Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
golt stN.
1.1 als Material verschiedenster gefertigter Objekte, metonym. diese bezeichnend
1.1.1 insbes. Goldschmuck
1.1.2 Goldverzierungen an Kleidung
1.1.3 Goldmünzen, als Zahlungsmittel (nicht immer eindeutig von 1.1.1 zu trennen)
1.2 allg. (Gold-)Schätze (einer Person), häufig in Verbindung mit silber , schaz , gesteine o.ä.
1.3 ‘Goldfarbe’ oder ‘Blattgold’
1.4 übertr. zur Bez. eines goldenen Farbtones
1.5 in Vergleichen
2 phras. (vgl. TPMA 5, 118ff. und Friedrich, PhrasWB, S. 168ff.)
1 ‘Gold’ als Edelmetall, vom gediegen vorliegenden natürlichen Rohstoff über verschiedene Legierungen bis hin zum durch Läuterung gewonnenen Feingold; häufig näher charakterisiert, insbes. nach Farbigkeit (v.a. rôt, auch bleich), geogr. Herkunft (arâbesch, bernisch oder mit Präp.), Reinheitsgrad (geliutert, durchsotten, reine etc.) oder Verarbeitungsform (gespunnen, gemaln etc.): aurum haizt golt. [...] man vint ez in etleichen pächeln und in prunnen und auch in den pergen, aber daz ist selten BdN 474,10; doch bedorfter wênec soldes: / von Arâbîe des goldes / heter manegen knollen brâht Parz 17,22; des goldes werdicheit / al andre metalle üvergeit MarlbRh 119,7; Will 52,19; einen stab machter hol / und schutte den enbinnen vol / gemalnes goldes Pass III 19,80; BdN 430,1. – metonym. ‘Goldvorkommen’ die ynselen hant vil silbers vnde goldes vnde sint iemer ebin gruͤne Lucid 21,3 1.1 als Material verschiedenster gefertigter Objekte, metonym. diese bezeichnend: du [l. diu ] lagil undi du hantvaz, / di viole undi du lichtvaz, / du rouchvaz undi du cherzistal, / daz roti golt was iz al LobSal 130; di spanbette wâren, / daz sagih û zwâren, / von gelûterten golde SAlex 5895; Er 7866; schilt, sper vnd swert / gap man in darwert. / daz was, als ez solde, / von silber vnde von golde / wol gezimieret Herb 4456. – Kronen: uf irme hoͮbet ein cronen, dú ist gewúrchet von rotem golde Mechth 4: 3,53; do cronete man in mit golde / vnd leh ime ein lant dar / do wart he koninc in Grecia Roth 4719; MarlbRh 119,1. – heidn. Götzenbild: siule von golde und bilde vil / machten sie [ in dem lande Egyptô ] den valschen goten RvEBarl 10568 1.1.1 insbes. Goldschmuck: zwêne ôringe / und zwêne armbouge ûz alrôteme golde Gen 980; nuskelin vone goldes gesmelze Himmelr 9,31; ir golt in vor den brüsten wart von trähen sal [trüb] NibB 373,3; Hochz 25; daz golt [den goldenen Ring] leit si an die hant Wig 8781; UvTürhTr 1012; Walth 50,12. – ‘Haarband, goldener Haarschmuck’ ir zöpfe wârn gebunden, / mit golde wol bewunden / unz an des hâres ende Wig 864. – ‘Goldfassung’ oder goldenes Schmuckstück mit Fassung (für Edelsteine o.ä.): manec wîbes schœne an lobe ist breit: / ist dâ daz herze conterfeit, / die lob ich als ich solde / daz safer ime golde Parz 3,14; als div edele gimme scînet uzzer golde Spec 97,21; swelch frouwe in [einen Amethyst] treit in golde, / diu hât ir mannes holde Volmar 227; BdN 471,4 1.1.2 Goldverzierungen an Kleidung: dar ne hette nichen matil [l. mantil ] namen / her newere mit golde besclagen Roth 1582; purper was sîn wâpencleit, / dâ rôsen wâren ûf geleit / von golde lûter unde fîn KvWTroj 25517; da was ein phellel vf gebreit, / [...]. / da was daz golt ane erhaben. / mit guldinen buchstaben / dar in geworcht vnde genat, / swaz Plato gescriben hat Herb 10667. – term. gespunnen ~ mit geplättetem Golddraht umsponnene (Seiden-)Fäden (meist zur Weiterverarbeitung in Kleidung): die aller best lînwât, / mit gespunnem golde wol genât Eracl 1938; ein uf gerichtit trage [Drache] , / als er iezu vliegin solde, / von gespunnenime golde / meistirliche dar in gewebin Athis A* 160; er begund her für suochen sîn kleine gespunnen golt. / dô worthe er an ein hûben diu wunder âne zal WolfdB 66,2; Wh 409,25 vgl. daz lernte sî in kurzen zîten, / spinnen, rîhen unde naen, / daz golt umbe de sîden draen Philipp 587 1.1.3 Goldmünzen, als Zahlungsmittel (nicht immer eindeutig von 1.1.1 zu trennen): swenne ers im gedæhte / und dar sîn opfer bræhte, / einen phenninc von golde, / ob er daz kriuze sehen wolde Eracl 4527 (vgl. goltphenninc ); von lande und von gesten / gewan er sehzic umbe solt; / des râtes hæte er âne golt [ohne dafür bezahlen zu müssen] / zweinzec lantbarûne Tr 8590; ich wil haben meinen tail / und bút den altag fail / umb bares gold FrSchw 1649. – in der Wendung mit bereitem ~ ‘in bar’ (vgl. bereite ): wir haben ohn [ihnen] solch dorff und forwergk gegebin vor viherhundert gute rynsche gulden, die sie uns gnuglichen mit bereitem golde betzalt haben UrkBürgel 187 (a. 1333). – valsches ~ : ist auch daz man in eins biderben mannes gewalt vindet valsche phenninge oder valsch silber oder valsch golt StRAugsb 107,23; sui mit valschin phennigin edir mit valschimi silbiri edir mit valscimi goldi bigrifphin wirt Mühlh 115,16 1.2 allg. (Gold-)Schätze (einer Person), häufig in Verbindung mit silber, schaz, gesteine o.ä. : sîn golt hiez er ze schiffe tragn Parz 55,9; ich wold’ im wesen holt, / der geteilen kunde mîn silber unt mîn golt / mîn unt des küneges gesten NibB 513,2; da [Jüngstes Gericht] nehilfet golt noch scaz AvaJG 28,1; ich han beyde eygen vnd len. / seluer gold gesteyne Athis Ac 39; PrOberalt 60,32; BdN 357,32 1.3 ‘Goldfarbe’ oder ‘Blattgold’ diu want [...] enhât keinen lust von der varwe, niht mê von golde oder von lâsûre dan von kolvarwe Eckh 5: 28,14; da [ schilt ] was uil meistirlichin in / von bernisschin gold ein arn, / [...] / gemalit und intworfin Athis B 27; daz golt sie ne hâlen: / sie thâten die turne mâlen, / daz daz rôthe golt dar ab schein / gemûseth [mosaikartig eingearbeitet] oben an den stein VAlex 715; Iw 1141; StatDtOrd 46,33. – er hieß ainen schwartzen dracken / an seinen schilt machen, / das veld was geslagens gold [Blattgold] HvNstAp 18845 (vgl. goltslahære ) 1.4 übertr. zur Bez. eines goldenen Farbtones: dû blüender plân / lieht under sunnen golde LobGesMar 23,8. – in adjektivischer Verwendung: nu stuont der schilt gevieret / nâch kostbærlichem flîze / mit rôte und ouch mit wîze / und underbriten swarz und golt KvWTurn 567; der pfellor varwe ist alse ein graz: / golt, lazvr vnd wiz TürlArabel *A 187,5. – in der Wendung in/ ze ~ gân, vom Schein der untergehenden Sonne: diu sunne hete irn glast / geneiget und dar uf gelan / daz sie wolte in golt gan Vät 8246; auch deilent die hubener, daz niman sal farn in der wilthude [...] vor daz die sonne uf komt und nach der zid daz die sonne ingolt goid WeistGr 6,399 (a. 1338); die sun ging zu gold Magd 276,28 1.5 in Vergleichen: bêle Îsolt, / schœne und schœner danne golt Tr 13136; diz golt [ dú edile minne ] ist gelich deme golde von Arabia, daz da lútir vnde schoͮne ist vnde blaich PrGeorg (Sch) 1,47; her lebet [d.i. liebet ] sich sam schoniz golt / den luten in ir herzen und ir ougen Goldener 4,7; KvWLd 18,2; Will 88,1. – von (rot)blondem Haar: ir har gelich dem golde Tannh 4,69; der im fast wol stunt uff synem schönen hare, das was kruselecht und liecht als ein golt Lanc 91,5; KvWTroj 19915. – spez. in Bezug auf den Prozess der Läuterung: dem golde glîche ich wol den man / des herze ist sô geliutert und sô reine / daz in der bôsheit hitze enkan / niht brennen KLD:Kzl 16: 4,9; si wunsten in allen gnaden, / antlaz umbe got. / sam durch soten golt / wurden si hie gelutteret unt gerainet Rol 7754; got prüevet und versuochet, wer gereht sî, als man ein golt prüevet und versuochet und brennet in einem eitoven Eckh 5: 48,9; Vateruns 186; Litan 248 2 phras. (vgl. TPMA 5, 118ff. und Friedrich, PhrasWB, S. 168ff.): iz en ist nicht allez golt daz da glizzit Rol 1959; ez ensî ouch allez golt niht, / daz man doch glîzen siht StrKarl 2503. – swer rôtez golt under diu swîn / werfe und edel gesteine: / des vreuwent si sich doch kleine Wig 76. – dar umb spricht man: gê zuo dem teufel umb golt BdN 475,12. – swer der vrouwen / hüetet, dem künde ich den ban; / wan durch schouwen / sô geschuof si got dem man, / [...]. / waz sol golt begraben, des nieman wirt gewar? MF:Mor 18: 3,6. – daz sprichwort ist ouch hie beliben, / man vint alsô dar ûf geschriben: / ‘dich dürst nâch gold, sô trink ouch golt.’ HvBer 6944 – Lit.: LexMA 4, 1535ff.
MWB 2 846,54; Bearbeiter: Hansen