gedenken ,
verstärktes denken. II.
Die bildung. I@aa)
goth. gaþagkjan
neben þagkjan
wol nur zufällig nicht belegt, ags. geþencean, geþencan,
alts. githenkian,
ahd. githenkan, gadenchan
u. ähnl., mhd. gedenken,
wie mnd. nl. gedenken,
mnl. auch gedinken,
vgl. engl. think.
Die verstärkung von denken
durch ge-
ist dieselbe, die sich im subst. gedanke festgesetzt hat, während sie bei gedenken
im laufe der nhd. zeit zurückgetreten ist und sich auf die bedeutungen eingedenk sein und erwähnen zu beschränken trachtet. I@bb)
ursprünglich dagegen giengen auch nhd. noch neben einander als wesentlich gleich denken
und gedenken,
wie gedanke
und danke, dank (
s.gedanke I, 2),
von denen ja das zeitwort erst abgeleitet ist (
s.gedanke I, 3).
noch jetzt gehört das part. gedacht
beiden formen, gedenken
wie denken
an (
s. dazu sp. 1618). I@cc)
eine seltene nebenform gedanken s. sp. 1973,
auch in einem md. voc. des 15.
jh.: memini, ich gedanken. Dief. 355
b,
und in einem verwandten voc. appendere gedanken (
neben gedenken) 42
b.
Ableitungen sind vom praesens ein subst. gedenke
n., gedenk
adj., daneben vom praet. ein subst. gedacht (
gleich engl. thought)
und gedächte,
dazu auch gedächtig, gedächtlich, gedächtnis. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11) gedenken
gleich dem heutigen denken;
es musz aber von haus aus ein anhaltendes, lebhaftes, inniges o. ä. denken gewesen sein (
vgl. sp. 1612),
was man denn noch in dem heutigen gedenken,
eingedenk sein wiederfinden kann; auch in gedenken
für denken
überhaupt, wenn z. b. Gottsched
des Cartesius cogito, ergo sum mit ich gedenke
übersetzt (
s. u. c),
läszt sich noch eine steigerung des inhalts fühlen. II@1@aa)
mhd. z. b. bei Eckhart,
wenn er von seinem denken erzählt: ich gedâhte eines ûf dem wege, daʒ der mensche sô gar abe gescheiden solte sîn in sîner meinunge. 163, 40; ich gedâhte in dirre naht, wie daʒ alle glîchnisse dar umbe sîn, daʒ si sich glîchen dem vater. 332, 17. 333, 8; ich gedâhte zuo dirre naht, daʒ der himelen gar vil sint. 334, 12; du solt niht ze vil und ze tiefe gedenken in dîme heiligen kristenglouben, wie dem unde dem sî. Berthold v. Reg. 265, 11.
und so fortgesetzt nhd., z. b.: ain aufrechter monich (
mönch wie er sein soll) gedenkht und versteet mer, dann der kaufman, was zuo andacht und gotsdinst gehört. Berth. v. Chiemsee 41, 5. II@1@bb)
doch fällt das alte gedenken
mit dem heutigen denken
nicht einfach zusammen, es hat als wort und sache seine eigene wichtige entwickelung gehabt mit starken wandelungen, worüber unter gedanke II, 3. 4. 5
gehandelt ist. im folg. z. b. entspricht vielmehr betrachten
unserm denken,
wenigstens im sinne des schulbegriffes, gedenken
dagegen ist da mehr ein müheloses, behagliches vorstellen: es ist ein groszer unterscheid zwischen gedenken, betrachten und schauwen. iederman kan gedenken, es gat on arbeit zuo und on nutz. betrachten gat mit arbeit zuo und mit nutz. aber schauwen gat on arbeit zuo und mit nutz. Keisersberg
sünden d. m. 86
a,
es ist die aus der mystik überlieferte lehre, s. das genauere unter gedanke II, 5,
b. das gedenken
geht da in bildern vor sich, wie sie das gedächtnis (
s. d. II, 2,
d)
liefert, welches wort seinerseits ursprünglich mit denken, gedenken
auf allen stufen hand in hand geht. diese bilder beim denken werden denn auch erwähnt: sol ichs aber (
das leiden Christi) hören oder gedenken, so ist mirs unmüglich, das ich nicht in meim herzen solt bilde davon machen. denn ich wolle oder wolle nicht, wenn ich Christum höre, so entwirft sich in meim herzen ein mansbilde das am creuze henget, gleich als sich mein andlitz natürlich entwirft ins wasser, wenn ich drein sehe. Luther 3, 43
b,
wol zu bemerken: im herzen,
denn da, nicht im kopfe, gieng nach allen zeugnissen das denken vor sich (
vgl. 4,
a, s. gedanke II, 3);
vgl. übrigens die frühe, wolgemeinte bemühung um ein bildloses kopfdenken z. b. bei Keisersberg
sp. 1949,
s. hier unter 2,
b, β.
mehr dem heutigen denken
gleich: concipere aliquid mente, gedenken, im verstand und gedächtnus (
d. h. denken) fassen. Frisius 813
b,
genauer: zum denken aufnehmen, vornehmen. die einbildung, phantasie 'gedenkend': die imagination ist ein werkmeister in ihr selbst und hat die kunst und allen werkzeug, alles was sie gedenken mag, dasselbig zu machen. Parac. 1589 1, 272. II@1@cc)
zunächst noch belege für den gebrauch dieses gedenken
für denken
überhaupt noch im 18.
jh., und zwar nicht bei dichtern blosz, sondern aus der sprache des lebens auch in prosa: mein! sage mir, warum die fürsten fechten? fragt Görgel den gevatter Hein. der lacht und spricht: wenn sie, wie wir, gedächten, sie stellten alle händel ein. Hagedorn 3, 47; dasz ein sich selbst gelassener mensch nicht anders gedenken kan, als dasz das recht, sich aller creaturen nach belieben zu bedienen ihm angeboren sei. Liscow 616; gedenkst du, dasz du so des himmels wort erfüllst, wenn du die raserei durch sterben schlieszen willst? J. E. Schlegel 1, 14; Dryden hat in seiner übersetzung der Eneis Virgils art zu gedenken an vielen orten .. verderbet. Bodmer
wunderb. 249,
mit bezug auf zwo gattungen gedanken, die natürlichen und die erhabenen,
wovon vorher die rede ist; von dieser unrechten art zu gedenken als von einer seuche angestecket.
das. 250; andere, die genauer zu gedenken und zu reden gewohnt sind. Gottsched
vern. tadl. 1, 14; er (
Cartesius) schlosz so: ich gedenke, darum bin ich vorhanden.
ders., weltweish. theor. theil § 873; ich kann nicht ohne zittern
daran gedenken. Rabener (1755) 2, 149,
mir vorstellen; dasz sie .. gewohnt sind, das aller niedrigste, schimpflichste und gottloseste von mir zu gedenken. Lessing 12, 13; hüte dich, (
z. b.) anstatt feuriger augen die beschaffenheit der säfte im auge und anstatt reizender minen eine leichte bewegung der gesichtsmusclen zu gedenken. Mendelssohn
empfind. 11; nichts ist natürlicher zu gedenken, als dasz .. Kant 1, 40; man konnte wol gedenken, dasz .. 8, 320,
in seinen älteren schriften häufig; wenn wir uns einst .. im allgemeinen genusz dieser uns jetzt versagten reichthümer der bildenden natur gedenken. Herder
id. (1784) 1, 13; welche reiche harmonie lässet sich gedenken. 1, 14; wenn wird daran zu gedenken sein? 4, 340; ans verbinden (
der wunden) war selten zu gedenken.
d. arme mann im Togg. 30,
s. dazu 4,
g; so wie man das wort moral hört, gedenkt man an eine bildung des charakters durch regeln. Fichte
über d. wesen des gelehrten (1806) 1; ja es läszt sich .. gedenken, dasz
u. s. w. J. Paul 43, 129; und doch, der weg zu diesem stolzen glück ist, däucht mir, das, woran er nicht gedachte. Wieland 9, 58 (
Musar. 2); ich gedenk an dein verbrechen, keines grolles mir bewuszt. Gotter 1, 207; nicht ganz, wie sichs der unbegränzte sinn gedenken mag. Göthe 9, 161 (
Tasso 2, 4); und gedächte jeder wie ich, so stünde die macht auf .. 40, 337 (
H. u. Dor. 9); mit uns gedenkt man fertig
schon zu sein. Schiller
Piccol. 2, 5.
auch mit denken
wechselnd, nach dem bedarf des verses, z. b.: o, gedenke denn auch, wie aus dem keim der bekanntschaft nach und nach in uns holde gewohnheit entsprosz ... denke, wie mannichfach bald die, bald jene gestalten
u. s. w. Göthe 1, 329 (
met. d. pfl.),
s. auch aus Logau
unter 2,
a, γ,
aber auch noch in prosa im 18.
jahrh.: man tadelt ihn (
den dichter) schon, wenn er uns wenig
denken läszt. wie viel mehr wird er zu tadeln sein, wenn er uns gar nichts denken läszt. und was kann man bei einem wortspiele
gedenken? Lessing 3, 128,
wo doch kaum noch das ge-
von kann
herbeigeführt sein kann, wie früher freilich und noch mundartlich (
s. sp. 1614
fg.); aber als er eben im abstoszen begriffen war, gedachte er Ottiliens, gedachte dasz ihn diese wasserfahrt verspäten .. würde. Göthe 17, 135,
wo doch das zweite gedachte,
d. h. fand oder bemerkte denkend (4,
n)
herbeigeführt ist durch das erste gleich erinnerte sich (6,
b).
übrigens sind auch die folg. nummern zu vergleichen, um einen überblick zu gewinnen über die lange geltung der alten form. II@22)
daher auch gedenken
mit allen den fügungen, die bei denken
auftreten. II@2@aa)
der gegenstand des gedenkens
im gen. oder acc. II@2@a@aα)
der gen. war in gebrauch aus alter zeit her, z. b. ahd. ni gadenchit ubiles, des soltistu ê gedenchin,
daran hättest du eher denken sollen, s. Graff 5, 156;
mhd. z. b. (
s. wb. 1, 347
b fg.): daʒ er (
der papst) dâ seit, des solt er niemer hân gedâht. Walther 34, 6,
das hätte er nicht einmal denken, sich nicht einfallen lassen sollen (
d. h. schon den unwillkürlichen einfall abwehren sollen, vgl. 4,
g),
wo die andere hs. den acc. setzt: ern sold eʒ
n. h. g.: daʒ dûhte uns ein grôʒer sin (
weisheit), daʒ wirs gedâhten.
welsch. gast 11181,
dasz wir den gedanken, den einfall hatten; iʒ ist ein vrâge, ob der vîent (
teufel) des menschen herzen irkennen muge und wes her gedenke.
myst. 1, 131, 20,
nachher irkennen des menschen ingedanken (
s. sp. 1945).
