grob,
adj. form und verbreitung. das wort scheint altheimisch nur auf hd. und nd. boden; dann spätanord. grōfr '
grosz, grob'
stammt aus dem nd., engl. gruff '
barsch, roh'
aus dem nl. ältester beleg cropa zascruntan
fissura Graff 2, 356 (
hraban. gloss.)
; häufiger erst bei Notker (1, 705, 2; 722, 10; 819, 2; 837, 17;
vgl. 852, 10. 24),
der bedeutung nach bereits voll entwickelt; in der classischen mhd. dichtung fehlend; erst seit der 2.
hälfte des 13.
jhs. häufiger, zumal auf md. boden; mnd. und mnl. reich entfaltet. bei Notker
bis auf 1, 837, 17
stets gerob,
ebenso das abstractum als geroubi 1, 852, 8. 17 (
vgl.gröbe),
aber das e
wird sproszvocal sein. die etymologie ist schwierig; an auszergerm. beziehungen bietet sich lit. grubùs
holperig, grumbù, grúbti
holperig werden;
lett. grumba
runzel, abg. grbŭ
grob, rauh, s. Franck 217
b;
auf eine ähnliche grundbedeutung führt auch die bedeutungsgeschichte des deutschen wortes; höher hinauf ist wurzelverwandtschaft mit grosz wohl möglich, vgl. Falk-Torp 1, 350.
bedeutung und gebrauch. die schwer zu durchschauende bedeutungsentwicklung ist nur zu verstehen bei der annahme, dasz der quantitätsbegriff '
massig, dick',
den man gewöhnlich als die grundbedeutung ansieht, nicht primär ist, dasz vielmehr ausgegangen werden musz von der bedeutung '
uneben, rauh',
die auch die idg. parallelen nahelegen; sie ist freilich frühzeitig überwuchert worden durch die quantitative bedeutung, die sich auf dem wege über '
bröckelig, grobteilig'
entwickelt haben mag (
vgl.grosz),
bricht aber in vielfachen veränderungen u. färbungen des quantitätsbegriffes immer wieder durch, wenn sie auch nur in wenigen gebrauchsweisen rein zu tage tritt; immerhin gehört sie an den anfang. AA.
grundbedeutung: uneben, rauh. heute nur noch im abstractesten gebrauch, in der anwendung auf menschen (
s. u.F),
voll lebendig; im älteren nhd. noch entwickelter. A@11)
zunächst ganz sinnlich: aspera tactu rauch und grob anzerüren Frisius
dict. (1556) 1288
a; die grobe rauhe händ weiss und glatt zumachen Sebiz
feldbau (1579) 78; nim der groben birckenrinden, die unden vom baum herab fallen Gäbelkover
arzneibuch (1595) 1, 83;
das kennt auch die neuere sprache noch: die muskeln sind .. mit einer groben rauhen haut überzogen Göthe 37, 347
W.; vgl. dem uralten brauch .. liegt gewisz
ein frommes gefühl zu grunde, aber
es steckt in einer groben hülle D. Fr. Strausz 6, 17;
der abstractere gebrauch im sinne '
rauh, wild'
dagegen wesentlich im älteren nhd.: der Christo ... aufm rauhen, groben und unebenen weg ... der tugenden nachfolgt Albertinus
hirnschleifer (1664) 302; das heilig wasser entspringt ausz groben bergen und ungehobelten felsen Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 130
b; ist .. uber das grob und hoch gebirg gangen Guarinonius
greuel d. verwüstung (1610) 315; noch umgibt uns ocean grober wasser Herder 6, 190;
ganz vom sinnlichen ausgangspunkt gelöst: so ist Ybernia ain grob hert land, da weder wein noch ander edel frücht innen wachsen
Fortunatus 74
ndr.; ich schicke meyn tochter nitt in dasz ferre grobe land (
Dänemark) Vogelgesang
heiml. gespräch 23
ndr.; eyn birgig unfruchtbar landt und wie under eynem groben hymel gelegen Franck
weltb. 95
a; das gantz jar wurde feucht, schwer, grob und ungesund sein J. B. Grass
schöne historie (1570) 194;
von schlechtem wetter bis heute im österr.: endlich ward das wetter 'grob' (
es regnete) W. v. Chézy
erinn. 2, 183; (
er) liegt untán frei'n himmel, is's grob oder schen Pailler
weihnachtslieder u. krippenspiele 1, 187;
auch ganz inconcret: der sig ist zuo grob, der mit bluot ligt ob Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 53
a;
rauh in der wirkung, '
scharf, stark': man musz oft einen mit groben, scharpfem saltz reiben Lehmann
florileg. polit. 2, 749; es sind aber
gar grobe rauhe artzneien und deszhalben nicht liederlich zubrauchen Gäbelkover
arzneibuch (1595) 2, 158;
etwas anders (
mit anklang an F 2): es sieht einer groben baurenartzney gleich Wirsung
arzneibuch (1588) 554
c. A@22)
das alter dieser bedeutung erweist der schon im ahd. bezeugte gebrauch für '
rauhe'
töne von jeglicherlei art: taz aber in nideren esten dero erdo sih nâhta, daz lûtta gerobo
gravitas rauca quatiebat Notker 1, 705, 2;
ähnlich 1, 722, 10; sang also grobo sô Dores singent 1, 837, 17; welhes menschen überprâwe vil hârs habent und rauch sint, der ... und ist sein sprâch unrain und grob Konr. v. Megenberg
buch d. natur 45, 17; mit grober grausamer stym (
er) sprach Arigo
decam. 85
lit. ver.; im zorne schreit er (
der rollaffe) mit tiefer und grober stimme Brehm
thierl. 1, 231
Pechuel-Lösche; das (
sc. zöttlin von dem wullen tuoch) nympt den saiten das kesseln oder dye gröbe onfreuntlich hallung oder thonung Virdung
musica getutscht (1511) F 1
b; kriegt dieser resonanzboden .. einen sprung, dann .. geben (
die saiten) einen dumpfen, groben ton Nestroy 1, 46;
aus '
rauh'
entwickelte sich die bedeutung '
tief'
: bassa vox grob und nyder stym Brack
vocab. rer. (1491) 40
a; das du das selbig für die grobst oder nidrist stym des clavicordis .. magst erkennen Virdung
musica getutscht (1511) F 3
a;
so schon ahd.: also imo ouh tie andero (
saiten) so uilo gerobor inquedent, so uilo so si lengeren sint Notker 1, 852, 10;
vgl. 24; (
die saiten) die etwas schlaffer angezogen waren, die grobe stimme machten E. G. Baron
instr. d. lauten (1727) 12;
von musikinstrumenten: grobes horn Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 4, 490; und streicht den groben violon Stoppe
Parnasz (1735) 91;
auch von dunklerer farbe des tons, '
dumpf': und die kartaune töhnt den groben leichenklang Stieler
geharnschte Venus 8
ndr.; dann der messing laut von natur grob und der stahel cleyn Virdung
musica getutscht (1511) F 1
b; etliche bliesen sehr klahr und helle, ander wieder grob und dunckel Dapper
Africa (1671) 609
b;
dies eine sehr geläufige antithese: das war ein blöcken, quäcken, quacken ... so grob, so klar, so mancherley Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 114; sie (
die biene) sang bald grob, bald klar Fr. Kind
ged. 3, 127; handelte es sich nur um zweistimmigen gesang, oder um 'grob und fein', wie wir es bequemer nannten Hoffm. v. Fallersleben 7, 11
Gerstenberg. BB.
nicht minder alt, aber viel ausgebreiteter ist grob
als quantitätsbegriff: '
dick, stark, umfangreich, grosz' (
gegensatz '
dünn, klein')
; grossus Diefenbach 270
b;
nov. gl. 198
a;
vgl. die alten, formelhaften paarungen: (
von edlen bäumen sie) brachen obz beide cleine unde grobz
pass. H. 36, 1;
ebenso K. 1, 31; 5, 19; dat wy hebben verkofft enen unsen tenden (
zehnten) .. groff un smal Schiller-Lübben 2, 149
b (
quelle v. 1407);
alt klingt auch: ein .. hoher baum, wo grob und fein erquicklich durcheinander wächst Eichendorf 2, 163;
am Niederrhein und wohl auch sonst sagt man grob und grosz
für '
sachen' (
z. b. grob u. grosz kaufen, verkaufen),
urspr. wohl gemeint als '
dick und grosz'. B@11)
im eigentlichen dinglichen gebrauch. B@1@aa)
wie grosz
auf einen ausgangspunkt '
grobkörnig'
weist, mag auch hier in der zählebigen bedeutung '
dicktheilig'
das genetisch älteste stecken: grober staub Er. Alberus
dict. (1540) 23
b;
cibarium grob meel B. Faber
thes. (1587) 171
b; kleye .. ist das grobe, so vom korne .. überbleibet Gueintz
rechtschreib. (1666) 91;
examurcare oleum die trusen und grobe matery vom öl thun Calepinus xi
ling. (1598) 503
b; zu einem pfund groben werckpulfer Reutter v. Speir
kriegsordn. 116; viel grobes sands Er. Alberus
dict. 54
a; (
wege) mit grobem kisz bedeckt Bahrdt
gesch. s. leb. 3, 314; (
eine treppe) groben gerölles Moltke
ges. schr. u. denkw. 4, 21; eine stufenfolge groben getrümmers begleitet .. den grat H. v. Barth
Kalkalpen 625; mit groben hasenschrot
ollapatr. 43, 30
ndr.; ebenso adverbiell: grob stossen, hacken, schneiden Kramer
teutsch-ital. 1, 567
a;
vgl. die zusammenrückungen grobgestoszen
u. a. sp. 407
f.; ähnlich in der sprache des bergbaues: was grob zu gewinnen ist ..., darf nicht weggestufet ... werden Veith
bergwb. (1870) 249. B@1@bb)
frühzeitig aber auch zur bezeichnung des massigen schlechthin; von menschen zunächst einfach '
dick': grouer (
grossus) homo Graff 2, 356; groff
corpulentus Diefenbach
nov. gl. 115
b; Carolus der dritt, genant der grob kaiser
städtechron. 3, 65; Pipinus met syme zonamen der grove Wallraf 31 (
quelle von 1451);
zuweilen auch mehr qualitativ gefärbt, s. C 1;
alem. noch heute für '
hochschwanger' Staub-Tobler 2, 689; grobes leibes seyn '
obd.' Adelung;
vgl.grob schwanger
unten 2 a;
von thieren '
stark, grosz'
; schon bildlich: solch grobe fisch (
fette opfer) han sie gefangen mit büberey und bösem
garn Burk. Waldis
Esopus (1565) 203;
gerade in dieser verbindung noch heute in manchen maa., vgl. Schröer
nachtr. 30; weindroschel und ander grobe vögel (
im gegensatz zu finken und lerchen) Mathesius
Sarepta (1571) 175
b; von groben und kleinen vögeln insgemein Aitinger
jagd- u. weydbüchl. (1681)
titelbl.; ses hunde starck unde grof
Reinke de vos v. 336; grobe ochsen wilder art Spreng
Ilias 93
a;
doppelsinnig (
vgl.F 1 a): feist land gibt grobe ochsen Petri
d. Teutschen weish. 2, O o o 8
a; ein rudel lauter starcke oder grobe sauen Döbel
neueröffn. jäger-pract. 1, 25,
und so noch heute in der jägersprache; grob wildpret = schwarz w. Heppe
wohlred. jäger (1763) 153
b;
etwas anders (
mit hinneigung zu E 3): (
des esels) gebein ist gantz dünn, .. dieweyl es sunst so ein grob thier Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 41
a; '
derb, stark, fett, vom vieh' Fischer
schwäb. 3, 844;
ähnlich. im schweiz. B@1@cc)
