lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Grobian

mnd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
13 in 13 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
Verweise rein
27
Verweise raus
23

Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

Grobian

Grobian

grob Adj. ‘rauh, nicht fein, derb, unhöflich, barsch’, ahd. g(e)rob ‘grob, dick, tief tönend’ (um 1000), mhd. grop, grob (vereinzelt gerop), mnd. grof ‘massig, stark, reichlich, ungebildet, unangemessen’ (mnd. auch ‘tief tönend, einfach, verständlich’), mnl. grof, groef, grouf ‘dick, schwer, schwanger, groß, reichlich, nicht fein’, nl. grof ‘grob, roh, plump’. Die Herleitung des nur dem dt.-nl. Bereich angehörenden Adjektivs (anord. grōfr ‘groß, grob’ entstammt dem Nd., engl. gruff ‘mürrisch, grob’ dem Nl.) ist nicht gesichert. In der Regel wird ahd. g(e)rob als Präfixbildung mit germ. *ga- (s. ge-) aufgefaßt, deren Stamm sich zu ahd. (h)riob ‘aussätzig’ (9. Jh.), (h)ruf (8. Jh.), frühnhd. ruf(e) ‘Schorf, Aussatz’ (15. Jh.), aengl. hrēof ‘rauh, schorfig, aussätzig’, anord. hrjūfr ‘uneben, rauh, schorfig’ stellen und mit lit. kraupùs ‘rauh, uneben, struppig’, aslaw. krupica ‘Brosame, Krümchen’, russ. krupá (крупа) ‘Grütze, Graupen’, krúpnyj (крупный) ‘grobkörnig, groß’ auf ie. *kreup- ‘Schorf, sich verkrusten’ zurückführen ließe. Andere Erklärungsversuche betrachten gr- als Stammanlaut (mit jungem Sproßvokal) und verweisen auf ie. *ghrēu-, *ghrəu- ‘scharf darüber reiben, zerreiben’, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’; nächste Verwandte wären dann Griebe, Griebs und groß (s. d.). In beiden Fällen ergibt sich für grob eine Ausgangsbedeutung ‘körnig, rauh’, aus der der in den älteren Sprachstufen vorherrschende Sinn ‘massig, dick’ hervorgeht. Die heute mit dem Adjektiv verbundene negative Wertung tritt erst im Nhd. stärker zutage. – gröblich Adj. ‘beträchtlich, stark, schlimm’, adverbiell ‘heftig, sehr’, mhd. grobelich Adj., grobelīche(n) Adv., mnd. gröflīk, groflīk Adj., gröflīk(en), groflīk(en) Adv. ‘groß, stark, heftig, in hohem Maße, sehr, viel’; zunächst Adverbialbildung zum Adjektiv mhd. grop, mnd. grof (s. oben), der adjektivische Gebrauch ist bis in die Gegenwart nur schwach bezeugt (vgl. gröblicher Irrtum). Grobheit f. ‘Derbheit, Unfreundlichkeit’, auch ‘barsche, unhöfliche Äußerung’, mhd. (besonders spätmhd.) gropheit, grobheit ‘Dicke, Unebenheit, Rauheit, Körperlichkeit’, mnd. grofhēt ‘Rauheit, Unebenheit, Roheit, Unhöfischkeit’. Grobian m. ‘derber, ungesitteter Mensch’ (15. Jh.), bis ins 18. Jh. auch Grobianus, latinisierende humanistische Scherzbildung in Anlehnung an Heiligennamen auf lat. -ānus, vgl. Cyprian(us), Damian(us). vergröbern Vb. ‘gröber machen’ (Anfang 18. Jh., zuvor vergröben, 17. Jh.), Präfixbildung zu einem nur vereinzelt belegten Faktitiv frühnhd. gröbe(r)n. grobschlächtig Adj. ‘von grobem Schlage, derb, plump’ (19. Jh.). Die Zusammensetzung lehnt sich wohl an andere, besonders im Obd. verbreitete Adjektive mit -schlächtig an. Zum zweiten Kompositionsglied, das auf mhd. -slaht ‘geartet’ beruht, s. ungeschlacht und Geschlecht. Grobschmied m. vom 17. bis ins 19. Jh. gebräuchliches Synonym für Schmied (s. d.), das den Unterschied zum (Schlosserarbeiten ausführenden) Kleinschmied hervorhebt (vgl. frühnhd. grop werk ‘grobe Schmiedearbeit’, 15. Jh.).
3059 Zeichen · 93 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    grobianM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    grobian , M. nhd. Grobian, Unmanierlicher Hw.: s. grōviān, grofian E.: s. grof (1) W.: s. nhd. Grobian, M., Grobian, DW …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grōbiān

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Grōbiān , des -es, plur. die -e, ein Deutsches Wort mit einer Lateinischen Endung, welches vielleicht aus grober Jan…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grobian

    Goethe-Wörterbuch

    Grobian ungehobelter, auch brutaler Mann; je einmal ‘den G. spielen’ (in Selbstaussage), ‘toller G.’ [ Dichter zum Kelln…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grobĭan

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Grobĭan , soviel wie grober, ungeschliffener Mensch. In Seb. Brants »Narrenschiff« ist in humoristischer Weise Grobianus…

  5. modern
    Dialekt
    Grobian

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Grobian [Kropiân Su. ; Krowiân Obhergh. ; Kròwiàn Str. ] m. grober Mensch.

  6. Sprichwörter
    Grobian

    Wander (Sprichwörter)

    Grobian 1. Die vor dem Grobian sich bücken, bekommen Fusstritt' in den Rücken. Span. : Un ruin mientras mas lo ruegan ma…

  7. Spezial
    Grobian

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gro|bi|an m. (-[e]s,-e) porsona groia f. ▬ tölpelhafter Grobian mazoco m. ; ciorlo (-li) m.

Verweisungsnetz

41 Knoten, 39 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 8 Kompositum 28 Sackgasse 5

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grobian

7 Bildungen · 6 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von grobian 2 Komponenten

gro+bian

grobian setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grobian‑ als Erstglied (6 von 6)

grobianin

DWB

grobianin , f. : die diebische grobianin Jean Paul 15/18 , 389 Hempel. —

grobianisch

DWB

grobian·isch

grobianisch , adj. , scheint eine schöpfung Scheits : in disem grobianischen büchlin Grob. 6 ndr.; das grobianisch gsind v. 2283; ein grobia…

grobianismus

DWB

grobianismus , m. , concret = grobiansstück Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 33 ndr. —

grobianist

DWB

grobian·ist

grobianist , m. = grobian Flitner Sphinx (1624) 599 , vereinzelte bildung; ebenso grobiant, m. Guarinonius greuel der verwüstung (1610) 1043…

Grobianslaune

GWB

grobian·s·laune

* Grobianslaune in Selbstaussage Wer mit mir umgehen will, muß meine Grobians-Laune auch zugeben, ertragen, wie eines Anderen Schwachheit od…

Grobianus

Wander

grobi·anus

Grobianus 1. Dem grobianus ist gut weissheit oder geschicklichkeit zu vertrawen, man suchts nicht bey jhme. – Lehmann, 350, 8. 2. Der ein Gr…

Ableitungen von grobian (1 von 1)

urgrobian

DWB

urgrobian , m. zu urgrob (ur- B, C 4 a. vgl. hunds-, sack-, saugrob): List war ein u. W. Menzel denkwürdigkeiten (1877) 222 ; Carion ein get…