Nhd.: nim die harfen, gehe in die stad .. und singe getrost, auf das dein wider gedacht werde. Luther
Jes. 23, 16; an solchs gedenket doch .. gedenkt des vorigen. 46, 9; der herr hat mir gerufen von mutterleibe an, er hat meines namens gedacht, da ich noch in mutterleibe war. 49, 1; wer speiseopfer bringt, ist (
nicht besser) als der sewblut opfert, wer des weyrauchs gedenkt, ist als der das unrecht lobet. 66, 3 (
zur sache s. 4,
f, γ).
diesz gedenken
mit gen. ist aber nhd. immer mehr auf die bedeutung erwähnen und eingedenk sein eingeschränkt worden (
s. 5. 6),
die freilich selber nur einzelne anwendungen des '
denkens an ..'
sind. der gen. bezeichnet da, eben wie an,
dasz das denken nur einen theil oder punkt des gegenstandes trifft. s. auch unter 3,
b den gen. II@2@a@bβ)
der acc. dagegen, der genau genommen das object als ganzes zu bezeichnen hat, ist zwar mhd. zu finden, wie er auch ahd. nicht gefehlt haben wird, da das einfache wort mit acc. da vorkommt (
s. unter denken 11),
aber meist in bestimmter beschränkung, wie es scheint (
s. 4,
h);
doch s. aus dem welschen gast s. 407
unter 3,
a und aus der übergangszeit z. b.: o mensch, gedenk das jüngst gericht (
var. bedenk) .. und gedenk allzeit an die frucht Jesum. Vintler
bei Haupt 9, 102 (
s. Zingerles
ausg. s. 335).
nhd. herscht der acc. vor, auszer in der bedeutung sich erinnern (
doch vgl. 6,
c),
z. b.: (
der innig betende) das sein houbt und sinn nit geletzt werden (
s. sp. 1949), der sol leren (
lernen) gedenken von got on ein leiblich ding oder bild, also das er nit gedenkt ein grosz ding oder kleins, langs oder kurzs, weiszes oder schwarzes ... sol gedenken die almechtigkeit gots .. die gots weisheit .. die gtikeit gots
u. s. w. und also (
ebenso) mag er gedenken von andren volkummenheiten gots. Keisersberg
eschengr. 4° b 6
a,
also wechselnd mit von,
das da die eigentliche denkarbeit bezeichnet, gedenken
mit acc. aber das vorstellen, das denken in merkmalen, also ein theildenken, wo mhd. wol der gen. stehen würde; darumb .. gedenk er die götlich gerechtikeit.
das. c 2
b; und sollen dasselbige einige opfer gedenken. Melanchthon
hauptart. 640
im corp. doctr. chr. Lpz. 1560; errette mich, herr, von den bösen menschen .. die böses gedenken in irem herzen.
ps. 140, 3,
auf böses sinnen, doch in form des vorstellens. Noch im 18.
jh. (
vgl. unter 1,
c): ich höre auf, diesen gegenstand zu gedenken. Kant 1, 45; wenn ich mein object anfange zu gedenken. 1, 72; wenn wir die spiralgefäsze, die uns wirklich als elastische federn erscheinen, in ihrer höchsten kraft gedenken. Göthe 58, 49 (
morphol.),
wo doch nach dem gewöhnlichen gebrauch ein dat. uns
dabei nötig wäre, wie im folgenden; im ernsten beinhaus wars, wo ich beschaute, wie schädel schädeln angeordnet passten, die alte zeit gedacht ich, die ergraute. 23, 285,
hier der versuch eines umfassenden vorstellens, vgl. über denken
mit bloszem acc. sp. 1952 (
f). II@2@a@gγ)
auch ohne den dat. doch im gewöhnlichen gebrauch mit acc., wenn dieser ein es, das, was
o. ä. ist. in dem es
kann übrigens ursprünglich der alte gen. versteckt sein, da in diesem in der übergangszeit gen. und acc. sich vermengen (
wie es auch in dem ez
bei Walther
unter α doch schon vorliegen kann, für es,
s. auch 5,
d),
z. b.: das hat aber gedachter herr Friederich erfaren und sich gegen diesen vernemen laszen, sie sollen es nit gedenken.
Flersh. chron. 19, 29,
sichs nicht einfallen lassen, drohend (
vgl. aus Walther
unter α); der herr Zebaoth hats also gedacht.
Jes. 23, 9; wenn ichs gedenk, graust mir die haut.
froschm. H 5
a,
wo doch das -s
noch als gen. gefühlt sein wird: wenn ich dran denke, mich erinnere, wie auch im folgenden noch: ich wills nicht mehr gedenken,
abjiciam ex animo. Stieler 294.
Mit das, was, solches, viel
u. ä.: Cuonrad der merkt wol das, das es Ludewig widrig was .. er gedacht vil und sweig stille. Büheler
Diocl. 8055; und Jhesus erkennet bald in seinem geist, das sie also gedachten bei sich selbs, und sprach zu inen: was gedenket ir solchs in ewren herzen?
Marc. 2, 8; ein philosophus, als er im bad sasz und gefragt ward, ob er wer gezwagen worden, sagt er, er wüst es nicht, er hätt anders zugedenken.
hasenjagd 2, 29; ob schon ein mensch alt ist, so bleibt doch das herz alzeit frisch böses zu gedenken. Lehman
flor. 1, 262; gedenken magst du alles, nicht alles darfstu sagen, das sagen pfleget busze, das denken nicht zutragen. Logau 3, 4, 87; thoren, welche nicht betrachten, dasz gott alles sehe, höre und verstehe, was sie thun, reden und gedenken. Schupp. 40; ich gedenke das,
hoc mihi in mentem venit, subit animum cogitatio. Aler 855
b,
es fällt mir ein; nur unterscheide ich mich darinn von andern, dasz ich aufrichtig sage, was sie alle gedenken. Liscow 585; von ohngefähr kann das nicht sein, das könnt ihr wol gedenken. Claudius 6, 52.
zu dem viel gedenken
ist erwähnenswert: einer soll viel gedenken, wenig reden, und gar (
ganz) selten schreiben, quia literae scriptae manent. Lehman
flor. 1, 670; viel gedenken, wenig reden, und nicht leichtlich schreiben. Logau 3, 1, 43 (lebenssatz).
in volksmäszigem scherze einen haufen gedenken,
viel: ich liesze .. siebene grad sein, wiewohlen ich ein haufen bei mir allein gedachte.
Simpl. 1685 1, 14. II@2@bb)
mit praepositionen zur bezeichnung des gegenstandes oder zieles. II@2@b@aα)
besonders mit an,
schon mhd. und ahd. (
vgl. 6,
b): swer verholne sorge trage, der gedenke an guotiu wîp, er wirt erlôst, und gedenke an liehte tage: die gedanke wâren ie mîn bester trôst. Walther 42, 15
ff.; frowe, als ich gedenke an dich, waʒ dîn reiner lîp erwelter tugende pfliget .. 42, 23; swer inneclich an got gedenket, sô man seiten vor im klenket.
Renner 5896; so ich doch niuwen (
nur) an die schidunge gedenke, so möhte mir vor angsten gebresten (
das bewusztsein vergehen). Suso im
leseb. 881, 22; hab ich wider dich gethan, do soltu nit gedenken
an. Pichler
drama des mitt. in Tirol 71; das die weisen sagen von etlichen, die da wund waren auf den tod, wen sie darnach bluot sahend oder stark daran gedachten, so geschwand inen. Keisersberg
irrig schaf E 3
a; gedenk an deines ordens aid. Schwarzenberg 139
a; gedenkt heut an gottes sterben und rfet Christ von himmel an! Uhland
volksl. 437; gedenket an eure lehrer.
Hebr. 13, 7; darum gedenke ich an die thaten des herrn, ja ich gedenke an deine vorigen wunder.
ps. 77, 12; nun forcht sich der herr gar übel (
vor der pest in der stadt), drumb souf er sich alle tage voll, das er dester minder dran gedächte. Th. Platter 72; an einen gedenken und sinnen,
cogitare de aliquo. Maaler 160
c; gedächt der dieb an galgen, so liesze er sein stelen. Henisch 1405, 56; gedenke an den tag der gestrengesten gerechtigkeit. Olearius
rosenth. 1, 12; ich weisz dem churfürsten woll recht dank, dasz ihm die augen übergangen sein, wie er das arme (
Heidelberger) schlosz gesehen. da darf ich nicht ahn gedenken, es kompt mir gleich ein schaudern ahn. Elis. Ch. v. Orl. 3, 396; sollte ich nicht bereits an den Gil Blas von Santillana gedenken? Hagedorn 1, xxviii; an deren verdienste man wenigstens so lange gedenkt, als die erbvertheilung währt. Rabener 2, 14; ich gedenke gar fleiszig an ihn. Knebel
in Böttigers lit. zust. 2, 215.
auch mit dat. statt des acc., nach der bekannten nordd. verwechselung der beiden casus: wol dem, der deiner nicht vergisset, o gott, sondern gedenket an dir. Olearius
pers. ros. 8, 130; oft werde ich bei den schönen kunstsachen an ihnen gedenken.
herz. Amalie v. S. W.
an Merck in dessen br. 2, 273. II@2@b@bβ)
früher auch mit von, schon mhd. (
vgl.denken 13,
g): von der (
nachtigall von Hagenau) gedenke ich vil und genuoc, ich meine ab von ir dœnen, den süeʒen, den schœnen, wâ si der sô vil næme
u. s. w. Trist. 121, 24 (4782),
was jetzt heiszt: über die denk ich nach, lat. meditari
mit de; zuom vierden mag sich der mönsch halten gegen fleischlichem glust also, das er gedenkt von fleischlichem werk, und aber on lust. Keisersberg
irrig schaf B 3
a (
nachher das er daran gedenkt mit lust); gedenken von got on ein leiblich ding oder bild.
eschengr. b 6
a,
s. unter a, β die stelle; ich glaub auch genzlichen, wann sie irem gesind künten weren darvon zuo gedenken, sie würdens nit underlaszen. Wickram
irr reit. bilger, vorr. A 2; wie ist man gen Rom, gen Jerusalem, zu S.
