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wohl

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wohl

Bd. 30, Sp. 1025
wohl , gemeingermanisches adv. zu gut, dann auch interjektion und konjunktion. ahd. wela, wola, wala; mhd. wol(e); as. wel(a), wala, wola; mnd. wol, wal; mnl. wale, wel; afries. wel; ags. wel; engl. well; an. vel; norweg. vel; schwed. väl. diese westgerm. und nordischen formen führen auf die idg. wurzel *el, die auch den wörtern wahl, wollen zugrunde liegt. die formen mit o sind verdumpfung von e zu o unter einflusz des vorausgehenden w, wie in woche aus wecha, prät. wollte aus welta. die a-formen sind als ablaut zu fassen, sie sind nd. verbreiteter als hd., wo sie vorwiegend in fränkischen quellen des 9. jh. begegnen. sie finden sich auszer auf niederfränkischem und niedersächsischem gebiete auch im aisl. val. schwer zu erklären ist der vokal ai im got. waila (καλῶς, εὖ). man müszte *wila erwarten. für dieses got. ai den lautwert ĕ anzunehmen wie in raihts, fairro u. a. (brechungs-e vor h, r) erschweren got. formen wie wilwan, wilþeis, wilja. dies erkannte schon Grimm gramm. 1, 44. Holthausen (Paul-Braunes beitr. 11, 553) erwog die möglichkeit, dasz waila für zu erwartendes *wila durch anlehnung an den bedeutungsantipoden wai 'wehe' (wailadeds — waidedja; wailamerjan εὐφημεῖν — waiamerjan βλασφημεῖν) entstand, wozu Brugmann (idg. forsch. 15, 99ff.) bemerkt, man könnte auch anlehnung an hails annehmen. er verwirft aber beides, trennt got. waila etymologisch von den westgerm.-nordischen formen und stellt waila zu ai. vēlā 'treffpunkt, grenze, zeitpunkt', faszt es als adverbialen kasus des fem. subst. *oilā 'im rechten moment'. er nimmt für das urgerm. zwei aus verschiedenen wurzeln abzuleitende adverbia an, von denen das eine, nämlich waila 'im gelegenen moment' (aus *oilā) im got., das andere, wela 'nach wunsch' (aus *el), im nordisch-westgermanischen lebendig blieb. in einem nachtrag (idg. forsch. 16, 503) gibt er aber diese hypothese auf, trennt nun auch die nordischwestgerm. formen wel, wol, wal von der wurzel *el, führt sie auf *il zurück (übergang von i zu e wie in wer 'mann', nest, steg u. a.) und sieht im nebeneinander von waila — wela ablautstufen wie in baitrs — bittar. zur ablaustufe *uəil wäre dann mengl. wêl, schott. weel zu stellen, worüber auch Holthausen Anglia 13, 16 ff. sich äuszert. bei dieser annahme bereitet aber die erklärung der a-formen im ahd. as. anfr. und aisl. schwierigkeiten, wie van Helten (zs. f. dtsche wortf. 13, 74f.) mit recht betont. Brugmanns ansätze fanden daher wenig zustimmung und einige forscher griffen die alte annahme wieder auf, ai in got. waila sei transkription für ĕ: Löwe sucht (Paul - Braunes beitr. 51, 253ff.) ein lautgesetz wahrscheinlich zu machen, wonach germ. ĕ zwischen w und l im got. nicht zu i gewandelt wurde, sondern erhalten blieb, wenn in nächster silbe a folgte, doch überzeugen seine ausführungen nicht. Sievers (Paul-Braunes beitr. 51, 253 anm. 2) und Streitberg (got. elementarb.5 § 49) machen satzmelodische gründe für die erhaltung von germ. ĕ in got. waila geltend und ihnen folgt Braune in der 8. aufl. seiner got. gramm., während Helm in 10. und 11. auflage wieder für den diphthongwert von ai in waila eintritt. bleibt demnach bis heute die got. form waila nicht befriedigend erklärt, so wird man sie doch keinesfalls etymologisch von den nordisch-westgermanischen formen trennen wollen, sie vielmehr wie diese zur wurzel *el stellen und als auszergerm. sippenverwandte lat. velle, aksl. velěti, voliti, vole, volje 'wohlan', alban. vałε 'wohl' (in fragen), ai. váras 'erwünscht', vára 'wahl, wunsch' gelten lassen, s. Walde-Pokorny 1, 294 und 230; Falk-Torp norweg.-dän. wb. 1365; 1576; Meringer idg. forsch. 16, 149 ff.; Hellquist svensk etymol. ordb. (Lund 1925) 1162 s. v. väl. die für das ahd. auffällige endung -a erklärt van Helten a. a. o. für ablativsuffix -ẽt, die endungslosen formen für einen adverbial verwendeten akk. sg. neutr. eines verloren gegangenen adj. steigerungsformen sind zu wohl erst nhd. belegt: wohler, am wohlsten, dialektisch auch umgelautet wöhler, am wöhlsten, so alemann., rheinisch, aber auch ostmitteldeutsch, z. b. bei Frisius, Kirchhofer, Lohenstein. die umgelautete form wird schon im 18. jh. als nicht schriftsprachlich empfunden, s. Steinbach (1734) 2, 1014, ferner: desto wöhler (man erlaube mir dieses Schweizerwort, das so wahr und einfältig ist) desto wöhler wird mir Lavater physiogn. fragm. (1776) 2, 215. die verwendung als flektiertes adj. ist sekundär und bleibt spontan. die heutige schreibung mit dehnungs-h findet sich neben der älteren schreibung ohne h seit dem 16. jh. Luther z. b. schreibt wohl und wol. die schreibform ohne h überwiegt aber im 16. jh., im 17. und anfang des 18. jh., sie findet sich auch noch vereinzelt in der 2. hälfte des 18. und im 19. jh. Göthe, Schiller und fast alle ihre zeitgenossen und nachfahren schreiben wohl, und diese schreibung gilt heute für wohl und alle wohl-composita (mit ausnahme von wollust). Stosch gleichbed. wörter (1777) 3, 375 meinte, 'es sey besser wohl und wol so zu unterscheiden, dasz man das verlängerungs-h brauche, wenn es eine glückseeligkeit, wohlstand oder etwas gutes ausdrücket, hingegen das verlängerungs -h weglasse und es auch kurz ausspreche, wenn es blosz ein verbindungswort ist und so viel heiszt als zwar, gerne, so gar, schon und dergleichen'. ihm folgte Campe, der vollwort wohl und partikel wol in seinem wb. 5, 754a und 755 getrennt behandelt. dieser versuch weniger lexikographen, vollwort und formwort lautlich und orthographisch zu differenzieren, fand mit recht keine nachfolge. Adelung bemerkt 5 (1780) 273 durchaus verständig: 'die niederdeutschen und einige gemeine oberdeutsche mundarten sprechen dieses wort in allen fällen geschärft, woll, aus, im hochdeutschen hingegen lautet es in allen seinen bedeutungen gedehnt, wohl, nur dasz es, wenn es das adverbium und die interjection ist, wegen der vollständigkeit seines begriffes auch den ton hat, in den meisten fällen des umstandswortes aber den ton auf das folgende wort wirft ... sonderbar genug ..., wenn einige neuere ... das adverbium und die interjection wohl, das umstandswort aber wol oder gar woll schreiben und sprechen lehren'. bedeutung und gebrauch. wohl ist got. und in den westgerm. und nord. sprachen adv. zu dem adj. gut und hat wie dieses in der deutschen sprache ein weites anwendungsgebiet durch die aus der bedeutung 'zweckentsprechend, richtig' entwickelten abwandlungen wie 'deutlich, genau, schön', bzw. 'günstig, glücklich, angenehm'. darüber hinaus wird es in steigendem masze als beteuerungsadv. gebraucht, woraus wieder neue schattierungen erwachsen, wie 'wahrlich, sehr, vermutlich, ungefähr'. es steht bei transitiven und intransitiven verben, besonders oft bei partizipien, seltener bei adjektiven. es wächst häufig mit verb und besonders mit partizip zu syntaktischer komposition zusammen, was seit dem 16. jh. durch zusammenschreibung oft auch orthographisch zum ausdruck kommt. eine konkurrenz erhält das vollwort wohl (bene) durch das seit dem 13. jh. aufkommende adv. gut (s. o. gut, adj., teil 4, 1, 6, sp. 1227ff.), differenziert sich zum teil in der bedeutung von adv. gut oder gibt an dieses einzelne anwendungsgebiete ab, behält aber bis in die gegenwart nicht nur als beteuerungspartikel, sondern auch als vollwort breite verwendung. verstärkt wird wohl als vollwort mhd. und älternhd. durch genug, vast, vil, in älterer und neuerer sprache durch ganz, gar, herzlich, mächtig, recht, sehr, trefflich, überaus, ungemein, unvergleichlich, vorzüglich, und durch adverbiale ausdrücke wie aus den bünden, aus der maszen, über alle maszen, von herzen u. ähnl., von denen mächtig, trefflich als steigerung bei wohl im 19. jh. ungebräuchlich werden. abgetönt wird wohl häufig durch ziemlich, zu, nur zu, vgl.fast wol Keisersberg bilgerschaft (1512) b 4b; Dürer tageb. 52 Leitsch.; Luther w. 10, 1, 1, 158 W.; vil wol renner 12198 Ehrismann; Niclas v. Wyle translat. 9, 14; genuog wol Arigo decam. 47, 17 K.; 44, 5; gantz wol H. Sachs 1, 438 K.; Scheit Grobianus v. 1623 ndr.; 2743 u. o.; König ged. (1745) 61; Wieland, Göthe, Schiller u. a.; gar wol Arigo decam. 78 K.; Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 3 ndr. und allgemein bis in die gegenwart; hertzlich wol Musculus hosenteufel 21 ndr.; Ulr. Bräker; Lenz; Hölderlin u. a.; mechtig wol Scheit Grobianus v. 355 ndr.; Fischart Garg. 28 ndr.; recht wol Calepinus XI ling. 1241b; Göthe, Ayrenhoff, Langbein u. a.; sehr wohl Weckherlin 1, 65 F.; Chr. Weise erznarren 10 ndr. und allgemein bis heute; trefflich wohl Zinkgref auserles. ged. 18 ndr.; Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381b; überaus wohl Sleidanus reden 7 lit. ver.; Stranitzky ollapatrida 40 Wiener ndr. u. a.; ungemein wohl Herder s. w. 5, 276 S. u. a.; unvergleichlich wohl Lenz u. a.; vorzüglich wohl Steffens was ich erlebte (1840) 1, 155; aus den bünden wol Luther w. 26, 397 W.; ausz der maszen wol H. R. Manuel weinspiel v. 369 ndr.; über alle maszen wohl Moscherosch insomnis cura par. 42 ndr.; Kramer t.-ital. (1702) a. a. o.; von herczen wol Arigo decam. 130 K.; H. R. Manuel a. a. o. v. 1341 ndr.; nur zu wohl Bodmer samml. crit. ... schr. (1741ff.) 1, 9 u. a.; ziemlich wohl Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 52 und allgemein. verstärkung liegt sodann vor, wo sich wohl zu zwillingsformeln mit gut (wohl und gut, s. I A 5 b) und recht (wohl und recht, bzw. recht und wohl, s. I A 1), alliterierend älternhd. mit willig (willig und wohl, s. I A 5 d und o) bindet. über die formel wohl oder übel, wohl und weh s. I A 5 a β und 9 b. II. wohl als vollwort. I@AA. bei finiten verben. in der bedeutung 'zweckmäszig, richtig', woraus sich weiter 'sorgfältig, genau, gehörig', dann 'günstig, erfolgreich, glücklich, gesund', ferner 'angenehm, gefällig, schön' und 'reichlich, ausreichend' entwickelt. schon ahd., z. b.: filu thesses liutesin abuh irrentes ist er zi gotes hentiuuola cherenti Otfrid I 4, 38; thie zuene (knechte) es uuola zilotunioh uuola iz (das geld) merotun ders. IV 7, 75. vgl. ferner Graff 1, 831 ff.; auch mhd., s. mhd. wb. 3, 799a. nhd. wird wohl als vollwort bei finiten verbalformen durch das neu aufkommende adv. gut groszenteils abgelöst, bleibt aber neben adv. gut bis in die gegenwartssprache bei vielen transitiven und intransitiven verben in freiem gebrauch üblich, z. b. bei verben des handelns, der groszen gruppe von verben, die eine sinnesempfindung oder geistige tätigkeit bezeichnen, wie sehen, hören, fühlen, merken, denken, beachten, überlegen, bei intransitiven verben wie sein, werden, leben, fahren u. a.; manche verwendungen von wohl sind heute redensartlich gebunden, wo die ältere sprache noch freien gebrauch übte. in manchen fällen hat sprichwörtliche fügung wohl bei verben erhalten, bei denen es heute in freier verwendung durch gut abgelöst ist, z. b. wer gott vertraut, hat wohl gebaut; wer wohl schmiert, der fährt wohl u. a. I@A@11) bei tätigkeitsverben für 'zweckmäszig, richtig', bzw. 'der sitte, dem brauch gemäsz'. I@A@1@aa) wohl tun. ahd. belege bei Graff 1, 831 ff.; mhd. in mhd. wb. 3, 137b. nhd. häufig zusammengeschrieben, z. b. wolthun, rechtthun faire bien Hulsius-Ravellus (1616) 420a: ir thet wol, ir gemeinsampt euch meim durechten (vulg.: bene fecistis communicantes tribulationi meae) Philipp. 4, 14 erste dtsche bibel; wir meinten wol tuon, so haben wir übel getuon Arigo decam. 58 K.; ... das du sölichs ... billich und wol tuon mugest N. v. Wyle translat. 12 K.; weise sind sie gnug ubels zu thun, aber wol thun wollen sie nicht Jer. 4, 22. bei Luther und späteren autoren wiederholt auch wohl und recht thun, bzw. recht und wohlthun, s. Teller 1, 89; viel werden sagen, ich hab recht und wohl gethan Moscherosch insomnis cura parentum 14 ndr.; wol und werth thun H. Sachs 18, 91 K.-G. in der neueren sprache meist redensartlich auf bestimmte wendungen beschränkt, z. b. wenn der inhalt des richtighandelns durch inf. mit zu oder durch einen dasz- oder wenn-satz angegeben wird: Ausonius hat wol gethan, dasz er ... also übersetzet hat Chr. Weise polit. redner (1677) 28; der verfasser würde sehr wohlgethan haben, wenn er gesagt hätte ... Schwabe belustig. (1741ff.) 1, 249; wer ... etwas erweisen will, thut wohl, wenn er dergleichen trugschlüsse wegläszt! Kretschmann s. w. (1784ff.) 1, 34; ihr werdet wohl thun, wenn ihr euch ... blut abzäpffen lasset Stranitzky ollapatrida 208 Wiener ndr.; Herder s. w. 12, 57 S.; 21, 35; Jhering geist d.m. rechts (1852ff.) 2, 2, 659; G. Freytag ges. w. 14, 69; sie thun wohl, dasz sie mir zu verstehen geben ... schlesw. lit.-br. 220 lit.-denkm.; hätten se. heiligkeit nicht wohlgethan, sich einen andern jünger als den Petrus zum stammvater zu wählen? Hippel kreuz- u. querzüge (1793f.) 1, 299; bei schwer begreiflichen dingen thut man wohl sich auf diese weise zu helfen Göthe 24, 191 W.; 45, 87 W.; deswegen thäte man wohl zu schweigen IV 29, 229 W.; eine schauspielerin thut ... nicht wohl, die rolle dieser prinzessin ... zu wählen Grillparzer s. w. 15, 104 S. auch ohne nachsatz: da thut ihr wohl, da thut ihr wohl, das sind betrachtungen, die euch geziemen Schiller 12, 408 G.; meine mutter klag ich an, sie hat nicht wohlgetan; was sonst in ehren stünde, nun ist es worden sünde Storm s. w. 1, 89 Köster. allgemein er thut wohl daran mit und ohne nachfolgesatz. ihr thut wol dran voi fate bene Kramer t.-ital. (1702) 2, 1085a: sy thun wol daran, das sy ... Carolina 1, 81 K.; bevorab thut er wol daran, das er den ungestümen mann und schwetzer von dem hauffen treibt Spreng Ilias (1610) 18a; dasz Pauli manches wegliesz ..., daran hat er sehr wohlgethan Jac. Grimm kl. schr. 5, 14. ohne nachfolgesatz (elliptisch): ... auch er hat seine schwächen, die hat er und thut wohl daran Pfeffel poet. vers. (1812ff.) 6, 20. part. wohltuend, recht handelnd, nur in der älteren sprache: es wer ... sein bedüncken nit, das man den wolthuonden, die in ehren und tugent lebten, das ir nemen und es den unnützen leuten ... geben solt Carbach Livius (1551) 28b. part. wohlgetan als adj. s. u. wohlgetan, adj. wohl tun, gutes erweisen s. unten 5 a. I@A@1@bb) etwas wohl machen, richtig, klug, weise: die künstreichen steinmezen wissen das woll zuo machen, darumb ist nit not davon zu schreyben A. Dürer unterr. z. befest. d. stett (1527) b 3b. in der festen redensart gott hat alles wohlgemacht nach Marc. 7, 37 bene omnia fecit. schon in der Mentelbibel: er hat wol gemacht alle ding 1, 149, 32 Kurrelmeyer, ebenso Luther; gott, ... der bisher geholfen und alles, alles wohlgemacht hatte Hippel lebensläufe (1778ff.) 2, 379; Schopenhauer w. 3, 142 Gr.; Herwegh br. (1896) 272; W. Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 254; gott wirds wol machen dio lo farà bene Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381b: gott der allbarmherzige wirds wohlmachen Schubart bei D. Fr. Strausz ges. schr. 9, 65. frei verwendet: wegen einer ... geschichte wäre der herr pastor, der sonst alles wohlmachte, bey einem haar, übel angekommen Hippel lebensläufe (1778ff.) 3, 2, 537; die freunde habens wohlgemacht, drum bringe ihnen fern und nah den dank hier — Iphigenia Göthe 4, 275 W. dialektisch: es ist mer wol gmacht per me quidem nihil in hac re immutabitur ..., non repugno idiot. Bernense (1857) 78. part. wohlgemacht in adjektivischer funktion s. u. wohlgemacht, adj. I@A@1@cc) jemanden oder etwas wohl führen, leiten, regieren, verwalten, etwas wohl ordnen u. ä. für 'richtig, gehörig'. schon mhd.: darumb hat sú (die bücher) der diener der ewigen wisheit hie zuosamen gesezzet und wol gerihtet Seuse dtsche schr. 4 B. nhd.: denn würst du wol regiren andere lüt, wenn dich die vernunft regirt Keisersberg bilgerschaft (1512) c 2a; alle könige ... sollen daran sein, das recht und wol gericht werde Friedrich Wilhelm sprichw.-register (1577) a 2rb nr. 100; das ... gericht ist nach laut keyser Karls ... ordnung wol besetzt Carolina 1, 47 K.; kurtzer bericht, wie groszer herrn kinder wol unterricht werden sollen Lorichius pädagogia principum (1595) 1; die vormundschafft woll und getrew verwalten tutelam bene administrare nomenclator lat. germ. (1634) 461; sie sagten, s. maj. habe bisher wohl und weise regiert Ranke s. w. 1, 110; hüete ir ere und pflic ir wol schausp. d. mittelalters 1, 246 Mone; allein wer andre wohl zu leiten strebt, musz fähig sein viel zu entbehren Göthe 2, 147 W. I@A@1@dd) reflexiv sich wohl halten, richtig, gehörig verhalten: er hat ... ein eewib, der er unmäszlich hold war, wiewol si sich heimlich nit wol an im hielt Tschudi chron. Helvet. 1, 40; (Faust hielt dem diener vor) wie er ihn im testament bedacht habe, weil er sich die zeit seines lebens bey im wolgehalten volksb. v. dr. Faust 108 Br.; sich wol und werdsam halten Stumpf Schweizerchr. (1606) 147a; ich weisz mich wol zu halten, bin ja nicht mehr ein kind S. Dach in: Königsberger dichterkreis 28 ndr.; halte dich wohl, dasz einst die spätesten enkel dich preisen J. H. Voss Odüssee 41 B. (3, 200). verengt für 'wacker im kampf, tapfer, mutig': die knecht hielten sich wohl G. v. Berlichingen lebensbeschr. 70 B.; Herrmann schlägt viel, die sich wohl gehalten, zu rittern Lohenstein Arminius (1689f.) 1, 4; und ob es glükken möcht, dasz er in einem streite sich wol und tapfer hielt und machte frische beute, ... Rachel satyr. ged. 48 ndr. sich wohl anstellen u. ä., geschickt, klug: dem ungeachtet würde unser held sich vielleicht ganz wohl aus der sache gezogen haben Wieland Agathon (1766f.) 2, 75; dieser stellte sich so wohl an (als lehrling beim kaufmann), dasz er alle jahr seiner mutter von dem erwerb schicken konnte br. Grimm dtsche sagen (1891) 1, 97. I@A@1@ee) wohl sagen, sprechen, antworten, richtig, treffend: einer von den schreibern ... sach daz er (Jesus) in hett wol geantwurt (vulg.: quoniam bene illis responderit) Marc. 12, 28 erste dtsche bibel; Jhesus sprach zuo ir: wol hastu gesagt (vulg.: bene dixisti) Joh. 4, 17 erste dtsche bibel; ir ruoffet mir maister und herr und wol sagt ir ebda Joh. 13, 13; ob ich (Jesus) ubel hab geredt, so gibe gezeug von dem ubeln. wann ob wol (vulg.: bene), worumb schlechstu mich? ebda Joh. 18, 23; ebenso Keisersberg bilgerschaft (1512) b 6d, während Luther in allen drei Johannesstellen recht vorzieht; und alle, was do warlich und woll geredet wirt, heist euangelium (1521) Egranus pred. 64 Buchwald. der italianische poet sagt hierzu sehr wohl: ... Weckherlin ged. 1, 65 F.; Opitz hat solches ... gar wohl angemercket Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 14; das vorurtheil, wie sein name wohl bezeichnet, ist ein urtheil vor der untersuchung Göthe II 2, 18 W.; edler greis, du hast sehr wohl geredet J. H. Voss Odüssee 47 B. (3, 357). in der zwillingsformel recht und wohl reden u. ä.: recht und wohl getranferyeret N. v. Wyle translat. 9 K.; du redest wol und recht Amadis 98 lit. ver.; Plato saget recht und wol, dasz man ... Mangold marckschiff (1596) c 2; sie (die böse frau) möchte — woll und recht zu sagen — des mannes hutt und hosen tragen G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 18. I@A@22) aus der bedeutung 'zweckmäszig, richtig' entwickelt sich 'sorgfältig, genau'. I@A@2@aa) bei verben des behütens, haltens, verschlieszens u. ä. mhd.: ich bevilhe dir mit triuwenden holden wine mîn, daz tu mir wol behüetestden mînen lieben man Nib. 898 B. der sal ist wol beslozzen ..., jâ ist alsô verschranketdiu Etzelen tür: von zweier helde handendâ gênt wol tûsent rigele für ebda 1979 B.; nhd.: der richter (soll) bevelhen, das der verclagt durch den nachrichter ... wol verwart fur das gericht pracht werde Carolina 1, 47 K.; (sie) soll ihre ohren mit baumwolle wohl verstopfen A. v. Arnim w. 1, 24 Gr.; Merlino ... befahl ihm das pergament wohl zu verwahren Pfeffel pros. vers. (1810) 1, 164. reflexiv sich wohl hüten sorgfältig in acht nehmen: ich hütete mich wohl ..., von dieser bekanntschaft etwas laut werden zu lassen Holtei erzähl. schr. 2, 12; Friedrich Wilhelm hütete sich wohl, dem ... rate zu folgen Treitschke dtsche gesch. im 19. jh. (1897) 1, 244; (er) hütete sich wohl, sich in etwas zu mischen G. Keller ges. w. (1889ff.) 4, 223. I@A@2@bb) wohl lesen, schreiben richtig, genau, sorgfältig: du kanst nicht zu viel jnn der schrifft lesen, und was du liesest, kanstu nicht zu wol lesen, und was du wol liesest, kanstu nicht zu wol verstehen, und was du wol verstehest, kanstu nicht zu wol leren, und was du wol lerest, kanstu nicht zu wol leben Luther 53, 218 W.; lis es wol und mit urteil Zwingli v. freiheit d. speisen 19 ndr.; lisz wol disz büchlin offt und vil, und thuo allzeit das widerspil Scheit Grobianus 1 ndr.; ein überschrifft die jedermann ... gar wol hat können lesen P. Gerhardt bei Fischer-Tümprl ev. kirchenlied 3, 305; das schreibt euch wohl hinter eure ... ohren Storm s. w. (1899) 1, 9. I@A@2@cc) wohl hören, vernehmen, sehen genau, deutlich. wol sehen haver buona vista, wol hören haver l'udita buona Kramer t.-ital. (1702) 2, 1380b; der scharpff odder wol sihet oculatus ..., perspicax Alberus (1540) 74a: alss sie volbrachten solchen mordt, hats Jacob Metzger woll gehort Endinger judenspiel 22 ndr.; (er) schimpfen und scherczen ... gar wol vername Arigo decam. 36 K.; (der abt) wol vernomen het alle rede 69 K.; man hört am gesang wol was für ein vogel sprichw., schöne weise klugreden (1548) 38a; gut, mein ... Kristinchen, höre mich itzt recht wohl Gottl. Stephanie d. jüng. s. lustsp. (1771) 144; ich hörte wohl, wie du den boten ausfragtest Göthe 24, 4 W.; Alektryo, der das wehgeschrei ... wohl gehört hatte, ... schrie Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 5, 54. wohl sehen: nydt, hasz verbietten ir den leyen und sindt des lieben nydts so vol, das ir vor nydt nit sehen wol Murner narrenbeschw. 134, 157 Spanier; ich sehe ... nur zu wohl den ... ausgang dieses unternehmens Bodmer samml. crit.-poet. schr. (1741ff.) 1, 9; ich habe diese wundervolle stadt recht wohl gesehn Göthe IV 8, 34 W.; ich ... sehe nur ... zu wohl, dasz ich nie künstler werde IV 3, 89 W. in der neueren sprache häufig bei diesen verben des wahrnehmens abgleitend zur bloszen beteuerung oder konzessiven partikel (s. unten II B und C), wobei übergangsformen die zuweisung zum vollwort oder zur partikel unsicher lassen, z. b.: noch felt der mensch, kan ich wol schawen, wellicher mir das feld sol bawen Hans Sachs 1, 20 K. dem phraseologisch-abgeschwächten gebrauche (s. u. II B 1 d) nahe stehen fälle wie nu sichstu wol wie ein underscheid ist zwischen ... erste dtsche bibel 3, 9 Kurrelmeyer; du sichst nu wol, wie daz ich von liebe wegen der heiligen schrift bin gezuckt worden ebda 3, 31; er sahe wol, dasz ich keinen lust trug Grimmelshausen 2, 19 Keller; man sah wohl, dasz sie nicht zufall zueinander gebracht maler Müller w. (1811) 1, 84. I@A@2@dd) etwas wohl verstehen, begreifen u. ä. deutlich, genau, vollkommen: du hast mir genuog wol dein meinunge und note ze versteen ... geben Arigo decam. 47 K.; doby (bei auslegung einer beispielgeschichte) ist wol zuo verston ... Keisersberg bilgerschaft (1512) 1c; damit ... ihr mathematicam adeptam recht unnd wol verstehet Paracelsus opera (1616) 2, 402. wir verstehen wol, was ihr meinet Schottel friedenssieg 6 ndr. formelhaft versteh mich wohl Schiller 1, 56 G. I@A@2@ee) wohl spüren, empfinden, fühlen, deutlich, genau: man spürt wol, das menschenkinder dise eyer gelegt haben Seb. Franck Germ. chron. (1538) 81b; die schenckel empfindens wol, so mann auff stecken reit sprichw., schöne weise klugreden (1548) 158a; die gegenstände (der auszenwelt) dringen dergestalt gewaltig auf ihn (d. beobachtenden menschen) ein, dasz er wohl fühlt, wie sehr er ursache hat, ... ihre macht anzuerkennen Göthe II 6, 5 W.; ... weil ... jeder mensch wohl fühlt, dasz er das paradies verloren hat Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 5, 8; er fühlte wohl, dasz ihm recht widerfahre Aurbacher ein volksbüchlein (1835) 17; ich fühlte wohl, wie mein gesicht erblich A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 99. I@A@2@ff) etwas wohl bedenken, beachten, überlegen sorgfältig, genau, reiflich. in alle wege wol erwegen und betrachten Calepinus XI ling. (1598) 435a s. v. dispicio; etwas wol bedencken, ein ding wol betrachten, erwegen considerare, ponderare una cosa ben bene etwas wol in acht nehmen Kramer t.-ital. (1702) 2, 1380c: ein jeder ... verstenndiger selbs wol bedenncken khan ... Carolina 1, 24 K.; überlege es wohl Gerstenberg Ugolino 246 dt. nat.