnen holdes licht; wie sich, was nur wachstum spüret, freudig rühret, wenn ihr glantz die schatten bricht. Canitz
geistl. ged. 7; dann versilberst du (
die sonne) die schatten; dann erheitert deine pracht das stockfinstre schwartz der nacht. Brockes
ird. vergn. 1, 90; helles welt-meer aller freuden, fürst des lichts, monarch der zeit, glantz, vor dem die schatten scheiden, gülden uhr der ewigkeit. 89; in einer stillen sommer-nacht, als finsternisz und dunkle schatten der halben welt gefärbte pracht bedecket und begraben hatten. 109; schrecklich sind die schwartzen schatten, aber doch so schrecklich nicht, als wenn sich mit ihnen gatten roter flammen blitz und licht: welche, wann sie aufwärts steigen, eine falbe dämm'rung zeigen. 280; willkommen angenehme nacht! verhüll in deine schatten die freuden, die sich gatten, und blende, blende den verdacht! Hagedorn (1771) 3, 110; ein geist, der, wie der blitz, so durch die schatten fährt, wohin er sich nur wend't, das dunckele verklärt. Hagedorn
versuch einiger ged. 69
neudruck; weil manchem erst die nacht die gröszte lust verspricht, und still' und finsternisz hier manchen kusz, den die verschwiegene, geheime schatten weit eh'r, als licht und tag, gestatten. 83; bald, bald wird mich der tod, obgleich auf schwarzen schwingen, zu einem hellern auftritt bringen, wo ewiger mittag, der nicht an schatten gränzt, voll klarheit in die seele glänzt. Uz 147
neudruck; der tag zerflieszet nun im allgemeinen schatten. Wieland 10, 147; sey mir willkommen, dämmerung! mir wird so leicht in deinem schatten! Göckingk (1818) 4, 194; schon flammten die wolken im röthenden strahl, schon senkten sich bräunere schatten ins thal, schon bebte durch erlen der mond auf dem bach. Stolberg 1, 285; indessen wandelt sich des himmels sphäre, und nacht stürzt nieder auf die meere, mit breitem schatten hüllt sie land und hayn und den betrug der Myrmidonen ein. Schiller 6, 358; der hohlen nacht furchtbare schatten streichen rings durch die straszen. 6, 364; grausig sich die schatten senken, regen strömt in kalten schauern. Chamisso 2, 187; verzeiht, ich kannt' euch nicht, die schatten trü
gen. Grillparzer 5, 179; mein wohnhaus ist der schatten süszer nacht; was qualst du mich ans licht mit zaubermacht? H. Heine 2, 226.
hierher gehört auch die schweizerische euphemistische redensart an schatten thun,
d. h. vom lichte der sonne weg ins gefängnis setzen. Stalder 2, 310. Seiler 251. Hunziker 218.
vgl. auch þät wäs yldum cûð, þät hîe ne môste, þâ metod nolde, se syn-scaða under sceadu bregdan (
vom lichte der sonne ins dunkel, töten).
Beowulf 708.
in übertragenem gebrauch in bezug auf düstere gemütszustände: in der unvröude schate muoʒ mîn herze sitzen. Stricker
Daniel von Blumental, im mhd. wb. 2, 2, 88; der bekarte Judas, der nu trat uʒ zwivels schatten.
pass. 276, 1
Köpke; mein eckel, der sich mehrt, verstellt den reiz des lichts und streuet auf die welt den hoffnungs-losen schatten. Haller
ged. 154
Hirzel; denn unsre freundschaft will ich nun bestatten auf ewig in der wehmut tiefern schatten. Lenau 1, 72; der frühling kam, vor seinem strahle suchst du des schmerzes traute schatten. 1, 297;
ähnlich: weinend grüsz' ich deine fromme trauer in deinem schatten, deiner einsamkeit, in dem dunkel, das, wie geisterschauer, meine tiefbewegte seele weiht. Tiedge 2, 202
Eberhard. von dem düstern ausdruck des gesichtes, den solche gemütszustände erzeugen: tot war sie, tot! — in ihrer züge schatten stand noch des grames stille siedelei. Lenau 1, 136.
von der wirkung derselben auf die seele: ja, mir sagt mein ahnend herz: einst noch werden, ob auch spät, wann die sonne niedergeht, mir verklärt der seele schatten. Uhland
ged. 45.
in bezug auf den tod, geistigen und leiblichen: auff das er erscheine denen, die da sitzen im finsternis und schatten des todes.