Jacob gewallet, allein das man stein, bein, holz und erden sehen möchte (
könnte), und nichts von Christo gedacht ward? Luther 5, 191
b (nichts
gleich gar nicht); das man solt an heimliche ort gehen und oft gedenken von gott, was er sei und ob er sich auch unser anneme. 3, 126
b,
deutlich noch nachdenken über, wie mhd. bei Gottfried,
und auch mit nachfolgendem ausführenden satze wie dort. noch im 18.
jh.: man kan darvon gedenken,
hoc in cogitationem cadit. Aler 855
b.
ein anderes gedenken
mit von,
d. h. erwähnung thun, s. 5,
d. e. II@2@b@gγ)
mit auf, zur bezeichnung eines gesteckten zieles, dem das denken gilt (
vgl. mit hin 4,
c, s. auch denken 13,
b),
auch diesz schon mhd., z. b.: mîn herze ist leides überladen, daʒ ich ûf iuweren schaden immer (
überhaupt) sol gedenken.
Iw. 7461; haben wir (
schon) daruf gedacht als ein rö
m. könig .. und auch (
noch) darnach mit vleisz gedenken, wie wir die ritterschaft des heil. reichs bei (
ihren) gnaden und freiheiten behalten mö
gen. Flersh. chron. 15, 13; das wir nicht sorgfeltig sein sollen umb leibliche speise und kleider, allein auf heutige notdurft gedenken. Luther 1, 82
b; der also haushelt und auf ein voran (
ersparnisse) gedenket. Mathes.
Sar. 25
a; indem ich aber mich darzu bereitete und auf etwas sonderliches gedenke (
euch als schriftsteller eine freude zu machen). Schuppius 2; damit andere gute ingenia dem ding nach mir weiter nachsinnen und auf verbesserung gedenken. 611; auf seine sachen gedenken,
advocare animum ad se ipsum. Schönsl. L 1
d, Aler 855
a; alte leute haben auf nichts anders als den tod zu gedenken. Olearius
baumg. 9, 3; wie kan er (
der arme) mit andacht beten und zugleich auf sein brod gedenken?
pers. ros. 7, 20; als wir auf keine gefahr gedachten.
pers. reis. 2, 2,
gefaszt, bedacht waren, vergl. Opitz
unter 3,
e; es ist ein glück, dasz noch hier und da ein gottesgelehrter auf das practische des christenthums gedenkt. Lessing 3, 151. II@2@b@dδ)
ähnlich mit nach, einem ziele nach (
vgl.denken 13,
d): er (
der reichthum) müet den armen harte vil, swenn er dernâch gedenken wil.
welsch. gast 2988; und auch darnach mit vleisz gedenken.
Flersh. chron. 15, 15,
s. die stelle unter γ; gott hat mir gegeben weislich zu reden und nach solcher gabe der weisheit recht gedenken.
weish. Sal. 7, 15.
daher nachdenken,
früher auch nachgedenken: etwas befremdens und nachgedenkens. Fischart
kloster 10, 939; ich gedachte der ursach nach.
Simpl. 3, 155
Kurz; so thet ich auch all kunst meiden, dann sie darf (
bedarf) gar vil nachgdenken. Ayrer 243, 31
K. II@2@b@eε)
auch mit zu
ähnlich, mhd.: nu gedenke selbe ouch dar zuo. Hartmann
arm. Heinrich 1100,
richte deine gedanken darauf, bedenke es. nhd.: nur auf viel wort bochen, die sache auf verzug richten, auf dem plan umbher schweifen und nicht zum treffen gedenken. Luther 1, 390
b,
aus der kriegssprache, bildlich: nicht auf die ausführung bedacht sein. II@2@cc)
mit einem satze, der den inhalt des denkens angibt. II@2@c@aα)
mit dasz, z. b.: wirt ein man dinkfluhtik und kumt danne ein gelter (
gläubiger) zu einem burcgrâven und bit in gedenken, daʒ er der êrste clager sî ..
Augsb. stadtb. s. 226,
in gedanken zu behalten (
vgl. 4,
i); ihr sollt nit gedenken, dasz ichs euch vergönnen werd. Alberus
Es. 8
b (
zur sache vgl. 4,
l); dahero unschwer zu gedenken, dasz ich .. recht unschuldig .. hingelebet.
Simpl. 1, 4,
vorzustellen oder zu glauben; gedenke, dasz du jetzo im dorf frau schulzin bist, die gesetz und ordnung gibt, aber nicht annimbt. Schuppius 542,
denke daran, vergisz nicht; ich narr gedachte nicht, dasz der krug so lang zum brunnen gehet, bisz er einmal zerbricht.
Simpl. 1, 232
Kz.; doch sol man nicht gedenken, dasz alles, was uns noht, die fremde müssen schenken. Rist
Parn. 65; die gesetze von dem schenken, woln juristen nur gedenken, dasz sie gehn auf ihr bequemen, nicht zu geben, nur zu nehmen. Logau 3, 2, 13,
mit der überschr. der rechtstittel vom schenken,
hier und bei Rist
gleich meinen, von willkürlichen gedanken; wie kann ich aber nur gedenken, dasz euch ein sohn gegeben ist, ohne zugleich auszusprechen .. Göthe 17, 345.
natürlich auch mit bloszem satze ohne die conj.: gedenk, morgen ist auch ein tag, der vor sich selber sorgen mag. Waldis
Es. IV, 82, 81 (2, 211
Kz.); wie nun die Lutitii merketen, dasz der kaiser den Polen hülfe zuschickete, gedachten sie, es wäre nicht rathsamb .. Micrälius
Pommern 2, 190. II@2@c@bβ)
mit wie, was
und andern relativischen wendungen: nu gedâhte er, waʒ im töhte.
Iwein 1148; Hercles in siner jugent gdacht (
überlegte), wes wegs er doch wolt haben acht .. Brant
narr. 107, 17; gedenk ein iedlicher ritterlicher man, wie das ein angesicht (
was das für ein anblick war), das sich ainer mit achten .. schlahen sol.
Wilw. v. Schaumb. 114,
stelle sich vor; also das si nicht so fast gedachten, dann wie si von seinem joch wider ledig würden.
Frank weltb. 118
a,
auf nichts so sehr bedacht waren; so gedenke nu, wie du empfangen und gehöret hast.
offenb. Joh. 3, 3,
behalt in gedanken; gedenke, wo von du gefallen bist und thu busze. 2, 5; sie können leicht gedenken, wie sehr uns dieses erfreuet. Liscow 85. II@2@c@gγ)
auch mit inf., und zwar auch nhd. noch ohne zu,
z. b.: die selbige hab ich geliebt .. und gedacht sie mir zur braut nemen.
weish. Sal. 8, 2,
wie ahd. und mhd., z. b.: durch der schœnen willengedâht er noch bestân, ob er si sehen möhte.
Nib. 259, 1,
dachte zu bleiben. aber auch schon mhd. mit der praep. dabei: iedoch bereite ich mich ze wer ... unde gedâht ze lebenne noch.
Iwein 706,
gedachte noch nicht zu sterben, zu unterliegen, vgl. die entsprechende wendung mit gedanc hân
unter gedanke 13,
d und dar zuo gedenken,
darauf bedacht sein. Nhd. mit zu (
eigentlich demselben wie unter b, ε): gedenk zuo tragen gedulteklich, das du lidst usz verdienst billich. Brant
Cato 436; auf solch vertrawen gedachte ich jenes mal zu euch zu komen. 2
Cor. 1, 15; es soll keiner das alter verachten, denn er gedenkt auch selbst alt zu werden. Henisch 1405, 52; bei meinen moralischen vorlesungen, die ich ihnen diesen sommer, so gott will, zu halten gedenke. Gellert (1839) 6, 1; den nächsten morgen gedachte Wilhelm madam Melina zu besuchen. Göthe 19, 82; so ist dieses ein streben vollkommner zu werden, und zwar in dem sinne dasz ein jedes blatt ein zweig, so wie jeder zweig ein baum zu werden gedenkt. 58, 161.
das ist eins von den wenigen gedenken,
die jetzt noch bei frischem leben sind, ja es wird dem einfachen denken
vorgezogen, ich gedachte zu verreisen
u. dgl., hatte in gedanken, im sinne, in absicht, das ge-
verstärkt da noch heute kraft und sinn des denkens.
s. auch unter 3,
c. übrigens auch ganz ohne äuszere verbindung (
vergl.α a. e.): ich gedenk, ich will mich begeben auf mein landgut,
inde cogito in Tusculanum Henisch 1405 (
vgl. II, 937),
wie jetzt noch im gesprächs- und briefstil ich denke, ich gehe morgen hin
u. ähnl. II@2@dd)
auch mit acc. und inf. (
mit oder ohne zu): Laureta in ihr selbst gedachte genug sein, wenn sie das Reinharten kund thete.
buch d. liebe 241
b,
wo der acc. durch den abhängigen satz oder ein gedachtes es
vertreten wird; also war er entzündet in ihrer liebe und gedachte einen selig sein, der ihr liebe überkommen möcht. 33
a; hie zuo Augspurg nennet man in (
den buchst. W) in den teutschen schuolen fast ungeheur als (
immer) awawau, welchs ich gedenk auch zwei u sein, auf grobschwäbisch au genennet. Ickelsamer
gramm. B 1
b; das wir .. frid halten sollen, und ie einer sich dem andern geboren sein gedenken sol. Frank
spr. 2, 5
b; das sie ein solchs beinah vollbrächten, welchs sein unmüglich vil gedächten. Fischart
gl. schiff 576.
mit zu
dabei: die beiden ritter einander so lieb hetten, dasz ihr keiner wider den andern reden mocht, wo er gedenken mocht, dem anderen etwas arges daraus zu erwachsen.
buch d. l. 243
c. II@2@ee)
verwandt ist die wendung mit doppeltem acc., der zweite auch durch ein adj. vertreten (
gewöhnlich doch durch als
eingeführt): wann wir uns oftermals auf was gewiss (
sicher entschlossen) gedenken, so kömpt der, so die welt mit einer hand kan lenken, der streichet einen strich durch unser herz und sinn, und führet unverhofft den ganzen vorsatz hin. Opitz 2, 34.
