wohl ,
gemeingermanisches adv. zu gut,
dann auch interjektion und konjunktion. ahd. wela, wola, wala;
mhd. wol(e);
as. wel(a), wala, wola;
mnd. wol, wal;
mnl. wale, wel;
afries. wel;
ags. wel;
engl. well;
an. vel;
norweg. vel;
schwed. väl.
diese westgerm. und nordischen formen führen auf die idg. wurzel *el,
die auch den wörtern wahl, wollen
zugrunde liegt. die formen mit o
sind verdumpfung von e
zu o
unter einflusz des vorausgehenden w,
wie in woche
aus wecha,
prät. wollte
aus welta.
die a-
formen sind als ablaut zu fassen, sie sind nd. verbreiteter als hd., wo sie vorwiegend in fränkischen quellen des 9.
jh. begegnen. sie finden sich auszer auf niederfränkischem und niedersächsischem gebiete auch im aisl. val.
schwer zu erklären ist der vokal ai
im got. waila (
καλῶς,
εὖ).
man müszte *wila
erwarten. für dieses got. ai
den lautwert ĕ
anzunehmen wie in raihts, fairro
u. a. (
brechungs-e
vor h, r)
erschweren got. formen wie wilwan, wilþeis, wilja.
dies erkannte schon Grimm gramm. 1, 44. Holthausen (
Paul-Braunes beitr. 11, 553)
erwog die möglichkeit, dasz waila
für zu erwartendes *wila
durch anlehnung an den bedeutungsantipoden wai '
wehe' (wailadeds — waidedja; wailamerjan
εὐφημεῖν — waiamerjan
βλασφημεῖν)
entstand, wozu Brugmann (
idg. forsch. 15, 99
ff.)
bemerkt, man könnte auch anlehnung an hails
annehmen. er verwirft aber beides, trennt got. waila
etymologisch von den westgerm.-nordischen formen und stellt waila
zu ai. vēlā '
treffpunkt, grenze, zeitpunkt',
faszt es als adverbialen kasus des fem. subst. *oilā '
im rechten moment'.
er nimmt für das urgerm. zwei aus verschiedenen wurzeln abzuleitende adverbia an, von denen das eine, nämlich waila '
im gelegenen moment' (
aus *oilā)
im got., das andere, wela '
nach wunsch' (
aus *el),
im nordisch-westgermanischen lebendig blieb. in einem nachtrag (
idg. forsch. 16, 503)
gibt er aber diese hypothese auf, trennt nun auch die nordischwestgerm. formen wel, wol, wal
von der wurzel *el,
führt sie auf *il
zurück (
übergang von i
zu e
wie in wer '
mann', nest, steg
u. a.)
und sieht im nebeneinander von waila — wela
ablautstufen wie in baitrs — bittar.
zur ablaustufe *uəil
wäre dann mengl. wêl,
schott. weel
zu stellen, worüber auch Holthausen
Anglia 13, 16
ff. sich äuszert. bei dieser annahme bereitet aber die erklärung der a-
formen im ahd. as. anfr. und aisl. schwierigkeiten, wie van Helten (
zs. f. dtsche wortf. 13, 74
f.)
mit recht betont. Brugmanns
ansätze fanden daher wenig zustimmung und einige forscher griffen die alte annahme wieder auf, ai
in got. waila
sei transkription für ĕ: Löwe
sucht (
Paul - Braunes beitr. 51, 253
ff.)
ein lautgesetz wahrscheinlich zu machen, wonach germ. ĕ
zwischen w
und l
im got. nicht zu i
gewandelt wurde, sondern erhalten blieb, wenn in nächster silbe a
folgte, doch überzeugen seine ausführungen nicht. Sievers (
Paul-Braunes beitr. 51, 253
anm. 2)
und Streitberg (
got. elementarb.5 § 49)
machen satzmelodische gründe für die erhaltung von germ. ĕ
in got. waila
geltend und ihnen folgt Braune in der 8.
aufl. seiner got. gramm., während Helm
in 10.
und 11.
auflage wieder für den diphthongwert von ai
in waila
eintritt. bleibt demnach bis heute die got. form waila
nicht befriedigend erklärt, so wird man sie doch keinesfalls etymologisch von den nordisch-westgermanischen formen trennen wollen, sie vielmehr wie diese zur wurzel *el
stellen und als auszergerm. sippenverwandte lat. velle,
aksl. velěti, voliti, vole, volje '
wohlan',
alban. vałε '
wohl' (
in fragen),
ai. váras '
erwünscht', vára '
wahl, wunsch'
gelten lassen, s. Walde-Pokorny 1, 294
und 230; Falk-Torp
norweg.-dän. wb. 1365; 1576; Meringer
idg. forsch. 16, 149
ff.; Hellquist
svensk etymol. ordb. (
Lund 1925) 1162
s. v. väl.
die für das ahd. auffällige endung -a
erklärt van Helten
a. a. o. für ablativsuffix -ẽt,
die endungslosen formen für einen adverbial verwendeten akk. sg. neutr. eines verloren gegangenen adj. steigerungsformen sind zu wohl erst nhd. belegt: wohler, am wohlsten,
dialektisch auch umgelautet wöhler, am wöhlsten,
so alemann., rheinisch, aber auch ostmitteldeutsch, z. b. bei Frisius, Kirchhofer, Lohenstein.
die umgelautete form wird schon im 18.
jh. als nicht schriftsprachlich empfunden, s. Steinbach (1734) 2, 1014,
ferner: desto wöhler (man erlaube mir dieses Schweizerwort, das so wahr und einfältig ist) desto wöhler wird mir Lavater
physiogn. fragm. (1776) 2, 215.
die verwendung als flektiertes adj. ist sekundär und bleibt spontan. die heutige schreibung mit dehnungs-h
findet sich neben der älteren schreibung ohne h
seit dem 16.
jh. Luther
z. b. schreibt wohl
und wol.
die schreibform ohne h
überwiegt aber im 16.
jh., im 17.
und anfang des 18.
jh., sie findet sich auch noch vereinzelt in der 2.
hälfte des 18.
und im 19.
jh. Göthe, Schiller
und fast alle ihre zeitgenossen und nachfahren schreiben wohl,
und diese schreibung gilt heute für wohl
und alle wohl-
composita (
mit ausnahme von wollust). Stosch
gleichbed. wörter (1777) 3, 375
meinte, '
es sey besser wohl
und wol
so zu unterscheiden, dasz man das verlängerungs-h
brauche, wenn es eine glückseeligkeit, wohlstand oder etwas gutes ausdrücket, hingegen das verlängerungs -h
weglasse und es auch kurz ausspreche, wenn es blosz ein verbindungswort ist und so viel heiszt als zwar, gerne, so gar, schon und dergleichen'.
ihm folgte Campe,
der vollwort wohl
und partikel wol
in seinem wb. 5, 754
a und 755
getrennt behandelt. dieser versuch weniger lexikographen, vollwort und formwort lautlich und orthographisch zu differenzieren, fand mit recht keine nachfolge. Adelung
bemerkt 5 (1780) 273
durchaus verständig: '
die niederdeutschen und einige gemeine oberdeutsche mundarten sprechen dieses wort in allen fällen geschärft, woll,
aus, im hochdeutschen hingegen lautet es in allen seinen bedeutungen gedehnt, wohl,
nur dasz es, wenn es das adverbium und die interjection ist, wegen der vollständigkeit seines begriffes auch den ton hat, in den meisten fällen des umstandswortes aber den ton auf das folgende wort wirft ... sonderbar genug ..., wenn einige neuere ... das adverbium und die interjection wohl,
das umstandswort aber wol
oder gar woll
schreiben und sprechen lehren'.
bedeutung und gebrauch. wohl
ist got. und in den westgerm. und nord. sprachen adv. zu dem adj. gut
und hat wie dieses in der deutschen sprache ein weites anwendungsgebiet durch die aus der bedeutung '
zweckentsprechend, richtig'
entwickelten abwandlungen wie '
deutlich, genau, schön',
bzw. '
günstig, glücklich, angenehm'.
darüber hinaus wird es in steigendem masze als beteuerungsadv. gebraucht, woraus wieder neue schattierungen erwachsen, wie '
wahrlich, sehr, vermutlich, ungefähr'.
es steht bei transitiven und intransitiven verben, besonders oft bei partizipien, seltener bei adjektiven. es wächst häufig mit verb und besonders mit partizip zu syntaktischer komposition zusammen, was seit dem 16.
jh. durch zusammenschreibung oft auch orthographisch zum ausdruck kommt. eine konkurrenz erhält das vollwort wohl (
bene)
durch das seit dem 13.
jh. aufkommende adv. gut (
s. o. gut,
adj., teil 4, 1, 6,
sp. 1227
ff.),
differenziert sich zum teil in der bedeutung von adv. gut
oder gibt an dieses einzelne anwendungsgebiete ab, behält aber bis in die gegenwart nicht nur als beteuerungspartikel, sondern auch als vollwort breite verwendung. verstärkt wird wohl
als vollwort mhd. und älternhd. durch genug, vast, vil,
in älterer und neuerer sprache durch ganz, gar, herzlich, mächtig, recht, sehr, trefflich, überaus, ungemein, unvergleichlich, vorzüglich,
und durch adverbiale ausdrücke wie aus den bünden, aus der maszen, über alle maszen, von herzen
u. ähnl., von denen mächtig, trefflich
als steigerung bei wohl
im 19.
jh. ungebräuchlich werden. abgetönt wird wohl
häufig durch ziemlich, zu, nur zu,
vgl.fast wol Keisersberg
bilgerschaft (1512) b 4
b; Dürer
tageb. 52
Leitsch.; Luther
w. 10, 1, 1, 158
W.; vil wol
renner 12198
Ehrismann; Niclas v. Wyle
translat. 9, 14; genuog wol Arigo
decam. 47, 17
K.; 44, 5; gantz wol H. Sachs 1, 438
K.; Scheit
Grobianus v. 1623
ndr.; 2743
u. o.; König
ged. (1745) 61; Wieland, Göthe, Schiller
u. a.; gar wol Arigo
decam. 78
K.; Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 3
ndr. und allgemein bis in die gegenwart; hertzlich wol Musculus
hosenteufel 21
ndr.; Ulr. Bräker; Lenz; Hölderlin
u. a.; mechtig wol Scheit
Grobianus v. 355
ndr.; Fischart
Garg. 28
ndr.; recht wol Calepinus
XI ling. 1241
b; Göthe, Ayrenhoff, Langbein
u. a.; sehr wohl Weckherlin 1, 65
F.; Chr. Weise
erznarren 10
ndr. und allgemein bis heute; trefflich wohl Zinkgref
auserles. ged. 18
ndr.; Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
b; überaus wohl Sleidanus
reden 7
lit. ver.; Stranitzky
ollapatrida 40
Wiener ndr. u. a.; ungemein wohl Herder
s. w. 5, 276
S. u. a.; unvergleichlich wohl Lenz
u. a.; vorzüglich wohl Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 155; aus den bünden wol Luther
w. 26, 397
W.; ausz der maszen wol H. R. Manuel
weinspiel v. 369
ndr.; über alle maszen wohl Moscherosch
insomnis cura par. 42
ndr.; Kramer
t.-ital. (1702)
a. a. o.; von herczen wol Arigo
decam. 130
K.; H. R. Manuel
a. a. o. v. 1341
ndr.; nur zu wohl Bodmer
samml. crit. ... schr. (1741ff.) 1, 9
u. a.; ziemlich wohl Gäbelkover
artzneyb. (1595) 2, 52
und allgemein. verstärkung liegt sodann vor, wo sich wohl
zu zwillingsformeln mit gut (wohl und gut,
s. I A 5 b)
und recht (wohl und recht,
bzw. recht und wohl,
s. I A 1),
alliterierend älternhd. mit willig (willig und wohl,
s. I A 5 d
und o)
bindet. über die formel wohl oder übel, wohl und weh
s. I A 5 a
β und 9 b. II. wohl
als vollwort. I@AA.
bei finiten verben. in der bedeutung '
zweckmäszig, richtig',
woraus sich weiter '
sorgfältig, genau, gehörig',
dann '
günstig, erfolgreich, glücklich, gesund',
ferner '
angenehm, gefällig, schön'
und '
reichlich, ausreichend'
entwickelt. schon ahd., z. b.: filu thesses liutesin abuh irrentes ist er zi gotes hentiuuola cherenti Otfrid I 4, 38; thie zuene (
knechte) es uuola zilotunioh uuola iz (
das geld) merotun
ders. IV 7, 75.
vgl. ferner Graff 1, 831
ff.; auch mhd., s. mhd. wb. 3, 799
a.
nhd. wird wohl
als vollwort bei finiten verbalformen durch das neu aufkommende adv. gut
groszenteils abgelöst, bleibt aber neben adv. gut
bis in die gegenwartssprache bei vielen transitiven und intransitiven verben in freiem gebrauch üblich, z. b. bei verben des handelns, der groszen gruppe von verben, die eine sinnesempfindung oder geistige tätigkeit bezeichnen, wie sehen, hören, fühlen, merken, denken, beachten, überlegen,
bei intransitiven verben wie sein, werden, leben, fahren
u. a.; manche verwendungen von wohl
sind heute redensartlich gebunden, wo die ältere sprache noch freien gebrauch übte. in manchen fällen hat sprichwörtliche fügung wohl
bei verben erhalten, bei denen es heute in freier verwendung durch gut
abgelöst ist, z. b. wer gott vertraut, hat wohl gebaut; wer wohl schmiert, der fährt wohl
u. a. I@A@11)
bei tätigkeitsverben für '
zweckmäszig, richtig',
bzw. '
der sitte, dem brauch gemäsz'. I@A@1@aa) wohl tun.
ahd. belege bei Graff 1, 831
ff.; mhd. in mhd. wb. 3, 137
b.
nhd. häufig zusammengeschrieben, z. b. wolthun, rechtthun
faire bien Hulsius-Ravellus (1616) 420
a: ir thet wol, ir gemeinsampt euch meim durechten (
vulg.: bene fecistis communicantes tribulationi meae)
Philipp. 4, 14
erste dtsche bibel; wir meinten wol tuon, so haben wir übel getuon Arigo
decam. 58
K.; ... das du sölichs ... billich und wol tuon mugest
N. v. Wyle
translat. 12
K.; weise sind sie gnug ubels zu thun, aber wol thun wollen sie nicht
Jer. 4, 22.
bei Luther
und späteren autoren wiederholt auch wohl und recht thun,
bzw. recht und wohlthun,
s. Teller 1, 89; viel werden sagen, ich hab recht und wohl gethan Moscherosch
insomnis cura parentum 14
ndr.; wol und werth thun H. Sachs 18, 91
K.-G. in der neueren sprache meist redensartlich auf bestimmte wendungen beschränkt, z. b. wenn der inhalt des richtighandelns durch inf. mit zu
oder durch einen dasz-
oder wenn-
satz angegeben wird: Ausonius hat wol gethan, dasz er ... also übersetzet hat Chr. Weise
polit. redner (1677) 28; der verfasser würde sehr wohlgethan haben, wenn er gesagt hätte ... Schwabe
belustig. (1741ff.) 1, 249; wer ... etwas erweisen will, thut wohl, wenn er dergleichen trugschlüsse wegläszt! Kretschmann
s. w. (1784
ff.) 1, 34; ihr werdet wohl thun, wenn ihr euch ... blut abzäpffen lasset Stranitzky
ollapatrida 208
Wiener ndr.; Herder
s. w. 12, 57
S.; 21, 35; Jhering
geist d. röm. rechts (1852ff.) 2, 2, 659; G. Freytag
ges. w. 14, 69; sie thun wohl, dasz sie mir zu verstehen geben ...
schlesw. lit.-br. 220
lit.-denkm.; hätten se. heiligkeit nicht wohlgethan, sich einen andern jünger als den Petrus zum stammvater zu wählen?
Hippel kreuz- u. querzüge (1793f.) 1, 299; bei schwer begreiflichen dingen thut man wohl sich auf diese weise zu helfen Göthe 24, 191
W.; 45, 87
W.; deswegen thäte man wohl zu schweigen IV 29, 229
W.; eine schauspielerin thut ... nicht wohl, die rolle dieser prinzessin ... zu wählen Grillparzer
s. w. 15, 104
S. auch ohne nachsatz: da thut ihr wohl, da thut ihr wohl, das sind betrachtungen, die euch geziemen Schiller 12, 408
G.; meine mutter klag ich an, sie hat nicht wohlgetan; was sonst in ehren stünde, nun ist es worden sünde Storm
s. w. 1, 89
Köster. allgemein er thut wohl daran
mit und ohne nachfolgesatz. ihr thut wol dran
voi fate bene Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1085
a: sy thun wol daran, das sy ...
Carolina 1, 81
K.; bevorab thut er wol daran, das er den ungestümen mann und schwetzer von dem hauffen treibt Spreng
Ilias (1610) 18
a; dasz Pauli manches wegliesz ..., daran hat er sehr wohlgethan Jac. Grimm
kl. schr. 5, 14.
ohne nachfolgesatz (
elliptisch): ... auch er hat seine schwächen, die hat er und thut wohl daran Pfeffel
poet. vers. (1812
ff.) 6, 20.
part. wohltuend,
recht handelnd, nur in der älteren sprache: es wer ... sein bedüncken nit, das man den wolthuonden, die in ehren und tugent lebten, das ir nemen und es den unnützen leuten ... geben solt Carbach
Livius (1551) 28
b.
part. wohlgetan
als adj. s. u. wohlgetan,
adj. wohl tun,
gutes erweisen s. unten 5 a. I@A@1@bb) etwas wohl machen,
richtig, klug, weise: die künstreichen steinmezen wissen das woll zuo machen, darumb ist nit not davon zu schreyben A. Dürer
unterr. z. befest. d. stett (1527) b 3
b.
in der festen redensart gott hat alles wohlgemacht
nach Marc. 7, 37
bene omnia fecit. schon in der Mentelbibel: er hat wol gemacht alle ding 1, 149, 32
Kurrelmeyer, ebenso Luther; gott, ... der bisher geholfen und alles, alles wohlgemacht hatte Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 2, 379; Schopenhauer
w. 3, 142
Gr.; Herwegh
br. (1896) 272; W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 1, 254; gott wirds wol machen
dio lo farà bene Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
b: gott der allbarmherzige wirds wohlmachen Schubart
bei D. Fr. Strausz
ges. schr. 9, 65.
frei verwendet: wegen einer ... geschichte wäre der herr pastor, der sonst alles wohlmachte, bey einem haar, übel angekommen Hippel
lebensläufe (1778ff.) 3, 2, 537; die freunde habens wohlgemacht, drum bringe ihnen fern und nah den dank hier — Iphigenia Göthe 4, 275
W. dialektisch: es ist mer wol gmacht
per me quidem nihil in hac re immutabitur ..., non repugno idiot. Bernense (1857) 78.
part. wohlgemacht
in adjektivischer funktion s. u. wohlgemacht,
adj. I@A@1@cc) jemanden
oder etwas wohl führen, leiten, regieren, verwalten, etwas wohl ordnen
u. ä. für '
richtig, gehörig'.
schon mhd.: darumb hat sú (
die bücher) der diener der ewigen wisheit hie zuosamen gesezzet und wol gerihtet Seuse
dtsche schr. 4
B. nhd.: denn würst du wol regiren andere lüt, wenn dich die vernunft regirt Keisersberg
bilgerschaft (1512) c 2
a; alle könige ... sollen daran sein, das recht und wol gericht werde Friedrich Wilhelm
sprichw.-register (1577) a 2
rb nr. 100; das ... gericht ist nach laut keyser Karls ... ordnung wol besetzt
Carolina 1, 47
K.; kurtzer bericht, wie groszer herrn kinder wol unterricht werden sollen Lorichius
pädagogia principum (1595) 1; die vormundschafft woll und getrew verwalten
tutelam bene administrare nomenclator lat. germ. (1634) 461; sie sagten,
s. maj. habe bisher wohl und weise regiert Ranke
s. w. 1, 110; hüete ir ere und pflic ir wol
schausp. d. mittelalters 1, 246
Mone; allein wer andre wohl zu leiten strebt, musz fähig sein viel zu entbehren Göthe 2, 147
W. I@A@1@dd)
reflexiv sich wohl halten,
richtig, gehörig verhalten: er hat ... ein eewib, der er unmäszlich hold war, wiewol si sich heimlich nit wol an im hielt Tschudi
chron. Helvet. 1, 40; (
Faust hielt dem diener vor) wie er ihn im testament bedacht habe, weil er sich die zeit seines lebens bey im wolgehalten
volksb. v. dr. Faust 108
Br.; sich wol und werdsam halten Stumpf
Schweizerchr. (1606) 147
a; ich weisz mich wol zu halten, bin ja nicht mehr ein kind S.
Dach in: Königsberger dichterkreis 28
ndr.; halte dich wohl, dasz einst die spätesten enkel dich preisen J. H. Voss
Odüssee 41
B. (3, 200).
verengt für '
wacker im kampf, tapfer, mutig': die knecht hielten sich wohl G. v. Berlichingen
lebensbeschr. 70
B.; Herrmann schlägt viel, die sich wohl gehalten, zu rittern Lohenstein
Arminius (1689f.) 1, 4; und ob es glükken möcht, dasz er in einem streite sich wol und tapfer hielt und machte frische beute, ... Rachel
satyr. ged. 48
ndr. sich wohl anstellen
u. ä., geschickt, klug: dem ungeachtet würde unser held sich vielleicht ganz wohl aus der sache gezogen haben Wieland
Agathon (1766f.) 2, 75; dieser stellte sich so wohl an (
als lehrling beim kaufmann), dasz er alle jahr seiner mutter von dem erwerb schicken konnte br. Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 97. I@A@1@ee) wohl sagen, sprechen, antworten,
richtig, treffend: einer von den schreibern ... sach daz er (
Jesus) in hett wol geantwurt (
vulg.: quoniam bene illis responderit)
Marc. 12, 28
erste dtsche bibel; Jhesus sprach zuo ir: wol hastu gesagt (
vulg.: bene dixisti)
Joh. 4, 17
erste dtsche bibel; ir ruoffet mir maister und herr und wol sagt ir
ebda Joh. 13, 13; ob ich (
Jesus) ubel hab geredt, so gibe gezeug von dem ubeln. wann ob wol (
vulg.: bene), worumb schlechstu mich?
ebda Joh. 18, 23;
ebenso Keisersberg
bilgerschaft (1512) b 6
d,
während Luther
in allen drei Johannesstellen recht
vorzieht; und alle, was do warlich und woll geredet wirt, heist euangelium (1521) Egranus
pred. 64
Buchwald. der italianische poet sagt hierzu sehr wohl: ... Weckherlin
ged. 1, 65
F.; Opitz hat solches ... gar wohl angemercket Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 14; das vorurtheil, wie sein name wohl bezeichnet, ist ein urtheil vor der untersuchung Göthe II 2, 18
W.; edler greis, du hast sehr wohl geredet J. H. Voss
Odüssee 47
B. (3, 357).
in der zwillingsformel recht und wohl reden
u. ä.: recht und wohl getranferyeret
N. v. Wyle
translat. 9
K.; du redest wol und recht
Amadis 98
lit. ver.; Plato saget recht und wol, dasz man ... Mangold
marckschiff (1596) c 2; sie (
die böse frau) möchte — woll und recht zu sagen — des mannes hutt und hosen tragen G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 18. I@A@22)
aus der bedeutung '
zweckmäszig, richtig'
entwickelt sich '
sorgfältig, genau'. I@A@2@aa)
bei verben des behütens, haltens, verschlieszens u. ä. mhd.: ich bevilhe dir mit triuwenden holden wine mîn, daz tu mir wol behüetestden mînen lieben man
Nib. 898
B. der sal ist wol beslozzen ..., jâ ist alsô verschranketdiu Etzelen tür: von zweier helde handendâ gênt wol tûsent rigele für
ebda 1979
B.; nhd.: der richter (
soll) bevelhen, das der verclagt durch den nachrichter ... wol verwart fur das gericht pracht werde
Carolina 1, 47
K.; (
sie) soll ihre ohren mit baumwolle wohl verstopfen A. v. Arnim
w. 1, 24
Gr.; Merlino ... befahl ihm das pergament wohl zu verwahren Pfeffel
pros. vers. (1810) 1, 164.
reflexiv sich wohl hüten
sorgfältig in acht nehmen: ich hütete mich wohl ..., von dieser bekanntschaft etwas laut werden zu lassen Holtei
erzähl. schr. 2, 12; Friedrich Wilhelm hütete sich wohl, dem ... rate zu folgen Treitschke
dtsche gesch. im 19.
jh. (1897) 1, 244; (
er) hütete sich wohl, sich in etwas zu mischen G. Keller
ges. w. (1889ff.) 4, 223. I@A@2@bb) wohl lesen, schreiben
richtig, genau, sorgfältig: du kanst nicht zu viel jnn der schrifft lesen, und was du liesest, kanstu nicht zu wol lesen, und was du wol liesest, kanstu nicht zu wol verstehen, und was du wol verstehest, kanstu nicht zu wol leren, und was du wol lerest, kanstu nicht zu wol leben Luther 53, 218
W.; lis es wol und mit urteil Zwingli
v. freiheit d. speisen 19
ndr.; lisz wol disz büchlin offt und vil, und thuo allzeit das widerspil Scheit
Grobianus 1
ndr.; ein überschrifft die jedermann ... gar wol hat können lesen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümprl
ev. kirchenlied 3, 305; das schreibt euch wohl hinter eure ... ohren Storm
s. w. (1899) 1, 9. I@A@2@cc) wohl hören, vernehmen, sehen
genau, deutlich. wol sehen
haver buona vista, wol hören
haver l'udita buona Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1380
b; der scharpff odder wol sihet
oculatus ..., perspicax Alberus (1540) 74
a: alss sie volbrachten solchen mordt, hats Jacob Metzger woll gehort
Endinger judenspiel 22
ndr.; (
er) schimpfen und scherczen ... gar wol vername Arigo
decam. 36
K.; (
der abt) wol vernomen het alle rede 69
K.; man hört am gesang wol was für ein vogel
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 38
a; gut, mein ... Kristinchen, höre mich itzt recht wohl Gottl. Stephanie
d. jüng.