Luc. 1, 79 (
wie goth.: gabairhtjan þaim in riqiza jah skadau dauþus sitandam); das volck das im finsternis sasz, hat ein groszes liecht gesehen, und die da saszen, am ort und schatten des tods, den ist ein liecht auffgangen.
Matth. 4, 16; was ist das, das mir so oft in der seele dämmert, als wenn ich nicht mehr wäre? ich schwanke im schatten, habe keinen theil mehr an der welt. Göthe 11, 59; wie klagen sie nicht alle über das unstäte loos der sterblichen, über die mühen des lebens, und über den alles erreichenden schatten des todes. J. Paul
vorsch. d. ästh. 1, 103; doch dieser zustand sträubt mein haar. er ist der gipfel der gefahr, den schon des todes schatten decken. Gotter 1, 224; alles decken wollen nur die feigen, matten, die des todes schatten stündlich überhängt mit bleichen schrecken. Arndt
ged. 323.
in bezug auf das elend des irdischen lebens: unz daʒ der êren tac zuo sîge und der armmuot schate sich nîge. ze himel ist der êren tac. nu enweiʒ ich waʒ der schate m der armmüete baʒ gesîn dann dirre brœden werlde schî
n. Lamprecht von Regensburg
tochter Syon 4281.
dann überhaupt für verderben und elend: der tag ist in die nacht verliebt, der frühling in den winter, das leben verliebt in den tod — und du, du liebest mich! du liebst mich — schon erfassen dich die grauenhaften schatten, all deine blüte welkt, und deine seele verblutet. H. Heine 1, 282
Elster. in bezug auf mangel an geistiger erkenntnis und bildung: die wahrheit flog mit güldnen schwingen ihm (
Jesus) göttlich strahlend beygesellt: als finsternisz der dicksten schatten noch über allen völkern lag, und auch die weisen keinen tag, kaum eine schwache dämmrung hatten. Uz 194
neudruck; doch hätte die religion wohlthätig nicht zerstreut die dicken schatten: willkommen wäre mir die täuschung, dasz unsre seelen wandern! Göckingk (1782) 3, 190; dort auf einem niedern schemel sasz der Cagot, einsam betend, und gesondert, wie verpestet, von der übrigen gemeinde! aber die geweihten kerzen des jahrhunderts flackern lustig, und das licht verscheucht die bösen mittelalterlichen schatten! H. Heine 2, 386.
vgl.wuchsen die staats-umwälzungen seit dem nachtschatten des mittelalters mit dem verdünnen desselben in halbschatten, in viertel-, achtel-schatten? J. Paul
freiheitbüchl. 108. II@44) schatten,
der durch abhaltung des sonnenlichtes entsteht, mit hervorhebung der kühle; natürlich läszt sich diese bedeutung nicht immer von 3
trennen, da man beide bedeutungen oft zugleich im auge hat. II@4@aa)
eigentlich: habe iedoh gegen mih den sito dero reion unte des hintkalbes, die der gerno scato in der hizzo suochent. Williram 47, 9
Seemüller; er (
Behemoth) ligt gern im schatten, im rhor und im schlam verborgen. das gepüsch bedeckt jn mit seinem schatten, und die bachweiden bedecken jn.
Hiob 40, 16. 17; oben auff den bergen opffern sie, .. unter den eichen, linden und buchen, denn die haben feine schatten.