-lit.; bedenk dich wohl maler Müller w. (1811) 1, 127; die commandeurs ... müssen sich ... befleissen, dasz sie ... die distance ... wohl observieren reglement vor die kgl. preusz. cavallerieregimenter (1743) 1, 10; bleibt zu hause und seht wohl nach dem kinde Lenz schr. 1, 49 Tieck; vorerst nahm er sich wohl in acht Mörike ges. schr. (1905) 3, 34 Göschen; breit wohl deinen thaumantel um sie her, nimm wohl mir die kleinen in acht A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 1, 122. I@A@2@gg) jem. oder etwas wohl kennen, erkennen, etwas wohl ermessen, finden u. ä. genau, deutlich: das findet man hie nach wol Richental chron. d. Constanzer conzils 14 lit. ver.; nun kundt Romulus auch wol ermessen, ... das Rom ... Carbach Livius (1551) 5b; wann denn aus vorgehendem verzeichnis ... wohl zu befinden, dasz Schweinichen denkw. 12 Ö.; er erkenne ine dann gar woll (17. jh.) österr. weist. 2, 23; o Eva! du kennest wohl diese grotte; wie oft verweilten wir ... darin maler Müller w. (1811) 1, 30; ir sindt der Murner, ich kenn üch wol Th. Murner narrenbeschwörung 2, 3 ndr.; ja, weyser herr! ich kenn sie wol Hans Sachs 2, 4 K.; darmit du mögest wol erkennen, das ich dich übertreffe weit Spreng Ilias (1610) 5a; du kennst mich wohl, an die zu ewgem bunde dein strebend herz sich fest und fester schlosz Göthe 1, 4 W. etwas wohl gewahr werden: weiln aber niemand seiner eignen fehler so wohl gewahr wird als ein ander, ... Rachel satyr. ged. 4 ndr. I@A@2@hh) gut erhalten hat sich wohl bis in die gegenwartssprache in der vollbedeutung 'genau, deutlich' bei merken, bemerken, unterscheiden, sich erinnern u. a.: usz den worten merckt ein jeder wol, das ... Zwingli von freiheit d. speisen 5 ndr.; Carolina 1, 35 K.; 77; ich mercke wol, das es dich beist im hertzen Vogelgesang-Cochläus gespräch v. d. trag. Joh. Hussen 6 ndr.; ich habs wol gemerkt, wohin er ging Lenz ges. schr. 1, 71 Tieck; sie hatte wohl bemerkt. dasz die mutter ihn in den sack gesteckt Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 5, 53. in fester formel, nach lat. notabene: wohl zu merken, in dem augenblick ... vertilgte der teufel diese ... inschrift Klinger w. 3, 81; die millionen ... hat sie (die armee) erspart und, wohl zu merken, erspart an ihren eigenen mitteln Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 69. s. auch unten wohlgemerkt. ich erinnere mich wohl, wie ... Steffens was ich erlebte (1840) 1, 21; diese ... menschen sind wohl zu unterscheiden von der hefe des italienischen volks Justi Winckelmann (1866ff.) II 1, 162. I@A@2@ii) etwas wohl wissen genau, zuverlässig. to know it for certain Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2531: ich weisz wol, daz ... io conosco assai appertamente Arigo decam, 12 K.; daz pluote nyemant den adel geyt als ir wol wist 71 K.; so ir doch all drei wol wisset ... des churfürstens befelch Vogelgesang-Cochläus gespräch 8 ndr.; o, sollichs weisz ich selber wol Hans Sachs 1, 58 K.; wo, wie und wann ich sterben soll das weist du, vater, mehr als woll S. Dach 200 Ö.; ich weisz gar wol, was dran mangele Schupp schr. (1663) 2; ich weisz recht wohl, dasz daraus kein kunstwerk entsteht Göthe IV 29, 19 W.; er wuszte sehr wohl, was er that Ranke s. w. 3, 19; ich weisz wohl, wo die wurzel des übels steckt Fontane ges. w. I 1, 55; diese menschen ... sind unerbittlich und sie wissen wohl, wer unter ihnen obenan steht Pückler briefw. u. tageb. 3, 395. häufig verblaszt zur beteuerung oder zur bedeutung 'vermutlich, allerdings, zwar' (s. unten I C und II). I@A@33) bei intransitiven verben wie leben, fahren, gehen, stehen, und reflexiven wie sich gebühren, schicken, ziemen für 'gehörig, dem sittengesetz entsprechend'. I@A@3@aa) wohl leben: eyn lerer, der ... gepott gebe, wie man frum seyn und wol leben solle Luther 10, 1, 1, 469 W.; lebstu wol, so stirbstu wol Eyering proverb. copia (1601ff.) 3, 159; der lebt nit ubel der wol lebt und nach zucht und eren strebt Murner badenfahrt 103 Michels. heute ungebräuchlich. wohl leben üppig leben, s. unten 5 m. I@A@3@bb) wohl fahren sich richtig verhalten, (sittlich) richtig handeln (16. jh.): im anndern tail bemelts puochs steen beschriben jhen, die bis in ir ende wolfaren und in guotem verharren Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 132 Reithm.; solchs wolten wir dir, in der warheyt dester stadtlicher zu wercken und zu wolfaren, genediger meinungen nitt bergen (a. 1537) könig Ferdinand i. bei Luther briefw. 8, 33 W. in neuerer sprache auszer gebrauch. wohl fahren glück haben, gesund sein s. unten 5 n. I@A@3@cc) etwas steht wohl paszt, geziemt, oder ins ästhetische gewendet, ist schön. wolstehen, zieren, feinstehen, ... esser conveniente Hulsius-Ravellus (1616) 420a; decere, convenire Dentzler clavis ling. lat. (1716) 356a; es steht wol decet Calepinus XI ling. (1598) 374a; was wolstehet what is ... decent, ... handsom, fine or pretty, what looks ... pretty Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2530. schon mhd.: ... grön ist ain frölich claid, die varb ziert und statt wol, grön macht die welt fräden vol liederbuch d. Hätzlerin 167 H. nhd.: besonders stehet wohl, wenn sie (die wangen) denn äpffeln gleich Henrici ernst-, scherzh. und sat. ged. (1727) 1, 389; es ist nichts lächerlicher, als wenn eine frau in ihrem vierzigsten jahre sich noch nicht von den zierathen losreiszen kann, die ihr im zwanzigsten wohlgestanden haben Joh. El. Schlegel w. (1761ff.) 5, 195. sittlich gewendet: alles, daz nach rechter vernunfft daz böst (beste) ist, wol stet und zimlich ist St. Fridolin dtsche pred. 45 Schmidt; hoffzucht am tische stehet wol Petri d. Teutschen weiszheit (1604f.) 2, J i 3a; wohlstand (ist), was wohlsteht, wohlanständig ist und sich ... wohl schicket Gottsched beob. (1758) 429; ein armen verstending verschmehen und einem reichen ehr verjehen ..., das steht nicht wol zu keiner frist Hans Sachs 19, 41 K.-G.; doch so du eingenestelt bist und dir der bauch gewachsen ist, so nestel dich nit auff zu mol, das wer zu grob und stünd nit wol Scheit Grobianus v. 616 ndr. mit dat. der person: (die gelehrten) haben ... ein gehaltenes wesen, das ihnen sehr wohlsteht G. Freytag ges. w. (1886ff.) 6, 254; dem gewaltigen, dem klugen steht alles wohl und er erlaubt sich alles Göthe 10, 145 W. (Tasso 2, 1). I@A@3@dd) mit dat. der person häufiger wohl anstehen für convenire. nomenclator (1634) 241; Rädlein 1, 1070a; das einem wol ansteht Calepinus XI ling. (1598) 376b s. v. decorum: stat im aber daz auch wol an? ist aber daz auch billich? hocine illo dignumst? Boltz Terenz deutsch (1539) 90a; sich ... also verhalten, wie das keinem christen wohlanstehen ... wolle acta publica 7, 260 P.; pastoren würde ... handarbeit wohlanstehen W. F. Besser bibelstunden (1877) 3, 895; wass ich befohlen, dass hastu thon, wie woll anstoht einer matron, die ihrem heren ghorsamb ist Endinger judenspiel 37 ndr.; dann was dir steht daheim wol an, kein frembder das nit schelten kan Scheit Grobianus v. 1608 ndr.; der mensch hat nichts so eigen, so wol steht ihm nichts an, ... S. Dach 707 Ö. passen, erwünscht sein: den Griechen als ein küner mann steht er in disem streit wol an Spreng Ilias (1610) 7a. I@A@3@ee) ähnlich mit und ohne dat. es gebührt, ziemt sich, schickt sich wohl: sie ist also auffzogen als dir und ir wolgebürt (dignumst) Boltz Terenz deutsch (1539) 49b; wie sich ... irem standt nach wol zimpt und gebürt d. kayserl. majestat cammergerichtsordn. (1555) 8b. es will uns unsere fähl mit ander leuten lastern zu beschönen nicht wol gebüren Scheit Grobianus 4 ndr.; ich stee in angst, wie wol mir längst het wolgepyrt bey dir zu suchen hilff und gyrt Hans Sachs 22, 89 K.-G.; fürwar es schicket sich nit wol, das ein fürst rath und weiszheit voll ... die nacht mit schlaffen gantz zubring Spreng Ilias (1610) 14b. I@A@3@ff) wohl passen, stimmen, reimen. das ... nicht wol zusammen stimpt discordabilis Calepinus XI ling. (1598) 432b: wennss ynn des vaters person geredt were, sso stymptet es mit der schrifft fast wol Luther 10, 1, 1, 158 W.; (zu einem wüsten hut) so reimpt sich mechtig wol darzuo ein grosz par alter bschiszner schuo Scheit Grobianus v. 355 ndr.; Lykaons ... panzer zog er vor die brust, denn dieser paszt ihm wohl Bürger s. w. 154 B. I@A@3@gg) es ist wohl (und gut) s. u. 5 b. I@A@44) aus 'zweckmäszig' entwickelt sich die bedeutung 'günstig, glücklich', so bei den verben stehen, gehen, gedeihen, geraten, glücken, anschlagen u. ä. in älterer sprache auch in freiem gebrauche bei tätigkeitsverben, z. b. die beste beut, die er ... hatte, war meines obrist leutenants küris, welchen er ... zimlich wol (zu günstigem preis) verkauffte Grimmelshausen Simpl. 180 Scholte. I@A@4@aa) wohl stehen sich günstig befinden, auf körperliches befinden bezogen, aber auch in sozialem und wirtschaftlichem sinne. wohlstehen floriren, blühen Spanutius (1720) 247. schon mhd., s. mhd. wb. 2, 2, 571f. I@A@4@a@aα) mit persönlichem oder sachsubjekt. er stehet gar wol floret opibus et felicitate Stieler (1691) 2127: (ich will sie) mit einem manne ... versechen, daz sy ir lebtag wol sten sol Arigo decam. 130 K.; weltlich gebot ... sihet darauff, das land und leute wol stehen ym friden und zunemen an gütern, haus, hoff, weib, kind Luther 26, 587 W.; da ist der römisch gmein nutz ... wolgestanden C. Hedio chron. Germ. (1530) O 1b; als nun alle feynd der Römer gestillet und ... anjetzo die geiss (wie man spricht) wolstuond, ... Stumpf Schweizerchron. (1606) 170a; das es (das vaterland) ... griene und wol stehe Brandis ehrenkräntzel (1678) 131; wol denen, so die welt hassen, ihr kreutz auf sich fassen und Christo demütig nach gehn, denn sie werden wol stehn M. Weisze bei Wackernagel kirchenl. 3, 270. auch nd. dat schipp steit wael, dar ein erfarner schipper inne is Lüpkes seemannsspr. (1900) 17, 212. jetzt nicht mehr üblich. I@A@4@a@bβ) es, die sache steht wohl: dieweyl sy (die heiligen) dort für uns got gepeten, ist es wol zuo Saltzburg gestanden Berth. v. Chiemsee teutsche theol. 161 Reithm.; diser philosophisch keyser meynet, es kündt nit wolstehn in einer statt, die regenten weren dann philosophi Seb. Franck Germ. chron. (1538) 26a; wans wolsteht, so sindt wir all guot regiert ders. sprüchw. (1545) 1, 14a; Göthe IV 12, 224 W.; hetten wir alle einen glauben, gott unnd den gemeynen nutz vor augen, guoten friden und recht gericht, ... so stünd es wol in aller welt sprichw., schöne weise klugreden (1548) 73b; ein jeder lern sein lection, so wird es wol im hause ston Eyering proverb. copia (1601ff.) 2, 125; sein sach stund ausz der maszen wol Spreng Äneis (1610) 29a; das aber weisz ich, dasz es ... in der religion uber alle maszen wohl stehet Moscherosch insomnis cura par. 42 ndr. I@A@4@a@gγ) wolstehen umb einen ... optimo in statu esse Dentzler clavis ling. lat. (1716) 356a; es stat wol umb mich, es gat mir wol und glücklich bene mecum agitur Frisius dict. (1556) 65b; es stehet sehr wol um ihn, ses affaires vont trés-bien Frisch nouv. dict. (1730) 678: gehe hin und sihe, obs wol stehe umb deine brüder (vulg.: si cuncta prospera sint erga fratres tuos) 1. Mos. 37, 14; die sach ... nit wol umb meinen lieben ritter ston soll Wickram w. 1, 5 B.; als es umb Troja noch wol stund W. Spangenberg bei Dähnhardt griech. dramen 1, 254. auch wohl stehen mit jem. oder etwas: es stehet wol mit ihm, er ist wohlhabend Rädlein 1, 1069b. wohl stehen geziemen, gefallen s. o. 3 c. I@A@4@bb) wohl gehen. fortunare wolgen (nd. 15. jh.) Diefenbach gloss. 244b; feliciter, bene succedere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 355b. meist unpersönlich es geht wohl, günstig, wofür in der gegenwartssprache üblicher es geht gut: also bit ich, wann es wolgangen ist, das wir verzeren frölichen tag (quando hoc bene successit) Terenz deutsch (1499) 103b; gehet es wol, so halt an dich, gehet es übel, so sey klug in dextra quidem fortuna moderatus esto, sinistra autem prudens Bas. Faber thes. (1587) 607b; mein thun und trachten ... stehet dahin, dasz es in des königes ländern möge wolgehen engl. com. u. trag. (1624) d 6a; wenns wohl gehet, ist gut rathen Spanutius (1720) 631; sollst dann sehen, wie wohl alles gehen soll maler Müller w. (1811) 1, 133; wenns wohlgeht, wird man frech, wenns übel geht, verzagt Chr. Wernicke poet. vers. (1704) 211. mit dat. der person auf körperliches, seelisch-sittliches und ökonomisches befinden bezogen. es gehet ihm wol secundis rebus utitur Wiederhold (1669) 425b. es geht mir wohl mes affaires sont en bon train Frisch nouv. dict. (1730) 677: ich bin nit hässig meinem nächsten, so es mir wolgat A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) b b 1b; wenn es euch wolgehet, so gedencket unser auch Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) r 1a; do hatt das concilium ain ... crützgang ... umb das gott den küng behüti und im gelük zuoschib und das es im wol gieng Richental Constanzer conzil 82 lit. ver.; das du haltest seine ... gebot ..., so wird dirs und deinen kindern ... wolgehen (vulg.: ut bene sit tibi) 5. Mos. 4, 40. ebenso im vierten gebot 5. Mos. 5, 16: du solt deinen vater und deine mutter ehren, ... auff ... das dirs wolgehe (ut bene sit tibi in terra) bei Luther bis herauf in die gegenwartssprache, s. Hippel lebensläufe (1778ff.) 1, 296; Tieck schr. (1828) 5, 54; O. Ludwig ges. schr. (1891f.) 2, 320; Storm s. w. (1899) 5, 200; und obs bösen buben biszweilen auch ein zeitlang gereth und wolgehet, so weret es doch die lenge nit Mathesius Sarepta (1571) 25a; wer den herren fürchtet, dem wirds wohlgehen in der letzten noth Reinicke fuchs (1650) 321; August kommt ... von Heidelberg zurück, wo es ihm ganz wohlgegangen ist Göthe IV 21, 68 W.; als ich ... hier weilte und es mir wohlgehen liesz W. Schäfer wendekreis neuer anekdoten (1937) 37. im sprichwort: alst dem herden ovel geit, so geit it den schapen nicht wol tristantur pecudes laeso pastore fideli Tunnicius sprichw. 58 H.; gehets einem wol, so gehets dem andern ubel Lehman floril. polit. (1662) 1, 368. körperlich. es geht mir wohl ich bin gesund: ich habe mich ... zurecht geschlafen und es geht mir wieder wohl Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 222. allgemein. I@A@4@cc) in gleicher bedeutung wohl ergehen, unpersönlich es ergeht wohl gedeiht, gerät: ach das man gedecht an gots wordt, so ergings woll an allem ort Musculus hosenteuffel 5 ndr. meist mit dat. der person: es ergeht mir wohl gerät mir zum guten, schlägt günstig für mich aus, im gegensatz zum übelergehen. auch verengt auf rein körperliches befinden bezogen 'ich befinde mich wohl, bin gesund': sich frewen, wann es jemandts wol ergangen ist Calepinus XI ling. (1598) 307b s. v. congratulor; gott spricht: auf dasz dirs wohlergeh Stoppe Parnasz (1735) 403; sie werden ... in die sachen ihres fürsten sich nicht anders mischen als mit ... dem wunsch ihres herzens, dasz es ihm wohlergehe K. L. v. Haller restaurat. d. staatswiss. (1816ff.) 1, lxiv, 6; die stadt ..., in welcher es ihm so wohl erging G. Keller ges. w. (1889) 5, 30. sprichw.: dem es wohlergeht, der hat manchen freund Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 255a. als wunschformel, z. b. im briefstil des 18. jh.: möge es dir wohlergehn! Göthe 27, 287 W.; dem herren must du trauen, wann dirs sol wol ergehn P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 373a; himmel, lasz es, wie wir flehen, unserm könig wohl ergehen Neukirch ged. (1744) 5; besser wäre es, wenn alles nur ein reiseerlebnis bliebe. mochte Erdmann Iken fröhlich wandern! mochte es ihm wohlergehen! Aug. Winnig wunderb. welt (1938) 258. I@A@4@dd) ähnlich wohl aus-, wohl abgehen bene succedere Dentzler a. a. o. 355a; feliciter cadere idiot. Bernense (1857) 78: es geht selten wol aus, was ohn raht angefangen wird Eyering proverb. copia (1601ff.) 2, 488; wanns wohl abgehet, so will ich dir einen ... rock ... schencken Grimmelshausen 2, 334 Keller. mit dat. der person: so spricht man, wenn uns ettwas wol abegeht und lustig folgett: es fleust yhm tzu Luther 10, 1, 1, 548 W. I@A@4@ee) wohl ausschlagen, gedeihen, gelingen, geraten, glücken, anfangen, enden. wollgerathen ... wolgehen ... wolauszschlahen ... wol schlaunen feliciter cedere Schöpper synon. (1550) d 7a; wolgedeihen ad frugem pervenire Stieler (1691) 307, meist mit dat. der person: in den letzten jahren bliebe Carolus mehrentheils zu Achen, weil ihm der gebrauch des dasigen warmen bades über die maszen wohl ausschluge Hahn vollst. einleit. zu der ... hist. (1721) 1, 72; alles was er unternahm, gedieh wohl unter seiner hand Musäus volksmärchen 1, 6 H. wohl gelingen prospere cedere, felicem exitum habere Stieler (1691) 1069: wo find ich aber ein sicher stett? auch drauszen, da mir wol geling? Hayneccius Hans Pfriem 24 ndr.; dasz ich es wol vollbring ... und mir alls wolgeling J. Stegemann bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 2, 482; ... wies im so wol gelungen sey und sey im alls nach wunsch ergangen Scheit Grobianus v. 2100 ndr.; ist es ... je einmal so wol gelungen, dasz wir dir, o Königsberg, etwas gutes vorgesungen, ... Königsberger dichterkreis 65 ndr.; als es ... denen in England wohlgelungen war, gefiel es ihnen dort ... so gut, dasz ... Dahlmann gesch. von Dännemark 1, 95; wer einen thoren fragt, dem gelingt es selten wohl Jac. Grimm kl. schr. 4, 336; Wackenroder herzenserg. (1797) 50. part. wohlgelungen s. u.wohlgelungen, adj. wohl geraten glücken s. o. geraten teil 4, 1, 2, sp. 3575ff., ferner Wiederhold (1669) 425b: es gerät ainem menschen wol, dem es (das ungewächs der hörner) oben auszstoszet, wann wo es sunst auszbräch, so sturbe der mensch (1509) Fortunatus 124 ndr.; frage gott, das wir erfaren, ob unser weg, den wir wandeln, auch wolgeraten werde (an prospero itinere pergerent) richter 18, 5; und was er vornimpt, thut und ticht, dasselb mus wol gerathen Ringwaldt handbüchlin (1586) a 4b; aller anfang sol in gottes namen geschehen, auff das es wol gerahte Petri d. Teutschen weiszheit (1604f.) 1 a 2a; sprichw.: wann es wol gereth, so sinds alle gut hebammen Eyering proverb. copia (1601ff.) 3, 374; Grimmelshausen 2, 355 Keller; boden mischt sich neuen saaten, rank auf ranke senkt sich nieder, der natur ists wohl gerathen Göthe 3, 122 W. auch bei sach- und personalem subjekt: reicher ... leut kinder geradten selten wol sprichw., schöne weise klugreden (1548) 72b; die frucht unnd die schaaff werden wolgerathen, aber ehrliche leute werden dahin sterben M. Herr d. feldbau (1551) 20a; arvales fratres priester, ... so den göttern opfferten, damit wein und korn wolgeriete Calepinus XI ling. (1598) onom. 44b; möge dir alles wohlgerathen Göthe IV 36, 113 W. der imperativ (es) gerate wohl als subst. für gutes, bzw. ungewisses gelingen in der adverbialen wendung aufs geratewohl noch in der gegenwartssprache allgemein, s. o. teil 4, 1, 2, sp. 3577; auff wolgerat C. Huberinus spiegel d. hauszucht (1553) 178a. part. wohlgeraten s. u.wohlgeraten, adj. wohl glücken: das berckwerck thut mir wol gelücken Hans Sachs 1, 439 K. wohl anfangen, enden: es leit nicht am wol anfahen, sondern am wol enden Friedrich Wilhelm sprichw.-register c 2r nr. 156. I@A@4@ff) wohl kommen gelegen kommen. wohlkommen te stade komen, aangenaam zyn, ter gelegenen tyd ... komen Kramer-Moerbeek (1768) 424c; zs. f. dtsche wortforsch. 15, 309. der selten kompt, kommet wol sprichw., schöne weise klugreden (1548) 155a; Lehman floril. polit. (1662) 1, 486. meist mit dat. der person für 'jemandem erwünscht kommen, bequem, von nutzen sein, anstehen'. wolkommen einem bono esse alicui, ... gratum, optatum accidere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 355b: und froid in seinem herzen hab an allem dem, das im wolkommet Keisersberg seelenpar. (1510) 9b; mit sinem vych fert er durch und durch, wo es im geliept und wolkompt (a. 1525) d. dtsche bauernkrieg, aktenband 182 Franz; (ketzer,) die Paulum nit annemen und allein ausz beden testamenten das ynen wolkummet, herausskluoben Hedio chron. Germ. (1530) h 5a; wär das podagra hat, mache im stiffel ausz biberbelgen, es kumpt im wol Herold-Forer C. Gesners thierbuch (1563) 23b; (du sollst) der erst in d platten greiffen ..., dann diser brauch dir nützlich ist in allen zechen, wo du bist, und kompt dem bauch und magen wol Scheit Grobianus v. 701 ndr.; die hülffe, so du glaubst vom teufel her zu zwingen, scheint zwar, sie komm dir wol, ist aber so bewand, ... Grimmelshausen 2, 501 Keller. im 18. jh. veraltend: hier werf ich meinen dolch weg ... und dis fläschgen mit gift, das mir noch wohlkommen sollte Schiller 2, 107 G. (räuber 2, 3). landschaftlich noch gebraucht: das buech ist mer mängmal wol cho liber iste mihi saepe fuit magnae utilitatis idiot. Bernense (1857) 78. heute allgemein etwas kommt mir wohl zu statten, wo wohl in seinem gehalte zu einer bloszen verstärkung abgeschwächt ist: dasz ich von jugend auf ein geschick gehabt hatte ..., kam mir jetzt wohl zu statten Göthe 21, 28 W.; sein fleisz und seine thätigkeit ... kamen dem lande wohl zu statten Just. Kerner bilderbuch (1849) 15. I@A@4@gg) wohl bekommen zuträglich, dienlich, gesund sein, mit dat. der person, von speise und trank und allgemein von einer handlung oder einem zustand gesagt. esse alicui bono einem ... zuträglich seyn, wol bekommen Corvinus fons lat. (1646) 108; utilem esse Stieler (1691) 1004; diese artzney ist ihm sehr wol bekommen Rädlein 1, 1070b: sprach, das sölt ym nymermer wol bekommen, und zucket von leder (1509) Fortunatus 151 ndr.; dennen bekam das so wol als dem hund das grasz (1515) Till Eulenspiegel 11 ndr.; was einem fügt oder wolbekompt, das schad dem andern Petri d. Teutschen weiszheit (1604f.) 2, Y y 3b; nüchtern tantzen und nüchtern weinen ist wolbekummen gar nie keinen Hans Sachs 14, 325 K.; hastu etwas für dich genomen, das dir nit gar will wol bekomen, ... würffs in die schüssel, dasz es schmatz Scheit Grobianus v. 776 ndr.; als nun der gast die mahlzeit eingenommen ..., da sieht man recht, wie es ihm wohlbekommen, denn freundlich, wie ein engel blickt er drein Uhland ged. (1898) 1, 363; der wein ist mir von jeher wohl bekommen E. M. Arndt s. w. 1, 54 R.-M.; in Carlsbad, wo mir die cur sehr wohl bekam Göthe IV 32, 50 W.; IV 27, 140 W.; sahet ihr je, ... dasz ihnen der körperlose flug wohlbekommen wäre? Herder s. w. 15, 146 S.; das lange sitzen ... bekommt ihm nicht wohl maler Müller w. (1811) 2, 10; den thieren bekam die reise ganz wohl Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890ff.) 7, 14. als wunschformel und zutrinkspruch wohl bekomms!: wohl bekomme es ihr, frau mutter! Chr. Reuter ehrl. frau zu Plissine 22 ndr.; wohl bekomms, Valerio! G. Büchner nachgelass. schr. (1850) 185; fräulein Rosa, wohl bekomms ..., herr von Gordon, ihr wohl! Fontane ges. w. I 4, 285. beim niesen: Urgockel ... nieszte sehr heftig und graf Gockel sagte ... ernsthaft: wohl bekomms! Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 5, 72. I@A@4@hh) in elliptischer wendung. es will wohl es entwickelt sich günstig, glücklich: als it wol wil, so kalvet de osse Tunnicius sprichw. 43 H. redensartlich, ironisch: es hat sich wohl: die leute meynen, wenn ein lehrer ... fein viele stücklein ins buch schreibet, ... so sey es alles gar herrlich bestellet. es hat sich wol! Matthesson kl. generalbaszschule (1735) 83; gott sei gelobt, dasz meine vorstellungen gefruchtet haben! (Montaigne:) ja, hat sich wohl! eure vorstellungen! Grillparzer s. w. 11, 54 Sauer. weitere belege s. o. teil 4, 2, 67f. unter haben. I@A@4@ii) wohl fahren glücklich, erfolgreich sein, glück haben, gedeihen. prosperare Hulsius-Ravellus (1616) 418b; secunda fortuna uti Wiederhold (1669) 425a; Frisch nouv. dict. (1730) 676; être heureux Schrader dtsch-franz. wb. 2, 1646. schon mhd., s. mhd. wb. 3, 244b; ach, wär ich hingerunnen in wasser vor zehen jarn und wär mein sel wol gefarn, das nem ich ferr für ditz leben! liederbuch d. Hätzlerin 156 H.; las dichs nicht verdrieszen, das gott sie (die bösen) so lest wolfaren Luther 19, 555 W.; ein ... weib, mit der ein mann ... treflich wohl fahren würde U. Bräker s. schr. (1789f.) 1, 254; trewen bulern wiederfehrt kein schade ..., wer recht liebt, fehrt wol zu land und meer Königsberger dichterkreis 52 ndr.; o wie wohl bin ich gefahren, dasz ich bey den lehren blieb, ... die den weisen thorheit waren Neukirch ged. (1744) 54. in der gegenwartssprache veraltend, nur mehr im abschiedsgrusz fahr wohl (s. u. 5 n) häufiger gebraucht. I@A@4@kk) mir geschieht wohl mir widerfährt gutes, habe gewinn, glück: wie wol ist dem geschehen, den du mit einem reinen ... gatten hast begattet! ackermann aus Böhmen cap. 9 Bernt-Burdach; so mag mir nymer ewigklich wol syn noch wol geschechen St. Fridolin dtsche pred. 121 Schmidt; darümb ... Scipioni ... in seinem tod wol und mir übel geschehen ist Schwarzenberg Cicero (1535) 67b; und wo ich solt mit todt abgahn, also verlassn die tochter mein in dem reich unverheiret sein, so würt ir nit wolgschen Hans Sachs 13, 441 K.