auch wo das adj. sonst von körperlichem gebraucht wird, in erster linie zur bezeichnung der masse, des rundumfangs: mein minster finger der ist grobere (
grossior) dem rucken meins vatters
erste dtsch. bib. 5, 297 (
3. kön. 12, 10);
ebenso noch heute in der ma.: (
der geschwollene finger) isch fasch d's halbe
n gröber es d'r anger; ärmlisgrob
so dick wie ein kleiner arm Staub - Tobler 2, 688; me nimt e achs u geit u bätzget im holz a mengem grobe baum
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 5, 196; (
die trutznachtigall) sich setzt an grober eichen Spee
trutznacht. (1649) 4; grob holtz
du gros bois Duez
nomencl. (1652) 87; grobe stöcke auszreuten Petri
d. Teutschen weisheit 2, Z 7
a;
gern bildlich im hinblick auf die bedeutung F: ich sehe wol, ich musz mit den pawrexten ubir die groben bloch kummen Luther 9, 741
W., nach dem sprichwort: zu groben blochen gehört ein bawernaxt Lehmann
floril. polit. 1, 350; auf einen groben ast gehört ein grober quast Gottsched
vers. einer crit. dichtkunst 76;
vgl. Schambach 69
a;
heute gewöhnlich: auf einen groben
klotz gehört ein grober keil
teutsche sprichw. (1790) 59;
schon benutzt von Henrici: grobe klötze musz man keilen
ernst-, scherzh. u. sat. ged. 3, 476,
aber anscheinend noch älter: den groben Schmidelinischen klotzen muosz man grob keyl aufsetzen Nas
antigratulatio (1568) 33
a;
gelegentlich auch: auf ein grob holtz gehöret ein grober keil Spanutius (1720) 595;
auch grobe späne,
an sich nur '
dicke, starke späne',
in verschiedentlich übertragenem gebrauch: der (
noch unerzogenen) jugend die groben späne abhauen
u. ä. s. span th. 10, 1, 1866
f; von ungeschickten reden und schriften sagt man: es seind grobe hobelspän .. es seind grobe brocken, die ein starcken magen zu verdawung bedörfen Lehmann
florileg. polit. 1, 373; der alt wolf het ein schaf zu bissen, .. er schlang es auf bey groben flecken Burk. Waldis
Esopus 1, 22
Kurz; so bleiben die groben kolen .. in dem sieble Ercker
mineral. ertzt (1580) 9
b; die bynnerste muyre, die gar dick was mit groeuen steynen off gemuyrt
pilgerfahrt d. ritters v. Harff 67; sie (
die liebe) spottet grober mörsersteine Stieler
geharnschte Venus 8
ndr.; die ähren von besondrer grösse, gefüllt mit groben körnern Brockes
ird. vergn. 7, 401; dabei heulender wind und grobe flocken Bismarck
br. a. s. braut und gattin 14;
aber wirklich lebendig in neuerer sprache nur in fällen wie: fast immer enthält es in feineren oder gröberen theilen schwefeleisen Humboldt
kosmos 3, 614. B@1@dd)
weiterhin, mehr oder minder technisch, von den verschiedenartigsten künstlich erzeugten gegenständen: grober draht
dicker dr. Krünitz 20, 106; mit ayner groben oder dicken saitten bezogen Virdung
musica getutscht j 3
b; grobe säge
die grosze zähne hat Kramer
teutschital. 2, 410
b;
ebenso grober kamm Frischbier 1, 254
b;
vgl.kemme den kopf für erst mit groben, darnach mit den kleinen zänden
nomencl. lat. germ. (1634) 335;
cribrum loliarium ein grobe sieb 362; grober pensel Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 1, D 3
b;
drei gebiete sind besonders hervorzuheben: <
span class="spaced">schrift
und druck: eine grobe feder
penna cuspide crassiori nomencl. lat. germ. (1634) 289;
auch in verschiedenartig pointierter übertragung: hie hab ich grobe fedren gschnitten Scheit
Grobianus v. 98
ndr.; Scipio sey nur von der groben feder des Ennius gerühmet Lohenstein
Armin. (1689) 1, 233
a;
je nach der federstärke kann man rein
oder grob schreiben
escrire menu ou gros Duez
nomencl. (1652) 151; er .. schreibt drauff (
auf die tafel) mit deutlichen, groben buchstaben Luther 19, 390
W.; grobe, fette schrift
carattere grosso Kramer
teutsch-ital. 2, 655
c;
die drucker nennen verschiedene typenstärken kleine, grobe canon, sabon
u. a. Täubel
buchdruckerk. (1791) 1, 172; ausser dem .. gesangbuche, welches jährlich in grobem und feinem drucke aufgelegt ward Nicolai
Nothanker 1, 20;
in Zürich werden reini
u. grobi
bettagsbüchlein herausgegeben Staub-Tobler 2, 689;
auch die bedeutung E
kann hereinkreuzen: ein grob gedrucktes blatt Storm 6, 118. —
münze: grobe münze
bezeichnet urspr. ganz concret ein groszes geldstück, dann für die hochwertigen münzsorten im gegensatz zur scheidemünze: an dicken groschen, groben talern Burk. Waldis
Esopus 1, 406
Kurz; was gute grobe müntz ist, als taler und neuwe reichsgüldner Ercker
mineral. ertzt (1580) 25
a; 300 thaler in groben münzsorten Göthe IV 35, 29
W.; wenn die Engländer grob und klein geld in éinen beutel legen Hippel
über d. ehe (1792) 77;
ebenso alt auf nd. boden: in guden golde unde grouen suluergelde
quelle von 1474
bei Schiller-Lübben 2, 150
a;
von den maa. kennt noch heute das alem. grobs (geld)
grosze (
silber)
stücke im gegensatz zur münz,
zu chlīne
m Staub-Tobler 2, 689; hat weder grobs noch münz
ebd. (17.
jh.);
vgl.müntz für grob geld wechseln Kramer
teutsch-ital. 2, 80
c. —
geschütz: das adj. bezeichnet hier urspr. wohl die stärke des rohres (
vgl.grober baum
u. ä. unter b),
dann das grosze geschütz: mit zwölf groben stücken Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 130
b;
namentlich neben collectivem geschütz
vom 16.
bis ins 19.
jh. ganz gewöhnlich: meine herren haben .. etlichs grobs geschütz auf etliche berg fürn .. lassen
städtechron. 32, 478; ein platz zu dem uberigen kleinen und groben geschütz Fronsperger
kriegsbuch 1, 44
a; sobald das grobe geschütz zu spielen anfing G. Forster 2, 198;
heute abgelöst durch schwer;
nur in der ende des 18.
jhs. aufkommenden übertragenen verwendung ist auch heute noch grob
möglich: erst wie die .. anklage in ihrer nichtigkeit verpuffte, führte der hauptmann .. sein grobes geschütz auf Fr. L. Jahn 2, 202;
vgl.geschütz th. 4, 1, 2, 3976
f. B@22)
seit alters auch, auf unsinnliches bezogen, als inconcretes masz. B@2@aa) '
grosz'
schlechthin: und in wie tugentlicher art an manigem was ir (
Marias) helfe grob
pass. K. 690, 23,
im mhd. nicht selten, s. mhd. wb, 2, 1, 762
a; wan ik hadde bekant eynyghe sake in my, kleyn noch groff
Reinke de vos 4333; das zue grob und hoch wetten soll bestraft werden Staub-Tobler 2, 689 (
a. d. j. 1595); groben übernutz (
wucher) üben
ebd. (
a. d. j. 1682);
eigen: grober herr
gnädiger, hochansehnlicher herr Schröer
nachtrag 30;
ebenso adverbial '
sehr, in hohem masze': (
Antonius) horte wol, wie rehte grob uf den bruder trat ir lob
väterbuch 2319
Reissenberger; Hans v. Toggenburg, ein wundarzt, der kaisern und küngen grob gedient Staub-Tobler
a. a. o. (
a. d. j. 1477);
mit besonderer färbung: eyner der do grab ritte
grandiloquus Diefenbach 268
c;
dieser fürs nhd. besonders aus dem alem. zu belegende gebrauch hat sich dort bis heute gehalten: grobb lang v. Klein 1, 164; i
ch ha
n di
ch grob lieb
u. a. Staub-Tobler 2, 690;
aber auch im bair. sich grob verwundern, gró' vil, grob guət
u. ä. Schmeller 1, 984;
zu allgemeinerer, auch schriftsprachlicher verbreitung ist nur gelangt: die damaln auch grob schwanger war Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 54
b; als Messalina bereits grob schwanger mit ihr gegangen A. U. von Braunschweig
Octavia (1677) 2, 62;
später zum compositum verwachsen: da sie nun grobschwanger A. Bremer
chron. Kiliense 243; grobschwanger von projecten Göckingk
an Bürger, br. 2, 19
Strodtmann. B@2@bb)
daneben frühzeitig als intensitätsbegriff ungünstiger färbung in der bedeutung '
heftig'
oder auch '
schlimm',
offenbar unter einflusz der grundbedeutung A;
namentlich im älteren nhd. in bunter verwendung: das ist ein grober buff wider unsern kopf Luther 12, 595
W.; en .. strid in St. Peters munster, de so grof unde groth wart Schiller-Lübben 2, 150
a; do geschach von den burgern .., die sich verhetzen liessen, ein grober ufflauf uber des pfaltzgraven reth
M. v. Kemnat
chron. Friedrichs I. 53; umb dise zeit .. gieng abermalen allenthalben grob jamer, krieg, verwüestung .. empor v. Brandis
landeshauptl. v. Tirol 14; die grobe maltzei Sebiz
feldbau (1579) 394;
ebenso adverbial: (
er) traf des helden schiff so grob, das es sich halb von ander klob
Teuerdank 153
G.; stiesz er mit dem fusz so grob wider die
thür, dasz sie ausz den angeln fiel
Amadis 176
lit. ver.; losz sie (
die anfechtungen) kommen, wie grob sie wöllen Keisersberg
bilgersch. (1512) 56
c; wodoch ik byn gheschendet groff van Reinken
Reinke de vos v. 872,
vgl. 3250, 4236; mit dem hiet er got aufs gröbist gelestert Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. (1852) 70; was dörfen sie sich dan also grob an irem vatterland vergessen Fischart
ehzuchtbüchl. 122, 19
Hauffen; ich dich so offt und grob erzürnet hab Spee
güld. tugendb. (1649) 30; der traumgott hatte sie im schlaafe grob erschrekkt Stieler
geharnschte Venus 120
ndr.; neben witterungserscheinungen vermuthlich älter als die belege erkennen lassen: offt musz sich der sonnenschein noch im gröbsten donner zeigen Schmolcke
sämtl. trost- u. geistr. schr. 1, 95; na hat er gschickt an groben wind K. Stieler
ged. 1, 18
Reclam; vgl.so oft sie (
die nerven) aber ein grober sturmwind schlägt Börne 9, 29;
so empfindet man heute auch grobe see
heftiger seegang v. Alten
handb. f. heer u. flotte 4, 392,
urspr. ganz eigentlich '
grosze, hohe see'
; vgl. die see begunte hohl und grob zu gehen Andreas Müller
denkwürd. reisen (1678) 118
a; grobe see = hohl wasser Bobrik 319. B@2@cc)
je später, je mehr schränkt sich diese verwendung des adj. auf bestimmte begriffsgruppen ein: der mit groben toidsunden beladen was Wigand Gerstenberg
chron. 207; thu weck dein grobe sünd und schuld! H. Sachs 1, 230
Keller; in älterer sprache ungemein häufig; mit leichter färbung nach D 4: (
eine einkleidung, der) durch die gröbsten versündigungen gegen die sitten und das costüme von Indien widersprochen wird Schiller 6, 11