Ähnlich, und doch wieder anders sich für und hinter gedenken (
vgl. dazu hinter sich gedenken
unter 4,
b): bruoder, du seist mir da wild schwenk (
schlimme dinge). so ich mich fr und hinder gdenk, so wils bi uns ouch also gan, wann all untrew wil fahen an
u. s. w. Gengenbach 108 (
Nollh. 1185),
d. i. wenn ich mich in gedanken nach vorn und hinten versetze, das was kommen musz nach dem bisherigen gang der dinge mir vorstelle. Und noch anders mit doppelter bestimmung sich zu tode gedenken: wenn ich Carlstadischer lere nach das gedechtnis und erkentnis Christi mit solcher brunst und ernst übete .. da möcht ich mich zu tode gedenken .. in solchem kennen und gedenken. Luther 3, 86
a.
noch ein andres sich gedenken,
bedacht sein, s. unter 7. II@33)
auch, wie denken,
mit dem subj. im dat. wiederholt: ich gedenke
mir, wesentlich gemeint wie das neuere ich stelle mir vor,
doch auch noch anders (
s. d);
schon mhd. II@3@aa) sich gedenken,
in gedanken vorstellen, ausmalen u. ähnl., mit acc. oder satz o. ä.: er (
Hartmut) gedâhte im under stunden: 'man (
Gudrun) haʒʒet mich sô sêre, daʒ ich an dem schaden werde ervunden'.
Gudr. 1050, 3; jâ gedâhten si in beide (
Hartmut und schwester), daʒ in möhte noch an ir gelingen. 1045, 4; swenn ich mir gedenke sô, daʒ nie wîp wart mêr sô guot .. der gedanc mir sanfte tuot. Lichtenst. 127, 4; welhe gâbe (
gewonnener preis) und waʒ frumcheit und waʒ turnay er im gedenket (
einer der von ritterschaft träumt).
welsch. gast s. 407; doch gedâhter im alsô: diz kint hât sô grôʒe tugent, eʒ ist in wahsender jugent
u. s. w. Barl. 27, 8.
Nhd.: als nun die summa (
die der gast auf borg verthat) seer grosz ward, fieng dem guoten wirt an angst zuo werden, gedacht im mangerle, wie er rat finden möcht damit er bezalt wurd. Wickram
rollw. 98, 20; und wir wollen uns darbei gedenken, dasz coloquint nicht alle choleram purgirt. Paracels. 1, 816
a,
vielleicht: uns einprägen, in die gedanken prägen; unter den divinis officiis musz man sich also hauptsächlich die ceremonien und gebräuche gedenken. J. Fr. Eckhard
nachr. v. selt. büch. Eis. 1775
s. 198; das ist ein allgemeiner satz, bei welchem ich mir eine reihe von dingen gedenke, deren eines immer stärker
u. s. w. Lessing 5, 362; wenn man sich diese federn unendlich nahe gedenket. Kant 8, 135; wenn man .. sich ein volk gedenkt. Herder 1, 54; wir gedenken uns hier nichts mehr als gewisse einsichten
u. s. w. Hippel 10, 190; eine meiner lieblingsvorstellungen, mir den tod zu gedenken. Lichtenberg 1, 38; man kann sich von einem solchen (
röm.) herbstaufenthalte den besten begriff machen, wenn man sich ihn wie den aufenthalt an einem badeorte gedenkt. Göthe 29, 123; weil ich mir gedenken kann, wie sehr sich alle leser schon mit bienenflügeln durch diese hecke und diesen flor zu schwärmen sehnen. J. Paul
paling. 2, 110; weil als dämonenartig dir das ganz' erscheint, so kannst du dir als sittlich nicht den einzelnen gedenken. H. v. Kleist 2, 415.
man fühlt es noch gewichtiger als denken,
gleichsam ein lebhafteres, dauernderes denken. s. auch unter d sich leid gedenken. II@3@bb)
statt des acc. aber auch der gen., d. h. wie schon beim einfachen gedenken 2,
a, α: ir vater und dem gastesi (
Gudrun) wunschte, des si in gedâhten beide.
Gudr. 649, 4,
was beide kämpfer (
eben im kampfe)
als ziel im sinne hatten. noch nhd.: der könig vordert in allain in ein kamer zu im ze komen. gedacht ime der edl .. fürst eins vortels, stiesz ein lang brotmesser in einen wammeserml ..
Wilw. v. Schaumb. 77,
erdachte sich einen vortheil (
kriegswort)
für den schlimmsten fall, ein mittel das ihm den vortheil vor dem gegner gäbe (
s.gedenken 4,
h gleich erdenken).
s. auch unter d. II@3@cc)
auch mit inf., eben wie bei gedenken
allein 2,
c, γ: leügt aber nimmer, weil er im nit gedenkt zuo liegen und betriegen. Frank
weltb., vorr., wol gleich dem heutigen nicht einmal daran denkt, sich nicht einfallen läszt; vgl. dazu 4,
g. II@3@dd)
mehr mhd. ist ich gedenke mir leides
oder leide,
von sorglichen, ängstlichen gedanken, doch noch dem 16.
jh. bekannt, z. b. im liede vom edlen Moringer: lond ewer sendes trauren sein und gedenkent euch keins leides. Uhland
volksl. 783;
auch mit anführung oder ausführung der leiden gedanken, wie in der ersten Gudrunstelle unter a: der graf erschrack der märe, grosz leid er im gedacht: brächt ich mein frawen here, so würd sie mir geschmacht
u. s. w. 785; der graf der gedacht im leide: erst musz ich leiden den tod. 789.
mhd. (
s. wb. 1, 346
b) leide
und auch liebe,
z. b.: si saʒ in dem (
nassen) hemede .. hei wie rehte leide si ir gedâhte.
Gudr. 962, 4,
deutlich zugleich oder mehr noch von der stimmung, den gefühlen (
vgl. unter gedanke 13,
a),
als den daraus flieszenden gedanken, und so oft, wie denn auch gedanke
ursprünglich und noch jetzt unterm volke das fühlen mit bezeichnet, s. sp. 1947
fg. 1952
m. ebenso dann mhd. wol gedenken (
s. mhd. wb. a. a. o.),
sich gutes vorstellen, bester hoffnung, stimmung sein. II@3@ee)
hier erklärt sich auch sich gedenken auf etwas: ihr dürfet euch nur nicht auf schlechten (
einfachen) tod gedenken, ihr müszt es offenbarn und lebendig noch henken. Opitz 1, 173 (
Antig.),
das alte ich gedenke mir,
habe im sinn, das ziel aber statt des gen. mit auf
bezeichnet, daher: dürft euch nicht einbilden, müszt euch gefaszt machen, bedacht sein; das auf
ist dasselbe wie unter 2,
b, γ,
vgl. besonders die stellen aus Olearius
dort, auf gefahr, auf den tod gedenken. II@44)
überhaupt fordert der begriff noch genauere betrachtung, nach form und nach inhalt (
vgl.gedanke 13). II@4@aa)
es wird auch besonders bezeichnet, und zwar in älterer zeit öfter als jetzt, dasz das gedenken
in uns verborgen o. ä. vorgeht (
vgl.denken 4,
auch gedanke 11,
c). II@4@a@aα)
dem sich gedenken
unter 3
liegt nahe bei sich gedenken,
auch bei sich selbst, bei sich allein (
s. Simpl. 2,
a am ende): Jesus erkennet bald in seinem geist, das sie also gedachten bei sich selbs, und sprach zu inen, was gedenket ir solchs in ewren herzen?
Marc. 2, 8 (
διαλογίζονται ἐν ἑαυτοῖς); und sie gedachten bei sich selbs und sprachen. 11, 31; und er gedachte bei im selbs, und sprach, was sol ich thun?
Luc. 12, 17; unglücklicher Menalk, gedacht er da bei sich
u. s. w. E. v. Kleist 1, 66. II@4@a@bβ)
auch mit in, wie eben griech.: der löw gedacht in im selbs. Steinhöwel
Äs. (1555) 31;
vgl. mhd. ingedanc
sp. 1944.
öfter in seinem sinn,
früher im herzen, mut
u. ähnl.: und gedachten in irem herzen.
Marc. 2, 6;
auch mit dem refl. dat. dabei: gedacht im der Bogner in seinem mut: gäb wir uns gefangen, es wär nicht gut
u. s. w. Uhland
volksl. 437.
daher auch schweigend und mit gesenktem kopfe: Markolf, sag mir, warumb dein kopf sich senk. 'ich schlaf nit, sunder ich gedenk, wie keinem weib zu trauen sei'.
fastn. sp. 530, 24. II@4@a@gγ)
das gedenken
als selbstgespräch: und gedâhte ouch iesâ wider sich: owê, owê! und fröuwe ich mich
u. s. w. Trist. 16371; er gedacht, ich wil in versünen mit dem geschenk.
1 Mos. 32, 20; erschrack sie über seine rede, und gedachte, welch ein grusz ist das?
Luc. 1, 29; der ritter von dieser rosen aus dermaszen sehr betrübet ward, anhub zu gedenken: o du mein auserwehlte Rosamunda
u. s. w. buch d. l. 250
b; wirst du vielleicht gedenken: das ist ein hartes wort
u. s. w. Schupp. 597. II@4@bb)
es wird aber auch als eine bewegung behandelt (
s. dazu u. gedanke
sp. 1968),
recht deutlich in hin und her gedenken
u. ä., umbher gedenken,
circumspicere animo Henisch 1405, 23: viel hin und her gedenken,
multa animo et cogitatione percurrere. Aler 855
a; als aber nun der guot man ... an seiner arbeit was, fieng er erst an hin und wider zuogedenken, insunderheit an die zwen köpf. Wickram
rollw. 79, 15.