Hosea 4, 13; sy haben kein anstosz noch krieg mit eynand, dann mit den löwen, die dem schatten nach, etwan in jre hütten begeren. Franck
weltb. 13
a; in eym yeden hof ist ein groszer baum, darunder sy ligen am schatten. 215
b; schatten suochen under einem baum,
captare umbras arborum. Maaler 348
a; den weynräben schatten machen,
adumbrare vineas. ebenda; schatten mit meyen machen,
frondibus umbram efficere. Stieler 1739; im schatten sitzen,
refrigerari in umbra. Frisch 2, 164; das viehe aus der sonnen in den schatten füren.
ebenda; sich in den schatten setzen,
umbrae refrigerationem quaerere. ebenda; in der hitze in den schatten treten.
ebenda; sich in den schatten eines baumes, einer laube setzen. Campe; lasz uns einen kyhlen ort suchen, und in dem schatten uns lagern. Geszner 3, 8; ich setzte mich ein wenig in den schatten, versetzte Struthion, denn die sonne prallt mir ganz unleidlich auf den schädel. Wieland 20, 6; bei einem neuen lustgebäude mit seinen umgebungen, zur aufnahme einer groszen menge bestimmt, ist das haupterfordernisz schatten. Göthe 31, 162; wie kann einer zur sommerszeit im schatten von Bern nach Basel reiten, wenn auch die sonne noch so heisz scheint? Hebel 2, 137; einst, als beide die hitze eines brennenden vormittages mit den schnittern getheilt hatten und der graf, im schatten eines erlenbusches gelagert, mit behagen einen trunk frischen wassers aus der hand eines alten dieners empfing. Grillparzer 11, 233; vier hôhe boume habeten in guoten smac und schaten, man mohte dâ mit staten vil schône gesitze durch schaten âne hitze.
Flore 191; ich bin holt dem meien. dar inne sah ich reien mîn liep in der linden schat. manic blat ir dâ wac fur den sunnenheiʒen tac. Neidhart 6, 15; und satzt sich aus dem sonnenschein, besonders hin von der gemein, auff ain hügel mit grünen mosz uberwachsen, schön weich und losz, das die bachmüntzen und poley, schatten genug machten dabey.
froschmäus. C 6
a; zufrieden wartet das rind auf die erquickenden schatten, und brüllt wollüstig im blumigten klee. Giseke 106; und wenn ein rauher fusz dich niederdrücket, miszgönnt die sonne dir dein tröpfchen thau; du senkest müde dich, vom scharfen ost zerknicket, und suchest schatten in der dürren au. Herder 29, 120
Suphan; es sprang, potz stern, da möcht ich sein! im schatten grüner hecken, der feurigste Burgunderwein in weite, goldne becken. Hölty 24
Halm; droben die kühlenden höhn, die schatten alle besuch' ich, und die quellen. Hölderlin
ged. 161; komm hier! die büsche halten ab des spähers auge. ich setze dir in schatten deinen krug. Grillparzer 6, 38; suchten wir, die wanderfrohen, was der horen jüngste beut: jedes blümchen weicher matten, jeder quelle zarten schaum, und wollüstig duft'ge schatten unter jedem lindenbaum. Platen 6; mir, der ich blosz ein wandernder rhapsode, genügt ein freund, ein becher wein im schatten, und ein berühmter name nach dem tode. 104; schatten winkt hier, schatten und sanfte labung, die des meeres salzwoge dem kühnen zuhaucht. 110; sein leib neigt sich dem boden zu mit dürstendem ermatten. der sänke gern zu kühler ruh' in seinen eignen schatten. Lenau 1, 24.
der schatten
wird oft als kühl
bezeichnet: sieh', wie die grosze eiche die schlanken äste umher trägt, und kyhlen schatten ausstreut. Geszner 3, 9; ich was von der sunnen gegangen zuo dem brunnen, daʒ diu linde mære den küelen schaten bære. Walther v.