G.; gröbere vergehungen und laster Eschenburg
theorie 83; mit den gröbsten verbrechen Kretschmann 2, 14; sie bekennen, dasz sie grob gesündiget .. hetten
Reinicke fuchs (1650) 347; wie grob auch ein mänsch fehlet Moscherosch
gesichte (1650) 1, 67; im hause hielt uns .. ein respectus quasi parentalis .. von groben excessen ab
Leipz. avanturieur (1756) 1, 76; wenn ein grober unfug eine bestrafung .. erforderte Fontane I 1, 71; wegen .. groben miszhandlungen Göthe IV 34, 122
W.; es haben .. auch andere nationen ir sondere gröbere vitia Scheit
Grob. 4
ndr.; mit allen ihren eigenheiten, lächerlichkeiten, abgeschmacktheiten, auch wohl gröbern fehlern Miller
ged. (1783)
anh. 456;
auf einer andern linie liegen: dasz ichs für grobe thorheit halt, wer gschlagen sein will mit gewalt Scheit
Grob. v. 1586; darumb sehr grob gewisz ist deren unverstand Weckherlin
ged. 1, 436
lit. ver.; aus diesen durch grobe unwissenheit und einbildung veruhrsachten fehlern Zesen
verm. Helicon 1, 7;
jung: grobe unvorsichtigkeit Hebbel I 3, 54; grobe fahrlässigkeit
wechselordnung art. 74; '
crass': grober eigennutz Novalis im
Athen. 1, 95; als ich ihn des groben undanks zieh Collin
Regulus 119; ein grober handwerksneid Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 5, 126;
in andern fällen klingt die bedeutung F 5 b
mit an: weil er .. gegen seine heiligkeit eine grobe verachtung zeigte Göthe 43, 310
W.; so wäre es eine .. grobe unhöflichkeit Gottsched
dtsch. schaub. 2, 87; der wohlstand wird zu grob verletzt Stoppe
Parnasz (1735) 271;
jung: bei einer thätlichen oder groben wörtlichen beleidigung Spielhagen 2, 342; eine grobe injurie K. Fr. Cramer
Neseggab 1, 173; (
er) greift darum zu den gröbsten schmähungen Melchior Meyr
erzählungen a. d. Ries 1, 62;
wie überhaupt neuere sprache eine superlativische verwendung liebt: die gröbsten gegensätze Herder 17, 231; dem vorwurf der gröbsten inconsequenz Schleiermacher I 5, 54; die gröbsten vorurtheile Bremser
medic. parömien 124. B@2@dd)
im gefolge von c
auch mit persönlichem regens: einen groben sünder Treuer
dtsch. Dädalus 1, 2;
dagegen mit hinneigung zu C 4: das evangelium kan leychtlichen mit offenen und groben sunderen umbgehn Luther 9, 539
W.; wie er türstig hie und dort als ein grober dieb vielen raub zusammen trag
Reinicke fuchs (1650) 25; ein grober pferdedieb 149; aufenthaltsort der gröbsten verbrecher W.
grimm an Dahlmann, briefw. 1, 528; wie der gröbste missethäter Schubart
br. 2, 68;
anderes vereinzelt: das war einem groben enthusiasten wie mir ganz übrig Pückler
briefw. u. tageb. 1, 92. B@2@ee) es (zu) grob machen, treiben
u. ä. '
zu weit gehen',
in verschiedener anwendung: ob wir es zu grob hetten gemacht, so solt ir es für einen schimpf versten
fastnachtsp. 1, 329, 6
K.; nun mochtens auch der stedte soldener etwas zu grob machen Cyr. Spangenberg
chron. (1614) 143;
anders: also gedachte er auch immerdar, er hette es mit seiner verschreibung zu grob gemacht
volksb. von dr. Faust 118
ndr.; vgl. dazu er hat es grob gemacht
graviter peccavit Steinbach 1, 645; der löwe trieb die tyranney so grob, dass ihn das volk verjagte Pfeffel
poet. vers. 6, 196; kommt es aber doch einmal (wie wir zu sagen pflegen) zu grob erzherzog Johann
an Prokesch-Osten, briefw. 61;
von aufschneiderischem erzählen: andere machten es noch gröber
Holston u. Augusta (1780) 10; hoho, das ist zu grob und unwahr, unterbrach Alexander den erzähler E. Th. A. Hoffmann 6, 133
Grisebach; seass batze vorsz hinkel is meir sze grob
zu stark, teuer Pfister 1.
ergänz. heft zu Vilmar 13;
in ähnlichem sinne ist auch ein attributiver gebrauch möglich: eine grobe (
übertriebene) forderung; die grobe schusterrechnung G. Freytag
verl. handschr. 2, 142;
vgl.es (
das publikum) wurde nur gröber und ausschweifender in seinen forderungen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 68. CC.
andere gebrauchsweisen haben das gemein, dasz bei ihnen der maszbegriff mehr oder weniger umgewandelt ist in einen wertbegriff. C@11)
aus '
dick, stark'
wird '
fest, gut': nîmant setzit în einen schrôten grobis tûches in ein alt cleit Beheim
evang. buch, Matth. 9, 16;
und so noch in moderner ma.: das tuech ist grob
hat gute qualität, ist solid Staub-Tobler 2, 689; grobi arbet
solide, starke arbeit ebd.; vgl. das sprichwort: was grob ist, das ist starck und bricht nicht bald Lehmann
florileg. polit. 1, 373; grobé glidə'
starke glieder Schmeller 1, 984;
so wird aus grob
corpulentus (
s.B 1 b) groff van licham
robustus Diefenbach 499
c; ist der mensche nicht vast grop und gross und starcker natur, so nim auf ein mal ½ quartir ader minner Pfolspeundt
bündth - ertznei (1460) 148
Häser-Middeldorpf; (
ein mittel) nicht für jederman, sonder allein grobe harte leut Gäbelkover
arzneibuch (1595) 1, 214;
ähnlich im alem. noch heute, s. Staub-Tobler
a. a. o.; doch ist im ganzen dieser gebrauch selten. C@22)
gewöhnlich zur bezeichnung schlechterer qualität: was dicker, stärker, aus gröszeren bestandteilen zusammengesetzt ist, gilt als geringwertiger; auch hier schimmert stellenweise die bedeutung A '
uneben, rauh'
durch (
s. besonders b, c,
auch e);
so besonders bei bestimmten begriffsgruppen: C@2@aa)
von nahrungsmitteln: grob brot
secundarii panes Diefenbach 523
c,
zunächst einfach das aus gröberem mehl hergestellte brot; aber frühzeitig in abschätzigem sinne, namentlich vom schwarzbrot gegenüber dem weiszbrot: ... grob brot schwartz gleich wie ein kol Scheit
Grob. v. 2737
ndr.; der von jugend auf schwartz grob brodt gessen und hernach zu guten weiszbrodt kommt Lehmann
florileg. polit. 1, 54; grob brod, dünne bier, lange meilen
bezeichnet das sprichwort als eigenthümlichkeit Westfalens Tappius
adag. (1545) 29
b;
vgl. schon Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 21
a; Diefenbach 632
b s. v. Westualus; ganz entsprechend in älterer sprache häufig vom fleisch: (
des büffels) fleisch, so er auch gleych jung, ist grob Herold-Forer
Gesners thierb. 32
b; (
der schwan) hat ein ungeschmack fleisch, ist schwartz und grob Lehmann
floril. polit. 2, 728; groff fleisch dat is zu verstaen koefleisch ind hamelfleisch Schiller-Lübben 2, 150
a;
ähnlich: grosse wasser haben grosse, grobe und undäuliche fische
fischbüchl. 14; datteln ist ein grob undäwige frucht Ryff
confectbuch (1548) c 6
b; grobe speise, gemeine speise
cibo grosso Kramer
teutsch-ital. 2, 855
c; (
leute) denen die köstliche trachten nicht meh schmacken und darfür an schlechter und grober kost iren lust büsen Fischart
ehzuchtb. 200, 9
Hauffen; ganz ebenso schon mhd.: mit kost sô grobe Nic. v. Jeroschin
preusz. chron. 6287
Strehlke. C@2@bb)
von gesponnenem und gewebtem. auch hier zunächst ohne ungünstigen nebensinn '
dick, derb': auch hat die hart woll mit einem groben faden .. ein groszen werdt Eppendorf
Plinius (1543) 83; eyn beuteltuch .. von starcker grober leinwaht gemacht Sebiz
feldbau (1579) 390;
oft aber und neben manchen substantiven vorwiegend mit dem beisinn des geringwertigen, gewöhnlichen; zuweilen spürbar unter dem einflusz der bedeutung A:
nicht nur die dicke, auch die unebenheit und rauhheit des fadens oder des gewebes bedingt die mindere qualität: grob, ungebutzt garn, daraus die seil oder stricke werden Decimator
thesaurus (1615)
register; einer groben zwilch an ein purper kleid negen wolte Caspar Hedio
chron. germ. (1530) a 1
a; grobe cattune Göthe 25, 116
W.; kamelotte, chalons und allerlei gröbere wollene zeuge G. Forster 4, 91; man findet weiber, denen auch ein grob geringe thuch wol anstehet Barth
weiberspiegel (1565) V 1
a; (
es) muste für jedes pfund fremdes tuch, ohne rücksicht ob es fein oder grob war, 40 xr. mauth bezahlt werden Nicolai
beschr. e. reise (1783) 2, 489;
auch bei kleidungsstücken in älterer sprache manchmal einfach '
dick': wullen
vel grof wynter cleit Diefenbach 34
b s. v. andromoda; vgl. toga crassa ein grober dicker rock Frisius
dict. (1556) 340
b;
gewöhnlich aber in abschätzigem sinne: Esopum .. in einer groben juppen (
solum cilicio amictum) Steinhöwel
Äsop 44
lit. ver.: in einem groben bawrenrock Joh. Arnd
Thom. a. Kempis (1631) A 6
a; ein alt, schwartz, grob, zerlumbd hembde Schoch
stud. leben (1657) E 3
b;
im bilde (
vgl.F 2): die gleichmäszige höflichkeit, welche der conducteur dem feinen mantel und der groben blouse angedeihen läszt Laube 4, 121;
anscheinend von hier aus übertragen gelegentlich auch bei anderen kleidungsstücken: ich hab das erst piret verwechselt, dann es war grob Dürer
tageb. (1884) 81; dein groben paurenschuoch zeuch ab Scheit
Grob. v. 683
ndr.; die wendung grob (garn) spinnen
vielfältig in sprichwörtlichem und bildlichem gebrauch: ausz grobem flachs kan man kein subtil garn spinnen Petri
der Teutschen weisheit 2, K 2
a; hat man grob garn gesponnen, so gibts grob tuch Lehmann
floril. polit. 2, 761 (
unter 'sünd'); der teufel ist subtil und spinnt doch grob garn
d. h. richtet böses an, ebd. 766,
vgl.garn I 5 a,
th. 4, 1, 1, 1364;
anders ich soll kein grob garn nicht spinnen Voigtländer
oden u. lieder (1642) 5,
d. h. incondite, putide loqui, zahlreiche belege unter spinnen II 3,
th. 10, 1, 2523;
s. auch unten D 4 b. C@2@cc)
darüber hinaus auch sonst mannigfach bei stoffbezeichnungen, namentlich in jüngerer zeit: granit, .. grober marmor Kinderling
reinigk. d. dtsch. spr. 176; eine kleine urne aus grobem thon Hiller v. Gärtringen
Thera 2, 37; mit feinem gold wird grobes überzogen W. Müller
ged. 301
Hatfield; der den zaun aus grobem holze zimmert Hölderlin 2, 136; straffes grobes haar (
bei den eingeborenen Amerikas) Peschel
völkerk. 97; hut aus grobem stroh Holtei
erz. schr. 7, 157; grobe waaren '