s. lustsp. (1771) 144; ich hörte wohl, wie du den boten ausfragtest Göthe 24, 4
W.; Alektryo, der das wehgeschrei ... wohl gehört hatte, ... schrie Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 54. wohl sehen: nydt, hasz verbietten ir den leyen und sindt des lieben nydts so vol, das ir vor nydt nit sehen wol Murner
narrenbeschw. 134, 157
Spanier; ich sehe ... nur zu wohl den ... ausgang dieses unternehmens Bodmer
samml. crit.-poet. schr. (1741ff.) 1, 9; ich habe diese wundervolle stadt recht wohl gesehn Göthe IV 8, 34
W.; ich ... sehe nur ... zu wohl, dasz ich nie künstler werde IV 3, 89
W. in der neueren sprache häufig bei diesen verben des wahrnehmens abgleitend zur bloszen beteuerung oder konzessiven partikel (
s. unten II B
und C),
wobei übergangsformen die zuweisung zum vollwort oder zur partikel unsicher lassen, z. b.: noch felt der mensch, kan ich wol schawen, wellicher mir das feld sol bawen Hans Sachs 1, 20
K. dem phraseologisch-abgeschwächten gebrauche (
s. u. II B 1 d)
nahe stehen fälle wie nu sichstu wol wie ein underscheid ist zwischen ...
erste dtsche bibel 3, 9
Kurrelmeyer; du sichst nu wol, wie daz ich von liebe wegen der heiligen schrift bin gezuckt worden
ebda 3, 31; er sahe wol, dasz ich keinen lust trug Grimmelshausen 2, 19
Keller; man sah wohl, dasz sie nicht zufall zueinander gebracht maler Müller
w. (1811) 1, 84. I@A@2@dd) etwas wohl verstehen, begreifen
u. ä. deutlich, genau, vollkommen: du hast mir genuog wol dein meinunge und note ze versteen ... geben Arigo
decam. 47
K.; doby (
bei auslegung einer beispielgeschichte) ist wol zuo verston ... Keisersberg
bilgerschaft (1512) 1
c; damit ... ihr mathematicam adeptam recht unnd wol verstehet Paracelsus
opera (1616) 2, 402. wir verstehen wol, was ihr meinet Schottel
friedenssieg 6
ndr. formelhaft versteh mich wohl Schiller 1, 56
G. I@A@2@ee) wohl spüren, empfinden, fühlen,
deutlich, genau: man spürt wol, das menschenkinder dise eyer gelegt haben Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 81
b; die schenckel empfindens wol, so mann auff stecken reit
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 158
a; die gegenstände (
der auszenwelt) dringen dergestalt gewaltig auf ihn (
d. beobachtenden menschen) ein, dasz er wohl fühlt, wie sehr er ursache hat, ... ihre macht anzuerkennen Göthe II 6, 5
W.; ... weil ... jeder mensch wohl fühlt, dasz er das paradies verloren hat Cl. Brentano
ges. schr. (1852ff.) 5, 8; er fühlte wohl, dasz ihm recht widerfahre Aurbacher
ein volksbüchlein (1835) 17; ich fühlte wohl, wie mein gesicht erblich A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 99. I@A@2@ff) etwas wohl bedenken, beachten, überlegen
sorgfältig, genau, reiflich. in alle wege wol erwegen und betrachten Calepinus
XI ling. (1598) 435
a s. v. dispicio; etwas wol bedencken, ein ding wol betrachten, erwegen
considerare, ponderare una cosa ben bene etwas wol in acht nehmen Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1380
c: ein jeder ... verstenndiger selbs wol bedenncken khan ...
Carolina 1, 24
K.; überlege es wohl Gerstenberg
Ugolino 246
dt. nat.-lit.; bedenk dich wohl maler Müller
w. (1811) 1, 127; die commandeurs ... müssen sich ... befleissen, dasz sie ... die distance ... wohl observieren
reglement vor die kgl. preusz. cavallerieregimenter (1743) 1, 10; bleibt zu hause und seht wohl nach dem kinde Lenz
schr. 1, 49
Tieck; vorerst nahm er sich wohl in acht Mörike
ges. schr. (1905) 3, 34
Göschen; breit wohl deinen thaumantel um sie her, nimm wohl mir die kleinen in acht A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 1, 122. I@A@2@gg) jem.
oder etwas wohl kennen, erkennen, etwas wohl ermessen, finden
u. ä. genau, deutlich: das findet man hie nach wol Richental
chron. d. Constanzer conzils 14
lit. ver.; nun kundt Romulus auch wol ermessen, ... das Rom ... Carbach
Livius (1551) 5
b; wann denn aus vorgehendem verzeichnis ... wohl zu befinden, dasz Schweinichen
denkw. 12
Ö.; er erkenne ine dann gar woll (17.
jh.)
österr. weist. 2, 23; o Eva! du kennest wohl diese grotte; wie oft verweilten wir ... darin maler Müller
w. (1811) 1, 30; ir sindt der Murner, ich kenn üch wol Th. Murner
narrenbeschwörung 2, 3
ndr.; ja, weyser herr! ich kenn sie wol Hans Sachs 2, 4
K.; darmit du mögest wol erkennen, das ich dich übertreffe weit Spreng
Ilias (1610) 5
a; du kennst mich wohl, an die zu ewgem bunde dein strebend herz sich fest und fester schlosz Göthe 1, 4
W. etwas wohl gewahr werden: weiln aber niemand seiner eignen fehler so wohl gewahr wird als ein ander, ... Rachel
satyr. ged. 4
ndr. I@A@2@hh)
gut erhalten hat sich wohl
bis in die gegenwartssprache in der vollbedeutung '
genau, deutlich'
bei merken, bemerken, unterscheiden, sich erinnern
u. a.: usz den worten merckt ein jeder wol, das ... Zwingli
von freiheit d. speisen 5
ndr.; Carolina 1, 35
K.; 77; ich mercke wol, das es dich beist im hertzen Vogelgesang-Cochläus
gespräch v. d. trag. Joh. Hussen 6
ndr.; ich habs wol gemerkt, wohin er ging Lenz
ges. schr. 1, 71
Tieck; sie hatte wohl bemerkt. dasz die mutter ihn in den sack gesteckt Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 53.
in fester formel, nach lat. notabene: wohl zu merken, in dem augenblick ... vertilgte der teufel diese ... inschrift Klinger
w. 3, 81; die millionen ... hat sie (
die armee) erspart und, wohl zu merken, erspart an ihren eigenen mitteln Moltke
ges. schr. u. denkw. 7, 69.
s. auch unten wohlgemerkt. ich erinnere mich wohl, wie ... Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 21; diese ... menschen sind wohl zu unterscheiden von der hefe des italienischen volks Justi
Winckelmann (1866
ff.) II 1, 162. I@A@2@ii) etwas wohl wissen
genau, zuverlässig. to know it for certain Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2531: ich weisz wol, daz ...
io conosco assai appertamente Arigo
decam, 12
K.; daz pluote nyemant den adel geyt als ir wol wist 71
K.; so ir doch all drei wol wisset ... des churfürstens befelch Vogelgesang-Cochläus
gespräch 8
ndr.; o, sollichs weisz ich selber wol Hans Sachs 1, 58
K.; wo, wie und wann ich sterben soll das weist du, vater, mehr als woll S. Dach 200
Ö.; ich weisz gar wol, was dran mangele Schupp
schr. (1663) 2; ich weisz recht wohl, dasz daraus kein kunstwerk entsteht Göthe IV 29, 19
W.; er wuszte sehr wohl, was er that Ranke
s. w. 3, 19; ich weisz wohl, wo die wurzel des übels steckt Fontane
ges. w. I 1, 55; diese menschen ... sind unerbittlich und sie wissen wohl, wer unter ihnen obenan steht Pückler
briefw. u. tageb. 3, 395.
häufig verblaszt zur beteuerung oder zur bedeutung '
vermutlich, allerdings, zwar' (
s. unten I C
und II). I@A@33)
bei intransitiven verben wie leben, fahren, gehen, stehen,
und reflexiven wie sich gebühren, schicken, ziemen
für '
gehörig, dem sittengesetz entsprechend'. I@A@3@aa) wohl leben: eyn lerer, der ... gepott gebe, wie man frum seyn und wol leben solle Luther 10, 1, 1, 469
W.; lebstu wol, so stirbstu wol Eyering
proverb. copia (1601
ff.) 3, 159; der lebt nit ubel der wol lebt und nach zucht und eren strebt Murner
badenfahrt 103
Michels. heute ungebräuchlich. wohl leben
üppig leben, s. unten 5
m. I@A@3@bb) wohl fahren
sich richtig verhalten, (
sittlich)
richtig handeln (16.
jh.): im anndern tail bemelts puochs steen beschriben jhen, die bis in ir ende wolfaren und in guotem verharren Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 132
Reithm.; solchs wolten wir dir, in der warheyt dester stadtlicher zu wercken und zu wolfaren, genediger meinungen nitt bergen (
a. 1537) könig Ferdinand i.
bei Luther
briefw. 8, 33
W. in neuerer sprache auszer gebrauch. wohl fahren
glück haben, gesund sein s. unten 5
n. I@A@3@cc) etwas steht wohl
paszt, geziemt, oder ins ästhetische gewendet, ist schön. wolstehen, zieren, feinstehen, ...
esser conveniente Hulsius-Ravellus (1616) 420
a;
decere, convenire Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 356
a; es steht wol
decet Calepinus
XI ling. (1598) 374
a; was wolstehet
what is ... decent, ... handsom, fine or pretty, what looks ... pretty Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2530.
schon mhd.: ... grön ist ain frölich claid, die varb ziert und statt wol, grön macht die welt fräden vol
liederbuch d. Hätzlerin 167
H. nhd.: besonders stehet wohl, wenn sie (
die wangen) denn äpffeln gleich Henrici
ernst-, scherzh. und sat. ged. (1727) 1, 389; es ist nichts lächerlicher, als wenn eine frau in ihrem vierzigsten jahre sich noch nicht von den zierathen losreiszen kann, die ihr im zwanzigsten wohlgestanden haben Joh. El. Schlegel
w. (1761ff.) 5, 195.
sittlich gewendet: alles, daz nach rechter vernunfft daz böst (
beste) ist, wol stet und zimlich ist St. Fridolin
dtsche pred. 45
Schmidt; hoffzucht am tische stehet wol Petri
d. Teutschen weiszheit (1604f.) 2, J i 3
a; wohlstand (
ist), was wohlsteht, wohlanständig ist und sich ... wohl schicket Gottsched
beob. (1758) 429; ein armen verstending verschmehen und einem reichen ehr verjehen ..., das steht nicht wol zu keiner frist Hans Sachs 19, 41
K.-G.; doch so du eingenestelt bist und dir der bauch gewachsen ist, so nestel dich nit auff zu mol, das wer zu grob und stünd nit wol Scheit
Grobianus v. 616
ndr. mit dat. der person: (
die gelehrten) haben ... ein gehaltenes wesen, das ihnen sehr wohlsteht G. Freytag
ges. w. (1886
ff.) 6, 254; dem gewaltigen, dem klugen steht alles wohl und er erlaubt sich alles Göthe 10, 145
W. (
Tasso 2, 1). I@A@3@dd)
mit dat. der person häufiger wohl anstehen
für convenire. nomenclator (1634) 241; Rädlein 1, 1070
a; das einem wol ansteht Calepinus
XI ling. (1598) 376
b s. v. decorum: stat im aber daz auch wol an? ist aber daz auch billich?
hocine illo dignumst? Boltz
Terenz deutsch (1539) 90
a; sich ... also verhalten, wie das keinem christen wohlanstehen ... wolle
acta publica 7, 260
P.; pastoren würde ... handarbeit wohlanstehen W.
F. Besser
bibelstunden (1877) 3, 895; wass ich befohlen, dass hastu thon, wie woll anstoht einer matron, die ihrem heren ghorsamb ist
Endinger judenspiel 37
ndr.; dann was dir steht daheim wol an, kein frembder das nit schelten kan Scheit
Grobianus v. 1608
ndr.; der mensch hat nichts so eigen, so wol steht ihm nichts an, ... S. Dach 707
Ö. passen, erwünscht sein: den Griechen als ein küner mann steht er in disem streit wol an Spreng
Ilias (1610) 7
a. I@A@3@ee)
ähnlich mit und ohne dat. es gebührt, ziemt sich, schickt sich wohl: sie ist also auffzogen als dir und ir wolgebürt (
dignumst) Boltz
Terenz deutsch (1539) 49
b; wie sich ... irem standt nach wol zimpt und gebürt
d. kayserl. majestat cammergerichtsordn. (1555) 8
b. es will uns unsere fähl mit ander leuten lastern zu beschönen nicht wol gebüren Scheit
Grobianus 4
ndr.; ich stee in angst, wie wol mir längst het wolgepyrt bey dir zu suchen hilff und gyrt Hans Sachs 22, 89
K.-G.; fürwar es schicket sich nit wol, das ein fürst rath und weiszheit voll ... die nacht mit schlaffen gantz zubring Spreng
Ilias (1610) 14
b. I@A@3@ff) wohl passen, stimmen, reimen. das ... nicht wol zusammen stimpt
discordabilis Calepinus
XI ling. (1598) 432
b: wennss ynn des vaters person geredt were, sso stymptet es mit der schrifft fast wol Luther 10, 1, 1, 158
W.; (
zu einem wüsten hut) so reimpt sich mechtig wol darzuo ein grosz par alter bschiszner schuo Scheit
Grobianus v. 355
ndr.; Lykaons ... panzer zog er vor die brust, denn dieser paszt ihm wohl Bürger
s. w. 154
B. I@A@3@gg) es ist wohl (und gut)
s. u. 5 b. I@A@44)
aus '
zweckmäszig'
entwickelt sich die bedeutung '
günstig, glücklich',
so bei den verben stehen, gehen, gedeihen, geraten, glücken, anschlagen
u. ä. in älterer sprache auch in freiem gebrauche bei tätigkeitsverben, z. b. die beste beut, die er ... hatte, war meines obrist leutenants küris, welchen er ... zimlich wol (
zu günstigem preis) verkauffte Grimmelshausen
Simpl. 180
Scholte. I@A@4@aa) wohl stehen
sich günstig befinden, auf körperliches befinden bezogen, aber auch in sozialem und wirtschaftlichem sinne. wohlstehen
floriren, blühen Spanutius (1720) 247.
schon mhd., s. mhd. wb. 2, 2, 571
f. I@A@4@a@aα)
mit persönlichem oder sachsubjekt. er stehet gar wol
floret opibus et felicitate Stieler (1691) 2127: (
ich will sie) mit einem manne ... versechen, daz sy ir lebtag wol sten sol Arigo
decam. 130
K.; weltlich gebot ... sihet darauff, das land und leute wol stehen ym friden und zunemen an gütern, haus, hoff, weib, kind Luther 26, 587
W.; da ist der römisch gmein nutz ... wolgestanden C. Hedio
chron. Germ. (1530) O 1
b; als nun alle feynd der Römer gestillet und ... anjetzo die geiss (wie man spricht) wolstuond, ... Stumpf
Schweizerchron. (1606) 170
a; das es (
das vaterland) ... griene und wol stehe Brandis
ehrenkräntzel (1678) 131; wol denen, so die welt hassen, ihr kreutz auf sich fassen und Christo demütig nach gehn, denn sie werden wol stehn
M. Weisze
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 270.
auch nd. dat schipp steit wael, dar ein erfarner schipper inne is Lüpkes
seemannsspr. (1900) 17, 212.
jetzt nicht mehr üblich. I@A@4@a@bβ) es, die sache steht wohl: dieweyl sy (
die heiligen) dort für uns got gepeten, ist es wol zuo Saltzburg gestanden Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 161
Reithm.; diser philosophisch keyser meynet, es kündt nit wolstehn in einer statt, die regenten weren dann philosophi Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 26
a; wans wolsteht, so sindt wir all guot regiert
ders. sprüchw. (1545) 1, 14
a; Göthe IV 12, 224
W.; hetten wir alle einen glauben, gott unnd den gemeynen nutz vor augen, guoten friden und recht gericht, ... so stünd es wol in aller welt
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 73
b; ein jeder lern sein lection, so wird es wol im hause ston Eyering
proverb. copia (1601
ff.) 2, 125; sein sach stund ausz der maszen wol Spreng
Äneis (1610) 29
a; das aber weisz ich, dasz es ... in der religion uber alle maszen wohl stehet Moscherosch
insomnis cura par. 42
ndr. I@A@4@a@gγ) wolstehen umb einen ...
optimo in statu esse Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 356
a; es stat wol umb mich, es gat mir wol und glücklich
bene mecum agitur Frisius
dict. (1556) 65
b; es stehet sehr wol um ihn,
ses affaires vont trés-bien Frisch
nouv. dict. (1730) 678: gehe hin und sihe, obs wol stehe umb deine brüder (
vulg.: si cuncta prospera sint erga fratres tuos)
1. Mos. 37, 14; die sach ... nit wol umb meinen lieben ritter ston soll Wickram
w. 1, 5
B.; als es umb Troja noch wol stund W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 254.
auch wohl stehen mit jem.
oder etwas: es stehet wol mit ihm,
er ist wohlhabend Rädlein 1, 1069
b. wohl stehen
geziemen, gefallen s. o. 3 c. I@A@4@bb) wohl gehen.
fortunare wolgen (
nd. 15.
jh.) Diefenbach
gloss. 244
b;
feliciter, bene succedere Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 355
b.
meist unpersönlich es geht wohl,
günstig, wofür in der gegenwartssprache üblicher es geht gut: also bit ich, wann es wolgangen ist, das wir verzeren frölichen tag (
quando hoc bene successit)
Terenz deutsch (1499) 103
b; gehet es wol, so halt an dich, gehet es übel, so sey klug
in dextra quidem fortuna moderatus esto, sinistra autem prudens Bas. Faber
thes. (1587) 607
b; mein thun und trachten ... stehet dahin, dasz es in des königes ländern möge wolgehen
engl. com. u. trag. (1624) d 6
a; wenns wohl gehet, ist gut rathen Spanutius (1720) 631; sollst dann sehen, wie wohl alles gehen soll maler Müller
w. (1811) 1, 133; wenns wohlgeht, wird man frech, wenns übel geht, verzagt Chr. Wernicke
poet. vers. (1704) 211.
mit dat. der person auf körperliches, seelisch-sittliches und ökonomisches befinden bezogen. es gehet ihm wol
secundis rebus utitur Wiederhold (1669) 425
b. es geht mir wohl
mes affaires sont en bon train Frisch
nouv. dict. (1730) 677: ich bin nit hässig meinem nächsten, so es mir wolgat A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) b b 1
b; wenn es euch wolgehet, so gedencket unser auch Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) r 1
a; do hatt das concilium ain ... crützgang ... umb das gott den küng behüti und im gelük zuoschib und das es im wol gieng Richental
Constanzer conzil 82
lit. ver.; das du haltest seine ... gebot ..., so wird dirs und deinen kindern ... wolgehen (
vulg.: ut bene sit tibi)
5. Mos. 4, 40.
ebenso im vierten gebot 5. Mos. 5, 16: du solt deinen vater und deine mutter ehren, ... auff ... das dirs wolgehe (
ut bene sit tibi in terra)
bei Luther
bis herauf in die gegenwartssprache, s. Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 1, 296; Tieck
schr. (1828) 5, 54; O. Ludwig
ges. schr. (1891f.) 2, 320; Storm
s. w. (1899) 5, 200; und obs bösen buben biszweilen auch ein zeitlang gereth und wolgehet, so weret es doch die lenge nit Mathesius
Sarepta (1571) 25
a; wer den herren fürchtet, dem wirds wohlgehen in der letzten noth
Reinicke fuchs (1650) 321; August kommt ... von Heidelberg zurück, wo es ihm ganz wohlgegangen ist Göthe IV 21, 68
W.; als ich ... hier weilte und es mir wohlgehen liesz W. Schäfer
wendekreis neuer anekdoten (1937) 37.
im sprichwort: alst dem herden ovel geit, so geit it den schapen nicht wol
tristantur pecudes laeso pastore fideli Tunnicius
sprichw. 58
H.; gehets einem wol, so gehets dem andern ubel Lehman
floril. polit. (1662) 1, 368.
körperlich. es geht mir wohl
ich bin gesund: ich habe mich ... zurecht geschlafen und es geht mir wieder wohl Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 222.
allgemein. I@A@4@cc)
in gleicher bedeutung wohl ergehen,
unpersönlich es ergeht wohl
gedeiht, gerät: ach das man gedecht an gots wordt, so ergings woll an allem ort Musculus
hosenteuffel 5
ndr. meist mit dat. der person: es ergeht mir wohl
gerät mir zum guten, schlägt günstig für mich aus, im gegensatz zum übelergehen.
auch verengt auf rein körperliches befinden bezogen '
ich befinde mich wohl, bin gesund': sich frewen, wann es jemandts wol ergangen ist Calepinus
XI ling. (1598) 307
b s. v. congratulor; gott spricht: auf dasz dirs wohlergeh Stoppe
Parnasz (1735) 403; sie werden ... in die sachen ihres fürsten sich nicht anders mischen als mit ... dem wunsch ihres herzens, dasz es ihm wohlergehe K. L. v. Haller
restaurat. d. staatswiss. (1816ff.) 1, lxiv, 6; die stadt ..., in welcher es ihm so wohl erging G. Keller
ges. w. (1889) 5, 30.
sprichw.: dem es wohlergeht, der hat manchen freund Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 255
a.
als wunschformel, z. b. im briefstil des 18.
jh.: möge es dir wohlergehn! Göthe 27, 287
W.; dem herren must du trauen, wann dirs sol wol ergehn P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 373
a; himmel, lasz es, wie wir flehen, unserm könig wohl ergehen Neukirch
ged. (1744) 5; besser wäre es, wenn alles nur ein reiseerlebnis bliebe. mochte Erdmann Iken fröhlich wandern! mochte es ihm wohlergehen! Aug. Winnig
wunderb. welt (1938) 258. I@A@4@dd)
ähnlich wohl aus-, wohl abgehen
bene succedere Dentzler
a. a. o. 355
a;
feliciter cadere idiot. Bernense (1857) 78: es geht selten wol aus, was ohn raht angefangen wird Eyering
proverb. copia (1601ff.) 2, 488; wanns wohl abgehet, so will ich dir einen ... rock ... schencken Grimmelshausen 2, 334
Keller. mit dat. der person: so spricht man, wenn uns ettwas wol abegeht und lustig folgett: es fleust yhm tzu Luther 10, 1, 1, 548
W. I@A@4@ee) wohl ausschlagen, gedeihen, gelingen, geraten, glücken, anfangen, enden. wollgerathen ... wolgehen ... wolauszschlahen ... wol schlaunen
feliciter cedere Schöpper
synon. (1550) d 7
a; wolgedeihen
ad frugem pervenire Stieler (1691) 307,
meist mit dat. der person: in den letzten jahren bliebe Carolus mehrentheils zu Achen, weil ihm der gebrauch des dasigen warmen bades über die maszen wohl ausschluge Hahn
vollst. einleit. zu der ... hist. (1721) 1, 72; alles was er unternahm, gedieh wohl unter seiner hand Musäus
volksmärchen 1, 6
H. wohl gelingen
prospere cedere, felicem exitum habere Stieler (1691) 1069: wo find ich aber ein sicher stett? auch drauszen, da mir wol geling? Hayneccius
Hans Pfriem 24
ndr.; dasz ich es wol vollbring ... und mir alls wolgeling J. Stegemann
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 2, 482; ... wies im so wol gelungen sey und sey im alls nach wunsch ergangen Scheit
Grobianus v. 2100
ndr.; ist es ... je einmal so wol gelungen, dasz wir dir, o Königsberg, etwas gutes vorgesungen, ...