d. Vogelweide 94, 25; und kurtz, es war ein angenemer tag, als Thyrsis, wie er öffters pflag, im külen schatten einer linden, auf weichem gras halb sasz, halb lag. Brockes
ird. vergn. 1, 81; quellen hattest du ihm, hattest dem flüchtigen kühle schatten geschenkt. Hölderlin
ged. 114; so klar der strom, der schatten von den bäumen so duftig kühl im heiszen mittagsstrahl. Chamisso 2, 106; ich fand ein bett zu süszer ruh auf weichen, grünen matten. der wirth, er deckte selbst mich zu mit seinem kühlen schatten. Uhland
ged. 61; nun gehn wir beide hand in hand zusammen, wie gärtnerin und schiffer traulich wallen, im kühlen schatten dicht verschlungner äste. Hebbel 7, 168.
auch von der kühle der nacht: unsrer nächte heroldinn, tritt herfür und gieb dein zeichen. dasz die kühlen schatten streichen. P. Fleming 365,
vgl. die gekühlte lufft schleicht aus, und haucht auf die trucknen matten thauende gesunde schatten. 366.
von nächtlicher ruhe: und mir kam ein gefühl, wie die geweihte stunde, wenn sich ein göttertraum in tiefer seele regt, der auf das leben, wie auf eine heisze wunde, der ruhe kühlen schatten legt. Tiedge 2, 170
Eberhard. in dieser bedeutung sagt man meist schatten geben, gewähren,
selten machen ( Adelung): die welde aber und alle wolriechende bewme, werden Israel, aus gottes befelh schatten geben.
Baruch 5, 8; die linden geben guten schatten,
tiliae defendunt ardores solis. Stieler 1739; ein dicht belaubter baum giebt schatten. Campe; den schate gap in diu linde mit ir loube daʒ was breit.
Wigalois 9967.
sprichwörtlich: vor dem baume, der schatten giebt, soll man sich beugen. Steinbach 2, 388. II@4@bb)
bildlich: dô quam uns dîn geburt ze staten und warf uns an der wünne schatten ûʒ bitterlicher nœte warm.
goldene schmiede 170; ob er iendert wær verfolgt in sünden pfuol daʒ er die wüesch ab im vor vals abgründe unde der kristenheit ze staten quæm, daʒ bræht vor helle hitze in himels schaten.
Lohengrin 3632; und sie strahlten herauf von Jerusalem, viele der wonne voll, die sie hatten gegeben, und viele der künftigen wonne, die, noch verborgen im bruderliebenden hertzen, itzt keimte, trieb, arbeitet', und wuchs, zu der ruhe schatten zu werden über der wanderer haupt in dem heiszen pfade des elends. Klopstock
Mess. 15, 1369. II@55) schatten
in der bedeutung von schutz, refugium, protectio, asylum, tegmen. Stieler 1739;
dieser gebrauch, der aus der biblischen sprache sich herleitet, beruht auf 4. II@5@aa)
die schützende person oder sache wird gedacht als schattengebender baum oder hütte oder als wesen, das seine hand ausstreckt um den menschen gegen die hitze zu schützen. in bezug auf gott und heilige personen und dinge: ih saʒ unter sînemo scate, des ih ie gerota, unte sînes obeʒes nietet mih. Williram 29, 1; der herr ist dein schatten uber deiner rechten hand. das dich des tages die sonne nicht steche, noch der mond des nachts.
ps. 121, 5; und der herr wird schaffen uber alle wonunge des berges Zion, und wo sie versamlet ist, wolcken und rauch des tages, und fewerglantz der da brenne des nachts. denn es wird ein schirm sein uber alles was herrlich ist, und wird eine hütten sein zum schatten des tages für die hitze.
