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Lesen

mhd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
43 in 21 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
Verweise rein
198
Verweise raus
139

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Lesen

Bd. 12, Sp. 441
Lesen (nach dem lat. legere; beides eigentlich soviel wie sammeln), die Kunst, aus sichtbaren Zeichen der Sprachlaute (Buchstaben) diese selbst und dadurch die von andern in Schrift oder Druck niedergelegten Gedanken zu erkennen. Dem entsprechend ist das L. einer der ersten und wichtigsten Gegenstände des Unterrichts der Kinder. Die beste Art, das L. dem Schüler beizubringen, war im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte ein Lieblingskapitel der Pädagogik. In älterer Zeit herrschte allgemein die jetzt verworfene Buchstabiermethode. Man prägte zuerst aus der sogen. Fibel die Buchstaben des gedruckten Alphabets mit ihren Namen ein und lehrte dann deren Zusammensetzung und Aussprache in Silben und Wörtern. Erst nachdem darin eine gewisse Sicherheit erzielt war, begann der Unterricht im Schreiben. Diese rein mechanische Weise des ersten Leseunterrichts enthält den doppelten Fehler, das L. aus seiner natürlichen engen Verbindung mit dem Schreiben zu reißen und von willkürlichen Zeichen und Namen (Buchstaben), statt von der Sache selbst (Lauten), auszugehen. Die Schwierigkeiten, die daraus folgen, empfand man von jeher, ohne jedoch die Ursache zu erkennen. Schon die alten Römer gaben, um den Unterricht zu erleichtern, nach Quintilian den Kindern elfenbeinerne Buchstaben zum Spielen. Ähnliches empfahl Locke; Basedow ließ die Buchstaben backen und von den Kindern essen. Pestalozzi, der die Buchstabiermethode zur Syllabiermethode zu erheben suchte, brachte Papptäfelchen mit großgedruckten Buchstaben auf, die man trennen und verbinden kann. Seit dem 16. Jahrh. erfuhr die herkömmliche Methode viel Widerspruch. So von Valentin Ickelsamer (1534), Zeidler (1700), Vensky (1721), dem pseudonymen Nachsinner (1735), Hecker, Trapp (1780) und namentlich von Samuel Heinicke, dem Begründer des Taubstummenunterrichts in Deutschland. Im Kreise der Philanthropen beschäftigte man sich viel mit Verbesserung des ersten Leseunterrichts. Besondern Ruf erwarb unter ihnen Olivier (s. d.) durch seine Lesemethode. Schon war man ziemlich allgemein zu dem Ergebnis gekommen, daß vom Lautwerte des Buchstabenzeichens auszugehen sei, als dies zuerst klar und folgerichtig von H. Stephani (»Kurzer Unterricht in der gründlichsten und leichtesten Methode, Kindern das L. zu lehren«, 1803) durchgeführt ward. Stephani (s. d.) wird daher als der Schöpfer der Lautiermethode betrachtet. Mit ihr verband sich nach anfänglicher Fehde der beiden Urheber etwa ein Jahrzehnt später J. B. Grasers Schreiblesemethode, für die jedoch, ebenso wie für jene, sich frühere Ansätze bei Radtke (s. d.) und bei einigen französischen Pädagogen (de Launey u. a.) seit der Mitte des 18. Jahrh. nachweisen lassen. Graser ging allerdings bei seiner ersten Anweisung von der seltsamen und bald abgestreiften Annahme aus, daß die Form der (lateinischen) Buchstaben auf einer Nachahmung der zu ihrer Aussprache erforderlichen Mundstellung beruhe. Während Stephani und Graser von den einzelnen Lauten ausgehen und diese zusammensetzen lassen zu Silben und Wörtern (synthetische Methode), verlangte der Franzose Jacotot (s. d.), daß man beim ersten Leseunterricht vom Ganzen ausginge, das uns im Leben als solches entgegentritt, vom Satz. Nach ihm muß das Kind angeleitet werden, einen sinnvollen Satz in seine Wörter, diese in Silben, diese in Laute zu zerlegen. Erst wenn so die einzelnen Laute als solche zum Bewußtsein gekommen sind, kann wieder an ihre Zusammensetzung gegangen werden (analytische oder auch analytisch-synthetische Methode). Diese Methode wurde in Deutschland durch den Lehrer Seltzsam in Breslau (seit 1841) und den Schulrat Graffunder in Erfurt eingeführt. Direktor Vogel in Leipzig (seit 1843) veränderte sie insoweit, daß er nicht von ganzen Sätzen, sondern von sogen. Normalwörtern (Wortmethode) auszugehen empfahl. In dieser Gestalt ist die Jacototsche Methode in Deutschland weit verbreitet und mit der Zeit fast herrschend geworden, dies besonders durch die Bemühungen der sächsischen Schulmänner Berthelt, Jäkel, Petermann u. a., des Lehrers Böhme in Berlin, der preußischen Seminardirektoren Kehr und Jütting (Vogel-Böhmesche und Kehr-Schlimbachsche Methode). Die Methodiker sind übrigens noch fortwährend auf Vereinfachung und Verbesserung des ersten Leseunterrichts bedacht. Immer mehr Gebiet gewinnt die reine Schreiblesemethode, bei der die Kinder im Anfang nur eine Schrift, die (kleine) deutsche Schreibschrift, kennen lernen, womit übrigens große Verschiedenheit des Verfahrens vereinbar ist. – Im weitern Verlauf des Leseunterrichts kommt es besonders auf ein dreifaches Ziel an: die Lautrichtigkeit, die Sinngemäßheit (logische Richtigkeit) und die Schönheit des Lesens. Danach hat man drei Stufen des Leseunterrichts (mechanisches, logisches, ästhetisches L.) unterschieden. Diese Stufen lassen jedoch sich nicht streng auseinander halten; auch liegt das ästhetische L. als Kunst außerhalb des Bereichs der Schule. Vgl. Kehr, Geschichte des Leseunterrichts (in Band 1 der »Geschichte der Methodik des deutschen Volksschulunterrichts«, 2. Aufl. von Fechner, Gotha 1887); Fechner, Grundriß der Geschichte der wichtigsten Leselehrarten (2. Aufl., Berl. 1900); für das ästhetische Lesen. Palleske, Die Kunst des Vortrags (3. Aufl., Stuttg. 1892); Benedix, Der mündliche Vortrag (3 Tle., in wiederholten Auflagen; 1. Tl. in 9. Aufl., Leipz. 1902).
5357 Zeichen · 75 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    LËSEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    LËSEN s. ich LISE .