Königsberger dichterkreis 65
ndr.; als es ... denen in England wohlgelungen war, gefiel es ihnen dort ... so gut, dasz ... Dahlmann
gesch. von Dännemark 1, 95; wer einen thoren fragt, dem gelingt es selten wohl Jac. Grimm
kl. schr. 4, 336; Wackenroder
herzenserg. (1797) 50.
part. wohlgelungen
s. u.wohlgelungen,
adj. wohl geraten
glücken s. o. geraten
teil 4, 1, 2,
sp. 3575
ff., ferner Wiederhold (1669) 425
b: es gerät ainem menschen wol, dem es (
das ungewächs der hörner)
oben auszstoszet, wann wo es sunst auszbräch, so sturbe der mensch (1509)
Fortunatus 124
ndr.; frage gott, das wir erfaren, ob unser weg, den wir wandeln, auch wolgeraten werde (
an prospero itinere pergerent)
richter 18, 5; und was er vornimpt, thut und ticht, dasselb mus wol gerathen Ringwaldt
handbüchlin (1586) a 4
b; aller anfang sol in gottes namen geschehen, auff das es wol gerahte Petri
d. Teutschen weiszheit (1604f.) 1 a 2
a;
sprichw.: wann es wol gereth, so sinds alle gut hebammen Eyering
proverb. copia (1601ff.) 3, 374; Grimmelshausen 2, 355
Keller; boden mischt sich neuen saaten, rank auf ranke senkt sich nieder, der natur ists wohl gerathen Göthe 3, 122
W. auch bei sach- und personalem subjekt: reicher ... leut kinder geradten selten wol
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 72
b; die frucht unnd die schaaff werden wolgerathen, aber ehrliche leute werden dahin sterben
M. Herr
d. feldbau (1551) 20
a;
arvales fratres priester, ... so den göttern opfferten, damit wein und korn wolgeriete Calepinus
XI ling. (1598)
onom. 44
b; möge dir alles wohlgerathen Göthe IV 36, 113
W. der imperativ (
es) gerate wohl
als subst. für gutes, bzw. ungewisses gelingen in der adverbialen wendung aufs geratewohl
noch in der gegenwartssprache allgemein, s. o. teil 4, 1, 2,
sp. 3577; auff wolgerat C. Huberinus
spiegel d. hauszucht (1553) 178
a.
part. wohlgeraten
s. u.wohlgeraten,
adj. wohl glücken: das berckwerck thut mir wol gelücken Hans Sachs 1, 439
K. wohl anfangen, enden: es leit nicht am wol anfahen, sondern am wol enden Friedrich Wilhelm
sprichw.-register c 2
r nr. 156. I@A@4@ff) wohl kommen
gelegen kommen. wohlkommen
te stade komen, aangenaam zyn, ter gelegenen tyd ... komen Kramer-Moerbeek (1768) 424
c;
zs. f. dtsche wortforsch. 15, 309. der selten kompt, kommet wol
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 155
a; Lehman
floril. polit. (1662) 1, 486.
meist mit dat. der person für '
jemandem erwünscht kommen, bequem, von nutzen sein, anstehen'. wolkommen einem
bono esse alicui, ... gratum, optatum accidere Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 355
b: und froid in seinem herzen hab an allem dem, das im wolkommet Keisersberg
seelenpar. (1510) 9
b; mit sinem vych fert er durch und durch, wo es im geliept und wolkompt (
a. 1525)
d. dtsche bauernkrieg, aktenband 182
Franz; (
ketzer,) die Paulum nit annemen und allein ausz beden testamenten das ynen wolkummet, herausskluoben Hedio
chron. Germ. (1530) h 5
a; wär das podagra hat, mache im stiffel ausz biberbelgen, es kumpt im wol Herold-Forer
C. Gesners thierbuch (1563) 23
b; (
du sollst) der erst in d platten greiffen ..., dann diser brauch dir nützlich ist in allen zechen, wo du bist, und kompt dem bauch und magen wol Scheit
Grobianus v. 701
ndr.; die hülffe, so du glaubst vom teufel her zu zwingen, scheint zwar, sie komm dir wol, ist aber so bewand, ... Grimmelshausen 2, 501
Keller. im 18.
jh. veraltend: hier werf ich meinen dolch weg ... und dis fläschgen mit gift, das mir noch wohlkommen sollte Schiller 2, 107
G. (
räuber 2, 3).
landschaftlich noch gebraucht: das buech ist mer mängmal wol cho
liber iste mihi saepe fuit magnae utilitatis idiot. Bernense (1857) 78.
heute allgemein etwas kommt mir wohl zu statten,
wo wohl
in seinem gehalte zu einer bloszen verstärkung abgeschwächt ist: dasz ich von jugend auf ein geschick gehabt hatte ..., kam mir jetzt wohl zu statten Göthe 21, 28
W.; sein fleisz und seine thätigkeit ... kamen dem lande wohl zu statten Just. Kerner
bilderbuch (1849) 15. I@A@4@gg) wohl bekommen
zuträglich, dienlich, gesund sein, mit dat. der person, von speise und trank und allgemein von einer handlung oder einem zustand gesagt. esse alicui bono einem ... zuträglich seyn, wol bekommen Corvinus
fons lat. (1646) 108;
utilem esse Stieler (1691) 1004; diese artzney ist ihm sehr wol bekommen Rädlein 1, 1070
b: sprach, das sölt ym nymermer wol bekommen, und zucket von leder (1509)
Fortunatus 151
ndr.; dennen bekam das so wol als dem hund das grasz (1515)
Till Eulenspiegel 11
ndr.; was einem fügt oder wolbekompt, das schad dem andern Petri
d. Teutschen weiszheit (1604f.) 2, Y y 3
b; nüchtern tantzen und nüchtern weinen ist wolbekummen gar nie keinen Hans Sachs 14, 325
K.; hastu etwas für dich genomen, das dir nit gar will wol bekomen, ... würffs in die schüssel, dasz es schmatz Scheit
Grobianus v. 776
ndr.; als nun der gast die mahlzeit eingenommen ..., da sieht man recht, wie es ihm wohlbekommen, denn freundlich, wie ein engel blickt er drein Uhland
ged. (1898) 1, 363; der wein ist mir von jeher wohl bekommen E.
M. Arndt
s. w. 1, 54
R.-M.; in Carlsbad, wo mir die cur sehr wohl bekam Göthe IV 32, 50
W.; IV 27, 140
W.; sahet ihr je, ... dasz ihnen der körperlose flug wohlbekommen wäre? Herder
s. w. 15, 146
S.; das lange sitzen ... bekommt ihm nicht wohl maler Müller
w. (1811) 2, 10; den thieren bekam die reise ganz wohl Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890
ff.) 7, 14.
als wunschformel und zutrinkspruch wohl bekomms!: wohl bekomme es ihr, frau mutter! Chr. Reuter
ehrl. frau zu Plissine 22
ndr.; wohl bekomms, Valerio! G. Büchner
nachgelass. schr. (1850) 185; fräulein Rosa, wohl bekomms ..., herr von Gordon, ihr wohl! Fontane
ges. w. I 4, 285.
beim niesen: Urgockel ... nieszte sehr heftig und graf Gockel sagte ... ernsthaft: wohl bekomms! Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 72. I@A@4@hh)
in elliptischer wendung. es will wohl
es entwickelt sich günstig, glücklich: als it wol wil, so kalvet de osse Tunnicius
sprichw. 43
H. redensartlich, ironisch: es hat sich wohl: die leute meynen, wenn ein lehrer ... fein viele stücklein ins buch schreibet, ... so sey es alles gar herrlich bestellet. es hat sich wol! Matthesson
kl. generalbaszschule (1735) 83; gott sei gelobt, dasz meine vorstellungen gefruchtet haben! (Montaigne:) ja, hat sich wohl! eure vorstellungen! Grillparzer
s. w. 11, 54
Sauer. weitere belege s. o. teil 4, 2, 67
f. unter haben. I@A@4@ii) wohl fahren
glücklich, erfolgreich sein, glück haben, gedeihen. prosperare Hulsius-Ravellus (1616) 418
b;
secunda fortuna uti Wiederhold (1669) 425
a; Frisch
nouv. dict. (1730) 676;
être heureux Schrader
dtsch-franz. wb. 2, 1646.
schon mhd., s. mhd. wb. 3, 244
b; ach, wär ich hingerunnen in wasser vor zehen jarn und wär mein sel wol gefarn, das nem ich ferr für ditz leben!
liederbuch d. Hätzlerin 156
H.; las dichs nicht verdrieszen, das gott sie (
die bösen) so lest wolfaren Luther 19, 555
W.; ein ... weib, mit der ein mann ... treflich wohl fahren würde U. Bräker
s. schr. (1789
f.) 1, 254; trewen bulern wiederfehrt kein schade ..., wer recht liebt, fehrt wol zu land und meer
Königsberger dichterkreis 52
ndr.; o wie wohl bin ich gefahren, dasz ich bey den lehren blieb, ... die den weisen thorheit waren Neukirch
ged. (1744) 54.
in der gegenwartssprache veraltend, nur mehr im abschiedsgrusz fahr wohl (
s. u. 5 n)
häufiger gebraucht. I@A@4@kk) mir geschieht wohl
mir widerfährt gutes, habe gewinn, glück: wie wol ist dem geschehen, den du mit einem reinen ... gatten hast begattet!
ackermann aus Böhmen cap. 9
Bernt-Burdach; so mag mir nymer ewigklich wol syn noch wol geschechen St. Fridolin
dtsche pred. 121
Schmidt; darümb ... Scipioni ... in seinem tod wol und mir übel geschehen ist Schwarzenberg
Cicero (1535) 67
b; und wo ich solt mit todt abgahn, also verlassn die tochter mein in dem reich unverheiret sein, so würt ir nit wolgschen Hans Sachs 13, 441
K.-G.; mir gschech gleich drob wol oder weh
ders. 13, 225
K.-G.; ein David wird erhöht, weil es des höchsten wille, und so musz allemahl den seinen wohlgeschehn Neukirch
anfangsgründe (1724) 462; wie wohl ist ihm geschehen, dasz er gestorben ist E.
M. Arndt
s. w. 5, 103
R.-M. I@A@55)
dem gefühle angenehm. es ist die in der neueren sprache am stärksten empfundene bedeutung von wohl,
daher von Adelung 4, 1592
an die spitze aller gebrauchsarten des wortes gestellt und in dieser subjektiven bedeutung in der neueren sprache am deutlichsten vom adv. gut
differenziert. 'gut
ist ... was seine gehörige vollkommenheit hat ..., wohl
ist was sich dem gefühl als gut
ankündigt, in dem es mit vergnügen und zufriedenheit empfunden wird' Eberhard-Maasz
synon. (1795ff.) 3, 326.
schon ahd. (
bei den verben sein, tun
u. a., s. unten)
und mhd., s. mhd. wb. a. a. o.; was war das doch für ein eigenes gefühl, wohl und weh zugleich! O. Ludwig
ges. schr. (1891f.) 1, 208; der himmel mit den lenzgewittern der erde wohl zum herzen drang Lenau
s. w. 472
Barthel. die grenze zwischen der mehr objektiven bedeutung '
zweckmäszig, günstig, glücklich'
und der subjektiven '
angenehm'
bleibt flieszend, besonders in den fügungen wohl tun, wohl leben, sein, werden
u. a. wohl
nähert sich objektiver wertung, wo die bedeutung von '
angenehm'
einerseits zu '
schön',
andererseits zu '
gesund'
übergeht. I@A@5@aa) wohl tun.
zur bedeutung '
zweckmäszig, richtig handeln'
s. o. 1 a.
in subjektivem sinne von '
angenehmes erweisen'
in breiter verwendung. I@A@5@a@aα)
bei personalem subjekt. benefacere wael doen (
a. 1420) Diefenbach
gloss. 71
c; Stieler (1691) 2352: was kan wehe thun, wenn gott wol und sanffte thut? Petri
d. Teutschen weiszheit (1604f.) 1, f 5
b.
meist mit dat. jemandem wohl tun,
freundliches erweisen, schon ahd. (
z. b. Otfrid III 7, 30)
und mhd., aber auch ags. (
s. Grein sprachschatz 769
Köhler),
mhd. belege in mhd. wb. 3, 135
b,
vgl. noch mhd.: ga hin und nim das kint zuo dir! tuo im wol und wis im holt alse du ze rehte solt Rudolf v. Ems
weltchron. 5086.
verengt und aus der sphäre des rein subjektiven abrückend '
gutes tun, wohltat(
en)
erweisen, förderlich sein': welher den bösen wol tuot, der würt selten belönet Steinhöwel
Äsop 89
lit. ver.; die haben die guoter ... in dasz closter gepauet und dem closter wolthon Knebel
chron. von Kaisheim 118
lit. ver.; thut wol denen, die euch hassen
Matth. 5, 44;
ebenso schon die bibelübersetzer vor Luther
für vulgata benefacite his, qui oderunt vos, s. erste dtsche bibel 1, 21, 38
Kurr., vgl. auch Luther
1. Mos. 32, 9;
richter 17, 13; er lehrt ... den armen wohl zu thun A. W. Schlegel
in: Athenäum (1798ff.) 2, 318; dem nächsten wohlzuthun, gott im geschöpf zu ehren und lastern zu entfliehn sind seine christenlehren Triller
poet. betracht. (1750) 2, 280; ... strafen heiszt dem jüngling wohlthun, dasz der mann uns danke Göthe 10, 169
W. (
Tasso 2, 5).
mit elision des dat.: so viel ist unser leben für ein wahres leben zu schätzen als man darin wohlthut Leibniz
dtsche schr. (1838) 1, 425; es können ja nicht alle menschen ... wohlthun wie sie wünschen, dazu wäre der gröszte reichtum nicht grosz genug Stifter
s. w. (1901ff.) 5, 1, 127; jene hand, die gern und milde sich bewegte wohlzuthun Göthe 1, 120
W. I@A@5@a@bβ)
in der rein subjektiven sphäre bleibt wohl tun
bei sachlichem oder abstraktem subjekt und bei unpersönlichem es. etwas, es tut wohl,
ruft ein behagliches gefühl hervor, bereitet lust, ist angenehm. wolthun ..., süsz schmecken Corvinus
fons lat. (1646) 287
s. v. dulcesco; es thut wol
suave, jucundum est Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 356
a: was im anfang wolthuot, thuot im ende wee Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 66
b; jucken, buln, borgen, sauffen voll thut gar ein kleines weilchen wol Eyering
proverb. copia (1601
ff.) 3, 109; es thut so wohl, sich als ein ... schoszkind der gottheit anzusehen Klinger
w. (1809ff.) 3, 163; eine ... rücksichtsvolle behandlung thut unendlich wohl Immermann 1, 117
Boxb. meist mit personalem dat.: im jenner man nit (
ader-)lassen sol, warm feuchte speisz die thuot dir wol
d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) a 2
a; es hat mir alles wöler gethan als den reudigen das strigelen Fischart
Garg. 211
ndr.; (
ein paradies,) in welchem alles, was dem menschen auff erden behäglich unnd wolthue, gantz überflüssig vorhanden sey Lorichius
pädagogia principum (1595) 45; so wird es ihm ... heimlich wolthun, wenn er ... mit einer ehre gekützelt wird Chr. Weise
polit. redner (1677) 188; eine warme stube und ein gutes bett thut einem wol im winter Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1085
a; 1380
b; zusprache von meinen freunden thut mir itzt desto wohler, je nöthiger mir sie ist Lessing 18, 269
M.; mir hat an dieser kleinen abhandlung ... alles wohlgethan Göthe IV 42, 213
W.; die allgemeine teilnahme that ihr ... wohl O. Ludwig
ges. schr. (1891f.) 2, 66; ihre (
der mutter) blicke thaten ihm bis ins innerste wohl W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 1, 166; darauf brachte man kaffee, der uns halberstarrten sehr wohl that Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 129; jeder hört am liebsten was ihm schmeichelt und wohltut Fontane
ges. w. I 5, 90; 200; 6, 342;
bei Göthe
in diesem subjektiven sinne von '
lust, behagen bereiten'
auch bei personalem subjekt: der herzog ist lustig und thut der gesellschaft wohl IV 8, 6
W.; Wieland thut mir noch am wohlsten IV 3, 87
W. förderlich, heilsam sein, nützen: wer sich nun der brustkranckheit besorgt ..., der trinck ... disz wassers ..., dann es lungen unnd lebern wol thut Osw. Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 202; eine fahrt auf das land ... soll dir wohlthun H. Laube
ges. schr. (1875ff.) 4, 4; o prueder wie thuet dier der trunck so wol!
altdtsche passionssp. 479
Wackernell; und gleich wie schlaff dem leib wolthut, so kompt kurtzweil dem gmüt zu gut Fischart
Garg. 2
ndr. in der alliterierenden bindung wohl und weh,
bzw. wohl oder weh tun.
schon mhd.: er hatt an mir geprochen, das tuott mir wol und we!
liederbuch d. Hätzlerin 78
H.; ja fraw, er (
der wein) thut euch wol und wee
pfarrer von Kalenberg 54
ndr. in der beteuerungsformel es soll mir wol und (
bzw. oder) weh tun
gleichviel wie es ausfällt, für alle fälle, s. Vilmar
kurhess. idiot. 457; Schmeller-Fr. 2, 892: es tü wol oder wee, sy (
die liebe) müsz der tod vertreiben
liederbuch d. Hätzlerin 243
H.; ich wil das lassen bleiben, ... was er (
der priester) da sagt, das sol mir wol und wee thuon (1515)
Eulenspiegel 108
ndr.; do wurdend die eydgnossen ze rat, dasz si zu den iren gen Thum weltind, es täte wol oder wee Tschudi
chron. Helvet. 2, 165; Mathesius
hundert fabeln (1611) 67;
in der neueren sprache selten: meister! ... behalte mich bei dir, es wird mir wohl thun und weh Göthe 23, 112
W. satzelliptisch ohne verb: diese menschen ... rühren sich und wehren sich ihrer haut, um wohl oder wehe wieder ... zu verschwinden, wenn ihre zeit gekommen ist G. Keller
ges. w. (1889ff.) 1, 12.
in diesem sinne häufiger wohl oder übel,
s. unten I A 9 b.
wenig üblich mit reflexivpronomen für '
sichs wohl geschehen lassen' sich wolthun, sichs wolthun lassen
darsi piacere carnale Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1085
a; sich wolthun, gütlich thun
se délicater, se dodiner Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 1066
b.
ungewöhnlich es macht mir wohl: vielleicht macht mirs einige augenblicke wohl, meine verklungenen leiden wieder als drama zu verkehren Göthe IV 3, 94
W. I@A@5@bb) wohl sein.
die verbindung des verbum substantivum mit wohl
ist sehr alt. ahd. wola ist thaz Otfrid III 23, 45.
mhd. belege bei Grimm
gramm. 4
2, 1111. I@A@5@b@aα)
älternhd. wohl ist
mit nachfolgendem satz in der bedeutung '
richtig, nützlich, günstig, angenehm',
wofür die neuere sprache gut
vorzieht, z. b. wol wäre ..., dasz es (
die pflanze) seines giffts halb unerkannt bleybe Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 44
a;
ungewöhnlich für '
es ist gut'
als beistimmungsäuszerung: (
weib:) hier mein lieber mann, hab ich gute frische milch ... (
Hans:) es ist wohl, aber ist sie auch gewärmet?
engl. com. u. trag. (1624) 106
b.
häufiger in der zwillingsformel wohl und gut
mit dem verbum substantivum oder elliptisch ohne verb in der bedeutung '
der ordnung gemäsz': das ist zwar wol und gut, aber ... Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1380
c; loset man denne das pfant von im, das ist wol und guet. beschehe des nicht, ... (15.
jh.)
österr. weist. 3, 211; (17.
jh.)
ebda 5, 224; hilfft er im, so ists wol und gut Hans Sachs 21, 66
K.-G. mit elision des verbs: wollen sie williklich die pfrönden (
pfründen) lassen, wol und gut, wollen sie nit, so ... Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 188
ndr.; antwurtt in der wirt ..., wol und gut; ist des niht, so ...
weist. 6, 116; (graf:) wie siehts denn in der wirtschaft aus? (Bittermann:) alles wohl und gut Kotzebue
s. dram. w. (1827) 2, 39.
auch nd., s. Schiller-Lübben 5, 760. I@A@5@b@bβ)
mit dat. der person ganz allgemein. mir ist wohl
nach lat. mihi bene est, bereits ahd. (
neben acc. mih ist uuola,
z. b. Otfrid V 19, 63): thir uuolast, mit giuuurti,thaz thu io giboran uuurti Otfrid V 22, 16.
ebenso mhd., s. mhd. wb. 3, 798
b und Grimm
gramm. 4
2, 1115.
auch ags. (vel is þâm þe môtun ... gode lîcian
Crist 1080).
in der älteren sprache meist objektiv für '
ich bin in günstiger lage, guten verhältnissen, es geht mir gut',
später subjektiv für 'ich fühle mich zufrieden, glücklich, behaglich, endlich verengt auf das rein körperliche '
ich fühle mich gesund, habe keine schmerzen',
in dieser subjektiven bedeutung besonders in der neueren sprache in breiter verwendung. I@A@5@b@b@aaaa)
objektiv: geet durch den wege den euch der herre hat gebotten, das ir lebt und euch sey wol (
vulgata: bene sit vobis; Luther: auff das ir leben müget und euch wolgehe)
5. Mos. 5, 33
erste dtsche bibel; zu kainer zyt uns wol ist, so er (
der zornige herr) hie ist Niclas v. Wyle
translat. 58
K.; creaturen, die nit wissen noch versteen ... wann in wol oder wee ist Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 197
Reithm.; dem ist woll, der kein miszfallen an mir hatt
beatus est, qui non fuerit scandalizatus in me Egranus
ungedruckte pred. 37
B.; so mag mir nymer ewigklich wol syn noch wol geschechen St. Fridolin
dtsche pred. 121
Schmidt; ist dir wol, so sing gott ein liedlein und danck ihm, ist dir ubel, so ruff gott an und bete Petri
d. Teutschen weiszheit (1604f.) 1, d 8
a; wie es ... gemeinlich also hergehet, dasz mehrtheils diejenigen underthanen ... sich beschweren, denen am aller wolsten ist P. Haarer
bawrenkrieg (1625)
einl. 2
a; wie wohl ist doch der selben stadt wo jedermann lebt nach gesetzen! Neumark
fortgepfl. ... lustw. (1657) 188. ihm ist wohl,
von verstorbenen gesagt und z. t. euphemistisch redensartlich für '
er ist tot'.
schon mhd. bahnt sich ähnliche verwendung an: her tot, wolt ir uns morden, so were uns armen wol
spiel v. d. zehn jungfrauen v. 523.
nhd.: ihm ist wohl! aber ... uns wird es nimmer wohl werden, bis wir so glücklich sind ihn in einer bessern welt wieder ... zu sehen Mozart
über Barisanis tod bei O. Jahn
Mozart (1856
ff.) 3, 243; Rother
schles. sprichwörter 122
a.
vgl.: requiescat! ihr ist wohler unter der erde als darüber A. v. Droste-Hülshoff
briefwechsel mit Schücking (1893) 74.
dem subjektiven genähert mir ist zu wohl
lebe in überflusz, es geht mir zu gut: wenn einem zu wol ist, hat guts und ehre, lust und gewalt gnug, der ... weis nicht, was er fur mutwillen thun sol Luther 19, 417
W.; wem zu wol sei, der neme ein weib
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 626; wann dem esel zu wol ist, so gehet er auffs eisz tantzen
ebda 15
a; Wander 1, 869; H. R. Manuel
weinspiel v. 2271
ndr.; Appius drang auf strenge: es sey dem volk noch zu wohl, man müsse ihm den übermuth brechen Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 408. I@A@5@b@b@bbbb)
subjektiv mir ist wohl
ich fühle mich glücklich, behaglich, zufrieden, gesund: sie deuchte, ir nicht wol were, wann sie in nicht seche Arigo
decam. 321
K.; meinem herzen ist wohl in dieser dämmerung. ist sie unser element, diese dämmerung? Hölderlin 2, 82
v. Hellingrath; eine ... braut ..., deren antlitz nicht entscheidet, ob ihr wohl ist oder weh vor seligkeit B. v. Arnim
die Günderode (1840) 2, 92; seit langem habe ich einen drang nach höhen, und in den höhen war mir wohler (
a. 1866) Stifter
briefw. 5, 219; dem wohlmeinenden ist wöhler als dem wohlwissenden Kirchhofer
schweizer. sprichw. (1824) 238; arbeiten is gut, und wenn ich mir so die ärmel aufkremple, is mir eigentlich immer am wohlsten Fontane
ges. w. I 5, 13; weyl ich entberen musz der eh, ist mir gleich weder wol noch weh Hans Sachs 2, 25
K.; dem bättler syg wol oder wee
schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 20, 98
B.; mir ist so wohl, so weh! Göthe 1, 19
W.; uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert säuen!
ders. 14, 110
W. auch vom tier gesagt: wie dem vogel nur in der luft, dem maulwurf nur unter der erde wohl ist Schopenhauer
w. 1, 395
Gr. näher bestimmt mir ist wohl zu mut, ums herz
u. ä.: dem (
abte) wol ze muote was (
forte contento) Arigo
decam. 69
K.; U. v. Hutten
opera 3, 534
B.; einer, dem zu wohl umb die leber ist Bas. Faber
thes. (1587) 434
b s. v. lascivus; wo ich sie erblickte, war mir wohl ums herz Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 1, 69; niemandem konnte wohler sein in seiner eigenen haut O. Ludwig
ges. schr. (1891
f.) 2, 27.
in alliterierender zwillingsformel: der ist vor gesund zu schätzen, dem umbs hertz wol und warm ist Lehman
floril. polit. (1662) 1, 327.
häufig negativ mir ist nicht wohl zu mut
ich fühle mich unbehaglich, bin ängstlich: dem alten weib ... war nicht ganz wohl zu muth br. Grimm
dtsche sagen 1, 92; A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 108.
mit angabe in hinsicht worauf sich jem. wohl fühlt, was ihm angenehm ist. mir ist wohl mit etwas,
schon mhd., dann frühnhd.: (
es) was ir (
Maria Magdalena) mit der welt gar wol und lebet in sünden
das summerteil der heyligen leben (1472) 89
a; demselben jungen (
manne) gar wol was mit schönen groszen rossen Arigo
decam. 78
K.; so waz nun den pfaffen wol darmit (1515)
Eulenspiegel 47
ndr.; Brant
narrenschiff 64, 25
Z.; N. Manuel
v. papst u. seiner priesterschaft 111
B.; unss (
Juden) ist gar woll mit disen dingen (
tötung von Christen)
Endinger judenspiel 32
ndr.; weil im so wol ist mit dem wein, ist mir wol mit der bulschafft mein Hans Sachs 9, 98
K. in der neueren sprache bei etwas: einem wol seyn bey etwas Kramer
t.-ital. (1702) 2, 798
a; es ist ihm wol bey solchen bossen
ebda 1380
b: einem vergnügten gemüthe (
ist) viel wöller bey seinem ... armuthe als geitzigen bey ihrem ... vermögen wäre Lohenstein
Arminius (1689f.) 2, 854
b.