-G.; mir gschech gleich drob wol oder weh ders. 13, 225 K.-G.; ein David wird erhöht, weil es des höchsten wille, und so musz allemahl den seinen wohlgeschehn Neukirch anfangsgründe (1724) 462; wie wohl ist ihm geschehen, dasz er gestorben ist E. M. Arndt s. w. 5, 103 R.-M. I@A@55) dem gefühle angenehm. es ist die in der neueren sprache am stärksten empfundene bedeutung von wohl, daher von Adelung 4, 1592 an die spitze aller gebrauchsarten des wortes gestellt und in dieser subjektiven bedeutung in der neueren sprache am deutlichsten vom adv. gut differenziert. 'gut ist ... was seine gehörige vollkommenheit hat ..., wohl ist was sich dem gefühl als gut ankündigt, in dem es mit vergnügen und zufriedenheit empfunden wird' Eberhard-Maasz synon. (1795ff.) 3, 326. schon ahd. (bei den verben sein, tun u. a., s. unten) und mhd., s. mhd. wb. a. a. o.; was war das doch für ein eigenes gefühl, wohl und weh zugleich! O. Ludwig ges. schr. (1891f.) 1, 208; der himmel mit den lenzgewittern der erde wohl zum herzen drang Lenau s. w. 472 Barthel. die grenze zwischen der mehr objektiven bedeutung 'zweckmäszig, günstig, glücklich' und der subjektiven 'angenehm' bleibt flieszend, besonders in den fügungen wohl tun, wohl leben, sein, werden u. a. wohl nähert sich objektiver wertung, wo die bedeutung von 'angenehm' einerseits zu 'schön', andererseits zu 'gesund' übergeht. I@A@5@aa) wohl tun. zur bedeutung 'zweckmäszig, richtig handeln' s. o. 1 a. in subjektivem sinne von 'angenehmes erweisen' in breiter verwendung. I@A@5@a@aα) bei personalem subjekt. benefacere wael doen (a. 1420) Diefenbach gloss. 71c; Stieler (1691) 2352: was kan wehe thun, wenn gott wol und sanffte thut? Petri d. Teutschen weiszheit (1604f.) 1, f 5b. meist mit dat. jemandem wohl tun, freundliches erweisen, schon ahd. (z. b. Otfrid III 7, 30) und mhd., aber auch ags. (s. Grein sprachschatz 769 Köhler), mhd. belege in mhd. wb. 3, 135b, vgl. noch mhd.: ga hin und nim das kint zuo dir! tuo im wol und wis im holt alse du ze rehte solt Rudolf v. Ems weltchron. 5086. verengt und aus der sphäre des rein subjektiven abrückend 'gutes tun, wohltat(en) erweisen, förderlich sein': welher den bösen wol tuot, der würt selten belönet Steinhöwel Äsop 89 lit. ver.; die haben die guoter ... in dasz closter gepauet und dem closter wolthon Knebel chron. von Kaisheim 118 lit. ver.; thut wol denen, die euch hassen Matth. 5, 44; ebenso schon die bibelübersetzer vor Luther für vulgata benefacite his, qui oderunt vos, s. erste dtsche bibel 1, 21, 38 Kurr., vgl. auch Luther 1. Mos. 32, 9; richter 17, 13; er lehrt ... den armen wohl zu thun A. W. Schlegel in: Athenäum (1798ff.) 2, 318; dem nächsten wohlzuthun, gott im geschöpf zu ehren und lastern zu entfliehn sind seine christenlehren Triller poet. betracht. (1750) 2, 280; ... strafen heiszt dem jüngling wohlthun, dasz der mann uns danke Göthe 10, 169 W. (Tasso 2, 5). mit elision des dat.: so viel ist unser leben für ein wahres leben zu schätzen als man darin wohlthut Leibniz dtsche schr. (1838) 1, 425; es können ja nicht alle menschen ... wohlthun wie sie wünschen, dazu wäre der gröszte reichtum nicht grosz genug Stifter s. w. (1901ff.) 5, 1, 127; jene hand, die gern und milde sich bewegte wohlzuthun Göthe 1, 120 W. I@A@5@a@bβ) in der rein subjektiven sphäre bleibt wohl tun bei sachlichem oder abstraktem subjekt und bei unpersönlichem es. etwas, es tut wohl, ruft ein behagliches gefühl hervor, bereitet lust, ist angenehm. wolthun ..., süsz schmecken Corvinus fons lat. (1646) 287 s. v. dulcesco; es thut wol suave, jucundum est Dentzler clavis ling. lat. (1716) 356a: was im anfang wolthuot, thuot im ende wee Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 66b; jucken, buln, borgen, sauffen voll thut gar ein kleines weilchen wol Eyering proverb. copia (1601ff.) 3, 109; es thut so wohl, sich als ein ... schoszkind der gottheit anzusehen Klinger w. (1809ff.) 3, 163; eine ... rücksichtsvolle behandlung thut unendlich wohl Immermann 1, 117 Boxb. meist mit personalem dat.: im jenner man nit (ader-)lassen sol, warm feuchte speisz die thuot dir wol d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) a 2a; es hat mir alles wöler gethan als den reudigen das strigelen Fischart Garg. 211 ndr.; (ein paradies,) in welchem alles, was dem menschen auff erden behäglich unnd wolthue, gantz überflüssig vorhanden sey Lorichius pädagogia principum (1595) 45; so wird es ihm ... heimlich wolthun, wenn er ... mit einer ehre gekützelt wird Chr. Weise polit. redner (1677) 188; eine warme stube und ein gutes bett thut einem wol im winter Kramer t.-ital. (1702) 2, 1085a; 1380b; zusprache von meinen freunden thut mir itzt desto wohler, je nöthiger mir sie ist Lessing 18, 269 M.; mir hat an dieser kleinen abhandlung ... alles wohlgethan Göthe IV 42, 213 W.; die allgemeine teilnahme that ihr ... wohl O. Ludwig ges. schr. (1891f.) 2, 66; ihre (der mutter) blicke thaten ihm bis ins innerste wohl W. Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 166; darauf brachte man kaffee, der uns halberstarrten sehr wohl that Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 129; jeder hört am liebsten was ihm schmeichelt und wohltut Fontane ges. w. I 5, 90; 200; 6, 342; bei Göthe in diesem subjektiven sinne von 'lust, behagen bereiten' auch bei personalem subjekt: der herzog ist lustig und thut der gesellschaft wohl IV 8, 6 W.; Wieland thut mir noch am wohlsten IV 3, 87 W. förderlich, heilsam sein, nützen: wer sich nun der brustkranckheit besorgt ..., der trinck ... disz wassers ..., dann es lungen unnd lebern wol thut Osw. Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 202; eine fahrt auf das land ... soll dir wohlthun H. Laube ges. schr. (1875ff.) 4, 4; o prueder wie thuet dier der trunck so wol! altdtsche passionssp. 479 Wackernell; und gleich wie schlaff dem leib wolthut, so kompt kurtzweil dem gmüt zu gut Fischart Garg. 2 ndr. in der alliterierenden bindung wohl und weh, bzw. wohl oder weh tun. schon mhd.: er hatt an mir geprochen, das tuott mir wol und we! liederbuch d. Hätzlerin 78 H.; ja fraw, er (der wein) thut euch wol und wee pfarrer von Kalenberg 54 ndr. in der beteuerungsformel es soll mir wol und (bzw. oder) weh tun gleichviel wie es ausfällt, für alle fälle, s. Vilmar kurhess. idiot. 457; Schmeller-Fr. 2, 892: es tü wol oder wee, sy (die liebe) müsz der tod vertreiben liederbuch d. Hätzlerin 243 H.; ich wil das lassen bleiben, ... was er (der priester) da sagt, das sol mir wol und wee thuon (1515) Eulenspiegel 108 ndr.; do wurdend die eydgnossen ze rat, dasz si zu den iren gen Thum weltind, es täte wol oder wee Tschudi chron. Helvet. 2, 165; Mathesius hundert fabeln (1611) 67; in der neueren sprache selten: meister! ... behalte mich bei dir, es wird mir wohl thun und weh Göthe 23, 112 W. satzelliptisch ohne verb: diese menschen ... rühren sich und wehren sich ihrer haut, um wohl oder wehe wieder ... zu verschwinden, wenn ihre zeit gekommen ist G. Keller ges. w. (1889ff.) 1, 12. in diesem sinne häufiger wohl oder übel, s. unten I A 9 b. wenig üblich mit reflexivpronomen für 'sichs wohl geschehen lassen' sich wolthun, sichs wolthun lassen darsi piacere carnale Kramer t.-ital. (1702) 2, 1085a; sich wolthun, gütlich thun se délicater, se dodiner Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1066b. ungewöhnlich es macht mir wohl: vielleicht macht mirs einige augenblicke wohl, meine verklungenen leiden wieder als drama zu verkehren Göthe IV 3, 94 W. I@A@5@bb) wohl sein. die verbindung des verbum substantivum mit wohl ist sehr alt. ahd. wola ist thaz Otfrid III 23, 45. mhd. belege bei Grimm gramm. 42, 1111. I@A@5@b@aα) älternhd. wohl ist mit nachfolgendem satz in der bedeutung 'richtig, nützlich, günstig, angenehm', wofür die neuere sprache gut vorzieht, z. b. wol wäre ..., dasz es (die pflanze) seines giffts halb unerkannt bleybe Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 44a; ungewöhnlich für 'es ist gut' als beistimmungsäuszerung: (weib:) hier mein lieber mann, hab ich gute frische milch ... (Hans:) es ist wohl, aber ist sie auch gewärmet? engl. com. u. trag. (1624) 106b. häufiger in der zwillingsformel wohl und gut mit dem verbum substantivum oder elliptisch ohne verb in der bedeutung 'der ordnung gemäsz': das ist zwar wol und gut, aber ... Kramer t.-ital. (1702) 2, 1380c; loset man denne das pfant von im, das ist wol und guet. beschehe des nicht, ... (15. jh.) österr. weist. 3, 211; (17. jh.) ebda 5, 224; hilfft er im, so ists wol und gut Hans Sachs 21, 66 K.-G. mit elision des verbs: wollen sie williklich die pfrönden (pfründen) lassen, wol und gut, wollen sie nit, so ... Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 188 ndr.; antwurtt in der wirt ..., wol und gut; ist des niht, so ... weist. 6, 116; (graf:) wie siehts denn in der wirtschaft aus? (Bittermann:) alles wohl und gut Kotzebue s. dram. w. (1827) 2, 39. auch nd., s. Schiller-Lübben 5, 760. I@A@5@b@bβ) mit dat. der person ganz allgemein. mir ist wohl nach lat. mihi bene est, bereits ahd. (neben acc. mih ist uuola, z. b. Otfrid V 19, 63): thir uuolast, mit giuuurti,thaz thu io giboran uuurti Otfrid V 22, 16. ebenso mhd., s. mhd. wb. 3, 798b und Grimm gramm. 42, 1115. auch ags. (vel is þâm þe môtun ... gode lîcian Crist 1080). in der älteren sprache meist objektiv für 'ich bin in günstiger lage, guten verhältnissen, es geht mir gut', später subjektiv für 'ich fühle mich zufrieden, glücklich, behaglich, endlich verengt auf das rein körperliche 'ich fühle mich gesund, habe keine schmerzen', in dieser subjektiven bedeutung besonders in der neueren sprache in breiter verwendung. I@A@5@b@b@aaaa) objektiv: geet durch den wege den euch der herre hat gebotten, das ir lebt und euch sey wol (vulgata: bene sit vobis; Luther: auff das ir leben müget und euch wolgehe) 5. Mos. 5, 33 erste dtsche bibel; zu kainer zyt uns wol ist, so er (der zornige herr) hie ist Niclas v. Wyle translat. 58 K.; creaturen, die nit wissen noch versteen ... wann in wol oder wee ist Berth. v. Chiemsee teutsche theologey 197 Reithm.; dem ist woll, der kein miszfallen an mir hatt beatus est, qui non fuerit scandalizatus in me Egranus ungedruckte pred. 37 B.; so mag mir nymer ewigklich wol syn noch wol geschechen St. Fridolin dtsche pred. 121 Schmidt; ist dir wol, so sing gott ein liedlein und danck ihm, ist dir ubel, so ruff gott an und bete Petri d. Teutschen weiszheit (1604f.) 1, d 8a; wie es ... gemeinlich also hergehet, dasz mehrtheils diejenigen underthanen ... sich beschweren, denen am aller wolsten ist P. Haarer bawrenkrieg (1625) einl. 2a; wie wohl ist doch der selben stadt wo jedermann lebt nach gesetzen! Neumark fortgepfl. ... lustw. (1657) 188. ihm ist wohl, von verstorbenen gesagt und z. t. euphemistisch redensartlich für 'er ist tot'. schon mhd. bahnt sich ähnliche verwendung an: her tot, wolt ir uns morden, so were uns armen wol spiel v. d. zehn jungfrauen v. 523. nhd.: ihm ist wohl! aber ... uns wird es nimmer wohl werden, bis wir so glücklich sind ihn in einer bessern welt wieder ... zu sehen Mozart über Barisanis tod bei O. Jahn Mozart (1856 ff.) 3, 243; Rother schles. sprichwörter 122a. vgl.: requiescat! ihr ist wohler unter der erde als darüber A. v. Droste-Hülshoff briefwechsel mit Schücking (1893) 74. dem subjektiven genähert mir ist zu wohl lebe in überflusz, es geht mir zu gut: wenn einem zu wol ist, hat guts und ehre, lust und gewalt gnug, der ... weis nicht, was er fur mutwillen thun sol Luther 19, 417 W.; wem zu wol sei, der neme ein weib sprichw., schöne weise klugreden (1548) 626; wann dem esel zu wol ist, so gehet er auffs eisz tantzen ebda 15a; Wander 1, 869; H. R. Manuel weinspiel v. 2271 ndr.; Appius drang auf strenge: es sey dem volk noch zu wohl, man müsse ihm den übermuth brechen Niebuhr m. gesch. (1811) 1, 408. I@A@5@b@b@bbbb) subjektiv mir ist wohl ich fühle mich glücklich, behaglich, zufrieden, gesund: sie deuchte, ir nicht wol were, wann sie in nicht seche Arigo decam. 321 K.; meinem herzen ist wohl in dieser dämmerung. ist sie unser element, diese dämmerung? Hölderlin 2, 82 v. Hellingrath; eine ... braut ..., deren antlitz nicht entscheidet, ob ihr wohl ist oder weh vor seligkeit B. v. Arnim die Günderode (1840) 2, 92; seit langem habe ich einen drang nach höhen, und in den höhen war mir wohler (a. 1866) Stifter briefw. 5, 219; dem wohlmeinenden ist wöhler als dem wohlwissenden Kirchhofer schweizer. sprichw. (1824) 238; arbeiten is gut, und wenn ich mir so die ärmel aufkremple, is mir eigentlich immer am wohlsten Fontane ges. w. I 5, 13; weyl ich entberen musz der eh, ist mir gleich weder wol noch weh Hans Sachs 2, 25 K.; dem bättler syg wol oder wee schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 20, 98 B.; mir ist so wohl, so weh! Göthe 1, 19 W.; uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert säuen! ders. 14, 110 W. auch vom tier gesagt: wie dem vogel nur in der luft, dem maulwurf nur unter der erde wohl ist Schopenhauer w. 1, 395 Gr. näher bestimmt mir ist wohl zu mut, ums herz u. ä.: dem (abte) wol ze muote was (forte contento) Arigo decam. 69 K.; U. v. Hutten opera 3, 534 B.; einer, dem zu wohl umb die leber ist Bas. Faber thes. (1587) 434b s. v. lascivus; wo ich sie erblickte, war mir wohl ums herz Ulr. Bräker s. schr. (1789) 1, 69; niemandem konnte wohler sein in seiner eigenen haut O. Ludwig ges. schr. (1891f.) 2, 27. in alliterierender zwillingsformel: der ist vor gesund zu schätzen, dem umbs hertz wol und warm ist Lehman floril. polit. (1662) 1, 327. häufig negativ mir ist nicht wohl zu mut ich fühle mich unbehaglich, bin ängstlich: dem alten weib ... war nicht ganz wohl zu muth br. Grimm dtsche sagen 1, 92; A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 108. mit angabe in hinsicht worauf sich jem. wohl fühlt, was ihm angenehm ist. mir ist wohl mit etwas, schon mhd., dann frühnhd.: (es) was ir (Maria Magdalena) mit der welt gar wol und lebet in sünden das summerteil der heyligen leben (1472) 89a; demselben jungen (manne) gar wol was mit schönen groszen rossen Arigo decam. 78 K.; so waz nun den pfaffen wol darmit (1515) Eulenspiegel 47 ndr.; Brant narrenschiff 64, 25 Z.; N. Manuel v. papst u. seiner priesterschaft 111 B.; unss (Juden) ist gar woll mit disen dingen (tötung von Christen) Endinger judenspiel 32 ndr.; weil im so wol ist mit dem wein, ist mir wol mit der bulschafft mein Hans Sachs 9, 98 K. in der neueren sprache bei etwas: einem wol seyn bey etwas Kramer t.-ital. (1702) 2, 798a; es ist ihm wol bey solchen bossen ebda 1380b: einem vergnügten gemüthe (ist) viel wöller bey seinem ... armuthe als geitzigen bey ihrem ... vermögen wäre Lohenstein Arminius (1689f.) 2, 854b. häufig negativ redensartlich mir ist nicht wohl bei der sache oder dabei, s. Kramer a. a. o. 798a: ihm (Meyer) war nicht wohl bey der sache Göthe IV 27, 221 W.; dem Nolten ist doch nicht wohl dabei Mörike ges. schr. 3, 49 Göschen. mit nachfolgendem wenn- oder dasz-satze: ihm ist wohl, wenn er seufzen kann maler Müller w. (1811) 2, 14; mir wird recht wohl seyn, wenn ich im wagen sitze Göthe IV 8, 10 W.; Langbein s. schr. 31, 120; mir ist herzlich wohl, dasz es einmal wieder etwas zu thun gibt Hölderlin ges. dicht. 2, 145 L. wohl zu mute bei etwas sein: anfangs ... war mir nicht wohl dabey zu muthe Wieland Lucian (1788) 1, 170. in der wendung sichs wohl sein lassen, im 16. jh. auch auf seelisch-sittliches bezogen, in der neueren sprache rein körperlich gemeint 'sich das leben behaglich einrichten': sy belib hinden im kloster und lass ir wol mit got sin Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 31 ndr.; er laszt ihm wol seyn il est à son aise, otio perfruitur Wiederhold (1669) 424b: weil aber die Griechen ... ein glasz voll wein den Gratien, das andere der Venus, das dritte dem Dionysius ... zu ehren ... zuzutrinken pflegten, möchten sie ihnen doch ein wenig wohl seyn lassen Lohenstein Arminius (1689f.) 1, 585b; Simon der ... zu einem so groszen vermögen gekommen ist und sichs nun so wohl seyn läszt Wieland Lucian (1788) 1, 142; man asz, trank und liesz sichs wohl sein Göthe 21, 15 W.; 26, 331 W.; sie hatten es sich bei ... guter verpflegung wohl sein lassen W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 1, 4; als abschiedsgrusz für gebräuchlicheres lasz dirs gut gehen: lass dir wohl seyn, Wolf! Babo schausp. (1793) 8. mir ist wohl verengt für 'ich fühle mich gesund, bin gesund'. häufig negativ es ist mir nicht wohl imbecillitate laboro: (die frau) bat ... sie diese nacht allein ruhen zu lassen, weil ihr nicht wohl wäre Hunold d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 250; ihr ist wohler, sie kann weinen Göthe 49, 321 W.; ist euch auch wohl, vater? ihr seht so blasz Schiller 2, 14 G. (räuber 1, 1); (gräfin:) ihr (Thekla) ist nicht wohl. (herzogin:) was fehlt dem lieben kinde? ders. 12, 275 G. (Wallensteins tod 3, 3). die persönliche konstruktion ich bin wohl s. u. d. I@A@5@cc) wohl werden. mit dat. mir wird wohl, objektiv für 'meine lage, mein befinden entwickelt sich günstig' und subjektiv 'ich beginne mich behaglich, gesund zu fühlen'. schon ahd. (hier mit acc. der person, s. Kelle Otfridglossar 711) und mhd., z. b.: im wirt von rehter liebe neweder wol noch wê Walther v. d. Vogelweide 14, 1. I@A@5@c@aα) objektiv nur frühnhd.: gedenck mein, so dir wirt wol (vulgata: cum bene tibi fuerit; Luther: wenn dirs wol gehet) 1. Mos. 40, 14 erste dtsche bibel; der keyser sagt: nimmer werd dir wol die sieben weisen meister (1565) h 5b. in der neueren sprache selten. I@A@5@c@bβ) subjektiv: es wird uns doch noch wohl zusammen auf dieser erde Göthe IV 3, 2 W.; lasz dir in meinem zimmer wohl werden IV 8, 50 W.; (ein haus,) in welchem ihm ... unmöglich wohl werden konnte 21, 68 W. auf wirkungskreis, lebensraum bezogen: hier (in Paris) ward ihm (Erasmus v. Rotterdam) nicht wohl Ranke s. w. (1867 ff.) 1, 177. näher bestimmt: nun ward mir immer wohler und kecker ums herz maler Müller w. (1811) 1, 126; wie sie den prinzen ... anblickte, wurde ihm wohler als ihm noch je auf erden geworden war M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 136. mit angabe der umstände, die die stimmung hervorrufen: es wird der seele wohler und weiter in sturm und blitzen als in dieser feindlich lauernden stille Eichendorff s. w. (1864) 2, 201. bei etwas: (es) wird ihnen beim gespräch von dem erlebten, dem erduldeten wohl und weh Scherer lit.-gesch. (1883) 136. häufig in negativer formel mir wird nicht wohl bei etwas werde bedenklich, besorgt, ängstlich: und begunte ihnen nicht gar wol bey der sache zu werden Happel akad. roman (1699) 535; wo dem schöpfer nicht wohl wurde bei einem werke, da kanns dem beschauer ewig nur weh sein Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 4. vom körperlichen befinden, in negativer wendung besonders umgangssprachlich mir wird nicht wohl mir wird unwohl, übel: was ist das, Nolten? gott, was haben sie? ... wird ihnen nicht wohl? Mörike ges. schr. (1905) 3, 80 Göschen. I@A@5@dd) persönlich ich bin wohl. in der älteren sprache und dialektisch nicht nur auf körperliches wohlergehen bezogen, sondern auch seelisches, wirtschaftliches, soziales u. a. wohlbefinden meinend: er enpfint sich wol ze sein bey dir (vulgata: bene sibi apud te esse sentiat; Luther: weil im wol bey dir ist) 5. Mos. 15, 16 erste dtsche bibel; ain unnutze rott von buoben ... die wiszten die leut zuo zerichten mit schönen frawen, mit spilen, mitt wolleben, darbey sy auch wol waren (1509) Fortunatus 17 ndr. auch wohl werden zu wohlleben, reichtum kommen ebda 102 ndr.; wie möcht denn got dir nit auch geben, das du wol sygest ... hye ... in tugenden und in synen gnoden und dort im hymmel in glory und ere Keisersberg bilgerschaft (1512) 29b. schweizerisch wol i sine sache sy res suas salvas habere idiot. Bernense (1857) 78. in der neueren sprache auf körperliches befinden verengt: ich bin wohl bin gesund, wofür häufig auch wohlauf (s. d.). I@A@5@d@aα) weil man ... ohne lust, aber nicht mit schmerzen wohl seyn kann, aber nicht ohne schmerzen übel seyn kann Leibniz dtsche schr. (1838 ff.) 2, 47; ich bin zur zeit weder wohler noch schlimmer als ich in meinen guten stunden zu Hamburg war Lessing 18, 354 M.; deine brüder sind wohl Göthe IV 1, 156 W.; haben sie meinen lieben fürsten ... gesehen, ist er recht wohl? M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893f.) 4, 152. im briefstil, berichtend: ich bin wohl Göthe IV 8, 1 W.; IV 8, 23; 30 u. o. in zwillingsformel: das junge volk ist munter und wohl IV 31, 66 W.; die meinigen sind alle wohl und munter IV 35, 284 W. mit auslassung des verbums: meine mutter und die meinigen alle wohl und munter Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890 ff.) 7, 294. als begrüszungsformel: ey guten abend, liebs alts mütterchen! noch gesund und wohl? maler Müller w. (1811) 1, 286. mit negation für krank, unpäszlich: die frau ist nicht recht wohl J. E. Schlegel in: samml. v. schausp. (Wien 1764 ff.) 2, 4; ich bin nicht wohl, aber ich musz hingehen, wenn es mir das leben kosten sollte S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 151; abends bey Loder, der nicht wohl war Göthe III 2, 308 W. I@A@5@d@bβ) wohl zu mut sein, werden. in persönlicher konstruktion ich bin, werde wohl zu mut 'bin in fröhlich-zufriedener stimmung, bzw. komme in sie, bin, werde getrost, zuversichtlich' älternhd. und dialektisch, in der schriftsprache der gegenwart veraltet. wohlzumuth sein, fröhlich seyn estre joyeux Hulsius-Ravellus (1616) 420a; bono animo esse Dentzler clavis ling. lat. (1716) 356a: do das der herre und die frawe vernamen, wol ze mute warn Arigo decam. 132 K.; damit er frölich und wol zuo muot ... sein möcht Wickram w. 1, 19 lit. ver.; bysz woll zmuot (sei getrost) Platter 31 Boos; die jungen warden wol zu muot, dasz es in worden war so guot Scheit Grobianus v. 4505 ndr. in alliterierender zwillingsformel willig und wohl zu mute gern bereit: des der ... man willig und wol ze muote waz Arigo decam. 51 K.; 213 K. I@A@5@d@gγ) durch gliederungsverschiebung rückt wohl zu mut zusammen und kann adverbiell für 'heiter, fröhlich' oder substantivisch für 'zufriedenheit, zuversicht' gebraucht werden: der knab frölich und wolzemuot von dannen schyed Wickram w. 1, 56 B.; der student ... frölich und wol zu muoth ausz dem hausz sprang Lindener rastbüchlein 10 lit. ver.; gesund an le b und wol zu muht ist doch der beste schaz Grob dichter. versuchgabe (1678) 107; ist wohl zurecht und wohl zu muth, zäunt jeder sich sein kleines guth Göthe 16, 4 W. I@A@5@d@dδ) ähnliche gliederungsverschiebung bahnte sich an bei wohl zu pasz, zu fusz, zu pferd, wofür aber in der gegenwartssprache meist gut gebraucht wird: do he gesunth unde wol tho passe was (a. 1541) seerecht von Wisby bei Pardessus collection de lois maritimes 1, 508; als ich noch jung und wol zu fusze war, ... A. Olearius persian. rosenthal (1696) 76; ist sie frisch und wol zu fusz, sie tantzt gern offt und lang G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 22, 10; wer rennen will und stechen, musz noch wohl sein zu pferdt Zinkgref auserl. ged. 11 ndr. negativ nit wol ze fusz aeger pedibus Frisius dict. (1556) 46a. I@A@5@d@eε) wohl bei sinnen sein. compos rationis Alberus dict. (1540) Oo 2a: als könig Ludwig aus den kirchen die kleynod ... verkeuffen und die armen davon unterhalten heiszen, habens ihm die mönche dahin gedeutet, er sey nicht wol bey sinnen J. Binhardus thüring. chron. (1613) 32; Prätorius Blockesberges verr. (1668) 21. veraltet ist wohl bei leibe sein für 'kräftig, stark, dick sein', wofür heute wohlbeleibt (s. d.). corpulentus der wol bey leibe ist Bas. Faber thes. (1587) 209a; Corvinus fons lat. (1646) 226; schaaf die nicht wol bey leib sind apicae oves Calepinus XI ling. (1598) 102b: hat er (der mann) ... sein (des aderlassens) gewont und ist woll bey leibe, so mag man ym wol (ader-)lassen Ortolf v. Bayerlant artzneybuch (1477) 4b. luxemburgisch in gleicher bedeutung wohl um leif sin lux. ma. (1906) 493. wohl bei jahren sein betagt, alt sein: ein ... bauersmann, wol bei jahren sprichw., schöne weise klugreden (1548) 50b. I@A@5@d@zζ) wohl daran sein in angenehmer, günstiger lage sein: doch wie wohl ist der daran, welcher solchen eitelkeiten seine seele nicht ergiebt Chr. Weise d. grün. jugend ... ged. 47 ndr.; ach, ach Cupido! erbarme dich und gib mir einen mann ..., so komm und bring ihn diese nacht ..., dasz er vor meinem bette lacht, so bin ich wohl daran Stranitzky ollapatrida 86 Wiener ndr. wol bey einem dran seyn star in gratia ... di uno, esser favorito da ... uno Kramer t.