ähnlich weiter, nicht weiter gedenken: nit witer gdenkt er uf all stund dann von der nasen bisz inn mund. Brant
narr. 70, 11; und laszen sich an dem nicht gngen .. sonder noch allzeit weiter gedenken und einen krieg in andern henken. Fischart,
klost. 10, 1114. zurück gedenken,
in der erinnerung hinter sich denken: gedenk zuo ruck, du weiser man (
d. h. Karl V.), und sich der bäpst grosz schalkhait an, wie oft durch si ist kummen, das jämmerlich teütsch nation im bluot hat gar geschwummen.
lied von 1556, Körner
hist. volksl. 183; wenn die meisten menschen an dem ende des jahres zurücke gedenken würden, wie leichtsinnig sie
u. s. w. Bodmer
mahl. d. sitten 1, 464.
es hiesz auch hinter sich gedenken: got hat dem menschen geben .. gedächtnus und fantasei, mit der er hindersich sol gedenken und betrachten, von wann und was, auch wohin er gewidembt sei. Berth. v. Chiemsee 27, 9;
vergl. übrigens unter gedanke II, 5,
c. s. auch sich hinter und für gedenken
u. 3,
e. Auch wirklich räumlich z. b. heim gedenken,
sich mit seinen gedanken nach hause versetzen, gleichsam heim fliegen: er (
der Schwab auf reisen) schampt sich, dasz er nit weisz wie er die krebs essen sol .. und gedenkt denn heim in sin land: werest du doheim in dinem Schwobenland, so setzt man dir nit krebs für zuo essen
u. s. w. Keisersb.
chr. bilg. 207
d (
s. unter elend 1,
g),
was denn zugleich übergeht in: er wünscht sich nach hause. II@4@cc)
aber auch ein wirkliches streben drückt es aus, geistiges wie leibliches: swaʒ er (
der liebende) gedanke erziugen kan, daʒ wîp bezwingets alsô gar, daʒ er niender anderswar gedenken mac wan dâ si ist. Stricker
frauenehre 1523 (Haupt 7, 519),
nirgendwo andershin seine gedanken richten, d. h. zugleich wünsche und bestrebungen (
s.gedanke 13,
c).
selbst von leiblichem streben: solchs alles redet Jona, als einer, der im meer erseuft und über sich gedenkt, oder als einer, der eim zusihet oder nachdenkt, der erseuft. denn so er über sich gedenkt, sihet er die wasserwogen über sich
u. s. w. Luther 3, 214
a,
d. h. mit den gedanken gehn auch seine strebenden kräfte '
über sich',
er strebt nach oben; es möcht manicher ob dem groszen haufen (
der feinde) erschrecken empfahen und zu den schiffen gedenken. die sein hinweg
u. s. w. Wilw. v. Schaumb. 112,
anrede des hauptmanns an die landsknechte, nachdem er die schiffe fortgeschickt hat; wenn in Smollets Peregrine Pikle dem maler, der im finstern in ein fremdes bette gedenkend, die suchende hand auf einen darneben kauernden kahlen mönchskopf .. aufzuliegen kommt. J. Paul 41, 158 (
ästh. § 30).
so noch jetzt auch im gewöhnlichen leben z. b. wo gedenkst du hin?
zu einem der von verreisen spricht oder zur reise gerüstet erscheint; wo gedenket aber mein herr hin?
kunst über alle k. 34, 1;
man denkt sich meist dabei ein zeitwort der bewegung weggelassen (
s. unter denken 19),
was doch nach vorigem nicht nötig ist. mit hin, dahin
doch auch von unsinnlichem streben: dahin gedacht sein,
darauf bedacht, s. Schönsleder
unter 7; da ist die hitze der jugend verloschen und gedenket ihr (
kriegsleute) nur schlechts dahin, wie ihr eueren kranken leibern .. gütlich thun .. möget.
Simpl. 1, 60
Kz., gleich seid darauf bedacht,
welches auf (
s. 2,
b, γ)
doch ursprünglich auch ein räumliches ziel bezeichnet; ihr sehet, wo er hinaus gedenkt,
quam viam muniat, quod iter affectet. Aler 855
b.
und noch anders wo denkst du hin!
auch in dem sinne: wohin gerätst du, verwirrst dich mit deinen gedanken. in die eh gedenken,
ans heiraten denken: eine ledige person, die in die eh gedenket. Fischart
ehz. 498
Sch. II@4@dd)
auch ein wünschen, begehren wird einfach mit gedenken
ausgedrückt, mhd. und noch nhd. (
vgl. dazu gedanke II, 5,
d): der aller besten vische, die ie ze küneges tische dehein man gebrâhte, swelher man gedâhte.
Erec 7129,
welche gattung von fischen man auch wünschen mochte; auch mit refl. dat. (
vgl. auch die Gudrunstelle unter 3,
b): wie nü, swenn ich mir sô gedenke, bin ich von wünschen niht der rîche? Walther 136, 13
Rieger; komm, du meiner seele leben, du mein trost, den gott mir schenkt! komm, du kannst vollauf mir geben alles was mein herz gedenkt. Simon Dach 422
Öst. ähnlich ist denn das minnigliche gedenken,
entsprechend dem alten gedanc, gedanke
von liebendem denken (
sp. 1947
fg.): mir ist dicke vil geseit von Minnen und ir süeʒekeit .. si jehent, ditz sî ir wâfen (
wappenbild, devise): vil gedenken, lützel slâfen.
Lanz. 920; wünschen und gedenken ist dîn (
der minne) gevider
u. s. w. MSH. 2, 365
b (
zu gevider
s. sp. 1960). II@4@ee)
ferner von ausführung der wünsche und bestrebungen, wie sie in oder mit den gedanken vorbereitet wird, ein wollen und vorläufiges thun, und zwar mit verschiedener fügung. mit dasz
und satz: ich wil gedenken, das ich mir (
gedr. nur) ein rhum zuwegen bringe, weit weit über die von Wittemberg. Alberus
wider J. Witzeln H 6
b,
will darauf bedacht sein, bin entschlossen. von einem entschlusz und beginnender ausführung auch mit inf. (
vgl. 2,
c, γ): ich dacht, der mann wirt sich ertrenken. zu retten ward ich in gedenken, ich eilt im zu und bot im heil
u. s. w. H. Sachs 1, 448
d.
recht deutlich in der fügung einem gedenken,
für einen auf etwas bedacht, dafür bemüht sein (
s. dazu denken 20);
der gegenstand im gen., acc., oder auch mit an: vil wênc ich dô gedâhte (
als ich euch zur ehe nahm) iwerr minne eim andern trûte (
als mir).
Parz. 134, 20; gedenkst du deinem feind arg (
arges), so reds nicht. Henisch 1405, 63; es ist einem anderen gedacht und mir beschert. 1403, 34,
jetzt zugedacht worden
oder gewesen; auch sind noch so viele, die mir übels gedenken und sich an die meinigen halten (
zur rache). Göthe 40, 139,
Rein. f. 8. einem
an etwas gedenken,
für ihn daran denken, es ihm zudenken, wie jetzt die wendung ist: der fromme jüngling lachte, wenn man an ein frembd land und reisen ihm gedachte, darzu er schon war reif. Fleming 136 (
Lapp. 52),
doch zugleich: wenn mans gegen ihn erwähnte, als vorschlag oder rat, vgl. aus dem buch d. liebe 234
c unter 5,
c. s. auch ich bin
gedacht, bin bedacht, willens, entschlossen unter 7.
s. auch unter i ich will dirs gedenken,
als drohung. II@4@ff)
unter umständen selbst in ein thun wirklich übergehend oder doch daran theil nehmend, II@4@f@aα)
z. b.: maneger bete si gedâhten, ê sin von dem orse brâhten in eine kemenâten.
Parz. 163, 28,
d. h. es kostete sie viel bitten, sie baten ihn lange, ehe ..; got was in reiner güete, dô er der stunt gedâhte, diu dînen sâmen brâhte in der natûre meisterschaft.
gut. Gerh. 6337,
da er den beschlusz faszte und ausführte, eigentlich: den augenblick festsetzte o. ähnl.; dienstes si im gedâhten, daʒ (
dienst) si im volbrâhten mit almuosen und mit gebete.
Greg. 2989.
ähnlich noch nhd. einem eines
d. gedenken: gedenk mir mein gott zum besten alles das ich diesem volk gethan habe.
Neh. 5, 19; mein gott, gedenk mir des auch und schone mein nach deiner groszen barmherzigkeit. 13, 22,
d. h. lohne mirs seiner zeit, zugleich in dem sinn unter i, β. II@4@f@bβ)
oft wird diesem gedenken
das eigentliche thun mit und
beigefügt, ich gedenke
und ..,
z. b.: ein falschen rat sie anfiengen .. wie sie des gedächten und ander stet zin brächten. Liliencron 1, 164
a,
wie sie es fertig brächten, möglich machten, andere städte in den bund zu bringen; ein frage (
im rate) was geschehen drate, wie sie des gedächten und heimlich ze wegen brächten
u. s. w. 1, 166
b; du solt niht laszen, du redst (
conj.) ernstlich mit den steten, daʒ sie gedenken und den krieg anders in die hant nemen, dann sie noch biʒ her getan haben.
Nürnb. chron. 1, 159, 36,
dasz sie sich entschlieszen, darauf bedacht sind u. s. w.; gedenk und scheub in deinen drüʒʒel als groʒ klampen als ein saw.
grobianischer Cato in Zarnckes
d. Cato s. 148; dem befalch er, dasz er gedächte und niemands einliesze. Wickram
rollw. 185, 15; darumb solt ir gedenken und thun alle meine gebot.
4 Mos. 15, 40,
wie es scheint nur mit gedenken
so, nicht mit denken.
jetzt heiszt das im hausdeutsch denk dran und lasz niemand ein
o. ähnl., als verstärkter auftrag: lasz ja niemand ein. II@4@f@gγ)
auch folgendes gedenken
mit gen. gehört zugleich hierher, das bis jetzt noch sich fristet: was ist der mensch, das du sein gedenkest, und des menschen kind, das du dich sein annimpst?
ps. 8, 5,
vgl. Hebr. 2, 6,
auch Göthes
anwendung auf sich an frau v. Stein 1, 123. 138,
und aus älterer zeit z. b.: maister Jordan predigærordens (sô sein got zu guot gedenk!) ... Megenberg 196, 32,
einem verstorbenen nachgewünscht, möge gott ihn gnädig besorgen o. ähnl.; der armen leut ich auch gedacht, gab allda etlich pfenning aus.
weim. jahrb. 6, 329; allein das wir der armen gedechten, welches ich auch vleiszig bin gewesen zu thun.
