knoten,
knote,
m. nodus. II.
Formen, verwandtschaft. I@aa)
es erscheint hd. gleich zuerst in einer doppelform, ahd. chnodo
und chnoto,
geschr. kinoto Graff 4, 581
fg., vgl. kinodo 2, 1048 (
zu dem eignen anlaut s. sp. 1150
unten).
ebenso mhd. knode
und knote,
und nhd. noch lange (
vgl. 2, 643); knote
zwar im voc. inc. teut., aber nur knod
und knoden (
nom. sg.)
geben Dasyp., Frisius, Maaler, Schönsleder, Denzler (1716), knod, knode
und knoten Stieler 998, knode, knoden Frisch 1, 529
a,
erst bei Rädlein, Ludwig, Steinbach,
also bei den md., nur knote, knoten.
das d,
das gerade oberd. vorwiegt, wie schon ahd., musz echt sein, knode
und knote
stellen eine echte doppelform dar, wie knabe
und knappe (
vgl. sp. 1342).
man darf wol schon den alem. königsnamen des 4.
jh. Chnodomarius
bei Amm. Marc. 16, 12
hierher ziehen. s. auch knoder,
knüder,
knoten. I@bb)
dagegen ist, wie bei nd. knape,
die härtere lautstufe gerade dem nd. eigen, knutte
brem. wb., Richey
u. s. w., knuttn Danneil,
auch mnd., z. b.: (
die geisler) hadden geisle .. van dren strengen und dar an geknuttet harde knutten.
Magdeb. schöppenchron. z. j. 1349.
doch daneben einzeln auch knudde
m. (
und knutte) Schambach 107
a,
selbst ein mnd. knode, knade
ergab sich unter knotast
als wahrscheinlich, wie ein mnd. voc. cnode
nectura gibt Dief.
n. gl. 265
a (
doch vgl. das s. xiv),
vielleicht durch rhein. einflusz. denn es heiszt altkölnisch knode
Fromm. 2, 441
b,
wie noch nrh. (
s. unter 15,
a)
; auch nl. landsch. knod
neben knot (knut),
bei Kilian knodde
tuber, condylus. das d
scheint von oben her das Rheinland entlang zu reichen (
s. mrh. knade
unter 7,
a).
in den übrigen sprachen nd. lautstufe ist aber nur t
zu finden: engl. knot,
ags. cnotta
m., altn. isl. knûtr,
norw. schwed. knut
m. (
dän. knude),
schw. auch knota, knuta
f. I@cc)
aber auch die dritte lautstufe kommt vor in oberd. knotze
knorren (
s. d.),
merkwürdig auch nd. in Waldeck knoz
knirps (
s. 15,
c)
und knutzeln
hautknoten, drüsen Curtze 478
a (gnözel
verknorztes obst Schambach 66
a);
daran schlieszt sich wol auch nl. knutse, knodse
clava nodosa Kil. (
s. knotenstock, knüttel),
jetzt knods
f., fläm. knods
m. auch knorpelfleisch (
s. 2,
b).
wahrscheinlich gehört aber auch der ahd. name 'Chnuz' (Förstem. 1, 309)
hierher; er erscheint auch als Knut,
md. 14.
jh. (
z. b. cod. dipl. Sax. II, 1, 365. 367. 369. 421),
noch heute md. häufig Knaut,
jenes also Knût
und Chnûʒ;
ebenso nord. Knut (Canutus),
das zu knûtr
stimmt. zu Chnûʒ
aber stimmt das mhd. adj. knûʒ (
s.knauser 2,
c),
dafür passt aber als bed. besser als '
keck',
was ein anklingendes ostfries. adj. an die hand gibt: knötel
grob, stolz, widerspenstig Stürenburg 116
b,
eig. wol wie knorrig (
s. d.),
einem knorrigen stamme gleichend, vgl. ahd. Hartchnûʒ
als name Förstemann 1, 309. 607,
wie Hartknot
Garg. 107
b. I@dd)
das û
ist auch sonst dem stamme eigen; wie in knûtr, Chnûʒ,
so wol in alem. adergnuten (
s. 3),
dann in kneuzel
hautknoten, in knäutel, knautel
gleicher bed., und in knauder
knorren, knoten, wieder mit allen drei lautstufen (
die letzte endung wie in oberd. knoder
und knütter
knoten, schwed. knotter
knorren).
ebenso steht neben knopf knaupe,
neben knorre knauer.
die vocale û, u, o
zeigen ablaut, von einem dazu stimmenden starken verbum zeigen sich im schwed. spuren, s. Rydqvist 1, 226, Rietz 340
a,
nur dasz die dortige bed. knüpfen zur erklärung nicht genügt. I@ee)
hd. knote
hat gebrochenen vocal, wie knopf, knochen;
den reinen vocal zeigt nd. knutte (
wie knuppe, knucke),
auch hd. knüttel,
das auszer knotenstock auch knorren, knoten bedeutet, mit nebenform knütter.
der umlaut darin, auch das tt,
deuten auf urspr. ableitendes i (j);
ob auch das tt
von nd. knutte
sich daraus erklärt? es findet sich knütte
knoten, schleife Richey 133, knütt Stürenburg 117
a,
das freilich erst von knütten
knüpfen genommen sein kann. knutte
ist übrigens auch md. (
s. 15,
c),
und zwar als fem., wie md. knuppe, knuche
f. neben knopf, knochen
m.; auch oberd. im bregenzerw. knutte
f. (
s. 10).
desgleichen schwed. knuta, knota
f., norw. knote
f., altn. knûta
f. I@ff)
aber auch a
kommt als vocal vor, wenn in mrh. knade
flachsknoten (
s. 7,
a),
nrh. knaide
nodus der vocal echt ist; sicherer im altn. knöttr
ball, kugeliges ding, gen. knattar,
daher knattleikr
ballspiel (
wegen der bed. s. 9. 10),
wol auch in schwed. knatte
m. kleines, nicht ausgewachsenes ding, thier, knabe, knattig, knattet
zwergartig Rietz 335
a (
s.knote knirps 15,
c).
das ist wieder wie bei knopf, knochen, knorren (
sp. 1470
unten). I@gg)
überhaupt besteht zwischen knoten, knochen, knopf
wahrscheinlich alte verwandtschaft (
s. sp. 1455
b).
auch der verkürzte anlaut zeigt sich hier wahrscheinlich schon in lat. nodus,
das in der bed. fast genau neben knoten, knopf
herläuft, es scheint aus gnodus
gekürzt (
gesch. d. d. spr. 412. 399).