-ital. (1702) 2, 1380c: ewer gnad ist wol dran mitt d. Martinus weyb (befreundet, gut bekannt) Vogelgesang-Cochläus gespr. 29 ndr. dialektisch wol dra si beleibt, fett sein Seiler Basler ma. (1878) 318. jemandem wohl sein freundlich gesinnt sein s. unten 6 f. I@A@5@ee) sich wohl befinden 'zufrieden, glücklich sein', dann verengt für 'gesund sein', selten der objektiven sphäre 'in guten verhältnissen sein' sich nähernd. wohl befindet er (der mensch) sich, sofern er seinen zustand als angenehm empfindet Maasz-Eberhard synonymik (1818 ff.) 2, 246. I@A@5@e@aα) ... welche ... alle nacht an das orth (des vertrauten stelldicheins), da sie sich erstmals so wol befunden, kame Amadis 25 lit. ver.; jede staatsverfassung, wo nur ein theil sich wohlbefindet, ... ist ein ungeheuer Heinse s. w. 4, 152 Sch.; E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 40 Gr.; es (das weib) ... befindet sich am wohlsten, je öfter es sich häutet Hebbel s. w. 9, 414 W. wohl befinden mit, in, bei etwas. sich wol befinden bey ò mit etwas trovarsi bene ò ben servito Kramer t.-ital. (1702) 2, 1380c: jede classe von menschen hat ihre ... gewohnheiten, mit welchen man ... bekanntschaft haben musz, wenn man sich bey ihr wohlbefinden ... will Salzmann ameisenbüchlein (1806) 220; die königin pflegte dem einen oder dem andern ihrer minister so lange ihr zutrauen zu schenken, als sie sich bei seinen rathschlägen wohlbefand Ranke s. w. (1867 ff.) 9, 154; sie befanden sich wohl dabey Bremser medic. paröm. (1806) 78; ich ... befand mich wohl in derselben (in der schule), da das erste lernen ... täglich fortschritt G. Keller ges. w. (1889 ff.) 1, 89. I@A@5@e@bβ) auf die gesundheit bezogen. sich wohl befinden frisch auff seyn Hulsius-Ravellus (1616) 418a; to be well disposed Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2521 und negativ sich nicht wol befinden ... non trovarsi bene di salute Kramer a. a. o.; unpasz seyn (heiszt) sich nicht wohl befinden Adelung umst. lehrgeb. 2, 87: er hat mir ... melden können, dasz du dich wohlbefindest Lessing 18, 351 M.; kinder und enkel befinden sich übrigens wohl und grüszen Göthe IV 34, 130 W.; mein herr befindet sich ganz wohl Schiller 14, 144 G.; H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 155; dasz man ... sich gegenseitig nach dem gesundheitszustande befragt und einander sich wohlzubefinden wünscht Schopenhauer w. 4, 366 Gr.; Storm s. w. (1899) 1, 61. im gleichen sinne bei Göthe das simplex ich finde mich wohl 3, 55 W.; IV 29, 19 W. I@A@5@ff) sich wohl fühlen zufrieden, glücklich, gesund fühlen. immer subjektiv: sie hatte sich lange nicht so wohl gefühlt Eichendorff s. w. (1864) 2, 477; da er sich glücklich durchgekämpft habe, so fühlte er sich jetzt wohl und in besonderer glücksstimmung Bettina v. Arnim Günderode (1840) 2, 51; nehme man doch nur die hochfürstlichen erbrechte weg ..., ich wette, alle welt wird sich wohlfühlen P. de Lagarde dtsche schr. (1886) 10; ich lebe einfach ..., fühle mich täglich wohler Stifter briefw. 5, 220; je wohler und freier sich der bauer fühlt, umso fester hängt er am alten W. H. Riehl d. dtsche arbeit (1861) 77. in etwas: wärest du wirklich kapabel, dich in so kleinlichen verhältnissen wohlzufühlen, so ... Holtei erzähl. schr. 7, 30; helfen, das war die ... bethätigung, in der sie sich wohl fühlte W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 1, 21; (es ist) sicher, dasz ich ... mich in der fremde nicht dauernd wohlfühlen würde Aug. Winnig frührot (1926) 411. I@A@5@gg) frühnhd. wohl mögen für 'gesund sein', s. Diefenbach gloss. 148b; 605b; nov. gloss. 376a s. vv. convalescere, valere; hast alle zeyt wol mögen? bist biszhär gsund gewesen? usque valuisti? Frisius dict. (1556) 1414b: er sprach ist er (Laban) it gesund? sy sprachen er mag wol (vulgata: valet; dagegen Luther: es gehet im wol) 1. Mos. 29, 6 erste dtsche bibel. weitere belege aus dem 16. jh. bei Fischer schwäb. wb. 6, 3439. in gleicher bedeutung, ebenfalls nur frühnhd. wohl haben: so der bischof gestorben oder sonst nit wol mocht haben, mag der abt ... ain andern nennen Knebel chron. v. Kaisheim 73 lit. ver. zu es wohl haben reich sein, z. b. Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 128 ndr. und reflexiv sich wohl haben, gehaben sich in guten verhältnissen, guter lage, guter stimmung befinden, gesund sein, s. o. teil 4, 2, sp. 53f. und 67 unter haben. im 15. jh. auch wohl taugen für 'gesund sein': wol togen valere (a. 1486) Diefenbach nov. gloss. 376a. I@A@5@hh) wohl für 'gesund' auszer in oben genannten verbindungen auch in freiem gebrauch: dasz du so wohl und so gut aussiehst Göthe 23, 136 W.; dann kam sie zurück gesünder und wohler als sie je zuvor gewesen war Immermann 1, 63 Boxb.; von den wässern des thauwetters umlaufen ... haben wir uns bisher noch alle wohl gehalten Görres ges. br. 3 (1874) 91; ... die ... Griechen werden alle gesund und wohl von Ilion kehren J. H. Voss Odüssee 339 B. (18, 259). I@A@5@ii) wohl gefallen placere, complacere Diefenbach gloss. 137b; 439b; perplaceo Calepinus XI ling. (1598) 1071b; wolgefallen anstehen, gelieben, ... piacere Hulsius-Ravellus (1616) 419a. meist mit dativ der person. häufiges zusammenschreiben (wohlgefallen) zeigt schon seit dem 15. jh., wie eng das adv. an das verbum angeschlossen ist. spontan findet sich sogar der präpositionale inf. zu wohlgefallen (z. b. wir zweifeln nicht deinem capitl zu wolgefallen und genug zu thun [15. jh.] chron. d. stadt Bamberg 1, 161 Chroust und unten Kirchhof unter β): plausu ... certatim comprobare ... das ist mit hend und füszen zusammen schlahen unnd anzeigen, dasz uns ein ding wolgefalle Calepinus a. a. o. 286a. bei persönlichem, sachlichem und abstraktem subjekt, sinnliches wie auch ethisches gefallen, zustimmung ausdrückend. schon mhd., s. belege seit dem 11. jh. in mhd. wb. 3, 219b. I@A@5@i@aα) bei personen für 'gut gefallen, angenehm sein (aus ästhetischen oder sittlichen gründen)': (das meidlein) ir von herczen wol gefiele Arigo decam. 130 K.; wir unserm gesponsen Jhesu Cristo wolgefallent der heiligen leben in dem winterteil (1471) 14a; dardurch er den edlen frawen wolgefallen ward (1509) Fortunatus 98 ndr.; dir gefelt ... die new geselschafft also woll, das du unser ... daruber vergyssest U. v. Hutten 2, 215 B.; der gerechte ... gefelt gott wol weish. Salom. 4, 10; vilen wolgefallen haiszt den weisen miszfallen Fischart podagr. trostbüchlin 71, 6 H.; eine (der töchter des nachbars) ... ihm so wohl gefiel, dasz er sie zur frau verlangte Göthe 43, 17 W.; ... den mann dir im triumphe zuzuführen, der deinen augen wohlgefällt Schiller 12, 151 G. (Piccol. 3, 8). I@A@5@i@bβ) bei sachsubjekt: und begunden die rothen gülden ihm (dem kammerherrn) in die augen zu scheinen, ihn munter zu behalten und zu wolgefallen Kirchhof wendunmuth 2, 54 lit. ver.; mein zimmer gefällt mir wohl in seiner unordnung Bettina v. Arnim d. Günderode (1840) 1, 30; sein gesicht gehörte zu jenen ..., die ... wohlgefallen, so lange sie jung sind Holtei erzähl. schr. 2, 70; Uri, Unterwalden und Schwitz ... sie tund mir wolgefallen Tschudi chron. Helvet. 2, 693; ich will nur, dasz er da sei, ... für sich, selbstständig, frei und unabhängig, wie eine blume, die mir wohlgefällt H. v. Kleist s. w. 3, 86 E. Schm. (Homburg 4, 1). I@A@5@i@gγ) bei abstraktem subjekt: eym iglichen gefellet seyne weysze wol, drumb ist das land ... narren voll Luther 10, 1, 1, 132 W.; was sollt doch den lügenern ... anders denn lügen wolgefallen? ders. 8, 520 W.; Vogelgesang-Cochläus gespräch v. d. trag. Joh. Hussen 3 ndr.; 11; Faustus ... sagte, dasz ihm die lehr wolgefiele volksb. von dr. Faust 99 Braune; (es) hat solche meine einfeltige arbeit vielen guthertzigen leuten wolgefallen Ringwaldt handbüchlin (1586) a 2b; almosen geben ... gefallet gott wol Moscherosch insomnis cura par. 111 ndr.; (eine) herzlichkeit, die mir wohlgefiel Nicolai reise durch Deutschland u. s. w. (1783 ff.) 7, 89; dasz solche exklamationen ihm wohlgefielen, gab er durch mienen zu verstehen Holtei erzähl. schr. 8, 244. I@A@5@i@dδ) neutrales pronomen ist subjekt: daz gefiel dem spitelmeister wol (= er war damit einverstanden) Eulenspiegel 25 ndr.; der herr ... thu was im wolgefellet (quod bonum est in oculis suis) 1. Sam. 3, 18; gott gibt, das ... sinem willen wol gefallt Zwingli dtsche schr. 1 (1828) 304; ich musz alhier sagen, was mich mein gewissen lernet, nicht was einem andern wolgefeltt (1522) Egranus pred. 78 Buchwald; gott miszfället offt das, was dem menschen wolgefält Joh. Arndt Thomas a Kempis nachfolge Christi (1631) 9; auf, auf, ihr sollt beginnen, was ewrem schöpffer wolgefällt P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 298. I@A@5@i@eε) unpersönliches es als subjekt: (Christus wird kommen) wens yhm wolgefelt zwei ält. katechismen 56 ndr.; wone, wo dirs wolgefellet 1. Mos. 20, 15; thue mit mir, wies dir wohlgefält Hippel lebensläufe (1778 ff.) 2, 276; hertz, seel und muth, nimm alles hin und lasz dirs wol gefallen P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 331. I@A@5@i@zζ) redensartlich gebunden ich gefalle mir in etwas wohl fühle mich darin behaglich, liebe es, vgl. teil 4, 1, 1, sp. 2113: während du ... auf der ... höhe stehend ihn zu dir hinaufrufst, ... gefällt er sich ... im thale ... vollkommen wohl Solger Erwin (1815) 1, 15, 3; (ein) mädchen, das sich in hochsentimentalen rollen sehr wohlgefiel E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 74 Gr.; gerade als sie sich in ihren redensarten am wohlsten gefiel, ... Eichendorff s. w. (1864) 2, 79; hörer ..., die ... in thatlosem schmerze sich wohlgefielen Häusser dtsche gesch. (1854 ff.) 3, 208, 38. anders zu werten (unfreie bindung an lat. vorlage) ist der gebrauch ich gefalle mir in etwas in der bibelstelle Matth. 17, 5 der vorlutherischen übersetzer: dirr ist mein lieber sun, in dem ich mir ... wol geviel (in quo mihi bene complacui) erste dtsche bibel 3, 65, 37 K.; Berth. v. Chiemsee teutsche theologey 424 Reithm. ähnlich schon mhd.: dit is mîn lîve sun, da ich mir wal ane givalle wilder mann 7, 204 Köhn. ich lasse mir etwas wohlgefallen lasse es mir behagen, bin damit einverstanden, zufrieden: der magister liesz ihm den schwanck wolgefalln Er. Alberus fabeln 10 ndr.; disz alles liesz ihm Grandbusier wolgefallen Fischart Garg. 331 ndr.; (es) haben ... fürsten dergleichen eitelkeiten sich wohlgefallen lassen Lohenstein Arminius (1689f.) 2, 1585b; ich sasz am warmen ziegelofen und liesz mir getränk und unterhaltung wohlgefallen Aug. Winnig frührot (1926) 451; herr gott ..., lasz wolgfalln deiner majestat die rede ausz dem mund von mir Hans Sachs 18, 92 K.-G.; lasz des jünglings opfer dir, du höchster, wohlgefallen! Matthisson schr. (1825) 1, 71. I@A@5@i@hη) verstärkt durch adverbia wie ausnehmend, sehr, trefflich, ungemein u. ä.: (da) thet ihm sein eygen werck so trefflich wolgefallen Opitz teutsche poem. 18 ndr.; ... die welt, die im frühling junger jahre uns mit ihrer bunten waare so ausnehmend wohlgefällt Lichtwer äsop. fabeln (1748) 52; welches stück mir ... ungemein wohlgefallen hat Nicolai literaturbr. (1759 ff.) 3, 202; besonders wollen mir die frauens sehr wohlgefallen Göthe III 1, 217 W.; das ... raisonieren gefiel mir in der seele wohl Ulr. Bräker s. schr. (1789 ff.) 1, 68. I@A@5@i@thθ) part. präs. in adjektivischer funktion für 'sympathisch, angenehm', wenig gebraucht: er (Odysseus) ... erscheint ihr (Nausikaa) wohlgefallend Fr. Schlegel s. w. (1846) 4, 57; sie (ist) selten um ein spitzig wort verlegen und dennoch vielen wohlgefallend J. V. v. Scheffel ges. w. (1907) 3, 29. vgl. mhd.: in den widerwertigen dingen als och in den wolgevallenden Seuse dtsche schr. 95 B. I@A@5@i@iι) part. prät. in adjektivischer funktion nur im 15. und 16. jh. für 'bekömmlich': so sich der mensch auff entheltet mäsziglich in wolgefalner speisz Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) f 5a. passend: ein kurtzer wolgefalner spruch Frisius dict. (1556) 104b; wolgefallne oder wolgesetzte wort 411a; 662b. gelegen: bey seiner faulen rott beharret, bisz ihm wolgefallene zeit kam Wickram w. 2, 26 B. übersetzung von beneplacens in: erste dtsche bibel 2, 48, 57 K.: das ir bewert, welchs do sey der will gotz, guoter und wolgevalner (voluntas dei bona et beneplacens), wo Luther (m. 12, 2) wolgevellig setzt. in der neueren sprache nicht gebräuchlich. I@A@5@kk) wohl dünken angenehm dünken, gefallen: die warmen strümpfe werden dem armen pastor wohldünken Göthe IV 24, 208 W. I@A@5@ll) wohl behagen mit dat. 'gefallen, passen', zunächst auf sinnlichen genusz bezogen, dann aber auch auf geistigseelisches. wolbehagen complacere Diefenbach gloss. 137b: man liesz sich diesen sang lange wohlbehagen Herder s. w. 23, 272 S.; (wir wollen nicht erwähnen,) dasz ihm (Hutten) die schöne literatur in Italien wohlbehagte ders. 16, 278; (es) ist keine frage, dasz die ... werke der alten ... dem lebenden publico ... nicht so wohlbehagen können als werke gleichzeitiger künstler Göthe 47, 51 W.; gott herre, war steht des menschen sin, das ihm das böse so wol behaget Frankfurter druck des renner (1549) 58b; ich las mir alles wolbehagen und hab ein gros gefallen dran A. Pape Jonas rhythmicus (1605) l 1b; o lasz die tage mit dir schalten und thun, was ihnen wohlbehagt! Platen 1, 54 Redlich. selten reflexiv für 'sich erfreuen, unterhalten': sollst keine goldne kette mehr tragen ..., dich nicht beim tanze wohlbehagen! Göthe 14, 190 W. (Faust I v. 3759). I@A@5@mm) wohl leben glücklich, angenehm, fröhlich, gesund leben, häufig in abwertendem sinne vom grob sinnlichen genusz des essens und trinkens. wolleben commensari, crapulari, deliciari Diefenbach gloss. 135b; 155a; 171c; ich leb wol, es gehet mir wol Alberus dict. (1540) 8b; wir haben wolgelebt laute refecti sumus ebda 2a; dem leyb guots thuon, wol läben pelliculam curare Frisius dict. (1556) 356b: zuo einem mal was ein geystlicher man, der wolt alle zeytt wolleben und wolt wein und visch und guott kost haben das summerteil d. heyligen leben (1472) 147b; acht, daz uns ain faissz kuche syg und daz wir wollebent N. v. Wyle translat. 58 K.; zuosehen wie unsere gesellen in dem hausz Circe essen, trincken und wolleben Schaidenreiszer Odyssea (1537) 44a; und leben auff das aller wölst und freidigst Nic. Höniger hoffhaltung d. türck. keisers (1573) 25; ein dieb lebet offt ... herrlich unnd wol Nigrinus von zäuberern u. s. w. (1592) 104; Spreng Äneis (1610) 6a; wenn wir die welt mit fleisz ansehn, wie alls thut durcheinander gehn ..., der dieb wohllebt, der redlich fastt ... J. V. Andreä bei Herder s. w. 16, 235 S.; du lebest wol: was aber dänkt indessen dein arme seel? Neumark poet. ... lustwäldchen (1652) 4. prägnant für 'gastereien pflegen, ein fest feiern': wolleben banquetiren Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2527. ähnlich wol tischen cibo et potione lautiori famem sitimque depellere Stieler (1691) 2287. wol zehren ebda 2607; wohl speisen (in der tischformel ich wünsche wohl gespeist zu haben, z. b. Eichendorff s. w. [1864] 4, 285). wohl leben wird in der neueren sprache nur mehr im substantivierten inf. in positivem und insbesondere im tadelnden sinne allgemein gebraucht (s. u.wohlleben, n.), ferner im abschiedsgrusz leb wohl, lebet wohl (s. u.n). andere finite formen sind wenig sprachüblich, vgl. (eine) gute bewirthung, die ihn nichts gekostet, sondern bei der er wohlgelebt hat Schleiermacher Platons werke (1804 ff.) 1, 2, 337; 42. I@A@5@nn) als abschiedsgrusz für vale, valete in den formeln lebe wohl, gehab dich wohl! fahre wohl! u. ä. schon mhd. gehabe dich wol! Iwein 6566, s. Grimm gramm. 42, 1122. lebt wol! er gehabe sich wol! state sano!, viva felice! Kramer t.-ital. (1702) 2, 1380c. in der gegenwartssprache am allgemeinsten lebe wohl! lebt wohl! leben sie wohl: (derwisch:) lebt wohl! (Nathan:) so hastig? — warte doch, Al-Hafi! Lessing 3, 24 M. (Nathan 1, 3); (Iphigenie:) leb wohl, und reiche mir zum pfand der alten freundschaft deine rechte! (Thoas:) lebt wohl! Göthe 10, 95 W. (Iphigenie 5, 6); leben sie wohl! ... leben sie wohl, lieber Revannet! 24, 90 W.; lebe wohl, du guter kerl — wer weisz, wann wir uns wieder sehen! S. Brunner erzählungen u. schr. (1864 ff.) 1, 55. auch als briefschlusz, besonders im 18. und 19. jh.: im übrigen gedenken ew. gnaden meiner in besten und leben wohl, ich verbleibe ... Chr. Reuter Schelmuffsky 4 ndr. (vollst. ausgabe); schlesw. lit.-briefe 100, 32 lit.-denkm.; Göthe IV 8, 52 W.; nun lebe wohl, schreibe mir bald und viel! IV 27, 52 W.; IV 29, 20 W.; leben sie recht wohl! Humboldt br. an Welcker 1. wie formelhaft die wendung wurde, zeigen die steigerung lebe tausendmal wohl! Göthe IV 8, 24 W. und die substantivierung tausend lebewohl! Göthe IV 27, 151 W., sie wird aber auch aufgelockert lebe dein leben wohl Göthe IV 8, 1; ich bin wohl und wünsche dir wohl zu leben! IV 8, 3 W. entsprechend lat. vale oder franz. adieu für 'fort! hinweg!': so lebe wohl, verstand und vernunft, lebe wohl, jede ... vorsicht! Göthe 23, 149 W. etwas antiquiert als abschiedsgrusz ist gehab dich wohl, im 15. und 16. jh. noch in der bedeutung 'sei fröhlich, zuversichtlich': lieber, schweig und gehab dich wol! altdtsche passionssp. aus Tirol 56 W.; 226; darumb gehabe dich wol und pisz guotz muotes Arigo decam. 192 K.; gehabt euch wol und seyt frölich 64 K.; Boltz Terenz deutsch (1539) 163a. aber schon im 16. jh. und dann besonders in der neueren sprache zur bloszen formel der verabschiedung verblaszt. gehab dich wol vale Dentzler clavis ling. lat. (1716) 355a: gehab dich wol die zyt naher (kapitelschlusz) Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 22 ndr.; und so, lieber leser, gehabe dich wohl! Stifter s. w. (1901 ff.) 1, 170; gehabet euch wohl (so ruft Satan in der hölle), glückselige felder (= himmel), wo die freude auf ewig wohnet! probe einer ... übersetzung Joh. Miltons verlohrnen paradieses in: Bodmer samml. crit.-poet. schr. (1741 ff.) 1, 16; gute nacht, gehab dich wol! Königsberger dichterkreis 103 ndr.; genug hab ich gehört. gehabt euch wohl! Schiller 14, 314 G. fahre wohl ist bereits im 15. jh. als abschiedsgrusz belegt, s. Diefenbach gloss. 605b s. v. vale, z. t. im sinne 'lasz es dir gut gehen', z. b. Königsberger dichterkreis 10 ndr.; Göthe 1, 234 W. in der neueren und gegenwartssprache häufig pathetisch in der apostrophe an sterbende oder tote: fahre wohl, unschuld! (= unschuldiger knabe) Gerstenberg Ugolino 260 nat.-lit.; fahr wohl, du alter frommer rittersmann, der liebe thräne fällt auf deine leiche A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 209; als abschiedsgrusz eines sterbenden: (Hamlet:) Horatio, ich sterbe — arme königin, fahr wohl! A. W. Schlegel Shakespeare (1797 ff.) 3, 359. deutlich bewahrt bleibt die eigenbedeutung von wohl im wunsch schlaf wohl; der herr schlafe wol! dorma bene! (sano!) Kramer a. a. o.: schlafen sie wohl oder eigentlich gesund, meine herren! Hippel lebensläufe (1778 ff.) 1, 11; gute nacht ..., Mariechen, schlaf wohl und träume sanft Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 6; schlaf wohl, lasz dir nicht grawen P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 297. ruhe wohl, heiliger staub! Gerstenberg Ugolino 243 nat.-lit. I@A@5@oo) wohl liegen: auff harten betten ligt man wol Eyering proverb. copia (1601 ff.) 1, 124; wer wol ligen will, der bette ihm wol Kramer t.-ital. (1702) 2, 1380c. in zwillingsformel: die willig und wol gefangen ligen in einer dienstbarkeit, die ligen an guldin ketten Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 9b, wo aber in wohl auch die bedeutung 'in guten umständen' mitschwingt. I@A@5@pp) wohl duften, riechen angenehm riechen. wole riechen, wol ruken, wael rueken Diefenbach gloss. 13b; 50a; 245c; 393b; 394c; 489a; 547c s. vv. adolere, aromatizare, fragrare, odorare, olfacere, redolere, spirare; nov. gloss. 181a s. v. fragrare; zs. f. dtsche wortf. 15, 309: holcz das wol reucht Diefenbach nov. gloss. 17b s. v. aloe; die rose reucht wol rosa jucunde olet Stieler (1691) 1529; nähere dich dem parfümeur, so wirst du auch wol duften Carl Schulze bibl. sprichw. (1860) 52. in gleicher bedeutung älternhd. wol schmecken aromatizare Diefenbach gloss. 50a; fragrare nov. gloss. 181a; balsamiticus das wol smekcht als walsam ebda 47b; etwas das wol reucht oder schmeckt Calepinus XI ling. (1598) 984a s. v. odoramentum; es schmecket wol jucundum saporem habet Stieler (1691) 1870: wie ein ros im meyen wol schmeckt Paracelsus opera (1616) 2, 588; strew grasz und blumen, die wol schmecken Hans Sachs 6, 146 K. in der neueren schriftsprache nur vom geschmacksinn: fremd brot schmeckt wol Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 1a; ob es wol im anfang wolschmeckt, so wird es doch in bitter galle verwandelt Pape bettel- u. garteteuffel (1586) B b 2v; der hunger macht, das die speise wolschmeckt Petri d. Teutschen weiszheit (1604f.) 2, o 2v; was wohlschmeckt wird jeder finden, der keinen naturfehler an gaum und zunge hat Kretschmann s. w. (1784 ff.) 2, 43. mit personalem dativ: im die ding nit schmecken, die im vormals wolschmackten und im lustlich waren Tauler sermones (1508) 29b; ich esse, was mir wolschmeckt Petri d. Teutschen weiszheit (1604f.) 2, Ppp 1b; Rebecca ... wol wuste, was ihrem alten mann wolschmeckete Schupp schr. (1663) 273. in der redensart es sich wohl schmecken lassen: (der köhler) trug einen napff ... rüben auff, welche der könig ... im wolschmecken liesz Kirchhof wendunmuth 2, 75 lit. ver.; eszt und trinkt und laszt es euch wohl schmecken Tieck schr. (1828) 5, 73; das obst hatten sich alle wohl schmecken lassen Göthe 24, 103 W.; 25, 202 W.; IV 19, 292; IV 28, 50; Eichendorff s. w. (1864) 3, 55. I@A@5@qq) wohl lauten, klingen, angenehmen laut geben, gut klingen. wol luten symphonizare (a. 1512) Diefenbach gloss. 535b; avoir une bonne resonnance Hulsius-Ravellus (1616) 419b; Frisch nouv. dict. (1730) 677: wenn ich spreche 'ein man ist stercker denn ein weib ...', wie wols nu gleich so viel were wenn ich spreche 'man ist stercker denn weib ...' so lautts doch nicht so wol Luther 26, 358 W.; das wort (Egesta) wolt ... nit wollauten ..., drumb setzt man S vorne dran und muost Segesta heyssen Er. Alberus dict. (1540) nn 3b; der stammwörter ... vollkommenheit ... wird ... seyn ..., dasz sie wollauten und ihr ding eigentlich ausdrükken Schottel haubtspr. (1663) 51 abschn. 2; eine saite, die sich unsichtbar macht, um lange wohlzulauten Jean Paul w. 45, 109 H. inhaltlich angenehm klingen, angenehm sein, gefallen: szol er sich loben, so lauts nicht wol Luther 34, 2, 157 W.; Vogelgesang-Cochläus gespr. 11 ndr.; was ... ehrbar ist, was wohllautet Lavater verm. schr. (1774f.) 2, 297 (bibl., vgl. Philipp. 4, 8); was löblich ist und wohllautet vor den menschen Schleiermacher s. w. (1834 ff.) II 4, 121. wohl klingen: wie ain getzogene saydt auf der hAerpf wol klingt als lang dieselb nit nachlAest ... Berth. v. Chiemsee teutsche theologey 541 Reithm.; sonderlich ist darauf zu sehen, dasz sie weich und wolklingen Aug. Buchner anleit. (1665) 46; sollte es meinen ohren nicht wohlklingen, wenn die nation ... von den nachbarn den ruhm erhält Schopenhauer w. 4, 117 Gr.; Phöbus muszte sich oft kränken, wenig klang von uns ihm wohl Neukirch ged. (1744) 20. I@A@5@rr) aus der subjektiven sphäre des angenehmen objektiver wertung genähert, für 'schön'. wohl singen, schreiben, reden u. ä.: item 1 m. dem caplan zu Papow, der so wol sang zam die nachtigal Marienburger treszlerb. 366 Joachim; und dise schribent, der wol und der übel ..., item warumb solt nit wol und recht geredt oder geschriben sin N. v. Wyle translat. 11 K.; wolreden bien dire Hulsius-Ravellus (1616) 419b; s'exprimer en de bon terms, estre eloquent Wiederhold (1669) 426b; ich red wol dico eloquenter Er. Alberus dict. (1540) 28b; der gern wolreden lernt candidatus eloquentiae ebda 29b; rhetorica die kunst wol zu reden nomenclator (1634) 300; seyne rede wol schmücken können Frankf. druck des renner 76a Warlies; sie (die lateinische sprache) ... macht uns Teutschen, das wir erst anfahen unser eygen spraach regulieren und wolstellen Boltz Terenz deutsch (1539) a 3b; ach wie bedenckt man sich, dasz man alle wort wohl setze Moscherosch insomnis cura par. 94 ndr.; ihr müsset ... euch eines singers gebrauchen, der ... die worte deutlich und wol herausz bringe Königsb. dichterkr. 