FINSTERNIS f.(n. ) ahd. finstarnissî
f., DWB2finstarnissi
n., mhd. vinsternisse
f., n. abl. von finster adj.; ahd. überwiegend neutr., danach zunehmend, nach dem 18. jh. ausschließlich fem. –
oft im gegensatz zu DWB2licht
verwendet. häufig bildlich in der bibel. 1
abwesenheit von licht. a
(völlige) dunkelheit, lichtlosigkeit. hauptgebrauch, oft bildhaft: u830 fon theru sehstun ziti finstarnessu uuarun ubar alla erda zunzan niuntun zit
Tatian 2207,1 S. ⟨n1190⟩ mich vnd die minen sie fingen/ vnd hiezzen vns dingen/ vnd hilden vns in fencnisse/ in kerker vnd in finsternisse Herbort
17583 F. ⟨u1250⟩ in himelriche .. ist leben ane dot, jugent ane alder, .. lecht ane vinsternisse
hl. regel 21 DTM. 14.jh. in der vinsternuͤzz da ist weder liecht noch vnderschidung pildleicher ding
dt. hss. in England 1,310 P. u1460/70 die voͤgel, die do minnetend daz lieht vnd schùhent die finsternis der nahte, die koment in einer michile menge vff daz tach des huses Sibilla v. Bondorf
Franciscus 135 TSM. 1523 da scheydet gott das liecht vom finsternis, vnd nennet das liecht, tag, vnd die finsternis, nacht Luther
bibel 8,36 W. 1578 wann einer nit gesicht, so hat er ein ewige finsternuß vor jme, gleich als wann er todt were Fugger
gestuͤt 59b. 1610 also muß das liecht immer wieder auffgehen im finsternüß Arndt
christenthumb 2,425. 1653 dicke wolcken überzogen in einem nu den himmel, und die finsterniß verdunckelte alles hervor scheinende licht Lehsten
Curtius, Alexander 310. 1702 das licht, so unter sich recht seine strahlen schiest,/ macht, daß die finsterniß und schatten nirgends ist Pritius
proben 154. 1754 es kömmt ein tag, den fühlt das herz vorher,/ wenn der mir kömmt; so folgt ihm keiner mehr;/ so wird mein geist, verhüllt in finsternissen,/ den sanften reiz des milden lichts vermissen Unzer
sittl. ged. 30. 1846 ich bin durchaus nicht der ansicht, dass es nöthig sei, operirte augenkranke in eine absolute finsterniss zu versetzen, und sie so lange zeit .. vor jedem eindringenden lichtstrahl zu bewahren Zeis
assistent 29. 1885 ich habe hier einen infamen winter gehabt von kimmerischer finsternis und kälte, wochen lange kein lichtstrahl Keller
leben 23,485 E. ⟨1921/2⟩ bis vor kurzem war gleichmäßige tageshelle gewesen, erst jetzt die finsternis Kafka
schloss (1951)29 B. 1996 trotz der ständigen finsternis in der tiefsee macht der viperfisch erfolgreich jagd auf den krill
frankf. allg. ztg. 90,N1. b
astronomische erscheinung, bei der ein leuchtender himmelskörper durch einen anderen oder durch dessen schatten verdeckt wird. nach dem 18. jh. weitgehend von zuss. wie DWB2sonnen‐, DWB2mondfinsternis
abgelöst: ⟨u1300⟩ di vinster ouch alleine nicht/ geschach von der gezuckten strâl,/ sunder von dem underval/ des mânes, der dô legte sich/ zwischen sunne und erdrîch .. nû wil Dionysius/ daz bî der selben vinsternus/ geschêhen vîr wunder Johannes v. Frankenstein
9842 LV. z.j.1406 in dem 1406 jar .. kom ain finsternüss .. und wert pi ainer stund .. die astronomy hetten ez gut wil den lüten vorgesagt
(Augsb.) chr. dt. städte 4,110. 1536 es haben die vinsternussen des mans vnnd der sonnen daz jar so vinster gemacht, daz ainer ainen guetn, gerechten, getreuen freund kaum hat kennen mugen
font. rer. austr. I 1,492. 1581 die Athenienser .. verbrannten lebendig als ketzer die jenigen, welche sagen dorfften, die ecclypses oder finsternussen begeben sich, wann der schatten der erden, oder des mons inn zwischen kommet Fischart
teuffelsheer 199. ⟨1630⟩ eine finsterniß des monds geschicht, wenn der mond durch den schatten deß erdbodens leufft Crüger
cupediae [1631]T4a. 1675 von sothanem ungleichen laufe und stande des mondes und der sonnen rühren die finsternisse her Frankenberg
