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grobian

mnd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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13 in 13 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grobian m.

Bd. 9, Sp. 417
grobian, m., verkürzt aus grobianus, einer urspr. scherzhaft gemeinten latinisierenden substantivbildung zu grob; beeinflussung durch grober Jan = Johann (so schon Adelung) ist bei der oberdeutschen heimat der bildung wenig wahrscheinlich; doch bleibt die parallele von grobhans (s. d.) zu beachten, das freilich auch auf grobian beruhen könnte; noch im 18. jh. grober Hans allg. dtsche bibl. 29, 368; bei Luther mehrfach Hans Grobianus, s. u. und Dietz 2, 171a; ältester beleg: bauer, rusticus, grobianus voc. theut. (1482) e 4a; der bahnbrecher für das wort war Seb. Brant, der für die bei tische flegelnden einen neuen orden erfand: eyn nuwer heylig heiszt Grobian narrensch. 72, 1 Zarncke; Murner (s. u.) und H. Sachs griffen das wort, dieser auch das bild auf: wan wir haben hir ainen gspon, der kumbt her von sant Grobion und wil zu sant Dölpian gen 23, 158 Keller-Götze; vgl. 9, 315, 9; 17, 416, 1 ff.; so mag sich sant Grobianus nit verbergen Wickram rollwagenb. 3, 68 Bolte; der stärkste verbreiter des ausdrucks und der satire war Scheit durch die verdeutschung von Dedekinds Grobianus; bei ihm statt des heiligen der meister Grobian(us) s. 8 ndr.; buch und titelfigur bleiben lange lebendig: izunt thut man gar anders reformiern, man thut den Grobianum declamiern sat. u. pasqu. 1, 163 Schade (quelle von 1587); vgl. 160, 219; können .. ihre jünger solcher lügen nicht satt werden, wie ausz Setzii und seines Grobiani schönem gespenst wider D. Hunnium offenbahr Nigrinus anticalvin. (1595) 419; dem besuchten will dergleichen (höflichkeit) gebühren; im fall er nicht für einen geschwornen bruder des Grobiani wil angesehen .. seyn Butschky Pathmos (1677) 682; lateinische formen bis ins 18. jh.: pfu, du grobianus! Holberg n. schaub. 3, 152; noch heute mundartlich grobianes lux. ma. (1906) 155a; bedeutung zunächst: mensch von rüpeligem, unanständigem benehmen: darumb blybt er ein grobian, das heiszt zuo guottem tütsch ein losz Murner narrenbeschw. 41 ndr.; und zwar besonders bei tisch: beneveneritis nobis, her grobian! sursum corda, facht essen an! schelmenz. 35 ndr.; doch auch sonst: Fischart bei der abwehr eines spottgedichtes: ich mus die mistflig mistflig nennen, .. ich mus aim solchen grobian die sach grob geben zuverstahn glückh. schiff s. 48 ndr.; [] so bis heute, wenn auch der grad der unhöflichkeit und sitteverletzung immer geringer wird (vgl.grob F 5 b): die musen klagen über dichter, die den Helicon umschwärmen: wollen uns — wie garstig! — nöthen, ey! die grobian! was ich ohne schamerröthen nicht erzählen kann Schiller 1, 245 G.; quod si Romanos nos esse meminissemus (wir! ... schlieszt sich mit ein, der grobian!) K. Fr. Cramer Neseggab 4, 156; er nimmt mir aus dem munde das wort, herr grobian! Brentano 7, 225; daneben seit alters im sinne von grob F 6, 'rauh, barsch, unfreundlich': man findt wol eynen grobian, der grifft ein frouw so schentlich an Murner gäuchmatt v. 4889 Uhl; wie wird man angeschnauzt von grobianen Jean Paul palingen. 2, 65; der grobian! .. da schaun sie her, wie er mich gedruckt hat Bäuerle kom. theater 2, 43; jeder regierungs-kanzlist .. ist .. ein grobian Börne schr. 5, 16; in älterer sprache klingen auch andere bedeutungen des adj. an: tölpel, bardus Henisch 1747; grobian significans bardum, blennum, grossum, idiotam, fungum, truncum, stipitem, asinum, rusticum Stieler 706; der könig der Scythier, der lieber wollt hören ein pferd wichlen dann das .. seitenspiel, wirt als ein grobian verlachet quelle von 1582 bei Staub-Tobler 2, 690; der baurenknecht, welches sonst plumpe grobiani zu seyn pflegen Grimmelshausen Simpl. 3, 196 Kurz; schon bei Luther im sinne 'dummkopf': o Hans Grobianus bist du 16, 164 W. erweitert grobianer: das sollich red der grobianer was Murner schelmenz. 20 ndr.; diese form hat dann Scheit in schwang gebracht; bei ihm stehende bezeichnung der schüler des meisters Grobian; er spricht vom grobianer orden v. 1097, vom grobianer geschlecht v. 1162, von der grobianer zunft v. 2073; rechte grobianer Höniger narrensch. (1574) 392b; der grobianer Eyering proverb. 1, 28; so noch im 18. jh. bei Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 812; der verf. .. nennt .. diese herren .. grobianer allg. dtsche bibl. 96, 286. —
4251 Zeichen · 90 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    grobianM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    grobian , M. nhd. Grobian, Unmanierlicher Hw.: s. grōviān, grofian E.: s. grof (1) W.: s. nhd. Grobian, M., Grobian, DW …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grōbiān