häufig negativ redensartlich mir ist nicht wohl bei der sache
oder dabei,
s. Kramer
a. a. o. 798
a: ihm (
Meyer) war nicht wohl bey der sache Göthe IV 27, 221
W.; dem Nolten ist doch nicht wohl dabei Mörike
ges. schr. 3, 49
Göschen. mit nachfolgendem wenn-
oder dasz-
satze: ihm ist wohl, wenn er seufzen kann maler Müller
w. (1811) 2, 14; mir wird recht wohl seyn, wenn ich im wagen sitze Göthe IV 8, 10
W.; Langbein
s. schr. 31, 120; mir ist herzlich wohl, dasz es einmal wieder etwas zu thun gibt Hölderlin
ges. dicht. 2, 145
L. wohl zu mute bei etwas sein: anfangs ... war mir nicht wohl dabey zu muthe Wieland
Lucian (1788) 1, 170.
in der wendung sichs wohl sein lassen,
im 16.
jh. auch auf seelisch-sittliches bezogen, in der neueren sprache rein körperlich gemeint '
sich das leben behaglich einrichten': sy belib hinden im kloster und lass ir wol mit got sin Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 31
ndr.; er laszt ihm wol seyn
il est à son aise, otio perfruitur Wiederhold (1669) 424
b: weil aber die Griechen ... ein glasz voll wein den Gratien, das andere der Venus, das dritte dem Dionysius ... zu ehren ... zuzutrinken pflegten, möchten sie ihnen doch ein wenig wohl seyn lassen Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, 585
b; Simon der ... zu einem so groszen vermögen gekommen ist und sichs nun so wohl seyn läszt Wieland
Lucian (1788) 1, 142; man asz, trank und liesz sichs wohl sein Göthe 21, 15
W.; 26, 331
W.; sie hatten es sich bei ... guter verpflegung wohl sein lassen W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 4;
als abschiedsgrusz für gebräuchlicheres lasz dirs gut gehen: lass dir wohl seyn, Wolf! Babo
schausp. (1793) 8. mir ist wohl
verengt für '
ich fühle mich gesund, bin gesund'.
häufig negativ es ist mir nicht wohl
imbecillitate laboro: (
die frau) bat ... sie diese nacht allein ruhen zu lassen, weil ihr nicht wohl wäre Hunold
d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 250; ihr ist wohler, sie kann weinen Göthe 49, 321
W.; ist euch auch wohl, vater? ihr seht so blasz Schiller 2, 14
G. (
räuber 1, 1); (
gräfin:) ihr (
Thekla) ist nicht wohl. (
herzogin:) was fehlt dem lieben kinde?
ders. 12, 275
G. (
Wallensteins tod 3, 3).
die persönliche konstruktion ich bin wohl
s. u. d. I@A@5@cc) wohl werden.
mit dat. mir wird wohl,
objektiv für '
meine lage, mein befinden entwickelt sich günstig'
und subjektiv '
ich beginne mich behaglich, gesund zu fühlen'.
schon ahd. (
hier mit acc. der person, s. Kelle Otfridglossar 711)
und mhd., z. b.: im wirt von rehter liebe neweder wol noch wê Walther v.
d. Vogelweide 14, 1. I@A@5@c@aα)
objektiv nur frühnhd.: gedenck mein, so dir wirt wol (
vulgata: cum bene tibi fuerit; Luther: wenn dirs wol gehet)
1. Mos. 40, 14
erste dtsche bibel; der keyser sagt: nimmer werd dir wol
die sieben weisen meister (1565) h 5
b.
in der neueren sprache selten. I@A@5@c@bβ)
subjektiv: es wird uns doch noch wohl zusammen auf dieser erde Göthe IV 3, 2
W.; lasz dir in meinem zimmer wohl werden IV 8, 50
W.; (
ein haus,) in welchem ihm ... unmöglich wohl werden konnte 21, 68
W. auf wirkungskreis, lebensraum bezogen: hier (
in Paris) ward ihm (
Erasmus v. Rotterdam) nicht wohl Ranke
s. w. (1867
ff.) 1, 177.
näher bestimmt: nun ward mir immer wohler und kecker ums herz maler Müller
w. (1811) 1, 126; wie sie den prinzen ... anblickte, wurde ihm wohler als ihm noch je auf erden geworden war
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 136.
mit angabe der umstände, die die stimmung hervorrufen: es wird der seele wohler und weiter in sturm und blitzen als in dieser feindlich lauernden stille Eichendorff
s. w. (1864) 2, 201. bei etwas: (
es) wird ihnen beim gespräch von dem erlebten, dem erduldeten wohl und weh Scherer
lit.-gesch. (1883) 136.
häufig in negativer formel mir wird nicht wohl bei etwas
werde bedenklich, besorgt, ängstlich: und begunte ihnen nicht gar wol bey der sache zu werden Happel
akad. roman (1699) 535; wo dem schöpfer nicht wohl wurde bei einem werke, da kanns dem beschauer ewig nur weh sein Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 4.
vom körperlichen befinden, in negativer wendung besonders umgangssprachlich mir wird nicht wohl
mir wird unwohl, übel: was ist das, Nolten? gott, was haben sie? ... wird ihnen nicht wohl? Mörike
ges. schr. (1905) 3, 80
Göschen. I@A@5@dd)
persönlich ich bin wohl.
in der älteren sprache und dialektisch nicht nur auf körperliches wohlergehen bezogen, sondern auch seelisches, wirtschaftliches, soziales u. a. wohlbefinden meinend: er enpfint sich wol ze sein bey dir (
vulgata: bene sibi apud te esse sentiat; Luther: weil im wol bey dir ist)
5. Mos. 15, 16
erste dtsche bibel; ain unnutze rott von buoben ... die wiszten die leut zuo zerichten mit schönen frawen, mit spilen, mitt wolleben, darbey sy auch wol waren (1509)
Fortunatus 17
ndr. auch wohl werden
zu wohlleben, reichtum kommen ebda 102
ndr.; wie möcht denn got dir nit auch geben, das du wol sygest ... hye ... in tugenden und in synen gnoden und dort im hymmel in glory und ere Keisersberg
bilgerschaft (1512) 29
b.
schweizerisch wol i sine sache sy
res suas salvas habere idiot. Bernense (1857) 78.
in der neueren sprache auf körperliches befinden verengt: ich bin wohl
bin gesund, wofür häufig auch wohlauf (
s. d.). I@A@5@d@aα) weil man ... ohne lust, aber nicht mit schmerzen wohl seyn kann, aber nicht ohne schmerzen übel seyn kann Leibniz
dtsche schr. (1838
ff.) 2, 47; ich bin zur zeit weder wohler noch schlimmer als ich in meinen guten stunden zu Hamburg war Lessing 18, 354
M.; deine brüder sind wohl Göthe IV 1, 156
W.; haben sie meinen lieben fürsten ... gesehen, ist er recht wohl?
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 152.
im briefstil, berichtend: ich bin wohl Göthe IV 8, 1
W.; IV 8, 23; 30
u. o. in zwillingsformel: das junge volk ist munter und wohl IV 31, 66
W.; die meinigen sind alle wohl und munter IV 35, 284
W. mit auslassung des verbums: meine mutter und die meinigen alle wohl und munter Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890
ff.) 7, 294.
als begrüszungsformel: ey guten abend, liebs alts mütterchen! noch gesund und wohl? maler Müller
w. (1811) 1, 286.
mit negation für krank, unpäszlich: die frau ist nicht recht wohl J. E. Schlegel
in: samml. v. schausp. (
Wien 1764
ff.) 2, 4; ich bin nicht wohl, aber ich musz hingehen, wenn es mir das leben kosten sollte S. v. Laroche
gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 151; abends bey Loder, der nicht wohl war Göthe III 2, 308
W. I@A@5@d@bβ) wohl zu mut sein, werden.
in persönlicher konstruktion ich bin, werde wohl zu mut '
bin in fröhlich-zufriedener stimmung, bzw. komme in sie, bin, werde getrost, zuversichtlich'
älternhd. und dialektisch, in der schriftsprache der gegenwart veraltet. wohlzumuth sein, fröhlich seyn
estre joyeux Hulsius-Ravellus (1616) 420
a;
bono animo esse Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 356
a: do das der herre und die frawe vernamen, wol ze mute warn Arigo
decam. 132
K.; damit er frölich und wol zuo muot ... sein möcht Wickram
w. 1, 19
lit. ver.; bysz woll zmuot (
sei getrost) Platter 31
Boos; die jungen warden wol zu muot, dasz es in worden war so guot Scheit
Grobianus v. 4505
ndr. in alliterierender zwillingsformel willig und wohl zu mute
gern bereit: des der ... man willig und wol ze muote waz Arigo
decam. 51
K.; 213
K. I@A@5@d@gγ)
durch gliederungsverschiebung rückt wohl zu mut
zusammen und kann adverbiell für '
heiter, fröhlich'
oder substantivisch für '
zufriedenheit, zuversicht'
gebraucht werden: der knab frölich und wolzemuot von dannen schyed Wickram
w. 1, 56
B.; der student ... frölich und wol zu muoth ausz dem hausz sprang Lindener
rastbüchlein 10
lit. ver.; gesund an le b und wol zu muht ist doch der beste schaz Grob
dichter. versuchgabe (1678) 107; ist wohl zurecht und wohl zu muth, zäunt jeder sich sein kleines guth Göthe 16, 4
W. I@A@5@d@dδ)
ähnliche gliederungsverschiebung bahnte sich an bei wohl zu pasz, zu fusz, zu pferd,
wofür aber in der gegenwartssprache meist gut
gebraucht wird: do he gesunth unde wol tho passe was (
a. 1541)
seerecht von Wisby bei Pardessus
collection de lois maritimes 1, 508; als ich noch jung und wol zu fusze war, ... A. Olearius
persian. rosenthal (1696) 76; ist sie frisch und wol zu fusz, sie tantzt gern offt und lang G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 22, 10; wer rennen will und stechen, musz noch wohl sein zu pferdt Zinkgref
auserl. ged. 11
ndr. negativ nit wol ze fusz
aeger pedibus Frisius
dict. (1556) 46
a. I@A@5@d@eε) wohl bei sinnen sein.
compos rationis Alberus
dict. (1540) Oo 2
a: als könig Ludwig aus den kirchen die kleynod ... verkeuffen und die armen davon unterhalten heiszen, habens ihm die mönche dahin gedeutet, er sey nicht wol bey sinnen J. Binhardus
thüring. chron. (1613) 32; Prätorius
Blockesberges verr. (1668) 21.
veraltet ist wohl bei leibe sein
für '
kräftig, stark, dick sein',
wofür heute wohlbeleibt (
s. d.).
corpulentus der wol bey leibe ist Bas. Faber
thes. (1587) 209
a; Corvinus
fons lat. (1646) 226; schaaf die nicht wol bey leib sind
apicae oves Calepinus
XI ling. (1598) 102
b: hat er (
der mann) ... sein (
des aderlassens) gewont und ist woll bey leibe, so mag man ym wol (
ader-)lassen Ortolf v. Bayerlant
artzneybuch (1477) 4
b.
luxemburgisch in gleicher bedeutung wohl um leif sin
lux. ma. (1906) 493. wohl bei jahren sein
betagt, alt sein: ein ... bauersmann, wol bei jahren
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 50
b. I@A@5@d@zζ) wohl daran sein
in angenehmer, günstiger lage sein: doch wie wohl ist der daran, welcher solchen eitelkeiten seine seele nicht ergiebt Chr. Weise
d. grün. jugend ... ged. 47
ndr.; ach, ach Cupido! erbarme dich und gib mir einen mann ..., so komm und bring ihn diese nacht ..., dasz er vor meinem bette lacht, so bin ich wohl daran Stranitzky
ollapatrida 86
Wiener ndr. wol bey einem dran seyn
star in gratia ... di uno, esser favorito da ... uno Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1380
c: ewer gnad ist wol dran mitt
d. Martinus weyb (
befreundet, gut bekannt) Vogelgesang-Cochläus
gespr. 29
ndr. dialektisch wol dra si
beleibt, fett sein Seiler
Basler ma. (1878) 318. jemandem wohl sein
freundlich gesinnt sein s. unten 6
f. I@A@5@ee) sich wohl befinden '
zufrieden, glücklich sein',
dann verengt für '
gesund sein',
selten der objektiven sphäre '
in guten verhältnissen sein'
sich nähernd. wohl befindet er (
der mensch) sich,
sofern er seinen zustand als angenehm empfindet Maasz-Eberhard
synonymik (1818
ff.) 2, 246. I@A@5@e@aα) ... welche ... alle nacht an das orth (
des vertrauten stelldicheins), da sie sich erstmals so wol befunden, kame
Amadis 25
lit. ver.; jede staatsverfassung, wo nur ein theil sich wohlbefindet, ... ist ein ungeheuer Heinse
s. w. 4, 152
Sch.; E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 40
Gr.; es (
das weib) ... befindet sich am wohlsten, je öfter es sich häutet Hebbel
s. w. 9, 414
W. wohl befinden mit, in, bei etwas. sich wol befinden bey
ò mit etwas
trovarsi bene ò ben servito Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1380
c: jede classe von menschen hat ihre ... gewohnheiten, mit welchen man ... bekanntschaft haben musz, wenn man sich bey ihr wohlbefinden ... will Salzmann
ameisenbüchlein (1806) 220; die königin pflegte dem einen oder dem andern ihrer minister so lange ihr zutrauen zu schenken, als sie sich bei seinen rathschlägen wohlbefand Ranke
s. w. (1867
ff.) 9, 154; sie befanden sich wohl dabey Bremser
medic. paröm. (1806) 78; ich ... befand mich wohl in derselben (
in der schule), da das erste lernen ... täglich fortschritt G. Keller
ges. w. (1889
ff.) 1, 89. I@A@5@e@bβ)
auf die gesundheit bezogen. sich wohl befinden
frisch auff seyn Hulsius-Ravellus (1616) 418
a;
to be well disposed Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2521
und negativ sich nicht wol befinden ...
non trovarsi bene di salute Kramer
a. a. o.; unpasz seyn (
heiszt) sich nicht wohl befinden Adelung
umst. lehrgeb. 2, 87: er hat mir ... melden können, dasz du dich wohlbefindest Lessing 18, 351
M.; kinder und enkel befinden sich übrigens wohl und grüszen Göthe IV 34, 130
W.; mein herr befindet sich ganz wohl Schiller 14, 144
G.; H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 155; dasz man ... sich gegenseitig nach dem gesundheitszustande befragt und einander sich wohlzubefinden wünscht Schopenhauer
w. 4, 366
Gr.; Storm
s. w. (1899) 1, 61.
im gleichen sinne bei Göthe
das simplex ich finde mich wohl 3, 55
W.; IV 29, 19
W. I@A@5@ff) sich wohl fühlen
zufrieden, glücklich, gesund fühlen. immer subjektiv: sie hatte sich lange nicht so wohl gefühlt Eichendorff
s. w. (1864) 2, 477; da er sich glücklich durchgekämpft habe, so fühlte er sich jetzt wohl und in besonderer glücksstimmung Bettina v. Arnim
Günderode (1840) 2, 51; nehme man doch nur die hochfürstlichen erbrechte weg ..., ich wette, alle welt wird sich wohlfühlen P. de Lagarde
dtsche schr. (1886) 10; ich lebe einfach ..., fühle mich täglich wohler Stifter
briefw. 5, 220; je wohler und freier sich der bauer fühlt, umso fester hängt er am alten W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 77. in etwas: wärest du wirklich kapabel, dich in so kleinlichen verhältnissen wohlzufühlen, so ... Holtei
erzähl. schr. 7, 30; helfen, das war die ... bethätigung, in der sie sich wohl fühlte W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 21; (
es ist) sicher, dasz ich ... mich in der fremde nicht dauernd wohlfühlen würde Aug. Winnig
frührot (1926) 411. I@A@5@gg)
frühnhd. wohl mögen
für '
gesund sein',
s. Diefenbach
gloss. 148
b; 605
b;
nov. gloss. 376
a s. vv. convalescere, valere; hast alle zeyt wol mögen? bist biszhär gsund gewesen?
usque valuisti? Frisius
dict. (1556) 1414
b: er sprach ist er (
Laban) it gesund? sy sprachen er mag wol (
vulgata: valet; dagegen Luther: es gehet im wol)
1. Mos. 29, 6
erste dtsche bibel. weitere belege aus dem 16.
jh. bei Fischer
schwäb. wb. 6, 3439.
in gleicher bedeutung, ebenfalls nur frühnhd. wohl haben: so der bischof gestorben oder sonst nit wol mocht haben, mag der abt ... ain andern nennen Knebel
chron. v. Kaisheim 73
lit. ver. zu es wohl haben
reich sein, z. b. Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 128
ndr. und reflexiv sich wohl haben, gehaben
sich in guten verhältnissen, guter lage, guter stimmung befinden, gesund sein, s. o. teil 4, 2,
sp. 53
f. und 67
unter haben.
im 15.
jh. auch wohl taugen
für '
gesund sein': wol togen
valere (
a. 1486) Diefenbach
nov. gloss. 376
a. I@A@5@hh) wohl
für '
gesund'
auszer in oben genannten verbindungen auch in freiem gebrauch: dasz du so wohl und so gut aussiehst Göthe 23, 136
W.; dann kam sie zurück gesünder und wohler als sie je zuvor gewesen war Immermann 1, 63
Boxb.; von den wässern des thauwetters umlaufen ... haben wir uns bisher noch alle wohl gehalten Görres
ges. br. 3 (1874) 91; ... die ... Griechen werden alle gesund und wohl von Ilion kehren J. H. Voss
Odüssee 339
B. (18, 259). I@A@5@ii) wohl gefallen
placere, complacere Diefenbach
gloss. 137
b; 439
b;
perplaceo Calepinus
XI ling. (1598) 1071
b; wolgefallen anstehen, gelieben, ...
piacere Hulsius-Ravellus (1616) 419
a.
meist mit dativ der person. häufiges zusammenschreiben (wohlgefallen)
zeigt schon seit dem 15.
jh., wie eng das adv. an das verbum angeschlossen ist. spontan findet sich sogar der präpositionale inf. zu wohlgefallen (
z. b. wir zweifeln nicht deinem capitl zu wolgefallen und genug zu thun [15.
jh.]
chron. d. stadt Bamberg 1, 161
Chroust und unten Kirchhof
unter β):
plausu ... certatim comprobare ... das ist mit hend und füszen zusammen schlahen unnd anzeigen, dasz uns ein ding wolgefalle Calepinus
a. a. o. 286
a.
bei persönlichem, sachlichem und abstraktem subjekt, sinnliches wie auch ethisches gefallen, zustimmung ausdrückend. schon mhd., s. belege seit dem 11.
jh. in mhd. wb. 3, 219
b. I@A@5@i@aα)
bei personen für '
gut gefallen, angenehm sein (
aus ästhetischen oder sittlichen gründen)': (
das meidlein) ir von herczen wol gefiele Arigo
decam. 130
K.; wir unserm gesponsen Jhesu Cristo wolgefallent
der heiligen leben in dem winterteil (1471) 14
a; dardurch er den edlen frawen wolgefallen ward (1509)
Fortunatus 98
ndr.; dir gefelt ... die new geselschafft also woll, das du unser ... daruber vergyssest U. v. Hutten 2, 215
B.; der gerechte ... gefelt gott wol
weish. Salom. 4, 10; vilen wolgefallen haiszt den weisen miszfallen Fischart
podagr. trostbüchlin 71, 6
H.; eine (
der töchter des nachbars) ... ihm so wohl gefiel, dasz er sie zur frau verlangte Göthe 43, 17
W.; ... den mann dir im triumphe zuzuführen, der deinen augen wohlgefällt Schiller 12, 151
G. (
Piccol. 3, 8). I@A@5@i@bβ)
bei sachsubjekt: und begunden die rothen gülden ihm (
dem kammerherrn) in die augen zu scheinen, ihn munter zu behalten und zu wolgefallen Kirchhof
wendunmuth 2, 54
lit. ver.; mein zimmer gefällt mir wohl in seiner unordnung Bettina v. Arnim
d. Günderode (1840) 1, 30; sein gesicht gehörte zu jenen ..., die ... wohlgefallen, so lange sie jung sind Holtei
erzähl. schr. 2, 70; Uri, Unterwalden und Schwitz ... sie tund mir wolgefallen Tschudi
chron. Helvet. 2, 693; ich will nur, dasz er da sei, ... für sich, selbstständig, frei und unabhängig, wie eine blume, die mir wohlgefällt H. v. Kleist
s. w. 3, 86
E. Schm. (
Homburg 4, 1). I@A@5@i@gγ)
bei abstraktem subjekt: eym iglichen gefellet seyne weysze wol, drumb ist das land ... narren voll Luther 10, 1, 1, 132
W.; was sollt doch den lügenern ... anders denn lügen wolgefallen?
ders. 8, 520
W.; Vogelgesang-Cochläus
gespräch v. d. trag. Joh. Hussen 3
ndr.; 11; Faustus ... sagte, dasz ihm die lehr wolgefiele
volksb. von dr. Faust 99
Braune; (
es) hat solche meine einfeltige arbeit vielen guthertzigen leuten wolgefallen Ringwaldt
handbüchlin (1586) a 2
b; almosen geben ... gefallet gott wol Moscherosch
insomnis cura par. 111
ndr.; (
eine) herzlichkeit, die mir wohlgefiel Nicolai
reise durch Deutschland u. s. w. (1783
ff.) 7, 89; dasz solche exklamationen ihm wohlgefielen, gab er durch mienen zu verstehen Holtei
erzähl. schr. 8, 244. I@A@5@i@dδ)
neutrales pronomen ist subjekt: daz gefiel dem spitelmeister wol (=
er war damit einverstanden)
Eulenspiegel 25
ndr.; der herr ... thu was im wolgefellet (
quod bonum est in oculis suis)
1. Sam. 3, 18; gott gibt, das ... sinem willen wol gefallt Zwingli
dtsche schr. 1 (1828) 304; ich musz alhier sagen, was mich mein gewissen lernet, nicht was einem andern wolgefeltt (1522) Egranus
pred. 78
Buchwald; gott miszfället offt das, was dem menschen wolgefält Joh. Arndt
Thomas a Kempis nachfolge Christi (1631) 9; auf, auf, ihr sollt beginnen, was ewrem schöpffer wolgefällt P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 298. I@A@5@i@eε)
unpersönliches es
als subjekt: (
Christus wird kommen) wens yhm wolgefelt
zwei ält. katechismen 56
ndr.; wone, wo dirs wolgefellet
1. Mos. 20, 15; thue mit mir, wies dir wohlgefält Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 2, 276; hertz, seel und muth, nimm alles hin und lasz dirs wol gefallen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 331. I@A@5@i@zζ)
redensartlich gebunden ich gefalle mir in etwas wohl
fühle mich darin behaglich, liebe es, vgl. teil 4, 1, 1,
sp. 2113: während du ... auf der ... höhe stehend ihn zu dir hinaufrufst, ... gefällt er sich ... im thale ... vollkommen wohl Solger
Erwin (1815) 1, 15, 3; (
ein) mädchen, das sich in hochsentimentalen rollen sehr wohlgefiel E. T. A. Hoffmann
s. w. 4, 74
Gr.; gerade als sie sich in ihren redensarten am wohlsten gefiel, ... Eichendorff
s. w. (1864) 2, 79; hörer ..., die ... in thatlosem schmerze sich wohlgefielen Häusser
dtsche gesch. (1854
ff.) 3, 208, 38.
anders zu werten (
unfreie bindung an lat. vorlage)
ist der gebrauch ich gefalle mir in etwas
in der bibelstelle Matth. 17, 5
der vorlutherischen übersetzer: dirr ist mein lieber sun, in dem ich mir ... wol geviel (
in quo mihi bene complacui)
erste dtsche bibel 3, 65, 37
K.; Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 424
Reithm. ähnlich schon mhd.: dit is mîn lîve sun, da ich mir wal ane givalle
wilder mann 7, 204
Köhn. ich lasse mir etwas wohlgefallen
lasse es mir behagen, bin damit einverstanden, zufrieden: der magister liesz ihm den schwanck wolgefalln Er. Alberus
fabeln 10
ndr.; disz alles liesz ihm Grandbusier wolgefallen Fischart
Garg. 331
ndr.; (
es) haben ... fürsten dergleichen eitelkeiten sich wohlgefallen lassen Lohenstein
Arminius (1689
f.) 2, 1585
b; ich sasz am warmen ziegelofen und liesz mir getränk und unterhaltung wohlgefallen Aug. Winnig
frührot (1926) 451; herr gott ..., lasz wolgfalln deiner majestat die rede ausz dem mund von mir Hans Sachs 18, 92
K.-G.; lasz des jünglings opfer dir, du höchster, wohlgefallen! Matthisson
schr. (1825) 1, 71. I@A@5@i@hη)
verstärkt durch adverbia wie ausnehmend, sehr, trefflich, ungemein
u. ä.: (
da) thet ihm sein eygen werck so trefflich wolgefallen Opitz
teutsche poem. 18
ndr.; ... die welt, die im frühling junger jahre uns mit ihrer bunten waare so ausnehmend wohlgefällt Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 52; welches stück mir ... ungemein wohlgefallen hat Nicolai
literaturbr. (1759
ff.) 3, 202; besonders wollen mir die frauens sehr wohlgefallen Göthe III 1, 217
W.; das ... raisonieren gefiel mir in der seele wohl Ulr. Bräker
s. schr. (1789
ff.) 1, 68. I@A@5@i@thθ)
part. präs. in adjektivischer funktion für '
sympathisch, angenehm',
wenig gebraucht: er (
Odysseus) ... erscheint ihr (
Nausikaa) wohlgefallend Fr. Schlegel
s. w. (1846) 4, 57; sie (
ist) selten um ein spitzig wort verlegen und dennoch vielen wohlgefallend J.