Jes. 4, 6; mit dem schatten seiner hand hat er (
gott) mich bedeckt. 49, 2; wann der sonnen hitze brennt und des leibes kräfte bricht; wann dich stern und monde blendt mit dem klaren angesicht, hat er seine starke hand dir zum schatten vorgewandt. P. Gerhardt 94, 36
Gödeke; und wie soll ich dich (
Maria) nennen, dich des lebens heilquell, schatte der müden, dich in flammen glänzender rosenbusch? Herder 12, 273.
sodann ganz im sinne von schutz und schirm: wer unter dem schirm des höhesten sitzt, und unter dem schatten des allmechtigen bleibt.
ps. 91, 1; ich aber weis keinen andern trost, ... denn das Christus ... mich beide zu sich nimpt unter seinen schatten und schutz. Luther 6, 42
a.
vom menschlichen schutze, namentlich von fürsten, ländern, schirmenden mächten u. ähnl., die als schattenspendende bäume vorgestellt werden: sihe, Assur war wie ein cederbaum auff dem Libanon .. alle vogel des himels nisteten auff seinen esten, und alle thier im felde hatten junge unter seinen zweigen, und unter seinen schatten woneten alle grosze völcker.
Hes. 31, 6; und Daniels seele dacht an das schicksal vieler zurück die lange schon schliefen, jenes zurück, der hoch mit stolzem wipfel gen himmel stand, ein groszer schatten der müden. Klopstock
Mess. 11, 665; wieder heben musz der baum des ruhmes zu dem lichte seine volle krone, aber ihr, im schatten seiner milde, werdet sein euch freuen und der tochter. Chamisso 6, 251
Hitzig. in verblaszter bildlichkeit: werden leben unter dem schatten Nebucad Nezar des königes zu Babel, und unter dem schatten Belsazer seines sons.
Baruch 1, 12; sonder wer ihm vil beszer un rüwiger, under väterlichem schatten zuo wonen und contemplieren, den zuoflucht zuo nemen unter die frembden. Salat 152, 15
Bächtold; ich habe, sprach er, unter dem schatten meines mir gnädigst gewogenen herrn einem jeglichen gutes gethan.
pers. rosenth. 1, 7; heulet ein wäyse, wer hat woll je freude darob ... wann der schatten von seinem haupte gewichen ist, so erquicke ihn denn unter deinem schatten.
ebenda; zu der zeit, da ich eine krone auf meinem haupt trug, und unter dem schatten meines vaters stunde.
pers. baumg. 27; o schirm und schatten der unterthanen! dein hertz sey fröhlich, und die rechtgläubige müssen unter deiner vorsorge in friede sitzen. 34; denn von frommen regenten, da sie gott giebet, hat ein gantz land schatten. Schuppius 833; so gehe denn keiner zur ruhe des grabes, er habe denn erquickenden schatten über den nothleidenden gestreut. Geszner
bei Campe
unter nothleidend; denn hat die demut recht, um gnad und huld zu flehn, so wird dein glücklich leben, hochwohlgeborner herr, mir gleichfalls schatten geben. Günther
bei Steinbach 2, 388; ich nehme dich mit allen deinen wunden, zermalmet wie du bist, von tausend lasten; du sollst an meiner breiten brust gesunden, in meinem schatten dich zu kräften rasten. Immermann 15, 159. II@5@bb)
vom schutze des hauses u. s. w.: alleine diesen mennern thut nichts, denn darumb sind sie unter die schatten meines dachs eingegangen.