welche von schlechter würde, häufig zu haben, schwer von gewichte, schmutzig im umgehen .. sind' Krünitz 20, 106;
vgl. allg. haush. lex. (1749) 3, 627; grobe gusswaren
handwb. d. staatswiss. 23, 482; grob kramerpapier Hulsius (1618) 2, 78
a;
ebenso spricht man von grobem glas, porzellan, leder
u. a.;
hierher auch aus der sprache des bergbaues grobe gänge,
das sind erzadern, die grobe geschicke,
d. i. minderwertige erze führen Minerophilus
bergw. lex. (1730) 311
f.; vgl. Lueger 3, 794;
gegentheil edle geschicke,
vgl. geschick II 6 d,
th. 4, 1, 2, 3874;
vergleichbar schon im mhd.: du bist vor andern furstin alse ein edil gesteine undir den grobin steinen
leben d. hl. Ludwig 38, 33;
auch uneigentlich: das vergnügen des experiments hat .. den bessern theil meines bluts wachend erhalten und den gröbern eingeschläfert Bode
Yoricks reise (1768) 1, 71; (
dem dichter) kommt es zu, das vortreffliche seines gegenstandes .. von gröbern .. beymischungen zu befreyen Schiller 6, 323
G. C@2@dd)
weiterhin, indem als vergleichsobject nicht mehr eine bessere qualität desselben stoffes zu denken ist, sondern andere stoffe besserer qualität, '
gemein, gewöhnlich'
schlechthin; namentlich im älteren nhd. häufig: der sammet und die seiden dein das ist grob hew und windelein Luther
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 23; (
Pauli episteln) schmöckend mir glich wie grob distlen
N. Manuel
v. papst u. s. priestersch. v. 284
B.; (
der verlorene sohn) aus dem kübel frasz träber und des groben grasz Mittler
dtsche volkslieder 367; daz sie (
Adams kinder) der groben erden gleich an irem leib gedemütigt .. sollen werden Jac. Strausz
christl. unterricht (1523) a 2
b; die mutter hat dich nicht mit grober milch erzogen, die musen sind dir mehr, als du begehrst, gewogen Neukirch
ged. (1744) 196; mit grobem zinn .. bedient man ihre tafel Schiller 12, 401
G.; ähnlich: ein binsenhalm ist mir (
zum blumenbinden) .. zu dick und zu grob Fontane I 5, 192. C@2@ee)
so schlieszlich auch von tätigkeiten; grobe arbeit
und dgl. heiszt zunächst nur '
derbe arbeit'
und braucht nicht abschätzig zu sein: unser son Claudius ist einer kleinen stärck, derhalben er zu keim groben handel zu gebrauchen ist
buch d. liebe (1587) 7
b; die zu einem guten groben handwerck .. bäser gewidmet wären als zu bücheren Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647)
vorrede 7;
aber, indem sich mit der vorstellung gröszerer masze wieder der begriff des rauhen verbindet, frühzeitig auch mit qualitätsurtheil, ähnlichen sinnes wie grobe waren
oben c: zuo dem buw der erden und grober erbeit syn sie geschickt Breidenbach
heil. reisen (1486) 94
b; nicht also, das man hinder dem ofen sitze und kein grobe arbeit thue Luther 30, 1, 145
W.; vom handwerk auf den handwerker übertragen: wenn grobe schmide bey dem Bober das wolten thun was doctor Cober Zinkgref
auserl. ged. 24
ndr.; bildlich (
im spiel mit F 6): das (
wort gottes) wyrt .. sich nicht entsetzen fur solchen groben schmiden Luther 12, 94
W.; anscheinend nur gelegenheitsbildung eben in geringschätzigem sinne, nicht schlichte handwerksbezeichnung; vgl. grobschmied. DD.
in andern fällen wird grob
vom quantitätsbegriff '
dick'
zum consistenzbegriff '
dicht'
; aber nicht in der breiten ausdehnung wie das adj. dick (
s. th. 2, 1075
f.),
sondern nur in einigen gebrauchsweisen, die eine herleitung aus der bedeutung '
dicktheilig' (B 1 a)
nahelegen. D@11)
bei flüssigen körpern '
dickflüssig, verdickt': das ist (
in der rotwurst) nicht allein dünne blut, sondern auch gelievert (
geronnenes) und gekocht, ein seer grob blut Luther 50, 527
W.; disze thyer seind die stercksten, die ein grob geblüt, die kluogsten, so ein subtil bluot .. haben Eppendorf
Plinius (1543) 220; die leber sendet durch die adern in leibliche glid grobe feuchtikait Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. (1852) 186; lema, die butzen der augen aus grober feuchte entstehend Garth
lex. lat. germ. graec. (1657) 448
b; (
die krankheit wird) dardurch kälter, gröber und unflüssiger Seutter
hippiatria 29; auch ist grosse underscheyd der weine an irer substantz der lauterkeit. wann etlicher ist gar subtile, etlicher wesserig, etlicher irdisch grob, etlicher mittelmessig Petr. de Crescentiis (1531) 57
b;
im 16.
jh. eine stehende wendung: sie soll auch oft roten groben wein trincken Wirsung
arzneibuch (1588) 548
d; (
zum granatwein) pflegt man unzeitige granatäpfel .. in eyn omen groben schwartzen weins einzulegen Sebiz
feldbau (1579) 528 (
umsetzung in die bedeutung C?);
wo die jüngere sprache noch ähnliches hat, drängt sich der abschätzige sinn von C
wieder vor: das grobe, dicke deutsche blut benahm mir alle kraft und muth Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 611; wann anders nicht unordnung, grobe säfte ... den leichten umlauf des geblüts verhindern v. Loen
ges. kl. schr. (1749) 1, 9;
von hier aus läszt sich auch die anwendung auf compacten, fetten, schweren erdboden verstehen: wa grob, weych, fett oder wässerig erdtrich, als gemösz und súmpfige ort Ryff
spiegel d. gesundheit (1544) 8
b (
gegensatz: da .. das erdtrich dürr, subtil, hart und trucken ist);
vgl.grob land
fetter boden Hertel
Thür. 110. D@22)
ebenso von gasförmigen körpern; medicinisch: es (
das heilwasser) leget alle wehetagen (
des kopfes) und zeucht die grobe dünst ausz Gäbelkover
arzneibuch (1595) 1, 12; da samlen sich .. viel dünste und grobe qualme, welche hernach ins gehirn steigen Prätorius
anthropod. pluton. (1666) 1, 26; die groben bläst in dem gedärm löszt er auf Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 30
b;
atmosphärisch: der nebel kümt von wäzzrigem grobem dunst Konr. v. Megenberg
buch d. natur 95, 15; der lufft des lands, wiewol er feucht und grob, so ist er nichts desto weniger .. gesund Federman
Niderlands beschr. (1580) 7; die grobe luft nennet man aërem, .. die feinere heisset aether Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 10; ein recipient, daraus .. Guericke zu Magdeburg die grobe luft gepumpet Leibniz
dtsche schr. 1, 268;
auch hier wieder verändert erst die jüngere zeit den begriff nach C: eine grobe ungesunde luft Krünitz 20, 106.
von hier aus wird sich die bedeutung '
dunstig, trübe'
entwickelt haben: so offt du die gemainen stern dick tunckel und grob sichst, bedeut allwegen ändrung des wetters Reynmann
wetterbüchl. 3
ndr.; ist der mon schwartz oder grob, bedeut ain kalten lufft und regen
ebd. 9. D@33)
ein besonderer bedeutungszweig ergibt sich daraus, dasz das vergleichsobject ins unsinnliche gerückt wird; grob
bezeichnet dann unterschiedliche grade der annäherung an das rein geistige, auch abstufungen innerhalb des geistigen selbst. D@3@aa) '
körperhaft': toh nesint sie (
demones) sô gerobes lîchamen (
quelle: corpulenti), daz sie gesihtig sîn menniskôn Notker 1, 819, 2; der leichnam (
wird vergleichen) der erden, wann er ist grob und begreifleich Albr. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) A 1
a;
je später je häufiger zur bezeichnung der materie gegenüber dem geistigen als dem feineren: indem der cörper etwas gröberes, beschwerlicheres, plumperes ist als der geist Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 33; die gottheit ist in eine grobe erdgestalt verschattet Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 4; zu fein .. und zu überirdisch sind die religiösen geister geworden, als dasz man sie unmittelbar an die grobe erde binden .. könnte E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 95;
vgl. weiterhin: um nun das herabfallen in die gröbere körperlichkeit zu verhindern, ist die kontemplation .. als mittel angegeben Hegel 13, 152; ich glaube nicht an gespenster, die mehreren zugleich einen groben sinnlichen spuk vorgaukeln Holtei
erz. schr. 3, 126; der grobe materialismus des plumpen handwerkers Wieland
Agathon (1766
f.) 1, 261;
oder das adj. charakterisiert die sinnlichen functionen des menschen gegenüber den geistigen: in der gröbsten sinnlichen wollust empfinden wir noch, dasz wir mehr als körper sind Hegner
ges. schr. 5, 298; vergnügungen der phantasie .., die dem verfeinerten erdenbürger so viel mehr als die gröbern freuden der sinne gelten J. J. Engel
schr. 2, 232; liebe .., von der groben sinnlichkeit geläutert Herder 15, 312; (
die dichtkunst ist) freilich kein den groben hunger stillendes nahrungsmittel Kretschmann 2, 11;
oder es statuiert innerhalb des sinnlichen unterschiede der körperhaftigkeit: dasz die erinnerung der empfindungen desto schwächer ist, je gröber die sinne sind, durch welche sie erweckt worden Gerstenberg
recens. 21
lit. denkm.; bei denen sinnen, die man die gröbsten zu nennen pfleget Herder 22, 34; der gröbere sinn, das auge, hatte also doch auch seinen antheil Bauernfeld 2, 38; (
das volk) fühlt an statt des triebes nach ehre nur die triebe, die .. die gröbsten der sinne vergnügen Haller
Alfred (1773) 114;
oder es malt innerhalb des gedanklichen unterschiede der entfernung vom materiellen: diese grobe vorstellungsart wollte feineren geistern nicht gefallen Göthe II 5, 1, 430
W.; so grob diese sinnliche vorstellung auch ist v. Schubert
verm. schr. 2, 37; die groben materialistischen begriffe von einem mechanischen handeln Fichte 2, 155. D@3@bb)
darüber hinaus auf allen gebieten des abstracten für das handfeste, derbe gegenüber dem feineren; schon älterer sprache möglich: (
der mensch) stat sin (
gottes) doch lidig in diser grober nemunge, wan er hat ein nehers begrifen Seuse
dtsche schr. 182
B.; würt gott ümb unser sach geert, .. sölch thörlich götlich lieb wer grob Schwartzenberg
Cicero (1535) 131
b;
aber erst seit dem späteren 18.