ebenso in norw. nut
m., nute
f. gleich knut, knute
holzknorren u. ä. Aasen 339
a,
vermittelt durch altn. hnûti
m., hnûta
f. neben knûta.
aber auch bei uns wird nudel
f. daher gehören, eigentlich mehlklosz (
s. II, 9),
was schles. knudel,
nrh. knuddel,
fläm. knoedel
und noedel
heiszt, s. sp. 1463
unten. I@hh)
der rechte nom., knote (knode) Dief. 382
a,
voc. inc. teut. n 3
b,
kam noch tief bis ins 18.
jh., knote
bei Schmotther, Kirsch, Ludwig, Frisch 1, 529
c,
s. Herder, Hommel
unter 14,
a a. e., in der bed. 15
gilt er heute noch. auch die alte aussprache knŏte
hat sich oberdeutsch lange gehalten, s. knotticht
für knoticht
bei Wieland,
auch hier 7,
b. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11) knoten
am körper (
natürliche),
wie nodus,
eigentlich die an den gelenken und sonst vorstehenden knochentheile. II@1@aa)
allgemein, z. b. knode an der gurgel,
le noeud de la gorge, la pomme Frisch
franz. wb. 2, 337.
im rückgrate: spondile (
d. i. spondylus), ruckeknote. Dief. 548
b (
schwed. ryggknota),
andere voc. haben ruckenknoche, knorre,
vgl. übrigens 2,
b. II@1@bb)
besonders an den fingern, knöchel (
schon ahd.)
: condylus, fingerknod. Dasypodius.
mhd. der knabe .. hete dem (
so?) closterman die knoden (sô?) zerbliuwen ... daʒ er sîn an der hant mit smerzen wol enphant.
lieders. 1, 612. knoten
an fingern noch bei Rädlein
u. a., es ist noch ziemlich allgemein oberd. für das md. knöchel,
gern im dem. knötlein,
s. d.; daher knöteln 4,
knuffen, wie md. knöcheln. II@1@cc)
daher im pl. selbst für die finger oder die hand überhaupt in derber rede (
s. ebenso knöchel
sp. 1453
d),
schon die mhd. stelle unter b läszt sich so fassen: und fasz in (
den becher) vorhin wol in dknoden und suf in gar usz bisz an boden.
trag. Joh. Q 5; du wüster wust, das dich der ritt (
fieber) in die knoden mit deim greifen schüt (
schüttele), ich weisz wol wo mir hin solst greifen.
Garg. 96
a,
besser inn (
in den) knoden 1575 L 1
b, in die knotten
Sch. 167,
die wirtin weist mit der verwünschung den unziemlichen griff eines gastes zurück; manus comprimere, Terent., die knoden oder die hend zuo im haben (
an sich halten), den meitlinen nit in buosen greifen. Frisius 274
a, Maaler 246
c.
so noch z. b. schweiz. Stald. 2, 115. Fromm. 2, 372
b. Tobler 111
b. II@1@dd)
ferner bes. der knoden am fuosz,
talus Fris. 1287
a, knod
in vielen voc. des 15.
jh. Dief. 572
b,
der knorren am fuszgelenk, enkel, schon mhd., gewiss auch ahd.: dem êrsten gieng eʒ (
das wasser) an den knoden, dem andern gieng eʒ an diu
knie u. s. w. Eckhart 331, 30; dʒ man in der erstochnen bluot wuote bisz über die knoden. Frank
chron. 1531 181
b,
vgl. u. knorre 5; ein langer rock dir auch wol steht, der dir bisz auf die knoden geht. Scheit
grob. B 2
b; der stamme des baumes erwütschet dem mann sein fusz zwischen den knoden und waden. Würtz
wundarzn. 244; alsbald seind gesterkt worden sein fuszsolen und knoden. Reiszner
Jerus. 1, 48
b,
s. dazu knöchel 1; (
talar) so ihme tief hinunter gieng und schwer bisz auf die knoden hieng. Spreng
Aeneis 113
a; dasz er bis über die knoten seiner füsz in die erde sank. Scheibles
flieg. bll. 52,
v. j. 1621; lange lederhosen bis auf die knoden. Philander 2, 345 (340).
für talus noch bei Stieler, Kirsch, Denzler
und oberd. bis jetzt. II@1@ee)
auch von thieren: knoten
an den pferden, die köte, der absatz zwischen huf und gelenke, talus. Frisch 1, 529
c; die viertelader, so .. oberhalb des huofs oder fuosz am knoden. Seuter 58. II@1@ff)
daher auch von würfeln (
s.knöcheln 1),
so bei Junius
nom. 213
a knoden
zum spiel, '
tali, ἀστράγαλοι': die werber .. kürzweileten mit knoden oder koten. Schaidenraiszer
Odyssea Frkf. 1570 4
b (1537 2
a),
am rande spiel mit den knoden oder kotten ist vor der zerstörung Troie im brauch gewesen. II@22)
diese bedeutung hat sich aber weiterentwickelt. II@2@aa)
vom gelenke selbst (
das ja vom knöchel dargestellt wird),
wie knöchel 2
auch, es mag schon dem mhd. schreiber Frauenl. 236, 15 (
s. unter knochen I, 1)
bei knoten
vorgeschwebt haben ('
gelenke'
statt '
glieder'): also findest du ein hülzen gezeüg (
schiene zum einrichten) zuo den kneuen und knoden der füsz oder arm. Gersdorf
wundarzn. 53; ist aber der knod unden am fuosz aus, so muost du im das gebänd vast von dem knoden hinfür rucken gegen der versen, das die knoden nit gehindert werden.
das.; so eim ein achsel, huft, knod oder ander glid verruckt ist. 44; er stach in seine knoden zart (
fuszgelenke beim knorren) und zoch ein ochsenriemen hart an beiden füszen durch die wunden. Spreng
Ilias 514
a (
Il. 22, 397).
am deutlichsten und merkw.: suffrago, kniekeel, der knod under dem knie. Alberus X 2
b, 'knode'
eben blosz als gelenk, ohne dasz ein wirklicher '
knoten' (1)
dabei ist. II@2@bb)
eigen sogar '
pulpa, knod'
gemma gemm. Dief. 472
b,
es musz derbes, knotiges fleisch sein, das auch fläm. knods, knots
m. heiszt Schuermans 265
a,
s. unter knorpel 2,
a. dagegen schweiz. bei Stalder 2, 115
auch 'knodig
knochig',
vgl. nord. knûta
f. knochen sp. 1455
d. zwischen beiden aber die mitte haltend der begriff knorpel in knotheit (
s. d.),
vgl. unter 1,
a; so wird das fläm. knods
ausdrücklich auch als krorpel angegeben. II@33)
krankhaft, wie gichtknoten,
auch nodus,
engl. knot,
nl. knodde Kilian:
condylus, knoden um die gleich der beinen (
knochengelenke), als an füszen, armen, fingeren. Frisius 287
b. Maaler 246
c. Denzler 2, 173
b; knote am fleisch,
adenes. Kirsch 2, 195
b; knoden an den gelenken bekommen, wie im podagra geschieht. Frisch
franz. wb. (1719) 1, 1147; er hat einen knoten im nacken, das gesicht voller knoten.
vergl.knötchen 2, knoderisch,
auch knöchel 3, knopf 1, knolle, knorre
und knüttel 3.