1 Mos. 19, 8; o dasz einst, o dorf, in deinem schatten, bis zur letzten woge, mir der strom des lebens, rein wie jener wiesenborn, entwallte! Matthisson
ged. 19; 'nicht nachricht von den fliehenden?' — verzeiht! laszt mich allein mit meiner sorgen last und ehrt die schatten meiner häuslichkeit. Chamisso 2, 105. II@5@cc) schatten der flügel: under dînero uettacho scatue scirme mih. Notker
ps. 62, 8; an scado fitheracô thînro sal ic gitrûô
n. Heyne
kl. altn. denkmäler, ps. 56, 2; beschirme mich unter dem schatten deiner flügel.
ps. 17, 8; unter dem schatten deiner flügel habe ich zuflucht. 57, 2; wir ehren euch, ihr jünger, ihr des adlers brut, die aus dem schatten seiner flügel ihr den flug zur sonne hoch gewendet habt. Chamisso 1, 331;
zur ursprünglichen bedeutung vgl. ob im vant er einen arn des schœne was seltsæne, er was im in wæne gesant von gote ze gemache. mit einem vetache treip er im den luft dar, mit dem andern er im schate bar.
Servatius 1336 (
Haupts zeitschrift 5, 117),
auch Grimm
myth. 3, 327. 2, 948. II@66)
von schatten gebenden dingen. II@6@aa)
dichterisch ( Adelung): oft besuchet sie (
die muse des dichters) bemooste hytten, um die der landmann stille schatten pflanzet. Geszner 3, 2; Melida spielte indesz in reizender unschuld mit jungen lämmern .. oder sie wölbte geruch-reiche schatten zu lauben. 4, 173; einsam schlich er durch die lindengänge, wenn die sterne glänzten, und der mond den saum der grünen schatten übergoldet hatte. Hölty 55
Halm; wie die treuen wandeln, arm in arm geschlossen, durch die mondbeglänzten schatten. 127.
im bilde: hingegangen, mein Joel, mein bruder Joel, zu wachsen, hoch im himmel ein schatten empor an dem strome des lebens. Klopstock
Mess. 11, 1374. II@6@bb)
schlesisch als bezeichnung für fächer: fächel, der,
Silesiis dicitur schatten Steinbach 1, 473; schatten ..
idem ac facher der frauenzimmer,
ventilabrum 2, 388. Weinhold 81,
auch in Posen gebräuchlich Bernd 249. II@6@cc)
in alter sprache, schatten gebende hütten: scena, schade,
nd. scede,
ags. sceadu (
neben ein stat des schattens
l. hutten) Dief. 517
c. II@77) schatten,
die seele des abgeschiedenen. ist auch die vorstellung von der seele als eines schattens dem germanischen glauben nicht fremd (Meyer
germ. myth. 66),
so ist doch die anschauung, dasz die seele nach dem tode ein scheinleben als schatten führe, aus dem classischen alterthum in unsere literatur aufgenommen. ebenso ist auch schatten
als bezeichnung für die abgeschiedene seele nur eine übertragung der classischen namen (
umbra, σκία),
vergl. Dief.
gloss. 626
a,
wo umbra glossiert ist durch sele vom leybe gescheyden
und doten mans sele.
in anlehnung an diese classische vorstellung zeigen sich dann ebenso wie die toten auch der teufel, elementarwesen als schatten. da in mhd. zeit diese antike anschauung noch nicht recht geläufig ist, tritt hier noch stark die physikalische seite des schattens hervor: er sach zwüschent ime und deme liehte alse eine schettewe eins menschen gar swarz.
predigtmärlein, Germ. 3, 434; ein swartz schade den er sach dar uʒ ein stimme zu im sprach.
pass. 196, 12
Hahn; binnen des er kumen sach einen schaten als ein man. 196, 24.
