Finsternis gewöhnl -niß, daneben -niss (eigenh), selten -nis, beim jungen G vereinzelt -nüß GWB38,203,10
u -nus GWBB50,3,17
; bes in der Versdichtung öfters Pl, auch aus Reimgründen. — Häufiger als das Adj; die Hälfte der Belege in 1 b α 1
tiefe Dunkelheit, häufig in ausdrückl Gegensatz zu ‘Licht’, nicht selten als wirkende Macht u verlebendigt dargestellt, auch ins Gleichnishafte, Symbolische gesteigert (bes in 1 c) a
konkr, bes von nächtl Dunkel (mehrf ‘tiefe F.’), oft zugleich als Spiegel best Gefühle, Stimmungen Dämmrung senkte sich von oben, | .. Schwarzvertiefte F-se | Wiederspiegelnd ruht der See GWB4,113 Vs 65 Chin-dt Jahres-uTagesz VIII [
Adelh:] Kein Stern am Himmel! Düster, stürmisch! .. Es ist ängstlich in der Finsterniss zu wachen GWB39,182,12 Götz
1 V GWB1,68 Willk u Abschied 7 GWBFaust I 3653 ~ GWBUrfaust 1401 GWB33,61,24 Camp GWB24,361,25 Wj II 7
uö in Regiebem GWBFaust II nach 6566 GWBFaust II vor 7005 GWB12,184 Zauberfl vor 25
idVbdg ‘ägyptische F.’ (nach 2.Mos 10,21ff die 9. Plage) auch metaphor iSv tiefe Traurigkeit, ferner: Unwissenheit GWBB3,265,23 ChStein 23.12.78 [
zit s v ägyptisch] Gespr(He3
1,285) FFörster [26./27.9.20] GWB42
2,508,20 BiblStud b
im natwiss Bereich α
in der Farbenlehre; definitorisch, im Verhältnis zum Auge Den Zustand des Raums um uns, wenn wir mit offenen gesunden Augen keine Gegenstände erblicken, nennen wir die Finsterniß. Wir denken sie abstract ohne Gegenstand als eine Verneinung GWBN5
1,14,18 BeitrOpt I 22
neben dem Licht (als Gegenpol) der wesentl Faktor für die Entstehung von Farbenerscheinungen in der materiell-gegenständl Welt, bes im Hinblick auf die sog physischen (dioptrischen) Farben [
Betrachtungen zu dem ‘Urphänomen’1) resümierend] Wir sehen auf der einen Seite das Licht, das Helle, auf der andern die Finsterniß, das Dunkle, wir bringen die Trübe zwischen beide, und aus diesen Gegensätzen, mit Hülfe gedachter Vermittlung, entwickeln sich .. die Farben GWBN1,73,1 FlD 175 Wir fanden einen uranfänglichen ungeheuren Gegensatz von Licht und Finsterniß, den man allgemeiner durch Licht und Nichtlicht ausdrücken kann; wir suchten denselben zu vermitteln und dadurch die sichtbare Welt aus Licht, Schatten und Farbe herauszubilden GWBN1,298,17 FlD 744 In der Chromatik nämlich setze ich Licht und Finsterniß einander gegenüber; diese würden zu einander in Ewigkeit keinen Bezug haben, stellte sich nicht die Materie zwischen beide; diese sei nun undurchsichtig, durchsichtig oder gar belebt GWBN12,105,20 Witterungslehre 1825 N1,XXXIV,23 FlD Einl GWBN1,102,1 FlD 247 GWBN5
1,261,5 EntoptFarb 8
uö als durchwirkender Hintergrund bei der Entstehung von Blau-Violett im Trüben, bes auch vom kosm Raum Umgekehrt steigert sich das Blau in das schönste Violett, wenn wir eine erleuchtete Trübe vor der Finsterniß verdünnen und vermindern GWBN1,211,15 FlD 517 Wird die Finsterniß des unendlichen Raums durch atmosphärische vom Tageslicht erleuchtete Dünste hindurch angesehen, so erscheint die blaue Farbe GWBN1,64,14 FlD 155 GWBN1,62,21 FlD 151
