Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
herbest stM.
2 als Zeit für bestimmte Tätigkeiten, Arbeiten
3 in Datumsangaben (meist Festtagsbezeichnungen)
4 personif.
1 allg.: daz vierde teil dez iares heizit der herbest, der an vahet an sant Bartholomeus tag. etliche meistere unde die iuden vahent daz iar an in dem herbest, so die sunne lofet in libra. unde so ist equinoccium autumpnale, daz winterliche equinoccium MNat 7,13; herbest [...] ist kalder unde trokener nature Macer Prosavorr. 16; den selbin sichtum heizint di lute di struche vnde geschit allir meist uon der kelde in deme herbeste so sich di luft wandelt SalArz 40,54; swer auch miste, stein oder holtz hat ligen in den gazzen, da die wegen in dem herbeste von geirret mugen werden WüP 106c,3. – als Zeit des Absterbens der Natur, als Zeit des Niedergangs: daz leben ist uf der neige, / die werlt ist uf den herbest komen Frl 7:30,2. – als Zeit, in der Früchte reifen: der herbest ist ein fruhtber zit MNat 7,17; danne gat der herbest zvo / mit genuht Martina 250,13; da [im himmlischen Paradies] ist herbst mit gnuͤht / mit maniger schonen sußen fruht HvNstGZ 7742; übertr.: er [der vriedel ] wil, daz ich sin herbest si, und hat in mich gedrücket / die truben, da min vater sich hat selben in gebücket Frl 1:19,28 2 als Zeit für bestimmte Tätigkeiten, Arbeiten: der centaurien saf sol man in dem herbesten gewinnen unde trocken an der sunnen Macer 33,9; in dem lenzen, sô man daz sumergetraid sæt, und in dem herbst, sô man daz wintergetraid sæt BdN 181,26. – metonymisch ‘Weinlese im Herbst’ dû scholt nâch miltem weinlesen [La. herbest ] wênig trinken und nâch klainem weinlesen trink paz#. und milticleicher BdN 350,28. – als Termin für Abgaben und Dienstleistungen, für Gerichtsversammlungen: vnde uffe disem selben guͦte sol der selbe Hug [...] emphahen vnd nieszen allú iâr ze herbste ze rehter gúlte vier march lôtigez silberz UrkCorp (WMU) 3003,22,25; das der egenande vogt [...] die lúte in dien [...] drien doͤrfern jaͤrlich zwúrent in dem jar bitten sol vmb ein stúr ze meiien vnd ze herbst ebd. N243,28,29,30,31,43 u.ö.; UrkMoselQ 191,15 (a.1344); der selbe kelner hat och einen acher, von des wegen er sol geben einem vogte ze meyen ein imbis und ze herbst ein imbis, so er dar kumet zuͦ den jargerichten UrbHabsb 1:252,21 (a. 1306); die vogte uf dem lande die hant niht ze rihtenne hinze der burger gute noch hinz ir luten die druffe sitzent, wan ze zwain ziten in dem iare, ze maien unde ze herbeste, umbe gulte StRAugsb 13,16 3 in Datumsangaben (meist Festtagsbezeichnungen): decima die septembris, [...] dc waz an dem zehenden tage herbestez PrSchw 2,118; umb sant Mathes tag in dem herbst [ 12. Sept.] KvMSph 20,10; ich sage iu, wenne der tac gelît. / in dem herbest nennet man in sô / sanctæ crûcis exaltâtiô [14. Sept.] Eracl 5281; diser prief ist geben ze Wienne an sand Franciscen tage in dem herbiste [4. Okt.] UrkCorp (WMU) 2811,12. 2495,8. 2581,41 u.ö.; – der êrste/ andere/ dritte ~ : diser brief wart gegebin [...] in dem erstin herbiste [im September] an dem gvͦtimtage nah dez heiligen crcis [!] tvlt UrkCorp (WMU) 1468,12; diz geschach [...] an dem nehsten zistage nach sancte Michels tvlt, do viench oͮch der ander herbist [d.h. am 1. Okt.] ebd. 257,35; an dez driten herbistes non̄ [ nonas nouembris 145A,20 ] ebd. 145B,41 4 personif.: herbest, der des meien wât / vellet von den rîsen SM:St 1: 1,5; herbest, underwint dich mîn, / wan ich wil dîn helfer sîn / gegen dem glanzen meien ebd. 1: 2,1; der herbest ersprengete do / mit einre frefellichen just. / er stach den meigen ûf die brust Herbst 182. – seine Gaben, sein Reichtum: herbest wil birâten / mang gisinde mit guoten trachten SM:Had 18: 1,1. 20: 1,1; herbest wol ergetzen kan / gisindes man der sumerzît: / swer miete gît, der ist so wert ebd. 44: 1,1; siude und brât / des herbstes rât, vil lieber wirt, / sît er uns birt so vollen teil! ebd. 44: 1,9; herbest, dîn geræte der swære / hilfet uberwinden ein michel teil SM:UvB 2: 1,5
MWB 2 1381,16; Bearbeiter: Tao