3 ndr.; (es) ist nicht genug, das eines seine rede wolstellen und fürbringen kan, sondern ... Butschky hochdtsch. kanzelley (1659) 7; die vorrede ist ungemein wohl geschrieben Herder s. w. 5, 276 S. wohl gebärden: wolgebehrden eleganti gestu moveri Stieler (1691) 79. wohl aussehen schön sein: das mädgen sieht wol aus, sieht nicht übel oder unappetitlich aus Rädlein 1, 1070b; Sallmann Estland (1880) 132. etwas läszt wohl: wisse auch, dasz eine runde perrücke auf den geistlichen kopf sich besser schicke, denn diese lässet ehrwürdig und wohl Kortum Jobsiade (1799) 1, 77. I@A@66) aus der bedeutung 'richtig, gehörig, geziemend' entwickelt sich die von 'freundlich, gastlich' in einer reihe von verbindungen, z. b. jem. wohl aufnehmen, empfangen u. ä. I@A@6@aa) daz derselb babst ... inn wol enpfieng N. v. Wyle translat. 13 K.; von dem er so miltiglich und wol enpfangen waz Steinhöwel Äsop 40; (der kaiser) ward da (in Rom) von cardinälen wol empfangen Tschudi chron. Helvet. 1, 18; und wie er offt von irentwegen gelauffen sey durch schnee und regen, hab sie in (Grobianus) doch nie wol entpfangen Scheit Grobianus v. 2119 ndr.; sein anverwandter, der ihn sehr wohl aufgenommen hatte Wackenroder herzenserg. (1797) 255. bildlich auch bei nicht personalem subjekt und objekt: die ... hauptstädte des ostens, wo dergleichen ... gattungen immer am wohlsten aufgenommen sind Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 18. in gleicher bedeutung den gesten wol embieten accurare hospites Frisius dict. (1556) 20b. I@A@6@bb) jemanden wohl halten (wirtschaftlich oder sozial) günstig stellen, ehrenvoll behandeln. ein gast empfahen und wol halten accipere hospitem Frisius dict. (1556) 634b; wol halten gutes erzeigen Rädlein 1, 1073a; wohlgehalten werden to be had in reputation Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2525: yn unserem land ist es ein grosz ding umb den adel und werden von allen menschen wolgehalten Gengenbach 216 G.; darumb er von manigklich wolgehalten ward (1509) Fortunatus 97 ndr.; 80; hast du ein knecht, der fleiszig arbeit, trew und recht, den halt nit ubel, sonder wol Hans Sachs 19, 28 K.-G.; wen das glücke zu wol hellt, den macht es zu einem narren fortuna quem nimium fovet, stultum facit Luther 26, 238 W.; (sie) sind ... alda auf der hochzeit wohlgehalten worden Schweinichen denkw. 535 Ö. sich wohl halten mit jem. u. ä., höflich, freundschaftlich: (er) hielt sich mit den römischen burgeren so wol und werdsam Stumpf Schweizerchron. (1606) 147a. I@A@6@cc) es wol, trefflich wol mit einem können esser in grandissima confidenza ò familiarità con uno Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381c; er kans trefflich wol mit ihm egli ... adularlo ebda; es wohl mit jem. meinen es gut meinen mit ihm, sein bestes wollen, s. Campe 5, 758; der wirth war ... ein ... höfflicher mann, der sich gegen fremde gäste sehr wohl anlassen konte Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 10 ndr.; (eine) person ... mit welcher ich mich wohl in verhältnis gesetzt zu sehen wünschte Göthe IV 41, 11 W. I@A@6@dd) wohl stehen mit jem. befreundet sein, harmonieren: solchs der kaiser mit ungefallen vornohmen und solle derhalben mit dem babst nit wol stehen fürst Georg v. Anhalt bei Luther briefw. 8, 349 W.; de mit dem pôrtener wol steit, wert bolde ingelaten Tunnicius sprichw. nr. 244 H. I@A@6@ee) wohl sprechen, reden wohlwollend, günstig, freundlich. wole sprechen benedicere Diefenbach gloss. 71b; dire del bene Kramer t.-ital. (1702) 2, 294. mit dat. der person: alle reden im wol und haben lieb Terenz (1499) 119a; Christus spricht, du sollest deynem feindt guts thon, wolreden denen, welche dich lestern Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 200 ndr. in abwertendem sinne jemandem zu gefallen reden, schmeicheln: weh euch, wenn euch jederman wol redet Luk. 6, 26. belege des 15. und 16. jh. bei Fischer schwäb. wb. 6, 950. heute auszer gebrauch. von einem wol reden to speak well of one ..., to praise him Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2529. wohl reden richtig, bzw. schön, gewandt reden s. o. I A 1 e und 5 r. etwas wohl deuten ... auslegen, ... in buona parte Kramer t.-ital. (1702) 2, 1380c: wer meinen zweck sihet, der wird alles wohl unnd zum besten deutten Moscherosch insomnis cura parentum 14 ndr. so auch: man (hat) die erde wohl und heiter zu betrachten Göthe 24, 240 W. I@A@6@ff) jemandem wohl sein freundschaftlich gesinnt sein: die rauhe Hallorin, die ... ihm ... beständig nicht wohl gewesen, sagte ... Pestalozzi w. 3, 205 B.-Spr.-St. I@A@6@gg) einem wohl wollen zugetan, geneigt, freundschaftlich gesinnt, gewogen sein. eim wol wöllen und günstig seyn complecti aliquem benevolentia Frisius dict. (1556) 162b; der gemein mann ist im günstig, wil im wol ebda 16a s. v. accinctus; einem wolwollen favere, studere alicui Stieler (1691) 2535; voler bene ad uno, essergli favorevole Kramer t.-ital. (1702) 2, 1393b; portar'affetto ad uno Castelli ital.-teutsch. wb. (1741) 1, 20b: die warheit ist, ... daz ich der Glycerio wol wil Boltz Terenz deutsch (1539) 26b; wo ist ein volck, dem gott geneigter und wöller will dann den christen? Nic. Höniger hoffhaltung d. türck. keisers (1573) vorr. 3b; es sind viel verborgene dinge in der natur ..., dieses ist ein groszes, dasz wir offtmahlen einem mänschen, den wir sonst niemahlen gesehen ..., gleichwohl vor einem andern wohlwollen Moscherosch ges. (1650) 2, 280; ein gerades ... liebes gesicht, dem jede ... redliche seele herzlich wohl will Lavater physiogn. fragm. (1775 ff.) 1, 245; Karl der Fünfte, der dem knaben (Oranien) ... wohl wollte, nahm ihn ... an seinen hof Schiller 7, 81 G.; der papst wollte mir ... wohl, weil er sahe, dasz ich mein geschäft mit der gröszten aufmerksamkeit betrieb Göthe 43, 104 W.; IV 29, 45 W.; (sie) wollen mir ... wol und werden ... nichts unterlassen um mich zu fördern W. Scherer briefw. m. Müllenhoff 15 L.; viele wollten wissen, dasz der general ... den evangelischen eher wohl als übel wolle Ric. Huch d. grosze krieg (1920) 3, 13; darbey erkennt er, dasz im gott wolwill und beysteht in der not Hans Sachs 18, 177 K.-G.; im sprichwort: wem gott wol will, dem kan niemandt übel Seb. Franck Germ. chron. (1538) 90a; Mathesius Sarepta (1571) 39a. vom glück gesagt: wems glück wol wil, dem wil niemand übel sprichw., schöne weise klugreden (1548) 95b; wem das glück wohl will, zu dem kommts im schlaf maler Müller w. (1811) 1, 140; das glück wollte mir hiebei so wohl, dasz ... Ranke s. w. (1867 ff.) 1, vi; wir kommen, sehen, siegen, das glücke will uns wol P. Fleming dtsche ged. 1, 96 L. im perf.: er hat mir ... wolgewollt he ... favoured ... me Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2531: jedoch hat ihm (Placidus) das glück so wol gewolt, dasz sein feldhauptman Aetius ... Atilam ... überwunden Brandis ehrenkräntzel (1678) 66; man schätzte mich hier, man hat mir ... wohlgewollt Hauff s. w. (1890) 5, 182; im anfange hatte er mir wohlgewollt, da ich ... bei ihm mich ziemlich gut aufführte G. Keller ges. w. (1889) 1, 169; o glück, heint hast mir wol gewölt Hans Sachs 17, 27 K.-G.; der einsamkeit hab ich von kind auf wol gewolt Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 33; hat je dem weih die taube wohlgewollt? A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 210. ungewöhnlich mit part. gewöllen: es kam auff den frantzösischen bapst, der seinen landtsleuten wolgewöllen, ein anderer Frantzos Wurstisen P. Aemilii ... hist. (1572) 1, 378. ungebräuchlich bleibt in alter und neuer sprache die passivische wendung: er ist ... wolgewöltt von dem künig (1509) Fortunatus 144 ndr. I@A@6@hh) in der gegenwartssprache veraltet ist die höflichkeitswendung tu so wohl 'sei so freundlich', meist mit nachfolgendem satz thut so wol und sagt mir ... Schmeller-Fr. 2, 892: (der kaufmann) zuo der ... frawe sprach ... daz sie so wol thät und im mit einem alten sacke ze willen würde Arigo decam. 77 K.; do schrib das concilium künig Wentzelan von Behem, das er so wol tät durch christan globens willen und ... Richental chron. d. Constanzer concils 76 lit. ver.; darumb min herr, Ae, thuond so wol, rhatend, wie ich mich halten sol! H. R. Manuel d. weinspiel v. 969 ndr.; doch thut so wohl und knüpft das seil Fouqué held d. nordens (1810) 2, 120. I@A@77) aus der bedeutung 'richtig, gehörig' in der älteren sprache häufig zu 'ausreichend', dann 'reichlich, ausgiebig' übergehend: kunde ich euch verpfeien, das euch wirser dann übel geschehe, das hettet ir snodiglich wol an mir verdienet ackermann aus Böhmen cap. 7 Bernt-Burd.; gemainglich geschicht, das die menschen auff wol trincken ... bald entschlaffen (1509) Fortunatus 57 ndr.; es war ein reicher mensch, des feld hatte wol getragen (uberes fructus ager attulit) Luk. 12, 16; seid frölich ..., es wird euch im himel wol belohnet werden Matth. 5, 12; Hans Sachs 2, 6; A. v. Haller Usong (1771) 117; man sol den acker nit zu wol tüngen sprichw., schöne weise klugreden (1548) 36b; 136b; versorg dich wol mit proviand, daz ist in unser schuol kein schand Scheit Grobianus v. 2750f.; 1623; 2429; 4479; man soll die jungen gänszlein nit früe hinaus treiben, weil der thau noch nicht abgangen, sondern wans wol auff den tag kummen ist und die sonne den thau abgeleckt hat viehbüchlein (1667) 107; de einen to gaste bidt, de gae êrsten wol to vleischmarkt Tunnicius sprichw. 488. I@A@88) die bedeutung 'gehörig', bzw. 'günstig, erfolgreich' kann je nach zusammenhang zu 'ohne schwierigkeit, leicht' führen: es ist ein grosz ere, das du übersichst, den du wol möchst geschedigt haben Keisersberg bilgerschaft (1512) 7b; was victualien anbelangt, seind alle wol zu bekhommen (1622) Josua Ulsheimer rayszbuoch 101 Crecelius. umgangssprachlich und dialektisch in der redensart du kannst wohl lachen du hast gut lachen, s. Woeste westfäl. 328; lux. ma. (1906) 493. besonders der negation nicht nachgestellt im sinne von 'nicht leicht, schwerlich, kaum'. nicht wol difficilmente, schwerlich Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381c; es wird nicht wol seyn können ebda; es ist nicht wol möglich ebda: solliche ursachenn (der notwehr) alle zu erclerenn khan durch diss ordnunge nit wol grundtlichen ... beschehenn Carolina 1, 75 K.; der zorn wil sich nitt wol bergen lossen Vogelgesang-Cochläus ein heiml. gespräch 15 ndr.; der groszen herrn geschenck kan man nicht wol ausschlagen Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) e 2rb nr. 255; eine logisch strenge eintheilung läszt sich nicht wohl von den verschiedenen dichtungsarten machen Eschenburg entwurf (1783) 38; die ... untersuchungen sind einer kurzen anzeige nicht wohl fähig Gerstenberg Hamburger neue zeitung 298 lit.-denkm.; das verhältnisz Güldenapfels zu der a(llgem.) l(iteratur)zeitung (ist) nicht wohl zu lösen Göthe IV 29, 44 W.; dieses anerbieten konnte nicht wohl zurückgewiesen werden G. Keller ges. w. (1889 ff.) 5, 41; eine nicht wohl zu missende episode Justi Winckelmann (1866 ff.) 2, 2, 315; zu verkennen war die nothwendigkeit dieser ... reform nicht wohl Mommsen m. gesch. (41865) 2, 21. zu nicht wohl durchaus nicht s. u. II A 8. I@A@99) in der bedeutung 'gern, mit lust' auf einzelne fügungen und redensarten beschränkt. s. auch u. II A 11. I@A@9@aa) jemanden oder etwas wohl leiden, mögen u. ä.: ich guonn dirs ouch von hertzen wol H. R. Manuel weinspiel v. 1341 ndr.; das selb ich auch mag leyden wol Hans Sachs 2, 8 K.; ich mag ihn sonst wohl leyden Creizenach schausp. engl. comöd. 79, 10; ich mag ihn wohl, den guten, trotzgen blick! den prallen gang! Lessing 3, 58 M. (Nathan 2, 5). I@A@9@bb) wohl oder übel gern oder ungern, ob es paszt oder nicht, mit oder gegen willen, nolens volens: die (aus der fruchtbaren ebene) verdrängten gewöhnen sich wohl oder übel an die kargere nahrung (im gebirge) D. Fr. Strausz ges. schr. 6, 127; der junge graf schlosz sich wohl oder übel an Fontane ges. w. I 5, 38; bei erntefeiern muszte wohl oder übel die geistlichkeit dem volke seine weltliche tanzfreude ... lassen Böhme gesch. d. tanzes (1886) 18; hier also muszte sich der herr wohl oder übel zum handeln bequemen W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 1, 220; wol oder übel — wollt ers nicht mit ihr gestreng verderben Schiller 1, 252 G. weitere belege s. teil 11, 2, sp. 25 s. v. übel. I@A@1010) wohl verstärkt, besonders älternhd. den verbalbegriff oder verleiht ihm emphatischen nachdruck, im sinne von 'tüchtig, fest, sehr, ausreichend, gänzlich, durchaus': greiffet in an ... und schlacht in wol Arigo decam. 56 K. so bald die fraw des kinds gelegen, soll sie die händ ... auff den bloszen leib legen und zimlich wol trucken (drücken), damit das nachwesen nicht uber sich gehe Gäbelkover artzneybuch (1596) 2, 52; (sie) truckhen ... den safft wol aus der geribnen wurtzel (1622) Josua Ulsheimer rayszbuoch 107 Crecelius; jetzt werd ich wol geplaget, gespeist mit threnenbrodt Mich. Altenburg bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 2, 57. P. Gerhardt ebda 3, 381a. vollkommen, gänzlich: Woldemari brüder ... musten sich mit den ... Mahaven schlagen, das der Wenden wol vergessen ward (1579) Entzelt altmärk. chron. 119 B. jemandem wohl trauen, vertrauen fest, zuverlässig, sehr: verschwigne oren, denen man wol vertrauwen ... darff Frisius dict. (1556) 144 s. v. auris; mein sohn ... trawt seinen hofleuten zu wohl Lehman floril. polit. (1662) 1, 248; (er) truwt gott, als er dan billich sol, doch truwt er im nur vill zuo woll Murner narrenbeschw. 139, 85 Spanier; ir frumen stet, nun habt in acht des gmeinen deutschen adels macht, zicht den zu euch, vortrawt im wol U. v. Hutten opera 3, 529 B. I@A@1111) die verstärkende bedeutung 'ausreichend, fest, vollkommen', schwächt sich im 15. bis 17. jh. bisweilen zur bloszen funktion der perfektivierung ab, daher in glossaren dieser zeit häufig lat. composita mit de, ex, in, ob, per, re durch wol wiedergegeben werden: exornare wol czyren (15. jh.) Diefenbach gloss. 217c; inservire wol dyenen ebda 300c; percoquere wol kochen (a. 1512) ebda 424c; persistere wol stan ebda 429c; ich salb wol, bestreich gar perlino Er. Alberus dict. (1540) 13a; ich wesch gar, wol reluo ebda 24b; ich bind wol, vast deligo ebda 56b; wol bawen, behoblen, demmen, heilen, kochen, lehren, lernen, butzen, reinigen, salben, wäschen excolo, edolo, edomo, percuro, excoquo, percoquo, perdoceo, perdisco, obsuo, expurgo, exungo, proluo Calepinus XI ling. (1598) 508b; 461b; 462a; 1054a; 509a; 1053b; 1055b; 1054b; 975a; 528a; 535b; 1168b. vgl. noch da man wol reiten mag equitabilis ebda 490b; wol zu erbetten exorabilis ebda 520a; wol ... zu erobern expugnabilis ebda 527b; das wol nehret alibilis, quod facultatem habet alendi ebda 71a, ferner wole fugt (feucht) machen irrigare Diefenbach gloss. 309c; wol fruchtbar machen fecundare ebda 228c; wol scharff, stumpf machen peracuo, obtundo Calepinus a. a. o. 1050b; 976b; wol binden perligare Stieler (1691) 159; wol zeitigen permaturescere ebda 2621: herr, wasche du mich wol von meiner missetat P. Fleming dtsche ged. 1, 7 L. I@A@1212) wohl als gradbezeichnung, älternhd. (15./16. jh.) in der korrelation als wohl — als, in der neueren sprache (ab 16. jh. bis zur gegenwart allgemein) so wohl — als und als auch. I@A@12@aa) und der herr gesegent ... alles sein guot alz wol in den heusern als in den eckern Gen. 39, 5 erste dtsche bibel; er bit als wol umb sich als umb das volck Lev. 16, 24 ebda; in der tod als wol bereyt was als den andern Arigo decam. 105 K.; 208 K.; als ob nit huszhalten und tagwerck der layen als wol gots dienst sy und meer dann das schrien und brummen der tempelknecht Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 41 ndr.; das mir wurd glich als wol anston als gieng ein kuo uff stältzen H. R. Manuel weinspiel v. 39 ndr.; den tod hab wir ye nit verschuld, weyl wir sind beyde fleisch und blut als wol als du Hans Sachs 2, 32 K. zur korrelation als wol — als wol bei Murner, s. anz. f. dtsch. altert. 49, 27 I@A@12@bb) so wohl — als und als auch: unser muotterspraach ..., die ja gleich ir facundiam und zier so wol hat als andere spraachen Boltz Terenz deutsch (1539) a 3b; nichts beweret die freundtschafft so wol als das ein freundt dess andern bürde tregt Heyden Plinius (1565) vorr. 2b; darbey einer so wol kan selig werden als ein weib, die ... Mathesius Sarepta (1571) 5b; ein krum holt bernt so wol als ein recht holt Tunnicius sprichw. 144 H.; ein schimmel drabt so wol als ein rapp Lehman floril. polit. (1662) 1, 13; so wol das geld als auch die wahre cosi (tanto) i danari come (quanto) la robba Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381c; ein leidendes thier so wohl als der held Philoktet, wenn es der schmerz anfället, wird wimmern Herder s. w. 5, 5 S.; euch ist bekant so wol als mir, dasz ich geborn der töchter vier Gilhusius grammatica (1597) 1, 2, 30; und würbel um her laufft, da frömder völcker sitten so wol als auch der krieg das teutsche land zerruotten Rompler v. Löwenhalt erstes geb. s. reimged. (1647) 81. I@A@12@cc) gleich so wohl, ebenso wohl — als: (es hat) der himmel gleich so wol in den firmamenten verstendig geschöpff als das element terrae Paracelsus opera (1616) 2, 11; grosze herren sollen gleich so wol undanckbarkeit fliehen als schlechte arme leute Friedrich Wilhelm sprichw.-register (1577) t 2va nr. 229; das wir nicht solten eben so wol oder vileicht besser versehen sein als unsere vorfahren Sebiz feldbau (1579) 1; weil aber er ... nit ... gedachte, dasz er eben so wol nur ein creatur ... als andere war, so gerieth er in die thorheit der hoffart Äg. Albertinus Lucifers königreich 27 nat.-lit.; und bekomt dieser ebenso wohl seinen groschen als jener Lehman floril. polit. (1662) 1, 243. zu bayr. gleich so wol, grad so wol s. Schmeller-Fr. 2, 892. I@A@12@dd) der gradvergleich tritt in der neueren sprache häufig zurück, besonders in der korrelation so wohl — als auch, die dann einfacher aufzählung, anreihung dient: ... hat er etliche mahl so wol münd- als schrifftlich von mir begehret Rist friedew. Teutschland (1648) 14; es musz ... der singer ... den text deutlich auszudrükken wissen, damit die meinung so wohl durch die musik als worte wohl hervorgebracht werde Neumark fortgepfl. ... lustw. (1657) 1, 7. s. o. sowol teil 10, 1, sp. 1824f. I@A@12@ee) selten wohl allein im vordersatz: der stoltz mag wol in einer schlechten jopen als in einem seydenen kleide sein Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) h 1va nr. 542. ungewöhnlich auch als wol, so wohl im nachsatz für als auch: (die urkunde ist) in ainer lateinischen original rotula so wol gar uralten teutschen translation vorhannden Brandis gesch. d. landeshauptleute von Tirol 1569 -1629 24; 58; ich kans nicht bringen ins gehirn und dächt doch, ich hett auch ein kopff, als wol ein ander fauler tropff Rinckhart christl. ritter 78 ndr.; lasz das vertrauen gegen dir so wol (= wie auch) die liebe für und für in unsern herzen mehren J. C. Arnschwanger bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 5, 271. I@BB. besonders fruchtbar ist die verbindung von wohl mit part. prät. und bis in die gegenwartssprache auch in anwendungsgebieten lebendig geblieben, wo wohl bei finiten verbalformen ungebräuchlich wurde. wohl rückt mit dem part. prät. häufig zu syntaktischer komposition zusammen, die adjektivisch und adverbiell gebraucht wird. die gruppe dieser zusammenrückungen ist in älterer und neuerer sprache sehr grosz und kann nicht erschöpfend aufgezählt werden. nur ein teil von ihnen ist unten unter den wohl-composita besprochen. die orthographie schwankt bezüglich des getrennt- und zusammenschreibens bis in die gegenwart. die bedeutung von wohl entspricht beim part. der von wohl bei finiten verbalformen, wofür hier einige beispiele. im einzelnen sind unten die composita nachzuschlagen. I@B@aa) zweckentsprechend, gehörig, richtig. wol geschliffen, gewetzt, gewärmt, gewaschen Kramer t.-ital. (1702) 2, 1382a; das brod ist nicht wol ausgebacken ebda; wohl gebettet, wohl geschlafen, übel gebettet, übel geschlafen Pistorius thes. paröm. (1715 ff.) cent. 2, 228: des burgermeisters hausz ... (war) fast wol geordnet Dürer tageb. 52 L. wol getroffen! ein treflicher schlusz! Morhof unterricht (1682) 1, 74; (ein kriegswagen,) schön, neu und wohl gezimmert Bürger s. w. 160 B.; eine last wohlgefaszt ist nur eine halbe last Binder 119; das geld, das er (der mensch) nicht selbst ausgibt, scheint ihm selten wohl angewendet Göthe 23, 19 W. I@B@bb) sorgfältig, gründlich. der philosophy oder der weyszheit wol bericht, in der weyszheit wol geleert Frisius dict. (1556) 2b s. v. instructus; Atlas ... des sternensehens wol berichtet Calepinus XI ling. (1598) onom. 49b; in weisheit wol geschikt Schede-Melissus ps. 68 ndr.; wunderst du dich, ... woher ich so wol von ihm unterrichtet bin? Wieland Agathon (1766f.) 1, 20; ein mit kenntnisz alter sprachen wohl ausgerüsteter gelehrter Göthe 46, 74 W.; (sie ist) im schreiben wohl erfahren A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 242. genau: ich bin nitt wol mit ir bekant Vogelgesang-Cochläus gespräch 23 ndr.; glaubwyrdige zeugen, den notariis wol bekant ordnung ... keiser Carols V. (1540) b 1b; mir ist gar wohl bekannt die edle treue Tieck schr. (1828) 1, 97. deutlich: ein guter mensch in seinem dunklen drange ist sich des rechten weges wohl bewuszt Göthe 14, 22 W. (Faust I v. 329). I@B@cc) unversehrt: der brief ist wohl angelangt Göthe IV 28, 2 W.; der ... sarg ... war noch wohl erhalten Storm s. w. (1899) 3, 181. I@B@dd) sittlich richtig, korrekt: ich gelaub ... sölichs ... sey wol getuon Arigo decam. 11 K.; 83; ist aber disz gott nit wol gelobt? ist das nit fein evangelisch? Diettemberger wider das ... buch Luthers v. d. miszbrauch d. mess (1526) f; wol gelebt — wol gestorben Eyering proverb. copia (1601 ff.) 3, 580. I@B@ee) günstig: vier jungfrawschulen sollen gehalten werden an vier örtern, der gantzen stadt wol gelegen Bugenhagen Braunschweiger kirchenordn. (1531) 50; den feynden wol zuo hand gelägen obvia urbs inimicis Frisius dict. (1556) 902a; Asia ist sehr ein reich land ... und wol zu wasser gelegen Mathesius Sarepta (1571) 14b. I@B@ff) gefällig, schön: wol und fein zusammen gestaltet, hübsch Calepinus XI ling. (1598) 293a s. v. concinnus; da sahend die kinder gottes nach den töchteren der menschen, wie sy wol gethon (Luther: schön) wärind Zürcherbibel (1531) 1. Mos. 6 a, vgl, unten wohlgetan; ein schöner und überaus wohl gemachter cavalier Stranitzky ollapatrida 41 Wiener ndr. I@B@gg) freundlich: wir sind dir mit ... gnaden wohl gewogen Schweinichen denkw. 152 Ö.; von kennern wohl aufgenommen Lessing s. schr. 7, 6 M. I@B@hh) reichlich, sehr. 'wol, susseguito da un adjettivo derivato di be-, er-, ge-, ver- etc., dinota grandezza, lunghezza, abbondanza, eccesso, stranezza etc. Kramer t.-ital. (1702) 2, 1382c: (er) kläglichen anhuobe cze weynen nit mynder dann als ein wol geschlagen kind Arigo decam. 251 K.; so das pferd wol gefutert ist, wirt es stoltz und frech A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) c 4b; Abram ... was wol beladen mit vich, silber und gold (Luther: seer reich) Zürcherbibel (1531) 1. Mos. 13, 2; es sen (sind) gar vil leut ... so wol bezächt gewesst, das sy ... verschlaffen haben Schwarzenberg Cicero (1535) 82; die Syracusaner waren des jochs schon zu wohl gewohnt, um einen versuch zu machen, es ... abzuschütteln Wieland Agathon (1766f.) 2, 91. vollkommen, durchaus: so sind die gest gesettigt wol Scheit Grobianus v. 1662 ndr. I@B@ii) abgeschwächt zu bloszer verstärkung der perfektivierung des part.-begriffs (älternhd.): gare sive wol gesoden (15. jh.) Diefenbach gloss. 425c s. v. perfectus; wol bemühet exagitatus Calepinus XI ling. (1598) 502b; von trauben beeren wol geseuberet deacinatus ebda 370b; vest und wol bewart machen emunio ebda 479b; wolgeziert excultus 508b; wolversorget excuratus 510a; wolverborgen occultatus 980a. I@CC. wohl bei adj. und adv. wohl gibt adjektiven und adverbien, vor die es tritt, emphatischen nachdruck oder ist verstärkung des adj.- und adverbbegriffes im sinne von 'gehörig, recht, sehr, gar, durchaus'. es wird in dieser stellung, besonders vor manch, wenig, viel u. ä. häufig als beteuerungspartikel empfunden, s. Grimm gramm. 