uö als tragender Begriff in der Polemik gegen Newtons Farbentheorie Die Newtonianer verkennen die Bedingungen der Finsterniß, des Schattens, zum Entstehen der Farben LA II 5A,29 M17,3 FlP Plp GWBN2,255,4u6 FlP 570
uö für das Auge repräsentiert durch das Schwarz Das Schwarze, als Repräsentant der Finsterniß, läßt das Organ [
Auge] im Zustande der Ruhe, das Weiße, als Stellvertreter des Lichts, versetzt es in Thätigkeit GWBN1,7,12 FlD 18 GWBN5
1,17,4 BeitrOpt I 29 GWBN5
2,21,7u8 FlD Plp
uö β
in botan Studien insbes als Bedingung für das Wachstum der Wurzel, mehrf neben ‘Feuchtigkeit’ GWBN6,14,12 MorphH Absicht GWBN6,307,21u27 u 308,12 PhysiolPfl
uö c
in weltanschaul (relig, philos) Aussagen, mit Licht u F. als fundamentalem Gegensatzpaar Dualität der Erscheinung als Gegensatz: | Wir und die Gegenstände, | Licht und Finsterniß, | Leib und Seele, | .. Geist und Materie, | Gott und die Welt .. GWBN11,164,20 Polarität [
Seyton:] Licht und Finsterniß, Gutes und Böses .. und noch so viel’ andere Gegensätze scheinen .. die Ingredienzien der menschlichen Natur zu sein GWB18,282,3 GutWeiber Gespr (He2,788) Falk 29.3.13
uö in Aufnahme entspr Motive aus Weltentstehungsmythen (ua) [
Meph:] Ich bin ein Theil des Theils, der Anfangs alles war, | Ein Theil der Finsterniß, die sich das Licht gebar GWBFaust I 1350
2) Auf that sich das Licht: so trennte | Scheu sich Finsterniß von ihm, | Und sogleich die Elemente | Scheidend auseinander fliehn GWB6,188 Div Wiederfinden 18 AAJw1,244 JahrmPlund
1 302 GWBN11,221,9u20f Optik
uö in poetischer Gestaltung u/od symbol Ausdeutung von Grundvorstellungen der Farbenlehre3) Und so bleibt auch, in ewigem Frieden, | Die Finsterniß vom Licht geschieden. | .. Sie streiten mit der Körperwelt, | Die sie ewig auseinander hält GWB2,220 GottGemütWelt 104 Licht, wie es mit der
F. die Farbe wirkt, ist ein schönes Symbol der Seele, welche mit der Materie den Körper bildend belebt Gespr(He2,391) Riemer 3.12.08 GWB5
1,128 ZXenNachl VIII 622u625 GWB5
1,178 Antikritik 7
uö 2
übertr, häufig mit dem Anschauungsgehalt von 1 a
Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Schwermut, Hoffnungslosigkeit [
Elisab zu Gottfr:] Welch eine muthlose Finsterniss! Ich finde dich nicht mehr GWB39,165,24 Götz
1 V wie mich der einfache Gesang [
Lottes] angreift .. Und all die Irrung und Finsterniß meiner Seele zerstreut sich AA43,22 Werth
1 I ihr Geliebter verläßt sie — Erstarrt, ohne Sinne steht sie vor einem Abgrunde, und alles ist Finsterniß um sie her, keine Aussicht, kein Trost AA57,2 ebd GWBNatT 1352 [
Sorge spricht] GWBFaust II 11458
uö b
Verhängnis, Unheil, Verderben, mehrf in der Sphäre des Todes, des Bösen [
Meph im Staatsrat:] Was könnte da zum Unheil sich vereinen, | Zur Finsterniß, wo solche Sterne scheinen? GWBFaust II 4884 [
Werth in Selbstmordgedanken] Und daß das nun die Eigenschaft unseres Geistes ist, da Verwirrung und Finsterniß zu ahnden, wovon wir nichts Bestimmtes wissen AA123,27 Werth
1 II [
für: darkness] GWB11,357 Maturin,Bertram 79
uö spielerisch in unterschiedl Bezügen [
Mörder zu Adelh:] Finsterniss [