Gal. 2, 10 (
μνημονεύωμεν),
obwol das nicht ein gedenken mit gabe ist; streu blumen auf die bänke und ordne das confeckt. vor allen so gedenke der kalten-schalen wol, dasz sie also, wie du sie selbsten gerne magst, uns wird gerichtet zu. Fleming 38 (
Lapp. 148).
jetzt doch lieber denk an die k.
oder vergisz der (
oder die) k. nicht;
vgl. aus Jes. 66, 3 wer des weyrauchs gedenkt (
als opfer bringt)
unter 2,
a, α.
ebenso bedenken,
z. b. einen mit gaben bedenken. II@4@gg)
dagegen tritt es auch in scharfem gegensatz auf zum thun und zur wirklichkeit (
vgl.gedanke 17,
c): ich möcht mich zu todt lachen, meinet ihr dann, dasz ich an sterben gedenke? Philander
ges. (1644) 168; ans umkehren ist doch nicht mehr zu gedenken. Schiller II, 134 (
räuber 4, 2),
die umkehr ist nicht mehr möglich, ich kann nicht mehr umkehren; an eine .. allgemein durchgreifende bildung aller stände und völker war damals noch nicht zu gedenken, und wenn wird daran zu gedenken sein? Herder
ideen 4, 340 (
schlusz),
eigentlich: wann wird die ferne wirklichkeit so weit sich in möglichkeit umsetzen, dasz man wenigstens einstweilen daran denken dürfte? vgl. daran ist kein gedanke
u. ä. sp. 1973.
und so schon mhd., z. b. in gottes verbot an Adam: (daʒ er) ze nieʒen niht gedæhte des wuocheres des der boum bræhte.
gen. D. 10, 28,
dasz er '
sich nicht einfallen liesze',
wie das jetzt heiszt; s. auch die stelle aus Walther
unter 2,
a, α des solt er (
der papst) niemer hân gedâht. II@4@hh) gedenken
als gesteigertes denken
erscheint auch gleich erdenken, ausdenken,
mit acc., mhd. und noch nhd. anfangs: gedenken,
excogitare. voc. inc. theut. h 3
b; sie dâchte: wenne er kumen ist, sô gedenke ich wol die list, daʒ min wille geschiet. Herbort 13450; so gedenkt der jurist aber ainen fund, der dem armman nit ist gesund, und zücht im die sach gen Mentz oder gen Rom.
teufels netz 3673; gedachte er ein strategema oder artigen kriegespossen, wie er die brüder ans land locken möchte. Schütz
Preuszen 47.
s. auch unter 3,
b mit gen., gedacht ime eins vortels. II@4@ii)
als gesteigertes denken
zeigt sichs auch in der bedeutung nachdrücklich denken, lange denken u. ä., z. b. II@4@i@aα)
in der noch gebrauchten drohenden wendung du sollst an mich gedenken,
kräftiger als denken (
das doch auch in gebrauch ist),
d. h. ich werde dir einen streich spielen, den du nie wieder vergissest: recht gut! sagte er. sie sollen aber an den gerichthalter denken! J. Paul
uns. loge 1, 115; du sollst mir dran gedenken!
an den vorfall, an den tag o. ä.; ich hett lust, ich sollt bei dem bart ihr etlich an ein stangen henken, dasz sie an mich theten gedenken. Ayrer 241
c (1202, 22). II@4@i@bβ)
ähnlich, rache drohend oder auch lohn und dank verheiszend ich werde dirs gedenken,
nicht vergessen (
s. schon unter f, α,
auch unter denken 20,
b),
z. b.: ersihe ich mein zeit, ich will dirs gedenken!
Wilw. v. Schaumb. 69,
mit rache danken, mich abfinden; wart, amtmann, ich will dirs gedenken! Hebel (1853) 2, 161,
vorher heiszt es entsprechend ich will dirs eintränken
s. 160; du lobst mich ins gesicht? das will ich dir gedenken. Lessing 1, 11; Reineke sprach: ihr sagt mir die wahrheit, ich danke zum schönsten für den herrlichen trost, und komm ich wieder in freiheit, werd ichs gedenken. Göthe 40, 145.
vgl. mhd. gedenken
gleich in gedanken behalten unter 2,
c, α. II@4@i@gγ)
daher hübsch von dankbarkeit: ehrlichen leuten ist gut ein kirb (
kirchweih) kaufen, sie gedenkens lang. Lehman
flor. 1, 134
unter dem worte dank,
das eben selbst ein gedenken ursprünglich bezeichnet (
sp. 1942
e),
und man könnte sogar diesz gedenken
und das unter β noch als '
dank wissen'
gemeint haben, da der dank
auch gedank
hiesz. II@4@kk)
ähnlich für so und so gesinnt sein, die gesinnung hegen: wenn sie (
die fürsten), wie wir, gedächten. Hagedorn 3, 47 (
s. unter 1,
c); o hätte doch jeder am vorhaupt geschrieben, wie er gedenkt. Göthe 40, 146. II@4@ll)
gleich meinen, wähnen, glauben, sich einbilden, '
fantisare'
voc. inc. theut. (
s. Dief.
unter fantasiari): ir wisset alle wol, wie man S. Christofel malet hin und wider, solt aber nicht gedenken, das je ein man gewesen sei, der also geheiszen habe
u. s. w. Luther 5, 313
a; er gdacht das solchs sein unglück schwer an der schlangen verschuldet wer. Waldis
Es. I, 26, 11; dasz mein junker etliche nacht bei ihr geschlafen habe, aber du must nicht gedenken, als ob sie alsbald eine hure sei. Schuppius 475,
wo das als ob
zu bemerken; wann ihr vermaineten es wäre ihm zuglauben, würdet ihr gedenken, dasz der Juppiter oft die speis der götter nit gewolt. 773. II@4@mm)
aber auch für klar und richtig denken, nachdenken u. ä., z. b.: nu kan ich doch keins sins (
keineswegs) gedenken, wie ich mit red mich mug gelenken, zu sagen, das mans klar verste und nit zu grob red darausz ge (
im ärger).
fastn. sp. 387, 9.
s. auch unter 1
manche stellen, z. b. mehr philosophisch bei Eckhart, Gottsched; im 15.
jahrh. perpendere gedenken (
und bedenken) Dief. 428
c. schön gedenken,
vom verse selber statt des dichters: (
dichter, der) sich sonst betrübt und in der seele kränket, wenn keiner achtung giebt, wie schön sein vers gedenket. Günther 377. II@4@nn)
auch für erachten, mit denken finden, entnehmen, bemerken u. ä.: was doch das werden möchte, oder was sie
draus gedenken solt. Luther 4, 138
b; das ist leicht zu gedenken,
hoc est existimatu facile. Aler 855
a; gedachte, dasz ihn diese wasserfahrt verspäten würde. Göthe 17, 135 (
s. unter 1,
c).
und noch manigfach anders gefärbt. II@55)
besonders bemerkenswert ist gedenken,
erwähnen, das zudem bis jetzt gangbar ist, genauer mit worten gedenken Henisch 1403;
es ähnelt dem gedenken
u. 4,
f, wo der begriff vom denken einer that ins thun selbst übertritt, hier vom denken in worten (
s. 4,
a, γ)
in wirkliches reden. doch mischt es sich zugleich mit dem folgenden gedenken
sich erinnern, wie man denn auch von einem besuche z. b. erzählt: er hat sich auch deiner erinnert,
hat dich erwähnt, nach dir gefragt u. ä. ähnlich ist auch lat. memorare, commemorare. II@5@aa)
urspr. mit gen., wie das eigentliche gedenken (2,
a, α)
und wie erwähnen
gleichfalls, schon mhd. ganz geläufig (
wb. 1, 347),
z. b.: ern gedâhte iuwer nie wan wol, als ein rîter s'andern sol.
Iwein 2515,
sprach von euch nur mit guten worten, die lôsen scheltent guoten wîben mînen sanc und jehent daʒ ich ir übel gedenke. Walther 58, 31,
von ihnen übles singe und sage; der uns fröide wider bræhte diu reht und gefüege wære, hei wie wol man des gedæhte swâ man von im seite mære. 65, 3,
wie man oder wie ich (
als sänger)
den preisen würde; vgl. nachher Luther
zu 2 Mos. 23, 13; wer god nicht forchtit in siner tad und gotis diner obil gedenkit und uf geistliche lute tribit spot ... Rothe
rittersp. 3334.
nhd.: und sind (
heiszen) denkbrot darumb, das sie damit gottes gedenken und von im predigen sollen gleich wie Christus uns befilhet, das wir sein gedenken, das ist seinen tod verkündigen und predigen sollen. Luther
gl. zu 3 Mos. 24, 7 (
Binds. 7, 488); anderer götter namen solt ir nicht gedenken.
2 Mos. 23, 13,
mit der gl. gedenken heiszt hie so vil als predigen, rhümen, danken, gottesdienst pflegen (
Binds. 7, 485); angeregts narren (
d. h. des Claus narr) hab ich von denen, so in gesehen, gedenken hören, dasz der löbliche churfürst zuo Sachsen, der in damals erhalten, im hab müssen zuo seinem gar kleinen pferdlein ein eigenen stall zuo Weinmar im schlosz bauwen laszen. Kirchhof
wend. 1, 427
Öst., wo das erwähnen völlig in ein erzählen übergeht. die bedeutung hatte sich so vorgedrängt, dasz sie z. b. Aler
voranstellt: gedenken,
melden, eines in ehren gedenken. 855
a.
noch jetzt, doch wieder zurückgeführt mehr auf bloszes erwähnen, beiläufiges besprechen, z. b. es ist dort auch deiner gedacht worden,
auch in allen ehren, im besten gedacht worden,
wie vorhin mhd. wol gedenken,
in gutem sinn und guten worten, auch ze guote,
noch im 15. 16.
jahrh.: kein seit mir nie so susz mocht klingen, als wan man ewer (
der geliebten) zu gut gedenkt. Rosenblüt
fastn. 1143.
im folgenden mit nennen
wechselnd, doch mit einer gewissen feierlichkeit: so werde ich durch einen vorwurf angehalten, den ich mir mache, dasz ich (
unter den förderern meiner farbenstudien) .. meinen unersetzlichen Schiller nicht genannt habe. dort aber empfand ich eine art von scheu, dem besonderen denkmal, welches ich unserer freundschaft schuldig bin, durch ein voreiliges gedenken abbruch zu thun. Göthe 54, 309. II@5@bb)
dazu eines im gebete gedenken, gegen gott
u. ähnl., für ihn mit bitten, ihn mit nennen im gebete: der tôten beteliuten hieʒ man vüeren spîse, daʒ si ir (
der todten) gedæhten gegen gote.
