FECHTEN vb. (1)
ahd. fehtan
, mhd. vehten
. as. fehtan
, mnd. vechten
; mnl. nnl. vechten;
afrs. fiuchta
, ae. feohtan,
me. fighten,
ne. fight
sind mit lat. pectere
‘kämmen, scheren’ zu einer idg. wz. *pek̑‐
‘wolle rupfen, raufen’ zu stellen; vgl. dazu et. wb. 2330a P. (2)
neben den regelmäßigen formen des prät. vaht, vâhten
wird vereinzelt seit dem 15. jh. focht, fochten
verwendet, das sich im 17. jh. durchsetzt; selten im plur. prät. auch vuhten
sowie schw. konjugation. (3)
der etymologisch-wortgeschichtliche zusammenhang der bedeutung DWB23
mit den anderen bedeutungen wird unterschiedlich bewertet, vgl. et. wb. 2330a P. sowie Kluge/S.
et. wb. 23254a. 1
kämpfen. a
einen streit, kampf, besonders mit hieb- oder stoßwaffen, austragen; gegenwartssprachlich oft gehoben oder im sportlichen wettkampf. hauptgebrauch: ⟨790/802⟩ danaan andraz chunni
(von mönchen) ist einchoranero daz ist vvaldlihhero dero die .. vvidar achusti des fleiskes. edo kidancha cote helfantemv kenuht samont fehtan
benediktinerregel 196,17 S. ⟨881/2⟩ thar uaht thegeno gelih, nichein soso Hluduig:/ snel indi kuoni, thaz uuas imo gekunni
ludwigslied 86,50 S. ⟨v1022⟩ neuaht ih
(die philosophie) ofto ioh pe dîen altên fore Platonis zîten starchen uuîg uuider dero goucho nande? Notker
1,1,20 ATB. ⟨1187/9⟩ das wapen hete ime ggeben/ der gute smit Volkan/ und ein swert so getan,/ das nicht sulches en was./ domit vacht Eneas Heinrich v. Veldeke
Eneide 12405 DTM. ⟨M13.jh.⟩ dô hôrte er in dem walde einen freislîchen sturm,/ dâ vaht ein lewe wilde mit dem grimmen wurm
Wolfdietrich B 667,2 J. u1348/58 alle rittere, knechte und kouflûte sullen vechten mit dem swerte .. alle gebûre sullen vechten mit kolben
zwickauer rechtsb. 244 U. ⟨A?15.jh.⟩ so sollen wir manlich sein und kecklichen vechten wider die veind Cristi und seins glaubens
herzog Ernst F 263 B. 1505 es ware auch kein wunder, ob ettlichen das hertz vnnd gemüdt erkaldet vnd erschrocken were, in solichem handell, do zweyerley willen geyn eynander waren vnnd fechteten Schöfferlin/W.
Livius 223a. 1558 auff welcher seiten aber gott sich finden lest, vnd selber mit streit, do ist gut mit gantzer haut fechten vnd kempffen Musculus
kriegsleuth G1b. 1633 schaw auch den thieren zu, wie allesampt sich paaren/ wie alle sind bedeckt mit schuppen, federn, haaren:/ diß hat ein starckes horn, diß einen scharffen zahn/ diß klawen; jedes was mit dem es fechten kan Opitz
trost ged. 41. 1678 ach wen solt’ es dan befremden, daß sie stets im fechten seind?/ hund und kaze streiten immer, eines ist dem andern feind Grob
epigr. 132 LV. 1715 gestern wurde alhier ein bauer aus dem magdeburgischen mit dem schwerd vom leben zum tode gebracht, welcher einen andern, mit welchem er im schertz mit einem meßer gefochten, unversehens dergestalt getroffen, daß er des andern tages darauf gestorben
d. neueste v. gestern 2,54 B. 1766 der dreißig iährige deutsche krieg ward nach dem gemeinschaftlichen bekenntnisse aller ihn fechtenden partheyen, lediglich zu erhaltung der deutschen freyheit, geführet Bülau
nationalgeist 44. 1816 am meisten kränkte Luthern dieses, daß man statt mit der bibel, nur mit scholastischen träumen gegen ihn focht Marheineke
ref. 1,70. 1861 im fechten gibt sich der mensch ein künstliche waffe Schaller
spiel 179. 1928 dem spielsport fehlt, was allen andern sport kennzeichnet: die unmittelbare beziehung aufs praktische leben. man kann boxen und fechten, laufen und springen, rudern und werfen vielfältig brauchen Fischer