3, 87 und unten II A 2 u. 7. I@C@11) bei adj., schon ahd.: ni uuarun uuola uuakar Otfrid IV 7, 66; (Ludwig) ist ellenes guatesioh uuola quekes muates ders. ad Ludovic. 68. weitere ahd. belege s. Graff 1, 833. auch mhd. häufig, s. mhd. wb. 3, 798a f., z. b.: nû was der gast wol bereit Iwein 6676; ich liez in (Gunther) wol gesunden: daz tuon ich iu bekant Nib. 553, 3 B.; hie von sô wart si wol gesite, schôn unde reine gemuot Tristan 8028; 11089. nhd. valde potus, qui multum potavit der wol truncken ist Calepinus XI ling. (1598) 107b s. v. appotus; das ist wol schimpflich Kramer t.-ital. (1702) 2, 1382a: es thet ym woll faul (= sehr leid) Luther 34, 2, 156 W.; etliche pferde trincken es von sich selber, man musz sie zuvor aber wohl durstig werden lassen Walther pferde- u. viehzucht (1658) 100; fuhrleute, die der gegend wohl kundig waren Göthe 22, 33 W.; (es) würde ... allen wohl vergnüglich seyn IV 31, 188 W.; ich fand den feldmarschall ganz bereit zu einer landung, ... welche damals sehr wohl ausführbar war Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 27. in der neueren sprache besonders häufig bei möglich, wahr, würdig, wissend, zufrieden: ich hoff es sey vast wol müglich, drumb ich in hoffnung ste Forster fr. teutsche liedlein 71 ndr.; auch ists wohl möglich, dasz ... Klinger w. (1809 ff.) 3, 130; H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 7; es ist wol ware ... Arigo decam. 43 K. wohl wert: wol schawens wärt Calepinus a. a. o. 130a s. v. aspectabilis; schon mhd., s. liederbuch d. Hätzlerin 244 H.; man soll den narren nicht antwort geben wie sein thorhait wol werdt wär Nas das antipap. eins u. hundert (1567) 1, vorrede a 5r; dergleichen ... gedicht ..., welche ... wol werth weren in truck zu verfertigen W. Spangenberg gansskönig in: ausgew. dicht. 3 Martin; (Shakespeare) war ... wohl werth den Deutschen bekannter zu werden schleswig. lit.-br. 109, 9 lit.-denkm.; Wieland Agathon (1766f.) 1, 11; ein augenblick ..., wohl werth in erinnerung gebracht zu werden Ranke w. 2 14, 6. (eine geschichte) wol wirdig der czäher unser augen Arigo decam. 247 K.; ein guldins grab, desz du wol wirdig bist und werd Hans Sachs 2, 35 K. wohl wissend genau bekannt: es solte dir ... wol wissent gewesen sein Arigo decam. 251 K.; 45. wohl zufrieden: er würt ouch fast wol zufriden syn Keisersberg bilgerschaf t (1512) b 4rv; (sie) sind wol zufrieden gewesen (1579) Entzelt altmärk. chron. 56 Bohm; ich bin sehr wohl ... mit meinem unglücke zufrieden Gellert s. schr. (1839) 4, 209; ich bin herzlich wohl zufrieden, herr schulmeister Lenz ges. schr. 1, 77 Tieck; mit dem wachsthum des knaben, der sich ... zum jüngling heranstreckte, konnte der vater wohl zufrieden sein Göthe 25, 2 W.; mein hort, ich bin wol zufrieden wenn du mich nur nicht verstöszt P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 311. elliptisch ohne verbum wohl gut!: wol gut, saget er, ich wil sie besehen Amadis 74 lit. ver.; Rinckhart christl. ritter 80 ndr.; die alten sind ietzund der jungen ihre kinder; denn diese wissen mehr und jene wissen minder. wol gut! weil gott sein reich den kindern anverspricht, erbt jene welt allein und diese welt erbt nicht Logau sinnged. 35 E.; hohlt das mensche mich ab, wohl gut, kömt sie aber nicht wieder ... Chr. Reuter Schelmuffsky 22 ndr. (vollst. ausg.); Lessing 1, 121 M.; Fouqué held d. nordens (1810) 1, 37. I@C@22) auch bei adverbien in alter und neuer zeit häufig als verstärkung. ahd. belege bei Graff 1, 833; mhd. belege bei Lexer 3, 964 f.; nhd.: leit eyn mönch in seim gebete, der wol gern etwann anders thäte d. renner (Frankfurter druck 1549) 21a; es ist wol weit kommen, v. sehr Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381a; es ist wol schlecht bestellt mit ihm sta malissimo ebda 1382a. umgangssprachlich und dialektisch kann das vor ein adj. oder adv. gesetzte wohl die bedeutung von 'allzu' annehmen: wol grot zu grosz, wol rîpe überreif Woeste westf. 328a; wol fill fast zu viel, wol langsam zu langsam Seiler Basler ma. (1879) 318, bei lageadverbien die bedeutung 'mehr': wol hindere interius, wol ûfe altius; wol rächts, wol lings non parum ad dextram, ad sinistram idiot. Bernense (1857) 78. I@C@33) häufig rückt wohl mit folgendem adj. und adv. zu syntaktischer komposition zusammen. solche zusammenrückungen sind im folgenden unten als wohl-composita angeführt. sie sind nicht so zahlreich wie die zusammenrückungen von wohl mit part. prät., aber vollständigkeit konnte auch bei ihnen nicht erstrebt werden. von ihnen veraltet im 18. jh. die gruppe der höflichkeitstitulaturen wie wohlachtbar, -edel, -ehrbar ... -weise u. s. w., fruchtbar blieb aber im ganzen diese wortbildung bis in die gegenwart. bei zusammenrückungen mit lageadverbien (s. u.wohlan, -auf, -her, -hin u. s. w.) hat wohl interjektionelle funktion (s. u. III). IIII. abschwächung zur partikel läszt sich schon für got. waila belegen, s. got. bibel 1. Kor. 9, 22, findet sich ahd. und mhd., erhält dann nhd. so breite verwendung, dasz der gebrauch von wohl als partikel der beteuerung, vermutung, einschränkung, der verstärkung, des gegensatzes oder vergleiches in der gegenwartssprache die verwendung als vollwort überwiegt. im ahd. und mhd. bahnt sich dies erst an. II@AA. als beteuerungspartikel etwa unserem 'wahrlich, sicherlich, gewisz, wirklich, mit recht' nahekommend, einfach bekräftigend oder auch zustimmung erwartend und heischend. vgl. ahd. (von der himmelfahrt Christi) thoh nist nihein sterro,ni er ubarfuari ferro, quedan man iz uuola muaz,alle drat er se (Christus die sterne) untar fuaz Otfrid V 17, 36; ni uuuntoro thu dih, friunt min,nubiz uuola megi sîn ders. II 12, 37. mhd. belege s. mhd. wb. 3, 798a. vgl.: sô bistû wol ein vrum man Hartmann v. Aue Iwein 559; op er (Gunther) gewalt des hête,wol wær er künic rîch Nib. 412, 2 B.; dô sprâchen dâ die wîsen ..., man möhte Kriemhildewol für Prünhilde jehen ebda 593, 4 B. in dieser verwendung als beteuerungspartikel findet sich wohl am häufigsten beim konjunktiv, in sätzen mit futurischem sinn oder mit hilfsverben wie mögen, können, dürfen, bzw. sätzen mit negation, häufig aber auch bei indikativischem vergangenheitstempus. II@A@11) bei indikativischem verbum: nicht sprecht, sy (die sünden) seyen kleine, es ist wol übel genug gethon Arigo decam. 25 K.; und sprachen, pfey dich an, wol ein schalck ist daz (1515) Eulenspiegel 6 ndr.; dem arbeiter vergat der gammel (übermut) wol am karst, im pfluog, im feld Zwingli von freiheit d. speisen 18 ndr.; (Joh. d. täufer zu Christus:) ich bedarff wol, das ich von dir getaufft werde Matth. 3, 14; so hastu werlich wol sach (ursach) dinem kindlin allweg by den feússen zu ligen St. Fridolin dtsche pred. 52, 24 Schmidt; Fischart Eulenspiegel 25 H.; tugend ist wol ihr selbst lohn Lohenstein Arminius (1689f.) 1, b 1v; du hast wohl ursache zu weinen Cl. Brentano ges. schr. (1852 ff.) 5, 30. im sprichwort: man darff den teufel nicht über die thür malen, er kommt wol selbs ins hausz sprichw., schöne weise klugreden (1548) 42a; 37b; 71b. bei gerundium: es ist wol zuo erbarmen, das die frowenklöster so vyl beschwert sind mit den unvernünfftigen statuten Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 32 ndr.; (eine quelle, welche) wol für ein wunderwerckh zu achten ist (1622) Josua Ulsheimer rayszbuoch 97 Crecelius; solche vorstellungen ... sind denn wohl dem einsiedler zu verzeihen, der ... Göthe IV 34, 129 W.; so, so, besitzt sie auch der geist der spötterey, das hab ich wohl gedacht, so geht es heut zu tage Cronegk schr. (1761) 1, 17; am sattel mich zu halten that wohl noth, da wahrlich schlimmer als zuvor der weg A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 109. ganz allgemein: das glaube ich wohl: ja wer daz also künd, so gloub ich wol, daz ... Keisersberg bilgerschaft (1512) b 4va; auf steinen (liegt er) gewisz nicht! das glaub ich wohl maler Müller w. (1811) 1, 142; ich glaub es wohl, bruder, denn ... Klinger w. (1809 ff.) 3, 86. II@A@22) bei verben mit auxiliarem können, mögen, müssen, dürfen und bei verben im konjunktiv: in dem sich füget, das man wol sprechen möcht, es ein zeichen von got were Arigo decam. 65 K.; darumb ir euch sölcher müe ... hettet wol überheben mügen ebda 644 K.; der (der von seinem irdischen vater verstoszene s. Franciscus) mocht wol sprechen: vatter unser, der du bist in den himelen Keisersberg bilgerschaft (1512) b 1vb; es möchten solche grewliche ... lügen ... einem wol das herz brechen Luther w. 18, 261 W.; wer im 23. jar nicht stirbt ..., der mag wol von glück sagen sprichw., schöne weise klugreden (1548) 55a; du hast nun, darnach dich dürst hat, magst wol ein hoch freudenlied singen Tschudi chron. Helvet. 1, 99; erzürnt der bär ..., darff dem menschen der schimpff wol zuo saur werden Herold-Forer C. Gesners tierbuch (1563) 15b; ein brav kerl ..., dergleichen man wohl wenig in der welt antreffen würde Chr. Reuter Schelmuffsky 25 ndr. (vollst. ausg.); das musz wol ein plumper flegelius gewesen sein Grimmelshausen 2, 356 Keller; disz soll mir wol eine witzung seyn, dasz ich nimmermehr ... allein über feld reite ebda 2, 337 K.; bey der heiterkeit eines zufriedenen gewissens kann man endlich wohl auf das schattenspiel eines unvergänglichen namens verzicht thun Thom. Abbt verm. w. (1768 ff.) 1, 4; wir müssen mager suppen essen, das kündt ir wol darbey ermessen, wir haben lang kein wildprät gfangen Hans Sachs 21, 3 K.-G.; du siehst so ernst, geliebter! deinem bilde von marmor hier möcht ich dich wohl vergleichen Göthe 2, 6 W. beteuernd und zugleich zustimmung erwartend ich darf wohl sagen u. ä.: ihre heftige und ich darf wohl sagen unbequeme liebe Göthe 23, 31 W.; 2, 18 W.; eine ich darf wohl sagen scharfe kritik Bismarck ged. u. erinn. 2, 18 volksausg.; man kann wohl sagen, dasz keine ... nachwelt jemals aus dem kunstwerke heraus forschen kann, was der künstler hinein gelegt hat Göthe 47, 39 W.; G. Keller ges. w. (1889) 1, 18; ich liesz mich das nicht zweymahl heiszen könnt ihr wohl glauben maler Müller w. (1811) 1, 134. höflich bescheiden: darf ich wohl fragen, ob ... Gellert s. schr. (1839) 4, 195; von dir hofft ich vertrauen, das der wirth für seine treue wohl erwarten darf Göthe 10, 14 W. (Iphigenie 1, 3); II@A@33) häufig wird der aussage über ein in der zukunft liegendes geschehen durch bekräftigendes wohl nachdruck gegeben: gott ... wird sie ... am jüngsten tage wol anzusprechen und zu finden wissen Ringwaldt lauter warheit (1598) a 7a; to dem jungesten dage sal men wol sein, we gut is Tunnicius sprichw. 706 H.; lasz du nur gott des krieges walten, den sieg wirt er dir wol erhalten Hans Sachs 1, 219 K. II@A@44) bei vergleichen und steigerungen zur bekräftigung: (sie) gab ir fünffhundert pfunt und so vil schöner kleynet die auch wol so vil wert waren Arigo decam. 232 K.; ich hab wol als vil zuogenommen ... in menschlicher leer als etlich mines alters Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 79; (Johannes d. täufer) hat uns wol me gelert ... und geprediget (als die priester) E. Windecke denkwürdigkeiten 307 Altmann. II@A@55) die beteuerung ist eine steigerung. wohl hat den sinn von 'sogar': dat süt wol ein blinde Tunnicius sprichw. 945 H.; man musz ... einem jedwederen sein meinung gönnen. urtheilt doch wol der blinde von der farbe Königsberger dichterkreis 68 ndr.; ein mann, der wohl fürstliche personen gekleidet hat, soll sich einen poeten schimpfen lassen? Lessing 3, 218 M. II@A@66) nach noch: nun will ich warlich heben an und frey versuchen was ich kan, ich will also freundtlich geberden, das ich noch wol der liebst soll werden Er. Alberus fabeln 135 ndr.; o so kan der, der alles disz kunt machen, noch wol so viel, dasz todte wieder wachen Logau s. sinnged. 151 E.; diss alles trägt sich zu und noch wol ärger sachen Rachel satyr. ged. 52 ndr. II@A@77) auch bei ander und negationen wird durch vor- oder nachgesetztes wohl der nachdruck der aussage gesteigert. 'wol, accompagnato da kein, di nicht, di nichts, niemand etc. e simili particole ed espressioni negative, nega piu emfaticamente' Kramer t.-ital. (1702) 2, 1382b; das ist wol ein anderer kerl als ihr seyd ebda; ich bin wol kein solcher ... ebda: das will ich der tebel hohlmer wohl keinen menschen sagen Chr. Reuter Schelmuffsky 8 ndr. (vollst. ausg.); wenn die sprache je näher ihrem ursprunge desto unartikulirter ist — was folgt, als dasz sie wohl nicht von einem höhern wesen ... erfunden (sein kann) Herder s. w. 5, 14 S.; wie nah dieses ... zusammenhänge, braucht wohl nicht ... ausgeführt zu werden Göthe II 6, 9 W.; wohl keine andere literatur ... legt davon so sprechendes zeugnis ab wie die deutsche Scherer lit.-gesch. (1894) 98; dem vater ... von dem wohl niemand leicht betruobt und trostlos geht Stoppe Parnasz (1735) 14; Cäsarn wär ich wohl nie zu fernen Britannen gefolget Göthe 1, 253 W. II@A@88) auch nachgestelltes wohl bekräftigt die negation: nicht wohl 'wahrlich nicht', 'durchaus nicht': er sagt, daz ain yetklich tütsch, daz usz ... latine gezogen und recht ... getransferyeret wer, ouch guot zierlich tütsche ... haissen und sin müste und nit wol verbessert werden möcht N. v. Wyle translat. 9 K.; der auszsatz ist eyn ewige plage, die nitt woll zu heilen ist Luther 8, 391 W.; 19, 648; so hanget es alles aneinander und wil nit wol abzubrechen seyn Vogelgesang-Cochläus ein heiml. gespräch 12 ndr.; ... welches mir doch nitt wol gleublich ist ebda 2; die hertzogin nit wol antwurt auff des edelmans red geben kundt Wickram w. 1, 13 B.; was von natur frumb, kan nit wol boszhafftig werden Mayr sprüchw. (1567) d 6 β; der grossen herrn geschenck kan man nicht wol ausschlagen Friedrich Wilhelm sprichw.-register (1577) e 2rb, nr. 255. in der neueren sprache seltener: heute kann ich nicht wohl ausgehen Göthe IV 14, 236 W.; von einer ... verwertung ... kann zwischen uns die rede einmal nicht wohl sein Mörike ges. schr. (1905) 3, 23 Göschen. über nicht wohl für 'nicht leicht, kaum, schwerlich' s. oben I A 8. II@A@99) ähnlich den nachdruck der behauptung steigernd bei kaum, schwerlich: gott! wenn ich doch das mädchen noch behalten und einen solchen eidam mir damit erkauffen könnte! — schwerlich wohl! Lessing 3, 142 M. (Nathan 4, 7). II@A@1010) beteuerndes wohl vor zahlen- und maszangaben hebt diese angabe besonders hervor oder hat, vor abgerundeten zahlangaben, die bedeutung von 'annähernd, ungefähr', auch 'reichlich': item 5 m ... zwen bretsnydern die den somer wol 8 wochen ... delen und bret gesneten haben Marienburger treszlerbuch 19 Joach.; also sprach ich zu wol fünfzehen erbern mannen (1411) österr. weist. 2, 293; darumb so wil ich gehorsam sin diner bitte yetz wol zechen maln an mich beschehen N. v. Wyle translat. 20 K.; 52; wol pey tausend des tages kranck wurden Arigo decam. 7 K.; wol ze tausent malen (mille volte o più) ebda 102 K.; die behielt ich wol ein gancz iare (bene un anno) 25 K.; ich wolt euch wol hundert fele (fälle) anzeigen Vogelgesang-Cochläus gespräch ... 12 ndr.; wol vor acht jarn ebda 9; der alten scribenten ... findt man noch wol etliche vorhanden Frey gartengesellschaft 3, 8 B.; also dasz iren wol der dritt theil starb Stumpf Schweizerchron. (1606) 205a; man versucht ihrer (der melonen) wohl zehen oder mehr bisz man eine gute findt Lehman floril. polit. (1662) 1, 231; was maszen er hiebevor wol 4 jahr ein stumm gewesen wäre Grimmelshausen 2, 348 Keller; wol 500 schritte lang Prätorius winterflucht (1678) vortrab a 5a; an wol zwantzig hohen säulen weheten ... fahnen Lohenstein Arminius (1689 f.) 1, 638a; (ich habe) wohl über die fünfzehn tanzmeister ... gehabt Lenz ges. schr. 1, 5 Tieck; er las ... Marianens brief wohl hundertmal durch Göthe 23, 91 W.; wohl ein stündchen mochte ich geschlafen haben A. v. Arnim s. w. 2, 27 Gr.; ich war wohl eine halbe stunde weit gelaufen Bettina v. Arnim Günderode (1840) 1, 2; bei einem freunde, der wohl auf einer meile entfernung von uns wohnte E. M. Arndt s. w. 1, 15 R.-M.; wohl nur die minderzahl von euch ... hat die sieben hügel von Rom beschritten Gaudy s. w. 13, 45; ein stattlicher mann wohl gegen den vierzigen Mörike ges. schr. 3, 8 Göschen; wohl zum hundertstenmale O. Ludwig ges. schr. (1891 f.) 2, 306; der liesz würgen die brüder sein wol sibentzig auff einem stein Hans Sachs 1, 223 K.; das trieb er auch wol viertzig tag 1, 224 K. dem zahl- und maszbegriff nachgesetzt: ich weisz, dasz ... er ihnen lange wohl nicht wird geschrieben haben Lenz ges. schr. 1, 67 Tieck; (eine höhle,) in der ein paar hundert mann wohl lagern können Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 123. II@A@1111) im wunschsatz nähert sich die bedeutung von beteuerndem wohl der von 'gern': wenn alles gut geht, wünsch ich ihn wohl auf eine stunde zu mir Göthe IV 8, 24 W. besonders bei opt. prät. ich möchte es wol ... wissen, haben, sehen Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381a: darumb ich wol möchte lyden, das ... Zwingli von freiheit d. speisen 31 ndr.; es wurde ... die heimliche heyrath ... aufgeführt, wobey ich wohl deine gegenwart gewünscht hätte Göthe IV 27, 199 W.; ich möchte wohl mit einem solchen manne das feld durchwandern IV 41, 130 W.; ich wollte wohl, unser ... publicum ahmte dem französischen ... nach Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 3. II@A@1212) als partikel subjektiver beteuerung ist wohl im naiven erzählstil, im volkslied und gedichten im volksliedstil sehr beliebt, verblaszt hier oft zu bloszem versfüllsel: ir huorenkindtsche henselin, wie kündt ir welsche art so fyn! als mir der einer selber that zuo monte Flaschkon (Fiascone) wol in der stat Murner narrenbeschw. 421 Sp.; (die bauern) bedachten, das vil pesser wer wol in der stat zu pleiben chron. d. stadt Bamberg 2, 197 Chroust; schenck yn und thuo mir bscheid wol gschwind! H. R. Manuel weinsp. v. 237 ndr.; die sprachen sie umb herberg ahn, die man ihnen gar baldt vergahn, führt sie in d scheur woll in das strau, sie lobten gott und unser frau Endinger judenspiel 21 ndr.; er kam aus Neckers flosze wohl in den Jetten grundt Zinkgref auserl. ged. 15 ndr.; es stehet ein regenbogen wohl über jenem haus! Göthe 1, 85 W.; so hab ich mir jahre die tochter gedacht, die enkelein wohl in der ferne 3, 4 W.; es ging ein knäblein wohl über das land, ein gülden buch trug es in seiner hand 4, 168 W.; es war einmal ein fräulein wohl in Italia Pfeffel poet. vers. (1812 ff.) 5, 145; es zogen drei bursche wohl über den Rhein, bei einer frau wirthin, da kehrten sie ein Uhland ged. (1898) 1, 176; da segn mă den stern wohl ober dem haus Hartmann volksschausp. (1880) 10 v. 22; gott liesz falln ein schlaf so tief wol auf den Adam und er schlief ebda 51. II@BB. aus bekräftigendem, beteuerndem wohl entwickelt sich die bedeutung 'vielleicht, vermutlich' bei bescheidenhöflicher, zustimmung heischender oder erwartung ausdrückender behauptung sowie in zweifelnder oder rhetorischer frage. in neuerer sprache in breiter verwendung. II@B@11) in behauptungssätzen. II@B@1@aa) am häufigsten, wenn die aussage futurischen sinn hat oder in futurform gegeben ist, s. Behaghel dtsche syntax 2, 264; zs. f. dtsch. altertum 65, 188 ff.: das (gastliche haus) Primaso pisz auf none zeit zuo essen wol erreichen meinet Arigo decam. 45 K.; (ich) verhoffe, auch die werden wol still schweigen Creizenach schausp. engl. comöd. 42, 31; das weitere wird sich wohl geben Göthe IV 33, 56 W.; IV 14, 236 W.; das Kesselsche institut macht so unglückliche rückschritte, dasz es wohl nächstens vor dem thore stehn wird A. v. Droste-Hülshoff br. an L. Schücking (1893) 115; dies. in: ges. schr. (1879) 2, 255. II@B@1@bb) häufig auch bei auxiliarer umschreibung mit mag, kann, musz, ihren potentialen charakter verstärkend: es seind nicht all köch, die lang messer antragen, es mögen wol etlich schinder sein Fischart Garg. 22 ndr.; die ... römisch gartennessel ... mag wol die sein, welche Dioscorides sylvestrem deutet Bock kreutterbuch (1572) 2b; sein thun und lassen (ist) schon veraltet, doch mag das wohl an der eile der neusten zeit liegen Göthe IV 29, 20 W.; die ... dauer dieses monuments mag sich wohl aus einer so gründlichen anlage herschreiben I 33, 10 W.; 21, 50 W.; (er) mag ... wohl öfters gewünscht haben von unserm ackerbau ... kenntnisz zu bekommen G. Forster s. schr. (1843) 1, 12; damit ich aber diese ... reisebeschreibung fein ordentlich einrichte, so musz ich wohl von meiner wunderlichen geburth den anfang machen Chr. Reuter Schelmuffsky 7 ndr. (vollst. ausg.); der dich so anrührte, musz wohl der könig und dein bräutigam selber sein, sonst hätte ers nimmer gewagt br. Grimm dtsche sagen (1891) 2, 30; wobei wohl angenommen werden musz, dasz ... Mommsen m. gesch. 2 (41865) 88; (es ist) schlechter markt, ... wir werden wohl wieder heimtreiben müssen P. Dörfler der notwender (1934) 114; das kan wol ein leichentuch oder todtensarck seyn Harsdörffer gesprächspiele 1 (1641) k 3b; ew. hochwohlgeb. ... als kenner des alterthums ... könnten wohl zur auflösung dieses rätsels behülflich seyn Göthe IV 28, 5 W.; ich vermutete, dasz die unmöglichkeit die feder ... so zu halten ... wohl in dem verschiedenen bau unserer hände liegen könne E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 36 Gr. II@B@1@cc) im nachsatz eines hypothetischen gefüges, eine bescheidene behauptung ausdrückend: denn wenn sie (die kinder) nur ein jahr in deine schule gehn, so mögen sie schon wol im marterbuche stehn Grob dichter. versuchgabe (1678) 35; er hätte wohl noch weiter gesprochen, wenn nicht ... der alte pastor ... heraufgekommen wäre Fontane ges. w. I 6, 5; war etwas minder tobend das gelag, ich hätte wohl verstanden, was man sprach A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 107. eine erwartung, einen wunsch einschlieszend, der bedeutung 'hoffentlich' nahe: es wird wol niemand kommen, der ... Kramer t.-ital. (1702) 2, 1382b; er wirds wol niemand sagen ebda; wenn ich ihnen (anrede) zu hoffen erlaube, so werden sie sich wohl ... damit befriedigen können v. Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 7; wenn ich ... den autor gegen deine emendationen wieder herstelle, wirst dus wohl verzeihen Göthe IV 35, 139 W. II@B@1@dd) in bescheidener behauptung reine vermutung ausdrückend für 'vermutlich, anscheinend, möglicherweise': so klingt das ja so gar — so gar unglaublich, dasz an der ganzen sache wohl nichts ist Lessing 3, 13 M. (Nathan 1, 2); er wird wohl wieder im 'Hecht' abgestiegen sein wie gewöhnlich Lenz schr. 1, 48 Tieck; mein vater hatte diese pachtung wohl ... dem einflusz zu danken, ... E. M. Arndt s. w. 1, 60 R.-M.; diesz ist auch wohl der grund, warum ... A. W. Schlegel in: Athenäum (1798 ff.) 1, 143; daher rührt es wohl auch, dasz ... W. H. Riehl d. dtsche arbeit (1861) 29; es war, wie unser leser sich wohl denkt, ... jenes ... geisterkonzert Mörike ges. schr. (1905) 3, 24; 3, 19; ein behälter, ursprünglich wohl zu einem andern zwecke angebracht O. Ludwig ges. schr. (1891 f.) 2, 306; 2, 20; wohl nur ihr (der schulgenossen) spott nötigte mich, mir ... gewandtheit zu erwerben G. Keller ges. w. (1889) 1, 130; er bittet wohl geradezu um einen rock und mantel Scherer lit.-gesch. (1883) 76; ich glaub es ... nicht, es ist wohl anders Storm s. w. (1899) 1, 17; im Beowulflied hören wir, dasz schilde, helme und brünnen verbrannt wurden, wohl weil er seine kriegswaffen nicht hinterlassen konnte, da er keine erben hatte v. Ulmenstein ursprung ... des wappenwesens (1935) 8. in bescheidener oder unsicherer behauptung der bedeutung 'gelegentlich, manchmal' nahe: ich hab wol gesehen, das offt ein schütze abelast hundert pfeyl von dem pogen, ee er das zyl mag getreffen A. v. Eyb dtsche schr. 1, 12 H.; ain bidermann mag wol mit bösen leuten zu thuon haben G. Mayr sprüchw. (1567) e 2a; ich ... lache mich ... niemals aus, wie die andern wohl zu thun pflegen Kotzebue schausp. (1797) 1, 3; wenn in diesen (linksrheinischen) landen früher wohl von unabhängigkeit die rede war, dann war es, um sie dem ... einflusz Frankreichs zu entziehen Görres ges. schr. (1854 ff.) 2, 32; ans fenster pflegt er dann zu treten, ... ein vaterunser wohl zu beten A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 38. häufig nach auch in diesem sinne von 'manchmal, möglicherweise' oder steigernd für 'sogar': hett ich glück unnd guoten wind, so fure ich auch wol in einem schlüsselkorb über Rhein sprichw., schöne weise klugreden (1548) 41b; ein laden ... ist ein höltzernes fenster, auch wol ein kramladen Gueintz dtsche rechtschreibung (1666) 93; der wolf frist auch wol gezehlte schafe Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381b; (die zunft der kenner) thut auch wol bisweilen etwas für uns Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 10; (kinder) machen grosze anstalten, auch wohl einige versuche Göthe 21, 29 W.; es gebärdet auch wohl einer sich aufgeklärt Hölderlin ges. dicht. 