jh. in der heutigen bunten verwendung: einmal gab das publikum .. einem recht groben sophism seinen herzlichen beyfall Göthe III 1, 223
W.; es ist .. ein recht grober kitzel des egoismus Fr. Schlegel im
Athen. 1, 2, 30; ob wir gleich uns sehr hüteten nicht zu lügen und im groben sinne falsch zu sein, so waren wir es doch im zartern Göthe 25, 237
W.; aller bemühungen des groben und feinen unglaubens ungeachtet Lavater
auss. in d. ewigk. 3, 146; nur musz man die zarte stimmung dieses schönen gesprächs (
Platos Ion) nicht so grob nehmen wie gewöhnlich Fr. Schlegel 3, 17; stark, laut und grob müssen die eindrücke .. seyn, um gemeinen köpfen vergnügen zu verschaffen Zimmermann
einsamk. 1, 42;
ähnlich auch in der häufigen verwendung: dörfen sie wohl solche grobe kunstgriffe zu hülfe nehmen? Gottsched
dtsche schaub. 1, 306; (
auf das volk wirken) durch die gröbsten mittel
schr. d. Göthegesellsch. 9, 239. D@44)
andere gebrauchsweisen sind dadurch gekennzeichnet, dasz sie das hauptgewicht auf den besondern grad von wahrnehmungsfähigkeit legen, der einem handfestern, derbern object innewohnt. D@4@aa) grob
ist, was das verstehen erleichtern will; '
handgreiflich, drastisch',
auch '
deutlich, allgemeinverständlich': und wil dich einen verren anblik lâzen tuon nâch einer groben glîhnüsse Seuse
in Wackernagels
leseb. 51, 1225; ein grob byspil hör Zwingli
freiheit d. sp. 28
ndr.; das mus ich mit eym groben gleychnis eynbilden Luther 18, 397
W.; das mus ich ein wenig grob ausstreichen, das mans verstehe 30, 1, 133; byn ich yhn schuldig .. aufs grobist und klarlichst unterricht zcuthun 9, 229; ist aufs erste .. eyn grober, schlechter, eynfeltiger guter catechismus von nöten 19, 76;
ähnlich noch heute im alem. e grobi bredig Staub-Tobler 2, 690; ego volo aufs grobst deudschen Luther 27, 505
W.; das ist localiter darvon geredt und subtylich. nun wöllen wir laicaliter und grob davon reden Keisersberg
Mariä himmelf. (1512) 8
d;
und so bis ins 18.
jh.: agam pingui Minerva ich will grob von der sache reden Spanutius (1720) 498;
ein nachhall dieses gebrauches liegt vor in fällen wie: eine gute art .., wie man den menschen die wahrheit fein zeigen mag, ohne sie ihnen grob ins gesicht zu sagen Aurbacher
volksbüchl. (1835) 67,
wo heute freilich der sinn F 6 b
vorwiegt. D@4@bb) grob
ist auch, was sich dem erkennen nicht entziehen kann; '
augenfällig, am tage liegend, plump': aber dieweil dein bubenstück liegen am tag so grob und dick Fischart
nachtrab v. 254
Kurz; zwen teufel, die das recht verderben; einer heist trug und list, der machts grob Petri
d. Teutschen weisheit 2, C c 7
a; er stahl ... auf eine so grobe art, dasz er ... flüchtig werden muszte
F. M. Klinger 3, 85; er wird sie nicht offen und grob anfeinden Justi
Winckelmann2 2, 164;
ähnlich: solche stucklin heysse ich nicht eynen subtilen, sondern groben, greyflichen teufel Luther 19, 122
W.; der ... gottlosigkeit dreyerley, eine gar grobe, scheinbare und greifliche Dannhauer
catech. milch 1, 124;
namentlich bei bestimmten begriffsgruppen: sy .. liegent .. so .. grob, das man es mit henden greyfen mag Philad. Regius
von luth. wunderzeichen (1524) A 3
b; dieser groben lüge konnten sie glauben schenken? Schiller 5, 2, 417
G.; der gantz grob, offentlich betrug .. des ablas Luther 18, 255
W.; (
er) bemitleidete die andern, die sich so grob täuschen lieszen E. Th. A. Hoffmann 1, 47
Grisebach; doch solchem groben gaukelspiel erliegen! Schiller 13, 272
G.;
etwas anders: wie man sonst die oper, eben wegen ihrer groben unwahrscheinlichkeit, lächerlich machen wollte Göthe 47, 260
W.; (
die kirche) irrt so fast und so grob, dasz es ouch die heiden .. wol wüssend Zwingli
dtsche schr. 1, 140;
ähnlich empfunden: iedoch weil ein ieder grober und sichtbarer fehler des feindes .. verdächtig seyn soll Lohenstein
Armin. (1689
f.) 2, 1062
a;
von schmeicheleien u. dgl.: sie haben ihm grob genug geschmeichelt G. Freytag
journalisten I 1; es ist kein grobes kompliment, aber eine wahrheit
br. von u. an Herwegh 19;
vgl. gut, ich will verwegen sein und ihr mit kecker stirn den gröbsten weihrauch streun Körner 4, 16
Hempel. auch das bei bildlichem gebrauch stark schillernde grob spinnen (
vgl.C 2 b)
ist manchmal hierher zu stellen: wollt ir ewrs liegens werden fro, so bleibt hie niden bey der erden, ... denn wenn irs all zu grob wolt spinnen, werd irs zuletst nit fedmen können Burkard Waldis
Esopus (1555) 193
a; dein gespinst von trug und tücken ist zu grob Weber
Dreizehnlinden (1907) 323. D@4@cc)
aus b
entwickelt sich frühzeitig eine andere, klar unterschiedene bedeutung, die den sinn ins quantitative rückt: die grobe lüge, irrung
usw. wird aus der durchsichtigen zur starken, krassen; in neuerer zeit der vorherrschende gebrauch: ich halte diese zeitung für lauter grobe, erdichtete, schändliche lügen Rist
d. friedejauchzende Teutschland (1653) 62; indem er nun die Deutschen mit der groben lüge zu bethören hoffte, dasz es ihm um die rettung ihrer glaubensfreiheit zu thun sei Moltke
schr. u. denkwürdigk. 2, 185; weiberlob betrüget grob Binder 210; aus furcht, vom müller .. grob übervortheilt zu werden Körte
sprichw. XVIII; dasz die, so da vermeynen zum mehrsten wissen, vielmals zum gröbsten fehlen
Amadis 38
lit. ver.; (
ein gemälde) wo sie (
die perspective) mit den gröbsten fehlern angebracht ist Lessing 10, 265
M.; ein grober schnitzer
un error maiuscolo, capitale Kramer
teutsch-ital. 2, 633
b; werden wenigstens keine groben unrichtigkeiten in den angeführten beweisstellen sein Fr. L. Jahn 1, 26
Euler; verzeihen sie .. den groben irrthum Holtei
erz. schr. 5, 55;
ähnlich: ein grobes missverständnis A. W. Schlegel im
Athen. 1, 2, 64; grobe verwechselung Gerstenberg
schlesw. lit. br. 164, 26
ndr.; so berührt sich schlieszlich diese bedeutungslinie mit einer von anderer stelle ausgehenden, s. o. B 2 c. EE.
für sich steht ein gebrauch, der grob
für dinge verwendet, die nicht den grad von feinheit und ausarbeitung erreichen, der an sich möglich oder zu wünschen wäre; auch diese bedeutungsgruppe veranschaulicht wieder das ineinanderspielen der begriffe '
dick, grosz'
und '
rauh'. E@11)
am deutlichsten tritt die grundbedeutung '
rauh'
heraus in gewissen festen verbindungen der älteren sprache: antiquitas tristis et impexa die spraach der alten grob, ungeziert, unlieblich Frisius
dict. (1556) 658
b;
freilich wird sie mehr oder minder überdeckt von der aus B
herzuleitenden '
unförmig, plump': die ausländer .. den groben, klotzigen, ungehobelten teutschen wörteren keine zier beymessen Schottel
haubtspr. (1663) 6; dasz eine einfältige grobe sprache der künstlichen den anfang gegeben Morhof
unterricht v. d. dtsch. spr. 1, 67; die sprache der leute .. wird friesisch genennet, ist aber nur ein grobes plattdeutsch Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 8, 760;
etwas anders: und redeten grob griechisch
ein rohes, schlechtes griechisch, türkischer vagant (1683) 59;
schlieszlich ganz nach B: (
ein gut) das wir mit unserer groben, unbeholfenen sprache glück benennen Tieck
schr. 9, 154;
ähnliche mischungen bei der altüblichen anwendung: ich vürhte, min gesank dem iuren si ze grop Regenbogen
zu Frauenlob, minnes. 3, 345
a v. d. Hag.; lesung grober und unzierlicher gedichten
N. v. Wyle
translat. 8
lit. ver.; ein .. grob gereimtes tractätlin Scheit
Grob. s. 7
ndr.; so noch in jüngerer zeit: (
die Chinesen) kannten die tonkunst, aber sie war grob und unvollkommen Zimmermann
nationalstolz (1758) 61;
aber auch feiner: ein weitschweifiges und grobes buch Justi
Winckelmann 1, 146. E@22)
der neueren sprache ist diese bedeutung am geläufigsten in concreterem gebrauch von allerlei technischer arbeit; der maszbegriff gewinnt die vorhand: grobe stiche nähen Kramer
teutsch-ital. 1, 566
c;
vgl. ein grob geflicktes röckchen Brentano 5, 123; dazu (
zur kunstkritik) sind den meisten die nasen doch zu grob gebohrt E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 150;
jedes ungünstigen nebensinnes entkleidet in den mannigfachen ausdrücken wissenschaftlicher sprache wie grob gekerbt, gesägt, gezähnt
von blättern Behlen
forst- u. jagdk. 3, 501;
gewöhnlich rückt in solcherlei verbindungen adv. und part. bis zur composition zusammen, vgl. sp. 407
f.; gern von bildnerischer arbeit: (
die Athener) welche das .. Minervenbild als grob und ungestalt verachteten Lohenstein
Armin. (1689
f.) 2, 916
a; das schnitzbild, welches Phidias sehr grosz und grob gehauen J. E. Schlegel 3, 138; so dasz die münzen der Athenienser gegen jene grob und ohne kunst gepräget erschienen Winckelmann 6, 69;
ähnlich empfunden: die groben thürme der Frauenkirche Laube 8, 177; von einfachen gesetzen, so wie von groben gestalten schreitet sie (
die natur) ins zusammengesetztere, künstliche, feine Herder 13, 49;
in der malerei sind grobe umrisse '
diejenigen, wenn die muskeln mit den sehnen und schlagadern vermengt scheinen, so dasz nichts artikuliert oder ausgesprengt ist' Jacobsson
techn. wb. 2, 154
a;
eine auch in mannigfach übertragenem gebrauch häufige formel: (
ein Schiller) welcher — in groben umrissen und aus der ferne betrachtet — einstweilen nichts ist als ein landflüchtiger rebell Kürnberger
liter. herzenssachen 92;
mit hinneigung zu 4: dasz Herz in den ersten gröbern umrissen seiner toilette genau war Gutzkow
ges. werke 3, 274;
ebenso wird grobe striche
u. ä. meist uneigentlich gebraucht: die etwas rohen und groben pinselstriche unsers autors Göthe 22, 174;
W.; personen und zustände mit groben aber deutlichen strichen gezeichnet Scheffel 1, 100; Juvenals gemälde .. haben brennende farben, kühne aber grobe züge Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 3, 169; man sieht oft in solchen puppenspielen die herrlichsten copien, obgleich im groben, al fresco gemalt Knigge
roman m. lebens 2, 6; Plautus malt seine charaktere mit breiten strichen .., immer für die wirkung aus der ferne und im ganzen und groben Mommsen
röm. gesch.8 2, 434; versurtheiler, die keinen vers, auch nur im groben, vortragen können J. H. Voss
zeitm. d. dtsch. spr. 5. E@33)
ähnlich von der bildung des menschlichen körpers: grobe glieder, hände
membra, mani grosse Kramer
teutschital. 1, 566
c;
eigentlich '
dicke, starke glieder' (
so wohl grove ledemate Diefenbach
nov. gl. 379
b s. v. vertebra),
dann aber '
plumpe, derbe, unfeine': ein kleiner dicker kerl, mit groben gliedern Tieck
schr. 3, 7; einem psychologen hätte vielleicht schon ein blick auf ihre groben füsze gezeigt Alexis
ruhe (1852) 1, 79;
mit besonderer note (
vgl.F 2): und ihr finger ist vil zu grob, die dorische harpf recht zu zwicken Weckherlin 1, 111
lit. ver.; so soll ihn (
den faden) .. mein guter sinn so weit und dünn ausdehnen, dasz ihre groben finger ihn so leicht nicht fassen werden
F. M. Klinger 4, 87;
namentlich vom gesichtsschnitt: das verbrannte .. gesicht hatte grobe züge Laube 2, 28; grobe wie feine .. gesichtsbildungen kommen untermischt vor Peschel
völkerk. 483; auch war ihr gesicht ganz so grob geschnitten wie das seine G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 4; ein ältlicher mann mit einem groszen groben kopfe G. Keller 1, 35;
ähnlich schon: ein subtiler lerchenkopf und grober sewkopf sind weit unterschieden Petri
d. Teutschen weisheit 2, Y 5
b. E@44)
öfter mit dem besonderen sinn einer ersten, vorläufigen thätigkeit, der eine feinere, sorgfältigere folgen soll: grob überhoblen Frisius
dict. (1556) 443
a s. v. dolo; wie er (
Moses) auch sonst gemeyniglich von ersten ein ding pflegt grob und obenhyn zu schreiben .., das er hernach besser eraus streichet Luther 24, 48
W.; (
es) finden sich überall leute, die das schon so grob oben weg zu machen wissen; musz es doch hernach erst poliren maler Müller 2, 40;
vgl. grobhin, -weg; also nur eine grobe skizze der festlichen szenen Pfeffel
pros. vers. 5, 125; obgleich mein entwurf grob und unausgearbeitet ist Kant
werke (1838) 6, 100; nach einem groben durchlesen bin ich kaum erst an den zweiten feinen gang gelangt Görres
br. 2, 263;
das elementare: rudimenta grammatices die erste anleitung, das grobe in der gramm. Corvinus (1646) 718; Albinus zeigte nur das gröbere der anatomie
allg. dtsche bibl., anh. zu 25—36, 442;
vgl.grob gruntlich underwisung
rudimentum Diefenbach 502
c.