ähnlich 'adergnuten,
wenn die blutaderen an etlichen orten aufgeblasen voll werdend wie krampfaderen' Frisius 1318
a als erkl. von tori venarum (
bei Maaler adergunten,
wol druckf.),
vergl. gnüder
n. allerlei schlechte stücke fleisch Stalder 1, 462 ? II@44)
an und von holz. II@4@aa)
knorren an bäumen, ästen, zweigen, stöcken, besonders astknoten, schon ahd., auch lat. nodus,
engl. knot,
dän. knude: auf einen harten knoten (
malo arboris nodo) gehört ein harter keil. Steinbach 1, 888,
der knüttel
hat seinen namen davon. s. auch knotenstock, knotze. II@4@bb)
auch ein knotiges stück, scheit u. ä., z. b. sächs., thür., einen knoten nachlegen (
im ofen); Steinbachs
sprichwort kann so gemeint sein. II@55) '
glied'
an pflanzen, stengeln, absatz, deutlich in vergleichung der fingerglieder, wie in lat. articulus, geniculum (
s. knie
a. e.)
; auch lat. nodus,
engl. knot. II@5@aa)
an halmen, rohren, schon mhd.: die rusche (
binse) ist .. âne knoten ... alsô was unser vrowe (
Maria) .. âne knoden der sünden. Leysers
pred. 46, 36,
zu dem bilde s. u. knopf 2,
a; gee in das mos und such ob ein pawer ein knoden an ein binzen gemacht hab. Sig. Meisterlin
Nürnb. chron. 3, 33,
im ärger wider seine tadler, mit verwendung des sprichworts sp. 1472 (
b)
und herbeiziehung der bed. 11; knod am halm, an einem ror,
articulus. Maaler 246
c, halmknod Dief. 260
a; der halm ist lang, mit knoden und gleichen (
gliedern) unterscheiden. Tabernaemontanus 517; (
der) halm, woran die knoten sitzen. Brockes 1, 110 (1728). II@5@bb)
zwischen dieser und der folg. bed. in der mitte schwebend: aus der wurzel wachst ein stengel mit viel knoden, aus welchen andere schmale stengel herfür wachsen. Tabernaemontanus 1237; der blumen stiel (
an der erdbeere), der auch unschuldger dörner voll, zerteilt durch knoten sich in manchen kleinen ast. Brockes 1, 97 (1728); (
was) in rankenden, kriechenden gewächsen die ausdehnung von knoten zu knoten bewirkt. Göthe 55, 100; gleich darauf ein folgender trieb, sich erhebend, erneuet, knoten auf knoten gethürmt, immer das erste gebild. 1, 327 (
metam. der pfl.). II@66)
keim, trieb, ansatz. II@6@aa)
am baume, zweige, stengel u. a.: die kleinen knoten mit fünf spitzen, worin die zarten blumen sitzen (
an der birnblüte). Brockes 1, 8; läszt sich nun aber ein blatt nicht ohne knoten und ein knoten nicht ohne auge denken. Göthe 58, 26
u. o. nach Adelung
heiszen oberd. die knospen, augen schlechthin knoten,
ahd. 'chnodo,
nodus, i. e. oculus arboris',
in vocc. des 15.
jahrh. knot, knotte,
ex quo proveniunt flores Dief. 329
b unten. ebenso engl. knot,
vgl. knopf 5
so. II@6@bb) knote
am weinstock, suffrago Kirsch 2, 195
b, Steinbach 1, 888,
abschnitt am boden aus dem die reben wachsen. Frisch 1, 529
c,
die zur fortpflanzung abgeschnittenen reben, weil sie aus den knoten unten am stamme heraus wachsen, auch die zurückgebliebenen enden, sonst stürzel, schenkel Adelung;
vgl. verknoten, knotholz, knöbel 2,
c. II@6@cc)
fruchtknoten: nouer, knoden gewinnen,
als wann die blüte abgefallen und die frucht sich sehen läszt. Frisch
franz. wb. 1, 1147.
vom feigenbaume, dessen früchte gleich aus dem stamme wachsen: der feigenbawm hat knoten gewonnen, die weinstöcke haben augen gewonnen.
hohel. Sal. 2, 13; sieh, die feigenbäume zeigen knoten an den zweigen. Schubart (1825) 1, 186. II@77)
auch die samenkapseln des flachses heiszen knoten;
doch zeigen sich gerade da nebenformen. II@7@aa) knoten, leinknoten Frisch, Steinbach,
und so bei Luther: die gersten hatte geschosset und der flachs knoten gewonnen. 2
Mos. 9, 31 (
in der nd. übers. dat flass knutten gekregen).
auch in den vocc. des 15.
jh. knote, knot Dief.
s. v. 'adula,
caput lini',
daneben wieder knode, knod,
noch bei Stieler leinknoden
pl.; bei Dief. 14
c auch knodde,
und merkwürdig mrh. knade
im Ettviller voc. ex quo (
s. I,
f). II@7@bb)
jetzt aber herscht eine fem. nebenform, mit doppeltem t,
schles. die knotte
f. Weinhold 45
a,
ebenso wetterauisch, westerw., schon im 15.
jh. knotte Dief. 14
b,
wol fem., wie auch folg.: der flachs ward reif und bracht viel knotten, da theten sich die vögel rotten
u. s. w. Waldis
Es. 1, 16, 35; so fliegend hin mit groszen rotten und fressen von dem flachs die knotten. 56.