in neuerer sprache ganz der antiken anschauung angepaszt: sahest du aus der vorwelt die verbrüderten schatten der freundschaft. J. Paul
Titan 2, 86; nackend werd ich auch hinziehen, wann ich werdvon der erd als ein schatten fliehen. P. Gerhardt 122, 12
Gödeke; flieh ich dir (
der weisheit) freudig zu: in stiller wälder aufenthalt, wo Platons heilger schatten wallt, unsterblich schön wie du. Uz 143; welcher schatten wandelt dort her? wie fürchterlich leise tritt er! hat noch die dolch' in der brust! Klopstock 2, 132; und drückt' ich einst dein auge zu, so stiegen wir in einem nu umarmt hinab ins land der schatten. Wieland 26, 145; die quelle der vergessenheit, aus welcher in der fabelzeit die frommen schatten sich betranken. 9, 191; den Galliern, die ihn gekrönet hatten, rief mit umwölkten blick Leibnitzens groszer schatten: weg mit dem lorberzweig. Gotter 1, 16; der pfarrer hält ihr den sermon, und wünscht dem schatten ruh, der diesem jammerthal entflohn, und klagt und weint dazu. Hölty 16
Halm; bald flieszet still mein geist, der quelle des vergessens hingegeben, zu euch, ihr schatten, in die ew'gen nebel. Göthe 9, 57; wer wird nach dem düstern strande meines grames bote seyn? ewig stöszt der kahn vom lande, doch nur schatten nimmt er ein. Schiller 11, 200; so jagen wir ihn, ohn ermatten, versöhnen kann uns keine reu, ihn fort und fort bis zu den schatten, und geben ihn auch dort nicht frei. 245; gerne möcht' ich mit dem gatten in die heim'sche wohnung ziehn, doch es tritt ein styg'scher schatten nächtlich zwischen mich und ihn. 372; seine freuden traf der frohe schatten in Elysiens haynen wieder
an. 6, 25; ich erkenn' ihn. es ist der blut'ge schatten könig Darnley's, der zürnend aus dem gruftgewölbe steigt.
M. Stuart 1, 4; und kind gedeiht, und mutter um den gatten, und wie den wald die goldne wolke krönt, so seyd auch ihr um ihn, geliebte schatten! ihr seligen, an ihn gewöhnt! Hölderlin
ged. 122; so schlürfte der Hellen die lust des erdenpfades, sah er vorübergehn als schatten sich im Hades. Lenau 1, 333.
als heilige und selige, ohne menschliches empfinden und begehren: wie die seligen schatten am Lethe, lebt jetzt meine seele mit deiner in himmlischer freiheit, und das schicksal waltet über unsre liebe nicht mehr. Hölderlin
Hyperion 128; voll lieb' und geist und hoffnung wachsen seine musenjünglinge dem deutschen volk' heran; du siehst sie sieben jahre später, und sie wandeln wie die schatten, still und kalt. 182; dort seh' ich langsam heilige schatten gehn! nicht jene, die sich traurig von sterbenden erheben, nein, die, in der dichtkunst stund' und der freundschaft, um dichter schweben! Klopstock 1, 14; weil der pflug die gräber entweiht, mit der stimme des herzens will ich, mit frommen gesang, euch sühnen, heilige schatten. Hölderlin
ged. 175; ein bisz nur in des ruhmes goldne frucht, Proserpinens gedankenkernen gleich, reiht dich auf ewig zu den stillen schatten, und den lebendigen gehörst du nimmer an! Grillparzer 3, 191; auf den Asphodelos-matten walleten die schmerzenleeren, ruhig dämmernde schatten, ohne furcht und begehren. Immermann 15, 156.
in schwebender, schwirrender, schleichender bewegung: indem sie sich der grotte nahte, war's ihr, als ob ein leichter schatten (
welcher sich als nixe erweist) um den eingang schwebe. Musäus
volksm. 4, 39
Hempel; doch der verstummende schatten, der einst mir seele war, schwebet so traurig vor mir, und tröstet sich nicht! ginge wohl lieber hinab zu Elysiens schatten, und schöpfte aus Lethe's strome den labenden trunk. Klopstock 2, 125; des erzürnten vaters schatten, schleichend über diese wände, jagt mich aus dem haus des gatten. Müllner
der 29.
febr. 7.
sc.; dies grab enthält der meinigen gebein und wird umschwirrt von meiner väter schatten. Chamisso 2, 56; wohl werd' ichs nicht erleben, doch an der sehnsucht hand als schatten noch durchschweben mein freies vaterland. Uhland
ged. 106.