das Heiml Gericht] hat Finsterniss [
Adelheids Verbrechen] gerichtet, und du must sterben! GWB39,183,8u9 Götz
1 V
‘Geist(er) der F.’, ‘der F. Genosse’: umschreibend für Teufel GWB38,60 EwJude 161 [
für: esprits de ténèbres] GWB41
2,190,24 Anz: Oeuvres dramat de G GWB13
1,121 ProlBln 1821 Vs 141 c
Verworrenheit, Unklarheit α
für eine seel-geistige Beschränktheit, Ichbefangenheit; auch für ein anfängl, unvollkommenes Stadium individueller Erkenntnis Der dritte Urteiler ist von denen Elenden die verdamdt sind in Finsterniss des Eigendünkels ihr leben zu verschleppen GWBB2,33,7 Kestner [27.10.72] Es [
ein wiss Werk] gab mir zu abermaliger Betrachtung Anlaß, wie der Mensch, von einer Erleuchtung ergriffen und aufgeklärt, doch so schnell wieder in die Finsterniß seines Individuums zurückfällt GWB36,160,24 TuJ Ich gedenke, wie ich seit einem halben Jahrhundert auf eben diesem [
natwiss] Felde aus der Finsterniß in die Dämmerung, von da in die Hellung unverwandt fortgeschritten bin GWBB40,229,7 Carus u d’Alton [7.1.]26 ~ GWBN11,141,20 Üb:NatAllg [
Baccalaureus:] Ich .. wandle rasch, im eigensten Entzücken, | Das Helle vor mir, Finsterniß im Rücken GWBFaust II 6806 DjG
32,248,15 RAnw [30.3.72] GWBB5,163,20 JFFritsch 5.7.81 [
für: ténèbres] GWB45,45,8 RamNeffe
uö β
mBez auf Texte iSv Unverständlichkeit [
üb Hamann] so wird es um uns nur trüber und dunkler, jemehr wir ihn studiren, und diese Finsterniß wird mit den Jahre immer zunehmen, weil seine Anspielungen auf bestimmte, im Leben und in der Literatur augenblicklich herrschende Eigenheiten vorzüglich gerichtet waren GWB28,110,2 DuW 12 GWB27,204,3 DuW 8 Gespr (Houben
24,102) Eckerm 3.12.24 d
Unwissenheit, Unaufgeklärtheit, Rückständigkeit; bes zur Charakterisierung überholter bzw zu überwindender Phasen/Epochen der wiss-kulturellen od polit-gesellschaftl Entwicklung Unser verdorbner Geschmack aber, umnebelt dergestalt unsere Augen, dass wir fast eine neue Schöpfung nötig haben, uns aus dieser
F. zu entwickeln GWB37,133,12 ShakespTag Luther [
erbte] die Finsterniß der Pfaffen, und mir ist der Irrthum der Newtonischen Lehre zu Theil geworden Gespr Eckerm 2.5.24 [
Bestrebungen der Monarchisten] Sie nähmlich rufen die Dummheit und die Finsterniß zu Hülfe, ich den Verstand und das Licht Gespr Kanzl Müller 18.9.23 GWB16,95 Satyros 327 [
für: caligo] GWBN4,111,8 FlH VI Gespr(Houben
24,559) Eckerm 23.10.28
uö → GWB
Halbfinsternis GWB
Mond- GWB
Sonnen- Syn zu 1
GWB
Dunkel GWB
Dunkelheit GWB
Düsterheit GWB
Nichtlicht zu 2 a
GWB
Schwermut GWB
Traurigkeit zu 2 b
GWB
Unheil GWB
Verderben zu 2 c
GWB
Irrung GWB
Verwirrung GWB
Verworrenheit zu 2 d
GWB
Dumpfheit GWB
Unwissenheit 1) vgl dazu LA II 4,300 u LA II 5A,198 2) zu Parallelen u Hintergründen vgl HArens, Kommentar zu G-s Faust I, 1982,160f 3) vgl G-s Wunsch nach “allegorischen, symbolischen und mystischen Anwendungen und Deutungen” seiner Farbenlehre N1,359,12f FlD 920. — G-s Gedichte zur Farbenlehre sind gesammelt u kommentiert bei ASchöne, G-s Farbentheologie, 1987,165-230Georg Objartel G. O.