auch in Thüringen und Sachsen, nach Melander
jocoser. 3, 34
sangen die frauen in Thüringen beim flachssäen neun mal folg.: ich seh jetzunder meinen lein ... und wünsch dasz er mir nicht eh blüh bisz dasz er mir reicht an die knih, krieg auch nicht eh ein einge knott bisz er mir geht bisz an die fott
u. s. w. auch ins fränkische übergreifend (
es ist sonst nur md.) knotte
f. Frommann 2, 404.
ebenso, doch mit ungebrochnem vocal, nd. knutte (
f.?),
pl. knutten
brem. wb. 2, 833, Curtze
Waldeck 478
a, Danneil 111
b (knuttenkaff
spreu beim dreschen der knutten)
; als masc. jedoch, und vom übrigen worte nicht unterschieden wie nd. überhaupt, götting. knutte
und knudde Schamb. 107
a.
auch nl. knot
f., pl. knotten.
schon mnd. knotte
und knutte,
s. hor. belg. 7, 28
b, Dief.
n. gl. 10
a und vorhin unter a. II@7@cc)
man sieht, das wort hat gerade in dieser bed. etwas eigenes an sich; wie schles. knotte
f. von knoten
m. unterschieden wird, so unterscheidet der Teuthonista knote
adula von knaide
nodus, und das ganze wort gehört in diesem sinn mehr nur der mitteld. und nd. sprache an (
oberd. s. knopf 4,
knauf 2, knochen 2, knolle 8, bolle),
ein umstand der für die geschichte des deutschen flachsbaues bedeutung haben wird. aber dasselbe wort ist es darum nicht weniger, denn die fem. nebenform ist dem worte überhaupt eigen (
s. I,
e zuletzt). II@7@dd)
dazu gehört übrigens ein zeitwort, z. b. schles., knotten,
die flachsknoten abreiszen, abschlagen, nd. knutten (
br. wb.),
auch nl. knotten, '
flachs knoten'
M. Kramer,
fläm. knotteln, knotselen. II@88) knoten,
holzbirnen, wie knödel 4 (Frisch 1, 529
c), J. Rothe im
leben der heil. Elis. c. 22
erzählt von einer hungersnot in Thüringen, die leute hätten gegessen u. a. knoten, holzöpfel und schleen, wu si die funden steen. Mencke
script. sax. 2, 2068.
ähnlich mrh. knotten
f. pl., kleine kirschen Kehrein 236.
es scheint verächtlich gemeint, eigentlich knirps? s. 15,
c. II@99)
klosz, besonders mehlklosz: baurenknoten, mehl- oder teigknoten,
klösze oder nocken. Ludwig
teutsch-engl. wb. Lpz. 1716
sp. 1045, baurenknötel 227;
so bes. bairisch, meist im dem. knödel (
s. d.),
wie in der Zips mit md. verkleinerung knötchen Schröer 71
b. das fleisch das ist kaum halb gesotten, wie kieselsteine seind hart die knotten. Neiners
tandelmarkt. es ist eine einzelne anwendung der allgemeinen bed. knollen, die Schmeller 2, 371
ausdrücklich auch für knoden
angibt, s. ebenso knopf 7, klump 3, knolle 5
in der bed. klosz. II@1010)
knolle überhaupt, klump, schott. knot.
so bregenzerw. als fem. eine knutt,
schwerfällige masse, bes. von dicken frauen (
s. 15). II@10@aa) Ulenspiegel .. huostet einen groszen knoden und warf den in die schüssel in das weisz muos.
Eul. h. 76
s. 111
Lapp., in der überschr. ein klumpen us der nasen. II@10@bb) knoten
im hanf, werch: nun ists wol wahr, dasz herzog George merkliche knoten und klumpen bei mir am rocken hat. Luther
br. 4, 277,
s.klumpe 1,
d, auch knolle 6,
a, und nachher unter 14,
b. ähnlich knoten
in schlechtem tuch, zeug, papier, in einem schlecht gezwirnten faden, in verfitztem garn u. dgl., immer noch nach der grundbed. hartes rundes stück. II@1111)
künstlicher knoten.
so in der baukunst bei Luther,
im tempelbau Salomons: inwendig war das ganze haus eitel cedern, mit gedreten (
gedrechselten) knoten und blumwerg.
1 kön. 6, 18,
vulg. habens tornaturas et juncturas suas fabrefactas et caelaturas eminentes; und umb dasselb (
eherne) meer, das zehen ellen weit war, giengen knoten an seinem rande, rings umbs meer her, der knoten aber waren zwo riegen gegossen. 7, 24 (
auch 2 chron. 4, 3),
vulg. sculptura
und sculpturarum striatarum.
gewiss hatte Luther
eine bauzierat seiner zeit im sinne die man knoten
nannte, wie engl. eine solche knot
heiszt (
s. Halliwell);
vgl.knauf,
knopf,
knorre 10. II@1212)
besonders knoten
in einem faden, einer schnur, band, seil, tuch u. s. w., der durch schlingen, knüpfen
entsteht und urspr. ebenso knopf (10,
s. d.)
und knauf
hiesz, lat. nodus,
nd. knutte,
engl. knot,
dän. knude,
schwed. knut,
altn. knûtr. II@12@aa)
im genauen sinne wird er von der schlinge
unterschieden, die man aufziehen
kann, und die erst wenn sie sich verwirrt zum harten knoten
wird, den man aufbeiszen, zerschneiden
musz. wenn jemand eine schleife oder schlinge ungeschickt aufmachen will, dasz sie sich verknöpelt, verknüppelt,
sagt man 'nun hast du einen knoten gemacht',
und wenn dasselbe bei einem knoten
geschieht, 'nun hast du erst einen rechten knoten gemacht, nun ist es erst ein knoten geworden'.
denn auch eine schlinge wird knoten
genannt in weiterem sinne (
s. f),
wie engl. knot,
lat. nodus;
andere knoten
halten die mitte zwischen schlinge
und genauem knoten,
ganz wie knopf.
vgl.kreuzknoten,
weberknoten. II@12@bb)
ein solcher knoten,
nur für den kundigen lösbar, ist wol folgendes: râtliute, schrîber, bîhtigære wiʒʒen vil mêre niuwer mære, dan ander liute, und fürstenboten. dâ von ist nôt, daʒ die drî (
genannten) knoten stricken für des mundes tür, daʒ die heimlîche (
geheimnis) nieman spür.