im bilde von einem lebenden menschen: ihm ist als hätte mit dem Thyrsusstab der gott die stirne strafend ihm berührt, als spräche zürnend der belebte mund: was spukst du hier, du wankendes gespenst, erebscher schatten, kraftlos, sinnbetäubt? 315. II@88) schatten
in der malerei. II@8@aa)
dunkle partie eines gemäldes, im gegensatze zu licht Frisch 2, 164; gemäldeschatte,
umbra colorum Stieler 1739; der schatten macht ein gemähld schö
n. Frisch 2, 164; grosze lichter erfordern grosze schatten. Adelung; den eingezogenen leib und dessen darstellung (
in einem gemälde) bewundern wir; er scheint wirklich eine höhle, aber nicht finster, denn er ist, durch schatten und widerscheine, die sich begegnen, genugsam erleuchtet, dem mahler als ein groszes kunststück anzurechnen. Göthe 39, 61; diese lebhafte bewegung ist durch licht und schatten des körpers und aller glieder kräftig hervorgehoben.
ebenda; ein bemooster fels (
auf einem bilde), ein wasserfall hält meinen blick so lange gefesselt; ich kann ihn auswendig; seine höhen und tiefen, seine lichter und schatten, seine farben, halbfarben und widerscheine, alles stellt sich mir im geiste dar. 16, 212; seine (
des malers Scheffer) braunen schatten sind nicht selten sehr affectiert und verfehlen den in Rembrandtscher weise beabsichtigten lichteffekt. H. Heine 4, 26
Elster. übertragen auf die darstellung der geschichte: die geschichte dagegen handelt ganz anders. von ihr erwartet man gerechtigkeit; sie darf, ja sie soll den glanz des vorfechters eher dämpfen als erhöhen. deszhalb verteilt sie licht und schatten über alle; selbst den geringsten unter den mitwirkenden zieht sie hervor, damit auch ihm seine gebührende portion des ruhmes zugemessen werde. Göthe 39, 31.
auf dichter: zu verbergen sucht sich der nachahmer gemeiniglich dadurch, dasz er den gegenständen eine andere beleuchtung giebt, die schatten des originales heraus, und die lichter zurücktreibt. Lessing 6, 408; hr. Briefsteller könnte wohl ein sehr ehrlicher mensch, aber auch ein starker poete seyn, der aus vorurteil für das clair obscür, offt die farben etwas stärcker, und die schatten etwas schwärzer aufstriche, als es die natur thut. Göthe 4, 1, 194
Weim. ausg. und sonst in vergleichen: sie (
die königin Elisabeth) ist ... so weit über alle andere frauen erhaben, dasz das, was wir an diesen am meisten bewundern, schönheit und reiz, in ihr nur die schatten sind, ein gröszeres licht dagegen abzusetzen. Lessing 7, 261. II@8@bb)
schattenstufe, schattengrad Campe: die wangen waren gewöhnlich bleich, nur von einem leisen schatten von roth unterlaufen. Hauff
bettlerin 11; dort wird purpurgespinst, das den tyrischen kessel gekostet, eingewebt, und daneben die sanft abgleitenden schatten. Voss
Ovids verwandl. 26, 58 (6, 62). II@8@cc)
auch zur bezeichnung eines entwurfes, adumbratio Frisch 2, 164. II@99)
besonderer gebrauch. II@9@aa) schatten machen,
in der gaunersprache, einen beabsichtigten diebstahl verstecken, kaschieren. mehrere gauner, die z. b. einen laden betreten, beschäftigen das personal, machen schatten,
während andere den diebstahl auszuführen suchen. Frischbier 2, 261. II@9@bb)
aargauisch 's macht schate,
der himmel ist bedeckt, oder die stelle ist beschattet. Hunziker 218; händ-r's im schate?
oder dr händ's schön im schate!
gruszformel an den im hause beschäftigten. ebenda.