gröbe,
f. ,
adjectivabstractum zu grob;
vereinzelt schon im ahd. (
s. u. 2),
aber erst seit dem nhd. häufiger; weniger entwickelt als grobheit,
mit dem es in einem gewissen ergänzungsverhältnis steht: die concreten gebrauchsweisen des adj. bevorzugen gröbe;
mit recht sagt Heynatz: 'die gröbe
für die grobheit,
wenn von der beschaffenheit eines stoffs die rede ist'
antibarb. 2, 76;
heute schriftsprachlich fast erloschen, aber dialectisch namentlich im obd. durchaus lebendig. 11)
zunächst '
rauheit' (
vgl.grob A);
duritia scherpfe, reuche, gröbe Frisius
dict. (1556) 455
a; von der räuhe, härte und gröbe der obern zwey röcklein (
die das kind im mutterleib umgeben) Ruoff
hebammenb. (1580) 12;
abstracter: ursach (
der streitbarkeit der Schwaben) acht ich sei die gröbe disz lands Seb. Franck
Germ. chron. (1538)
vorr. a a 6
b; die gröbe des gebirgs Paracelsus
op. (1616) 1, 1113 C; '
härte, derbheit': ettlich kranckheiten enden sich in 4 oder 5 tagen .. nach rühe und gröby der leuten Seb. Münster
cosm. (1550) 470;
adverbiale formel '
auf harte, kräftige art': daz die artzney nach der gröbe mit dir handle Guarinonius
greuel d. verw. (1610) 965;
geistig: die rauche und grobe oder unhandsame desz gemüts
asperitas animi Frisius
dict. (1556) 125
b; dem wüten und gröbe des pöfels erlaubt Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 330
b;
vgl. noch aus modernen maa.: so schlg i drei~ nach dă gröbn! Hartmann
volksschausp. in Bayern 204; gröbne an sich dannen haben
grob sein, '
aber wohl nur als eigenschaft, nicht als akt' Fischer
schwäb. 3, 847;
verborum asperitas die reuche und gröbe zereden Frisius 125
b; dasz sie narren seind, das ist in der subtilitet geredt, sonst nach der gröbe spricht mann buben Paracelsus
op. 1, 237 B;
obscoenitas unkünschheit, .. wuost, gröbe Frisius 895
a; gröbe der sitten
incivilitas Stieler 706;
atechnia gröbe, unwüssenheit, unverstand Frisius 132
a;
doch bevorzugen diese nur lexicalisch nachzuweisenden bedeutungen auch im älteren nhd. schon grobheit. 22)
auf töne angewendet, zunächst ebenfalls '
rauheit': das heyszere und gröbe der stimm
als krankheitssymptom Gersdorff
wundarznei (1517) 73
c;
frühzeitig aber, gemäsz grob A 2,
von tiefer tonlage: lychanos ypaton .., der drivalta geroubi habet gagen demo churzisten nete, wanda er drivalta lengi habet Notker 1, 852, 17;
vgl. ebd. 8; doch so ist es (
das falkengeschrei) ettwas an dem anfang hoch, aber es nydert sich ettwas in die gröbin bis an das ende mer Mynsinger
v. d. falken 5
lit. ver.; zur gröbe weisz ich nicht, wer besser in dem pasz alsz du rohrdommel dienst, du taugest nur zum basz
schles. quelle bei Drechsler
Wencel Scherffer 123. 33)
als quantitätsbegriff '
dicke, stärke' (
vgl.grob B): bey vile und gröbe der knöpfen (
der hörner) wirt ir (
der geissen) alter abgemässen Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 57
b; ein mahler, der wegen grös und gröbin des leibs für riesengeschlecht geachtet ward Fischer
schwäb. 3, 847 (
quelle v. 1666); die seitten seyen ungleicher dücke oder gröbe A. Cario
neue hall- u. thonkunst (1684) 104; dèr pâm hàt a~ gröbún Lexer
kärnt. 124;
concret '
die dicken bestandtheile': gröbe
sind die bei dem stampfen .. des hauwerkes abgesonderten gröszeren, mit erz durchzogenen körner Scheuchenstuel 108; absieben und nachheriges mahlen der gröbe (
bei der guanoverarbeitung) Muspratt
chemie4 2, 1067;
von der consistenz von körpern (
vgl.grob D): nach gröbi ihres liquors Paracelsus
op. 1, 127 C; welche (
körper) von wegen ihrer gröbe zwar leicht gestehen und ihre flüssigkeit verliehren können J. Chr. Sturm
kurzer begriff d. physic (1713) 388; dasz gröbe und feinheit ausdrücke sind, die auf das licht gar nicht passen J. J. Engel 10, 84. 44)
als qualitätsbezeichnung neben gewissen, meist künstlich erzeugten stoffen (
vgl.grob C): gröbe der leinwad, des holtzes, des garns
grossezza del legname etc. Kramer
teutsch-ital. 1, 567
b; (
unterschiede der leinwand) an schmele, gröbi oder dünne halb Staub-Tobler 2, 691 (
quelle von 1542); zumal da sich grobe und feine leinwand darzu schicket und jener ihre gröbe, wann sie einmahl bedruckt, so starck nicht zu erkennen ist Marperger
beschr. d. hanfs (1710) 58; gröbe der leinwand, des zeuges, des glases, des papiers Campe; dieses tuch hat zuviel gröben, ein kleid daraus zu machen v. Klein 1, 164;
dieser gebrauch ist jüngerer sprache am geläufigsten, er ist am ehesten auch heute noch möglich; so gewöhnlich in den obd. maa.; vgl. Schmeller 1, 984; Unger-Khull 308; Lexer
kärnt. 124; Fischer 3, 847; Staub-Tobler 2, 690.