Renner 244
a,
ebenso vor deiner zung sei ein knot, sis discretus.
de fide meretr. 106 (
bei Zarncke
univ. 1, 85
b),
man vermachte also eine thüre mit '
gestrickten'
knoten, und auch sonst müssen solche knoten
als eine art siegel, besiegelung gedient haben, vergl. verstricken,
z. b. einen vertrag,
fest machen, Rothe
thür. chron. c. 785;
das stricken
deutet auf künstliches verschlingen. so erklärt sich wol auch die redensart einen knopf für etwas legen, machen
unter knopf 12,
b; doch s. auch hier d. II@12@cc)
nhd. heiszt es einen knoten schlagen, schürzen ( Adelung), an
oder in
etwas knüpfen,
gewöhnlich aber kurz machen (Stieler 998, Frisch 1, 529
a),
wie den knoten lösen, aufknüpfen,
im leben aber kurz aufmachen. knoten
in einem faden: nadel, darinn ein zwirnsfaden mit etlichen knoden gezogen. Kirchhof
wendunm. 223
b.
im schnupftuch: mach dir einen knoten ins schnupftuch, dasz du es nicht vergissest (vergiszt); sie schlug ins schnupftuch knoten (
als denkzeichen). Overbeck
ged. 153.
das zerrissene hemde mit knoten
in der kürze ganz machen, um das flicken zu ersparen: das nächste gewand am leibe vor faulheit und armut mit knoden zusammenknüpfen. Riemer
pol. stockf. vorr.; das ist ein jämmerlicher staat (
putz), wenn knothen in dem hemde (
sind). Picander 2, 232;
so schon bei Wolfram
von der verstoszenen Jeschute, um ihr elend zu malen: sine fuorte niht wan knoden
an. Parz. 257, 14,
var. knöpfe, hadern; niht wan knoden und der rige (
heftel) was an der frouwen hemde ganz. 260, 6. II@12@dd)
künstliche knoten, auf die man sich vor alters besonders gut verstehn muszte, dienten als zaubermittel, um etwas zu hindern, z. b. fruchtbarkeit oder glück in einer ehe: einen liebesknoten oder zweifelsknoten machen,
einem die nestel knüpfen u. s. w. Ludwig 1044.
es wurden aber auch knoten
dagegen gemacht: die hexen sollen mir nun keinen knoten knüpfen. denn dieser knoten hier (
an der schürze) hilft wider allen hütterauch. Weise
überfl. gedanken (1701) 168,
in einem gedichte '
auf einen witwer, der sich mit der andern frau in der badeschürze trauen liesz'. II@12@ee)
beweglicher, laufender knoten, technisch: er fuhr voraus (
in die erzgrube) und schurrte auf den runden balken hinunter, indem er sich mit der einen hand an einem seil anhielt, das in einem knoten an einer seitenstange fortglitschte. Novalis
Ofterdingen cap. 5.
bei Ludwig
teutsch-engl. wb. 1044
heiszt das ein laufknote,
a running knot. II@12@ff) knoten
im haar, verschlingung, schlinge (
vgl. 14,
d) ich löste so eben von meinem lockichten haar die knoten auf. Wieland
Amadis 1771 1, 189; ihr blondes haar war in einen knoten geschürzt. Musäus
volksm.; wie kräuselten ihr blondes haar die winde wol in tausend weiche knoten! Haug (
Wien 1807) 2, 151. II@12@gg) knoten
in der logleine, die den schiffern als wegmesser dienen, engl. knot, das schiff lief mit einer schnelligkeit von zehn knoten auf die stunde.
s. ebenso knopf
sp. 1476 (
e a. e.). II@1313)
aber auch für den knoten samt dem bande, ja für dieses an sich, s. dazu 14,
d und knopf 11.
ebenso engl. knot,
lat. nodus.
schon im vorigen spielt öfter diese bed. herein, wie mhd. in den knoten vor der thür, und selbst in ahd. 'chnodûn
lora'
zeigt sich das schon: des kerkæres leider knote (
bande).
pass. K. 330, 11; die beseme ind (
und) die knoden (
stricke daran). Fromm. 2, 441
b,
altniederrh.; plecta, ein knode, knod.
voc. ex quo Dief. 441
c,
in andern voc. flechte, strick;
vgl. dazu 17.
für band mit knoten: ich bitt euch! ihr seid noch der knoten von diesem bündel haselruthen (
den reichstruppen). Göthe 42, 124,
das band das sie zusammenhält. vgl. das verbum knoten 2. II@1414)
vielfach bildlich, hauptsächlich nach beiden vorigen bed., wie knopf 12 (
s. d.),
lat. nodus,
engl. knot,
vgl. auch knäuel. II@14@aa)
geistig, knoten
der zu lösen,
zu entwirren
ist, zu entknoten,
wie es auch hiesz. II@14@a@aα)
eine schwer zu lösende frage, z. b. rätselfrage, philosophische schwierigkeit hat lange so geheiszen, von der mhd. zeit an bis ins 18.
jh., während es uns jetzt altfränkisch derb klingt: Klinsor, ich lœse dir die knoten (
rätsel).
MS. 2, 6
b; den knoten er mir slihte, den ich hie verwerren wil, verstrict in clâre sîden.
Kolmar. meist. 18, 62
s. 268 den knoten ich enstricken wil mit mînes sinnes hechel. 18, 82; wiltu dirre künste (
des kreuzzeichens) knoten zurlœsen wol und iren haft.
pass. K. 158, 8; der gebundene knote (
verfängliche frage), der ir dô was vürgeleit, den lôste si mit semftekeit (
leichtigkeit). 114, 24,
die frage ist ein knote
den die gegner zu diesem zwecke erst gebunden
haben; eʒ ist ein beworren knote, als ich die lêre vinde, daʒ er (
gott) an (
in) sîme kinde geborn wolde (
conj.?) werden vleischlich ûf der erden. 80, 56; wenn ich nu mit inen stritte .. so hetten sie gewonnen spiel warumb? darumb, das sie dadurch ursache hetten nicht zu antworten auf den rechten knoten der sie drücket und gleichwol ein buch umbs ander schrieben. Luther 3, 455
a,
das antworten
zeigt dasz der knoten
als frage gedacht ist; wenn kein teufel wäre, wo kämen denn die hin die ihn auslachen? darauf antworte mir einmal! dén knoten beisz mir auf! Lessing 1, 415; die nüchternste von allen mystischen und allegorischen auflösungen unauflöslicher knoten dünkt mich unendlich besser, als ihre alexandrinischen, meine herren, mit dem schwerte. 10, 111; unsere methode ist ein schwert gegen alle knoten der spitzfindigkeiten und unterscheidungen. Kant 8, 111,
anspielung auf den sprichwörtlich viel gebrauchten unauflöslichen gordischen knoten
in Gordium, nodus Gordius,
den Alexander zerhieb; bald zupfest du an Platons groszem knoten, der durchgehauen oft, doch nie entknötet ward, ob unsrer seele noch ein sternenleben harrt. Kl. Schmidt
poet. br. 53; ein dritter harter knoten in ihm (
Spinoza) bleibt mir noch übrig. Herder
gott (1787) 80; das war also das goldstück, das sie mir in dem knoten versprachen, den uns Spinoza mit seiner 'innern nothwendigkeit der natur gottes' geknüpft hat. aber, Theophron, der knote ist noch nicht gelöset.
das. 94,
der rechte alte nom., den Herder
oft noch braucht, wie im folg. K.