2, 81 L.; die wundersamen wesen sind zumeist in ... gewänder von grauer ... farbe, auch wohl in reines weisz gehüllt Mörike ges. schr. (1905) 3, 14 Göschen; ... ein verkehrter mensch, der ein sonders wolbehagen aus des menschen leiden schöpft, auch wol aus der thiere plagen Grob dichter. versuchgabe (1678) 42. nd. de eine stefmoder heft, de kricht ôk wol einen stefvader Tunnicius sprichw. 370 H.; ein blind man schüt ôk wol einen vogel ebda 470. II@B@1@ee) der höflichen oder emphatischen frage (s. 2) kommen behauptungssätze nahe wie: das buch ... sage frey, worinn ich wol zu tadeln sey Ringwaldt lauter warheit (1598) a 1a; verbrannt bey einem haare? ha! sie ist es wohl! ist wirklich wohl verbrannt! Lessing 3, 4 M. (Nathan 1, 1); du erinnerst dich wohl kaum, dasz ... Göthe IV 33, 27 W.; das brauche ich euch wohl nicht zu sagen Storm s. w. (1899) 1, 9; Rudolf, den sie ja wohl auch kennen Fontane I 5, 130. II@B@22) in fragesätzen. II@B@2@aa) zum ausdruck des zweifels, synonym mit 'vermutlich, vielleicht, etwa': da ist euer herr Götz wohl auch nit weit? Göthe 8, 7 W.; hat sie wohl auch geist? Pückler briefw. u. tageb. 1, 100; hat wohl der freund beim scharfen winde auf einer wallfahrt sich erbaut? Göthe 24, 79 W.; was ist weiszes dort am grünen walde? ist es schnee wohl oder sind es schwäne? 2, 49 W.; seid des weges wohl nicht kund? Müllner dram. w. (1828) 1, 28; du bist wohl gefallen, mutter? 1, 50; besonders umgangssprachlich und dialektisch: dr habr sticht dich wull? K. Rother schles. sprichw. 200a; er war woll hier? Fontane ges. w. I 5, 119; 126; phraseologisch, verblaszt: was glaubst du wohl, was ich dafür gäbe? ders. I 5, 150. rein dubitativ: sollte wohl die stimme des vaterlandes ... ihre stärke unter uns verloren haben, oder ...? Th. Abbt verm. w. (1768 ff.) 2, 7. wunsch oder aufforderung einschlieszend: in der oper Elena ... soll ... ein sextett vorkommen, ... wäre es wohl möglich zur partitur dieses sextetts zu gelangen? Göthe IV 29, 20 W.; wärt ihr wohl so gut und schicktet euern mantel auch einmal meinem mädchen? Lessing 3, 61 M. (Nathan 2, 5); in indirekter frage dubitativ: was onkel ... wohl sagen würde, wenn er wüszte, in welcher begleitung ... seine befehle hier eingetroffen sind Fontane ges. w. I 5, 153. eine erwartung, hoffnung, aufforderung in die frage legend: sasz ich aufgestemmt in meinem bette, schaute nach der halb erhellten thüre, ob sie nicht sich wohl bewegen möchte Göthe 2, 99 W.; ob der Philipp heute still wohl bei tische sitzen will? Heinr. Hoffmann Struwwelpeter 18; ob de woll stille bist mecht ich wissen G. Hauptmann d. biberpelz (1893) 12. II@B@2@bb) in rhetorischen fragen, die eine negation als antwort verlangen, seelische bewegung betonend: denn, lieber, denck und sage mir, was für ein stand ist wol allhier, dem nicht sein angst, sein schmertz und weh alltäglich überm häupte steh? P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 370; kans auch wohl möglich seyn, dasz Phyllis nach mir frage? ... o nein, ich darff mich nicht in solcher hoffnung weiden Neukirch auserles. ged. (1697 ff.) 2, 40; und hast du wohl dein schwerd mit minderm ruhm gezückt, als deines vetters heer für Hamburgs wall gerückt? J. U. v. König ged. (1745) 4; und wenn sie (die nachwelt) mich nicht kennt, was werd ich wohl verliehren? Cronegk schr. (1766) 2, 5; jede neigung zu verschlieszen, hart und kalt zu sein wie stein ... heiszt das wohl ein jugendleben? Novalis schr. 4, 156 M.; welche Klopstocksche wendung ... kommt wohl den transgressionen bei, die in seinem (Luthers) 'eine feste burg ist unser gott' ... vorkommen? Herder s. w. 5, 199 S.; ich bin wohl einer, der vor einem diebe erschrickt? O. Ludwig ges. schr. (1891 f.) 2, 46; du meinst wohl, du seist der kaiser? Cl. Brentano ges. schr. (1852 ff.) 5, 10. bei conj. prät.: was wüsten wol die Deutschen von der sprachlehre ..., wen es ihnen nicht die gelehrten gezeiget? Gueintz d. dtsche rechtschr. (1666) 20; sollte sich wohl ein leser finden, der ...? ich (glaube es) nicht schleswig. lit.-br. 115 lit.-denkm.; wer hätte wohl geglaubt ...? maler Müller w. (1811) 1, 75; was deucht dich, mein gesell, wie könnte wol ein schwein, von einer sau geborn, der mutter gleicher seyn? Rachel satyr. ged. 17 ndr.; ich sollt es wohl mit ansehn, wie er euch von tag zu tag aushöhlen wird bis auf die zehen? Lessing 3, 70 M. (Nathan 2, 9); überstolzer Atreide, voll habbegierde vor allen, welchen dank wohl könnten die edlen Achaier dir reichen? Bürger s. w. 187 B. II@B@33) in verbindung mit gar. wohl gar vielleicht sogar: denn sonst würde man wol gar ... jünglingen anrathen müssen, ... Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 4; sie werden mich deswegen wohl gar für einfältig halten Gellert s. schr. (1839) 4, 196; man schämt sich wohl gar der arbeit W. H. Riehl d. dtsche arbeit (1861) 22. bei steigerung: das ich nit weis, ob ich sie für menschen oder meerwunder und wol gar für teuffel sol ansehen Musculus hosenteuffel 20 ndr.; bey einer ehrlichen gesellschaft, auch wol gar bey der liebsten Königsb. dichterkreis 3 ndr.; gelehrte, die solches leugnen und uns wohl gar bereden wollen ... Gottsched dtsche sprachkunst (1748) 11; so kann die natur sich niemals verschulden oder wohl gar bankrutt werden Göthe II 8, 16 W. II@CC. zwar, allerdings, freilich. wie diese beteuerungspartikeln nimmt auch beteuerndes wohl oft konzessiven sinn an. 'zwar, freilich, wohl ... sind einräumende (concessive) bindewörter, welche ... meist eine entgegensetzung (adversative) nach sich haben mit wirklichem oder hinzugedachtem aber, allein, hingegen, doch, dennoch u. dgl.' Weygand synon. 3 (1852) 1178. Weygands differenzierungsversuch 'zwar drückt die gewiszheit der einräumung aus, freilich besagt die ... unbedenklichkeit ..., wohl deutet ... auf eine blosze möglichkeit des eingeräumten' ebda, findet im sprachbrauch älterer und neuerer zeit keine bestätigung. die partikeln werden in weitem umfange synonym gebraucht. unberechtigt ist auch die verweisung von konzessivem wohl in die 'gemeine schreibart': 'wohl für zwar läuft in der gemeinen schreibart durch, wird aber in der sorgfältigern vermieden' Heynatz antibarb. 2, 646. konzessives wohl findet sich mit und auch ohne sprachlich zum ausdruck gebrachten adversativen nachsatz in älterer und neuerer zeit häufig. II@C@11) mit korrelatem aber, doch, hingegen u. ä. im nachfolgesatz: ich losz dich wol reden, aber es ist nüt do von zuo halten Keisersberg bilgerschaft (1512) d 2vb; ir könnt all wol hinder dem wyn reden, aber hie will sich keiner regen Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 124; wol were es fein, so man ..., aber ... Luther 26, 504 W.; man mög ainen wol uszeren und meiden und im dannocht nit find sein Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 8 ndr.; es ist wol war ..., aber ... 1, 63; so wer mir wol zuogemütt alhie zuo erzellen ..., aber der gast höret solichs nit gern Schaidenreiszer Odyssea (1537) 15a; ich möcht wol ein stucklein darvon wissen, aber Agricola waisz mehr drumb dan ich Vogelgesang-Cochläus ein heiml. gespräch ... 5 ndr.; sitten, die wol ... gescholten, aber ... geübet ... werden Scheit Grobianus 3 ndr.; äuszerlich ware sie wol elend ... anzusehen, aber ir frölich gelächter ... Grimmelshausen 2, 346 Keller; er het wol geld, aber keinen verstand Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381b; ich will dir wohl das clavier geben, doch ich tuhs hinter meinem vater Göthe IV 1, 144 W.; ja loslassen will ich dich wohl, meinetwegen! aber dann kommen mir die knaben über den hals maler Müller w. (1811) 1, 148; so sagte man wohl, doch blieb es bei den worten Ranke s. w. (1867 ff.) 1, 146; man begann den krieg wohl noch mit dem gleichen ... übermuth ..., aber ... Mommsen m. gesch. (61874) 2, 236; das leben eines knaben ... bietet wohl wenig auszergewöhnliches dar, aber ... Kerner bilderbuch (1849) vorrede 3; jott, ein engel is sie woll grad auch nich, aber propper und fleiszig Fontane ges. w. I 5, 120; den lauf des himmels kenn ich wol, aber min stund ist mir verborgen N. Manuel todtentanz str. 23 B.; an sinn, witz, alter, seel und leib ist sie wol ähnlich meinem weib, jedoch wil ich sie nit behalten Spreng Ilias (1610) 4a; diesz weisz ich wohl und trage doch bedencken Neukirch (1744) 69; die botschaft hör ich wohl, allein mit fehlt der glaube Göthe 14, 42 W. (Faust I v. 765). im antithetischen bau der sprichwörter: gott laszt uns wol sincken, aber nit ertrincken sprichw., schöne weise klugreden (1548) 82b; de kinder schryen wol, mer se seggen nicht wârumme Tunnicius sprichw. 968 H.; die mausz kompt wol in die fall, aber schwerlich herausz Lehman floril. polit. (1662) 1, 108; wi löven wall alle an een godd, man wi äten doch nich alle uut een schöttel Stürenburg ostfries. 322b. II@C@22) ohne adversativkonjunktion im nachsatz: die reime hör ich wohl, den stachel fühl ich nicht Lessing 1, 3 M.; wohl aus des vogts gewalt errett ich euch, aus sturmes nöthen musz ein andrer helfen Schiller 14, 279 G. (Wilh. Tell 1, 1). der adversative nachsatz kommt, besonders umgangssprachlich, oft nicht zu sprachlichem ausdruck. häufig bezieht sich auch die einschränkung auf den vorausgegangenen satz, bzw. die allgemeinsituation: das kan ich wol thun Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381a; es könt wol seyn ebda; in spitzenstellung: wohl gibt es ... pakta, die man geschlossen hat, die pulse des weltzirkels zu treiben Schiller 2, 25 G. (räuber 1, 1); wohl ist es keiner von den weichen thoren, die eine falsche weiberthräne schmelzt 12, 411 (Maria Stuart 1, 3); wohl hab ich ein wildes blut, mehr als andre musz ich wagen Müllner dram. w. (1828) 1, 67; wohl war auch jener ... ein geachteter mann O. Ludwig ges. schr. (1891 ff.) 1, 146; wol war es bedenklich, dasz ... Gutzkow zauberer v. Rom (1858 ff.) 1, 11; wohl hatte ... auch das deutsche fürstenthum fortschritte gemacht Ranke s. w. (1867 ff.) 1, 27. II@C@33) synonym mit zwar ist wohl in einräumungssätzen, die mit ob, wie eingeleitet sind, s. Grimm gramm. 3, 286. es rückt häufig mit diesen konjunktionen zu einem wort zusammen. II@C@3@aa) ob wohl. ob wol er in gefahr stunde ò ob er wol in gefahr stunde Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381c: und ob wol das ist das es nütz wer den (= denen), die do gern lesen ..., idoch so wais ich ... erste dtsche bibel vorrede zu Luc. 1, 194, 52 K.; und ob wol etliche mit dem leibe der sünd entlauffen, ist doch ihr hertz ... verruckt worden Melchior Ambach vom zusauffen (1544) d 2b; es ist nie kein sack seiden worden, ob er wol voll gulden ist sprichw., schöne weise klugreden (1548) 162a; (es) haben ... ir etlich ... wöllen das lateinisch (des Grobianus) verteutschen und ob ich wol auch in der zal gewesen, hab ich doch ... warten ... wöllen Scheit Grobianus 6 ndr.; und ob ich wol in meiner jugendt von meinen ... eltern zum studieren gehalten ..., habe ich doch ... zeitlich darvon gelassen Puschmann gründlicher bericht 3 ndr.; (gott wird die ordnung der natur nicht stören,) ob er wohl über die gesetze ist, die er selber gegeben hat Kästner verm. schr. (1755) 1, 7; ob nun wohl etliche sich über ... die rede dieses mannes verwunderten, so haben doch sehr viele seiner gespottet Grässe sagenbuch d. preusz. staates (1867) 1, 231. II@C@3@bb) wie wohl: wie wol das ich nit jung bin, so hab ich doch ain tauben (= närrischen) syn liederbuch d. Hätzlerin 279 H.; habe man ihnen doch nicht einmal die verträge mitgetheilt, wie das wohl in fällen dieser art herkömmlich sei Ranke s. w. (1867 ff.) 1, 125. s. auch obwohl teil 7, sp. 1058, ferner wiewohl. II@C@3@cc) wohl für obwohl als konzessivkonjunktion ist selten und nur in der älteren sprache und nd. (Schiller-Lübben 5, 760b) bezeugt: wol mir is gar swer ist ..., so wil ich ... ewerm rate ... gefallig seyn (a. 1452) lehnsurkunden u. besitzurk. Schlesiens 1, 431; H. Sachs 7, 253 K.; J. Scheffler ecclesiologia (1735) 1, 592b. ungewisz ob als unterordnende einräumungskonjunktion oder als beiordnende adversativpartikel (jedoch) zu fassen: ja bruoder ich wils dem herren sagen, ... wol ich bsorg, min red lützel thuot schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 20, 81 B. II@C@44) häufig tritt wohl in antithetischem gefüge, meist nach negativem vordersatz, zu den konjunktionen aber, doch, dennoch im nachsatz, diese bekräftigend, zum teil auch dem nachsatz einen konzessiven sinn gebend. wohl ist dann dem aber immer, ob vorausgehend oder folgend, im satzakzent überwertig, den konjunktionen doch, dennoch jedoch akzentuell untergeordnet. II@C@4@aa) aber wohl: (es) hat derselb richgraff Ulrich kein kind ..., er hat aber wol aenickli von sinen abgestorbnen sünen Tschudi chron. Helvet. 1, 13; er hat kein geld, aber wol landgüter Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381b; heute nicht, aber wol morgen ebda; gegen die ausschweifungen seiner kinder kann man nie zu hart seyn, aber wohl gegen ihr elend Lenz ges. schr. 1, 41 Tieck. II@C@4@bb) wohl aber: dann nüt guots kumbt von füllery, wol aber alle bübery H. R. Manuel weinspiel v. 4166 ndr.; (die metzger sollen) ein jede gattung roher und gegärbter häut ... nicht darüber, wol aber darunter käufflich hingeben ordn. wie sich handtwercker ... verhalten sollen (1579) a 3a; sie (sahen) weder frauen noch männer, wohl aber ... knaben und jünglinge beschäftigt Göthe 24, 231 W.; man druckt nie zu spät, wohl aber leicht zu früh IV 8, 2 W.; IV 28, 14 W.; (es) ist weder möglich noch wichtig festzustellen, ob ..., wohl aber liegt es dem geschichtsforscher ob ... darzulegen, ... Mommsen m. gesch.2 1, 8; (sie) wurden ... beobachtet, nicht von gästen drauszen ..., wohl aber von gästen, die drinnen ... saszen Fontane ges. w. I 6, 20. II@C@4@cc) bei adversativem doch, dennoch: tracht auff d bank, du kompst dennoch wol drunder sprichw., schöne weise klugreden (1548) 161b; er ist doch wohl auch schöner als jeder andre hirt Sal. Gessner w. (1778) 2, 7; was man nicht selbst kann, das werden doch wohl unsre guten freunde können Rabener s. w. 1, 165; die ... singvögel ... willst du doch wohl lieber singen hören als sie gebraten essen? Cl. Brentano ges. schr. (1852 ff.) 5, 20; wie schön! es ist doch wohl eine der besten welten Fontane ges. w. I 5, 156. wohl doch: denn wer sich lange sperrt, musz eben wol doch fort Rachel satyr. ged. 83 ndr. freilich wohl: gott lässet freylich wol jährlich gnug wein quellen Prätorius saturnalia (1663) 5; du weinst, mein guter junge? freilich wohl ist hier zu vielen tausend thränen ursach Tieck schr. (1828) 1, 73. II@C@4@dd) nach beteuerndem ja: wollt ihr nicht den wunsch erfüllen — ich bescheide mich ja wohl! Göthe 3, 54 W. formelhaft in der umgangssprache: Melusina: ich versichere dich, dasz ich mich vor freuden (über des mannes rückkehr) nicht zu lassen weisz. Fuchsmundi: es ist gut, man musz ja wol so sagen Stranitzky ollapatr. 39 Wiener ndr.; aber, was ich ... sagen wollte, ... ich war ja woll eigentlich gröszer als die Lene Fontane ges. w. I 5, 120. II@C@4@ee) ohne andere adversative konjunktion in der bedeutung 'aber, doch, jedoch' nur älternhd.: (in Rom) do ist ... kein guot werck noch züchtig leben, wol unkeusch, geitikeit, fraszheit Arigo decam. 32 K.; non noverunt Christum Judei ..., hatten woll licht und fackeln Egranus pred. 27 B. IIIIII. satzbildendes wohl. der gebrauch von wohl als interjektioneller aus- und zuruf sowie als partikel der bejahung ist sehr alt, nicht nur deutsch, sondern auch an., ags., as. der gebrauch erwuchs aus elliptischer rede, s. Grimm gramm. 3, 292; 298; 42, 922. ahd. (besonders bei Otfrid), ebenso mhd. und nhd. III@AA. als zuruf, jubelruf, aufforderung für 'heil!', mit oder ohne folgenden vokativ: uuola, druhtin min,ia bin ih scalc thin Otfrid I 2, 1; uuola, dumpmuatezi managemo guate V 9, 41; I 6, 16; 17; mhd. belege bei Grimm gramm. 42, 922; Lexer mhd. wb. 3, 964. vgl.: o wol, ir guten knechte Rolandsl. 137, 31 Gr. III@A@11) bei segens- und anwünschung ahd. und mhd. mit folgendem acc. der person (belege a. a. o.), seltener mit dat. der person. es kann auch gen. der sache hinzutreten (wol mich des traumes Milst. gen. 81, 5 Diemer). nhd. nur mit dat. der person (und eventuell gen. der sache): da sprach Lea: wol mir, denn mich werden selig preisen die töchter 1. Mos. 30, 13; ach wol mir, sol ich die umbfangen, nach der mein hertz ye thet verlangen Hans Sachs 2, 28 K.; wohl dir! es blitzt dein ruhm auch durch die todesnacht Neukirch auserl. ... ged. (1697 ff.) 4, 376; itzt hat Latona gleich das zweimal sechste mal ihr silber voll gemacht und Delius ingleichen ..., seit mir, Valerie, dein erster liebesstral in mein gesichte fiel ..., ach wol mir von der zeit, mir aller wolfart reichen P. Fleming dtsche ged. 522 L. dem dat. folgt ein relativsatz: wol dem, der sich an seim stand genügen lesset Mathesius Sarepta (1571) 198a; wol dem, der sich mit gott versühnt Rompler v. Löwenhalt erstes geb. s. reimget. (1647) 70; wol dem, den gott bey früer zeit entlediget der sünden, versetzet in die ewigkeit! Königsberger dichterkreis 43 ndr.; wohl dem, der seiner väter gern gedenkt Göthe 10, 17 W. (Iphigenie v. 351). mit folgendem dasz-satz: wohl ihnen, dasz sie seine tugend auf treu und glaube nehmen können! Lessing 3, 43 M. (Nathan 2, 1); von müttern haben wir sprechen gelernt; wohl uns, dasz wir es von ihnen lernten! Herder s. w. 22, 137 S.; wohl ihm, dasz er dem irdischen leid ... schon entwachsen war Göthe 46, 49 W.; wohl mir, dasz ich endlich im ruhigen hafen bin! Caroline 1, 5 Waitz; wohl mir, dasz ich sie so leicht ... überzeugen kann Nestroy ges. w. (1890) 1, 61. ohne persondativ für 'ein glück!': wohl! dasz sich dein gebiet nach deinen kräfften streckt J. v. Besser schr. (1732) 1, 4. verstärkt durch wiederholung: wol, allen wol, die einig dich erkiesen für ihren freund! S. Dach 185 Ö.; wol mir, wol und aber wol! P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 444b; wol dem und mehr alss wol, der nie sein armes leben der ungetreuen treu der see hat übergeben! Rachel satyr. ged. 22 ndr. mit gen. der sache: da er (Carolus) zu lager kam, sagte er, wol mir der stedt, daher kömmet der namen Wolmerstedt (1579) Entzelt altmärk. chron. 107 Bohm. III@A@22) in verbindung mit lageadverbien wie an, auf, aus, her, hin als aufforderung, aufmunternder zuruf zu syntaktischer komposition verbunden, mit dem hauptton auf dem zweiten bestandteil, s. u. wohlan, wohlauf, wohlaus, wohlher, wohlhin. III@BB. zur bejahungspartikel verblaszt wird satzbildendes wohl verwendet, wo mit dem worte die bereitschaft ausgedrückt wird einen befehl durchzuführen, also im sinne von 'gut! schön!' oder wo es synonym mit 'gewisz, ja! o doch!' eine tatsache gegen zweifel, vermutung oder behauptung stützen soll. seltener ist in der schriftsprache wohl allein für einfache bejahung gebraucht, aber dialektisch, z. b. bayrisch, noch allgemein: 'wohl heiszt bei den gebirgsleuten durchgehends so viel als ja' Westenrieder (1816) 679; Schmeller-Fr. a. a. o. zugrunde liegt die beteuerungsfunktion von wohl (s. o. II A). III@B@11) der alte ... sagte zu mir: wol, mein herr! hier ist der ort Grimmelshausen 2, 525 Keller; sie werden ... den affen doch unter die ungebildeten liebhaber rechnen? wohl! und unter die gierigen dazu Göthe 47, 264 W.; wohl! sagte Klaus ... mit trotz und übermut im gesicht P. Dörfler der notwender (1934) 67; du bist nit da gsi? wol! quin immo idiot. Bernense (1857) 78; (Jerta:) sag dem grafen, dasz er schicke, wenn er umgekleidet ist (Holm:) wohl Müllner dram. w. (1828) 2, 36. III@B@22) wohl wird verstärkt durch eine vorgestellte interjektion. III@B@2@aa) ei wohl o ja, o doch: (derwisch:) läszt sich aus einem derwisch denn nichts, gar nichts machen? (Nathan:) ey wohl, genug! Lessing 3, 19 M. (Nathan 1, 3); kennen sie den jungen mann? fragte Siegbert. ei wohl, sagte der alte Gutzkow ritter v. geiste (1850 ff.) 1, 33. ironisch im sinne einer verneinung, ablehnung: ey wol (adv. negat.) o che nó! Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381c. in beiden verwendungen in der gegenwartssprache veraltend. III@B@2@bb) o wohl: willst izt nicht mit ihm zum tische? o wohl! ich will mit ihm gehen, erwiderte der knabe Pestalozzi w. 3, 275 B.-Sp.-St. III@B@2@cc) ganz allgemein ja wohl. wohl wird nach ja z. t. als beteuerung empfunden wie ja gewisz, ja fürwahr, s. o. teil 4, 2, sp. 2189 oder gibt der partikel ja einen konzessiven nebensinn 'ja allerdings'. am engsten schlieszt sich wohl an ja, wo die zusammenrückung jawohl einfache zustimmung auf eine frage, behauptung oder forderung ist mit oder ohne folgende erläuterung, s. belege unter ja a. a. o. vgl. noch: was machstu da, du narr, wirffest den guten samen in dreck? und lest in verderben? ... er aber antwortete: ja wol (= ja allerdings), er sol mir nicht verderben Hayneccius Hans Pfriem 6 ndr.; Anselmo: o du brüderliche zärtlichkeit! Ugolino: ja wohl (= ja wahrlich) brüderliche zärtlichkeit Gerstenberg Ugolino 233 nat.-lit. einfach bejahend: habt ihr meine rede begriffen? 'ja wohl' riefen die jungen Storm s. w. (1899) 1, 9. häufig einen satz einleitend, um die behauptung mit nachdruck gegen zweifel sicher zu stellen: ey ja wol nein, mein sohn, sagte er (der einsiedler) ..., ich frisz dich nicht Grimmelshausen Simplicissimus 23 Scholte; ja wohl! ein verräther ist im spiele Göthe 24, 167 W.; 24, 105; y ja wol, ein solchen stotzen wenn ich n trunck so müst ich kotzen H. R. Manuel weinspiel v. 473 ndr.; ja wol, das selbig musz ja sein Hans Sachs 6, 141 K. III@CC. stark verblaszt ist auch der bedeutungsgehalt von satzwertigem wohl, wo es einen hypothetischen vordersatz bejaht etwa im sinne von 'gut! es sei!', 'zugegeben!, einverstanden!', oder wo der sprecher durch wohl! ausdrückt, dasz er sich mit einer tatsache oder einer annahme abfindet, ferner auch, wo wohl eine rede, eine frage formelhaft einleitet. wol! è bene cioè concedo Kramer t.-ital. (1702) 2, 1381b: er sprach: wol, ich wil einen pundt mit dir machen Zürcherbibel (1531) 2.n. 3 c; wol, sagte er, was wolt ihr, guter freund? Grimmelshausen 2, 371 Keller; gestehen wir aber ein, dasz er ein unnatürlicher fall sei — wohl!, so bestätigt er die natur! Herder s. w. 5, 44 S.; wohl, sprach ich, ... seid ihr ein zünftiger meister ..., so mags drum sein! Musäus volksmärchen 1, 65 Hempel; wohl, er (der dichter) hat den ... beruf, seiner zeit ein apostel ... zu sein, aber ... G. Freytag ges. w. (1887) 14, 47; du bist die mutter — wohl! so siehe zu, wie du der söhne blutgen hader stillst Schiller 14, 17 G. (braut von Messina 1, 1); willst du von Emil nicht lassen, wohl, so ruf den ohm herein Müllner dram. w. (1828) 1, 63. wohl wird in dieser verwendung häufig durch vorgesetzte adverbia wie ganz, gar, sehr oder durch doppelsetzung verstärkt: gantz wohl, der herr doctor beliebe mir nur zu folgen Chr. Reuter d. ehrl. fr. Schlampampe krankheit u. tod 123 ndr.; so rasch ich bin, so ist doch mir gottlob der fusz noch nie geglitten. ganz wohl, versetzt das arme thier, allein du liefst noch nie im schlitten Pfeffel poet. vers. (1812 ff.) 1, 61; wie hast du an der welt noch lust, da alles schon dir ist bewuszt? gar wohl! das dümmste was geschicht, weil ich es weisz, verdrieszt mich nicht Göthe 3, 276 W. (Page:) wir sind hergekommen, euch einen guten dienst zu leisten, herr pfarrer. (Evans:) wohl, wohl! worinn besteht er? schleswig. lit.-br. 150 lit. denkm.; du liebst mich nicht? wohl, wohl, darum sollst du mir auch gehauen werden maler Müller w. (1811) 1, 146; 173. mit vorgesetztem nun, nur in der älteren sprache noch vollwort für 'o heil! o glück!': nun wohl! ich bin erhöret, mein seuftzen ist erfüllt P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 350b. in der neueren sprache formelhaft verblaszt zu 'ich bin es zufrieden, meinetwegen'. im folgenden Tieck-beleg wortspiel zwischen formelgebrauch und vollbedeutung von wohl: (Gertrud:) sie (Genoveva) ist entbunden. (Golo:) nun wohl. (Gertrud:) nein, wohl ists nicht Tieck schr. (1828) 2, 155. vgl. noch: (Sophie:) der graf! ... der graf! ... nun gut, nun wohl, es soll so seyn Iffland theatr. werke (1827 f.) 1, 26.
171303 Zeichen · 5299 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wohl