V. v. Scheffel
ges. w. (1907) 3, 29.
vgl. mhd.: in den widerwertigen dingen als och in den wolgevallenden Seuse
dtsche schr. 95
B. I@A@5@i@iι)
part. prät. in adjektivischer funktion nur im 15.
und 16.
jh. für '
bekömmlich': so sich der mensch auff entheltet mäsziglich in wolgefalner speisz Albr. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) f 5
a.
passend: ein kurtzer wolgefalner spruch Frisius
dict. (1556) 104
b; wolgefallne oder wolgesetzte wort 411
a; 662
b.
gelegen: bey seiner faulen rott beharret, bisz ihm wolgefallene zeit kam Wickram
w. 2, 26
B. übersetzung von beneplacens in: erste dtsche bibel 2, 48, 57
K.: das ir bewert, welchs do sey der will gotz, guoter und wolgevalner (
voluntas dei bona et beneplacens),
wo Luther (
Röm. 12, 2) wolgevellig
setzt. in der neueren sprache nicht gebräuchlich. I@A@5@kk) wohl dünken
angenehm dünken, gefallen: die warmen strümpfe werden dem armen pastor wohldünken Göthe IV 24, 208
W. I@A@5@ll) wohl behagen
mit dat. '
gefallen, passen',
zunächst auf sinnlichen genusz bezogen, dann aber auch auf geistigseelisches. wolbehagen
complacere Diefenbach
gloss. 137
b: man liesz sich diesen sang lange wohlbehagen Herder
s. w. 23, 272
S.; (
wir wollen nicht erwähnen,) dasz ihm (
Hutten) die schöne literatur in Italien wohlbehagte
ders. 16, 278; (
es) ist keine frage, dasz die ... werke der alten ... dem lebenden publico ... nicht so wohlbehagen können als werke gleichzeitiger künstler Göthe 47, 51
W.; gott herre, war steht des menschen sin, das ihm das böse so wol behaget
Frankfurter druck des renner (1549) 58
b; ich las mir alles wolbehagen und hab ein gros gefallen dran A. Pape
Jonas rhythmicus (1605) l 1
b; o lasz die tage mit dir schalten und thun, was ihnen wohlbehagt! Platen 1, 54
Redlich. selten reflexiv für '
sich erfreuen, unterhalten': sollst keine goldne kette mehr tragen ..., dich nicht beim tanze wohlbehagen! Göthe 14, 190
W. (
Faust I
v. 3759). I@A@5@mm) wohl leben
glücklich, angenehm, fröhlich, gesund leben, häufig in abwertendem sinne vom grob sinnlichen genusz des essens und trinkens. wolleben
commensari, crapulari, deliciari Diefenbach
gloss. 135
b; 155
a; 171
c; ich leb wol, es gehet mir wol Alberus
dict. (1540) 8
b; wir haben wolgelebt
laute refecti sumus ebda 2
a; dem leyb guots thuon, wol läben
pelliculam curare Frisius
dict. (1556) 356
b: zuo einem mal was ein geystlicher man, der wolt alle zeytt wolleben und wolt wein und visch und guott kost haben
das summerteil d. heyligen leben (1472) 147
b; acht, daz uns ain faissz kuche syg und daz wir wollebent
N. v. Wyle
translat. 58
K.; zuosehen wie unsere gesellen in dem hausz Circe essen, trincken und wolleben Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 44
a; und leben auff das aller wölst und freidigst Nic. Höniger
hoffhaltung d. türck. keisers (1573) 25; ein dieb lebet offt ... herrlich unnd wol Nigrinus
von zäuberern u. s. w. (1592) 104; Spreng
Äneis (1610) 6
a; wenn wir die welt mit fleisz ansehn, wie alls thut durcheinander gehn ..., der dieb wohllebt, der redlich fastt ... J.
V. Andreä
bei Herder
s. w. 16, 235
S.; du lebest wol: was aber dänkt indessen dein arme seel? Neumark
poet. ... lustwäldchen (1652) 4.
prägnant für '
gastereien pflegen, ein fest feiern': wolleben
banquetiren Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2527.
ähnlich wol tischen
cibo et potione lautiori famem sitimque depellere Stieler (1691) 2287. wol zehren
ebda 2607; wohl speisen (
in der tischformel ich wünsche wohl gespeist zu haben,
z. b. Eichendorff
s. w. [1864] 4, 285). wohl leben
wird in der neueren sprache nur mehr im substantivierten inf. in positivem und insbesondere im tadelnden sinne allgemein gebraucht (
s. u.wohlleben,
n.),
ferner im abschiedsgrusz leb wohl, lebet wohl (
s. u.n).
andere finite formen sind wenig sprachüblich, vgl. (
eine) gute bewirthung, die ihn nichts gekostet, sondern bei der er wohlgelebt hat Schleiermacher
Platons werke (1804
ff.) 1, 2, 337; 42. I@A@5@nn)
als abschiedsgrusz für vale, valete in den formeln lebe wohl, gehab dich wohl! fahre wohl!
u. ä. schon mhd. gehabe dich wol!
Iwein 6566,
s. Grimm
gramm. 4
2, 1122. lebt wol! er gehabe sich wol!
state sano!, viva felice! Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1380
c.
in der gegenwartssprache am allgemeinsten lebe wohl! lebt wohl! leben sie wohl: (
derwisch:) lebt wohl! (
Nathan:) so hastig? — warte doch, Al-Hafi! Lessing 3, 24
M. (
Nathan 1, 3); (
Iphigenie:) leb wohl, und reiche mir zum pfand der alten freundschaft deine rechte! (
Thoas:) lebt wohl! Göthe 10, 95
W. (
Iphigenie 5, 6); leben sie wohl! ... leben sie wohl, lieber Revannet! 24, 90
W.; lebe wohl, du guter kerl — wer weisz, wann wir uns wieder sehen! S.
Brunner erzählungen u. schr. (1864
ff.) 1, 55.
auch als briefschlusz, besonders im 18.
und 19.
jh.: im übrigen gedenken ew. gnaden meiner in besten und leben wohl, ich verbleibe ... Chr. Reuter
Schelmuffsky 4
ndr. (
vollst. ausgabe);
schlesw. lit.-briefe 100, 32
lit.-denkm.; Göthe IV 8, 52
W.; nun lebe wohl, schreibe mir bald und viel! IV 27, 52
W.; IV 29, 20
W.; leben sie recht wohl! Humboldt
br. an Welcker 1.
wie formelhaft die wendung wurde, zeigen die steigerung lebe tausendmal wohl! Göthe IV 8, 24
W. und die substantivierung tausend lebewohl! Göthe IV 27, 151
W., sie wird aber auch aufgelockert lebe dein leben wohl Göthe IV 8, 1; ich bin wohl und wünsche dir wohl zu leben! IV 8, 3
W. entsprechend lat. vale oder franz. adieu für '
fort! hinweg!': so lebe wohl, verstand und vernunft, lebe wohl, jede ... vorsicht! Göthe 23, 149
W. etwas antiquiert als abschiedsgrusz ist gehab dich wohl,
im 15.
und 16.
jh. noch in der bedeutung '
sei fröhlich, zuversichtlich': lieber, schweig und gehab dich wol!
altdtsche passionssp. aus Tirol 56
W.; 226; darumb gehabe dich wol und pisz guotz muotes Arigo
decam. 192
K.; gehabt euch wol und seyt frölich 64
K.; Boltz
Terenz deutsch (1539) 163
a.
aber schon im 16.
jh. und dann besonders in der neueren sprache zur bloszen formel der verabschiedung verblaszt. gehab dich wol
vale Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 355
a: gehab dich wol die zyt naher (
kapitelschlusz) Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 22
ndr.; und so, lieber leser, gehabe dich wohl! Stifter
s. w. (1901
ff.) 1, 170; gehabet euch wohl (
so ruft Satan in der hölle), glückselige felder (=
himmel), wo die freude auf ewig wohnet!
probe einer ... übersetzung Joh. Miltons verlohrnen paradieses in: Bodmer
samml. crit.-poet. schr. (1741
ff.) 1, 16; gute nacht, gehab dich wol!
Königsberger dichterkreis 103
ndr.; genug hab ich gehört. gehabt euch wohl! Schiller 14, 314
G. fahre wohl
ist bereits im 15.
jh. als abschiedsgrusz belegt, s. Diefenbach
gloss. 605
b s. v. vale, z. t. im sinne '
lasz es dir gut gehen',
z. b. Königsberger dichterkreis 10
ndr.; Göthe 1, 234
W. in der neueren und gegenwartssprache häufig pathetisch in der apostrophe an sterbende oder tote: fahre wohl, unschuld! (=
unschuldiger knabe) Gerstenberg
Ugolino 260
nat.-lit.; fahr wohl, du alter frommer rittersmann, der liebe thräne fällt auf deine leiche A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 209;
als abschiedsgrusz eines sterbenden: (
Hamlet:) Horatio, ich sterbe — arme königin, fahr wohl! A. W. Schlegel
Shakespeare (1797
ff.) 3, 359.
deutlich bewahrt bleibt die eigenbedeutung von wohl
im wunsch schlaf wohl; der herr schlafe wol!
dorma bene! (
sano!) Kramer
a. a. o.: schlafen sie wohl oder eigentlich gesund, meine herren! Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 1, 11; gute nacht ..., Mariechen, schlaf wohl und träume sanft Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 6; schlaf wohl, lasz dir nicht grawen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 297. ruhe wohl, heiliger staub! Gerstenberg
Ugolino 243
nat.-lit. I@A@5@oo) wohl liegen: auff harten betten ligt man wol Eyering
proverb. copia (1601
ff.) 1, 124; wer wol ligen will, der bette ihm wol Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1380
c.
in zwillingsformel: die willig und wol gefangen ligen in einer dienstbarkeit, die ligen an guldin ketten Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 9
b,
wo aber in wohl
auch die bedeutung '
in guten umständen'
mitschwingt. I@A@5@pp) wohl duften, riechen
angenehm riechen. wole riechen, wol ruken, wael rueken Diefenbach
gloss. 13
b; 50
a; 245
c; 393
b; 394
c; 489
a; 547
c s. vv. adolere, aromatizare, fragrare, odorare, olfacere, redolere, spirare; nov. gloss. 181
a s. v. fragrare; zs. f. dtsche wortf. 15, 309: holcz das wol reucht Diefenbach
nov. gloss. 17
b s. v. aloe; die rose reucht wol
rosa jucunde olet Stieler (1691) 1529; nähere dich dem parfümeur, so wirst du auch wol duften Carl Schulze
bibl. sprichw. (1860) 52.
in gleicher bedeutung älternhd. wol schmecken
aromatizare Diefenbach
gloss. 50
a;
fragrare nov. gloss. 181
a;
balsamiticus das wol smekcht als walsam
ebda 47
b; etwas das wol reucht oder schmeckt Calepinus
XI ling. (1598) 984
a s. v. odoramentum; es schmecket wol
jucundum saporem habet Stieler (1691) 1870: wie ein ros im meyen wol schmeckt Paracelsus
opera (1616) 2, 588; strew grasz und blumen, die wol schmecken Hans Sachs 6, 146
K. in der neueren schriftsprache nur vom geschmacksinn: fremd brot schmeckt wol Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 1
a; ob es wol im anfang wolschmeckt, so wird es doch in bitter galle verwandelt Pape
bettel- u. garteteuffel (1586) B b 2
v; der hunger macht, das die speise wolschmeckt Petri
d. Teutschen weiszheit (1604f.) 2, o 2
v; was wohlschmeckt wird jeder finden, der keinen naturfehler an gaum und zunge hat Kretschmann
s. w. (1784
ff.) 2, 43.
mit personalem dativ: im die ding nit schmecken, die im vormals wolschmackten und im lustlich waren Tauler
sermones (1508) 29
b; ich esse, was mir wolschmeckt Petri
d. Teutschen weiszheit (1604
f.) 2, Ppp 1
b; Rebecca ... wol wuste, was ihrem alten mann wolschmeckete Schupp
schr. (1663) 273.
in der redensart es sich wohl schmecken lassen: (
der köhler) trug einen napff ... rüben auff, welche der könig ... im wolschmecken liesz Kirchhof
wendunmuth 2, 75
lit. ver.; eszt und trinkt und laszt es euch wohl schmecken Tieck
schr. (1828) 5, 73; das obst hatten sich alle wohl schmecken lassen Göthe 24, 103
W.; 25, 202
W.; IV 19, 292; IV 28, 50; Eichendorff
s. w. (1864) 3, 55. I@A@5@qq) wohl lauten, klingen,
angenehmen laut geben, gut klingen. wol luten
symphonizare (
a. 1512) Diefenbach
gloss. 535
b;
avoir une bonne resonnance Hulsius-Ravellus (1616) 419
b; Frisch
nouv. dict. (1730) 677: wenn ich spreche 'ein man ist stercker denn ein weib ...', wie wols nu gleich so viel were wenn ich spreche 'man ist stercker denn weib ...' so lautts doch nicht so wol Luther 26, 358
W.; das wort (
Egesta) wolt ... nit wollauten ..., drumb setzt man S vorne dran und muost Segesta heyssen Er. Alberus
dict. (1540) nn 3
b; der stammwörter ... vollkommenheit ... wird ... seyn ..., dasz sie wollauten und ihr ding eigentlich ausdrükken Schottel
haubtspr. (1663) 51
abschn. 2; eine saite, die sich unsichtbar macht, um lange wohlzulauten Jean Paul
w. 45, 109
H. inhaltlich angenehm klingen, angenehm sein, gefallen: szol er sich loben, so lauts nicht wol Luther 34, 2, 157
W.; Vogelgesang-Cochläus
gespr. 11
ndr.; was ... ehrbar ist, was wohllautet Lavater
verm. schr. (1774f.) 2, 297 (
bibl., vgl. Philipp. 4, 8); was löblich ist und wohllautet vor den menschen Schleiermacher
s. w. (1834
ff.) II 4, 121. wohl klingen: wie ain getzogene saydt auf der hAerpf wol klingt als lang dieselb nit nachlAest ... Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 541
Reithm.; sonderlich ist darauf zu sehen, dasz sie weich und wolklingen Aug. Buchner
anleit. (1665) 46; sollte es meinen ohren nicht wohlklingen, wenn die nation ... von den nachbarn den ruhm erhält Schopenhauer
w. 4, 117
Gr.; Phöbus muszte sich oft kränken, wenig klang von uns ihm wohl Neukirch
ged. (1744) 20. I@A@5@rr)
aus der subjektiven sphäre des angenehmen objektiver wertung genähert, für '
schön'. wohl singen, schreiben, reden
u. ä.: item 1
m. dem caplan zu Papow, der so wol sang zam die nachtigal
Marienburger treszlerb. 366
Joachim; und dise schribent, der wol und der übel ..., item warumb solt nit wol und recht geredt oder geschriben sin
N. v. Wyle
translat. 11
K.; wolreden
bien dire Hulsius-Ravellus (1616) 419
b;
s'exprimer en de bon terms, estre eloquent Wiederhold (1669) 426
b; ich red wol
dico eloquenter Er. Alberus
dict. (1540) 28
b; der gern wolreden lernt
candidatus eloquentiae ebda 29
b;
rhetorica die kunst wol zu reden
nomenclator (1634) 300; seyne rede wol schmücken können
Frankf. druck des renner 76
a Warlies; sie (
die lateinische sprache) ... macht uns Teutschen, das wir erst anfahen unser eygen spraach regulieren und wolstellen Boltz
Terenz deutsch (1539) a 3
b; ach wie bedenckt man sich, dasz man alle wort wohl setze Moscherosch
insomnis cura par. 94
ndr.; ihr müsset ... euch eines singers gebrauchen, der ... die worte deutlich und wol herausz bringe
Königsb. dichterkr. 3
ndr.; (
es) ist nicht genug, das eines seine rede wolstellen und fürbringen kan, sondern ... Butschky
hochdtsch. kanzelley (1659) 7; die vorrede ist ungemein wohl geschrieben Herder
s. w. 5, 276
S. wohl gebärden: wolgebehrden
eleganti gestu moveri Stieler (1691) 79. wohl aussehen
schön sein: das mädgen sieht wol aus,
sieht nicht übel oder unappetitlich aus Rädlein 1, 1070
b; Sallmann
Estland (1880) 132. etwas läszt wohl: wisse auch, dasz eine runde perrücke auf den geistlichen kopf sich besser schicke, denn diese lässet ehrwürdig und wohl Kortum
Jobsiade (1799) 1, 77. I@A@66)
aus der bedeutung '
richtig, gehörig, geziemend'
entwickelt sich die von '
freundlich, gastlich'
in einer reihe von verbindungen, z. b. jem. wohl aufnehmen, empfangen
u. ä. I@A@6@aa) daz derselb babst ... inn wol enpfieng
N. v. Wyle
translat. 13
K.; von dem er so miltiglich und wol enpfangen waz Steinhöwel
Äsop 40; (
der kaiser) ward da (
in Rom) von cardinälen wol empfangen Tschudi
chron. Helvet. 1, 18; und wie er offt von irentwegen gelauffen sey durch schnee und regen, hab sie in (
Grobianus) doch nie wol entpfangen Scheit
Grobianus v. 2119
ndr.; sein anverwandter, der ihn sehr wohl aufgenommen hatte Wackenroder
herzenserg. (1797) 255.
bildlich auch bei nicht personalem subjekt und objekt: die ... hauptstädte des ostens, wo dergleichen ... gattungen immer am wohlsten aufgenommen sind Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 18.
in gleicher bedeutung den gesten wol embieten
accurare hospites Frisius
dict. (1556) 20
b. I@A@6@bb) jemanden wohl halten (
wirtschaftlich oder sozial)
günstig stellen, ehrenvoll behandeln. ein gast empfahen und wol halten
accipere hospitem Frisius
dict. (1556) 634
b; wol halten
gutes erzeigen Rädlein 1, 1073
a; wohlgehalten werden
to be had in reputation Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2525: yn unserem land ist es ein grosz ding umb den adel und werden von allen menschen wolgehalten Gengenbach 216
G.; darumb er von manigklich wolgehalten ward (1509)
Fortunatus 97
ndr.; 80; hast du ein knecht, der fleiszig arbeit, trew und recht, den halt nit ubel, sonder wol Hans Sachs 19, 28
K.-G.; wen das glücke zu wol hellt, den macht es zu einem narren
fortuna quem nimium fovet, stultum facit Luther 26, 238
W.; (
sie) sind ... alda auf der hochzeit wohlgehalten worden Schweinichen
denkw. 535
Ö. sich wohl halten mit jem.
u. ä., höflich, freundschaftlich: (
er) hielt sich mit den römischen burgeren so wol und werdsam Stumpf
Schweizerchron. (1606) 147
a. I@A@6@cc) es wol, trefflich wol mit einem können
esser in grandissima confidenza ò familiarità con uno Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
c; er kans trefflich wol mit ihm
egli sà ... adularlo ebda; es wohl mit jem. meinen
es gut meinen mit ihm, sein bestes wollen, s. Campe 5, 758; der wirth war ... ein ... höfflicher mann, der sich gegen fremde gäste sehr wohl anlassen konte Chr. Weise
d. drei ärgsten erznarren 10
ndr.; (
eine) person ... mit welcher ich mich wohl in verhältnis gesetzt zu sehen wünschte Göthe IV 41, 11
W. I@A@6@dd) wohl stehen mit jem.
befreundet sein, harmonieren: solchs der kaiser mit ungefallen vornohmen und solle derhalben mit dem babst nit wol stehen fürst Georg v. Anhalt
bei Luther
briefw. 8, 349
W.; de mit dem pôrtener wol steit, wert bolde ingelaten Tunnicius
sprichw. nr. 244
H. I@A@6@ee) wohl sprechen, reden
wohlwollend, günstig, freundlich. wole sprechen
benedicere Diefenbach
gloss. 71
b;
dire del bene Kramer
t.-ital. (1702) 2, 294.
mit dat. der person: alle reden im wol und haben lieb
Terenz (1499) 119
a; Christus spricht, du sollest deynem feindt guts thon, wolreden denen, welche dich lestern Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 200
ndr. in abwertendem sinne jemandem zu gefallen reden, schmeicheln: weh euch, wenn euch jederman wol redet
Luk. 6, 26.
belege des 15.
und 16.
jh. bei Fischer
schwäb. wb. 6, 950.
heute auszer gebrauch. von einem wol reden
to speak well of one ..., to praise him Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2529. wohl reden
richtig, bzw. schön, gewandt reden s. o. I A 1 e
und 5 r. etwas wohl deuten ... auslegen, ...
in buona parte Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1380
c: wer meinen zweck sihet, der wird alles wohl unnd zum besten deutten Moscherosch
insomnis cura parentum 14
ndr. so auch: man (
hat) die erde wohl und heiter zu betrachten Göthe 24, 240
W. I@A@6@ff) jemandem wohl sein
freundschaftlich gesinnt sein: die rauhe Hallorin, die ... ihm ... beständig nicht wohl gewesen, sagte ... Pestalozzi
w. 3, 205
B.-Spr.-St. I@A@6@gg) einem wohl wollen
zugetan, geneigt, freundschaftlich gesinnt, gewogen sein. eim wol wöllen und günstig seyn
complecti aliquem benevolentia Frisius
dict. (1556) 162
b; der gemein mann ist im günstig, wil im wol
ebda 16
a s. v. accinctus; einem wolwollen
favere, studere alicui Stieler (1691) 2535;
voler bene ad uno, essergli favorevole Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1393
b;
portar'affetto ad uno Castelli
ital.-teutsch. wb. (1741) 1, 20
b: die warheit ist, ... daz ich der Glycerio wol wil Boltz
Terenz deutsch (1539) 26
b; wo ist ein volck, dem gott geneigter und wöller will dann den christen? Nic. Höniger
hoffhaltung d. türck. keisers (1573)
vorr. 3
b; es sind viel verborgene dinge in der natur ..., dieses ist ein groszes, dasz wir offtmahlen einem mänschen, den wir sonst niemahlen gesehen ..., gleichwohl vor einem andern wohlwollen Moscherosch
ges. (1650) 2, 280; ein gerades ... liebes gesicht, dem jede ... redliche seele herzlich wohl will Lavater
physiogn. fragm. (1775
ff.) 1, 245; Karl der Fünfte, der dem knaben (
Oranien) ... wohl wollte, nahm ihn ... an seinen hof Schiller 7, 81
G.; der papst wollte mir ... wohl, weil er sahe, dasz ich mein geschäft mit der gröszten aufmerksamkeit betrieb Göthe 43, 104
W.; IV 29, 45
W.; (
sie) wollen mir ... wol und werden ... nichts unterlassen um mich zu fördern W. Scherer
briefw. m. Müllenhoff 15
L.; viele wollten wissen, dasz der general ... den evangelischen eher wohl als übel wolle Ric. Huch
d. grosze krieg (1920) 3, 13; darbey erkennt er, dasz im gott wolwill und beysteht in der not Hans Sachs 18, 177
K.-G.; im sprichwort: wem gott wol will, dem kan niemandt übel Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 90
a; Mathesius
Sarepta (1571) 39
a.
vom glück gesagt: wems glück wol wil, dem wil niemand übel
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 95
b; wem das glück wohl will, zu dem kommts im schlaf maler Müller
w. (1811) 1, 140; das glück wollte mir hiebei so wohl, dasz ... Ranke
s. w. (1867
ff.) 1, vi; wir kommen, sehen, siegen, das glücke will uns wol P. Fleming
dtsche ged. 1, 96
L. im perf.: er hat mir ... wolgewollt
he ... favoured ... me Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2531: jedoch hat ihm (
Placidus) das glück so wol gewolt, dasz sein feldhauptman Aetius ... Atilam ... überwunden Brandis
ehrenkräntzel (1678) 66; man schätzte mich hier, man hat mir ... wohlgewollt Hauff
s. w. (1890) 5, 182; im anfange hatte er mir wohlgewollt, da ich ... bei ihm mich ziemlich gut aufführte G. Keller
ges. w. (1889) 1, 169; o glück, heint hast mir wol gewölt Hans Sachs 17, 27
K.-G.; der einsamkeit hab ich von kind auf wol gewolt Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 33; hat je dem weih die taube wohlgewollt? A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 210.