F. Hommel: dieses ist nun eben der knote und die schwierigkeit, welche andere philosophen zwar gesehen, aber aufzulösen nicht vermocht.
kleine plappereien Lpz. 1773
s. 235.
uns jetzt kommt aber das ganze bild mehr altfränkisch derb vor, höchstens der gordische knoten
steht noch in gunst, er hat ja gelehrten schein oder nebel um sich. II@14@a@bβ)
daher ziemlich gleich bedenken, zweifel, anstosz den man nimmt, scrupel: aus diesem allen folget nicht das herzog George sei zu schüldigen des bündnis halben oder das solchs bündnis etwas sei .... wiewol solchs auch bei mir selbs noch nicht die rechten knoten sind, die mich des bundnis heimlich zu gleuben bewegen. Luther 4, 538
b (569
a),
der gen. des
ist durch bewegen
bewirkt; dasz ich ... keine beförderung ohne sonderbare knoten und gewissensskrupel erhalten würde.
Felsenb. 2, 60. einen knoten suchen wo keiner ist,
nodum in scirpo quaerere. Steinbach 1, 888,
eig. von der bed. 5,
a, s. dort. II@14@a@gγ)
auch gleich irrthum: etliche Epicureer, die alle grobe knoten falscher lere menschen zu gefallen und gotte zu verdriesz können verschlucken. Joh. Wigandus
ob die newen Wittenberger u. s. w. 4
b. II@14@a@dδ)
zu allen diesen verwendungen, zugleich zum folg. gehört die redensart da sitzt der knoten!
im 16.
jh. da liegt der knoten: wenn sie nu (
die läugner der gegenwart Christi im brot und wein) hetten wollen oder können antworten, solten sie uns haben bestendiglich (
fest) beweiset, wie gott keine weise wüszte noch vermöcht, das Christus im himel und zugleich sein leib im abendmal were. da ligt der knote, da springen sie die guten gesellen (
kommen in verlegenheit). Luther 3, 454
b; daran (
darin) aber ligt der recht knot, das ... 4, 487
b; denn hie ligt der knote, welches teil (
partei) des herrn namen recht meine. 5, 56
b;
Fabrice. sie würden nachher einen theil für den mann thun, sie würden die liebe auf ihn übertragen.
Marianne. da sitzt der knoten! ja wenn sich liebe herüber und hinüber zahlen liesze wie geld ... Göthe 7, 130; hilf, himmel! sitzt der knoten da? Lichtwer
fab. 2, 24; hast du denn aber geld, zu bezahlen? 'da steckt der knoten. keine dreihundert mark'. Engel 12, 184. II@14@bb)
auch seelisch, II@14@b@aα)
verwirrung, verknotung in den empfindungen, im sinn, in den '
gedanken' (
wie in der sprache vielfach die empfindungen nach älterer weise noch heiszen): hat mich doch mein schwager getrost, mit weiser red mir aufgelost den knoden in dem herzen mein, mir kecken mut gepflanzt hinein. Fuchs
mückenkr. 1, 469,
sorgen, angst; o löse dich, du strenger sorgenknoten! Immermann
ged. (1822) 160. knoten
von leidenschaften, wirren gedanken: die angeborne heftigkeit und hast ... ergriff mich oft und trieb mich ab vom ziel. da führte mich zu einem alten edeln und klugen manne mein geschick. er hörte mich liebreich an, und die verworrnen knoten des wild verknüpften sinnes löst er leicht und bald mit wolerfahrner treuer hand. Göthe 10, 301,
vgl. dazu knopf 12,
d; sein geist trübte sich, seine gedanken verworren sich und wurden zu einem wirren knoten.
vgl. a, β. II@14@b@bβ) Luther
bezeichnet ähnlich sünden als knoten,
die uns unbewuszt im herzen liegen: denn das ist gewislich war, das kein mensch nimmermehr seine rechten heubtsünde sihet, als da ist unglaube, verachtung gottes, das er nicht gott fürchtet, trawet und liebet wie es wol sein solte, und dergleichen sünde (
pl.) des herzen, da die rechten knoten innen sind. 5, 60
b; denn wenn sie (
die papist. lehrer) ir bestes thun, so strafen sie die groben euszerlichen stück, so schon zuvor durch weltlich recht und der vernunft liecht gestraft sind, aber die rechten knotten und heubtstücke, als unglauben, falsche heiligkeit, werden sie nimmer gewar. 5, 369
a; denn du wirst nimmermehr an einem andern so viel sünd finden als an dir, denn wenn du viel an einem andern sihest, so sihestu ein jar oder zwei, an dir aber dein ganzes leben, sonderlich die groben knoten die ander leut (
an dir) nicht wissen. 5, 431
b,
er hatte dabei vielleicht die knoten am rocken
unter 10,
b im sinne. II@14@cc)
von verhältnissen im leben, die verwirrt sind: wenn schon aus der ungleichen austheilung der güter dieses lebens, bei der auf tugend und laster so wenig rücksicht genommen zu sein scheinet, eben nicht der strengste beweis für ... ein anders leben, in welchem jener knoten sich auflöse, zu führen, so ist doch wol gewiss dasz der menschliche verstand ohne jenem knoten noch lange nicht auf bessere und strengere beweise gekommen wäre. Lessing 10, 315 (
erz. d. mensch. § 28),
zugleich zu a; (
im schauspiel) wo die vorsehung ihre räthsel auflöst, ihren knoten vor seinen augen entwickelt. Schiller 703
a; schaudernd, wie der knoten von all den wundern sich zuletzt entwickeln soll. Wieland
Oberon 5, 63;
Franciska. und nun, gnädiges fräulein, lassen sie es mit dem armen major gut sein.
