Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
nôt
237,23 [Kb]), in Rb und zahlreichen weiteren
Gl., T, OT, MH, O, Oh, Ol, L, NBo, NCat,
NMC, Ni, Nm, Nrh, Ns, Nps, Npg, Npw, WH,
Prs A, BGB III, HHö, MGB, JB, TC: ‚Not,
Notlage, Zwang, Gewalt, Bedrängnis, Drang-
sal, Trübsal, Bedarf, Bedürfnis, Bedürftigkeit,
Hilflosigkeit, Entbehrung, Gefahr, Verfolgung,
Kampf, Gericht, Pein, Qual, Angst, Heftigkeit,
Eifer, Grund, Notwendigkeit, Gewissheit; ad-
versa, aerumna, angor, coactio, custodia, exac-
tio, fortuna, indigentia, infirmitas, languor, ne-
cessarium, necessitas, oppressio, periclitari,
pressura, studium, tribulatio, violenter, vio-
lentia, vis‘, nôti / nôte ‚unumwunden, notge-
drungen, notwendigerweise, in der Tat, gewalt-
sam; nam, etiam, ex necessitate, instar ne-
cessitatis, necessario, violenter‘, niowiht nôte
‚nichts notwendigerweise; minime‘, after na-
tûrlichero nôte ‚naturbedingt; ex necessitate
naturae‘, an / in allero nôti ‚bei alledem; qua in
re‘, ânu nôt ‚ohne Zwang, nicht notwendiger-
weise, ohne Grund; nullis cogitentibus, non ex
necessitate‘, ânu nôt giskehan ‚nicht zwangs-
läufig geschehen; voluntarium esse‘, ânu nôt
wesan ‚nicht nötig sein; necessitatem super-
gredi‘, ânu nôt wesan kunnan ‚ohne Notwen-
digkeit existieren können; necessitate existen-
di carēre‘, (ânu) nôt kumftîg wesan ‚(kein)
zwangsläufiges Eintreten haben; (non) neces-
sarium eventum habēre‘, dankes ânu nôt ‚frei-
willig ohne Gedrängtsein; voluntate‘, bi nôti
‚mit Bestimmtheit, deutlich, gezwungenerma-
ßen, notwendigerweise, es ist nötig; definite, ex
necessitate, necessarie, necessarium, necesse
est‘, bi nôti faran ‚unbedingt geschehen; im-
possibile esse non fieri‘, bi nôti folgên ‚die
notwendige Folge sein; simul datum esse‘, bi
nôti wesan skolan ‚logischerweise sein, ent-
stehen müssen; vīderi esse‘, daz bi nôti folgêt
‚logischer Schluss; collectio .i. conclusio‘, daz
bi nôti anawesan skal ‚was notwendigerweise
anhaften soll; necessarium‘, daz bi nôti giske-
han skal ‚Notwendigkeit; necessitas‘, duruh
(eddelicha) nôt ‚aus zwingenden Gründen,
notgedrungen, notwendigerweise; causis cogi-
tentibus, definite, iure, necessario‘, fona nôti
‚notwendigerweise; ex necessitate‘, mit nôti
‚gewaltsam, mit Gewalt, von gewaltiger Kraft
bewegt, unter Zwang, notwendigerweise; modo
violente, necessario, per violentiam, validis vi-
ribus actus, vi, vi illata, violenter, violentiā,
viribus‘, ûzar nôti ‚glücklich; felix‘, zi nôti ‚not-
wendigerweise, zwangsläufig; ad vim, igitur‘,
zi wîs nôti ‚notgedrungen, notwendigerweise;
instar necessitatis‘, in der Paarformel nôt inti
engi ‚Not und Bedrängnis; tribulatio‘, natûrlîh
nôt ‚Erfordernis der Natur; necessitas naturae‘,
weraltlichiu nôt ‚Drangsal in dieser Zeitlich-
keit; tribulatio in tempore isto‘, nôt dero hun-
garjâr ‚Notzeit; dies necessitatis‘, nôt des be-
rannes ‚kritische, schwere Zeit des Gebärens;
discrimen partūs‘, nôt mannes undankes ‚vom
Menschenwillen unabhängige Zwangsläufig-
keit; necessitas‘, nôti bidurfan ‚brauchen;
necessarius esse‘, in nôt bringan ‚in Bedräng-
nis bringen; aerumnam convertere‘, in nôt fir-
slâhan / slâhan ‚ins Gefängnis werfen; in tru-
dere / retrudere‘, nôt dwingit (eddewaz) ‚die
Notwendigkeit führt (etw.) zwangsläufig her-
bei; ex necessitate‘, nôti folgen ‚folgerichtig,
logisch sein, sich logisch ergeben; consequens
esse‘, waz nôti folget ‚Folgeerscheinung, lo-
gische Folge; consequentia‘, welîh reda nôti
folgêt ‚Folge richtiger Überlegungen, Folge-
richtigkeit; consequentia rationem‘, in den nôt