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Wohl , eine Partikel, welche auf verschiedene Art gebraucht wird. 1. Als ein Adverbium, oder Beschaffenheitswort, da es …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wohl

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    wohl [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wohl

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    wo h l [wòl Gebwt. Su. Ruf. Bf. Bisch. Str. K. Z. Han. Betschd. ; wùl Co. Dü. Katzent. Hattst. Rapp. In Bed. 2 tritt all…

  4. Spezial
    Wohl

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Wohl n. (-[e]s) 1 (Heil) bëgn (-s) m. 2 (Gesundheit) sanité f. 3 (Wohlergehen) bëgnester m. ▬ zum Wohl ! vives!; bun pro…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wohl

1.238 Bildungen · 1.218 Erstglied · 18 Zweitglied · 2 Ableitungen

wohl‑ als Erstglied (30 von 1.218)

wohlauf

SHW

wohl-auf Band 6, Spalte 631-632

Wohldiener

SHW

Wohl-diener Band 6, Spalte 631-632

Wohlfahrt

SHW

Wohl-fahrt Band 6, Spalte 631-632

wohlfeil

SHW

wohl-feil Band 6, Spalte 631-632

Wohlgemut

SHW

Wohl-gemut Band 6, Spalte 631-632

Wohlleben

SHW

Wohl-leben Band 6, Spalte 631-632

Wohllust

SHW

Wohl-lust Band 6, Spalte 631-632

wohllustig

SHW

wohl-lustig Band 6, Spalte 633-634

Wohlsein

SHW

Wohl-sein Band 6, Spalte 635-636

Wohlstand

SHW

Wohl-stand Band 6, Spalte 635-636

Wohltat

SHW

Wohl-tat Band 6, Spalte 635-636

wohltun

SHW

wohl-tun Band 6, Spalte 635-636

Wohlwollen

SHW

Wohl-wollen Band 6, Spalte 635-636

wohlabgefaszt

DWB

wohlabgefaszt , adj. , zweckmäszig, richtig entworfen, aufgesetzt: wolabgefassete ... bedinge ben progettate Kramer t.-ital. (1700) 1, 344 b…

wohlabgekühlt

DWB

wohl·abgekuehlt

-abgekühlt , adj , gehörig, genügend abgekühlt: man fängt das ... wohlabgekühlte destillat ... auf Liebig hdb. d. chemie (1843) 627 . —

wohlabgemessen

DWB

wohl·abgemessen

-abgemessen , adj. , genau, richtig abgemessen: sie ( die stadt ) ... hat viele wohlabgemässene gassen Dapper Africa (1671) 269 a ; ( er gin…

wohlabgerichtet

DWB

-abgerichtet , adj. , sorgsam ausgebildet, erzogen: ( es ) wurden diese so artige und nach sonderlicher art wolabgerichtete kleine täntzer m…

wohlabgerundet

DWB

-abgerundet , adj. , schön abgerundet: damals besasz sie noch nicht das schöne oval und das wohlabgerundete classische profil Jac. Minor in:…

wohlabgestuft

DWB

wohl·abgestuft

-abgestuft , adj. , zweckmäszig, klug abgestuft: die wohlabgestuften, in drei graden gefeierten ... bacchanalien des Liber Pater ... in Camp…

wohlabgeteilt

DWB

-abgeteilt , adj. , zweckmäszig, richtig, schön angeordnet: dasz sie ( die deutsche sprache ) ... mit ... andern sprachen ... wegen ... der …

wohlabgewogen

DWB

-abgewogen , adj. , richtig ausgewogen, klug geordnet: in einer wohlabgewogenen staatsverfassung A. v. Haller Alfred (1773) 146 ; ein wohlab…

wohl als Zweitglied (18 von 18)

Geratewohl

RDWB1

Geratewohl n aufs ~ idiom. - на авось идиом. ; наобум; наобум святых идиом. ; наудачу; за здорово живёшь идиом. ; как бог на душу положит ид…

Gerathewohl

Adelung

Das Gerathewohl , ein unabänderliches Hauptwort, welches aus der R. A. wohl gerathen zusammen gesetzet ist, und mit dem Vorworte auf nur in …

Getrauwohl

Wander

getrau·wohl

Getrauwohl Getrawwol ritt das Pferdt hinwegk. – Henisch, 1587, 41.

gleichwohl

DWB

gleich·wohl

gleichwohl , gleichwol , adv.; konj. zusammenrückung aus gleich wohl, mhd. gelîche wol ' ebensosehr, ebensowohl, ebenso ', s. gleich II A 3 …

jawohl

Pfeifer_etym

ja Zustimmungspartikel (Gegensatz nein), Konj. ‘doch, sogar’, ahd. (um 800), mhd. jā̌, asächs. mnd. mnl. jā, nl. ja, aengl. gē, gēa, engl. (…

Kannswohl

Wander

kann·s·wohl

Kannswohl Kannswol regiert an allen Ort, vnd wen er sol fort, ist dran kein war Wort. – Mathesy, Syrach, 217 b .

lebewohl

DWB

leb·e·wohl

lebewohl , n. aus der abschiedsformel lebe wohl ( sp. 401) entwickeltes substantiv, in der bedeutung des ältern abschied wol erst nach der m…

obwohl

Pfeifer_etym

2ob Konj., die bis in die Gegenwart indirekte Fragen, in älterer Zeit auch konditionale (‘wenn, falls’) und konzessive (‘wenn auch, obwohl’)…

pudelwohl

DWB

pudel·wohl

pudelwohl , adv. ganz wohl, kerngesund Frommann 5, 22 . vgl. hundewohl.

seelenwohl

DWB

seelen·wohl

seelenwohl , n. wohl der seele. Campe, vgl. seelenheil: doch Englands wohl läszt mich mein seelenwohl vergessen. Körner Rosamunde 5, 5 ; see…

Sowohl

Adelung

Sowohl , richtiger So wohl, Adelung S . Wohl.

unwohl

DWB

unwohl , meist adv. oder undecliniertes prädicativum, sehr selten adj., nicht wohl ( s. d. ). mhd. unwol; mnl. onwelle; nl. onwel; westfläm.…

Werdewohl

Wander

werde·wohl

Werdewohl Der Wir'swohl und der Thua'swohl san ihrer Zwâ. ( Steiermark. ) Der Werdewohl und der Thu'swohl sind Zwei, oder: Versprechen, ich …

wiewohl

DWB

wie·wohl

wiewohl , konzessive konjunktion ' obwohl, obgleich '; ' allein, jedoch, indessen '. literarisch seit dem mhd., lexikalisch seit dem 15. jh.…

Ableitungen von wohl (2 von 2)

unwohl

DWB

unwohl , meist adv. oder undecliniertes prädicativum, sehr selten adj., nicht wohl ( s. d. ). mhd. unwol; mnl. onwelle; nl. onwel; westfläm.…

urwohl

DWB

urwohl , adj. , wohl mit ur- C 4 a: klein und grosz will es sich einen tag im jahre recht u. sein lassen Pröhle Harzbilder 33 . —

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wohl". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wohl/dwb?formid=W24777
MLA
Cotta, Marcel. „wohl". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wohl/dwb?formid=W24777. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „wohl". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wohl/dwb?formid=W24777.
BibTeX
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