das fräulein. o über die vorbitterin! als ob der knoten sich nicht von selbst bald lösen müszte Lessing 1, 590 (
Minna v. B. 5, 9); die knoten vieler worte löst das schwert gar leicht und schnell (
zweikampf). Göthe 9, 196; das alles wird durch briefe nicht gethan, die gegenwart löst diesen knoten bald. 9, 210; wie soll ich nun des wunderbaren knotens räthselschlinge, die euch umstrickt, zu lösen übernehmen? 9, 362; und kann der knoten gelöst werden, heiliger gott im himmel! zerreisz ihn nicht. 10, 181; der kalte sinn löst den knoten nicht. 10, 187;
dämon des kriegs. und will sich wo ein schneller knoten schürzen, um desto schneller hau ich ihn entzwei. 13, 273; der faden seines schicksals hatte sich so sonderbar verworren. er wünschte die seltsamen knoten aufgelöst oder zerschnitten zu sehen. 19, 68. II@14@dd)
daher von der künstlerischen verwickelung
der verhältnisse im schauspiel und roman, franz. noeud,
wo man denn noch vom schürzen des knotens
spricht, vom knoten der sich schürzt
und darauf sich entwickelt,
seine entwickelung
und auflösung
findet, so dasz noch mehr das bild des knäuels
unterliegt: der erste act enthält die exposition ... der knoten ist also durch den act angelegt. Gellert (1784) 8, 67; in dem zweiten, dritten und vierten akt musz sich der knoten immer mehr und mehr schürzen. Ramler
einl. in die schönen wiss. 2, 236,
nach Batteux; die handlung musz deutlich, der knoten verständlich und jede gesinnung plan und natürlich sein. Lessing 7, 109,
nach Voltaire; einen knoten, den man in zehn scenen so mühsam geschürzt hat, in einer einzigen nicht zu lösen, sondern mit eins zu zerhauen! 7, 328; was kann ähnlicher sein als es beide arten von haupt- und staatsactionen (
in der politik und in Shakespears tragödien) einander in der anlage, in der abtheilung und verbindung der scenen, im knoten und in der entwicklung zu sein pflegen? Wieland
Agathon (1773) 3, 211; wie glücklich sehen wir nicht ... durch einen frischen degenhieb den knoten auf einmal zwar nicht aufgelöst aber doch aufgeschnitten. 212; die fortsetzung der geschichte Cids, die eben hier den knoten gewinnet. Herder
Adrastea 5, 239; wie einfach und wirklich dramatisch die anlage des ganzen sei. wenige hinderungen und misverständnisse schürzen die unschuldigen knoten, die sich denn auch ganz bürgerlich und natürlich zuletzt wieder auflösen. Göthe 45, 180.
Eigenthümlich umgekehrt in den geschwistern, nicht von auflösung, sondern von bildung oder umbildung eines vorher unklaren verhältnisses: den mann wird sie (
Marianne) mehr als den bruder lieben! ich werde in deine rechte treten, du in meine und wir werden alle vergnügt (
d. i. befriedigt) sein. ich habe noch keinen knoten gesehen, der sich so menschlich schön knüpfte. 7, 137,
da ist kein wirrer, sondern ein kunstgerechter knoten gemeint, keine verwickelung, sondern eine verknüpfung (
s. dazu f).
Ähnlich und doch auch anders schon bei Chaucer the knotte why that every tale is told
Cant. t. 10716. 22,
der hauptpunkt, in dem die fäden zusammenlaufen und von dem aus sie sich lösen müssen. II@14@ee)
schwierigkeit die sich in den weg stellt, anstosz, hindernis, '
dessen hebung schwer und ungewiss ist' Adelung,
vergl.knopf 12,
b und hier unter 12,
b. II@14@e@aα) da sitzt der knoten!
da ist der anstosz, da können wir nicht weiter; da steckt der knote,
da liegt der hund begraben. Ludwig,
s. dazu a, δ; auf einen schweren knoten gerathen,
in nodum difficilem incidere. Steinbach 1, 888; das war der knoten!
haec erat remora. das.; kein brot haben ist in einer stadt ein groszer knoten.
das.; das ding hat einen knoten. Adelung; da ist noch ein harter knoten zu überwinden; es ist überstanden und der knoten, der uns den weg (
nach dem St. Gotthard) verstrickte, entzwei geschnitten. Göthe 16, 284; nur muth! noch ist es nicht misglückt, geduld und pfiff zum letzten knoten! 41, 280.
vgl.knötchen zu knoten machen
unter knötchen 4,
englisch to make no knobs of a thing,
keine schwierigkeit machen. bei Bürger
von härten, schwierigkeiten, widerspänstigkeiten, die die deutsche sprache dem dichter entgegenstelle: ein gutes deutsches sonnett kann demjenigen, der nur einigermaszen ohr hat, seiner sprache mächtig ist und ihren knoten, deren sie freilich leider genug hat, auszuweichen versteht, nicht viel schwerer sein.
vorr. zu den ged. Gött. 1789
s. 23,
etwa nach den knoten am rocken unter 10,
b. II@14@e@bβ)
ähnlich der 'knoten'
der sich dem wachsthum eines kindes entgegenstellt: der knoten geht auf
oder ist gerissen
heiszt es, wenn das wachsthum sich plötzlich einstellt; ebenso gedacht ist schwed. st i knut,
zu wachsen aufhören. auch vom lernen der kinder wird jenes gesagt. s. unter knopf sp. 1476 (
e). II@14@e@gγ)
noch anders gewendet bei H. Sachs: ich sprach, wie (
warum) hat dein tasch kein boden? er sprach, das hat ein solchen knoden .... 3, 29
Göz, ganz wie (
hindernder) '
grund',
es folgt darauf die erklärung. II@14@ff)
verknüpfung, band, bund, fessel u. dgl., vgl. knopf 12,
c, und hier 13: iren leitlîchen knoten, den ir daʒ jâmer stricte.
pass. H. 93, 10,
bande des leids; ob nun Ludwig der grosze .. sich einbildet, er werde noch zuletzt ein beherrscher der ganzen welt werden, weilen er unlängst den allianzknoten an dem savoyischen, nemlich an dem schwächsten theile, nicht mit gewalt wie Alexander der grosze, sondern mit hinterlist aufgelöset, solches stehet dahin ... indem es noch ein groszes fehlet, dasz der diamantfeste knoten, der die hohen alliirten zusammen verbindet, von dem könige von Frankreich solte getrennet sein.