körperschönheit 71. 1979 vor allem bei bestsellern wird mit immer höheren einsätzen um die lizenzen gefochten
zeit 24,29. b
sich mit etwas abmühen, etwas (mit aller kraft) anstreben. überwiegend mhd. bezeugt, im 16. jh. auslaufender gebrauch: ⟨v1022⟩
quicumque precipiti mente petit solam gloriam et summam credit .. ter nâh tero gûollichi strîtigo fehte unde si imo dunche dingo heuigôsta Notker
1,1,128 ATB. ⟨1198/1201⟩ ja enist ez niht wan gotes hulde und êre,/ dar nâch diu welt sô sêre vihtet Walther
1120,26 K. ⟨u1350⟩
(die fliege zur ameise:) ‘gang hin, du armiu krêatûr!/ dîn leben wirt dir gar ze fûr./ du vichtes vruound spâte,/ wie dich got berâte/ der swachen spîse, der du lebest,/ dur die du zallen zîten strebest ..’ Boner
edelstein 61 P. ⟨1.h15.jh.⟩ ein schuoler über felde gieng./ ellent herbürg er enpfieng,/ als noch mängem me beschicht,/ der nach der lere vicht
schweiz. kleinepiksamml. 4,4 ATB. 1510 alle mennschen seind schuldig zu fechten nach tugenden, sy seyen in cloͤstern, oder heraussen Geiler
heßlin Aa5b. 1583
(ich habe mir die leiden der augenkranken) also lassen zu hertzen gehen, das ich alle meine gedancken, tichten vnd fichten, ja allen muͤglichen fleis, muͤhe vnd arbeit dahin gewand vnd gerichtet, damit solche elende gebrechliche leute dieser cur vnd kunst rechten grund vnd bericht .. haben vnd gebrauchen koͤnten Bartisch
augendienst B5a. c
gegen etwas (mit rechtsmitteln) vorgehen, etwas bestreiten, bekämpfen. trans.; selten, überwiegend im 16. jh. bezeugt, danach auslaufend: 1525 das fechte ich, das
d. Carlstad solchs alles nicht alleyne on allen grund der schrifft und text an diesem ort setzt, sondern will auch durch solchen hohen geystlichen scheyn den rechten schrifftlichen verstand mit gewalt dempffen Luther
w. 18,179 W. 1555 was die fhure belangt, konnen die gesandten sich wol entsinnen das sie ewer churf. g. mit der fhure zu dienen schuldig, fechten auch das nicht was von alters hergebracht
kurmärk. ständeakten 2,74 F. ⟨1646⟩ viel churfürstl. gräffl. herrliche und andere häuser .. der evangelischen ertz=bischoffe und prälaten belehnung mit den regalien gebührenden titul und admission ad sessionem &votum in reichsdeputation, visitation und revision-tägen, auch andern conventen hinfürter nicht fechten
t. reichs-arch. 4,547a L. 1677 bey ietzigen leufften, und nach der welt fleischlichen sitten gewohnheit, wird einer mit guten gewissen .. weitleuftiges recht nicht führen können: da es aber gefochten seyn sol; so komme man zum rechte mit langsamen tritten Butschky
Pathmos 134. 1731 es ist besser, daß man bey einer ungewissen entscheidung, die den natürlichen rechten und der gesunden vernunfft nach auf mancherley weise gefochten werden könte, einige vorschrifft hat, als gar keine Rohr
bürgerl. recht 85. 2
sich aufgeregt, fahrig, unkontrolliert bewegen. im anschluß an DWB21;
vgl. 1DWB fochteln
vb., fuchteln
vb. seit dem 16. jh. auslaufender gebrauch: ⟨1180/90⟩ der tobende in daz münster vaht
obd. Servatius 3090 W. ⟨n1230⟩ grif her, da min herze lit,/ wie ez vihtet unde vert
Ainune 2284 M.‐B. hs.u1300 ‘indem mer sint vil grose berge, unde gant in daz gebirge groze loͮcher, so daz wazer andem grunde vihtet in die locher, so hebet sich die welle an dem grunde
Lucidarius 19 DTM. ⟨1460⟩ wen die grusssen wetagen in das heupth komen, vnnd in das gehirn vast vber sich ficht, vnnd stost vnd vast dobt, szo helt das die leis, das nicht bricht Pfolspeundt