hierher auch die vielgebrauchte wendung eine sache aus dem groben (gröbsten) arbeiten
u. ä. die äuszerlichste, roheste arbeit verrichten, die der feinen durchbildung vorangeht: die arbeit aus dem groben oder das erste schleifen, 'einreiszen' (
bei der glasschleiferei) Karmarsch-Heeren
3 4, 61; wenn sie, die Aegypter, die steine aus dem groben gearbeitet hätten H. Meyer
gesch. d. bild. künste 2, 28;
vielleicht ist diese anwendung auf die arbeit des stein- und bildhauers die ursprünglichste: nur aus dem groben läszt er sich den block durch den arbeiter hauen Fr. Th. Vischer
ästhet. 3, 1, 13;
dafür auch (
vgl. 2
schlusz): zwei von den .. gestalten liesz er dort (
in Carrara) schon im groben zuhauen H. Grimm
Michelangelo 1, 234;
gern superlativisch: die .. baumeister setzten die vollkommensten seulen unten, die nur aus dem gröbsten gearbeiteten in die höhe Lohenstein
Armin. (1689) 1, 630
b; das untere theil dieser statuen ist nur aus dem gröbsten entworfen Winckelmann 5, 22; nachdem er die platten aus dem gröbsten geschmiedet, schwellen die bilder .. unter seinen feinern schlägen aus dem erzte hervor Lessing 9, 111
M.; aber frühzeitig auch von anderer arbeit: weil ich gleichsam nur mit diesem werckgen eine arbeit aus dem gröbsten gebracht habe J. G. Schmidt
gestrieg. rockenphilos. (1706) 1,
vorr. 6
a;
im bilde: die Deutschen sind es .., welche das russische volk .. aus dem groben gearbeitet haben E.
M. Arndt 1, 200;
eine mit grob C 2 b
spielende, scherzende benutzung der technischen formel scheint auch vorzuliegen in der wendung: Ettner machte sich ein wenig aus dem groben
legte die überkleider ab Ettner
und Eiteritz
medic. maulaffe (1719) 844. E@55)
andere fälle sind dadurch unterschieden, dasz die an sich ähnliche begriffscontrastierung unter einem andern accent steht: das erste, äuszerlichste ist hier das hauptsächliche, wesentliche, wichtige: dasz die .. arbeit mehr als eines menschenalters nöthig war, auch nur die groben spuren der zerstörung zu verwischen Häusser
dtsche gesch. 1, 1; dasz er nur erst das gröbste und am meisten in die augen fallende wegräumen wollte
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 383;
diese bedeutung in mannigfachen wendungen der mundart und der umgangssprache: nu
n guet! so säg's! doch d's grebst!
nur das wichtigste Staub-Tobler 2, 689; de gräbsten freind
die zunächst wohnenden freunde Müller-Fraureuth 1, 443,
die intimsten, vertrautesten Fischer
schwäb. 3, 845;
oft mit deutlichem durchbrechen der bedeutung A
im sinne des schwierigsten, schlimmsten: das gröbste wegmachen
das notwendigste, schwierigste erledigen Müller-Fraureuth
a. a. o.; die gröbste (
kampf)arbeit ist nun wohl gethan Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 392;
am häufigsten: aus 'n gröbsten raus sein
über die schwierigkeiten hinweg sein Müller-Fraureuth
a. a. o.; de weekenfro is all ut dem grövsten
auszer gefahr Schütze
holst. 2, 71;
gern von kindern: die kleine patchen Adelheid ist nun bald aus dem gröbsten nach bildhauerausdruck Rauch
an Rietschel, briefw. 1, 242 (
im gedanken an den gebrauch 4); wenn das Fritzle nur einmal so weit aus dem gröbsten wär, dasz er könnt frein O. Ludwig 2, 129; das gröbste wär also, gott lob! überstanden Ayrenhoff 4, 13;
mischconstruction: das wäre sonach nun aus dem gröbsten überstanden Fichte 5, 378;
öfter mit 4
durcheinanderrinnend: die deutsche nation hat sich aus dem gröbsten herausgehauen, da sie ihre nationalität .. gerettet hat Riehl
deutsche arbeit 56. FF.
die feinsten abschattungen zeigt die bedeutung des adj. bei der anwendung auf die äuszere gebarung und innere beschaffenheit und artung des menschen (
und gewisser thiere)
; wieder treten die bedeutungen '
rauh'
und '
dick'
in eigenthümlicher wechselwirkung auf. F@11)
in anwendung auf die inneren organe des menschen bezeichnet grob
die stumpfheit des verstandes, der sinne, des gefühls; dieser gebrauch ruht auf der grundlage von B '
dick'
und vergleicht sich der spielart E '
nicht fein genug ausgearbeitet'. F@1@aa) grober verstand
obtusitas ingenii Er. Alberus
dict. (1540) 17
a; welher mensch vil flaischs hât .., daz bedäut groben sin und hert vernunft Konr. v. Megenberg
buch d. natur 47, 9; darzu ist mein vernunft ze grob und kan des nit erdencken Hätzlerin
liederb. 266
a; die jünger sind allweg grobs verstands gsyn, bis sy den geist gottes empfiengend Zwingli
dtsche schr. 1, 225;
sprichwörtlich (
mit anspielung auf C 1): grober verstand helt bestand Lehmann
florileg. polit. 1, 103; grob köpf behalten lang
schöne weise klugreden (1548) 160
b; an den groben köpfen ist kosten und arbeit verloren Fr. Wilhelm
sprichwörterregister (1577) a 2
b; ein voller bauch und grober kopf richt wenig ausz Petri
d. Teutschen weish. Y 8
b;
weiter vom menschen selbst: di einen sint gemeine lûte und grobe lûte .. in disen wirt dicke geborn daz êwige wort, daz si is nicht enwizzen
myst. 1, 44, 23
Pfeiffer; etlich Römer warn so grob und unvernúftig, das sy nit mochten vernemen das sy seilig wern worden
erste dtsche bibel 2, 4, 16; damit mich nit ertappen gleich die etwas grob seind am verstand Spangenberg-Fröreisen
griech. dr. 2, 9
lit. ver.; zuweilen geradezu: hebes dom
vel grop
ingenio; hebetatus dumme o. groppe Diefenbach 273
c; du must .. der grobiste und ungeschicktiste aller teufeln seyn, dass du dich hier .. einsperren läst Lindenborn
Diogenes 1, 196;
mit besonderer färbung: indocilis grob, ungelehrig Faber
thes. (1587) 255
b; es were dann, das sich einer (
ein lehrjunge) im jare also pessert oder das er als gar grob und ungelirnig wer Tucher
baumeisterb. d. stadt Nürnberg 36
lit. ver. von hier aus versteht sich die namentlich im älteren nhd. ungemein häufige anwendung auf thiere (
meist als scheltwort für menschen); '
stumpf, stupide, dumm': er ist ein unvernünftig thier, ein kue, ein ochs, ein grober stier Hayneccius
Hans Pfriem v. 2148
ndr.; grober büffel
s. th. 2, 492; geld setzt einen groben ochsen hoch ans bret Petri
d. Teutschen weish. 2, F f 1
a;
weiteres unter ochs
th. 7, 1131;
namentlich: das Leiptzig .. solche bachanten und grosse, grobe
esel neeren mus Luther 26, 542
W.; wir spotten seiner (
des esels) zwar; allein könnt es geschehn, dasz man dies grobe thier auf der catheder sehn (
sollte) Neukirch
ged. (1744) 176; sehet, wie der grobe eselskopf dort stehet und plaudert
schausp. engl. com. 76, 2
Creizenach; vgl. esel th. 3, 1145. F@1@bb)
wesentlich jünger, erst im 18.