Pasquini staatsphantasien (1697) 216; dann, herr, so ende meinen lauf und löse sanft den knoten auf, der in dem reich der deinen soll neu geknüpft erscheinen. Canitz (1734) 188; lieb' ist [es] die jeden knoten schürzet. Rückert 328; wir schlingen unsre händ in einen knoten. 133.
ähnlich Göthe: möge der letzte knoten (
Knebels verheiratung), den du in dein schicksal knüpftest, dir alles wünschbare gute herbei führen.
an Knebel 164. II@14@gg)
nach der bed. schlinge, verschlingung: komm in deiner ungeheuern furchtbarkeit, schlange! spring an mir auf, wurm! krame vor mir deine gräszlichen knoten aus, bäume deine wirbel zum himmel! Schiller 211
b (
cabale und liebe 5, 7). II@14@hh)
wissenschaftlich. in der anatomie, nervenknoten,
nach 4
oder 3, gefäszknoten
u. a., verschlingung. in der geometrie der punkt in dem sich zwei krumme linien schneiden; in der astronomie die beiden punkte wo die bahnen der planeten, kometen und des mondes die ekliptik durchschneiden, mit unterscheidung von aufsteigendem
und absteigendem knoten,
nodus ascendens, descendens: vor solcher anhöhe vollends stand er im drachenschwanz, im aufsteigenden knoten. J. Paul
flegelj. (1804) 1, 134. II@14@ii)
nach einem knoten,
der mehrere fäden u. dgl. verbindet: dasz man da (
bei hofe) ... am knoten der gröszten verbindungen stehe. J. Paul
uns. loge 2, 42,
an dem punkte wo die verbindungsfäden zusammenlaufen. so auch straszenknoten, eisenbahnknoten, bergknoten.
vgl. knotenpunkt. II@14@kk)
endlich gleich knäuel,
wirre menge: wenn nun gar ein zurückkehrendes pferd auf einen solchen knoten (
von menschen und wagen) trifft, so vermehrt sich die gefahr. Göthe 29, 266. II@1515)
von menschen. II@15@aa)
besonders sittlich, roher, plumper kerl, s. ebenso knopf 13,
b: drum laszt nur ungekrellt (
gleich krellt nicht) mit euren maulwurfspfoten, ihr groben bauersknoten!
rockenphilosophie (1707) 2, 190, 3.
hundert cap. 81,
wie sonst grober knopf
oder klotz, bauernklotz
sp. 1250
unten, s. auch bauernknocken 1462; aber schaut mir doch den Peter! wie ein wahrer schafskopf steht er (
statt zu küssen) ... hat es doch dem dummen knoten seine mutter nicht verboten. Boie
in Vossens musenalm. 1796,
wol auch gleich '
bauernknoten'; auf einen harten knoten gehört ein harter keil. Steinbach,
deutlich nach 4,
b, knorriges holzstück. auch nl. knoet,
tölpel, schlingel, schurke. entlehnt böhm. knot
grobian. II@15@bb)
daher denn der bekannte student. gebrauch: 'knoten
werden von den studenten die handwerkspursche genannt'. Kindleben
studentenlex. (1781) 123,
so z. b. in einem Leipz. spottgedicht von 1777: das Lindenauische treffen bei Leipzig, ein heldengedicht.
es ist nur aus älterem allgemeinem gebrauch entnommen, aus Pommern z. b. gibt Dähnert 244
a (1781) knoden
als '
schimpfnamen auf schlechte handwerksbursche'.
bei Malsz
die jungfern köchinnen s. 22
wird ein metzgerknecht von einem kammerdiener knote, gemäner limmel
genannt, vgl. nrh. knàd (à = o) Fromm 5, 278
b. 281.
ähnlich heiszen im nordosten, z. b. in Stettin, Königsberg die handlungsdiener spöttisch knoten,
im sg. knote (
wie auch im student. sinne gern),
und daher wol selbst schwed. knódd
m. '
handelsbetjent' Rietz 338
a. II@15@cc)
aber auch körperlich, nd. knutte
m. kleiner feister und dabei schwacher mensch, nur (?)
von weibern. Schambach 107
a,
thür. eine kleine knutte,
ein knirps, mrh. ein knotg
m. Kehrein 236,
vgl. knotenfürzelein,
und schon mhd. so knodebôʒe
wb. 1, 230
b (
s. dazu bosz
oben 2, 267
fg.).
das ist wieder wie bei knopf 13,
a und mit dem grundbegriff knorz wie dort. es musz auch sehr alt sein, denn auch in schwed. mundarten gilt knot, knótt (knätt)
n. kleines ding überhaupt, von kleinen kindern liebkosend Rietz 339
a (
vergl.knötten
adj. 340
b);
letzteres auch fläm. knoets
f., am Mittelrhein knottelchen
kleines mädchen, wie schwed. knuta
f. Rietz 340
a;
zu der fläm. form stimmend waldeck. knoz
m. kleiner mensch. vgl. auch knüttel 5. II@1616)
merkwürdig tirol. knoten, knotten, knott
m. fels, felswand, s. Fromm. 3, 332. 6, 299, Schöpf 331;
dazu im Fichtelgebirge knödel
granitblöcke Schm. 2, 373,
in den sette comuni knotto
m. stein, kiesel, altarknotto
altarstein, feurknott
feuerstein, knötel
pflasterstein. Schmellers
cimbr. wb. 137
b,
selbst in Thüringen knotten
pl., grober kies, im weimar. tageblatte wurden z. b. im herbst 1865
zum verkauf ausgeboten: 5—6 ruthen knotten zu chausseebau passend.
Trotz der abweichenden form wird es zu knote
gehören (
nur im bewusztsein längst davon getrennt),
denn ebenso stellt sich zu knopf
nd. knoppe
f., ein stück stein, in Waldeck Curtze 478
a,
zu knorren
knoten knor
stein sp. 1488 (
c),
es bestätigt am besten die angenommene grundbedeutung, zuerst wird ein kiesel knote
genannt worden sein. etwas anders gewendet nordengl. knot
felsgipfel, felsenhöhe Halliwell 498
b. II@1717)
endlich bergmännisch der dacht im grubenlichte, schon in vocab. des 15.
jh. knote, knoden
dacht schlechthin Dief.
gl. 328
b,
in einem 344
c '
malleolus, fewrknote, lunte';
daher wol böhm. knot,
poln. knuta,
lit. knátas,
dacht und lunte. die lunte ward in ringe gewunden, wie der dacht, es ist wol also anwendung der bedeutung 13,
vgl. 12,
f.