schaubühne 1/3,4. 1711 wiewol das sonnenliecht 7. oder 8 minuten zubringt, ehe es auf die erden komt .. welches die heutigen sternseher abnemmen aus denen finsternussen der trabanten des Jupiters, welche 7. oder 8. minuten früher .. gesehen werden Scheuchzer
physica 1,93. 1755 vor dieses lauffende 1755.te jahr erhellet aus der astronomischen rechnung, daß sich vier finsternussen an den zweyen grossen himmels=liechtern zutragen werden
Crackauer-schreib-calender F2b. 1808 merkwürdig ist in dieser hinsicht die weise wie die Indier noch jezt die finsternisse berechnen Schubert
ansichten 34. ⟨1873⟩ ‘die finsternis ist schon vorbei,’ berichtete der hausvater, der zur tür hereinkam. und siehe, der mond war wieder licht und rund Rosegger
ges. w. (1913) 11,238. ⟨1931⟩ die Babylonier hatten die periodizität der finsternisse einfach durch empirische beobachtung gefunden Nestle
weltanschauung (1946)81. 1995 noch bis in dieses jahrhundert konnten die .. rechnungen .. die genauigkeit der mondperioden bestätigen, die griechische und babylonische astronomen auf finsternissen berechnet hatten
frankf. allg. ztg. 135,36. 2
zustand fehlenden wissens, fehlender erkenntnis. oft im zusammenhang mit illuminationslehre oder lichtmetaphorik. a
religiöse unwissenheit, fehlende erleuchtung. auch im übergang zu DWB23: u830 thie mir folget ni gêt in finstarnessin, ouh habet lioht libes
Tatian 2131,1 S. hs.10.jh. uuoze heilegeno sinro beuuareda unde ubili in uinisternissi erstummunt
rhfrk. psalmenübersetzung 302,3 S. ⟨E12.jh.⟩ die werk der vinsternisse daz sin bose gedanken und bose wort und andere bose und suͤntliche werk
altdt. pred. 1,189 Sch. ⟨1276⟩ wer irlucht mit erem schine/ unser sunde vinstirnisse? Brun v. Schonebeck
2078 LV. 1343/9 ‘diz licht lûchtet in deme vinsternisse.’ diz dinsternisse meinet di sunde und den sunder
dt. mystiker 1,32 P. 1491 das creutz Cristi .. hat vnns von den vinsternussen pracht zů dem liecht Fridolin
schatzbehalter a4d. 1530 wer an jhn
(gott) gleubt und jhm trawet, der wird dadurch von allen suͤnden, boͤsem gewissen, betruͤbtem hertzen, jrthum, luͤgen, triegerey, finsternis und von aller gewalt des teuffels erloͤset Luther
w. 31,1,143 W. ⟨1567⟩ wir haben nicht mit fleisch vnd blut zukempffen, sondern .. mit den herrn der welt, die in der finsterniß dieser welt herrschen
theatrvm diabolorum (1569) 167a. 1618 hilff ja, das ich mich allzeit richt/ nach dir, vnd keinm andern nicht:/ zeuch mich aus menschlichr finsternüß Rinckart
jubel-comödie 16 R. ⟨E17.jh.⟩ ich .. sehe, wie .. sünde, finsterniß und verdamniß mich alle augenblick umgiebet Francke
kl. schr. (Frankf./Leipz.o.j.)2,830. 1732 doch bey des fleisches finsterniß/ verbleibt mein glaube gantz gewiß Henrici
ged. (1727)3,143. 1781 wer des herrn seines gottes in seinem thun vergißt, der wandelt in der finsterniß Pestalozzi
2,118 B. ⟨1819⟩ tief sitz’ ich in der dunkeln nacht,/ wo mich die sünd’ hineingebracht,/ tief sitz’ ich in der finsterniß,/ wohin verzweiflung mich verstieß Arndt
5,77 R./M. ⟨1884⟩ innerhalb der sphäre der sündlichen macht und der verderblichen einflüsse der finsternis kommt es nicht zu einer kirche auf erden, mit welcher der liebe gott handeln kann Blumhardt
1,157 L. 1922 die welt bleibt ein reich der sünde und finsternis Troeltsch
sozialphilos. 9. 1971 es ist an ihm
(dem menschen), zwischen dem reich und der finsternis zu wählen
in: Cramer
fortschritt 143. b
unwissenheit, unaufgeklärtheit; geistige, politische rückständigkeit. im 18./19. jh. stärker bezeugt: 1537 wan schon alle buͤcher verbrendt, vnd kein lere vorhanden were, dan wuͤrden die leute wie das vnnuernünfftich vihe in vnwissenheit vnd finsternüß wandern
samml. pädagog. schr. 11,20 I. 1565 darumb daß sie