jh. recht entfaltet, ist eine reihe anderer, ähnlicher anwendungen; von den sinnen: den (
staub) kan auch ein grobes, ein dunkles auge sehen Zesen
Assenat (1679) 75; (
der ursprung der Griechen) der sich vom gewöhnlichen nur durch wenige zarte, groben augen ganz unsichtbare merkmahle unterscheidet Fr. Schlegel 4, 105;
etwas anders (
an D 3
erinnernd): den sonnenstrahl, so wie ihn unser grobes auge blickt Heinse 4, 287
Schüddekopf; seltener vom gehör: sie (
die einfalt) hört auch grob, und in der melodie der nachtigall erschallt kein ton für sie Hagedorn 1, 100;
von den inneren sinnen: du bist von den belebten seelen, die zur empfindlichkeit geneigt .. sich mehr als grobe sinnen quälen Besser
schr. 1, 291
König; grob ist der mensch und will erschütterung in seinen groben sinnen fühlen Klinger
n. theat. 2, 109;
schlieszlich auch vom träger der gröberen inneren organisation: je nachdem die gegenstände vom häszlichsten und schönsten punkte einander näher rücken, ein desto feineres .. auge wird .. erfordert, es zu unterscheiden, was man .. freylich bey groben menschen nicht erwarten darf Lavater
physiogn. fragm. 1, 60; poeten wissen tausend sachen, die in dem groben theil der welt der wahn und aberwitz belachen Hagedorn 2, 169; erforschung der natur, das schöne weltgebäude sind nicht der wuchrer lust noch grober seelen freude 1, 26,
eine im späteren 18.
jh. öfter anzutreffende formel, die gelegentlich deutlich ihren ausgangspunkt aufweist: ihr heisset ihn eine grobe und dicke seele Schwabe
belustig. 1, 125. F@22)
mit dem blick mehr auf das äuszere menschlicher erscheinung und gebarung: '
derb, roh, ungeschlacht'
; die bedeutungen '
plump, massiv'
und '
rauh'
sind unlöslich miteinander verbunden; in älterer sprache besonders als epitheton niederer stände (
womit das adj. sich der linie C
nähert): weil du nur bist ein grober knecht Spangenberg-Fröreisen
griech. dr. 1, 130
lit. ver.; der letzte ist nichts als ein grober reitknecht Stephanie
d. j.
sämtl. lustsp., vorr. 5; wie ein grober baur blehet er den bauch Luther 30, 3, 239
W.; als sey ein jeder grober baur geschikt eine solche bürde zu tragen
Reinicke fuchs (1650) 230; dasz ich als ein plumper grober bauer auch bey personen über meinen stand recht wohl gelitten bin Bräker 2, 96;
freilich zeigen sich gerade bei dieser häufigsten formel schwankungen der bedeutung, namentlich nach 1 a
hin: was leret yhr mich doch mit solcher grosser kunst, denn eben das mich der gröbist pawr .. leren kunde Luther 7, 681
W.; auch des gröbsten bauern fühlhörner sind immer noch fein genug Riehl
dtsche arbeit (1861) 197;
vgl. 3;
weiter auch von dem, was niederem volke eigen ist: etwo in grober sprach werden sie schergen genant
d. neu laienspiegel (1518) 5
b; eine grobe art zu leben
genus vitae agreste Steinbach 1, 644;
ähnlich ist anscheinend die namentlich im älteren nhd. häufige formel grob deutsch
zu erklären; urspr. die sprache des gewöhnlichen volkes gegenüber dem lateinischen: zu latein genant .. comitatus, nach grobem teutsch grafschaft Knebel
chron. v. Kaisheim 5
lit. ver.; Pilatus solte wol also hergegangen sein und mit inen gut grob deudsch geredt haben Luther 28, 343
W.; gern um eine unanständigkeit des ausdrucks zu entschuldigen (
also an 5 a
sich anlehnend): sy (
die beiden nackten) haben ein ander gebraut, grob teütsch
clag, antwurt (
Augsb. 1497) 153
b; auf grob teutsch eyn gwölle Sebiz
feldbau (1579) 570;
vgl. und, grob und deutsch gesagt, das maul zu halten Raabe
leute a. d. walde (1863) 1, 69.
jüngere zeit erweitert und verfeinert die verwendungsmöglichkeiten dieser bedeutung mannigfach: solch schlächtervolk ist grobe nation Tieck
schr. 1, 199; sehet auch, wie ihr (
distichen) in S
*** den groben fäusten entschlüpfet Göthe 5, 216
W.; anders, mehr im gegensatz zum zarten: die welt streckte ihre grobe hand nach ihrem glück aus Storm 4, 142;
vgl. (
in Berlin lebt) ein so verwegener menschenschlag .., dasz man mit der delikatesse nicht weit reicht, sondern dasz man .. mitunter etwas grob sein musz Göthe
gespr. 4, 330; und habe ich weh getan, so war es gewisz nicht meine absicht, am wenigsten grob zu sein Pückler
briefw. u. tageb. 1, 142. F@33)
mit wechselndem zielpunkt im sinne des ungeformten, unentwickelten, rohen; hier tritt neben dem maszbegriff in der spielart E
die bedeutung '
rauh'
im sinne des unbearbeiteten, ungeschliffenen deutlicher hervor; so im hinblick auf mangelnde erziehung und kultur des menschen: '
unwissend, ungebildet': es wissen nit die groben astronomy die konst Muskatblüt 96, 85; mancher ungelerter grober laye
N. v. Wyle
translat. 10, 2
Keller; ward in teutschen landen gantz grob und ungelert priesterschaft
städtechron. 3, 80; ein grober und unerfahrner höfischer sitten, ein Bergomascer Kirchhof
wendunm. 2, 418; ein grober mensch gibt .. den künstlern nicht gern gelt aus Fr. Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) p 2
a; der deutsche adel, der bis dahin unwissend und grob gewesen war, reiste dorthin (
nach Paris) Jung-Stilling 6, 12;
nicht notwendig mit tadelndem sinn; öfter für '
einfach, simpel': bedenckt, das die heiligen aposteln auch grob einfeltig fischer .. gewesen sind H. v. Cronberg
schr. 98
ndr.: Ferondo gar ein schlecht grob man mit weise und geperde Arigo
decam. 217
Keller; der tochter vatter was ain schreyner, ayn fromm grob man
Fortunatus 55
ndr.; von schlechten, armen, groben ältern geboren Wickram 2, 66
lit. ver.; aber auch vom stande völliger unkultur: wie kan ein gröber mensch sein, dann der das fleisch rohe friszt und die haut ungearbeit anlegt Paracelsus
op. (1616) 1, 219 B; sie (
die stimme) hat uns menschen erst zu menschen recht gemachet .., als wir noch waren grob Fleming
dtsche ged. 1, 122
lit. ver.; von völkern '
primitiv, uncivilisiert': es were ja solch recht .. in aller menschen hertzen geschriben und auch bei den allergröbsten völckern gebreuchlich Achacius
chron. Sleidani (1557) 62
b; lehrt auch das grob volck die viehzucht H. Sachs 8, 459
Keller; aufs kurtzist, ist es ain gantz grob, aber guet volck Abr. Ortelius
schauplatz d. erdbodems (1572) 53
a;
auch hier kann '
primitiv'
auszeichnenden sinn haben: sehr ein einfältig, simpel, fromm .. volck .., rechter deutscher art, grob von sitten und leben Ammersbach
churbrandenb. chron. 17. F@44)
beschränkter ist ein gebrauch, nach dem grob
das ungeformte, rohe in sittlich-religiösen dingen bezeichnet; bei Keisersberg
häufiger: schick dich mer zuo der hailigen beicht dann ander grob menschen, die allain in der vasten .. beichten
granatapfel (1510) B 3
d; seyd ir leben also grob und unerkant ist gen got in iren jungen tagen gewesen C 1
b;
unter umständen kann das adj. fast die bedeutung von '
sündig'
annehmen: gott hat mir als vil guots gethon, und hett mir es ain grober mensch geton, ich wär in schuldig lieb zuhaben D 4
c;
ähnlich empfunden scheinen fälle wie: wyr durfen solichs fegens .. teglich wol, von des alten groben Adams wegen Luther 12, 273
W.; so bald der mammon die groben, steinechten hertzen eingenomen Scheit
Grob. s. 4
ndr.; vielleicht auch: zwar mögen etliche (
priester) wohl biszweilen grob und geitzig seyn und gerne sehen, wenn ein solch pinguis victima (
ein reiches beichtkind) in ihre hand komme
d. wohlgepl. priester (1689) 162. F@55)
umso ausgebreiteter, aber erst seit dem nhd., für die roheit in bezug auf anstand und sitte; hier aber, anders als bei 3,
mit einem starken positiven gehalt, der sich nur unmittelbar aus der bedeutung '
rauh'
herleiten kann; '
die unhöflichkeit
bestehet in einem mangel der guten und artigen sitten ..; die grobheit ..
in übelen sitten, welche allen menschen anstöszig sind' Stosch
gleichbed. wörter 2, 506. F@5@aa)
wesentlich aufs ältere nhd. beschränkt ist die derbste bedeutung '
unflätig, schmutzig, gemein'
: obscoenus unflätig, wüst, grob, unrein, unkünsch Frisius
dict. (1556) 895
a; der grob ist der unfläterey gewohnt wie der stallknecht desz mists Lehmann
florileg. polit. 1, 373;
als scheltwort: du grobe möstsaw, pfey dich an Scheit
Grob. v. 4006
ndr.; denn: under allen thyeren ist die saw ein grob thyer Eppendorf
Plinius (1543) 85; fartzet auch darzuo wie ein grobe küw Lindener
katzipori 130
lit. ver.; (
ein knebel) der sich grob hielt und sewisch fräsz Scheit
Grob. v. 485
ndr.; darzuo ists auch ein grober sitt ein brastlens mit der nasz zumachen
v. 262
und sonst oft; gern auch von gesprochenen unanständigkeiten: etliche nennen diese glieder (gromen
oder hoden) züchtig die gemechte .. vermeinen, es seye wie oben viel zu grob geredt Wirsung
arzneibuch (1588) 312
d; mithin müssen alle grobe, unflätige und zweydeutige worte aus den versen bleiben Neukirch
anfangsgründe 109; und das ichs grob erausz sage Luther 10, 2, 156
W.; wo hat ers gelesen? der sau im (grob heraus) hindern Prätorius
saturnalia (1663) 141;
ähnlich zuweilen grob deutsch,
s. o. 2; ob schon die hystoria an ihr selber grob und unflätig ist Schumann
nachtbüchl. 225
lit. ver.; wann einer unter euch einen groben zoten und stinkenden possen vorbringt
Reinicke fuchs (1650) 266; grobe, unflätige, säwische, scham- und zuchtlose narrentheidung Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 6
ndr.; wenn aber ein poet nur mit der saue leutet und gern auf schändlich ding mit groben possen deutet Rachel
satyr. ged. 74
ndr.; so auch: wir haben zu ser über di schnur gehauen und haben ain grobs leben gefürt
fastnachtsp. 1, 724, 7
Keller. F@5@bb)
der zunehmenden gesittung entsprechend verfeinert sich der begriff je später, je mehr;
im 16.
jh.: rudis grob und wild an den sitten Diefenbach 503
a;
im 18.
jh.: immodestus, inurbanus indiscret, unhöflich, grob Apinus
gloss. nov. (1728) 287; Thell, wie bist du so ein grober mann, das du für mins herren huot darfst gan, neigst dich nit, thuost im kein reverentz?
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 3, 24
Bächtold; geschenck verweissen ist grob und bewrisch Petri
der Teutschen weish. F f 3
a; seine grobe aufführung misfällt jedermann
ses manières crues Schwan
nouv. dict. 1, 791
b; ha, ha, ha! fiel er mit grobem gelächter ein Gutzkow
zauberer v. Rom (1858
ff.) 5, 169;
anders: die abgekommne cortesie erhob er hoch, bedeutend: diese welt wird grob! C.