Gudr. 949, 4; dorumb bit ich alle, die das buch habent, lesent oder hörent lesen, das sie min gegen got gtlich gedenkent. Schiltberger
a. e., gtlich
gleich in gutem,
mhd. ze guote
u. ä. (
s. u. a); helfen mir gedenken aller guttäter myner kirchen, die kurzlich verscheiden sind, insonderheit des erbern mans
u. s. w. und helfen mir auch gedenken des edlen
u. s. w. P. Olearius
de fide concub. bei Zarncke
univ. 1, 94,
die kirchliche formel beim todtenopfer, hier freilich schlimm verwendet; wir ... gedenken ewer in unserm gebet on unterlasz.
1 Thess. 1, 2; das ich on unterlasz dein gedenke in meinem gebet.
2 Tim. 1, 3.
auch denken
ebenso, z. b.: der mann rief bald dem betler wider .. sehe, hab dir das! denk ir (
meiner frau) dabei, geb (
s. sp. 1710
g) das ir seel bei gotte sei. Waldis
Es. II, 80, 33,
d. h. hier nimm die gabe und bitte in dem dafür schuldigen gebete auch für sie mit. Bei jenem gedenken der verstorbenen erscheint aber auch dativ und acc., bair. einem
oder einen gedenken (denken),
beim gottesdienst durch ablesung seines namens, '
diesz gedenken
dauert in gröszeren pfarreien oft über eine viertelstunde',
s. Schmeller 1, 383. II@5@cc)
auch mit dat. der person: das, wovon ich euch gestern gedachte. Ludwig 705.
dazu mit an, etwas gegen einen erwähnen: ich bitt dich, wöllest dich solcher wort nicht mehr gegen mir gebrauchen, denn so oft du mir daran gedenkest, ein schneidend schwert mir in mein herz stoszest.
buch d. liebe 234
c; wenn man an ein frembd land und reisen ihm gedachte. Fleming 136 (
s. u. 4,
e ).
mhd. mit gen. der sache, so wol in der stelle wb. 1, 348
a, swer ir des widerbringens nu gedenket.
das an
noch im 18.
jh.: an etwas nicht gedenken,
silentio praeterire, mentionem intermittere. Aler 855
a; daran man nicht gedenken soll,
res indigna memoratu. 855
b. II@5@dd)
der acc. schlich sich ein durch es,
worin gen. und acc. ins verschwimmen kamen (
s. schon unter 2,
a, γ): im land ob der Ens henget Max im hohen gebirg aber den gembsen .. nach. als er nun in alle höch kame, gedaucht in die wend mürb und faul. er kund es kaum gedenken, brach ein stein under im. S. Frank
clav. zum Teuerd. § 59 (
s. 118
Halt.),
konnte kaum ein wort davon sagen gegen seinen begleiter, denn es entspricht den worten im gedichte: er het kaum aufgethan das maul ( : faul), ein stain under dem Tewrdank brach. 59, 23.
mit nichts, dieses
u. ä., dann entschieden accusativisch etwas, viel
u. ä.: aus dem Plinio, Atheneo, Dioscoride .. und anderen, so hie von etwas gedacht. Fischart
Garg. 174
b (
Sch. 320); dasz sie mir aber die thür hat weisen lassen, das gedachte sie mit keinem worte. Henisch 1403; ich habe dieses einsmahls gegen einem weisen gedacht. Olearius
ros. 7, 10,
wo dieses
auch noch gen. sein kann; wie es selbiger autor mit gedenket. 7, 13
anm.; von diesem schach- oder königspiel etwas mehr zu gedenken, so ..
das.; ich will aus selbiger historie .. etwas, so viel hierzu vonnöthen, gedenken und an einem andern ort die ganze historie erzehlen. 1, 42
anm. a; es ist unnöthig, dasz
meiner gedacht werde, und darumb hast du nichts bei ihr
von mir zu gedenken.
pers. baumg. 3, 15; will ich von der insel etwas mit mehren gedenken.
pers. reis. 2, 3; ich höre, dasz jüngst auf dem creistag zu Lüneburg etwas davon gedacht sei. Schuppius 333; ich gedenke nur etwas weniges vom reimenmasze, einmal, dasz die endungen
u. s. w. Logau
vorr. A 1
b; soll ich von den groszsprechern etwas gedenken? Rabener 5, 184; nichts von der ungleich gröszern länge meiner ohren zu gedenken. Wieland 12, 272; weil die briefe nichts von dem, was die hrn. voyageurs weiter vorhaben, gedenken.
ders. in Mercks br. 1, 182.
schon im 16.
jh. auch rein transitiv mit wort: ist auch kein wort davon gedacht worden. Luther
br. 1, 349, kein wort
als ausgeführteres nichts. II@5@ee)
das von, das da so oft neben etwas, nichts
den eigentlichen gegenstand der erwähnung bezeichnet, erscheint dann auch unmittelbar so bei gedenken (
wie auch in der bedeutung denken unter 2,
b, β,
schon mhd.): wie bald mit mehrerem davon soll gedacht werden. Olearius
orient. ins. (1696) 150; in diesem capitel wird auch gedacht von des königs Salomons heirat. Schuppius 23; von den übrigen zuständen nicht zu gedenken. Wieland
in Böttigers lit. zust. 2, 171; von alle dem, was einmahl abgeschlossen ist, gedenke ich weiter nicht. Heynes
briefe an J. v. Müller 78; von der absicht, die man hat, wäre es vielleicht besser nicht zu gedenken. 99.
das mutet uns jetzt fremd an. II@5@ff)
ebenso gedenken
mit folgendem dasz, wie, was
u. ähnl., wie denn auch der begriff im folgenden erweitert erscheint, gleich unserm äuszern, aussprechen, bemerken
u. ä.: da werden die page, die laqueien, die stiefelschmierer ... gegeneinander gedacht haben, was Johannes für ein alberer einfältiger pfaff sei. Schuppius 243,
geäuszert, bemerkungen gemacht; da wird etwan der frauenzimmers aufgetreten und gegen die hofjunkern und andere cavallier gedacht haben, was das sein solle? da stehe der pfaff und schelte ihre fürstliche gnaden für einen ehebrecher.
das.; dasz in allen wissenschaften auch unter den gemeinen handwerkern die allergeschickteste (
unterrichtetsten) gefunden werden, das der, so mit ihnen umbgehet, sich schämen musz, zu gedenken dasz er studiret habe. 538,
ein wort davon fallen zu lassen; in diesem capitel wird gedacht, wie Salomo den tempel gebauet habe. 47; weil in h. schrift gedacht wird, dasz gemeine leute ihre weingärten umbzäunet. 98.
später nur in der fortgeführten formel nicht zu gedenken, um nichts davon zu sagen: die gemeinsame speisung gewöhnte die bürger miteinander zu leben .. nicht einmal zu gedenken, dasz man dadurch zugleich einem ungeheuren aufwande entgienge. Schiller IX, 149 (
gesetzg. des Lyk. u. S.),
was doch zugleich übergeht in: um nicht daran zu denken, aber es ist eigentlich gleich der formel zu geschweigen, (ich) geschweige,
wo das zu verschweigende eben doch auch kurz gesagt wird. II@5@gg)
endlich auch bloszes gedenken
in gewissen wendungen, passivisch: nachdem ich also, wie zuvor gedacht ist, bin gefraget worden. Schuppius 628,
eine lange beliebte wendung, auch kurz wie zuvor gedacht.
dazu der gedachte, gedachter,
der erwähnte, besagte u. ähnl., aus dem canzleistil: und (
Luther) ist mit seinem gemt in ein solche unsinnigkeit gefallen, das er gloriirt, sei der gedacht Huss ein mal ein ketzer gewesen, so sei er zehen mal ein ketzer.
kais. edict wider d. M. Luthers bücher in dessen schr. 1, 458
b;
noch kürzer mit weglassung des artikels: heutigs tags .. ist nit allein gedachte baukunst .. in blühigem wäsen. Fischart
embl., vorber., bei Wackern. 183; dazu eines neidigen .. schmachspruch von gedachtem glückschiff.
ders. auf dem titel des glückhaften schiffs von Zürich. auch oft gedachter, vorgedachter, jetztgedachter, mehrgedachter
N. N. u. ähnl. II@66) gedenken
für zurück denken, sich erinnern, eingedenk sein, der noch jetzt geläufigste gebrauch, wie bei dem entsprechenden gedächtnis,
das ursprünglich zu allen bedeutungen des gedenkens
gehörte. im 16.
jh. auch eingedenken (
und eindenken),
s. Luther
bei Dietz 1, 502
a,
wo eingedenken sein
participisch ist für eingedenkend. II@6@aa)
für zurück denken überhaupt, als welches es auch mehrfältig genauer bezeichnet wird, zu ruck gedenken Henisch 1405, 21 (
s. u. 4,
b), widergedenken
recordari Dasyp. 314
a,
auch hintergedenken, hintersich gedenken
reminisci Melber v 2
b (
s. unter gedächtnis 3,
a):
post hominum memoriam, so lang die menschen gedenken Dasypod. 133
c, als lang man gedenken mag Maaler 160
d; und sie haben sich solcher ecker und gueter fur sich gebraucht mit weide oder ander nutzunge .. und ist solchs bei herrn Waltern von Kronenberg seligen .. also gehalten worden (
folgen weitere namen) also lang iemand gedenken mag.
weisth. 5, 273
und so oft in solchen rechtsbezeugungen (
vergl. gedenksmann),
auch erdenken,
für denken,
und einfach denken,
z. b.: länger dann iemand erdenken möge. 1, 400,
gründlich, weit zurück denken; länger hinter sich dann kein mensch für denken möge. 1, 401, für
gleich weiter (
dazu unvordenklich); und ein ieder (
zeuge) schal können denken 36 jar. 4, 707,
auch sich besinnen 4, 434;
s. auch unter gedächtnis
sp. 1931,
und das subst. gedenken 2. II@6@bb)
der gegenstand des gedenkens
im gen.: die wir von alder her hân brâcht von der zît der nîman (
unter uns) gedenkin inmach. Höfers
urk. 65,
herkommen von unvordenklicher zeit; aber gedenk meiner, wenn dirs wol gehet.
