finsternis,
f. und n. tenebrae, ahd. finstarnessi.
nhd. wie kan ich frölich sein, so ich in der finsternus sitz. Keisersb.
narrenb. 95
b;
häufig bei Luther
und das geschlecht schwankend: da scheidet gott das liecht vom finsternis und nennet das liecht tag und die finsternis nacht.
1 Mos. 1, 4. 5; da ward ein dick finsternis in ganz Egyptenland drei tage.
2 Mos. 10, 22; finsternis und tunkel müssen in uberweldigen.
Hiob 3, 5; das volk, das im finsternis sasz, hat ein groszes liecht gesehen (
ahd. folc thaʒ thar saʒ in finstarnessin, gisah mihhil lioht).
Matth. 4, 16; wenn aber das liecht, das in dir ist, finsternis ist, wie grosz wird denn die finsternis selber sein? (
ahd. oba thaʒ lioht, thaʒ thar in thir ist, finstarnessi ist, thiu finstarnessu wio mihhilu sint?
goth. jabai nu liuhaþ þata in þus riqiz ist, þata riqiz hvan filu!)
Matth. 6, 23; er hat mich ins finsternis gelegt, gleichwie die todten dieser welt. Luther 1, 43
a; im finsternis, im ewigen, höllischen finsternis. 5, 278
b. 279
a; wie grosz wird das finsternis selbst sein? 5, 416
a; und lige im tiefesten finsternis; der teufel, welcher ist ein fürst der finsternis. 6, 172
b; so kan ein fürst keinem ins herz sehen und musz sein regiment also bleiben im finsternis. 6, 137
b; wer im finsternis wandelt, der weisz nicht, wo er hin feret. 138
a; aber die kinder des reichs werden ausgestoszen in das finsternis hinaus. 6, 298
b; wo das geschicht, so bistu schon aus dem reich hinaus ins finsternis gefallen. 6, 302
b; nach dem greulichen finsternis.
br. 2, 220; und wir wollens nu, nach dem fall, in solchem finsternis verachten.
tischr. 1, 83; so gleubet an das liecht, das euch die finsternis nicht ergreifen. Luthers
vorr. zu Alberus barf. eulenspiegel * 3
a; so hat der fûrst der finsternissen uns flugs dahin.
* 3
b; unter solchem finsternis. Melanchthon im
corp. doctr. chr. 128; finsternus und ungewitter.
Cyrillus 49
b; und wolt mich schon die finsternus der sünden mit ellend, hon und trübsal gar verblinden. Weckherlin 99; wo Anchisen sohn den weg zur höllen fand durch stilles finsternüs geführet von Sibyllen. Opitz 1, 27; wann aber ihrem liechte ein trübes finsternüs wird in den weg gesetzt. 1, 47; lasz du, o Zincgref, auch den guten zweck nicht liegen zu helfen, wie du thust, das finsternüs besiegen. 2, 29; zeigt ihm, wo er die nacht, bei dunkler finsternüs, und da kein mensch nicht ist, sich hin verbergen müsz. Werders
Ar. 5, 42; iher viel haben das licht, wandeln aber im finsternisse. Butschky
Patm. 38; diese leute sehen nur bei anderer leute lichte. wenn nun solcher leute licht finsternüs ist, wie grosz wird wol ihr finsternüs sein? 710; damit du von den ketten und banden des ewigen finsternisses erlediget wirdest.
kanzl. 724; die zeit erwünschter finsternisse, die wacher schönen stille küsse den müttern unerforschlich macht. Hagedorn 3, 74; Western, den itzt unsichtbar Urgon an dem ermel züpfte, sah wie seine finsternis (
sein schatte) an der wand vorüber hüpfte, schlug die hände dann zusammen, lachte und brach also los: ei zum teufel, welch ein schatten! Dusch
schoszhund 40; kein bitten hielt mich auf, vom zorne fortgerissen entwich ich in des hains einsamste finsternissen. Dusch
poet. werke 3, 163; sprich nur, es bleibt bei mir in tiefen finsternissen. J. E. Schlegel 1, 249; unwissenheit, der seele finsternis, haszt er und sucht das licht. Zachariä
schöpfung der hölle. Altenburg 1760
s. 77; und der gott der kaufleute und diebe verbirgt den raub und den hurtigen räuber in den finsternissen des waldes.
Wilhelmine 79; du grenzest an den finsternissen unheilbarer melancholei. Gotter 1, 223; so jammervoll, durch glaubenszwang entstellt, gehüllt in öde finsternisse, lag Deutschland einst. 1, 426; wo finsternis aus dem gesträuche mit hundert schwarzen augen sah. Göthe 1, 75; ja, da segnet ich die finsternisse, die so ruhig alles überdeckten. 2, 102; die finsternis seiner seele, dasz es so mit ihm enden soll. 8, 154 (42, 439 die
f. vor seiner
s.); in der muthlosen finsternis erkenn ich dich nicht mehr. 8, 162. 42, 205; die irrung und finsternis meiner seele zerstreut sich. 16, 55; als ein gesicht, dér ähnlich, die ich misse, nur gröszer von gestalt, als sie im leben war, daher tritt durch die finsternisse. Schiller 37
a; eibenzweige, abgerissen bei des mondes finsternissen. 572
b; hilf! rette mich aus diesen finsternissen der zweifel, die mein blutend herz umnachten! Lenau
neuere ged. 21; aus wälderfinsternissen. J. P.
Hesp. 3, 137; ringförmige nächte der staaten, die oft länger sind als unser leben.
friedenspr. 40; da wird es still auf der welt, die sehnsucht steigt so heimlich aus den finsternissen empor. Bettine
br. 1, 192.
seit dem 18
jh. ist das früher vorherschende n. erloschen und dem f. gewichen, neuere schriftsteller, wie die belege zeigen, setzen gern den pl. in prosa bezeichnet finsternis
mehr die wirklichen zustände, finstre
und finsterheit
die abstraction, es heiszt in finsterheit
oder finstre, im finstern wandeln,
nicht in finsternis,
dagegen sonnenfinsternis,
nicht finstre.
die dichter kehren sich doch nicht an den unterschied.