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kegel

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kegel

Bd. 11, Sp. 389
kegel, m. filius spurius, unehelicher sohn, denn so gibt bestimmt der voc. th. 1482 die bed. an: kegel oder kotzensun, spurius. q 2a (kotzensun, hurnsun r 1b, s.kotze). ältere zeugnisse, bis jetzt selten, geben aber kekel, aus zwei mitteld. quellen: 'succuba, filius rivalis, ein kekel. dicimus enim do lief us kint und kekel' handschr. voc. v. 1422 in Breslau, s. mhd. wb. 1, 794a; irdenke, wie ich bî si kome, dîns kindes kekel sal iʒ vrome (nützen). Bartsch mitteld. ged. 90, 226, das versprechen eines verliebten hohen herrn an eine kupplerin, offenbar gleich 'kindes kind' überhaupt, obwol bei dem kindeskind einer kupplerin doch auch 'kotzensun' gedacht sein könnte; diesz zeugnis reicht übrigens wol ins 13. jh. zurück. doch auch hier erscheint es nicht mehr selbstständig, sondern schon in der verbindung mit kind; diese verbindung, meist 'kind und kegel', ist eine jener formeln, in denen ein sonst erstorbenes wort sich noch lange mit fortschleppt, und diese gerade, die noch heute lebendig ist, wird mit ihrem stabreim bis in die zeit der ältesten alliterierenden dichtung zurückreichen: nun hört ir herren alle gemain, paide grosz und auch klain, alt, jung, kegel und kind, alle die hie gesamlet sind. fastnachtsp. nachlese 216, 13, es ist anrede an die versammelten hörer, rein formelhaft, oder da man nach der angabe des voc. 1482 die eig. bed. von kegel damals noch wissen muszte, in neckischer absicht gebraucht; die universität mit kind und kegel. Luther br. 5, 11; weder kind noch kegel. Bocc. 1, 152b; hab wir doch weder kegel noch kinder. H. Sachs 3, 3, 74a; (frau) die sich weder um kind noch kegel, haushaltung noch küche, kammer und kirche annimpt. Mathesius Syrach 2, 100a; unter ihm haben all sein eigen leut, was kind und kegel waren, im berg und weschen arbeiten müssen. ders. Sarepta 14b; denn solche art an vatter und mutter, kind und kegeln nie gut ward, sang auch Freidank auf sein letzte fart. 203a (1562 287b), das wort stand wol also in einem verlorenen spruche Freidanks; zwei einzlich leut wir sind und haben weder kegel noch kind. J. Ayrer fastn. 94a; weib, kind und kegel drang an port und keins verstund sein eigen wort. Günther 129; ich muszte das kind ernähren. indessen ward mir angerathen zum richter zu gehen und über das alles ein protokoll zu lösen, damit ich nicht zu kind und kegel käme, wozu hier die unschuldigsten am ersten kommen. Hippel lebensl. 4, 202, damit mir nicht ein uneheliches kind als meines aufgehängt würde; ich hatte weder kind noch kegel. J. Paul teuf. pap. 1, xvi; hätte ich mir nicht kind und kegel (familie) aufgehalset, bei gott! ich zöge selber mit (in den freiheitskampf der Franzosen). Titan 4, 96. Adelung gibt aus der umgangssprache: mit kind und kegel davon gehen, mit seiner ganzen familie, er hat weder kind noch kegel, keine nahen erben. Man sieht, es erscheint nirgends auszer der formel; doch Göthe hat es einmal aus ihr herausgenommen in einem halb scherzenden gedicht, das mehrere wortkünste enthält, in der 'rechenschaft' vom jahre 1810 unter den 'geselligen liedern': einem armen kleinen kegel, der sich nicht besonders regt, hat ein ungeheurer flegel heute grob sich aufgelegt. 1, 155, er meint etwa bürschchen, stilles unbedeutendes kerlchen. Die eigentliche bed. des wortes war schon im 17. 18. jh. verloren; wer die formel genau ansah, konnte nur an den spielkegel denken, und es boten sich franz. redensarten mit quille kegel dar, die das stützen konnten: prendre, trousser son sac et ses quilles, seine sieben sachen zusammenpacken, sich fortmachen, u. ä. anders. noch Frisch, der doch den voc. 1482 schon anführt, war unsicher, ebenso Haltaus 1079; erst Adelung setzt bestimmt an: 'kind und kegel, eheliche und uneheliche kinder, oder die ganze familie'. es ist gewiss ein im hause entstandner ausdruck, der seinen rechten sinn im munde des hausvaters hatte zu einer zeit, die eben sehr weit zurückliegt, als kebsweiber neben dem eheweib von herkommen und sitte erlaubt waren, s. kebse. Das 16. jh. jedoch wird die genaue bed. von kegel noch gekannt haben, das zeigt ein wortspiel und scherz Fischarts im Garg. 27a (36 Scheible), wo er den bericht von seines helden herkunft vorbereitet; er meint da, wie gut es wäre wenn von jedem die geburtsregister bis in das schiff Noe zurückgiengen, denn die geschlechter wären im sturm der geschichte gar schlimm durcheinander gewürfelt, gar manche könige und hohe herren stammten von einem thorhüter, eseltreiber und schnapphahn ab; dann erinnert er an die kreuz- und querzüge der völker durcheinander, und fragt endlich: also kugelts im kreisz herumb, wie solt es da nicht kegel geben? offenbar doppelsinnig zugleich vom spielkegel und filius spurius, degener (bei Rabelais nichts entsprechendes, nur ist im cap. 1 von quilles kegeln beiläufig die rede). Als ältere zeugnisse für das wort wird man namen ansehen dürfen, obwol auch kegel 11 darauf ansprüche hat; z. b. ein knecht Kegel im 15. jh. bibl. des lit. vereins 18, 4, ein edler Heinrich Kegel im 14. jh., landkomthur des deutschen ritterordens, in J. Voigts gesch. des ordens 1, 673; Förstemann nam. 1, 307 rät bei dem ahd. namen Chagilberth auf unser kegel, und bei Chago. ein ahd. frauenname Kikila altd. bl. 1, 393. Für den ursprung des ausdrucks möge in ermangelung jedes sicheren anhalts einen unschönen einfall zu äuszern gestattet sein. das wort ist wol als scheltwort entstanden, etwa im munde der ehekinder, oder als kosewort im munde des vaters, in jedem fall mit neckerei, gewiss hergenommen von dem ursprung des kebskindes; denn so ist es wol mit bankhart, vgl. bankriese. wäre nun der eig. sinn ein obscöner? war etwa kegel ein häusliches kraftwort für penis? griech. φαλλός klingt verwandt mit lat. palus, pfahl; ja wie die testiculi als 'kugeln' bezeichnet wurden (s.kaule 3 a. e. sp. 350), hätte man scherzend den penis dabei sogar zum spielkegel machen können, und kegel schieben erscheint als volksausdruck für beschlafen: ach frau, geh du dem kerl nicht nach :|: der hausknecht der flegel, er schiebt vorm thore kegel, er trifft ins schwarze dach :|: neuvermehrtes bergliederbüchlein o. o. u. j. s. 126 (s. Uhland volksl. 977). Mannhardt zeitschr. f. d. myth. 3, 107 nimmt darauf hin den kegel geradezu als bild des phallus an. auch in Frankreich musz oder muszte jene redensart bekannt sein, denn in diesem sinn nennt Rabelais Garg. 1, 4 lustige gesellen die zum jahrmarkt kommen, bons beuveurs, bons compagnons ('gute gesellen'), auch beaux joueurs de quille là, gute kegelspieler, wie es scheint aus dem refrain eines liedes ('quille au singulier dénote assez à quelle quille l'auteur fait allusion' bemerken die herausgeber der Didotschen ausg. 1857); danach könnte wol sogar jener ausdruck ins germ. alterthum zurückreichen. So stünde kegel entweder für kegelsohn (was Grimm rechtsalt. 476 auch ansetzt, freilich ohne beleg), gleichsam 'filius penis', höhnend oder neckend gegenüber dem êkint oder dem kint schlechthin, das allein eigentlich diesen namen verdient; oder kegel, penis wäre an sich ein spottname des unehelichen sohnes, denn nach den beiden ältesten erklärungen scheint es von töchtern nicht gebraucht. es gibt genug solche kraftwörter, mit denen man in derbem scherz mann und weib, knabe und mädchen nach dem abzeichen des geschlechts benennt; so bair. schwanz, zipfel, fotze (s. 4, 45, Schm. 1, 581), tasche, födel, vgl.kachel 3 sp. 11, so vielleicht stift, mein stift im munde des vaters von seinem kleinen sohn; kegel, der kleine kegel wird wirklich von kleinen knaben in Sachsen (Leipzig) so gebraucht; vgl. die häufung solcher namen, die die ammen dem kleinen Gargantua geben, Garg. 131b (Sch. 239), s. besonders kölblein 4. nachzuweisen bliebe freilich, warum diesz kegel allein vom unehlichen sohne gelten sollte. Endlich kommt vielleicht ein rhein. ausdruck in frage, der in der form zu dem alten kekel stimmt: kehkel m. verwöhntes, empfindliches kind. Kehrein 219; diesz innere k schien ja auch bei kegel das ursprüngliche (sp. 388). vgl. schwäb. nestkegele n. das nesthökchen (s.gackenest).
8110 Zeichen · 137 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KEGELstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    KEGEL stm. kegel, keil. ahd. chegil Graff 4,362. Gr. 2,111. piramis Diefenb. gl. 214. 2. unechtes kind. kegel oder kotze…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kegel