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    lesen

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +2 Parallelbelege

    lesen, st. v. 1. lesen, sammeln. 2. lesen; Gebete lesen; hersagen, beten (auch ohne Geschriebenes vor sich zu haben); le…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Lêsen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    1. Lêsen , verb. irreg. act. ich lese, (Oberd. ich lies,) du liesest, er lieset, wir lesen u. s. f. Imperf. ich las; Mit…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    lesen

    Goethe-Wörterbuch

    lesen gut 2000 Archivbelege, davon über drei Viertel in A2 A Zeichen rezipieren 1 (undeutliche) (Schrift-)Zeichen, Schri…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Lesen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Lesen (nach dem lat. legere; beides eigentlich soviel wie sammeln), die Kunst, aus sichtbaren Zeichen der Sprachlaute (B…

  6. modern
    Dialekt
    lësen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    lëse n [lásə fast allg.; lǽsə Str. W.; Part. klásə O. Betschd. , kəlásə K. Z. , kəlǽsə Str. , kəlǽst W. ] 1. lesen. Dies…

  7. Sprichwörter
    Lesen

    Wander (Sprichwörter)

    Lesen 1. Besser zweymal gelesen, denn einmahl vnd das best vergessen. – Henisch, 324, 7. 2. Du kannst woll läsen, wat du…

  8. Spezial
    lesenv

    Dt.-Russ. phil. Termini · +14 Parallelbelege

    lesen , v читать/прочитать , гл

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit lesen

105 Bildungen · 12 Erstglied · 85 Zweitglied · 8 Ableitungen

lesen‑ als Erstglied (12 von 12)

Lesenarr

PfWB

lese·narr

Lese-narr m. : ' wer viel und gerne liest ', Lesenaʳʳ [ KU-Schmittw/O ].

lësende

Lexer

les·ende

lësende part. adj. lesend, sammelnd. er unt sîn liut muost touf an sich sîn lesende Loh. 7550 ; pass. lesbar, deutlich. etw. mit lesinden ur…

lesen II

RhWB

lesen II = lösen (s. d.).