ungewöhnlich mit part. gewöllen: es kam auff den frantzösischen bapst, der seinen landtsleuten wolgewöllen, ein anderer Frantzos Wurstisen
P. Aemilii ... hist. (1572) 1, 378.
ungebräuchlich bleibt in alter und neuer sprache die passivische wendung: er ist ... wolgewöltt von dem künig (1509)
Fortunatus 144
ndr. I@A@6@hh)
in der gegenwartssprache veraltet ist die höflichkeitswendung tu so wohl '
sei so freundlich',
meist mit nachfolgendem satz thut so wol und sagt mir ... Schmeller-Fr. 2, 892: (
der kaufmann) zuo der ... frawe sprach ... daz sie so wol thät und im mit einem alten sacke ze willen würde Arigo
decam. 77
K.; do schrib das concilium künig Wentzelan von Behem, das er so wol tät durch christan globens willen und ... Richental
chron. d. Constanzer concils 76
lit. ver.; darumb min herr, Ae, thuond so wol, rhatend, wie ich mich halten sol! H. R. Manuel
d. weinspiel v. 969
ndr.; doch thut so wohl und knüpft das seil Fouqué
held d. nordens (1810) 2, 120. I@A@77)
aus der bedeutung '
richtig, gehörig'
in der älteren sprache häufig zu '
ausreichend',
dann '
reichlich, ausgiebig'
übergehend: kunde ich euch verpfeien, das euch wirser dann übel geschehe, das hettet ir snodiglich wol an mir verdienet
ackermann aus Böhmen cap. 7
Bernt-Burd.; gemainglich geschicht, das die menschen auff wol trincken ... bald entschlaffen (1509)
Fortunatus 57
ndr.; es war ein reicher mensch, des feld hatte wol getragen (
uberes fructus ager attulit)
Luk. 12, 16; seid frölich ..., es wird euch im himel wol belohnet werden
Matth. 5, 12; Hans Sachs 2, 6; A. v. Haller
Usong (1771) 117; man sol den acker nit zu wol tüngen
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 36
b; 136
b; versorg dich wol mit proviand, daz ist in unser schuol kein schand Scheit
Grobianus v. 2750
f.; 1623; 2429; 4479; man soll die jungen gänszlein nit früe hinaus treiben, weil der thau noch nicht abgangen, sondern wans wol auff den tag kummen ist und die sonne den thau abgeleckt hat
viehbüchlein (1667) 107; de einen to gaste bidt, de gae êrsten wol to vleischmarkt Tunnicius
sprichw. 488. I@A@88)
die bedeutung '
gehörig',
bzw. '
günstig, erfolgreich'
kann je nach zusammenhang zu '
ohne schwierigkeit, leicht'
führen: es ist ein grosz ere, das du übersichst, den du wol möchst geschedigt haben Keisersberg
bilgerschaft (1512) 7
b; was victualien anbelangt, seind alle wol zu bekhommen (1622) Josua Ulsheimer
rayszbuoch 101
Crecelius. umgangssprachlich und dialektisch in der redensart du kannst wohl lachen
du hast gut lachen, s. Woeste
westfäl. 328;
lux. ma. (1906) 493.
besonders der negation nicht
nachgestellt im sinne von '
nicht leicht, schwerlich, kaum'. nicht wol
difficilmente, schwerlich Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
c; es wird nicht wol seyn können
ebda; es ist nicht wol möglich
ebda: solliche ursachenn (
der notwehr) alle zu erclerenn khan durch diss ordnunge nit wol grundtlichen ... beschehenn
Carolina 1, 75
K.; der zorn wil sich nitt wol bergen lossen Vogelgesang-Cochläus
ein heiml. gespräch 15
ndr.; der groszen herrn geschenck kan man nicht wol ausschlagen Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) e 2
rb nr. 255; eine logisch strenge eintheilung läszt sich nicht wohl von den verschiedenen dichtungsarten machen Eschenburg
entwurf (1783) 38; die ... untersuchungen sind einer kurzen anzeige nicht wohl fähig Gerstenberg
Hamburger neue zeitung 298
lit.-denkm.; das verhältnisz Güldenapfels zu der a(llgem.) l(iteratur)zeitung (
ist) nicht wohl zu lösen Göthe IV 29, 44
W.; dieses anerbieten konnte nicht wohl zurückgewiesen werden G. Keller
ges. w. (1889
ff.) 5, 41; eine nicht wohl zu missende episode Justi
Winckelmann (1866
ff.) 2, 2, 315; zu verkennen war die nothwendigkeit dieser ... reform nicht wohl Mommsen
röm. gesch. (
41865) 2, 21.
zu nicht wohl
durchaus nicht s. u. II A 8. I@A@99)
in der bedeutung '
gern, mit lust'
auf einzelne fügungen und redensarten beschränkt. s. auch u. II A 11. I@A@9@aa) jemanden
oder etwas wohl leiden, mögen
u. ä.: ich guonn dirs ouch von hertzen wol H. R. Manuel
weinspiel v. 1341
ndr.; das selb ich auch mag leyden wol Hans Sachs 2, 8
K.; ich mag ihn sonst wohl leyden Creizenach
schausp. engl. comöd. 79, 10; ich mag ihn wohl, den guten, trotzgen blick! den prallen gang! Lessing 3, 58
M. (
Nathan 2, 5). I@A@9@bb) wohl oder übel
gern oder ungern, ob es paszt oder nicht, mit oder gegen willen, nolens volens: die (
aus der fruchtbaren ebene) verdrängten gewöhnen sich wohl oder übel an die kargere nahrung (
im gebirge) D. Fr. Strausz
ges. schr. 6, 127; der junge graf schlosz sich wohl oder übel an Fontane
ges. w. I 5, 38; bei erntefeiern muszte wohl oder übel die geistlichkeit dem volke seine weltliche tanzfreude ... lassen Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 18; hier also muszte sich der herr wohl oder übel zum handeln bequemen W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 220; wol oder übel — wollt ers nicht mit ihr gestreng verderben Schiller 1, 252
G. weitere belege s. teil 11, 2,
sp. 25
s. v. übel. I@A@1010) wohl
verstärkt, besonders älternhd. den verbalbegriff oder verleiht ihm emphatischen nachdruck, im sinne von '
tüchtig, fest, sehr, ausreichend, gänzlich, durchaus': greiffet in an ... und schlacht in wol Arigo
decam. 56
K. so bald die fraw des kinds gelegen, soll sie die händ ... auff den bloszen leib legen und zimlich wol trucken (
drücken), damit das nachwesen nicht uber sich gehe Gäbelkover
artzneybuch (1596) 2, 52; (
sie) truckhen ... den safft wol aus der geribnen wurtzel (1622) Josua Ulsheimer
rayszbuoch 107
Crecelius; jetzt werd ich wol geplaget, gespeist mit threnenbrodt Mich. Altenburg
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 2, 57. P. Gerhardt
ebda 3, 381
a.
vollkommen, gänzlich: Woldemari brüder ... musten sich mit den ... Mahaven schlagen, das der Wenden wol vergessen ward (1579) Entzelt
altmärk. chron. 119
B. jemandem wohl trauen, vertrauen
fest, zuverlässig, sehr: verschwigne oren, denen man wol vertrauwen ... darff Frisius
dict. (1556) 144
s. v. auris; mein sohn ... trawt seinen hofleuten zu wohl Lehman
floril. polit. (1662) 1, 248; (
er) truwt gott, als er dan billich sol, doch truwt er im nur vill zuo woll Murner
narrenbeschw. 139, 85
Spanier; ir frumen stet, nun habt in acht des gmeinen deutschen adels macht, zicht den zu euch, vortrawt im wol U. v. Hutten
opera 3, 529
B. I@A@1111)
die verstärkende bedeutung '
ausreichend, fest, vollkommen',
schwächt sich im 15.
bis 17.
jh. bisweilen zur bloszen funktion der perfektivierung ab, daher in glossaren dieser zeit häufig lat. composita mit de, ex, in, ob, per, re durch wol
wiedergegeben werden: exornare wol czyren (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 217
c;
inservire wol dyenen
ebda 300
c;
percoquere wol kochen (
a. 1512)
ebda 424
c;
persistere wol stan
ebda 429
c; ich salb wol, bestreich gar
perlino Er. Alberus
dict. (1540) 13
a; ich wesch gar, wol
reluo ebda 24
b; ich bind wol, vast
deligo ebda 56
b; wol bawen, behoblen, demmen, heilen, kochen, lehren, lernen, butzen, reinigen, salben, wäschen
excolo, edolo, edomo, percuro, excoquo, percoquo, perdoceo, perdisco, obsuo, expurgo, exungo, proluo Calepinus
XI ling. (1598) 508
b; 461
b; 462
a; 1054
a; 509
a; 1053
b; 1055
b; 1054
b; 975
a; 528
a; 535
b; 1168
b.
vgl. noch da man wol reiten mag
equitabilis ebda 490
b; wol zu erbetten
exorabilis ebda 520
a; wol ... zu erobern
expugnabilis ebda 527
b; das wol nehret
alibilis, quod facultatem habet alendi ebda 71
a,
ferner wole fugt (
feucht) machen
irrigare Diefenbach
gloss. 309
c; wol fruchtbar machen
fecundare ebda 228
c; wol scharff, stumpf machen
peracuo, obtundo Calepinus
a. a. o. 1050
b; 976
b; wol binden
perligare Stieler (1691) 159; wol zeitigen
permaturescere ebda 2621: herr, wasche du mich wol von meiner missetat P. Fleming
dtsche ged. 1, 7
L. I@A@1212) wohl
als gradbezeichnung, älternhd. (15./16.
jh.)
in der korrelation als wohl — als,
in der neueren sprache (
ab 16.
jh. bis zur gegenwart allgemein) so wohl — als
und als auch. I@A@12@aa) und der herr gesegent ... alles sein guot alz wol in den heusern als in den eckern
Gen. 39, 5
erste dtsche bibel; er bit als wol umb sich als umb das volck
Lev. 16, 24
ebda; in der tod als wol bereyt was als den andern Arigo
decam. 105
K.; 208
K.; als ob nit huszhalten und tagwerck der layen als wol gots dienst sy und meer dann das schrien und brummen der tempelknecht Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 41
ndr.; das mir wurd glich als wol anston als gieng ein kuo uff stältzen H. R. Manuel
weinspiel v. 39
ndr.; den tod hab wir ye nit verschuld, weyl wir sind beyde fleisch und blut als wol als du Hans Sachs 2, 32
K. zur korrelation als wol — als wol
bei Murner,
s. anz. f. dtsch. altert. 49, 27 I@A@12@bb) so wohl — als
und als auch: unser muotterspraach ..., die ja gleich ir facundiam und zier so wol hat als andere spraachen Boltz
Terenz deutsch (1539) a 3
b; nichts beweret die freundtschafft so wol als das ein freundt dess andern bürde tregt Heyden
Plinius (1565)
vorr. 2
b; darbey einer so wol kan selig werden als ein weib, die ... Mathesius
Sarepta (1571) 5
b; ein krum holt bernt so wol als ein recht holt Tunnicius
sprichw. 144
H.; ein schimmel drabt so wol als ein rapp Lehman
floril. polit. (1662) 1, 13; so wol das geld als auch die wahre
cosi (
tanto)
i danari come (
quanto)
la robba Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
c; ein leidendes thier so wohl als der held Philoktet, wenn es der schmerz anfället, wird wimmern Herder
s. w. 5, 5
S.; euch ist bekant so wol als mir, dasz ich geborn der töchter vier Gilhusius
grammatica (1597) 1, 2, 30; und würbel um her laufft, da frömder völcker sitten so wol als auch der krieg das teutsche land zerruotten Rompler v. Löwenhalt
erstes geb. s. reimged. (1647) 81. I@A@12@cc) gleich so wohl, ebenso wohl — als: (
es hat) der himmel gleich so wol in den firmamenten verstendig geschöpff als das element terrae Paracelsus
opera (1616) 2, 11; grosze herren sollen gleich so wol undanckbarkeit fliehen als schlechte arme leute Friedrich Wilhelm
sprichw.-register (1577) t 2
va nr. 229; das wir nicht solten eben so wol oder vileicht besser versehen sein als unsere vorfahren Sebiz
feldbau (1579) 1; weil aber er ... nit ... gedachte, dasz er eben so wol nur ein creatur ... als andere war, so gerieth er in die thorheit der hoffart Äg. Albertinus
Lucifers königreich 27
nat.-lit.; und bekomt dieser ebenso wohl seinen groschen als jener Lehman
floril. polit. (1662) 1, 243.
zu bayr. gleich so wol, grad so wol
s. Schmeller-Fr. 2, 892. I@A@12@dd)
der gradvergleich tritt in der neueren sprache häufig zurück, besonders in der korrelation so wohl — als auch,
die dann einfacher aufzählung, anreihung dient: ... hat er etliche mahl so wol münd- als schrifftlich von mir begehret Rist
friedew. Teutschland (1648) 14; es musz ... der singer ... den text deutlich auszudrükken wissen, damit die meinung so wohl durch die musik als worte wohl hervorgebracht werde Neumark
fortgepfl. ... lustw. (1657) 1, 7.
s. o. sowol
teil 10, 1,
sp. 1824
f. I@A@12@ee)
selten wohl
allein im vordersatz: der stoltz mag wol in einer schlechten jopen als in einem seydenen kleide sein Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) h 1
va nr. 542.
ungewöhnlich auch als wol, so wohl
im nachsatz für als auch: (
die urkunde ist) in ainer lateinischen original rotula so wol gar uralten teutschen translation vorhannden Brandis
gesch. d. landeshauptleute von Tirol 1569 -1629 24; 58; ich kans nicht bringen ins gehirn und dächt doch, ich hett auch ein kopff, als wol ein ander fauler tropff Rinckhart
christl. ritter 78
ndr.; lasz das vertrauen gegen dir so wol (=
wie auch) die liebe für und für in unsern herzen mehren J. C. Arnschwanger
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 5, 271. I@BB.
besonders fruchtbar ist die verbindung von wohl
mit part. prät. und bis in die gegenwartssprache auch in anwendungsgebieten lebendig geblieben, wo wohl
bei finiten verbalformen ungebräuchlich wurde. wohl
rückt mit dem part. prät. häufig zu syntaktischer komposition zusammen, die adjektivisch und adverbiell gebraucht wird. die gruppe dieser zusammenrückungen ist in älterer und neuerer sprache sehr grosz und kann nicht erschöpfend aufgezählt werden. nur ein teil von ihnen ist unten unter den wohl-
composita besprochen. die orthographie schwankt bezüglich des getrennt- und zusammenschreibens bis in die gegenwart. die bedeutung von wohl
entspricht beim part. der von wohl
bei finiten verbalformen, wofür hier einige beispiele. im einzelnen sind unten die composita nachzuschlagen. I@B@aa)
zweckentsprechend, gehörig, richtig. wol geschliffen, gewetzt, gewärmt, gewaschen Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1382
a; das brod ist nicht wol ausgebacken
ebda; wohl gebettet, wohl geschlafen, übel gebettet, übel geschlafen Pistorius
thes. paröm. (1715
ff.)
cent. 2, 228: des burgermeisters hausz ... (
war) fast wol geordnet Dürer
tageb. 52
L. wol getroffen! ein treflicher schlusz! Morhof
unterricht (1682) 1, 74; (
ein kriegswagen,) schön, neu und wohl gezimmert Bürger
s. w. 160
B.; eine last wohlgefaszt ist nur eine halbe last Binder 119; das geld, das er (
der mensch) nicht selbst ausgibt, scheint ihm selten wohl angewendet Göthe 23, 19
W. I@B@bb)
sorgfältig, gründlich. der philosophy oder der weyszheit wol bericht, in der weyszheit wol geleert Frisius
dict. (1556) 2
b s. v. instructus; Atlas ... des sternensehens wol berichtet Calepinus
XI ling. (1598)
onom. 49
b; in weisheit wol geschikt Schede-Melissus
ps. 68
ndr.; wunderst du dich, ... woher ich so wol von ihm unterrichtet bin? Wieland
Agathon (1766f.) 1, 20; ein mit kenntnisz alter sprachen wohl ausgerüsteter gelehrter Göthe 46, 74
W.; (
sie ist) im schreiben wohl erfahren A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 242.
genau: ich bin nitt wol mit ir bekant Vogelgesang-Cochläus
gespräch 23
ndr.; glaubwyrdige zeugen, den notariis wol bekant
ordnung ... keiser Carols V. (1540) b 1
b; mir ist gar wohl bekannt die edle treue Tieck
schr. (1828) 1, 97.
deutlich: ein guter mensch in seinem dunklen drange ist sich des rechten weges wohl bewuszt Göthe 14, 22
W. (
Faust I
v. 329). I@B@cc)
unversehrt: der brief ist wohl angelangt Göthe IV 28, 2
W.; der ... sarg ... war noch wohl erhalten Storm
s. w. (1899) 3, 181. I@B@dd)
sittlich richtig, korrekt: ich gelaub ... sölichs ... sey wol getuon Arigo
decam. 11
K.; 83; ist aber disz gott nit wol gelobt? ist das nit fein evangelisch? Diettemberger
wider das ... buch Luthers v. d. miszbrauch d. mess (1526) f; wol gelebt — wol gestorben Eyering
proverb. copia (1601
ff.) 3, 580. I@B@ee)
günstig: vier jungfrawschulen sollen gehalten werden an vier örtern, der gantzen stadt wol gelegen Bugenhagen
Braunschweiger kirchenordn. (1531) 50; den feynden wol zuo hand gelägen
obvia urbs inimicis Frisius dict. (1556) 902
a; Asia ist sehr ein reich land ... und wol zu wasser gelegen Mathesius
Sarepta (1571) 14
b. I@B@ff)
gefällig, schön: wol und fein zusammen gestaltet, hübsch Calepinus
XI ling. (1598) 293
a s. v. concinnus; da sahend die kinder gottes nach den töchteren der menschen, wie sy wol gethon (Luther: schön) wärind
Zürcherbibel (1531)
1. Mos. 6 a,
vgl, unten wohlgetan; ein schöner und überaus wohl gemachter cavalier Stranitzky
ollapatrida 41
Wiener ndr. I@B@gg)
freundlich: wir sind dir mit ... gnaden wohl gewogen Schweinichen
denkw. 152
Ö.; von kennern wohl aufgenommen Lessing
s. schr. 7, 6
M. I@B@hh)
reichlich, sehr. 'wol,
susseguito da un adjettivo derivato di be-, er-, ge-, ver-
etc., dinota grandezza, lunghezza, abbondanza, eccesso, stranezza etc. Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1382
c: (
er) kläglichen anhuobe cze weynen nit mynder dann als ein wol geschlagen kind Arigo
decam. 251
K.; so das pferd wol gefutert ist, wirt es stoltz und frech A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) c 4
b; Abram ... was wol beladen mit vich, silber und gold (Luther: seer reich)
Zürcherbibel (1531)
1. Mos. 13, 2; es sen (
sind) gar vil leut ... so wol bezächt gewesst, das sy ... verschlaffen haben Schwarzenberg
Cicero (1535) 82; die Syracusaner waren des jochs schon zu wohl gewohnt, um einen versuch zu machen, es ... abzuschütteln Wieland
Agathon (1766f.) 2, 91.
vollkommen, durchaus: so sind die gest gesettigt wol Scheit
Grobianus v. 1662
ndr. I@B@ii)
abgeschwächt zu bloszer verstärkung der perfektivierung des part.-begriffs (
älternhd.): gare
sive wol gesoden (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 425
c s. v. perfectus; wol bemühet
exagitatus Calepinus
XI ling. (1598) 502
b; von trauben beeren wol geseuberet
deacinatus ebda 370
b; vest und wol bewart machen
emunio ebda 479
b; wolgeziert
excultus 508
b; wolversorget
excuratus 510
a; wolverborgen
occultatus 980
a. I@CC. wohl
bei adj. und adv. wohl
gibt adjektiven und adverbien, vor die es tritt, emphatischen nachdruck oder ist verstärkung des adj.- und adverbbegriffes im sinne von '
gehörig, recht, sehr, gar, durchaus'.
es wird in dieser stellung, besonders vor manch, wenig, viel
u. ä. häufig als beteuerungspartikel empfunden, s. Grimm
gramm. 3, 87
und unten II A 2
u. 7. I@C@11)
bei adj., schon ahd.: ni uuarun uuola uuakar Otfrid IV 7, 66; (
Ludwig) ist ellenes guatesioh uuola quekes muates
ders. ad Ludovic. 68.
weitere ahd. belege s. Graff 1, 833.
auch mhd. häufig, s. mhd. wb. 3, 798
a f., z. b.: nû was der gast wol bereit
Iwein 6676; ich liez in (
Gunther) wol gesunden: daz tuon ich iu bekant
Nib. 553, 3
B.; hie von sô wart si wol gesite, schôn unde reine gemuot
Tristan 8028; 11089.
nhd. valde potus, qui multum potavit der wol truncken ist Calepinus
XI ling. (1598) 107
b s. v. appotus; das ist wol schimpflich Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1382
a: es thet ym woll faul (=
sehr leid) Luther 34, 2, 156
W.; etliche pferde trincken es von sich selber, man musz sie zuvor aber wohl durstig werden lassen Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 100; fuhrleute, die der gegend wohl kundig waren Göthe 22, 33
W.; (
es) würde ... allen wohl vergnüglich seyn IV 31, 188
W.; ich fand den feldmarschall ganz bereit zu einer landung, ... welche damals sehr wohl ausführbar war Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 27.
in der neueren sprache besonders häufig bei möglich, wahr, würdig, wissend, zufrieden: ich hoff es sey vast wol müglich, drumb ich in hoffnung ste Forster
fr. teutsche liedlein 71
ndr.; auch ists wohl möglich, dasz ... Klinger
w. (1809
ff.) 3, 130; H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 7; es ist wol ware ... Arigo
decam. 43
K. wohl wert: wol schawens wärt Calepinus
a. a. o. 130
a s. v. aspectabilis; schon mhd., s. liederbuch d. Hätzlerin 244
H.; man soll den narren nicht antwort geben wie sein thorhait wol werdt wär Nas
das antipap. eins u. hundert (1567) 1,
vorrede a 5
r; dergleichen ... gedicht ..., welche ... wol werth weren in truck zu verfertigen W. Spangenberg
gansskönig in: ausgew. dicht. 3
Martin; (
Shakespeare) war ... wohl werth den Deutschen bekannter zu werden
schleswig. lit.-br. 109, 9
lit.-denkm.; Wieland
Agathon (1766
f.) 1, 11; ein augenblick ..., wohl werth in erinnerung gebracht zu werden Ranke
w. 2 14, 6. (
eine geschichte) wol wirdig der czäher unser augen Arigo
decam. 247
K.; ein guldins grab, desz du wol wirdig bist und werd Hans Sachs 2, 35
K. wohl wissend
genau bekannt: es solte dir ... wol wissent gewesen sein Arigo
decam. 251
K.; 45. wohl zufrieden: er würt ouch fast wol zufriden syn Keisersberg
bilgerschaf t (1512) b 4
rv; (
sie) sind wol zufrieden gewesen (1579) Entzelt
altmärk. chron. 56
Bohm; ich bin sehr wohl ... mit meinem unglücke zufrieden Gellert
s. schr. (1839) 4, 209; ich bin herzlich wohl zufrieden, herr schulmeister Lenz
ges. schr. 1, 77
Tieck; mit dem wachsthum des knaben, der sich ... zum jüngling heranstreckte, konnte der vater wohl zufrieden sein Göthe 25, 2
W.; mein hort, ich bin wol zufrieden wenn du mich nur nicht verstöszt P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 311.
elliptisch ohne verbum wohl gut!: wol gut, saget er, ich wil sie besehen
Amadis 74
lit. ver.; Rinckhart
christl. ritter 80
ndr.; die alten sind ietzund der jungen ihre kinder; denn diese wissen mehr und jene wissen minder. wol gut! weil gott sein reich den kindern anverspricht, erbt jene welt allein und diese welt erbt nicht Logau
sinnged. 35
E.; hohlt das mensche mich ab, wohl gut, kömt sie aber nicht wieder ... Chr. Reuter
Schelmuffsky 22
ndr. (
vollst. ausg.); Lessing 1, 121
M.; Fouqué
held d. nordens (1810) 1, 37. I@C@22)
auch bei adverbien in alter und neuer zeit häufig als verstärkung. ahd. belege bei Graff 1, 833;
mhd. belege bei Lexer 3, 964
f.; nhd.: leit eyn mönch in seim gebete, der wol gern etwann anders thäte
d. renner (
Frankfurter druck 1549) 21
a; es ist wol weit kommen,
v. sehr Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
a; es ist wol schlecht bestellt mit ihm
sta malissimo ebda 1382
a.
umgangssprachlich und dialektisch kann das vor ein adj. oder adv. gesetzte wohl
die bedeutung von '
allzu'
annehmen: wol grot
zu grosz, wol rîpe
überreif Woeste
westf. 328
a; wol fill
fast zu viel, wol langsam
zu langsam Seiler
Basler ma. (1879) 318,
bei lageadverbien die bedeutung '
mehr': wol hindere
interius, wol ûfe
altius; wol rächts, wol lings
non parum ad dextram, ad sinistram idiot. Bernense (1857) 78. I@C@33)
häufig rückt wohl
mit folgendem adj. und adv. zu syntaktischer komposition zusammen. solche zusammenrückungen sind im folgenden unten als wohl-
composita angeführt. sie sind nicht so zahlreich wie die zusammenrückungen von wohl
mit part. prät., aber vollständigkeit konnte auch bei ihnen nicht erstrebt werden. von ihnen veraltet im 18.
jh. die gruppe der höflichkeitstitulaturen wie wohlachtbar, -edel, -ehrbar ... -weise
u. s. w., fruchtbar blieb aber im ganzen diese wortbildung bis in die gegenwart. bei zusammenrückungen mit lageadverbien (
s. u.wohlan, -auf, -her, -hin
u. s. w.)
hat wohl
interjektionelle funktion (
s. u. III). IIII.
abschwächung zur partikel läszt sich schon für got. waila
belegen, s. got. bibel 1. Kor. 9, 22,
findet sich ahd. und mhd., erhält dann nhd. so breite verwendung, dasz der gebrauch von wohl
als partikel der beteuerung, vermutung, einschränkung, der verstärkung, des gegensatzes oder vergleiches in der gegenwartssprache die verwendung als vollwort überwiegt. im ahd. und mhd. bahnt sich dies erst an. II@AA.
als beteuerungspartikel etwa unserem '
wahrlich, sicherlich, gewisz, wirklich, mit recht'
nahekommend, einfach bekräftigend oder auch zustimmung erwartend und heischend. vgl. ahd. (
von der himmelfahrt Christi) thoh nist nihein sterro,ni er ubarfuari ferro, quedan man iz uuola muaz,alle drat er se (
Christus die sterne) untar fuaz Otfrid V 17, 36; ni uuuntoro thu dih, friunt min,nubiz uuola megi sîn
ders. II 12, 37.
mhd. belege s. mhd. wb. 3, 798
a.