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +1 Parallelbeleg

    kegel, m. Kegel; kegel schêten, Kegel werfen, kegeln.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Kêgel

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    2. Der Kêgel , des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches einen länglichen Körper bezeichnet, aber in verschiedenen B…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kegel

    Goethe-Wörterbuch

    Kegel 1 Holzfigur beim Kegelspiel; mehrmals neben ‘Kugel’; auch im Bild u Vergl Einer rollet daher; es stehen ruhig die …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kegel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Kegel , geometrischer Körper, entsteht. wenn man sich eine gerade Linie von einem bestimmten Punkte aus um eine krumme L…

  6. modern
    Dialekt
    Kegelm., f.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Kegel m., f. : 1. 'Figur im Kegelspiel', Keel (kēl) [verbr. NPf Gal], Kiel (kīl) [ KU-Schmittw/O RO-Rehborn Feilbg ], Ke…

  7. Sprichwörter
    Kegel

    Wander (Sprichwörter)

    Kegel 1. Mancher will alle Kegel umwerfen und wirft ganz fehl. Dän. : Mangen meener, maatte han kaste, vilde han ramme a…

  8. Spezial
    Kegelm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Kegel , m кегль , м литеры

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kegel

162 Bildungen · 149 Erstglied · 11 Zweitglied · 2 Ableitungen

kegel‑ als Erstglied (30 von 149)