bündth-ertznei 51 H./M. 1522 in der nacht da fechtet des ritters hauszfraw in dem schlaff vnd weint .. vnd het ein wild leben Pauli
schimpf 186 LV. ⟨1588⟩ auff dieses, vnd dein gantz person,/ verlas ich mich, o gottes son,/ vnd wil dich vbergeben nicht,/ dieweil mein hertz im leibe ficht Ringwaldt
warnung [1589]N5a. 1612 ist auch meines lengsten gedencken eins, daß Henric Billig mir ein hültzen menlin, daß so man zug, fechten kont, von Straßburg gekrompt hatt
F. Platter
129 B. 1699 ein boots=knecht .. fechtende miteinem stock an beyden enden, und bißweilen juchzende, führte den zug
Le Comte, Sina 1,14. 1808 denn freylich mag ich gern die menge sehen,/ wenn sich der strom nach unsrer bude drängt,/ .. bey hellem tage, schon vor vieren,/ mit stößen sich bis an die kasse ficht Goethe
Faust 2,7 ak. –
in der verbindung mit den händen, armen (in der luft) fechten
lebhaft gestikulieren: 1566 wenig stund darvor und er sterben sollen, hat er heftig mit den henden gefochten und gesprochen: ‘weg! weg!’
zimmer. chr. 23,539 B. ⟨v1605⟩ Pelimperia geht mit der Philomena herumb, reden gemächlich zusammen vnd fechten mitden händen Ayrer
d. ä.
2,894 LV. 1671 bißweilen müsse man sich ein wenig biegen, bißweilen vor sich, dann wieder zurücke gehen, .. bißweilen mit den händen fechten, die arm unterstützen, bißweilen die hände sonst bewegen, ..
schau-platz d. dantzenden 161. ⟨1727⟩ ein zorniger .. fängt wohl an mit einiger hefftigkeit und geschwindigkeit harte worte auszustossen, ..mit den händen zu fechten, um sich zu werffen Walch
philos. (1730)389. ⟨v1779⟩ wie man beim wein von sturm und schlachten spricht,/ mit mienen dräut und armen ficht Hensler
ged. (1782)150. 1828 er strampelt in seiner rolle mit großen schritten umher, wirft sich unvernünftig in die brust, schreit übergewaltig, ficht mit den händen Herloszsohn
farben 80. 1881 ‘deine kinder! bleib mir mit deinen kindern vom leibe!’ schrie Friedrich auf und focht mit verzweiflungsvoller hast in der luft umher Ebner‐E.
n. erz. 126. 1933 die Juden im tempel .. fochten mit den armen und wiegten sich Roda Roda
krokodiltränen 1,187. 3
betteln, oft in der verbindung fechten gehen: 1663 würde, für betteln, das wort .. fechten, umb reuterzehrung ansprechen,
etc. nicht aufgebracht seyn; es würden so viel liederliche gesellen, als sonderlich lose handwercks=bursche, nicht faullentzen oder ostiatim gehen Praetorius
mägde-tröster 99. 1735 dieß sag ich nicht, als wollt ich hier/ vor deiner thüre bettelnd fechten Stoppe
Parnaß 292. 1789 die fechtenden handwerksburschen, wie sie durch einen sonderbaren euphemismus ihr erniedrigendes betteln nennen, sind in der that sehr unabhängige leute!
Rousseau, Emil 2,157 C. 1846 überall leuchten wohlstand und ueberfluß, und nirgends begegnet man auf dem lande schmuziger armuth, fechtenden gesellen oder grinsender bettelhaftigkeit Höfken
zustände 1,86. 1894 kurz vor Herrnhut bekam ich plötzlich eine große ehrfurcht vor diesem orte, sodaß ich meine reisegefährten bat, daß hier niemand fechten oder betteln gehen möchte
nachrichten brüder-gemeine 76,239. 1910 sehr verwundert waren wir, beim fechten reichlich geld zu erhalten, und zwar kupferstücke in der größe unserer heutigen zweimarkstücke Bebel
leben 1,34. 1983 oder fechten gehen bei wehrhaften bauern unter aufgabe von persönlichkeit und selbstachtung Lehmann
hochzeitsbilder 84. Katzmann