vgl.: sô bistû wol ein vrum man Hartmann v. Aue
Iwein 559; op er (
Gunther) gewalt des hête,wol wær er künic rîch
Nib. 412, 2
B.; dô sprâchen dâ die wîsen ..., man möhte Kriemhildewol für Prünhilde jehen
ebda 593, 4
B. in dieser verwendung als beteuerungspartikel findet sich wohl
am häufigsten beim konjunktiv, in sätzen mit futurischem sinn oder mit hilfsverben wie mögen, können, dürfen,
bzw. sätzen mit negation, häufig aber auch bei indikativischem vergangenheitstempus. II@A@11)
bei indikativischem verbum: nicht sprecht, sy (
die sünden) seyen kleine, es ist wol übel genug gethon Arigo
decam. 25
K.; und sprachen, pfey dich an, wol ein schalck ist daz (1515)
Eulenspiegel 6
ndr.; dem arbeiter vergat der gammel (
übermut) wol am karst, im pfluog, im feld Zwingli
von freiheit d. speisen 18
ndr.; (
Joh. d. täufer zu Christus:) ich bedarff wol, das ich von dir getaufft werde
Matth. 3, 14; so hastu werlich wol sach (
ursach) dinem kindlin allweg by den feússen zu ligen St. Fridolin
dtsche pred. 52, 24
Schmidt; Fischart
Eulenspiegel 25
H.; tugend ist wol ihr selbst lohn Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, b 1
v; du hast wohl ursache zu weinen Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 30.
im sprichwort: man darff den teufel nicht über die thür malen, er kommt wol selbs ins hausz
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 42
a; 37
b; 71
b.
bei gerundium: es ist wol zuo erbarmen, das die frowenklöster so vyl beschwert sind mit den unvernünfftigen statuten Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 32
ndr.; (
eine quelle, welche) wol für ein wunderwerckh zu achten ist (1622) Josua Ulsheimer
rayszbuoch 97
Crecelius; solche vorstellungen ... sind denn wohl dem einsiedler zu verzeihen, der ... Göthe IV 34, 129
W.; so, so, besitzt sie auch der geist der spötterey, das hab ich wohl gedacht, so geht es heut zu tage Cronegk
schr. (1761) 1, 17; am sattel mich zu halten that wohl noth, da wahrlich schlimmer als zuvor der weg A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 109.
ganz allgemein: das glaube ich wohl: ja wer daz also künd, so gloub ich wol, daz ... Keisersberg
bilgerschaft (1512) b 4
va; auf steinen (
liegt er) gewisz nicht! das glaub ich wohl maler Müller
w. (1811) 1, 142; ich glaub es wohl, bruder, denn ... Klinger
w. (1809
ff.) 3, 86. II@A@22)
bei verben mit auxiliarem können, mögen, müssen, dürfen
und bei verben im konjunktiv: in dem sich füget, das man wol sprechen möcht, es ein zeichen von got were Arigo
decam. 65
K.; darumb ir euch sölcher müe ... hettet wol überheben mügen
ebda 644
K.; der (
der von seinem irdischen vater verstoszene s. Franciscus) mocht wol sprechen: vatter unser, der du bist in den himelen Keisersberg
bilgerschaft (1512) b 1
vb; es möchten solche grewliche ... lügen ... einem wol das herz brechen Luther
w. 18, 261
W.; wer im 23. jar nicht stirbt ..., der mag wol von glück sagen
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 55
a; du hast nun, darnach dich dürst hat, magst wol ein hoch freudenlied singen Tschudi
chron. Helvet. 1, 99; erzürnt der bär ..., darff dem menschen der schimpff wol zuo saur werden Herold-Forer
C. Gesners tierbuch (1563) 15
b; ein brav kerl ..., dergleichen man wohl wenig in der welt antreffen würde Chr. Reuter
Schelmuffsky 25
ndr. (
vollst. ausg.); das musz wol ein plumper flegelius gewesen sein Grimmelshausen 2, 356
Keller; disz soll mir wol eine witzung seyn, dasz ich nimmermehr ... allein über feld reite
ebda 2, 337
K.; bey der heiterkeit eines zufriedenen gewissens kann man endlich wohl auf das schattenspiel eines unvergänglichen namens verzicht thun Thom. Abbt
verm. w. (1768
ff.) 1, 4; wir müssen mager suppen essen, das kündt ir wol darbey ermessen, wir haben lang kein wildprät gfangen Hans Sachs 21, 3
K.-G.; du siehst so ernst, geliebter! deinem bilde von marmor hier möcht ich dich wohl vergleichen Göthe 2, 6
W. beteuernd und zugleich zustimmung erwartend ich darf wohl sagen
u. ä.: ihre heftige und ich darf wohl sagen unbequeme liebe Göthe 23, 31
W.; 2, 18
W.; eine ich darf wohl sagen scharfe kritik Bismarck
ged. u. erinn. 2, 18
volksausg.; man kann wohl sagen, dasz keine ... nachwelt jemals aus dem kunstwerke heraus forschen kann, was der künstler hinein gelegt hat Göthe 47, 39
W.; G. Keller
ges. w. (1889) 1, 18; ich liesz mich das nicht zweymahl heiszen könnt ihr wohl glauben maler Müller
w. (1811) 1, 134.
höflich bescheiden: darf ich wohl fragen, ob ... Gellert
s. schr. (1839) 4, 195; von dir hofft ich vertrauen, das der wirth für seine treue wohl erwarten darf Göthe 10, 14
W. (
Iphigenie 1, 3); II@A@33)
häufig wird der aussage über ein in der zukunft liegendes geschehen durch bekräftigendes wohl
nachdruck gegeben: gott ... wird sie ... am jüngsten tage wol anzusprechen und zu finden wissen Ringwaldt
lauter warheit (1598) a 7
a; to dem jungesten dage sal men wol sein, we gut is Tunnicius
sprichw. 706
H.; lasz du nur gott des krieges walten, den sieg wirt er dir wol erhalten Hans Sachs 1, 219
K. II@A@44)
bei vergleichen und steigerungen zur bekräftigung: (
sie) gab ir fünffhundert pfunt und so vil schöner kleynet die auch wol so vil wert waren Arigo
decam. 232
K.; ich hab wol als vil zuogenommen ... in menschlicher leer als etlich mines alters Zwingli
dtsche schr. (1828) 1, 79; (
Johannes d. täufer) hat uns wol me gelert ... und geprediget (
als die priester) E. Windecke
denkwürdigkeiten 307
Altmann. II@A@55)
die beteuerung ist eine steigerung. wohl
hat den sinn von '
sogar': dat süt wol ein blinde Tunnicius
sprichw. 945
H.; man musz ... einem jedwederen sein meinung gönnen. urtheilt doch wol der blinde von der farbe
Königsberger dichterkreis 68
ndr.; ein mann, der wohl fürstliche personen gekleidet hat, soll sich einen poeten schimpfen lassen? Lessing 3, 218
M. II@A@66)
nach noch: nun will ich warlich heben an und frey versuchen was ich kan, ich will also freundtlich geberden, das ich noch wol der liebst soll werden Er. Alberus
fabeln 135
ndr.; o so kan der, der alles disz kunt machen, noch wol so viel, dasz todte wieder wachen Logau
s. sinnged. 151
E.; diss alles trägt sich zu und noch wol ärger sachen Rachel
satyr. ged. 52
ndr. II@A@77)
auch bei ander
und negationen wird durch vor- oder nachgesetztes wohl
der nachdruck der aussage gesteigert. 'wol,
accompagnato da kein,
di nicht,
di nichts, niemand
etc. e simili particole ed espressioni negative, nega piu emfaticamente' Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1382
b; das ist wol ein anderer kerl als ihr seyd
ebda; ich bin wol kein solcher ...
ebda: das will ich der tebel hohlmer wohl keinen menschen sagen Chr. Reuter
Schelmuffsky 8
ndr. (
vollst. ausg.); wenn die sprache je näher ihrem ursprunge desto unartikulirter ist — was folgt, als dasz sie wohl nicht von einem höhern wesen ... erfunden (
sein kann) Herder
s. w. 5, 14
S.; wie nah dieses ... zusammenhänge, braucht wohl nicht ... ausgeführt zu werden Göthe II 6, 9
W.; wohl keine andere literatur ... legt davon so sprechendes zeugnis ab wie die deutsche Scherer
lit.-gesch. (1894) 98; dem vater ... von dem wohl niemand leicht betruobt und trostlos geht Stoppe
Parnasz (1735) 14; Cäsarn wär ich wohl nie zu fernen Britannen gefolget Göthe 1, 253
W. II@A@88)
auch nachgestelltes wohl
bekräftigt die negation: nicht wohl '
wahrlich nicht', '
durchaus nicht': er sagt, daz ain yetklich tütsch, daz usz ... latine gezogen und recht ... getransferyeret wer, ouch guot zierlich tütsche ... haissen und sin müste und nit wol verbessert werden möcht
N. v. Wyle
translat. 9
K.; der auszsatz ist eyn ewige plage, die nitt woll zu heilen ist Luther 8, 391
W.; 19, 648; so hanget es alles aneinander und wil nit wol abzubrechen seyn Vogelgesang-Cochläus
ein heiml. gespräch 12
ndr.; ... welches mir doch nitt wol gleublich ist
ebda 2; die hertzogin nit wol antwurt auff des edelmans red geben kundt Wickram
w. 1, 13
B.; was von natur frumb, kan nit wol boszhafftig werden Mayr
sprüchw. (1567) d 6
β; der grossen herrn geschenck kan man nicht wol ausschlagen Friedrich Wilhelm
sprichw.-register (1577) e 2
rb,
nr. 255.
in der neueren sprache seltener: heute kann ich nicht wohl ausgehen Göthe IV 14, 236
W.; von einer ... verwertung ... kann zwischen uns die rede einmal nicht wohl sein Mörike
ges. schr. (1905) 3, 23
Göschen. über nicht wohl
für '
nicht leicht, kaum, schwerlich'
s. oben I A 8. II@A@99)
ähnlich den nachdruck der behauptung steigernd bei kaum, schwerlich: gott! wenn ich doch das mädchen noch behalten und einen solchen eidam mir damit erkauffen könnte! — schwerlich wohl! Lessing 3, 142
M. (
Nathan 4, 7). II@A@1010)
beteuerndes wohl
vor zahlen- und maszangaben hebt diese angabe besonders hervor oder hat, vor abgerundeten zahlangaben, die bedeutung von '
annähernd, ungefähr',
auch '
reichlich': item 5 m ... zwen bretsnydern die den somer wol 8 wochen ... delen und bret gesneten haben
Marienburger treszlerbuch 19
Joach.; also sprach ich zu wol fünfzehen erbern mannen (1411)
österr. weist. 2, 293; darumb so wil ich gehorsam sin diner bitte yetz wol zechen maln an mich beschehen
N. v. Wyle
translat. 20
K.; 52; wol pey tausend des tages kranck wurden Arigo
decam. 7
K.; wol ze tausent malen (
mille volte o più)
ebda 102
K.; die behielt ich wol ein gancz iare (
bene un anno) 25
K.; ich wolt euch wol hundert fele (
fälle) anzeigen Vogelgesang-Cochläus
gespräch ... 12
ndr.; wol vor acht jarn
ebda 9; der alten scribenten ... findt man noch wol etliche vorhanden Frey
gartengesellschaft 3, 8
B.; also dasz iren wol der dritt theil starb Stumpf
Schweizerchron. (1606) 205
a; man versucht ihrer (
der melonen) wohl zehen oder mehr bisz man eine gute findt Lehman
floril. polit. (1662) 1, 231; was maszen er hiebevor wol 4 jahr ein stumm gewesen wäre Grimmelshausen 2, 348
Keller; wol 500 schritte lang Prätorius
winterflucht (1678)
vortrab a 5
a; an wol zwantzig hohen säulen weheten ... fahnen Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, 638
a; (
ich habe) wohl über die fünfzehn tanzmeister ... gehabt Lenz
ges. schr. 1, 5
Tieck; er las ... Marianens brief wohl hundertmal durch Göthe 23, 91
W.; wohl ein stündchen mochte ich geschlafen haben A. v. Arnim
s. w. 2, 27
Gr.; ich war wohl eine halbe stunde weit gelaufen Bettina v. Arnim
Günderode (1840) 1, 2; bei einem freunde, der wohl auf einer meile entfernung von uns wohnte E.
M. Arndt
s. w. 1, 15
R.-M.; wohl nur die minderzahl von euch ... hat die sieben hügel von Rom beschritten Gaudy
s. w. 13, 45; ein stattlicher mann wohl gegen den vierzigen Mörike
ges. schr. 3, 8
Göschen; wohl zum hundertstenmale O. Ludwig
ges. schr. (1891
f.) 2, 306; der liesz würgen die brüder sein wol sibentzig auff einem stein Hans Sachs 1, 223
K.; das trieb er auch wol viertzig tag 1, 224
K. dem zahl- und maszbegriff nachgesetzt: ich weisz, dasz ... er ihnen lange wohl nicht wird geschrieben haben Lenz
ges. schr. 1, 67
Tieck; (
eine höhle,) in der ein paar hundert mann wohl lagern können Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 123. II@A@1111)
im wunschsatz nähert sich die bedeutung von beteuerndem wohl
der von '
gern': wenn alles gut geht, wünsch ich ihn wohl auf eine stunde zu mir Göthe IV 8, 24
W. besonders bei opt. prät. ich möchte es wol ... wissen, haben, sehen Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
a: darumb ich wol möchte lyden, das ... Zwingli
von freiheit d. speisen 31
ndr.; es wurde ... die heimliche heyrath ... aufgeführt, wobey ich wohl deine gegenwart gewünscht hätte Göthe IV 27, 199
W.; ich möchte wohl mit einem solchen manne das feld durchwandern IV 41, 130
W.; ich wollte wohl, unser ... publicum ahmte dem französischen ... nach Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 3. II@A@1212)
als partikel subjektiver beteuerung ist wohl
im naiven erzählstil, im volkslied und gedichten im volksliedstil sehr beliebt, verblaszt hier oft zu bloszem versfüllsel: ir huorenkindtsche henselin, wie kündt ir welsche art so fyn! als mir der einer selber that zuo monte Flaschkon (
Fiascone) wol in der stat Murner
narrenbeschw. 421
Sp.; (
die bauern) bedachten, das vil pesser wer wol in der stat zu pleiben
chron. d. stadt Bamberg 2, 197
Chroust; schenck yn und thuo mir bscheid wol gschwind! H. R. Manuel
weinsp. v. 237
ndr.; die sprachen sie umb herberg ahn, die man ihnen gar baldt vergahn, führt sie in d scheur woll in das strau, sie lobten gott und unser frau
Endinger judenspiel 21
ndr.; er kam aus Neckers flosze wohl in den Jetten grundt Zinkgref
auserl. ged. 15
ndr.; es stehet ein regenbogen wohl über jenem haus! Göthe 1, 85
W.; so hab ich mir jahre die tochter gedacht, die enkelein wohl in der ferne 3, 4
W.; es ging ein knäblein wohl über das land, ein gülden buch trug es in seiner hand 4, 168
W.; es war einmal ein fräulein wohl in Italia Pfeffel
poet. vers. (1812
ff.) 5, 145; es zogen drei bursche wohl über den Rhein, bei einer frau wirthin, da kehrten sie ein Uhland
ged. (1898) 1, 176; da segn mă den stern wohl ober dem haus Hartmann
volksschausp. (1880) 10
v. 22; gott liesz falln ein schlaf so tief wol auf den Adam und er schlief
ebda 51. II@BB.
aus bekräftigendem, beteuerndem wohl
entwickelt sich die bedeutung '
vielleicht, vermutlich'
bei bescheidenhöflicher, zustimmung heischender oder erwartung ausdrückender behauptung sowie in zweifelnder oder rhetorischer frage. in neuerer sprache in breiter verwendung. II@B@11)
in behauptungssätzen. II@B@1@aa)
am häufigsten, wenn die aussage futurischen sinn hat oder in futurform gegeben ist, s. Behaghel
dtsche syntax 2, 264;
zs. f. dtsch. altertum 65, 188
ff.: das (
gastliche haus) Primaso pisz auf none zeit zuo essen wol erreichen meinet Arigo
decam. 45
K.; (
ich) verhoffe, auch die werden wol still schweigen Creizenach
schausp. engl. comöd. 42, 31; das weitere wird sich wohl geben Göthe IV 33, 56
W.; IV 14, 236
W.; das Kesselsche institut macht so unglückliche rückschritte, dasz es wohl nächstens vor dem thore stehn wird A. v. Droste-Hülshoff
br. an L. Schücking (1893) 115;
dies. in: ges. schr. (1879) 2, 255. II@B@1@bb)
häufig auch bei auxiliarer umschreibung mit mag, kann, musz,
ihren potentialen charakter verstärkend: es seind nicht all köch, die lang messer antragen, es mögen wol etlich schinder sein Fischart
Garg. 22
ndr.; die ... römisch gartennessel ... mag wol die sein, welche Dioscorides sylvestrem deutet Bock
kreutterbuch (1572) 2
b; sein thun und lassen (
ist) schon veraltet, doch mag das wohl an der eile der neusten zeit liegen Göthe IV 29, 20
W.; die ... dauer dieses monuments mag sich wohl aus einer so gründlichen anlage herschreiben I 33, 10
W.; 21, 50
W.; (
er) mag ... wohl öfters gewünscht haben von unserm ackerbau ... kenntnisz zu bekommen G. Forster
s. schr. (1843) 1, 12; damit ich aber diese ... reisebeschreibung fein ordentlich einrichte, so musz ich wohl von meiner wunderlichen geburth den anfang machen Chr. Reuter
Schelmuffsky 7
ndr. (
vollst. ausg.); der dich so anrührte, musz wohl der könig und dein bräutigam selber sein, sonst hätte ers nimmer gewagt br. Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 30; wobei wohl angenommen werden musz, dasz ... Mommsen
röm. gesch. 2 (
41865) 88; (
es ist) schlechter markt, ... wir werden wohl wieder heimtreiben müssen P. Dörfler
der notwender (1934) 114; das kan wol ein leichentuch oder todtensarck seyn Harsdörffer
gesprächspiele 1 (1641) k 3
b; ew. hochwohlgeb. ... als kenner des alterthums ... könnten wohl zur auflösung dieses rätsels behülflich seyn Göthe IV 28, 5
W.; ich vermutete, dasz die unmöglichkeit die feder ... so zu halten ... wohl in dem verschiedenen bau unserer hände liegen könne E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 36
Gr. II@B@1@cc)
im nachsatz eines hypothetischen gefüges, eine bescheidene behauptung ausdrückend: denn wenn sie (
die kinder) nur ein jahr in deine schule gehn, so mögen sie schon wol im marterbuche stehn Grob
dichter. versuchgabe (1678) 35; er hätte wohl noch weiter gesprochen, wenn nicht ... der alte pastor ... heraufgekommen wäre Fontane
ges. w. I 6, 5; war etwas minder tobend das gelag, ich hätte wohl verstanden, was man sprach A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 107.
eine erwartung, einen wunsch einschlieszend, der bedeutung '
hoffentlich'
nahe: es wird wol niemand kommen, der ... Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1382
b; er wirds wol niemand sagen
ebda; wenn ich ihnen (
anrede) zu hoffen erlaube, so werden sie sich wohl ... damit befriedigen können v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 7; wenn ich ... den autor gegen deine emendationen wieder herstelle, wirst dus wohl verzeihen Göthe IV 35, 139
W. II@B@1@dd)
in bescheidener behauptung reine vermutung ausdrückend für '
vermutlich, anscheinend, möglicherweise': so klingt das ja so gar — so gar unglaublich, dasz an der ganzen sache wohl nichts ist Lessing 3, 13
M. (
Nathan 1, 2); er wird wohl wieder im 'Hecht' abgestiegen sein wie gewöhnlich Lenz
schr. 1, 48
Tieck; mein vater hatte diese pachtung wohl ... dem einflusz zu danken, ... E.
M. Arndt
s. w. 1, 60
R.-M.; diesz ist auch wohl der grund, warum ... A. W. Schlegel
in: Athenäum (1798
ff.) 1, 143; daher rührt es wohl auch, dasz ... W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 29; es war, wie unser leser sich wohl denkt, ... jenes ... geisterkonzert Mörike
ges. schr. (1905) 3, 24; 3, 19; ein behälter, ursprünglich wohl zu einem andern zwecke angebracht O. Ludwig
ges. schr. (1891
f.) 2, 306; 2, 20; wohl nur ihr (
der schulgenossen) spott nötigte mich, mir ... gewandtheit zu erwerben G. Keller
ges. w. (1889) 1, 130; er bittet wohl geradezu um einen rock und mantel Scherer
lit.-gesch. (1883) 76; ich glaub es ... nicht, es ist wohl anders Storm
s. w. (1899) 1, 17; im Beowulflied hören wir, dasz schilde, helme und brünnen verbrannt wurden, wohl weil er seine kriegswaffen nicht hinterlassen konnte, da er keine erben hatte v. Ulmenstein
ursprung ... des wappenwesens (1935) 8.
in bescheidener oder unsicherer behauptung der bedeutung '
gelegentlich, manchmal'
nahe: ich hab wol gesehen, das offt ein schütze abelast hundert pfeyl von dem pogen, ee er das zyl mag getreffen A. v. Eyb
dtsche schr. 1, 12
H.; ain bidermann mag wol mit bösen leuten zu thuon haben G. Mayr
sprüchw. (1567) e 2
a; ich ... lache mich ... niemals aus, wie die andern wohl zu thun pflegen Kotzebue
schausp. (1797) 1, 3; wenn in diesen (
linksrheinischen) landen früher wohl von unabhängigkeit die rede war, dann war es, um sie dem ... einflusz Frankreichs zu entziehen Görres
ges. schr. (1854
ff.) 2, 32; ans fenster pflegt er dann zu treten, ... ein vaterunser wohl zu beten A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 38.
häufig nach auch
in diesem sinne von '
manchmal, möglicherweise'
oder steigernd für '
sogar': hett ich glück unnd guoten wind, so fure ich auch wol in einem schlüsselkorb über Rhein
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 41
b; ein laden ... ist ein höltzernes fenster, auch wol ein kramladen Gueintz
dtsche rechtschreibung (1666) 93; der wolf frist auch wol gezehlte schafe Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
b; (
die zunft der kenner) thut auch wol bisweilen etwas für uns Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 10; (
kinder) machen grosze anstalten, auch wohl einige versuche Göthe 21, 29
W.; es gebärdet auch wohl einer sich aufgeklärt Hölderlin
ges. dicht. 2, 81
L.; die wundersamen wesen sind zumeist in ... gewänder von grauer ... farbe, auch wohl in reines weisz gehüllt Mörike
ges. schr. (1905) 3, 14
Göschen; ... ein verkehrter mensch, der ein sonders wolbehagen aus des menschen leiden schöpft, auch wol aus der thiere plagen Grob
dichter. versuchgabe (1678) 42.
nd. de eine stefmoder heft, de kricht ôk wol einen stefvader Tunnicius
sprichw. 370
H.; ein blind man schüt ôk wol einen vogel
ebda 470. II@B@1@ee)
der höflichen oder emphatischen frage (
s. 2)
kommen behauptungssätze nahe wie: das buch ... sage frey, worinn ich wol zu tadeln sey Ringwaldt
lauter warheit (1598) a 1
a; verbrannt bey einem haare? ha! sie ist es wohl! ist wirklich wohl verbrannt! Lessing 3, 4
M. (
Nathan 1, 1); du erinnerst dich wohl kaum, dasz ... Göthe IV 33, 27
W.; das brauche ich euch wohl nicht zu sagen Storm
s. w. (1899) 1, 9; Rudolf, den sie ja wohl auch kennen Fontane I 5, 130. II@B@22)
in fragesätzen. II@B@2@aa)
zum ausdruck des zweifels, synonym mit '
vermutlich, vielleicht, etwa': da ist euer herr Götz wohl auch nit weit? Göthe 8, 7
W.; hat sie wohl auch geist? Pückler
briefw. u. tageb. 1, 100; hat wohl der freund beim scharfen winde auf einer wallfahrt sich erbaut? Göthe 24, 79
W.; was ist weiszes dort am grünen walde? ist es schnee wohl oder sind es schwäne? 2, 49
W.; seid des weges wohl nicht kund? Müllner
dram. w. (1828) 1, 28; du bist wohl gefallen, mutter? 1, 50;
besonders umgangssprachlich und dialektisch: dr habr sticht dich wull? K. Rother
schles. sprichw. 200
a; er war woll hier? Fontane
ges. w. I 5, 119; 126;
phraseologisch, verblaszt: was glaubst du wohl, was ich dafür gäbe?
ders. I 5, 150.
rein dubitativ: sollte wohl die stimme des vaterlandes ... ihre stärke unter uns verloren haben, oder ...? Th. Abbt
verm. w. (1768
ff.) 2, 7.
wunsch oder aufforderung einschlieszend: in der oper Elena ... soll ... ein sextett vorkommen, ... wäre es wohl möglich zur partitur dieses sextetts zu gelangen? Göthe IV 29, 20
W.; wärt ihr wohl so gut und schicktet euern mantel auch einmal meinem mädchen? Lessing 3, 61
M. (
Nathan 2, 5);
in indirekter frage dubitativ: was onkel ... wohl sagen würde, wenn er wüszte, in welcher begleitung ... seine befehle hier eingetroffen sind Fontane
ges. w. I 5, 153.
