Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Garn n.
Garn n.
Garn n. ‘aus Fasern gesponnener Faden’, ahd. (9. Jh.), mhd. garn, mnd. gāren, mnl. garen, gaern, nl. garen, aengl. gearn, engl. yarn, anord. schwed. garn (germ. *garna-) bezeichnet ursprünglich die ‘aus getrockneten Därmen gedrehte Schnur’. Die alte Bedeutung ‘Darm’ zeigt sich noch in den Zusammensetzungen ahd. mittigerni (8. Jh.), asächs. midgarni, mhd. mittiger, aengl. micgern ‘in der Mitte der Eingeweide sitzendes Fett’ und im Femininum anord. gǫrn, Plur. garnar ‘Eingeweide’. Sie gilt auch für die außergerm. Verwandten griech. chordḗ (χορδή) ‘Darm(saite), Wurst’ (s. Kordel), lat. hernia ‘Eingeweidebruch’, lit. žárna ‘(Dünn)darm, Schlauch’, aind. híraḥ ‘Band, Streifen’, hirā́ ‘Ader’, die eine Wurzel ie. *g̑her- ‘Darm’ voraussetzen. Bezeichnet Garn zunächst den ‘tierischen Darm’, mit dem man Felle und dgl. zusammennäht, so wird das Wort später auf den einfachen gesponnenen Faden übertragen, während der verstärkte, zweifach gedrehte Faden Zwirn (s. d.) heißt. Schon in mhd. Zeit bedeutet Garn auch das ‘Netz zum Fangen von Wild, Vögeln und Fischen’, heute noch in der Jäger- und Fischersprache; daraus die Wendung ins Garn gehen ‘hereinfallen’, ferner die Ableitung umgarnen Vb. ‘durch Schmeichelei, List für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen, betören’, eigentlich ‘mit Netzen einfangen’ (17. Jh.). – Seemannsgarn n. ‘abenteuerliche, nicht mit der Wahrheit übereinstimmende Erzählung’, von Seeleuten beim Spinnen von Garn aus zerfasertem Tauwerk vorgetragen (19. Jh.).