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Grōbiān , des -es, plur. die -e, ein Deutsches Wort mit einer Lateinischen Endung, welches vielleicht aus grober Jan…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grobian

    Goethe-Wörterbuch

    Grobian ungehobelter, auch brutaler Mann; je einmal ‘den G. spielen’ (in Selbstaussage), ‘toller G.’ [ Dichter zum Kelln…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grobĭan

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Grobĭan , soviel wie grober, ungeschliffener Mensch. In Seb. Brants »Narrenschiff« ist in humoristischer Weise Grobianus…

  5. modern
    Dialekt
    Grobian

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    PfWB RhWB Grobian [Kropiân Su. ; Krowiân Obhergh. ; Kròwiàn Str. ] m. grober Mensch.

  6. Sprichwörter
    Grobian

    Wander (Sprichwörter)

    Grobian 1. Die vor dem Grobian sich bücken, bekommen Fusstritt' in den Rücken. Span. : Un ruin mientras mas lo ruegan ma…

  7. Spezial
    Grobian

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gro|bi|an m. (-[e]s,-e) porsona groia f. ▬ tölpelhafter Grobian mazoco m. ; ciorlo (-li) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grobian

9 Bildungen · 6 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von grobian 2 Komponenten

gro+bian

grobian setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grobian‑ als Erstglied (6 von 6)

grobianin

DWB

grobianin , f. : die diebische grobianin Jean Paul 15/18 , 389 Hempel. —

grobianisch

DWB

grobian·isch

grobianisch , adj. , scheint eine schöpfung Scheits : in disem grobianischen büchlin Grob. 6 ndr.; das grobianisch gsind v. 2283; ein grobia…

grobianismus

DWB

grobianismus , m. , concret = grobiansstück Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 33 ndr. —

grobianist

DWB

grobian·ist

grobianist , m. = grobian Flitner Sphinx (1624) 599 , vereinzelte bildung; ebenso grobiant, m. Guarinonius greuel der verwüstung (1610) 1043…

Grobianslaune

GWB

grobian·s·laune

* Grobianslaune in Selbstaussage Wer mit mir umgehen will, muß meine Grobians-Laune auch zugeben, ertragen, wie eines Anderen Schwachheit od…

Grobianus:

DWBQVZ

grobi·anus

Grobianus: Grobianus tischzucht bin ich genant, den brüdern im seworden wolbekant. o. o. 1538. am ende: W. S. -- QV V --. verf.: Wilh. Salzm…

grobian als Zweitglied (2 von 2)

urgrobian

DWB

urgrobian , m. zu urgrob (ur- B, C 4 a. vgl. hunds-, sack-, saugrob): List war ein u. W. Menzel denkwürdigkeiten (1877) 222 ; Carion ein get…

Ableitungen von grobian (1 von 1)

urgrobian

DWB

urgrobian , m. zu urgrob (ur- B, C 4 a. vgl. hunds-, sack-, saugrob): List war ein u. W. Menzel denkwürdigkeiten (1877) 222 ; Carion ein get…