schattenbild,
n. 11)
das dunkle abbild, das ein körper durch lichthemmung bewirkt, adumbratio. Stieler 148: der neid verfolgt als schattenbild dich in des ruhmes sonnenschein, je höher diese sonne steigt, je kleiner zieht das bild sich ein. W. Müller 2, 433. 1@aa)
in besonderer bedeutung in der farbenlehre: die doppelbilder des bekannten durchsichtigen rhombischen kalkspaths sind hauptsächlich deszwegen merkwürdig, weil sie halb- und schattenbilder genannt werden können, ... schattenbilder (
hieszen sie), weil sie den grund, den dahinter liegenden gegenstand durchscheinen lassen. Göthe 60, 5; die beiden grauen bilder entstehen nicht aus dem zerlegten weisz, sondern sie sind schattenbilder des weiszen, durch welche der schwarze grund hindurchblickt und sie grau erscheinen läszt. 60, 6; verrückt man ein gelbes bildchen auf blauem grund, so zeigen sich die schattenbilder grünlich.
ebenda. 1@bb)
zur bezeichnung eines abbildes, von personen: nicht er ist's, der auf dieser bühne heut erscheinen wird. doch in den kühnen schaaren, die sein befehl gewaltig lenkt, sein geist beseelt, wird euch sein schattenbild begegnen. Schiller
prolog zu Wallenstein 114.
in sonstiger verwendung, oft mit hervorhebung der geringen ähnlichkeit des abbildes: ist das, wie, wenn man das weltmeer ganzer völker, zeiten und länder übersehen, in einen blick, ein gefühl, ein wort fassen soll. mattes halbes schattenbild vom worte! Herder
z. phil. u. gesch. 3, 63; des menschen wahn, sein stolz und seine eitelkeit sind nur halb leserlich verzerrte schattenbilder des innigsten berufs der lebensthätigkeit. Tiedge 1, 64; ja! vor diesem treuen schattenbilde deiner hoheit zitterte mein muth. 2, 124. 1@cc)
von etwas gedachtem, geträumtem, durch trug der sinne hervorgerufenem und ähnlichem, oft im gegensatz zum wirklichen, seienden: die nation kann also .. widersprüche und ungewiszheiten zeigen, die in erstaunen setzen; aber niemand (
niemanden), als der sein idealisches schattenbild von tugend aus dem compendium seines jahrhunderts mitbringt. Herder
z. phil. u. gesch. 3, 67; seitdem ihr die phantasien den kopf verrückt haben, traut sie niemanden, hält alle ihre freunde und liebsten, sogar ihren mann, für schattenbilder und von den geistern untergeschobene gestalten. Göthe 11, 44; wie man sich träumend mühet um ein, ich weisz nicht was, und wenn der schlaff verschwind, kaum ein gedächtnis mehr des schatten-bildes find. A. Gryphius 1, 280; ist das ein traum? ist es bezauberung? ists wirklichkeit? sinds leere schattenbilder? Bürger
ged. 414
Sauer; eine nur ists, die ich suche, sie ist nah und ewig weit. sehnend breit ich meine arme nach dem theuren schattenbild, ach ich kann es nicht erreichen, und das herz bleibt ungestillt. Schiller 11, 378; und seltsam war mein schattenbild entstiegen dem reich des Morpheus, war zu ihr geflogen. Chamisso 1, 71.
so auch von dem, was die phantasie des dichters schafft: nur auf das kunstwerk (
Shakespeares Hamlet) .. gerichtet ahnete er nicht, dasz seine freundin eine ganz andere wirkung empfand; nicht, dasz ein eigner tiefer schmerz durch diese dramatischen schattenbilder in ihr lebhaft erregt ward. Göthe 19, 79; geliebte, lasz den strengen ernst sich mildern und lächle zu den leichten dichterträumen, dem unbewuszten spiel, den schattenbildern! Uhland
ged. 137. 1@dd)
zur bezeichnung des nichtigen, trügerischen, oft im gegensatz zum wahren: vertraue göttern nicht, die der betrug erfand! ich kenne sie nicht mehr. ihr schattenbild verschwand vor dem alleinigen, desz majestät ich ehre. Gotter 2, 378; dort jagt nach ihr der held durch eiserne gefilde und stürzet dann vor einem schattenbilde verblutend hin — auf einen lorbeerkranz. Tiedge 1, 70; wer möchte sich an schattenbildern weiden, die mit erborgtem schein das wesen überkleiden, mit trügrischem besitz die hofnung hintergehn? Schiller 11, 12; es jagt der held dem schattenbild des ruhms durchs blutge feld des todes nach.
Turandot 2, 4; die schlimme sage schlich im land mit schnöder schattenbilder tand, sie zeigte zwietracht und verrath, vernichtung aller edelen saat. Uhland
ged. 73. 22) schattenbild,
für den geist eines verstorbenen und überhaupt eine geistererscheinung: ein geist ging vor mir über, all meine haare sträubten sich empor. er stand — ich kannt' ihn nicht. ein schattenbild war mir vor augen. Herder
zur religion 1, 69; als er hadernd solchem truggeschicke gottes rathschlusz fodert vor gericht, sieh, da zeigt sich seinem nassen blicke eines helden schattenbild. Platen 32; sprachs das schattenbild und schien vergangen, wie ein stern, der im verlöschen blinkt.
ebenda. 33)
die den umrisz darstellende zeichnung Campe: ferner musz der gedanke, hinter den skeletten der pachydermen ein schattenbild des lebenden thiers auftreten zu lassen (
auf einer kupfertafel), als höchst geistreich gerühmt werden. Göthe 55, 288.
speciell die silhouette: liebes schattenbild! ich vermache dir es zurück, Lotte, und bitte dich es zu ehren. tausend tausend küsse habe ich darauf gedrückt. 16, 188; unter dieser disputazion hatte der edle Matz die ganze gruppe unvermerkt in schwarzem papier nachgeschnitten .. und da diese (
Klotilde) mit den vergleichenden augen auf dem gerippe und dem schattenbilde, leise zu Victor sagte .. J. Paul
Hesp. 2, 186.