F. Meyer
Huttens l. tage (1905) 27;
vgl.unsere deutsche sitten düncken uns zu grob Butschky
Pathmos (1677) 26;
seit alters im gegensatz zu '
höflich': werden mancherley leut .. fürgwendt, diser gütig, der rauch, diser höflich, der grob Boltz
Terenz (1539) 86
a; ich hab manchen menschen gefunden, der vor lauter höflichkeit grob ward Bode
Montaigne 1, 91;
vgl.gar zu höflich ist halb grob Schellhorn
sprichw. 87;
Meph. du weiszt wohl nicht, mein freund, wie grob du bist?
Bacc. im deutschen lügt man, wenn man höflich ist Göthe 15, 98
W.; die letzten beispiele zeigen das verrinnen dieser bedeutung mit 6 b,
s. d.; hierher auch die noch heute in niederer umgangssprache und in den maa. verbreitete wendung: ek wil sau grof (
so unhöflich) sîn
beim annehmen einer einladung zum mitessen Schambach 69
a; Fischer
schwäb. 3, 846
und sonst. F@66)
endlich die anwendung auf die sinnesart, die die grundbedeutung A
am reinsten zeigt: F@6@aa) '
roh, wild': disz ist ... ein grausam, grob, verwegens, freysams volck (
die Türken) Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 70
b; allweg streitpar, wie gemeynklich grob wild unbesunnen leut seind 3
a; hippocentauri ... waren grobe leut in Thessalia Alberus
dict. (1540) 50
a; ihn (dem an betrug, meinayd, hochmuht und wühterey die grobe feind gleich leben) Weckherlin
ged. 1, 353
lit. ver.; ebenso in der formel: grimm und grob,
s. grimm
adj. 3 a;
auch von thieren: der selben liebe .. ist als eines groben, tobenden hundes liebe Hartlieb
Ovid (1484) 6
b; als er sie macht zu einer speysz den vöglen und den hunden grob Spreng
Ilias (1610) 1
a;
etwas schwächer: '
rauh, hart'
; asper, durus, inhumanus, obduratus Henisch 1747; daz ist grob von euch gehandlet und unbarmhertziglich (
duriter inmisericorditerque adelphi 662) Boltz
Terenz (1539) 101
b; ... Jupiter, du strenger gott, wie bist du gegen mir so grob Spreng
Ilias (1610) 36
b; (
wäre ich doch gestorben) ehe denn mich das feindtselige ungefell verknüpfet hette einem harten und groben mann
buch d. liebe (1587) 113
c;
gelegentlich noch spät: bei welcher die organe Gisquets .. mit säbeln und stöcken unter schuldigen und unschuldigen eine grobe scene aufführten Gutzkow 7, 26;
hierher auch die alte formel: nach grobem schertz folgt gemeiniglich blut Petri
der Teutschen weish. 2, P p 7
a; es ist ein grober schertz, der taschen leert A a 5
b;
die gelindere bedeutung im ganzen jünger: er (
Rudolf v. Habsburg) machte und vertrug einen groben scherz G. Freytag 18, 82. F@6@bb)
aus a
entwickelt sich in neuerer zeit eine mildere, anders gefärbte bedeutung: '
rauh'
im sinne '
barsch, unfreundlich'
; heute der lebendigste gebrauch: im amte musz man grob seyn, denn von der grobheit kommt die autorität Raupach
dram. werke ernster gattung 3, 339; wenn das auswärtige amt nicht so rücksichtslos und grob gewesen wäre Bismarck
ged. u. erinn. 2, 194
volksausg.; ihr seid ein biszle grob mit den leuten O. Ludwig 2, 56;
nicht selten mit dem besonderen sinn der rauhen auszenseite, die den guten kern birgt: gab mir mein vater Uli
M., einen groben, aber geraden, ehrlichen menschen zum gehülfen Bräker 1, 73; er blieb grob, und wurde desto gröber, je .. herzlicher er sein wollte Holtei
vierzig jahre 1, 233;
adverbial: wann man ihn (
einen fremden) grob anfahret Abr. a St. Clara
etw. f. alle 2, 75; wart nur, kommst du mir grob, komm ich dir auch nit fein Anzengruber 3, 122;
etwas anders (
mit hinneigung zu D 4 a): der hergott weisz mit Pohlen umzugehen, wenn er nicht grob kömmt, so verstehn wirs nicht! Zach. Werner
kreuz a. d. Ostsee (1806) 134; 'Gortschakoff est un animal', was in dem Petersburger jargon nicht so grob gemeint ist, wie es klingt Bismarck
ged. u. erinn. 2, 256
volksausg.; bei sächlichem regens auf ganz bestimmte begriffscomplexe beschränkt: eine schrift wieder mich .., so grob .., das ich sehr darüber gelacht habe Gleim
briefw. 2, 216; auch ist sie (
die proclamation) nicht in Scheles grobem stil, sondern milder und erträglicher geschrieben Jac. Grimm
an Dahlmann, briefw. 1, 306; eine zwar ziemlich grobe, aber lesenswerte kritik
jahrbuch d. Grillparzergesellsch. 6, 17; einen sehr groben brief E. Th. A. Hoffmann 13, 135
Grisebach; das bezeichnende für diesen gebrauch ist, dasz gewöhnlich der begriff des unhöflichen mehr oder minder stark mitklingt; besonders deutlich: Sebast.: aber die wahrheit ist nicht immer höflich.
Helene: so laszt mich denn eure grobe wahrheit hören Bauernfeld 2, 163; da .. sich Göthe .. so bäurisch grob gegen mich benommen hat Bertuch im
Göthejahrb. 2, 375; und an jeden groben kellner hab' ich mich umsonst gewandt Heine 1, 127
Elster; (
man) excommunicirte den guten kayser mit den gröbesten, ungeschliffensten ausdrückungen von der welt Hahn
einl. z. teutschen kaiserhist. 3, 148; (
er wurde) mit den gröbsten schimpfreden überschüttet D. Fr. Strausz
ges. schr. 9, 4;
so verrinnt diese bedeutungslinie schlieszlich mit der von 5 b. F@77)
sehr zahlreich sind die sprichwörter, redensarten und vergleiche, die das grob F 1—6
bieten, wobei bald die eine, bald die andere der sonderbedeutungen vorklingen kann: grobe leute, grobe antwort Fr. Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) u 2
a; gut land, grob volck Petri
d. Teutschen weish. 2, H h 3
a; bey den groben wird man grob K 8
b; was grob ist, hält!
sagt man, um grobheit zu beschönigen Müller-Fraureuth 1, 443
a;
ähnlich im alem. Staub-Tobler 2, 689;
vgl.C 1;
an A 2
schlieszen sich bilder wie: er (
der henker) solt disz gsetz mit groben noten ihm fein auf seinen rucken schreiben Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 66
ndr.; in noch gröberer tonart gab ihm Malte seine unzufriedenheit zu erkennen W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 200;
an B 1 c: weil .. keines verlegen war, auf die grobe münze des andern kleingeld genug herauszugeben G. Keller 6, 228;
auf C 2 c
beruht grob wie bohnenstroh,
heute wohl allgemein, hd. wie nd.; alte wendung: er sei denn gröber denn bonenstroh Halverius
wahrhaft. beschreib. (1570) 212; Eyering
proverb. 2, 386;
aber früher auch im sinne von 1 a: du bist grober dan bonenstro
Praxillae Adonide stupidior Tappius
adag. (1545) 78
a;
auch gr. wie saubohnenstroh Ruckert
unterfränk. 65, Fischer
schwäb. 3, 846; wie haferstroh
ib., Staub-Tobler 2, 688; wie sackleinwand (
vgl.C 2 b) Müller-Fraureuth 1, 443
a;
vgl. Ruckert 65;
geheimderäthin: .. der oberste ist doch sehr indiskret!
Goldentraum: zu deutsch, grob wie ein sack Kretschmann 3, 53; gröber als grob Fischer
schwäb. 3, 846
und sonst. bilder sind auch zahlreiche scheltworte mit attributivem grob;
die meisten stellen sich zu dem gebrauch B 1 b;
in älterer zeit vielfach auf die bedeutung 1
zielend, in neuerer gewöhnlich auf 5 b
oder 6 b: kan man nicht galant betrügen, nennt man uns ein grobes holtz Günther
ged. (1735) 83;
bei Schupp
noch in vollem bilde: es war unmöglich, aus diesem groben holtz einen doctor ... zu schnitzen
schr. 802;
vgl. meister Grobianus, künstreicher .. löffelschnitzler und träher der groben höltzlin zu Lourdemont Scheit
Grob. 8
ndr.; o yhr groben klotze Luther 8, 311
W.; vgl. klotz I 3 b; du bist ein wuost und grober knoll H. R. Manuel
weinsp. 1926
ndr.; 'n grafen knull
grobian Stürenburg 76
b;
vgl.knolle II 9; hier bawer, bengel, grober
knopf, hörst nicht? Gilhusius
gramm. (1597) 73;
vgl.knopf II 13 b; er ist ein grober knortz Eyering
proverb. 2, 341;
vgl.knorz 7; grober
knoten s.knoten II 15 a; du bist ein grober zaunsteck Eyering 1, 786; (
unnütze arbeit hat) welcher .. einen groben ast zum heyligen mit lehren will machen Lehmann
florileg. polit. 1, 495; en grôwe ast
grobian Schambach 69
a:
überall ist es das gleiche sinnliche verstehen des adj., das die schaffung dieser formeln begünstigt hat; fraglicher ist das bei grober
kegel, grober flegel,
wo sich von anfang an eine abgezogenere bedeutung des adj. verstehn liesze, s. kegel 11, flegel 2;
vgl. auch grober keil
unter keil 6; ihr groben filtz an zucht und ehr! (
sagt Eva zu ihren kindern) H. Sachs 1, 66
Keller, auch das urspr. ein bild nach C 2 b,
den in groben filz gekleideten bauern bezeichnend, s. filz 4
mit vielen belegen; grober rülz
beruht auf der bedeutung 4 a,
belege unter rülz 2; ein grober cuius Eyering
proverb. 2, 340; ein grober lümmel G. Keller 5, 164; grober ochs, esel
u. ä. s. o. 1 a;
im selben sinne grober hempel
th. 4, 2, 985;
manche deutsche stämme sind von sprichwörtlicher grobheit: grober Hesse
ist heute im sinne '
grobian'
bis ins schles. bekannt;
ebenso, als reines appellativum, schon im 15.
jh.: zu diesen zeiten ward durch die groben Hessen (
die mitglieder der zünfte) ausz dem rathaus (
zu Nürnberg) getragen alles, das von alter her behalten was an briefen
städtechron. 3, 146;
urspr. vielleicht ebenso wie blinder Hesse,
also nach 1 a
zu verstehen; den er was ouch ein grober Schwab (
von einem Baseler meister) Platter 52
Boos (
im sinne 6 b)
; vgl. th. 9, 2143
f.; grob wie ein Baier Fischer
schwäb. 3, 846;
auch vom Deutschen überhaupt, im vergleich zu andern völkern: dardurch es dahin gerhaten, dasz wir .. von andern nationen .. teutsche volle sew und grobe volle Teutschen .. genant werden Scheit
Grob. 4
ndr.: stell' mich dem groben Deutschen gegenüber, der seine klinge, wie ein
grobschmied, schwingt Hebbel I 2, 82.