geban ‚preisgeben, ausliefern, verraten; tribu-
lare‘, nôti giskehan ‚notwendigerweise eintre-
ten; necessarium esse‘, mit nôte giwinnan ‚mit
Gewalt niederkämpfen; ad deditionem cogere‘,
nôt anabringan ‚Gewalt anwenden, vim inferre;
Gewalt antun, vim irrogare‘, nôt dolên ‚Gewalt
erleiden; vim pati‘, nôt habên ‚Not erleiden,
sich plagen; tribulationem pati, tribulari‘, dia
nôt habên ‚nötig sein; necesse esse‘, nôt lîdan
‚Not leiden, den Druck harter Notwendigkeit
hinnehmen; pati, tribulationem durae necessi-
tatis accipere‘, nôt irlîdan ‚Not leiden‘, in nôti
liggen ‚unglücklich gemacht werden; infelix
effici‘, in sînero nôti liggen ‚im Elend sein;
de felicitate infelix effici‘, nôte machôn ‚unter
Zwang, notgedrungen verfertigen; cogi inire‘,
daz nôti machôe ‚dass die Notwendigkeit be-
wirke; ut fiant necessaria‘, nôti neman ‚sich ge-
waltsam aneignen, rauben; rapax, rapere, usur-
pare‘, in nôt queman ‚sich plagen; tribulari‘, in
nôt stôzan ‚hart angehen; periculus lacessere‘,
der in nôt gistôzan ist ‚Elender, Unglücklicher;
miser‘, nôt tuon ‚Mühsal bereiten; tribulare‘,
nôti wesan ‚notwendigerweise sein, eine Not-
wendigkeit sein; contare, necessarium esse‘,
iomanne nôt wesan ‚jmdm. ein zwingendes Be-
dürfnis sein; amore flagrare‘, iomanne filo nôt
wesan ‚angsterfüllt sein; plenus anxietatis es-
se‘, nôt wesan fona ‚sich notwendig ergeben
aus; evenire ex‘, eddewes nôt wesan ‚sich lo-
gisch ergeben; necessitate subsequi‘, io nôt in
tâti wesan ‚stets Notwendigkeit in einem Ge-
schehen vorhanden sein; ex necessitate esse‘,
iomanne nôt inti ernust zi iomanne wesan ‚mit
Eifer und innerem Drang zu jmdm. hineilen;
omni studio affectuque ad aliquem currere‘,
irwatan ûzar sînero nôti ‚aus seiner Notlage
herauskommen; felix ex infelix construi‘, nôti
ist ‚es ist nötig; necesse est‘, iomanne ist nôt
‚jmd. ist bedrückt; aliquis laborat‘, sô nôt ist ‚in
einer Notzeit; in die tribulationis‘, sô ist nôt ‚so
ergibt es sich zwangsläufig; sic videtur‘, sô ist
ouh nôt ‚daher ist es nur logisch, dass; igitur‘,
eddewaz ist nôte kumftîg ‚etw. wird notge-
drungen eintreten; aliquid cogit futura‘, sô io-
manne nôt wirdit ‚in der Zeit der Bedrängnis; in
tempore tribulationis‘, ibu ouh bi nôte sî ‚falls
es tatsächlich sein sollte; ne forte‘, daz danne
dero gibotôno zweio [sc. propositio und as-
sumptio] nôt ist ‚was sich aus den beiden Prä-
missen als notwendig ergibt; conclusio‘ <〈Var.:
-oo-, -o-; -th-, -d-, mit Metathese -ht->〉. – Mhd.
nôt st.f., seltener st.m. ‚Drangsal, Mühe, Not‘,
âne nôt ‚unnötig, ohne Nachteil, ohne Schaden,
ohne Grund‘, bî nôte ‚notwendig, notgedrun-
gen‘, durch / von nôt ‚notwendig, notgedrun-
gen‘, in nœten ‚Geburtswehen‘, mit einem kin-
de ze nœten gân ‚gebären‘, echte / êhafte / rehte
nôt ‚gesetzlich anerkannte Notlage, gesetzlich
anerkannter Hinderungsgrund‘, nôt tuon ‚nötig
sein‘, mir ist / wirdet / gât nôt ‚ich habe nötig,
bin gezwungen, muss‘, in den Paarformeln nôt
und angest ‚große Not‘, nôt unde arbeit ‚große
Mühsal‘, frühnhd. not f. ‚Notwendigkeit‘, aus
der not / von not / von nöten ‚notwendigerwei-
se‘, mir ist not ‚ich habe Eile‘, nhd. Not f. ‚be-
sonders schlimme Lage, Mangel an lebens-
wichtigen Dingen, Elend, äußerste Armut, Be-
drängnis, seelische Qual, belastendes Problem,
extreme Schwierigkeit, Sorge, Mühe‘, veralt.
‚äußerer Zwang, Notwendigkeit, Unvermeid-
lichkeit‘, (seit dem 16. Jh.) aus der Not eine Tu-
gend machen ‚eine schlimme Lage geschickt
ausnutzen‘, seine liebe Not mit etw. / jmdn. ha-
ben ‚viel Mühe und Sorge um etw. / jmdn. ha-
ben‘.