eine erwartung, hoffnung, aufforderung in die frage legend: sasz ich aufgestemmt in meinem bette, schaute nach der halb erhellten thüre, ob sie nicht sich wohl bewegen möchte Göthe 2, 99
W.; ob der Philipp heute still wohl bei tische sitzen will? Heinr. Hoffmann
Struwwelpeter 18; ob de woll stille bist mecht ich wissen G. Hauptmann
d. biberpelz (1893) 12. II@B@2@bb)
in rhetorischen fragen, die eine negation als antwort verlangen, seelische bewegung betonend: denn, lieber, denck und sage mir, was für ein stand ist wol allhier, dem nicht sein angst, sein schmertz und weh alltäglich überm häupte steh? P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 370; kans auch wohl möglich seyn, dasz Phyllis nach mir frage? ... o nein, ich darff mich nicht in solcher hoffnung weiden Neukirch
auserles. ged. (1697
ff.) 2, 40; und hast du wohl dein schwerd mit minderm ruhm gezückt, als deines vetters heer für Hamburgs wall gerückt? J. U. v. König
ged. (1745) 4; und wenn sie (
die nachwelt) mich nicht kennt, was werd ich wohl verliehren? Cronegk
schr. (1766) 2, 5; jede neigung zu verschlieszen, hart und kalt zu sein wie stein ... heiszt das wohl ein jugendleben? Novalis
schr. 4, 156
M.; welche Klopstocksche wendung ... kommt wohl den transgressionen bei, die in seinem (
Luthers) 'eine feste burg ist unser gott' ... vorkommen? Herder
s. w. 5, 199
S.; ich bin wohl einer, der vor einem diebe erschrickt? O. Ludwig
ges. schr. (1891
f.) 2, 46; du meinst wohl, du seist der kaiser? Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 10.
bei conj. prät.: was wüsten wol die Deutschen von der sprachlehre ..., wen es ihnen nicht die gelehrten gezeiget? Gueintz
d. dtsche rechtschr. (1666) 20; sollte sich wohl ein leser finden, der ...? ich (
glaube es) nicht
schleswig. lit.-br. 115
lit.-denkm.; wer hätte wohl geglaubt ...? maler Müller
w. (1811) 1, 75; was deucht dich, mein gesell, wie könnte wol ein schwein, von einer sau geborn, der mutter gleicher seyn? Rachel
satyr. ged. 17
ndr.; ich sollt es wohl mit ansehn, wie er euch von tag zu tag aushöhlen wird bis auf die zehen? Lessing 3, 70
M. (
Nathan 2, 9); überstolzer Atreide, voll habbegierde vor allen, welchen dank wohl könnten die edlen Achaier dir reichen? Bürger
s. w. 187
B. II@B@33)
in verbindung mit gar. wohl gar
vielleicht sogar: denn sonst würde man wol gar ... jünglingen anrathen müssen, ... Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 4; sie werden mich deswegen wohl gar für einfältig halten Gellert
s. schr. (1839) 4, 196; man schämt sich wohl gar der arbeit W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 22.
bei steigerung: das ich nit weis, ob ich sie für menschen oder meerwunder und wol gar für teuffel sol ansehen Musculus
hosenteuffel 20
ndr.; bey einer ehrlichen gesellschaft, auch wol gar bey der liebsten
Königsb. dichterkreis 3
ndr.; gelehrte, die solches leugnen und uns wohl gar bereden wollen ... Gottsched
dtsche sprachkunst (1748) 11; so kann die natur sich niemals verschulden oder wohl gar bankrutt werden Göthe II 8, 16
W. II@CC.
zwar, allerdings, freilich. wie diese beteuerungspartikeln nimmt auch beteuerndes wohl
oft konzessiven sinn an. 'zwar, freilich, wohl ...
sind einräumende (
concessive)
bindewörter, welche ... meist eine entgegensetzung (
adversative)
nach sich haben mit wirklichem oder hinzugedachtem aber, allein, hingegen, doch, dennoch
u. dgl.' Weygand
synon. 3 (1852) 1178. Weygands
differenzierungsversuch 'zwar
drückt die gewiszheit der einräumung aus, freilich
besagt die ... unbedenklichkeit ..., wohl
deutet ... auf eine blosze möglichkeit des eingeräumten'
ebda, findet im sprachbrauch älterer und neuerer zeit keine bestätigung. die partikeln werden in weitem umfange synonym gebraucht. unberechtigt ist auch die verweisung von konzessivem wohl
in die '
gemeine schreibart': 'wohl
für zwar
läuft in der gemeinen schreibart durch, wird aber in der sorgfältigern vermieden' Heynatz
antibarb. 2, 646.
konzessives wohl
findet sich mit und auch ohne sprachlich zum ausdruck gebrachten adversativen nachsatz in älterer und neuerer zeit häufig. II@C@11)
mit korrelatem aber, doch, hingegen
u. ä. im nachfolgesatz: ich losz dich wol reden, aber es ist nüt do von zuo halten Keisersberg
bilgerschaft (1512) d 2
vb; ir könnt all wol hinder dem wyn reden, aber hie will sich keiner regen Zwingli
dtsche schr. (1828) 1, 124; wol were es fein, so man ..., aber ... Luther 26, 504
W.; man mög ainen wol uszeren und meiden und im dannocht nit find sein Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 8
ndr.; es ist wol war ..., aber ... 1, 63; so wer mir wol zuogemütt alhie zuo erzellen ..., aber der gast höret solichs nit gern Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 15
a; ich möcht wol ein stucklein darvon wissen, aber Agricola waisz mehr drumb dan ich Vogelgesang-Cochläus
ein heiml. gespräch ... 5
ndr.; sitten, die wol ... gescholten, aber ... geübet ... werden Scheit
Grobianus 3
ndr.; äuszerlich ware sie wol elend ... anzusehen, aber ir frölich gelächter ... Grimmelshausen 2, 346
Keller; er het wol geld, aber keinen verstand Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
b; ich will dir wohl das clavier geben, doch ich tuhs hinter meinem vater Göthe IV 1, 144
W.; ja loslassen will ich dich wohl, meinetwegen! aber dann kommen mir die knaben über den hals maler Müller
w. (1811) 1, 148; so sagte man wohl, doch blieb es bei den worten Ranke
s. w. (1867
ff.) 1, 146; man begann den krieg wohl noch mit dem gleichen ... übermuth ..., aber ... Mommsen
röm. gesch. (
61874) 2, 236; das leben eines knaben ... bietet wohl wenig auszergewöhnliches dar, aber ... Kerner
bilderbuch (1849)
vorrede 3; jott, ein engel is sie woll grad auch nich, aber propper und fleiszig Fontane
ges. w. I 5, 120; den lauf des himmels kenn ich wol, aber min stund ist mir verborgen
N. Manuel
todtentanz str. 23
B.; an sinn, witz, alter, seel und leib ist sie wol ähnlich meinem weib, jedoch wil ich sie nit behalten Spreng
Ilias (1610) 4
a; diesz weisz ich wohl und trage doch bedencken Neukirch (1744) 69; die botschaft hör ich wohl, allein mit fehlt der glaube Göthe 14, 42
W. (
Faust I
v. 765).
im antithetischen bau der sprichwörter: gott laszt uns wol sincken, aber nit ertrincken
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 82
b; de kinder schryen wol, mer se seggen nicht wârumme Tunnicius
sprichw. 968
H.; die mausz kompt wol in die fall, aber schwerlich herausz Lehman
floril. polit. (1662) 1, 108; wi löven wall alle an een godd, man wi äten doch nich alle uut een schöttel Stürenburg
ostfries. 322
b. II@C@22)
ohne adversativkonjunktion im nachsatz: die reime hör ich wohl, den stachel fühl ich nicht Lessing 1, 3
M.; wohl aus des vogts gewalt errett ich euch, aus sturmes nöthen musz ein andrer helfen Schiller 14, 279
G. (
Wilh. Tell 1, 1).
der adversative nachsatz kommt, besonders umgangssprachlich, oft nicht zu sprachlichem ausdruck. häufig bezieht sich auch die einschränkung auf den vorausgegangenen satz, bzw. die allgemeinsituation: das kan ich wol thun Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
a; es könt wol seyn
ebda; in spitzenstellung: wohl gibt es ... pakta, die man geschlossen hat, die pulse des weltzirkels zu treiben Schiller 2, 25
G. (
räuber 1, 1); wohl ist es keiner von den weichen thoren, die eine falsche weiberthräne schmelzt 12, 411 (
Maria Stuart 1, 3); wohl hab ich ein wildes blut, mehr als andre musz ich wagen Müllner
dram. w. (1828) 1, 67; wohl war auch jener ... ein geachteter mann O. Ludwig
ges. schr. (1891
ff.) 1, 146; wol war es bedenklich, dasz ... Gutzkow
zauberer v. Rom (1858
ff.) 1, 11; wohl hatte ... auch das deutsche fürstenthum fortschritte gemacht Ranke
s. w. (1867
ff.) 1, 27. II@C@33)
synonym mit zwar
ist wohl
in einräumungssätzen, die mit ob, wie
eingeleitet sind, s. Grimm
gramm. 3, 286.
es rückt häufig mit diesen konjunktionen zu einem wort zusammen. II@C@3@aa) ob wohl. ob wol er in gefahr stunde
ò ob er wol in gefahr stunde Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
c: und ob wol das ist das es nütz wer den (=
denen), die do gern lesen ..., idoch so wais ich ...
erste dtsche bibel vorrede zu Luc. 1, 194, 52
K.; und ob wol etliche mit dem leibe der sünd entlauffen, ist doch ihr hertz ... verruckt worden Melchior Ambach
vom zusauffen (1544) d 2
b; es ist nie kein sack seiden worden, ob er wol voll gulden ist
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 162
a; (
es) haben ... ir etlich ... wöllen das lateinisch (
des Grobianus) verteutschen und ob ich wol auch in der zal gewesen, hab ich doch ... warten ... wöllen Scheit
Grobianus 6
ndr.; und ob ich wol in meiner jugendt von meinen ... eltern zum studieren gehalten ..., habe ich doch ... zeitlich darvon gelassen Puschmann
gründlicher bericht 3
ndr.; (
gott wird die ordnung der natur nicht stören,) ob er wohl über die gesetze ist, die er selber gegeben hat Kästner
verm. schr. (1755) 1, 7; ob nun wohl etliche sich über ... die rede dieses mannes verwunderten, so haben doch sehr viele seiner gespottet Grässe
sagenbuch d. preusz. staates (1867) 1, 231. II@C@3@bb) wie wohl: wie wol das ich nit jung bin, so hab ich doch ain tauben (=
närrischen) syn
liederbuch d. Hätzlerin 279
H.; habe man ihnen doch nicht einmal die verträge mitgetheilt, wie das wohl in fällen dieser art herkömmlich sei Ranke
s. w. (1867
ff.) 1, 125.
s. auch obwohl
teil 7,
sp. 1058,
ferner wiewohl. II@C@3@cc) wohl
für obwohl
als konzessivkonjunktion ist selten und nur in der älteren sprache und nd. (Schiller-Lübben 5, 760
b)
bezeugt: wol mir is gar swer ist ..., so wil ich ... ewerm rate ... gefallig seyn (
a. 1452)
lehnsurkunden u. besitzurk. Schlesiens 1, 431; H. Sachs 7, 253
K.; J. Scheffler
ecclesiologia (1735) 1, 592
b.
ungewisz ob als unterordnende einräumungskonjunktion oder als beiordnende adversativpartikel (
jedoch)
zu fassen: ja bruoder ich wils dem herren sagen, ... wol ich bsorg, min red lützel thuot
schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 20, 81
B. II@C@44)
häufig tritt wohl
in antithetischem gefüge, meist nach negativem vordersatz, zu den konjunktionen aber, doch, dennoch
im nachsatz, diese bekräftigend, zum teil auch dem nachsatz einen konzessiven sinn gebend. wohl
ist dann dem aber
immer, ob vorausgehend oder folgend, im satzakzent überwertig, den konjunktionen doch, dennoch
jedoch akzentuell untergeordnet. II@C@4@aa) aber wohl: (
es) hat derselb richgraff Ulrich kein kind ..., er hat aber wol aenickli von sinen abgestorbnen sünen Tschudi
chron. Helvet. 1, 13; er hat kein geld, aber wol landgüter Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
b; heute nicht, aber wol morgen
ebda; gegen die ausschweifungen seiner kinder kann man nie zu hart seyn, aber wohl gegen ihr elend Lenz
ges. schr. 1, 41
Tieck. II@C@4@bb) wohl aber: dann nüt guots kumbt von füllery, wol aber alle bübery H. R. Manuel
weinspiel v. 4166
ndr.; (
die metzger sollen) ein jede gattung roher und gegärbter häut ... nicht darüber, wol aber darunter käufflich hingeben
ordn. wie sich handtwercker ... verhalten sollen (1579) a 3
a; sie (
sahen) weder frauen noch männer, wohl aber ... knaben und jünglinge beschäftigt Göthe 24, 231
W.; man druckt nie zu spät, wohl aber leicht zu früh IV 8, 2
W.; IV 28, 14
W.; (
es) ist weder möglich noch wichtig festzustellen, ob ..., wohl aber liegt es dem geschichtsforscher ob ... darzulegen, ... Mommsen
röm. gesch.2 1, 8; (
sie) wurden ... beobachtet, nicht von gästen drauszen ..., wohl aber von gästen, die drinnen ... saszen Fontane
ges. w. I 6, 20. II@C@4@cc)
bei adversativem doch, dennoch: tracht auff d bank, du kompst dennoch wol drunder
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 161
b; er ist doch wohl auch schöner als jeder andre hirt Sal. Gessner
w. (1778) 2, 7; was man nicht selbst kann, das werden doch wohl unsre guten freunde können Rabener
s. w. 1, 165; die ... singvögel ... willst du doch wohl lieber singen hören als sie gebraten essen? Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 20; wie schön! es ist doch wohl eine der besten welten Fontane
ges. w. I 5, 156. wohl doch: denn wer sich lange sperrt, musz eben wol doch fort Rachel
satyr. ged. 83
ndr. freilich wohl: gott lässet freylich wol jährlich gnug wein quellen Prätorius
saturnalia (1663) 5; du weinst, mein guter junge? freilich wohl ist hier zu vielen tausend thränen ursach Tieck
schr. (1828) 1, 73. II@C@4@dd)
nach beteuerndem ja: wollt ihr nicht den wunsch erfüllen — ich bescheide mich ja wohl! Göthe 3, 54
W. formelhaft in der umgangssprache: Melusina: ich versichere dich, dasz ich mich vor freuden (
über des mannes rückkehr) nicht zu lassen weisz. Fuchsmundi: es ist gut, man musz ja wol so sagen Stranitzky
ollapatr. 39
Wiener ndr.; aber, was ich ... sagen wollte, ... ich war ja woll eigentlich gröszer als die Lene Fontane
ges. w. I 5, 120. II@C@4@ee)
ohne andere adversative konjunktion in der bedeutung '
aber, doch, jedoch'
nur älternhd.: (
in Rom) do ist ... kein guot werck noch züchtig leben, wol unkeusch, geitikeit, fraszheit Arigo
decam. 32
K.; non noverunt Christum Judei ..., hatten woll licht und fackeln Egranus
pred. 27
B. IIIIII.
satzbildendes wohl.
der gebrauch von wohl
als interjektioneller aus- und zuruf sowie als partikel der bejahung ist sehr alt, nicht nur deutsch, sondern auch an., ags., as. der gebrauch erwuchs aus elliptischer rede, s. Grimm
gramm. 3, 292; 298; 4
2, 922.
ahd. (
besonders bei Otfrid),
ebenso mhd. und nhd. III@AA.
als zuruf, jubelruf, aufforderung für '
heil!',
mit oder ohne folgenden vokativ: uuola, druhtin min,ia bin ih scalc thin Otfrid I 2, 1; uuola, dumpmuatezi managemo guate V 9, 41; I 6, 16; 17;
mhd. belege bei Grimm
gramm. 4
2, 922; Lexer
mhd. wb. 3, 964.
vgl.: o wol, ir guten knechte
Rolandsl. 137, 31
Gr. III@A@11)
bei segens- und anwünschung ahd. und mhd. mit folgendem acc. der person (
belege a. a. o.),
seltener mit dat. der person. es kann auch gen. der sache hinzutreten (wol mich des traumes
Milst. gen. 81, 5
Diemer).
nhd. nur mit dat. der person (
und eventuell gen. der sache): da sprach Lea: wol mir, denn mich werden selig preisen die töchter
1. Mos. 30, 13; ach wol mir, sol ich die umbfangen, nach der mein hertz ye thet verlangen Hans Sachs 2, 28
K.; wohl dir! es blitzt dein ruhm auch durch die todesnacht Neukirch
auserl. ... ged. (1697
ff.) 4, 376; itzt hat Latona gleich das zweimal sechste mal ihr silber voll gemacht und Delius ingleichen ..., seit mir, Valerie, dein erster liebesstral in mein gesichte fiel ..., ach wol mir von der zeit, mir aller wolfart reichen P. Fleming
dtsche ged. 522
L. dem dat. folgt ein relativsatz: wol dem, der sich an seim stand genügen lesset Mathesius
Sarepta (1571) 198
a; wol dem, der sich mit gott versühnt Rompler v. Löwenhalt
erstes geb. s. reimget. (1647) 70; wol dem, den gott bey früer zeit entlediget der sünden, versetzet in die ewigkeit!
Königsberger dichterkreis 43
ndr.; wohl dem, der seiner väter gern gedenkt Göthe 10, 17
W. (
Iphigenie v. 351).
mit folgendem dasz-
satz: wohl ihnen, dasz sie seine tugend auf treu und glaube nehmen können! Lessing 3, 43
M. (
Nathan 2, 1); von müttern haben wir sprechen gelernt; wohl uns, dasz wir es von ihnen lernten! Herder
s. w. 22, 137
S.; wohl ihm, dasz er dem irdischen leid ... schon entwachsen war Göthe 46, 49
W.; wohl mir, dasz ich endlich im ruhigen hafen bin! Caroline 1, 5
Waitz; wohl mir, dasz ich sie so leicht ... überzeugen kann Nestroy
ges. w. (1890) 1, 61.
ohne persondativ für '
ein glück!': wohl! dasz sich dein gebiet nach deinen kräfften streckt J. v. Besser
schr. (1732) 1, 4.
verstärkt durch wiederholung: wol, allen wol, die einig dich erkiesen für ihren freund! S. Dach 185
Ö.; wol mir, wol und aber wol! P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 444
b; wol dem und mehr alss wol, der nie sein armes leben der ungetreuen treu der see hat übergeben! Rachel
satyr. ged. 22
ndr. mit gen. der sache: da er (
Carolus) zu lager kam, sagte er, wol mir der stedt, daher kömmet der namen Wolmerstedt (1579) Entzelt
altmärk. chron. 107
Bohm. III@A@22)
in verbindung mit lageadverbien wie an, auf, aus, her, hin
als aufforderung, aufmunternder zuruf zu syntaktischer komposition verbunden, mit dem hauptton auf dem zweiten bestandteil, s. u. wohlan, wohlauf, wohlaus, wohlher, wohlhin. III@BB.
zur bejahungspartikel verblaszt wird satzbildendes wohl
verwendet, wo mit dem worte die bereitschaft ausgedrückt wird einen befehl durchzuführen, also im sinne von '
gut! schön!'
oder wo es synonym mit '
gewisz, ja! o doch!'
eine tatsache gegen zweifel, vermutung oder behauptung stützen soll. seltener ist in der schriftsprache wohl
allein für einfache bejahung gebraucht, aber dialektisch, z. b. bayrisch, noch allgemein: 'wohl
heiszt bei den gebirgsleuten durchgehends so viel als ja' Westenrieder (1816) 679; Schmeller-Fr.
a. a. o. zugrunde liegt die beteuerungsfunktion von wohl (
s. o. II A). III@B@11) der alte ... sagte zu mir: wol, mein herr! hier ist der ort Grimmelshausen 2, 525
Keller; sie werden ... den affen doch unter die ungebildeten liebhaber rechnen? wohl! und unter die gierigen dazu Göthe 47, 264
W.; wohl! sagte Klaus ... mit trotz und übermut im gesicht P. Dörfler
der notwender (1934) 67; du bist nit da gsi? wol!
quin immo idiot. Bernense (1857) 78; (Jerta:) sag dem grafen, dasz er schicke, wenn er umgekleidet ist (Holm:) wohl Müllner
dram. w. (1828) 2, 36. III@B@22) wohl
wird verstärkt durch eine vorgestellte interjektion. III@B@2@aa) ei wohl
o ja, o doch: (
derwisch:) läszt sich aus einem derwisch denn nichts, gar nichts machen? (
Nathan:) ey wohl, genug! Lessing 3, 19
M. (
Nathan 1, 3); kennen sie den jungen mann? fragte Siegbert. ei wohl, sagte der alte Gutzkow
ritter v. geiste (1850
ff.) 1, 33.
ironisch im sinne einer verneinung, ablehnung: ey wol (
adv. negat.)
o che nó! Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
c.
in beiden verwendungen in der gegenwartssprache veraltend. III@B@2@bb) o wohl: willst izt nicht mit ihm zum tische? o wohl! ich will mit ihm gehen, erwiderte der knabe Pestalozzi
w. 3, 275
B.-Sp.-St. III@B@2@cc)
ganz allgemein ja wohl. wohl
wird nach ja
z. t. als beteuerung empfunden wie ja gewisz, ja fürwahr,
s. o. teil 4, 2,
sp. 2189
oder gibt der partikel ja
einen konzessiven nebensinn '
ja allerdings'.
am engsten schlieszt sich wohl
an ja,
wo die zusammenrückung jawohl
einfache zustimmung auf eine frage, behauptung oder forderung ist mit oder ohne folgende erläuterung, s. belege unter ja
a. a. o. vgl. noch: was machstu da, du narr, wirffest den guten samen in dreck? und lest in verderben? ... er aber antwortete: ja wol (=
ja allerdings), er sol mir nicht verderben Hayneccius
Hans Pfriem 6
ndr.; Anselmo: o du brüderliche zärtlichkeit! Ugolino: ja wohl (=
ja wahrlich) brüderliche zärtlichkeit Gerstenberg
Ugolino 233
nat.-lit. einfach bejahend: habt ihr meine rede begriffen? 'ja wohl' riefen die jungen Storm
s. w. (1899) 1, 9.
häufig einen satz einleitend, um die behauptung mit nachdruck gegen zweifel sicher zu stellen: ey ja wol nein, mein sohn, sagte er (
der einsiedler) ..., ich frisz dich nicht Grimmelshausen
Simplicissimus 23
Scholte; ja wohl! ein verräther ist im spiele Göthe 24, 167
W.; 24, 105; y ja wol, ein solchen stotzen wenn ich n trunck so müst ich kotzen H. R. Manuel
weinspiel v. 473
ndr.; ja wol, das selbig musz ja sein Hans Sachs 6, 141
K. III@CC.
stark verblaszt ist auch der bedeutungsgehalt von satzwertigem wohl,
wo es einen hypothetischen vordersatz bejaht etwa im sinne von '
gut! es sei!', '
zugegeben!, einverstanden!',
oder wo der sprecher durch wohl!
ausdrückt, dasz er sich mit einer tatsache oder einer annahme abfindet, ferner auch, wo wohl
eine rede, eine frage formelhaft einleitet. wol!
è bene cioè concedo Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1381
b: er sprach: wol, ich wil einen pundt mit dir machen
Zürcherbibel (1531)
2. kön. 3 c; wol, sagte er, was wolt ihr, guter freund? Grimmelshausen 2, 371
Keller; gestehen wir aber ein, dasz er ein unnatürlicher fall sei — wohl!, so bestätigt er die natur! Herder
s. w. 5, 44
S.; wohl, sprach ich, ... seid ihr ein zünftiger meister ..., so mags drum sein! Musäus
volksmärchen 1, 65
Hempel; wohl, er (
der dichter) hat den ... beruf, seiner zeit ein apostel ... zu sein, aber ... G. Freytag
ges. w. (1887) 14, 47; du bist die mutter — wohl! so siehe zu, wie du der söhne blutgen hader stillst Schiller 14, 17
G. (
braut von Messina 1, 1); willst du von Emil nicht lassen, wohl, so ruf den ohm herein Müllner
dram. w. (1828) 1, 63. wohl
wird in dieser verwendung häufig durch vorgesetzte adverbia wie ganz, gar, sehr
oder durch doppelsetzung verstärkt: gantz wohl, der herr doctor beliebe mir nur zu folgen Chr. Reuter
d. ehrl. fr. Schlampampe krankheit u. tod 123
ndr.; so rasch ich bin, so ist doch mir gottlob der fusz noch nie geglitten. ganz wohl, versetzt das arme thier, allein du liefst noch nie im schlitten Pfeffel
poet. vers. (1812
ff.) 1, 61; wie hast du an der welt noch lust, da alles schon dir ist bewuszt? gar wohl! das dümmste was geschicht, weil ich es weisz, verdrieszt mich nicht Göthe 3, 276
W. (
Page:) wir sind hergekommen, euch einen guten dienst zu leisten, herr pfarrer. (
Evans:) wohl, wohl! worinn besteht er?
schleswig. lit.-br. 150
lit. denkm.; du liebst mich nicht? wohl, wohl, darum sollst du mir auch gehauen werden maler Müller
w. (1811) 1, 146; 173.
mit vorgesetztem nun,
nur in der älteren sprache noch vollwort für '
o heil! o glück!': nun wohl! ich bin erhöret, mein seuftzen ist erfüllt P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 350
b.
in der neueren sprache formelhaft verblaszt zu '
ich bin es zufrieden, meinetwegen'.
im folgenden Tieck
-beleg wortspiel zwischen formelgebrauch und vollbedeutung von wohl: (
Gertrud:) sie (
Genoveva) ist entbunden. (
Golo:) nun wohl. (
Gertrud:) nein, wohl ists nicht Tieck
schr. (1828) 2, 155.
vgl. noch: (
Sophie:) der graf! ... der graf! ... nun gut, nun wohl, es soll so seyn Iffland
theatr. werke (1827
f.) 1, 26.