lesen III

RhWB

lesen III das Wort ist allg., doch je nach Geb. in der Bed. auf 1 oder 2 beschränkt; Rhfrk lēsə, –E- [ Idar -Eə- ], Part. gəlēs, –E- [ Wend …

lesenlīche

KöblerMhd

lesenlīche , Adv. nhd. „lesbar“ Hw.: s. leselīche Q.: WvÖst (1314) (FB lesenlīche) E.: s. lesenlich W.: nhd. DW-

lesenschaffære

KöblerMhd

lesen·schaffære

lesenschaffære , st. M. nhd. Theologe Q.: WeistÖ (um 1450) E.: s. lesen (1), schaffære W.: nhd. DW- L.: DRW

lesenswert

GWB

lesen·swert

lesenswert die Lektüre lohnend ein salbaderisches Werk [ CLSeidel, “Die schönen Künste in Berlin”, 1826; vgl Ruppert 2313 ], das aber doch l…

lesenswürdig

DWB

lesen·s·wuerdig

lesenswürdig , adj. : weil ich nun ( in der lebensbeschreibung Götzens von Berlichingen ) verschiedenes ... gefunden, welches ich lesenswürd…

lesen als Zweitglied (30 von 85)

quelesen

KöblerMhd

*quelesen , V. nhd. „quälen“ E.: s. quelen* (1) W.: nhd. DW-

wīnlesen?

KöblerMhd

*wīnlesen? , V. nhd. „Wein lesen“ Hw.: s. wīnlesen (2); vgl. mnl. wijnlesen, mnl. wīnlēsen E.: s. wīn, lesen W.: nhd. Wein lesen, V., Wein l…

Federlesen

RDWB1

Federlesen n nicht viel ~s mit j-m machen idiom. - не (долго) церемониться; не цацкаться разг. ; с кем-л. разговор короткий идиом.

abe lësen

Lexer

abel·esen

abe lësen abpflücken den ölpaum abl. Mgb. 335, 19, wein und frucht abl. Mh. 2, 713 ;

ablesen

DWB

ablesen , colligere, nnl. aflezen. steine vom acker, federn vom kleid, raupen vom baum ablesen; beeren von der staude, trauben vom stock, un…

aflēsen

MNWB

aflēsen , stv. , 1. verlesen, von der Kanzel, in der Bursprake, Gericht, verkünden, aufbieten; lesen, ab-, zu Ende lesen (Messe). 2. den Wei…

afterlesen

DWB

after·lesen

afterlesen , spicas legere: im lesen sol niemand afterlesen oder leskoren geen. Kaltenbäck 1, 228 b .

auflesen

DWB

auf·lesen

auflesen , legere, colligere, nnl. oplezen, von beeren ( s. aufklauben ), ähren, reisern, brosamen, dann aber auch angewandt auf heimlich un…

auserlesen

DWB

auser·lesen

auserlesen , seligere, zumal häufig im part. praet.: sechshundert auserlesen wagen. 2 Mos. 14, 7 ; der wurden siben hundert gezelet auserles…

auslesen

DWB

aus·lesen

auslesen , nnl. uitlezen, in zwei bedeutungen, 1 1) deligere, eligere: du kannst darunter auslesen, auswählen; ausgelesene, ausgesuchte mann…

belesen

DWB

bele·sen

belesen , 1 1) depurgare, emundare, rein lesen: das gemüse, den salat belesen; die linsen sind nicht ordentlich belesen. in diesem sinn ahd.…

durchlesen

DWB

durch·lesen

durchlesen , n. der brief den er mir zum durchlesen herauf bringt Schiller 196 a . ebenso

einlesen

DWB

ein·lesen

einlesen , colligere, nnl. inlezen, 1 1) früchte, kräuter einsammeln: ahd. sô daʒ obaʒ in gelësen wirt. N. ps. 78, 1 . nhd. allerhand kräute…

erlesen

DWB

erle·sen

erlesen , legere, eligere, seligere, mhd. erlësen. 1 1) körner, kräuter, flocken auslesen, rein lesen: welche sei so rein, als hettens taubn…

federlesen

DWB

feder·lesen

federlesen , floccos, plumulas legere, flaum abstreichen (pflaumen streichen, nnl. pluimstrijken), federklauben, faseln ( sp. 1338), κροκυδί…

festlesen

RDWB1

fest·lesen

festlesen, sich зачитаться Entschuldige, ich habe mich festgelesen. - Извини, я зачитался.