1 Mos. 40, 14; wir gedenken der fische, die wir in Egypten umb sonst aszen. 4
Mos. 11, 5; ich lige unter den todten verlassen, wie die erschlagene, die im grab ligen, der du nicht mehr gedenkest.
ps. 88, 6,
zugleich doch zu 4,
f, wie oft, d. h. für die du nicht mehr besorgt, bedacht bist; dein gebet ist erhöret und deiner almosen ist gedacht worden fur gott.
ap. gesch. 10, 31; und unsers namens wird mit der zeit vergessen, das freilich niemand unsers thuns gedenken wird.
weish. Sal. 2, 4; was sollen wir denn thun? was sollen wir ihm schenken, dem freunde, der uns liebt, ümm unser zu gedenken? Fleming 40 (
Lapp. 142);
und so bis jetzt im gewählten ausdruck, während im hausdeutsch doch denken an
dafür herscht, z. b.: und gedenken sie im beszten ihres ganz ergebenen Ernst.
Mercks br. 2, 264; gedachte er Ottiliens. Göthe 17, 135 (
s. unter 1,
c);
auch im folg., weil der gen. namen
seine färbung auf das unflectierte wort erstreckt (
s. in Zachers
zeitschr. 4, 360): wer ist hier so jung an jahren .. der verehrend nicht gedächte solcher namen hochgewicht? Göthe 4, 44 (
festzug),
entsprechend dem dann folgenden gedächtnis.
vgl. gedenkemein.
doch auch im 16.
jh. schon mit an (
s. 2,
b, α): gedenk an uns,
bis unser eingedenk. Maaler 160
d; er gedacht an sein heiliges wort, Abraham seinem knechte geredt.
ps. 105, 42. II@6@cc)
aber auch mit acc., zunächst bei es, das
u. ä. (
s. dazu 5,
d): wer wolthat empfangen hat, der soll es gedenken, nit der sie hat erzeigt. Henisch 1406; wer kans allzeit so eben (
genau) gedenken.
das.; ich gedenks wol,
bene memini; worbei man unschwer abnehmen kan dasz sie nicht mehr jung gewesen, weil sie so wol als ich die erste einnehmung der vestung Frankenthal gedachte.
Simpl. 3, 254
Kurz (
Springinsf. cap. 21),
sich ihrer erinnern konnte, sie mit erlebt hatte, eigentlich doch: sich vorstellen konnte; gelangten wir ... nach Küsznacht, wo wir landend ... die Tellen-capelle zu begrüszen und jenen der ganzen welt als heroisch-patriotisch-rühmlich geltenden meuchelmord zu gedenken hatten. Göthe 48, 134 (
aus m. l. 19),
eigentlich auch zugleich zu 2,
a, β,
sich lebhaft vorstellen. auch im pass. daher mit nom. statt gen. zuweilen: denn das leidige exempel billich in ewigkeit zu gedenken und nimmer mehr zu vergessen ist. Luther 3, 235
b. II@6@dd)
ursprünglich auch mit abhängigem satze: da er (
der jugendfreund des abtes) gesagt wer er were .. sahe in der abbt stolzlich an über die agseln und sagt, der ding hett er nichts mer in gedechtnüs, wenn (
denn) er kum gedecht, mit wem er gestert gehandelt hett. Aug. Tünger
facet. 143 (qui vix meminisset
s. 67); ich gedenke, dasz ich einmal aus dem mund eines Franzosen höre: provision en saison
etc. Schuppius 738,
das wunderliche praes. höre
ist lat. gedacht, nach memini me audire.
diesz dasz, wie
brauchen wir noch bei ich erinnere mich
und bei gedenken
doch nicht mehr, wol aber wenn wirs umschreiben mit ich denke noch dran,
wie das in lebendiger alltagsrede vorkommt, aber auch dieses gedenken
ist eigentlich eben nichts anderes als ein lebhaftes denken. II@6@ee)
aber auch mit umspringen des obj. ins subj. mir gedenkt etwas,
ich erinnere mich, schon mhd. beginnend (
auch mnd., s. Sch.
u. L. 2, 28
b,
mnl. Oudemans 2, 389
fg.): sît daʒ ich alleʒ sagen muoʒ, daʒ mir von ir gedenket, ir lîp was wol geklenket
u. s. w. Meyer
u. Mooyer
altd. dicht. 4, 53; do huop men ane, die stat zuo beslieszende nahtes (
vor den feinden) ... und keinre was so alt, dem do gedôhte oder gesehen hette die stat vormôles ie beslieszen.
Straszb. chron. 797, 15; mir gdenkt, das wir beid narren woren. Brant
narr. 76
überschr.; krachen mir (
altem) dbein und trüft mir dnas, mir gdenkt wol das es besser was. Gengenbach
s. 71, 657;
numquid meministi, gedenkt dirs nit? Alberus t 3
a; dann mir gedenkt wol, das junker Burkart ... der enden etwas erz gesucht. Trurneisser
wass. 171; gebot und verbot hetten die herrn graven von Sain, so lange ihnen (
den versammelten lehenleuten) gedenke, alleine gehapt.
weisth. 1, 646; er nannte ihn recht den alten, dann ich glaube dasz ihm die schlacht vor Pavia noch gedachte.
Simpl. 1, 224
Kz. (2, 29),
d. h. dasz er dabei gewesen; es mag sein (
dasz diesz der ursprung des namens bärenhäuter), mir gedenkt so weit hinaus nicht, dasz ich nachricht darvon geben könte. 4, 302, 11; es gedenkt mir noch von meinen jungen tagen her, dasz ich auf ein gewisses fest mit meinem vater ausgieng. Olearius
pers. baumg. 9, 16.
noch landschaftlich, z. b.: ein sölcher sturm der gedenkt einem. Bindewald
oberhess. sagenb. 35; es wird ihnen ewig gedenken. 42;
auch denken
so: es denkt einem nicht, wanns gewesen ist.
das. 93; es denkt noch manchem, dasz Petershain wie ein kleines dorf war. 192,
auch z. b. bei Göthe,
s. u.denken 22.
entsprechend heiszt es auch mir vergiszt Alberus t 3
a, es ist mir vergessen,
ex memoria cecidit Dasyp. 133
c,
und diesem wieder entsprechend mhd. mir ist gedâht
oder ungedâht
mit gen. (
wb. 1, 343
b, 48. 344
a),
in dem sinne: ich habe daran oder darüber gedacht, bin gesonnen, gedenke, denke daran u. a., woraus denn jenes mir gedenket
begreiflich wird. II@6@ff)
eigner weise aber auch mich gedenket,
worin das gedachte seine neue geltung als subject gleichsam vollends durchsetzt über das eigentliche subject und dieses zum object macht: mich gedenkt das vor alten jahren, da wir noch junge mäuslin waren.
froschmeus.; mich gedenket der zeiten meines vaters. Olearius
pers. baumg. 9, 12,
wo denn auch der gen. von ich gedenke
sich geltend macht; meinstu, dasz nach zwanzig jahren einen alten dis gedenket? Hoffmannswaldau
getr. sch. 167; es gedenket mich nicht, dasz mir jemand recht erwiesen hätte, dasz ..
sterb. Socr. 81; wie? was erzehl ich einen traum? zum wenigsten gedenkt michs kaum. Günther 196; es stirbt kein mensch so jung, den nicht ein fall (
fehltritt) gedenkt. 834.
s. auch mich denkt
so (
auch bei Lessing) II, 939.
beides ist z. b. noch schlesisch, so lange michs denkt, es gedenkt mich,
s. Weinhold 14
a. II@6@gg)
noch anders es gedenkt mich,
ich bin der meinung: es gedacht mich auch gerathner sein. Conr. Helt
in Melanchthons op. ed. Bretschn. 1, 475.
das gewöhnliche wäre gedaucht (
s. d.),
doch mag gedacht
kein druckf. sein; in oberschwäb. rede wäre der tausch beider formen schon äuszerlich begreiflich, da dort altes â
zu au
wird, aber auch innerlich ist nach dem gebrauch u. f gedacht
wol möglich, gleich dem mhd. mir ist gedâht.
vergl. augsburgisch gedaucht
für gedâchte
z. b.: als nun ain rat vernommen hett des bischofs begerung, da
gedaucht sich ain rat ainmüetiglich und sprachen.
städtechr. 5, 210,
bedachte sich, vergl. das folgende. II@77)
endlich ein mehr oder ganz äuszerliches wechseln von ge- und be-, das auch hier deutlich zu beobachten ist (
s. unter ge-II, 7,
b).
s. schon unter 6,
g das augsb. gedaucht sich,
unter 2,
a, β aus Vintler gedenken
für bedenken;
ebenso umgekehrt: wie es aber seinen räten ... under den ungetreuen Ungern gegangen, hat ein verständiger bald zu bedenken.
Wilwolt v. Schaumburg 77,
wo sonst gedenken
steht (4,
n).
Ähnlich im 17.
jh.: darauf gab ich mich zu frieden und
be dachte mich auf eine schleunige rach.
Simpl. 3, 86, 26
Kz. (
Courage c. 17),
wo die ausg. 1684 2, 178
ge dachte mich
hat (
vergl. unter 2,
e).
jenem entspricht das noch geltende ich bin bedacht,
aber das hiesz eben auch gedacht: dahin gedacht sein,
sibi proponere aliquid, er ist dahin gedacht gewesen, dasz er .. Schönsleder L 1
b (
zu hin
s. unter 4,
c); einer reichen tochter, die ermelter kerl zuheirathen gedacht war.
Simpl. 4, 236, 15
Kz. und schon im 15.
jahrh. mit gedachtem muot Wackern.
leseb. 1839 941, 16,
mit bedachtem, wol überlegt; in den vocc. inc. teut. wechseln gedacht
und bedacht,
recordatus Dief. 487
c.
s. auch bedechtnis
gleich gedächtnis
sp. 1928, gedacht
subst. gleich bedacht
sp. 1926, gedenk
und bedenk
unter gedenke 3.