Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
knabe swM.
2 ‘Jüngling, junger Mann’
2.1 allg.
2.2 mit der Konnotation der (jugendlichen) Unbesonnenheit und Wildheit
2.3 unter rechtl. Gesichtspunkten
2.3.1 unverheiratet ‘Junggeselle’
2.3.2 junger Mann in dienender Stellung, Bediensteter (vgl. z.B. dienestknabe , hoveknabe , küchenknabe , lêreknabe , lërnknabe )
2.4 junger Adeliger, der an einem Hof dient (vgl. edelknappe ), aber auch bezogen auf einfache bewaffnete Kämpfer
1 ‘Junge’ (noch nicht volljährig, i.d.R. unter 14/15 Jahren): si hôrte dâr inne [im Körbchen] weinen / einen wênigen chnaben [Moses] Exod 241; do ez kam zuo dem fünften jâre, / dô wart er ein sô hübscher knabe. / man begunde in die buochstabe / wîsen unde lêren Eracl 397; nu erwachten ouch diu kindelîn, / Kardeiz unt Loherangrîn: / [...]. / Kyôt der zühte rîche / bat die knaben dannen tragn Parz 801,21; wan ich der jâre bin ein knabe / und ich der witze niht enhabe, / daz ich gescheiden müge den strît KvWTroj 1791; wan Ruͤdiger der vorgenande knabe noch ze sinen tagen nicht komen ist, als vorgeschriben stat UrkZürich 11,295 (a. 1331); UrkCorp (WMU) N784,11 2 ‘Jüngling, junger Mann’ 2.1 allg.: mit heiliclichin dingen / loste man dú eltesten kint, / dú noh knaben genennet sint / und wahsen solten ze man RvEWchr 10699; ie der man nem in den muot sîne frouwen schœne, / ie der diernen wirt ein knabe, alsust ein jungelinc KLD:UvW Leich 3,114 2.2 mit der Konnotation der (jugendlichen) Unbesonnenheit und Wildheit: in der dörper dicke [Gedränge] / weiz ich ninder zwêne vor, / die mit ebenhiuze [im Wettstreit] / sich zuo zin gelîchen. / inder zwêne knaben Neidh WL 33:5,7; als ein tœrehter knabe / loufet für des küneges tisch HBirne 156. 204; dort ûze hielt ein strenger knabe, / der gerte tjoste reht als ê Parz 290,6. 736,25. – unter diesem Aspekt auch auf Riesen, Monster und andere, außerhalb der gesellschaftl. Ordnung stehende Personen bezogen ‘Kerl, Bursche’ [der Löwe] zart im cleit unde brât [Fleisch] / als lanc sô der rücke gât / von den ahseln her abe, / unz daz der michel knabe [der Riese] / als ein ohse erluote Iw 5056; dô der ungevüege knabe [vgl. der rise (V. 5525)] / begunde sîgen [sinken] ûf diu knie Er 5553; im dientte och besunder / starker ryssen wunder, / uss den er vier zechen koss, / die alle schwertt und stangen gross / mitt manhaitt kunden füren. / wenn die knaben rüren / da mit wolten in nott, / der was endlichen tod GTroj 5762; doch was der werde Cyprian / gegen dem ungestalten Kolkan / verr mer gevëre / denn er dem wilde wëre, / dem vil ungenemen knaben [vgl. dreyssig jar alt (V. 4474)] HvNstAp 4599; er kerte zu dem möre / und slug im ains an das ore, / [...] / da pat in der schwartze knabe / das er in liesse leben ebd. 19505; Appolonius zehant / nam im den brieff ab, / Albedacus der alte knab [vgl. der greyse (V. 4845)] / floch von dannen drate ebd. 7046; er [Simon Magus (vgl. Apc 8,9ff.)] hat den sin dar an gewant, / daz er si ein tuvels knabe Pass I/II (HSW) 20591 2.3 unter rechtl. Gesichtspunkten 2.3.1 unverheiratet ‘Junggeselle’ swenne der jungelinc ze vierzehen jâren komen ist, sô nimet er wol êlîch wîp âne sines vater willen. [...], alsô ob si ir vleisch ze ein ander habent gemischet, beidiu der knabe und diu juncvrauwe; und ist des niht geschehen, sô mac man si sundern SpdtL 122,10; vnde wanne wir vnser tochter dem selben cnaben zuͦ legen UrkCorp (WMU) 3381,18 2.3.2 junger Mann in dienender Stellung, Bediensteter (vgl. z.B. dienestknabe , hoveknabe , küchenknabe , lêreknabe , lërnknabe ): sîn bovel man dort vor [beim Einzug in die Stadt] ersach: / garzûne, koche unde ir knaben / heten sich hin für erhaben Parz 18,23; sîne gesellen und die knaben / die man zer küchen ouch bedarf Wig 8862; der meister, der zukt daz brot her ab. / nu sage furbaz, lieber knab! / dine mere, die sint gut StrKD 58,II 250; ouch ist zu wissende, welre knabe [als Lehrling] huszgenosse werden wil, wer dann das gelt darwürffet für den münszmeister, der sol ouch geben [...] die fünff pfunt eime örtermeister DRW 7,1131 (StraßbMünzg.; um 1330); welich meister einen knaben oder einen knecht daz antwerg lerte UrkStVerf 412 (a. 1352) 2.4 junger Adeliger, der an einem Hof dient (vgl. edelknappe ), aber auch bezogen auf einfache bewaffnete Kämpfer: sus wart bevolhen dâ der knabe. / [...] / der fürste fuorte den knappen widr Parz 345,12. 138,9; nu was durch hovezuht gesant / ein werder juncherre dar, / [...] / sîn vater was von Swâben / herzoge vil gewaltec, / [...] / der selbe knabe reine / des tages dâ ze hove gie KvWHvK 60 u.ö.; Wig 1602; der grêve von dem Berge vil / knabin edler slachte / zu ritteren dâ machte NvJer 24698; tûsent erwelde rittêre gût, / manich tûr edel knabe mit in Kreuzf 6399; einer sîner juncherren dâ / im fûrte ein swêre lanzen nâ, / von Ebenleiben, [...], / Albert mit namen, ein edel knabe ebd. 4094; dô kom ritter unde knab / unde viengen di alten zehant EnikWchr 17016; vünfzehen knaben er gewan, / [...] / iegelîches harnasch was guot, / ein panzier und ein îsenhuot / und ein kiule wol beslagen Er 2344 (vgl. zur Sache kipper ); er sante [...] / darzû von brûdren unde knaven [ multis fratribus et armigeris ] / kegn Lîflant ein michil her NvJer 21021; da wart ein michel gedranch / zwisschen den heiden unt den christen. / mit vil ritterlichen listen / bewarten sich die gotes knaben [christl. Kämpfer] StrKarl (S) 5453
MWB 3,1 384,57; Bearbeiter: Diehl