fortlesen

DWB

fort·lesen

fortlesen , pergere legere, it. leggere avanti: du brauchst nicht fort ( weiter ) zu lesen.

geilesen

KöblerMhd

geil·esen

geilesen , sw. V. nhd. strotzen, schwellen, sich aufblähen, fröhlich sein (V.), sich freuen über Q.: Martina (um 1293) E.: ahd. geilisōn* 2,…

gelesen

DWB

gele·sen

gelesen , verstärktes lesen, mhd. gelesen ( ahd. alts. gilesan) noch im 16. jh.: do der haubtman gelas den brief, gar wenig necht er übersch…

geveilesen

KöblerMhd

geveilesen , sw. V. nhd. handeln um, erhandeln Q.: Enik (um 1272) (gefeilischen) (FB geveilsen) E.: s. ge, veilesen W.: nhd. DW-

handverlesen

RDWB1

hand·verlesen

handverlesen (kein Bezug zu "рука") лучший, отборный, избранный handverlesener Reis - отборный рис, очищенный рис die Studenten sind handver…

heilesen

KöblerMhd

heil·esen

heilesen , sw. V. nhd. spähen, aufpassen, umschwärmen, Glück wünschen Q.: Martina (um 1293) E.: ahd. heilisōn 22, sw. V. (2), wahrsagen, büß…

herlesen

DWB

herle·sen

herlesen , verb. : einen brief im rathe herlesen, recitare litteras in senatu. Hederich 1261 ; wir können zwar selbst nicht lesen, .. aber u…

Hineinlesen

Campe

hinein·lesen

Х Hineinlesen , v. I) rec . Sich hineinlesen , durch längeres und aufmerksames Lesen sich in eine Schrift gleichsam versetzen, mit einem Geg…

hinniderlesen

KöblerMhd

hinnider·lesen

hinniderlesen , st. V. nhd. „hinunterlesen“ (?) Q.: Ot (1301-1319) (FB hinnider lesen) E.: s. hinnider, lesen W.: nhd. DW-

Käsperlesen

Wander

kasper·lesen

Käsperlesen Man macht nicht viel Käsperlesen mit ihm. ( Oderbruch. ) – Engelien, 223.

messelesen

DWB

messe·lesen

messelesen , n. das lesen der messe: predigen, meszlesen, zu capitel gon und des gleichen verandert den menschen nit, machet in nit gut. Kei…

nachlesen

DWB

nach·lesen

nachlesen , n. : wer das nachlesen hat, der findet nicht viel trauben ( oder ähren). Wander sprichw. 3, 838 ; das nachlesen im sinne von nac…

Ableitungen von lesen (8 von 8)

belesen

DWB

belesen , 1 1) depurgare, emundare, rein lesen: das gemüse, den salat belesen; die linsen sind nicht ordentlich belesen. in diesem sinn ahd.…

entlesen

GWB

entlesen etw Kostbares mit den Händen heraussuchen, -lesen Der Diamanten Prunck entlas [< Der Diamanten Pracht erlas; Man Diamanten las ande…

erlesen

DWB

erlesen , legere, eligere, seligere, mhd. erlësen. 1 1) körner, kräuter, flocken auslesen, rein lesen: welche sei so rein, als hettens taubn…

gelesen

DWB

gelesen , verstärktes lesen, mhd. gelesen ( ahd. alts. gilesan) noch im 16. jh.: do der haubtman gelas den brief, gar wenig necht er übersch…

lesene

KöblerAfries

lesene , F. nhd. Wollstoff, Wollkleid ne. wool-dress Q.: W E.: s. leken L.: Hh 64b, Rh 893b Son.: nach Buma/Ebel 6, 1, Nr. 143 ist lesene ei…

unlesenlich

DWB

unlesenlich , adj. , gth. des mhd. bezeugten lesenlich. vgl. unleslich: eine ... unlesenliche handtschrifft Sandrub kurzweil 7 ndr.; etliche…

verlesen

DWB

verlesen , verb. auslesen, ablesen, laut vorlesen, falsch lesen. mhd. verlesen, mnd. vorlesen. nhd. stets starkes, mhd. manchmal schwaches p…

zerlesen

DWB

zerlesen , verb. , 1) trans. durch die handhabung beim lesen ein buch beschädigen: wenn wir ein solches heft z. oder sonst beschädigt hatten…