Kegelabend

SHW

Kegel-abend Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelbahn

SHW

Kegel-bahn Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelbrett

SHW

Kegel-brett Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelbruder

SHW

Kegel-bruder Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelbube

SHW

Kegel-bube Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelgeld

SHW

Kegel-geld Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelkasse

SHW

Kegel-kasse Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelklotz

SHW

Kegel-klotz Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelkloß

SHW

Kegel-kloß Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelklub

SHW

Kegel-klub Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelkugel

SHW

Kegel-kugel Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelpartie

SHW

Kegel-partie Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelspiel

SHW

Kegel-spiel Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelverein

SHW

Kegel-verein Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelwammes

SHW

Kegel-wammes Band 3, Spalte 1227-1228

Kegelabend

PfWB

kegel·abend

Kegel-abend m. : 'Abend, an dem der Kegelklub kegelt', Kechelowend u. ä. [mancherorts]; vgl. Kegelpartie . Heit hämmer K. [ NW-Freinsh ]. Sü…

kegelader

DWB

kegel·ader

kegelader , f. die innere ader am vorderbeine eines pferdes, auch bugader, vordere schrankader. s. kegel 2.

kegelartig

GWB

kegel·artig

kegelartig zu Kegel 2; von der Form des Hausbergs bei Jena 35,175,2 TuJ 1804 Georg Objartel G.O.

kegelaufsetzer

DWB

kegel·aufsetzer

kegelaufsetzer , m. beim kegelschieben, der das wiederaufsetzen der geschobenen kegel besorgt, s. kegeljunge .

kegelbahn

DWB

kegel·bahn

kegelbahn , f. bahn zum kegelschieben, nl. kegelbaan, dän. keglebane, schw. kegelbana: das rollen der kegelbahn. J. Paul. sie hat landsch. s…

kegelberg

DWB

kegel·berg

kegelberg , m. kegelförmiger berg, s. kegel 7: die fläche über welcher sich der kegelberg erhebt .... den immer qualmenden ... kegelberg. Gö…

Kegelbirn

Campe

kegel·birn

Die Kegelbirn , Mz. die — en , eine kegelförmige Birnsorte von herbem Geschmacke.

kegel als Zweitglied (11 von 11)

Afterkègel

Adelung

after·kegel

Der Afterkègel , des -s, plur. ut nom. sing. bey den neuern Meßkünstlern, ein dem Kegel ähnlicher Körper, welcher entstehet, wenn sich eine …

Bandkêgel

Adelung

band·kegel

Der Bandkêgel , des -es, plur. ut nom. sing. S. Adelung Bandhaken 1.

bierkegel

DWB

bier·kegel

bierkegel , m. ein kegel, hölzerner krug, der zum zeichen frisches biers vor den schenken ausgesteckt wird.

prachtkegel

DWB

pracht·kegel

prachtkegel , m. , verdeutschung von obeliscus mathem. lexicon 1, 1033; übertragen: er .. stellte ihm diese prachtkegel der natur ( die isol…

schneckenkegel

DWB

schnecken·kegel

schneckenkegel , m. in den taschenuhren schneckenförmig gewundener kegel mit parallelen einschnitten, um den sich die kette aufwindet. Adelu…

sperrkegel

DWB

sperr·kegel

sperrkegel , m. vorrichtung in gestalt eines kegels zum sperren, hemmen eines maschinenrades, zahnrades, sperrrades ( vgl. dies ), so in den…

sternkegel

DWB

stern·kegel

sternkegel , m. , zwei stumpfe kegel, die den gestirnten himmel auf der äuszeren oder inneren fläche darstellen ( astroscopium, coniglobium …

wasserkegel

DWB

wasser·kegel

wasserkegel , m. aus einer menge sich vereinigender strahlen entstehendes springwasser Gottsched wb. der schönen wiss. 1639 . ein wasserfeue…

wurfkegel

DWB

wurf·kegel

wurfkegel , m. , ein spielgerät: sordissa ein wurff kegel oder kläwbel stain (1429) Diefenbach nov. gl. 343 b , vgl. teil 5, sp. 1019 s. v. …

Ableitungen von kegel (2 von 2)

kegele

BMZ

kegele swv. kegele. Gr. 2,115.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „kegel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kegel/dwb?formid=K03005
MLA
Cotta, Marcel. „kegel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kegel/dwb?formid=K03005. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kegel". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kegel/dwb?formid=K03005.
BibTeX
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