(frösche) nur in finsternis des vnuerstandes .. vil vnnuͤtzes raschens machen Heyden
Plinius 297. 1669 die vergessenheit ertödtet bey uns das gelesene, erfahrne und erlernte; und wirfet hinderniß und finsterniß der klugheit in den weg Schottel
ethica 368. 1746 vielleicht sässen wir .. in der naturlehre noch itzo in derjenigen finsternis, die man in den schriften welche vor den zeiten des Cartesius herausgekommen sind nicht gnugsam bewundern kann Krüger
erde 34. 1779 in den damaligen zeiten der finsterniß war es schon viel, wenn man einsah, daß man unwissend war
preuss. anecdoten 1,16. 1833 belästigt dich das geschrei der liberalen? .. wäre nie geschrieen worden, wir steckten noch tief in der finsterniß des mittelalters Laube
jahrhundert 2,29. 1880 wie denn dem gattungsmenschen von natur eine gewaltige arroganz eingeboren ist, da er doch in ansehung des wahren ich in dicker finsterniß lebt Jung
zustände 292. 1917 während vorn auf der bühne eine komödie des guten willens gespielt wird, ringen hinten die mächte des fortschritts verzweifelnd und ohnmächtig gegen die gewalten der finsternis Fernau
durch 107. 1995 Cézanne .. habe ‘die malerei in unwissenheit und seinen geist in finsternis’ versinken lassen
frankf. allg. ztg. 60,33. 3
ort der verdammnis, der verworfenheit, hölle; jünger auch das böse allgemein; im übergang zu DWB22 a.
oft in verbindungen wie äußerste finsternis
(nach Matth. 8,12), ewige finsternis
oder reich, fürst, mächte der finsternis: u830 unnuzzan scalc eruuerpfet inan in thiu uzzarun finstarnessiu
Tatian 2149,8 S. ⟨u1140/50⟩ ich inweiz, wer ir bint, ir sint des duvilis kint./ gent dar ir gedinit hant, in der vinstirnisse lant
hamb. jüngstes gericht 8,4 M. ⟨E13.jh.⟩ bindet dem unnutzen knechte hende und vuͤze und werfet in in die uͤzerste vinsternisse der ewigen pine in der helle
altdt. pred. 1,14 Sch. ⟨M14.jh.⟩ die fúrsten und potestaten und wider der welte meistere der vinsternisse, daz sint die túfele Tauler
405 DTM. u1460/70 an dem selben tag starb der sùndige man vnd wart ein kneht der helle vnd ein sun der vinsterniß Sibilla v. Bondorf
Franciscus 177 TSM. ⟨1529⟩ gott .. wird mich seinem henger dem teuffel vberantworten, vnd mich werffen jnn die ewige finsternis Huberinus
zorn (1535)39b. ⟨1567⟩ der apostel nennet fressen ein werck der finsternuß, das ist deß laidigen sathans, woͤlcher ein fürst der finsternuß ist, vnnd darinnen regieret Andreae
planeten (1568)56. ⟨v1608⟩ ich habe vberwunden todt, teuffel vnd helle, ich habe die macht der finsternisse zerstöret Ph. Nicolai
t. schr. (1617)2,416b. 1676 auch wird dieser ort der verdamten oft angedeutet durch die äusserste finsterniß, durch das land der finsterniß und des dunkels Schottel
hölle 12. 1723 dort ist ein himmels=glantz, hier stete finsternüß,/ hier ist der höllen pfuhl, und dort ein paradieß Hancke
geistl. ged. (Leipz./Bresl.)123. 1756 er
(Christus) errettet uns von der obrigkeit der finsternis, von dem anspruch, den Satanas auf uns machen könte Zinzendorf
pred. 1,270. ⟨1805⟩ noch kämpft der gott des lichts mit dem der finsterniß, und am ende könnte der teufel doch wohl recht behalten Weitzel
verm. schr. (1820)1,68. 1860 wie mancher könig hat schon um vergrößerte herrschaft dem teufel gedient, wie mancher mensch .. den fürsten der finsterniß angebetet! Harms
pred. evangelien 291. 1924 daß dies
(verrat Jesu) in der nacht geschehen sei, erscheint .. selbstverständlich, da die gegner des messias bei Paulus ja die mächte der finsternis und des bösen gewesen sein sollen Drews
christusmythe 131. 1995 alle fantasy-literatur spielt im mythisch verbrämten kalten krieg, wo die feinde des reichs der finsternis auf den triumph des guten warten
frankf. allg. ztg. 121,36.Katzmann